Meyer’s Reisebüchef UNTER-ITALIEN UND SICILIEN I. Bibliographisches Institut * ■tC Kot*- 32 3 :- / Schenkung des Vulkaninstituts Immanuel Friedländer 8996 UNTER-ITALIEN um SICILIEN. ERSTER BAND. MEYERS REISEBÜCHER. Nord-Deutschland, Führer, mit 29 Karten, 28 Planen, 2 Panoramen, 90 Ansichten. Zweite Auflage. Gebunden. . . . Mark 9. Süd-Deutschland (inkl. Tirol, Salzburg u. Salzkammergut), Führer, mit 27 Karten, 13 Plänen, 5 Panoramen, 56 Ansichten. Zweite Auflage. Gebunden.- 7,50. Rheinlande, Führer, mit 20 Karten und 16 Plänen, 8 Panoramen, 46 Ansichten. Dritte Auflage. Gebunden.- 8. Wien, Führer durch die Kaiserstadt und auf den besuchtesten Routen durch Oesterreich-Ungarn. Mit 10. Karten, 23 Plänen, 26 Ansichten. Gebunden .- 5,50. Thüringen, Führer von Schwerdt und Ziegler. Mit 11 Karten, 3 Plänen^ 4 Panoramen und 19 Illustrationen. Zweite Auflage. Gebunden'.- 6. Schweiz, Führer, mit 18 Karten, 7 Plänen, 29 Panoramen, 22 Ansichten. Achte Auflage. Gebunden.- 9. London (England, Schottland und Irland), Führer von E. G. Ravenstein. Mit 11 Karten, 45 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama und 36 Ansichten. Dritte Auflage. Gebunden..- 7,50. Siid-Frankreich und seine Kurorte (inkl. Pyrenäenbäder), Führer von Gsell- Fels. Mit 17 Karten, 21 Plänen, 5 Panoramen, 25 Ansichten. Revidirte Ausgabe. Gebunden.- 9. Ober-Italien, Führer vo nGsell-Fels. Mit 10 Karten, 38 Plänen und Grundrissen, 84 Ansichten und 1 Panorama. 2 Bände. Zweite Auflage. Gebunden.- 12. Rom und Mittel-Italien, Führer von Gsell-Fels. Mit 5 Karten, 55 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama, 79 Ansichten. 2 Bände. Zweite Auflage. Gebunden.- 18. Ullter-Italien, Führer von Gsell -Fels. 2 Bände: I. Unter - Italien. Mit 8 Karten, 26 Plänen und Grundrissen und 57 Ansichten. Zweite Auflage. II. Sicilien. Mit 6 Karten, 22 Plänen und Grundrissen und 32 Ansichten. Beide Bände gebunden. -12. Italien in 50 Tagen, Wegweiser in 1 Band von Gsell-Fels. Mit 6 Karten, 18 Plänen und Grundrissen. Gebunden.- 9. Thüringen, Wegweiser vo n Anding und lladefcld. Mit 1 Ueber- sichts - und 6 Routenkarten. Sechste Auflage. Kartonnirt . . - 2. Harz, Wegweiser, mit 1 Panorama, 1 Uebersichts- und 15 Routenkarten. Fünfte Auflage. Kartonnirt. - 2. Riesengebirge, Wegweiser von Letaner. Mit 5 Karten und 1 Panorama. Dritte Auflage. Kartonnirt.- 2. Schweiz, Wegweiser, mit 2 Uebersichts-, 2 Special- und 5 Routenkarten. Dritte Auflage. Kartonnirt . .- 2. MEYERS REISEBÜCHER. ÜNTEK-ITALIEN UND SICILIEN VON De. TH. GSELL-FEL 3/RKW ZWEITE AUFLAGE. ERSTER BAND: UNTER-ITALIEN. MIT 8 KAUTEN, 26 PLÄNEN UND GRUNDRISSEN, 11 ANSICHTEN IN STAHLSTICH UND 46 IN HOLZSCHNITT. LEIPZIG BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT 1877 . Alle Rechte vom Verleger vorbehalteil. \ * ^r VorworK zal* ^Bra tren Auflage. VV ährend den alten Römern der Golf von Neapel, welchen Cicero einen üppigen Krater nennt und Ovid als den Sitz des Vergnügens preist, ein Hauptziel der Erholung und Zerstreuung war, so bietet er jetzt der veränderten Gemiiths- welt der Gegenwart die stimmungsvollsten landschaftlichen Reize. Wie schon in antiker Zeit der grosse Strom der Reisenden nach Kampanien wanderte, so noch jetzt; aber die herrliche Küste soll gegenwärtig dem Touristen nicht nur den vergnüglichen Genuss oder den Glanz der feinen Welt darbieten, sondern eine neue Offenbarung der Naturschönheit. In glücklichster Selbstvergessenheit belauscht der moderne Mensch an diesem überschwenglich schönen Gestade das Echo seines eigenen beseligten Innern; die entschleierte Natur und Geschichte verleihen dem Angescliauten die Sprache. Eine alte Sage berichtet, dass an diesem Golf die Sirene Parthenope, eine verlockende Muse der See, der schönst - gelegenen Stadt Ursprung und Namen gegeben habe, und Cicero hat diesem dämonischen Wesen des Meers die sinnige Auslegung gegeben, dass die Menschen hier durch Betrachtung ernsterer Dinge zur Begierde nach tieferer Erkenntnis getrieben würden. In altrömischer Zeit weilten hier die Beherrscher der Erde, die Vornehmen und Reichen, um in Freiheit »griechisch« zu leben und, wie Strabon sagt, von ihren seit ihrer Jugend gehabten Anstrengungen auszurulien oder weil sie sich nach einer behaglichen Müsse sehnten; jetzt bei unserem innerlich bewegtem Gemuth hat die wahre Lust am dolce farniente die tiefere Bedeutung der Reinigung des Werktagslebens durch die Phantasie. Virgil schuf zu eben der Zeit, da ihn Parthenope zu süssem Nichtsthun gefangen, seine anmuthreichsten Gedichte; Kaiser Claudius sammt den Seinen kleidete sich in griechische Gewänder; Nero trat, wie Sueton erzählt, zum erstenmal in Neapel als Dichter und Musiker auf und führte selbst, als ein plötzlicher Erdstoss das Theater erschütterte, in ungestörtem Eifer seinen Gesang zu Ende. So weckte selbst in der verkommensten Seele dies reizende Land die Begeisterung. Und wie ganz anders und läuternder in der jetzigen Zeit! Wer aus der melancholischen Schönheit der römischen Campagna dem Zaubergarten des neapolitanischen Golfs zueilt und hier jedes Landschaftsgemälde wie eine entzückende Naturdichtung in dem poetisch erregten Gemüth nachempfindet, dem wird für alle Zeit die Naturschönheit als der Genius der äussern Welt offenbar. Wer hat nicht schon in zarter Jugend den Lieblingstraum gehegt, in diesem Hesperien zu wandeln? Und wenn der Traum zur Lebenswirklichkeit geworden VI Torwort zur ersten Auflage. und die ganze Fülle dieser Gemälde vor dem Auge sich entrollte, wer kann erzählen, was er da geschaut, gefühlt und im tiefsten Innern durchlebt hat? Sagt ja selbst Goethe: »Wenn ich hier Worte schreiben soll, so stehen mir immer Bilder vor Augen: des fruchtbaren Landes, des freien Meeres, der duftigen Inseln, des rauchenden Berges; und mir fehlen die Organe, das alles darzustellen!« — Man überschaue von S. Martino oder von Camaldoli herab, welche wundersame Einigung von milder Schönheit, von Grösse und Erhabenheit die Natur hier vollzogen hat, wie dicht an die anmuthigsten und liinreissendsten Veduten die drohende Furchtbarkeit des Vulkans und neben dem Vergessen in der seligsten Gegenwart die erschütternde Erinnerung an die entsetzliche Katastrophe der untergegangenen Städte sich anschliesst. Eine sinnreiche Legende erzählt, Christus sei auf seinen Wanderungen vor Antritt des Lehramts einst zur Höhe der Somma gestiegen, und als er die entzückende Landschaft im Glanz der Sonne vor sich hingebreitet sah, habe ihn die Erinnerung tief geschmerzt, dass dieses Liehtgedlde als ein von Lucifer bei seinem Sturz weggerissenes Stück vom Paradies zur Erde niedergefallen sei. Er weinte, und aus den Thranen wuchs die Bebe der Lacrimne Christi, das echte Symbol des neapolitanischen Landes. Wer den vollen Glanz dieses Paradiesstücks geniessen will, der lasse sich in der Barke aufs Meer hinaus fahren und richte den Blick auf die reizenden Gruppen der Doppelbühne Neapels und rundum auf die fröhlichen Villen, die aus dem Grün der Beben, aus dem Halbschatten der Olivenhaine, aus der dunkeln Blattfülle der Agrumen hervorglänzen, ein Anblick so freudenreicher Gegenwart, dass den Lucifer-Gedanken, welche die drei Kastelle hervorrufen könnten, keine Stätte gegönnt ist. Freilich die Menschen erinnern an das Menschliche Süditaliens; sie erlagen dem schweren Geschick, dass hier in drei Jahrhunderten vier verschiedene Häuser regierten. Wenn die Strada di Borna entlang alles drängt und treibt, zu beiden Seiten die bunte Masse auf- und abwärts strömt und in der Mitte eine dreifache Beihe von Fuhrwerken dicht aufgeschlossen sich folgt, da scheint die Stadt ganz in das Grossleben einer Weltstadt aufgegangen zu sein, und nur der ohrzerreissende Lärm charakterisirt specifisch den italienischen Südländer. Der Neapolitaner, sagt Alfieri, ist dei; grösste Meister im Schreien. Geht man in der Strada del Castello zu den Garküchen hin, wo in grossen Kesseln die Maecaroni brodeln, dann begegnet man wieder einem Stück echten naiven Volkslebens. Wer an Landfesten die kräftigen Männergestalten in ihren goldbesetzten Sammetjacken und mit Blumen und Bändern geschmückten Hüten sieht, wer das Mädchen oder die Frau das Tam- bourin und die Kastagnetten zum Tanz schlagen hört, den vermag freilich die Bomantik der Scene über die Mängel hinblicken zu lassen, die liier noch der Entwickelung eines wirklichen Volkslebens entgegenstehen. Der dritte Stand, der fast keine Erziehung genoss, liefert jetzt noch die verschiedenartigsten körperlichen und moralischen Typen je nach der Skala seiner Beschäftigung und Umgebung; der Bediente und der Bauer, der Verkäufer und der Handwerker, der Kutscher und der Lazzarone sind vollständig verschiedene Charakterbilder und haben Vorwort zur ersten Auflage. VII sozusagen jeder seine eigene Moral. Fleiss und grosse Geschicklichkeit gehen oft Hand in Hand mit Verlotterung und Liebe zum dolce farniente; die merkwürdigsten Widersprüche von ungezwungener Zutraulichkeit, Freundschaft, Liebe, Aufopferung, heiterer Kindlichkeit und von Tücke, Buffonerie, Jähzorn, Widerwillen gegen alles Bestehende, unersättliche Neuerungssucht findet man zuweilen aufs engste verschwistert. Am tüchtigsten ist der Landmann, aber kaum von seinen alten Gebräuchen loszuschälen. Immerhin drängt die neue Entwickelung auch Neapel, sich immer thatiger als ein lebendiges Glied in der »grossen Familie der Handelsund Industrienationen« zu gestalten. Die der Müsse geweihte Stadt, wo Himmel, Land und Sitte zum Genuss und zur Gemächlichkeit einladen, ist doch eine der geschäftigsten und fleissigsten. Auch die Wissenschaften gedeihen hier vortrefflich. Wendet man sich dem phlegräischen Westgestade des Golfs zu, so ist man plötzlich in die tiefste Einsamkeit versetzt, in eine Gegend überreich an Wundern der Natur und an düsteren Mythen der Religion, jetzt aber, wie der Mythus selbst, verlassen und zur Stätte der Forscher geworden. Himmel und Hölle, schrieb Herder, Elysium und Tartarus sind hier erfunden. Von der Virgilischen Unterwelt blieb aber nur — die Malaria. — Im auffälligsten Gegensatz hierzu ziehen sich ostwärts wie ein Myrtenkranz blühende-Städte voll Frische und Leben in festlichem Schmuck an dem feuerspeienden Berg hin, der ein Bild des Widerspruchs , der Zerstörung und der allseitigen Fruchtbarkeit ist. Hart neben dem heitern Treiben des Tags sieht man das Labyrinth der nackten Mauern Pom- peji’s, die zum Museum gewordene, aus der Gruft erstandene Stadt. Wie wird auch hier dem einigermassen Kundigen die Vergangenheit wieder laut! Welch eigenthümlicher Reiz, die intimsten Aeusserungen jener klassischen Welt jetzt noch belauschen zu können, in den Strassen, auf den Trottoirs, über die Schrittsteine zu wandeln, wo die alte Römerwelt hinschritt, in die kleinen, noch in den lebhaftesten Farben leuchtenden Zimmer der hübschen, in malerischer Perspektive abgetheilten Häuser einzudringen, welche gegen die Strasse nur die Werkstätten und Läden kehrten, während die Familienwohnung nach innen um den heitern Hof sich gruppirtc. Welche Lust, an den reinlichen, glatt getünchten Wänden die köstlichen zierlichen Wanddekorationen in ihrer unerschöpflichen Fülle, Göttergestalten, schwebende Figuren, Früchte, Vasen, Thiere, Landschaften, luftige Architekturen, auf Rohrstäbe gebaute Paläste (ein echter Gedanke der Kaiserzeit) zu schauen. Im Anblick dieser Fülle und all des künstlerischen Haus- geräths, das hier gefunden wurde, ruft Herder: »Wie bildend für tägliche Lebensart und Sittlichkeit muss es sein, bequeme, reine, schöne Formen um sich zu 1 iahen, der feinere Arbeiter wird ein Künstler, der feinere Künstler ein Weiser; schönes Geräth zwingt zur Reinlichkeit und zum Anstand, edle Einfalt hat Vernunft und Gefälligkeit zu Begleiterinnen«. Ein poetischer Athem aus der griechischen Welt durchhauchte auch das römische Volk, sonst hatte es nie die Kunst so sich zum Gemeingut gemacht. Und der kleinen Stadt mit kaum 30,000 Einwohnern fehlten nicht Theater und Amphitheater, ein stattliches Forum mit vrn Vorwort zur ersten Auflage, Tempeln, Gerichtshallen, Kurien, öffentlichen Anstalten; ihre Vorgesetzten, die hundert Rathsherren und die vier höchsten Leiter der Rechtspflege und der Polizei, verwalteten ihre Aemter um der Ehre willen; eine Frau Hess die Börse, ein Kind den Isistempel hauen. Laufende Brunnen sieht man an allen Strassenecken, kein Haus ist ohne Cisterne, grosse öffentliche Badeanstalten schmücken auch die Landstadt, hei jedem Haus ist ein Abzug zu den unterirdischen Kloaken. Blickt man nun wieder hinaus in die köstliche Umgebung, so entrollt sich ein Panorama von neuen, naturlebendigen Schönheiten. Prächtig steigen die grossartigen Küstenberge mit ihren Wäldern, ihren scharfen Kalkfelsrippen und weissen hoch gezackten Kronen empor. Wie die Schauwände einer riesigen Naturbühne folgen sich in malerischer Verschiebung die Höhen über Castellamare, Vico und Massa hin und rücken über dem auf der Felsenterrasse thronenden Sorrent zusammen, wo die Hochebene selbst einen stundenlangen Ilain von Agrumen bildet, welche die Sinne durch den Duft der Blüten berauschen. Hier verlebte Torquato Tasso die Tage seiner Kindheit, hier pflanzten die Sprache der Haine und Wogen, der Reichthum an den sattesten und duftigsten Farbentönen, die geheimnisvolle Welt der durchwühlten Klippengestade, die hesperische Fülle der südlichen Vegetation, die erhabene träumerische Einsamkeit den verborgenen Keim seiner grossen Dichterschöpfung. — Gegenüber taucht im Westen das Titanenpaar der malerischen Inseln empor, Capri zackigt aufstrebend in originellen Formen, Ischia majestätisch aufsteigend, röthlicli blau im Goldduft schwimmend. Ostwärts von der Hochebene Sorrents, dem schönsten Garten Europa’s, liegt am Golf von Salerno das naturherrliche Amalfi, noch reizender, noch malerischer an die goldbraunen Felsen hingelagert, von deren belaubten Höhen die wasserreichen Bäche durch die frischen Wiesengründe niederrauschen. Einst war diese Küste, wie Boccaccio erzählt, piena di picciole eittä, di giardini e di fontane, e d’uomini ricchi; jetzt ist sie der landschaftliche Glanzpunkt für den — Fremden. — Südöstlich gegenüber liess in öder, verwilderter Umgebung das antike Poscidonia drei hehre Zeugen der Majestät des griechischen Alterthums zurück, so ganz in anderem Geist, als jene bilderlustigen Städte am Vesuv mit ihren »geistreich-eilfertigen« Dekorationen, ihren niedlichen Ziegel- und Stuckbauten. Ernst, edel und streng, in vollendetem Ebenmass und einfach grosser Beschränkung bieten sie eine sinn- schwere Vergleichung zwischen der kühn aufstrebenden Kraft des dorischen Stammes und der Prachtfülle der ersten Kaiserzeit Roms. Ein eigentümliches Dankgefühl erfasst den Beschauer für die Malaria, welche allein diese herrlichen Reste verschwundener wahrer Grösse vor den Barbarenhänden rettete. Zur Reihe der Prachtveduten, welche die wunderbare Schönheit der südlichen Natur voll hervortreten lassen, gehören noch eine Menge Stellen, welche das Buch zum Theil nur flüchtig, oder selbst gar nicht erwähnt. Niemand lasse sich binden, sondern folge seinem topographischen Entdeckungstalent. Wer z. B. in den kühnen, wilden Gebirgen in Abruzzo ulteriore II, wo man allein 176 bedeutende Berggipfel zählt, den Naturgemälden forschend nachstreift, wer von Capriola, westlich vom Vorwort zur ersten Auflage. ix Lago di Lesina, auf die Berge Samniums und der Abruzzen, auf das Meer, Apulien und die Höhen der Basilicata niederschaut, wer von Oria zwischen Lecce und Taranto die Rundschau auf das Adriatische Meer und die Berge Albaniens, auf den Golf von Tarent und die Kämme Kalabriens geniesst, wer von Nicotera zwischen Tropea und Palmi auf Kalabrien und auf die Küste von Sicilien mit dem gewaltigen Mongi- bello hinüberblickt, der wird kaum entscheiden können, ob diese so unbekannten Stellen nicht alle übrigen Prachtveduten noch überbieten; so auch wer nach mühsamem Umherirren in der verwaisten Magna Graecia nun bei der Rhede von Soverato zu dem alten Waehtthurm emporsteigt und plötzlich die Herrlichkeit des Golfs von Squillace vor sich entfaltet sieht, oder wer jenseit Terracina das Gebiet der griechischen, Homerischen Ueberlieferung durchwandert, wo immerblühende Myrten und Granaten mit Citronen, Orangen, Oliven und prächtigen Öbstbäumen wechseln und selbst ein Martial zu der schönen Dichtung begeistert wird: »O lauer Strand, o Formiae, du süssliebes, Dich zieht, wenn er das Rom des rauhen Mars fliehet Und müde seine steten Sorgen abwälzet, Apollinaris vor der ganzen Welt Orten. Nicht Tiburs und der Tusculaner Ruhplätze Sind ihm so werth, noch Antium und Praeneste, Kein holdes Circe, kein dardanisch Cajeta Vermisst er, nicht den Liris, nicht die Mariea Und nicht der Salmacis Lucriner Seebäder«. Den Freunden der Naturforschung und der Kunst liofft der Verfasser mit seinem Buch einen zuverlässigen Führer nicht nur in den allbekannten Gebieten, sondern auch in den zum Theil nur wenig durchforschten Gegenden Süditaliens darzubieten. Selbst für die alljährlich von mehr als 20,000 Fremden besuchte Stadt Neapel sollte das Buch die Klage für immer beseitigen, dass ausser dem Museum nur wenig Sehenswerthes in dieser Metropole sich finde. Wie schon hei den früheren Bänden des Reisehandbuchs über Italien ist der Hauptzweck desselben : über Natur, Geschichte, Kunst undLeben das Wissenswürdigste in gedrängtester Kürze zu geben, ohne die lebenswarme Darstellung zu beeinträchtigen, oder die praktische Handhabung aus dem Auge zu verlieren. Eine mehrmonatliche Reise im Sommer 1872 gab dem Verfasser die Gelegenheit, an Ort und Stelle das, was er in früheren Jahren bei wiederholten Reisen und längerem Aufenthalt in Süditalien geschaut und liebgewonnen hatte, aufs neue geistig zu verarbeiten und mittels der seitdem gewachsenen Hülfsmittel im Licht der gegenwärtigen Wissenschaft und Kunstforschung darzustellen. Fleiss, Genauigkeit und sorgfältige Benutzung der besten Quellen wird man auch dieser Abtheilung kaum absprechen können. Berichtigungen wird der Verfasser stets mit grösstem Dank annelimen, namentlich wenn dieselben mit solcher Sachkenntnis dargelegt sind, wie sie ihm für seine früheren Werke z. B. von den Herren Dr. A. von Zahn, Prof. Gottfried Kinkel, Prof. Woltmann, Graf Unruh, Pfarrer Meurer u. a. zugeschickt wurden. Auch für diese dritte Abtlieilung des italienischen Reisehandbuchs hat die Liberalität X Vorwort zur zweiten Auflage. des Verlegers, der dem Werk einen Schatz von trefflichen Illustrationen znwandte und ihm eine vorzügliche topographische und künstlerische Ausstattung gab, einen wesentlichen Anspruch auf die freundliche Aufnahme des Buches. Basel, November 1872. Dr. med. Gsell-Fels. Vorwort zur zweiten Auflage. In dieser zweiten Auflage, welche durch einen ausschliesslich Sicilien gewidmeten Band vermehrt wurde, sind im ersten Band besonders die Abschnitte Uber das Museum von Neapel und über Pompeji aufs sorgfältigste umgearbeitet worden, da für beide erhebliche Veränderungen Vorlagen. Ueber Pompeji erschien kurz zuvor das Werk des Superintendenten der Ausgrabungen, Giuseppe Fiorelli (Reichssenator), »Descrizione di Pompei, Napoli 1875«, in welchem die neue Eintheilung der Stadt in Pekumanen, Regionen und mit Zahlen bezeichnete Strassen sowie die neue Bezifferung der Häuser und eine theilweise neue Benennung derselben durchgeführt sind. Den ganzen Abschnitt sowie die Umarbeitung des topographischen Theils hat der Verfasser in Pompeji selbst 1876 während mehrerer Wochen mit Zugrundelegung des Fiorelli’schen Werks und Aufnahme der seitdem weiter geführten nicht unwichtigen Ausgrabungen niedergeschrieben. Ebenso wurden die Abschnitte über Portici mit Herculaneum 7 über Cava, Salerno, Amalfi, llavello, Castellamare, Sorrent, Insel Capri 7 über Benevent, I'oggia, Bari, Tarent, Beggio durch mehrtägigen Aufenthalt an jedem dieser Orte einer neuen Bearbeitung unterzogen und auch die Beschreibung der dazwischen liegenden Gegenden mannigfach umgestaltet. Im zweiten Band, welcher ausschliesslich Sicilien umfasst, hat der Verfasser in den allgemeinen Vorbemerkungen sowie in den Einleitungen zu den einzelnen Abschnitten alles Nähere mitgetheilt über die genussvollste Art, die für Freunde der Kunst und Geschichte wie der Natur und ihrer Schönheit die reichsten Schätze darbietende Insel zu bereisen. Vier Monate persönlichen Aufenthalts bis in den Sommer 1876 überzeugten ihn, dass in dieser Gegend mehr als in irgend einer andern Italiens eine sehr detaillirte und genaue Führung sowohl in den grossen Städten und ihrer weitern Umgehung, als an den denkwürdigen Orten des Alterthums zur Erreichung jenes Zwecks unerlässlich ist, da selbst gute Pläne und Karten nicht ausreichen, in kurzer Zeit das Bedeutendste mit Genuss zu sehen. Eine exakte, seihst minutiöse Leitung ist hier, wo das Fragen meist nicht viel hilft und bei sogenanntem selbständigen Aufsuchcn sehr viel Zeit verloren geht, von wesentlichster Förderung. Es ist deshalb überall die topographische Führung aufs konsequenteste festgehalten worden, und für solche, die dadurch ihre Selbständigkeit beeinträchtigt fühlen möchten, oder nicht die nothwendige Zeit auf- Vorwort zur zweiten Auflage. XI bieten können, sind den grösseren Städten Wegweiser beigegeben worden, in denen das Bedeutendste durch grossem Druck und Sternchen hervorgelioben wurde, um eine selbständige Auswahl zu erleichtern. Die Literatur ist auch in diesem zweiten Band in möglichster Vollständigkeit und namentlich mit steter Berücksichtigung der Lokalschriftsteller (zuweilen auch der Lokalarchive) benutzt worden. Für die Schätze der antiken Zeit sind, soweit es thunlich war, stets die wichtigsten Stellen der alten Schriftsteller selbst angeführt und zudem die vortrefflichen Arbeiten von Schubring und von Holm sowie von Benndorf, Ilittorf', Scrradifalco und Cavallari beigezogen worden, für die sicilischen Münzen besonders der vorzügliche Katalog des Britischen Museums von Poole; für die arabische und normannische Zeit die wissenschaftlich sorgfältigen Werke von Amari, für die mittlere und neuere Zeit eine Reihe Monographien, für das Kunstgeschichtliche dieser Epoche sowie für zahlreiche Lokalangaben vornehmlich de Marzo's fleissige Studien. Stets wurde auch das vortreffliche Handbuch von Dennis (englischer Generalkonsul zu Palermo), seiner Zeit ein wahres Musterwerk über Sicilien, zu Rathe gezogen. Ungeachtet der Herbeiziehung einer sehr reichen Literatur hofft der Verfasser, dass man nirgends die unmittelbare Anschauung und die frische Farbe vermissen werde, denn das Ilauptverdienst des Buches möchte er in das Bestreben setzen, die herrliche Insel dem Wanderer zu einer seiner liebsten Erinnerungen gestalten zu helfen. In der äussern Anordnung sind im ersten Band wesentliche Veränderungen nicht vorgenommen worden, dagegen sind die Karten und Pläne sämmtlich mit dem Text genau in Uebereinstimmung gebracht und durch Aufnahme von öastclla- mare-Sorrent, Capri, Taranto, Metapont und einen neuen Plan von Pompeji bereichert worden. Auch bei Sicilien ist die Verlagshandlung bemüht gewesen, den ausführlichen Text durch zahlreiche bildliche und kartographische Beigaben zu erläutern. Die Mehrzahl der im Text von Sicilien befindlichen Illustrationen sind dem Prachtwerk über Sicilien von G. F. von Hof weiter, illustrirt von Alfred Metzner (Leipzig 1870, bei A. Dürr) entnommen. Den verbindlichsten Dank aber sprechen wir noch den zahlreichen Gönnern des Buches aus, die uns mit Zusendungen von Berichtigungen und Wünschen beehrten, und ersuchen wir alle Freunde des Führers aufs wärmste, zu einer tüchtigem Gestaltung desselben durch solche Zuschriften beitragen zu wollen; der Verfasser sowie die Verlagshandlung (Bibliographisches Institut in [jeipzigJ werden derartige Notizen stets mit bestem Dank entgegennehmen und bei späteren Abdrücken möglichst verwerthen. Basel und Leipzig, September 1876. Bibliographisches Institut. Uv. med. Osell-Fels, Inhalts-Verzeichnis zum ersten Band Unter- Italien. 1 Seite Allgemeines. 1—16 Reisezeit, Vorstudien S. 1. — Sprache S. 2. — Geld, Reisekosten, Reisezurüstungen S. 6. — Pässe, Maut, Post S. 7. — Telegraph, Eisenbahnen S. 8. —• Corricre, Vetturino S. 10. — Ausflüge, Dampfschiffe 8. 11. — Gasthöfe, Trattorien S. 12. — Osterien, Cafes, Lohndiener, Facchini S. 13. — Verkehr, Empfehlungsschreiben 8. 14. — Trinkgelder, Bettelei, Räuber, Kirchen, Campi Santi S. 15. — Museen, Theater, Diät S. 16, I. Terra di Lavoro. Route 1. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel . . . . 17—40 Alatri S. 20. — Stalaktitengrotte von Collepardo, Veroli S. 21. — Monte Cassino S. 24. — Die Caudiniseh.cn Engpässe S. 38. ‘ -g 2. Von Rom über Terracina und Gacita nach Neapel.39 —48 Pontinisclie Sümpfe S. 40. — Sezza, Piperno S. 41. — Promontorio Circeo, San Felice S. 42. — Grotta della Maga S. 43. 3. Von (Marseille, Genua, Livorno) Civita Vecchia zur See nacli Neapel 47 — 48 li. Neapel und seine weitere Umgebung. 4. Neapel . 49-342 Oehonomisches S. 49 — 66. A. Lage und Leben der Stadt S. 65 — 92. Lage, Ankunft zur See, Nachtbild, Vegetation, Geologisches, Quartiere, Bauart, Volksleben, Magazine, Trachten, Volkscharaktcr, Karneval, Kirchenfeste, Musik, Sprache, Küche, Wasser, Bäder, Klima. B. Zur Geschichte von Neapel S. 91 — 118. O. Zur Geschichte der Kunst S. 117 — 132. Malerei, Baugeschichte, Skulptur. , I). Von der Villa Nationale zum Dom und Museum S. 131—206. Villa Nazionale, Aquarium, Pal. Miranda-Ottajano, Castel dell’ Ovo, S. Lucia, Piazza del Plebiscito, Pal. Reale, S. Franoeseo di , Paola, Teatro S. Carlo, Pal. del Municipio (S. 142). — S. Giacomo « degli Spagnnoli, Castel Nuovo, Fontana Medina, S. Maria ITn- coronata, Pal. Fondi, Toledostrasse, S. Maria la Nuova, Pal. Gravina, Montoliveto, Gesxi nuovo, S. Chiara (S. 160). — S. Domenico maggiore, Capp. di Sansevero, S. Angelo a Nido, Universität, S. Giovanni Pappac.oda, Reichsarchiv, S. Severino, Pal. Santangelo, S. Pietro a Majella, Konservatorium der Musik, S- Giovanni Evang., S. Paolo Maggiore, S. Lorenzo, S. Filippo Neri, Dom S. Gennaro (S. 100). — S. Restituta, S. Maria Donna Regina, S. Maria delle Grazie. 4 Inhalts -Verzeichnis. XIII Route Seite 4. Neapel (Fortsetzung): b). 1 )as Museum S. 205 — 310. Erdgeschoss (S. 207): Pompejanische Fresken und Mosaiken S. 207. — Ornamentale Wanddekorationen S. 220. — Gallerie der Inschriften (Farnesiseher Herkules und Farnesischer Stier) S. 222. — Acgyptische Altertliümer und altchristliche Inschriften S. 227. • — Gallerie der Marmorstatucn S. 229. — Sammlung der Bronzen S. 257. — Waffensammlung S. 265. — Ob eres Stockwerk (S. 265): llenaissancearbeiten S. 265. — Antike Glassachen S. 268 — Antike Terrakotten S. 268. — Cumanische Sammlung S. 269. — Bibliothek S. 270. — Lebensmittel S. 271. — Kupferstiche S. 274. — Papyri S. 273. — Gemäldesammlung I S. 274. — Pretiosen S. 282. — Münzsammlung S. 287. — Gemäldesammlung II S. 288. — Vascn- samralung S. 295. — Museo Santangelo S. 304. — Kleine Bronze- geräthe S. 305. F. Vom Museum nach den Katakomben, Gapodimonte und den Friedhufen S. 309 — 322. S. Gennaro de Poveri, Katakomben dos St. Januarius, Villa Gallo, Pal. Reale di Capodimonte, astronomisches Observatorium, Reale Albergo de’Poveri, protestantischer Kirchhof, Camposanto nuovo. G. Vom Museum nach Porta Capuana und zumTlafen S. 321—332. S. Giovanni Carbonara, Porta Capuana, Castel Capuano, SS. Annunziata, S. Maria del Carmine, Porto Mercantile, Porto Militare, Arsenal. JI. Vom Museum nach 8. Martino, Vomero und Camaldoli S. 331-342. S. Martino, Castel S. Elmo, Vomero, Camaldoli. 5. Von Neapel nach Bagnoli und Nisida, Grotta di Posilipo, Strada 9 nuova di Posilipo. — 6. Von Neapel nach Pozzuoli, Cumä, Baja und Capo Miseno . . . 349 — 374 Ilundsgrotte S. 352. — Die Phlegräischen und Elysäisclien Felder S. 353. — Bacoli S. 370. 7'. Der Vesuv. 373 — 400 A. Die vulkanischen Produkte S. 373. — B. die Ausbrüche S. 383. C. Die Besteigung S. 393. 8. Pompeji. 399-520 Von Neapel nach Pompeji S. 401. — Geschichte S. 404. — Ausgrabung, Anlage und Eiutlieilung der Stadt S. 407 u. ff. — Wanderung durch die Stadt S. 425. 9. Herculaneum und die Favorita.519 — 530 10. Von Neapel über Nola nach Avellino und Monte Vergine .... 529 —53G 11. Castellamare und Sorrent. 535 —54G Massa S. 545. — Punta della Campanella S. 546. 12. Die Insel Capri. 547 — 562 13. Die Inseln Ischia und Procida. 563 — 574 34. Von Neapel nach Amalfi und Kavello. 573 — 594 Noeera S. 576. — S. Trinitä della Cava S. 579. — Von Amalfi , über Scaricatojo nach Sorrent S. 593. * 15. Von Neapel über Salerno nach Pästum. 593 — 612 III. Die Abruzzen, Capitanata, Bari und Benevent. 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi.613 — 656 Fermo S. 615. — Ascoli S. 616. — Teramo S. 617. — Gran Sasso S. 618. — Atri S. 618. — Chieti S. G20. — Caramanico, Monte Amaro (Majella) S. 621. — S. Clemente di Casauria S. 622. — Lanciano S. 623. — Campobasso S. 624. — Lucera S. 629. — S. Maria 4 XIV Inhalts - Verzeichnis. Route 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi (Fortsetzung): Maggiore di Siponto S. 630. — Manfredonia S. 633. — Monte Gar- gano S. 634. — Cannac S. 635. — Canosa S- 637. — Andria S. 638. — Corato S. 641. — lluvo S. 042. — Ritonto 8. 613. — Torre d’Agnazzo S. 653. 17. Von Foggia nach Neapel. Candela, Troja S. 657. 18. Von Terni durch die Abruzzen (Aquila) nach Neapel. Leonessa, Caseia, Norcia, Accumoli, Amatrice, Montereale, S. Vittorino S. 672. — Bäder von Cutiliä S. 673. — Capestrano, Pentina (8. Pcllino) S. 678. 10. Von Pescara durch die Abruzzen (Solmona) nach Neapel .... Monte Morronc S. 682. — Bovianum vetus, Bojano S. 684. 20. Von Koni über Tivoli und Avezzano (am Fuciner See) durch das Liristhal nach Neapel. Alba Fucose S. 68t). — Fuciner See S 690. — Luco, Celano S. 692. —• Villa des Cicero, Arpino S. 696. IV. Basilicata, Terra d’Otranto, Kalabrien. 21. Von Neapel durch die Basilicata nach JVIelfi, zum Monte Vulture und zur Station Candela. Castollo und Lago di Pesole S. 700. — Avigliano, Monte Vulture S. 702. — Seen von Monticchio S. 703. — Venosa S. 704.— Lavello S. 706. 22. Von Neapel durch die Basilicata über Potenza zurBahnBari-Taranto Acerenza S. 709. 23. Von Neapel auf der grossen kalabrischen Strasse nach Reggio . Padula S. 713. — Aggiathal, Saponara S. 714. — Die Erdbeben in Kalabrien S. 719. — Silawald, Paola S. 721. — Nicastro, S. Eufemia S. 723. — Tropea S. 725. — Bivona S. 726. — S. Stefano in Bosco, Stilo S. 728. — Monte S. Elia, Seminara, Oppido S. 728. — Aspromonte S. 730. 24. Von Bari nach Taranto. Palo del Colle S. 733. 25. Von Brindisi nach Lecce, Otranto und Taranto. Castello di S. Cataldo, Rugge, Nardo, Gallipoli, Galatina S. 745. — Giordignano, Castro, Alessano, S. Maria di Leuca S. 750. — Oria S. 752. 26. Von Taranto längs der Ostküste der kalabrischen Halbinsel nach Reggio._. Metapontion S. 757. — Heraclea, I.tiü.o S- 759. — Cassano, Sybaris Thurii, Terrauova S. 761. — Capo di N’au S. 767. — .Stilo S. 772. — Castelvetere S. 772. — Gerace - Gioja S. 775. Seite 655 - 668 669-680 679-686 685-698 697-706 705-712 711-730 731 -742 741 - 752 751-784 Illustrationen - Verzeichnis zum ersten Band. i. Karten. Seite Eingangs - Konten - Kartellen von Italien .... vor dem Titel Koma — Terracina ...... 18 Contorni di Napoli.22 Contorni di Pozzuoli e Bajae . . . 342 Karte vom Vesuv.374 Castellamare — Sorrent, im Text . 542 Karte der Insel Capri, im Text . . 554 Reisokarte von Süd - Italien am Ende des Ihtches. II. Pliine und Grundrisse. Neapel: Stadtplan.50 — Dom S. Gennaro und S. Ke- stituta, im Text . . . . 191 — Museum: Erdgeschoss . . . 207 — - Oberes Stockwerk . . 260 Pompeji: Stadtplan.402 — Basilika, im Text .... 431 — Haus des Poeta tragico, im Text .450 — Haus des Pansa, im Text . 454 Villa des Diomedes, im 'Text 470 Haus des Kentauren und des Kastor und Pollux, im Text 478 Die Stabianer Thermen, im 'Text .502 — Das grosse Theater, im 'Text 511 Herculaneum, Theater, im 'Text . 523 Noeera, S. Maria maggiore, im 'Text 579 Pastum, Neptuntempel, im Text . 606 — Basilika, im Text .... 609 — Cerestempel, im 'Text . . . 610 Chieti, Krypta der Kathedrale, im, Text. . . . . . .619 Siponto, Krypta der Kathedrale, S. Maria maggiore, im Text 634 S. Vittorino, Kirche, im Text . .671 Sora, S. Domenico, im Text . . . 695 Taranto, im Text .731 Seite Otranto, Kathedrale, im 'Text . .749 Giordignano, Eelseukirche, im Text 750 Metapontion, im 'Text .757 Gerace, Krypta der Kathedrale, im Text .775 III. Ansichten. Monte Cassino.24 S. Maria: Im Amphitheater zu > Capua, im 'Text . . . . 31 Gaeta: Thurm der Kathedrale, im Text .46 Neapel, vom Posilip aus .... 67 — Strasse.75 — Triumphbogen König Alfon- so’s, im Text .146 — Portal von S. Barbara, im Text .147 — S. Domenico maggiore, im Text .167 — Grabmal Rinaldo Bran- caccio’s, im Text . . . .175 — S. Giovanni Pappacoda, im Text .178 ~ Bischofsstuhl im Dom, im Text .198 — Grabmal Innocenz’ IV., im Text .199 — Palazzo di Donna Anna (Posilipo).344 Pozzuoli: Tempio Serapide . . . 344 Bajä. 368 Vesuv, Ansicht des Kraters von 1872 , im Text .391 Pompeji: Wandmalereien, im Text. 418 — Gipsabgüsse von Leichen, im Text .428 — Das Forum, im Text . . . 435 — Das Tepidarium in den älteren Bädern, im Text . . 447 — Haus des Pansa (Durchschnitt), im Text. . . . 453 XVI Illustrationen-Verzeichnis. Seite Pompeji: Hans des Pansa (Inneres), im Text .455 — Die Gräberstrasse mit dem Herkulanerthor, im, Text . 463 — Hemicyclium, im Text . . 466 — Grabmal des Calv. Quietus, im Text .467 — Haus des Lucretius, im Text 491 — Strasse u. Häus mit Balkon, im Text .499 — Das kleine Theater, im Text 513 — Das Amphitheater, im Text . 517 Sorrent.67 Capri S. Costanzo, im Text . . .551 — und Monte Salaro .... 548 — Arco naturale.559 Nocera: S. Maria maggiore, im Text 578 — S. Maria maggiore (Durchschnitt), im Text .... 582 Atrani: Erztbiire an S. Salvatore, im Text .583 Amalfi.368 Salerno: Vorhof zur Kathedrale, im Text .598 — Wasserleitung, im Text . . 602 Seite Pästum.604 Foggia: S. Maria, im Text . . . 627 Lucera: Kathedrale, im Text . . 630 Siponto: Kathedrale S. Maria maggiore, im Text .... 631 — Krypta der Kathedrale, im Text .631 Trani: Kathedrale, im Text . . . 639 Bari:S Nicol h, im Text .... 647 — Unterkirche zu S. Nicola, im Text . 649 Brindisi, im Text ..654 Benevent: Trajansbogen, im Text . 662 Aversa: S. Lorenzo, im Text . .667 Aqulla: S. Pietro di Sassi, im Text 675 Celano: Vom Schlosshof, im Text . 691 Cosenza: Klosterkirche, im Text . 718 Lecce: S. Nicolä e Cataldo, im 'Text 743 Otranto: Unterkirche zu SS. Annunziata, im Text . . . .747 Gerace: Kathedrale, im Text . .774 — Portal an S. Francesco, im Text .778 Der Aetna, von Keggio aus gesehen, im Text .781' R. Stat. Kil. m. ü. M. St. Min. R. (r.) L. ( 1 .) S. w. o. SW- Abkürzu ngre n. Route. — Station. = Kilometer. = Meter. ~ über dem Meer. = Stunden. — Minuten. = rechts. ~ links. — Süden. — Westen. Norden. — Osten. = Südwest. NO. Nordost. SO. z= Südost. NW. == Nordwest. SSW. — Südsüdwest etc. Pr. — Franc (Lira). 0. = Centcsimi. Z. = Zimmer. Frühst. = Frühstück. L. == Licht. Bed. = Bedienung. T. d’h. = Table d’höte. Eingeklammerte Buchstaben mit Zahlen, z.B. (04), (CD 5), (F2, 3) sind Verweisungen auf den betreffenden Stadtplan. Früher geltende Masse. (Jetzt ist das Mefcermass überall eingeführt.) a) In Neapel und Unteritalien. 1 P a lm o = 10 Decime a 10 Centesimi, —?■ oder auch 1 Palmo = 12 Once ä 5 Mi- nuti — 0,26455 Meter. 1 Canna — 10 Palmi = 2,6455 Meter. 1 M i g 1 i o (60 ~ 1 Aequatorgrad) — 1000 Passi = 1855,no Meter rr 1,855 Kilometer. b) In Sicilien. 1 Palmo — 12 Once ä 12 Linee ä 12 Punti =: 0,25810 Meter. 1 Canna = 8 Palmi rr 2,06480 Meter. 1 Miglio (74,8704 zr 1 Aequatorgrad) ~ 5760 Palmi = 1486,650 Meter = 1,486 Kilometer. Allgemeines. Reisezeit. Der Süden Italiens entfaltet seine grössten Schönheiten im April und Mai; auch der Oktober und die erste Hälfte November sind meist wahre Wonnemonate zum Reisen und zu den kleineren Ausflügen um Neapel. Der Winter eignet sich mehr für die Genüsse der Hauptstädte. Ein weit verbreitetes Vor- urtheil, dass in Italien der Sommer überall unerträglich sei und namentlich im Süden die Hitze einen Grad erreiche, die dem Nordländer den Genuss verwehre, widerlegt schon die Thatsache, dass Sorrent, Capri, Castellamare und Ischia nur eine Sommersaison haben, die sie nicht allein den Meerbädern, sondern ebenso sehr der angenehmen Temperatur und der Fülle der Naturschönheiten in dieser Zeit verdanken. Wer Neapel und das südliche Italien nur als Ring in die grosse Reisekette durch das ganze Festland aufnehmen will, der wähle, nachdem er die zweite Hälfte April der Campagna di Roma gewidmet, den Mai für die Parthenope. Zeiteintheilung. Auf der Reise von Rom nach Neapel sollte man nicht versäumen, Monte Cnssino und Capua je einen halben Tag zu widmen. In Neapel erheischt schon das Museum, wenn der Genuss des Schauens irgend welchen geistigen Nutzen bringen soll, wenigstens 5 Tage, w r ozu dann noch 3 Tage für die Hauptkirchen, die Schlösser, die Aussichten zu rechnen sind. — Für die Umgebung von Neapel verlangt der Vesuv mit Herculaneum 1 Tag; Pozzuoli und Cap Miseno 1 Tag; Pompeji 2 Tage; Sorrent und Capri 2 Tage; Salerno, Pastum, Amalfi, Pavello 2 Tage; Procida und Ischia 2 Tage. — Für die Bahnreise nach Reggio hängt die Dauer mehr von den besonderen Interessen der Reisenden ab ( Tarent verdient einen vollen Tag Aufenthalt). — Bezüglich Sicilien vgl. Bd. II. Fahrplan. Man kaufe sich sogleich beim Eintritt in Italien den allmonatlich neu erscheinenden Indicatore Ufficiale delle Strade /errate, delle Kavigazione e Telegraßa (Tipo- grafia eredi Botta), 1 Fr., der in allen Buchhandlungen zu haben ist und in den grösseren Städten auf allen Corsi ausgeboten wird. Vorstudien. Als Vorstudien für den Kunstgenuss kann nicht warm genug das ausgezeichnete Werk; J. Bnrckhardt, Der Cicerone, 3. Aufl. von A. v. Zahn, vollendet von W. Bode (Leipz., Seemann, 1874), empfohlen werden; die lichtvollste Entwickelungsgeschichte der italienischen Kunst mit dem tiefsten Verständnis ihrer weltgeschichtlichen und nationalen Aufgabe. Für das Studium der mittelalterlichen Kunst Unter Italiens ist in erster Linie zu empfehlen das vorzügliche Werk von Heinrich Wilhelm Schuh, Denkmäler der Kunst des Mittelalters in Unteritalien, 4 Bde., mit 140 Holzschnitten und 96 Kupfern (Dresden 1860); eine Arbeit deutschen Fleisses, deutscher Kritik und feinsten Kunstgefühls, welche für die wahre Kenntnis der unteritalisclien Leistungen dieser Epoche erst den Boden gelegt hat. Für Pompeji ist zu eingehenderen Studien zu empfehlen: J. Overbeck, Pompeji, in seinen Gebäuden, Allerthümem und Kunstwerken für Kunst- und Alter thumsfreunde dargestellt, 3. Aufl., mit 26 zum Theil farbigen Ansichten und 315 Holzschnitten (Leipzig 1875). — Für die klassische antike Skulptur: Overbeck, Geschichte der griechischen- Plastik '2. Aufl., 1869). Unter-Italien. I. 1 Sprache. Sprache. Ohne Kenntnis der so leicht zu erlernenden italienischen Sprache geht von dem vollen Genuss einer italienischen Reise viel verloren. Für Reisende in die weiteren Umgebungen der Städte und die von den Eisenbahncentren abliegenden Gegenden ist sie fast unerlässlich (auch um der Börse willen). In grösseren Gasthöfen und auf den Hauptrouten genügt die französische Sprache. Als recht handlich ist Fellers italienisches Wörterbuch (Leipzig, bei Teubner) zu empfehlen. Wer gewandt in der Mimik ist, ersetzt bei dem für diese sehr empfänglichen italienischen Volk vieles, was ihm an Sprachkenntnis abgeht; namentlich hat die untere Klasse ein merkwürdiges Verständnis für die Geberdensprache. Für den völlig Unkundigen möge hier ein ganz kleiner Vorrath des Unerlässlichsten als Nothbrücke folgen: 1) Aussprache. Ce = tsche, ci = tschi (sonst c = k), ge = dsche, gi = dsclii (sonst g = g), sce = sehe, sei =. schi (sonst sc r= sk), gli =z Iji, gn nj (z. B. cam- pagna — kampanja). 2) ilülfszeitwörter. Jo sono, ich bin; egli, ella b, er, sie ist. Noi siamo, wir sind; voi siete, ihr seid; essi, esse sono, sie sind. Sono stato , ich bin gewesen; io era, ich war; egli era, noi eravamo, voi eravate, essi erano; io sarb, ich werde sein ; sara, saremo, sarete, saranno {io sia, ich sei, io fui, ich war, io fossi, ich wäre); sarei, ich würde sein, sarebbe, saremmo, sareste, sarebbero. Jo ho (— b), ich habe; egli ella ha (= d); noi abbiamo, voi avete, essi, esse (h) anno. Ho avuto, ich habe gehabt; io aveva, ich hatte; egli aveva, noi avevamo, voi avevate, essi, esse avevano. Jo avrb, ich werde haben; egli avra, noi avremo, voi avrete, essi avranno; avrei, ich würde haben; avrebbe, avreramo, avreste, avrebbero. (Die Anrede mit »Du« ist nicht gebräuchlich, statt dessen Voi, und bei Gebildeten Ella [oder Lei].) S) Zeitwörter, a) Regelmässige auf are, ere, ire. Ich liebe, amo, ama, amiamo, amate, amano; geliebt, amato. — Ich verkaufe, vendo, vende, vendiamo, vendete, vendono; verkauft, venduto. — Ich fühle, sento, sente, sentiamo, sentite, sentono; gefühlt, sentito. — Das Futunun: ich werde lieben, verkaufen, fühlen hat die Endung: erb, era, eremo, erete, eranno. b) Die gebräuchlichsten unregelmässigen Zeitwörter: bevo, bevetti, bevnto, trinken, bere. Chiudo, chiusi, chimo, sekliessen, chiudere. — Cimosco, conobbi, conosduto, kennen, conoscere. — Bevo, dovetli, dovuto, müssen, dovere. — Giungo, giansi, giunto, ankommen, giungere. — Leggo, lessi, letto, lesen, leggere. — Pongo, posi, posto, setzen, porre. — Prendo, presi, preso, nehmen, prendere. — Pendo, resi, reso, zurückgeben, ren- dere. — Rispondo, risposi, risposto, antworten, rispandere. — Scendo, scesi, sceso, herabsteigen, scendere. — Scrivo, scrissi, scritto, schreiben, scrivere. — Bico, dissi, delto, dirb, sagen, dire. — Posso, potuto, potrb, können, potere. — So, seppi, saputo, saprb, wissen, sapere. — Vengo, venni, venuto, verrb, kommen, venire. 4) Zahlen. — 1 uno, una; 2 due; 3 tre ; 4 quattro; 5 cinque; 6 sei; 7 sette; 8 otto; 0 nove; lü dieci; 11 undici; 12 dodici; 13 tredici; 14 quattordici; 15 quindici; 16 sedici; 17 diecisette; 18 diciotto; 19 diecinove ; 20 venti; 21 venti uno; 22 venti due etc.; 30 trenta; 40 quaranta; 50 einquanta; 60 sessanta; 70 settanta; 80 ottanta; 90 novanta; 100 cento; 200 dite cento etc.; 1000 millc; l,0d0,000 millione. 5) Monate, Wochentage. Januar, Gennajo; Februar, Febbrajo; März, Marzo; April, Aprile; Mai, Maggio; Juni, Giugno; Juli, Luglio; August, Agosto; Sept-mber, Settembre; October, Ottobre; November, Novembre; December, Becembre. — Montag, lunedi; Dienstag, marted'i; Mittwoch, mercoledh; Donnerstag, giovedi; Freitag, venerd\i Sonuabeud, sabbato; Sonntag, domenica. 6) Haupt- und Beiwörter, welche am häufigsten Vorkommen: Abend, la sera. Abendessen, la cena. Al>er. ma. Abhang, il pendio. Aelterer, U maggiore. Als, qnando. Also, quindi. Alt, vecvhio. Alter (das), Veta. Angenehm, piacevole. Aptel, il pomo. ApotneU e, la spezieria. Arbeiter, l’operajo. Arm, il braccio (Flur. G bracria). Arm, povero. Auch, anche. Auge, l’occhio. Augenbrauen Je ciglia. Ansgaugsthür, l’uscio, la sO’ tita. Au-sch ffen, lo sbarco. B cli, il ruscello. Bacher, il fomajo. Bad, il bagno. Bahnhof, la stazione. Bald, tosto. Band, il nastro. Base, la rngina. Baum, l’albero. Bedienter, il servo. Beinahe, quasi. Sprache. 3 Berg, il monte. Bett, il letto. Bier, la birra. | Bildhauer, lo scultore. • Killet, il biglietto. Birne, la pera. Bitter, amaro. Blau, blü. Bleistift, il lapis. Blitz, il lampo . Blond, biondo. Blume, il fiore. Blumenstrauss, *7 mazzetto. Böse, catlivo. Braten, l'arrosto. Braun, bruno. Breit, largo. Brief, la lettera. Brod, il pane. Bruder, il fratello. Brücke, il ponle. Brühe (sauce), la salsa. Buchbinder, il lega- tore di libri. Buchhändler, librajo. Bürste, la spazzola. Butter, il butirro. Chokolade, la ciocco- lata. Citrone, il limone. Damit, accioche. Dampfschiff, il vapore (ü piroscafo). Decke, la coperta. Denn, poiche. Dennoch, perb. Deutscher, il tedesco. Dick, grosso. Doch, pure. Donner, il tuono. Droschke, la vittura. Dünn, magro. Ebene, la pianura. Ei, Vuovo (Eier, l'e ' uova ). Eierltuchen, lafrittata. Eingang, Ventrata. .Einschiffen, Vimbarco. Eis, il ghiaccio (zubereitetes: il gelato). Eisen, il ferro. Eisenbahn, la strada ferrata. Einbogen, il gomito. Engländer , Vinglese. Erdbeben, il terre- moto, Erdbeere, la fragola. Erde, la terra. Esel, Vasino, il ciuco. Essig, Vaceto. Faden, il filo. Fächer, il vunlagUo. Feder, la pemia. Fels, la rupe. Fenster, la ßnestra. Fett, grasso. Feuer, il fuoco. Finger, il dito (Plur. le dita). Fisch, il pesce. j Flasche, la bottiglia. Fleisch, la carne. Fleischbrühe, il brodo. Fleissig, diligente. Fluss, il fiume. Franken, il franco, la lira. Franzose, il francese. Frauenrock, la go- nella. Friedhof, camposanto. Früh, di buon ora. Frühling, la prima- vera. Frühstück, la cola- zione. Gabel, la forclietta. Gärtner, il giardiniere. Garten, il giardino. Gasthof, Valbergo. Gatte, il marito. Gattin, la moglie (con- sorte). Gebivg, la montagna. (reib, giallo. Geld, ü denaro. Gemälde, il quadro. Genug, abbastanza ; ba^ta! Gepäck, il bagaglio. Gepäckstücke, i colli. Gerade, dritto. Gesicht, la faccia. Gesottenes, il lesso. Gestern, ieri. Gesund, sano. Gewicht, il peso. Glas, il bicchiere. Glaser, il vetrajo. Glocke, la campana. Gold, Voro. Graben (der), la fossa. Grau, gri.gio. Grün, verde. Haar, i capelli. Hässlich, brutto. Hafner, ü pentolajo. Halb , mezzo. Hals, il colle. Hand, la mano. Handschuh, il guanto. Handtuch, Vasciuga- ! mani. j Hart, duro. | Haube, la cuffia. ■ Haus, la ca&a. j Hausfrau, la padrona. I Hausglocke, la cam- 1 panella. Hausherr, il padrone. J Haut, la pelle. : Hemd, la camicia. \ Herbst, Vautunno. I Herr, Signore. Heute, oggi. ) Hinter, dietro. Hoch, alto. Holz, il legname. Holzhacker, lo spacca- legna- Hosen, i calzoni. Hübsch, vezzoso. Hügel, la collina. Hut, il cappello. Hutmacher, il cappel- lajo. Insel, l’isola. Jahr, Vanno. Jüngerer, ilminore. Jung, giovane. Kälte, il freddo. Käse, il formaggio. Kaffee, il caffe. Kahn, la barca . Kalbfleisch, il vitello. Kamm, il pettine. Kastanie, la castagna. Keller, la cantina. Kellner, bottega, ca- meriere. Kerze, la candela. Kiud, il fancmllo. Kirche, Zu chiesa. Kirsche, la ciriegia. Kleider, abüi, panni. Klippe, lo scoglio. Kloster, il convento. Knabe, il ragazzo. Knie, il ginocchio. Knopf, il bottone. Koch, il cuoco. Koffer, il baute. Kopfkissen, il guan- ciale. Krank, malato. Küche, la cucina. Kupfergeld, rame. Kurz, corto. Kutsche, la carozza. Kutscher, il cocchiere. Land, il paese. Laug, Ittngo. Langweilig, nojoso. Laube, la pergola. Leicht, leggiero,facüe. Leintuch, il lenzuolo. Leinwand, la tela. Licht, il lume. Lieb, caro. Links, a sinistra (a mano manca). Lötfel, il cticchiajo. Luft, Varia. Mädchen, la ragazza. Magd, la serva. Maler, il pittore. Manchmal, qualche volta. Mandel, la mandorla. Mantel, il mantello. Marmor, il marmo. Matratze, lo stramazzo. Maulthier, il mulo. Meer, ü mare. Mensch, Vuomo. Messer, il coltello. Metzger, il macellajo. Milch, il latte. Mittag, il mezzo giomo. Mittagessen, ilpranzo. Monat, il mese. Mond, la luna. Morgen, der, Za. mattina. Morgen, domani. Mühle, il midino. Mücke, zanzara. Mund, Za bocca. Nachmittag, il dopo pranzo . Nadel, l’ago. Nahe, vicino. Nase, il naso. Nastuch, il fazzoletto. Niedrig, basso. Notliwendig, weces- sario. Nuss, Za noce. Obgleich, benche. Obst, le frutta. Oder, o, ossia. Oei, l’oglio. Oheim, lo zio. Ohr, l’orecchio. Ohrring, Vorecchino. Olive, Voliva. Orange, Varancio. Papier, la carta. Pass, il passaporto. Peitsche, la scttria. Pfanne, la padella. Pfeffer, il pepe. Pferd, il cavallo. Pfirsich, la pesca. Pflauze, la pianta. Pflaume, la prugna. Rahm, la crema. Rauch, il fnmo. Räucherkerzen, co- cati . Rechts, a destra. Regen, la pioggia. Regenschirm, Vom- brella. Reich, ricco. Reise, il viaggio. Rindfleisch, il manzo. Roth, nero. Ruderer, il barcajuolo. Rund, rotondo. Sahue, Za crema. Salat, Vinsalata. Salz, il wie. Salzbiichse, lasaliera. Sattel, la sella. Schädlich, nocevole. Schere, le forbici. Schlaf, il 8onno. Schleier, il velo. Schloss, il castello. Schloss (am Koffer, Thür), la serratura. Schlosser, il chiavajo. Schlüssel, la chiave. Schmied, il fabbro. 1 * i Sprache. Sonst, altrimenti. Spät, tardi. Spiegel, lo specchio. Spital, l’ospedale. Stahl, l’acciajo. Stahlfeder, penna di metallo. Stark, forte. Staub, la polvere. Stecknadel, la spilla. Stein, la pietra. Stiefel, lo stivale. Stimme, la voce. Stirn, la fronte. Stock, il bastone. Strasse, la strada. Strumpf, la calza. Stück, il peszo. Stufen, gli scalini. Stuhl, la sedia. Süss, dolce. Suppe, zuppa, mine- stra. Tänzerin, la ballerina. Tag, il giorno. Tante, la sia. Tasche, la tasca. Tasse, la tazza. Teller, il tondo. Thal, la volle. Thür, la porta, Vuscio. Thurm, Za torre. Tinte, Vinchiostro. Tintenfass, il cala - majo. Topf, la pignatla. Traube, Vuva. Ueber, sopra. Uhr, Vorologio. Unangenehm, spiace - vole. Unter, sotto. Unterhaltend, dilette- vole. Unterhosen, le mu- tande. Vergnügen, ilpiacere. Vielleicht, forse. Vorgestern, ieri Valtro. Vorn, davanti. Während, mentre. Wärme, il caldo. Wäscherin, la lavan- daja. Wage, la bilancia. Wagen, il legno. Wald, il bosco. "Wange, la guaneia. Wartesaal, sala d'as- petto. Schnee, la neve. Schneider, il sarto. Schneiderin, la sar- trice. Schnur, la cordellina. Schreiner, il fale- gname. Schürze, il grembiale. Schüssel, il piatto. Schuh, Za scarpa. Schuster, il calzolajo. Schwaclj, debole. Schwägerin, la co- gnata. Schwager, il cognato. Schwarz, nero. Schwer, pesante. Schwester, la sorella. Schwiegersohn, il ge- nero. Schwiegertochter, la nuora. See, il lago. Seide, Za seta. Seit, dacchb. Senf, Za mostarda. Silber, Vargento. Sohn, il figlio. Sommer, l'estate. Sonne, il sole. 7) Redensarten: Ihr müsst es so machen. — Avete da farlo cos\. Ich möchte Sie ersuchen. — Avrei a pregarla. Wie spät ist es? (che ora abbiamo?) — Che ora e ? Es ist 2 Uhr. — Sono le due. Welches Datum haben wir heute? — Quantine abbiamo del mese ? Guten Tag, mein Herr (meine Dame). — Buon giorno, Signore (Signora). Gute Nacht. — Felice notte. Schlafen Sie wohl. — Riposi bene. Es ist Zeit, dass wir gehen. — JE tempo che eene andiamo. Haben Sie gut geschlafen? — Hanno ben riposato ? Wir wollen das gute Wetter abwarten. — Aspettiamo il bei tempo. Wir sind zu spät aufgestanden. — Ci siamo levati troppo tardi. Es ist schlechtes Wetter. — Fa catiivo tempo. Auf Wiedersehen. — A rive- derci. Besten Dank. — Tante grazie. Ich muss gehen. — Bisogna che me ne vada. Es thut mir leid, aber ich verstehe nichts. — Mirincresce, ma non comprendo niente. Nehmen Sie doch Platz. —• S’accomodi. Bemühen Sie sich nicht. — Non s’incomodi. Könnten Sie mir nicht sagen, wo Herr N. wohnt? — Di grazia, non saprebbe dirmi dove allogia il Signore N. ? Bitte, warten Sie ein wenig. — Mi faccia il piacere d’aspettarc un momento. Es thut mir leid. — Mi di~ spiace. Lassen Sie mich nur machen. — Laset pur fare a me. Können Sie mir kleines Geld geben? — Poirebbe darmi della moneta (spicciola) ? Thun Sie mir den Gefallen. — Mi faccia il piacere. Sagen Sie mir, wo kann ich die Wohnung des . . . finden? — Dica Signore dove posso trovare ilpalazzo di... ? Was macht man hier? — Che si fa qui? Es wäre mir sehr angenehm, wenn ich in diese Familie könnte eingeführt werden. — Mi farebbe gran piacere se io potessi venire introdotto in questa famiglia (museo etc.) Ich wünsche ein möblirtes Appartement, zweimöblirte Zimmer, eine Kammer ohne Möbeln. — Vorrei avere un appartamenlomobigliato, due stanze mobigliate , una Camera senza mobili. Wasser, Z 'aequo. Wasserfall, lacascata. Weder-noch, ne - ne. Weg, la via. Weil, perche. Wein, il vino. Weiss, bianco. Weit, lontano. Weste, il gile. Wetter, il tempo. Wie, come. Wind, il vento. Winter, Vinvemo. Wirt, l’oste. Wirtshaus, Vosteria. Wolke, la nuvola. Zahn, il dente. Zahnarzt, il dentista. Zahnstocher, lo stuz- zicadenti. Zeit, il tempo. Zeitung, il giomale. Ziemlich, assai. Zimmer, la stanza. Zollamt, la dogana. Zucker, lo zucchero. Zufrieden, contento. Zug, il convoglio. Zunge, Za lingua. Zwiebel, Za cipolla. Was zahlt man auf dem ersten Stock? Sind da Zimmer zu vermieten ? — Quunlo si paga al primopiano ? Ci sono delle stanze da appigionare? Könnte icli mit Ihnen ins Theater gehen? — Potrei andare con Lei al teatro? Was führt man diesen Abend auf?— Che si recita stas4ra ? Haben Sie den Brief der Dame übergeben? — Avete conse- gnato la lettera alla Signora ? Ist niemand zu Hause? — Olä, non v’enessuno incasa? Wer ist Jener dort? — Chi e cohti ? Hülfe! Diebe! Mörder! — Ajuto! Ladri! Assassini! Es ist schon spät. — L'ora si fa tarda. Ich befinde mich unwohl (sono indisposto). — Sto male. Ich habe mich erkältet. — Ho preso un rajfredore. Wie geht’s? Wie befinden Sie sicli ? — Come sta ? Ganz gut. — Molto bene. — Dankeschön.— Laringrazio. Links, — a mano manca (a sinistra);— rechts, —amano destra; — geradeaus, — di- ritto. Gehen Sie mir ein grosses und helles Zimmer. — Date mi una stanza grande e chiara. Dies Zimmer ist zu klein und hat keine Sonne. — Questa camera e troppo piccola, e non ci viene il sole. Zu ebener Erde. Apian terreno. Im ersten Stockwerk. — Al primo piano. Leuchtet uns. — Fateci lume. Wann muss ich aufstehen? — A che ora debbo alzarmi ? Wecken Sie mich gefälligst morgen frühzeitig. — La prego di svegliarmi domani ' di buon ora. Ich bin sehr pressirt. — Ho molta fntta. Heizen Sie den Ofen! — Bis- caldate la stufa! Raucht der Kamin? — Fa fumo il cammino ? Ich möchte gern frühstücken. — Vorrei fare colazione. Ich möchte Mittag speisen. — Vorrei pranzare. Ich möchte zum Nachtessen gehen. — Vorrei andar a cena. Serviren Sie uns doch schnell. — La prego di servirci presto. Wollen Sie mir gefälligst diese Platte reichen. — Fa- vorisca di porgermi questo piatto. Geben Sie mir gefälligst ein wenig von dieser Pastete. — Favorisca di darmi unpo' di qnesto pasticcio. Ich ersuche Sie um den Schlüssel zu meiner Kammer. — La prego per la chiave della mia camera. Meine Stiefeln sind nicht geputzt. — I miei stivali non sono pulitil Putzt meine Schuhe! — Fate pidire le mie s carpe! j Lasst mir die Wäscherin so- , gleich kommen! •— Fate venire subito la lavandaja! i Hier sind 6 Hemden, 1 Paar | Strümpfe, 5 Manschetten, ' 4 Nastüclier, 3 Paar Unterhosen , 2 leinene Hand- : schuhe, 7 Handtücher. — j Fcco sei camicie, un pajo , di calze, cinque manichini, ; qnattro fazzoletti, tre paji di mutande, due guanti di : lino, sette sciugamani. > Ich ersuche Sie um einen 13o- ; gen Postpapier. — La prego \ per un foglio di Cßrta di ' posta. Haben Sie keine Stahlfedern ? —Fon avete delle penne di metallo? Auch an Tinte fehlt es mir. — Mi manca ancke l’in- chiostro. Sprache. Kellner, geben Sie uns eine Kerze. — Cameriere dateci una candela. Geben Sie mir ein Glas Wasser. — Datemi un biccldere d'acqua. Machen Sie unsere (meine) Rechnung. — Fateciilnostro conto (fatemi il mio conto). Können Sie mir Papier gegen Münze (Silber, Gold) geben ? — Potrebbe cambiarmi della carta contro moneta? (ar- gento? oro?) Geht auf die Polizei und lasst meinen Pass visiren! — Andate alla polizia e fate vidimare il mio passaporto! Hier sind meine Effekten, tragt sie zum Zollamt! — Fcco la mia roba, portale la alla dogana ! Tragt dieses Stück auf das Eilwageubüreau. — Portale questi colli all' uffizio della diligenza. Wo könnte ich nicht zu theuer zu Mittag speisen ? — Dove potrei pranzare a prezzo giusto ? Im Balmhofsrestauran t speist man sehr gut und billig. — Alla tratioria della strada ferrata si pranza ottima- mente ed a prezzo discreto. Die Speisekarte. — La lista. Welches ist Hu* bester Wein ? — Qual e il vostro miglior vino ? Was kostet die Flasche? —• Quanto costa la bottiglia? Geben Sie mir eine halbe Flasche! — Datemi una mezza bottiglia (un fiaschetto). Ich ersuche Sie um diese Zeitung, wenn Sie dieselbe gelesen haben. — La prego per qxiesto giornale, se l’a letto. Sogleich. — Subito. Da ist sie! — Eccolo! Sind wir noch weit von Florenz entfernt ? — Siamo ancora lontani da Firenze? In welchem Gasthof logiren Sie ? — In che albergo'allogia ? Welches ist der beste Gasthof? — Qual e il miglior albergo? Wo ist der Gasthof zur Post? — Dove e Valbergo della posta ? Kennen Sie diese Stadt? — Conosce Lei questa cittä? 5 | Können Sie mir den Namen | dieses Schlosses sagen? — I Potrebbe dirmi il nome di i questo castello? ! Wie heisst dieses Haus? die- ! ser Berg? dieser Ort? die- 1 ser Fluss? — Come si chiama questa casa ? quel monte? quel pae.se ? quel fiume ? Inkommodirt Sie der Rauch? L’incdmoda il fumo ? Sind .Sie in Rom gewesen ? — E stato a Borna? Haben Sie den Papst gesehen ? den heiligen Vater ? — Ha veduto ilpapa ? il santo padre ? Haben Sie die Meisterwerke des Museums gesehen ? — Ha vislo i Gapolavori del Museo ? Darf ich Sie um Lire Adresse ersuchen? — Potrei pregarla del suo indirizzo ? Können Sie mir die Strasse sagen, die zur Eisenbahn führt ? — Sapreste dirmi la strada, che coyiduce alla strada ferrata ? Wo geht der Weg zur Eisenbahn ? — Dove va la via per la strada ferrata? Ist der Balmzug abgegangen? — E gia partito il treno ? Wo ist das Gepäckbüreau? — Dove e Vufßcio degli effetti? Wo ist das Telegraphen- büreau ? — Dove e Vufßcio del telegrafo? Was zahlt man für eine telegraphische Depesche von 20 Worten? — Quanto si spende per un dispaccio di venti parole ? Kann ich dio Antwort fran- kiren? — Potrei francare la risposta ? Ein Billet zweiter Klasse nach Mailand! — Un bigHe.lto di seconda classe per Milano! Ist dieses der Zug nach Florenz ? — E questo il treno per Firenze? (il convoglio per Firenze). Wann geht der Zug nach Genua ab? — Quandoparte il treno per Genova? Wo ist der Wartesaal erster Klasse? —Dov' e la sala d'as- pettazione di prima classe ? Nehmt diesen Koffer! — Pigliate questo banle! Ich ersuche Sie, nachzusehen, aber ich habe nichts Steuerpflichtiges. — La prego di far la visita, ma non ho niente soggetto alla dogrnia. Wann fährt das Dampfschiff ab? — A che ora parte ü vapore? c Geld. — Vorbereitungen zur Reise. Ist die Briefpost weit von hier? — E lontana da qui la posta delle lettere? Sind Briefe da mit dieser Adresse? — Ci sono lettere di questo indirizzo ? Was kostet ein Wagen für die Stunde? oder auf einenTag ? — Quanto si spende per una carrozza all' ora? al giomo? Ist kein Tarif da? — Non c’e la lariffa ? Was kostet dieser Platz? — Quanto si paga per questo posto ? Könnte ich einen guten Platz erhalten? — Potrei ricevere un buon posto ? Halt! — Permatem l —Fahrt zu! — Presto! presto! Kutscher, wie lange haltet Ihr hier? — Cocehiere, quanto tempo vi trattenete qui ? Könnten Sie mir den Tabakladen angeben, wo man Freimarken verkauft? — Potrebbe indicarmi la bottega del tabacekajo che vende dei francobolli ? Ich möchte Cigarren kaufen. — Vorrei comprare sigari. Wo verkauft man Tabak? — Dove si vende tabacco ? Was kostet das Pfund? — Quanto costa la libbi^a? Es ist zu theuer. — E troppo caro. Wie theuer? — Quanto si spende? quanto costa? quanto si paga? Geld, Italien gehört der lateinischen Münzkonvention von 1865 an, wonach der Franken als Münzeinheit gilt. 1 (un) Franco oder (una) Lira = 100 Centesimi — 80 Pfennige — 40 Kreuzer üsterr. — 9*/2 Pence = 24 l /2 Kopeken — 18 2 /3 Cts. nordamerikan. — 1 Mark 1 Fr. 25 Cent.-, 1 österr. Gulden — 2 Fr. 50 Cent.; 1 Pfd. Sterling — 25 Fr.; 1 Silbemibel 4 Fr. 7 C.; 1 Lollar 5 Fr. 35 C.; 1 Län. Rigsdaler ~ 2 Fr. 82 C.; 1 Holland. Gulden “ 2 Fr. 12 C. Das bequemste Geld sind die Goldstücke zu 20 Franken; für deutsche Reisende, wenn sie die Frankengoldstücke mit hohem Agio kaufen müssen, ist es eventuell vortheilhafter, deutsches Gold oder deutsches Reichspapiergeld mitzunehmen und schon in Oberitalien in italienisches Papier umzusetzen. Goldstücke werden von den Wechslern je nach dem Tageskurs (8—15 Proc.) gegen Papiergeld umgewechselt. Man führe also stets italienisches Papiergeld mit sich und bezahle überall nur mit Papiergeld, nie mit Gold } weil man sonst 8 — 9 Proc. Agio verliert. Man thut gut daran, schon vor dem Ueberschreiten der italienischen Grenze sich mit dem für die ersten Auslagen auf der Eisenbahn etc. nöthigen Papiergeld zu versehen, weil in den Bahnhöfen nicht (ausser etwa beim Tabakhändler, tabacchajo) eingewechselt wird. Auch beachte man bei der Rückreise, dass man bei Entnahme direkter Billete nach Deutschland einen Theil des Fahrgeldes ( l /2 — 2 !s) in Franken Gold oder Silber zu zahlen hat. — Nur das Papiergeld derBanca nazionale gilt überall. In neuester Zeit haben auch Scheine von 50 C. Zwangskurs (es steht auf denselben »Corso forzoso«) erhalten. — Papiere von Lokalbanken (1 Fr., Vs Fr.) werden an Öffentlichen Kassen und in anderen Städten nicht angenommen! Die Danca di Napoli gilt nur bis zum römischen Gebiet, die Banca di Sicilia nur in Sicilien. — Kreditbriefe auf italienische Handelsfirmen sind für grössere Summen das Bequemste; es werden aber meist hohe Provisionen berechnet. Auch kann man sich jetzt Beträge bis 200 Frs. durch Postanweisung (80 Pf.) aus Deutschland kommen lassen, welche in Gold ausbezahlt werden; doch verlangt die Post genügende Legitimation. Reisekosten« Der einfache Reisende mit den gewöhnlichen Anforderungen berechne die Fahrkosten und dann noch etwa 12 Fr. für jeden Reisetag; bei längerem Aufenthalt in den Städten für Privatwohnung und Restaurantküche etwa 8 Fr. täglich; alles in allem mit sämmtlichen Vergnügungen,Museen, Rundreisen etc. etwa 25 Fr. pro Tag der Reise. Mit Damen zu reisen ist sehr kostspielig, da sich sofort die Rechnungen in den Gasthöfen steigern, grössere Trinkgelder erforderlich sind, die hohen Preise der Logenplätze in den Theatern eintreten und der Italiener diese Begleitung stets als den Beweis einer dehnbaren Börse betrachtet. Grosse Ersparnisse können gemacht werden durch Vereinigung Einzelner, wodurch namentlich die theuren Ausflüge zwischen den Eisenbahnrouten weit billiger zu stehen kommen. Reisezurüstungen. Das Gepäck reducire sich auf eine leicht übersichtliche Anzahl von Stücken. Die Adresse bringe man auf gummirten Papierblättern Pässe. — Maut. - Post. 7 an. Grelle Farbe oder irgend ein augenfälliges Merkzeichen an den Effekten ist sehr zu empfehlen. — Die Kleidung sei von Wollstoff; wegen des raschen Temperaturwechsels gegen Abend ist das Tragen leichten wollenen Unterzeugs an- zurathen. Die dem Nordländer sehr empfindlichen regnerischen Wintermonate erfordern unumgänglich, dass man sich mit warmer Kleidung gut versehe. Der Plaid ist für Herren der passendste Begleiter. — Die Wäsche sei solid, dass sie der italienischen Strafgerechtigkeit gegen ihre Verunreinigung gewachsen sei. Touristen sind die Flanellhemden zu empfehlen. — Als Regenschirm wähle man sich ein Format, das auch als Sonnenschirm dient. (Kleider erhält man auch in Italien gut und billig, vorzugsweise z. B. in Livorno.) Man sorge für Reserveknöpfe, Knopfe zum Einschrauben, Bindfaden, Nähzeug, Huthakenklammer, Wecker, Operngucker, Kompass (an der Uhr), Taschenthermometer, englisches Heftpflaster, Dintenfass (in die Schuhe zu packen), gute Stahlfedern und Bleistifte, Kautschukbecher, gummirte Etiketten, Visitenkarten, schwedische Zündhölzer etc. Für weitere Details siehe die treffliche humoristische »Reiseschule« von MicheUs (2. Aufl., Leipzig 1872). Pässe sind zwar im Königreich Italien selbst nicht nöthig, nur bei Ueber- selireitung der französischen Grenze in Ventimiglia und Modane w r ird eine Legitimation verlangt; für die Empfangnahme von Postwerthsachen und eingeschriebenen Briefen ist ein Pass jedoch durchaus erforderlich, auch gewährt er den Vortheil, dass man bei irgend einem Vorkommnis sofort seine Staatsangehörigkeit nacli- weisen kann. Landtouren in abgelegenere Gegenden mache man nicht ohne Pass. Maut. Durch Vereinfachung der Grenzen des Binnenlands ist jetzt der Reisende nur noch an der Grenze Italiens den Mautförmlichkeiten unterworfen. Man ertrage diese Unbequemlichkeit mit Ruhe; durch Höflichkeit kommt man auch hier am ehesten zum Ziel. Vor etwaigen Chikanen seitens der Beamten (auf welche man deutsche Begriffe nicht anwenden kann) schützt das bekannte Universalmittel. Der am strengsten gehandhabte Artikel ist der Tabak (S. 13; 100 Cigarren sind frei). Gedenkt man einen langem Winteraufenthalt zu nehmen, so schicke man grössere Kolli mit genauer Adresse und gegen Versicherungsschein voraus, doch ist für solide Konstruktion und gute Verpackung solcher Kolli zu sorgen. Post. Briefe 3 Telegramme, Zeitungen lasse man an ein bestimmtes Hotel und mit deutlicher Adresse des Empfängers (in italienischer oder französischer Sprache) absenden. Freimarken erhält man in den grösseren Tabakläden und beim Hötelportier. Bei poste restante bestellten Briefen lasse man auf der Adresse den Vornamen nicht nennen oder wenigstens den Zunamen unterstreichen, da sonst Briefe häufig unter falschen Anfangsbuchstaben eingereicht werden und so für den Adressaten verloren gehen. — Briefe kosten im Inland bis zu 10 Gramm 20 C.; innerhalb des Rayons des Postbüreau’s 5 C. — Korrespondenzkarten (Cartel- lini) IOC., mit Risposta 15 C. — Pekommandirte Briefe (die Briefe mit Werthpapieren oder Dokumenten müssen rekommandirt sein) bezahlen je nach ihrem Gewicht eine proportionale Frankaturtaxe und darüber hin noch 30 C. — Asseku- rirte Briefe müssen oben deutlich angeschrieben sein mit: » Valore dichiarato franchi. ..« Das Maximum der Annahme beträgt 3000 Fr. Geldsendungen per Postanweisungen bezahlen im Inland 20 C. für die ersten 20 Fr., 40 C. bis auf 40 Fr., 60 C. bis auf 60 Fr., 80 C. bis auf 100 Fr., über 100 Fr. je 20 C. für je 50 Fr. — Das Porto eines Briefs bis auf 15 Gramm beträgt nach allen Ländern der Po stunion (Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Schweiz, Belgien, Holland, England, Dänemark, Schweden und Norwegen, Russland etc.) 25 C., unfrankirt 50 C., rekommandirt 30 C. extra; — Korrespondenzkarten 15 C.; — Drucksachen (Kreuzbänder) 7 C. für 50 Gramm. — Asse- kurirte Briefe nach Deutschland, Oesterreich und der Schweiz werden bis zu 8 Telegraph. - Eisenbahnen. 3000 Fr. angenommen. Briefe mit Geldeinlagen werden nicht spedirt. — Man kann sich Geldbeträge bis 200 Fr. durch Postanweisung (80 Pf.) aus Deutschland kommen lassen, welche in Gold ausbezahlt werden müssen; doch verlangt die Post genügende Legitimation. Telegraph. Ein gewöhnliches Telegramm kostet innerhalb Italien für 15 Worte 1 Fr.; für jedes weitere Wort 10 C. Für ein urgentes einfaches Telegramm (das dem andern vorangeht) 5 Fr.; für jedes weitere Wort 1 j 2 Fr. Einfaches Telegramm im Innern der Stadt J /2 Fr.; jedes weitere Wort 5 C. — Taxen ins Ausland, von jeglichem italienischen Telegraphenbüreau, für 20 Worte: nach Deutschland 5 Fr. (je 10 Worte mehr 272 Fr.); Schweiz 3 Fr.; Schweden 8 Fr.; Dänemark 7 1 j2 Fr,; Holland 5 Fr.; Frankreich 4 Fr.; Belgien 5 Fr.; Oesterreich und Ungarn 3—4 Fr.; Russland 11—43 Fr.; Serbien 6 72 Fr.; Spanien 7 Fr.; England 10 Fr. (London 9 Fr.). Man kann von Orten, wo kein Telegraphenbüreau ist, mittels frankirten, re- kommandirten, assekurii’ten Briefs und Postanweisung (vaglia postale) oder gesetzlichen Papiergelds (carta moneta) Telegramme per Post zur nächsten Telegraphenstation schicken. — Fremde Sprachen sind mit lateinischen Buchstaben zu schreiben, sonst werden sie als cifre secrete betrachtet, die obligatorisch rekommandirt sein müssen. Text, Adresse, Unterzeichnung werden als Wörter berechnet, ebenso bei vorausbezahlter Antwort die zwei Wörter Eisposta pa- gata. — Die grösste Länge eines Worts und einer ausgeschriebenen Zahl ist auf 7 Silben fixirt; Wörter mit Apostroph (z. B. d’) gelten als ganze Wörter. — Bei Telegrammen in Ziffern zählen je 5 für ein Wort. Unterscheidungszeichen bei Zahlen zählen als eine Ziffer. — Rekomman- dirte (raccommandati) Telegramme kosten das Doppelte; man erhält am Bestimmungs- biireau eine Telegrammanzeige des Empfangs und der Ablieferung. Für Telegramme , die nicht früher als die Post an den Ort ihrer Bestimmung kommen, kann die Rückzahlung (spätestens innerhalb drei Monaten) gefordert werden. Die Uhren der italienischen Telegraphenbüreau’s sind nach der Mittelzeit von Eom gestellt. Eisenbahnen. Die Eisenbahnwaggons sind nicht besonders eingerichtet.' Wie in Frankreich ist die I. Klasse besonders zu empfehlen, da die zweite derjenigen in Deutschland nicht entspricht und die dritte vollends nur für Volksstudien geeignet ist. Mit Damen reise man stets I. Klasse. Zu grosse Schnelligkeit ist nicht der Fehler der italienischen Bahnzüge. Man möge den Betrag des Billets zuvor wohlgezählt zur Hand nehmen; die gerade Summe in Papiergeld, welches Zwangskurs hat, das Darüber in Silber oder Kupfer. — Die Eisenbahn~ Uhren Ober-Italiens sind nach der Mittelzeit (tempo medio) des Meridians von Rom gestellt. Auf den Hauptstationen soll die Austheilung der Billete 1 Stunde vor dem Abgang des Zugs beginnen; auf den Nebenstationen 1 k Stunde ; 5 Min. vor Abgang schliesst sie; bei den Nebenstationen dann, wann die Glocke die Ankunft des Zugs anzeigt. *3=* ln die Wartesäle (Sala d’aspetto) Isann man nicht hineingehen, ohne zuvor an der Kasse das Billet gelöst zu haben, welches vor dem Eintritt in die Säle hontrollirt und Jcoupirt wird. Mit den Eilzügen ftreni diretti) können weder Wägen, noch Pferde, noch Waaren mitgenommen werden; die Taxe der Eilziige steht um 20 Proc. höher; Reisende mit Billeten nicht direkter Züge haben die Differenz nachzuzahlen. Die Preise der Eilzüge stellen sich ungefähr für jeden Kilometer (12 Min.) Wegs I. Kl. 12 C., II. Kl. 9 C.; z. B. von Florenz nach Turin (521 Kil.) I. Kl. 62 Fr. 65 C., II. Kl. 47 Fr. 30 C.; von Venedig nach Turin (435 Kil.) I. Kl. 59 Fr. 15 C., II. Kl. 42 Fr. 70 C. Kinder unter 3 Jahren werden unentgeltlich zugelassen, müssen aber im Nothfall auf den Schoss genommen werden. Kinder zwischen 3 und 7 Jahren bezahlen die Hälfte der Taxe. — Bei der Bezahlung wird derjenige zuerst berücksichtigt, der das Geld gezählt darreicht. — Die Passagiere können von der zweiten oder dritten Klasse zu einer hohem übergehen, wenn sie die Differenz des Preises am Ort des Wechsels dem Kondukteur bezahlen. — Wer eine Station weiter fährt, als sein Billet angibt, hat erste Klasse für die Strecke zu bezahlen. — Bei jeder Station ist ein Buch für allfällige Klagen aufgelegt.— In allen Zügen (treni) I. und II. Klasse sind Wägen für Kickt-Raucher (vietati fumare) und für Raucher (pei fumatori). Das Gepäck, welches der Reisende mit sich in deu Wagen nimmt, soll im Gewicht Eisenbahnen. 9 20Kilogr. nicht überschreiten, und im Masse sich innerhalb 0,50, 0,25, 0,30 m. halten. 10 Min. vor Abgang des Zugs hört die Gepäckannahme (welche überhaupt ziemlich langwierig ist) auf; ffjr* man gehe deshalb zeitig hin und schaue nach seinen Koffern, dass dieselben mit dem richtigen Bestimmungsort versehen werden. — Das Handgepäck beschränke man auf das Nothwen- dige, da Gepäckträger an den Zügen nicht überall zu haben sind. Bei Ankunft in den Bahnhöfen kann man sein Effektenbillet (lo scontrino) dem Facchino des Gasthofs (dessen Name auf der Mütze steht) übergeben und sich so der Unannehmlichkeit des Wartens überheben. Fehlt ein Stück des Gepäcks, so hat man sich an den Capo Stazione zu wenden mit einer Liste der in den fehlenden Stücken (Golli) enthaltenen Gegenstände; der Capo Stazione gibt dann für die Abgabe des Scontrino ein Certifikat der Zahl und des Gewichts der fehlendeu Stücke als Rekla- mationsmittel. Geht Gepäck verloren, so wird nur bei assekurirtem Gepäck der dekla- rirte Preis zurückerstattet, dagegen bei nicht assekurirtem per Kilogr. nur 5 Fr. — Gepäck, das nicht binnen 24 St. zurückgezogen wird, bezahlt täglich 10 C. bis auf 1 Centn er, für jeden weitern Centner ebenso 10 C. — An der Aufgabestätte des Gepäcks in jedem Bahnhof kann bei Ankunft des Zugs das Gepäck als Deposito für 10 C. (per Centner und per Tag) abgegeben werden; man erhält einen Schein, auf welchem das Gewicht und die Zahl der Stücke angegeben ist, und bezahlt beim Wiederempfang des Gepäcks. Koupdplätze (man sitzt bequemer) müssen vorausbestellt werden, sie bezahlen eine Zuschlagtaxe (z. B. von Venedig nach Mailand 6 Fr., von Mailand nach Turin 2 Fr. etc.). — Hunde (cani) werden nur angenommen mit Maulkorb (museruola) und Koppelriemen (guinzaglio); nur ganz kleiue Schoss- hundo düx'fen (eingehülJt) in den Wagen hineingenommen werden, die anderen kommen in besondei*e Wägen (gabbie); die Administration haftet nicht bei dem Entweichen der Hunde. Der Tarif für den Transport eines Hundes ist 2y& C. pro Kilometer. Die Nachtzüge führen jetzt auch recht bequeme Schlafwagen (eompartimenti a letti), deren Preis etwas höher als der der Koupö- plätze ist; der Zuschlag zu einem Bill et I. Kl. beträgt z. B.: Bologna — Lecce 19 Fr., Bologna — Brindisi 18 Fr., Bologna — Bari 16 Fr., Bologna — Ancona 5 Fr., Ancona — Lecce 14Fr., Bologna — Foggia 13 Fr., Ancona — Brindisi 13 Fr., Ancona — Bari 10 Fr., Ancona — Foggia 7 Fr., Foggia — Lecce 7 Fr., Foggia — Bari 5 Fr., Foggia — Napoli 7 Fr., Foggia — Brindisi 7 Fr. Die Reisenden können diese Koupeplätze mit Betten jedoch nicht verlangen, wenn der Zug keine enthält oder keine mehr disponibel sind. In einem Com- partiment mit Betten darf nicht geraucht werden, es sei denn mit Zustimmung der anderen Reisenden. Es sind jetzt direkte Züge von Ober- italien nach Neapel eingerichtet. Von Genua (Abreise Abds.) bis Neapel in 27 St. I. KL 118 Fr. 25 C., II. Kl. 84 Fr. 75 C.; — von Turin (Abreise Abds.) I. Kl, 119 Fr. 90 C., II. Kl. 85 Fr. 90 C.; — von Mailand (Abreise Abds.) I. Kl. 109 Fr. 20 C., II. Kl. 78 Fr. 65 C.; — von Venedig (Abreise Abds.) I. KI. 102 Fr. 45 C., IL Kl. 72 Fr. 85 C; - von Verona I. Kl. 108 Fr. 40 C., II. Kl. 77 Fr. 15 C. Hauptagentur für die Südbahnen. Florenz: Via Renai 17. — Agenzien in Pes- cara, Chieti, Foggia, Barletta, Trani,Mol- fetta, Bari, Brindisi, Lecce, Taranto, Catanzaro, Reggio, Benevento, Salerno, Ca- stellamare, Sorento (meist im Centrum der Städte), für die Spedition. — In Neapel: Fratelli QueHa, Via grande Piliero 33. — Agenten in Deutschland: München, Gutleben & Weidert; — Berlin, Plialand & Dietrich; — Hamburg, J. F. Mathies & Komp.; — Leipzig, Johann Freygang; — Köln, II. Milchsach. Retourbillete. An den Stationen von Bologna, Ravenna und Ancona erhält man Retourbillete nach Neapel (über Foggia) und zurück mit 20 Proc. Rabatt; sie sind aber mir für 12 Tage gültig und lauten auf die Person. Mit diesen Billeten hat man auch das Recht, an 12 Zwischenstationen sich aufzuhalten. Von Bologna nach Neapel und zurück: I. Kl. 131 Fr., II. Kl. 91 Fr. 70 C., III. KL 52 Fr. 40 C. — Ancona-Neapel: I. Kl. 94 Fr. 40 C., II. KL 65 Fr. 85 O., III. Kl. 87 Fr. 70 C. — Ravenna-Neapel: I. KL 131 Fr., II. Kl. 91 Fr. 70 C., III. Kl. 52 Fr. 40 C. — Auch für die Strecken Taranto - Reggio, Benevento-Napoli, Napoli - Eboli, Napoli -^Gastellamare erhält man Retourbillete für alle drei Klassen. Doch sind auch diese Billete nicht übertragbar. Retourbillete für kleinere Stationen sind nicht nur für den Tag selbst, sondern auch noch für den ersten Zug des folgenden Tags gültig. Die am Tag vor einem Festtag fd. k. alle Sonntage, festa della Statuto, Weihnacht, Dreikönige, Himmelfahrt Christi, ; Empfängnis, Geburt und Himmelfahrt Mariä, Fronleichnam, Allerheiligen, St. Peter und Paul) genommenen Retourbillete sind für jeden Zug des folgenden Tags gültig und für den ersten Zug des dritten Tags; doch können die Reisenden III. Kl. nicht mit Eil- zug zurückfahren, selbst wenn dieser Wägen dritter Klasse hat. Der Reisende darf nicht selbst die Zerlegung des DoppelbiUets vornehmen. Rundreisebillete (Biglietti circolari) für Neapel, 60 Tage gültig, mit einer bedeutenden Ermässigung des Preises, sind für die Rundreise: a) Turin — Mailand — Padua—Venedig— Bologna — Florenz — Foligno—Rom—Neapel Rom— Civitavecchia—Livorno — Pisa—Spezia — Genua —Alessandria — Turin zu haben; I. Kl. 184 Fr. 70 C-, II. Kl. 129 Fr. 30 C., III. Kl. 85 Fr. 60 C. Oder: 10 Transportmittel. b) Turin—Alessandria—Genua—Spezia —Pisa — Lucca—Florenz—Empoli—Livorno — Civitavecckia—Rom — Neapel — Foggia — Ancona — Bologna — Padova—Venedig—Verona—Mailand—Turin: I. Kl. 196 Fr. 45 C., II. Kl. 137 Fr. 40 C., III. Kl. 88 Fr. 15 C. Diese Billete bereclitigen aber nur zu der vorgescliriebenen Rundreise, in der Richtung, mit welcher die Reise begann. Die Rundreise kann aber von jeder dieser Städte beliebig angetreten werden, lind auf den vorgeschriebenen Routen kann jede beliebige Station zum Halteplatz gemacht werden, wenn auf der vorherigen das Billet dem Stationschef zur Stempelung für den betreffenden Haltepunkt vorgelegt wurde. Käuflich sind die Rundreisebillete beider Reihen auch in Asti, Bergamo, Brescia, Ferrara, Novara, Padua, Pisa, Pistoja, Ro- vigo, Santliia, Spezia, Vercelli, Verona, Vicenza, Chiavari, Chivasso. Die Billete sind persönlich irnd nicht übertragbar; man hat daher bei dem Kauf derselben seinen Namen und Vornamen aii- zugeben. Der Tag, an welchem das Billet gekauft wird, zählt als der erste der 60 Tage; das Billet ist am 60. Tag noch bis Mitternacht gültig. — Man achte darauf, dass sie nicht bei dem starken Gebrauch in Falten brechen, weil abgex’issene nicht mehr als gültig anerkannt werden. Sehr zu empfehlen sind ein besonderer Lederumschlag und bei der Inspektion das Selbstaufsclila- gen. Der Stationschef schreibt die jedesmal angegebene Strecke in die Rubriken des von ihm gestempelten Billets; man hat also vor dem Antreten jeder besondern Strecke das Cirkularbillet dem Stationschef (Capo- stazione) im Bahnhof zu präsentiren. Inden grösseren Bahnhöfen sind dazu besondere Einlassklappen mit der Uebersclirift »Pei higlietti circolari « bestimmt; in den kleineren Bahnhöfen besorgen meist die gewöhnlichen Billeteurs auch diese Funktion. Die Billete geben das Recht, mit allen Zügen derjenigen Klasse zu fahren, auf welche sie lauten; Billete III. Klasse können deshalb nur mit den ordinären (Omni- bus-)Zügen fahren, während Billete II. Klasse auch zu den Eilzügen berechtigen. — Wenn die 60 Tage abgelaufen sind, so hört die Gültigkeit der Billete auf, auch wenn die Rundreise noch nicht vollendet ist. — Kinder bezahlen denselben Preis für Cirkular- billete wie Erwachsene, nur Kinder unter drei Jahren sind frei. — Wer an einer Station aussteigt, um eine Seitentour anzutreten, und dann die Bahn an einer spätem Strecke wieder benutzen will, hat am Bahnhof des Aussteigeorts dem Stationschef die Anzeige zu machen, wo er wieder einzusteigen beabsichtigt. Es wird dann auf das Billet geschrieben: »Gültig zur Fortsetzung der Reise bei Station N...«. Will der Besitzer eines Cirkularbillets, nachdem er eine bestimmte Station auf seinem Billet hat vormerken lassen, doch in einer Zwischenstation sich aufhalten, so muss er es dem Stationschef derselben an- zeigen, damit dieser auf dem Billet die Veränderung eintrage. Wer diese Formalität vergisst und nach diesem irregulären Aufenthalt seine Reise fortsetzt, hat dreifache Taxe des vollen Tarifs zu bezahlen für die ganze Strecke, welche durch den letzten Stationschef vorgemerkt wurde. In den Agenzien der grösseren deutschen Städte, z. B. Frankfurt, München, Prag, erhält man auch internationale Cir- kularbillete. In jüngster Zeit gibt es Cirku- larbillctc mit Koupons für die Route Wien— Neapel, auf 60 Tage gültig (Wien — Graz — Lubiana —Triest— Cormons—Udine—Venedig — Padua — Bologna — Florenz—Empoli— Pisa — Livorno — Civitavecchia —Rom—Neapel — Rom — Foligno — Florenz — Bologna — Piacenza — Alessandria —• Genua — Turin — Mailand—Verona — Peri— Bozen—Franzensfeste — Bruneck — Lienz — Sachsenburg — Villach — Marburg'—Graz — Wien.): I. Kl. 327 Fr. 5 C. (davon in Gold 150 Fr.), II. Kl. 214 Fr. 65 C. (in Gold 90 Fr.), III. Kl. 145 Fr. 50 C. (in Gold 60 Fr.). Der Corriere besorgt die Briefpost und hat meist nur fiir zwei Personen Platz; Preise höher, aber rasche, gute Fahrt. — Die Diligence ist Damen nur dann zu empfehlen, wenn sie Koupeplätze erhalten können; im Innern sind die Wägen meist primitiv, sowie auch oft die Gesellschaft. Die Nebenorte besucht man mit Vetturino. Wo diese regelmässig gehen, sind sie zwar weder rasche, noch bequeme , aber sehr billige Yebikel. Wo sie aber extra gemietet werden müssen, wird der Tag mit ca. 20—25 Fr. berechnet, Man hat die Vetturini mit Unrecht verschrieen. Einmal den Pakt mit ihnen abgeschlossen, und zwar schriftlich, selbst wenn sie nicht lesen und schreiben können, sondern der Vertrag ihnen vorgelesen werden muss, halten sie sich meist pünktlich an ihre Verpflichtungen, sind dienstfertig und besorgen auch die akkordirten Mahlzeiten, billigen Anforderungen entsprechend. Sobald der Vetturino unterschrieben hat, erhält man von demselben ein Daraufgeld (gabarra) und kann sich dann auf die Stunde der Abfahrt verlassen. — Ferner vergesse man nicht die ausdrückliche Bedingung, ob es dem Kutscher erlaubt sei, noch weitere Personen in - und ausserhalb des Wagens aufzunehmen. Ebenso merke man sich die Nummer, da sie den Platz bedingt (ilprimo Transportmittel. 11 oder il secondo posto berechtigen zum Vornsitzen), oder mache den Platz ausdrücklich zuvor mit dem Kutscher aus. Einspänner für 4 — 5 Miglien sind fast überall zu ca. 3 Er. zu erhalten. Retourkutschen trifft man selten. Kontrakt für einen besondern Wagen. II Signore X. e sua famiglza (oder s uoi amici mit Angabe der Zahl) saranno condotti dal sottoscritto Vetturino in una buona carozza con (Anzahl 2 oder 0) buoni cavalli da (Ort der Abfahrt) a (Ort der Bestimmung) in (Anzahl der Tage) giorni, vale a dire: il primo giorno cioe il (Angabe des Datums) da . . a . . . (etwaige Seitentouren nicht zu vergessen!); il secondo da ... a ... Si partirä ogni giorno a (Angabe der Stunde) e si arriverä ogni giorno non piü tardi delV Ave Maria. Sarä proibito al vetturino, di dare a cki che sia un ■posto fuori o nell interno della vitlwa, la quäle sarä ajfato alla disposizione dei detli viaggiatori. Non sarä permesso ne il cambio della carozza, ne del vetturino. Si farä la collazione e il pranzo ogni giorno al conto del Vetturino e saranno serviti in un buono e polito albergo, lamattina 3 piatti, la sera 5 piafti, il vino compreso. Anche l’allogio sarä a spese del vetturino, che sarä tennto di procurare letti buoni e politi, in (Anzahl) stanze separate. Arrivato al luogo destinato il Signore X. pagherä al sottoscritto Vetturino, quando colui avrä riempito le sopradette condizioni, la somma di (Angabe in Pranken), e saranno comprese in questa somma tutte le spese senza eccezione. Folgen die Unterschriften, für deren Authenticität auch das blosse Kreuz des Vetturins ausreicht, falls er nicht schreiben kann. Trinkgeld erwartet der Vetturino etwa 3 Fr. pro Tag. Auch dieses kann man vorher bedingen oder sich nach Rücksprache mit dem Vetturino als Belohnung für etwa gute Bedienung Vorbehalten. Ausflüge. Fusswanderungen sind ziemlich unpopulär in Italien und wurden mu* durch die Fremden eingeführt. Zu anstrengenden Märschen eignet sich das Klima nicht, und in vielen Gegenden verwehrt Staub, Hitze und Mangel alles Komforts den Genuss; an manchen Orten auch das Räuberwesen. Herrliche Punkte in grösster Auswahl liegen glücklicherweise unweit der grossen Centren, die man zu längerem Aufenthalt wählt. Und sie gewähren eine so überwältigende Fülle malerischer Stellen, so prachtvolles Farbenspiel und Linienschönheit, so reizende Wald-, Fels-, Burg-, See- und Gebirgspartien, dass niemand sie unbesucht lassen sollte. Einen grossem Ausflug beginne man nie an einem Scirocco- Tag. — Das Beiten (zu Pferde oder zu Esel) bietet oft die grössten Vortheile, besonders bei längeren Bergpartien, wo der Begleiter als Treiber, Führer und Bedienter fungirt. Man kann sich meist auf Führer und Thier verlassen, wenn sie an einem von Fremden besuchten Ort gedungen werden. Doch akkordire man »tutto compreso« und füge dann zuletzt noch ein beliebiges Trinkgeld bei. Damen sollten selbst kleinere Touren sich auf diese Weise genussreicher machen. Willkürliche Abkürzungen des Wegs verbitte man sich. Nachträgliche Ueber- forderungen und Drohungen weise man mit Bestimmtheit und Ruhe zurück. Dampfschiffe. Der Seeweg wird von vielen Reisenden der Eisenbahn vorgezogen und gewährt durch oft wahrhaft magische Beleuchtungen an den Küsten sowie auf dem offenen Meer Schönheiten ganz eigenthümlicher Art. Die Ausfahrt aus dem Hafen gehört oft zu den herrlichsten pittoresken Genüssen. Manchen Reisenden ist diese Reiseart um so mehr zu empfehlen, als ihre Kräfte durch die Eisenbahntouren schneller verbraucht werden. Gegen die Tücken der Seekraiilc- heit hilft in der Regel am besten eine gute, sorgfältig geschonte Verdauung und bei der ersten Anwandlung horizontale Lage. Dass man bei kürzerer Seefahrt auf dem Verdeck bleibt, versteht sich von selbst, da der in den Kajüten herrschende Geruch, ganz abgesehen vom Schaukeln des Schiffs, hinreicht, Uebelkeit zu erzeugen. Als erprobtes Mittel gegen Seekrankheit empfiehlt man eine Mischung von D /2 Gramm Cliloral, 25 Gr. destillirtem Wasser, 30 Gr. Klosterbeerensirup und 1 Tropfen Pfeffermünzessenz (oder auch nur destillirtem Cliloral oder 2 TheelöfFel Chloralsirup in einem halben Glas Wasser). Diese Mischling nimmt man kurz vor Abfahrt des Schiffs ein, nachdem man sich auf dem Verdeck einen bequemen Platz ausgesucht hat. Bei kurzer Seereise darf die Dosis nicht wiederholt werden, bei längeren Reisen jedoch nehme man nach einer Zwischenzeit von 8—10 St. eine zweite Dosis und danach eine Dosis von J /2 Gr. zweimal täglich. Reisende I. KI. haben auf allen italienischen Dampfschiffen 100 Kilogr. Gepäck frei; Reisende II. Kl. 60 Kilogr. — Die Fahrbillete erhält man auf der Dampfschiffagentur; für Familien von mindestens drei 12 Grasthofswesen. Personen wird ein Rabatt von 20 Proc. für die I. und II. Kl. gewährt; auf den französischen Dampfern der Comp. Fraissinet et Valery bis 30 Proc. (doch fahren diese Schiffe meist nur Nachts). Sogleich nach Betreten des Schiffs ergreife man Besitz von einer Koje, oder versichere sich einer solchen schon vorher. Die Kajüten I. Kl. sind reinlich und schön und Damen allein zu empfehlen. Der obere Schiffsraum kann in seiner ganzen Lange von beiden Klassen benutzt werden. Die Kost, in beiden Kajüten meist dieselbe, besteht aus einem Gabelfrühstück Morg. 10 Uhr (3 Platten, Wein und Kaffee) und Diner um 5 Uhr mit Wein und Kaffee. Für die I. Kl. später noch Thee. Eine Tasse Kaffee Morgens früh extra 25 C. Der Kellner erhält für eine Tagesfahrt etwa 1 Fr. pro Person, für besondere Bemühungen mehr. Für die Gondelfahrt zum Dampfschiff hat man überall Tarife, die Bezahlung findet am Bord statt. Hier wird das Billet abgenommen und die Schlafstelle angewiesen; das grössere Gepäck kommt in den untern Schiffsraum, das kleinere zur Schlafstelle. — Etwaige, wohl sehr selten vorkommende Beschwerden richte man direkt an den Kapitän. Gondeifahrten an den Küsten sind jetzt vielerorts tarifirt. Wo es keinen Tarif gibt, akkordire man genau, wenn man sich nicht fabelhaften Ueberforde- rungen aussetzen will. Der erstgeforderte Preis darf dreist auf die Hälfte und noch mehr herabgesetzt werden, das Trinkgeld lasse man von der Güte der Bedienung abhängen und akkordire lieber »buona mancia compresa«. Gasthöfe. Die grossen Gasthöfe der Hauptstädte haben jetzt wie allerwärts das kosmopolitische Gewand angelegt und gleichen in Einrichtung und Preisen denen der übrigen Grossstädte Europa’s. — Zimmer je nach Lage: 2 1 j2 — 5 Fr. und höher; Table d’hote 5—6 Fr., Diner a part 5—7 Fr.; Service 1 Fr. Die unvermeidliche ßougie 75 C. bis 1 Fr. Für längeres Verweilen 12 — 15 Fr. pro Tag (sogen. Pensionspreis), wobei oft der Wein und fast immer Licht und Heizung besonders zu bezahlen sind. — Bei Gasthöfen zweiten Ranges, deren Hauptuntugend die Unreinlichkeit ist, akkordire man zum voraus, oder erkundige sich wenigstens genau nach den Preisen. Das Frühstück wird sehr selten dort, sondern meist im Cafe genommen. Viele geben auch kein Mittagessen, da die Italiener das Essen in den wohlfeileren Restaurants vorziehen; Zimmer ca. IV 2 —3 Fr., Kerze */2 Fr., Service Fr. — Die Rechnung lasse man sich nicht erst im Augenblick der Abreise geben. Werthsachen und grössere Geldsummen hinterlege man gegen Bescheinigung im Biireau des Hotels. Der Italiener betrachtet das Trinkgeld als etwas Unerlässliches, ist aber, wo er Kenntnis der Sitten und ein bestimmtes Auftreten sieht, mit sehr Wenigem zufrieden. Unverschämten Forderungen von Wirten , Kutschern, Facchini’s, Bedienten etc., denen der Fremde als kalifornische Mine gilt, an die man nur tüchtig pochen darf, um Gold zu erhalten, begegne man nicht mit Scheltworten, sondern mit der ruhigen Erklärung: »Fate il prezzo giusto; vi siete, forse ingannato«. Sowie der Italiener merkt, dass der Fremde die Preise kennt (»prattico « ist), lassen sich hohe Forderungen leicht auf ihr Mass reduciren. Für kurzem Aufenthalt in den Hauptstädten sind namentlich bei Begleitung von Damen die sogen. Pensionen sehr zu empfehlen, wo man 10 bis 12 Fr. (Zimmer; 1. und 2. Frühstück; Mittagessen) für den Tag pro Person berechnet. Für langem Aufenthalt sind Privatwohnungen und der Besuch der Restaurants, oder Besorgung des Essens in die Wohnung billiger. Ein Einzelner kann für l 1 ^—2 Fr. pro Tag in den meisten Hauptstädten monatliche Zimmer und für 4—5 Fr. täglich leidliches, oft sogar sehr gutes Gabelfrühstück und Mittagessen in den Restaurants erhalten. Beim Mieten grösserer möblirter Wohnungen lasse man den Vertrag schriftlich aufsetzen, mit genauer Angabe des Inventars. Man überzeuge sich genau von dem guten Zustand des Fussteppichs und Ofens, des Fenster- und Thürverschlusses und mache den Preis für Heizung und Beleuchtung aus. — In den Trattorien (Speisehäusern) speist man meist nach der Karte; manche geben durch Anschlag auch besondere Preise für Table d’hote an. In der Mehrzahl der Trattorien beginnt der Tisch erst von Mittags 12 Uhr an. Der Kellner erhält vom 13 9 'J 1 trasihofswesen (Trattorien, Osterien, Cafes). Fremden in der Regel 15 C. (vom Italiener pro 1 Fr. Zehrung je 5 C.). Konversation kann man ohne Förmlichkeit mit jedem Tischnachbar beginnen. Namen für die gewöhnlichsten Speisen (vgl. den Speisezettel bei den Hauptstädten): 1) Suppen: Minestra, Wassersuppe; Zuppa, Suppe mit Fleischbrühe; Brodo, Fleischbrühe, con Pasta, Vermicelli (fettucini) mit Nudeln; Santä (mit Grünem); core Biso, conPiselli, conFagioli, con Semola (mit Reis, Erbsen, Bohnen, Gries) Risotto, mit Butter bereiteter Reisstock; Maccaroni al sugo oder dl burro (Maccaroni mit Brühe oder Butter). 2) Gemüse: Spinaci, Spinat; Cavolo, Kohl; Cavolo ßore, Blumenkohl; Broccoli, Krausekohl; Carciofi, Artischoken; Piselli, Erbsen; Fagioli, Bohnen; Patate, Kartoffeln; Carotte, Rüben; Funghi, Schwämme; Zucchini, Kürbis; Asparagi, Spargeln; — Eierspeisen: Uova al piatto, Spiegeleier; Frittata, Eierkuchen; Uovo duro, hartes Ei; Uovo da bere, weichgesottenes Ei. 3) Fleisch: Manzo, gesottenes Rindfleisch; Uraido, Fleisch mit Sauce; Fritto, in Butter und Eier gebacken; Arrosto, Braten (Arrosto di vitello, Kalbsbraten); Polio, Huhn; Pollastro, Kapaun; Gallinaccio, Truthahn; Costoletta, Kotelette (di vitello, mongana, ma- jale, Kalbs-, Schafs-und Schweinskotelette); Öapretta, Ziegenfleisch; Agnello, Lammfleisch; Bistecca, Beefsteak; Coscia di Manzo, Lendenbraten; Slufato, Ragout; Pesce, Fisch (Luccio, Hecht; Carpio, Karpfen; Trota, Forelle ; Anguilla, Aal); Fegato, Leber; Animelli, Kalbsbrustdrüse; Cervello, Gehirn; Presciuto, Schinken ( Mostarda, Senape, Senf). 4) Nachtisch: Formaggio, Käs e;Pasta, Backwerk; Crostata, Butterteig (di visciole, ricotta, pomi, mit Weichsein, dicker Milch, Aepfeln); Zuppa inglese, Torte mit Schaum; Giardinetto, gemischte Früchte (ciriegie, Kirschen; Pere, Birnen; Aioci, Nüsse; Pesche, Pfirsiche; Uva, Trauben; Aranci, Orangen; Fichi, Feigen; Fragole, Erdbeeren). Den neapolitanischen Speisezettel s. S. 86. Pie Osterien (Weinhäuser) oder, wie sie in der Basilicata und in Kalabrien heissen, Tavernen sind die Volkskneipen, primitiv ausgestattet, nicht immer reinlich, sehr billig und der Wein oft vortrefflich; der Besuch zu Volksstudien sehr geeignet, aber auch nur dazu. Man bringt meist den Speisebedarf mit! Pie Cafes sind dem Italiener ein Theil des Lebens. Zeitungen werden meist nur hier gelesen. Von französischen Journalen findet man in den grösseren Cafes gewöhnlich die drei Hauptjournale aufgelegt, von den deutschen in vielen die Augsburger Allgemeine Zeitung, auch wohl die Neue Freie Presse. Per Milchkaffee ist im Süden von Italien theurer als in Rom, aber immerhin noch sehr billig, 30—40 C. Pie kleine Tasse schwarzen Kaffees (Cafe nero) 15—25 C. Chokolade 80 C. In allen grösseren Cafes kann man auch Gabelfrühstück haben (Kotelette 1 Fr.; Beefsteak 1 Fr. 40 C.; ein Ei 20 C.). Pas Eis ist meist vortrefflich; ein Fezzo (grosses Rundstück) 60 C.; ein gewöhnliches Eis (Gelato) 40 C.; ebenso Körnereis (Granita). An wärmeren Tagen setzt man sich an kleinen Tischchen vor das Cafe. In vielen Städten erhält man erst gegen 5 Uhr Abends Eis. Nur wenige Cafes bleiben die ganze Nacht offen. Pem Kellner geben die Fremden gewöhnlich 5 C. Beim Wechseln überzähle man das Zurückerstattete und sehe sich das Geld an. Manche Kellner sind auch Cigarrenhändler und bieten ihre wohlfeil importirte Waare freilich zu sehr hohen Preisen an. Cigarren und Tabak. Pa der Tabak Staatsmonopol ist, so lässt er viel zu wünschen übrig. Am meisten wird geraucht: lange Virginia (in jedem Cafe und Restaurant wird gleich das Licht herbeigebracht zur Verkohlung des Endstücks) 10 C., Scelti Romani 10 C., Cavour 7 C. Sogen. Iiavana von 25 C. an bei der Societa anonima. Wer im Rauchen verwöhnt ist, nehme sich ja Cigarren aus Peutschland mit, der Zoll beträgt für das Kilo (ca. 200 Stück) allerdings 20 Fr., man thut aber noch immer viel besser, da man eine geniessbare Cigarre unter 50 C. nicht erhält. Auf der Bahnhofs -Pouane wird nur 1 Kilo verzollt, grössere Partien nehmen also mehr Zeit in Anspruch. Man kontrollire die Zollquittung auf Gewicht und Betrag und hebe dieselbe sorgfältig auf, da man sie bei Revisionen im Innern des Landes vorzeigen muss. Lohndiener (Domestico di Piazza), ein notliwendiges Uebel für die der Sprache Unkundigen und in ihrer Zeit Beschränkten, sind die stehenden Figuren eines jeden grossem Gastbofs; für den Tag 5-—6 Fr., für 2 Stunden 2 Fr., ein 14 Allgemeine Verlialtimgsinassregeln. einzelner Gang V 2 Fr. Man bestimme dalier je nach Massgabe des Bedarfs die Zeit zuvor genau, lege eine fixe Liste von dem vor, was man sehen will, lasse sich nicht durch Wilikiirlichkeiten von seinen Plänen abbringen und lerne dann von den Ciceroni gleichzeitig die specifisch italienischen Anschauungen. Die Lohndiener besorgen auch Theaterbillete, machen Einkäufe für den Fremden (wobei aber der Fremde die 5 Proc. mitbezahlt, die der Verkäufer nachher dem Cicerone gibt) etc. — Gute Vorstudien im Reisehandbuch und ein danach entworferner Plan machen bei allen Touren, die man zu Wagen zurücklegen kann, den Cicerone unnothig; nur bezeichne man dem Kutscher genau die Reihenfolge der Besuchsorte. Die Facchini (Gepäckträger), die ein ästhetischer Schriftsteller eine besondere Species italienischen Ungeziefers genannt hat, dürsten in der That wie die Stechmücke nach einem Aderlass des Fremden, sind aber, wenn man bestimmt und ruhig einen wählt, den Preis genau akkordirt, an Orten, wo keine Öffentliche Kontrolle ist, ihm auf dem Fuss folgt und vorher ausmacht, das Gepäck müsse bis in die Stube getragen werden, doch besser als ihr Ruf. Sie machen meist Nachforderungen (oft unverschämte) für ein Trinkgeld; man wiederhole ihnen den genau stipulirten Vertrag, füge etwa bei: »Un cristiano« oder »un galantuomo tiene la sua parola«, und gebe dann gutwillig eine Kleinigkeit »pel cafe«. — Wird das Trinkgeld dennoch als zu gering zurückgewiesen, so hilft gewöhnlich ein »dunque non volete niente?« gründlich. Das Markten um die Preise ist leider in Italien noch so sehr an der Tagesordnung, dass es selbst in den Magazinen zu prezzi fissi nicht unterlassen wird. Fast alles erhält man zu 2 /3 der Forderung, zuweilen noch um viel weniger; man nehme daher die Preise Deutschlands und Frankreichs zum Massstab, mit der Berücksichtigung, dass Holz-, Eisen- und Lederwaaren theurer, Seidenwaaren, Kleider, Schirme, Handschuhe, Schmucksachen billiger sind. Verkehr. Der Verkehr mit den Italienern hat bei der grossen geistigen Begabung- dieses Volks, der ausserordentlichen Lebhaftigkeit seiner Empfindung, der genialen Auffassung des Schönen einen besondern Reiz für den Nordländer, besonders wenn dieser derSprache undGescliichte des Landes kundig ist und nicht mit lächerlicher vornehmer Verachtung in jedem Italiener einen halben Briganten wittert. Bei der Unkultur, in der man in zahlreichen Gegenden bisher das Volk gelassen hatte, ist es für den Deutschen geradezu unbegreiflich, welch hoher Grad von Empfänglichkeit und lebendiger geistiger Gewandtheit selbst dem Niedrigsten blieb. Gelingt es dem italienischen Volk, die Knabenschuhe einer unglückliche]! Erziehung auszutreten und den Flegeljahren durch die Heranbildung eines männlichen Charakters sich zu entwinden, so wird kein Volk höher stehen, als der Italiener. Der Reisende möge bedenken, dass man Deutschland auch nicht in den Gasthöfen und Bädern kennen lernt, und gerade an diesen Stätten die schlimmste Seite der italienischen Eigenthiimlichkeit in Karikaturzügen vorliegt. Die italienische Nation lebt mehr unter sich und steht dem Fremden nicht so offen wie die deutsche. Ins Innere des Familienlebens wirft dieser selten einen richtigen Blick. Auf Reisen wird auch der verschlossenste Italiener liebenswürdig und gesprächig, wenn man, seine Sprache redend, über die Eigentümlichkeiten des Landes ihn befragt und reges Interesse an den geistigen Gütern der Nation zeigt. Ein Gruss beim Einsteigen, eine einfache Frage leiten die Unterhaltung sogleich ein. Am nächsten steht dem Deutschen der gefällige, gebildete Toskaner; der Nord-Italiener ist dem Süd-Franzosen und Süd - Schweizer verwandter. Empfehlungsschreiben an italienische Familien sollte man sich, wo immer möglich, verschaffen, da sie nicht nur für eine Menge Vorkommenheiten von Nutzen sind, sondern zur Kenntnis von Land und Leuten wesentlich beitragen. Allgemeine Yerhalttmgsniassregeln. 15 Ein Empfehlungsschreiben an den Konsul oder die Gesandtschaft des eigenen Landes ist namentlich bei Damenbegleitung von grossem Werth. Audi Empfehlungen an Geistliche gewähren grosse Annehmlichkeit, da sie in den Hauptstädten zu den gebildetsten und liebenswürdigsten Männern gehören, in den Sehenswürdigkeiten meist die bewandertsten sind. In vornehmeren Familien versäume man nicht, der Dienerschaft ein paarmal durch einen Scudo für die Adresse des Eingeladenen das Gedächtnis zu schärfen. Für die Heise in der Basilicata und in Kalabrien sind Empfehlungen an begüterte Familien fast unerlässlich, da die Tavernen und Fondaclii oft kaum die noth wendigsten Bedürfnisse befriedigen. Die Konsulate, die Hötels u. a. besorgen derartige Empfehlungen meist zur Genüge. Die Gastfreundschaft in solchen Familien ist eine ausserordentlich loyale. Trinkgelder. In den öffentlichen Sammlungen Italiens sind die Tage des Gratis-Eintritts angegeben; in sehr vielen ist 1 Fr. Eintritt obligatorisch. — In Privatsammlungen, Kirchen und Klöstern ist das Trinkgeld für den Einzelnen meist V 2 Fr., in Palästen 1 Fr. (Häufig halten die Kustoden einen Verkauf von Photographien, die aber meisterheblich theurersind als bei den Kunsthändlern in der Stadt.) Die Bettelei in Italien ist wieder im Wachsthum begriffen. Nur wenige Städte handhaben die Verordnungen gegen dieselbe durchgreifend. Bettlern vor der Kirche gebe man für die Dienstleistung des OefFnens der schweren Vordecke etwa 5 —10 C. Almosen sollten nie, ausser bei schweren Leiden, hohem Alter oder Dienstleistung verabreicht werden, sonst hat man die Bettler wie die Stechmücken an sich. Eine bestimmte Kopfverneinung hilft mehr als Worte. Uebrigens wird man nie bereuen, kleines Kupfergeld bei sich zu tragen. Ueber die Räuber, den Schrecken Italiens, wird zum Theil viel gefabelt. Als Eigenthümlichkeit des gegenwärtigen Raubwesens, dessen Hauptschrecken das Wegschleppen des Fremden und die Erpressung von fabelhaften Summen für seine Entlassung bildet, kann die allen Umwohnern bekannte Niederlassung der Räuber an bestimmten Orten bezeichnet werden. Will man einen im Ruf der Unsicherheit stehenden Ort besuchen, so kann man fast sichere Erkundigung einziehen, ob die Räuber da oder anderswo seien, da vereinzelte Anfälle jetzt weit weniger Vorkommen, als Angriffe organisirter Banden, die sich in einer Art Guerrillakrieg eingeübt haben. Es ist übrigens gegenwärtig weit mehr auf den reichen Besitzer der Umgegend als auf den Reisenden abgesehen, der jetzt sogar weit weniger Gefahr läuft als früher. Waffen gegen Räuber mit sich zu führen, ist meist völlig nutzlos, oft gefährlich. Grosse Einfachheit, Ruhe und Freundlichkeit präservirt am besten gegen vereinzelte Angriffe, wie z. B. die Künstler änsserst selten solchen Unfällen ausgesetzt sind, obschon sie oft in den verdächtigsten Gegenden weilen. — Den verkommenen Landmann macht zuweilen nur die Gelegenheit zum improvisirten Räuber. Die Kirchen sind in den Wochentagen meist von 12 — 3 Uhr geschlossen, Abends jedoch bis nach dem Ave Maria offen, Morgens meist schon vor 6 Uhr; in Neapel werden die meisten Kirchen nach 1 Uhr nicht mehr geöffnet. Man hat sich dann an den Sakristan zu wenden. Die Besichtigung der Kunstwerke ist dem Fremden zu jeder Zeit gestattet, nur nicht an den Altären, wo fungirt wird. Die Toleranz der Katholiken ist darin allen Religionsfomien voran. Immerhin vermeide man womöglich die Besichtigung an hohen Festtagen und Sonntagen und vergesse nicht, wo inan sich befindet. In grösseren Städten und wo man Panorama und Topographie genauer kennen lernen will, kann das Besteigen der Kirchthürme nicht dringend genug empfohlen werden, denn die Vogelperspektive gibt oft raschere Auskunft als viele Touren. Einen Blick in die Campi Santj, diese Lebensqnelle der Erinnerung, wo Künstlerbände und sinnige Weihe der geistlichen Stätte einen idealen Kultus hinzugefügt haben, 16 Allgemeine Verlialttmgsmassregeln. sollte niemand versäumen. Ein Campo Santo wie zu Pisa ist freilich nicht mehr entstanden, aber der Sinn für die Würde der Grabstätten ist in Italien aufs neue lebendig geworden, und der Kunst blüht hier ein frisches, reiches Feld; auch hat die jüngste Zeit manches Treffliche geleistet. Die Museen sind an den (im Buch überall speciell angegebenen) bestimmten Tagen meist von 10 — S Uhr zugänglich, ebenso die Paläste. Bei melireren bedeutenden Sammlungen rückt die Schliessung 1 mit dem Ave Maria (d. h. mit dem Sonnenuntergang) vor. Die Zeit des Ave Maria ist im Januar Abends 5— 5 I U Uhr; Februar 5Va—6; März 6—ß 3 /^; April 6 3 /4 —7 1 /*; Mai 7 x /a — 7 3 /: • -tx-- -r^}ürP'"J^ : -- ."■—•- ^-RovcfCftifioltc ^-f^rK^K: ;• •- —''■■ ; 'O' C* AA y ,**&,« A/ ., ? .-/ V ARPIXO M.Cutoi Dimitn tft Jp*£öuftj! SdfeUi WSu-olo ■ O^K"' '%'■' '" • > '<'fcO*« VlO^u» VT ••< l"-.’^* 1 *. A *»»^i Wto Ognts Piedimorite ^^Wni'CJtfo CogfmarL f $4; kfonbaia , f!/r&$iecq ) Sj>motfato StfeHfrc-'' ^gßaLjy'fuu ad l-oi^nA ;/ y Mnrgm ^yi^^a€ 0 , SuMa-qU^um ,, „ ■ älVHZXv. T™ •‘ Anüeoh +^° p $ tranyoUujtdli XJ Äwr'ÄÄ«ft?KJ WmxTF%*?- ' .1» Äk-CftMeruiV) V , '' '“- ' i'M' 'rtfc/f* l^id&DHn ‘"” ■+■ ft iim 1» «-| dl . ■ * H >' di X Pl. J__ \ ✓ Torric# \ tmp ■^7 , ^sF > --:.. ^%ias / JöTVifiXi”- // Ticc/iUnaSC- & U ^ J1 Cepran Wfre&JfcU j iffrtfrikiht / > ■elJSvtUBtia - M ■ J/J saano Ferenfino^-ertÄmun^ x * ■•■ 5’ <4 QSfainone. r\ , ttnp'^ ••.b-'enfijfipfuro \ rniU-.T uidi, Y otüraUL' ,xp'~ '•iftro' ‘ J.r'bieus/b)- ,- s : ßoetaPri€fra, . s ^ xrtt/i __ ’*A-—n.. v.- ®Ccq>rai Sonpreviso : (\4y*»(h-btifyi yCfr^ H-ttf-, i ’öÖ^’Aß •.- > JP*G 7 Tiir>fitri t x& ntPi « n”d *^ a JMupp)*.-, x .• 1 Jxccca TttDSSUJUir, * -x -.v' R"' 'nSa "WSt* l -"’ / ' ; < * ÄA v»V -vS • C«l‘l-nJfc?<^ •- ^ Catndk&h !• Frasia O # tSorminö / nmn-Q (infame Oflp^ße ■“"»A d<&ttontt .h-j'.HhiffUi .. äSPHS" ^••-f3l , “Cavo'.L&ns^'«n^r c?js/^ fF.IJ.K 5LTJomonn eG«i sptia Mezzayu sui s : 5uvrd0f!liuifir., n f«W .7] ■Pomrfio fprftctap A; F alndioj fwtorÄr'r.SW Sponsas M.Irfüuo . A 'osta-di 336 ^^Tr&s.fa&rnsic Ji%^^JoroJpfj um^vib/um t\»W» Gaiiuio tli^üilmigri Selvayili C i sterna $*B&r^e'öferi»/a' ■ //A'i'.v/;- alißS. 1 .-.',-. '•''; ; S./';. iil /.'', Umw Selva ziatihä a£tGs> 1 Ai'ltiwfttv V// I. Terra di Laroro, I. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel. Vgl. die Karten bei S. 18 und 22. (2G0 Kil.) Eisenbahn. Schnellzüge in 7 St., I. 34 Fr. 25 C. 5 II. 23 Fr. 50 C. — Omnibuszug in 9V-i St., I. 28 Fr. 75 C., II. 19 Fr. 90 c., m. 14 Fr. Die ffilzügc halten nur bei den Stationen: ( 3 /4 St.) Albano, (D/e St.) Velletri, (2 St.) Segni, (2V2 St.) Frosinone, (3 St.j Ceprano, (ü A / 2 St.) Roccasecca, (4 St.) S. Ger- mano (für Monte Cassino), (5 St.) Cajanello, (ot/4 St.) Teano, (5Va St.) Sparanisi, (6 St.) Capua, (6Va St.) Caserta-, (6V2 St.) Cancello, (7 St.) Neapel. — Aufenthalt nur in Ceprano 8-15 Min. Ausser den Ilanptzügen (gegenwärtig zwei Eilzüge und ein Omnibuszug) gibt es noch drei besondere zwischen Capua und Neapel und einen zwischen Ceprano und Neapel ; letzterer ist für Monte Cassino zu berücksichtigen. Man sitze landwärts (i.). Reisende I. Kl. können reservirte Koupe- platze unter folgenderTaxerhöhung erhalten: für jeden Platz bis auf je 100 Kil. 1 Fr. 5 C.; von 101—200Kil. 2 Fr. 60 C.; von 203—400 Kil. 5 Fr. 15 C.; von 401—600 Kil. 7 Fr. 75 C.; — über 600 Kil. 10 Fr. 30 C. Für den Preis von 12 Billeten I.K1. erhält man einen »CaiTozze- Salone«, in welchen jedoch nicht mehr als 12 Personen aufgenommen werden; auch gibt es kleinere »Saloni« für 10 Personen und zu 10 Billeten. Retourbillete , von Rom nach Neapel und umgekehrt erhält man am Sonnabend, welche vom ersten Zug Sonnabends bis zum zweiten Zug Montags gültig sind: I. KI. 41 Fr. 15 C., II. Kl. 28 Fr. 25 C-, III. Kl. 16 Fr. 85 C. Ausführlicheres über die Tour von Rom bis Velletri s. des Verfassers »Rom und Mittel- Italien«, Bd. I, Route 8 u. 9. Die ganze Strecke von Rom bis Neapel ist malerisch sehr schön, und sollte daher von Touristen nicht- mit dem Eilzug Nachts befahren, werden. Nach der Abfahrt vom Bahnhof köstlicher Blick auf (r.) S. Maria maggiore, die Aquädukte der Julia und Felice, Porta S. Lorenzo, Lateran, Tempio di Minerva Unter- Italien. I. medica, Porta maggiore und Aureliani- sclie Mauer. — R. Aquädukt, PortaFurha, Acqua Claudia, Via Appia; 1. Monte del Grano und weiter Blick über die Cam- pagna bis zu der ganzen Kette der Sabinergebirge. L. Gräber, Pinien, Rohrhütten. Bei (14 Kil.) Stat. Ciampino Zweigbahn nach Frascati. L. Albanergebirge. — (IG Kil.) Stat. Marino, 1. oben (1 St.) die Stadt Marino, Ilocca di Papa, das Panorama beherrschend, dann Castel (rem <7oZ/b,zur Seite der Bahn 1. Oliven und Reben. Durchkreuzung des alten Lavastroms (der die Via Appia entlang zieht) und des Ausflusses des Albaner Sees. (28 Kil.) Stat. Albano. Die Stadt (Russin, IlomaJ liegt 1. 3 ji St. aufwärts; man erblickt sie samint dem prächtigen Viadukt nachAricia kurz vor der Station. E. die pittoresken, aber durch Malaria und Briganten übel berüchtigten Volskerberge, jetzt Monti di Cora (gegenwärtig weit sicherer), die, von den Sabinergebirgen durch das Thal des Saceo und Garigliano getrennt, südostl. längs derPontinisclien Sümpfe dem Meer zu ziehen. A111 Meer hin der Monte Circeo, wo die Zauberin Circe noch jetzt als Göttin der wasserreichen Gründe und der Heilkräuter des "Waldes verlockende Gesänge anstimmt. Auch ist die Gegend ein treffliches Jagdrevier geblieben. (32 Kil.) Stat. Civitä Lavinia (Lanu- vium); der Ort 2 /2 8t. 1. Durch wein- reiclie Landschaft nach 2 19 1. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel. 20 (41 Kil.) I. Yelletri (Gallo; Cam- pana), das antike Veliträ ? mit 16,310 Eimv., malerisch auf einem Ausläufer des Monte Artemisio gelegen. Guter Wein. Vom Belvedere des * Palazzo Lancelotti weite Fernsicht bis ans Meer. Die Bahn führt von Velletri zwischen den Albaner- und Volskergebirgen nach (57 Kil.) Stat. Valmontone; das Städtchen (das antike Yitellia) zieht sich isoürt am abschüssigen vulkanischen schwarzen Tufffelsen hinan. Sein zusammengedrängter Häuserhaufe erinnert an das 13. Jalirli.; der vernachlässigte grossartige Baronalpalasfc wurde 3632 durch Camillo Panfili erbaut (gehört deshalb jetzt den Doria), ebenso auch die in Bernixii’s Stil errichtete Kirche. Nun durch die ernste Gebirgslandschaft, die das fruchtreiche Thal des Sacco, an dessen linkem Ufer die Bahn liinzieht, eng umrahmt. — R. sieht man das finstere Bergstädtchen Monte Fov~ lino } dann folgt (65 Kil). Stat. Seglli. R. hoch auf scliöulinigem Kalkfelsenplateau, etwas weiterhin auf dem vorletzten der drei lliigel (D/a St. von der Station; Wagen findet man ander Station zu 1 Fr.) die uralte volskisclie Stadt Segni (Signia) (Näheres s. »Rom«, Bd. I) mit ihrem kyklo- plschen Mauerring und sogen, pelasgischen Thor, ihrer antiken Cisterne und Tempelcella und dem schönen Buchenwald; der bunte Charakter ihrer mit Ziegelstein wechselnden Tuff- und Kalkbauten soll die architektonische Bezeichnung Signinum opus veranlasst haben, in welcher Art selbst das klosterartige Schloss der Conti erbaut ist (die Päpste Eugen III., Alexander III., Uu- cius III. und Innoeenz III. weilten in Segni, aber Alba’s Heere zerstörten den Ort 1557; Sixtus V. erhob die Grafschaft zum Herzogthum , das seinen Titel jetzt den Sforza Cesarini gibt. (74 Kil.) Stat. Anagni. Die Stadt Anagni (Ilalia) liegt gleichfalls U/s St. von der Station (Wagen l 1 /* Fr.), welche an ihrer Piazza einen köstlichen Blick auf das Gebirgstlial des Sacco gewährt , in ihrer Kathedrale S. Maria (von 1074) einen schönen Musivboden der Kosmaten (von 1227), in der Chorkapelle ein altgothisches Tabernakel der Kosmaten (von 1294) über dem Sarkophag von drei Gae- tani und in der Sakristei Messgewänder der zwei berühmtesten Bürger Anagni’s, der PäpsteInnocenzIII. undBonifaciusVIII., besitzt. Diese Kirche war der Schauplatz der Exkommunikation der deutschen Kaiser Friedrich I. und Friedrich II.; am Hügelrand beim Dom stehen aber nur noch an der Hinterseite des modernen Palazzo Reste des alten Gaetani-Palastes, wo der schwere Racheakt Sciarra Colonna’s an Bonifacius VIII. vorfiel. An die antike Zeit der Ilerniker, deren Hauptstadt Anagni war, erinnern die riesigen Unterbauten auf der Nordseite-. Der Palazzo Pubblica und die Casa Gigli vergegenwärtigen die Bedeutung der Stadt im lö, Jahrh. (Näheres s. »Rom«, Bd. I.) Von der Balm schöner Blick auf die am Felsrand liegende Stadt Anagni. Dann prächtige Gebirgslandschaft 1. Es folgt Stat. Sgiirgola (der Ort in der Höhe). Nun durch ein hügelreiches Engthal mit reichem Baumwuchs und von schönli- nigen Bergen umrahmt nach (89 Kil.) Stat. FerClltino, das antike Ferentium, 1. auf einem breiten Vorsprung des Hernikergebirgs, jetzt eine nicht unbedeutende Landstadt (10,000 Eimv.). Wagen in die St. abliegende Staut 75 G.; bei S. Agata, dem Haltepunkt der Wägen, eine kleine Trattoria; eine zweite auf dem Hauptplatz. — Mittelalterliche Bauten, der kleine Dom mit seinen vielen Inschriften und alten Skulpturen an Wänden und Boden; *S. Maria maggiore in der Unterstadt, ein reizender gothischer Bau des 14. Jalirh., der bischöfliche Palazzo und merkwürdige antike Reste (Porta Sanguinaria, Kyklopenmauer, Quadern der alten Burg, eine alte Inschrift oberhalb eines Weinbergs auf den Viermann und Bauherrn Anlus Quintilius, ein antikes Becken in S. Giovanni) prägen dem ‘Ort einen eigen- tliiinilich gemischten Charakter auf. Von der Balm aus sieht man eine Strecke weiter 1. in der Ferne Alatri. — Folgt (97 Kil.) Stat.FrOSinone. Die 1. auf der Höhe (*/2 St.) malerisch am Flüsschen Cosa gelegene Stadt (Locanda di Loretta e Teresa, in der Nähe der Post; am Donnerstag Morgen grosser Markt, mit starkem Zuzug der Landleute der Umgegend in ihren malerischen Trachten) hat noch Spuren eines grossen Amphitheaters der alten Hernikerstadt Fnisino. Am Bahnhof Wagen nach Piperno (S. 39) in 4 St., für 2Va Fr., und Postwagen nach Alatri, 9 Uhr Morgens, in 2 St.., 1 Fr. Der Wagen trifft Nachmittags 3 Uhr am Bahnhof wieder ein. Alatri, ansehnlicher Fabrikort (Tuch) mit 13,630 Eimv., einsam aufwärts im Herni- lcergebii'ge , am Flüsschen Cosa, mit prächtigen *K?j7Ao2>eitniatferi’esteii der uralten Burg von Aletrium, im jetzigen Dombezirk y»Js *r- v » s n ß 0 Ä T 0 BMI Dl 1ÄP0U Cassano UOTI&. &&W-&£ZY(\£S' = 55 . l'rateüe 6 ernifc ä/Solopacn Compo Scu.ro noLosct Y Xcqiufönd.atiiyW'&rvui Ahni'lUjl ?deX ORC Yotüxrara. Casmattica. •nerchia HtUV-j^Jr TM IJltcpo (hpttgrut ÖSVl&t _ 5 xlWonaoo ^ atina. • Behnontt bu-Mtfö, Bqja % Hurrümofred Kocctt -i!ifxrQz*a ConturxL tervmv &Q§tag>3j ^ Ifciatzn ^ a V^ afCeao /® tu?c X Fr hier. Thodmtc moute uccetico tdmo di Pol veracibjopx SAfetaigfwjti { '•^SP: Squil, Korea RorngauA S.Croce 711 Ximarone (tdr* Qrnvpni i AiroJav 0 Alante C etra Melarn Solarru Pi2roS4l4'“ V « ^ v S Cast'*dijlorrone \! " ” tfy/ Arp^ujr ■niojuri asna . Piedimo ;■ - x' f^?R.Colvaräpo UiRorhcffa /Y- Itemzx&uf''i Co7ica Xa Cixserta rcccti J orinoy-- Bellona W £ llUlltUS ö Vai/UP&lifMt.WcrfV? Lctrd/nalr j.Caienna Monteco^vrno \0 . isSv-**« r.K ? Aquino , Aijuinunv V yipoU&i -J tr-Meuczof *.#■—... e-s_ 7- ' ,£3? N a /! W # ^WonfuiQ: Montae CoUhrtg IJ~\ aV tid Moscwanö Pignrd * . Xf»lCCT«72«6 &Andrt>ä, fanram ' naelö arz«,. ne ¥- 5 $ fc/ Taim^rla \jpFemiaizi jtmmlmiio Umtranö nsnurmiä, ^.Cusism gluma S.TecuL vianp'6 S.thor Ceg/Ydte' v *?Ou£&triQ •Be- dhlnanfoti piano fMatapagim^ ^ßS&ifelfO , T s.a Tse ^yp oiu ^w r ? Seuei ^ asss ^ f/nkliA fißrh&hja/io w«/ MorcUcetli Suesiainruncor iSXaria Cüterna. OTTAJANU eTV /tUfasani . IUTO APonHcUiuni) S.JIcn'zaao ^Spigno ( / sV^SJiiia^tasjj^ '\\j ei'. \ ]farfho /\fi iU'avttol \ o rälta W ÄÄA v\ /M cK.lT^r*' r-tv-^; V reolÄw» %Cccmpev£an&e festig diPincip^ßr^ di.'Ey>3Ü0- mßwmf, < V „AeTc^t e.-sv* ..powrji ^ i'igtyii'PtuUajio = / WfCräBaßtP-’.y . ■■■*£ ^ nscmplal , tnsnony, °ÖJü4'M(TOl ,4 ^ . a uCLP f^xUaTA- I» o* • ,-y oÄrt-'',' \ \ \(< 'wmi '£ « 0 \,FV> V^jXsWt’ dtJßf: Öl^*osVUpW * X? : . ,T 3W IH ^ r- ’ !.' 1 1 l i 1 : ip 0 Ai ^ WM'/’f# ' .. .. «.Kfcciou 'V. M AU V. IE U X I EMAI U 0 ^ 5(1 A\\ E M B I t ^e;l\UT(\ ' ■ ' t; /. .. 1 ai' e T v t? ilituum ISCHIA 6 ITlarecoccoi'Xfi^ rfe JÜ arenzo zl£Pe 1 IllonUiUfncme 8 TfLSlotaro 9 " Jabor ('■WlWv^^JöT 51 *" ■ Casabona Meropcaw Jfifhßcusä, ; Cönipaintäno, V 4 Piejo 5 Semxtra. üß) von der Stat. aus (der Platz 2Va Fr.) in 2Va St. Von hier an vgl. beifolgende Karte. An pittoresken, eigenthumlich zackigen Felsen mit Kirchen und Burgen vorbei nach (138 Kil.) Stat. AffUiilO* Die lange schmale Stadt in fruchtbarer Ebene, doch der Malaria ausgesetzt, bewahrt noch Erinnerungen ihrer antiken Bedeutung: die Kirche S. Maria lÄhera (il Vesco- vado) steht auf den Grundbauten eines Herkulestempels; der Bergbach Sogne (Melpis) fliesst unter einer antiken Brücke dcrViaLatina bis zum »antiken Thor« (Porta S. Loronzo); antike po- lygone Mauerreste ziehen sicli von liier aus eine Strecke weit hin. Ausserhalb der Stadt Ruinen eines Cirkus und eines aus Travertin erbauten Amphitheaters-, ferner Reste eines Tempels der Ceres (S. Pietro) und der Diana (S. Maria Magdalena) und zwei Gräber. Aquino war Geburtsort des Jnvenal (III, 31D), der den dortigen Kult der Helvina Ceres und der Diana erwähnt. Von Aquino führt eine gute Strasse nach S. Germano. — 1 St. südl. von Aquino Hegt Ponte Corvo* einst von Napoleon I. dein Marschall Hernailottß verliehenes Fürstenthum und Städtchen, in romantischer, aber ungesunder Gegend am Garigliano. Von Aquino weiter an Eichenwaldungen vorbei, in überaus malerischer Gegend nach (150 Kil.) Stat. s. Germano (oder Cassino). Station für Monte Cassino. Weiterfahrt mit der Bahn S. 20. Die Stadt (Albergo Pompei, mit Suc- c.Lirsale in der Stadt), das alte Casinum, daher auch Cassino genannt,liegtlOMin. vomBahnliof(einPlatz im Wagen'Vs Fr.), in der Ebene, und enthält interessante Alterthiimer der antiken Yolskerstadt, welche die Römer im Samniterkrieg angelegt und mitSoldaten bevölkerthatten, 2 * 23 1. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel. 24 Der Fluss Kapitlo, an dem sie sich hin- j dehnt, hiess damals Casinus, und die ! Burg mit dem Apollotempel stand da, | wo jetzt das Kloster Monte Cassino sich ; erhebt. — Die Kathedrale soll aus der ! Basilika des Forums, S. Maria delle cinque torri, ein durch seine eigenthüm- | liehe, auf byzantinischem Einfluss be- j ruhende Anordnung merkwürdiger, aber ; innen modernisirter Bau, aus der Curia : entstanden sein. I In der Kirche sieht man noch 12 antike j kannelirte Säulen, von denen 10 aus Cipol- I lino wohl ein und demselben Bau entnommen sind, der nach den scharfgezackten korin- j thischen Kapitalen noch der ersten Kaiser- ; zeit angehört zu haben scheint. Die Wände zeigen kaum erkennbare Spuren der Fresken aus dem 14. Jalirh. An den vier kleinen Eckthürmen der Aussenseite sieht man jo zwei elegante Rundbogenfenster. Jenseit der Stadt, r. von der Strasse nach Sora, steht (10 Min.) noch der volle Umfang eines * Amphitheaters von 17 m. Höhe, mit sechs Eingängen, aber mit zerstörten Sitzen, von einer Numidia Qua- dratilla erbaut, welche laut Plinius die »Pantomimos« leidenschaftlich begünstigte. Weiter oben sieht man ein gut erhaltenes, zur Cappella Croceßsso umgewandeltes viereckiges antikes Grabmal aus ungeheuren Travertinquadern. Man schreibt es dem berühmten Schriftsteller über den Landbau, Terentius Varro, zu, dessen Villa gegenüber am Flussufer lag; in dieser Villa schwelgte Antonius, der den Varro als Pompe- janer verfolgt hatte; »von 9 Uhr Morgens an dauerte das Trinken, Spielen, Erbrechen« (Cic. Phil. II, 41).— Auch Spuren der Via Latina haben sich erhalten und zahlreiche antike Säulen wurden gefunden. Jeden Sonnabend ist in S. Germano bedeutender Markt, zu dem die Bauern aus allen Richtungen Zuströmen, die Mehrzahl in der kleidsamen Landestracht der Cioc- ciaren, mit Biiffelsandalen, die Weiber mit von rückwärts vornüber geschürztem dunkelrothon Rock über einem langen grünen, rotheingefassten, darüber die blaue, rollium- säumte, mit Querstreifen gestickte Schürze; ein blaues Mieder mit Achselbändern; Linnenhemd und Korallenschnur; das weisse malerische Tuch auf dem Kopt. Zur Zeit der Feldarbeiten ist dieser Markt am schwächsten besucht. Hoch über S. Germano thront auf rauhem Gebirg in voller Majestät und herrlichster Lage das * Kloster Monte Cassino, mit seiner Kuppel und seinen palastartigen Gebäuden »ein mittelalterliches Athen«. Das Kloster unterlag zwar, wie (seit 1866) alle Klöster Italiens, auch der Aufhebung , aber noch trifft man oben eine ziemliche Zahl von Mönchen und ein Seminar. Es sind auch deutsche Mönche unter ihnen. Man erhält in sehr freundlicher Weise Verköstigung und Bett in der Foresteria, dem ältesten Theil des Klosters, 1. vom ersten Klosterhof; die Vergütung schätze man selbst ab. Auch Damen können jetzt auf Monte Cassino in einem Gebäude ausserhalb des Klosters übernachten; doch ist die Zahl der vermietbaren (sehr guten) Zimmer beschränkt. Esel zum Hinanreiten (1 St.) erhält man in S. Germano (D /2 Fr.). Für die Besuchszeit merke mau sich, dass von 12—JP/a Uhr der Zutritt nicht gestattet ist. Das Gepäck lasse man im I)e- posito des Bahnhofs. Der zwar etwas steile, aber keineswegs, schwierige Weg hinauf empfiehlt schon wegen der malerischen Ausblicke eine Fusswanderung (will man diese in grosser Gesellschaft des Landvolks machen, so begebe man sich an einem hohen Festtag früh hinan). Unmittelbar jenseit des Städtchens beginnt die langsame Ansteigung. Weiter oben reiche landschaftliche Genüsse. Bei den Windungen oft überraschende Veduten. Man tritt in das Kloster durch einen langen und breiten überwölbten Eingang, der durch felsenartige Mauern hinanführt; auf halbem Weg r. sieht man in diesem dunklen Gang einen Kapellenschrein mit Brustbild der Madonna, gute Skulptur des 15. Jahrh. Hier sollS. Benedikt zuerst seinen Wohnort aufgesclilagen haben. Dann kommt man über einige Stufen in einen weiten Hof mit leichten Arkaden an drei Seiten, welche die zwei Seitenhöfe r. und 1. verbinden. In der Mitte des Hofs eine grosse viereckige Cisterne. Im Hintergrund zeigt sieb die Kuppel der Kirche. Ein Vorhof und eine hohe Treppenflucht (mit der Madonna und S. Benedikt) führen hinan, liings herum sc-hliessen in weitem Viereck dieKloster- gebäude sich an. Die Kirche wurde CASI M'l «;*?)«, vgigjii;. 3$ßty»S 3m 25 1. Monte Cassino. 26 nach vielen Verheerungen erst 1640 1 unter Abt Domenico Guassada neugebaut und 1727 vollendet. Das TIauptportal von Bronze stammt noch aus der Zeit des Abtes Desiderius, der die Thüren auf Kosten eines Grafen Mauro (Pata- leon) 10G6 in Konstantinopel giessen Hess. Auf 22 Platten wurden die Namen von Besitztliümern des Klosters eingegraben; die Buchstaben sind mit Silber ausgelegt. »Als Desiderius die ehernen Pforten der bischöflichen Kirclie zu Amalfi sah und sie seinen Augen sehr gefielen, sandte er alsbald die Masse von den Eingängen nach Konstantinopel und liess die Thüren dort machen.« Sie sind das einzige bedeutende Denkmal der Prachtbauten des Abtes. (Leo Ost.) Das dreischiffige Innere, obgleich nicht in reinen Formen der Architektur, überrascht durch den Reichthum an Marmor, Wandmalereien, Vergoldungen und Florentiner Pietra-dura-Mosaik. — Correnzio malte die Fresken in der Kuppel, Giordano das Gemälde über der Thür (die Weihe der Kirche durch Alexander II.) und das Gewölbe des Hauptschiffs, de Matteis die der Nebenschiffe, Carlo Marlin aus Lothringen das des Chors, Amiconi und Conca die Kapelle, Solimena malte vier Oelgemälde im Chor. Sehr reich ist auch der Fuss- boden mit Mosaiken geschmückt. — Der Hochaltar erhebt sieh über den Gebeinen S. Benedikts und seiner Schwester; zur Seite an den Wänden ist das Grabmal vo n Pietro dem Mediceer (der in dem nahen Garigliano ertrank) und das des Fürsten Guido Kieramosca. Unter dem nächsten Seitenaltar 1. ruht Abt l)esi- derius. — Reichgeschnitztes * Stuhheerh schmückt die Betstühle um den Chor; in der Mitte steht ein treffliches Doppelpult. — Die unterirdische Kirche, il Tugurio, hat (verdorbene) Malereien von Marco da Siena. — Im Refektorium: Das Wunder der fünf Brode, ein Riesenbild von den zwei Bassani (zur äussersten Rechten das Bild Calvins). An den Übrigen Wänden die zwölf Apostel des Cav. d’Arpino, Originale zu den Mosaiken an der Kuppel in S. Peter. Der Ambo des Vorlesers trägt die Jahreszahl 1461. Von hohem historischen Werth ist das Archiv , jetzt eine Sektion des grossen Archivs von Neapel. Es befindet sich im Erdgeschoss in drei Sälen. Im I. Saal: Die Dokumente der geistlichen Administration der Klosterdiöcese, der Abtrechte und die Processe und Entscheide gegen die Impugnatori dieser Rechte, alle Akten in eleganten Kästen von Mahagoni; die Schubladen mit Cedernliolz gefüttert. Im mittlern Saal: Die Pergamente und Manuskripte, nach Materien geordnet ; gegen 0000 Pergamente mit ihren Sigillen (doch ist vieles nach Rom in den Vatikan geschickt worden); — 99 dicke Fascikel in Bastpapier; — ca. 80,000 Aktenstücke in den Registern (die Schenkung von 532, welche Symmaclius undBoütius unterfertigen), ein kaiserliches Originaldiplom von Otto I., 904; — Diplome von Otto II., III., Konrad, Heinrich II., III. etc. — Die päpstlichen Originalhullen beginnen mit Leo IX., 1040. — Mit 1005 beginnen die berühmten Diplome de’ regoli, giudici e signorotti Sardiniens. — Nur Ein Originaldokument der Gräfin Mathilde. ■— Unter den normannischen Diplomen eines von Gugliclmo il Malo; zahlreicher die der normannischen Fürsten von Capua (Roberto, Riccardo, Giordano), Originaldiplome der schwäbischen, angiovinisehen, aragonesi- sclien, österreichischen und spanischen Souveräne. — Schon 000 (300 Jahre vor Dante) schreiben Zeugen in italienischen Idiomen. — Unter den Manuskripten: ein Kommentar des Origeues zum Römerbrief, aus dem 0. Jalirh., in scheinen Uncialen, die Majuskeln in Minium; — S. Ambrosius gegen die Arianer, in angelsächsischer Schrift, und S. Augustin, de Trinitate aus dem 7. Jahrh.; — eine Bibel in longobardischer Schrift, auf Gelieiss des Abts Desiderius geschrieben; — zwei Codices der longobardi- sclien Gesetze; — die Vision des Alberigo da Settefrati, von welchem Dante den Gedanken der Göttlichen Komödie entlehnt haben soll, etc.; ein Kodex von Dante’s Göttlicher Komödie, aus dem 14. Jahrh., mit Randglossen (jetzt veröffentlicht); ein Bildnis Dante’s von Scipione Gaetani nach Giotto; — ein Manuskript mit 20 Kapiteln des Korans ; eine pröven^alische Handschrift des Barlaam und Josaphat; Poesien des 13. Jahrh. — Im Gang vor dem Archiv: Inskriptionen aus dem antiken Casinum. Im III. Saal: Die Urkunden der Laienadministration vom 10. —19. Jahrh.; die Klosterrechnungen von 1504 bis heute und die Notarprotokolle. — Ein antiker Sessel aus Rosso antico (ähnlich denen der Thermen zu Pozzuoli). Die Bibliothek Zieren prächtige Nussbaumschränke mit Sehnitzwerk und den Büsten der berühmtesten Benediktiner; sie besitzt ca. 20,000 Bände, nach Materien geordnet, eine treffliche Samm- 28 2T 1. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel. lang von Atlanten und etwa 500 Inkunabeln: z. 15. das lieil. Offizio des Durandus, in Guttenbergerdruck von 1459; das Titelblatt bezeugt, dass es zuMainz von Fustus für dasMonasterium zu Monte Cassino gedruckt wurde; — ein Livius von Sweinsheim von 1472, ein griechischer Aristoteles von Aldus 1497 (ein prächtiges Mönchsmissal mit Holzschnitten auf Pergament, gedruckt zu Venedig 1505). In den an die Forestiera (s. oben) anstossenden zwei Thurmzimmern, in welchen S. Benedikt in der spätem Zeit lebte und starb, sind die Beste der Ge- mäldegallerie der Abtei, die von den Franzosen geplündert wurde; darunter eine (beschädigte) Ivohlenskizze von Jlaffacl (sein Bildnis); eine Madonna wird dem »Albreclit Dürer« zur Last gelegt; S. Maurus und S. Placidus von Giusti ist eine Kopie des Bildes zuBascl; Bilder von Spagnoletto u. a. — Im Kapitelsaal sind Fresken von Cav. cVArpino. Auch ein besonderes M u s i k z i m ni e r besitzt das Kloster (Padre Don Placido Ahcla ist ein musikalisches Genie; er besitzt das Originalmanuskript von Pergo- lese’sStabatmatermit allen Korrekturen). Auf der vortrefflichen Orgel spielte Thalberg oft. Eine der herrlichsten Aussichten bietet die -Loggia del JParadiso über den Bogengängen des Klosterhofs (schon die Aussicht aus der Foresteria ist entzückend): die ganze malerische Bergkette unter, neben und hinter der Abtei, das Liris-Thalmit seinenKastellen und reichen historischen Erinnerungen. Die Geschichte der Abtei ist einer der wichtigsten Beiträge zu r Geschieht e der deutschen Kaiser in Italien, welche sie zu ihrer hohen Stellung heranreifen Hessen. Mit ihnen schloss ihre Bedeutung, und es ist ein eigenthiimliclieR Geschick, dass zurzeit des erstenXathmalkaisers von Deutschland die Abtei zum italienischen Nationaldenkmal bestimmt wurde. j ,S. Benedikt gründete die Abtei 529 auf den Ruinen eines Apollotempels; zu den drei Gelübden Armut, Keuschheit, Gehorsam fügte er "Wissenschaft und Unterricht, und erhob so Monte Cassino zur Leuchte des Mittelalters. — Schon 589 zerstörte Herzog Zotto von Benevent die Abtei; die Mönche flohen in den Lateran; so kamen die Klöster des Laterans an die Benediktiner. — Ritter Petron-izius aus Brescia baute 710 das Kloster wieder auf; Herzog Gisulj von lieite- vent stattete es reichlich aus, Papst Zucharias weihte die Kirche ein. Die Abtei gewann solches Ansehen, dass Carloman , Bruder Piplns des Kurzen, hier Mönch wurde (und die Schafe hütete); Karl d. Gr. besuchte sie , bei seiner Rückkehr aus Süditalien; dev Abt wurde Erzkanzlcr und durfte das kaiserliche Banner vor sich her tragen lassen. Der berühmte Geschichtschreiber der Lon- gobarden, Paulus Diaconm, beschloss liier sein Leben als Mönch. In den Saracenen- zügen trat Abt Bertharins selbst an die Spitze seines Häufleins, aber kurz nach Ludwigs II. Besuch in der Abtei stürmten die Saracenen auf ungewöhnlichen Bergpfaden zum Kloster hinan; in der verhängnisvollen Nacht des Jahres 881 fielen Abt und Mönche unter deren Schwertern. 994 sammelte der Abt Aligernus die zerstreuten und verwilderten Mönche und baute das Kloster abermals auf. Die deutschen Kaiser halfen der Abtei auf die nachdrücklichste Weise durch Geschenke und Privilegien. Als Leo IX. auf seinem Normannenzng hier verweilte, war ein deutscher Mönch, llichter, Abt, den Kaiser Konrad II. empfohlen hatte; der Papst ernannte ihn zum Kardinal. Damals zog sieh der kaiserliche Kanzler Friedrich von Lothringen als Mönch hierher zurück, bis ihn die Erwählung zum Papst (Stephan X.) nach Rom rief. Im Jahr 1058 erhielt Desiderius, einziger Sohn des Fürsten Landulf von Benevent, der berühmteste Abt von Monte Cassino und der grösste Friedensstifter des Mittelalters, die Leitung. Er lünterliess die Abtei doppelt so reich an Besitzungen und sittlich als eine Musteranstalt, auch in Wissenschaften und Künsten ein Vorbild. 1006 (s. Kirchenpforte) bis 1071 erbaute er die neue Kirche, die ein Erdbeben 1849 zerstörte. Papst Alexander II. mit 10 Erzbischöfen und 44 Bischöfen hatte sie in Gegenwart aller lon- gobardisclien und normannischen Fürsten Ünteritaliens geweiht. Zugegen war Gregor VII., damals noch als Erzdiakon Hildebrand. Desiderius ward 1087 selbst Papst, starb aber bald nachher in seinem geliebten Monte Cassino. Mit dem Tod seines trefflichen Nachfolgers Oderisim schwindet die Glanzzeit der Abtei; nochmals wurde 1108 einer ihrer Mönche Papst (Gelasius II.). Tu der aufgeregten Zeit, als die öffentlichen Bittgänge das Elend der Völker verkündeten , hatte hier der Mönch Alberich jene berühmte Vision, die Dante in dem grossartigsten Werk Italiens verklärte. Die : politischen Kämpfe verwickelten die Abtei in die mannigfachsten Wirren, bis Papst Innocenz III., der 1208 hier weilte, eine radikale Reform des zum kriegerischen Kastell gewordenen Klosters durchsetzte. — Friedrich II. berief schon 1224 einige Cassinenser an die Lehrstühle der Universität zu Neapel. Aber die Kämpfe der Anjou’s mit den 29 1. Monte Cassino — Capua. 30 Hohenstaufen wirkten verderblich auf die Abtei. Der Franzose setzte den französischen Abt Bernhard ein. Nach Karl von Anjou’s Sieg über Manfred sprach dann der König selbst sein Dankgebet am Grab S. Benedikts. Das päpstliche Exil zu Avignon bedrohte die ganze Konstitution des Klosters, denn eine Verordnung von 1326 liiess die Kirche zur Kathedrale, den Abt zum Bischof, die Mönche zum Domkapitel um- zuwandeln. Erst 1370 wählten sie wieder selbständig ihren Abt. Als aber die päpstliche Ernennung von Kommendatäräbten zur weltlichen Leitung der geistlichen Güter weltliche Adlige nach Monte Cassino brachte, Papst Paul IX. sich interimistisch selbst die Xutzniessung der Kommende vorbehielt, da pflanzten die Mönche plötzlich revolutionär die aragonische Fahne auf und Sixtus VI. konnte nur durch Einsetzung des Johann von Amgonien (1472) den Frieden erhalten. Aber kurz darauf erhielt sogar ein 31 jähriger Knabe, der Sohn Lorcnzo’s von Medici, nachmals Leo IX., die Abtstelle und erlebte dort zu seiner tiefsten Betrübnis den Tod seines Bruders im Gavigliano (1503); er legte darauf seine "Wurde freiwillig nieder. Die Renaissance zeit durchdrang auch das Kloster, Abt Benedikt Castelli ver- theidigte die Lehre Galilei’s, Abt Squarzia- hipi lässt Kirche und Nebengebäude durch Florentiner heiter schmücken, aber politisch hatte das Kloster keine Macht mehr und Processe mit den stärkeren Civilmäcliten verschlangen später seine Einkünfte. 1798 erschien noch einmal der König der beiden Sicilien, aber nur, um rasch durch die brandschatzenden Franzosen vertrieben zu werden. Das Kloster hatte an diese 100,000 Dukaten zu zahlen und verlor eine Menge Kunstwerke. Der Neffe des Geschichtschreibers der Abtei, Gattola ("dessen interessanter Briefwechsel hier aufbewahrt wird), opferte vergeblich sein Leben für die Bettung des Archivs. 1800—1814 war das Kloster säkularisirt, doch 14 Mönchen die Bibliothek und das Archiv anvertraut. Dennoch hat selbst in der neuesten Zeit das Kloster, das so reiche Früchte des Geistes trug, dem Land wieder einen ausgezeichneten Geschichtschreiber in Luigi Totti gegeben, dessen treffliches Werk aber aus Mangel an Mitteln erst mit Hülfe des Israeliten Rothschild, der hier das Manuskript ungedruckt sah, herausgegeben werden konnte. _ AV eiterfalirt. Jenseits Cassino durchzieht die Bahn cinon malerisch sehr schönen Gebirgspass. Stat. Rocca (VEcrmdro. Stat. Mignano; der Ort r. mit mittelalterlichen Thürmen in köstlicher, pittoresker Umgebung. Gegen das malerische Prescnzano hin wenig behaute Höhen zur Seite. —Folgt (182Kil.) Stat. Onjanello, dann Riardo und (194 Kil.) Stat. TeailO 9 das antike Teanum der Sidiciner und deren Hauptstadt, die seihst Münzen schlug, r. am Fuss des ausgestorbenen Vulkans Rocca Monfina, hat noch auf der Ostseite nicht unbedeutende antike Ruinen (Amphitheater, Theater), eine zwar moderne Kathedrale von 1530 , aber mit antiken Säulen, und aus dem 15. Jalirh. ein grosses verfallenes Schloss des Herzogs von Sessa. Der Vulkan von llöcca Monfina steigt kegelförmig auf und hat nach innen einen weiten Krater mit kreisförmigem Kamm (Cortinelle), in dessen Mitte der domförmige Monte Santacroce (1 OOß m.) aufsteigt; der ganze Kegel wird zu beiden Beiten von den aufgerichteten Schichten der Apenninenaus- läufer umgeben, die er durchbrochen zu haben scheint. — Der Vulkan wurde durch wiederholte Lava- und Schlackenausbrüche von Leucitopliyr aufgeschichtet, und der innere Trachytkern stellt die Ausfüllung des ursprünglichen Schlotes oder einen Lavadoni dar. (C. Vogt.) Bei (201 Kil.)Stat. Sparanisir. Strasse nach Gadtn (S. 45). L. das jetzt ärmliche Calvi, das antike Cales, schön an der Thalmündung liegend, aber der Malaria ausgesetzt, einst berühmt durch den trefflichen Wein (Ilora// Od. I, 20, 9), hat Ruinen eines Amphitheaters, eines Theaters (Ausgrabungen im Jahr 18(>2 stiessen auf Gräber mit Vasen, Ringen und Thermen, mit neun weiblichen Torsi, Privathaus mit Mosaikboden u. a.) und einer mittelalterlichen Burg. Dann im Thal des Yolturno, der durch die glückliche Campagna dem Meer zueilt, nacli (216 Kil.) Stat. Ciipua ? ganz nahe an der Stadt (Albergo del Ceutro, mit guter Trattoria; Piazza de’ Giudici). (£$= Mau tliut meist besser, nach dem 3 M St. entfernten Städtchen 8. Maria di Capua vetere (S. 33) einen Wagen an der Station (Einspänner 85 C., Zweispänner 1 Er. 70 C.) zu nehmen, anstatt sich durch die Bahnzüge die Zeit bestimmen zu lassen (die Schnellzüge halten nämlich in Santa Maria nicht). — Nach 8. Angelo in Formis (S. 35) fahren die Wägen an der Station in 3 /4 St. (Einspänner D/& Fr., Zweispänner IVq Fr.); — nach Caserta: Einspänner 1 Fr. 70 C-, Zweispänner 3 Fr. — Wagen zum 7 Min. entfernten Marktplatz Capua's (Piazza de’ Giudici) ] /4 — 1 k Fr. Die Stadt wurde am linken Ufer des Volturno 856 von dem Grafen Lando und seinen Brüdern da erbaut, wo das 31 1. Yon Rom über Monte Cassino und Capua nacli Neapel, 32 antike Casilinum lag. Sie nahm an der Kriegsgeschichte des Mittelalters und selbst der neuern Zeit nicht unwichtigen Antheil. Die antike Brücke über den Volturno liess Friedrich II. lierstel- len und ein zweithiirmiges Schloss anbauen, zu dessen Ehren jetzt an der 1756 abermals erneuerten Brücke eine Gedenktafel stellt. Noch bis in die neueste Zeit war in einer Nische unter dem römischen Thor die von den Ca- puanern 123G errichtete, später verstümmelte sitzende Statue Friedrichs Im Amphitheater in Capua. (jetzt im Hof des Museo Campano, S. 32). Die Stadt Yvurde schon früh zur Festung erster Klasse erhoben. Als Sitz eines Erzbischofs ist sie überreich mit Kirchen versehen: schon 971 wurde der Bischof zum Erzbischof erhoben. Das gegenwärtige Munieipium hat zur geschichtlichen 'Wiederbelebung der »Stadt den .Strassen historische Kamen gegeben: de Principi Longobarrti — de 1 Nonnanni — del Seggio de 1 Cavalieri — del Conte Landino — di Pier della Vigna — del Conte d’Alta- villa — di Ottavio Rinaldo — di Lodovico Abinavolo — di Ettore Pieramosca — di Palo Bottonc — del Museo Campano u. a. Die Kathedrale (von der Piazza de’ Giudici r.) mit grossem viereckigen Vorhof von 12 antiken korinthischen Granitsäulen (die mittlere war früher Osterkandelaber) ist eine dreischiffige altchristliche, von Travaglini glänzend restaurirte Basilika mit 24 antiken Granitsäulen aus Einem Stück, die neuen Kapitale vergoldet, das Mittelschiff mit elliptischem Tonnengewölbe, die Seitenschiffe kreuzgewölbt. In der UnterMrche unter dem Chor, von alterthümlicher Anlage (1723 neu gcYveiht) mit 22 antiken korinthischen Marmorsäulen, ist ein antiker Sarkophag mit der Meleager- jagd, ein mit Mosaik geschmücktes Sacra- rium, in der Mitte mit dem Grab Christi (der Christus von Bottiglieri). Die Bilder der Kirche sind meist grell modern (Michele de B'apoli 1856, Mittelgmiikle; Federico Mal- darelli [Assunta], am Hochaltar, u. a.); r. 3. Altar: Anlonh^o, Madonna zwischen S. Stephan und S. Lucia (1489; peruginesk). Der (unten von Häusern umstellte) Campanile ist ein schönes Beispiel des Stils zwischen der longobardisclien und normannischen Zeit. Die Via del Duomo führt zum Corso Museo Campano, an welchem r. das neugegründete Museo Campano im frühem Palast der Duchi di S. Cipriano liegt (geöffnet von 9—3 Uhr, ausser den Sonn - und Festtagen). Im Hof antike Fragmente, Sarkophage, Inschriften; Skulpturreste aus dem Amphitheater; mittelalterliche Grabdenkmäler; die verstümmelte sitzende Statue Kaiser Friedrichs II. (S. 99), leider ohne Kopf; dagegen ist der Kopf von einer Statue des berühmten Kanzlers Pier della Vigna (Petrus de Vincis) erhalten. — Im Museum selbst unter anderem viele Statuetten in Glaspasta mit Hieroglyphen, welche sämmtlich auf dem Gut des Orazio Pasquale gefunden wurden; eine Reihe von Reliefs theilweise aus Kola; Architekturstücke aus S. Giovanni [ncarico (Colonia Frabateria nuova); ein Taufbecken mit longobardischer Inschrift von 1097; einige alte Gemälde, darunter eins von dem Capuaner Antonazzo Romano (1500); ein Denkmal auf Gonsalvo di Cor- dova, vom Munieipio Scssa’s geschenkt; einige Skulpturen von Giovanni daNola und Sammartino. Amphoren, Patcreu, Lampen, Wachsmasken; eine Münzsammlung, -welche Sannelli u. Gallozzi dem Museum schenkten. Der Palazzo del Munieipio bat an seinem Basament Reste von antiken Statuen aus dem Amphitheater. — Inder kleinen Kirche S. Mavcello, die in den ersten Zeiten des neuen Capua gegründet wurde und noch Inschriften aus dem 15. Jahrh. besitzt (am Architrav der 33 1. Capua — S. Maria. 34 Thür werden die Grafen von Capua! [SexgenerendoJ erwähnt), wurden die j longobardischen undnormannisehenFür- , sten gekrönt. — In die Torre Mignana \ flohen 1501 die Frauen, als Cesare Borgia die Stadt durch List eroberte und ! der Plünderung preisgab, und über 5000 ; Menschen niedergemetzelt wurden; in \ der Cappella de’ Morti vor Capua finden ‘ noch jetzt jährlich Todtenmessen zur j Gedächtnisfeier für jeneUnigekommenen j statt. — Beim Monistero dclle Monaehe j zeigt man noch die Terrasse, wo sich die ! Nonnen in den Fluss stürzten. Bei der ! (zu Fuss 3 /4 St. entfernten, Wagen vom Bahnhof Capua: Einspänner 85 C , Zweispänner 1 Fr. 70 C.) (216 Kil.) Stat. S. Maria (Albergo di lloma) stand das antike Capua ; daher wird das Städtchen auch 8. Maria di Capua neterc genannt. Geschichtliches. Bei S. Maria, dessen Gemeinde jetzt 18,000 Einw. zählt und dessen Dom (£$. Maria maggiore) eine leider 1766 vollständig modernisirte Prachtbasilika mit 5 Schiffen und 52 Säulen ist, hatten schon die Etrusker das alte Voltumum gegründet, das der Sage nach von Capys den neuen Namen Capua erhielt. Nach Liviia (IV, 37) wurde 424 v. Chr. die schon verweichlichte blühende Stadt den Etruskern von den Samniten entrissen. Capua ward durch Handel und Ackerbau der Grösse nach die zweite Stadt Italiens, die erste an Ueppig- Iteit und Reichthum, in den Fechterspielen die berühmteste (seine Fcchtcrschulen überdauerten selbst seine Grösse). Aber die samnitschen Genossen der Gebirge brandschatzten die Ebene, die Campaner in Ca- piia suchten Schutz gegen sie hei Rom und unterwarfen ihre Landschaft dieser neuen Macht. Römer und Capuaner verbanden sich aufs innigste zu Einem Volk, die vornehmen Familien verschwägerten sich mit den ersten Adelsgeschlechtern Roms, doch hatten neben dem römischen Präfekten die Capuaner ihren eigenen .Senat und ihre Meddix. Wohlstand und Grösse reizten jedoch die Eifersucht Capua’s; die Volkspartei, die das Gemeinland in römischen Besitz übergehen sah mit Steuerpflicht an den Adel, agitirte für die Unabhängigkeit, und als Hannibal die Schlacht bei Canrni (216) gewonnen, trat Capua zu ihm über. Er kam selbst nach Capua und die Bevölkerung zog ihm jubelnd entgegen. Vier Jahre schloss sie sich an die Karthager an. Aber die Strafe des Abfalls war vernichtend, für die Stadt, 211 ward sie von den Römern eingeschlossen. Hannibal eilte selbst herbei, und als sein Angriff zurückgeschlagen wurde, trat er jenen denkwürdigen Marsch bis vor die Thore Roms an und nöthigte einen Theil des Belagerungsheers, ihm zu folgen. Die Belagerung ging jedoch vorwärts, umsonst erschien Hannibal wieder in Ünter- italien, der capuanisehe Senat sah sich gezwungen, der Gnade der Römer sich zu ergeben. Ehe sich die Thore öffneten, hatten 30 der edelsten Senatoren den Selbstmord dieser Schmach vorgezogen. Rom handelte als Henker in der übergebenen Stadt, und das Gemeinwesen ward aufgehoben. Cäsar setzte das Gesetz durch, dass Kolonisten hingesandt wurden, die Stadt blühte wieder auf, ward aber während der Völkerwanderung (456) und zur Zeit der Kriege mit den Saracenen (856) zerstört. S. Maria, jetzt Sitz der Tribunale, ist eine hübsche, freundliche und sehr lebendige Stadt, theilweise mit den Ruinen der antiken Bauten errichtet. Manche bemerkenswerthe Reste der antiken Stadt sind noch vorhanden. Archäologische Sammlungen im ehemaligen Casino und ! bei Simmaco Doria. Ausser Resten von j zwei Cirkus (im Giardino Masucci und | Pugliese) und einer Kryptoporticus auf ; dem Mercato (dem einstigen Forum) so- j wie eines Theaters (bei der Cavallerizza) ) ist namentlich von Bedeutung das | * Amphitheater 9 20 Min. entfernt, r. von der Strasse nach Neu-Capua. Wer vom Bahnhof der Stat. S. Maria das ; Amphitheater rasch besuchen will, gehe , bis ans Ende der Via San Sebastiane und j dann 1. in die Via Anfiteatro; es ist 1 /4 St. kräftigen Marsches; Einspänner 1 Fr.; Besichtigung l ,'2 Fr.) Es ist das älteste | Amphitheater in Italien und wurde zu- f letzt noch vonIIadrianll9n. Clir.restau- rirt und mit Porticus versehen. Es fasste ' 60,000 Zuschauer, gleicht an Grösse dem ■ Kolosseum in Rom (.170 m. lang, 140 m. ! breit, 46 m. hoch), hatte vier Geschosse ' (von je 80 Bögen mit Travertinbeklei- dung), das Podium (die Mauereinfassung der Arena) hatte 12 Eingänge und Ausgänge, und 60 Vomitorien ; es sind noch 2 Bögen, 3 Korridore (Aufgang r. vom Eingang) mit G8 Bögen, Reste der Arena (die 75 m. auf 46 m. mass, Eingang von dem Gang 1.), höchst interessante und helle unterirdische Gewölbe und Gänge vorhanden. In den Gängen Reste der antiken Dekoration. — An derselben Strasse Bruchstück eines zu einem Thor 35 1. Von Rom über Monte Cassino und Capua nach Neapel. 36 verwendeten Triumphbogens, unter welchem jetzt die Capuaner Strasse in den Platz endigt. Beim Bau der Eisenbahn fand man viele Gräber mit bemalten Vasen. Ein rundes Grab gegen Caserta hin heisst le carcere vecchie, ein späteres zweischüssiges la conocchia. Nach Ca- sapulla verlegt man den Tempel des Apollo, nach 8. Leucio den der Dios- kuren, nach 8. Krasmo den des Merkur, nach Grazzanise den der Venus, nach Cnsa Cellula den der Ceres, nach Reeale den des Herkules,nach Marcianise den des Mars und auf den Mons Tlbata (jetzt oben 8. Nicola mit alten Fresken) den des Jupiter, und am Fuss dieses Bergs, nach ( 3 /4 St) *S. Angelo in Formis (jenseit des Amphitheaters die erste Strasse r. und dann noch 3 /4 St.; Wagen vom Bahnhof Capua : Einspänner 1 1 J- 0 Fr.; Zweispänner 2 a /2 Fr.), den berühmten Tempel der Diana Tifatina, wo jetzt noch eine sehr interessante altchristliche Basilika steht (schon Papst Marinus II. bestätigte die Kirche 944 dem Abt Balduin in Capua, erweitert wurde sie im Jahr 1073, und 1075 durch Erzbischof Ervo von Capua geweiht), mit spitzbo- giger Vorhalle, im Innern dreisehiffig, mit 12 antiken Säulen verschiedener Form und Grösse (von Africano, Cipollino und Granit), Rundbögen, drei breiten Apsiden und Fresken aus dem 11. Jalirli. In der Apsis der segnende Christus thronend, seitwärts die Zeichen der Evangelien, darüber die Hand Gottes; an der Apsiswand die drei Erzengel und Abfc De- siderius, der das Kircliemnodcll trägt. — lieber dem Hauptportal das Abendmahl, oben das Jüngste G-ericlit (Lucifer ein Un- geheuer mit Klauen). — An den Wänden über den Arkaden des Mittelschiffs zwei Bilclerreihen: Propheten und Könige des Alten Testaments, und Passionsgescliichte Christi (die Piisse des Gekreuzigten noch einzeln aufgenagelt); — in der Apside des rechten Querscliiffs: Maria zwischen zwei Engeln, und sechs Brustbilder weiblicher Heiligen; — aussen an der Kirche über dem Architrav des Hauptportals: Ilalbfigur der Madonna im Medaillon, das zwei Engel tragen, darunter Halbfigur eines Engels, beide wohl von dem leitenden Obermeister der Malereien. — An den Thürlünetten (tliellweise ausgelöscht): Begebenheiten des >S. Antonius Abb. und Paulus Erein. — Die Künstler waren Griechen, wie Inschriften, Trachten und Uebertreibung in Form und Handlung der Figuren zeigen. Nach Crowe liegt ihre Bedeutung darin, dass sie den Thatbcstand der Formlosigkeit des byzantinischen Stils jener Tage darlegen und die frühesten Beispiele zusammenhängender Kirchendekoration bieten, deren einzelne Gegenstände Glieder eines. Ganzen sind; endlich zeigen sie auch den ersten Versuch der später so bevorzugten Darstellung des Jüngsten Gerichts. Die Reste des antiken Aquädukts in der Nähe gaben der Kirche den Namen »in formis«. Die Bahn geht in der reichbepflanzten Terra di Lavoro weiter nach (227 KU.) Stat. Caserta^ wo die Bahn nach Foggia (R. 17) abzweigt. Gasthöfe: * Villa Reale. — Jlötel et Pension Vittoria, gegenüber dem Pal. Reale, in Via Vittoria. — Villa di Firenze (Giova- nelli), mit Pension und Trattorie; zur Seite des Pal. Reale. — Stella. Das berühmte königliche Schloss, Palazzo Paale , liegt dem Balmhof unmittelbar gegenüber. Zum Besuch des »Schlosses (9 — 4 Uhr) hat man sich mit einem Permesso (!) zu versehen, den man (wie auch für die anderen königlichen Schlösser) im Palazzo Reale zu Neapel gegen Vorweisung des Passes erhält. Dem erklärenden Diener 1 Fr. Die Hotels in Caserta kündigen übrigens öffentlich an, dass auch sie den Permesso verschaffen können »per visitare il Palazzo ed il Giardino Reale«. Das Schloss ist ein Prachtwerk des aus einer holländischen Familie (van Witel) abstammenden Luigi Vanvitelli, durch Karl Bourbon III. mit der Absicht, die Pracht seiner Vorfahren in den Schlössern von Versailles und S.Ildefonso nach- zualimen, 1732 begonnen und unter Ferdinand I. vollendet. Vanvitelli hat das Verdienst der Anlage dem König zuge- sproclien: »Tenga il cielo lontano il Sos- petto«, schreibt er, »di non aver con ogni diligenza eseguiti i eenni Reali«. — In elliptischer Form umringen zwei zu Kasernen bestimmte Gebäude den Platz vor dem Schloss; sie sind dreistöckig, 260m. lang, 21 m. breit, 8*/2 m. hoch; die architektonisch nicht sehr erfreuliche Fa^ade des Palastes, der ein Rechteck bildet, schaut nach Süden und hat 250 m. Ausdehnung, 38 m. Höhe und 240 Fenster. Die drei grossen Eingänge gewahren einen köst- 1. Caserta. 38 .37 liehen Blick auf den Wald, die Gärten, den grossen Springbrunnen. Der Haupt- porticus ist in drei Vestibüle getheilt, 64 Säulen von sicilianischem Marmor ziehen durch die vier Höfe des Kreuzbaues. R. von dem achteckigen mittlern Vestibül steigt mit prächtiger Perspektive die Treppe empor, deren Sprossen alle aus einem Stück Marmor von Trapani sind. — In der Kapelle sind die 16 Säulen von gelbem Mondragone; das Altarbild ist von Bonito, ebenso die Verlobung Mariä; die Tempelpräsentation von Raphael Mengs, die anderen Bilder von Conca. — R. folgt das königliche .Appartement und beginnt mit der 24 m. langen Sala degli alahardieri, von Domenico Mondo mit Allegorien bemalt; dann der Salone delle guardie mit 12 Reliefs der Provinzen von Yiolani und Salomone, und eine aus einer Marmorsäule der Konstantins - Basilika in Rom ' skulpirte Gruppe, Farnosischer Sieg Uber Flandern. — Der dritte Saal ist mit den Thaten Alexanders d, Gr. geschmückt, das grosse Fresko malte der Sicilianer Mariano Rossi (von erstaunlicher Bravour). — Di a Sala del trono wurde von Pietro Bianchi von Lugano dekorirt; Maldarelli malte die Decke und der neapolitanische Architekt Oaetano Genovese vollendete sie. Die Skulpturen sind von Angelini, Solari und Arnaudj der Saal ist mit prächtigen Marmorsorten bekleidet (Porto venere u. a.). Die Sala di Astrea hat Reliefs und Gruppen von Valerio Villareale und Domenico Massucci; die (geschmacklose) Decke ist von dem Franzosen Berger bemalt. — Es folgt eine Reihe von Gemächern, die wiederholt verändert wurden; im Appar- tamento vecchio malte P'edele Pischctti, und De Dominici, der Geschichtschreiber der neapolitanischen Maler, führte einige Scenen aus Don Quijote aus. Die Darstellungen waren für Arazzi bestimmt. Auch sind hier Landschaften von liackeri und Porträts von Pichignon. — Das Theater (westl.j hat fünf Bogenreihen, und die korinthischen Säulen sollen von Pozzuoli aus dem Tempel des Serapis stammen. Der "Garten (bis Ave Maria geöffnet) hinter dem Palast theilt sich in den (1.) anticohosco ; mit Kastell, immergrünen Eichen, Lorbeern und Ahorn, und den nuovo hosco (geradeaus), mit englischem Garten, reichem Pflanzen wuchs, Wasserfällen und Wasserwerken, die durch einen 4 St. entfernten, sechs Berge durchsetzenden Aquädukt, der Va St. von Maddaloni die schönen dreigeschossigen *Ponti della Valle bildet, von der Quelle del Fizzo am Monte Taburno gespeist werden. Im Garten folgt auf die .Fontana de 7 Delfini (Canalone) die des Aeo- lus und die besonders schone der Ceres, dann die der Venus und die über künstliche Felsen niederfliessende des Aktäon. — Die Fortsetzung des Parks führt nördl. (V 2 St.) nach S. Leucio, mit Gärten, Wäldern, Jagdschloss und gotbischer Kirche. Der Stadtbezirk Caserta (Casa erta, steiles Haus) zahlt 30,000Einw. und ist Sitz eines Präfekten. In der Altstadt, Caserta vecchia (1 St. vom Palast), auf einem flachen Ausläufer des Monte Tifata, sieht man noch einen Thcil der mittelalterlichen Stadtmauer. Die alte Kathedrale S. Michael in normannischem Miscli- stil aus dem 12. Jahrh., mit Rund - und Spitzbögen und antiken Säulen; auch die verlassenen Palazzi des Grafen und Bischofs. Auf die Piazza von Caserta lässt jetzt das Municipio ein Monument Van- vitelli’s von Onofrio Buccini stellen. Weiterfahrt. Nach Caserta folgt (227 Kil.) Stat. Maddaloni• die hübsche, überaus malerisch gelegene, ge- werbsame Stadt liegt 1. am Saum der Apenninen, wo diese Neapel am meisten sich nähern (Ponti della Valle s. oben). (239Kil.) Stat. Cancello (Abzweigung der Bahn nach Nola). Von. Cancello führt eine gute Strasse (die alte Fostroute nach Bonevent) nach Arienzo, das mit S. Felice zusammen eine lange bogenförmige Strasse bildet, welche mit freundlichen Kirchen, oliven- und orangenreichen Gärten und grossen llänsern besetzt ist; dann durch die berüchtigten Caa- das ehemals so berüchtigte Käubernest, das nur einen einzigen Zugang hat und hinter sich früher die neapolitanische Grenze benutzen konnte. Man kann Sonnino zu Wagen er- und Haingöttin nach Virgil Aen. VII, 700 mit Jupiter Anxur die herrschende Gottheit der Gegend von Tevracina war; sie wurde als die jungfräuliche IlinnnelsgÖttin (Juno Virgo) dargestellt. Die Berge j enseits Monte Leano treten in einem Halbkreis zurück, das gewaltige Vorgebirge Monte Sant' Angelo, an dessen Abhang Terracina liegt, rückt vor; die prächtigste südliche Vegetation zeigt sich schon ganz nahe. R. streckt sich ans Meer hinaus das , Promontorio t'irceo oder Monte 8. Felice, ! es ist die Homerische berühmte Iwel der \ Circe, wo Odysseus »ausspähend auf sehrof- i figer Jähe des Abhangs: Eingehegt die Insei in endlos wogender Meerflut«, und »im Thal der Circe Pallast durch dichtes Gestand und durch Waldung« sah. Da in dem einzigen Thal des Bergrückens San Felice liegt, so bezeichnet dieser Ort die Stelle des Palastes, und noch jetzt ist hier die Zauberin Circe eine ganz familiäre Göttin; I in Circeji, von dem noch südl. von San ; Felice (an dem mit Weinbergen bedeckten Abhang) Ruinen vorhanden sind, wurde i Circe noch in späteren Zeiten eifrig ver- , ehrt; ihre ursprüngliche Bedeutung war ; wohl die der Gegend entsprechende Heil- ! und Zaubergöttin der feuchten Gründe und j Wälder. 43 2. Ton Rom ül)er Terracina und Gaet-a nach Neapel. 44 Unweit S. Feliec liegt am Strande des Meers die Grotta della Maga oder delle Capre, von deren Decke mächtige Stalaktiten herabhängen; weiterhin noch mehrere Grotten, dann am Berg aufwärts Koste antiker Gräber (dem Elpeuor und anderen Genossen des Odysseus zugewiesen), dann hinan gelangt man zum Monte di Torre Veechia, mit Erachtblick auf Meer, Gebirge, Sümpfe lind den Absturz vor sich. Auf der höchsten Spitze herrlicher Blick von Terracina bis Ischia, Sorrent und znm Vesuv, nordwärts bis nach Kom; die antiken Beste liier oben, die einem (Jircetempel zugeschrieben werden, dienten wohl nur zu Befestigungen. Man kann von hier au der (uninteressanten) Grotta della Sibilla vorbei nach Paola niedersteigen, oberhalb dessen die alte Arx noch schöne kyklopisclie Maueni zeigt. Der Bodeu des Promontorio Circeo ist sehr fruchtbar, an seinen Abhängen grünte zuerst, aus Griechenland lierüber- gebracht, die Mvrto und verbreitete sich von da über ganz Italien. Berühmt sind seine Feigen, und der wenige rothe Wein, den er hervorbringt, gehört zu den vorzüglichsten Weinen Kampaniens; auch der Lattich (latuea sativa), der hier zu ungewöhnlicher Grösse gedeiht, ist sehr gesucht. Am Euss bejahrter Eichen und umfangreicher Mastixbäume wächst merkwürdigerweise der Cactun opxmtia, die pyramidale Agave und die Aloe -perfoliata, an wilden Aepfclbäumen rankt die Jungfernrebe und höher sieht man den Wipfel des Mannabaums (Fraxinus ornus) sieh wölben. Der Johannisbrodbaum und die immergrüne Steineiche, der Jvorkbaum, die Buchs- und Lorbeerbäume geben der Landschaft ein eigentliümliches südliches Gepräge, und selbst Citronen-, Cedrat- und Orangenbäume sowie zwei kleine Palmenarten (chainaerops und humilis) gedeihen hier. Von den Giftpflanzen der Circe findet man nur den schwarzen Nachtschatten, den Wasserschierling, Eisenhut, die Eibe (taxus baceata) und das Tryphillum glabrmn, dessen Sträucher längs der Küste bis Terracina sich hinziehen. Von S. Felice ist Terracina nur lb Kil. entfernt; der Weg ist sehr gut und führt längs des Meers an den alten Vertheidi- gungstliiirmen Torre VHtoria, Torre Olevola und 'Torre Bodino vorbei. . (02 Kil.) Terracina (lUteiMoyal), dessen Altstadt überaus malerisch an den schroffen weissen Kalkwänden, an denen Agaven und Nopali aus den Kitzen auf- sprossen, emporsteigt, während unten schon Citronen und Datteln gedeihen. Auf der Höhe des vorspringenden Felsens die lluinen fSiibstruktionen, Kreuz - und Tonnengewölbe, welche spatrömische Technik zeigen) des alten Palastes des Gotheriköniys TJieoderich.— Die Aussicht auf dem Berg ist ausserordentlich schön, in der Ferne sogar der Vesuv deutlich sichtbar. (Beim Ilinansteigen sieht man Beste des antiken volskischen Anxur). — Die * Kathedrale S. Pietro (mit antiken Säulen der Vorhalle) stellt wahrscheinlich auf der Stelle des Tempels des jugendlichen Jupiter Anxurus, von dem in den Chor ein prächtiger liest auf hohem Unterbau , mit schönem Kankenfries zwischen kannelirten Säulen, eingebaut ist. Alte musivisch geschmückte Kanzel auf Säulen mit Löwentatzen. Vom Thurm Prachtblick auf die malerische Umgebung, die südliche Vegetation und die vulkanischen Pontinischen Inseln: Ponza } dessen Osthafen der Krater war; Zan- nonc, Weideplatz Ponza’s, das felsige Palmaröla, und siidl. die in der antiken Zeit als Verbannungsstätte der Tochter des Augustus, der Schwiegertochter Tibers und der Gattin Nero ? s berüchtigte Pandataria, jetzt Ventotiene; ganz im Süden sieht man Ischia. Von Terracina führt die Strasse durch den Thorweg la Portella in das Gebiet der Terra di Lavoro nach f 82 Kil.) Fonili (primitive Locanda). In den Ebenen wildwachsende Myrten, Granaten, Mastix, Joliannisbrod, Korkeichen, an den Bergen Oliven, Kaktus, Agaven, in den Gärten Orangenhaine; in der Stadt eine gothische, jedoch erneute Kathedrale, am Spitzbogenportal zwei Löwen, im Bogenfeld Christus zwischen vier Heiligen. Im Innern alter Bisehofsstulil und die von zwei Löwen und zwei Widdern getragene, mit Mosaik verzierte Kanzel, von Nikolaus von Kom aus dem 12. Jahrh.; ein schönes Grabmal von Honoralm Gaetani aus dem 15. Jahrli., einige gute Bilder aus dem 15. Jahrh., besonders die schöne Verkündigung von ChrUtoforo Scacchio von Verona. Die Kirche S. Maria ist ein eigen- thümlicher Uebergangsbau, dreiscliiffig mit drei Apsiden, das Mittelportal schon mit Renaissance-Detail und freieren Skulpturen, darüber ein Kreisfenster; der Thurm unten mit Spitzbögen, oben mit Kundbögen; im Innern eine Madonna des Andrea Crescuolo. — Am alten Schloss! der Fondi’s, neben der Kathedrale, dre reiche spätgothische Fenster; Stücke der alten Stadtmauer noch mit Kundbogen- 45 2. Fontli — Formia — Gaeta. fries und bezinntcn Thürmen. — Sehenswerth auch die alte Burg, in welcher in der Renaissancezeit die schönste Frau Ita- 1 iens, Giulia Gonzaga, Gattin von Vespa- sian Colonna, heimliche Lutheranerin, wohnte und mit Mühe dem Raub Cheyred- dins, des Barbarossa von Algier, entging. Von Fondi über das malerische Itri (durch die Oper »FraDiavolo« bekannt)-, — weiter oben herrlicher Blick auf den weiten Golf von Gaeta; dann über die FormianischenIliigel(x on hier bis zu den zwei Abhängen der Höhen von Sessa wuchsen die drei berühmten antiken Weine, Iloraz’Od.J, 20: »was Cales [Calvi’s] Kelter ausgepresst; aber meine Becher füllet nicht Falerner, noch Traubensaft von Formulars Hügeln«), r. das sogen. Grab des Cicero (mit viereckigem Untergeschoss, rundem Oberbau und viereckigem dritten Geschoss) , der hier ein Landgut (Reste im untern Garten der Villa Capo- sele, oberhalb Formia) besass, in dessen Nähe sein Haupt fiel. ZOan besucht das Landgut Cicero's (Säu- lengänge, zum Theil in Oekonomiegebäude verbaut) von Formia aus (Penvesso im P u- la::zo Rubino). (110 Kil.) Forilii (Ruropc), früher Mola di Gaeta. Man logirt besser hier und inachtiiureinenAusflug(Kinspänner 2 Fr., in 3 /4 St.) nacli dem 7 Kil. entfernten Gaeta (ItaliaJ, der 18G0 von den Neapolitanern unter Betheiligung ihrer tapfern Königin hehlemnütlng verthei- digten, aber von der italienischen Flotte eingenommenen Festung an einer schon von Natur geschützten Landzunge. Der Ort liegt so schön und so vielLiehtstrahlfc auf diese prächtig geformte Küste hin, dass dieselbe den Versen Virgils auf Ka- j eta, die hier gestorbene Amme des Aeneas, noch jetzt »allezeit dauernden Ruhm« verleiht. Ausser den Festungswerken ist auch der originelle, in vier Stockwerken aufsteigende Thurm der Kathedrale selienswertli, unten mit Spitzbögen und antiken Werkstücken, darüber Skulpturen des 13. Jahrh., die oberen Geschosse vonBaekstein, zu oberst ein reicher achteckiger Bau mit Baldachinen an den vier Hauptseiten. — Im II of der Kathedrale Tliurni der Kathedrale iu Gaeta fl«!«! 47 3. Von Civitavecchia zur See nach Neapel. 48 eine weisse Marmorsäule mit sehr scliö- neu Skulpturen des 14. Jahrh. — In der Kirche im Kreuzschiff r. eine vorraffae- lische Grablegung von ausgezeichneter Schönheit; auch Fresken von Crescuolo (von 1531). — In SS. Annunziata malte einst Giotto. — Die kleine Kirche S. Giuseppe hat Aehnlichkeit mit S. Costanzo auf Capri; einzelne Häuser in der Stadt zeigen noch gothische Details. — - 1 / 2 St., auf dem Scheitel des Monte Corvo, die sogen. *Torre cVOrlando (Rolandsthurm), d. h. laut Inschrift das Grabmal des Lucius Munatius Plancus, des Gründers von Lyon 42 v. Chr., mit racli t blick auf den Golf. Die Päpste suchten wiederholt Zuflucht in Gaeta; 1849 entfloh Pius IX., vom König Ferdinand II. eingeladen, insgeheim in diese Festung, die Republik Mazzini’s in Rom hinter sich lassend. — 1707 belagerten die Oesterreicher Gaeta, -173-1 die französisch- spanische Armee; 1744 hielt hier Karl 111. Bourbon seine Hochzeit mit Arnalia Wal- purg; 1806 abermalige Belagerung. Eine Krau von Gaeta machte sich berühmt durch die Vernagelung der letzten Kanone; sie wurde von Ruocco gemalt (Palazzo lteale di Ca- jjodimonte). In Gaeta wurde der namentlich im Porträt ausgezeichnete Maler Sci- pione Pixlsone, genannt Gaetano, geboren; auch der Maler Filippo Criscuolo, die Dichterin Giulia Cavalcanti, -der Dichter Bara- ballo, der Seelield Bausan u. a. Von F&rmia führt der Weg weiter an den Ruinen von Minturnä vorbei (1. Aquädukt, Reste des Theaters) auf einer Kettenbrücke Uber den Garigliano (den antiken Liris, in dessen Sümpfen der alte Marius sich barg); in anmuthiger Landschaft die Poststation (140 Kil.) S. Agata. L. nahebei: Sessa (Suessa Auruncorum) mit interessanter dreischiföger Basilika, im Jahr 1103 begonnen, im 18. Jahrh. renovirt; zwei Reihen von je 8 antiken Säulen, 3 Apsiden und sehr schöner romanischer * Ambon, Osterleuchter und Chorsehranken, auch mit Bogenresten eines Amphitheaters. Weiterhin die vulkanische Rocca Mon- fina (S. 29); r. die Berge des Massicus- weins, denHoraz, Virgil und Martial besangen. — Dann durch Cascano (1 St. weiter führt eine Seitenstrasse 1. nach Teano, S. 30), an der pittoresken Torre di Francolisi vorbei zur (ICO Kil.) Bahnstation Sparanisi. — Von Sparanisi mit Eisenbahn (59 Kil.) über Capua und Caserta nach Neapel^ s. S. 30-40. 3. Von (Marseille, Genua, Livorno) Civitavecchia zur See nach Neapel. DampfschifFahrt ; drei französische Gesellschaften: Valiry freres et fils; Fraissinet et Comp, und Messageries maritimes, sowie zwei italienische Gesellschaften, Feirano, Donavaro & Comp, und Rubattino ü^- . 'S^svcß. & 3 51 . ^._" \ -.Lj.gpjfoxft Z <*&»& t* r . .. .OS^JS - 83 f ' *' c .3 . , ■'xttr.vjÄi * 63 , . ; Mvss^oiV.'. * .T ,3 qii*ss*&;ia 5 a''' >[ "r • 83 s ’ g*ii$v. \*Y' xa . **r w y i r4a aa« 8’1 .-...,„ T , 1 S «; i3 . v \ <13 .T.A .\ .%tak'- 88 * a&j^qST.’ « 6A ^SrUNOWÄ. * 13 #*&. - TA . ^ 88 WiiXsAsfKsUi " ' ...... / //vJ&»B 55 r?£ •! ,. .„..-Asifc’wM&j * ;'/ . _.V\V»\U-.j:( *H • £$£ voküÄ?A‘^« 3 l»: tJÄ . ®*wVs, iilWCÄ- Äi 83 . SbswV. T wräwÄ Tflfi. . ' ofc^nkruäAWb tK5^Mvrf\. Wo " “ . 4 TJ'*'^'S»*Ö . Wö - öWoj^fc ab muft &> -■Ks^strft WS> * , . . . .'3to»& * . . ^vfcno«vÄ*»f>> ab flimA > . forra?j^- ^ < « &S foi *& ■ .ftrSsuKifö 1 «^-^ awsW^- - ; - . '•& «^ws^cjM^niA; fcrtW\ 83 VtAsSä^#^ \$awsü«Kr^ r.Ffc •&r+\drx&r^yf&k- XNWÄwi >J1 r-*Vr ’: V;V: . *$;•' ä i »»SilO ;;ä 3 I” j SU) i )i MWÄ* ■ 4 \^' > >'' c*pf 6 aSwM k • .jfcnß&rtwil. isb . j)'&>\s 3 £. «Vci-siaft ?, wSja&MÄ?» , ' CüKSn-m^- ‘ . . -.‘•'>/- ; '-v'-> Q3K& <•» Sb •sSfattyfi «li W ft ’ft - jvawy’/ '4Sya^*rfS’-1,+*S(t&i ilFsbL Z . M:- ig| '■ H X i rf 'NVJÄ. <• E B^häisabella » W Gaäo ^ V*< 4 * Ä ; ’ «»-vÄ. Vr, (NEAPEL) “ r H 'S.p-Premc* WeccJuo Capodichinol l %fbnti Rosst •.• A.. • d? ^ # ° e . .«?"*», ' ; » <.« ! 1 O . ' xi?y ; lEE v ; S.Carlo (V.' T° altärena- *■. < i a ^ 4-' d SöovamüaCartKtaara Cvfcö’ Ä-öiW '■-%. ßt&äu-acotölo 'S- t '' v "' 8&^poslfl|i% « v i , . *r\ Cjp% * ^ ‘Xi .«XsKXko S ;ö>> 0 % 'K^\\ ■W; Sj, e, r> & ' v? / - „0 ■ Vl ^ .5X V fX " -$9^ aT t < ' % £ * id&pf,' *? ■4 ; ” .Xif V e c)) oVO - sSff'A 1 "* r' ■< Tri^ l tfp < o- '■{ • I l 1 $0**** et* 40 \& • .£,• ! ? -| ' S*’ *>§,* ■I. sta3äoncCenteal e S? .-&* 7 :^- ^WX9ß.: v|:.^Ä Vitia,, gnsgpi' A’’ K ^, JS5& £ V*2 \X >-' -•' V . > ' % S"-i 1 \ c{j ,c< «e^ 0 teä’b -0^4^, • ^ sä ^TTT^r *' - A . « : ... t Jtaü® Ii C ei‘ Ä %, p .^V«r *ti»t* ßh,-n»»!.s»r, «a». 5 * ^ r' X° : u ' ? ^ ^ ' -^WvTZci. \ Poita-JToIana , r- r***«- s, xuiut-AWiaiut cv \,. \,\4 , ■ , % ^ s» ^ ^ •r\ rx >.. j TiTT ^ Sir “ ?l r e, ** • ;^rv mi|| i Lamtikk&Üi 6. Gxacomo di Capri Ru^a" ÄzeiM\§. ° ’ 3 Wddla>° ContxszifM Formicota . t ^T&tegx, x—. - t ;n ... . J.Architiello sb Mandl Tarsia. .rastepli 00c Sb- P’.\ 0 : T V^4v: i; J\U I if yvE-'4;x> y S.Bomenico - mxtxjgiore Damno S. Gamaro JXbergo di Roma b Rotel de Russin c «» Washington d - '• clrtte Crocclle Tramontano f - - desTstrangers g " des Maples i! .. ^Bristol i " ' Viäoria j " " Mobile dAngleterres du Zomnes de laVülr, Central Carovr Milano Montpellier Plebiscilo ■. : ;^ v •Cid *d . dcLeßart-n -Je. C i’<: Porta di ,•-<•/■- Posilip*» JBiljlioÖraplüscihes üisutuT K L A- puxdpÜU' // i S ) : ’ l, (imtpu smdo 1 \Y . / '• dis'Cctenei : " Camposanto , • v^cSiio ., •,' Camposai^l rvuovo ~4- \ ' X . fix ^ d, Ä®* is : ’Uk V dAß 1 8 .<. ■ % ! ■** v ? *> % d «j *. Mw “ 1 "tlAiiä&v, . Ai. 5 T . . F2 G7 jj Gesu huovo .HG-5 G3 r S.dacomo degli SpagnitoU • E6 H3 i; S. Giovanni uCarbonmn • H3 5 1novxwni Bwxngdista, del PonteouQ^ S. Giovanni Bappacoda • G5 Jncoi'onaia . • F6 Slorenzo . Gl S.liooia ... . E8 C hie sc H5 j! S.MarceUino . S. Marin del Carmine S. Marias della Ccdena*. S. Maria Cbstanitnopoli S. Maria DormctZbina . S. Maria Donna Regina • S Maria deRe* Grazie S. Maria Maggiore, (Petra sarctaj S. Maria* la Nuova> S. Maria diFedigrcrüa S Maria ddla. Scmtid . . S-Mxrttno Montoliivto IS Anna, del Xomhardt, J SBctolo- E6 Tnaggiore* .... S.Fietro a, MajeUa .... S.Restituta, . S. S. Scvcrino e* Sosio . S.Severot Cappella di . . (S.M. della/ Pieta dH SanqrO) S. Teresa* . .. S.s.Trinüa* . K 48. Ravenstein *lir. Alal'sstab 1- 18.000 roo soo 300 800 700 SOO 300 II. Neapel und seine weitere Umgebung. 4. Neapel. Siehe den beiliegenden Plan. Zur Orientlrung: Oekonomische Angaben S. 49. — A. Lage und Leben der Stadt S. 66 — B. Geschichte S. 91. — 0. Kunstgeschichte S. 118. — Stadtbeschreibung: D. Von der Villa Nazionale zum Dom und Museum S. 131. — E. Das Museum S. 205. — F. Vom Museum nach den Katakomben, Capodimonte und den Friedhöfen S. 310. -- G. Vom Museum zum Hafen S. 321. — H. Vom Museum nach S. Martino, Posilipo und Camaldoli S. 332. — (Zum Aufsuchen bestimmter Oertlic-hkeiten bediene man sich des dem Buch angehängten Registers.) Ankunft mit der Bahn. Beim Ausgang aus dem Bahnhof findet man die Omnibus der Gasthöfe (meist zu IVa Fr. pro Person); dann die Fiaker, zunächst die zweispännigen (1 Fr. 40 C-; Koffer 20 C.), hierauf die Einspänner (70 C., mit Gepäck 90 C.). Weiter hin die Omnibus der Stadt (wer diese benutzen will, beeile sich, da sie gewöhnlich rasch angefiült sind), welche längs des Hafens über den Molo bis Largo San Ferdinando (Palazzo Reale) fahren; 20 C. (Handkoffer 20 C.). Der Facchino, welcher das Gepäck in den Wagen bringt, erhält (nach Tarif) für einen Koffer 20 C., für ein Gepäckstück über 100Kilo 40 C., für ein kleines Stück (Reisetasche, Hutschachtel u. dgl.) 10 C. Von der städtischen Dogana an der Eisenbahn wird der mit Gepäck Reisende meist bei seinem Eintritt in den Wagen befragt, ob er nichts dem Dazio (der städtischen Ac- cise) Unterworfenes bei sich führe. Meist genügt ein »no, niente «.— Eine sehr häufige Unsitte ist die Begleitung der Kutsche (auf dem Bock #der hintenan) durch einen sogen. Commissionario oder Facchino, der je nach Umständen beim Hotel angibt, den Reisenden hingeführt zu haben, oder die Bezahlung eines Facchino verlangt. Gegen diese Leute hilft nur ruhige Grobheit. Sitzt einer unberufen auf, so rufe man ihm ein energisches »Va-te-ne« zu; im Nothfall wendet man sich an eine städtische Guardia, die jetzt überall aufgestellt sind. Meist genügt schon der Drohruf: » Chiamerd la Guardia«. Gasthöfe. . I. Ranges, mit Aussicht auf das Meer. An der Riviera di Chiaja: * Louvre (PI. m, D 8), Kr. 253 (Donzelli); eins der besten Hotels in Neapel; pro Bett 2—6 Fr.; Unter-Italien. I. Bougie 1 Fr.; Service 1 Fr.; T. d’h. 5 Fr.; Kaffee oderThee mit Brod und Butter 1% Fr. Grössere Appartements vonFr. 20—60. Speise - karte. Die Angestellten sind meist Deutsche oder Schweizer. — *H6tel d'Angleterre (PI. 1, D 8), Nr. 271, von demselben Besitzer geleitet. — *De la Ville (Fiorentino, PI. n, C 8), Nr. 127; gegenüber der neuen Piazza der Villa nazionale, im vollen Süden. Bedienung theilweise deutsch (der Geschäftsführer, ein Schweizer, spricht die vier Sprachen geläufig). Z. (70) von 3 Fr. an. Pens. 10 —12 Fr. Aufs beste zu empfehlen. — *Gran Bretagne, (PI. k, E8), Nr. 276; Preise wie in Hotel Vittoria (s. unten), auch von demselben Besitzer geleitet. Am Largo Vittoria: * Vittoria (PI. i, E 8), in der Nähe der Villa nazionale; mit Prachtblick auf das Meer. Bedienung und Tisch vorzüglich. Die Preise wie im Louvre, Service und Speisekarte etwas höher. T. d’h. 6 Fr.; Diner k part 7Fr.; im Zimmer 12 Fr. (für zwei Personen a 10 Fr., für drei k 8Fr.); der Wein besonders (Speisekarte: Suppe D/a Fr.; Beefsteak aux pommes 2Va Fr.; Braten 2 J /2 Fr.; Maccaroni IV 2 Fr.; Kuchen IVa Fr.; Früchte, Käse 75 C.; Kaffee mit Butter und Brod 2 Fr., mit Eiern 2 x /2 Fr.), Service V-U Fr. Der Portier, ein deutscher Schweizer, sehr gefällig. Am Chiatamone: Washington (PI. c, F 9), in der Nähe des Castello dell’ Ovo. — Grand Hötel Royal des Etrangers (PI. f, F 8), ein eleganter Neubau, mit Prachtblick auf das Meer (soll im Winter 1876 eröffnet werden). An S.Lucia: *ßwss»ö(Orlandi, Pl.b,F8), gut; Preise wie in der Vittoria. — *Rome (PI. a, F8), in sehr schöner Lage; mit deutscher männlicher und weiblicher Bedienung; 3 51 4. Neapel (Gastliöfe). 52 ist wieder ein gutes, sehr beliebtes Hotel geworden und billiger als Russie (z. B. T d’h. mit Wein 5 Fr.; Diner im Zimmer 8 Fr.; für 4 Personen je 6 Fr.; die Nahrung für einen Diener tägl. 5 Fr.; Diner a part im Saal, mit Wein 6 Fr.; ein Korb Holz 0 V 2 Fr.; Bougie 80 C. Remisekutsche zum Theater 10 Fr.; für den ganzen Tag in der Stadt 18 Fr.; auf dem Land 26 Fr.; zu 3 Pferden 35 Fr. Auf dem Cor so Vittorio Erna 1111 eie und anRione Principe Amedeo. Diese hochgelegnen Gasthöfe, mit Prachtblick auf Meer, Vesuv und Inseln, haben den Vorzug einer sehr gesunden Luft und sind daher, weil die mangelhaft eingerichteten Abzugskanäle (besonders von Chiatamone) einige Striche am Meer zuweilen inficiren, gegenwärtig sehr besucht. Die projektirte neue Kanalisation wird dem Uebelstand * der übrigens meist sehr übertrieben wird, gründlich abhelfen. *Tramontano (Beaurivage, PI. e, C 7), Corso Vittorio Emanuele 42. — Daneben: *H6tel de Maples, tritt an die Stelle des frühem Hotel de Naples am Largo Vittoria. — Ebenda stadtwärts (neu eingerichtet) *Hötel Bristol (PI. h, D 7), vom Besitzer des Hotel de Ville geleitet, mit 120 Zimmern, im vollsten Süden, mit Prachtblick auf Vesuv und Golf (Preise wie Vittoria). — * Albergo Nobile (Pl. j, C 7)> am Rione Principe Amedeo, neu, mit 130 Zimmern, Preise wie Vittoria. In den Gasthöfen ersten Ranges kostet der Gasthofomnibus für jede Person mit Gepäck D /2 Fr.; der Portier ist beim Service nicht einbegriffen, auch das Factage (Herauf- und Herunterschaffen. des Koffers) wird besonders (2 Fr.) berechnet. Reisende, welche gewöhnlich nicht im Gasthof speisen, bezahlen 1 Fr. mehr für das Bett. II. Ranges. *II6tel de Geneve, Str. Medina (Eingang Str. S. Giuseppe Nr. 13, PI. o, G 6), zwar in der Stadt und in vielen Zimmern ohne Aussicht, aber doch nahe am Meer und bequem gelegen. Der Gasthof ist sehr stark besucht (namentlich von Kaufleuten), hat eine Dependenz und den Gasthof (Nr. 72 an Str. Medina) Hötel Central (PL G 6) mit sich verbunden. T. d’h. 4 Fr.; Z. von 3 Fr. an. — * Albergo di Milano (PI. r, G 7), Nr. 24 am Molo, mit *Dependcnz (welche aus den oberen Zimmern einen Prachtblick auf den Vesuv gewährt). Die Preise sind hier etwas billiger; die Pension 10 Fr. Das Hotel ist mittleren Börsen sehr zu empfehlen. — * Albergo PlebUcito (PI. t, F 7), Via Gennaro Serra 24, nahe bei Pal. Reale. Crocelle (PI. d, F 8), 72, am Chiatamone. — Montpellier (*P1. s, F 7), neben Cafe Europe, Ecke Largo S. Ferdinando und Via Roma (Eingang Str. Nardoncs 8). Billigere italienische Gasthöfe. *Globo , Piazza del Municipio 15 (Z. von IVa Fr. an). — Albergo PAllegria (Pl. u, F o), Mitte der Via di R oma; der Wirt spricht französisch. — *Italia, Piazza del Municipio. — Europa, Via Nardones 113. — Cavour (Pl. q, G 6), Str. Medina. — Croce di Malta', Piazza del Municipio. — Villa di Firenze, Piazza S. Carlo. — Albergo'Nationale, Str. Medina. — Albergo dei Fiori, Largo Fiorcntino.— (In mehreren lässt die Reinlichkeit manches zu wünschen übrig.) Pensionen: *H6tel et Pension Hassler (Schweizer), Str. S. Teresa a Chiaja 10, gut und billig; für längern Aufenthalt sehr zu empfehlen; die Pension 8 — 10 Fr.; stösst im O. und S. an einen grossen Garten und ist ganz nahe der Mitte der Villa (Pension: Morgens Kaffee mit Butter und Honig, Tliee oder Ohokolade; Zweites Frühstück Mittags: Vorspeise, Fleisch, Gemüse,Früchte; Abends 6 Uhr T. d’h. Deutsche Küche. — *Pensione d'Ällemagna, Str. Chiatamone 23, von einer Münchnerin (Maria Schultz) gehalten; Essen sehr gut, Zimmer sauber und- hübsch möblirt. Preis 8—10 Fr. (Aussicht auf Vesuv und Meer). — *II6tel et Pensione Balboni, Str. Bisignano 2 (und 45); still und reinlich. — *Pension della Riviera, Chiaja 118. — Pension Internationale, Str. Chiatamone 5 (deutsch). — Pension Universelle, Largo Vittoria 47. — Anglo Am4ricaine, Chiaja 211. — Anglaise, Chiaja 114. — Romaine (oben, mit schöner Aussicht), S. Lucia 92. — Britanniqtie {jMao- pherson) , am Rione Principe Amadeo 11 (sehr gesunde Lage.) — Mergellina (an der Mergellina). •— * Partenope, Piazza Vittoria. Hotels garnis , mit Wohnungen und mit einzelnen Zimmern von 2 Fr. an aufwärts: *Neio York, S. Lucia 31, Z. von 3 — 5 Fr. an, mit sehr schöner Aussicht (man kann hier auch Kaffee und kalte Speisen erhalten). — *lüviera di Chiaja, Nr. 171 (deutsch). — Casa Comba, Largo Vittoria 8 (schöne Lage) — *Vico Carminello a Chiaja, Nr. 49 (Madame Fecatier); gut und sehr billig. — Palazzino Morabito, am Rione Principe Arne* deo 16 und 18 (elegant, in gesundester Lage). — Riviera di. Chiaja, Nr. 263, u. a. Touristen von einfachen Bedürfnissen können im *Cafe Svizzero der Wittwe Zepf- Weber, am Molo, Z. zu zwei Betten a 2 Fr. beziehen. Bedienung häuslich und reinlich. — Auch der Führer Johann Haber (Ungar, spricht deutsch) hat im Sedile del Porto 18 (Pl. G 6), in einem zwar mitten im Volks- qnartier gelegenen und nicht eleganten Haus doch einige gute Zimmer ä 1 — IV 2 Fr. (Bedienung reell und vorsorglich). In den theurern Wohnungen und Zimmern steigen die Preise bei grosser Frequenz der Fremden (z. B. Karneval, Vesuv -Ausbruch, Feste). Man erhält daher in der Zeit der Fremdendürre die Zimmer oft weit billiger. Deshalb zuvor genau je nach den Verhältnissen zu akkordiren! Die Bedienung wird durchschnittlich auf V 2 Fr. pro Tag berechnet; auf längere Zeit weniger. — Personen, welche den nächtlichen Lärm scheuen, der sich in Neapel ganz besonders hervor- thut und nach kurzer Pause früh Morgens wieder beginnt, tliun besser, am Rione Prin- 53 4. fteapel (Restaurants). 54 cipe Amedeo oder am Corso Vittorio Ema- uuelo sich eine Wohnung zu suchen. Restaurants. In allen sind gedruckte Speisekarten mit ausgeschriebenen Preisen. Ein Gabelfrühstück kostet in den feineren Restaurants ca. 3 Fr.; ein Diner (Pranzo) 4—5 Fr. inkl. Wein. — Dem Kellner bezahlt man pro 1 Fr. Zehrung je 5 — 7 C. Ueber die Nea-' : politaner Küche s. S. 85. — In allen stark ; frequentirten Restaurants erscheint zu den gewöhnlichen Essenszeiten (11—1 und 5—7 Uhr) ein Ostricajo (Austernverkäufer); 12 os- triche kosten ca. 1 Fr. Als die feinsten Restaurants gelten die zwei beim Palazzo Reale gelegenen: * Europa, Ecke der Str. Chiaja; um 5Vs Uhr ein billigerer Tisch, zu 3 und 4 Fr. — Caf4 del Palazzo Reale, mit schönen Sälen für Damen; Gabelfrühstück 3Va Fr.; Diners 5 Fr. und höher. — Billiger: * Vermouth di Torino, Piazza del Municipio7; im hellen, schönen Erdgeschoss; recht gut, stets angefüllt; auch von Damen stark besucht, sehr zu empfehlen. .Suppe 25—40 C.; Maecaroni 40—50 C-; Risotto 50 C.; Fritto 50 — 60 C.; Omelette 50 C.; Rindfleisch gesotten 40 C., gebraten 65 C.; Beefsteak 80 C., mit Kartoffeln 90 C.; Braten 6o —70 C.; Salat 25 C.; Süsse Speise 60 0. — Der Wein wird, wenn nur die Hälfte der Flasche getrunken wird, nur zur Hälfte berechnet. (Der gewöhnliche Wein Vq Flasche 30 C.; Auch Wiener Bier ist hier zu haben. — Louvre, Via Roma (Eingang Vico Tre Re 60); etwas eleganter und theurer. — *Com- merce (Cafe ■ Restaurant), gegenüber Fontana Medina (von einem Schweizer gehalten; stets angefüllt). — * Hausier (jetzt Bacca), Vico Baglivo Uries 38; mit deutschen Zeitungen und Münchener Bier. — ^Germania, Via Roma, Vico S. Sepolero 109; billig. — *£a» Carlo, gegenüber dem Theater S. Carlo (den Rossebändigern), im 1. Stock, mit WieneT Bier. — Giardini di Torino, Eingang Vico Cainpane 70. — Villa di Napoli, Via Roma (Eingang Via S. Brigida 2). — Armonia, gegenüber Cafe Benvenuti. — *Zepf - Weber (von einer Schweizerin geleitet), billig, haus- häblich, auch mit Wiener Bier. — Villa di Torino, Concezione a Toledo 3. — Auch die Birreria Dreher (Besitzer P. Trinclie), Largo Carolina 8—11. ihres Wiener Biers wegen stark frequentirt, ist mit einem (jedoch nicht billigen) Restaurant verbunden. — Im *Caf4 Meridionale, einem sehr kleinen, aber vortrefflich gehaltenen Caf4-Restaurant (Str. Chiaja 83) erhält man sehr schmackhaftes Gabelfrühstück zu einem Mittelpreis. Noch billiger tind doch noch ganz anständig: *Falcone, Via Medina 9, 1. Stock (hier kann man sich fürD/aFr. satt essen: Beefsteak 50 C.; Maecaroni 30 C.; Wein 20 C.). Man gehe in das Zimmer rechts vom Eingang. Trattoria Milanese, gegenüber der Post (daher auch della posta genannt); von Deutschen stark besucht. — J.upa, Str. Guantai (gute Küche; aber die Reinlichkeit lässt zu wünschen übrig). — Sehr billig (von Studenten und Künstlern stark frequentirt) Villa di Londra, Via S. Sebastiano (nicht weit vom Museum); Maecaroni 15 C.; Fleisch 30 — 50 C.; Omelette 30 C.; Wein 20 C. Austern mit gutem Wein, neben der Schwefelquelle von S. Lucia. Bier: *Birreria Dreher (F 7), Besitzer P. Trinclie; Wiener Bier, deutsche Zeitungen (Freie Presse, Allgemeine Augsburger, Kladderadatsch, Schweizer Bund), Largo Carolina 8 —11, nahe bei Pal. Reale, ge- niesst den Vorzug, dass man auch in der Vorhalle im Freien an der belebten Strasse sein Bier gemüthlicli trinken kann (kGlas 35 C.). — Bei *IIassler (Bacca), Vico Baglivo Uries Nr. 38, vortreffliches Münchener Bier (ä Glas 35 C.). Wein. Zu empfehlende Tisch weine: Avellino, Posüippo asciuto (ä Flasche 60 C.), Vino del Vesuvio (60 C.}, Somma, Lipari, *Vino di Monte Procida, Vino d'Ischia. — Dessertweine: Capri, Falerno (aus der Umgegend von Bajä), del Monte, Lacrimae Christi (selten echt), * Vino Greco (aus Kalabrien).— W einhandlung: * Giuseppe Scala, Via Concezione a Toledo 42 (Lacrimae Christi, ä Flasche, roth: 1 Fr. 40 C.; weiss: 2 Fr.; rotli; *Torre, proprieta Scala 2 Fr. Capri, roth und weiss: 1 Fr. 40 C., Falerno, roth und weiss: 2 Fr. (versendet auch ins Ausland). — Pasquale Scala, Via Chiaja 136. — Societä enologica, Str. S. Brigida 51. — Vortreffliche Weine (besonders Malvasier) in dem (sehr primitiven) sogen. * Jesuitenkeller, Strada S. Sebastiano. Cafes: *Gran Cap'4 del Palazzo Heule; die Tasse schwarzer Kaffee 20 C. (ist um so höher zu schätzen, als die Kaffeebereitung nicht zu den Vorzügen Neapels gehört). Das Cafe ist Abends stets angefüllt. — Gegenüber: *Caff4 delV Europa; die Tasse Kaffee 25 C.; Eis 60—80 C.; Granita 50 (die halbe Portion 25 C.); Milchkaffee 40 C.; Cliokolade 80 C. — *Italia Meridionale, Str. Chiaja 85. Der Kaffee dieses kleinen, reinlichen Lokals gilt als der beste in Neapel; die Tasse 20 C. — *Italia, Via Roma 316 (sehr besucht). — *Napoli, Via Roma 236, mit Sälen im 1. Stock (auch gutes Gabelfrühstück zu massigem Preis). — *Com- merce, gegenüber der Fontana Medina; (von einem Schweizer gehalten; stets angefüllt). — Als das renommirteste Eis gilt das im Caf4 Benvenuti (vom Eintritt r. ein anständig dekorirter Salon für Eis) Str. di Chiaja 140, und das bei de Angeli*, Via Roma 70 (Studentenkaffee). — In der Nähe des Museums, diesseit desselben, an Via : Roma, Ecke Via Carlo Doria, *Cafe Co- mito (auch gutes Gabelfrühstück). — In der Villa nazionale: *Gran Pavillon und Caf 4 Vacca. Zuckerbäcker: * Caßisch (Schweizer), Via Roma 253. — Van Bol e Feste 256; im 1. Stock. — Ferrone, Via S. Brigida. — i *A. d'Albero, Via Roma 218. 3 * 55 56 4. Neapel (Verkehrsmittel). Cicerone (Fremdenführer): Als Führer, namentlich bei den grösseren Lundpartien, kann * Johann Huber (ein Ungar, der fertig deutsch spricht), Sedile del Porto 18, aufs beste empfohlen werden; auch ist er im Schweizer Cafe Zepf-Weber, am Molo, zu erfragen. Gleicherweise verdient er für Einkäufe und für Kommissionen das vollste Vertrauen. Pro Tag 6—7 Fr.; pro Gang 1 Fr. — Empfehlenswerth ist auch der Schweizer * Zum stein (bei Zepf-Weber zu erfragen;; sowie Adam Ilefty im Hotel Washington. — Für französisch und englisch Sprechende Antonino d'Antonio (im Hotel du Louvre und d’Angleterre); — Antonio Cres- cenzis (im Hotel de Rome); ^ Fmngois Frayd (im Hotel de Russie). Die letzten drei verlangen 8 — 10 Fr. pro Tag. — Johann Huber (und Zumstein ) hat auch Ausflüge nach Amalfi und *Pästum angeordnet; der Preis für jede Person ist 50 Fr., alte Ausgaben der Hin- und Herreise (zwei Tage), Eisenbahn nach Salerno, Wagen nach Amalfi, Wagen nach Pästum und die Hotelausgaben mit inbegriffen. Man hat nur seinen Namen und die Wohnungsnummer an Herrn Johann Huber, Sedile del Porto 18, zu schreiben. Wagen (Fiaker): Für eine Fahrt (una corsa) einspännig 70 C. (Nachts, d. h. von Mitternacht bis Tageshelle 1 Fr. 10 C.; 1 St. IVa Fr. (Nachts 2 Fr. 10 C.); die folgenden Stunden 1 Fr. 10 C. (Nachts Vfo Fr.). — Zioeispönnig (a due cavalli) die Fahrt 1 Fr. 40 C. (Nachts 2 Fr. 20 C.); 1 St. 2 Fr. 20 C. (Nachts 8 Fr. 20 C.); die folgenden Stunden 1 Fr. 70 C. (Nachts 2 Fr. 20 C.). Die Dauer einer einfachen Fahrt darf x /a St. nicht überschreiten , sonst ist nach Stundentarif zu bezahlen. — Von und zum Bahnhof dieselben Fahrpreise (doch ist der Koffer, 20 C., nicht mit eingerechnet). — Als zur Stadt gehörend werden noch betrachtet: Der ganze Corso Vittorio Emanuele bis zum Platz vor S. Maria di Piedigrotta (B 8) und von da bis zum Fontana del Lione an der Mergellina • dann die Strecke bis zu den Katakomben und zum Rondel vor Gapodimonte (F 1); nordöstl. bis zum Albergo de’Poveri (H 2) und von da bis zum Ponte della Maddalena (K 5). Remisenkutschen (Garrozze di Rimessa): V2 Tag in der Stadt 10—12 Fr.; für Pompeji, fürPozzuoli und Baja hin tmd zurück 20—25 Fr. Gute Kutschen findet man in Str. Pace 50; Str. Bisignano 13; Str. di Chiaja 138 (der Preis ist bei direkter Bestellung niedriger, als durch das Hötel). Omnibus, Hauptstation am LargoS. Fer- dinando (PI. F 7), zwischen Palazzo Reale und Teatro S. Carlo, fahren fast alle 5 Min. ab. Die Halbtour 10 C., die ganze Tour 20 C. — 1) Mit Aufschrift: Largo 8. Ferdinando aStrada Foria; fahren die ganze Via Roma entlang bis zur Ecke des Museums (10 C-), PI. F 4; von da an zum Albergo de, Poveri (20 C.), PI. H 2. — 2) Mit Aufschrift: Reclusorio ; fahren von Largo S. Ferdinando über Piazza del Munieipio , längs des Castello nuovo, Hafen, Marinella, bis Carmine (10 C.), PI. J 5, dann an Porta Capuana (J 3) vorbei zum Reclusorio (20 C.). — 3) Mit Aufschrift: Vicaria (Tribunali); diese fahren von Largo S. Ferdinando durch Via Roma bis zur Piazza Dante (10 C.), F 5; dann r. durch Porta Alba, nach S. Pietro a Maje'.la (Konservatorium), Str. Atri, zum Palazzo della Vicaria (H 4). — 4) Vom Largo Vittoria (E 8), mit Aufschrift: Porta S. Gennaro, längs Str. di Chiaja, Largo S. Ferdinando, Via Roma, bis Piazza Dante (bis hierher 10 C.); dann zum Museum, Piazza Cavour bis Porta S. Gennaro. — 5) Von der Post (FG 5) nach Montoliveto, Str. Fontana Medina, Piazza del Munieipio (F. 7), Teatro San Carlo, Sfr. di Chiaja, Riviera di Chiaja (C 8), bis zur Mergellina (20 C.), PI. B 9. Fahrtaxen für die Umgebung: Fiaker nach Fuorigrotta (jenseit der Posilipgrotte) 1 Fr. 20 C.; Zweispänner 1 Er. 75 C-; — Posilipo (Dorf), Gapodimonte, Vomero, Anti- gnano D/a Fr.; Zweispänner 2 x /4Fr. — Po>-- tici 1 Fr. 75 C.; Zweispänner 2 Fr. 55 C.; Resina 2 Fr.; Zweispänner 3 Fr.; — Torre del Greco 2 J /a Fr.; Zweispänner 3 Fr. 75 C. — S. Giorgio da Cremano oder Barra 1 Fr. 75 C.; Zweispänner 2 x /2 Fr. — Zu diesen Preisen ist, wenn man innerhalb der letzten Droschkenstation abfährt, noch die einfache Stadtfahrt (Einspänner 70 C.; Zweispänner 1 Fr. 40 C.) hinzuzurechnen. — Die »Societa. dei Tramways Napoletani« fährt mit Stage- Coatches und Breaks. 1) Nach Pozzuoli täglich von Piazza Medina (F G 6) um 9 x /a Uhr; 5 Fr. — 2) Nach Baja täglich von ebenda, 6V2 Fr. — 3) Auf den Vesiw, täglich von Torretta a Chiaja (B 8) bis zum Observatorium; Abfahrt 9Va Uhr; 7 Fr. — Die Wagen sind gegen 6 Uhr in Neapel zurück. Tramways: Von Villa Barbaia bis Marinella alle 1 U St., 30 C. und 20 C. Vom Largo S. Ferdinando über S. Giovanni Teduccio nach Porlici (Munieipio) alle ] /q St. Am Tage Abends und an Wochen- anSonn-und Tarif: tagen Festtagen I. Kl. |II.K1. I. Kl. |II.K1. C. c. C. c. Neapel — Portici 65 45 75 ö;> Neapel — S. Giovanni Teduccio 45 30 55 40 S. Giovanni Teduccio— Portici 30 20 40 30 (Für Damen elegante Waggons zu 16 Sitzen.) — Die Billete sind verkäuflich von 10 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags, Via Roma 289. Boote: 1 St. l x /2Fr.; die folgende 1 Fr .; zu den Dampfschiffen 1 Fr. (den Äufpackern für jeden Koffer 40 C.). Weitere Fahrten akkordiren, gemäss des Stundenpreises und der Zahl der Ruderer. Dampf boote: Die Büreau's sind an der Sfr. Piliero (G 6), gegenüber dem Hafen. 57 4. Neapel (Verkehrsmittel). 58 1) Für Sicilien: »Societa Florio & Comp.«, Str. Piiierio 30, gegenwärtig Montag und Mittwoch für Messina ; Freitag für Messina, Catania, Syrakus. Täglich für Palermo (ausgenommen Dienstag); ein Platz (mit Verpflegung) für Messina oder Palermo: I. 48 Fr. (>0 C.; II. 31 Fr. 60 C. Die »Societa Pei- rano, Danovaro«, Str. Piliero 33, gegenwärtig Dienstags nach den Küsten von Kalabrien, Messina und an der Ostküste : Italiens bis Ancona. — 2) Für öivitavecchia, Livorno, Genua, Marseille: die »Societä Val<5ry i et Comp.«, Str. Piliero 1, gegenwärtig Mittwoch und Sonnabend nach Cioitavecchia (I. 25 Fr.; II. 15 Fr.), Livorno (I. 45 Fr.; II. 35 Fr.), Genua (I. 70 Fr.; II. 45 Fr.), Marseille (I. 100 Fr.; II. 65 Fr.). - Die »Societa Fraissinet & Comp.«, Str. Piliero 3, gegenwärtig Mittwoch direkt nach Marseille in 48 St. (I. 120 Fr.; II. 80 Fr.) Mittwoch und Sonnabend nach Öivitavecchia, Livorno, Genua, Marseille. — Die »Societa Peirano Danovaro«, Piliero 33, gegenwärtig Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, nach Livorno und Genua; am Donnerstag auch nach Civita- vecchin. ■ — Die »Compagnie des Messageries maritimes de France«, Str. Molo 12 (G 7), Sonnabend direkt nach Marseille (1.128 Fr.; II. 100 Fr.; III. 50 Fr). — Die »Societa Rubattino e Comp.«, Str. Piliero 15, am 2., 12., 22. jedes Monats nach Livorno und Genua; am Sonnabend nach Tunis (1.123 Fr.; II. 88 Fr.); am 27. jeden Monats über Messina und Catania nach Alexandria und durch den Suezkanal nach Indien; am 8., 18., 28. jeden Monats über Messina nach Alexandria. Post: Im Palazzo Gravina (F Gr 5), an der Str. Montoliveto. — Frankomarken (franco- holli), für Neapel 5 C., für Italien 20 C., für die meisten auswärtigen Länder 30 C.; ebenso Korrespondenzkarten (Cartoline pos- tali) , für Italien 10 C., für das Ausland 15 C. (daher eine 5 Cent-Frankomarke aufzukleben!), erhält man im Korridor der rechten Schmalseite, am ersten Fenster (auch in manchen Tabakläden). Auf den Filialbüreau’s, z. B. Largo S. Caterina a Chiaja {E '), nahe bei der Piazza de 1 Mar- tiri, werden die gewöhnlichen Briefe 2 St. vor Abgang der Post abgeholt; auf der Post selbst noch bis 1 St. vor Abgang, am Bahnhof bis 20 Min. vor Abgang des Zuges spedirt. Fahrpost: Ebenfalls im Palazzo Gravina. Telegraph : Im 1. Stock des Palazzo Gravina (G F 5), Aufgang r. vorn im Ostkorridor. — Telegraph-8uccursalen, für die Fremdenquartiere am bequemsten: Largo Garo- falo 1, 5 Min. von Largo Vittoria; für die Bewohner der Riviera di Chiaja und ihrer Umgebung; Str. S. Giacomo 42 (F 6), für die in der Nähe des Pal. Reale und Str. Medina Wohnenden. Eisenbahn. Für alle Linien gibt es jetzt nur noch einen Centralbahnhof (J 4), im Osten der Stadt.' Ein Fiaker legt die Strecke vom Municipio (F 7) bis zum Bahnhof in J /4 St. zurück (Einspänner 70 C.; Zweispänner 1 Fr. 40 C-). Der Omnibus (20 C.) braucht länger. Man verschaffe sich stets das neueste Orario (oben mit der Angabe des Monats), da die Abfahrzeiten oft wechseln. — Centralbüreau für die Bahnspedition Str. S. Brigida 15. Spediteur: *Questa, Str. Piliero 32 (G 6). Fahrzeit in Stunden Eisenbahn von Neapel nach täglich mal I. Klasse Fr. ! C. II. Klasse Fr. 1 C. III.Klasse Fr. C. «i/ 2 —13 Bari. 3 34 5 23 85 15 85 2 '/ 3 - 31/2 Benevent. 4 11 — 7 70 5 50 11/4 — 1 3 /4 Capua . 6 4 10 2 55 1 30 1 — IV* Caserta. 6 4 — 2 80 2 _ 1 Castellamare. 8 3 10 2 15 1 25 31/2 Eboli. 3 9 5 6 35 3 65 r> 3 /* -8i/a Foggia. 4 22 40 15 70 11 20 ■i'h — 4 3 M San Germano (Monte Cassino) . . 4 12 70 8 90 5 70 : 31 /„ Laura (Monte Vergiue). 3 6 55 4 10 2 5 1 Pompeji. 5 2 75 1 90 1 10 29 Reggio (über Foggia und Bari) . . 1 87 50 61 30 37 25 7 —9‘/4 Rom. 3 34 25 23 50 14 — 2V4 Salerno. 5 6 15 4 30 2 45 3 /* Torre Annunziata. 13 2 80 1 69 — 95 Konsulate. Deutsches Deich: Str. Guantai Nuovi 69 (nordwärts vom Municipio, F 6). — Schweiz, Niederlande: Piazza del Municipio 52 (F 7). — Oesterreich: Montoliveto 37 (F6). — Dänemark, Schweden, Norwegen, Str. Piliero 16 (G6, 7). — England: Str. Monte di Dio Vico Calascione (E 8). — Russland: Str. Chiaja 57 (DE 8). — Frankreich: Via Poerio 34 (E 8). — Belgien: Via Donn’ Al- bina 56 (G 6). — Amerika: Strada Pace (E 8). Sicherheitsbeamte. Neuerdings ist in ausreichendster Weise durch beständige Beaufsichtigung und Cirkulation für die öffentliche Sicherheit gesorgt. Sowohl die Gara- binieri (Frack und Dreispitz), wie auch die Guardie civiche (Rock und Käppi) stehen dem Fremden mit grosser Höflichkeit zur Auskunft und zur Hülfe bereit. Hat man irgend einen Streit, namentlich bei Ueberforderun- gen, so wende man sich unverzüglich an einen solchen Sicherheitsbeamteu, der die Sache meist gründlich beilegt. — Die Taschen- dieberei, in welcher namentlich die kleinen Jungen Unglaubliches leisten, ist in ganz 59 4. Neapel (Adressen). 60 Italien nirgends so ansgebildet wie in Neapel. — Klagen über Kutscher richte man an das »Ufficio centrale del Corso pubblico«, Pal. del Municipio (F 6), 1. Stock. Lieux d’aisance (Latrina pubblica, 10 C.), meist reinlich; hinter S. Francesco da Paola (F 7, 8), r. in der Höhe; — beim Museo nazio- aale (F 4), 1. in der Höhe; — an der Villa nazionale (I) 8), am Meer, unweit des Aquariums; — beim Teatro Rossini (F 5); — beim Largo del Castello (Molo, G- 7); — an Strada Foria (H 2); — bei Porta S. Gemiaro (G- 3); — bei Tribunal (II 41; — Montoliveto al Mercato (Ffi); — an der Treppe des Ponte di Chiaja (E 7). Bäder. Süsswasserbäder: *Vico Belledonne a Chiaja 12 (E 7); Str. della Pace a Chiaja 17 (E 8); das Bad 1 Fr. 15 C., Abends 1 Fr. 35 C.; im "Winter 1 Fr. 70 C.; Abends 2Va Fr. — Largo 8. Marco a Fontana Medina 6. — Meerbäder: Hinter Villa nazionale (D 8); Ka- binet, Wäsche 85 C., dem Wärter 10 C.; kleines (enges) Kabinet 40 C. Billigere Abonnementspreise. Zu 2—4 Personen 1 Fr. 70 C. — Am Posilipo, bei Villa Monplaisir; grosses Kabinet 1 Fr.; kleines V 2 Fr. — Bei S. Lucia (weniger zu empfehlen), (F 8); 1 Camerino */2 Fr.; zu 2 Personen 85 C. — Wohlfeiler an der Küste der Marinelia (J K 5), aber nicht zu empfehlen. — Flussbäder beim Ponte della Maddalena (K 5) im Sebeto (im Sommer Omnibus von S. Carlino zum Ponte della Maddalena, 15 C.). Aerzte: Professor Schrdn, Corso Vittorio Emanuele 152 (Palazzo Montemileto); Sprechstunden 9—10 und 2—3 Uhr. — Dr. Obenaus, Monte di Dio a Pizzofalcone 14 (Pal. Cassano, E F 8); Arzt an der deutschen evangelischen Krankenanstalt. — Dr. Vi'torelli, deutscher Arzt (Oberarzt an den Spitälern Pace und S.Eligio), Str.Nardones 8 (F 7); Sprechstunden 1—2 Uhr. — Prof. Cantani, Largo S. Antonio a Tarsia. — Heuberger (Schweizer), Hötel Cavour. — Prof. Paladino, Ohrenarzt, Salita S. Antonio a Tarsia. — Prof. Del Monte, Augenarzt, Str. Magnocavallo 126. Apotheke: Deutsche, am Largo Carolina (F 7), oberhalb Pal. Reale (hat leider keine deutschen Angestellten). Droguerie: *IJerrmann, Piazza del Mii- nicipio (an der Flucht des Municipiums (F 6); fertigt auch die Recepte deutscher Aerzte aus, und ist sehr reich versehen (auch für Auskunft sehr gefällig). Krankenwärter: Staub (Schweizer), bei Cafd Zepf-Weber zu erfragen. Zahnarzt: * Aikinson (Engländer), Prof, am Spital der Incurabili und an der Klinik der Universität (spricht geläufig französisch und italienisch), Largo S. Ferdinando 48 (F 7), im 2. Stock über dem Cat'd dell’ Europa, beim Pal. Reale. Mässige Preise. Buchhandlungen :Deiken & Rocholl, Piazza del Plebiscito ;F 7), beim Pal. Reale; reich versehen auch mit deutschen Büchern, und sehr gefällig auch für anderweitige Auskunft; hält auch Photographien, Musik,. Leihbibliothek (deutsch, französisch, englisch). — Hoepli (Geschäftsführer, ein Deutscher, E. Torges); neu und namentlich mit wissenschaftlichen und künstlerischen Werken reich versehen. Für Ertheilung von Auskunft ebenfalls sehr gefällig. — Marghieri, Via Roma 140, hält auch deutsche Bücher. 's — Pelleiano, Strada Chiaja. Deutscher Buchbinder : * Mayrhofer, Str. di Chiaja 65 (D 8); auch für Album. Zeitungen: In allen Hauptstrassen auf Tischen verkäuflich; auch in besonderen Zeitungsbuden; nach dem Erscheinen durch rennende Burschen ausgeschrieen. Die neapolitanischen kosten sämmtlich 5 C.; die Italie 15 C. (allen Fremden stets angebotenj. — Morgenjournale: (Jiornale di A apoli (regierungsfreundlich); Gazzetta di Napoli (gemässigt). — Nachmittags (zwischen 2 u. 3Uhr): Roma (oppositionell). — Abendjournale : Piccolo (gemässigt); Pungolo (das geistreichste; oppositionell; sehr beliebt, erscheint erst gegen 9 Uhr). Bibliotheken: Piblioteca Nazionale, im Museum (S.270). — Bibi. Brancacciana, Piazza S. Angelo a Nilo (F 7); Nachmittags geöffnet (70,000 Bände, 7000 Manuskripte, besonders über die Geschichte Neapels). — Bibi, dei Gerolomini (18,000Bände, Manuskripte, z. B. der berühmte Seneea aus dem 14. Jahrh., mit Miniaturen). — Bibi. delV Universith (offen 5 9-3 Uhr, G 5). - Bibi. 8. Giacomo, Via Roma, im Pal. delle Finanze (F 6); geöffnet Abends 6—10 Uhr; war einst die Pi'ivat- bibliothek Ferdinands II. — Bibi. Provin- ciale, Via del Duomo (G3, 4), reich an Werken über den Orient. Antiquar: Giuseppe Dura, gegenüber dem Teatro S. Carlo (den Pferdebändigern). Photographien: * Sommer, in prächtigem Lokal am Largo Vittoria (E 8); in reichster Auswahl (namentlich auch Museum und Pompeji); daselbst auch Bronzen, Vasen und Modelle. — Billiger: Charles Scala (hält die Photographien Rive), Str. S. Caterinaa Chiaja 42 (E 7). — In der Fotografa Pompejana, Via Roma 205 (Ecke Str. S. Brigida), findet man eine reiche Wahl aus Pompeji (auch restaurirteAnsichten). — Kostümbilder: Kon- rad, Montoliveto 5 (F 5), neben der Post. Deutscher protestantischer Gottesdienst: 8tr. Carlo Poerio a Chiaja, bei der Piazza dei Martiri (E 8). — Deutsche evangcl. Ge- \ 1 uainueschule für Knaben und Mädchen, Str. ' Egiziaca 60 (F 8), wo Kinder deutscher ) Familien auch auf Monate Aufnahme fm- 1 den. — Deutsche evangel. Krankenanstalt, Cappella Vecchia 18 (F 8). — Deutscher Hiilfsverein für Deutsche und Oesterreicher, Str. della Pace, Palazzo Vonviller. — Deutscher Verein: Oberhalb S. Francesco di Paola, Str. Egiziaca a Pizzofalcone 60, 2 Tr. hoch. — Schweizer Verein, Str. Egiziaca 97. in beiden Einführung durch Mitglieder nöthig. 61 4. Neapel (Adressen). 62 Tm Deutschen Verein werden Gäste nur ' auf 8 Tage eingeführt (Herr Buchhändler Betken besorgt ^Ilfällig die Einführung mit grösster Zuvorkommenheit). Korallen, Lava, Schildpatt. Neapel eigen* tliiimlich sind die schönen künstlerischen Arbeiten in Korallen und Lava; auch werden hier treffliche Kameen geschnitten und geschmackvolle Arbeiten in Schildpatt ausgeführt. Eine grosse Anzahl von Magazinen, namentlich an der Str. del Gigante (F 8) und della Pace (E 8), sowie gegenüber dem S. Carlotheater (F 7) und an den Str. di Chiaja (E 7) und Via Roma , halten alle vier Artikel gemeinschaftlich. — Das berühmteste Magazin für Korallenarbeiten ist: *Sqnadrilli, Str. della Pace 7 (E 8). — Ein trefflicher Künstler in Kameen, Lava und Korallen ist ^Giovanni Stella, Str. della Pace 9; auch sehr geschickt in Kameenporträts (ca. 50 Fr. in 3 Tagen). Feste (billige) Preise. — In Schildpatt (und Koralle): *Merlino, Str. del Gigante 19; — Bolla, Str. del Gigante 25 (F 8). — Koralle: Carlo Bosso, Str. del Gigante 24; — Bolten, Piazza de’ Martiri 58 (E 8); — Casalta & Murabito, ebenda 7; — Piscionc, Riviera di Chiaja 271. Auch in der Nachahmung altgriechischer Vasen zeichnet sich Neapel aus: Giustiniani, Str. del Gigante 20 (Eö). Kopien nach den Bronzen des Museums: *3 fasulli, Piazza de’ Martm 64 (E8), massige Preise. Bankiers: frFeuricoffre & Comp., Piazza del Municipio 52 (F 7). — Jggülden & Sohn, Largo Vittoria (EB). Geldwechsler: d’Albero, Via Roma 246. — Russo, Str. S. Giacomo 12. Geld. Ueberall nur Papiergeld (bei den Wechslern [Cambio ValuteJ ist beim Kauf von Papiergeld zuvor nach dem Kurs zu fragen und die Angabe durch die Tagesblätter zu kontrolliren). Bei Liren (1 Fr.) und halben Liren sehe man auf die angegebene Bank; nur Banca Nazionate und Banea di Napoli sind in Neapel anerkannt. Von 2-Francsbilleten und weiter hinan bedinge man sich nur Banca Nazion-de. An der Str. di Roma und anderen sehr begangenen Strassen trifft man Kvpferwechslcr, an kleinen Bänken unter freiem Himmel, wo man die kleinen Billete (mit 1 C. Zulage auf 2 Fr., in neuester Zeit auch gratis) umsetzen kann — Für den Kleinverkehr ist ein kleiner Vorrath an Kupfermünzen (derSoldo = 5 C.) unerlässlich. Ueberall sind jetzt auch die Halbfrankenscheine mit »corso forzoso« eingeführt. Uhrmacher: *Franz Wyss (Schweizer), Str. Chiaja 5 (F 7, über dem Laden steht der Name seines Associe Erriquez). — Eherhardt (Schweizer), Str. di Chiaja 207. Optiker: Angelo Ochs (aus Bayern), Via Roma 314. — Carlo Tailor (aus Bayern), Via Roma 229. — JTeinemann, Via Roma 213. — Sacco, Str. Maddaloni, 36. Goldschmiede und Juweliere: Tavassi, Str. Chiaja 248. — Musto e Magliulo, Str. S. Caterina a Chiaja 70. — Christophle, Via Roma 207. — Ritter, Via Roma 57. Pianoforte-Vermieter (und Verkäufer): Sieverts, Str. Chiaja, Pal. Cellamare. — Eppler, Str. Nardones 95. — Helzel, Str. Chiaja 138 (Miete monatlich 25—30 Fr.). Parfümeurs : Viappiani, Via Roma 202. — Mazza Giovanni, vormals Andrd, Via Roma 227 (berühmt für Pomade und Seife; feste Preise). — Zempt, Str. S. Caterina a Chiaja 33. (Die neapolitanische weiche Seife ist die beste Italiens.) Handschuhe (die neapolitanischen Handschuhe sind wegen ihrer weichen Elasticität und Wohlfeilheit einer der gesuchtesten Artikel): Bel Giudice, Via Roma 219; mit 1 Knopf 1 Fr. 35 C., erste Qualität 1 Fr. 60 C.; mit 2 Knöpfen 2 Fr.; doppelt genäht 2 Fr.; Halbhandschuhe IV 4 Fr. — *Criscuolo, Str. S. Caterina a Chiaja 74—76. — Bossi, Via Roma 179. — Prattico, Via Roma 345. — Cremonesi, Str. Chiaja 198. Modewaaren: ■'■'‘Poma, Str. Chiaja 196. — Pzenny-Fass, Str. S. Caterina a Chiaja 41. — * Unione delle Fa^briche, Piazza del Municipio ; massige Preise. Wäsche: *Reutlinger, Str. Chiaja 199. Schirme: *Bi Martino, Str. Chiaja 210. — Gilardini, Via Roma 336. Kleidermacher: *Trifari, Vico Conce- zione a Toledo 27 (vorzüglich, aber nicht billig). — Kieper (Deutscher), Str. Monto- liveto 61. — Clodomiro Scocca, Via Gennaro Serra 22 (billig und gut). — Kleidermagazin: Luigi Pitani, Str. Chiaja (billig und gut). Schuhe und Stiefel: *Caholeria Reale, Str. Chiaja 81. — *Chaussitres de Paris (feste Preise), Via Roma 232. — Finoja, Str. Ala- bardieri 53 (für Damen). Die Schuhputzer an den Strassen klopfen auf ihren Kasten los, wenn sie einen Fremden von weitem sehen; das Reinigen 5 bis 10 C. Hutmacher: Mammolino, Via Roma 258. — Peirce, Str. S. Caterina a Chiaja 7—10. Billigere in grosser Zahl an Via Roma (meist mit Angabe der Preise im Schaufenster). Cigarren (vgl. S. 13). Die neapolitanischen Cigarren bedürfen einer langen Angewöhnung, um einem Nordländer zu munden (in Neapel werden fabricirt: die Sigari forti, die Trinciati- und Rapati-Tabake). Gute ausländische Cigarren, von 25 C. an aufwärts bis 60 C., erhält man im Spaecio Normale . Via Roma 248 (Anfang des südlichen Abschnitts). Kleine wächserne Zündherzchen (sehr nothwendig) werden auf allen Hauptstrassen angeboten; die einzelne Schachtel zu 10 C.; zwei Schachteln zu 15 C-; grössere (für die Treppen) 20 C.; eine kleine Kerze 5 C. Theater (um 8 oder 9 Uhr beginnend): *S. Carlo (S. 140, F 7), lange das grösste und 63 64 4. Neapel (Sehenswürdigkeiten). berühmteste Theater der Welt. Oper und Ballett. (Seit einiger Zeit aus Mangel an Sub- sidien leider geschlossen). — *Fiorentini, Str. de’ Piorentini (F 6), Schauspiel (meist vortrefflich). — S. Ferdinando, vor Porta Capuano, am Ponte Nuovo, Oper (zuweilen recht gut). — Mercadante, giä Fondo (0 7), Str. del Molo, Oper mit Schauspiel (oft sehr gut). — Teatro Nuovo (F6), westl. von der Via Roma, der Via Fiorentini gegenüber, den Vico due Porte hinan. Oper und Schauspiel. — *Sannazzaro, Str. Cliiaja (B 7), zwischen zwei Kirchen, bei Pal. Francavilla; kleines neues (1874), von der Aristokratie bevorzugtes Theater, mit sehr elegantem Innenbau. — Politeama (eigentlich Cii’kus), Oper und Ballett; Piazza S. Maria degli Angeli, beim Ponte di Chiaja (E 8). — Rossini, in der Nähe des Danteplatzes (F5). — Berühmtes Volkstheater: *San Oarlino (F6), Piazza del Municipio, mit Pulcinella, ebenda(S. 142). Parterresitz 85 C. für die Tagesvorstellung, 1 Fr. 10 C. Abendvorstellung (verlangt zur wirklichen Ergötzung Kenntnis des neapolitanischen Dialekts). Kleine Volkstheater: — Mercadante, Piazza Cavour. — Partenope, Piazza Cavour. — Fenice, Piazza del Municipio. — Der Preis ist jetzt in den meisten besseren Theatern Fauteuil (Poltrone Orchestra) 3 Fr., fester Platz im Parterre 1 Fr. 70 C. Feste: s. S. 82. Sehenswürdigkeiten. Albergo Reale de’ Poveri (S. 319). ♦Aquarium (S. 133); tägl. 9—5 Uhr. Archiv (S. 181); tägl. 10 — 5 Uhr, ausser Sonntags. Astronomisches Observatorium (S. 318). Aussichtspunkte: ♦Belvedere (S. Martino) (S. 334). ♦Castel S. Eimo (S. 340). Leuchtthurm (S. 332). ♦Ponte della Sanitä (S. 310). ♦Posilipo (S. 347). ♦♦Quai (bei Castello dell’ Ovo) (S. 136). ♦Sepolcro di Vergilio (S. 343). ♦Villa Gallo (S. 316). ♦♦Villa Nazionale (S. 134). Bibliothek der Akademie (S. 322). — Brancacciana(S. 178), Jurist. Werke. — des Museums (S. 270); 8—2Uhr, ausgenommen Festtage. — der Universität (S. 178); 9—3 Uhr. Botanischer Garten (S. 319). ♦Camposanto nuovo (S. 321). Castel Capuano (S. 328). Castel Nuovo (S. 143). Castel dell’ Ovo (S. 136). ♦Chiesa di Sannazzaro (S. 345). ♦Fontana Medina (S. 148). ♦Fresko, Giotteskes (S. 159). ♦Grotta di Posilipo (8. 344). Gemäldesammlungen in: S. Filippo Neri (S. 189). Museo Nazionale (S. 274, 288). Palazzo Fondi (S. 151); Permesso des Principe erforderlich. Gemäldesammlungen in: Pal. del Principe Ottajano (S. 135); 1 bis 3 Uhr. Pal. Reale (S. 138); 11 — 2 Uhr. Pal. Reale di Capodimonte (S. 317). Pal. Santangelo (S. 183); Permesso des Marchese erforderlich. Häfen und Hafenbauten (S. 331 u. 332). ^Katakomben (S. 311); tägl., Eintritt 1 Fr. Kirchen (ausser dem Dom) nur bis Mittag offen. *S. Angelo a Nido (S. 177). SS. Annunziata (S. 328). **SS. Apostoli (S. 327). S. Barbara (S. 148). Cappella della Croce (S. 330). ♦Cappella di Sansevero (S. 174). S. Carlo all’ Arena (S. 322). *S. Chiara (S. 160 ). Dom S. Gennaro (S. 190). mit *Cappella Minutoli (S. 196). und Cappella del Tesoro (S. 193). ♦S. Domeineo Maggiore (8. 166); 7—11 Uhr Vorm. ♦S. Filippo Neri (S. 189). S. Francesco di )Paola (S. 140). S. Gennaro de’ Poveri (S. 311). Gesu nuovo (S. 159). *S. Giacomo degli Spagnuoü (S. 142). *S. Giovanni Carbonara (S. 323). *S. Lorenzo (S. 186). *S. Maria del Carmine (S. 329). S. Maria Donna Regina (S. 204). *S. Maria delle Grazie (S. 205). *S. Maria l’Incoronata (S. 149). S. Maria la Nuova (S. 152). ♦Montoliveto (S. 155). S. Paolo Maggiore (S. 185). S. Pietro a Majella (S. 183). *S. Restituta (S. 201). ♦S. Severino (S-179); 10—5Uhr, ausser Sonntags. S. Teresa (S. 135). Konservatorium der Musik mit * Archiv (S. 184). Monte della Pieta (S. 182). Münzsammlung im Museo Nazionale (S. 287). Münzsammlung im Museo Santangelo (S. 304); Permesso des Marchese. Museo S. Martino (S. 333); tägl. Eintritt 1 Fr. ♦♦Museo Nazionale (S. 205); tägl. 9—3 Uhr Eintrittskarte 1 Fr., Sonntag undDon- nei’stag frei. Museo Santangelo (S. 304). Palazzo Gravina (jetzt Post- und Telegraphenamt (S. 154). Pal. Maddaloni (jetzt Banca Nazionale) (S. 158). Pal. Reale (S. 138); 11—2 Uhr. ♦Porta Capuana (S. 327). ♦Sepolcro di Vergilio ('S. 343). Strada di Roma (giä Toledo) (S. 152). ♦Teatro S. Carlo (S. 140). ♦Triumphbogen König Alfonso’s (S. 144). Villa Avelli (S. 317). Villa Gallo (S. 316). ♦Villa Nazionale (S. 131). 66 <55 4. Neapel (Lage and. Leben der Stadt). Yomero (S. 340). >yatt(insammlung im Palazzo Reale di Ca- p:)dimon.te (S. 318). Wasserleitung, aatike und moderne (S. 320). Zerteintheilung. Wer nur ca. 9 Tage für Neapel und die gesammte Umgebung zur Verfügung hat, beginne am 1. Tag mit einer Fusswanderung durch die -''Villa nazionale, flanire dann ostwärts am Quai entlang, am Castel deli’Ovo vorbei, stets axn Meer nach S. Lucia und zum Pal. Reale; dann zum Molo, Castel- nuovo (mit Triumphbogen), Fontana Medina, Kirchlein Ineoronata; nun die ganze Via Roma hinan bis zum Museum {allfäilige Stärkung Ourch Gabelfrühstück im Cafö Co- mito). Im *Museum verweile man bis zu dessen Schluss um 3 Uhr, und besehe hauptsächlich die Malereien aus Pompeii und ILr- culaneam , den Farnesisclien Stier und Herkules ; die Statuengallerie (von Korridor I. beginnend); die Bronze*amrnliing; im obern Stock: in der Gemäldegalleiüe die Sala del Correggio (Nr. V. an der östlichen Nordseite), und die Sala d lle Scuole dioer*e (wo jetzt die Bilder der ehemaligen Sala di Raffaelo an der südlichen Schmalwand hängen): dann das Zimmer mit den Kameen-, Gold- und Silberarbeiten; endlich die sogen, kleinen Bronzen aus Pompeji und Iiercu aneum und die Vasensammlung. — Vom Museum fahre man den ganzen Tag Corso Vittorio Ema- nuele entlang bis zum Meer und schliesse den Tag mit dem Theater oder der Villa nazionale. Den 2. Tag widme man dem Vesuv und Herculaneum und übernachte in Pompeji (Sole). Den 3. Tag trete man früh in Pompeji ein (mache sich zuerst die Einrichtung des antiken Hauses recht klar) und besehe hauptsächlich: * Venustempel, Basilica, *Fo- rum, Chalcidicum, Merkurtempcl, Pantheon. *Jupitertempel, Fortunatempel, Fullonica, Fontane a musaico, Casa di Adone, di Apollo, di Meleagro, Castora e Polluce, *del Poeta Tragico , die *Thermen, die *Casa di Pansa, di *Sallustio, *Porta Ercolanese, *Gräber- strasse, *Villa di Diomede; dann die *Casa del Fauno, Casa dei Capitelli figurati, di *Lucrezio, dell’ *Orfeo, di Laocoonte, und gegenüber *del Toro; dann die *Stabianer- thermen, die Casa di Olconio, dell’ Orso, del *ßalcone Pensile, di Sirico, del Parnasso, dei Diadumeni und della Principessa Margherita; endlich Tempio di Esculapio, *Teatro tragico, *Odeon, Quartiere dei Soldati, *Foro triangolare mit Heraklestempel, *Tempio dTside und * Amphitheater. — Abends nach Salerno. 4. Tag: Nach Pästum und Amalfi. 5. Tag: Ravello, Castellamar e, Sorrent. 6. Tag: *Capri undzuriicknach Neapel. 7. Tag: In Neapel, *S. Chiara, *S. Domenico, S. Severo, S Ängelo a Nido, Giovanni Papacoda, S. Severino (mit *Kreuz- gang im Archivgebäudel, S. Lorenzo, S. Filippo, *Dom (S. Gennaro). Dann Gabelfrühstück — und nach dem Museum (bis 3 Uhr). — Nun fahre man nach S. Giovanni a Carbonara, Carmine, *Campo santo nuovo, Capodimonte, Katakomben. —Abds. Theater oder Villa. 8. Tag: Grotta di Posilipo, Virgils Grab, Pozzuoli (Serapistempel und Sol- fatara), Baja," Miseno und die *neue Strasse am Meer zur Mergellina zurück. 9. Tag: Flaniren; Museum; S. Mar- tino (Aussicht), *Camaldoli (Aussicht). Abends Theater oder Villa. A. Lage und Leben der Stadt. 0 Napoli, du selige Stadt, Wie blinken deine Zinnen. Wie winkst du mit schimmernder Berge Gx*at Den wonnig entzückten Sinnen! — Und siehst du das duftige Felseiland Dort, wo zur Serenade Die Wellen rauschen im goldnen Sand Auf Capri’s Felsengestade? (Robert Hamerling.) Neapel, vom nördlichen Capodimonte bis zum südlichen Casteilo dell’ Ovo 5 Kil., von dem Westende der Mergellina bis zum Ostende der Graniti um Meeresgestade 7 Kil. sich ausdehnend, mit 10 Kil. Umfang und 45 ',000 Einw. in seinem Bezirk, erhebt sich am Gestade des Tyrrhenischen Meers amphitheatralisch längs eines kraterförmigen Golfs, der vom Misenischen Vorgebirge bis zum Cap della Campanella einen zauberisch schönen, malerisch abgeschlossenen See von 140 Kil. bildet, mit den reizendsten Perspektiven des Vesuvs, des Monte S. Angelo, der Küstenberge und der Inseln Capri, Ischia und Pro- cida, zwischen denen die Ausgangsthore ins Sicilische Meer sich öffnen. In der 67 4. Neapel (Lage und Leben der Stadt). 68 Ferne tauchen gegen N. und NO. die Apenninen auf, während hart an der Stadt der Posiliphügel mit dem Grab Virgils im W., und nördl. von diesem die landschaftlich entzückendste Stelle der Erde, die Höhe von Camaldoli, über die Stadt hinragt, die an den Hügeln des Vomero, Capodimonte und S. Maria del Pianto sich von S. nach 0. hinanzieht. Am schönsten ist der Anblick der Stadt vom Meer } von der Certosa di 8. Mar- tino, vom Observatorium und vom Campo Santo bei 8. Maria del Fianto. Vom Meer oder vom Vesuv herab gesehen, scheint der gesammte Halbkreis des Golfs von dem altklassischen Bajä bis zur Wiege Tasso’s in Sorrent nur Eine grosse Stadtkrone zu bilden, als deren reichster Edelstein Neapel in der Mitte aufleüchtet, und als deren mahnendes Kreuz der Vesuv mit seinen Lavaströmen emporragt. Mit der Schönheit einer Bergstadt hingelagert, ist die Stadt von der üppigsten südlichen Pflanzenwelt, Cactus und Agave, Pinie, Orange, Limone und Palme, umgürtet, während vorn an dem vom heitern Himmel durchglänzten Meer seine östlichen Nachbarn, Portici, Torre del Greco, Torre dell* Annunziata, sich spiegeln, die interessanteste Stätte des Alterthums, Pompeji, die hoch gehäuften modernen Erdwälle statt der antiken Mauern zeigt, und dann, der südöstlichen Begrenzung zulenkend, die Vorberge des Kalkkolosses Monte S. Angelo mitten aus dem lachenden Ufergefilde jäh zum Meer abfallen. Dichterisch verklärt ein von Ulysses erbauter Minerventempel das ins Meer vorragende Westende dieser Vorberge und an den Gestaden fällt der mit Reben, Oliven, Orangen und Citronen besäete, überreich prangende Thalgrund plötzlich wie ein dunkler Wassersturz über senkrechte Felsen in die Wogen nieder. Bei der Ankunft zur See entfaltet sich dieses Panorama zu einem der entzückendsten beweglichen Bilder. Schon aus weiter Ferne sieht man als Obelisken vor dem schönsten Naturtempel die schön gestaltete Insel Ischia und den einsamen, doppelt gezackten Vesuv, gefolgt von den den Kranz schliessenden Osthöhen. Durch die Wasserheerstrasse zwischen der niedrigen Insel Procida (r.) und dem Misenischen Vorgebirge (1.), das sein langes Hügelgelände weithin ins Meer entsendet, zieht man in den Golf von Neapel ein, dann taucht die Insel Capri, »die schlafende Sphinx«, mit ihren scharfkantigen Formen als Wächter des Südmeers auf, Pozzuoli hebt sich deutlich vom Lande ab und die kleine Felseninsel Nisida bildet die in die See gebaute Vorhalle des Posilips. Ueber die Landzunge von Sorrent hin im gewaltigen Höhenumkreis bis nach Castellamare und auf den jenseitigen Golf gegen Salerno hinüber schweift der Blick wieder an dem lebenslustigen Streifen vor den an Fruchtbarkeit alles überbietenden Gehängen des rauchenden Vesuvs zurück zur thronenden Küstenstadt mit ihrem Schiffgewimmel und dem festgeankerten Naturnachen des Castel dell’ Ovo, zu dessen Seiten die menschenüberfluteten Uferstrassen dahinziehen. Im O. des Vomero ragt das kriegerische Castel S. Elmo mit seinen weissen Mauern auf gelbbraunen, von Cactus und Agaven umwucherten Felsen empor, nördl. hinter ihm Capodimonte; eine Fülle malerischer Villen mit offenen Hallen zwischen üppiger Vegetation bildet den Mittelgrund, und ein Gewirre platter Dächer, oft mit hängenden Gärtchen, zieht dem Gestade zu. Dies alles meist verklärt durch die blendenden Töne der klaren warmen Luft und noch zauberischer in der Abendbeleuchtung, wenn die sattesten Goldtöne bis zur tiefsten Violettfarbe sich abstufen. Die Farbenpracht, die Grösse und Weite dieses Gesammtbildes sind wohl ohne Gleichen in der Welt. Und ebenso traumhaft schön ist das Nachtbild Neapels, wenn man auf einer Barke die phosphorescirenden Wellen durchschneidet, die weisssilbernen Stämme des dunkeln Hafenwälds leuchten, der Vollmond über den magischen Vesuv sein still ruhiges Licht ausgiesst, Meer, Berge und Stadt in den wunderbarsten Formen erscheinen, die masl tisml (S^äfiÄ 69 70 4. Neapel (Vegetation, Geologisches, Stadtqnartiere). Inseln auf dem goldglitzernden Boden der Flut wie Sarkophage ruhen. — Zur malerischen Fülle von Neapel gehört das ganz eigentümliche Kolorit der ge- sammten Umgebung, das Vorwiegen klar ausgesprochener sattester Farben in reizendstem Wechsel, das reiche Blau, Braun und die Goldglut, die Felsenbuchten, Klippen und Lavaströme, das überaus prächtige und mannigfaltigste Farbenspiel des Meers, der oft monatelang wolkenlose dunkelblaue Himmel, die scharf begrenzten Schatten, das entzückende Abtönen bei der Abendbeleuchtung, die zuweilen mit einem wahren Feuerstrom schliesst. Dazu die südliche Vegetation, die hier die tropische Farbenpracht mit der nordischen Milde verbindet und den neuen Frühling noch im Winter verkündigt. Schon Ende Januar, kaum dass die Feigen- und Aepfelbäume ihren Blätterschmuck einge- büsst haben, brechen wieder die Blüten des Mandelhaums auf, die Orangen, die zwar nur in den geschlossenen Anlagen kleine Haine bilden, pflückt man im December und Januar; man nennt sie hier meist Portugalli, und mit den Limoni (Citronen) und Cedri vereint Agrumi. Im Februar reifen die Erdbeeren, zu Anfang April stehen Eichen und Buchen in neuem fcchmuck. Die Ca- ruben (Johannisbrodbäume), die hier zu den schönsten Bäumen gehören, deren Frucht aber gewöhnlich nur als Viehnalirung dient, die Pinie, deren Kerne in allen Strassen geröstet werden und Lieblingsspeise der Neapolitaner sind, die Cypresse, der Oelbaum, die immergrüne Eiche, Oleander, Lorbeer und Myrten geben den üppigen Parken und Gärten den eigenthümlichen Charakter. Die Dattelpalme ist auch hier nur ein fremder Angestellter, ein stolzer Portier des Klima’s. Trauben und Wassermelonen gedeihen in trefflichster Qualität, und die Feigen, zierlich in Körbchen aufgebaut und mit Reblaub geschmückt, strömen in überreicher Menge, namentlich des Morgens, im Sommer in die Stadt. Ein beliebter Schmuck der Villen ist der Erdbeerbaum; den Granatbaum mit seinem hochrothen Blütenschmuck findet man oft zahlreich in Gärten und Landgütern, auch den zierlichen PfefFerbaum; Tamarindenbüsche, Cactus und Agaven, der Judasbaum mit seinen Purpurblüten, Mastix und Kapernstaude gehören zum landschaftlichen Schmuck. Ebenso sind die geologischen Verhältnisse eigenthümlich ; das ganze phlegräische Gebiet zwischen dem Kap von Gaeta bis zur Punta di Campanella am Ende der Halbinsel von Sorrent ist mit vulkanischen Gebilden bedeckt, aus denen hier und da Apenninkalkberge inselförmig hervorragen. Bei weitem vorwiegend ist der Tuff, ein erdiges Aggregat, das Bruchstücke fester vulkanischer Gesteine (Traehyt und Laven ,, einzelne lose Krystalle und Bimssteinstückchen einschliesst. Die Tuffe wurden zum grossen Tlieil untermeerisch abgesetzt, wie die marinen Koneliylien darlegen, und später erst erfuhr das Gebiet eine bedeutende Hebung. Auch die Inseln Iscliia, Procida, Vivara und Nisida gehören zu denselben Bildungen. »Schliesst man«, sagt lloth, »die Halbinsel von Bajä und Misen mit dem Monte di Procida und die Inseln aus, so kann man sich das phlegräische Gebiet als einen sein- flach kegelförmigen, an der Nordseite unversehrten Berg vorstellen, dessen Mittelpunkt der Krater von Pianura (westl. von Neapel) bildet, dessen Durchmesser 20 Kil., dessen grösste.Höhe bei dem Camaldolenser- Kloster am Rand jenes Kraters ca. 32u m. beträgt.« Eine Menge kleiner Kegel und Krater sind regellos über die im ganzen ebene Oberfläche zerstreut; die vulkanische Thätigkeit bahnte sich fast jedesmal einen neuen Weg, während sie im Gegensatz dazu am Vesuv fast immer dieselbe fetrasse einhält. Breislack nimmt in und um Neapel drei (jedoch undeutliche) Krater an, den von Capo di Chino, welcher sich an der Nordseite der Stadt von Poggio Reale über S. Maria del Pianto bis zum Observatorium erstreckt, den von Capodimonte zwischen Capo- dimonte und Due Porte nördl. bis nordwestl. von Neapel, und einen dritten, Vomero, welcher Pizzo Falcone, S. Elmo bis an die Pausilipgrotte umfasst. Die grösste Höhe erreichen dieseTufFrücken im Castel S.Elmo. Nordöstl. von Astroni erhebt sich ein mächtiger Tuffwall, der gegen SW. hin offen, im NO. die grösste Höhe aller Tuffwälle derPhlegräisclien Felder erreicht; auf seiner obersten Stelle, dem Monte Camaldoli, liegt das aussichtberühmte Camaldolikloster von Neapel. Der Bergrücken, auf dessen Höhe das Castel S. Elmo liegt, dessen Mitte die Veste Pizzofalcone ist, und der in der Felseninsel Castel dell’ Ovo ins Meer ausläuft, theilt die Stadt mitten durch in zwei Hälften, zwei Quartiere, die sich auch gesellschaftlich unterscheiden; östl. liegt der ältere, grössere Theil mit dem Hafen und der Bucht gegen den Vesuv— westl. dehnt sich der neuere, elegantem Theil, von den Fremden bevorzugt, mit dem herrlichen Spaziergang am Meernach der kleinern Bucht der Mergel- lina hin. Dem Quartier S. Ferdinando geben der elegante Palazzo Reale, das düstere Castel dell' Ovo, die Kaserne des hohen Pizzofalcone, der ceremo- nielle Rundplatz vor dem modernen Pantheon S. Francesco di Paola, das 71 4. Neapel (Stadtquartiere, Bauart). 72 S. Carlotlieater und die überaus beliebte Strada di Chiaja sowie der Quai von S. Lucia ein ganz originelles Gepräge; es ist eine Stadt für sich mit den wunderbarsten Gegensätzen. —Das Quartier der Chiaja im W. gibt der Stadt den Festanblick in ihrer Riviera, Villa und Spiaggia, und ihnen gilt der erste Besuch der entzückten Fremden. Die Chiaja mündet recht poetisch 1. in die herrliche Mergellina, das Stück auf die Erde gefallenen Paradieses des Sannazaro, r. auf die romantische Grotte des Posilip und das Grab Virgils. — Der Stolz der Stadt und ihre natürliche Krone ist das Quartier Monte Calvario mit dem Neapel geschichtlich und landschaftlich charak- terisirenden Castel S. Elmo und der Prachtkirche S.Martino, deren Nebenbau jetzt das Museo civico beherbergt. — Hinter ihm ziehen durch das Quartier dell’ Avocata die berühmten Strassen zur Camaldolihöhe und längs des entzückenden Corso Vittorio Emanuele. — Der Nordhöhe desQuartiers dellaStella mit dem königlichen Capodimonte und den eleganten Villen auf der Höhe gehen noch im Herzen der Stadt ihr grösster Schatz, das Museum am Ende der Strada di Roma, und nördl. jenseit der Capodi- montestrasse die stilldüsteren Katakomben voran. Diese sind die ernste Einleitung zu den offenen, im NO. prächtig gelegenen Friedhöfen (Campi Santi) im Quartier S. Carlo alla Arena, deren Erinnerung an Leben und Himmel östl. der botanische Garten und das Observatorium verkörpern. — Ein Stück Mittel- alter lehnt sich südöstl. im Quartier della Vicaria an jenes an, das kolossale Tribunal mit seiner traurigen Geschichte (einst als Castel Capuano das alte Schloss der Könige), die marmorne Porta Capuana und Bruchstücke der alten Ringmauer. Der ganzen Länge nach aberzieht eine der volkreichsten Strassen Neapels, die Strada de’ Tribunali, ein Knotenpunkt für die Kenntnis des innern Stadtlebens. AmNordostendebeherbergt über hoher Treppe S. Giovanni a Carbo- naral mittelalterliche Grabmäler. — Westl. an diese Region schliesst sich das Quartier S. Lorenzo mit der berühmten Kathedrale S. Gennaro, die, umgeben von S. Filippo Neri, S. Lorenz und S. Paul, nun eine neue breite Strassenader von der Piazza Cavour her ihnen durch die Via Tribunali zusendet. — Es folgt südwestl. dasVermittelungsquartier S.Giuseppe, das die an Gewühl und Lärm wohl alle überbietende Strada di Roma (früher di Toledo) zur neuen Stadt hinübergeleitet. Die Kirchen S. Chiara, Incoronata, S. Domenico, Montoliveto, S. M. la Nuova, SS. Trinitä und die Kapelle S. Severo bilden hier auch in der Kunst einen ähnlichen Uebergang; die Post (Pal. Gra- vina) und die Theater de’ Fiorentini und S. Carlino aber führen in die volle Gegenwart. — Meerwärts schliesst sich das Quartier del Porto an, mit dem Hafen, der Universität und dem Teatro del Fondo. — Oestl. folgt das kleinste aller Stadtquartiere, del Pendino, aber eines der topographisch schwierigsten und bevölkertsten sowie für die Beobachtung der Sitten lehrreichsten. Hier liegt unweit der Universität S. Severino, mit den berühmten giottesken Fresken im Kreuzgang und Grabmälern in der Kirche, auch die ehemalige Münze, der stattliche Palast des Leihhauses und der Platz der Goldschmiede. — Im südöstlichen Ende Neapels, im Quartier del Mercato, ist noch in einem Kirchlein am Markt der Block, auf dem der letzte Hohenstaufe enthauptet wurde; in der Kirche Carmine steht seine Statue, die dem jugendlichen deutschen Kaiser ein süddeutscher König setzte. Nach den letzten Schätzungen zählt das Quartier S. Giuseppe 18,598 Bewohner; S. Lorenzo 19,788; Vicaria 53,824; Mercato 50,892; Pendino 33,528; Porto 37,961; S. Ferdinande 36,436; Montecalvario 42,025; Avvo- cata (mit Vomero) 44282; S. Carlo all’Arena (mit drei Ortschaften) 41,893; Stella 36,434; Chiaja (mit zwei Ortschaften) 42,674. Die Häuser, Wände und Decken sind von vulkanischem Tuff mit Pozzo- lanmörtel, daher fest und leicht und für viele Stockwerke geeignet; die Fuss- böden sind von Lastrico oder Ziegel, die Treppen vorzugsweise von Peperin; die Dächer, fast durchweg platt, mitunter & a i 73 4. Neapel (Bauart). 74 & t etwas gewölbt, bestehen aus einem Gemisch von vulkanischem Gestein (Ra- pilli) und Kalk, das so lange geschlagen wird, bis das fortwährend darauf geschüttete Wasser nicht mehr eindringt; zuweilen überzieht man diese Dächer mit gelben Lackfarben, so dass sie wie Gold in der Sonne schimmern. So dehnt sich eine endlose Reihe platter Dächer hin, nicht als architektonische Werke, sondern als Terrassen und Loggien für das entzückendste Rundbild, Neapels schönstem Monument, der Arena seiner Gestade, zugekehrt. Die meisten Fenster haben Baikone für den Genuss der freien Luft, oft mit Baldachinen. Baikone und Lastrico’s werden namentlich in der Abendkühle bevölkert und die Dächer dienen oft als die reizendsten Gärtchen, in denen Orangen, Citronen, Oleander und Myrten blühen und selbst Springbrunnen und Anlagen angebracht sind. Die Fussböden der Zimmer sind von Lastrico und dann grau, oder aus gla- sirten Ziegeln, zuweilen schönes Mosaik nachahmend, oft auch von Marmor. Die wenigsten Häuser haben eine architektonische Bedeutung, und selbst die Gruppirung ist eine höchst unregelmässige über die Hügel hin; die Stadt wirkt daher nicht durch künstlerischen Ausdruck, sondern durch ihr heiteres Häusergewimmel in weitester Ausdehnung mitten in einer wonnigen Natur; die Linien der Stadt sind nur Theil- linien eines Panorama’s, die Häuser Podien für die Schaubühne. Einen eigenthiimlichen Charakter haben nur die Hafenbauten, die Kastelle und die luftigen Kasino’s; selbst die Kirchen ragen nicht vor, und das Behagen an der schönen Natur scheint ihre ästhetische Durchbildung beeinträchtigt zu haben. Bezeichnend für die Geschichte Neapels sind die drei architektonisch markir- testen Punkte: Castel S. Elmo, Castel dell’ Ovo, Castel Nuovo! Grossartig angelegt sind die älteren Palästein derVicaria, die Renaissancebauten um S. Domenico und Montoliveto und einige Paläste an der Strada di Roma; sonst möchte es kaum eine Stadt in Italien geben, wo man so viele ansehnliche Häuser und doch so wenige im guten Stil erbaute Paläste sieht; gewaltige Grösse, Weiträumigkeit und Dauerhaftigkeit gehen dem architektonischen Schmuck voran; nur das Treppenhaus, das die Grösse am sprechendsten darlegt, hat meist auch künstlerischen Werth. Die Villenanlagen haben etwas auffallend Freies, indem hier mehr der landschaftliche Charakter, als die Gartenkunst berücksichtigt ist; selbst in der Anlage der Gebüsche, Baumgruppen und gewundenen Terrassenwege bezweckt die Anordnung, die Villa zu einem reizenden Rahmen der Veduten zu gestalten. So trägt auch die gesammte Stadt das Gepräge der lebensheitersten Gegenwart, recht im Gegensatz zur nachbarlichen Todtenstadt Pompeji, und nur an ihrem West- und biordende erinnern die Grotte des Posilips und die Katakomben an die antike und urchristliche Zeit. Das alte Neapel, jetzt von den Vorstädten in Schatten gesetzt, hat sehr enge Strassen und nur Einen wirklichen Platz, den Mercato (H J 5); das neue Neapel ist weit geräumiger angelegt, aber erst seit kürzerer Zeit überwacht auch hier die Stadtbehörde den Bau und die Richtung der Häuser. Zimmer und Fenster sind meist sehr hoch, letztere fast bis zum Fussböden reichend, denn der Neapolitaner liebt über alles den Luftzug, halt die Fenster im Sommer und Winter offen und schliesst nur in der Nacht die Thür, Durchzug scheut niemand. Die Belletage ist zwei Treppen hoch, das Erdgeschoss wird meist nicht e gentlich bewohnt, sondern dient für Magazine, Remisen, Werkstätten, Kaufläden ; die grösseren Häuser bilden ein Viereck um einen geschlossenen Hof mit Brunnen; in Alt-Neapel thiirmt sich Geschoss auf Geschoss und die täglichen Bedürfnisse werden von der Höhe oft durch Körbe oder Eimer, die man an Stricken herablässt, heimgeholt; auch über die Strasse hinüber sieht man zuweilen an Querseilen solche Körbchen wandern. 75 4. Neapel (Bauart, Leben der Stadt). 76 Das Pflaster der Strassen besteht aus breiten keilförmigen Lavaquadern (Vasoli) von den Strömen der .Punta della Scala bei Resina; es ist eins der besten der Erde, und man behauptet, dass selbst der Fremde nach einiger Zeit einen »schwebenden« Schritt erhalte'. Die grossen Plätze nennt man »Larghi«, doch in der nivellirenden Neuzeit meist wieder »Piazza«; sie sind vorwiegend nur sehr breite Stellen der unregelmässigen Strassen, so selbst der Largo del Castello am Molo, und der Largo del Mercatello mit der Dante- statue an der Strada di Roma sowie die Piazza Cavour beim Museum; der schönste Platz ist der Schlossplatz, jetzt sehr bezeichnend Piazza del Plebiscito (jedoch noch nicht vom Volk) genannt; nächst ihm die nahe Piazza del Muni- cipio; in der Altstadt nahe am Meer die Piazza del Mercato, der Markt des Volks, und die Piazza del Pendino, ein stets überfüllter Strassenstreifen mit dem Viktualien- und Fischrnarkt. Das Strassensystem der Altstadt ist ein überaus verwickeltes, die breitesten heissen Strada, dann folgen Vico, Vicolo, Vicoletto; die von der Stadt zu den Höhen ansteigenden nennt man Saliba,, während die Hinabsteige von der Neustadt zur Altstadt • öalata heissen, die Gassen mit Stufen: Gra- doni, mit Zickzacksteigen: Rampe; Fondaco ist eine Sackgasse, Sopportico ein bedeckter Durchgang. Die vier breiten Strassen: di Roma, Cavour, Carbonara und Fuori di Porta Nolana umschliessen das ebene Strassenlaby- rinth der Altstadt, während auf der westlichen Seite der Strada di Roma eine grosse Zahl regelmässiger Strassen in die Neustadt hinaufziehen, beim Museum aber in drei Armen die grossen Strassen: östl. S. Carlo all’ Arena (und Foria) zum imposanten Armenhaus, nordwärts Capodimonte zum königlichen Lustschloss, westl. Salva- tore Rosa gegen Camaldoli auslaufen. Dem Meer zugewendet liegt fast im Centruin unterhalb des Pizzofalcone zwischen dem Hafen und Fremdenquartier der Quai von S. Lucia, als Austernmarkt und Spender der Schwefelquelle bekannt; und von hier führt westwärts um die steile Felswand des Pizzo die breite erneuerte Strasse Chiatamone zur Lieblingsstätte der Fremden, der Riviera di Chiaja mit der Villa. Einen grossen Gegensatz zu Rom bildet das Hinausdrängen so vieler Vorstädte vor die alten Stadtmauern, deren vier Ecken bei S. Giovanni maggiore, S. Agostino, Gesü delle monache und S. Agnello sich befanden. Das überaus rege Leben der Stadt, das sie zu einer »Schule des Gedränges« gestempelt hat, gewinnt durch eine originelle Vertheilung an Interesse. Die VillaNazionale, der öffentliche Lustgarten Neapels, bildet schon eine Welt für sich; Morgens der Sammelplatz der Kindermädchen, die in den vornehmen neapolitanischen Familien meist ein reiches, idealisirtes Landkostüm tragen, im Winter gegen Mittag die schöne Welt, die elegantesten Damen, den Klitschen entsteigend, die Herren als Reiter paradirend, dann der stundenlange Korso, der an warmen Tagen in die Abendstunden verlegt wird und sich bis in die Nacht fortsetzt, da eine Stunde nach Ave Maria die Villa erleuchtet wird. Im Gegensatz dazu an : der Küste der Tummelplatz der Mari- nari, meist köstliche Charakterfiguren mit ausdrucksvollen braunen Gesichtern in ungemein malerischem Kostüm; man i sieht sie die Barken ins Meer schieben ' oder an den Strand ziehen, umgelegte i Barken mit Theer bestreichen, mitWei- . bern und Kindern Netze stricken, oder ; die Netze an Tauen ans Land fördern, ; oft gefüllt mitSardellen, Rothfedern, Din- tenfischen, Hardern und anderen tyrrhenischen Bewohnern; dann wieder potschen die einen mit hölzernen Kugeln, die anderen spielen Mora, das berüchtigte Fingerzahlenspiel, wieder andere erzählen sich in der Runde allerlei Sagen und Meergeschichten, bis die Wasserverkäufer ihre Laternen anzünden, die Kleinhändler ihre Buden beleuchten, selbst vor den Maskenbuden Kienspäne ) ) yjfe. a iljp &&,• r!>ü'i;$P/ Wrl &K*sP?S '&3£itit .»*?• i.m .~S52S 77 4. Neapel (Magazine — Trachten). 78 brennen, die bunten Glaser der Likörtische grell schimmern und das Kohlen- feuer der Garköche wie Wachtfeuer lodert. Vollends aber die inneren Strassen bieten in der Strada di Koma, de’ Tri- bunali, SS. Trinitä mit ihrer Fortsetzung der Strada S. Biagio de’ Librai, Strada del Duomo und der südlichen Strada Chiaja, dann aber noch gesteigerter in dem Strassenzug von der Strada del Porto, durch den Sedile del Porto, S. Aniello de Grassi, Porta Nova zum Markt der Strada Pendina das Höchste von zusammengedrängter allseitiger Regsamkeit; der Hochbau drängt hier die aufgestapelten Einwohner auf einen engen Raum zusammen. Kaum möchte irgend eine Stadt einen grellem Lärm, ein bunteres Gewühl aufweisen als Neapel. Ununterbrochene Reihen von rasselnden Kutschen aller Art, Gewimmel von Fussgängern, die auch die Unentschlossensten zum raschen Gang treiben, beladene Esel, rennende, kreischende Zeitungsjungen, fortwährendes Ausschreien aller Kleinwaaren und vielerorts dazu noch auf der Gasse vor den Häusern niedergelassene Handwerker, hämmernde Schlosser und Tischler (z.B. Fondo Colombo), Kupferschmiede (z. B. Via Calderari) und Schuster, dann die überall sich aufnÖthigenden Kleinverkäufer, die Acquajoli mit ihrem Eiswasser, die Friggitori mit ihrer Oel- bäckerei in freier Luft, die Röster von Kastanien und Maiskolben, die Garköche mit den berühmten Maccaroni, endlich noch die schaulustigen, aber überall gedrängten Fremden, — das alles eint sich zu einer für Auge und Ohr zunächst höchst unbehaglichen Ge- | sammtwirkung, die aber nach und nach zum fröhlichen Theilnehmen an der bunten Lust einladet. Die schönsten Magazine sind an der Strada di Roma, Strada di Chiaja, Piazza de’ Martiri, Largo Vittoria, S. Caterina a Chiaja, Piazza del Muni- cipio. Das Beste sind wohl die Seifen, das Wohlfeilste die Handschuhe, das Schönste die Schmuclcsachen in sogen. Lava und in der hier vorzugsweise bearbeiteten Koralle, die ein völlig heimischer Artikel ist und in Prachtexemplaren im Golf von Neapel gefunden wird. Bei Sorrent (auch in der Blauen Grotte von Capri) sieht man die Kelehkoralle dicht am Wasserspiegel die Felswände rasenförmig überziehen. Sie gedeihen am besten in 16—20 m. Tiefe, bei einer Temperatur des Meers von 25—370. Di e Jungfernkoralle ist weiss und sehr ästig; die Zinkenicoralle bildet auf gemeinschaftlicher Kruste walzige, kurze Röhren mit runden, aussen gerunzelten Sternmündungen; sie überzieht ganze Reihen von Felsen; die Stemkoralle bildet 6—24 cm. breite Ueberzüge; die H'öcker- koralle (Madrepora porites) ist gabelästig und wird fast m. hoch; die Staudenkoralle erreicht dieselbe Höhe, hat stachelig rauhe, runde Aeste; die Warzengorgone (Palma ma- rina) ist schön dunkelrotli und findet sich häufig im Meerhusen von Neapel, ebenso die gabelästige Meerreseda. — Die Edelkoralle ist die am meisten für Schmucksachen verwendete, sie ist mennigroth, ästig, ca. 1/3 m. hoch, 3 — 6 cm. dick, man findet sie von Sicilien bis Marseille und im Adriatischen Meer. Man fischt sie mit Netzen an zwei langen, kreuzförmig zusammengefügten Stangen, ein schwerer Stein im Durchschnittspunkt drückt das Kreuz mit dem Netz, das an einem Seil auf den Meergrund herabgelassen wird, in die zackigen Korallen hinein, welche beim Aufwinden abbrechcu und in den Netzmaschen hangen bleiben. Je dicker und dunkler die Korallen sind, desto höher steigt ihr Werth (die dunkelsten heissen Acrispiuma supe- riore, die helleren Fiore di Sangue, die blässesten chiaH). Die Mannigfaltigkeit der Trachten nimmt gegenwärtig zusehends ab; am hartnäckigsten erhalten sich noch die rothen phrygischen Mützen, für Putztage die grün- oder rothseidenen Leibbinden der Fischer; die berühmten Lazzaroni weichen den intelligenten, regen Handarbeitern, die, in der Arbeit fleissiger als die Nordländer, auch in dem Genuss des dolce far niente diese bei weitem überbieten. Die Nationaltracht der Neapolitanerinnen ist schwarz, der Schleier (drappo) wird auf dem blossen Kopf festgesteckt und fällt über Nacken und Schulter nieder. Das weisse und das seidene Kopftuch, die bunten Mieder und Röcke der Frauen vom Lande, die Kutten der Mönche und die Trachten der Griechen, Orientalen und Afrikaner tauchen noch hier und da bunt aus der nivellirenden modernen Kleidungsweise hervor, die übrigens von den unzähligen 79 4. Neapel (Volkscharakter). 80 Fremden, unter welchen die Engländer, Russen, Amerikaner und Deutschen hervorragen, selbst wieder anders getragen wird, als von den der neuesten französischen Mode sich unbedingt unterwerfenden Neapolitanern. Mehr als in irgend einer andern Stadt hält man hier selbst bei beschränkten Mitteln auf das Halten von Kutschen; denn die grosse Korsofahrt der Villa und dem Boschetto entlang ans Gestade des Meers, wohl auch gegen Portici hin oder nach Capodimonte, ist das beliebteste Vergnügen namentlich der Damen, deren Toilettenentfaltung hier dem gesummten Publikum zur Schau geboten werden kann, und deren Fächer und Blicke auf die munteren Reiter nebenan und auf die in vorbeirollenden Wägen behaglich Hingegossenen hier die gefährlichste Wirkung ausüben. Die Kutscher gelten als die geschicktesten Italiens, und höchst selten begegnet ein Unfall; aber auch die Fächer gelten als die gewandtesten von allen. Die Frauen Neapels leuchten selten durch Schönheit hervor, haben weder die stolze Haltung der Frauen Roms, noch die schlanke Grazie der Norditalienerin, aber desto stechendere tiefbraune Augen, mehr malerische Gesichter und eine unglaubliche Kunst in der Geberdensprache. Diese hat überhaupt in Neapel eine so charakteristische Gestalt angenommen, dass ihr sogar wissenschaftlich nachgegangen wurde; das Verneinen wird durch ein in die Höhefahren des Kopfes ausgedrückt, das Grüssen in die Ferne durch eine Rückbewegung der Hand gegen das eigene Gesicht, als wollte man sich fächeln; den Zeigefinger ans untere Augenlied drücken, heisst; hüte Dich! mit beiden Händen ein Horn zu bilden, ist ein Mittel gegen Zauberei; um dem Kutscher Halt zu gebieten, kehrt man die Hand aufwärts; fasst der Verkäufer die Haut seiner Wange und schüttelt sie, so verachtet er das Angebot, u. a. Will man vom neapolitanischen Volk ein charaktervolles Bild erhalten, so sind die Wirte, Facchini, Schiffer, Kellner, Kutscher und Kleinhändler selten die zutreffende Photographie. Es ist wahr, die Mehrzahl des Volks hat noch etwas von ihrem jugendlichen (Ergötzen am Pulcinella an sich, aber auch dessen Mutterwitz; sie sind wie jener gern zurUebertreibung und Prahlerei aufgelegt, aufbrausend, neugierig, materiell gesinnt, viel betheuernd, doch eine Lüge leicht entschuldigend, gern über- vortheilend und unehrlich profitirend, zu Versprechungen noch leichter aufgelegt als zum Halten; lärmend, gesti- kulirend und bei grosser Gefahr nicht immer opferbereit; gegen das Vieh, mit dem sie sonst wie mit ihres Gleichen sprechen, gewaltthätig und grausam, zu einem geheimen Anfall auf Gegner leicht bereit und mit dem Messer vertraut, die Klugheit am meisten bewundernd. Ihr trefflichster Charakter- scbilderer, Galanti, nennt sie: »Portati al fracassio, parlano ad alta voce, sono curiosi, vogliono decider di tutto, sono vivi, ciarlieri, gesticolatori all’ ecesso, amano le danse, i canti, i suoni ed il lusso del culto«. — Im Gegensatz zu den dunkeln Seiten übertreffen sie aber an Genügsamkeit, Gewandtheit, Höflichkeit, Gastfreundlichkeit, Pietät gegen die Verwandten, Sinn für Dichtung und bildende Kunst manches nordische Volk. Die wissenschaftliche Klasse ist wohl die tüchtigste in ganz Italien, und nirgends wird so viel und so ernst gearbeitet wie hier in diesem Klima, das so viele fremde Insassen entnervte. Bei seinen Belustigungen liebt das Volk das Grelle, Lärmende, Glänzende und hat seine grösste Freude an den komischen theatralischen Darstellungen; der Pulcinella (neapolitanisch Pole- cenella) ist jetzt noch sein höchstes Ergötzen; auch verdankt dieser seinen Ursprung schon der antiken Zeit, welche Ort und Personen ihrer Volksposse in das an der Strasse von Capua nach Neapel gelegene Atella verlegte (bei Aversa). Wie damals Mac.cus der Gefoppte war, an dem alle ihren Muth- willen kühlten, der Gefrässige, Lüsterne, der als Abzeichen eine das Gesicht über- 81 4. Neapel (Volksbelustigungen, Feste). 82 schattende Nase trug, wie ihm zur Seite der Bucco (der Brillante) das Grossmaul und den zudringlichen Schmarotzer repräsentirte, wie Pappus (Don Fastidio) den geizigen, abergläubischen, eiteln Alten und der bucklige Bossenus (der Dottore) den pfiffigen Beutelschneider darstellten, so erhält neben diesen stehenden Charakterfiguren der Hanswurst seine jetzige originelle Ausbildung. Er ist, wie Mayer treffend sagt, der karikirte gemeine Neapolitaner, töl- pisch, listig, witzig, gutmüthig, leichtsinnig, neugierig, verliebt, lustig, furchtsam, naseweis, gefrässig, materiell. Der ausserordentliche Beifall, der ihm gezollt wird, stammt von — der Verwandtschaft. Alles entlockt ihm die ergötzlichsten Spropositi. Sein Kostüm ist ein weisses Oberkleid mit weiten Aermeln, das über den tiefen Gürtel aushängt; weisse Hose, weisse spitze Filzmütze, eine Krause um den Hals, Pantoffeln an den Füssen; eine schwarze Halbmaske mit krummer Nase bedeckt den obern Theil des Gesichts, die Stimme ist kreischend (wie die des neapolitanischen Volks), papageienartig. Puppentheater, Bänkelsänger, abruz- zische Pudelkünstler, Taschenspieler etc. sieht man namentlich beim Ausgang der Piazza del Municipio am Largo di Castello, an der Strada del Molo; den berühmten Tanz der Tarantella aber an allen echten Volksfesten, oft auch im- provisirt in Höfen und Gärten. Gewöhnlich wird er von zwei Mädchen getanzt, ein drittes schlägt den Tambourin und singt halbsprechend dazu. Die Worte und die Tanzfiguren sind die Symbolik der neckischen Liebe, oft auch der unglücklichen oder verschmähten. Die Tänzerinnen stehen sich gegenüber, beider Bewegungen unterstützen sich; ein neckisches Spiel der Schürze erheitert den Tanz; bald wird diese an den Enden mit beiden Händen in die Breite gezogen, bald, während die linke Hand gegen die Hüfte sich stemmt, mit der Rechten emporgehoben, bald über die Knie stramm gestreckt; oder das Paar kniet mit Unter-Italien. I. Tüchern sich umschlingend nieder, wendet sich den Rücken zu und dreht sich, nur die Köpfe wendend, hinüber. Dann plötzlich beginnt von neuem der Tanz: »Ein Nahen, Fliehen und Begehren, Ein Wiederflücliteii, Wiederkehren, Ein Meiden, schüchternes Umgehen, Zufälliges Begegnen, rasches Drehen«. Bei manchen Stellen, des Tanzes, wo der Tambourin schweigt, klappern plötzlich in den Händen der Tänzerinnen die Kastagnetten, oder ein Zungenschnalzen ahmt das Geklapper nach. Der Karneval wird ähnlich wie in ganz Italien (siehe Rom und Venedig) gefeiert, nur zeichnet ihn die ungeheure Zahl der Wägen, das Vorwiegen der Pulcinella und das vermehrte Zuwerfen der Confetti aus. 1876 erhielt er neuen Aufschwung; 20. Febr. (Sonntag) grosse Cavalcata in Kostüm, mit einem Zug Kamele (die Reise des Emirs); Abends Festmarkt auf der Piazza del Plebisc-ito, Donnerstag Wiederholung des grossen Festzugs; am Nachmittag Masken und Wagenzüge in Via Roma, mir mit Blumenwerfen. Abends grosse Illumination und Maskenzug zu. Fuss. Sonnabend Nachts grosser Maskenball (Grande veglione) im Theater. Sonntag zwei Tombole zu Gunsten der Volkstheater. Nachmittags Wagenzug »con getto di coriandoli«. Abends Volksfest auf Piazza del Plebiscito. Montag Galazug zur Riviera di Chiaja und Prejsspruch über die schönsten Equipagen. — Abends grosse Illumination in Via Roma und Mas- kenzug zu Fuss; Nachts Festmarkt. Dienstag Wagenzug mit getto di Coriandoli; Nachmittags Volksspektakel; Vertheilung der Prämien an die schönsten Wägen und die schönsten Masken. Abends 0 Uhr Schluss des Karnevals. Grosser Zug der Cavalcata mit elektrischem Licht und bengalischem Feuer. Die Kirchenfeste haben viel von ihrem unter den Bourbonen gepflegten Glanz verloren, dagegen werden die 60 Madonnenkirchen und die 320 Kirchen und Kapellen der Stadt immer noch fleissig besucht. Man sieht noch 7Ai 8. Antonio in der Vicaria am 17. Januar Esel und Pferde mit Weihwasser besprengen und mit Bretzelringeln (Ciambella) und Schnüren mit Kastanien nach Hause kehren; noch am ersten Sonntag in den Fasten den Topfschlag (rottura della pentola), wobei mit verbundenen Augen auf einen mit kleinen Geschenken gefüllten, an einer 4 83 4. Neapel (Feste, Musik). 84 Schnur aufgehängten Topf losgeschlagen wird und dem Ungeschickten Sand über den Kopf stürzt. — Noch ist 8, Giuseppe (19. März) das Fest der Friggitori und der Spender der Zeppole (in Oel gebackenen Küchlein) sowie der Klappern an der Strada Medina. — Auch die Krippen in der Weihnachts- und die Tableau’s der Karwoche, mit der Darstellung der Geburt und der Passion Christi, haben sich erhalten, sowie die Goldflitterausrüstung der Lämmer zur Osterzeit, auch noch an manchenOrten der Fastenschmaus (besonders die Capitoni- Fische) an der Vigilie von Weihnacht, S. Martin und Ostern, dem dann ein kräftiges Fleischmahl nach Mezzanotte folgt. — Am 1. Mai (in S. Chiara), am 19. Sept. (im Dom) und am 16. Dec. wird noch das Blut des heil. Januarius flüssig, als sicherstes Pfand der fortdauernden Huld des Schutzpatrons der Stadt; aber Feier und Volk zeigen jetzt weniger den Ausdruck normaler Begeisterung. — In der Osterwoche findet am Donnerstag u. Freitag von 5—11 Uhr Abends eine sehr schöne Promenade in der Via Borna statt, wo sich die beste Gesellschaft Rendezvous gibt, da kein Wagen fahren darf. — In 8. Pietro a Ma- jella wird am Mittwoch, Donnerstag und Freitag um 8 Uhr Abends das Miserere von Zingarelli vom Konservatorium gesungen. — Das Fest des zweiten Pfingst- tags zu Madonna delV Arco , 2 St. von Neapel, am Fuss des Vesuvs, ist noch eins der anmuthigsten und am schönsten gefeierten. — Am Montag nach Pfingsten kann man am Molo die rückkehrende Pilgerschar vom Fest der Madonna di Vergine am besten überschauen, eine zahllose Iieihe von Kutschen, manche mit 4 und 6 Pferden und mit den buntesten Bändern geschmückt, mit Federn und Madonnenfahnen. Die Wägen, von 20 — 30 Landleuten im Kostüm der Umgebung angefüllt, werden von Ochsen gezogen; Guirlanden und Fahnen, die mit Nüssen und Kastanien umringt sind, bilden die Zieraten, alle voll von Madonnenbildern. Gesang, Tarantella, Tambourins erheitern die Feier. — Corpus Domini (zweiter Donnerstag nach Pfingsten) und acht Tage darauf das Fest des S. Paulinus zu Nola (mit fünfstöckigem Heiligengerüst), S. Anna (26. Juli) in Capodimonte, besonders aber der 7. und 8. September, das berühmte Fest der S. Maria in Piedigrotta ; haben ihre nationale Feier theilweise verloren. Doch ist das Volksgewühl von 10 Uhr Abends (7. Sept.) bis Mitternacht durch die Villa und die Riviera di Chiaja jetzt noch ein ungeheures. Mehr als 100,000 Personen (meist der unteren Volksschichten) strömen zur Kirche hin und zurück, oft ganze Karawanen mit einander, mit Volksmusik voran, manche mit grossen pyramidalen Papierhüten, als Laternen- träger, und mit Fackeln. Dabei wird das Piedigrotta-Lied gesungen, das jedes Jahr besonders komponirt wird. Däs Rendezvous dieser Karawanen ist unter der Grotte von Pozzuoli. Tarantellatänze und Gesänge dauern hier bis zum Tagesanbruch. Dann wird die Strasse bis zur Kirche zu einem Obstmarkt, und Feigen und Trauben halten ihren Einzug in Neapel. — Zu Weihnachten bleiben die Pifferari, die, aus den Abruzzen niedersteigend, namentlich auch in Rom zum allgemein bekannten originellen Genrebild geworden sind, auch jetzt nicht in ihrer Nachbarstadt Neapel aus, und noch ist als eins der wundersamsten Bilder religiöser Sitte: die Vermummung der Brüderschaften bei den Leichenzügen, wobei aus der weissen Kutte, die auch das Haupt verhüllt, nur das Auge durch geschlitzte Oeffnungen hervorleuchtet, dem jetzigen Neapel nicht fremd. — Am Fest dello Slatuto (der Konstitution), ersten Sonntag im Juni, findet am Morgen eine grosse Reviie der Garnison und der Nationalgarde an der Piazza del Plebiscito statt; Abends Illumination der öffentlichen Gebäude und Konzerte in der Villa, an der Piazza del Plebiscito und an der Piazza del Municipio. Dass Oper und Konzert in Neapel ihren natürlichen Boden finden, beweist die grosse Zahl ausgezeichneter Komponisten (fecarlatti, Porpora, Durante, Pergolese, Jomelli, Zinga- rello, Pieeini, Cimarosa, Paesiello u. a.), die 85 4. Neapel (Sprache, Küche). 86 aus Neapels Musikschule hervorgingen (Rossini und Bellini nahmen hier Unterricht, der Sänger Lablache war Neapolitaner). Es liegt auch etwas eigenthümlich Musikalisches in der Sprache der Neapolitaner, das vielleicht nicht wenig zur Entwickelung der komischen Oper beitrug; der stärkste Accent fällt auf die Mitte des Worts, Anfang und Ende werden dagegen vernachlässigt und abgekürzt (z. 33. no statt uno; na statt una; embe statt ebbene), die Konsonanten in der Mitte oft verdoppelt, ja selbst im Anfang (Nnapole für Napoli), Konsonanten (z. B. 1) zuweilen ausgestossen, b geht gern in v über, e zwischen zwei Konsonanten in ie; o in uo, 1 in r (grolia statt gloria, lepub- breca statt repubblica), g in j, s in z, p in eh, 1 vor d, t, z in u. Häutig werden zwei Wörter in eins zusammengezogen (patemo statt mio padre; mammeta statt madre tua). Die angcborne Heiterkeit des Volks, sagt Galanti, und die lachende Natur haben eine heitere, lustige Sprache (un linguaggio scherzoso e buffonesc.o) geschaffen, die reich an Bildern, Anmutli, Witz, trefflichen Redensarten und Sprichwörtern ist (pieno d’imagini, di grazie, di bei concetti, di sali e di proverbi); das Volk spricht gern mit Anspielungen und verblümt (con allu- sioni e con metafore), und allbekannt ist die prontezza del moteggiare der Neapolitaner. Von der Küche der Neapolitaner hat A. von Reinsberg-Düringsfeld ein ebenso lebendiges als wahres Bild entworfen. Die Hauptingredienzien sind Oel und Liebesäpfel, am besten schmeckt dem Volk Grünzeug und Pasten, die, je nachdem sie dick, dünn, breit oder schmal sind, verschiedene Namen erhielten (Vermieelli, Lasagne, Paparelle), vor denen allen aber sieb die berühmten Maccaroni auszeichnen, die von dem feinsten Weizenmehl (Saragolla) bereitet und in ungeheurer Menge in den Dörfern und Städten am Fuss des Vesuvs und Monte S. Angelo bereitet werden (so ist auch das schöne Amalfi eine grosse Nudelfabrik). In unzähligen Bildern ist dargestellt, wie der echte Neapolitaner, aufscliauend zu seiner Lieblingsspeise, sie voll Lust mit den Lippen niederziebt. »Nur Schlürfen und Schlucken untersten Theile. Die Seligkeit des Genusses drückt aber keines besser aus als: Non si puol andar piu insu, Ne si puol Irovar di piü: Che la gran consolazion Nel mangiar i Maccaron. (Höher geht es nicht hinauf, Mehr erfindet keiner drauf: Als die Konsolation Einer Schüssel Maccaron.) Auch iu Oel geröstete Fische, Muscheln, Seespinnen, Polyyen (frutti di mare), geröstete, ja selbst nur gesottene junge Maiskolben (spiglie) gehören zu den Lieblingsspeisen. Bei ihren Abendmahlzeiten in S. Lucia oder am Posilip sieht man sie Vermieelli ul pomo- doro (Nudeln mit Liebesäpfeln), ein e frittura di pesce (geröstete Fische), ein Spezzato di pollo (Hühnerragout mit Liebesäpfelsaft), Salat, frutti di mare, und ein gutes Glas Asprino (Landwein aus Aversa) mit Schnee gemessen. — Echt nationale Gerichte sind die Braccinole, Fleischklüsehen aus gehacktem Lammfleisch (carne d’annechia) mit Petersilie, Pinienkernen, Rosinen und Citronat, die in Schmalz gesotten und mit Sauce von frischen und getrockneten Liebesäpfeln (Conserva) aufgetragen werden; — ü znjfritto, ein Ragout aus klein gehackten inneren Theilen des Schweins, von Herz, Lunge, Leber, Milz, Magen; — il purpe- liello, der Seepolvp; — la zxippa di maruzze, Schneckensuppe, eine grosse Schüssel mit* Schnecken, zu welcher mau kleine, in Oel geröstete Peperoni gibt, und la pizza, eine Art Fladen, die mit Oel bestrichen und mit Salz und Lauch bestreut wird, oder mit geriebenem Käse, Speck und Basilicum, oder Liebesäpfeln und Muschelinhalt. — Als Dessert isst man am liebsten rohen Fenchel und Obst. — Die besten Maccaroni kommen aus Castellamara und Amalfi, die feinsten Austern von Lago di Fusaro, das schönste Kalbfleisch von Sorrent, die meisten Wachteln von der Insel Capri und die vorzüglichsten Rici'olelle , kleine saure Rahmkäse in geflochtenen Binsenkörbchen, aus Massa. — Die im Ofen gebratenen Nüsse, Bohnen, Kichererbsen und Melonenkörner werden Spassatiempo (Zeitvertreib) genannt, weil man sie gewöhnlich zwischen den Mahlzeiten verzehrt. — Der gewöhnliche Käse, der nebst Obst, Salat, 33rod und Wein selbst in den höheren Ständen das tägliche Nachtmahl ausmacht, ist der Cacciacavallo. Aus den Büffelkäsen (Mozzarelle) bereitet man die frittura di Mozzarelle, indem man den Käse in Schmalz bäckt, sowie die gerösteten Käseschnitten : Mozzarelle in carozza. ■ — In der brechen die regelmässigen Pausen.« Sie müssen in Wasser schnell abgekocht lind noch etwas hart sein: es darf kein Wein, nur Wasser dazu getrunken werden. In den gebräuchlichsten Volkssprichwörtern bilden sie einen der wesentlicli- Fastenzeit isst man Kohlsuppe, Stockfisch (baccalo), Häring, Zwiebeln, Bohnen, Peperoni in Essig, Mohrrüben und Kürbisse (zucche, die länglichen Cocoselle). — Am 14. August, der Vigilic von Mariä Himmelfahrt, isst man als Fastenspeise Melonen, die in den Grotten des Posilip aufbewahrt wiir- den; am 4. Aug. und am Weihnachtsabend 4 * 87 4. Neapel (Wasser, Bäder, Klima). 88 Hühner in Liebesäpfeln gekocht; am 19. März (S. Giuseppe) die Scagliozzoli, ein Backwerk aus Maismehl; zu Ostern den Casatello, einen Kringel aus Brodteig mit geschmolzenem Speck, in welchem Eier mit der Schale hineingedrückt wurden. Ostern (Pasqua) ist wie überall ein Schmausfest, ein jovialer heiterer Mensch wird hier sogar Pascariello genannt. Zum Ostermahl gehört eine Suppe aus gekochtem Korn, ein Ragout (Spezzictello) mit Eiern und Schoten,' Lammbraten, Salat, Presswurst, Sülze mit gesottenen Eiern, der Oasatello und Bretzeln mit Kruste und glänzender Fläche von Ei- weiss (tortani di Pasqua). An der Vigilie des Christfestes liebt man besonders Aal und Aalraupe (Gapitone), Austern, trockene Früchte und Gebäck aus Honig (Strujfoli, Mostaccioli, Susamielli). Das Wasser ist in Neapel meist Cisternenwasser; fünf Quellen liefern erträgliches, aber ungenügendes Quellwasser: V acqua dolce della Marinelia, das neben den Mineralwässern von S. Lucia dicht am Meer hervorbricht; die Quelle S. Barbara für den Brunnen am grossen Molo; die Quelle bei S. Maria la Nnova für den Brunnen Aquilia bei dem kleinen Molo; die Quelle in 8. Pietro Martire (die beste Stadtquelle), welche zwei öffentliche Brunnen versieht. Weitaus das beste Wasser aber ist die Acqua del Leone an der Mergel- lina. Dazu gibt es noch zwei Wasserleitungen: die Acqua Bolla, von dem Chiano della Bolla am nördlichen Fuss des Vesuvs, der kleinere Arm ist zugleich Quelle des Sebeto, der grössere tritt bei Porta Capuana in die Stadt; beide treiben Mühlen und versehen 32 Öffentliche Brunnen. Der Neustadt hat man die Acqua di Carmignano durch eine (1629 von Carmignano angelegte) unterirdische Wasserleitung aus den Quellen des Isclero bei S. Agata dei Goti zugeführt. Bei der ungenügenden Menge dieses Wassers half man sich bis jetzt, namentlich auch in den höheren Lagen, mit Cistevnen, plant aber schon längst eine der Stadt entsprechende Wasserzuführung, mit der auch eine (sehr nothwendige) durchgreifende Kanalisation Neapels verbunden werden soll. Dem Neapolitaner ist Schnee in der heissen Jahreszeit ein Bedürfnis, um während des Tags das Wasser zu kühlen; spät Abends geniesst er, da die Hauptmahlzeit um 5 Uhr stattfindet, meist bloss Früchte und Gefrorenes. Der grosse Schneelieferant für Neapel ist der Monte S. Angelo, wo an der Nordseite eine Menge Schluchten und Keller zur Aufbewahrung des Schnees sich befinden. Der Schneewasserver- känfer (Acquajuolo) hält sich eine hübsche Bude, hohe Pyramiden von Orangen und Limonen sind vor ihm aufgebaut, deren Saft er über den Schneetrunk ausgiesst. Die wandelnden Eiswasserhändler tragen ihr Kästchen durch die Strassen und reichen den Trunk für 5 C., wohl auch Eis mit gezuckertem Anismus. (Gelati, S. 54.) Seebäder werden in Neapel von den Italienern nur im Juli und August genommen; auch kurz nach einem Regen vermeiden sie die Bäder aus Furcht vor dem Fieber, das hier die gewöhnliche Folge von unvorsichtigem Baden ist. In der heissen Jahreszeit schützt sich der Neapolitaner fast ängstlich vor der Sonne; Marinari und Landleute tragen beständig wollene Mützen, und jedermann bedeckt, wenn er im Sommer ausgeht, den Kopf sorgfältig, um sich vor dem gefährlichen Sonnenstich zu wahren. Eine Virtuosität, den vollen Durchzug zu ertragen, bildet das Gegengewicht gegen diese Aengstlichkeit; man sieht sie von Schweiss bedeckt, oft in dem grössten Zugwind oder an kühlen Orten verweilen, im behaglichsten Gefühl des raschen Trocknens, und in den Cafes ist selbst an kühleren Tagen der Durchzug eine obligate Beilage. Und doch fordert das Klima Neapels den Fremden zur Vorsicht auf, da die Temperatur zu den verschiedenen Tageszeiten ausserordentlich stark wechselt, nach Sonnenuntergang meist eine plötzliche Kühlung eintritt und ein kalter Thau die Erde bedeckt. Für Empfindliche kann die Nichtberücksichtigung dieser Differenzen schwere Fieberanfälle zur Folge haben. Im Winter ist die sehr gelinde Kälte (etwa wie in einem »deutschen März«) doch weit empfindlicher als im Norden, da der 89 4. Neapel (Wind, Temperatur). 90 Bau der Wohnungen und ihrer grossen ! Fenster auf den vollen frischen Luft- ; genuss berechnet ist. Für irgendwie ! Empfindliche sind gute Teppiche, Oefen und südliche Lage des Zimmers unerlässlich. Namentlich während des Wehens der Tramontana (Nordwind) ist die Temperatur sehr empfindlich; der Neapolitaner bedeckt dann beim Ausgehen sorgfältig den Mund; selbst der Fischer überschlägt den Zipfel seiner braunen Kutte. Die Sommertage dagegen sind auch in der lieissesten Zeit ('August, September), wo alle Vermög- licheren die Stadt verlassen, weit weniger drückend als in Rom und nur bei längerem Wehen des Sciroeco unerträglich. Alles versehliesst, so lange die Sonnenstrahlen eindringen, die inneren Fensterläden, so dass eine heilige Dämmerung das Zimmer durchzieht, und man drängt sieh auf die Schattenseite; Nachmittags entzieht sich keiner, dem seine Gesundheit lieb ist, der Siesta. Wind. Temperatur. Obschon die Berge Neapel und sein Becken mit einer ununterbrochenen Vormauer zu umgeben scheinen, so setzen diese doch den direkten Winden keine hinlängliche Abwehr entgegen. Der Posilip ist noch der wirksamste Gegner; von Capodimonte gegen den Vesuv hin platten sich die Höhen ab und starke Lücken treten zwischen den bedeutenderen Gipfeln auf; erst gegen den Vesuv hin ist das Becken wirklich geschützt. Der Golf steht den Südost- uiui Westwinden offen, die also frei auf den Kais cirkuliren, vereint mit denen, welche, die Berge durchziehend oder den Bändern der zwei Seitenarme des Golfs folgend, in das Becken der Stadt eindringen. Der Halbkreis der Häuser am Bergrücken öffnet sich dem Westnordwest, der westliche Halbkreis mehr dem Südwest. Der ungemein heftige Mixtral (Nordwest), die Geisel der Westküste, dringt an der Nordseite des Golfs ein und weht gewaltig über die Mer- gellina bis nach S. Lucia, beim Eingang in die Strada di Roma wird er unmerklich; der Kamm des Posilips wehrt dem direkten Nordwind, der Nordost strömt durch die Lücken zwischen Capodimonte und Capo di Chino ein; der Ostwind dagegen findet ein Hindernis an der Somma; der Südost und Süd wehen über den Meeressaum des Vesuvs oder kommen über die Berge von Castella- mare und Sorrent; der Südwest und West ziehen durch die Iusellücken ein. Somit wehen der Ost, Südost und Nord am wenigsten, die vom Meer und vom Ufer her kommenden am häufigsten ; die feuchteren Südwinde überwiegen daher; sie wellen hauptsächlich im Frühling und Sommer, dann aber auch der West, der die heftige Hitze mildert. Zu Anfang des Winters beginnen die Südwinde den Kampf mit ihren Gegenwinden, und im Gefolge dieses Streits treten die massenhaften Regengüsse im Oktober und November ein, während der Decem- ber, in welchem der Nordwind vorherrscht, oft eine Reihe von schönen Tagen zählt; doch ist der Januar noch schöner. Der trockenste Monat ist der Juli, auch der Juni und August sind meist schön, so dass sich im Sommer der Himmel zuweilen monatelang nicht trübt, immer dieselbe Bläue am Tag, dieselben klaren, wundervollen Nächte dauern. Die mittlere Regenmenge beträgt 850 Millim.; zuweilen stürzt der Regen als eine wahre Flut hernieder, ist aber im Herbst ‘weit andauernder, im Sommer plötzlicher, bisweilen wie ein Aequatorial- strom. Wolken werden von den Winden gebracht, die über das Meer streichen und dabei eine hohe Temperatur haben. Wenn ein kalter oder trockener Wind auf einen zuvor domiuirenden entgegengesetzten folgt, so verdichtet sich der Wasserdunst und dem schönsten Wetter folgt plötzlich das schlechte, das sonach fast immer die Folge eines neu- eintretendon herrschenden Windes ist. Da die Form des Golfs den Nordwinden einen direkten Kampf mit den Südwinden gestattet, so findet diese Alternative ziemlich häufig statt. Regengüsse und Gewitter sind deshalb nicht selten; man zählt etwa */5 Regentage während des Jalirs. Der Südwest (Li- beecio) ist wolkig, regnerisch, ungestüm; Süd- und Südostwind (0*lro und Sciroeco) kommen über das Ufer der Dogana und die breiten Strassen gegen den Palazzo Reale hin bis zum Eingang in die Strada di Roma; sie bringen den lähmenden warmen »ITaucli der Trägheit«, den Vater des Farnientc. Der Nordwest (Maexträle) weht besonders am Ufer des Meers vom Palazzo Reale bis gegen den Posilip hin; seine Grenze ist bei S. Lucia; seine Heftigkeit mässig't sich in der grossen Fläche der Kais der Villa Nazionale und der Mergellina, während er in den engen Passagen von Chiatamone aufs heftigste weht; er bringt die kalten nordischen Strömungen und ist, da er Über das Meer kommt, noch empfindlicher durch seine Feuchtigkeit. Diesen ungünstigen Bedingungen gegenüber ist aber die mittlere Temperatur Neapel s 16,5, die mittlere des Winters 9,s, des Frühlings 15,2, des Sommers 23,3, des Herbstes 16,8. Der Unterschied zwischen den Mittleren der verschiedenen Jahreszeiten ist also nicht gross, und würden die Uebergänge ohne heftige Erschütterungen erfolgen, so könnte das Klima ein rehr gutes genannt werden; aber jene Bewegungen der Luftströmungen ändern den Charakter des Kli- ma’s vom Morgen bis zum Abend völlig, da sie nach der Herrschaft einer warmen und feuchten Einwirkung eine empfindliche trockene Kälte erzeugen. Die Ursache liegt wesentlich in der Freiheit, mit welcher der Nordwest und die Australwinde, deren Wir- 91 4. Neapel (Temperatur — Geschichte). 92 kung ebenso energisch als entgegengesetzt ist, an der Küste und bis ins Innere der Stadt wehen können. Der höchste Stand des Thermometers steigt jedoch nur auf 38,7, der tiefste fällt nicht unter 5° Minus, vermöge des Einflusses des Westwindes. Es schneit selten, aber doch mehr als in Rom, und der Schnee bleibt nicht nur auf dem Vesuv (den er oft monatelang mit einem weissen Mantel umhüllt), sondern auch in der mildern Umgebung manchmal selbst über den Tag liegen. Doch gibt es Jahre ohne allen Schneefall. Die Luft ist rein und im allgemeinen gesund, aber sie ist heftigem Wechsel unterworfen und sehr aufregend. Das Quartier der Chiaja, des Chiatamone und S. Lucia ist dem Nordwest viel zu sehr ausgesetzt, um im Winter als Krankenquartier zu dienen. So günstig die Reinigung der Luft und das rasche Trockenwerden des Bodens dort auf die gesunden Organisationen wirken, so wenig passt dieses Fremden- quarticr für Lungenleidende. Der westliche und nördliche Theil von der Strada di Roma zu den Anhöhen hin ist dem Libecc-io unterworfen. Der östliche j und südliche Theil zur Seite der Roma- | strasse, die gedrängte Stätte des Volks, j hat enge und dunkle Strassen, die zwar I gegen die Sonnenhitze schützen, aber der Ventilation ermangeln und deshalb ungesund zu bewohnen sind. Das beste Quartier für Kranke ist das bei Piazza Cavour und zwischen dem Museum und Capo di Chino, wo breite Strassen sind und die Australwinde schon gemildert hin gelangen, und wo die Luft unter dem Einfluss des gesunden, kühlen Nordost sich erneuert, der zudem nie eine wirkliche Herrschaft über die Winde des S., SO. und SW. erlangt. Immerhin passt selbst dieses Quartier nicht für Respirationsleidende , weil der Winter vom Ende der schönen Herbsttage an bis zum Ende der grössten Kälte dem häufigsten Wechsel unterworfen ist. Neapel ist also in keinem Fall für Lungenkranke zu verwerthen. Es ist eine herrliche Stätte für die Gesunden und für die, welche allen Anforderungen der überaus schönen und interessanten Umgebung genügen können und weder ermüdende Touren, noch den Nordwestwind zu scheuen haben. Rüstigen Melancholikern bringt es fast sichere Heilung, namentlich in den herrlichen Frühlingsmonaten April und Mai. Selbst im IIocli- | sommer ist Neapel allen grösseren Städten I Italiens vorzuziehen. B. Zur Geschichte Neapels. Neapel soll zuerst den Namen einer verführerischen und verlockenden Muse des Meers, der Sirene Parthenope, geführt haben. Die antiken und modernen Dichter haben mit Vorliebe diesen Namen beibehalten, und Ooid bezeichnet die Stadt sogar als »in otia natain Parthenopen«, d. h. znm dolce far nionte angethan. Strabo lässt von den Rhodiern diese Altstadt gründen, welche wahrscheinlich die nahen Cumäer schon vorfanden, als sie sich hier niederliessen, xxnd nun zur Altstadt (Paläopoli. s) noch eine Neustadt (NeapolU) hinzubauten. Als die Römer die Stadt kennen lernten, bestand sie aus diesen zwei durch eine Zwischenmauer getrennten Hälften, die durch gemeinsame Gerechtsame verbunden waren, Neapel wohl gegen den Sebetushin, Paläopolis gegen den Posilip (die Neapolitaner denken sich das Verhältnis [entgegen Liv. VIII, 26, wonach der Hafen zu Paläopolis lag] umgekehrt). 326 v. Chr. besetzten die Samniter die griechische Stadt, welche 2000 Nolaner rind 4000 Samniter aufnehmen musste. 290 kam sie an die Römer, die ihr aber die griechische Verfassung und büi’gei’liche Selbständigkeit liessen. Die Stadt, nun Neapolis allein genannt, wurde bald wegen ihrer Naturreize und weil griechische Lebensweise , Kunst und Wissenschaft sich erhielten, ein Lieblingsaufenthalt gebildeter (auch verbannter) Römer, die hier ein ungemein heiteres, genussreiches Leben führten. Unter Titus wurde sie durch ein Erdbeben fast gänzlich zerstöx-t, aber im römischen Geschmack wieder aufgebaut; denn die römischen Kaiser begünstigten die schöne Stadt. Die alte Stadt lag um den Hafen her, vomjetzigenPal. Reale bis zum Castel Vecchio hin; die jetzige Landzunge des Castel dell 1 Ovo bildete westl. von der Stadt noch die Insel Megaris. Beim Posilip, Nisida östl. gegenüber, lag die dem Augustus von Vedius Pollio als Vermächtnis hinterlassene Villa Pciunlypi (d. li. Sanssouci), in der Augustus oft weilte, und daneben dehnte sich die berühmte Villa des Lucullus aus, in welcher Tiberius starb; nahebei verbrachte Virgil 93 94 4. Neapel (Geschichte bis 1130). so schöne Tage, dass er seine Gebeine dahin bringen liess mit der Grabsehrift: »Tenet nunc Parthenope« (S. 344). In einer zweiten Villa des Lucullus am Pizzofalcone starb im Castelluni Lucnllanum der abgesetzte letzte römische Kaiser des Abendlands, llomulus Augu- stulus. — Zur Zeit der Völkerwanderung und des Exarcliats war die Stadt dem Untergang nahe, 410 verheerte sie Alarich, 456 ein Vandalenschwarm; 536 hielt Neapel durch heldenmüthigen Widerstand den Marsch Be- lisars auf. Die alte Lieblingsstadt des Virgil, sagt Gregorovius, war damals klein, doch äusserst stark befestigt, wie das nalieCumä, und belebt durch den Handelsgeist ihrer griechischen Bewohner und zahlreicher Juden. Diese waren dem Kaiser Justinian, der ihre Glaubensgenossen verfolgte. feind, und den duldsamen Gothen freund; sie fochten auf den Mauern nicht minder tapfer als die gotliische Besatzung. Erst am 20. Tag gelang es Beiisar, durch eine Wasserleitung in die Stadt zu dringen, worauf sie geplündert und durch ein schonungsloses Gemetzel unter den Bewohnern bestraft wurde. — 543 belagerte der Gothen- könig Totila Neapel, das ihm, durch Hunger aufs äusserste gebracht, die Tliore öffnete und die Gelegenheit gab, die Welt noch mehr als durch seine Kriegsthaten, durch seine Tugenden zur Bewunderung hinzureissen, indem er wie »ein Vater oder Arzt« für die Neapolitaner sorgte; doch liess er, wie bei allen kapitulirenden Städten, Neapels Mauern niederreissen, damit sich, wie er selbst sagte, »kein Feind darin festsetze und die Bürger für immer (!) von den Qualen der Belagerung befreit seien«. Von 568—1130 hatte Neapel 40 Herzoge, zunächst von den Exarchen von Ravenna eingesetzt, dann bis zu Ende des 9. Jalirli. von den oströmischen Kaisern, endlich stand es unter eigenen Dogen (Duca). Bei der Vergrösserung des benachbarten longobardisclien Herzogthums Benevent, dessen Regent noch nach den fränkischen Eroberungen den Titel Princeps führte, verwickelte sich Neapel in wiederholte Kriege mit ihm, doch wurde die Stadt 815, 826 und 838 ohne Erfolg von den Longobarden belagert. Die Zustände in Unteritalien verschlimmerten sich immer mehr, Saracenen und Griechen plünderten die reichen Gefilde, und oft kämpften sie mit den Neapolitanern unter einem Banner gegen Salerno. Pandulf von Captui, gezwungen, die Oberherrschaft des Papstes anzuerkennen, rief die Mohammedaner in sein zersplittertes Land; sie siedelten sich 881 in Agropolis bei Pästum an und liessen sich dann auch am Garigliano nieder. Nur durch die spätere Vereinigung der Republiken Amalfi, Neapel und Genua war eine Abwehr gegen die immer mächtiger werdenden Saracenen möglich. Auch die Griechen drangen zu Anfang des 11. Jahrli., seit der Niederlage Otto’s II., wieder in Kalabrien und Apulien vor und rückten gegen Kampanien. Ein Longobarde aus Bari suchte Bundesgenossen gegen die Griechen, fand am Garganus Pilger aus der Normandie , zeigte ihnen den Zustand des Landes und lud sie zur Theilnahme am Aufstand ein; auch Salerno, durch 40 normannische Pilger und Helden von den belagernden Saracenen befreit, forderte sie auf; so kam die erste geworbene Normannenschar 1017 nach Süditalien, der Aufruhr misslang. Die Herrschaft der Griechen schien gesichert, da nun auch der longobar- disehe Purst Pandulf IV. von Capua auf ihre Seite trat. Da erschien, vom Papst gerufen, der deutsche Kaiser Heinrich II., sein Zug nach dem Süden war »schnell, siegreich und mörderisch«. Pandulf von Capua wurde nach Deutschland exilirt. Nach dem Rückzug Heinrichs war die Förderung seiner Absichten auf Unteritalien der Tapferkeit der Normannen überlassen. Kaiser Konrad setzte Pandulf IV. wieder in das Fürstenthum Capua ein, xuid dieser gab den Normannen einen festenSitz zu Ponte aSe- lice bei Aversa. Da der Doge der Republik Neapel, Sergius, dem Gegner Pandulfs in Neapel Schutz gewährte, so überfiel 1027 Pandulf Neapel, das nun zum erstenmal von longobardisclien Fürsten bezwungen wurde; der vertriebene Sergius schloss sich nun an die Normannen an, die ihm schon drei Jahre nachher Neapel zurück eroberten, worauf er eine Base des Normannenführers Rainulf heirathete, diesen zum Grafen der Normannen erhob und ihm die Umgebung von Capua als Grafschaft übertrug mit der neu erbauten Hauptstadt Aversa (»per avversar gli assalti di Capua«), 3 St. von Neapel. — 113-.) fiel aber Neapel selbst in die Hände der Normannen. 1127 war nämlich Wilhelm, Herzog von Apulien, kinderlos gestorben. Sein Verwandter, der junge, kluge und kühne Graf Roger von Sicilien, betrachtete sich als Erben Apuliens und ergriff die Gelegenheit, ganz Süditalien zu vereinigen, »denn selbständig waren daselbst nur noch Capua unter Robert II. und Neapel unter Sergius«. Umsonst suchte der Papst die Gründung einer süd- italisclien Monarchie zu hindern. Roger machte sich zum Herrn von Salerno und Amalfi und zwang den Papst, ihn mit dem Herzogthum Apulien und Kalabrien zu belehnen. Der schismatischc Papst Anaclet II. fügte noch die Herrschaft Capua uud das Herzogthum Neapel bei und liess Robert I. als König von Sicilien am Weihnachtstag 1130 krönen; so entstand das Königreich beider Sicilien; das 730 Jahre den grössten Wechselfällen widerstand, bis es durc.heinen modernen Normannenzug der Ttalia una einverleibt wurde. Roger hatte sich nach dieser Belohnung noch der Städte Capua (1135) und Neapel zu bemächtigen. Er belagerte die sich aufs tapferste verthei- digende Stadt wiederholt zu Wasser und zu Land; als Kaiser Lothar 1136 vernahm, dass die Stadt Gefahr laufe, durch Hunger überwältigt zu werden, versprach er Hülfe, zog nach Apulien und sammelte vereint mit 95 4. Neapel (Geschichte, Stammtafel der Anjou’s). 96 97 4. Neapel (Geschichte, Stammtafel der Anjou’s). Stammtafel (mit Angabe ihrer der Anjou’s G-rabmäler in Neapel). 98 A. König KAKI I., i geb. 1220, König 1266, zweimal vermählt, 1) mit Beatrix von 1 Provence (6 Kinder); 2) mit Margaretha \ von Nevers; gest. 12851 (Dom). Sohn: * D i f B, König KAKI II geb. 1254, König 1289. vermählt mit Maria, Tochter ! König Stephans von Ungarn; gest. 1309 (S. M. 1 Donna Regina). Karl 91nrtell, Ludwig: König v. Ungarn, (Sanct), gest. 1301 (Dom), Bischof von vermählt mit Cie- Toulouse, mentina, Tochter heilig ge- König Rudolfs sprochen von Habsburg, 1316. gest. 1295 (Dom). Sohn: I Karl Robert, König v.Ungarn, gest. 1342. C. König KOBKKT von Neapel, König 1309, gest. 1343 (S. Chiara), vermählt mit: 1) Jolantha, Tochter Peters III. von Aragonien; — 2) .Lancia, Tochter König Jakobs v. Marjorca, gest. 1345 (S. Maria della Croce). Ludwig, König von Ungarn, gest. 1382. Andreas, vonUngarn, ermordet 1345, vermählt mit Johanna I., Königin von Neapel. Ludwig, Karl, geb. 1301, Herzog von Ragest. 1310 labrien, geb. (S. Lo- 1298, gest. 1328 renzo). (S. Chiara), vermählt mit: \) Katharina, Tochter König Albrechts I., gest. 1323 (S. Lorenzo); — 2) Maria, Tochter Herzog Karls v. Valois, gest. 1328 (S. Chiara). Karl Mar- tell, geb. 1327, gest. 1327 (S. Croce zu Florenz). D. Königin Maria, JOHANNA I., gest. 1328 geb. 1326, Koni- (S. Chia- gin von Neapel ra). 1343, gest. 1382, vermählt mit: 1) Andreas von Ungarn, gest. 1345; — 2) Ludwig von Tarent, gest. 1362; — 3) Jakob III. v. Marjorca. gest. 1375; — 4) Otto vonBraunschweig, gest. 1387 (S. Maria in Foggia). Maria, geb. 1328, gest. 1366 (S. Chiara),vermählt mit: 1) Karl von Durazzo, gest. 1347; — 2) Robert del Balzo, gest. 1354; - 3) Philipp von Tarent, gest. 1368. Philipp ; von Tarent, Titularkaiser von Konstantinopel, • gest. 1332 (S. Domenico). Erste Vermählung mit >. Thamar von Aetolien. , --- i — - s Peter, Karl, Margaretha, Maria. (S. Dome- gest. 1315. ; verm. mit Wal- nico). ; ther von Brienne. Zweite Vermählung mit Katharina : v.Valois, gest. 1346(MonteVergine). Robert von Konstantinopel, gest. 1364, vermählt mit Maria von Bourbon, Tochter Ludwigs I. Ludwig, Philipp II., ; Margaretha, Maria, gest. 1362 von Tarent, ' vermählt mit: unver- (Monte Ver- gest. 1368, M) Eduard, Kö- mahlt, gine), ver- vermählt mit f nig v. Schott- gest. 1368 mahlt mit Maria,Toch- land; — 2) (Monte der Königin ter Karls v. Franz del Vergine). Johanna I. Kalabrien, Balzo, Herzog von Neapel. Wittwe Ro- von Andria. berts I. Du- • razzo und Roberts del : Balzo. Johanna, vermählt mit: 1) Leo IV. v. Armenien ; — 2) Leo V. i Ludwig, Johanna, Agnes, Clementina, Margaretha, gest. 1344 gest. 1387 gest. 1387 (S. starb unver- vermählt 13-8 (S. Chiara). (S.Lorenzo), Chiara), ver- vermählt mähltmit:l) mit: 1) Lud- Can della wig von Na- Scala von varra, Her- Verona; — v. Durazzo, 2) Jakob del gest. 1373 Balzo von (S. Martino); Tarent — 2) Robert (S. Cataldo von Artois, zu Tarent). Graf d’Eu (S.Lorenzo). mählt (S. Chiara). ) mit Karl III., König von Neapel, gest. 1412 (Dom von Salerno). i i Johann, Herzog von Durazzo, gest. 1335 (S. Domenico), vermählt mit: 1) Mathilde von Ilennegau, gest. 1321; — 2) Agnes von Perigord, gest. 1343 (S. Croce). Maria, Bianca, vermählt gest.1310, mit: 1) verm.mit Sancho, Jakob II., König König von Ma- von Ara- jorca;— 2) Jakob, Prinz von Aragonien. gonien. Margaretha, vermählt 1289 mit Karl, Graf von Valois, gest. 1325. Beatrix, gest. 1330 (Dom zu Andria), vermählt mit: 1) Azo von Este ; — 2) Ber- trand del Balzo. Eleono- ra, gest.1341, vermählt 1302 mit Friedrich II. von Sicilien. Karl Durazzo, Ludwig, Graf von gest. 1347 (S. Lo- Gravina, renzo), vermählt gest. 1349 (S. Croce), mit Maria, Toch- vermählt mit Margaretha, ter des Herzogs Tochter Roberts von Karl von Kala- S. Severino. brien. Sohn: E, König KAKI III, von Neapel, geb. 1345, König von Ungarn 1385, gest. 1386 (der Leichnam geht unter auf der Ueberfalirt nach Neapel); vermählt mit Margaretha von Durazzo. i F. König IAHISIAUS, von Neapel, geb. 1367, König 1386, gest. 1414 (S. Giovanni a Carbonaro), vermählt mit: 1) Con- stanza da Chiaramonte ; — 2) Maria, Tochter Jakobs I. von Cypern, gest. 1404 (S. Domenico ); — 3) Maria d’Engenio, Wittwe v. Raimondo Orsino Balzo. G. Königin JOHANNA II., geb. 1371, Königin 1419—35 (S. Maria Annunziata), vermählt mit: 1) Wilhelm von Oesterreich, gest. 1406; — 2) Jakob von Bourbon, gest. 1438. Maria, geb. 1369, gest. 1371 (S. Lorenzo). 99 100 4. Neapel (Geschichte, 1130 — 1254). Papst Innocenz ihre ganze Macht zur Befreiung der Stadt. Auch die Pisaner kamen mit 100 Schiffen zu Hülfe. Der Krieg wandte sich nach Salerno, das sich an den Kaiser ergab, aber kurz nach des Kaisers Rückkehr Rogern wieder die Thore öffnete, der nun auch Capua wieder mit Sturm nahm, Benevent ohne Schwertstreich erhielt, 1139 sogar den Papst Innocenz zum Gefangenen machte, sich aber wieder ehrfurchtsvoll mit ihm versöhnte- Jetzt unterwarf sich auch das Herzogthum Neapel dem König, indem es nach dem Tod des Sergius seinen Sohn Roger zum Herzog wählte, und unter Bewahrung der municipalen Freiheit dem König die Justiz und die höchsten politischen Rechte übertrug. Damals hatte die Stadt, nach Rogers Vermessung, einen Umfang von 2363 Schritten. Die Normannenherrschaft dauerte 64 Jahre, von 1130 —1104. Auf Roger folgten Wilhelm der Böse, der, ein schlechter König, schlechteren Rathgebern das Reich überliess; dann Wilhelm der Gute, Tancred und der unglückliche Wilhelm III., der durch Kaiser Heinrich VI., welcher sich als Gemahl der Normannenfürstin Constantia für den rechtmässigen Erben des Reichs ansah, um den Thron kam. Als der Kaiser auf seinem Zug nach Italien nach Tancreds Tod sich des Königreichs zu bemächtigen kam, öffneten ihm in Kampanien die Städte von freien Stücken die Thore. Apulien und Sicilien folgten; Heinrich hielt mit grosser Pracht seinen Einzug in die Hauptstadt des Reichs, Palermo, und König Wilhelm legte ihm die Krone von Sicilien in eigener Person zu Füssen. »So ging das Königreich von den normannischen Fürsten 1194 auf das schwäbische Haus der Hohenstaufen über. Dem unglücklichen Wilhelm wurden die Augen ausgestochen und die direkte Erbfolge unmöglich gemacht. Die Kaiserin Constantia, welche nach Heinrichs Tod die Regierung des Königreichs übernommen, stirbt 1198 zu Palermo, sie war der letzte Zweig des Stammes vom König Roger; mit ihr erlischt die ganze königliche Familie der normannischen Fürsten. Sie hinterliess den grossen Kaiser Friedrich II. als Kind uuter des Papstes Innocenz III. Vormundschaft. Die Herrschaft der Hohenstaufen dauerte 72 Jahre, von 1194—1266. — 1199 Unternehmung Walthers, Grafen von Brienne, gegen das Königreich Sicilien; er fällt zu Salernd 1205. — 1207 Cnm'd zerstört und seine Kirche mit der zu Neapel vereinigt. 1208 geht Papst Innqcenz nach Palermo und beschliesst die Vermählung Friedrichs mit Constantia, Tochter des Königs Alfons II. von Aragonien. Die deutschen Fürsten wählen Friedrich zum Kaiser. Friedrich trachtete nach der völligen Vernichtung des Lehnstaats, und die Verwandlung des Volks in eine nur dem hohem Willen gehorchende, unbewaffnete, im höchsten Grad steuerfähige Masse. Er führte sogar eine Ketzerinquisition ein, die wohl mehr die Beseitigung der Vertreter des antimonarchischen städtischen Lebens im Auge hatte. Als Kern der Armee nach aussen und als Polizei nach innen dienten ihm vorzüglich die Saracenen, welche er in Süditalien zu Militärkolonien verband. Sie dienten dem Monarchen um so sicherer, als der kirchliche Bann keinen Einfluss auf sie haben konnte. —1224 gründete Friedrich, der mit all seinen Reichs - und I-Iofbeamten oft in Neapel rcsidirte, die Universität zu Neapel, da, wie er selbst schreibt, diese Stadt immer eine Mutter und Wohnstätte der Gelehrsamkeit gewesen, unter dem herrlichsten Himmelsstrich liege, durch Fruchtbarkeit und Seehandel Ueberfluss habe, und durch ihre Lage am Meer allen Studireuden offen stehe. Er berief die ausgezeichnetsten Professoren mit hohen Gehalten und war der erste, der den Studienzwang einführte. Für den theologischen Lehrstuhl liess er Dominikaner und Francis- kaner, damals neue Orden, kommen; aber als sie im Interesse des Papstes eine oppositionelle Stellung gegen den Staat und den Kaiser einnahmen, verbannte er sie 1240 als »Störer der öffentlichen Ruhe« aus dem Königreich. In der Arzneikunst erlangte Neapel denselben Ruf wie Salerno , die Rechtslehrer wurden aus den entferntesten Gegenden herbeigezogen. DieseStiftung der Universität legte den ersten Grund, dass Neapel nachher Hauptstadt des Königreichswurde; ebenso wichtig war auch Friedrichs Verlegung des grossen Gerichtshofs in diese Stadt. Das Castel Capuano erhielt eine neue prächtige Gestalt, und das Castel delV Ovo ward angelegt. Friedrich vermachte alle seine Staaten seinem Sohn Kourad; würde Konrad sich anderswo als in Italien aufhalten, so sollte Manfred, Friedrichs dritter Sohn (ein Nebensprössling von der Schwester des Grafen Gottfried Maletta), Fürst von Tarent, dessen Statthalter in Italien mit vollkommener Gewalt sein. 125t zieht Konrad aus Deutschland nach Italien, warf die sich auflehnenden Städte nieder, schloss Neapel, das bei der Partei des Papstes verharrte, völlig ein und zwang es durch Hunger, Maschinen und unterirdische Gänge 1253 zur Uebergabe. Die Stadt fiel der Plünderung anheim und Konrad blieb zwei Monate da, um die Untreue der Einwohner mit aller Härte zu bestrafen. Nach Konrads Tod (in seinem 26. Jahr 1254) suchte der Papst Innocenz IV. von Sicilien und Apulien wieder Besitz zu ergreifen. Manfred selbst kam nach Auagni, um die Anerkennung der Rechte Konra- (lins, des minderjährigen Sohns von Konrad, zu erbitten. Doch Innocenz forderte die unbedingte Auslieferung Siciliens. Er exkom- municirte Manfred, der nun die Regentschaft übernahm, sich aber, aller Mittel ent- blösst, genöthigt sah, einen Vertrag einzugehen, wonach er als Vikar eines grossen Theils des ncapolitauischen Festlandes in die Dienste des heiligen Stuhls trat. »Der Sohn Friedrichs führte in Person, des Papstes Pferd am Zügel haltend, den Todfeind seines 101 102 4. Neapel (Geschichte, 1254—1268). Geschlechts über die Lirisbrücke in das Erbland seiner Ahnen.« Die Städte hofften auf Gemeindefreiheit, welche die Hohenstaufen nicht duldeten, die Barone hofften auf Privilegien , sie huldigten dem Papst in Capua. Innocenz IV. hielt seinen Einzug in Neapel am 27. Okt. 1254. Die hartnäckige .Feindin der Hohenstaufen, das »Mailand Süditaliens«, empfing den Papst mit aufrichtigen Ehren und erkannte willig seine Herrschaft an. Aber Manfred zerriss die ihn erniedrigenden Bande, entfloh durch die Gebirge Apuliens nach Luceria mitten unter die rettenden Saraceneu und zersprengte seine Feinde bei Foggia. Innocenz , schon krank im Palazzo della Vigna zu Neapel darniederliegend, starb daselbst am 7. Dec. 1254. 1258 wird Manfred zu Palermo zum König gekrönt (die Rechte Konradins notli- gedrungen usurpirend), und »verwandelt sich aus einem Vikar Deutschlands in einen national-italienischen Herrscher«. Er ward abermals exkommunicirt und über die Städte, die ihm anhingen, sprach der Papst den Bann aus; aber Manfred fand Allianzen an mächtigen Städten und stand bald auf der Höhe des Glücks, sein Einfluss reichte bis zum Po und Piemont. Seine Tochter Gon- >tanza. vermählte er 1262 mit Peter von Arago- nien, trotz der Einsprache des Papstes, welcher die Nemesis zu ahnen schien, die sich einst aus dieser Ehe erheben sollte, den Fall der Hohenstaufen zu rächen- Nach Vapst Alexanders Tod, als es zur Senatorwahl in Rom kam, massen sich Ghibcllinen und Guelfen, jene fiir Manfred oder dessen Schwiegersohn stimmend, diese für Karl von Anjou, den jüngsten Bruder des Königs von Frankreich, mit dem der französische Papst Urban IV. schon in Verbindung getreten war, ihm die Krone Siciliens anzutragen. Karl hatte sich schon als Krieger in Asien liervorgethan und besass von seiner Gemahlin die Provence, Languedoc und einen grossen Theil von Piemont. Der Neapolitaner Erzbischof vonCosenza, Todfeind Manfreds, leitete die Verhandlung mit Karl. Manfred sah mit Besorgnis einen fremden, vom Papst berufenen Gegner in Rom festen Fass fassen, er ward unsicher und Missgeschick begann seine Kraft zu lähmen. Rom blieb in der Gewalt der Guelfen und ward zum Sammelplatz aller Feinde Manfreds. Unter dem neuen Papst Clemens TV. erscheint Karl als Senator zum Pfingstfest 1265 in Rom. »Der Zug Karls von Anjou nach Sicilien gehört durchaus in die Reihe der abenteuerlichen und vom Glück gekrönten Unternehmungen der Kreuzritter jener Epoche.« Karl war damals ein Mann von 46 Jahren, von grosser und kraftvoller Gestalt, von königlicher Haltung , sein oliven- farbenes Gesicht streng und hart, sein Blick finster und Furcht erregend; er beklagte es, dass der Schlaf den Thaten der Menschen die Zeit verkürze. »Er besass ritterliche Tapferkeit, Klugheit, fast stoische Enthaltsamkeit, dm-chdringende Schärfe des Ur- theils, unbeugsame Willenskraft, Grausam- | keit, Herrschbegier, Habsucht und hochfliegenden Ehi’geiz.« ( Villani VII, 1: »Savio, di sano consiglio e prode in arme, aspro, molto temuto e ridottato, in fare ogni grande im- presa sicuro, in ogni awersitä fermo, e veritiere d’ogni sua proniessa, poco parlante, e molto adoperante , e quasi non ridea se non poco, onesto come un religioso, e cato- lico, aspro in giudizia e di feroce rignardo . . e parea bene maestä reale piü ch’altro signore«-) Er kam mit nur 1000 Rittern ohne Pferde und mit leeren Händen. Am 28. Juli wurde zu Rom die Investitur Karls mit Sicilien vollzogen. Der Verrath begann im ganzen sicilisclien Reich sein dunkles Werk, viele Barone unterhandelten heimlich mit Karl. Endlich kam Karls Heer aus der Provence (30,000 Mann stark) über die Savoyer Alpen nach Italien und rückte im December 1265 in Rom ein, erschöpft, zerlumpt und ohne Sold. Schon im Januar 1266 zog er gegen Manfred; Arce, S. Germano wurden erstürmt,. 32 Kastelle ergaben sich. Manfred eilte mit ungefähr 25,000 Manu, 3200 deutschen Rittern, Scharen von Saracenen und apulischen Vasallen, Toskanern und Lombarden von Capua nach Benevent, Karl den Weg nach Neapel zu verlegen und ihm eine Schlacht zu bieten. Die Verzweiflungsschlacht von beiden Seiten dauerte nur wenige Stunden. »Romanischer Stoss und Stich trugen diesmal den Sieg über die germanische Kampfweise davon.« Manfred endete als Held, noch nicht 34 Jahre alt, »die Blume schöner Männlichkeit«. — Sein Thron, eine Monarchie, aber kein nationaler Staat, fiel an den Franzosen. Der Sieger war ohne menschliches Gefühl, ein kalter, schweigender Tyrann. Das Geschlecht Manfreds ging in den Kerkern unter. Karl v ou A nj ou hielt im März 1266 seinen Einzug in Neapel als Eroberer und König. —Das Rei ch desHausesAnjou dauerte 176 Jahre, von 1266 — 3442. (Siehe die Stammtafel, S. 95 — 98.) Die Strenge Karls I. und die Last der Steuern trieb eine grosse Zahl Barone zum Entschluss, sich, verbunden mit den Ghibcllinen ans Toscana und der Lombardei, an den 15jährigen Konradin zu wenden, den liohenstautischen Erben Siciliens. Konradin, umsonst von seiner Mutter Elisabeth von Bayern gewarnt, folgte nur seinem Muth und nahm die Vorschläge an. Mit einem Heer von 5000 wohlausgerüsteten Reitern trat er den Marsch an, wurde am 24. Juli 1268 im glänzendsten Festgepränge zu Rom auf dem Kapitol als Imperator ausgerufen. Am 23. Aug. stand Konradin an der Spitze von 10,000 Deutschen, Spaniern und Italienern am Fluss Salto dem König Karl gegenüber, der in Eilmärschen mit 6000 Mann herbeigerückt war. Konradin stand bei Scurcola, Karl bei Alba. Des Anjon's Kriegslist entschied; schon waren zwei Abteilungen seines Heers geworfen, schon plünderten Konradins Krieger ord- nungslos das Lager, da brach Karl selbst mit 800 Streitern aus einem Hinterhalt her- 103 104 4. Neapel (Geschichte, 1268-1309). vor, um Krone und Reich zu retten. Mehr als 4000 Leichen aus beiden Heeren deckten das Schlachtfeld bei Tagliacozzo (28. Aug. 1268), der »katholische« König hatte gesiegt. Konradin floh mit seinen Getreuesten erst nach Rom, dann über Saracinesco nach Astura; dort in einer Barke entfliehend, werden sie von Schnellruderern eingeholt, und Giovanni Frangipani, der Herr von Astura, verstand es, den kostbaren Fang zu verwerthen und lieferte die im Kirchenstaat gefangen Gesetzten an Karl von Anjou aus. Neapel war es Vorbehalten, das Haupt des letzten Hohenstaufen fallen zu sehen. Richter, Rechtsgelehrte und die französischen Barone waren in ihren Meinungen über Konradins Schicksal getlieilt, aber die Stimme derer, die für den Besitz ihrer Güter fürchteten und die Denkungsart des Königs kannten, überwog. Das Schafott wurde auf der Piazza del Mereato bei Carmine auf- gericlitet und am 26. Okt. 1269 das Todes- urtheil vollzogen. Der 17jälirige Konradin rechtfertigte sich noch auf der Richtstätte; er habe nur nach der Krone getrachtet, die ihm nach allen menschlichen und göttlichen Rechten zugehöre, und die man ihm auf die widerrechtlichste Weise geraubt habe; er hoffe, die Deutschen, und besonders der Herzog von Bayern (sein Verwandter mütterlicher Seite), werden die an ihm verübte Gewalttliat und Grausamkeit an den Franzosen rächen. Darauf zog er einen Handschuh oder, wie andere berichten, einen Ring von seiner Hand und warf ihn auf den Marktplatz als Zeichen der Investitur, die er demjenigen seiner Anverwandten er- tlieilen wollte, der sein Blut rächen würde. Mit ihm flel sein treuer unglücklicher Gefährte Friedrich von Oesterreich aus dem Haus Baden, ferner Graf Gerardo von Pisa, neun Barone des Reichs und ein deutscher Edelmann. Karl legte nun in Neapel das Castel Nuovo an, nach französischer Weise, damals eins der merkwürdigsten Werke Italiens. Er bereicherte Neapel mit prächtigen Kirchen und Klöstern, erbaute S. Lorenzo, stellte den alten Dom S. Restituta nach einem grossem Plan her (1456 durch ein Erdbeben zerstört, ward er nach demselben Plan wieder aufgebaut), liess die Stadt gut pflastern und die Piazza del Mereato erweitern , begünstigte die Universität, an welcher er den berühmten Scholastiker Thomas von Aquino anstellte, und verlegte die königliche Residenz aus Palermo nach Neapel aus politischen Gründen, um seinen Staaten und Rom näher zu stehen. Er machte sich das Königreich Tunis zinsbar, wurde König von Jerusalem, führte einen neuen französischen Adel in Neapel ein und neue Ritterorden, regelte die Quartiere und Versammlnngsplätze des Adels und die Aufnahme in denselben und liess die Parlamente in Neapel halten. — Zur V er gröss e rung und Erhebung der Stadt trug aber am meistenbei: die Trennung Siciliens und Apuliens durch die Sicilianisclie Vesper, Ostern 3282, die namentlich durch den hohenstaufisch gesinnten Giovanni, Herrn von Proeida, eingeleitet wurde und Peter, König von Aragonien, dessen Gemahlin eine Tochter Manfreds war, auf den Thron von Sicilien brachte. Beide Könige schrieben sich nun Könige von Sicilien; aber Karl musste sich nach der unglücklichen Seeschlacht seines Solms vor Neapel (1283) auf Apulien beschränken (den Namen des Königreichs Neapel führt erst Ferdinand I. von Aragonien ein). Auf Karl I. folgten noch 6 Könige und 2 Königinnen aus dem Haus Anjou (siehe die Stammtafel auf S. 95 bis 98). Sein Sohn wurde erst 1288 aus der aragonisclien Gefangenschaft in sein Königreich entlassen und vom Papst als Karl II., der Lahme (1285 — 1309), in Jlieti gekrönt. Er sah den 1294 erwählten Papst Cölestin V. in der Mönchskutte auf einem Esel reitend aus seiner Waldeinsamkeit nach Neapel eingeholt werden und in einem Gemach des Castel Nuovo den päpstlichen Sitz aufsclila- gen; aber schon nach 4 Monaten trat der überlegene Bonifacius VIII. triumplürend an seine Stelle; jedoch im Kampf mit Sicilien vermochte er nur zu dem Ausgleich zu gelangen, dass Violanta, die Tochter der ara- gonisch-hohenstauflsc.hen Königin, die Enkelin Manfreds, den Enkel Karls von Anjou zum Gemahl nahm. Dennoch schmachteten Manfreds Söhne im Kerker des Castel dell’ Ovo und starben dort. Als Karl von Vaiois als neuer Kämpfer für die Anjou’s vom Papst nach Süditalien gerufen wurde, hatte dies die weitere Folge, dass Friedrich, dev aragonisch-hohenstaufische König Siciliens, sich mit Karls II. Schwester Eleonora vermählte. Sicilien verblieb als freies Königreich bei dem aragonisclien Haus und blühte fröhlich empor. — Robert der Welse (1309 bis 1343), zweiter Sohn Karls II., ein kluger, geistreicher Fürst, folgte seinem Vater als König von Apulien, während Karl Robert, der Sohn seines altern Bruders Karl Mar- tell, die Krone von Ungarn trug. Sicilien entgegen hielt Robert fest am Guelfentluun. Als Kaiser Heinrich VII. den Zug nach Italien beschloss, war Robert rastlos bemüht, die guelflschcn Mächte gegen den deutschen Herrscher zu einen; als Statthalter in den päpstlichen Ländern und Schirmherr von Florenz, das die Anjou’s sich zu Herren erkoren, war er das Haupt der toskanischen Liga. Nach kurzem Sieg der kaiserlichen und der demokratischen Partei in Rom ge- rieth die Stadt vollständig in die Hände Roberts, und auch in Ferrara zogen seine katalonisclien Soldtruppen ein; Parma und Cremona stellten sich unter die angiovi- nisclie Herrschaft, und Robert fügte, auch im Besitz einer starken Flotte, ghibelli- nischen Städten grossen Schaden zu. Florenz und andere Städte stellten ihr freies Gemeinwesen ganz unter die Herrschaft Roberts. 105 4. Neapel (Geschichte, 1313-1375). 106 Da starb der Kaiser plötzlich (1313) im Gebiet von Siena, und die Kriegsscharen zerstreuten sich. Die Tochter des Kaisers, Beatrix, vermählte sich wenige Jahre nachher mit Karl Robert Anjou von Ungarn, ja, die Braut des Kaisers , die liabsburgische Katharina von Oesterreich, Tochter Albrechts I., gab ihre Hand Karl von Kalabrien, demErb- •sohn König Roberts, der aber frühzeitig starb und die zwei Töchter Johanna undiUaWa hinterliess. Der Tod Roberts (1343) war ein folgenschweres Ereignis; in Florenz wurde sein Statthalter (Walther von Brienne) vertrieben , und in Neapel gestaltete sich der Hof zu einem Schauplatz von Kabalen, In- triguen und Frevelthaten. Die junge Königin Johanna I. (1343 bis 1381), »eine Fürstin von hoher Bildung und glänzenden Eigenschaften, Schülerin und Verehrerin Peti’arca’s und gefeiert von Dichtern und G-elehrten, aber von den heftigsten Leidenschaften durchglüht«, befreite ^ch von den Bauden des Testaments des Königs Robert, verachtete ihren wenig gebildeten G-emahl Andreas von Ungarn, Herzog von Kalabrien, und seine ungarische Umgebung, wendete ihr Vertrauen niedrigen, unwürdigen Menschen zu und verschwendete Güter und Ehren an Günstlinge. Der Papst begünstigte die ungarische Partei, die den Gemahl zum König krönen wollte, die nationale Partei aber hasste die Anmassung und rohen .Sitten derselben. Mit der Königin vorbauden sich zwei Bruderssöhne Roberts, Karl von Durazzo, der Johanna’s Schwester Maria entführt und gegen Roberts Anordnung geheirathet hatte, und Ludwig von Tarent, der Ansprüche auf das griechische Reich hatte und dessen Mutter sich Kaiserin nannte. Als Andreas den Königstitel erhalten sollte, fiel er von Mörderhand' im Schloss Aversa. Die Mitschuld der schonen Königin Johanna am Mord ihres Gatten blieb imgewiss. Als aber Johanna ihre Hand dem Ludwig von Tarent reichte, unter der Bedingung zwar, dass das Reich einst Johanna’s Sohn Karl Robert zufalle, da kam der Zwiespalt in die angio- vinische Familie selbst. Karl von Durazzo, erbittert über die Bevorzugung seines Vetters, schloss sich an die ungarische Partei, die den König Ludwig von Ungarn 1348 nach Neapel rief. Johanna entfloh nach «ler Provence, ihrer französischen Besitzung, wo sie aber in einem Kastell bei Aix unter Aufsicht gestellt wurde. In Aversa gab der König von Ungarn ein grosses Festmahl, wozu er alle Edelleute rief, die an der Ermordung seines Bruders keinen Antheil genommen. Auch Karl von Durazzo erschien , ward aber nach aufgehobener Tafel vor Ludwigs Augen niedergestossen; da3 Söhnlein Johanna s fand in Ungarn einen frühen Tod. Dann zog der König an der Spitze seines Heers mit Helm und Speer in Neapel ein, kehrte jedoch bald wieder in sein Land zurück. Genuesische Galeren führten Johanna wieder nach Neapel, nachdem sie dem Papst Avignon verkauft. »Es war der schönen und geistreichen Schülerin Petrarca’s nicht schwer gefallen, die Kardi- näle, welche eine neue Untersuchung über die Ermordung des Andreas angestellt, durch eine rührende wolilgesetzte Rede von ihrer Unschuld zu überzeugen.« Das Land ward zurückerobert, das zu den Kriegsleiden auch noch der schwarze Tod heimsuchte. Die schönen Länder Unteritaliens wurden in Wüsteneien verwandelt. Als Johann von Ungarn, begleitet von dem Jolianniterprior FraMorcale, abermals vor Neapel rückte, entfloh Johanna nach dem festen Gaeta, ihr Flottenfülirer Reinald von Baax suchte die verwirrte Lage zu benutzen und zwang Johanna’s Schwester Maria, Wittwe Karls von Durazzo (Mutter von Agnese und Clementia), zur Vermählung mit seinem Sohn Robert. Aber Jolianna’s Gemahl tödtete den Vater mit eigener Hand, und Maria liess den aufgezwungenen Gatten vor ihren Augen ermorden. Darauf reichte sie dem Herzog Philipp von Tarent, Ludwigs Bruder, die Hand. Als König Ludwig von Ungarn Neapel verliess, blieb der Johanniterprior mit ungarischer Macht zurück. Johanna, bei einer neuen Untersuchung nur des blinden Hasses durch Zauberkräfte bei der Ermordung beschuldigt, söhnte sich mit Ungarn aus, sie blieb im Besitz Neapels. Ein päpstlicher Legat krönte Johanna und Ludwig von Tarent 1352 in Neapel, und die Thronfolge wurde so geordnet, dass die Tochter ihrer Schwester Maria aus erster Ehe, Margaretha von Durazzo, als Kronerbin erklärt wurde. Die Ansprüche aufSicilien trat Johanna in aller Form des Rechts ab. Dennoch kehrte die Ruhe nicht zurück, denn die Brüder des ermordeten Karl von Durazzo setzten die Spaltung fort, und die »Bandenführer fanden in Neapel fortwährend ein fruchtbares Erntefeld«. Das Volk verarmte und verwilderte. Da starb Ludwig von Tarent plötzlich (1362). Johanna wählte sich einen spanischen Fürsten, den aus dem Balearenreich verdrängten Titularkönig Jakob von Mallorca (Majorca), zum weniger strengen Gemahl, der in untergeordneter Stellung blieb und sich mit Kriegsbanden herumtrieb. Zur Aussöhnung der Spaltung im Haus Anjou ernannte sie Karl den Kleinen von Durazzo, den Gemahl Margaretha’s , zu ihrem Nachfolger. 1372 starb der Schwager Johanna’s, Philipp von Tarent, der letzte dieses Hauses, seine Titel und Güter erbte seiner Schwester Margaretha Sohn Jacopo de’ Balzi; eine Reihe Fehden folgten aus dieser Erbschaft, weil Jacopo auch die früheren Gebiete erobern wollte; endlich konnte ihn sein Oheim, der Grosskämmerer Raimondo de’ Balzi, zum Aufgeben seiner Pläne, die er selbst gegen die Königin behauptete, bewegen und Johanna musste den Abzug seiner Leute mit 60,000 Goldgulden erkaufen. Als der König von Ungarn diesen allzu sehr begünstigte und Johanna’s dritter Gemahl 1375 gestorben, da fand diese in ihrem vierten Gemahl, 107 108 4. Neapel (Geschichte, 1375 — 1414). Otto von Braunsclnveig, der das Herzog- thum Tarent erhielt, einen tapfern ltitters- mann, den sie der ungarischen Partei ent- gegenstellte. Johanna, wegen Anerkennung des französischen Gegenpapstes von Urban VI. exkommunicirt, ihres Throns verlustig erklärt und mit ungarischer Heeresmacht, der sich Karl von Durazzo anschloss, bedroht, suchte hei Frankreich Hülfe, nahm den zweiten Sohn des Königs Johann II. von Frankreich, Herzog Ludwig von Anjou, an Sohnes Statt als Erben der Krone an. Aber Karl rückte mit der ungarischen Macht gegen Neapel. Schon in Rom zum König gekrönt, traf er bei S. Germano auf den kriegstüeh- tigen, tapfern Otto, der dem Verrath der Neapolitaner unterlag. Karl zog im Triumph in Neapel ein und belagerte Johanna .im Castel Nuovo. Otto gerieth beim Kampf in die Gewalt der Feinde, Johanna musste sich ergeben. Karl Durazzo (1381 — 86), damals 35 Jahre alt, »klein und blond, beweglich, Freund der Wissenschaften und Dichtkunst«, von milder Art, beseelt vom Ehrgeiz der Anjou, ward mit seiner Gemahlin Margaretha zum König von Neapel gekrönt, desgleichen aber auch der von Johanna adoptirte Karl von Valois vom Gegenpapst zu Avignon. Als Valois mit Heeresmacht herbeirückte, forderte Karl Johanna auf, ihn jenem gegenüber zum rechtmässigen Nachfolger zu erklären; da sie ihn aber täuschte und die Küekkunft Jacopo’s de’ Balzi, des lateinischen Titularkaisers, der sich mit Agnes von Durazzo, der Schwester der Königin Margaretha, verlieiratliete, die mächtigen Sansevcrini, seine alten Feinde, besorgt machte und zur Gegenpartei trieb, da ward Johanna im Castel Nuovo, wo sie gefangen gehalten wurde, von ungarischen Söldnern am 22. Mai 1382 mit einem seidenen Strick erwürgt und ihre Leiche in S. Cbiara zur Schau ausgestellt. Im Süden zog sich der Krieg mit Karl von Valois in die Länge, und dieser starb plötzlich 1384 zu Bari, Karl Durazzo ward allgemein als König von Neapel anerkannt. Nur der Papst, der bis Nocera vorgerückt war, widerstand ihm, sprach von dort den Bann über Karl und Margaretha und das Interdikt über Neapel, entfloh aber, bedrängt durch den Feldherni Karls, nach Genua. 1382, nach dem Tod des Königs von Ungarn, suchte eine der Wahlparteien dem König von Neapel die Krone von Ungarn zu geben; Karl kam nach Ofen und ward in Stuhhveissenburg gekrönt; aber die verwittwete Königin Elisabeth, unter seiner Obhut im Schloss. zu Ofen, ruhte nicht. Als Karl ihr einen Besuch abstattete , drang Nikolaus von Gara ins Zimmer und schlug den König blutig, der nach 17 Tagen im Kerker starb. So zerstörte das Haus Anjou sich selbst. Margaretha liess rasch ihren jungen Sohn Ladislaus als König von Neapel ausrufen und führte als sein Vormund die Regierung fort. Zur Verminderung der Reichsansprüche starben an Einem Tag (20. Juli 1387) Robert d’Artois und seine Gattin Johanna von Du- razzo. Doch trat der Königin Margaretha der Avignoner Papst mit der Prätendentenschaft Ludwigs II. entgegen, und an diesen schloss sich in Neapel Thomas Sanseverino und Otto von Braunschweig. Margaretha musste mit ihren beiden Kindern nach Gaüta entfliehen; Otto hielt seinen Einzug in Neapel 1387; aber als Ludwigs I. Wittwe, Maria von BloL, den Hen*n v. Movtjoye zum Statthalter Neapels ernannte, wandte sie die Häupter ihrer Partei gegen sich, die Sanse- verini zogen sich zurück, Otto ging zu Ladislaus über, der durch seine Vermählung mit der reichsten Erbin Siciliens in den Stand gesetzt war, auch die Banden llack- woods und Alberichs In den Sold zu nehmen. Unter Bonifacius IX. ward L adis 1 aus 1300 als König anerkannt und vom päpstlichen Legaten gekrönt. Der Kampf mit Ludwig II. nahm nur noch den Charakter ritterlicher Fehden an. Als Ladislaus in Ungarn von einer unzufriedenen Partei zum König proklamirt wurde, ei’regtcn in seiner Abwesenheit die Anhänger der alten Anjou’s einen neuen Aufstand, den aber der König rasch unterdrückte, schwere, blutige Rache an den Häuptern der Partei, den Sanseve- rini’s, nehmend. Auch in Rom gewann Ladislaus Einfluss, ward Defensor, Konservator und Bannerträger des apostolischen Stuhls unter Bonifacius IX. , zwang Gregor XII., ihn als Herrn von Rom anzuerkennen und liess einen von ihm ernannten Senator das Kapitol beziehen. Selbst in Toscana machte er Eroberungen. »Noch nie hatte ein Fürst solche Macht in Italien besessen als der junge König Ladislaus.« Aber der rechtmässige Papst Alexander V. begann den Kampf gegen ihn, belegte Gregor XII. mit dem Bann und erklärte Ludwig II. Anjou für den rechtmässigen König Neapels; die öffentliche Meinung verlangte Einigung der Kirche, und Gregor und Ladislaus sahen sieh plötzlich allein. Die neapolitanischen Truppen wurden zum Abzug aus Rom gezwungen. Nach Alexanders Tod zog Johann XXIII. mit einem grossen Heer gegen Ladislaus, um für Ludwig von Anjou Neapel zu erobern; bei Jioccasecca ward Ladislaus geschlagen und entrann mit Mülie der Gefangenschaft; aber Anjou verstand nicht den Sieg zu benutzen. Ladislaus stand bald wieder mit seiner alten Kraft da, Sforza d’Attandolo, der berühmte Bandenführer, trat in seine Dienste. Ladislaus liess sich mit dem Papst auf einen Vertrag ein, der ihm die Anerkennung als König verhiess, aber die Verbannung Gregors verlangte. Doch die Eroberungspläne liessen den König nicht ruhen; schon 1413 rückte er wieder gegen Rom vor, der Papst entfloh nach Vi- terbo und Bologna, Ladislaus drang bis Perugia vor, erkrankte aber hier plötzlich, wurde ins Castel Nuovo zurückgebracht und starb daselbst am 6. Aug. 1414. »Dies war das klägliche Ende eines Königs, welchen ritterliche und kriegerische Kraft, Grossartigkeit der Entwürfe, kühnes »Streben nach Ruhm 109 110 4. Neapel (Geschichte, 1414-1494). in seinem Haus liocli hervorragen Hessen und der unter den Italienern seiner Zeit der bedeutendste Mann war.« Ihm folgte Johanna II., seine Schwester, die kinderlose Wittwe des Herzogs Wilhelm von Oesterreich; wie ihre Vorgängerin hat sie die Geschichte Neapels bereichert »durch Stürme von Schuld, Leidenschaft und Unglück«. — Ihr Günstling Fandolf Alopo übte den grössten Einfluss auf Hof und Regierung, selbst nachdem die Königin den Grafen de la Marche, Jakob von Bourbon, vom königl. Haus Frankreichs, gechelicht. DerCondot- tiere Sforza besass ähnliches Ansehen wie Alopo; da griff Jakob plötzlich mit mächtiger Hand ein, setzte Sforza gefangen und liess Alopo enthaupten, ertrotzte sich die Königsgewalt und zog die ganze Staatsgewalt an sich. Aber der Adel, bald des französischen Machthabers und seiner übermüthi- gen Edelleute satt, verhalt' Johanna wieder zur Macht, ihr Gemahl ward zum Fürsten von Tarent herabgesetzt, Sforza zum Gross- connetable erhoben, der auch wieder Besitz von Rom nahm. Jakob kehrte bald nach Frankreich zurück (wo er Mönch wurde), der französische Adel wurde ausgewiesen. Doch die Launen und Leidenschaften der Königin, die Intriguen der Höflinge, die Eifersucht des Günstlings Gianni de’ Carac- cioli auf jeden Emporstrebenden erzeugten neue Verwirrungen. Als Martin V. für die Erbansprüche Ludwigs III. eintrat, nahm Johanna den König Alfons V. von Aragonien undSicilien an Kindesstatt und Thronerben au. Der Prätendent Ludwig nahm Sforza in seine Dienste und liess durch ihn Neapel bedrängen. Alfons gewann den Bandenführer Braccio von Montone (Fortebraccio), und zog 1421 in Neapel ein, gewann durch sein einnehmendes Wesen Adel und Hof; als er jedoch dem Günstling Caraccioli entgegentrat und ihn , gefangen setzen liess, schloss sich Johanna aus Furcht ins Castel Capuano ein. Alfons belagerte sie, aber von Sforza befreit, entzog sie dem Aragonier die Anrechte und übertrug dieselben aufseinen Gegner Ludwig III.; er zog in Neapel ein, indess Alfonso nur noch einige Kastelle zu halten vermochte. Caraccioli fiel durch Mörderhand, Ludwig starb schon 1434 und einige Monate nach ihm Johanna. — Nun standen sich Alfons von Aragonien und der von Johanna zum Erben eingesetzte Bruder Ludwigs III., Rdn4, Herzog von Lothringen, entgegen. Der Bürgerkrieg erneuerte sich. Sieben Jahre hielten Rdne’s Anhänger ihr Panier aufrecht. Endlich gelang es Alfonso 1442, Neapel mit Sturm zu nehmen, nachdem seine Soldaten durch eine Wasserleitung eingedrungen waren. So endete das Haus Anjou. Das Reich desllauses Aragonien dauerte 54 Jahre, von 1442 — 96. Alfons I., der Grossmüthige (1442 — 58), vermochte den bürgerlichen Kämpfen einen Damm zu setzen; das Volk beugte sich in Gehorsam und Unterwürfigkeit vor seinem Herrscherwillen; er setzte das aragonische Erbland unter eine Regentschaft und weilte meistentheils in Neapel, wo ein weiches, üppigem Leben unter ihm sich entfaltete, gehoben durch die gesellschaftliche Bildung der Renaissancezeit und geschmückt von Künsten und Wissenschaften. Er hatte theils nach, theils neben einander in seinen Diensten den Georg von Trapezunt, den jungen Chrysolaras, Lorcnzo Valla, Bartolom- meo Facio, Antonio Panormita, welche seine Geschichtschreiber wurden. Antonio musste ihm und seinem Hof täglich den Livius erklären, auch während der Feldzüge im Lager. Diese wissenschaftlichen Grössen kosteten ihm jährlich über 2o,OÜ0 Goldgulden. Auch Seneca und die Bibel waren seine Lieblingslektüre. Die Bibliothek des Schlosses von Neapel war seine Lieblingsstätte. »Glänzend in seinem ganzen Dasein, furchtlos unter seinem jetzigen Volk, von einer grossartigen Liebenswürdigkeit in seineip Umgang und selbst wegen seiner spätem Leidenschaft für Lucrezia d’Alagna nicht getadelt, sondern bewundert, hatte er jedoch die eine üble Eigenschaft der Verschwendung, an welche sich dann die unvermeidlichen Folgen hingen.« Frevelhafte Finanzbeamten -wurden zuletzt allmächtig, bis sie der bankerott gewordene König ihres Vermögens beraubte, ein Kreuz- zug wurde gepredigt, um unter diesem Vorwand den Klerus zu besteuern. Unter solchen Umständen war Alfons für hohe Gäste der prunkhafteste Wirt; er liess sich den kaiserlichen Besuch Friedrichs III. in Neapel 150,000 Goldgulden kosten. Er verbesserte die Rechtspflege, führte neue Gerichtshöfe in Neapel ein, vermehrte den neapolitanischen Reichsadel, hielt viele Reichsversamm- lungen, half den Gesetzen wieder auf. Neapel war, sagt Giannone, niemals in dem blühenden Zustand, wie es unter ihm gewesen. Sicilien wurde unter ihm wieder mit Neapel vereinigt, und er nannte sich König beider Sicilien. Die Erinnerung an den Einzug (1443) in Neapel, bei welchem er auf einem vergoldeten Wagen wie ein römischer Triumphator durch eine Mauerbresche beim Mercato einzog, ist durch den schönen Triumphbogen im Castel Kuovo verewigt. Ihm folgte sein Sohn Ferdinand (Fer- rantc I.), 1458—94, den er für rechtmässig hatte erklären lassen. Dieser suchte noch mehr die Königsmacht zu stärken und zu erhöhen, fremde Einflüsse zu beseitigen und den unruhigen Adel in Dienst und Gehorsam zu zwingen. Rastlos thätig, als einer der stärksten politischen Kopfe anerkannt, richtete er alle seine Kräfte, auch die eines unversöhnlichen Gedächtnisses und einer tiefen Verstellung, auf die Vernichtung seiner Gegner. Den Handel centralisirte er in den Händen des Grosskaufmanns Francesco Cop- pola, der mit ihm den Nutzen tlieilte und alle Rheder in seine Dienste nahm; »Zwangsanleihen, Hinrichtungen lind Konfiskationen, Simonie und Brandschatzungen der geist- 111 112 4. Neapel (Geschichte, 1494-1528). liehen Korporationen beschufen das Uebrige«. Die Seidenkultur erfreute sich seiner be- sondern Gunst sowie auch die Bnch- druckerkunst; hochberühmte Rechtsgelehrte erhielten durch ihn Förderung. Den berühmten Historiker und Dichter Pontnnus ernannte er zum Lehrer seines Sohns. Eine zahlreiche Nachkommenschaft von Söhnen und Töchtern, welche in Bildung und Kenntnissen auf der Höhe ihrer Zeit standen und die er mit Gliedern der angesehensten Familien zu vermählen bedacht war, erhöhte den Glanz des I-Iofs. Den französischen Parteibildungen suchte er durch Verstellung, Hinterlist, gewaltsame Verhaftung und tückische Verleumdungen zu begegnen. Im übrigen überliess sich Fer- rante ausser der Jagd, die er rücksichtslos übte, noch zweierlei Vergnügungen: »seine Gegner entweder lebend in wohlverwahrten Kerkern, oder todt und einbalsamirt, in der Tracht, die sie bei Lebzeiten trugen, in seiner Nähe zu haben«. Seine Opfer waren fast lauter Männer, deren er sich durch Verrath (selbst an seiner königlichen Tafel) bemächtigte. Der tüchtige und reiche Con- doltiere Piccinino verschwand so im Castel Nuovo. Wahrhaft teuflisch war das Verfahren gegen seinen alten kranken Px’emier- minister Antonello Petrucci, der in wachsender Todesangst sein Leben durch fortwährende Geschenke an Ferrante erkaufen musste , bis endlich ein Anschein von Theil- nahme an der letzten Baronenverschwörung den Vorwand zu seiner zugleich mit Coppola erfolgenden Hinrichtung gab. Als Ferrante hochbetagt voll innerer Sorge und Qual 1494 ins Grab stieg und sein Sohn Alfon.so II., ein wilder, grausamer Fürst, der vor dem Vater die Offenheit voraus hatte, ihm folgte, war das Land in tiefster Gälirung und der französische König bereits im Anzug, begleitet von neapolitanischen Flüchtlingen der angiovinischen Partei. Schon im darauffolgenden Jahr segelte Alfons als Flüchtling nach Messina, wo er als Mönch starb, und sein junger Sohn Ferdinand II. wich der französischen Invasion König Karls VIII., der mit 50,000 Mann nach Italien zog, die Rechte der Anjou zurückzufordern. »Noch nie ist ein Königreich mit so leichter Mühe erobert worden, als das neapolitanische im Jahr 1495; noch nie eine Dynastie so schmachvoll gefallen, als damals die aragonische.« Ohne einen Schwertstreich hielt Karl seinen glänzenden Einzug in Neapel, liess sich krönen, gab feefehl, die werthvollsten Kunstwerke auf die Schiffe zu bringen, Montponsier ixnd .Bourbon sollten mit den übrigen Truppen Neapel und das Königreich beschützen. Aber Ferdinand II. landet mit sicilischen Schiffen in Kalabrien und erobert mit Hülfe einer spanischen Flotte und eines Land- lieers unter Gonsalvo de Cordova, unterstützt durch ein vcnetianisclies Geschwader, die Hauptstadt wieder; doch starb er schon 1490 im 29. Jahr. — Sein Oheim Federigo folgte ihm; 1500 verband sich Ludwig XII. von Frankreich mit Ferdinand und Isdbella von Spanien, um mit vereinten Kräften das Königreich Neapel zu erobern. Vergebens erbot sich Friedrich, wie einst Ferdinand, die Lehnshoheit Frankreichs über Neapel anzuerkennen. Die zweite Eroberung Neapels ging ebenso rasch und widerstandslos vor sich wie die erste. Das französische Heer rückte 1501 über die Grenze und verbreitete durch wilde Scenen von Mord, Plünderung xind Grausamkeit solchen Schrecken, dass sich König und Volk vor der Ueber- macht beugten. Friedrich ergab sich dem französischen Flottenführer und segelte als Schutzflehender nach Frankreich, erhielt die Grafschaft Maine und eine Leibrente, und starb schon 1504 in ehrenvoller Müsse. Er war der letzte Aragonese, das gebildetste Glied des Hauses, dem der Dichter Sannar.aro tiefgefühlte Verse gewidmet. »Bei allen Fehlern und Untugenden hatte sich die aragonesische Linie wenigstens den Ruhm erworben, die Kultur und Handelsblüte des Landes eifrig gefördert zu haben; mit Friedrichs Wegführuug brach für Neapel eine Nacht nationalen Unglücks herein, die alle Errungenschaften früherer Geschlechter allmählich in ihren dunkeln Schoss versenkte.« * 1502 wird Federigo’s Sohn Ferdinand an Spanien ausgeliefert. — Nach dem Theilungsvcrtrag sollten die Abruzzen und die Terra diLavoro den Franzosen, Apulien und Kalabrien den Spaniern gehören. Grenzstreitigkeiten entzweiten rasch die Spanier und Franzosen. In der Schlacht von Cerignola (1503) feierten die Spanier unter Gonsalvo. einen grossen Sieg, am 14. Mai hielt derselbe seinen Festeinzug in Neapel. Die geschickten Operationen des Kriegsbaunieisters Pedro Navarro, der hier die ersten Pulverminen anwandte, brachten kurz darauf auch Castel dell’ Ovo und Castel Nuovo in die Hände der Spanier. »Die Vereinigung Neapels mit der spanischen Monarchie war das Grab der nationalen Freiheit Neapels, der Anfang seiner politischen Ohnmacht.« — Gonsalvo de Cordova, der mit so geringen Mitteln dem König von Spanien das schönste Königreich der Erde erobert, ward zum Vicekönig Neapels ernannt, wo der wohlgesinnte, freigebige und fcingebildete Feldherr, Humanität mit Gerechtigkeit vereinigend. eine fast souveräne Gewalt ansübte. Der König von Spanien, beunruhigt über dessen wachsende Macht, besuchte sein neues Königreich persönlich und führte, nachdem er mit unerhörter Pracht in Neapel eingezogen, den »grossen Feldherrn« mit den höchsten Ehrenbezeigungen nach Spanien! Vom Hof entfernt, begab sich Gonsalvo nach Loja im Maurenland Granada, wo er noch 9 Jahre abgeschieden von der Welt den Wissenschaften lebte. 50 Tage nach seinem Tod starb auch der König (1516). Unter den spanischen V i c e lc ö n i - gen (1503 —1707) war das Jahr 1526 eins der unglücklichsten für Neapel; Krieg, Hunger und Pest bedrängten es. Frankreich 113 4. Neapel (Geschichte, 1528—1735). 114 und England standen im Krieg mit Kaiser Karl V., Rom ward 1527 durch Bourbons Truppen der entsetzlichsten Plünderung überlassen. Marschall Lavtrec rüstete sich, Neapel zu erobern. Der Vicekönig Moncada zog sein Heer in die Stadt, die Einwohner flohen nach Iscliia und Capri, das Blut des S. Gennaro floss nicht mehr am 2. Mai. Lautrec lagerte sein Ileer zwischen Poggio Reale und S. Martino. In der Stadt Iiess der Prinz von Oranien rasch S. Martino besetzen. (Damals wurde das Landgut des Dichters Sannazaro an der Mergellina zerstört.) Lautrec begann die Stadt mit groben Geschützen zu bescliiessen und schnitt das Wasser ab; zum Mangel an Nahrung in der Stadt kam noch die Pest und rohe Ge- walttkaten der spanischen und deutschen Soldaten. Da verliess plötzlich, durch den König von Frankreich beleidigt, der treffliche Admiral Andreax Doria von Genua die Sache Frankreichs und segelte mit allen seinen Galeren zurück. Die Seuche ergriff nun auch die Franzosen; Lautrec selbst ward weggerafft (und in S. Maria nuova durch seinen Enkel beigesetzt), und das Heer löste sich auf. Pietro Kavurro, im Castel Nuovo gefangen gesetzt, starb daselbst, und fand seine Grabstätte ebenso in S. Maria nuova. Unter den spanischen Vicekönigen ist Pietro de Toledo (1532—53), ein Kastilianer, der hervorragendste. Er erbaute die neue Vikarie für alle Justizgerichte, war der Wiederhersteller unparteiischerRechtspflege, liess ungerechte Richter enthaupten, verschärfte die Polizei, sicherte die Seeküste gegen die Ueberfälle der Türken und des Seeräubers Barbaroxxa, vermehrte die prunkenden Feste, führte die Stiergefechte und grossen Turniere ein, gab Kaiser Karl V. bei seinem Aufenthalt in Neapel 1536 die herrlichsten Spiele. Der durch die Strenge und die Allgewalt Toledo’s gereizte Adel trachtete vergeblich unter dem Markgrafen von Vaxto und dem Fürsten von Salerno den Vicekönig zu stürzen; der Kaiser, der in S. Lorenzo häufige Ständeversammlungen hielt, um neue Steuern für den Krieg zu erhalten, ging nicht auf ihre Vorschläge ein. Bis vor kurzer Zeit erinnerte an dieses Vicekönigs Vergrösserung und Verschönerung Neapels der Name Strada di Toledo, der grössten und gewühlvollsten dieser lebhaftesten Stadt. Er liess die krummen und morastigen Strassen der Stadt in gerade Linien bringen und pflastern, die Stadtmauern erweitern, viele bedeckte Gänge und Anbaue abreissen, die Kloaken aus- bessex*n, förderte die Verschönerung der Häuser und Paläste; das Castel dell 1 Elmo (S. Erasmo) machte er nach damaliger Befestigungsweise unüberwindlich und legte dort die Kasematten, Laufgräben und die Cisterne an. Das Arsenal erweiterte er um die Hälfte, zierte die Stadt mit vielen öffentlichen Brunnen von Marmor, erbaute Kirche und Spital S. Giacomo und liess dort noch bei seinen Lebzeiten sein marmornes Grab- Unter-Italien. I. mal durch Giovomii da Kola mit Skulpturen geschmückt errichten. Giannone sagt, »dass Neapel in der Folge eine der schönsten und prächtigsten Städte der Welt geworden, das hat es allein dem Vicekönig Toledo zu verdanken , denn nach seinem Beispiel be- eifei’ten sich alle folgenden Vicekönige, nicht von den Staatsgeschäften zurückzutreten , ohne in der Stadt einen denkwürdigen und prächtigen Bau zu hinterlassen«. Auch errichtete er das erste öffentliche Pfand- und Leihhaus, freilich erst nach Vertreibung der Juden 1544. Der spanischen Inquisition wussten sich die Neapolitaner zu erwehren, obschon Toledo sich Mühe gab, sie einzuführen xind selbst in blutiger Weise einen Volksaufstand unterdrückte. Kardinal Pacecco war der Nachfolger Toledo’s (1553—55), er behandelte die Neapolitaner mit Liebe und Mässigung. Dann folgte Herzog 1 Alba (1555—58), der berühmte Feldherr, dessen spanischen Charakter das deutsche Drama verewigt hat. Im Streit Philipps II. mit dem Papst rückte er in den Kirchenstaat ein, eroberte Stadt um Stadt, schlug aber, um seine Verehrung der Kirche zu bezeugen, überall das Wappen des Kardinalkollegiums an, in dessen und des künftigen Papstes Namen er diese Oertcr in Besitz nähme, rückte vor Rom, schlug die päpstlichen Truppen bei Paliano, willigte endlich in den Frieden und küsste dem Papst die Fiisse. Die Herzogin von Alba erhielt die goldene Rose. Alba wurde 1558 nach Spanien berufen, und ihm folgte der kluge Alcala (1559—71). Unter den folgenden Vicekönigen ist die königliche Gewalt eine fast absolute, der ständische Ausschuss nur eine Form. Die willkürliche Belastung mit Steuern, die auf den Vicekönig das Wort Dante’s anwenden liess*. »der nach dem Frass mehr Hunger als zuvor bat«, rief 1647 den für Spanien gefährlichen Aufstand des Masa- niello, eines Fischers von Amalfi, hervor, der für das Volk als Generalkapitän eine Woche lang die gleichen Rechte wie für den Adel errang, aber, als er vor Aufregung irrsinnig geworden das Volk verletzte, im Kloster Carmine, in dessen Kirche er eine Versammlung berufen, durch Kugeln niedergestreckt wurde. Neapel bot nun die Regierung dem Herzog von Guise an, der 1647 in die Stadt einzog, aber bald durch den Vicekönig Graf von Ognate vertrieben wurde. — Unter Karl II. verschönerte der Vicekönig Herzog von Medina (seit 1695) die Stadt, legte die Villa an, liess den schönen Brunnen Medina errichten u. a. Im spanischen Erbfolgekrieg nahm der General Kaiser Josephs, Graf Daun, 1707 mit 10,000 Oesterreichern im Namen des Erzherzogs Karl Besitz von der Stadt Neapel. E s folgten von 1707 bis 1734 die Österreichischen Vicekönige unter dem Haus Habsburg. — Giannone sagt: »Nur dev Unterkönig, der ein Deutscher war, und die Officiere, welche die Truppen kom- mandirten, waren andere, in allen übrigen 115 116 4. Neapel (Geschichte, 1735 — 1860). Stücken wurde die politische Verfassung des Reichs in nichts geändert«. Den 1733 zwischen Oesterreich und Frankreich wegen der polnischen Thronfolge entbrannten Krieg benutzend, rückte der Infant Kurl Bourbon von Spanien 1734 in Neapel ein und ward am 5. Juli 1735 zum König beider Sicilien als Karl III. zu Palermo gekrönt. So kam das spanisch- bourbonische Haus auf den Thron Neapels (1734—1860). Karl hob die Stadt wieder zu neuer Blüte und that viel für ihre Verschönerung und Erweiterung. Ihm folgte sein Sohn Ferdinand 1759. Am 22. Januar 1790 gründeten die Franzosen die Parthenopeische Republik, welcher aber der Kardinal Ilnffo mit Hülfe der Russen und Türken schon am 13. Juni ein Ende machte. Mit furchtbarer Grausamkeit ward nun vom König gegen die Republikaner in Neapel verfahren. Am 14. Febr. 1806 zogen die Franzosen wieder unter Mass&ia ein, Napoleon gab dem Reich seinen Bruder Joseph und 1808 seinen Schwager Joachim .Unrat zum König, der anfangs den Italienern durch Glanz und Bildung imponirte, das Banditenwesen ausrottete und die Staatsschuld durch Veräusserung von Klostergütern tilgte; allein Steuern, Konskription und die englische Blokade nahmen ihm die Liebe des Volks wieder. Seine schwankende Haltung 1814 stürzte ihn. Umsonst suchte er von Korsica aus das Land den Bourbonen wieder zu ent- reissen. Am 8. Okt. 1815 landete der Unglückliche , nachdem der Sturm sich gegen ilm gekehrt, nur mit 30 Getreuen zu Pizzo in Kalabrien, ward ergriffen und am 15. Okt. erschossen (S. 725). Auf dem Wiener Kongress wurde Ferdinand IV. wieder als König anerkannt, jetzt als Ferdinand I. Als seine Regierung eine immer unbeschränktere wurde, fiel die liberale Partei von ihm ab, und der König sah sich genöthigt, da auch der neapolitanische General Pepe mit seinen Dragonern zu ihr überging, die freisinnige Konstitution der spanischen Cortes von iöl2 zu beschwören. — Als 1821 auf dem Kongress zu Laibach Oesterreich, Preussen und Russland der Umwandlung Neapels in einen konstitutionellen Staat sich widersetzten, kam es in Neapel zum Kampf, aber die Neapolitaner, von Guglielmo Pepe geführt, wurden von den Oesterreichern geschlagen, und diese zogen in die Stadt ein. — 1822 und 1823 hatten kleinere Aufstände neue Processe und Hinrichtungen zur Folge; die Gefängnisse waren so überfüllt, dass eine kürzere Weise der Kriminalprocedur (il man- dato) eingeführt werden musste. — Unter seinem Nachfolger Franz I. (1825—30) bemächtigten sich die Jesuiten völlig der geistigen Bildung; Finanzen, Ackerbau, Gewerbe lagen darnieder. Die Aufständischen, die sich an die in den Bergen umherirrenden Geächteten, Domenica, Patricio und Donato Oappozzoli anschlos3en und in Bosco die Revolution begannen, konnten jedoch unterdrückt und durch Galeren- und Kettenstrafe und Todesurtlieile unschädlich gemacht werden. Ferdinand II. (1830—59) begann mit de i* Absetzung der unwürdigen Beamten, Auf hebung der Jagdvorrechte, Freigebung der Getreideausfuhr, Reorganisation des Heers lind der Nationalgarde, und ward der populärste König. Dann begünstigte er den Klerus in hervorragendster Weise, bevorzugte die Jesuiten und nahm nach aussen in der Sache des Don Carlos entschieden Partei für das Princip der Legitimität. Beim Ausbruch der Cholera 1836, als die Volksexcesse einen politischen Charakter annalimen, wurde der letzte Rest der konstitutionellen Verfassung beseitigt. Die Aufstände des jungen Italien 1844 in Cosenza, die versuchte Landung unter dem Grafen Iiicciotti und den Brüdern Bandiera scheiterten. — Sehr rege zeigte sich die Regierung in Anlegung von Eisenbahnen; schon jetzt wurde nach Anlegung der Bahnen nach Caserta und nach Nocera der Bau der römischen Bahn beschlossen. 1847 gewann Domenico Romeo aus Reggio, ein Haupt der t'arbonari (Köhler), die als politische Geheimgesellschaft schon seit 1820 die Köhlerrolle übernommen hatten, den Wald (Staat) von den Wölfen (Tyrannen) zu befreien, in Neapel 300 kalabresische Studenten für die Revolution und rückte so verstärkt in Reggio ein. Auch dieser Aufstand verunglückte. Einkerkerungen und Hinrichtungen suchten nun gründlich aufzuräumen. In Palermo kam es zur offenen Revolution, der selbst der Adel und der gebildete Mittelstand beitrat, und in blutigen Kämpfen wurde die Konstitution von 1812 dem König abgenöthigt. Neapel folgte nach und erhielt die scheinbar konstitutionelle Verfassung von 1848. Doch selbst gegen diese plante der König einen Staatsstreich, gestützt auf sein fremdes Militär, Gendarmen, Priester und Lazzaroni. Am 15. Mai begann der Kampf des Königs, der ihm rasch zum Sieg verhalf, aber auch zum Titel: »II re Bomba«. Am 14. Mai 1849 war gleicherweise die sicilianische Revolution beendigt. Das alte absolute Regierungssystem wurde wieder rücksichtslos aufgenommen, eine verschärfte Censur (die sich auch auf die griechischen und römischen Klassiker erstreckte) eingeführt; die politischen Processe so geleitet, dass 6 'ladstone in einem Brief an Aberdeen das Verfahren der Gerichte gegen die Angeklagten »ein System von Gesetzwidrigkeit, Ungerechtigkeit und Grausamkeit« nannte. Ein Aufstand 1856 misslang, ebenso ein Mordversuch und die Pulverexplosion im Kriegshafen. Der neue König Franz II. erliess bei seinem Regierungsantritt im Jahr 1859 eine erweiterte Amnestie, befolgte aber die Politik des Vaters. — Nach der Annexion von Mittelitalien brach 1860 die Revolution in Palermo aus. Mit 1050 Genossen hatte Garibaldi sich bei Genua eingeschifft, landete bei Marsala, übernahm die Diktatur über Sicilien im 117 118 4. Neapel (Kunstgeschichte). Namen Victor Emanuels und griff mit 5000 Freiwilligen Palermo an, das von 25,000 Mann und 8 Kriegsschiffen gehalten wurde. Am 30. Mai kapitulirten die königlichen Truppen, Garibaldi ernannte ein Ministerium und regierte provisorisch die Insel; als Cavour einsclireiten wollte, verwies er dessen Bevollmächtigten La Farina aus Sicilien. Am 10. August landete Garibaldi mit 5000 Mann trotz der in der Meerenge kreuzenden neapolitanischen Flotte in der Nähe von Reggio und zwang das Fort zu kapituliren. Schon am 7. Sept. zog er unter dem Jauchzen der Bevölkerung in Neapel ein. Jetzt griff er mit 25,000 Freiwilligen die Königlichen an, welche die Volturnolinie besetzt hielten. Aber nur mit Hülfe der italienischen Armee fiel die letzte Stütze des Königs, Gaeta, in welchem die Königin, eine Prinzessin von Bayern, durch Heldenmutli sich ausgezeichnet hatte. Am 7. Nov. 1860 zog Garibaldi an der Seite Victor Emanuels in Neapel ein. C. Zur Geschichte der Kunst. Malerei. Die netteren Untersuchungen in der Kunstgeschichte Neapels (Schulz, Crowe und Cavalcuselle) haben dargelegt, dass die Behauptung einer eigenthümlichen Entwickelung der neapolitanischen Malerei vor und nach Giofto eine patriotische Einbildung ist. Noch tlieilweise innerhalb der römischen Malart, welche das benachbarte Pompeji in ihrer handwerklichen Behandlung darlegt, bewegen sich die frühesten B ilder der Katakomben. In der Zeit, da die Kunst die Darstellung des Geistigen und Lebendigen wieder fand (Ende des 13. Jahrh.), kam ihr edelster Vertreter, Giotto, selbst nach Neapel und malte im Auftrag Roberts 1330 im Castel Nuovo und im Castel dell’ Ovo Fresken, die saramt den damaligen Bauten später zu Grunde gingen. Dominici, der 1742 das Hauptwerk über die neapolitanische Kunstentwickelung schrieb, selbst ein Neapolitaner und im Interesse seiner Ileimat die frühreife Kunsthöhe Neapels schriistcllerisch ergänzend, nennt Tommaso de Stefani, Pippo Tesauro und Maestro Simone als dieHauptvertreter einer blühenden Malerschule vor Giotto. Von Tontniaso, der um 1230 geboren sei, erzählt er, Karl von Anjou habe ihm, da er sah, seine Gemälde i'tber- träfen die des so berühmten Cimabue in Florenz, den Chor der neuen Kirche zur Ausmalung übergeben. Dieser vorgiotteske Maler habe auch die Fresken der Cappella Mirmtoli im Dom gemalt. Sie sind aber so übermalt, dass kein sicheres Urtheil möglich ist. Den Namen des Filippo Tesauro, den Dominici um 1260 geboren sein lässt, trägt ein Bild im Museum (Madonna mit Heiligen, darüber S. Lorenzo), das aber erst dem 14. Jahrh. angehört. Maestro Simone (Napolitano), .wie es heisst ein Schüler des Pippo Tesauro, habe zu derselben Zeit (1330) geblüht, als Giotto in Neapel war, und dieser habe den vor Nacheiferung krank gewordenen bei der Prüfung seiner Bilder a piena boeca empfohlen und gelobt, ja sogar speciell dem König Robert seine Hochachtung vor den trefflichen Gemälden bezeugt. Crowe und Cav. bemerken hierzu, seine Verdienste müssen in der That erstaunlich gewesen sein, da er während eines merkwürdig langen Lebens so mannigfaltige Gemälde schaffen konnte, dass sie deutlich den Charakter völlig verschiedener Richtungen und Zeitalter tragen. Den ihm zugeschriebenen Arbeiten fehlt sowohl Datum als Signatur, und alles mögliche wurde auf ihn übertragen, z. B. im Refektorhun von S. Chiara ein 1840 von der Tünche befreites Gemälde: »Christus mit Heiligen und den Gliedern der königlichen Familie Roberts« (Robert starb 1343). Von demselben Maler scheint auch die Ausschmückung der Archivolte des Grabmals von Robert in S. Chiara zu sein. Er ist kein Vorläufer, sondern ein Nachahmer Giotto’s. Das Altarbild in der S. Antoniokapelle zu S. Lorenzo (linkes Querschiff), welches auch dem Simone zugeschrieben wird, trägt am Sockel die Jahreszahl 1438; ist also 100 Jahre jünger als jene Bilder. Das vortreffliche Altar*geinälde in der 7. Capp. r. zu St. Lorenzo, das Dominici auch ihm zuschreibt, ist (laut Inschrift) von Simon (Martini) von Siena. Das Triptychon in der Minutolikapelle des Doms, mit der Trinität und Heiligen, offenbart nach Crowe und Cav. einige Eigenthümlichkeiten des Sienesen Vann i. Das Tafelbild in der Nische über dem Grabmal des Giovanni d’Aquino (gest. 1345) in S. Domenico ist von einem umbrisclien Maler aus der Schule Fabriano's, auch die Madonna della Rosa (1. Capp. 1.) ist um- briscli. — Die dem Simone Napolitano zugeschriebenen Bilder' lassen also im Ungewissen, ob er im 14. oder 15. Jahrh. gelebt, ob er ein Umbricr des 14. Jahrh. gewesen, oder ob sein Name eine Wiederholung des Namens von Simone Martini ist. Nach Lanzi half Meister Simone dem Giotto bei seinen Arbeiten, und war daher wohl jener untergeordnete Nachahmer Giotto’s. Neapel besitzt aber ein treffliches Werk in Giotto', s Stil, gegenüber von SS. Trinita in einer Halle, die zu S. Chiara gehörte, (jetzt Casa Fittipaldi Nr. 19), das Wunder der Speisung, durch künstlerische Anordnung, breite Behandlung und gutes Kolorit gleich ausgezeichnet. »Kein anderes Beispiel in Neapel kommt der Charakteristik \md der Technik Giotto’s so nahe wie dieses; ist es nicht von seiner Hand, so muss es unter seiner Aufsicht von einem seiner Schüler gemalt sein, welcher Komposition 5 # 119 4. Neapel (Kunstgeschichte: Malerei). 120 und Zeichnung des Malers dabei vor Augen hatte.« — (Bas Altarbild Madonna dolle Grazie in S. Chiara, das Lanzi dem Giotto zuspricht, ist ein untergeordnetes »Stück dieser Zeit.) Bie berühmten Fresken in dem Kirchlein der Incoronata ( 8 trada Medina), die Sakramente, hat man lange Giotto selbst zugeschrieben; aber weder Chronologie, noch Eigenthündichkeit entsprechen dieser Annahme. »Sie sind jedoch »unver- ächtliche Zeugnisse der giottesken Manier aus der Mitte des 14. Jahrh., und ihr Urheber ist mit Gewissenhaftigkeit den Impulsen der Schule gefolgt«. Bie Zeit dieser Fresken ist durch die Barstellung der Ehe Johanna’s I. mit Ludwig von Tarent (1347: Giotto starb 1336) und durch dasGcbäude selbst bestimmt, das erst nach der Krönung Ludwigs und Johanna’s 1352 als Votivbau errichtet wurde. Von einem der besseren Nachfolger Giotto’s in der dramatischen Darstellung und dem Verständnis der Zeichnung, Roberto de Öderisio 5 besitzt das jetzt nahe Eboli in »S. Francesco eine Kreuzigung. — Als Schüler Simone’s werden Getnuiro di Cola und Stefnnone, Francesco di Simone und Colantonio del Fiore genannt. Bie Fresken in »S. Giovanni a Carbonara, die noch Lanzi den ersten beiden zuschreibt, malte der Mailänder Lionardo di liiwcio. Von (jemtaro di Cola sind die Fresken der Cap}). Crocifisso in der Incoronata, die ihn als einen untergeordneten Malm - vom Ende des 14. Jahrh. darlegen, im Nackten und in der Komposition »untaught«. Drei Tafelbilder von ihm im Museum (2. 5. 57. Neri de J.icci >. —■ Bern Stefanonc wird der »Stammbaum Jesses' in der Capp. Missionari im Dom, ein Bild aus dem 14. Jahrh., znge- schvieben; allein man legt demselben Künst- ler auch die Magdalena in der Capp. Bran- caccio zu 8 . Domenico bei, eine höchst untergeordnete Malerei des 16. Jahrh. — Von Francesco di Simone soll die Madonna in der Grabmalnisehe des Antonio di Ponna i 1400) zu 8 . Chiara sein, zwar ein Werk dieser Zeit, aber im Stil ganz verschieden von anderen Arbeiten, die seinen Namen ; t ragen. — Colantonio del Fiore scheint ein ! Pleonasmus des Antonello da Messina (der in ' Venedig lebte) zu sein, da es von ihm heisst, j er habe die alte Tumperatechnik gegen die . Oelfarbe der Plauderer vertauscht und sei Antonello’s Lehrer gewesen, der in Wirklichkeit schon kurz nach der Zeit, in welcher jener die Technik erst erlernte, fertiger Meister darin, war. Ein Triptychon in S. : Antonio Abbate (Chor), mit 8 . Antonius' zwischen Engeln und Heiligen von 1371, das dem Colantonio zugeschrieben wird, ist ai allen Zügen toskanisch; zugleich trägt es aber den Namen des auch anderwärts bekannten Florentiners Cola Tomasi, und; der Beisatz del Fiore entstand wohl aus de Flore(ntia). Ein 25 Jahre späteres Bild, ' dessen eine Tafel 'S. Franz) in 8 . Lorenzo den Namen des /Angaro trägt, während das andere (S. Hieronymus) im Museum ist, soll : nach den neapolitanischen Kunstschriftstellern auch von Colantonio im hohen Alter gemalt worden sein, es ist aber Hämischen »Stils (s. unten). Das Bild über dem Portal von S. Angelo a Nilo, das seinen Namen führt, ist erloschen. Colantonio, dem somit giottesker, toskanischer und flämischer Stil beigelegt wird, hat wahrscheinlich nie existirt. — (»Es gibt nichts ,more melan- choIy‘, als die Betrachtung malerischer »Schöpfung, die der Lokalpatriotismus Neapolitanern zugeschrieben hat, die aber untergeordneten auderen Italienern oder Flannin- dern angehören; nichts ,more painful*, als die Lcbeiisgeseliichte neapolitanischer Maler zu lesen, deren Existenz auf gar keinem historischen Grund ruht.« Crowe.) Bie Fresken, welche dem Agnolo Franco, der nach Dominiei um 1445 gestorben ist, zugeschrieben werden, sind umbro-siene- siscli; ebenso die Fresken in der Capp. Bran- eaceio in 8 . Domenico und das Triptychon in der Capp. »S. Bonito daselbst sowie die Madonna in der Capp. Capecc Galeota im Dom. — Es bestand in jener Zeit ein sehr bedeutender Gemüldehaudel zwischen den Häfen von Flandern und Italien, wobei freilich auch Werke zweiten uud dritten Ranges nach Italien, besonders nach Neapel importirt wurden. Neapolitanische, Maler ahmten damals wohl den flandrischen »Stil nach, und Niederländer liessen sich in Neapel nieder, um vom italienischen Stil einen Anflug zu erhalten. Daher findet mau in Neapel aus dieser Zeit neben rein flandrischen Werken auch solche mit italienischen und belgischen Zügen. Bas beste flämische Bild dieser Zeit ist 8 . Hieronymus im Museum (früher in »S. Lorenzo), und 8 . Franz, das dazu gehörige 8 eitenstück, noch in S. Lorenzo; es sind zwei sehr sorgfältige Tafeln aus der Schule des Van der Weyden. In demselben Stil, aber schwächer, ist die Grablegung in 8 . Domenico; aus späterer Zeit S. Vincenz in S. Pietro Martire, ein Bild, das wohl ein vernioder- länderter Italiener in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. gemalt hat. Belgisch, jedoch nicht sehr anziehend, ist der Bischof zwischen Heiligen und die Madonna mit 8 . Hieronymus, 8 . Gregor und den zwei Apostel- fursten in der Unterkirche von 8 . Severine. Biese Bilder tragen den Namen des Zin- garo und Colantonio und geben wenigstens genügenden Aufschluss, für welche »Stil- und Malart damals Neapel vorzüglich eingenommen war. Viele Tafelbilder und Fresken, in denen das flämische Element offen zu Tage liegt, werden in Neapel durchweg dem sogen. Zingaro (Beiname des Antonio SolaHo), als dem berühmtesten der älteren Maler Neapels, zugeschrieben. Bie Kunstkritik hat aber die Existenz dieses Malers so sehr bedrängt, dass ihn Crotv>' und Cav. »ghost of a painter« nennen. Die einen machen ihn zum Venetianer, andere lassen ihn hei Chieti 1382 geboren werden, die Liebe der Tochter Colantonio’s gewinnen und bei Lippo Dolmasi zu Bologna Unterricht nehmen, dann 121 4 . Neapel (Kivnstgescliiclitc: Malerei). 122 unter den Vivwini, Bicvi, Galasso, Pisano und Geniile da FabHano studiren, endlich 1455 sterben. Als die bedeutendsten Gemälde in Neapel werden ilnn beigelegt: in K. Lo- renzo : Franciscus, in St. Pietro Martire: S. Vincenzo, in S. Scverino: der Titelheilige, alle in flämischer Weise. Hann in anderem Stil: Madonna mit S. Paul, S. Asprenus und anderen Heiligen; im Miiseum ein grosses Altarbild aus dem Anfang des 16. Jahrh., in umbrisclicr Weise. Die berühmten Fresken im Kreuzgang von S. Severino, aus dem Leben >S. Benedikts, deuten namentlich in dem ersten monochromen Bild iS. Benedikt mit Vater und Amme auf dem Weg nach Rom) auf um b r o - f 1 o r e n tin i s c h e n Unterricht; die Zeichnung der anderen Bilder ist offen- . bar von demselben Meister, die Ausführung in Farben aber wohl von seinen Geholfen. Die neapolitanischen Autoren nennen Zin- garo und die beiden Schüler Donzelli und Simone Papa . »In allen diesen Gemälden«, sagt Schuh, »ist die Architektur stets die der Renaissance, in den Gesichtern eine eigenthiimläche italienische Individualisi- rung, auch die detaillirte Belebung der Landschaft ist nicht die flandrische aus jener Zeit, sondern die der umbro - floren- tinischen Meister zu Ende des 15. Jahrh. Schönheit, Schärfe und Bestimmtheit der Charakteristik in den Gesichtern, freie und doch sehr bestimmte Anordnung in den Gewändern, Wärme und Gefühl der Darstellung zeichnen diese Bilder aus.« Piero und Ippolito Donzelli gelten als Neapolitaner; fälschlich zugeschrieben werden ihnen die Verkündigung, Geburt und Krönung Mariä im Refektorium von S. Maria la Nuova. Ebenda eine Ki*euztragung mit vielen Figuren in raffaelesker Manier, wie sie Andrea da Salerno und JAonurdo da Pixtoja annahmen, weder im »Stil noch in der Behandlung irgendwie mit jenen Fresken verwandt. Im Museum eine Kreuzigung, von einem venctianischen Nachfolger Carpaceio’s ein S. Martin im Stil GozzarelWs von Siena; eine Madonna mit S. Hieronymus und S. Franciscus von einem unbekannten, untergeordneten Neapolitaner. In der Capp. S. Barbara: drei Könige, angeblich von Van Eyck und Douzelli, in Wirklichkeit ein untergeordnetes Bild des 16. Jahrh. Nach Do- minici aber war Piero Donzelli 1405 geboren und Ippolito dessen Stiefbruder, beide in den Ateliers von Colantonio und Zingaro unterrichtet; Piero sei 1470 in Neapel gestorben, Ippolito in Florenz. Sie hätten (wie schon Vaxori berichtete) den Palast Poggio Reale,, mit Malereien geschmückt (dieser Palast wurde aber erst 1481 erbaut!), ln Wirklichkeit malten die beiden Donzelli gegen Ende des 15. Jahrh. und waren Florentiner von Geburt und Erziehung. Piero war 1451, Ippolito 1455 geboren, und von 1460 bis 1471 Schüler des A 'erri de Bicci, beide Brüder im Studio zu Florenz bis 1480. Piero starb 1500. »Sie mögen einigen Anthcil an der Ausführung der Fresken in S. Severino ge- genommen haben, vornehmlich an denen, welche an Coximo Roselli erinnern«. — Die dem altern Simone Papa zugeschriebenen Bilder haben einen entschieden flämischen Typus; der die Seelen wägende S. Michael im Museum ist aus Memlings Jüngstem Gericht (Danzig) entlehnt. Denselben Stil hat eine Madonna mit zwei Engeln, die Zingaro ’« Namen tragt; einem andern untergeordnetem flämischen Maler gehört das Triptychon mit der Auferstehung an. Von wenig erheblicher Bedeutung sind die Bilder von Silvestro de Buoni (gost. 1480?), dem die Himmelfahrt in Montoliveto, die Madonna mit S. Restituta und S. Michael in S. Restituta, XIII, 1, 7,11, im Museum u. a. beigelegt werden. Ängiolillo Roceadirame, dem man wohl fälschlich S. Michael und Andreas in S. Angelo a Nilo zuschreibt, Giovanni Annnanato u. a. In der Renaissancezeit zeichnen sieh unter den neapolitanischen Malern besonders Cola delP Amatriee und Andrea da Salerno aus. Cola malte bis 15'20in noch trocken forcirtcm Stil, der an Crivelli und Signorelli, an Alunno und Pinturicchio erinnert, später freier und kühner, in Vertrautheit mit der neuen raffaelesken Kunst. Andrea (Sabbatini) da Salerno (1480—1545), ein Schüler Raffaels und sein geistvollster Vertreter in Neapel, in dessen Bildern (S. Gennaro de' Poveri, Museum, sehr viele Kirchen) noch die einfache Schönheit ohne alle Effekthascherei zur Darstellung kommt, hob die Kunst des 16. Jahrh. in Neapel, in Gemeinschaft mit Gianfraiicesco Penni 11 Fattore (Schwager des Perino dd Vaga) und seinem Schüler Lionardo da Pistoja , auf dessen frühere Werke Lionardo da Vinci Einfluss hatte, und mit Polidoro Caldara da Caravaggio , einem Lombarden, der vom Manrergehtilfen im Vatikan zum Sgrafflto- maler von Häuserfriesen in Anlehnung an raffaelisclie Stilweise, dann aber in Neapel zum grellsten Naturalismus überging. Sein Hauptbild, die Kreuztragung Christi, im Museum, ergreift aufs erschütterndste durch die naturwahre, überaus lebendige Darstellung in düsterem dunklen Ton, ist aber auch ein Hauptwerk, die Naturwahrheit in unedler gemeiner Auffassung des Lebens zu linden. Seine Malweise lag der spätem neapolitanischen Schule zu Grund. — Ein Schüler Polidoro’s, Marco Cardisco (bei Va- sari: Marco Calavrese), zeigt noch die Rcmi- niscenzen an Raffael und war damals der beliebteste Maler in Neapel (im Museum: S. Augustins Streit mit den Ketzern). — Der Kalabresc Pietro Negrone, sein Schüler, der in manchen Bildern zu hoher Schönheit und grandioser Auffassung sich aufschwang, wurde wegen der braunen Färbung seiner Bilder der Zingaro Giovane genannt (im Museum: Madonna mit Engeln aus S. Croco di Lucca).—Auch bei Giov. Bernardo Lama, einem Zeitgenossen Andrea’s, trifft man neben vieler Manierirtheit doch grosse Sorgfalt in der Aaisführung und einfache, anspruchslose Schönheit. — Girolamo Sicio- laiite da Sermoneta (lebte um 1570) strebt 123 4. Neapel (Kunstgeschichte: Malerei). 124 ebenso nach raffaelesker Darstellungsweise, und Baglione gibt ihm den Nachruhm: »Meglio di tutti, e piii degli altri gli giovani servi nelle cose dell’ arte il suo maestro Raffaello«. — Simone Paga der Jüngere (Chor von S. Maria la Nuova) war der »Valen- tuomo« dieser schon dem Manierismus verfallenden Zeit. — Giov. Filippo Criscuolo’s (1495 —1582) Fresken begegnet man sehr häufig in Neapel; er galt lange als einer der besten Maler Neapels, studirte in Rom nach Raffael unter Plerin del Vaga, schloss sich in Neapel an Andrea da Salerno an, und bewahrte noch in seiner kühlen, konventionellen Darstellung Reinheit der Zeichnung und Einfachheit der Komposition. — Marco (di Pino) da Siena kann unter die Neapolitaner gerechnet werden, da er seit 1556 in Neapel malte und hier das Bürgerrecht erhielt. Er ist Schüler des Daniele da Volterra, also Michelangelist, hat aber auch Folidoro’s Auffassungsweise Raffaels auf sich wirken lassen. Seine Malereien sind überaus zahlreich und gehören zu den geistvolleren dieser schon sinkenden Epoche (’S. Domenico, 4. Capp. r.: Ungläubiger Thomas, 1573), haben aber bei aller Tüchtigetwas Affektirtcs und Derbes. — Francesco Curia, in Criscuolo's Schule gebildet, spricht durch die Weichheit seiner Farben an, und war um seiner siissliclien Engel und Frauen willen sehr beliebt. Sein Schüler Ippolito Borghese übertrifft ihn bei weitem in fleissi- ger Ausführung und raffaelesker Kompositionsweise (Monte di Pieta). — Girölamo Impsmvto Hess Parma und Venedig auf sich wirken (Dom, S. Maria la nuova), steht aber schon mitten im Manierismus; »es fehlt ihm im Komponiren an Mässigung und an höherem Geist, allein auch die falsche Bravour fehlt«. Sein Schüler Giambattista (’arac- ciolo (S- Martino, Fusswaschung), der sich zugleich nach den Caracci bildete, ist als Lehrer Slanzioni’s von Bedeutung. Fabrizio Sautafede(15ßl)—1634), ein tüchtiger Virtuos, hält sich noch mit einer gewissen Mässigung an tiziauische Vorbilder (S. Maria la nuova, Decke). Sein Studium der Antike bewahrte ihn vor allzu grosser Verwilderung.— Der berühmteste dieser Reihe ist Giuseppe C’esari, Cavalier (l’Arpino (1560—1640), der, zu einer Zeit als ein Weltwunder gepriesen, einer der grossen »Entrepreneurs« jener Zeit war, nicht barock, aber mit einer seelenlosen allgemeinen Schönheit oder Eleganz behaftet, die nur selten einer edlern Wärme Platz macht. Ein grosser Theil seiner Malereien gehört Rom an. — 1606 floh Michelangelo (Amerigi da) Caravaggio, einst untergeordneter G-ehiilfe bei Cavalier d’Ar- pino, dann sein Todfeind, eines Mordes wegen von Rom nach Neapel, und war, da er selbst ohne alleBildung aufgewachsen, der virtuose Begründer einer naturalistischen Richtung, die in der Natur nur die gemeinste Wirklichkeit sah. (»Er liess seine Figuren nicht in das offene Sonnenlicht heraustreten, sondern fand eine Manier, sie in die dunkle Luft einer verschlossenen Kammer zu setzen, indem er ein hoch einfallendes Licht an- nalim, das wie Blei auf die Hauptpartien des Körpers herabsank und das übrige in Schatten liess, um durch die Macht von Hell und Dunkel der Wirkung Kraft zu geben. Man pries ihn deshalb als den einzig wahren Nachahmer der Natur, und seine Werke als Wunder anstaunend, suchte man um die Wette es ihm nachzuthun.« Bellori.) — Der unglaublich fruchtbare Freskenmaler Belisario Corenzio (1588—1648), ein Grieche, dem man in der Mehrzahl der Kirchen Neapels begegnet, ist der »Improvisator« jener Zeit, der mit Spagnoletto zusammen Intriguen so leicht und so charakterlos ersann, wie Kompositionen. Dieser Spagnoletto, d. h. Giuseppe di Ribera, aus Xativa in Spanien (laut Taufzeugnis), nach Dome- nici dagegen als Sohn eines Spaniers in Gallipoli, am Meerbusen von Tarent (1593), geboren (in Neapel, wo er zuletzt auf dem Posüip wohute, eines Tags in der Stadt [1649] verschwunden), stellt in seinen virtuosen Malereien die Natur ebenso unübertrefflich wahr, als unübertrefflich gemein dar, Existenzen, die man sprechen und athmen hört und deren Gesichter ohne alle edlere Beseelung, meist nur derbe, vorzugsweise alte, durch die rauhe Schule des Lebens gefaltete, sogen. Charakterfiguren. Er ist der gesteigerte Caravaggio, mit noch grösserem Fleiss und Kraft der Farbe, die seine früheren Studien des Correggio und der Venetianer bekundet. (Sein bestes Bild, ein Meisterwerk, ist die Kreuzabnahme in S. Martino.) Der Schlachtenmaler Aniello Falcone war sein Schüler. — Im Gegensatz zu Ribera zeigt Massimo Stanzioni (1585 bis 1656), der seelenvollste und gewissenhafteste Maler jener Zeit, der, obschon er sich nach jenem gebildet, oft die grossartigste Schönheit und Ruhe entfaltet, »eine edle Einfachheit und Klarheit in den Linien, verbunden mit einer so schönen Farbe, wie es überhaupt in jener Zeit selten gefunden wird«. Auch er ward wie Domhüchino von dem ränkesüchtigen Spagnoletto leidenschaftlich verfolgt (dieser entstellte durch ätzende Wasser das herrliche Bild der Pieta des Massimo über dem Portal von S. Martino). Sein tüchtigster Schüler war Paolo Dome- nieoFinoglia (S. Bruno im Musetun). Andrea Vaecaro (1598—1670) hat unter den Ekstatikern noch »am meisten Ernst, Würde und Mässigung«. — Der berühmteste Schüler Ribera’s ist Salvator Rosa (1615—73), auf der Areuellaliöhe bei Neapel geboren und daher der frühem Infrascatastrasse vom Museum nach S. Martino hinan ihren jetzigen Namen verleihend; in allen seinen Bildern, von denen die besten die Schlachtenbilder und die kleineren Landschaften sind, entwickelt er eine eigenthümliche tiefe Leidenschaftlichkeit, die oft wie ein phantasiereicher Traum in den schärfsten Lichtgegensätzen seine Bilder durchwebt, am ergreifendsten , wo er wilde Gebirgsscenen oder einsame Schluchten in düsterer Abendbeleuchtung darstellt. (Seine besten Bilder 125 4. Neapel (Baugeschiclite). 126 sind aber nicht in Neapel, sondern in Koni, Florenz und Volterra.) — Den grössten Kuf von allen Malern Neapels hatte bei seinen Zeitgenossen und noch während des ganzen 18. jahrh. Luca Giordano {"1632—1705), der grösste Schnellmaler aller Zeiten. »Schönheitssinn, Charakter, dramatisches Leben, Farbenglut, das alles kommt stellenweise in seinen Bildern zur glanzvollsten Erscheinung, aber das leichte und schnelle Fertigmachen stand ihm obenan, und er gab jene Eigenschaften völlig in den Kauf.« Von seinen Malereien wimmelt Neapel; die besten sind die Deckenfresken der Sakristei von S. Martino. Unter seinen Nachfolgern zeichnen sich noch Paolo de Matteis (gest. 1729) und Sei». Conca (gest. 1764) als virtuose Dekorationsmaler aus. Der bedeutendste dieser Dekoratoren ist Francesco Solimene (1657 bis 1747), der sich nach Pietro di Cortona gebildet hatte. Land sagt von ihm: »In der Erfindung zeigte er das leichte und zierliche Talent, wodurch er unter den Poeten seiner Zeit eine ehrenvolle Stelle einnahm«. Zur Baugeschichte. Nächst den Katakomben , die weiter, geräumiger und architektonisch ausgebildeter als die zu Rom sind, gehört der altchristlichen Zeit noch die Anlage des PaptUte- rinms beim Dom an , mit seinen eigentümlichen Mosaiken; das Eigenthümliche daran ist der Uebe'rgang vom Quadrat ins Achteck und in die Kreisform der Kuppel; dann ist in der S. liestituta, der jetzt zu einem Dom- anstoss herabgesetzten ehemaligen Kathedrale Neapels, noch die Basilikaform teilweise erhalten. Die Berichte über die mittelalterliche Baugeschichte sind ebenso unzuverlässig wie diejenigen über die mittelalterliche Malerei. Dominici beginnt mit Masuccio primo , begreiflich einem Neapolitaner, den er 1228 geboren werden und den gothisclien Gebäuden die schöneren Ueber- gangsformen geben lässt. Aber schon beim Dom sind die trüben Quellen der neapolitanischen Kunstgeschichte. Vasari und Do- minici, mit einander im Widerspruch. Fasan lässt den Dom von Nicola Pisano und dessen Schüler Blaglione erbaut werden, der patriotische Dominica dm*ch jenen BTasuccio primo, während in Wirklichkeit der direkt französische Ursprung der angiovinisclien Zeit gar nicht zu verkennen ist, wobei die Abweichungen dem Lokaleinfluss der Werkleute zuzuschreiben sind. Beim Denkmal des Kardinals Arrigo Minutoli daselbst spricht Dominici wieder von diesem Bla- sncoio T. Die Faijadc von S. Domenico mit dom Hauptportal hat ihn wieder zum Urheber. Das Kloster 8. Maria della Croce und der schöne Bau von S. Chiara sind nach Massimo Stanzioni von einem Blase erbaut, und dieser ist vielleicht der Masuccio der spätem Zeit. Auch eine Menge der verschiedensten Skulpturwerke legt man diesem Masuccio bei; z. B. das Grabmal der Katharina von Oesterreich in S. Lorenzo und das Karls von Kalabrien in S. Chiara, in ganz anderem Stil. In beiden herrscht eine freie, schöne, einfache Kunst. Nichts ist daran, sagt Schuh, was sie entschieden zu einer neapolitanischen Schule gehörig stempelt. 1291 habe dieser Masuccio I. den xper- fettissimo artefice« Masuccio secondo, Sohn eines Pietro Stefan!, über die Taufe gehoben; ein keck konstruirter, ungemein weit gespannter Bogen, der in S. Lorenzo das Schiff am Kreuz abschliesst, wird ihm zugeschrieben ; nach Vasari hätte ein Schüler des Nicola Pisano den Bau von S. Lorenzo begonnen und Masuccio II. ihn vollendet; auch der Altbau von S. Giovanni a Carbonara sei von ihm u. a. — Die schönsten Reste aus der g o t li i s c li - f r a n z ö s i s c h e n Zeit Neapels sind der aus dem Zwölfeck ge,bildete Chor von S. Loremo, mit Umgang und Kapellenkranz, der polygone Chor- Schluss des Poms, die jetzt sehr verstümmelte Fatjade und das überreiche Portal derselben; das schlanke Mittelschiff und das spitzbogige tonnengewölbte Kreuzschiff von <$. Pomenico , vor allem aber das imposante Castcl Nuovo unter Karl I. Anjou (um 1275); von Vasari völlig grundlos dem Giovanni Pisano zugeschrieben. Mit dem Ilaus Ara- gonien verdrängt die Renaissance die angiovinisclic Gothik, und zwar schon unter Alfons, dessen Triumphbogen, der sich prächtig von den zwei Kraftthiirmen des Castcl Nuovo abhebt, der Mailänder Pietro di Martino 1443 erbaute. — 1484 errichtete und de- korirte Giuliano da Majano, der klassisch gebildete Florentiner, die Porti Capvana mit ihrem hohen Fries, Attika und zwei Thürmen in schlichtem, edlem Renaissancestil, mit den schönsten abgewogenen Verhältnissen. An der Kirche S. Barbara im Hof des Kastells sieht man eine schöne Frührenaissancethür. — Andrea (’iccione, nach Dominici aus Neapel und ein Schüler des Masuccio II., aber weder auf Monumenten, noch von gleichzeitigen Schriftstellern (Mitte des 15. Jahrh.) erwähnt, soll die bisher gothische Bauweise (z. B. Grabmal des Ladislaus) verlassen und sich der Renaissance angesclilossen haben. Ihm wird der Bau von Blontolive'o zugeschrieben, dessen zwei schöne Kapellen r. und 1. vom Portal ganz nach dem Voi*bild von Brunellesco’s Sakristei bei S. Lorenzo in Florenz erbaut sind, sowie der Klosterhof von 8. Severino (mit den Fresken des Zingaro). Selbst von dem weit später erbauten hübschen lienaissance- kirchlein des Pontanus (Via de’ Tribunali) soll er den Entwurf gemacht haben. — Der schönste Renaissancepalast in Neapel, JPal. Grat*Ina, jetzt zur Post umgebaut und durch Zusätze verdorben, ist das Werk des Neapolitaners Gabriele d’Agnolo (1480— 1510). Wohl mochte die Porta Capuana von grossem Einfluss auf den Künstler sein. Die Kriegsereignisse hinderten die Vollendung; doch selbst in dieser unfertigen Zeit war er das schönste Gebäude Neapels, bis der Neubau eines Ge- 127 4. Neapel (Kunstgeschichte: Skulptur). 128 Schosses über dein llauptgcsims mul eine Menge Veränderungen die ursprüngliche schlichte Grossartigkeit verunstalteten. Gabriele baute auch die Kirchen «S. Giuseppe und S. Maria Fgiziaca (letztere wurde 1634 umgebaut). Giaufraucesco Mormondi , der Erbauer der klassischen Kirche S. Severino (1490), an der noch die schöne Aussenseite 1. erhalten ist, und des Pal. de’ Filomarini della liocca (Strada SS. Trinitä) sowie des Pal. di Oantalupa am Posiüp, war ein Florentiner. Dagegen ist >3. Maria delle Grazie a Capo Napoli ein origineller Bau des Neapolitaners Giacomo di Sanctis von 1500, mit 12 triumphbogenartigen Kapellen zu den Seiten des einen Schilfs. — Für dekorative Architektur ist die von Tomrtut'o Malvito aus C'omo 1504 erbaute Krypta des Doms um der überaus schönen und leichten Renaissanceornamente willen von Bedeutung (s. Skulptur). — Noch aus dem 16. Jahrh., aber im vollen Ueber- gang zum Barockstil, ist die Facade des Gern uuovo mit ihren Rusticafacettcn vom Jesuiten Pietro Provedo ; das Innere ist eine Annäherung zum griechischen Kreuz; reiner S. Maria nuova vom Neapolitaner Franco (1599); schon sehr '»gedankenlos« die Marmorwand an (Hrolomini von IHonigi Lazzari, und erneuert von Ferdinando Fnga. Das Innere mit seinen grossartig wirkenden Säulen entwarf 15ö6 Dionigi di Bartolommco. Eine der bedeutendsten Bauten der Bernini-Epoehe war .S. Martino, blendend durch die Pracht der Dekoration, aber schon mit allen Schattenseiten der Barockzeit. Der Palazzo Heule und das Museum sind von dem durch seine Werke zu Rom vornehmlich berühmten Comasker Domenico Fontana. So ist also für die bedeutenden Bauten Neapels, an denen es ohnehin sehr arm ist, die Zahl der neapolitanischen Architekten eine sehr beschränkte, und es hat nur den Stolz, die Geburtsstadt des berühmten l.orenzo Jiernini zu sein, während man aber vergeblich nach Bauten desselben sich umsieht. Die Bildhauerei ist dagegen in Dekoration, Grabmälern, Reliefs, Statuen etc. ausserordentlich i’eich vertreten. Meist wendet man Zeit und Studium ausschliesslich mir der in Neapel so überreich und in den herrlichsten Kunstwerken repräsentirten Antike zu, dagegen werden so viele sehr sehenswerthe und genussreiche Werke des Uebergangs aus der Gotliik in die Neuzeit sowie der besten lle- naissancezeit ganz übersehen. Die Kirchen Neapels bergen ein ganzes Museum zum Tlieil sehr vortrefflicher Skulpturwerke. In der Entwickelungsgeschichte der mittelalterlichen Skulptur treten auch hier wieder jene zwei fabelhaften Mamccio auf, der erste für das 13., der zweite für das 14. Jaln-h. Noch dein 13. Jahrh. gehören die Marntorreliefs in S. llestituta an, mit der Geschichte des S. Januarius , .Eustachius, Joseph und Slmson; in diesen miniaturartigen Reliefs schickt sich die lebendige Erzählungsweise schon an, der noch rohen Körperauffassung der frühem Zeit grössere Bewegung zu geben. Zu Anfang des 14. Jahrh. beginnt jene Reihe der gothischen angiovmischen Grabmäler, bei denen zum erstenmal in eigenthiimlicher Weise und in grosser Mannigfaltigkeit der Nachbildung die 'Fugenden aufgestellt werden als freistehende Träger des Sargs, während am Sarkophag in schöner Reliefdar- Stellung die Figuren der Angehörigen neben der verstorbenen Person, dann die liegende Statue, meist mit sehr charakteristischen Porträtzügen und au den Enden zwei lieblich schöne vorhangziehende Engel folgen. Zu den frühesten gehört das Grabmal Katharina’s von Oesterreich, Gattin Herzog Karls von Kalabrien (gest. 1323), in 8. Lorenzo ; noch mit viel Mosaikschmuck, die Säule auf hohen Stylobaten von grossen Löwen getragen, die zwei 'rügenden, noch steif und schwer, die obenliegende Figur wenig sichtbar. Angeblich fertigte es Masnccio II. Der Sieneser Bildhauer Tino (in neapolitanischen Urkunden Dino) da ('aimiino brachte den pisanischeti Stil nach Neapel, wo Tino 1321—39 arbeitete. Von ihm und dem neapolitanischen Meister Gallerdo wurde 1325 das Grabmal der Königin Maria, Gattin Karls II., Königs von Neapel, in 8. Marin Bonn 6 Regina errichtet; im Aufbau und der Ge.simsbeliandlung noch an die Weise der Kosmaten sich anschliessend, in den Gesichtern der Tugenden streng statuarisch, in den Statuen am Sarkophag (z. B. Herzog Karl, S. Ludwig) schon entschieden im neuen Stil, noch mehr aber in den Engeln, welche den Vorhang ziehen. 1330 arbeitete er das Grabmal des Herzogs Karl von Kalabrien (gest. 132b) in 8. Ohiara (die geflügelten, auf Löwen stehenden Tugenden haben ernst und statuarisch ausgebildete Köpfe); 1338 das Grabmal der Maria von Valois . der zweiten Gattin Karls von Kalabrien. Die Tugenden sind hier freier gehalten, die Gewänder schwerer, dagegen sind die Gesichter der Sai’kophagfiguren weniger schön. — Es folgen in S. Domenico der herrliche Osterlench- ter mit neun allegorischen Figuren, ganz in pisaniscliem Geist, das Grab des Grafen Christoph von Aquino (1342) mit den edlen tragenden Figuren, der innigen Madonna und der schönen einfachen Darstellung des Verstorbenen; — in S. Chiara die interessanten .Skulpturen der Kanzel, mit Figuren auf schwarzem Grund in einfach kindlichem Stil, lieblichem, seelenvollem Ausdruck und stilistisch strenger Gewandung, während die Löwen eine nur architektonische Bedeutung haben; an der Orgelbrüstung über dem Eingang wunderbar schöne kleine Darstellungen aus dem Leben der 8. Katharina, von hoher Eleganz in den Köpfen und Gewändern, reich an schönen Motiven (zuweilen stark an Giotto erinnernd); das grosse Grabmal König Itobeits (gest. 1343), laut Urkunde von den Florentinern Pancius und Johannes, 129 4. Neapel (Kunstgeschichte: Skulptur). 130 die Tugenden und die betenden Kugel sind hier das beste, und am Sarkophag die Figur der Jolanta sowie das liebliche Figür- chen der Regina Johanna; prägnant scharf sind die Züge Roberts in beiden Darstellungen, die Gesichter sind bemalt. Das Grabmal der Maria von Durazzo (gest. 136ß), Schwester der Königin Johanna, hat eine gleiche Anordnung wie das der Maria von Valois, aber in den Figuren ist ein anderer Stil bemerkbar, es zeigt sich hier mehr ein Streben nach massenhaften Formen, die Proportionen sind kurz, bei sonst vieler Schönheit, das religiöse Element und ein Streben nach charakteristischer Ausbildung der Gesichter herrscht vor. — Diesem Grabmal verwandt sind die zwei Grabmäler der Familie del Balzo (von 1370), wo »mit dem gleichen Streben nach einer ruhigen, plastischen Auffassung und nach vollen, runden Formen eine glücklichere Beobachtung der natürlichsten Proportionen verbunden ist«. (Die Familie derBalzi war eine der thatig- sten neapolitanischen Familien für die Kunst.) — In S. Lorenzo werden das Denkmal Karls I. von Durazzo (gest. 1347) und das der Maria Durazzo. Tochter König Karls III. (gest. 1371), noch dem fabelhaften Masuccio II. zugeschrieben; das Denkmal des Robert von Artois und das der Johanna von Durazzo (gest. 1337). sind ähnlich dem von Karl I. Zu Anfang des 15. Jahrh. hat Antonio Baboccio von Piperno einige bedeutendere Skulpturwerke in Neapel gefertigt. 1407 das grosse Portal des Doms, ein reich geschmücktes Werk, das noch an den alten gothisclien Traditionen festhält, an Schwere der Anordnung und neapolitanischer Ueber- ladung leidet, doch trotz plumper Zeichnung im einzelnen einen prächtigen Effekt im ganzen macht; noch schlagender am Portal von S. Giovanni Papacoda, das er 1415 errichtete. Das Grabmal des Kardinals Carhone im Dom, das eine frühe Arbeit des Baboccio ist, scliliesst sich in der Arbeit den Denkmälern der Balzi an, nur sind die Figuren auch hier kürzer und kleiner, die Gesichter hart und scharf; doch gehören die drei Tugenden sowie auch das Gesicht des Bischofs und derEdelleute auf dem Sarkophag zu seinen schönsten Arbeiten. In der Minutoli-Kapelle ist das Denkmal des Kardinals Arrigo ebenfalls von Baboccio. Endlich im 70. Jahr fertigte er noch (1421) das Grabmal Lndicigs Aldemoresco in S. Lorenzo. Weit grossartiger, lebendiger und realistischer ist das Grabmal des Königs Ladislaus in S. Giovanni a Carbonara (von 1433). Es bildet schon einen deutlichen Uebergang zur Renaissance. Dominiei schreibt das Werk dem Andrea Ciceione zu; derselbe soll 14 Jahre daran gearbeitet haben; anstatt des einfachen Baldachins ist hier die Drei- tlieilung eingetreten und die Architektur des Baldachins sammt dem innern Sarko- phagbati sind unten in ein System verarbeitet. — Noch stärker den Uebergang kennzeichnend , ebenso sehr an Baboccio wie an Andrea Ciceione und den Realismus des Donatello erinnernd, ist das Grabmal des Ministers Johanna’s II.: Sergianni Carraciolo (gest. 1432), unmittelbar hinter jenem. Mit ihm schliesst sich die alte neapolitanische Kunstrichtung ab. Schon 1427 hatte Donatello in S. Angelo a Kilo in Gemeinschaft mit Michelozzo das Grabmal des Kardinals Rinaldo di Brancaccio im vollen Frührenaissancestil geschaffen. Der Triumphbogen des Alfonso in Castel Nuovo von 1443, an dem schon das Studium der Antike deutlich hervortritt, ist der (öffentliche) Einzug der Renaissance in Neapel, ein künstlerisches Symbol der Verdrängung der Anjou’s durch das aragonische Haus. Er ist das Werk des Mailänders Pietro (li Martino. Noch ausgesprochenere Frührenaissance sind die schönen Erzreliefs der Thüren darunter, von dem Neapolitaner Guglielmo Monaco und Isaias von Pisa. Das schönste Werk der Frührenaissance in Neapel aber schul' Antonio Rosellino von Florenz in der Kirche Montoliveto (1470), das Grabmal für die ib-inzessin Maria von Ara- gonien in der Capp. Piccolomini. Das Relief der Geburt Christi am Altar daselbst^ soll von Donatello sein. — Nach der glänzenden Skulpturdekoration der Krypta des Doms durch den Comasker Tonnnaso Malvito (1504) trat als der tüchtigste neapolitanische Bildhauer Giovanni (Merliano) da Nolano (1473—1559) auf, dessen Ilauptwerth in seiner dekorativen Kunst liegt, und bei dem das Typische der Grabmäler stets neuen Motiven weicht. Während in der Mehrzahl der überaus zahlreichen Werke des Meisters und seiner Schule ein trockener Naturalismus an die Stelle des warmen Lebens tritt und die Komposition leichthin die Gesetze der Skulptur verletzt, so sind die Ornamente und die Wahrheit der Bildnisse immer bewunderungswürdig und einzelne Meisterwerke Giovanni’s erheben sich auch in Komposition und Ausführung auf die volle Höhe jener klassischen Zeit. So z. B. das Relief der Grablegung in der Sakristei von S. Maria delle Grazie, der Hauptaltar in S. Lorenzo, das Bildnis Pandono’s in S. Domenico (1514), die schöne Madonna daselbst 1. Capp. 1. (1537); dann in 8. Severino das köstliche Grabmal des Knaben Cieara und die Grabmäler S. Severini sowie die Pieta in der Capp. neben dem Hochaltar; endlich das grandiose Grabmal des Vicekönigs Pietro di Toledo in 8. Giacomo, ein Werk seines Alters, von sorgfältigster Ausführung. Mit ihm wetteiferte der Neapolitaner Girolamo Santaeroce (1502—1537); ihre beiderseitigen Konkurrenzwerke r. und 1. am Eingang von Montoliveto sowie in iS. Maria delle Grazie bieten eine interessante Vergleichung. Sie haben wohl auch gemeinsam das Grab des Carraciolo Rossi in 8. Giovanni a Carbonara gearbeitet. Giovanni’s bester Schüler war Domenico d’Auria, von ihm z. B. in 8. Agnello Abbate: Relief der Madonna und der Seelen des Purgatorimns, die Skulpturen an der Fontana Medina und in . der St. Jakobskapelle in S. Maria Nnova u. a. 131 4. Neapel (Villa Nazionale). 132 Das Virtuosenthum des in Neapel gehör- nen Lorenzo Bernini ist in Neapel durch die aus seiner Schule hervorgegangenen vielangestaunten Drechslerwerke in der Capp. der Sangri, Duclii di S. Severo re- präsentirt. Im Gegensatz zu diesen Ausschweifungen hat Neapel auch ein "Werk des grössten Bekämpfers derselben, Thor~ waldaen, nach dessen Entwurf der König Max von Bayern die Statue des tmglück- lichen Konradin in S. Maria del Carmine durch Schöpf aus München ausführen Hess. DIE STADT NEAPEL. Zur Orientirung. 1). Von der Villa Nazionale zum Dom und Museum S. 131. — E. Das Museum S. 206. — F. Vom Museum nach den Katakomben, Capodimonte und den Friedhöfen S- 309. — G. Vom Museum zum Hafen S. 322. — H. Vom Museum nach S. Martino, Posilipo und Camaldoli S. 331. D. Von der Villa Nazionale zum Dom und Museum. An der Westseite der Piazza della Vittoria (E 8) dehnt sich die *Yilla Nationale der Chiaja entlang längs des Meers als eine der schönsten und begangensten Promenaden Neapels hin, nach N. von der Riviera di Chiaja (dem Fremdenquartier) begleitet. (Chiaja leitet man von dem lateinischen Plaga ab, zur Erinnerung an die Plaga olympica, wo das antike Neapel die Feste des Zeus durch Spiele feierte.) Hier ist der eigentliche Korso der Neapolitaner, wo sich neben der prächtigen Aussicht auf das Meer und die Inseln der lebhafteste Verkehr von Reitern und Wägen entwickelt. Zur Abendzeit sieht man zahllose Wägen in ca. fünf Reihen neben einander hin und her rollen, elegante Reiter zur Seite folgen, Scharen von Fussgängern in der durch reichen südlichen Baumwuchs geschmückten Villa sich daneben ergehen, und eine Menge Barken den Spaziergang noch bis in das Meer hinaus erweitern (nach dem reizenden Sito di Frisio, zu den Felsen der zwei Brüder, zur Scuola di Vergilio, zur Rocca Matilde und anderen Herrlichkeiten des Posilipo - Meers). Gegenwärtig arbeitet man an ihrer nochmaligen bedeutenden Verbreiterung. Nachts erhöht die Gasbeleuchtung den Reiz der herrlichen Promenade. Die 1125 m. lange Villa wurde erst 1696 unter dem Vicekönig Herzog von Medina mit Bäumen und Fontänen geschmückt, 1782 zum öffentlichen Garten erhoben, in einer Reihe von 50 m. mit Akazien, Weiden und Steineichen bepflanzt, von dem Genueser Tommaso Solari und dem Römer Vicolani mit Statuen geschmückt, welche in zum Th eil schwach ausgeführten, aber für die Lage wohlberechneten Nachbildungen eine Reihe von berühmten Kunstwerken in Erinnerung bringen. Von der Chiaja (der Pension Anglo- Americaine gegenüber) in die Villa eintretend, trifft man jenseit des Gitters r. Apoll von Belvedere; 1. Apollino; r. Silen und Bacchus; 1. Hermes; r. Satyr mit Ziege, dann der sterbende Gallier. L. Brunnen mit Orest und Elektra; r. die Gruppe des Herkules und Antäus von Solari, dann der borghesische Fechter, der Satyr mit der Traube, die kapitolinische Flora. Es folgt in der Mitte, wo einst die Gruppe des Far- nesischen Stiers stand, ein grosses * Granitbechen voll 3 m. Durchmesser, aus Pästum, das lange im Atrium des Doms zu Salerno stand; es ruht auf vier wasserspeienden Löwen, auf seinem Boden sieht man ein Medusenhaupt. Die Vasca umgeben die Hermen der vier Jahreszeiten und steinerne Bänke. Dann r. Pluto und Pro- serpina und ein eleganter Studio di Pittura (Bilderverkauf). R. Herkules’ Sieg über den Löwen, und als Nym- phäum der Raub der Sabinerinnen nach 133 134 4. Neapel (Aquarium, Boschetto). GianboJogna, 1. ein Nymphäum mit Amor und Hymen. R. der florentinische Satyr, Herkules und Telephus. Dann folgt der erste Bau i., das elegante *A(|Uarimil (Stazione Zoologien ), täglich geöffnet von 9 — 5 Uhr; Eintritt 2 Fr.; Kinder die Hälfte. Abonnement monatlich 8 Fr., jährlich 24 Fr., seit 1874 errichtet, eine deutsche Schöpfung des Dr. Anton Dohm (aus Stettin), mit dem wissenschaftlich grossartigen Zweck, als zoologische Station allen Naturforschern zu dienen. Die deutsche Regierung hat namhafte Summen zu diesem verdienstvollen Privatunternehmen beigesteuert und eine grössere Zahl Arbeitstische sind anNatur- forscher verschiedener Länder vermietet. Das Erdgeschoss enthält in über 60 Abtheilungen einen sehr grossen Reiclithum an interessanten Thierformen des Meers, vom llaifi88: »In una etä giä inclinata, in una complcssione stemperata, in un 5 anitno perturbato, in una fortuna adversa, poco si puö spearo seuza miglioramento, e molto fernere elie’l fine de’ miei travagli non debba esser la prosperitä, ma la morte«. (In einem bereits abwärtssteigenden Lebensalter, mit zerrüttetem Körper und gestörten Geistes, vom Glück gemieden, mit wenig Hoffnung auf Besserung und nur immer fürchtend, dass das Ende all meines Elends nicht das Wiedergedeihen, sondern der Tod sei.) DieMontoliveto-Strasse mündet in die grosso, ungemein belebte Querstrasse Quereia (F5), die 1. zur Strada-di Roma zurückführt, deren Ecke der Palazzo Maddaloni (jetzt Banca Kazionale, F 5) einnimmt, einer der bedeutendsten Paläste Neapels, vom Marchese del Yasto angelegt; Thorweg und Treppe des imposanten Baues sind von Fansaga entworfen, eine Halle von schÖnenVcrhaltnissen ist mit einem Deckenbild von Francesco di Mura geschmückt (Belagerung Neapels durch Ferdinand I.). — An dernördl. folgenden Ecke der schöne Palazzo dei Principi d’Angvi di Casa Doria, 1773 nach dem Entwurf des Luigi Vanvitelli (korinthische Ordnung über dorischer) errichtet, 1860 der Sitz des Diktators Garibaldi. — Nördlicher erweitert sich die Strada di Roma zum largo dl Mer- catcllo ; jetzt Piazza Baute (F5), an welchem hinter der modernen Statue Bante's das königl. Gymnasium (Liceo Ginnasiale Yittorio Emanuele) einen Halbkreis beschreibt; die 26 Tugenden des Königs Karl III. Bourbon in Mav- mordarstellungen krönen als »Stadtgeschenk die Balustrade. — Die Strada di Roma endet beim Museum. — Die Strada di Quereia führt zum Jjargo SS. Trinith (Fy), wo sich eine Mariensäule, die30m. hohe Guglia della Goncezione, erhebt, mit Statuen und Dekorationen aus der Barockzeit von Genoino Bottiglievi (1747). 159 160 4. Neapel (Gresü miovo — S. Cliiara). Gegenüber liegt die Jesuitenkirche Gesü nuoyo (FG5) oder Trinita maggiore, 1584 im Palast von Robert Sanseverino , Fürsten von Salerno, nach dem Entwurf des Jesuiten Piedro Pro- vedo erbaut. Die überschwänglich facet- tirte Fa 9 ade erinnert eher an ein Gefängnis als an eine Kirche; dagegen ist das Portal ein ornamentales Meisterstück. Das dreischiffige Innere, von dem lombardischen Architekten Gosimo P'ansaga durchgeführt, von gewaltigem Eindruck, ist mit der reichsten Pracht ausgeschmückt, aber ein Erdbeben zerstörte 1688 mit der Kuppel auch das berühmte Paradies von Lanfranco } von dessen Malereien an den Zwickeln noch die vier Evangelisten (übermalt) blieben. Inno n über der Eingangsthür sieht man ein brillantes Dekorationsfresko Solimena’s, Heliodors Vertreibung aus dem Tempel (ohne Einheit der Handlung). — Im linken Querschiff ( Capp . S. Ignazio, Jeremias 1 und Davids Statuen von i'amaga, und die Vision des 8. Ignatius, Gemälde von Imparato, darüber drei Fresken von Ribera. — Im rechten Quer schiff (gegenüber), über S. Xaver und Eernardo 8iciliano, drei Fresken von Luca Giordano. — Die Fresken an der Decke über dem Hochaltar sind von titanzioni (1858), — der Hochaltar mit moderner Fracht, drei grossen Bronzereliefs (in der Mitte die Eucharistie) von Irdi und mit relietirten Büsten von sechs Jesuitenheiligen. Gegenüber vom Gesii miovo, in der Mitte der rechten Seite des Platzes, gelangt man durch das Haus Nr. 19 (Möbelmagazin Fittipaldi; 1 /2 Fr.) zu einer ehemals zum Kloster 8. Ohiara gehörenden Halle, und sieht dort (an der Eingangswand des innern Möbelmagazins, gegenwärtig auf einer Leiter zugänglich) das schönste "‘giotteske Fresko Neapels, das Speisewunder Christi als Symbol der Mildthätigkeit der Franciskaner; an der Einfassung die Wappenschilder König Roberts und seiner zweiten Gattin. Jugendlich majestätisch sitzt der Heiland zwischen zwei Palmen und spricht den Segen über die Brodkörbe, ‘welche die seitwärts grup- pirten Apostel zu seinen Füssen aufgestellt haben; im Vordergrund beten 8. Clara mit dem Rosenkranz und S. Fran- ciscus mit einem Brodsack auf der Schulter. Das Gemälde ist stark beschädigt, aber durch künstlerisches Arrangement, breite Behandlung, gutes Kolorit ausgezeichnet. Geht man längs des Gesü miovo in der Strada SS. Trinita Maggiore weiter, so führt gleich der erste grosse Bogen r. (auf Nr. 43 folgend) nach *S. Cliiara (G5), 8. Clara, 1310 von König Robert dem Weisen zu Ehren des Corpus Domini und als königl. Kapelle gegründet, von Roberts zweiter Gemahlin Sancia mit reichen Einkünften beschenkt, 1317 mit dem Kloster des Clarissenordens (daher der Name) verbunden; 1330 von Papst Johann XXII. mit allen Gnaden desFranciskanerordens versehen. (Vier Inschriften [beim Austritt aus dem Seitenportal der Kirche links sichtbar] am Glockenthurm von 1310—40 beurkunden die Geschichte des Baues.) Nach Dominici soll sie zuerst ein Fremder und dann nach acht Jahren der fabelhafte Masuccio II. erbaut haben. Sie begann im gothischen Stil, dessen Durchführung aber nicht zur Vollendung kam; das Gothischc wurde theils nie ganz ausgebaut, theils bis ins Unkenntliche entstellt; 1752 fand eine geschmacklose Erneuerung statt. Das Aeussere der gewaltigen Kirche ist sehr würdevoll, besonders durch die an der freien Nordseite hoch aufstrebenden unverjiingten Strebepfeiler. Die Facade hat zwei vortretende thurmartige Pfeiler und über einem (später verunstalteten) Vorbau das alte Rundfenster mit reichem Masswerk. Der Thurm, der an der Strasse schwerfällig aufragt, ermangelt gänzlich des alt- gothischen hochstrebenden Princips, der massive Sockel von Casertatravertin tritt schief hervor, nur die zwei unteren Geschosse stammen noch aus dem 14. und 15. Jahrh., die beiden oberen gehören dagegen den Bauten von 1623 an (obschon sie in Neapel dem Masuccio II., als einem merkwürdigen Vorläufer der Renaissance, zugesclirieben werden). Das Innere war ursprünglich sehr imposant, wie die hohen Pfeiler und die 161 4. Neapel (S. Chiara). 162 schlanken hohen Fenster im Chor noch jetzt zeigen; die Umgestaltung im 18. Jahrh. hat daraus eine glänzende Pracht- dekoration geschaffen, aber immerhin eine »klassische Perücke« (»Apelles, wenn Du sie nicht schön machen kannst, mache sie reich!«). Ein mit Zieraten überladenes Tonnengewölbe bedeckt das eine Schiff, an das sich 16 Kapellen schliessen. Im alten Zustand blieb nur der Nonnenchor, der die Kirche nach hinten abschliesst; er wird von zwei sein- hohen Pfeilern getragen, von denen nach jeder Seite ein Spitzbogen hinüber geht; auch die alten Kreuzgewölbe sind noch erhalten. Die Kirche ist 83 m. lang und 32 m. breit. Die Fresken, mit welchen Giotto die Wände geschmückt hatte, wurden auf Anordnung des Spaniers Borrionuova, Delegaten der Kirche, 1730 mit weissem Stuck überarbeitet, um die Kirche heller zu machen. Von Giotto selbst ist nichts mehr erhalten, die wenigen noch vorhandenen giot- tesken Fresken gehören untergeordneten Nachahmern an. — Die Decke ist mit brillant dekorativen Malereien geschmückt. Conca malte in blühendem Kolorit: 1. Die Königin von Saba vor Salomon; 2. Den tanzenden David vor der Bundeslade; Bonito: 3. Die Tempelweihe Salomons; la Mura an die Decke des Querschiffs: 4. Die Vertreibung der Saracenen vor Assisi durch S. Chiara. — Ueber dem Portal: König Robert bei der Erbauung der Kirche von Francesco la Mura . 1. Altar links: Grabmal des Antonio di Benna , Geheiinrath des Königs Ladislaus, von Antonio Baboccio , dem Bildner des Domportals (1407), auf Anordnung des Onofrio di Penna, Sekretär des Ladislaus, errichtet, mit Relief der Madonna zwischen den berühmtesten Anaclioreten; darüber ein von Votiven umringtes giotteskes Bild der Dreieinigkeit und in einer Aedicula die Madonna, von Antonio und Onofrio di Penna knieend verehrt. Man schreibt dieses Fresko dem Francesco, Sohn des Simone von Neapel, zu. »Was man hyn- sehen kann, mag w r ohl von einem Maler herrühren, dessen Vater im 14. Jahrli. gelebt hat, aber der Stil, in welchem das Bild gemalt ist, weicht durchaus von den verschiedenen Fresken ab, die Simone’s Namen tragen.« ( Crowe.) Ueber dem Haupteingang am Fries der Orgelbrüstung sieht man ausgezeichnete kleine **lieliefs aus dem Leben S. Katharina’s , von toskanischer Hand aus dem 14. Jahrh.; man kann sie wegen ihrer wunderbaren Schönheit und Einfachheit unbedingt als »das Vorzüglichste seiner Art« ( Schulz ) in Neapel bezeichnen, naiv und zart wie »Fieselo’s« in Marmor (Lübhe). Die Gestalten heben sich auf schwarzem Grund wii-ksam hervor und fesseln durch Grazie der Bewegung und Fluss der Gewänder ; dabei sind die Begebenheiten frisch aufgefasst und lebendig erzählt. Von 1. nach r.: 1. Des Vaters Testament. — 2. Bekehrung. — 8. Christuserscheinung. — 4. Katharina vor Maxentius. — 5. Christi Erscheinung im Kerker. — 0. Katharina wieder vor Maxentius. — 7. Maxentius lässt die Weisen verbrennen. — 8. Die Königin besucht Katharina. — 9. Katharina als Märtyrerin an eine Säule gebunden vor dem Tyrannen. — 10. Katharina zwischen den Rädern, und die Radzerstörung durch die Engel (eine reiche, treffliche Komposition, wohl unter Giotto’s. Einfluss entstanden). — 11. Enthauptung S. Katharina 1 ,* (der Gewandstil hier von ausgezeichneter Schönheit). In den Kapellen des Schiffs sind Gemälde von geringerem Werth, aber zahlreiche Gräber angesehener Männer. 1. Altar r., Eingangswand: Grabmal des Giov. d’Ariano, Sekretärs von Sancia. — 2.Capp. r.: Unten, r. n. 1. zwei Grab- mäler der Marcliesi Carlo und Teofilo Mauro, mit je fünf Reliefs. — 7. Capp. r.: Gräber der Bourbonen mit dem Grab Filippo’s, des Sohnes Karls III., von Sammartino. — Den Hochaltar erbaute Sanfelice. — Hinter demselben das *PraeMdenhmal des Königs Moberto il Savio (gest. 1343), das ihm, mit allem Reichthum königlicher Majestät ausgestattet, seine Enkelin Johanna I. setzen liess. In gothischer Anordnung ruht auf vier runden Pfeilern, vorn mit Tugenden, der Sarkophag, in dessen sieben Feldern König Robert von seiner Familie umgeben (r. Sancia, Johann; 1. Jolanta, Roberts erste Gattin, Karl, Herzog von Kalabrien, und dessen Gattin Maria [s. S. 104]) dargestellt ist; — auf dem Sarkophag: Robert mit Krone, aber barfuss und im Franciskanerkleid (wie er 163 164 4. Neapel (S. Chiara). sich büssend 18 Tage vor seinem Tod trug), Tun ihn die trauernden Tugenden, zwei Engel schlagen den Vorhang zurück (die Inschrift: »Cernite Robertum Regem virtute refertum« soll Petrarca verfasst haben); — darüber unter einem Baldachin nochmals Robert, sitzend in königlichem Kleid, mit seinen scharfen Gesichtszügen und der grossen gebogenen Nase; — zu oberst: Die Madonna zwischen S. Franciscus und S. Clara, welche das knieende Königspaar der heil. Jungfrau vorstellen; — unter der Giebelspitze: Christus in der Glorie. — Die Künstler dieses Grabmals sind, laut Urkunde von 13-13, die Florentiner Brüder Pancins (Baceio) und Johanne* (nach neapolitanischer Angabe Ma- succio il.). Zur rechten Seite (kleiner): ••Grabmal Karls, Herzogs von Kalabrien (gest. 1328, S. 105), Vater der Königin Johanna I. Ein schöner gothisclier Aufbau: innerhalb der auf zwei Säulen ruhenden Spitzbogenarchitektur wird der Sarkophag von vier Löwen getragen, an die Säuichen auf denselben lehnen sich zwei reliefirte geflügelte Tugenden, vorn die Gerechtigkeit mit Schwert und Wage, die.Mässigung mit einem Strauss; hinten die Klugheit mit zwei Köpfen, Schlange, Buch und die Stärke, die einen Löwen zerreisst; bei den hinteren Löwen die Mansuetudo mit Geisel, die Hoffnung mit der Hand auf dem Herzen, der Glaube mit dem Adler, die Religion mit der Schrift. Die Tugenden stützen den Sarkophag, an welchem die sitzende Gestalt des Herzogs mit Scepter und Schwert dargestellt ist, zu Füssen ein Becken, aus dem einträchtig Wolf und Lamm trinken, r. 11 Mönche, 1. 11 Magnaten; alle Theile in schöner Einfachheit motivirt; auf dem Sarkophag Karl liegend, in langem schwarzen Gewand mit goldenen Lilien, das herzogliche Diadem auf dem Haupt; hinter Karl ein Bischof und vier Geistliche, den Sterbenden einsegnend, unterhalb fünf schmerzlich ergriffene Familienglieder; über den den Vorhang aufziehenden Engeln die Madonna mit S. Ludwig, dem knieenden Herzog und der königlichen Tochter.—Die Inschrift unter dem Sarkophag nennt den Herzog: Justitiac zelator et cidtor, ac Roipublicae strenuus defensor. Rechts, an der rechten Wandecke: Grabmal der Maria von Valois (gest. 13 28), zweiter Gattin Karls von Kalabrien (S. 95), in ähnlicher Anordnung, mit einem Streben nach grösserer Feinheit in der Gewandung, aber weniger grossartig. Links vom grossen Mittelgrabmal: Grabmal der Maria, Herzogin von Durazzo, Schwester Johan- na’s I., dreimal Gattin (S 106 u. 95). In ähnlicher Architektur wie Roberts Deukmal, im Stil jedoch »ein Streben nach | breiten, massenhaften Formen, die Propor- ■ tionen kurz«, bei sonst vieler Schönheit; am Sarkophag waltet das religiöse Element vor; in der Mitte die Madonna, 1. S. Katharina, r. S. Clara, dann S. Petrus und S. Paulus, an den Enden der Schutzengel und die Seele des Verstorbenen; auf dem Sarg die Herzogin, oben auf dem Baldachin die Kreuzigung. Die Inschrift lautet: » Maria de Francia, imperatrix Oonstantinopolitana ac dacissa Fiiracii «. All d e r W an d 1.: Grabmal Agnese’s, Tochter Maria’s von Durazzo, Gemahlin des Giacomo del Balzo (S. 107), im gleichen Begräbnis mit ihrer jungem Schwester Glemenza. — 7. C a p p. 1. (jen- seit der Kanzel): Kreuzigung von Lan- franco. — L. Antiker Sarkophag (für Gianbattista Sanfelice) mit Reliefs: Pro- tesilaus und Laodamia, aus guter römischer Zeit (von Welcker erläutert). Die von kleinen Löwen gestützte Kanzel (zwischen der 7. und 8. Capp. 1.) hat an ihrer Brüstung interessante Reliefs aus dem 13. Jahrh., in einem der Pisaner Schule nahestehenden Stil, auf schwarzem Grund. An der linken Schmalseite das zweifache Martyrium S. Katharina’s, im Hauptfeld der Evangelist Johannes im Oelkessel, mit zwei Schergen und einem von Frauen angestaunten liülfreichen Engel; im dritten Feld Zerschmetterung der Götzen durch den Segen des Kindes S. Katharina; die Reliefs haben nicht die hohe Bedeutung derjenigen am Orgelchor, zeigen aber auch liier eine liebliche, seelenvolle, kindliche Auffassung. In der 5. Capp. 1. (del Balzo), neben dem linken Seitenausgang, an den Seitenwänden: *Zwei Grabmaler mit eigenthümlichen Reliefs, die sich auf den Grafen Soleto Raimondo del Balzo (gest. 1375) und dessen Gattin beziehen. Unter Raimunds Sarkophag: G ereclitig- keit, Stärke, Liebe: am Sarg in der Mitte Raimund in Jägerkleidung, r. ein Mönch und fünf Gestalten mit Falken (»die Gesichter individuell wahr«); unter Isubella's Sarg: der Glaube, die Klugheit, die Hoffnung. Am Sarkophag sitzt die Frau in der Mitte mit hohem fürstlichen Kopfputz; auf ihrem Schoss ein Hündchen, zur Seite drei Frauen von gut individualisirtem Charakter und Kostüm ; über beiden Sarkophagen poetische Inschriften, darüber die Gestalten der Verstorbenen in schöner Anordnung , oben thront die Madonna. Im Recess beim linken Seitenausgang r. das Denkmal der 14jährigen 165 166 4. Neapel (Largo 8. Domenico - S. Domenico Maggiore). Antonia Gaudino 3 von Giovanni da Nola, mit einem eleganten Epigramm des neapolitanischen Dichters Antonio Epicuro (1530): 2 sitzende Statuetten, die eine des griechischen Schauspieldichters * Moschion in bequemster Ruhe und doch voll Leben; die andere des griechischen Elegikers i Simonides (P.). — Doppelherme eines i Griechen und Römers (Visconti meint i des Komikers Apollodor und des Tc- renz). — Links: Schöne Gewandstatue, j — Dann vier Reihen Büsten von Römern; hervorzuheben, unterste Reihe von 1. nach r.: 1. Sogen. Junius Brutus I. 2. Römischer Feldliauptmann mit schönem Helm (Capua). 3. Sogen. Brutus II. 4. Attilius Regulus (H.). 5. L. Cornelius Lentulus. 6. M. Arrius Secundus. 7. Aelius Caldus . 8. Postu- mius Albinus . 9. 10. 11. Sogen. Seneca (wohl das Bildnis eines griechischen Dichters). — II. Reihe: Frauenbüsten (darunter vier kaiserliche). 6. Sogen. Vestalin (verhüllt). 7. Sogen. Kleo- paira. 8. Agrippina, Mutter Nero’s. — III. Reihe: 4. Cicero (P.). 5. (lajus Marius. 7. Galienus. 8. Claudius Marcellus. 10. Terenz (H.). - IV. Reihe 1.: Mehrere Kinderbüsten. — Es folgt 1. die Porträtstatue eines Redners (sogen. Valerius Poplicola) aus Herculaneum; sie wurde in der Porticus gegenüber der Bühne gefunden. Dann: (293) Herme eines Doryphoros. Sogen. Priesterin (P.). — Rechts nach dem Fenster: Eine Konsular- und eine Rednerstatue aus Pompeji. — *IIolconius Rufus aus Pompeji, Militärtribun und Vorstand der pompejanischen Kolonie, schöne Porträtstatue. — * Eumaehia, Ehrenstatue, welche die Tuchwalker (Fullones) der Priesterin weihten, weil sie auf ihre Kosten Krypte, Chalcidium und Walkerei in Pompeji (S. 441) errichtete. — Rednerstatue (P.). — Jünglingsstatue in Toga (Telese). — Knabenstatue in Toga (T.). —■ In der Mitte: * Heiter - statue des M. Nonius Halbus , Vater, mit der Statue des Sohnes zusammen gefunden. Beide Reiterstatuen erinnern durch »Adel und Einfachheit« an den Geist griechischer Kunst. — Am Nordende dieses Korridors 1. und r. an der Rückwand: einige Torsi, zwei Hunde, zwei Leoparden, ein Schweineopfer an Ceres (H.). III, (Haupt-) Korridor (Capola - vori) mit den wichtigsten Statuen. — (ZurbequemenAuffindungistdie Reihenfolge hier durch [auf den Statuen nicht vorhandenen] Zahlen bezeichnet.) — An der linken Längswand (Nordwand), vom: Torso der Venus 9 herrliches griechisches Original werk, so keusch und edel, noch so wenig berührt von dem koketten Hauch späterer Venusbilder , dass das Werk wohl in die Zeit kurz nach der kindischen Venus des Praxiteles, und von dieser beeinflusst (4 Jalirh. v. Chr.) zu setzen ist; nach mehreren erhaltenen Glaspasten ist das Motiv die Gewandablegung vor dem Bad. Der rechte Arm stützte sich, das Gewand haltend, auf einen Pfeiler, die erhobene Linke hielt die andere Hälfte des Gewands, dessen Spitze auf ein Becken nebenan herabhing; so auseinander- geschlagen, um niederzugleiten, zieht es sich in herrlichen Falten über den Rücken hin. — 2. '^Caracalla, Büste (F.). »Vielleicht hätte Lysippus den Kopf nicht viel besser machen können, aber der Meister desselben konnte keine Figur wie Lysippus machen; dieses war der Unterschied.« ( Winckclmann). 3. Faustina, Büste aus Capua. — 4. *Antoninus Pius, Büste aus Capua, die beste dieses Kaisers, das Haar wie in der hadrianischen Zeit sorgsam de- taillirt (»sie ist ein Beispiel der sogen, römischen Büstenform, die von den schildförmigen Porträts abzuleiten ist« ; Friedrichs). — 5. *Antinous, Statue; eine treffliche Arbeit der hadrianischen 237 238 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). Zeit, der kapitolinischen Statue ähnlich (Arme und Beine neu) [F.]. — 6. * Pompe jus, Büste, in Pompeji 1869 gefunden. — 7 *Juno, Statue (in der Nische); schöne römische Arbeit (F.). — 8. * Brutus, Büste aus Pompeji (1869). — 9. * Pallas, in Yelletri gefunden, archaistisch (Arme, Brust lind Bücken neu), mit schlangenbesetzter Aegis und einem Helm mit Sphinx und an deren Seiten je ein Pegasus. — 10. * Homer 9 Büste, der berühmte FarnesianischeHomer, von ausgezeichnet schöner Arbeit und wunderbarster Seelentiefe (»in Stirn und Wangen das göttliche geistige Ringen, die Anstrengung voll Ahnung, und doch der volle Ausdruck des Friedens«); das bekannteste Vorbild für die Gipsköpfe und Stiche (F.). In der Nische: Grosse Porphyrvase mit vier Schlangen als Henkel. Jenseit der Nische: li. * Psyche aus Capua, im dortigen Amphitheater gefunden, nur ein Oberleib mit der einen Hüfte, früher als ein griechisches Werk ersten Ranges gepriesen und dem Praxiteles beigelegt, bis 1833 der Bildhauer Emil Wolff nachwies, dass die Figur kein Originalwerk sei und durch Ueberarbeitung sehr gelitten habe. Die beschädigten Theile (z. B. die rechte Brust) verfielen kurzweg der Abmeisselung. Der trauernd gesenkte Kopf ist sehr schön und edel in den Linien, aber doch etwas weich verschwommen, der herrliche Leib fast zu reif für eine Psyche, man dachte daher an eine Venus; denn die zwei Löcher für den sogen. Flügelansatz existiren nur an der rechten Schulter. Als Psyche aufgefasst wäre nach Gemmendarstellungen das Motiv eine an den Baumstamm gefesselte, gepeinigte Psyche (wogegen freilich die Richtung der Arme spricht). 12.*Aeschifies 9 Statue, in Herculaneum in der Villa dei Papyri gefunden, früher für Aristides gehalten, und erst 1834 von Vescovali in Rom durch Vergleichung mit einer inschriftlich beglaubigten Aeschinesbiiste im Vatikan zu ihrem wahren Namen gekommen. Die Vergleichung mit der ähnlichen, später aufgefundenen herrlichen Sophokles- statue im Lateran hat dem Ruf dieses trefflichen Standbildes grossen Eintrag gethan, sie ist jenem an Grossartigkeit und Schönheit besonders der Stellung und des Gewandes bei weitem nicht gewachsen, wohl aber in der Kraft und Charakteristik des Kopfes; die Haltung des Arms unter dem Mantel stimmt mit den Nachrichten über des Aeschi- nes konservative Weise, diese bescheidene Verhüllung, obschon sie nicht mehr Mode war, beizubehalten,' die etwas kleinliche Fältelung des Gewandes und die Schmalheit der Körperformen vermehren diesen fast ängstlich besorgten Eindruck. — Vom Kopf sagt Kinkel: »Ein kleiner kurzgestutzter und kraftloser Bart, eine dicke Näse mit starkem Unterwulst, eine mühsame Stirn, der aber dei' rechte Ernst des Gedankens fehlt; es ist der politische Schuft, der die Miene des Biedermanns aufsetzt, und dann selbstvergnüglich glaubt', die Menschen halten ihn für keinen Schuft«. Canova hielt den Aeschi- nes für eines der Hauptwerke der antiken Kunst. 13. * Venus von Capua, Statue, im dortigen Amphitheater gefunden, in der Kompositionsweise der Venus von Melos nahestehend; gegenwärtig für ein römisches, einem griechischen Original aus alexandrinisclier Zeit nachgebildetes Werk gehalten. Nase, Arme und Mantelende sind von Brunelli ergänzt. Obsclion von grosser Schönheit, hat sie nicht die grossartige Naturwahrheit der Aphrodite von Melos; selbst die Gewandung weist durch die weniger tiefen und runderen Falten und ihr theilweises plötzliches Aufhören auf die römische Zeit. Die Weichheit und Süssigkeit der Formen weist das Original einer schon »versiissenden« Kunstepoche zu. Nach korinthischen Münzen ist das Motiv: die Selbstbespiegelung der Göttin in dem auf ihrem Knie aufgestützten Schild des Kriegsgottes, dem sie denselben nahm; auch auf den Helm setzt sie den Fuss. 14. * Adonis von Capua, aus dessen Amphitheater, eine schöne griechische Statue aus dem praxitclisclien Kreis, von vorzüglicher Arbeit (Visconti halt ihn für einen Apollo). Sehr viele Partien sind von Cali restaurirt; ursprünglich ist nur der jugendliche apollinische Torso »minder weicli als Dionysos, minder athletisch als Hermes«. — 15. * Athletenstatue aus Herculaneum, ein in der Kunstgeschichte sehr berühmt gewordenes Standbild, denn nach Friedrichs ist es die Kopie des berühmten Speerträgers (Doryphoros) von Polyldet. Ein ähnliches Exemplar im Braccio nuovo des Vatikans (Rom, Bd. II); zwei andere in Florenz, ähnliche Köpfe mehrfach; ein breiter, schwe- 239 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). 240 rer Körper, der in entwickelter Muskel- fülle über gewaltigem, untersetztem Knochengerüst auftritt, eine der wuchtigsten männlichen Gestalten der alten Kunst; eine Ansatzspur am Kopf stimmt zu der Annahme eines Speerträgers, das drahtartig detaillirte Haar auf dem Vorderkopf deutet auf ein Bronzeoriginal. Die Komposition ist von dem schönsten Gleichgewicht, nichts Einzelnes tritt für sich aus dem Zusammenhang des Ganzen hervor: »Das schönste an der Statue ist, dass sie sich so edel und einfach, so unbeschreiblich anspruchslos präsentirt«, als das Abbild eines kernigem Geschlechts einer Zeit der Thatkraft und Mannestüchtigkeit. »Schon Meyer (G'oethe’s Freund) sagt: »Mächtige, zumal am Hals (und an den Annen) einen gewissen kantigen Charakter annehmende Formen im ganzen, strenge Andeutung der ltippen, wie auch der Muskeln und Knochen an Schenkeln und Beinen sind zu deutliche Merkmale, als dass man die Zeit und den Stil, dem dies Werk angehört, in Zweifel ziehen könnte«. — Poly- Idet hatte einen speertragenden kräftigen Jüngling »für Kriegsdienst und Palästra geeignet« (Quinct. V, 15) gebildet: die Statue war im Alterthum hochberühmt. — Cicero (Orat. 2, Brut. 86) rühmt sie als ein Höchstes in ihrer Art und erwähnt, dass Lysipp sie als einen Lehrmeister bezeichnet habe. — Conze macht aber darauf aufmerksam, dass der Kopf nicht den knappen, sich gegen das Kinn verschmälernden (mehr dreieckigen) alt- argivisehen Typus des Polyklet habe, sondern mehr die feineren, rundlichen (dem Viereck sich nähernden) attischer Gesichtsbildung: der Schädel sei in seiner Profilansicht von hinten nach vorn lang und obenauf ziemlich platt, er falle hinten in ziemlich gerader Linie ohne sehr merkliche Nackencinbiegung ab; ähnlich geradlinig setze sich wiederum die Stirn von dem obern Schädelumriss ab, so dass der ganze Schädel etwas lang Viereckiges habe. Dieselbe Bildung zeige aber der attische Theseus aus dem Ostgiebel des Parthenons; das Original dieses Doryphoros möchte daher eher der Speerträger des att ischen Krenlas sein! 16. *A.VtCmis (Diana), interessante archaistische Statuette, 1760 in Pompeji als Kultusbild eines kleinen Tempels gefunden; mit Spuren der Bemalung (Sandalen, Unterkleidränder, Rosetten der Kopfbinde, Köcherband roth; Verzierungen weiss; das Haar vergoldet); mit grossem Fleiss durchgearbeitet in altertliümlichem griechischen Kultusstil, besonders zierlich die Füsse, das Gesicht mit dem Grübchen im Kinn, das Halten des Gewands; charakteristisch für die Göttin ihr Vorwärtsschreiten. Kagler hält sie für ein Originalwerk mit dem Gepräge der erwachenden Kunst; Friedrich* zeigt, wie die rundere Bildung des Kackten, die Lage der Augen, die freieren Linien der herabfallenden Locken beweisen, dass die Figur nicht echt alterthümlich ist. 17. *jP alias , archaistische Statue aus Herculaneum; Haar und Pcplon waren bei der Ausgrabung schwer vergoldet. Alterthümelnd sind das ungemein zierliche Halsband und der Ohrschmuck, aber der Mangel an Schärfe und Präcision in den Gewandfalten ver- räth die Nachbildung. Winckelmann bemerkt: »Diese Pallas ist nahe an dem altern griechischen Stil, denn sie hat im Gesicht eine gewisse Härte, in der Kleidung geplattete parallele Falten; merkwürdig ist ihre Aegis, welche am Hals gebunden und hernach über den Arm geworfen ist, um ihr anstatt eines Schildes etwa im Streit wider die Titanen zu dienen; denn diese Göttin ist hier wie im Laufe gehend und hat den rechten Arm erhoben, wie einen Wurfspiess zu werfen«.' 18. * Orestes und Elektra , eine kunstgeschichtlich berühmte Gruppe, weil der Orest nach demselben altgriechischen Original gebildet ist, das auch einer mit dem Künstlernamen des Ste- phanos, eines Schülers des Pasiteles, bezeichneten Statue in der Villa Albani in Rom als Vorbild diente. (Aus Herculaneum.) Conze vermuthet, dass die altargivische Musterstatue (der »Kanon«) des Polyklet dieses Vorbild gewesen sei; die Haltung ist streng und gemessen, wenig bewegt, und darauf berechnet, den ganzen Körper in seinen einfachen und normalen Verhältnissen zu zeigen; »eine hohe, nur durch Kopistenhände geschmälerte Meisterschaft im Nackten gellt Hand in Hand mit einer gewissen Eckigkeit der gleichsam noch nicht gelösten Bewegung und mit einem wenig entwickelten Gesichtsausdruck, Kraft und Schlankheit sind jedes einzeln ausgesprochen, aber noch nicht verschmolzen«. Es ist die Zeit vor dem Aufschwung der attischen Kunst durch Phidias. Die Figur des sogen. Orestes wäre danach die Kopie einer berühmten altargi- vischen Einzelfigur, wahrscheinlich aus einer dem Pasiteles verwandten Kunstwerkstätte, und in dieser mit der Elektra zusammen gruppirt. — Helbig sieht in diesem Typus die Vereinigung archaischer (Auge, Haar) und freientwickelter (Knie, Ilals), raffinirtes Naturstudium verrathender Elemente. — Kekul4, der das Original des Orest dem Pasiteles selbst zuschreibt, bemerkt, wie bei der Elektra das Motiv des an der Schulter herabgleitenden Gewandes 241 242 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Mannorstatueu). und dessen Durchscheinen sowie die künstliche Führung des Ueberwurfs auf die spätere raffinirte Zeit deuten. 19. (Am Ende,bei der Thür:) * Hera (Jimo), Kolossalbüste von griechischem Marmor, die »berühmte Farnesische Juno«, welcher erst Brunn 1846 ihre wahre kunstgeschichtliche Stelle durch den Nachweis gab, dass der alterthümlich herbe Kopf wahrscheinlich auf das Ideal zurückgehe, wie es Polyklet (um 420 v. Clir.) schuf. Die Büstenfonn bezeugt, dass der Kopf kein griechisches Originalwerk ist, aber die Kopie (wohl nach einem Original von Erz) ist eine so stilvolle, dass sie den vollen Eindruck eines Originals gibt. Die Herbigkeit und Altertbümlichkeit der Auffassung möchte vielleicht auf eine noch frühere Zeit zurückweisen. Ergänzt ist die Nasenspitze, auch Partien unter den unteren Augenliedern sind modern bearbeitet. Sie ist »homerisch«, in voller Unbeug- samkeit aufgefasst, ungemildert durch Weiblichkeit, ein schönes Beispiel für den hohen Stil der Kunst, als man die Götter ohne freundliche Hinneigung in ernster, abgeschlossener Göttlichkeit bildete; ernster, strenger, herber als die Juno Ludovisi (Rom, Bd. II, S. 579), die ehrbar würdige, ihrer Pflichten und ihrer Rechte bewusste Ehegöttin , die breiten Augenlieder hart und scharf, der fast trotzige Mund mit eingekniffenen Winkeln, die Unterlippe voll her- vortrotend, die Wangen schmal und scharf geschnitten, die Ohren noch hoch stehend, die willenskräftige Stirn vorgewölbt und eingebogen, der Schädel in den schönsten Verhältnissen, das Kinn noch nicht attisch gerundet, — und doch, welch ergreifende Erscheinung, welcher Seelenadel, welch reine Frauenschönheit! Von hier folgen, rückwärts in der Mitte des Saals, erstlich: "Aristogeiton and Harmodios , die früher als Märtyrer für die Freiheit in Athen verehrten Mörder des Pisi- stratiden Hipparch (514 v. Chr.); zwei ausschreitende Statuen, Nachbildungen der am Aufgang der Akropolis von Athen aufgestellten alterthümlichen Erzstandbilder, deren Gruppirung zwei von Stackeiberg aufgefundene Münzen und das Relief eines Marmorsessels darlegten, wo die beiden jungen Männer neben einander mit gewaltigen Schritten auf den Feind losstürzend dargestellt sind, der Unter-Italien. I. eine den linken Arm vorstreckend , über dem die Chlamys hängt, während er in der gesenkten Rechten den Dolch halt; der andere in der erhobenen Rechten das Schwert schwingend. Sie wurden als die ersten griechischen Ehrenstatuen 510 v. Ohr. von Antenor ausgeführt, kamen dann aber 480 v. Clu*. durch Xerxes nach Persien. Kritios und Nesiotes führten 478 v. Chr. zwei neue Erzstatuen der Tyrannenmörder für die Akropolis aus. Friedrichs erkannte die zwei Marmorstatuen zuerst (nach jenen Münzen) als Kopien dieser Erzgruppe, hält sie aber für Nachbildungen nach der zweiten Gruppe von Kritios, während Benndorf sie als Kopien des altern Werks von Antenor an- sielit. Bursian bezweifelt die Zusammengehörigkeit der beiden Statuen, hält nur llarmodios wegen der echt alterthümlichen, durchaus dem Stil der äginetischen Giebel- statucn entsprechenden Behandlung der Körpex’formen, des Gesichts und der Haare für ein Originalwerk; der andere scheine ein in der Ausführung hinter jenem zurückstehendes, wohl erst der römischen Zeit angehöriges Werk zu sein. Benndorf weist aber nach, dass beide in Marmorart, Verhältnissen, Stil und Arbeit völlig gleich sind sowie auch die Haltung des einen die des andern ergänze. Die Gruppe stammt aus dem farnesi- schen Besitz und ist seit 1790 in Neapel. Ergänzt sind an Aristogeiton die linke Hand, einige Stücke des Gewands und der Basis und drei Zehen des linken Fusses; die Anne waren gebrochen, gehören aber der Statue an (der linke ist falsch angesetzt), der Kopf ist antik, aber nicht zugehörig (sondern lysippisch). Harmodios hat neue Arme, dagegen noch den ursprünglichen Kopf ganz mit dem Ausdruck der altern Kunst, mit dem »architektonischen« Chai-akter. Dagegen sind das rechte Bein von der Hüfte abwärts und das linke unterhalb des Knies neu. Aristogeiton stellt als der Aeltere an der rechten Seite des Jüngern etwas zurück; Hai-modios ist der eigentliche Angreifer, der vorstürzt, um den Schlag zu führen (»Tutto ö espansione nel suo corpo«; Benndorf ); sein älterer Freund schützt ihn schiidähnlich mit vorgestrecktem Mantel. Den alten Stil zeigen noch die Wiederholung dei’selben Stellung, die harten Umrisse , die straffe Muskelanspannung, das hei*b alterthümliche Gesicht. Es war das erste Erwachen aus der alten Steifheit zu gi’össerer Lebendigkeit und Naturwalirlieit in Stellungen und Foi-men. Dann: **Die vier Figarenaus dem Weihgeschenk des Attalas, Attalus II., König von Pergamum, stiftete um 200 v. Chr. als Weibgeschenk 9 243 244 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). eine Reihe von 1 m. hohen Bildwerken, die sämmtlich die Ueberwindung barbarischer Mächte durch die Hellenen und ihre Götter zum Gegenstand hatten, auf die Akropolis von Athen; die Basis für diese Statuen hatte 15 m. Länge, 5 m. Breite, 240 Qm. Fläche. Die Beweisführung , dass die vier vorliegenden Figuren zu diesem Weihgeschenk gehören, sowie noch eine Figur in Rom, drei in Venedig und einige in Paris, ist das Verdienst von Brunn, Die Weihgeschenke bildeten vier Gruppen: 1. Kampf der Götter gegen die Giganten. 2. Schlacht zwischen Athenern und Amazonen. 3. Siege der Athener über die Perser bei Marathon. 4. Die Vernichtung eines gallischen Heerhaufens in Mysien durch Attalus. — Das Fussgestell fand man am östlichen Theil der südlichen Mauer der Akropolis (über dem Theater). Die Statuen kamen nach Rom und von da durch die Farnese nach Neapel. Von den vier vorliegenden echt naturalistischen griechischen Origindliverhen gehört *J)ie todte Amazone der zweiten Gruppe (Südostecke) an; gerade rücklings hingestürzt liegt sie auf dem Speer, der ihr den Tod brachte, während ihr eigener Speer zerbrochen r. neben ihr liegt; der entblösste rechte Busen zeigt die Todeswunde; das angezogene rechte Bein und der über dem Kopf liegende rechte Arm zeigen noch die Spuren des geschwundenen Lebens; die Neigung des Hauptes zur Linken deutet auf den Frieden des Todes; die kräftigen, üppigen Formen des Leibes lassen die Wucht des Kampfes ahnen. (Ergänzt ist nur der linke Fuss und die Nase.) — Zur dritten Gruppe (Siidwestecke) gehört wohl *Der gefallene Perser, den die orientalische Mütze, der krumme Säbel, die Schuhe, vor allem aber die Hosen als solchen zu bezeichnen scheinen (ihm fehlt freilich i der persische Rock mit den langen Aer- mcln; Friedrichs hält ihn daher für einen Gallier). Die Wunde sieht man nicht, seine Lage setzt ein allmähliches Hinsinken des fast weichlich anmuthigen Körpers voraus, im schönen Gegensatz zu dem jählings Gefallenen. (Ergänzt sind beide Arme und der rechte Fuss von der Mitte an.) — Zur ersten Gruppe (Nordostecke)gehört wahrscheinlich*De?- gefällte Gigant (nach Overbeclc) , der in der Rechten den Griff eines Schwertes hält (freilich eine seltene Waffe für einen Giganten; Friedrichs hält ihn daher auch für einen Gallier) und um den linken Arm ein Pantherfell (das bei Galliern nicht vorkommt) schildartig schlingt; der Ausdruck ist wirr und wild, die Verhältnisse auffallend gedrungen. (Ergänzt sind die Hälfte der Finger der rechten Hand, das linke untere Bein und die Nase.) — Der vierten Gruppe (Nordwestecke) scheint *Z)er sterbende Fechter zu- getheilt werden zu müssen, der mit dem berühmten sterbenden Fechter im kapitolinischen Museum merkwürdige Aehn- lichkeit der Komposition hat, und doch wieder eine tiefgehende Verschiedenheit zeigt. Feindeshand schlug ihm eine tiefe Rippenwunde; sein Pathos ist ein ergebenes, massvolles, das Ermatten eines Sterbenden. Ein eigenthümlicher Widerspruch zeigt sich in seiner Bezeichnung als Nichtgriechen durch Schnurr- und Backenbart, und dann doch wieder als Griechen durch den Helm. (Brunn nimmt an, der Kopf habe einer andern Figur dieser Gruppe angehört.) — Ihre besondere wichtige Stellung in der Entwickelung der Kunst nehmen diese trefflichen Statuen dadurch ein, dass in ihnen eine neue lebendige Verbindung des Pathetischen und Naturalistischen in ergreifender Weise dargestellt ist. * Venus Kallipggos , in den Kaiserpalästen zu Rom gefundene Statue, wohl ein Werk der jüngern attischen Schule, von wunderbarer Vollendung und ausgesuchtem Reiz; die Göttin stellt in eigener Bewunderung die vollen schönen Formen jenseit des Rückens zur Schau (daher ihr Name), indem sie das auf den Schultern zusammengenähte Gewand hinten auf der rechten Seite vollständig aufgenommen und es mit dem linken Arm wohlgefällig über die Schultern zieht. Den eigenthümlichen Ursprung dieses etwas bedenklichen Venusideals gab die 245 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: IMarmorstatueu). 240 Ehe zweier Mädchen von Syrakus mit zwei vornehmen Jünglingen, die auf diese Weise sich bezaubern Hessen. Die reich gewordenen jungen Frauen stifteten aus Dankbarkeit eine solche Texnpelstatue. — Friedrichs sieht in dieser Statue ein Produkt jener rafft- nirten, technisch ungemein bedeutenden, aber ethisch bedenklichen Kunstrichtung, die auf die Schöpfung der jüngern attischen Schule des 4. Jahvh. gefolgt zu sein scheint. — Ergänzt sind von Albaccini der Kopf (schlecht), alles Nackte über der Gewandung, der linke Arm, das x*echte Bein unterhalb des JGiies. Canova lehnte die Ergänzung ab, weil er nicht mit den erhaltenen Theilen rivalisiren zu können glaubte. 1868 zerbrach sie beim Transport, doch sind die antiken Theile nicht stark beschädigt worden. * Satyr, der den Bacchus auf den Schultern trägt; treffliche, aber sehr überarbeitete Kopie dieses beliebten Werks. Der Knabe grösstcntheils modern. — Nereide auf einem Meeruiigeheuer (Pistrix); von schöner Arbeit. — * Agvippinci, die edelste sitzende Porträtstatue der antiken Kunst, von noch guter Erhaltung. Winclcehnann zieht sie den Agrippinen der Villa Albani und des Kapitols vor. Ergänzt sind die Stuhlbeine, die Fuss- bank, die vordere Hälfte der Püsse, die beiden Hände und die Nase. Ein schwermiitliiger Zug trauernder Ergebung durchfurcht das in Gedanken versunkene Antlitz; auch in der Haltung gewahrt man bei allem majestätischen Anstand doch einen Nachklang melancholischer Stimmung; die Charakteristik des G-ewandes ist ein wahres Meisterstück, der Ueberwurf an den llücken gelegt und unterwärts über Schoss und Schenkel geschlagen, das einfache Unterkleid mit zugeknöpften Halbärmeln , beide in grossartigen Falten die fürstliche würdevolle Erscheinung noch mehr hervorhebend. Nach Münzen deutet man Physiognomie und Haartracht auf die jüngere Agrippina, die im Lebenssturm gebrochene Mutter Nero’s. — Kinkel hält sie nach den früheren Annahmen für die edlere ältere Agrippina, die Gattin des Germani- cus; »die überaus einfache Tracht, das Haar, welches vorn kurz abgeschnitten und hinten ganz schlicht zusammengenommen ist, sind völlig frei von Gefallsucht, das männliche Gesicht, die starke Nase, der hohe Ernst passen zur Heldin des Lagers besser als zur Giftmischerin und der alternden Schönheit, die gegen ihren eigenen Sohn die Kokette spielte«. -■'Torso des Bacchus, der berühmte Farnesische Bacchus, ein griechisches Originalwerk des 4. Jahrh. v. Chr., wohl aus der Schule des "Praxiteles , Nicolas Poussin soll nach diesem Werk seinen Stil gebildet haben. In sämmt- lichen italienischen Sammlungen fin det sich kein Dionysosleib, der das innere Wesen dieses eigentümlichen Gottes der Naturbegeisterung in so prägnanten, überaus weichen und doch einfachen, grossartigen Formen darstellte. Von hier kehre man bis jenseit der südlichen Balbusstatue zumAnfang (Südende) des II. Korridors zurück und trete in die hinter diesem Korridor gelegenen Säle ein; gegenüber dem Eingang in die Bronzensammlung liegt der I« Saal (Göttertypeii : Jupiter und Juno; Apollo und Diana; Ceres). — Linke Wand: Apollo mit Leier und Schwan, Statue. Apollo sitzend, mit Leier. Apollo Musagctes, in langem Gewand, mit Leier. Drei archaistische Apollohermen. — Mitte: Kolossalstatue des sitzenden Apollo, aus einem einzigen Stück Porphyr, mit Kopf und Leier in weissem Marmor. Die spätere Kunst liebte solche Zusammenstellungen, schon weil die harten Stoffe und ihre Bearbeitung viel Geld kosteten. — Diese Buntheit, hinter der sich die geistige Leerheit versteckt, ist »eine der begleitenden Ursachen des Untergangs der antiken Skulptur gewesen«, (liurckhardt.) ltechte Wand: Diana mit Fackel. Diana mit Hund. Diana von Ephesus, in gelbem orientalischen Alabaster mit schwarzem bronzenen Kopf und Extremitäten; Basis von Porphyr (Chimären, Hirsche, Stiere, Bienen, Kosen, Zodiacus u. a. symbolisiren den Genius der Göttin). — Apollino (l\). — Diana. — Jupiter, Büste, auf antiker Säule, — Linke Wand, nach dem Apollo von Porphyr: Statuette, als Ceres ergänzt. — Jupitermaslce. — Sitzender Apollo (IT.). — Apollo von Basalt, mit Leier. — Ceres, sitzend. — Maske (Venus; ohne Haarschmuck). — Jupiterstatue; der rechte Vorderarm sammt Blitz modern, die Linke im weiten Uebergewand auf die Hüfte gestützt; die Haltung des Kopfes stolz, der Ausdruck etwas finster, die Figur theihveise verschliffen und in der Gewandung überarbeitet. — Klick - wand: * Jupiter, Kolossalbüste aus dem 9 * 247 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). 248 Jupitertempel von Pompeji. Sie hat ii) nicht wenigen Einzelheiten der Formen mit der Maske von Otricoli Aelmlichkeit, und dennoch völlig verschiedenen Charakter, denn dieser Kopf ist der »donnerfrohe« Kronion der homerischen Poesie (Overbeck). — '* Jupiter, Ilalbstatue, aus dem Tempel von Cumä; die Nase schlecht restaurirt, Haar und Bart gewaltig und meist alt. Er ist sitzend zu denken, ein innerlich bewegter, »zu lebhaftem Handeln« bereiter Zeus (Overbeck); der Mund ist fast zu stark geöffnet, die Stirn nicht so erhaben wie beim otriculanischen, die Brauen sind mächtig emporgezogen, die Augen aufgerissen. — Juno, Büste. — R echte Wand, nach der Thür: * Jupiter Ammon, Herme aus Herculaneum. Die wenig krausen Haare steigen über der Stirn gescheitelt empor, bedecken, die Stirn mit einem Kranz umrahmend, bald die Wurzeln der mächtig geschwungenen Hörner und verhüllen den Ansatz der in der Biegung der llörner liegenden Ohren; die Augen sind träumerisch, sehr schön geformt , die Nase etwas gebogen und auffallend schmal; sie und der ganz eigen- thiiniliclie, sehr ■ gerade geschnittene (blökende) Mund bilden einen vollkommen menschlich idealisirten Schaftypus (Overbeck). Doch ist der Zeustypus unverkennbar, der Ausdruck »orakelhaft sinnend«. Der Kopf idealisirt am vollkommensten die symbolisch tief bedeutsame Widdernatur des Gottes. Ceres, Statue. — Herme des bärtigen Bacchus. — Neptun, Statue (die Rechte auf einen Delphin stützend). — Bacchusherme. — Eine Junostatue. II. Saal (Göttertypen: Venus, Minerva, Bacchus, Mars, Merkur). In der Mitte, r.: Sitzender Mars, mit dem Schwert am Boden (Kopf, linker Arm, Schild, rechte Hand modern). L. gegenüber: Merkur, auf einen Baumstamm sich stützend. — An der rechten Eingangswand : l/imerva,Hermenbüste.— Minerva, Statue. — Bacchus, Statue, mit Epheu und Weintrauben bekrönt. — Rechte Schmal wand: Bacchus mit Panther, Statue. — Bacchusherme. — * Bacchuskopf. — Antinous, Kolossalstatue, als Bacchus dargestellt mit Pantherfell, Trauben und Becher. — Vorn: Bacchusherme (archaistisch); hinten: Ariadne, Büste. — Bacchus, Statuette. — Bacchus mit Panther, Statue. — Ausgangswand: Bacchus, Statuette. — Bärtiger Bacchus, Herme. — Bacchus und Amor, schöne Gruppe. — ^Bärtiger Bacchus, Büste. — Bacchus mit Panther, Statuette. — Am Pfeiler: Minerva, Büste (TI.). — Jenseit der Thür, am Pfeiler: Minerva, Büste (auf der Brust schöner Medusenkopf). — Venus mit Delphin, Statue (F.). —* Venus, Statuette aus Pompeji (1873 gefunden); Haare und Peplon gelb, Augenbrauen und Augensterne schwarz. — Venus, Statuette. — Porträtstatue als Venus (F.). — Venus und Amor (der eine Muschel als Ursprung der Venus in Händen hält). — Venus, die Haare austrocknend. — Venus und Amor (Amor auf einem Delphin, der einen Polypen verzehrt). — Venus vor dem Spiegel. — Rückwand: Venus, kauernd. — Venuskopf (P.). — Venus und Amor, Statue. — Venus, kleine Büste (F.). — Venus, kauernd, mit Amor (F.). — Eingangswand: Venus, Statue (F.).— Venus, die (langen, rothen) Haare austrocknend (P.). —Venuskopf. — Venus Anadyomene, aus dem Bad steigend (F.).— Venus Genitrix, Statuette (P.). — Venus, aus dem Bad steigend. — Venuskopf. — Venus Anadyomene. — Pallasbüste. III. Saal (Satyrn, Ganymed, Amor, Genien, Atlas, Aeskulap, Kybele, Isispriesterin u. a.). Mitte: L. Amor von einem Delphin umschlungen (der hübsche Kopf und die Arme sind modern, von Solari). Diese wunderliche Gruppe muss man sich in einem Wasserbassin denken; Amor vergnügt sich mit dem symbolischen Thier, das, »ganz wie Delphine zu thun pflegen, kopfüber mit ihm ins Wasser schiesst«. Gegenüber, r. Atlas, halbknieend, mit der Himmelskugel auf dem Rücken. Als Kunstwerk nicht bedeutend, aber interessant für die Einsicht in die astronomischen Kenntnisse der Römer (»da beim Adler der Stern des Antinous fehlt, so gehört das Werk in die Zeit vor Hadrian«; Passeri ). Rechte Eingangs wand: Bacclms- herme. — Auf einem Sockel: Isispriesterin, Statue in grauem Marmor, die nackten Theile weiss; in der Rechten das i ) i 249 250 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). Sistrum, in der Linken das Präfericulum (P.). — Kybele, die Göttermutter, auf dem Thron, Statuette; zwei Panther zu den Seiten des Throns, auf welchem die lateinische Dedikation steht: »Virius Maca- rianus errichtete der Göttin Cybele die Statue auf eigene Kosten«. — Isispriesterin. — Kybele, Kopf (H.). — Sogen. Ceres. — Sch mal wand: Vier kolossale Flussgottmasken von trefflicher Arbeit (zwei sind weiblich), einst »Dampfspeier«. — In der Mitte der Schmal wand: Nymphe; hübsches Motiv des sich anlehnenden und nach der Sandale greifenden Mädchens, das sich zum Bad rüstet (Kopf und Extremitäten neu). [F.] — Ausgangs- wand: Flora, mit grandiosem Kopf, sonst römisch-dekorativ. — Venus (?), Büste (P.). — *Aeskulap, Statue (F.), vorzügliche, auf der Tiberinsel gefundene Statue aus den Orti Farnesiani. — Aes - kulap, Büste. — Paris, Statue (F.) mit Hund, eine spätrömische Statue (»es liegt in dieser Figur etwas von dem schönen Miissiggang ruhender Götter und Satyrn; aber die Ausrührung ist sehr befangen«; Burckhardt). — R. und 1. an der Ausgangsthür: Zwei (unbekannte) Hermen. — Jenseit der Thür: * Ganymed mit Adler; bemerkenswertli der gegenseitige Blick und Affekt (schlecht restau- rirte Ilandbewegung). — Hermaphrodit, Statue. — -Amor (nach dem sogen. Eros des Praxiteles); leise neigt er den an- muthigen Kopf, so dass das lockige Haar des angehenden Jünglings tief in die Stirn herabfallt; er ruht und schwebt zugleich. — Hermaphrodit. — Schlafender Amor (P.). — Ganymed (nicht so vorzüglich wie der andere; Kopf und linker Arm modern). — Fensterwand; , Baceliusbüste. — Auf dem Aufsatz: Eine : Reihe von Brunnenstatuetten ohne hohem j künstlerischen Werth, fast alle aus Pom- \ peji (die vierte vorn: Liegender Satyr auf j dem Schlauch). — Linke Eingangs- I wand: Satyr mit Traube, Statue. — I ^Sitzender Silen mit Füllhorn. — Satyr i mit Traube. — Lachender Satyrkopf. — ( *Pan, der den jungen Bacchus im Flöten- ' spiel unterrichtet. — Büste eines lachen- j den Satyrs. — Satyr mit Traube (von f besonderer Leichtigkeit). — Kleiner alter Silen (Brunnenstatuette; P.). — Satyr, mit Pedum, Traube, Panther. — Bärtiger Bacchus; gute Hermenbüste aus Herculaneum. IT. Saal (Musen, meist aus dem Theater von Herculaneum). Die Musenstatuen sind von verschiedenem Werth: Klio, Erato, Urania sind geringere Arbeiten; Terpsichore (nach einer Kolossalstatue , wie das Gewand zeigt), Mnemo- syne, Melpomene besser; Kalliope gut (alle von Albaccino restaurirt, mehrere durch willkürliche Restauration zu Musen erhoben). Am besten der Torso der sogen. Polyhymnia . — In der Mitte: L. Amazone, vom Pferd gesunken (F.). — * Herkules und Omphale, eine allerliebste römische Arbeit, nach dem Motiv von Mars und Venus. — R.: Sogen. Alexander; ein zu Pferde kämpfender Krieger (nur der Leib des Pferdes bis zum Bein des Kriegers und ein Tlieil des Rückens antik). — Rechte Eingangswand: Polyhymnia, Statue (F.). — Klio, Statuette (II.). — Erato (H.). — *‘Klio, Statuette (edel gewandet). — Melpomene (mit Epheukranz). — Schmalwand: Thalia, mit Maske. — Euterpe, mit Doppelflöte. — Euterpe, mit Musikpapyrus. — Euterpe (schönes Gewand). — Euterpe (alle aus Herculaneum). — Ausgangswand: Klio. — * Polyhymnia, Torso (F.). — Kach dem Bogen: Ilerkuleshcrme. — Muse. — Fensterwand: *Iieroenkopf (Ajax?), vollständig erhalten; Lysipp’sehe Stirn. — Hernie. — Herkulesstatuette. — Herkulesherme (II.). —* Herkuleshermo. — Me- leager, Statuette in Rosso antico (Beine und rechter Arm modern; kleine Wiederholung des Meleager im Vatikan), — Herkulesherme. — Herkulesherme in gelbem Marmor. — Herkulesstatuette. — Sitzende Statuette (unbekannt). — Statuette eines Kriegers. — Kolossalkopf des jungen Herkules. — Linke Eingang s w a n d: Mnemosyne. — Kalliope. — Urania. T. Saal. Mitte: ** Mosaik der Alexanderschlacht am Issus (Nov. 333 v. Chr.), ein 5 m. breites, 2 1 j'i m, hohes, umgemein kunstreiches 251 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marniorstatuen). 252 und prächtiges Mosaikgemälde, das man 1831 in der Casa del Faimo zu Pompeji fand, wo es den Boden des Tablinums schmückte. Es sollen auf eine Quadratpalme (die Palme l l± m.) über 7000 kleine Marmorwürfel gehen, die mit ihren Naturfarben die Malerei bilden. Die Charakteristik der Gruppen, die Sichtung nach künstlerischen Gesichtspunkten, die treffliche Zeichnung, die kühnen »überraschenden« Verkürzungen, die grossartige Gesammtwirkung, die schöne Gewandung und die dramatisch ungemein lebendige Darstellung lassen ahnen, von welcher Vortrefflichkeit das griechische Originalgemälde aus der Diadochenperiode gewesen sein muss. Einen besondern Werth hat das Mosaik auch durch das fast gänzliche Fehlen historischer Darstellungen aus der antiken Zeit und durch die geschichtliche Treue der Tracht und der Bewaffnung. 2(5 Krieger sind in zwei Reihen darge- stellt, die in Rüstung und Ausdruck verschieden sind; 15 Pferde (V-t kleiner als in Natur) sieht man in den mannigfaltigsten trefflichen Positionen. Leider ist die untere linke Seite zerstört. Drei Pex’sonen ragen vor: der siegreiche, mit seinen Reitern heranstürinende Alexander, dem der Helm abgefallen ist; der tödtlich von ihm getroffene , vom blutenden Pferd niedergestürzte asiatische Feldherr und der König Darius auf dem Viergespann, dessen Pferde man schon zur Flucht sich wenden sieht, während vorn ein vornehmer Perser sein Pferd dem Darius zum raschem Entkommen anbietet. Rückwand, Nische: * DieFctV - nesische Flora, aus den Caracalla- thermen zu Rom, eine der berühmtesten Statuen des Museums (die fehlenden Vorderarme und Fiisse ersetzte Albac- cini, den Kopf TciglioUni), »eine wahre Göttin des innigsten Wohlseins«, künstlerisch bedeutsam durch die anmuthige Lösung der Verbindung lieblichster freier Grazie mit Kolossalformen (sie hat 3 */2 m. Höhe). Sie zieht in schreitender Bewegung den tief gegürteten Chiton mit der Rechten empor. Die Berechnung des vergnüglichen Effekts und die Absichtlichkeit, mit welcher die Transparenz der Gewandung durchgeführt ist, weisen dieses köstliche Werk doch der letzten Zeit der griechischen Kunst zu. Winchelmann hielt es für eine Muse, für Erato oder Terpsichore, denen die Tänze gewidmet waren, aber das allzu betonte Dureh- sclieinen des leiblichen Lebens widerspricht ! der Idealität der Musen. — Gerhardt ver- muthete eine bekleidete Venus, bei der eine Aehnlichkeit mit den Spesfiguren sehr natürlich und der freiere Stil gerechtfertigt sei. — Welcher schien sie eine Hebe zu sein, die in der Linken eine Trinkschale hielt und dem ermatteten (farnesischen) Herkules, der mit ihr zusammen aufgefunden wurde, den Labetrunk bot. — Friedrichs sieht in der Komposition die Umbildung eines alter- thümlichen Typus der Venus. An den Ecken des Saals vier Gladiatoren (der beim Korridor II r. stehende [Nr. 30] ist der bekannte V: Gladiatore Farnese ; schon hat er unter der linken Brustwarze den tödtliclien Stoss). TI* Saal (Reliefs). In der Mitte: Der berühmte *Salpionkrater von Gaeta, herrliches Marmorwerk des Atlieniensers Salpion , mit dessen Inschrift und (leider verstümmelten) Reliefs: Der kleine Bacchus wird von Hermes, welchem tanzende bacchische Figuren folgen, einer Nymphe (nach Welcher der Nysa) zur Pflege übergehen. Die drei in ruhiger Würde stehenden Figuren bilden einen trefflichen Gegensatz zu den drei in leidenschaftlicher Bewegungtanzenden baccliischeii Gestalten. Alle Köpfe und nackte Partien haben schwer gelitten, ixnd dennoch ist die Schönheit des Werks nicht nntergegangen. Die Vase wurde in den Ruinen des antiken Fonnio gefunden und diente dort an der Bucht von Gaeta den Matrosen als Cippus zum Anbinden der Taue, dann, als sein Werth später erkannt wurde, als Taufbecken im Dom zu Gaeta. — Da die Figuren Wiederholungen sehr beliebter Typen und keine originelle Erfindung sind (Hermes und die Nymphe = Nr. 493 Vatikan; lehnende Bacchantin = Nr. 932 Villa Albani; Satyr und tanzende Bacchantin ~ Nr. 329 im folgenden Saal), so ist das Werk der neuattischen Kunst in Rom im Beginn der Cäsarenzeit zuzuweisen. Um so bewunderungswürdiger ist die reine Auffassung der ursprünglichen Idee, die Anmutli der Komposition, die Präeision u. die strenge Wahrung des Reliefstils. Den Krater umgehen vier Puteale; beim Eingang 1.: Puteal (Brunneneinfassung mit sieben Göttern: Jupiter, Mars, Apollo, Aeskulap, Bacchus, Herkules und Merkur; archaistische Nachahmung aus der- ersten Kaiserzeit. Beim Eingang r.: Puteal mit Trauben und Vögeln (P.). 253 254 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Marmorstatuen). Beim Ausgang r.: Puteal mit Festons, Eplieu, Stierscliädeln. Beim Ausgang 1.: Puteal mit Wein bereitenden Satyrn. (F). — Gegen das Fenster liin: Tischplatte mit (1.) jungem Kentaur und (r.) einer schönen Scylla. —An der rechten Eingangs wand: Oscülen, Marmorscheiben, die umgedreht werden können, und zum Schmuck in den Peristylen und Viridarien dienten, wo sie zwischen den Säuleix vom Architravbalken herabhingen. — Sch mal wand: Grosser Schrank mit vielen kleinen Statuetten und Büsten (besonders Satyrn, Bacchantinnen). — Ausgangswa n d: Brunnenmasken, Oscillen, Triremen, ein Bacchanal* Mitte oben: grosses Relief einer Hochzeit, Sarkophag mit zwei Reliefbildern der Verstorbenen. — Fensterwan d: 34 kleine Reliefs von keiner künstlerischen Bedeutung (auch christliche), meist von Gräbern und aus späterer Zeit. — Unter dem Fenster: Sarkophag mit Meleagerjagd. — An der linken Eingang s w a li d: * Altgriechischer Grabstein mit dem Relief des Verstorbenen, wie er im Leben war. Im umgeschlagenen kurzen Ueberwurf, Brust und Extremitäten frei, das Haar mit einem Band umfasst, dessen Ende vorn emporsteht, lehnt sich der bärtige Gymnast auf seinen Knotenstock, zu ihm hinauf schaut verlangend der halb sitzende Hund. Am linken Handknüehel des Mannes hängt an einem Riemchen ein rundes Salbflasch- chen (lekythos), auf seinen Beruf deutend. (Die Darstellung gleicht auffallend einer {noch harmlosem und besser motivirten] Grabstele auf dem Friedhof des böotischen Dörfieins Romäiko [1 St. von Orcliomenos], die laut Inschrift Alxenor von Kaxos [um 47U v. Chr.j skulpirte.) Die Inschrift auf der untern Leiste ist leider unleserlich. In Gewandung und Körperbildung ist theilweise noch der altertliiimliche Stil festgehalten, doch stimmt die Palmettenbekrönung der Einfassung genau mit den Stirnziegeln des Parthenons iiberein. Der Ursprung des Werks ist also wohl attisch und nahe der Zeit des Perikies; es kam aus der Sammlung Borgia nach Neapel und hiess einst Odysseus mit dem Hund Argos. YII. Saal (Reliefs). In der Mitte: Piedestal zu Ehren des Tiberius, von 14 Städten Kleinasiens errichtet, welche der Kaiser nach einem Erdbeben wieder hatte aufbauen lassen. Den reliefirten Personifikationen dieser 14 Städte sind die Namen beigeschrieben. Dieses in Pozzuoli aufgefundene Ehrenmonument ist eine im Jahr 30 n. Chr. dem Kaiser geweihte verkleinerte Kopie des Denkmals in Rom. — Gegen die Ausgangswand: Zwei grosse Kandelaber ; die Säulen mit Blättern und Fruchten; drei sehr schöne Schwäne stützen 'ihre Füsse auf den Kopf eines Bocks; die eine Basis ruht auf drei Chimären, die andere (mit prächtigem Kandelaberkopf) auf drei Sphinxen. Vorn r. und 1. zwei schöne *bacehische Vasen; die 1. mit einer archaistischen fröhlichen Winzerfestpro- cession von neun Figuren in zwei Partien, die Henkel aus vier bärtigen Silenköpfen hervorwachsend. — An der linkenEin- gangswand, unten: Sarkophag mit sein* ausdrucksvollem Bacchanal. — L. daneben (in die Wand eingelassen): Relief eines schreitenden jugendlichen Herkules. — Darüber: Opferdarstellung. — Darüber: Opfer an Herkules mit lateinischen Inschriften (P.). — In der 2. Reihe, von unten nach oben: * Griechisches Belief der Ueberredung der Helena und des Paris ? mit griechischen Aufschriften. Helena wird in ihrer Behausung durch Aphrodite unter dem Schutz der auf dem Pfeiler sitzenden Peitlio, d. h. Ueberredung, bewogen, dem mit Eros vor ihr stehenden Alexandros, d. h. Paris (der, wie die Stiefeln zeigen, als fremder Gast einsprach), zu folgen. Noch weist Helena ab und Paris deutet nach den Rächern der Gastrechtsverletzung, aber (wenn auch noch so sehr klein) die Uebei’redung mit dem Vogel in der ltecliten und dem Fruchtkorb auf dem Haupt betheiligt sich schon sichtbar. »Dass das Original guter griechischer Zeit angehört , ist nach der Zartheit der Komposition, der Grazie der Gestalten xxnd der immer noch flächenartigen Behandlung des Reliefs gewiss anzunehmeu.« Doch reicht es schwerlich über die Mitte des 4. Jahrh. zurück. Darüber: Diana (P.). — 3. Reihe (von unten), unten: Der trunkene Silcn, kleines, sehr ausdrucksvolles Relief (F.). — Darüber ein schönes Bacchanal. — Darüber: Votivdenkmal der Cassia Priscilla an *JIerhule$ und Omphale, mit lateinischer Dedikation, in gutem römischen Stil.—-4. Reihe (von unten), unten :*Sogen. Apollo mit den drei Grazien (oder Alki- biades unter den Hetären). 255 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Mannorstatuen). 256 Ein Jüngling, den drei Mädchen (die ; eine mit Cymbeln, die andere am Gewand ihn zupfend und die Leier entfernend) aus seinen träumerischen Idealen wachrufen. . »Die grosse Grazie deutet auf attischen Ursprung, doch wegen der raffinirten Kunstrichtung nicht vor Schluss des 4. Jahrh.« Darüber: Eine Komödienscene (in der Weise des Terenz) (P.). — Darüber: Perseus befreit die Andromeda. —5. Reihe (von unten), unten: Ein Mohr auf einer Biga, deren dahinsprengende Pferde von einem Krieger festgehalten werden (II.). — Darüber: Tibevius (?) und seine Geliebte gemeinsam auf einem Pferd; sie trägt die Liebesfackel und naht dieselbe der Platane, in deren Schatten die Herme steht, welcher das Opfer gebracht werden soll (Capri). — Darüber: Eine Frau scherzt mit einer Taube in der Hand. — Darüber: Orest in Delphi , römisch, nach einem trefflichen Original. — Fensterwand. Sarkophag mit Kentauren und Bacchantinnen. — Zwischen beiden Fenstern: Ein dreitheiliges Relief rnit Gladiatorenzug , Gladiatorenlcämpfcn und einer Jagdscene (Thierhetze); von einem Grabmal jenseit Porta Stabia ausserhalb Pompeji. — Darunter: Sarhophag mit der Menschenbildung durch Prometheus (in der Mitte), aus Pozzuoli, von mittclmässiger Ausführung, aber mit interessantem Gegenstand. Der noch unbelebt daliegende Mensch, von gütigen Göttern umgeben, Neptun, Amphitrite, Merkur, die Börse Juno überreichend, Kybele, Jupiter, Diana, Ceres, Vulkan, Sonne und Erde; Amorinen, Parze, Genius des Schlafs und des Todes mit dem Cerberus, Proserpina mit dem Scepter. A u s g a n g s w a n d. L. zu unterst: Basis eines griechischen Siegesdenkmals (Tropäon) mit zwei Karyatiden, einer niedlichen sitzenden Figur zwischen denselben (eine Arabeske darüber), mit griechischer Inschrift: »Zu Ehren von Hellas wurde das Tropäon errichtet nach Besiegung der Karyaten«; die Inschrift ist aber gefälscht und das Werk eine verkleinerte römische Nachahmung. — Darüber: Sogen. *Banchetto d’Icario, Dionys kehrt bei Ikaros, und Erigone, d. h. vielmehr bei einem zechend auf dem Ruhebett gelagerten Liebespaar ein; ein Satyr stützt ihn, ein anderer zieht ihm die Sandalen ab, vor der Hausthür weilen Silen und seine Genossen. Vortreffliche griechische Arbeit. — Darüber: Cirkusspiele von Eroten, mit interessanter Dekoration der Spina. — Zwischen den beiden Thüren von 1. nach i\, unten: Satyr und Bacchantin. — Daneben: Bacchus, Satyr und Bacchantin mit der Doppelflöte. — Darüber: Flachrelief von sieben weiblichen Figuren, deren Namen beigeschrieben sind, im Reigentänze, drei Grazien (Euplirosyne, Aglaja, Thalia) und drei Nymphen (Is- mene, Kykais, Eranno) nebst einer kleinen Stadtpersonifikation (Telonnesus); aus Herculaneum. — Unten, daneben: * Orpheus und Eurydike in der Unterwelt, mit Hermes, dem Seelcn- führer. Die Namen sind griechisch beigeschrieben. In der Villa Albatii Nr. 1031 und im Louvre sind zwei gleiche, aber etwas geringere Darstellungen, letztere mit der Aufschrift : Zelhus, Antiope, Amphion. Das Original ist attisch, der Epoche der Phidiasschule angehörend, von der dramatischen Lebendigkeit der neu- attisclien Schule zeigt sich hier noch keine Spur. Orpheus im hochgegürteten, reichgefalteten Gewand, die Linke, welche die Leier fasst, im Mantel, wendet sich mit einiger Wehmuth seiner Gattin zu; tief ergriffen ahnt diese die Bedeutung des Augenblicks, der ihr »alles bringt und alles nimmt«. »Während sie noch im Vorschreiten begriffen ist und dem zärtlich geliebten Gemahl in die Arme sinken möchte, wird sie bereits von der eisigen Hand des Hermes erfasst, der sie an das Machtgebot des Pluto erinnert und zur Umkehr mahnt.« (Braun.) Der Götterbote, in ruhiger, grossartiger Haltung, steht erhaben über die Konflikte der Sterblichen da, lässt aber im Antlitz und in der Bewegung der Rechten leises Mitgefühl durchblicken und vollzieht den ihm anvertrauten Befehl wie ein Gott. — Dieses Mass des Schmerzes, dieser edle Zug der Empfindung ist recht eigentlich das offenbare Geheimnis der Blütezeit der Kunst. Es folgt: Der junge Bacchus, sitzend. — Darüber: Mithrasopfer (Capri). — Ueber den beiden Thüren zwei grosse Medaillons mit Halbfiguren von Konsuln. — Zwischen diesen zwei Medaillons: zwei Eroten auf einem Opferstier knieend. — Rechte Wand, unten: Drei grosse Piedestale, jedes mit der Personifikation 257 4, Neapel (Museum, Erdgeschoss: Bronzen). 258 einer asiatischen Provinz Roms (F.). — Sarkophag mit Jupiter, Juno, Apollo und anderen Gottheiten (Capua). — Sarkophag mit dem Triumph des Bacchus. Von 1. nach r.: Der epheubekränzte Gott mit dem Tliyrsus in der Linken hält sich mit der Rechten am Hals eines Satyrs; er steht auf einer Biga, an welcher zwei Kentauren angespannt sind, welche die Leier und Doppelflöte spielen. Ein Erot mit Peitsche sitzt als Wagenlenker auf dem Rücken eines 'Kentauren; Herkules stützt sich, vom Wein schwankend, auf einen Satyr und auf die Schulter von Jole; hinter ihm trägt ein Satyr die schwere Keule des Heros. Am Ende r. spielt ein Erot die Leier rittlings auf einem Löwen, Satyrn leiten den Triumphzug ein. Im YIII. Saal (Schlusskorridor) sind Marmortische, Marmorbrunnen und Marmorornamente aus Pompeji aufgestellt; Pilaster mit schönen Verzierungen, ^Kandelaber, Vasen; — gegenüber der 1. Eingangsthür: ^Fontäne in Rosso an- tico; — an der linken Schmalwand: *Or- namente aus dem Eumachiabau. Geht man durch die Reihe der Säle zurück bis zum Eingang, so kommt man diesem gegenüber (den zweiten Statuenkorridor quer durchschreitend) in die ^Sammlung der Bronzen (Statue di Bronze), Der Bronzeguss, eine ägyptische Erfindung, kam den Griechen wahrscheinlich von Assyrien zu, in Griechenland aber erhielt er die höchste künstlerische Ausbildung. Die ältesten Bronzefiguren waren massiv gegossen oder mit Eisen ausgefüllt, oder aus Barren herausgearbeitet; die grösseren Bronzen der spätem 'Zeit sind dagegen immer hohl (die griechischen auffallend leicht); man goss die Figuren stückweise (eins der herkulaneischen Mädchen ist aus sieben, ein anderes aus zehn Stücken zusammengesetzt). In der Regel verlangt die dunkle, ernste Farbe des Erzes eine strengere Formgebung, doch hat die spätere Zeit ihm auch die graziösesten Gestalten abgewonnen. Die neapolitanische Sammlung der griechisch-römischen Bronzen ist die grösste und interessanteste in ganzltalien und eine der wichtigsten überhaupt, tim so schätzcnswerther, als antike Bronzewerke, nach welchen um des Metalls willen die Barbaren und selbst Kaiser und Päpste verlangten, nur in sehr geringer Anzahl vorhanden sind, hier aber wie eine köstliche aufgespeicherte Frucht durch die Vesuvdecke vor den Eingriffen bewahrt wurden; denn die grosse Mehrzahl dieser Schätze stammt aus Herculaneum und Pompeji. Die massive, mehr der Feuchtigkeit wehrende Decke von Herculaneum erhielt die Bronzen dunkler (schwarzgrün), während die der Feuchtigkeit mehr ausgesetzten Bronzen von Pompeji heller gefärbt sind (grünspanfarbig). Auch hier sind, wie bei den Marmorstatuen, fast über alleEpoclien der griechischen und griechisch-römischen Kunstentwickelung interessante Beispiele vorhanden; einige derselben gehören mit zu den herrlichsten Kunstwerken der Alten Welt. — Die Numerirung hat auch hier noch nicht stattgefunden. I« Saal (Thiere). Mitte: Pferd aus Herculaneum; aus Fragmenten zusammengesetzt, die unter den Ruinen des Herkulestempels 1739 gefunden wurden. Es soll zu einem Viergespann Nero’s gehört haben. — Mitte der ÜnkenSch malwand: * Kolossaler Pferdekopf, Rest eines Pferdes, das in der Vorhalle des Neptnntempels (Piazza di S. Gennaro) zu Neapel gestanden habe; später ein Wappen und Wahrzeichen der Stadt und mit mittelalterlichen Heilkräften des Grosszauberers Virgils ansgerüstet, erhielt es einen ausgedehnten medicini- schen Ruf; von überall führte man ihm kranke Pferde zu; endlich bohrten ihm eifersüchtige Kurschmiede ein Loch in den Leib, und seine Heilkraft verlor sich. Kaiser Konrad IV. liess ihm nach der Eroberung Neapels einen Zaum anlegen und ans Fussgestell schreiben: »Das bis dahin ungebändigte Ross Partlienope’s gehorcht jetzt dem Zügel des Herrn«. — Vom Erzbischof 1322 zur Bekämpfung des Aberglaubens zerstört und zum Glockenguss benutzt, wurde nur der Kopf des Pferdes von einem Verwandten des Erzbischofs, Diomede Carafa, gerettet und in dessen Palast (jetzt Pal. Santangelo, S. 183) aufgestellt. 1809 kam dieser prächtige Kopf ins Museum. In den Ecken vier Bronzebüsten: Neben dem Eingang r.: Sogen. Sappho. R. von der Ausgangsthür: Bogenspannende Diana, Halbfigur, am Venu Stempel von Pompeji gefunden; gehört wahrscheinlich zu einer Niobidengruppe, in der Vollziehung der Strafe für die Verletzung der mütterlichen Ehre begriffen. Diadem (mit dem Rest eines Halbmondes) und doppeltes Gewand sowie die Bildung des Kopfes deuten auf die spätere nachpraxitelisclie Zeit. Man sieht noch zwei Löcher für die Köclierbefestigung, eine Oeffnung am Hinterkopf für den Haarbüschel; die Augen sind naturalistisch aus Glasmasse. 259 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Bronzen). 260 L. von der 2. Ausgangsthiir: Sogen. Lima (eine griechische Hernie aus Herculaneum). — L. vom 2. Eingang: * Griechische Herme aus Herculaneum, mit der Aufschrift des Künstlers: »Apollonius, des Archias Sohn aus Athen« , eine Nachbildung des sogen. Doryphoroskopfes (S. 238), aber das Haar, dessen einzelne Streifen stachelförmig auslaufen, durch den Bronzestil modificirt. Die allzu drahtartige Detaillirung des Haars und die an Schlichtheit und Kraft dem Standbild nachstehende Behandlung deuten aixf die römische Zeit, die Buchstabenform auf die des Augustus. Der dicke innere Ohrwulst kennzeichnet den Athleten. Im Schrank eine Menge kleiner Thiere aus Pompeji und Herculaneum. — Auf der Brüstung der Eingangswand: Bock, Hirsch, zwei Hunde, welche einen Eber angreifen, Schlange, Lowe. Alle diese Thiere zierten eine einzige Fontäne (P.). — Auf der Brüstung der Ausgangs- w an d, in der Mitte: * Ausruhender Merkur ; zu seinen Seiten: Pferd mit Geschirr , fliehendes Schwein, Rabe, Ochs (letztere zwei Brunnenfiguren) (H.). II. Saal (Statu e 11 e n). Gleich beim Eintritt, vorn gegen die Fensterwand hin, auf einem Säulenstumpf von Giallo antico: *Silen als Qefässträger (P ). Vortrefflich ist hier das mühsame, alle Kräfte des Körpers in Anspruch nehmende Emporstützen einer schweren Last und der volle, derbe Eifer dargestellt, mit welchem der Alte dies Geschäft besorgt, mit einer Reihe feinerer Motive der Bewegung (balan- eirender rechter Arm, Andrücken des bärtigen Kinns an die Brust, Stellung der Küsse). — Für das Gefäss dienen drei Palmetten des emporgehaltenen Ringes, der nicht gerade sehr organisch als Schlangenleib dargestellt ist. Gegenüber, gegen die Ausgangsthür hin, auf einem Säulenstumpf von Giallo antico: **NavciSS , 1865 in Pompeji ausgegraben; herrliche Statuette aus dem Haus des Vico del balcone pensile. Die Statue ist eins der feinsten Originalwerke griechischer Bronzearbeit. Mit Minervini’s Erklärung als Narciss fand man das Ziegenfell und den Kranz mit Epheubeeren im Haar im Widerspruch, und da die Statue die Stellung eines Lauschenden und den Schritt Anhaltenden hat, das Haupt aber träumerisch zur Seite geneigt ist, als hörte es fernen süssen Tönen zu, und zwei Finger der Rechten sich dieser Richtung zuwenden, so vermuthet Benndorf in ihr einen auf Echo lauschenden Pan. —■■ Overbeck (in dessen Werk über Pompeji eine schöne Abbildung derselben ist) sagt von dem anmutliigen Träumer: »Es sind süsse Töne, die zu ilun dringen und denen hingegeben er das Haupt wie selbstvergessen sinken lässt und wie verzaubert in einer Stellung verharrt, die lieblicher und an- muthiger nicht erfunden werden konnte, möge man die zarten Wellenlinien der Umrisse und die feinen Kontraste der tragenden und getragenen Theile, des zurückgezogenen rechten Arms mit gesenkter Schulter und des aufgestützten linken mit der höliern Schulter ins Auge fassen. Und in gleichem Mass entzückend sind die Formen, die Verhältnisse, die Weichheit der Einzel- beliandlmig, welche weit eher an Fleisch und blühend zarte Haut, als an Bronze denken lässt«. Gegen die linke Schmalwand (hinter dem Tisch): - Tanzender Faun , 1831 in der nach ihm benannten Casa del Fauno in Pompeji am Bassinrand gefunden. Es mag wohl kaum eine wahrere Darstellung der animalen Begeisterung geben, als dieser sehnige alte Satyr, der, mit seinen Fingern zum Tanz klappernd, festen Schritts dahinschwebt, als höbe Lust und Behagen die Gesetze der Schwere auf. Auf dem Mitteltisch: Fliegende Victoria aus Herculaneum; »vom Olymp herabgeschwebt, berührt sie eben die Erde«. — R.* Venus, mit dem Ordnen der Haare nach dem Bad beschäftigt; ein höchst zierliches Figürchen von bester Arbeit; die Linke hielt einen Spiegel. — L. * Alexander, Reiterstatuette (II.), sehr lebendig und sorgfältig gearbeitet, mit Silberintarsia. — R. Amazone, Reiterstatuette (11.), mit der Linken ihr Pferd zurückhaltend, in der Rechten die Lanze schwingend (die weibliche Herme unter dem Pferd ist nur eine anmuthig belebte Stütze). — Mitte: Bacchus mit Satyr, aus der Casa di Pansa (I\). — L. * Angelnder Fischer (P.); er sass am Bassin der Casa della fontana a mosaico und schien in dem Wasserbecken zu fischen. In seiner Linken hat er schon einen mit Fischen gefüllten Korb, und den Mann vom Metier zeigen die plebejischen Züge und die bei der Arbeit entblösste rechte Schulter, wie es Sitte der Handwerker war. Die Maske unter ihm, aus welcher das Wasser floss, ist eine äusserliche Zutliat. R. Knabe mit der Gans. — Am Ende: Kandelaber mit köstlichem, volhvangi- gem, lachendem Putto. — In den vier 261 4. Neapel (Museum, Erdgeschoss: Bronzen). 262 Ecken des Saals: Bronzebüsten; r. vom 1. Eingang sogen. Agrippina (P.). Daneben: Männliche (unbekannte) Büste. R. vom Ausgang: * Lucius Cäcilius Jucundus (1875 in Pompeji mit den berühmten Bronzeverträgen zusammen gefunden) ; von individuellster Realität. In den anderen Ecken zwei Unbekannte (P.). — Im Schrank der Ausgangs wand, untere Abtheilung: kleine Büsten; z. B. (von 1. nach r.) 6. Zenon. 8. Demosthenes. 9. Epikur (alle drei aus der Papyrusbibliothek in Herculaneum). — In der obern Abtheilung Götterfigürchen, Laren, komische und groteske Darstellungen; Hände mit Phallen gegen den bösen Blick. — Im Schrank der linken Schmalwand: Götterfigürchen; mehrere von hohem künstlerischen Werth; in der obersten Reihe köstliche Satyrköpfchen; in der 2. Abtheilung (von 1. nach r. die 29. Figur) ist die berühmte * Venus dai braccialetti d’oro; in der 4. Abtheilung (gegen die Mitte) sehr schöne Köpfe von Satyrn und Bacchantinnen (der 24. von 1. nach r. mit ausgebreiteten Flügeln, eine sonst nicht vorkommende Darstellung). — Im Fensterschrank grössere Statuetten ; Brunnenfiguren (eine Anzahl Knaben mit Masken, andere mit Wasserscliläuclien); in der untern Reihe (von r. nach 1. 4, 6, 10, 12) treffliche sitzende Silene (2. auf einem Schlauch sitzender Silen). — In der Mitte: Galbabüste, die einzige Silber- büste , die man bis jetzt kennt, 1874 in Herculaneum gefunden. — In der obern Reihe, erste Figur 1. (Nr.54): *Reizender Putto, aus Pompeji. —Eingangswand: Etruskische Spiegel, mit Graffitdarstel- lungen auf der Hinterseite; z.B. 3. r. Menelaos der Helena die verhängnisvolle Halskette der Venus abnehmend, 4. r. Aussöhnung der Venus mit Minerva u. a. III. Saal (Salone). Freistehend im Saal (von der Fensterwand aus): 1. Reihe: * Schlafender Satyr • ein hübsches Motiv (der linke Arm hängt und hat den Becher fallen lassen, den rechten hat der auf einem Felsstück sitzende Schläfer über den Kopf gelegt). Stark restaurirt. — R. ** AxiSVUliendeV jyievJüUV (H.); offenbar ein Original aus der Zeit und der Schule des Lysip- pos; der Kopf, in vielen Stücken zertrümmert gefunden, wurde theilweise ergänzt; in sprechendster Weise ist das Doppelmotiv gelöst, den eifrigen elastischen Götterboten einen Augenblick nachlässig ruhend darzustellen, das eine Bein vorgestreckt, das andere zurückgezogen, die Rechte sich stützend, die Linke hängend, der Leib vorgebeugt, und doch bequem. Winclcelmann, welcher diese Statue die schönste Bronzebildsäule in der Welt nennt, fügt bei, ausser ihrer Schönheit sei sie auch dadurch merkwürdig, dass der Haft von den Riemen in Gestalt einer platten Rose unter der Fusssolile stehe, symbolisch andeutend, dass dieser Gott nicht zum Gehen, sondern zum Fliegen gemacht sei; er könnte den Fass nicht auf die Erde setzen, ohne sich wehe zu tliun. 2. Reihe: L. sogen. Senecakopf( II.), von sprechendem Ausdruck (wahrscheinlich ein griechischer Dichter). — R. Apollokopf (H.), archaisch; die zu Flechten zusammengedreliten langen Haare, die den Kopf umkreisend, und über der Stirn geknöpft, wieder in Locken herabfallen; die durch eine Erhöhung angegebenen Augenbrauen, die derben Formen und der Mangel an Individualität sind dem alten Stil trefflich nachgebildet. — 3. Reihe: R. und 1. *Zwei Wettläufer (H-), oder wohl eher zwei Ringer, welche sich den Punkt des Angriffs ersehen; von ungemein lebensvoller Auffassung. — Mitte: * Trunkener Silen ? köstliche Statuette (H.), in trunkener Seligkeit liegt er auf dem Schlauch, über den eine Löwenhaut geworfen ist, und schlägt mit der Hand ein fröhliches Schnippchen; der Unterleib ist wie ein Schlauch gesenkt, am Hals ragen die thierischen Knollen hervor. — 4.Reihe: L. Bogenspannender Apollo , in einem Wasserbehälter am Forum zu Pompeji gefunden, mit Augen aus Glasmasse; in den Proportionen etwas schwächlich (vgl. Diana). — Ii. * Leierspielender Apollo , aus einer Aedicula in Pompeji, also für den Hausgottesdienst; ein Werk der archaisirenden Schule des Pasiteles (zu Augustus’ Zeit), in weichlichen Formen; an der Leier sind noch einzelne 263 264 4, Neapel (Museum, Erdgeschoss: Bronzen). Saiten von Silber. — 5. Reihe, an der dem Fenster gegenüberliegenden Wand: Sechs Statuen und sieben Büsten; von 1. nach r. Statue der Vic.yria, Mutter des Prokonsuls Baibus (S.524), ihrer Tugenden wegen als Pieta dargestellt; eigen - thümlich durch die Mantelumhüllnng, derenHauptende der Einbogen des linken Arms hält, während die Spitzen unterhalb des linken Knies und über den Arm niederfallen. Büste, sogen. Ptolemäus Philomator. — Statue des Memmius Maximus, eines römischen Magistrats. — Kopf der sogen. *Berenike (mit Nr. 25 bez.), mit aufwärts zu einem Kranz gebundenen Haaren, so ideal schön und hehr, dass sie einem Götterkreis anzugehören scheint. Bei der Auffindung waren Augen und Lippen mit Silber ausgelegt (mit dem Münzenbild der Bere- nike stimmt der Kopf nicht). — Kolossalstatue des r l\ Claudius Drusus (H). — Büste, sogen. Ptolemäus Philadelphia. - Kolossalstatue des Augustus, als Jupiter. — Büste, sogen. Ptolemäus Alexander . — Statue des M. Calatonius, eines römischen Magistraten. — Büste, sogen. * Ptolemäus Apion, dessen weibischen Charakter dieser weibliche Kopf ausdrücken sollte, weil ihn Münzen mit langen hängenden Locken darstellen. Es ist aber ein weiblicher Kopf, um welchen 68 vier-bis zwölfmal gewundene Locken nicht angegossen, sondern nachher angesetzt worden sind. — Statue der Antonia, Gattin des Drusus (der Kopf von eigentümlicher Kleinheit). — Büste, sogen. PtolemäusSoter. — Ausgangswand, nach der 1. Ausgangsthür: Büste des Ilerahlit , griechischer Philosoph. — Darüber: Büste eines Unbekannten.—Dann: *Drei Tänzerinnen ; sie werden mit den drei gegenüberstehenden gewöhnlich die sechs Mädchen von Herculaneum genannt, weil sie daselbst im Theater gefunden wurden. Man erklärt sie gewöhnlich als Tänzerinnen oder Schauspielerinnen (nach Winckelmann Nymphen) ; sie schmücken das Proscenium des Theaters und haben nur dekorativen Werth, sowie als Gewandfiguren, welche das einfache griechische Idealkleid in verschiedener Haltung tragen (Spuren von Farben am Gewandende und an den Augen). Es folgt (unten) die -Büste des Archytas, griechischer Philosoph aus Tarent. — Darüber: Büste eines Unbekannten. — Nach der 2. Ausgangs- thiir: Statue der sogen. IAvia, Gemahlin des Augustus, mit vortrefflichem sprechenden Kopf. Fenster wand: L. vom zweiten Fenster: Sulla, Büste (P.). — Dann: Statuette eines Camillus (Opferknaben). — Kolossalstatue Faustina's , Gattin des Marc Aurel, als Pudicitia (eine schön- gewandete weibliche Porträtstatue). — Statuette des Apollo. — Büste des M. Claudius Marcellus, der Kopf dieses früh deuMilitärstudien ergebenen, mit 20 Jahren gestorbenen Neffen des Augustus hat völlig die Verhältnisse des jugendlichen Herkules. — Eingangswand: Statue des Nero Drusus, in langer Toga opfernd. — An deVWand, unten: Sogen. Kopf des ** l*lctt0n (Kopf des bärtigen Bacchus). Der Kopf ist augenscheinlich Theilen einer ganzen Statue entnommen und eine ausgezeichnete Kopie (?) eines griechischen Werks vor der Mitte des 4. Jahrh. v. Ohr., in der Kunstrichtung der Skopas und Praxiteles. Am bewun- dernswerthesten ist die Einigung von Weltschmerz im edelsten Sinn mit der grossartigsten Kraft, von Individualität mit göttlicher Hoheit und Milde, von urmächtiger Nackenbildung mit geistvollen, übermenschlichen. Gesichtszügen. Winckelmann nennt diesen im erhabenen Stil der Bronze verfertigten Kopf ein Wunderwerk der Kunst. »Er sieht von der Seite niederwärts, die Stellung zeigt Verachtung an, die Gesichtszüge aber nicht; die Stirn ist gedankenvoll, der Blick aber angenehm. Bei* lange Bart ist in Fluchen gezogen, wie man sie mit dem feinsten Kamm machen könnte, ohne dass dieselben scharf eingeschnitten sind, sondern so weich wie graues Haar; es könnte von ihm gelten, was der ältere Scaliger vom Bart sagt, dass derselbe das schönste und göttlichste Theil des Menschen sei. Auf die nämliche Art sind die wellenförmigen Haupthaare gebildet. Aber BTeund, kein Mensch ist im Stande, das Künstliche dieses Kopfs mit Worten zu beschreiben; er ist eins der vollkommensten Werke auf der Welt, das unter die schönsten Dinge gehört, die man sehen kann.« • 1 ■ 1/3 ce 2=,* 2 £ © 0 > U 3 l=t ® 00 o jMuseoiSantian^elo M ed jGrandeArmadiö] Bibliogr&phiscnes Institutin Leipzig. 265 4. Neapel (Museum: Waffensammlung — Renaissancearbeiten). 266 Darüber: Lepidns, voll individuellen Lebens. Dann drei Tänzerinnen aus dem Theater von Herculaneum (S. 523). ~ Zuletzt zwei Büsten, unten: BemoTcri- tos ; darüber: Tiberius. IV« Saal (Waffensaal). — Mitte: Reiter Statue des Nero; einst auf dem Bogen, der in Pompeji vom Forum zum Fortunatempel führt (1861 von Vin- cenzo Bramante mit grösster Sorgfalt aus den Fragmenten wieder zusammengesetzt). It. von der Eingangswand: *Büste des Scipio Africanus (H.); an der linken Kopfseite die zwei Narben (»das wahre Urbild eines alten Römers«; Burckhardt) [H.].— Gegenüber: Griechische Herme (mit einem dem Doryplioros verwandten Typus). Die Waffensammlung. In drei Glasschränken: Griechische Rüstungen aus den alten Gräbern von Pästum, Ruvo und Canosa, die Gladiatorenrüstungen aus Pompeji und Herculaneum, und altitalische Kriegsgeräthe. — An der Rück w and: Griechische Kriegsgeräthe. Nr. 1 — 12. Zwölf geschlossene Bronzehelme mit Oeffnungen für Augen und Nase, aus Pästum und Ruvo. JJ. Oberes Beim Treppenaufgang tritt man (r. vom Löwen) rechts im Zwischengeschoss in die Säle mit Arbeiten aus dem 15. und 16. Jalirli., chinesischen und indischen Zeichnungen, antiken Gläsern und Terrakotten meist aus Pompeji. Renaissancearbeiten (Raccolta degli oggetti del 1500). I. Saal. — Mitte: Grosses achteckiges * Tabernakel (battistero) in Bronze, mit Reliefs der Leidensgeschichte. Nr. 1 (Thür des Ciboriums, 1., Mitte) Abendmahl. 2. (von 1. nach r.) Gebet in Gethsemane. 3. Geiselung. 4. Kalvarienberg. 5. Kreuzigung. 6. Kreuzabnahme. 7. Begräbnis. 8. Auferstehung. Entwurf und Ausführung (Jacopo Siciliano) gehören der Schule 13. Fünf Harnische aus Canosa. 28. Elf Beinschienen aus Ruvo und Canosa. 50 und folg. Stirn- und Brustbedeckungen für Pferde (Ruvo). 39 und folg. Lanzenspitzen aus Pästum. — Im zweiten Kasten (Eingangs wan d) : Italische Waffen. 56. Helm aus Pompeji. 66. Beinschiene aus Pietra abondante (Bovianum). 68. Lanzen aus Pozzuoli. 82. Schwert von Eisen mit Scheide von IIolz, aus Pompeji. 59 und folg. Helme aus Herculaneum und Pompeji. 136. Samnitisehes Feldzeichen aus Pietra abondante. Schleuderblei. — Linke Schmal wand: Gladiatorenwaffen. Eine Reihe von Gladiatorenhelmen aus Herculaneum und Pompeji. 268. Grosser Bronzehelm mit Vergoldungsresten. 283. (unten r.)*Reieh reliefirter Helm (H.) mit der Einnahme Troja’s (Tod des Priamus; Kassandra; Flucht des Aeneas). 288. *Rundscliild mit dem silbereingelegten Reliefkopf der Medusa, von einer Olivenguirlande umgeben. 301 und 304. Beinschienen (P.). 310, 311. Zwei Lanzen (P.). 312, 313. Dolche von Eisen mit beinernen Griffen. 317 und folg. Silberne Schnallen. 321. (1. zu äusserst) Zwei Bronzetrompeten.— Unter d em Fenster: Beile, Schleuderblei, Bronzeschnallen u. a. Stockwerk. Michelangelo’s an. — Davor: Kopie des Toro Farnese. — Gegen das Fenster: Prächtige Tazza in Rosso antico auf einer Basis mit Pantherköpfen. — R. vom Eingang: Galba, Kopf; Statuette der Sappho. — Marmorbüste Canova’s. — Rechte Wand: Kopf Dante’s. — Schlafender Amor. — Truthahn auf einem Schwein. — Schlafender. —Medusenmaske (von Festa aus Turin, nach Canova). — Schöne Granitvase. — Uebcr der Ausgangsthür: Marmorrelief mit Amorinen. — Fensterwand: Hannibal, Marmorkopf. — Statuette eines Kriegers. — Karl V., Marmorbüste. — Alabaster-Tazza. — Linke Längswand: Schrank mit Bronzestatuetten von Gottheiten, Kriegern, Eroten u. a. — Kolossal- büste von Mäceiias. — Schrank mit Bronzestatuetten der Venus. — Eingangs- 267 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Glassachen — Terrakotten). 268 wand: Bronzegruppe des Sabinerinnenraubes. — Bronzekopf ('unbekannt). — Bronzegruppe, Kain und Abel. — 425. Bronzebüste Ferdinands 1. von Arago- nien ('wahrscheinlich von G. Mazzoni von Modena), mit für jene Zeit sehr individueller Auffassung. An der Mütze der den Ara^onesen beliebte Schutzengel; im Gesicht in sprechendster Weise das lauernde tyrannische Wesen, die Formen schwer, das Kinn herabhängend , die Wangen dick hervortretend, der Mund geschlossen und streng, die kleinen Augen mit schneidend scharfen Rändern, das Haar von feinster Arbeit, auch die Bekleidung vortrefflich behandelt; merkwürdige Kette. Bronzestatuette eines Eroten. — An den Schmalwändcn: Vier grosse (ägyptische) Bronzelampen. — An der rechten Wand: 29. Marmortriptyehon der Leidensgeschichte in siebenAbtheilungen, einst Tragaltar des Königs Ladislaus auf seinen Kriegszügen: 1. Gefangennahme; 2. Jesus vor Pilatus; 3. Kalvarienberg; 4. Kreuzigung; 5. Kreuzabnahme; 6. Begräbnis; 7. Auferstehung; deutsche Schule (aus S. Giovanni a Carbonara). — Sigelgaita Euffolo, Gipsbüste von der Kanzel von Ravello (1272). II. Saal. In der Mitte: Chinesischer Elfenbcinkorb, in 24 Abtheilungen mit Darstellungen des Landlebens der Chinesen. — liechte Schmalwand: Die Bescheidenheit, Marmorstatue von Antonio Sammartino, 1766; unter dem Schleier dringen alle Formen vor. — Ausgangswand: Schrank mit Gegenständen aus Otahaiti (für Fischfang, Jagd, Musik etc.), vom Weltumsegler Kapitän Cook nach Europa gebracht. — An den Wänden: Indische Farbenzeichnungen (merkwürdig die zwei auf Leinwand gemalten von dem tibetanischen Maler Jon de la Huri: Hölle und Himmel nach brahminisclien Begriffen). — Auch chinesische Farbenzeichnungen. — In den Schränken: Götterbilder; Holz - und Elfenbeinschnitzereien; Majolika’s; Gegenstände aus Indien und den Südseeinseln. — An der Ausgangswand, r. von. der Thür: Grosses * Fresko aus Pompeji, das dortige Amphitheater darstellend (1869 gefunden), in dem Moment des Streits zwischen den Pompejancrn und Nocerinern; das Amphitheater ist mit einem Velarium bedeckt (die Malerei ist roh). Antike Glassachen (Vetri). III. Saal. In G1 asschränken ausgezeichnete Sammlung von mehr als 4000 Gegenständen, meist aus Pompeji, Herculaneum, Stabiä und Nola: einfache, gefärbte, bergkrystalleno Gläser; Medi- cinfläschchen; SalbenÜäschchen (sogen. Lakrimatorien): Tassen; Lampen; Trichter; Karaffen in Form von Zwiebeln, Birnen, Glocken; Kühlflaschen; Fläschchen für wohlriechende Wasser; Amulette; Glasperlen; Fensterscheiben aus der Villa des Diomedes und den Thermen von Pompeji u. a. — In der Mitte, heim Fenster besonders aufgestellt: * Plaues Glasgefäss in Amphorenform (auf modernem Silbcrfuss) mit Reliefs in weissem Smalt (Amoren in der Weinlese, Silen- maske, Blumen, Weingewinde), 1837 in einem Grabmal von Pompeji gefunden, noch mit Asche gefüllt (der Silberfuss ist modern). — Es folgt in der Mitte: Eine antike Glasplatte, in deren Fluss Lapis- lazulistücke vermengt sind (aus Ruvo).— Nach dem Schrank: Blaue antike Patera mit weissem, mit Blättern geschmücktem Smalt, in der Mitte mit einem Satyrkopf. Durch den r. und 1. mit Siglen und Fabrikstempeln bekleideten Ausgang gelangt man zu den Antiken Terrakotten. IV. Saal. Zunächst ordinäres Geschirr (zum Thcil noch jetzt üblich); Gefasse für Wein, Oel, Korn; zweihenke- lige, unten spitze Gefässe; Vcrhrauchs- gefässe zum Tragen und Ausgiessen, englialsige Oelflaschen (Ampulla), Essgeschirr, Waschgefässe, Küchen- und Wirtschaftsgeräthe, Mörser, Becher. — Auch Glassachen (IX. und X. Schrank) finden sich hier; im Durchgang Siglen. — Fensterwand: Zwei Vasen mit Maskenhenkeln, von Terracotta, mit Relieffiguren (bacchischen Inhalts). Y. Saal. An der Eingangs- und Ausgangswand: Etruskische Grabdeckel 269 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Bibliothek). 270 von Terracotta, mit dem Bild des Verstorbenen; aus Vulci. — Am Fenster: Zwei Statuen aus Backstein, Jupiter und Juno aus dem Tempel Jupiters und der Juno ('Winckelmann hält sie für Aesku- lap und Hygieia). — In den Schränken: Eine reiche Lampensammlung (aus den Thermen und Boutiquen Pompeji’s); Votivthiere und Votivglieder. — Ausgangswand r.: *Die berühmten voUki- schenThonreliefs von Vellctri • 16Iveliefs, die in altitalischem, aber schon durch griechischen Einfluss berührtem Stil Scenen des wirklichenLebens mit grosser Frische vorführen. Krieger zu Pferde fliehende Feinde verfolgend, Wagenlauf, Feldherrenversammlung, Triumplizug, Bankett; die Figuren noch mit den breiten Achseln, eckigen Formen, falten- losen Gewändern und der mangelnden Linearperspektive des altitalisclien Stils; noch sieht man die Spuren der rothen und hellblauen Gouachefarben; die Löcher deuten auf Anheftung au einem Fries. VI. Saal. In der Mitte, frei aufgestellt, 1. dem Eingang gegenüber: Vase mitMaskenhcnkeln, mit graziösen Relief- figiirchen der Aphrodite und Eroten. 2. Gegen das Fenster hin: Puteal mit Relieffiguren (Abenteuer des Herakles). 3. Unter Glasglocke: Statuette der Venus auf zwei Meerpferden. — Rechte Schmalwand : Zwei Statuetten von Schauspielern, von Terracotta (P.). — In den Schränken: Brunnenmasken, gläserne Lampen; Larenstatuetten; groteske Figuren; Büsten von Gottheiten; kleine Graburnen mit Reliefs; Reste von Reliefs (darunter sehr schöne). Zur grossen Treppe zurück, gelangt man gegenüber 1. (Aufschrift: »Controlleria«) im westlichen Zwischengeschoss (1. vom Löwen) zur Cumanischen Sammlung, angelegt vom Fürsten Leopold Bourbon, Grafen von Syrakus, der in Cuma Ausgrabungen hatte vornehmen lassen; das so entstandene Privatmuseum schenkte sein Erbe, der Bürst von Carignano, 1861 der Stadt. In zwei Zimmern sind gegen 2000 Gegenstände gesammelt, meist Vasen, Terrakotten, Bronzen, Goldgegenstände, Gläser. I. Zimmer. In der Mitte: Büste des Fürsten Carignano, von Angelini. — BeimFenster: Ein schönes viereckiges Toilettenkästchen in modernem (nach dem Original kopirten) Holzwerk, mit antiken Elfenbeinreliefs; am alten Schloss noch das verrostete antike Schlüsselchen. Das Kästchen enthält einen runden versilberten Spiegel, ein elfenbeinernes Salbenbüchsehen, einen beinernen Kamm, einen Ring und ein paar goldene Ohren- ringe. — In der Ecke r.: Ein Bronze- gefäss nocli mit menschlicher Knochenasche.—Im l.K asten r.: VielePateren, Balsamarien und andere kleine Gefässe. — Im 2. Kasten: Salbenfläschchen, Lackirte Terracottavasen, Lampen und andere Gefässe; Würfel u. a. — Im 3. Kasten: * Vasen mit Figuren. — Im 4. Kasten: Runde mit Silber eingelegte Bronzespiegel. Kr. 1664. Badescbab- eisen in einer Schachtel. 1771. Bronzemünzen. Viele Terracottavasen. II. Zimmer. Mitte: Wachsmaske aus einem römischen Grab , in welchem vier kopflose Skelette (zwei mit Wachs- köpfen) waren. — Im Glasschrank r.: Kleine Silber-, Gold-, Bronze - und Beinarbeiten (einige silberne Ringe sind Skarabäen). — In der Mitte, auf einem Säulenstumpf: * Vase von trefflicher Zeichnung und leuchtendem schwarzen Smalt, mit Reliefs Jüngern attischen Stils, einem Kampf der Griechen mit den Amazonen. — Im Glasschrank 1.: Sehr schöne Balsamarien in verschiedenen Farben (besonders 1410, 1411, 1419, 1420, 1421). Die Treppe hinan ins (s. den Plan) Obergeschoss. Die Mittelthür führt zur Bibliothek. Geöffnet: Von 8 — 2 Uhr, die Festtage ausgenommen; Kataloge stehen zur Disposition, Bücher werden nicht ausgelielien. Es können jedoch auf der Bibliothek bis drei Bücher gleichzeitig benutzt werden. — Der Eingang für die Benutzer der Bibliothek ist aussen an der Fa$ade die letzte Thür r. und bis zur Thür mit der Aufschrift hinan. Der grosse Saal, welcher der Haupttreppe gegenüberliegt, ist der grösste und 271 272 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Kopien). schönste des Museums, von Giulio Cesare Fontana errichtet, 62 m. lang und 21 m. breit, 22 m. hoch, und mit farnesiani- sclien Bildern von del Drago geschmückt; die Decke (Hauptbild: die Tugend, welche Ferdinand I. und die Königin Maria Karolina krönt), von Bardellini, am Boden ein trefflicher Meridian von 28 m. Länge, vom Astronomen Caselli 1701; — vorn zwei grosse Globen von Coronelli. — (Auch das 32fache Echo des Saals ist berühmt.) Zu diesem grossen Saal gehören noch 14 andere. Die Bibliothek, von Paul III. Farnese begründet, besitzt über 260,000 Druckbände; etwa 1500 Inkunabeln und 10,000 Manuskripte; die interessantesten: alfonsinische (lateinische) Bibel auf Pergament, von Al- fonso I. mit Randbemerkungen versehen und dem Kloster Montoliveto geschenkt; — die Briefe des S. Hieronymus, Pergamentkodex aus dem 7. Jahrh., mit Uncialbuch- staben; — die Grammatik des Flavins Sosi- ;pater Ckarisius, Pergamentkodex aus dem ö. Jahrh.; — der fai-nesianische Pergamentkodex (halb verbrannt) des Festus; — die Naturgeschichte des Plinius; — ein Uffizio divino (Messbuch), *Flora genannt, mit vortrefflichen gemalten Blumen; — ein Missal des Cardinale di Toledo; — Codex mit reichem Ornament aus der flämischen Schule des 15. Jahrh.; — Olivetaner Chorbücher mit köstlichen Federornamenten, 15., 16., 17. Jahrh.; — drei Codices von Dante’s Göttlicher Komödie mit alten Miniaturen; — das * Uffizio della Beata Vergine ; — Codex des 15. Jahrh., mit äusserst sorgfältigen Ornamenten (Goldblätter und kleine Blumen); ■— zwei diplomatische Aktenstücke: der gothische Papyrus ans Ravenna, von 551 n. dir., und ein den König Theoderich betreffendes; — Fragment einer Verschreibung von Odoaker; — Autographen von S. Thomas von Aquino (Kommentar zu Dionysos Areopagita); — Torquato Tasso, il Minturno (über die Schönheit); — il Cataneo (über die Liebe); — il Ficino (über die Kunst); — Giovanni Battisla Vico (scientia nova); — Giovanni Battista della Porta (della Fisionomia naturale; il Georgio, eine Tragödie); —■ Galilei, Muratori, Metastasio, Christine von Schweden u. a. L. von der Bibliothek tritt man in den Ostflügel des Obergeschosses. Gleich nach dem Eingang, im ersten Saal 1. von der Bibliothek: Lebensmittelsammlung (Commesti- bili) aus Pompeji. In der Mitte, frei (bei der Thür), ^Glasgefäss voll Oel, 1872 in Pompeji gefunden. — Beim Fenster, im Glaskasten: (20) modernes Glasgefäss mit einer schwarzen schwammigen Masse, in einer zerbrochenen Amphore gefunden, wahrscheinlich Wein mit anderen Substanzen gemischt; (6) antikes Glasgefäss mit Mehlresten; (43) kleine Flasche mit Flüssigkeit; (47) Säulchen mit Oliven; (60) Amphore mit Gerste; (73) Amphore mit Feigen und Mandeln; (11) doppelte Bronzekasserole mit Fleischresten; (62) Amphore mit Rosinen und Weinbeeren. — Rechte Wand: Glasschrank mit Schnecken, Schildkrötenschale, Muscheln, Asbest (Amianth), Eberzahn, Knöpfen, Körbchen, Talkplatten, Senfkörnern, Wollstoff, verkohlter Leinwand; (377) verkohlte Seide, Bruchstück von Purpurstoff, zwei Börsen mit Geld (Vespasians Zeit), Zucker, Netz, Faden, Kork, Strohschnüre. — Fensterwand: Thierkohle, Talk, Pech u. a. — L i n k e W a n d: Knöcherne Würfel, Eier, Hühnerknochen, Fiscligräthe, Kuchen, Mandeln, Knoblauch, Zwiebeln, Weinbeeren, Datteln, Nüsse, Karuben, Feigen u. a.; Gerste, Weizen, Linsen, Bohnen, Senf u. a. — Eingangswand: 15 verkohlte Brode. Auf dem zweiten von 1. nach r. steht: »eris 9. Crani.. ,ri. ser...« (Stempel des Bäckers Cranius). — An den Wänden: Kopien pompejanischer Bilder (von denen manche im Original jetzt schon sehr abgeblasst oder unkenntlich geworden sind). Gegenüber!’.: Modellsaal. An den Wänden F ortsetzung der Kopien der Wandgemälde Pompeji’s (darunter schon das 1876 ausgegrabene Orpheusbild). — Auf den Tischen: Modelle. R. vorn: Amphitheater von Pompeji; — dahinter Dioskurentempel in Rom; — dann: Cerestempel, Neptuntempel und Basilika von Pästum. — L. vom Eingang: Kolosseum in Rom. — R. vom Ausgang: Casa del Poeta Tragico zu Pompeji. — Frei in der Mitte, in einem Glasgeliäus: Abdruck in der Asche von Körpertheilen, im Keller der Diomedesvilla gefunden; ein Stück zeigt den Busen eines jungen Mädchens. Auch ein Schädel und ein Arm sind noch aufbewahrt. 273 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Papyri, Kupferstiche, Gemälde). 274 Auf den Modellsaal folgen zwei Zimmer mit der Sammlung der Papyri, d. h. an der Oberfläche verkohlte Schriften auf Bast der Papyrusstaude geschrieben, die im Peristyl einer Villa in Herculaneum unter dem Klostergarten von S. Agostino in Resina 1753 in einem kleinen Raum gefunden wurden; 756 um Stäbe gewickelte Rollen (Volumina) aus langen Papyrusbändern, die nur auf einer Seite beschrieben sind und aus aneinander geklebten Stücken bestehen. Sie befanden sich in mannshohen Wandschränken (wie in Archiven) und in einem Mittelgestell. Winckehnann berichtet, dass das Holz dieser Gestelle zusammenfiel, sowie man dieselben an- riilirte. 500 Manuskripte hat man bis jetzt aufgerollt; leider sind es nur unbedeutende Schriften von epikuräischen Philosophen in griechischer Sprache (Epikur, über die Natur; Philostrat, über den Ehrgeiz; Metrodor, über die Empfindungen; neun Abhandlungen des Philodemos über die Musik, die Laster und die Tugenden, die Rhetorik, die Sitten u. a.). Das einzige lateinische Werk ist ein dem Rabirius zugeschriebenes Gedicht über den Krieg des Cäsar und Antonius. (In demselben Haus fand man eine Reihe von ausgezeichneten Bronzen.) 1876 wurden in Herculaneum eine Menge Täfelchen mit Kontrakten gefunden (jetzt im 1. Zimmer auf bewahrt und schwer zugänglich), sogen, tavolette pugillari. Sie enthalten etwa 80 Verträge, und jeder Vertrag ist Diptychon (zu zwei Tafeln) oder Triptychon (zu drei Täfelchen). Die Täfelchen sind mit Wachs überzogen, und wurden also mit dem Schreibgriffel eingeritzt; einige tragen jedoch Spuren von Buchstaben, welche mit Dinte ausgeführt wurden. Sie werden jetzt vom Direktor des Museums, De Petra, herausgegeben. Zur Aufwickelung der Papyri wurden viele vergebliche Versuche gemacht, bis der Piter Antonio Piaggi, ein. Genuese, Scrit- tore der vatikanischen Bibliothek, eine Maschine erfand (einer Buchbindorlade ähnlich), vermittels deren die Schriftrolle, ohne dieselbe direkt zu berühren, sanft gewälzt und gedreht werden kann, während seidene Fäden das mit Leim bestrichene und aussen mit Blasen belegte Papier leise anziehen, Unter-Italien- I. wobei sich der gefütterte Streifen von der Rolle ablöst und oben um eine Walze auf Lagen von Baumwolle gezogen wird. Man sieht im Nebenzimmer solche Maschinen in Thätigkeit. Gegenüber dem Hauptzimmer der Papyri, unmittelbar vor dem Eintritt zur Gemäldegallerie, liegt der Saal mit der •• Kupferstichsammlung. (Der Kustode der Gemäldesammlung öffnet.) Die Sammlung wurde zu Mailand von Graf Finnian, Governatore der Lombardei, zur Zeit der österreichischen Herrschaft angelegt, kam dann an das Kaiserhaus in Wien und durch dieses au Maria Carolina, Königin von Neapel. — Victor Emanuel schenkte die Sammlung 1804 dem Museum und fügte viele neuere Kupferstiche bei. Es sind 19,328 Stiche in 225 Bänden; 208 besondere Kupferstiche nebst 985 Ilandzeichnungen berühmter Meister und den schönen 50 Spielkarten Mantegna’s.— Im Schrank drei Silberplatten mit In- cisionen von Annibale Caracci und (dritte) seinem Schüler ViUamena von Assisi. — Paul III-Farnese, Marmorbüste von Guglielmo della Porta. — * Dante, Bronzebüste des 15. Jalirh. (angeblich nach der Todtenmaske). — GaraeaUa, Bronzebüste aus dem 16. Jahrh. (Kopie des Caracalla der Capolavori). — Gian Gastone de’ Medici, Marmorbüste von Bernini. — Fevdinando de’ Medici von Bernini. — An der rechten Längswand: Kartons. 1. Stück des berühmten Kartons der Guerra di Pisa (?) von Michelangelo (?). 2. Heilige Familie von Raffael (?); Madonna del divino amore. 3. Amor und Venus von Michelangelo (?) (zur Pinakothek). 4. Moses vor dem feurigen Busch, von Raffael (?) (Original im Vatikan). Gegenwärtig (1876) sind auch die im frühem Raffaelsaal aufgehängten trefflichen altniederländwchcn und niederdeutschen Bilder: Anbetung der Königin; der Gekreuzigte mit der Familie des Donatoren; die Anbetung des Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mönchen u. a. (1512); Hieronymus prüft die Wunde des Löwen (1436; in Van der Wey dens Manier) ■—hier (provisorisch) aufgestelit Es folgt die Ostabtheilung der Gemäldesammlung (Pinacoteea). I. Saal. Römische Schule (Sola del Polidoro) . Nr. 1. 2.10.47. 53. Giampaolo 275 4. Neapel (llnseum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). 27G Pannini aus Piacenza (gest, 1764) und seine Schule, Ansichten von Rom (47. Karl III. auf dem Petersplatz. 53. Karl III. bei Benedikt XIV. im Vatikan). 3. 4. Cav. d'Arpino, Der Erzengel Michael; Engelsglorie. 5. Claude Lorrain, Marine bei Sonnenuntergang. 7. 8.15. 36. 38. 54. 56. Religiöse Bilder von Cav. d'Arpino. 9. Sassoferrato, Die Werkstätte der Heil. Familie (wobei der Jesusknabe die Späne kehrt). 11. 14. 31. 57. Francesco Penni (il Fattove, der Geschwindmaler) aus Florenz (gest. 1528), Abendmahl; Ilerodias; Jesus beim Pharisäermahl; Hochzeit zu Kana. — Ansgangswand: 12. Raffaels Schule, Weibliches Porträt (angeblich die Mutter Raffaels). 17. Poliäoro Caravaggio, Jesus Gang nach Golgatha. 18. Sermoneta, S. Caterina. 23. Polidoro Caravaggio, Anbetung der Hirten. 24. Federigo Ba- roccio, Heil. Familie. 27. * Sassoferrato (erste Manier), Anbetung der Hirten (Presepe); mit einer Gemüthstiefe, die in der Zeit des Malers (gest. 1685) um so schätzenswerther ist. 28. Schule Raffaels (nach einem Original in der Bridgewater Gallery), Madonna delle Grazie. 34. Sassoferrato, Halbfigur der Madonna. — Eingangswand: 46. * Polidoro da Caravaggio, Jesus unter dem Kreuz erliegend (mit merkwürdigem Naturalismus). 48. 50. Suhleyras, Die Ehebrecherin; der Hauptmann. 49 . Carlo Maratta, Heil. Familie. 51. Raphael Mengs, Bildnis des zwölfjährigen Ferdinand IV. 55. Derselbe, Bildnis des jugendlichen Königs von Sardinien. — 16. 20. 32. 44. Kopien nach Raffael. II. Saal. Schule von Parma und Genua, Rechte Wand: Nr. 1. Bernardo Strozzi, genannt il Prete Genovese (gest. 1644), Mönchsbildnis. 3. Castiglione (gest. 1670), Jugendliche Frau, mit dem Knaben spielend. 8. Parmigianino (Francesco Mazzuoli, gest. 1540), Kleine heil.Familie. — Ausgangswand: 9. Schule Correggios, Mönchskopf. 2. 6. 11. 20. 36. 39. Religiöse Bilder von Cristoforo Störer von Konstanz (gest. 1671). — 13. Parmigianino, Madonna, Skizze. 18. Derselbe, Zwei lachende Knabenköpfe. 33. Derselbe, Kind, das Alphabet lesend. 35. Ders., Die Stadt Parma als Pallas, welche den jungen Alessandro Farnese umarmt. 14. 21. 37. Bartolommeo Schidone von Modena (gest. 1615), Ca- rita; Heil.Familie; Heil. Familie mit vier Heiligen. III. Saal. Schule von Parma und der Lombarden (Sola del Cesare da SestiJ. Nr. 1. *Bartol. Schidone, Bildnis des Schuhmachers von Papst Paul III. 5. Schule Correggio 1 s, Todter Christus. — 7. 9. 31. 32. 34. 38. 39. Religiöse Bilder von Bartol. Schidone. 11. Lionardo's Schule, Der Täufer. 15. Dieselbe, Madonna, von zwei Donatoren verehrt. 17. *Cesare da Sesto (gest,.1524), Die Anbetung der Könige, mit reicher Architektur, spätes Hauptwerk des Meisters, bereits manieristisch elegant. 18. *Lio- nardo’s Schule (angeblich Beitraffio von Mailand, gest. 1516), Die Knaben Jesus und Johannes sich küssend. 19. Dieselbe (angeblich Niccol'o del Abbate von Modena, gest. 1571), Die Madonna delle Rocce. 23. Bartol. Schidone, Bildnis des Schneiders von Paul III. 24. Alte lombardische Schule, Ein merkwürdiges Triptychon, Heimsuchung, Geburt und drei Könige. 29. Angelo Bronzino (gest. 1571), Bildnis eines jungen Fürsten. 32. Bartol. Schidone, Bildnis des Musikers Gauthier. IV. Saal. Venetianische Schule. Nr. 1. Schule des Andrea Mantegna, Christus aus dem Grabe. 2. Schule Tintorettds, Jupiter auf dem Erdglobus, umgeben von den Meeresgottheiten; Medaillon. 4. *Luigi (Aloise) Vivarini, Madonna in trono mit S. Franz und S. Bernhardin (bez. 1485). 6. Sebastia?io del Piombo (?), Porträt der Anna Boleyn (?). 8. *Seb. del Piombo, Bildnis von Papst Clemens VII. (Medici), das beste und ähnlichste; nur theilweise vollendet, doch frei gezeichnet auf dem dunklen grauen Grund des Schiefers und mit erstaunlicher Gewandtheit ausgeführt. 9. 13. 16. 22 25. 28. 41. 44. 47. 51. 55. " Canaletto (Bernardo Bellotti, geb. 1724), Ansichten von Venedig. 14. Dosso Dossi, Kleine heil. Familie. 15. Seb. del Piombo, Jünglings- 277 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). 278 köpf auf Schiefer. 17. P'r. Torbido (il Moro, Veroneser, geb. 1504), Ein alter Edelmann. 19. Tiberio Tinelli, Ein Edelmann. 20. Giac. Tintoretto, Madonna auf dem Mond. 23. Giac. Bassano, Bildnis einer Venetianerin. 27. Do- menico Teoscopoli fdelle Greche, geb. 1548), Jüngling, der auf eine glühende Kohle bläst. 29. Vincenzo Catena, Bildnis eines Bourbonen. 30. Muziano, S. Franz. 33. Garofalo, S. Sebastian. 39. *Moretto (Alessandro Bonvicino), Christus an der Säule; ein schönes kleines Werk in des Meisters breiter silberner Manier und mit ausserordentlicher Sorgfalt modellirt. 37. Leandro Bassano, Markt. 48. Garofalo, Drei Könige. 49. Andrea Scldavone (geb. 1522), Jesus vor Ilerodes. 5G. Girol. Santacroce (?), Martyrium des S. Lorenz (Replik des Werkes in Dresden). 24. 43. 45. Kopien nach Tizian. Es folgen r. zwei Säle mit den grössten Meisterwerken: V* Saal (Sala del Correggio) . Nr. 1. (1.) Salvator Mosa, Jesus und die Schriftgelehrten. 2. *Sebastia?io del Piombo, Madonna, das Kind aufdeckend, eine sorgfältig auf Schiefer ausgeführte Skizze, von edler Komposition, an Raffaels Madonna di Loreto erinnernd, »ungeachtet der venetianisch geliand- liabten michelangelesken Manier«. 3. **Correggio, Die berühmte sogen. Zingarella (Zigeunerin), d. h. die Madonna, die ihr Haar zigeunerartig mit weissem Turbanband umwunden hat; ein weisses Kleid mit langen, engen Aermeln und blauem Ueberwurf bedeckt sie bis auf die durch Sandalen geschützten Fiisse. Ueber ihrem Haupt schweben einige ungeflügelte Engel unter Zweigen einer Palme; im Vordergrund ein Kaninchen; das Bild heisst deswegen auch Madonna del Coniglio. Der Vorgang ist von reizender idyllischer Einfachheit, die Madonna beugt über das in den Armen entschlafene Kind ihr Haupt »per forza d’aniore« (PungeUoni), mul entfaltet in diesem Niederblick alle Ge- müthsbewegung der Mutter. — Das Bild kam aus der Sammlung Farnese zu Parma 1740 nach Neapel, und hatte stark durch Ueber- malung gelitten, die jedoch theilweise wieder entfernt wurde. Die Auffassung ist ganz weltlich, ein liebenswürdig märchenhaftes Idyll (Meyer); alles ist Stille und Ruhe in dem Bild; Ruhe auch scheinen die Genien in leisem Spiel herabzubringen, ohne Scheu verweilt das neugierig die Gruppe betrachtende Häschen im nahen Grün und Maria selbst senkt den Kopf wie in halbwachem Schlummer; gleich einer stillen Traum- ersclieinung verscliweben auch die nackten Gestalten der Engel nach oben in einem zarten, das Körperhafte wie auflösenden Licht. Nr. 4. Van Dyck, Porträt. 5. **Tizian, Danae, eines seiner herrlichsten, farbenprächtigsten Bilder, das er für den Herzog Ottavio Farnese 1548 malte. Hinter der in Lebensgrösse auf der Ruhestätte liegenden Danae sammelt eine Alte den Goldregen in eine Schüssel; darunter: Titionus equets Cerareu s fecit (eques, da ihn Karl V. zum Ritter mit einem Jahresgehalt von 200 Kronen ernannt hatte). Vasari erzählt: Als Michelangelo und Vasari ins Belvedere gingen, um Tizian zu besuchen; sahen sie dort das Bild der Danae und rühmten in seiner Gegenwart das Bild sehr. Beim Nachhausegehen sprach sich Michelangelo näher dahin aus: Tizians Kolorit und Manier gefallen ihm ausserordentlich, es sei nur schade, dass man in Venedig nicht von Anfang an gut zeichnen lerne, wäre auch seine Zeichnung vollendet, so könnte nichts Besseres vollendet werden, da Tizians Geist herrlich und seine Manier ebenso reizend als feurig sei. Nr. 6. Correggio (?), Das schlafende Jesuskind. 7. * * Correggio, Vermählung der S. Caterina, aus der Galleria Farnesiana zu Parma nacli Neapel gekommen. Das Ideale in diesem Bild ist nicht mehr der religiöse Gedanke, sondern der Vorgang ist ganz in die Gegenwart eines heitern sinnlichen Lebens übergegangen, vergeistigt durch den goldenen, wie von Innen dnreh- gliiliten Ton der Farbe, durch das beseelende Licht, welches auch die Schatten aufhellt und die Körper gleichsam durchzittert, endlich durch die zarte, liebevolle Freudigkeit der die Gestalten belebenden Empfindung. (Meyer.) Dass das Kind ob der befremdlichen Cercmonie fragend die Mutter ansicht, ist ganz ein Zug in der Art Correggio’«, der die Kinder nicht anders als »naiv« kennen wollte. ( Bnrclcharüt.) Nr. 8. * Tizian, Papst Paul III. im Lehnstuhl. 9. Correggio (fälschlich), Kreuzabnahme. 10. Correggio (fälschlich) , Madonna, das an ihrer Brust liegende Kind haltend. In Wasserfarben. 11. ** Tizian, Philipp II. von Spanien, in Lebensgrösse. Wohl das beste 10 * I 279 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). 280 Charakterstück des grossen Meisters, und von prächtigster Farhenharmonie. 12. Giuseppe Ribera flo Spagnoletto), S. Sebastian, eines der seelenvolleren Bilder dieses virtuosen Naturalisten (1651). — 13. JDers., S. Hieronymus vernimmt die Posaune des Jüngsten Gerichts. »Ribera malte nicht den Heiligen und die Andacht, sondern ergötzte sich an dem abgelebten Leibe des Greisen, an den Hautfalten, an der Facie macie emortua; in solchen Darstellungen iibertraf er alle an Kraft und Natur.« (Sandrart.) Nr. 14. Ders., S. Hieronymus in Meditation (auf der Schrift der Name des Malers). 15. Guercino, S. Magdalena im Gebet (reizvoll, mit überquellender Empfindung). 16. Rubens, Mönchskopf. — Die vier Bronzebüsten in diesem Saal (Caracalla, Antinous, Lucius Verus, Pu- pienus) sind gute Arbeiten des 15. Jahrli. £3=* Der anstossende VI. Saal, früher Sala di Raffaello, mit Werken von Giulio Romano, Raffael, Bellini, Andrea del Sarto, Pietro Perugino, niederdeutschen, niederländischen und flandrischenWerken, ist gegenwärtig (Frühling 1876) leer, und seine Bestimmung noch ungewiss. Die Werke jener italienischen Ilauptmeister sind jetzt im VII. Saal (delle scuolc diverse), die Werke der niederrheinisch-niederländischen Maler in der Kupferstichsammlung (S. 271) nntergebracht. Die Italiener sollen bleibend ihre jetzige Aufstellung behalten. VII. Saal (Salone delle Scuole diverse). 3. Giae. Bassano, Auferweckung des Lazarus. 5. * Giulio Romano, Madonna della Gatta. Eine sehr schöne Nachbildung von Raffaels Madonna mit der Perle (zu Madrid), wobei auf Giulio’s Rechnung »die Umbildung der Elisabeth zur Zigeunerin« und die berüchtigte Katze zu setzen sind, von der Vasari sagt, sie sei so natürlich dargestellt, als wäre sie lebendig. Schon am herrlichen Original hatte übrigens Giulio initgemalt. Nr. 7. * Giovanni Bellini, Verklärung Christi. Die prächtige norditalische Landschaft in herbstlicher Beleuchtung, der Lichteffekt des Verklärten und die Abstufung der Farben zwischen beiden zeigen hier Bellini gross in der venetianisclien Anwendung der niederländischen Behandlungsweise. »Er unterordnete hier die Anordnung dem allgemeinen Effekt und berücksichtigte weniger die Gesetze der Komposition als in einer frühem Periode. Nr. 8. * Schule Raffaels (?), Ein Seemann (sogen. Kolumbus). 10. *Mar- cello Venusti (Sebast. del Piombo ?), Sehr interessante Kopie des Jüngsten Gerichts von Michelangelo, noch vor der spätem Uebermalung durch Daniele da Volterra (doch mit manchen Freiheiten). 11. * Pietro Perugino, Die Madonna in einer Landschaft auf einem Rosenhügel sitzend (die braune Färbung ist ausserordentlich fein verarbeitet, die kleinen Hintergrundfiguren gleichen vielen in späterer Zeit von Raffael und Lo Spagna gemalten). — Ueber Nr. 11: * Giovanni Bellini (?), Männliches Bildnis. 15 .Ber- nardo Luini, Madonna. — Ueber Nr. 15 : * Andrea del Sarto (?), Bildnis Clemens’ VII. — 16. *Raffael (?), Bildnis des Cavaliere Tebaldeo (?). 17. * Andrea del Sarto, Berühmte Kopie von Raffaels Porträt des Papstes Leo X mit Kardinal Giul. de’ Medici (Clemens VII.) und Kardinal Luigi de’ Rossi. Das Original ist im Pal. Pitti zu Florenz. Vasari erzählt: Friedrich II., Herzog von Mantua, habe bei seiner Huldigungsreise nach Rom in Florenz das Bild Raffaels, das im Pal. Medici hing, bewundert und vom Papst sich dasselbe zum Geschenk erbeten. Ottaviano de’ Medici habe vom Papst den Auftrag erhalten, dem Wunsch zu willfahren, aber um Florenz eines so herrlichen Kunstwerks nicht zu berauben, rasch diese Kopie durch A. del Sarto ausführen und sie nach Mantua schicken lassen. Selbst Giulio Romano, der dort beschäftigt war, soll nichts von dem Tausch gemerkt haben, bis Vasari, gegen den er selbst das Erkennen seiner eigenen Pinselstriche daran behauptete, ihm den Betrug entdeckte. Giulio habe dabei geäussert: »Ich schätze das Werk noch höher, als wenn es von der Hand Raffaels wäre, denn es ist ganz ausserordentlich, dass ein trefflicher Meister die Manier eines andern so gut und getreu nacliahme«. — Crovie und Cavdlcaselle vermissen in dieser Kopie die vollendete Haltung , Leichtigkeit, Grösse und Formgebung ; sie finden in ihr weniger Einfachheit in den Umrissen als bei Raffael, das Chiaroscuro weniger satt, die Schatten von minder geheimnisvoller Tiefe, weil sie unvollkommen modellirt sind. »Der Unterschied liegt in der Verschiedenheit der Principien, nach welchen die beiden Maler arbeiteten.« Nr. 19. * Raffael (?), Bildnis des Kardinals Passerini. 21. , Madonna del divino amore, gemalt für Lionello da Carpi, Signore da Meldola. Das Bild kam aus der Farnesegallorie zu Parma nach Neapel, wurde 1805 beim Anzug der Franzosen von der Königin nach 281 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Pretiosen). 282 Palermo entführt und reiste von. da über Konstantinopel nach Wien, von wo es nach dem Tode der Königin wieder zurückkam. — Die Komposition gehört gänzlich Raffael an, an der Ausführung aber hatten Schüler Antheil; die symbolische Handlung der Benediktion des Täuferkindes durch das auf den Knien der Mutter freisitzende göttliche Kind, das zur Einleitung der Ceremonie S. Elisabeth bei der Iland nimmt, hat die herrliche Schöpfung beengt. Nr.23. Monrealese (Pietro Novelli), Dreieinigkeit (1640). — 24. Ders., S. Paulus, Halbfigur. 25. Qarofalo (nach Mündler: Ortolano von Ferrara), Kreuzabnahme. 26. Sogliani, Heil. Familie. 27. * Palma Vecchio, S. Hieronymus’ Fürbitte für zwei Donatoren bei der Madonna. »Es ist die gelungenste der Sante Con- versazioni Palma's, zu den gewöhnlichen Heizen würdiger edler Gestalten lichterFarbe kommt noch Tizianische Kraft und Reich- tlium; der Wüstenheilige und die in Seide gehüllten Donatoren köstlich kontrastirend, der Wiederschein der leuchtenden Landschaft und die Kühe der Scene im anziehendsten Verhältnis zur Lebhaftigkeit des Kindes, der Innigkeit des Heiligen und der Ehrfurcht der Donatoren.« (Crowe.) Nr. 29. Domenichino, Der Schutzengel, der die Unschuld vor dem Satan wahrt. 30. Bronzino, Heil. Familie. 31. * Claude Lorrain, Prächtige Landschaft und Architektur (mit der Nymphe Egeria und Gefolge, von Filippo Lauri). 32. Calabrese, S. Niccolö di Bari zum Himmel getragen. 33. * Pinturicchio, Himmelfahrt Mariä, im Frühstil Peru- gino’s, in den Farben schadhaft, doch mit einzelnen sehr schönen Köpfen. Unten: 21. * Tizian, Die weinende Magdalena (Mündler zieht sie der im Pal. Pitti vor). 35. *Bartol. Vivarini, Madonna mit S. Niccolö di Bari, S. Rocco und zwei Bischöfen (bez. 1465). — 36. Peter Brueghel, Zwei Kinder der Welt stehlen einem Mönch die Börse (Tempera, 1565). — 37. Schule Perugino's, Gott- Vater. 38. Luca Giordano, Madonna del Rosario. 39. Leandro Bassano, Ein Farnese. 40. * Parmigianino, Porträt seiner Tochter. 41. Francesco Albani, S. Rosa da Viterbo. 42. Guercino, S. Franz. 43. * Andrea da Salerno, S. Benedikt zwischen S. Placidus und S. Maurus ; unten die vier Kirchenlehrer. 44. Borgognone (Giac. Cortese), Schlacht. 46. Guido Beni, Der Wettlauf Atalan- ta’s mit Hippomenes. 47. Lombardische Schule, Landschaft mit reicher Architektur. 48. Borgognone, Schlacht. 51. Piero Mignard, Fenelon. 52. Andrea del Sarto’s Schule (nach Crowe Mischung von Pontormo und Bronzino), Porträt eines Alten (Bramante?) mit Zirkel und Papier, der einem jungen Edelmann (Herzog von Urbino?) einen Plan zeigt. 53. Cav. d’Arpino, Drei Bischöfe. 54. Salvator Rosa, Schlacht. 55. *Sebast. del Piombo, Bildnis Papst Hadrians VI. 57. Giac. Tintoretto, Bildnis des Don Giovanni d’Austria. 58. Ribera, Berauschter Silen mit Satyrn (krass naturalistisch), 1626. — 59. Annib. Caracci, Bacchantin, welcher ein Satyr zu trinken gibt. 60. Fra Bartolommeo, Himmelfahrt Mariä, mit 16 lebensgrossen Figuren (1516; nur theilweise von ihm ausgeführt, später retouchirt); nach Va- sari für Prato bestimmt. VIII. Saal (Sala delle Veneri). Eingangswand: Nr. 4. Spanische Schule, Pastellkopie der Trinker von Velazquez. Linke Schmalwand: 9. Joseph Vernet, Meersturm. 14. * Andrea di Mantegna, S. Eufemia (von 1454, bez.), aus seiner Paduaner Periode (in seinem 24. Jahr), mit klassischer Gewandung und fast skulpturartigen Formen, vortreffliche Zeichnung und Verkürzung. Rückwand: 18. Franc. Guarino da Solofra, Susanna. 19. Giac. Tintoretto, Venus dem Amor in Gegenwart der Grazien den Bogen nehmend. 20. Bronzino , Bacchantin, nach einem Karton Michelangelo’s. Eingangswand, 1. von der Thür: 37. (Angeblich nach Plolbein) Bildnis des Erasmus. Kehrt man zur grossen Treppe zurück, so kommt man jenseit des Bibliotheksaals in den Westflügel des Obergeschosses, und zuerst r. in das Zimmer mit den Pretiosen (Oggetti preziosi). Diese Sammlung enthält in den Schränken: Silbergeschirr und Goldschmuck aus Pompeji und Herculaneum und einigen an- [ deren Orten; auf den Tischen die be- 283 284 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Pretiosen). rühmte Sammlung der Kameen (erhaben geschnittene Steine) und Gemmen (vertiefte Gravirungen), welche Lorenzo de’Medici gehörte (daher auf vielen Kameen die Inschrift »Lanr. Med.«). Nur die kleinere Anzahl ist antik; die übrigen sind treffliche Werke des 15. Jahrh. Selbst Kennern ist es oft schwierig , die Epoche zu bestimmen. Am Fenster: Die berühmte *'Tazza Farnese, die grösste bis jetzt gefundene Onyxschale (8 Zoll Durchmesser), aus zwei Lagen: die eine rotli und geadert, die andere weiss; auf jeder Seite mit erhabenen Figuren; auf der äussern Seite (dem Loden) ein trefflicher Medusenkopf; im Innern symbolische Darstellungen der Fruchtbarkeit Aegyptens. Die Schale wurde im Grabmal Hadrians gefunden. — Auf einer Reihe von Tischen folgen vom Fenster gegen die Thür: I. Tisch: Die Kameen. Die antiken Steinschneider waren meist Griechen; einige Steine tragen den Namen des Künstlers (leider wegen moderner Fälschungen nicht immer zuverlässig). Die Zahlen folgen der progressiven Anordnung. Die schönsten Exemplare sind die der senkrechten Mittelreihe. 1. Ab- tlieilung, 1. Horizontalreihe, von 1. nach r.: Nr. 1. Die Erziehung des Bacchus, in schwarz und weissem Onyx (Xiccolö). 2. Meleager, von der Jagd zurückgekehrt. 3. Najade und Triton in Achat. 4. "'Venus im Bad, mit sechs Figuren, Sardonyx. 5. Minerva und Neptun streiten sich um Athens Namen. 6. Dädalos, unterstützt von Pallas, hat dem Icarus die Flügel angeheftet. 7. Venus auf einem Löwen, geführt von Amor. 8. Bacchus und Ariadne, von zwei Psychen gezogen. 9. Bärenkampf. — 2. Reihe: 11. Venus, Adonis, Amor. 12. - Victoria mit der Biga in den Lüften, auf Achat, mit dem Künstlernamen Sostratos (der aber, nach Stephani, noch später hinzugefügt worden sein soll als der Name des frühem Besitzers Lorenzo de’Medici). 13. Nereide. 14. Kentaur und Kentaurin. 16. -'Zeus, die Giganten niederblitzend, mit dem Künstlernamen Athenion (wahrscheinlich aus der Zeit des Augustus). »Die Erfindung des Ganzen, die edel und schön gezeichnete Gestalt des Zeus, die überaus mannigfaltige Bewegung der Pferde, die bestimmte Zeichnung des Nackten an Jupiter und an den Giganten, verbunden mit einer aufs höchste getriebenen Vollendung und einer Ausführung in grossem, kräftigem Stil, machen diesen Cameo be- wundernswerth und einzig in seiner Art; wahrscheinlich diente dem Gemmenschneider ein herrliches Werk in Marmor oder Erz zum Vorbild.« (Köhler.) Nr. 17. Hahnenkampf imCirkus. 18. Herkules und Omphale. 19. Schöner Kopf auf Achat. 21. Drei graziöse Eroten an der Arbeit. — 3. Reihe: 23. Ruhender Krieger. 24. Frauenkopf. 25. Homerkopf. 26. Die drei Grazien. 27. Nereide. 28. ^Fragment der schlafenden Omphale. 29. *Kopf des Jupiter Serapis; Achat. 32. Medusenkopf in Achat. — 4. Reihe: 38. Verwundeter Gladiator. 44. *Augustuskopf, dem Dioskurides (wohl mit Unrecht) zugeschrieben. — 5. Reihe: 52. Angeblicher Cicerokopf. 60. Ein Bildhauer. — 6. Reihe: 64. ^Fragment der Bestrafung Dirke’s; es soll bei der Restauration des Farnesischen Stiers gedient haben. — 2. Abtheil., 1. Reihe: ll.Galba.— 2. Reihe: 93. Isiskopf auf Smaragd. 99. Nerokopf auf Lapislazuli. 105. Se- rapiskopf auf Smaragd. — 3.Rei he: 124. Marsyas. 134. Leda. — 4. Reihe: 142. Alexanderkopf. 156. Herkuleskopf. — 5. Reihe: 167. Simson in Hyacinth, mit griechischem Namen (aber aus dem 15. Jahrh.). — 7. Reihe: 201. Prometheus. II. Tisch: Gemmen (vertieft geschnittene, daher transparent aufgestellte Steine; meist zu Siegeln bestimmt). 1. Abtheil., 1. Reihe (von 1. nach r.): 5. Raub Cassandra’s; Carneol. 9. Apoll und Marsyas, ein knieender Genius bittet um Mitleid; Carneol. Drittletzter: ^'Perseus mit dem Namen des Dioskurides; Carneol. Zeichnung und Ausführung schön, aber »nur so weit sic mit dem Merkur des Belvedere übereinstimmt«. Brunn hält die Gemme für eine mit Hülfe der fragmentirten Mer- kurstatue in neuerer Zeit gearbeitete. 2. Reihe: (Zehnter) Nr. 231. Marc Aurel. 232. *‘I)ie ausruhende Artemis, mit dem Namen des Apollonius. Wahrscheinlich einer Artemis des Praxiteles zu Antikyra nachgebildet. 285 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Pretiosen). 286 »Zu den ausgezeichnetsten tief geschnittenen Gemmen gehört dieser Amethyst , auf welchem Artemis, von Felsen umgeben, in hochgegürtetem Jagdkleid stehend und ausruhend vorgestellt ist, indem sie sich mit den Händen, von denen die Iunke eine gesenkte Fackel hält, auf einem Pfeiler stützt. Stellung und Verhältnisse, Gewand, Zeichnung und Ausführung sind Beweise, dass diese Gemme das Werk eines der vollkommensten Künstler des Alterthums ist.« (Köhler.) N r. 240. Aeskulap; J aspis3. R e i h e: (Zweiter) Nr. 244. Galba; auf Beryll. (Sechster) 248. Phöbus auf seinem AVagen; Carneol. 250. Antonius Pius; Amethyst. 253. Thetis mit den Waffen Achills; Amethyst. 256. Hadrian; Carneol. — 7.Reihe: (Neunter) 329. Sitzender Mars von Victoria gekrönt; Onyx. 330. * Bildnis mit der Aufschrift des Künstlers Solonos; schöner indischer Carneol. — 2. Abtheil., 2. Reihe: (Erster) Nr. 390. Opfer; Carneol. 392. Bacchantin; Carneol. Letzter: 408. Triumph des Bacchus, — 3. Reihe: (Fünfter) Nr. 413. Pescennius; Carneol. 417. *Opfer; Jaspis. Zweite Tischreihe. I. Tisch: Vorgearbeitete Steine. 1. Compart.: Nr. 573 (fünftletzte) Cybele. 584. (2. Reihe, siebenter) * Jupiter; Chalcedon.— 2. Compart. (KameenJ: 925. (1.Reihe, vierter) Galatea. 934. Horatius Codes. 991. Trajan. II. Tisch. 1. Äbtheil., 1. Reihe, 12: Nr. 1274. Biga von einem Genius geführt. — 2. Reihe 13: Nr. 1298. Apollo mit den 12 Zeichen, des Zodiacus. Letzter Tisch: Goldarbeiten .Viele Ringe, in der 1. Abt heil, die Eheringe, in der 4. Reihe (Mitte), Nr. 501: ein Siegelring aus einem Grab von Capua, mit dem Kopf von Marcus Brutus und dem Künstlernamen llerahleidas. 7. Reihe, Mitte: Nr. 478. Filigranring mit Smaragd, der sich oben Öffnet für die Einlassung von Gift; aus einem griechischen Grab von Ruvo. — 8. Reihe, Mitte: Nr. 1755. Ring von Pompeji, den Kai*l III. trug. In den Schränken an den Wänden, rechte Eingangs wand: Ein Stück Amianthzeug aus einem Grab in den Abruzzen (Vasto); es diente als Hülle vor der Verbrennung des Leichnams. — Köpfchen und Statuetten aus Elfenbein. ' Hechte Längswand: Silbergeräthe (meist aus Pompeji). I. Schrank, 1. Reihe: Runde Platte mit Ornament. — Brei Henkelvasen. — Zwei grosse Platten. — 2. Reihe: Rechteckige Platte mit Thierköpfen. — Drei Rundspiegel (der erste mit schön ciselirtem Stiel). — Kleiner Stier. — Becher. — (191.) Armband mit vergoldeten Schlangenköpfen. — Silbervasen, die Untertasse mit Thierfiguren, kleine Löffel, Ampullen (sämmtlich 1876 in Pompeji gefunden). — 3. Reihe: Schöne Elfenbein - Fragmente zn einer hölzernen Kassette (z. B. drei Musen; Bacchus u. a.). — II. Schrank, 1. Reihe: Vorn zwei Becher mit Kentauren, aus der Casa di Meleagro. — Von 1. nach r. kleine, sehr hübsche Statuette eines Opferknaben. — Prächtig ciselirter Becher (Epheu). — Tazza mit zwei Henkeln, am Fuss in Hochrelief: Kentaurinnen mit Eroten. — Statuette der Abundantia. — Tazza mit dem berauschten Silen, welcher den Bacchus auf einem Esel zu einer Priapherme führt. — Statuette mit Patera. —Tazza mit Bacchuskind auf einem Panther. — 2. Reihe: Löffel. — Statuetten. —- Rundrelief mit Eroten. — *Rundrelief mit dem Tod Kleopatra’s (Herculan.). — Ein silbernes Skelettchen auf einem eisernen Gegenstand. — Medaillon mit Diana. — 3Iedaillon mit Apollo. — Eine Sonnenuhr (Meridian) in Schinkenform, dessen Stiel den Gnomon bildet. — Eine Menge Ringe. — Haarnadel mit Venus und Amor. — 3, Reihe: Küche»gescliirr. — TV. Schrank, 1. Reihe: Platten. — (14.) Vase inMöx’sel- form mit der Apotheose Ilomers (Herculan.), — Vorn: Drei schöne Dreifüsse (für Opfer), mit Widderküpfen, Früchten. Blumen und Löwenköpfen (Rom). — Platten, Becher, Tazze. — 3. Reihe: Kasserolen. — (216.) Gefäss mit dem Bad der Venus. — Wärm* hecken. An der linken Wand: Goldschmuck. I. Schrank, 1. Reihe. R. oben: Goldene Halskette. — 3. 4. Ohrringe. — Armband in zwei Theilen, die mit Tigerköpfen endigen (sämmtlich an einem Frauenskelett in der Villa des Diomedes zu Pompeji gefunden). — Ohrringe. — Mantelnadeln. — Halskette. — Stier (aus Syrakus). — Armbänder. — Halsketten. — Bock (aus Odessa). — Darunter fr.):: ^Halskette mit Silenenköpfen zwischen Lotosblumen ( Venosa). — *Diadem; griechische Arbeit aus einem Grab in Ignatia (Apulien); äusserst sorgfältige Arbeit von Blättern, Blumen, Schmetterlingen, untermischt mit kleinen Edelsteinen. — Halskette mit drei Silenenmasken. — •'•Vergrösserungs- glas in Bergkrystall. — Ohrringe. — Armbänder. — Ringe. — Baals für eine kleine Glasurne. — (198.) Prachtvolles gewundenes Armband von l l k Kilogr. Gewicht. — (131.) Halsband von Granaten und Goidmaschen. — Armbänder mit Schlangen. — (39.) Ein 287 288 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). goldener Haavschmuck (1876 gefunden). — Auf einem Säulenstumpf unter Glasglocke: *Goldene Lampe, 800 Gramm wiegend (in Pompeji 1862 gefunden). — In einem Glaspult: Armbänder, Ohrringe (Nr. 42 besonders schön, mit Perlen und Hyacinthen; zwei emaillirte Knöpfe mit Bacchantinnen; Halsketten. — Ohrring mit Harpokrates. — Auf einem Säulenstumpf: Zwei griechische ♦Ohrringe, mit Medusenhaupt, aus Tarent. — Im II. Wandschrank, von 1. nach r., 1. Reihe: Goldene Bulla, welche die I’a- tricier als Halsschmuck trugen. — Halsketten. — Ohrringe (einige noch mit verkohltem Ohrstiick). — Hinge. — 2. lieilie: (453.) Ohrring mit Ilalbglobus und Hyacinth. — Halsketten. — Ohrringe mit Putten. — Stücke aus' Bergkrystall.—Putto aus Bernstein, mit Perücke. — liinge mit geschnittenen Steinen. — 3. Reihe: (Nr. 5481.) Prächtige *goldene Kette mit Smaragden und Agraffen, aus Pompeji (1876 gefunden). Die folgende Thür r. trägt dieUeber- schrift: »Gabinetto Pornografico«, der Eintritt ist nur Herren gestattet; an den Wänden sind lascive Fresken aus Pompeji und Herculaneum. In einem Glassehrank Bronzen und Terrakotten; dann Reliefs und Mosaiken. Beim Eingang 1. ein schöner Dreifuss aus Herculaneum. Gegen das Fenster 1. die Marmorgruppe eines Satyrs mit einer Ziege, aus Pompeji. — An der linken Längswand ein Sarkophag mit Satyrn und Bacchantinnen. Dem Pretiosenzimmer gegenüber an der linken Seite des Korridors ist der Eintritt zur Münzsammlung (Medagiiere), mit Katalogen; etwa 40,000 Stück in sechs Sälen mit antiken Fussböden aus Pompeji und Herculaneum, und schönen geographischen Karten (im III. Saal die berühmte PeutingeP sehe Tafel). — 1. Zimmer: * Griechische Münzen, besonders berühmt durch die Funde in Grossgriechenland und Sicilien. (Ein- theilung nach Erdtheilen, alphabetisch geordneten Städten, Königen, berühmten Männern, Städtegründern.) — 2. und 3. Zimmer: Römische Münzen. —4. Zimmer: Mittelalterliche Münzen. — 5.Zimmer: Neapolitanische Stempel. Der prächtige Fussböden dieses Saals stammt aus dem Tiberiuspalast zu Capri. Münzbibliothek. R. (geradeaus) folgt die Fortsetzung (II. Abtheilung) der Gemäldesammlung, in 6 Sälen und 2 Kabinetten. I.Saal. Bologneser Schiele (Sala clP öaracci). Nr. 2. Annibale Garacci, Das Jesuskind von S. Franciscus angebetet; auf der andern Seite Madonna; auf orientalischem Achat. 3. Guercino, Madonna mit Heiligen, Entwurf. 7. 8. u. 9. Guido Reni, Traum des Jesuskindes, S. Johannes, Evang., Ulysses und Nausikaa. (»Nausikaa halt mit grosser Ruhe Hof zwischen ihren Mägden «) 12. Lan~ franco, Engel mit gekettetem Satan. 15. Lionello Spada, Kain und Abel (»ganz henkermässig behandelt«). 21. Elisabetta Sirani, Timoklea’s Rache an dem thrakischen Anführer nach der Einnahme Thebens. 24. Guercino, S. Hieronymus. 25 .Annib. Garacci, Apollo. 28 u. 29. Lanfranco, Heilige Familie; S. Maria Egiziaca. 31. Agostino Garacci, Kopf des S. Hieronymus. 36. Annib. Öaracci, Herkules zwischen Laster und Tugend. 38. * Franc. Romanelli, Sibylle. 39. Ludovico Öaracci, Grablegung. 41. Simone da Pesaro, S. Carlo’s Anbetung der Madonna; auf Schiefer. 43. Annib. Garacci, Satire auf Michelangelo da Caravaggio (als ein Wilder, unter Affen). 44. Guido Reni, Eitelkeit und Bescheidenheit. 47. Guercino, Der reuige S. Petrus (»mit dem Schnupftuch«). 48. Lanfranco , S. Hieronymus vernimmt die Posaune des Jüngsten Gerichts (»dies besonders zeigt, wieLanfrancodasUeber- sinnliche »anzupacken« gewohnt war«). 55. Annib. Garacci, Rinaldo und Armida im bezauberten Garten. 62. *Lavinia Nontana, Die Samariterin am Brunnen. 64. Guercino, Johannes Evang. 69. Michelangelo de Caravaggio, Judith und Holofernes (von krassestem Naturalismus). II. Saal. Toskanische Schule. Nr. 1. Lionardo da Pistoja, Jesus im Tempel. 2. Pontormo, Kopie einer Madonna des A. del Sarto. 3. Marco da Siena, Beschneidung. 4. Cosimo Roselli (nach Crowe in der Art Zaganellis von Parma), 289 290 4, Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). Vermählung Mariä. 5. *8addoma , Auf- erstehung, bez. Jo. Ant. Eques Ve (rcelli) auct. A. 1536. Ein Staffeleibild, das einst gewiss durch effektvolle Farbenpracht überraschte, welches aber jetzt durch stumpfgewordene und grüngraue Tone gelitten hat. Vergleicht man dieses Bild mit dem Fresko der Auferstehung im grossen Saal des llathhauses von Siena, so zeigt das Staffeleibild Motive, die schon etwas Gesuchtes, Manierirtes und Kokettes haben. (Jansen.) Nr. 6. Bronzino , Heil. Familie. 8. Va~ sari, Tempelpräsentation. 9. Bastiano Mainardi } Madonna mit Engeln in einer Landschaft. 11. Marco da Siena, Madonna mit Seitenbildern. 13. Pontormo, Ein Kardinal zu Füssen Christi. 22. Filippo Mazzola, La Vergüte dellaPietii (bez.). -—23. Jac. Pacchiorotto , Madonna mit einem Märtyrer und S. Sebastian. 24. Florentiner Schule, Madonna und Engel. 26. Lorenzo di Credi (?) , Anbetung des Jesuskindes. 29 . Dom.Ghirlandajo (d.h. florentinische Schule), Madonna mit zwei Heiligen. 30. Matteo da Siena, Bethlehemitischer Kindermord (mit verfälschtem Datum). 31. *FUippo Lippi, Madonna, der zwei Engel das Christkind darreichen (ähnliches Bild in den Uffizien zu Florenz, Nr. 1307). — 33. Florentiner Schule , Papst Liberius gründet S. Maria maggiore in Rom. 34. Bald. Pentzzi (?) , Bildnis des Gemmenschneiders Giambernardo da Castel Bolognese. 36. Filippo Lippi, Verkündigung mit S. Andreas und S. Johannes. 38. Alfonso Franco von Messina, Madonna mit dem Kind, das dem S. Petrus die Schlüssel überreicht (1500). — 41. Bronzino, Bildnis. 43. Dom. Puligo, Bildnis eines Edelmanns. 44. Marco da Siena, Verehrung der Könige. 53. Bugiardini , Grablegung. 54 .^'Bronzino, Frauenbildnis. 57. Franc. Granacci, Maria, mit Jesus und Johannes. Nun tritt man in den III. Saal mit der Scuola Neapolitana , an welchen r. zwei Kabinette stossen. I. Kabinet, mit byzantinischen und alt- ßorent mischen, meist verdorbenen und stark restaurirtenBildern; auch einige Bilder aus den Katakomben. — 2. 5. 57. Neri di Bicci (fälschlich), S. Paul, S. Peter und Madonna mit S. Anna. (»Der Künstler gehört dem Ende des 14. Jalirli. an und zeigt neapolitanische Idiotismen, nicht eben giotteske. Die Stücke sind sehr lädirt.« Cr. und Cav.) — 15. Lorenzo Monaco, Diptychon. — 25. Bernardo da Firenze, Tod Mariä. — 41. Andrea Richo di Candia, Madonna, mit griechischen Namen. — 44. Andrea da Velletri, Ein Triptychon mit Madonna und vier Heiligen; Verkündigung, Taufe und Grablegung (133G); mit dem Monogramm A. V. (mit tiefer religiöser Empfindung, in warmen Tönen). — An der Fensterwand 1.: Drei altchristliche Fresken, etwa vom 6. Jahrh., aus den Katakomben von S. Gennaro, Figuren aus einem Liebesmahl, die Köpfe mit vielem Ausdruck. II. Kahiuet: Altneapolitanische Schule. 1. 7. 11. Silvesfro de ’ Buoni, S. Magdalena; der Täufer; Tod Maria (»unter Buoni’s Namen , aber sehr arm im Stil dieser Schule«; Crowe). — 5. (r. zu oberst) lloccadirame (nach Crowe an Giannicola Manni erinnernd), S. Michael, Halbfigur. — 6. (neben 1.) Sogen. Colantonio del Fiore, S. Hiei'onymus (flämischen Stils). — 12. (Mitte der linken Wand) Filippo Tesauro, Madonna mit dem Kind, das Kirschen hält, umgeben von S. Andreas und Johannes; unten SS. Hieronymus, Peter Martyr und B. Niccolo (nach Cr. und Cav. von einem Künstler des 14. Jahrh.; Tesauro soll aber um 1270 gelebt haben).— 14. (Eingangswand) Maestro Stefanone, S. Giaccomo della Marca, von zwei Engeln verehrt (soll von 1320 sein, gehört aber dem 15. Jahrh. an, entspricht nach Cr. und Cav. dem Bild in Montoliveto, zeigt aber schlechteres Machwerk und ist überdies durch Alter, Schmutz und Reparatur verdorben). III. Saal. Neapolitanische Schule des IS. und 1P. Jahrhunderts. jCr 3 Ueber die dem Florentiner Donzelli, dem Zingaro und dem Simone Papa dem Ael- tern beigelegten Bilder s. S. 120 und 121. Nr. 1. Pietro Donzelli , Kreuzigung, aus S. Maria la Nuova; nach Orowe von einem Venetianer, Nachfolger des Man- tegna und Carpaccio. 2. Crisciuolo, Dreieinigkeit. 3. Pietro Donzelli, S. Martin; nach Gr. u. Cav. ähnlich den Werken des Giovanni Martini von Udine. 6. Sogen. Zingavo, Madonna, mit SS. Peter, Paulus, Sebastian, Asprenus, Candida. Nach Crowe aus dem Anfang des 16. Jahrh., in einer von der niederländischen Richtung verschiedenen Behandlungsweise; kräftige Umrisse, schwere Formen , dunkelbraune Färbung; umbrische Art zeigt die Gvuppirung der Madonna und die Orna- mentirung. Nr. 9. Caracciolo, Himmelfahrt Mariä. 17. Ippolito Donzelli , Kreuzigung, aus S. Maria la Nuova; ganz übermalt. 20. Sogen. Simone Papa, Kreuzigung und 291 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). 292 Madonna, Flügelbild zu 31. — 22. Pietro midlppolito Donzelli, Madonna zwischen S. Sebastian und S. Jacopo della Marca, mit Lünette (Christus zwischen Maria und Johannes) und Predella (Halbfiguren der zwölf Apostel). Nach Cr. und Cav. im Stil der Cozza- relli in Siena; die Dedikation von Drusia Brancaccio: »Drima Brancazia ha facta fare q liest a ßura ad te se recomanda virgine pura et he dolata per piü di una messa el d'i. De- dicata ad konore di Santo Sebastiano «. Nr. 23. Andrea da Salerno , S. Niccolö di Bari (stark beschädigt). 24. Sogen. Simone Papa , S. Michael, S. Georg und die zwei Johannes; Flügelbild zu Nr. 31. — 30. Sogen. Zingaro (flämisch, vom Maler des S. Michael Nr. 31), Madonna gibt dem Kind eine Frucht. 31. Sogen. *Simone Papa der Aeltere (flandrisch, dem van Eyck nachstrebend), S. Michael mit S. Hieronymus, S. Jacopo della Marca und den zwei Donatoren Bernardino Turbola und Anna de Rosa. Nach Croioe und Cav. scheint S. Michael aus Memlings Jüngstem Gericht in Danzig entnommen. Die Landschaft ist von flämischer Minutiosität und Vollendung, die Figuren kurz, die Draperie gebrochen, die Fleischtöne rüthlicli und dunkel. Nr. 32.* Andrea da Salerno, Anbetung der Könige; eins seiner besten Werke. 33. Ders S. Benedikt kleidet S. Maurus und S. Placidus ein. 35. Girolomo Im- parato , Verkündigung. IV• Saal. Neapolitanische Schule des 16., 11. und 18. Jahrh. Nr. 1. Domenico Gargiulo (Micco Spadavo) , Die Revolution Masaniello’s (1647). 4. Ders. , Pest- sccne in Neapel (1656), auf der Piazza de Mercatello, mit Aussicht auf den (anders gebildeten) Vesuv. 5. Criscuolo, Die Anbetung der Könige. 7. Calabrese, S. Augustin disputirt mit den Häretikern. 8 . Compagno , Einzug des Don Juan von Oesterreich (1648), mit Aussicht auf den Vesuv und auf Kirche und Platz von Carmine. 9. Massimo Stanzioni, S. Bruno im Gebet. 17. Ders., Lucrezia. 22 . Luca Giordano , Semiramis vertheidigt Babylon. 25. Paceeco de Rosa, Verleugnung Petri (Rundbild). 27. Ders. , Salome mit dem Kopf des Täufers (in der Art des Paolo Veronese). 28. Ders., Amazonenschlacht. 30. Ders., Kreuzabnahme. 37. * Massimo Stanzioni , Anbetung der Hirten. 50. Andrea Vaccaro, Der bethle- hemitische Kindermord (Nachahmung von Michelangelo da Caravaggio. 51. Luca Giordano, S. Xaver, die Indier taufend, während Loyola Gott dankt (in drei Tagen gemalt und zwar so, »dass ) an dieser Palette immer noch einiges zu beneiden bleibt«). 52. Paolo Finoglia (Schüler des Massimo Stanzioni ), S. Bruno, der die Ordensregel von der Madonna empfängt. 53. Traversa, Mädchen mit der Taube (Halbfigur). 55. Salvator Rosa, Parabel von S. Matthäus. 57. Luca Giordano, Hochzeit zu Kana (nach Paolo Veronese). 59. Pacceco de Rosa, Madonna delle Grazie (Seitenstück zu 25). — 60. :h Ribera, S. Bruno, das Jesuskind anbetend. 64. Massimo Stanzioni , Madonna mit Engelglorie. 65. Luca Giordano, Salome mit dem Kopf des Täufers (Seitenstück zu 57). — 66. Andrea Vaccaro, Die weinende Magdalena. 67. *Luca Giordano, Madonna del Rosario. 68. Domenico Gargiulo (Micco Spadaro) , Ein ^ Bursche mit der Pfeife im Mund. 70. Luca Giordano, Weihe der Kirche von Monte Cassino durch Papst Alexander II.; Entwurf zu dem grossen Gemälde daselbst. 73. Ders., Jesus dem Volk vorgestellt (nach Albrecht Dürer). 75. Calabrese, Der verlorene Sohn (»es hat eben so sein müssen«). 86. Aniello F’alcone, Spanische Soldaten zu Pferd. 88. Bernardo Siciliano , S. Ildefonso von der Madonna eingekleidet. 90. A. Falcone , Schlacht. — Freistehend beim 1. Fenster: Diana, auf einem Hirsch mit Cupido, reiche Arbeit in vergoldetem Silber, mit uhrenartigem Mechanismus. — Beim 3. Fenster: Die berühmte *Cassetta Farnese in vergoldetem Silber, aus dem Beginn des 16. Jalirh., von Giovanni de Bernardi von Castel Bolognese; in Tempelform an ^ den vier Ecken: Minerva, Mars, Venus, Bacchus auf den durch Karyatiden ge- theilten Feldern; sechs elliptische, in Bergkrystall geschnittene Bilder. 1. Amazonenkampf (mit dem Namen des Künstlers). 2. Kampf der Kentauren gegen die Lapithen. 3. Die Meleagerjagd. 4. *Zug des indischen Bacchus (von besonderer 293 294 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Gemäldesammlung). Schönheit). 5. Cirkusspiele. 6. Schlacht bei Salamis, auf dem Deckel Thaten des Herkules, im Inuern Herkules’ Verbrennung; unten Alexander d. Gr., der von der Perserbeute sieh nur die Kassette für Homers Werke vorbehält; unter dem Deckel: Kaub der Proserpina. In der Mitte des Saals: Grosser Nussbaumschranh (grande Armadio), eine mittelalterliche Arbeit eines Klosterbruders, welche früher die Klostersakristei von S. Agostino degli Scalzi schmückte. Am untern Theil und an den 36 Säulen, die ihn zieren, ist das Lehen S. Augustins skulpirt; an den Kapitalen graziöse Engelsköpfchen. Weit besser noch sind die *Ornamente des obern Theils. Kr enthält gegenwärtig eine Sammlung von Kunstarbeiten des Cinquecento. Fen- sterseite, von 1. nach r., I. Abtheilung: Oben drei Elfenbeinbehälter, cylindrisch, mit Reliefs, der Familie Farnese gehörig (für Flaschen und Gläser an Galafesten). 1. Puttentanz. — 2. Schlacht zwischen Spaniern lind Flamändern. — 3. *Tanzcnde Putten. — In den Ecken: 4. Engelstatuetten; Statuette einer Heiligen. — Unten: Hochrelief in Elfenbein; Traubenleser. — In den Ecken: Vier Statuetten aus Elfenbein (aus dem Farnesehaus). — II. Abth., oben: Geburt Christi, Elfenbeinrelief. — Unten: Bergkrystall; ein grosser Becher mit Arabesken (alle *Bergh-yrtatte, welche in dieser Sammlung aufgestellt sind, schmückten einst den Px*ivataltar von Paul III. Farnese ; sie sind mit sehr tieissigen Incisionen verziert, von Giovanni deBcrnardi di Castel Bolognese). — III. Abth., oben: 1. Elfenbeinreliefs (drei Personen des Farneschau- ses); r. Martyrium des S. Sebastian. — Unten: Bergkrystalie. — IV. Abth., oben: Triptychon in Elfenbein. — Mitte: Ebenholzkassette mit Früchten und Blumen in orientalischem Achat; Ein Papierbesehwerer als Frosch. — Unten: Bergkrystalie. — V. Ab th., oben: *Neptunstatuette in Elfenbein; r. und 1. zwei Karyatiden in Wachs (Modelle zu den Karyatiden des Brunnens zu S. Lucia in Keapel, von Giovanni da Kola). — Unten : Bergkrystalie mit Arabesken und Tritouen. — VI. Abth., oben: Achteckige Ebenbolzkassette mit sehr schönen reliefirtcn Früchten in orientalischem Achat und Amethyst, mit Lapislaziüibändern. — Unten: Schwert des Alessandro Farnese, der Griff von orientalischem Achat mit Edelsteinen; Dolch des Aless. Farnese, mit Gold intarsirt, das Heft von Achat mit der Aufschrift (aus Virgil): »Duce Fidus Acates«; Fruchtplatte axis Bergkrystall mit vergoldeter Bronze; — 1. Blumenmosaik auf Probirstein; r. Architekturen am Meeresufer, in schönster Florentiner Mosaik. — VII. Abth.: Berustein- lcassetto als Tempelchen. — VIIL Abth., oben; Silberstatuette von Karl III. Bourbon; r. und 1. Zwei Hundsköpfe in Bergkrystall. — Mitte: Grosse ovale Platte in orientalischem Achat; Becher von grünlicher pietra dura; Tabakdose aus petrificirtem Holz; Messer mit Griff von orientalischem Achat; *Beclier aus Bergkrystall (innen mit Landschaft und baccliischen Figuren; ein Meersturm; Kerei’den; unten Leda und der Schwan); Präfericulum in Onyx (ebenso ausgezeichnet durch die Grösse des Steins, als durch die Verzierung) mit Edelsteinen, in der Mitte in Email eine Sirene mit zwei Smaragdschlangen. — Unten: Kryatallplatte; zwei Wachsköpfe (zu künstlerischem Studium); vorn als Medaillons: Kinaldo und Armida, und das Bild einer Farnese-Prinzessin in Email; r. und 1. zwei Mosaikbilder (Jagden). — IX. Abth.: Elfenbeingruppe: Geiselung Christi. — Unten: R. und 1. zwei Florentiner Mosaiken (Vögel und Blumen) auf Probirstein ; Bergkrystalie. — X.Abtli., oben: Raub der Europa, in Elfenbein; 1. Sternberechner auf Reisen, in Elfenbein; r. Martyria in Elfenbein. —Mitte: Krystalle. — Unten: Ausgezeichnete *gra- virte Bergkrystallstücke vom Altar Pauls III. (ein Cameo mit dem Ruhmestempel trägt den Kamen des Graveurs); Die Evangelisten. — XI. Abth., oben: *Carta gloria in Seide mit gotliischen Buchstaben; oben der Smalt von Limoges, die Geburt Christi, die Kreuzigung, die drei Marien, Noli me tangere. — Unten: Krystalle. — XII. Abth., oben: Christus als Hirt unter Schafen; Madonna, Joseph, I-Iieronymus, Magdalena in Elfenbein. — Mitte: Becher aus Horn (Rhy- ton). — Oben r.: *Kopf Christi, in Holz. — Unten: Ein Bernsteinbecher und zwei Tazze von petrificirtem Holz. — XIII. Abth., oben : Präfericulum aus Hirschhorn mit Elfenbeingriff (Hunde, Hase, Hirsch, Eber).— Unten: Grosse Elfenbeinplatte mit Darstellungen aus den Metamorphosen Ovids; zwei Fächer von Elfenbein (chinesische Arbeit). An der Ausgangswand in einem Kasten: * Majolikaplatten aus der Fabrik von Urbino, mit dem Kardinalswappen des Stefano Borgia. Majolihahassctte aus der Fabrik der Abruzzen. — Interessante Krucifixe, Beclier und andere Kirchen- geräthe ans dem frühen Mittelalter (aus den Museen Farnese und Borgia). V. Saal. Deutsche und niederländische Schule. Kr. 1. Niccol'o Frumenti (ein Kolmarer Korn?), Einer der drei Könige (zu einem Tryptichon gehörend). 4. Rogier van der Weyden (?), Grablegung, 5. Michael Wohlgemuth, Anbetung der Könige. 7. (Angeblich Ilolbein) , *BiId- nis eines Kardinals. 8. Joh. Brueghel, Landschaft. 9. Frumenti, Seitenstück zu Nr. 1 — 22. * Amberger (?), Bildnis eines 295 296 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Vasensammlung). jungen FUrsten mit dem Motto: »Unissons nous ainsi«. 25. Sammetbrueghel, Volksfest vor Rotterdam. 29. Luca di Jjeida(l) f Bildnis des Kaisers Maximilian I. —- 41. *Lucas Cranach (bez.), Die Ehebrecherin vor Christus (nach Mandler eins der besten Exemplare). YI. Saal. Flämische und nieder - ländische Schule. Nr. 1 . *Rembrandt , Bildnis eines Alten im Pelz. 3. Wouwer- man, Weisses Pferd mit Landschaft. 4. David Teniers der Jüngere, Violaspieler. 12. Niederländische Schule, Bildnis eines Edelmanns mit blonden Haaren und reicher Halskette. 15. David Teniers, Violinspieler. 16. Rubens, Studienkopf. 8. 19. 24. 96. Franz Snyders, Jagdstücke. 36. Nach van Dyck, Der Gekreuzigte. 38. Paul Brill, S. Cacilia. 48. Ders., Taufe Jesu (Seitenstück). 61. Miniaturporträts der Familie Farnese, von verschiedenen Malern. 64. Paul Potter, Sonnenuntergang mit zwei Kühen. 73. *j Mirevelt, Ein junger Magistrat von Antwerpen. 78. Ferdinand Bol, Bildnis des Malers Stevens. 83. Niederländische Schule, Bildnis der Prinzessin Egmont. 85. Vati Genien, Ein sitzender Magistrat (bez. 1649). — 89. Samuel Vambusson, Villa Medici in Rom mit Spaziergängern (bez. 1615). Aus dem V. Saal gelangt man 1. (östl.) in die grosse Vasensammlung (Raccolta de’ Vasi ltalo-Greci). Kunstgeschichtliches. Die Vasensamm- lung enthält gegen 5000 nur im Königreich Neapel und Sicilien gefundene, meist bemalte Vasen, und diese in einem Reichthum, wie nirgends sonst. 8ie hat den Vorzug vor anderen Sammlungen, zum grossen Theil einer zusammenhängenden, im Alterthum einst an Ort und Stelle sehr ausgebreiteten Lokalfabrikation anzugehören. Die Mehrzahl derselben ist weniger auf klassische Kunstleistungen berechnet, als auf den prächtigen Effekt, so besonders die apulischen und lukanischen, schon den Niedergang der alten Kunst repräsentirendeu Vasen, die bereits das raffinirte und verweichlichte Wesen der späteren Zeiten des Alterthums offenbaren. Aber auch eine grosse Anzahl sehr feiner Vasen sind in dieser Sammlung, z. B. die nolanischen (der Sammlung Vivenzio angehörenden). Da ihre Malereien und Formen durch die griechische I Kunst bedingt sind, so sind sie für das Ver- | ständnis der Entwickelungsgeschichte der- ! selben sowie für die Kenntnis der religiösen Vorstellungen und der Sitten der antiken I Welt von sehr hoher Bedeutung. Bemalte Vasen sind fast nur in Gräbern gefunden worden; gewöhnlich findet man sie um die Leiche gereiht oder an den Wänden des Grabmals aufgestellt; ihre Formen entsprechen den Gefässen des Mahls und des Bades. Viele derselben gehörten wohl schon dem vorhandenen Hausrath des Verstorbenen an. Ihre Fundstelle beschränkte sich längere Zeit so sehr auf Unteritalien und Sicilen, dass man missbräuchlich die Vasen mit schwarzen Figuren sicilische, und die zierlichen, glänzend gefirnissten mit rotlien Figuren nolanische nannte. Später fand man dann im eigentlichen Griechenland, besonders in Athen und Korinth, die Mut.tei’stätten derselben, und auch die Gräber von Etrurien und Umbrien lieferten eine ungeheure Zahl (in Latium kamen nur ausnahmsweise bemalte Vasen zum Vorschein). — Die Sitte, dem Todten Schmuck, Kleidung, Waffen, Geräthe mitzugeben und da% Grab zum Bild einer Wohnung zu machen, gab die Veranlassung, auch Gefässe aller Art im Grabe beizusetzen. Sehr häufig kommen folgende Formen vor: Salbengetasse (LeA-yt/tos); das zweihenkelige Gefäss ( Amphora), meist schlank ausgebaucht und in einer Spitze auslaufend; das Vaso a mascheroni, Amphore mit Gorgonenhenkeln; der dreihenkelige Wasserkrug (Hydria); die Amphore mit Räderhenkeln (Nestoris); das Milchgefäss (Krater); die Schale (Kilix, Phiale); die Kelebe, welche die Italiener Vaso a colonette nennen, u. a. Die Darstellungen auf denselben beziehen sich entweder auf Götter, Heroen, Kultus, Mythen, oder auf das tägliche Leben; nach beiden Seiten hin entfalten sie einen ausserordentlichen Reichthum und zeigen, mit welcher Fülle von poetischen und künstlerischen Anschauungen das antike Leben selbst in den handwerklichen Leistungen des täglichen Bedarfs durchdrungen war; auch setzen sie eine fast unbegreifliche Kunde des Publikums für das ganze Gebiet der Sagengeschichte voraus. Während auf den echt griechischen Gräbervasen nur selten Grabvorstellungen Vorkommen, sieht man dagegen auf den unteritalischen in Lukanien und Apulien gefundenen auf der Rückseite häufig ein Heroon mit dem Bild des Verstorbenen, oder einen mit Bändern verzierten Grabstein, umgeben von Personen mit Attributen des Todten- kultus. Die ältesten Vasen sind von derberer Töpferarbeit und schwereren Formen, der Thon ist blassgelb, die Malereien schwarzbraun, meist Tliiere in parallelen Streifen und phantastisches Blumenornament, in der Stilisirung auffallend mit assyrischen Kunst- erzeugnisseu verwandt, wie auch die menschlichen Figuren orientalisches Gepräge haben. Sie gehören, wie auch die Inschriften zeigen, der dorischen Epoche an, vor der Zeit des ausgebildeten attischen Einflusses: man findet 297 298 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Vasensammlmig). auch spätere Nachahmungen dieses Stils, oft mit sinnlosen Inschriften. — Dann folgen die Vasen mit schwarzen Figuren auf rothem Grund, im alten Stil, bei aller Steifheit schon von grösserer Lebendigkeit und leichteren Formen; Farben und Firnis lebhaft und glänzend; verschiedene Farben werden wie bei der Skulptur für die Säume, Haare u. a. benutzt, die nackten Körpertheile derFraucn sind weiss gemalt, die Augen der Männer und Frauen verschieden gebildet; die Bewegungen sind noch gewaltsam und übertrieben lebhaft, eckig und hart, die Ruhe steif, die Thiergestalten natürlicher als die menschlichen, die Komposition folgt den Gesetzen des Reliefs und hat epischen Charakter, der Heraklesmythus ist der am häufigsten dargestellte, dann der troische Sagenkreis, Perseus und die Gorgonen , die kalydonische Jagd, Göttergruppirungen; aus dem gewöhnlichen Leben die Wettkämpfe, Hochzeiten und Gelage. Sie gehören der frühen attischen Kulturzeit an. Zuweilen sind auf kleinen Gefässen die schwarzen Figuren auf weissen Kreidegrund aufgetragen. Dieser Klasse von Vasen steht die weit häufigere mit rothen Figuren auf schwarzem Grund gegenüber, die in Schönheit und Freiheit bald eine höhere Entwickelung erreichen, obschon sie lange noch nebeneinander gearbeitet wurden; sie sind für eine durchgebildete Zeichnung weit geeigneter, und ebenso für eine individuellere Auffassung. Schon in den zunächst noch strengen Stil dringen lyrische und dramatische Elemente, die Figuren treten klar und effektvoll hervor, meist in sparsamer Zahl; Umrisse, Faltenwurf, Zeichnung sind noch hart, aber die Steilheit und Gewaltsamkeit sind zur massvollen Ruhe und organischen Lebendigkeit ausgebildet (sie gehören dem 5. Jahrh. v. Chr. an); die Formen der Gefässe sind leichter und schlanker, die Farbe des Thons milder. — Die höchste Entwickelung zeigt den freien, schönen Stil der Blütezeit hellenischer Kunst, der dann allmählich der Annxuth immer grössere Kon- cessionen einräumt. Fjs ist die Zeit, der schönen, freien Heiterkeit, der Freude an den durch den Geist verklärten offenen Naturformen. Die Kunst der Gruppirung undKom- position schreitet fort, die Umrisse werden fliessend und leicht, jugendliche reizende Formen wiegen vor, alle Motive zeigen die Liebe zur milden und weichen Schönheit; die bacchischeu Darstellungen sind die beliebtesten und gehen ganz in dieser neuen Anschauungsweise auf; ihnen zunächst stehen die Verherrlichung des Apollo, die Amazonenkämpfe, Badescenen, Kinderspiele ^u. a. — Die Epoche des Verfalls bezeichnen die Vasen des reichen Stils, die Vorliebe für die Pracht mit wachsender Flüchtigkeit und Nachlässigkeit. Diese Periode repräsentiren besonders die in Apulien und Lukanien ausgegrabenen Prachtvasen. Die Elemente der ungriechischen Nationalität dringen immer mehr durch. In Apulien erhielt sich die Sitte, gemalte Gefässe in den Gräbern beizusetzen, noch sehr lange, da sich in einem Grab von Canosa die Jahreszahl 65 v. Chr. gefunden hat. Sonst schwand die Fabrikation seit der Herrschaft der Römer. Die verschiedenen unteritalischen Fundstätten zeigen oft erhebliche Differenzen. Sicilien lieferte dem künstlerischen Werth nach sehrbedeutsaineVasen, am zahlreichsten bei Girgenti (Akragos). Apulien ist eine der ergiebigsten Fundgruben; die grosse Mehrzahl hat einen eigenthümlichenCharakter und scheint einer einheitlichen spätem Epoche anzugehören; die überladene Pracht wiegt vor, selbst Hälse und Henkel w r erden reich verziert, die Figuren füllen alle Stellen aus, aber ermangeln der organischen Gruppi- rungen; die Darstellungsweise des Körpers und die Vorliebe für die Tragödie weisen auf die Diadochenzelt nach Alexander d. Gr. Zu den wichtigeren Fundstellen gehören Oeglie (die Vasen sind meist gross, jeder Raum für Malerei benutzt, sie haben rothe Figuren, einen freien Stil und sind in der Ornamentik überreich); Bari lieferte sehr schöne Formen und Zeichnungen; in liuvo (Rubi) fand man schon 1828 ein Grab mit 22 Vasen, und nachher sehr zahlreiche mit rothen Figuren (nur selten schwarz), meist mit frischer geistiger Konception , aber flüchtig und mit Vorliebe für Praehtornamentation; Canosa (Canubium) lieferte Amphoren und Schalen von grossem Umfang mit figurenreichen Darstellungen. — Aus Lukanien bot Pomarico schöne Gefässe mit rothen Figuren (einige Exemplare im Museo Santangelo); bei Pisticci fand man eine Vase in ältestem Stil, während andere von ebenda bei einem freien Stil etwas Grossartiges zeigen, das in übertriebene Charakteristik übergeht. Bei Ar- mento (Basilicata) waren die Ausgrabungen sehr ergiebig, häufig sind hier die grossen Amphoren mit verzierten Henkeln und figurenreichen Darstellungen, von gewandter und lebendiger, aber oft auch flüchtiger und nachlässiger Zeichnung mit Anwendung der weissen, gelben und rothen Farbe; auch Vasen mit gemalten und vergoldeten Basreliefs fanden sich vor. In der Nähe von Annento sind Guardia Perticara (Penne) und Misanello reiche Fundstellen. — Castelluccio lieferte auch viele mit sclnvarzen Figuren; bei Anzi (Anti) grub man Vasen der verschiedensten Grösse aus, einige im ältesten Stil; in Piistum .sind schon 1805, dann 1825 Vasen der verschiedensten Gestalt mit schwarzen und rothen Figuren zum Vorschein gekommen, meist reichgeschmückte, buntgefärbte Prachtvasen. In Kampanien fand man in Nocera de’ Pagani eins der schönsten Gefässe; der ergiebigste und berühmteste Fundort ist aber Kola, dessen Vasen durch schöne Form, Farbe, Firnis und Zeichnung hervorragen; sie bieten für alle wesentlichen Entwickelungsstufen der Vasenmalerei reiche Belege; in weit geringerer Zahl sind hier die späteren einheimischen Entartungen. Sehr interessante 299 300 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Vasensammlung). Vasen lieferte CurrUi, einige der ältesten Art; auch inCapua fand man merkwürdige Exemplare. Die technische Arbeit dieser Vasen ist meist eine vortreffliche, sie sind von ausserordentlicher Dünne und Feinheit, auf der Töpferscheibe gearbeitet, die Henkel, oft auch Fuss und Hals, für sich gemacht und mit dem Bauch des Gefässes auf der Scheibe vereinigt, der Thon äusserst sorgfältig zubereitet. Nach der Brennung wurde eine schwarze glänzende Farbe aufgetragen und der Firnis in gelindem Feuer in Fluss gebracht. Auf dem Kontrast dieser Farben mit der natürlichen rothen des Thons, die noch durch einen Zusatz von rotliera Farbstoff' verstärkt wurde, beruht die eigen- thümliche koloristische Wirkung der Bilder. Bei der Bemalung wurden die llauptumrisse leicht eingeätzt; für die schwarzen Figuren füllte mau die Fläche innerhalb der Umrisse mit schwarzer Farbe aus und ritzte dann die Zeichnung ein, bei den rothen Figuren wurden die Umrisse nur angedeutet, dann mit dem Pinsel in feinen Linien schwarz umzogen und die Kontur mit breitem Pinsel umfahren; die innere Zeichnung führte man ebenfalls durch feine Pinsellinien mit schwarzer Farbe aus. Zuletzt wurden noch Deckfarben aufgetragen, ein dunkles Roth, Weiss und Gelb. Die Vasensammlung ermangelt, wie sämmtliche Kunstwerke des Erdgeschosses des Museums, noch eines neuen Katalogs. Einen deutschen Katalog, jedoch mit besonderer Numerirung, publicirte II. Heydemann, Berlin 1872. Die bedeutendsten Exemplare sind auf Säulenstümpfen besonders aufgestellt. Den Fussboden der Säle bekleiden antike (theilweise ersetzte) Mosaiken aus Pompeji, Herculaneum und Stabiä. I. Saal (Rotunde). In den ersten vier Schränken r.: meist archaische Vasen, schwarz, zuweilen mit Thierfiguren (noch Graffito ähnlich); — in den vier Schränken 1.: meist griechische und römische ohne Figuren, aber reich an Ornamenten und mit leuchtendem Firnis. — Auf einem antiken Mosaiktisch. Nr. 690: Grosse Vase aus Armento (Basilicata) mit Triptolemus im Schlangenwagen, Demeter, Hermes, Artemis, Apollon, Aphrodite und anderen Göttern; auf der Rückseite eiu Pegasus, Neptun und Nymphe. — R. auf einem Säulenstumpf: Dreihenkelige Vase (aus Nola) von sehr schöner Form und prächtigem Firnis. — 3. r. (2516) zwei Quadrigen mit Kriegern ; unten Thiere. R. daneben (504) mit schönem Blumen- und Blätterkranz. — 4. r. ( 2520) Kampf um einen gefallenen Krieger. — 2. 1. (2871) mit reicher Verzierung von Blumen und Epheu. — 1.1. (2949) von köstlicher Form und leuchtendem schwarzen Firnis. II. Saal. Die Prachtmosaik des Fussbodens aus der Villa di Diomede in Pompeji. — Beim Fensterbalkon: Zwei kleine Modelle von Gräbern aus 5. Agnata de’ Goti und aus Pästum; in dem einen die Leiche von gemalten Vasen und Waffen umstellt (s. oben). -—In den Kästen die Vasen der Verfallzeit der Kunst, meist aus den Städten von Terra di Lavoro, Principato citeriore und der Basilicata. — Auf den Säulen: 1. r. (1587) Elektra und Orestes am Grab Agamem- nons. 2. r. (2711)Meleager auf der Eberjagd ; aus S. Maria. 3. r. (2034) Orest, von den Erynnien verfolgt, flieht zur Statue der Artemis; aus Capua. 4. r. (2718), (1. am Fenster): ^Grosse (bis jetzt die grösste) Vase mit Amazonenkampf; aus Canosa. 5. r. (2258) Hochzeit des Bacchus und der Ariadne; aus Ruvo. 3. 1. * Vaso hruciato genannt, mit Tänzerinnen und Schauspielerinnen; aus Canosa. — 2.1. (3231, roth) Marsyas zur Schindung verurtheilt; aus Ruvo. III. Saal. Die Mehrzahl dieser Vasen stammt aus Apulien und der Basilicata. — Auf Säulen: 1. r. (1183) Vase (mit Räderhenkeln und eigenthümlicher Henkelverschlingung), Amor im Wagen; aus Cunm. 2. r. (2309) Apollo spielt die Leier, und vier Gottheiten horchen. 3. r. (2705) Dädalus und Icarus. Unten: Zwei Krieger tödten die Hydra von Lerna (Apulien). — Fensterwand: 4.1. (1510) Krieger zu Pferd unter dem Thor eines Gebäudes. — 3. 1. (2717) “Am Hals in Terracottarelief der Sonnenwagen und die Aurora; vorn Artemis auf einer Biga mit Hirschen; ein Pegasus eilt hinterher; Ares und Aphrodite auf einer Quadriga. Unten: Hermes am Lorbeerbaum; Herakles und der Stier von Kreta, nebst anderen Thieren (auch eine Giraffe); Rückseite : Zwei Quadrigen nahe am Ziel. Am Hals: Skylla und Charybdis, männliche 301 302 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Vasensammlung). und weibliche Krieger auf Meerthieren (Ruvo) . 2. 1. (2961) Urtheil des Paris (Canosa). 1. 1. (2716) (Vase mit Gor- gonenhenkeln) Tod des Ar eherner os, und Herkules im Ilesperidengarten; mit griechischen Inschriften; aus Ruvo. IV. Saal. In den Kästen: Vasen aus der Provinz Bari. — Auf den Säulen, r. in der Ecke: Nr. 2709. (Vase mit Gorgonenlienkeln) Ajax und Kassandra• aus Ruvo. 2. r. (2883) Andromeda ; aus Bari. 4. r. (2021) *Tereus zuPferd, verfolgt Prokno und Pliilomele. — 5. r. Hochzeit des Bacchus und der Ariadne (Armentum). 3. 1. (2882) Die berühmte *Dariusvase (am Bauch der Vase, in der untern grossen Abtheilung): Darius im Kriegsrath den Zug gegen die Griechen beschliessend, oben Griechenland von Pallas und Zeus unterstützt, unten die beisteuernden persischen Provinzen; mit griechischen Inschriften. — 2. 1. (200) *Salbengefäss mit Reliefs, Marsyas an einer Tanne geschunden; Apollo, die Musen und andere Gottheiten sehen der Strafe zu, der Skythe hält die Haut; aus Canosa. — 1. 1. (2774) (Vase mit Gorgonenhenkeln), unten: Achill im Wagen schleift den Leib Hektors um die Mauern Troja’s; oben: das Todtenopfer des Pa- troklos; aus Ruvo. V. Saal: Hier sind die Vasen der besten Fabriken gesammelt, zumeist aus Nola. Auf Säulen: 1. 1. (unter Glas) Nr. 2360. ^Dreihenkelige Urne (in einer rohen Terracottavase gefunden), aus einem Grab von Nola; mit Darstellungen der Zerstörung Troja’s fPriamos mit Astyanax; Raub der Kassandra ; llekuha in Trauer; Aeneas’ Flucht); von ausserordentlicher Schönheit derZeichnung und leuchtendem Glanz. 2. 1. (2359) *Vase mit Räderhenkeln (a girelle) , das grösste bis jetzt aufgefundene bemalte Gefass, mit dem Kampf der Amazonen und Griechen; aus Ruvo. 3. 1. (2857) (Olla unter Glasglocke) Bacchisches Fest; aus Nola. 4. Ausgangswand, Ecke r. (2714) : Zweihenkeliges Gefäss mit Bacchus und Ariadne; aus Canosa. 3. r.(2350) Bacchusopfer; am Hals sehr schöne Quadriga: Rückseite: Kampf der Griechen mit den Lapithen. 1. r. (2349) Kelebe; Kampf der Lapithen und Kentauren (Ruvo). VI. Saal. Vasen, zumeist aus Ruvo, Nola, Canino. — Auf Säulen. Am lin- * ken Eingangspfosten: Bellerophon und die Chimäre. In der Ecke: Nr. 2024. ^Glockenförmige Vase: Kadmos, von Athene berathen, erhebt einen Stein gegen den hütenden Drachen des Ares; auf die Höhle gelehnt, erscheint Über dem Drachen Thebe sitzend, mit hoher Krone, ihr gegenüber die Quellnymphe (Krenaie ) in halber Gestalt, hinter ihr der Flussgott Ismenos mit weissem Haar und Scepter. Ueber der Darstellung ein Epheukranz mit dem Namen des Künstlers Assteas. Die Rückseite zeigt Dionysos und einige Figuren seiner Begleitung. — In der Mitte des Saals: Grosse Vase (a mascheroni), Zeus, Demeter und Herakles; unten Krieger, welche mit Herakles ein Grab bekränzen; Rückseite: Wagen des Apollon mit *vier weissen Pferden; hinter demselben Demeter, Persephone aufsucliend; am Hals Kampf der Griechen und Amazonen. — In den Schränken, Eingangswand r., Mitte der 2. Abtheil.: (29.83)Dreihenkelige Vase mit zwei Kämpfenden. — In der Ecke: (2220) Präfericulum mit sitzender Frau und Dienerin (griechische Inschrift). Daneben 1.: (2438. 2433. 2434) Balsamarien mit hübsch gezeichneten Figürchen (mit griechischen Inschriften). — 3. Abtheil.: (2447) Dreihenkelige Urna mit schöner Quadriga. — Ausgangswand r., oberste Abtheil., Ecke r.: (2367 ) Becher mit Adler und Hase; zwei Kämpfer. — 3. Vase von 1. nach r.: (2372) Quadriga mit Hades und Persephone, Hermes, Aphrodite, Apollon, Bacchus. —Letzte I.: (2373) Der berauschte Herakles und der Schwan (griechische Inschriften). — 2. Abtheil., 3. von 1. nach r.: Herakles und der Eber. 3. von r. nach 1.: (2386) Aeneas’ Flucht aus Troja. — Nach der Ausgangsthür. Obere Abtheil., 1. Compart., 3. von r. nach 1.: (2407) Patera mit Hirschjagd (griechische Inschriften). 2. Compart., Mitte: (2421) Dreihenkelige Vase mit Pallas auf einer Quadriga, begegnet dem Herakles (griechische Inschriften). 303 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Museo Sautangelo). 304 VII. Saal. Dieser Saal enthält zumeist Vasen aus Nola. Man erkennt sie sogleich am leuchtenden Firnis und der Schlankheit der Formen; einige von vortrefflicher Zeichnung. In der Mitte des Saals: Grosse Vase mit Orpheus uncl Kurydihe in der Unterwelt; aus Ruvo. — R. vom Eingang: (2775) Raub Europa’s; unten Aphrodite und Ares. — Rückwand, rechte Ecke: (1664) Dreihenkelige Vase: Herakles und die Amazonen. Am rechten Pfosten der Rückwand: (501) Vase mit prächtigen Bacchantinnen (Ruvo). Am linken Ausgangspfosten der Rückwand: Bacchus und Ariadne, Bacchantinnen und Satyrn; unten: zwei Kämpfer und schöne Quadriga. — L. vom Eingang: (2776) MedecCs Flucht; Rückseite: Amazonen und Griechen; unten Aphrodite mit der Taube. — In den Schränken: Eingangswand r., oberste Abtbeil., 3. von r. nach 1.: (169) Beratlning der Sphynx durch einen Silen. — 2. Abtlieil., 3. von r. nach 1.: (1586) Nymphen im Hespe- ridengarten. Letzte: (1317) Die zwei Jünglinge bewundern die Kallipygos. — Rechte Längswand, Mitte der 2. Schrankabtheilung: (2286) Theseus als Besieger des Minotaurus. — An der linken Wand, 2. Schrankabtheil., 3. Vase von r. nach 1.: (2083) Theseus bekämpft einen Kentaur. 2. Reihe r.: (2110) Achill legt die Waffen ab. Daneben: (2102) Opfernde Priesterinnen. Daneben: (2107) Tripto- lemos. Unterste Reihe, 3. Vase von r. nach 1.: Opfer an einem Kindergrab (Inschrift: O schönes Kind!). — Im folgenden Schrank: 1. Abtheil., 3. von r. nach 1.: Balsamar mit Erato. 2. Abtheil., 6. von r. nach 1.: (1504) Elektra am Grab Aga- memnons (Ruvo). Davor: (2170) * Balsamar aus Locri; Apollo singt zur Leier (Inschrift: O, wie schön erscheinst Du mir, meine Daphne). — Im folgenden Schrank: 2. Abtheil., 3. von r. nach 1.: (2160) Dreihenkelige Vase mit lorbeergekröntem Apollo, dem sich Marpessa zuwendet. — Im Schrank der Rückwand r.: Becher mit Stier-, Hirsch-, Pferde-, Greif- und anderen Formen. 2045. Fragment eines Wassergefasses mit den stürmenden Titanen; aus Ruvo. Kehrt man zum ersten Rundsaal zurück , so kommt man von hier 1. in das Museo Santangelo, eine Sammlung aus dem Palazzo Santangelo (S. 183), welche die Stadt Neapel 1865 für 215,000 Fr. ankaufte und im Museum in drei sehr schön dekorirten Sälen aufstellen liess. I. Saal. Vasen aus den besten Fabriken, von vortrefflicher Erhaltung und mit schönen Figuren. R. ein Schrank mit Trinkliörnern (Rhyton), aus denen man den Inhalt durch ein kleines Loch än dem untern Ende in den Mund des Trinkers heraiisfliessen liess. — In der Mitte, im grossen Schrank, 2. Abtheil.: Grosse Patera mit Bacchanal (Ruvo). Gegenüber dem Fenster: Vase mit Maskenhenkeln; Aktäons Verwandlung (Ruvo). — Der Fusshoden aus Mosaiken Pompeji’s. Auch Säulenstümpfe. R. 2. Vase: Amazonen und Griechen (Canosa). 4. Vase: Rückkehr des Hephästos in den Olymp (Ruvo); unten Bacchus und Ariadne auf einer Biga mit zwei Panthern. II. Saal. R. Terrakotten, Lampen, Trinkhörner, Votivglieder, Idole. — Gläser, Salbengefässe, Vasen. — In der Mitte auf einem runden Mosaiktisch aus Pompeji: Vase mit Frauen, die aus dem Bad steigen. Im 6. und 7. Schrank: Bronzen-Idole; drei Helme, Schlüssel, Vasen, Schnallen. III. Saal. Münzsammlung; über 40,000 Stück, mit Katalog (12,437 griechische, 7236 italische, 2586 sicilische). In zwei Glaspulten: 1.Medaillons von Päpsten, Souveränen, berühmten Männern, in Gold, Silber und Bronze. 2. Sammlung der ältesten römischen Münzen (Aes grave). Sehr wichtig für die unteritalienische Münzgeschichte. — Am Fenster: Vase mit Pelops und Oena- maos. — In der Mitte, auf einem runden Mosaiktisch aus Pompeji: Vase aus Ruvo: Orpheus in der Unterwelt. — An der Wand: K Mosaikreliefs: Mcrhur und Spes (»unici nel loro genere«); aus Metapont; Phrixus; Priesterin; kleiner Sarkophag mit Altar und Quadriga; Frauenkopf; Hahnenkampf; Panther. 305 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Kleine Bronzegerätlie). 306 Aus dem letzten (VI.) Zimmer der Gemäldesammlung gelangt man in die letzten drei Säle; in diesen sind: Kleine Bronzegeräthe. (Raccolta dei piccoli bronzi). Eine Sammlung einzig in ihrer Art. Das Meiste (mehr als 18,000 Gegenstände) kommt aus Pompeji und gibt einen reichen Einblick in die kleinere Kunst und Industrie im Alterthum; Haus- geräthe aller Art, Kasserolen, Pfannen, Siebe, Trichter, Schöpfkellen, Gefässe zum Waschen, Giesskannen, Ess- und Trinkgeräthe, Schreibgriffel, Dintenfässer, Kandelaber, Lampen, Laternen, Kohlenbecken, Zangen, Schaufeln, Dreifüsse, Wagen, Gewichte, Masse, Theatermasken, Glocken, Schlösser und Schlüssel, Schnallen, Nadeln, Toilettenkästen,Iland- werkergeräthe, Beschlag und Verzierungen, musikalische und chirurgische Instrumente, Ruhebetten. Fast beschämend ist der modernen Zeit gegenüber die Handhabung der künstlerischen Ausschmückung in allen Dingen des gewöhnlichsten täglichen Gebrauchs und der entsprechende Ausdruck des Zwecks in dieser künstlerischen Gestaltung. »Die Belebung des mechanisch Gewordenen durch Formen der organischen Natur ist das oberste und allgemeinste Prin- cip, und die nähere Bestimmung ist diese, dass die Wahl dieser Formen sich nach dem Zweck des Gerätlis richtet, so dass also der Begriff des willkürlich Ersonnenen und Ausgekünstelten von der Ornamentirung der Geräthe fern gehalten ist.« (Friedriche.) I. Saal. Freistehend, I. vorn auf einer Marmortafel mit antiken Löwenfussen: der berühmte ^Kandelaber aus der Villa des Diomedcs, einer der graziösesten Leuchter der antiken Zeit, einen korinthischen Pfeiler bildend, mit vier leichten Armen, an welchem vier Lampen hängen, deren eine mit zwei Adlern, die zweite mit einem Stier, die dritte mit zwei Elefantenköpfen, die vierte mit Delphinen geschmückt ist. Der Stamm trägt vorn eine tragische Maske, hinten einen Stierschädcl (Bukranion) als Schutzsymbol, die rechteckige Fussplattc ist mit silbernen Weinranken inkrustirt und mit einem Bacchuskind geschmückt, das mit dem Trinkhorn in der liechten auf einem Panther reitet; 1. sieht man einen kleinen angezündeten Altar. — Der Kandelaber steht auf einer antiken bunten Marmortafel. Daneben: ein Tridinium (Speisesopha), auf dem man zu Tische lag (die Kissen mo- Unter-Italien. I. dern). — Daneben: Brunnentisch mit Löwenköpfen für den Wasserdurchlass. — Darüber: ein *kleiner bronzener Tischfuss, dem eine Victoria auf der Kugel und mit Trophäen in der Hand als Stütze dient, oben ein I-Iermeskopf, in der Mitte ein Phallus gegen den bösen Blick. — Dahinter folgen sich: ein *Ehrensessel (Bisellium) mit intarsirten Mäandern, Köpfen von Sileneu, Medusen, Pferden und Schwänen (1-Ierculan.) — *Reinigungsbrunnen mit Marmorfuss; im Innern eine silbertarsirte Rosette (Isistempel zu Pompeji). — Ein Lectisternium (Tisch für die Götterbilder beim Mahl), mit Silber und rotliem Mastix eingelegt. — Auf einer viereckigen mosaicirten Marmortafel: * Op f erdreif uss , von köstlicher Eleganz und Reinheit der Zeichnung, mit Pantlierfüssen und zierlichen Ornamenten, oben mit Jupiter Ammon. — Kopf, von geflügelten Sphinxen gestützt, an der Scheibe llelieffestons (Isis- tompel zu Pompeji). — Der Ausgangswand entlang folgen sich: Rundes Bronzetischchen mitLöwenfüssen undllasenköpfen. — Ein Fusseisen mit IS Ringen, Strafinstrument für die Gladiatoren in Pompeji. Man fand es in der dortigen Kaserne und drei Skelette dabei. — Ein zerlegbarer Bronzealtar. Auf einem antiken Marmortisch: bronzenes Tischchen, zum Zusammenlegen, mit vier Satyrn, welche in der Linken Kaninchen halten. — Ebenda: eine Oekonomie- kiiche mit einer Eisenplatte für das Sieden des Wassers in dem Cylindergefäss. — Längs der linken Längs wand: Bronzene Badewanne. — Bronzeherd mit Zinnenform, vorn graziöse Masken und Stiere, welche ein Pferd bewältigen. — Bronzeherd aus den öffentlichen Bädern mit Sphinxen, in der Mitte eine relieflrte Kuh (Vacca), um anzudeuten, dass ein Glied der Familie Vacca dem Municipium Pompeji’s das Geschenk machte. — Daneben: Bronzebank für den grossen Badesaal. — Im Mittelraum: Bronzeherde und intarsirte Sessel. — Zwei cvlindrische Bleigefässe für Wasser. — Am 1. Fenster: Ehrensessel mit verschiebbaren, einst vergoldeten Bronzefüssen mit Adlerköpfen (Hereulan.). — Am 2. Fenster ähnlicher Sessel. Ringsum im Saal und neben den Schränken eine Menge Kandelaber und Bleigefässe (für das Wasser). Eingangs wand. — Auf dem I. Schrank: Lampen. Vier von 1. nach r. mit kannelirter Säule und Kapital, von welchem vier Palmetten für Lampen ausgehen (Herculaneum). — 2. Lampe mit knotigem Stamm und silberintarsirten Ornamenten am Basament (Pompeji). — 3. Lampe in Eichen- form mit fünf belaubten Aesten, welche zweischnäbelige Lampen tragen (llerculauA — 4. Lampe mit kannelirter Säule und sil- bcrciselirter Basis, vorn mit achteckigem Altar und Globus. — Im Glasschrank, 1. Reihe: Zwei Lampen mit schönen Silcn- statuetten. Lampen mit Delphin und Ei*os, Schwan und Eros, Silen mit Schlauch, Satyr mit Syrinx. — 2. Reihe: Traglicht. Kleine Lampen für die Lararien. Laternen. — 11 307 308 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Kleine Bronzegeriithe). II. S clirank (im Recess daneben), 1. Reihe: Hängelampe mit drei Lichtern und graziösem pyramidalen Deckel, mit merkwürdigem Mechanismus {besonderer Oelrecipient), in den Zwischenräumen Festons mit Rcliefköpf- chen (Herculan.). — 2. Reihe: Hängelampe mit Votivinschrift. — ^Kandelaber mit Löwentatzen, einem baumtragenden Silen, zwischen den Aesten (für die Scheiben) ein Papagei. — *Kleiner Kandelaber mit verzweigtem Baumstamm, an den sich ein sitzender, berauschter Silen lehnt. — Zwei graziöse Kandelaber, in Tulpenform endigend. — Ein Nachtlicht. — Eckkasten, oben: Kessel, Wärmebecken, Bleigefässe mit Deckel, für Aufbewahrung menschlicher Asche. Zwei Rundaltäre mit Masken und Löwenköpfen. — Im Schrank: Landwii’t- schaftliche und handwerkliche Gerätschaften in Eisen (alle aus Pompeji). Schrank der Fensterwand, oben: Kuchenplatten, Kandelaber, Dreifiisse für die Küche. ■— Im Schrank, 1. Reihe: Pastetenformen, als Muschel, Hase, Huhn, Schinken u. a. — Grosser Eiersieder mit 29 Höhlungen. Tortenformen (auch in der 2. u. 3. Reihe). — Eckkasten nach dem 2. Fenster, 1. Reihe: Thür- und Mobilienverzie- rungen. — 2. Reihe: Mantelfibeln, Kassettenköpfchen. Kentaur und Kentaurin mit Leier und Doppelflöte, in der Mitte schöner, bekränzter Bacchantinkopf atxf Akantbus- blättcrn. — 3. Reihe: Mantelhefte, Ringe für Thürschläger; Armbänder. — 4. Reihe: Bronzenägel; Bronzefüsse für Bänke; Thürbeschläge. Schrank der Ausgangs wand, oben, von r. nach 1.: grosses Gewicht in Schweinsform, für das Schweinefleisch (mit den Buchstaben P. C. 100 Pfd.). Ein Rundaltar. — Ein Gewicht in Käseform. Gewichte für Rindfleisch (in Astragalenform). — Wagen; die fünfte von r. nach 1. mit einer behelmten und beharnischten Kaiserbüste als Gegengewicht, an der Wage die Zahlen I—XII, X—XXX und die Inschrift: Imp. Vesp. Aug. IIX (unter Kaiser Vespa- sian, zum achtenmal Konsul), T. Imp. Aug. F. VI. C. (und unter seinem Sohn, Kaiser Titus, zum seclistenmal Konsul) exacta. in. Capito. (verificirt auf dem Kapitol). — Die sechste mit einer sehr schönen Merkurbüste als Gegengewicht. — 1 m S c li r a n k, 1. Reihe: Gewichte von allerlei Formen (an Nr. 7963 eine köstliche Bacchantin als Gegengewicht). — 2. Reihe: Flüssigkeitsmass mit Inschrift (unter dem sechsten Konsulat des Kaisers Ves- pasian, und dem vierten Konsulat des Titus verificirt). — Andere Flüssigkeitsmasse. — Masse für feste Körper, cylindrisch, mit Henkeln. Kasserolen als Masse. Gewicht in Mörserform. — Sechs Gewichte in Ziegenform für das Ziegenfleisch. — II. Abtheilung, 3. Reihe: Schöne Geldwage. Wagen verschiedener Grösse. — 2. Reihe: Wagschalen; Aufhängekette. — 3. Reihe:' Bleigewichte, viele mit der Aufschrift: kaufe! ferne), und da hast du es (kabebis). — j III. Abtheilung, 1, Reihe: Kompasse,! Längenmasse, römische Fussmasse, einige in Bronze, andere in Bein, zum Zusammenlegen. — 2. Reihe: Wagenstützen. — 3. Reihe: Bronzeringe. Schrank links von der Ausgangsthür: Kessel,Kohlenbecken. Im Sehrank, 1. Reihe: beinerne Deckelhalter. — 2. Reihe: Bronzeverzierungen und Tisehfiisse. — 3. Reihe: Stücke von Lectisternien und Bisel- lien. — Schrank der linken Längswand: Küchengeräthe, Masse u, a. — Im folgenden Schrank, in 6 Abtlieilmigen: Geiasse für Flüssigkeiten ; Eimer; Präferikeln; Libationsgefässe; Oelgefässe. — Schrank der Eingangswand links: Gartenstühle, Eimer, Wasser- und Oelgefässe, Opferkannen. II. Saal. In der Mitte: * Modell der Stadt Pompeji, im Massstab von 1:100; eine ausserordentlich fleissige Arbeit, mit mathematischer Genauigkeit. Auch die neueren Theile werden hinzukommen. —Im Glasschrank, 1. Reihe: Glocken für Thierhälse. — 2. Reihe: Handgriffe für Thüren und Mobilien. — 3. Reihe: Handgriffe von Gefässen (einer mit Pulcinellagrotteske; ein anderer mit Apollon). — Fenster wand, 3. Reihe: Thürhenkel, Thürschlösser. — 2. Reihe: Schlüssel (manche wie die jetzigen , an anderen besteht der Bart aus Zinken, welche mit einem durchlöcherten Schlussriegel korrespondirten; an einigen Schlössern sieht man noch die Federn (Nr. 0681: ein Schlüssel mit Silberintarsiatur aus der Villa des Diomedes). — 3. Reihe: bronzene Schlossschilder mit den Oeffnungen für die Schlüssel. — Schlüssel aller Art. — 4. und 5. Reihe: Tliüraugeln; Riegel ir. a. — An der Wand; Disken mit dem Schläger (statt der Glocken). Im Schrank nach dem 1. Fenster, oben: Mehrere Kandelaber; die ersten zwei mit Doppolherme, welche als Scheide für den Verlängerungsstab dient (Herculan.). — Sehr eleganter ^kleiner llerd (1869 in Pompeji gefunden), cylindrisch, auf dem Deckel Apollon, am Deckelrand und an der konvexen Seite zwei Ringer; die Henkel als Hände; vorn und an den Rückseiten drei Köpfe für den Abzug des Rauchs. Es ruht auf schönen Löwentatzen. Auch die Einrichtung (7 Röhren) für die Ersparnis des Brennmaterials ist sinnreich.—I mS ehr ank, 3. Reihe: Schabeisen, Pateren, Salbengc- fässe aus Bronze für die Bäder. — 2. Reihe: Drei Kassetten aus Bronze, für Wasserkünste in den Gärten. — 3. Reihe: Brunnenschlüssel. — Nach dem 2. Fenster, oben: Kandelaber, Herde. — 1. Reihe: Kleine Bronzeherde. — 2. u. 3. Reihe: Platten, Krüge, Eimer. — Unten an der Wand: Hinterer Schiffbeleg aus Bronze, oben mit rcliefirtem, ankerförmigem Phallus. — Nach dem 3. Fenster: Schrank mit Krügen und anderen Gefässen (4. Reihe: landwirtschaftliche Geräthe für die Beaekerung, darunter ein Pflug; Bronzetrompeten). Auf dem Schrank der Ausgangswandt Kandelaber, I-Iaruspicialtar; sehr 309 4. Weajiel (Museum, Obergeschoss: Kleine Bronzegeräthe). 3io schöner Rundaltar mit Löwentatzen; zwei tragbare Dreifüsse, zum Zusammenlegen, der Discus in Blumenform; Cisten u. a. — Im Sclirank, 1. Reihe: Hinten Rundspiegel aus versilberter Bronze; Pillen (in modernen Krystallbechern); Kassette für Arzneien. Kassette mit Spateln für medicini- schen Gebrauch. Chirurgische Instrumente. Runde Bronzeschachteln mit Pillen. Sonden, Katheter, Paracentese-lnstrumente, Lanzetten, Nadeln, Pineetten, Specula, Zangen, Scheren, Kauterisirknopf, Schleifsteine. — 2. Reihe: Spiegel; Riechbüchsen; Kamme; Pomadebüchsen; Schminkehäfelchen; Zahnstocher aus Elfenbein; Haarnadeln; Ohrlöffel, bleierne und bronzene Ringe- — 3. Reihe: Elfenbeinornamente von Möbeln. — II. Abtheilung, 1. Reihe: Pineetten und andere chirurgische Instrumente. —2. Reihe: Spiegel; Theatermarken (fessera). —3. Reihe: Elfenbeinfragmente. — III. Abtheilung (auf der Konsole): Schröpfköpfe; Schreibgriffel ; Dintengeschirre (eins mit Marmorbasis aus einem Grab bei Terlizzi in Apulien, an jeder Eckseite eine Planetengottheit. Hölzerne zugeschnittene Feder _ (in einer Glasröhre); Fischangel. — 2. Reihe: Spiegel; vier silberne Flöten; elfenbeinerne Cornamusa (aus dem Soldatenquartier in Pompeji); Würfel (auchfalsche). — 4. Reihe: elfenbeinerne Löffel; Wärmebecken. Daneben ein kleinerer Glasschrank: Auf demselben tragbarer, sehr schöner Küchenofen, in der Form einer Bastion mit vier bezinnten Thürmchen an den Ecken, welche vier Recipienten mit Deckeln bilden, indem das Wasser aus dem Körper der Festung mittels eines Schlüssels zugelassen wird; das Innere diente als Kohlenbecken und zu gleicher Zeit, um dem Wasserkanal Wärme zuzusenden; in den Zwischenräumen der Zinnen legte man die Bratspiesse auf. — Im Schrank: Grosser Kessel zur Färberei (noch mit einem Stück Tuch). Im Sch rankanderlinken Längswand: Amphoren; Trinkgefässe; Paletten; Bratspiesse; Flüssigkeitsmasse; Reibeisen; Siebe; Sprengel; Wasserwärmer; Wasserspiele für Fontänen. — In der V. Abtheilung: Springbrunnenmündungen in verschiedenen Formen (alsPfau, Pinie, Schlange, Triangel mit Delphinen, Urne). — In der VI. Abth.: Pateren (2. Reihe, Nr. 1450 mit Venus und Mars, Relief). — In der VII. Abtli., 1. Reihe: Gefäss für die Erwärmung der Getränke.— In der VIII. Abtli., 1. Reihe: Sehr schönes *Trinkhorn mit einem prächtigen Hirschkopf mit silbereingelegten Augen (für die Libationen); aus Herculaneum. — 2. Reihe: Zweigespanne und ein Viergespann als Kinderspielzeug. Messer i für die Eingeweide der Opfer. Paletten für 1 das heilige Feuer. Feuerzangen. — In der X. Abth., oben in der Mitte: Rundgefäss | mit Hermaphroditenhenkel (Herculaneum). Im Schrank an der linken Ecke der Eingangswand: Kasserolen, viele mit ; dem Namen des Fabrikanten auf dem Griff und innen versilbert. Eine in Asche eingekerbte Kasserole; aus Herculaneum. — ' 3. Reihe: Eisen für die Teigbereitung. — 1 4. Reibe: Isis-Sistren. —An der Wand: Glocke aus einer durchbohrten Bronzesclieibe, wo der Eisenstab durchgeht für den an einer Kette aufgehängten Schlägel. Im S eh rank zwis eil en den b eiden Eingangsthüren, I. Abth., 1. Reihe: Kleine Larenaltäre. — II. Abth., oben in der Mitte: Sehr schönes Gefäss mit zwei M'edusenköpfen und Silberintarsiatur (1373 in Pompeji gefunden). — Zw r ei ovale Ge- fässe für Flüssigkeiten, mit einem Henkel, der auf einen Schild mit Imperatorenkopf sich stützt (1873 gefunden). ■— 1. Reihe: *Zwei sehr schöne Wassereimer mit doppeltem Henkel und Silberintarsiatur; an dem einen Henkel der Name der Besitzerin Cornelia Chelidon (aus Herculaneum); Wasserwärmer (ähnlich den russischen Somawars). — III. Abtli., 1. Reihe: Pferdegeräthe (Nr. 11074 Halskette für Sklaven mit der Inschrift : »Ich bin ein Sklave , halte fest, weil ich fliehe«). III. Saal (von Giuseppe Abafe in pom- pejanischeni Stil ausgemalt): Ein Tricliniim, d. h. drei Bronzegestelle (lecti triclinares) für je drei Personen, als Speisesitze um den Esstisch; darüber lagen Polster und auf diesen noch Decken, zudem auf jedem der neun Plätze ein Kissen, auf welchem man den linken Arm stützte, wenn man, die Füsse nach der Aussenseite des Gestells gerichtet, am Tisch lag. Man fand die Sitze in der jetzt angenommenen Stellung; das Holz ist genau uacli den Spuren des antiken nachgeahmt. In den Ecken: Drei grosse eiserne Kisten mit Bronzerändern. Die schönste links, vorn mit 7 Büsten (r. und 1. zu unterst zwei sehr schöne mit Flügeln); sie wurde zu Pompeji in demselben Zimmer gefunden, wo jenes Triclinium. Diese eisei-nen Kisten (früher für Geldkisten gehalten) dienten zur Aufbewahrung der Kleider und Wäsche. F. Vom Museum nach den Katakomben, Capodimonte und den Friedhöfen. NÖrdl. vom Museum (F 4) steigt die ■ mittels eines 1809 erbauten hohen statt- Strada nuova di Capodimonte an, sie j lieben Viadukts, Ponte della Sanita (F 2). durchzieht das schöne Thal della Sanita \ Schöne ^Aussicht auf das mit südlicher 11 * 311 4. Neapel (S. Grennaro de’ Poveri — Katakomben des S. Januarius). 312 Vegetation bekeidete Hügelland gegenüber lind r. auf den Vesuv; die Strasse ist von Bäumen umgürtet und gewährt ebenso originelle, als schöne Blicke. Zur Seite des Viadukts liegt r. unten S. Maria della Sanitä (P 2), eine wunderliche ovale, von einem Dominikaner Nuvolo 1575 erbaute Kirche, mit 7 ungleichen Schiffen, 8 kleinen Kuppeln unterhalb der Mittelkuppel, erhöhtem Hochaltar und einer Unterkirche mit 12 Kapellen. Hier war früher ein Zugang zu den Katakomben. R. vom Viadukt am obern Hügel das Collegio Cinese (F 2), 1732 von den Jesuiten für chinesische Mission gestiftet. — Jenseit des Viadukts 1. hinab und unten r. am Collegio di Vincenzo Ferreri (P 2) vorbei, der Strada Gennaro entlang , gelangt man nach S. Gennaro de’ Poveri (F 2 ; ein näherer, schlechterer Weg führt 50 Schritte diesseit des Viadukts neben dem Cafe di Napoli 1. hinab), einem Spital mit ca. 400 Armen, wo man sogleich beim Eintritt in den Hof durch einen Anschlag belehrt wird, dass man zur Besichtigung der Katakomben 1 Fr. an den Portier zu bezahlen hat und dafür einen mit den Katakomben vertrauten Führer sammt Beleuchtung erhält, ohne weiteres Trinkgeld. Man durchschreitet den langen Hof. in welchem die Armen in blaugrauen Mänteln und Wachshüten umherstehen (und gelegentlich auch betteln), sieht r. die Mädchenanstalten (zwei sogen. Konservatorien) und geradeaus im Hintergrund des weitläufigen Gebäudes die Kirche; einige Stufen führen zur kleinen "Vorhalle, die mit köstlichen Fresken von Andrea da Salerno geschmückt ist, Wunder und Martyrium des S. Gennaro, sechs Kompositionen an beiden Seitenwänden. Sie sind das »Geistvollste«, was Neapel Heimisches aus der goldenen Zeit besitzt. — Dann gebt man unter dem romanischen Chor der Nonnen (noch 150) hindurch und gelangt, der Seitenwand der Kirche entlang, sogleich r. in die ^Katakomben des S. Januarius (F 1), d. h. in den unterirdischen, in Tuff ausgehauenen Friedhof der altchristlichen Kirche Neapels, mit geräumigen Stollengängen (viel weiter und höher als zu Rom); die Korridore verlaufen in drei Stockwerken, die durch Treppen mit einander verbunden sind; aber nur die zwei oberen Stockwerke sind noch zugänglich; das obere liegt ca. 5 m. höher; beide nehmen die gleiche Hauptrichtung nach SO. und sind aus einer Menge paralleler und sich durchkreuzender Gänge zusammengesetzt. Man tritt zunächst in die sogen. Kapelle des S. Januarius, die alte Basilika, eine grosse, in den Berg gehauene Höhle, wohin der Leib des Märtyrers durch den Bischof Johannes I. von Neapel (430) von Marciano her übertragen wurde; in der Höhe des Eingangs sieht man einen alten Luft- und Lichtschacht für die unterirdische Andachtsstätte. Die Basilika ist rechteckig, 20 m. lang und 6 m. breit; die sehr flach gewölbte Decke ist mit symmetrischen Streifen und kleinen symbolischen Figuren a fresco bemalt. R. sieht man an der Seitenwand zwei Gräbernischen, nach der Tradition für die zwei neapolitanischen Bischöfe Johannes I. (gest. 432) und Paulus (gest. 764); in der zweiten Nische sieht man das Fresko eines Bischofs mit Tunica, Pallium, Stola und Nimbus; zwei Seitenfiguren (verblichen) wenden sich in Verehrung zu ihm (gehört etwa dem 7. Jahrh. an); an der Rückwand alte Inschrift »Ossuarium«. — Der (neue) Altar kam erst 1701 hierher; hinter dem Altar in der halbrunden Tri- | büne die Cathedra (der Bisehofstuhl), in den Tuffstein der Grotte roh eingehauen. Die Spuren des alten Altars vor der Cathedra sind noch sichtbar, die Abtheilung ist durch zwei kurze, 1 x /4 m. hohe Pfeiler angegeben. Die Decke wölbt sich hier zu drei Bögen; deutlich bemerkt man noch die Eintheilung der Märtyrerkirche im Presbyterium (für die heiligen Funktionen und den Bischof) und das Schiff für die Gemeinde. Schon im 5. Jahrh. versammelten sich hier die Christen zu Gebet und zum Opfer des Altar- sakraments. Durch einen dreifachen Bogen mit dieser Märtyrerkirche verbunden, liegt neben ihr ein grosser Vorsaal, der 313 4. Neapel (Katakomben des S. Januarius).' 314 grösste Raum im untern Stockwerk, 16 m. lang, 6 m. breit, hinten fast 10 m.; er hat in gleicher Flucht mit dem Eingang zur Basilika einen eigenen Zugang und steht durch zwei Seitenthüren mit ihr in Verbindung; die Decke ist flach gewölbt. Offenbar ist dieser Raum weit alter als die Märtyrerkapelle und wahrscheinlich der älteste 2'heil der Katakombe. — Dafür spricht auch die noch erhaltene, aber sehr beschädigte * Deckenmalerei . Sie zeigt mit ihren verschlungenen Kreisen und kleinen Bilderchen in farbigen Rahmen einen eigentümlich zierlichen Charakter und erinnert an pompcjanische Ornamentik; sie gehört zu den ältesten (2. Jahrh.) und interessantesten Malereien dieser Katakombe. — In den kleinen kassettenartigen Feldern um das runde Mittel- ornament sieht man springende Hirsche, Enten, Seepferde, einen Bock, ein Huhn u. dgl. Die Gemälde auf der dem Eingang gegenüber liegenden Wand sind fast unkenntlich, man unterscheidet dabei iiber- liegende spätere Malereien auf älteren. — R. und 1. sind auch hier Grabnischen. — In der Nische an der rechten Wand sieht man fünf (zwei fast erloschen) nebeneinander stehende weibliche Heilige (SS. Agatha, Katharina, Juliana, Margaretha, Eugenia); an der linken Wand drei zugemauerte Thüren, früher zu Gräberkammern geleitend. Die Thur an der linken Ecke der Schmalwand, gegenüber dem Eingang, bildete die ursprüngliche Verbindung des untern Stockwerks mit dem obern; man erkennt noch die ersten Stufen. Die Thür in der rechten Ecke führt in einen langen Seitengang, welcher mit dem Hauptkorridor des untern Stockwerks parallel läuft. Die grosse offene Mittelpforte zwischen diesen beiden Eck- thüren führt in einen gestreckt recht - eckigen Raum., der viel höher ist als der sich daran schliessende Hauptgang der Katakomben; er ist 5*/2 m. hoch (der daran stossende Gang nur 3 m.); die Höhe dieses rektangulären Raums he zweckt die Verbindung des untern Stockwerks mit dem obern daneben. Drei hohe Portale vermitteln diese Verbindung, zwei als Licht- und Luftzutritte, vom dritten führt eine kleine Treppe hinan. An diesen rechteckigen Raum schliesst sich der Ifauptstollengang des untern Stockwerks, der, an Breite und Höhe zunehmend, über 75 m. lang geradehin verläuft und im natürlichen Gestein endet; die Wände haben wie in Rom 5 — 6 rechteckige Reihen Loculi (ausgehauene Rechtecke für die Leichen in deren Länge) übereinander, die Gräber sind entweder solche Wandgräber oder Gräbernischen (mit Tonnenbogen), auch trifft man auf Gräberkammern, ca. l s /4 m. breit und 2V 2 m. hoch und tief. Ein paralleler Nebengang ist mit dem Hauptstollengang durch 14 Quergänge verbunden. —Beim Eintritt in den Hauptgang sieht man r. einen noch theilweise erhaltenen Deckel vor einem Mauergrab mit zwei weiblichen Brustbildern (Rufina und ihre Tochter) aus dem 5. Jahrh., weiterhin eine Grabnische, deren Hintergrund und Seitenwände mit Festons, dem Pfau und anderen Vögeln bemalt sind; im 1. Quergang r. eine Treppe ins obere Stockwerk, das hier über das untere hinzieht. Der 9. Quergang mündet r. in einen viereckigen Baum (Stanza della öolonna), der in umgekehrter Trichterform sich erhebt mit weithin sich erstreckendem Luftloch; hier steht in der Mitte ein meterhoher seltsamer Stein von weissein geglätteten Marmor, cylin- driseli, mit griechischer und hebräischer Inschrift; die griechische Inschrift mit Minuskeln und Accenten stammt aus einer viel spätem Zeit, als derjenigen, in welcher diese Grüfte noch zu Grabstätten dienten; sie beehrte den Stein mit dem Namen des Priaps und die hebräische Inschrift interpretirt diesen Namen als Gott der Lüge und Ruchlosigkeit. — Am Anfang des 12. Quergangs zeigen Reste von Mosaik an der Decke, dass dieser ganze Gang mosaicirt war. Das obere Stockwerk hat ausser den Zugängen von dem rechteckigen Raum und dem grossen Vorsaal auch noch einen besondern Zugang neben demjenigen zum untern Geschoss. Nach 315 4. Neapel (Katakomben des S. Januarius — Yilla Gallo). 316 einem ersten durch die Spitalkirche veränderten Raum gelangt man über Stufen in eine höher gelegene Halle, die ein dreifacher kurzer Bogengang mit dem ersten Raum verbindet. Schöne Grabesnischen zu beiden Seiten und eine gemalte Decke, ähnlich wie im untern grossen Vorsaal, doch nur in Fragmenten erhalten, zeichnen sie aus. Die Randfiguren in den kleinen Feldern stellen lebendig aufgefasste Thiergestalten dar: Seepferde, Löwe, Steinbock, Hirsche. L. in einer Nische: Ente, Anker, Fische, Bock; auf der andern Seite des Bogens Rosen und Granatzweige. Aus dieser ganz mit Loculi angefüllten Halle gelangt man zu dem sehr erweiterten Beginn der Gräbergänge des obern Stockwerks; alles ist hier viel breiter, freier, geräumiger, Säulen und Pfeiler grossartig, die Jjuftschachte offener , die Decken weit gespannt. Der Gang ist 90 m. lang, am Ende noch 25 m. nach 1. umbiegend und hier von zwei weiteren Gängen querdurchbrochen. Der erste grosse Raum ist vorn durch Treppen mit dem untern Stockwerk verbunden. Die Wände hatten einen Gipsüberzug und Gemälde (noch sieht man einige Bischöfe, vom Eingang 1. ein gut konservirter), oben liefen Inschriften um das Deckengesims; einige Brustbilder von Bischöfen in Medaillons erhielten sich. Die erste seitliche Gruftkannner, mit drei Bögen verziert, ist eine Familiengruft mit fünf Gräbern. — R. vom Eingang ein griechisches Kreuz. Ein grosses Thor mit drei grossen Bügen auf zwei freistehenden glatten Säulen ruhend, die aus dem lebendigen Tuff gehauen sind und auf Sockeln stehen, führt in eine längere und breitere Halle; über einer Oeffnung zum untern Stockwerk sieht man Daniel dargestellt; beim Eingang r. hinten in der zweiten Nische S. Asprenus, S. Candida- oben eine griechische Inschrift. Dann in einer Nische S. Paulus und S. Lorenz, jener in Tunica und Pallium, dieser als Jüngling mit einem Kranz in den Händen. Dahinter S. Gennaro (?) und ein Kind. Daneben in einer Nische das Brustbild des Proculus. —• Am Ende dieser Halle führt wieder ein dreifaches Thor, das r. auf zwei hintereinander stehenden ungleichen Pfeilern, 1. auf einer starken Wand ruht, an der sich ein griechisches rothes Kreuz mit griechischen Siegeln zeigt, zu den übrigen Räumen des obern Stockwerks. — In der Wölbung des mitt- lem Bogens ist noch der Umriss eines Christuskopfs sichtbar. Die übrigen Gänge sind ziemlich unregelmässig; einige Kammern liegen höher oder tiefer, in den Wänden sieht man überall Grabstellen, bis man am Ende in den hintersten Gangen auf unvollendet gebliebene Gräber und die rohe Felswand stösst. — An der jenseit der Proculusnische folgenden Ilinterwand: S. Gennaro mit ausgebreiteten Armen, 7.ur Seite zwei weibliche Figuren (angeblich seine Verwandte). Weiterhin 1.: zwei Brustbilder, r. des Petrus, \. des Paulus (aus dein 4. Jahrh.), noch die antiken Vorbilder nachahmend, doch mit den schon bestimmten christlichen Typen. Kehrt man zur Hauptstrasse Strada nuova di Capodimonte zurück, so führt diese in gemächlicher Ansteigung dem Schloss zu. Der Hügelhang umher ist mit schmucken Villen geziert. gdr* Fussgänger können beim Rondel, bis wohin die Droschken für einfache Taxe zu fahren haben, zur Abkürzung des Wegs die grosse Treppe hinansteigen, oben angekommen , die grosse Strasse r. fortsetzen bis (nach 5 Min.) zum Eingangsgitter des Palazzo Reale. L. Villa Gallo (E 1) oder Regina Isabella, 1809 vom Duca di Gallo erbaut, 1831 von der Königin Isabella Bourbon gekauft, dann im Besitz ihres zweiten Gatten, Conte di Balzo. Sie ist reich an schönen Anlagen, denn nirgends bietet der Hügel so schöne Ebenen, Thä- ler und Wege dar. Eine grosse Fülle an Bäumen zeichnet sie aus und die Aussicht von oben auf die Stadt ist so malerisch , dass diese von einheimischen und fremden Malern fast immer von da aufgenommen wird. Ein an Aussichten reicher Weg geleitet von dort 1. an den jenseitigen Eingang der Poxilipgrotte; auch an den Lago d'Agnano und auf Gamaldoli führen malerische Wege. 317 4. Neapel (Pal. Reale di Capodimonte - Astronom. Observatorium). 318 Oestl. an die Villa Gallo stösst die kleine lachende Villa Avelli, einfach, aber mit Geschmack angelegt, mit köstlichem Blumenflor, gewaltigen Agaven, schönen Piniengängen, Orangen-, Citro- nen -, Pfeffer - und Erdbeerbäumen, Oleander, Fächerpalmen, Kaktus in buntem Gemisch. — Etwas tiefer, neben der neuen Strasse , die Villa Buffo. — Ueber der neuen Treppe von Capodimonte die Villa MöriJcofer, einer der reizendsten Sitze Neapels. Dann folgt der (F 1) Palazzo Reale di Capodimonte. Permesso im Pal. Reale (S. 138) an der Piazza del Plebiscito (F 7), wo man die Liste der dem Fremden geöffneten königl. Schlösser erhält; dem Führer durch die Gemächer 1 Fr., dem Portier 40 C. 1738 hatte Karl III. hier einen Wildpark angelegt und ein Schloss in grossem Viereck mit Thürinen, zu einer Zeit, als die Höhe (von der Stadt noch ganz geschieden) nur steil zugänglich war und die alten Steinbrüche und Katakomben, die den Hügel aushöhlten, ungeheureSub- struktionen benöthigten; der schwierige Aufgang und der Wassermangel verdarben dem König die Lust am Bewohnen, und der Bau wurde zum Museum der farnesischen Sammlungen bestimmt (für die Bildergallerie, Bibliothek, Münzen, Kameen); hier studirte Winckelmann fleissig. 1807 wurde die erste Strasse nach dem Schloss angelegt, unter Ferdinand II. jene Treppe von 150 Stufen. — Der Sicilianer Giovanni Medrano vollendete 1833 — 43 den Palast in dorischer Renaissance, ein Rechteck, dessen grössere Seiten sich in einer Länge von 150 m. gegen O. undW. ausdehnen, von ernstem, fast schwerem Aussehen. — Die Treppen und die Kapelle schmückt sehr schöner Mandragonemarmor. Das grosse Appartamento reale besteht aus 55 Zimmern und ist zumeist mit modernen, in den königlichen Gemächern vertheilten Malereien aus der Bourbon’schen Periode und modernen Skulpturen geschmückt. (Der Katalog dieses »Regio Museo di Capodimonte« 1 Va Fr.) Im I. Saal: Antonio Falciani, Aeneas und Dido. — Tommaso de Vivo, Diomed. — Salvator Pergola, Christus. — Im II. Saal: Landschaften, von Carnllo, Cortese, Oarelli. Aquarelle von Puclerc, Lanza, Dälbono. —■ Im III. Saal: Giuseppe Mancinelli, Ajax raubt Kassandra. — Domenico Morelli, Christus; von ihm auch in den folgenden Sälen: Die Neophyten und die Ikonoklasten. — Postiglione, Ein orientalischer Ball und eine Rebecca; — Altamura, Der Triumph des Marius; — Marmorwerk von Citarelli (Sappho); — Gennaro Cali, Bacchantin; — Angelini, Telemachgvuppe. — Im Salone: Vincenzo Canmceini, Der Tod Cäsars und der Tod Virginia’s. — Hervorzulieben sind noch: Bernardo Celentano (starb mit 26 Jahren), Benvenuto Cellini beim Sacco di Roma; — Pietro Jienvenuti, Judith; — Hayez (Mailänder), Odysseus bei den Phäaken; — Camillo Guerra, Julius Sabinus mit Eponina (in diesem Saal auch: Garta, Alfieri; — Tom- maso de Vivo, Einzug der Aragonesen; — Spano, David und Abigail); — Filippo Pa- lizzi, Der Austritt der Thicrc aus der Arche. Im pompejanisclien Saal: EinFuss- boden aus Pompeji. Von den Rivalen Ga- muecini und Gaspare Laudi, je zwei grosse Bilder; von ersterem: Ptolemäus Philadelphia nimmt die Schätze der Alexandrinischen Bibliothek in Empfang; Karl d.Gr. empfängt die italienischen Gelehrten; — von letzterem: Phidias zeigt dem Perikies und der Aspasia die Parthenonarbeiten; Harun al Raschid empfängt die ins Arabische übersetzten Schriften der Alten. Nach den grossen Sälen mit Gemälden und Skulpturen verdient ein Kabinet mit chinesischem Porzellan und Ornamentalarbeiten Beachtung; — Daneben: die Camera dei biseuits (d. h. eines matten Porzellans, das Neapel besonders schön lieferte); Inder Mitte die Gruppe des Titauensturzes. Im ersten Stock reiche >Vaffensainm- Iung (Armeria), früher im Palazzo Reale; z. B. Schild und Helm von König Roger; vier Reiterrüstungen von Hoger, Ferdi- nandl., Alessandro Farnese,Vittorio Amadco; Feuerwaffen nach Alter und Nationen; — reiche orientalische Waffcnsammlung; — das Schwert, welches König Ferdinand dom Scanderbeg, Helden der Albanesen, schenkte; der Degen, den Ludwig XIV. seinem Enkel, dem ersten spanischen Bourbonen, Filippo d 1 Anjou, gab. Der schöne Schlossgarten (der Eintritt 1. vom kleinen Palazzo) mit prächtigen Veduten, schnurgeraden Anlagen, Hainen und reichen Gartenhäusern. Vom Eingangsthor des Palazzo folgt man der Strasse südöstl. und erreicht in 10 Min. das Astronomische Observatorium (Gl, 2; La Speccola, Sternwarte), 150m. ü. M., auf der höchsten Stelle des Capodimonte, einem Hügel, der durch 319 4. Neapel (Reale Albergo de’ Poveri — Protestant. Kirchhof). 320 einen Marchese Reggente di Vicaria in der spanischen Epoche den Namen Mira- dois erhielt. Es liegt unter 40° 51' 47" nördl. Br. und 11° 55' 15" östl. Lange von Paris und wurde nach der Zeichnung des Astronomen Feäerigo Zuccari, modi- ficirt durch Padre Piazzi, der ihm die hohe Bedeutung gab, von Stefano Gasse 1819 erbaut; seine Parade wendet sich nach S.; im Innern ist es mit trefflichen Apparaten versehen. Eine lange Salita führt südl. zum Vico dellaPacella(G2) herab, in diesem 1. entlang und am Ende r. durch die Strada Montagnola zur Querstrasse S. Maria degli Angeli, die am Botanischen Garten (Orto botanico, II 2) entlang läuft. Dieser wurde 1809 für Botanik und Agrikultur eröffnet ; der Katalog der Pflanzen zählt über 12,000 Nummern (er ist saramt einer topographischen Karte käuflich; der Besuch des Gartens bedarf eines Permesso). Nordöstl. nebenan liegt das Reale Albergo de’ Poveri (H J 2), mit der Aufschrift: liegium totius regni paupe- rum hospitium, ein kolossales Armenhaus; 1751 von Karl III. begonnen, nach dem Entwurf des Ferdinanäo Fuga, dann von Vanmtelli fortgesetzt und bis jetzt noch nicht vollendet; es ist 400 m. lang und 38 m. breit und bietet mit seinem dreibogigen Portikus und der doppelram- pigen Marmortreppe einen imposanten Anblick; die linke Abtheilung ist für die Frauen und Mädchen, die rechte für Männer und Knaben; etwa 2000 Arme erhalten hier Pflege und theilweise auch Arbeit; seine Sucursalen sind die Hospize von S. Giuseppe a öhiaja, S. Francesco Sales, Borgo di Loreto, della Vita und della Madonna dell Arco. Die grosse luftige Strada Foria, welche südwestl. zur Piazza Cavour und zum Museum zurückführt, theiit sich vor dem Spital in zwei Strassen, von denen die r. südl. zu den Friedhöfen, die 1. nördl. zur Vorstadt S. Giovancllo führt; die in den Hügel geschnittene Strasse steigt zur Höhe von Capodichino (Caput Clivi) hinan; ein Zweig dieser Strasse führt 1. zum Palazzo di Capodimonte durch das romantische Thal der Ponti llossi zurück. Dieser Name stammt von den grandiosen Resten der antiken Wasserleitung ab, von der man noch mehrere Bögen aus soliden Tuffmassen mit rothen Ziegeln bekleidet, sieht, ein Werk, das Augustus (deshalb Aqua Julia genannt) für die Flottenmannschaft in Misenum errichten liess, in dem das Wasser 50 Migl. weit von Serino bis dorthin geleitet wurde. Der Tlieil, welcher das Wasser nach Neapel brachte, -wurde von Beiisar zerstört und machte das Eindringen in die Stadt möglich. Der andere Zweig zog- über den Vomero nach Pozzuoli und Baja und mündete in die sogen. Piscina mirabilis (S. 571). Die jetzigen Wasserleitungen Neapels sind die Aqua Carmigiuma, die der neapolitanische Patricier Cesare Carmignani 1616 von S. Agata de 1 Goti (Faenzafluss) 24 Migl. weit nach Neapel führen liess, und die Acqua della Bolla, die aus Quellen am Monte Somma stammt und schon zur Römerzeit in die Stadt geleitet wurde; sie tritt bei Porta Capuana in die Stadt, läuft der Strada de’ Tribunali entlang und endigt in der Strada Medina bei der Kirche Pieta de’ Turchini; dieses Wasser ist besser als das erstere. Geht man bei der Strassenverzwei- gung jenseit des Albergo de’ Povcri r., so gelangt man längs der breiten Strada delV Arenaccia (J 2) in 5 Min. zum Eingang in den Protestantischen Kirchhof (J 3), Oimitero dei Protestanti ; dem Aufseher */2 Er. Die Gräber zur linken Seite gehören meist Engländern an, die Gräber r. Deutschen. Orangenbäume, Cypressen, Myrten, Rosen und selbst eine Palme schmücken den Garten. Gegenüber dem Kirchhof führt die Strada del Camposanto vecchio zu dem Oamposanto vecchio (KL1), der 1763 an der Böschung des Monte Lautrech zwischen Poggio reale und der Via del Campo durch Fuga angelegt wurde. Ei' gab ihm die Form eines Vierecks von je 85 m. und richtete ihn für 366 Gräber ein, von denen man jetzt je eins jeden Tag öffnet, in welches die Leichen ohne Sarg h'inabgeschafft werden. — Gegenwärtig dient er nur für die Leichen der Spitäler und öffentlichen Stabilimente. — An der Ostscite liegt der Cholerakirchhof, in welchem während der Epidemien von 1836 und 1837 über 18,000 Menschen begraben wurden. Südöstl. gelangt man von hier zur breiten Strada nuova di Poggio reale (IC L 2), die zum neuen Kirchhof führt (von der Stadt zieht jenseit der Porta 321 4. Neapel (Camposanto nuovo). 322 Capuana die breite Strasse direkt nach [ J /2 St.] diesem Friedhof; Droschke hin und zurück 2 Fr.). Der ^Camposanto ilUOYO ist einer der schönsten Kirchhöfe der Erde , entzückend durch seine herrliche Lage und PrachtbUcke auf Neapel und Umgebung sowie durch die sinnige Weise der architektonischen Ausschmückung, mitten aus schönen Baumgruppen eine Leihe von kleinen Tempeln bis zur Höhe hinan. An den beiden Seiten sind die Famitien- begrabnisse, auf dem östlichen Hügel diejenigen der religiösen Orden. Auf der Höhe des Wegs, der zur Kirche führt, öffnet sich ein viereckiger Platz, als Atrium der Kirche, an dessen Seite viele, auch architektonisch beachtenswerte Grab- mäler neapolitanischer Familien sich erheben. R.: Grabmal cles Prospero Postiglione, Abt und Arzt, von Vitulo in gothischem Stil errichtet. — Dann: De Iloratiis, aus Travertin , von Romano. — Das Grabmal Intonti erbaute in romanischem Stil Ercole Laaria. — Nebenan: Das Grabmal Benucci, von Al- vino. —• Zur Seite: Das Denkmal des Giorgio Santoro, mit Medaillon, von Forte. — Dann: Das Denkmal des Pietro Pulli, mit Medaillon, YonArnaxid, und des Chirurgen Lionardo San- toro, von Vitulo erbaut, von Persico skuipirt.— Gegenüber in ägyptischem Stil: Das Grab Borrolli, von JVardi erbaut, von Gennaro di Crescenzi skuipirt. —Dann: Das romanische Denkmal der Familie Patrizio von Paras- candolo. — Das Grab Dalbono mit Kapelle, von linggiero; es folgen die Familien Sancio, Trincliera, Longobardo. Die Kirche, zu der man auf Stufen ansteigt, bildet ein grosses Lechteck, 25 m. lang, 20 m. breit, zwei Ordnungen dorischer Säulen tragen die Flachdecke; die Kreuzabnahme malte i Querra, die Auferstehung Marsigli, ( die Geiselung Oliva , den Kalvarienberg Morano ; die Gruppe der Pieta am Hochaltar skulpirte Cali, — Hinter der Kirche ist ein grosses Lechteck 128 m. lang, 106 m. breit, längs dessen ein dorischer Portikus läuft, unter welchem Gräber von Konfraternitäten und Privatkapellen sind; inmitten dieses Lechtecks erblickt man die marmorne Kolossalstatue der Leligiop, von Tito Angelini } 1836. In den zwei kleineren Abtheilungen sieht man in der westlichen die Grabmäler des »Sanchez de Luna, des Generals Tschudi, des Juristen Jatta u. a. — Dann gelangt man zu einem kleinen Kapuzinerkloster, in gothischem Stil von Laghezza erbaut. — An der westlichen Böschung ist der Friedhof der um das Vaterland besonders Verdienten; zuerst die Marmorpyramide mit dem Medaillon des Girolamo Luffo von Cali; dann die Monumente von Stefano Gasse, Architekten und Ingenieur, des Musikers Niccolö Zingarelli, des Chirurgen Petrucci, des Geographen Giuseppe del Ee, des Literaten KafFaele Li- beratore u. a. Unter den Kapellen der Brüderschaften sindbeachtungswerth, im Lenaissancestil: S. Anna de’ Lombardi, S. Antonio di Padova, S. Francesco de Cocchieri; im gothischen Stil Fausto Ni- eolini und die Capp. dello Stallone. Eine Nachahmung des Herkulestempels zu Cora ist das Grabmal des Franc. Jaull; eine Nachahmung der pompejanischen Gräber das Grabmal des Morbilli. G. Vom Museum nach Porta Capuana und zum Hafen. Vom Museum (F 4) zieht sich nach NO. die Piazza Cavour (Gr 3, 4) eine breite, baumbepflanzte Strasse, an deren linken Seite sich hübsche Anlagen mit einer Palme und einer Eondelle mit Sitzen anlehnen und r. zwei kleinere Theater (Mercadante und Partenope) liegen. Von der Südostecke des Museums läuft südwärts die Strada Costantinopoli, in deren Mitte (im ehemaligen Kloster S. Giovanello) die Accademia di Belle Arti (mit Kunstbibliothek und Preismodelten der Schüler) liegt. — Der Piazza Cavour folgend, kommt man nach S. Carlo all* Arena ( G3) an der breiten Strada Foria. Die Kirche ist eine der neuesten in Neapel und verdankt ihren jetzigen Bau einem Gelübde der Stadt zur Zeit der Cholera 1836; in der 1. Capp. 1.: Mancinelli, S. Carlo 323 324 4. Neapel (S. Giovanni Carbonara). Boromeo hilft den Pestkranken; — am Hochaltar der sterbende Christus, von Naccarini ; ausgezeichnete Orgel. R. führt von hier die Stvada Oirillo zu der 1. in einem Recess über einer von Sanfelice erbauten Freitreppe (mit 45 Piperno-Sprossen) liegenden Kirche *S. Giovanni Carbonara (H 3). Oberhalb der Freitreppe tritt man 1. durch einen Thorbogen ein und gelangt durch ein Atrium zur Mittelthür der rechten Längswand der Kirche, die ein »vero Panteon sacro e profano, un museo di sculture insigni« ist. Hier ruhen ein König, grosse Würdenträger der Krone, Magistrate, Patricier, Prälaten, Krieger, ausgezeichnete Frauen der Stadt. Auf einem von dem Neapolitaner Patricier Gualterio Galeota geschenkten Garten- boden Carbonara wurde diese Täuferkirche 1343 durch den Provinzial der Eremiten- briider, Johann von Alessandria, gegründet. König Ladislaus erneuerte und erweiterte sie 1400 (die Wände sind meist erneuert). Domini schreibt den Bau dem (fabelhaften) Masuccio II. zu, und die erste Restauration dem Giecione. Der gothisclie Eingang ist im (ziemlich rohen) Stil der neapolitanischen Schule zu Anfang des 15. Jahrh. gearbeitet, in den Seitenpilastern stehen in Nischen übereinander drei heilige Frauen, dann angiovinische Wappen, die Madonna, der Verkündigungsengel, der Evangelist Johannes, ein Bischof; im Giebel halten zwei Engel eine Glorie mit dem Brustbild Christi, auf dem Knauf steht die Madonna. — Im Innern erhebt sich hinter dem Hochaltar das * Prachtdenkmal des Königs Ladislaus (gest. 1414; S. 97u. 107); es wird dem Andrea Ciccione zugeschrie- ben und ist jedenfalls von einem neapolitanischen Künstler, wie der Charakter des Kunstwerks und die Nachahmung der angiovinischen Denkmäler darlegt. Als Ganzes ist das Monument von sehr bedeutender Wirkung und trefflich ausgeführt, in den einzelnen Figuren oft noch mittelalterlich schwerfällig. »Die Selbstverherrlichung derllerrscher drängt hier wie bei den Scaliger-Monumenten zu Verona zu überwiegender Betonung des i Persönlichen.« : Der Unterbau scliliesst den Eingang in ; die dahinter befindliche Kapelle ein und ist deshalb in zwei Abtheilungen zerlegt; an vier Pfeilern stehen vier massenhafte Tugenden (die Mässigung giesst Wasser zum Wein, die Stärke hat eine Säule in den Annen, die Klugheit hebt ihr Gewand auf und hält eine Schlange, die Gerechtigkeit hält eine kleine Figur mit Schwert und Wage); darüber läuft ein Architrav mit Inschrift auf Ladislaus, laut welcher Johanna II. sich und ihrem Bruder das Denkmal setzen liess; — eine höhere Inschrift schliesst sehr humanistisch: »Libero, sidereum mens ipsa petivit Olympum «; über dem Architrav erheben sich vier mit Statuen besetzte Pfeiler, zwischen ihnen spannt sich ein Rundbogen aus mit dem königlichen Wappen in den Zwickeln; in der grossen Mittelnische sitzen Ladislaus und Johanna II. auf gemeinsamem königlichen Sitz, mit Krone, Scepter und Reichsadler; neben dem König sitzt die Macht, mit Diadem, Schwert und Kugel; neben der Königin die Liebe, mit zwei Kindern und Füllhorn; unter den Spitzbögen zur Seite sitzen r.: der Glaube, I.: die Hoffnung; ihnen entsprechen in den Nischen 1.: der Täufer, r.: S. Augustinus; unter Augustinus steht: »Leonardo da BL sitccio de Ülediolano auro ornavit«. Die den schmalen Mittelbau einfassenden Pfeiler enthalten vier gekrönte Könige unter Baldachinen, dann in Kapellchen die Verkündigung. — In der Mitte steht über einem von drei Löwen getragenen Stylobat der Sarkophag; an ihm sitzen (fein und elegant gearbeitet) der König, die Königin und zwei andere königliche Gestalten; zwei Engel ziehen die Vorhänge, der König liegt im reichen Kleid bekrönt auf dem Sarg, ein segnender Bischof und zwei Diakonen stehen dahinter, auf der pyramidalen Verdachung halten zwei Engel das Wappen; oben steht die Madonna. — Der Giebel trägt das Reiterstandbild des Ladislaus, das gezückte Schwert in der Hand. Unter dem Bogen des Monuments tritt man in eine grosse, runde, achteckige Kapelle; hier steht das * Grabmal des Sergianni Caracciolo del sole, des schönen, beliebten und allmächtigen Seneschalls Johanna’s II., die er mit Rom versöhnte; er wurde 1432 ermordet. Auf hohem Sockel tragen drei gedrungene ritterliche Gestalten mit porträtartigen Köpfen, als Symbole der Stärke, Klugheit (mit der Streitaxt) und Gerechtigkeit, den Sarkophag, an welchem ein Kreis mit Wappen von zwei Engeln gehalten wird, darunter springen drei Löwen halb hervor, zu den Seiten stehen zwei Engel mit Stab, Schild und Stirnflamme; an den Ecken in Nischen übereinander Tugenden und die Verkündigung. Ueber dem Sarkophag steht stämmig und charakteristisch der Verstorbene 325 326 4. Neapel (S. Giovanni Carbonara). als Krieger, zur Seite sitzen zwei Löwen mit behelmten Köpfen als Familienwappen der Caraccioli. Künstlerisch gewinnt das Denkmal dadurch an Interesse, dass es die alte neapolitanische Kunstrichtung abscliliesst und den liebergang zur Renaissance bezeichnet. Die Nachkläuge des Baboccio und die ersten Elemente Donatello’s, die ganze Auflösung der gothischen Architekturform und die etwas antikisirende Anordnung deuten auf toskanischen Einfluss. Gewöhnlich wird es auch dem Andrea Oiccione zugeschriebeu. Durch das Mausoleum des Ladislaus zurück trifft man an der linken (Evangelien) Seite des Hochaltars die berühmte *CappellaMarchesidiVico, die einen dorischen Rundtempel bildet. Am Unterbogen liest man, dass Galeazzo Caraccioli sie 1516 gründete; — von dem Spanier Pietro della Plata sind die drei Könige am Altar, die Figur des Galeazzo Caraccioli, S. Georg, der todte Christus, zwei Evangelisten; — von Girolamo San- tacroce S. Paulus, und von Domenico d’Auria Jakob zur Seite des Grabes von Nicolantonio; — von dem Meister Giovanni da Nola , zur Seite des Grabes von Galeazzo, S. Petrus (S. Andreas ist von Caccavello). In der Sakristei sind 15 Tafeln von Vasari T welche zu seinen besseren Bildern gehören. (S. Matthäus, Ambrosius, Augustinus, Herodias, Opfer Abrahams, Geburt des Täufers, Kain und Abel, Gabriel erscheint Zacharias, S. Gregor und I-Iiob, derEvang. Johannes, Taufe Christi, Enthauptung des Täufers, S. Hieronymus, S. Markus), 1546. An der Wand r. von der Thür der Sakristei: schone * Statue der Madonna delle Grazie , als Schützerin der Seelen im Fegfeuer (1571). — In der Mitte an der linken Wand (dem jetzigen Eingang in die Kirche 1. gegenüber) der Kirche steht die schöne berühmte * Al- tarhapelle der Mirabolli , dem Täufer geweiht. Arbeit und Behandlung sind den Skulpturen des Triumphbogens im Castello Nuovo verwandt. Nach einer spätem Inschrift soll das Denkmal 1419 errichtet worden sein, allein vor Alfonso I. (1442—58) wurde in Neapel kein Werk von »so rein durchgebildetem antikisirenden Stil« ausgeführt. Ueber (noch mittelalterlichen) Löwen und Engeln, die sich auf einen Schild mit einem Löwen stützen, sind in vier Nischen die *Vier Kirchenlehrer dargestellt (S. Gregor von der vortrefflichsten Charakteristik), im innern Feld in einer Nische der Evangelist Johannes, in den Nischen znr Seite Tugenden (von grossartiger Behandlung); zur Seite der Nischen grosse vergoldete Kandelaber (»jede Spur gothischer Verzierung ist an diesem Denkmal verbannt«); über den vergoldeten brunellesken Kapitälen der Pfeiler ein köstlicher Blätterfries, mit Masken dazwischen und Bogen darüber. — Im Grunde des Denkmals im Halbkreis über dem untern Sims: Relief der Madonna, welcher S. Joseph und der Täufer Trojano Mirabollo und seine Gattin Magdalena empfehlen (eine Gruppe von besonders schöner Wirkung); in den Ecken des Bogens: Zwei Viktorien mit Trophäen; auf dem Gesims: *S. Petrus und Paulus; in der Mitte oben im Halbkreis : Christus mit der Weltkugel; zur Seite: Zwei Engel und Wappen; auf der Spitze: S- Michael, den Drachen niederkämpfend, auf einem mit zwei Sphinxen verzierten Knauf; auf der andern Seite unten: Festons und Kandelaber; darübe,r: Kleines *Relief des Engels mit Tobias (in schönster naiver Charakteristik); darüber: Taufe Christi (ganz florentinisch),und die Enthauptung Johannis. Auf der Westseite des Atriums der Kirche ist die Capp. SS. Croci- fisso der Familie Seripando (1539 erbaut); hier ist ein schönes Krucifix, von Vasari. — Am obern Absatz der grossen Freitreppe ist die Capp. SS. Filippo e Giacomo (Kongregation S. Monica oder del Purgatorio) mit dem schönen Grabmal des Ferdinctndo Sanseverino, laut Inschrift von Andrea von Florenz, mit 9 Wappen, 16 Heiligen in Nischen, am Sarkophag in 5 Nischen Madonna, • Täufer, Johannes, Lukas, S. Katharina; am Fuss der liegenden Statue wacht der Hund. Obschon in der Hauptanlage noch gothiseli, dringt das antike Princip schon mächtig durch. »Viele Theile erinnern lebhaft an Donatello.« — Am Fuss der Treppe 1.: S. Maria della Pieta (Pietatella) mit der Purifikation von Francesco Curia, die Spagnoletto als das höchste Vorbild der Kunst erachtete. Auf dem Platz vor der Kirche feierten die Neapolitaner einst ihre blutigen Gladiatorenspiele, denen noch Petrarca (ep. fam. V, 6) zur Zeit der Königin Johanna I. und König Andreas schaudernd beiwohnte (tetrum atque tartareum speetacu- lum effugi, spectatorum saevitiam et lusorum infamiam identidem accusans). R. am Platz: Pal. Caracciolo (S. Buono), zu Anfang des 16. Jahrh. erbaut, mit einem schönen Hof. Zur Zeit Ma- saniello’s wohnte hier der Herzog von 327 328 4. Neapel (Castel Capuano — SS. Annunziata). Guise (1648); 1799 der General Cham- pionnet. _ Die erste Strasse r. führt r. nach SS. ApOStoli (H 3), deren Fundamente einem antiken Merkurtempel angehören sollen. Die jetzige Kirche erbaute der Theatiner Grimaldi 1608 und Lanfranco bemalte die Decke (mit »gleichgültigen, unwahren« Darstellungen), über dem Eingang den Teich von Betliesda, an den vier Pendentifs der Kuppel die Evangelisten. Das Innere der Kuppel bemalte Benasca. — Der Hochaltar (nach der Zeichnung des Fuga) mit dem Tabernakel des Cangiano kostete 96,000 Dukaten. — Die grosse Kapelle ( Füomarino) 1. vom Chor entwarf Borromini. — Die fünf Mosaiken der vier Tugenden und der Annunziata sind nach Bildern von Guido Reni (die nach Spanien kamen) von Calandra; Ornamente und Skulpturen führten Finelli, Folgt und Duquesnoy aus. Am Ostende der Strada Carbonara 1. S. C'aterina a formello (TI 3, 4), von den benachbarten Forme benannt, welche das Wasser della Bolla zu den niedrigeren Stadt- tlieilen führen; es ist eine von den zeitlich späteren (1523) Renaissancekirchen, die noch dem Stil des 14. Jahrh. folgen, von Antonio Fiorentino della Cava, der die schone Kuppel nach dem Muster der Domkuppel zu Florenz von Brunelleschi aufführte. Oestl. daneben die zur Zeit der Arago- nesen den Haupteingang nach Neapel bildende * Porta Capuana (H J, 3), ein Bogen mit Säulen eingefasst, zwischen zwei Thürmen (mit der Inschrift L'Onore und La VirtüJ, mit hohem Fries und Attika, vielleicht das schönste Thor der Renaissance, 1484—95 errichtet, mit Bildwerken des Florentiners Giulio Majano geschmückt: Trophäen, zwei Viktorien, zwei Engel mit Traube und Fruclitbecken, die Statuen der zwei Protektoren der Stadt, S. Gennaro und S. Agnello, einst auch die Statue des Königs Ferdinand. An der Attika das Wappen des königlichen Hauses von Aragonien von zwei Engeln gehalten und militärische Trophäen. — Beim Einzug Karls V. (1535) liess der Vicekönig Pietro di Toledo den zweiköpfigen Reichsadler zwischen die zwei Protektoren setzen. 1658 wurde das Thor durch Restauration wesentlicli verändert. — Siidostl. jenseit der Querstrasse das grosse Gebäude ist das kolossale Castel Capuano (H 4) oder die Vicaria (d. h. Gerichtshof des Vice- königs), der Palast der Tribunale, an der Stelle, auf welcher schon König Wilhelm I. (1154—66) eine Burg erbaut haben soll. Die Umwandlung durch Vicekönig Pietro di Toledo in ein Justizgebäude geschah laut Inschrift 1540. Von der alten Anlage, als es noch Sitz der Hohenstaufen war, ist nichts mehr vorhanden. Von den nicht zahlreichen Bauten der Spätrenaissance in Neapel ist dieser Palast eine der vorzüglichsten, mit stattlicher Hofanlage, halbrunder Hallo gegenüber der Einfahrt. Die berüchtigten Gefängnisse unter der Vicaria haben die Auszeichnung, an demselben Ort erbaut worden zu sein, wo die Gerechtigkeit gepflegt wird, und zwar in jenem Geschmack, der den Zeiten entspricht, wo der Mensch »si faceva an pregio di straziare il suo simile«. — Von der Mitte der Südseite des Castel Capuano (Piazza de’ Tribunali) führt südl. die Via della Maddaleifa nach SS» Annunziata (H J 4), 1317 von König Robert gegründet, 1760—82 nach einem Brand (1757) von Vanvitelli in einfacher korinthischer Ordnung ganz von weissem Marmor in erneuter Weise aufgebaut, mit schöner Kuppel über dem Querschiff. Im dritten Säulenzwischenraum r. tritt man in die Sakristei, denTcsoro und die Cap p. Carafa; beim Eingang sieht man r. Kreuzabnahme, Relief von Santacroce, 1. Geburt Christi und darunter Grablegung, Replik derjenigen von Donatello in Monto- liveto. Die Sakristei und Schatzkapelle, die einzigen vor dem Brand erhaltenen Bauten, sind später von Corenzio ganz ausgemalt worden (im Tesoro reiches Grabmal von Alfonso Sancio, gest. 1564); das Schnitzwerk der Nussbaumschränke der Sakristei, welches die ganze Geschichte Christi darstellt, ist eine mühselige Zugabe zu dem noch schönen, aber schon unreinen Ornament, einer Jugendarbeit des Giovanni da Kola. Auch die Holzskulpturen der Sakristeikapelle sind von ihm (Verkündigung, Glaube, Hoffnung, Liebe, die kämpfende Kirche). — Am Fuss des reichen Hochaltars von Vanvitelli liegt der Grabstein der Königin Johanna II., gest. 1435 (S. 109), die in ihrem Testament befahl, ihren Leib in der königlichen Kapelle dieser Kirche beizusetzen und »mit schlichtem Stein zu bedecken«. — Es ist der »Grabesschluss« des greuelvollen französischen 329 330 4. Neapel (S. Maria del Carmine - S. Eligio). Hauses der Anjou’s, dessen Geschichte eine Keihe von Tragödien bildet. — Im Presbyterium r., in der Oapp. Caracciolo di S. Buono, die Madonna addolorata von Spagnoletto. L. durch Strada S. Pietro ad Aram gelangt man Östl. zur Porta Nolana (J 4), mit den Thürmen Cava Fe \m> c - ’ollenji 6wvdan0*<&.^h &f llMOi kÄ.31assa.*s ^rXaactro S.^ebastimo resusre 05 Sheonardo BARRA CariltL ,jSßrf4 * S.Giorgio ^Crm^no' O s-senraturio^^ ?oasAe/38ö^ ■, .^c^bs^; .'•& Cirocmg,. TTl¥ cmCaTtterorä Wmmtf- üxkUü !?■*•>$£ jr; OKTin 1633 is^4^c 1ßi0. v >>.' # wv '>' v < y il , l ' * v j % •*.', ’ üÄäfe« .ilesina I/ianat<4ji> ..- . ,1831 A ; .x>. : .•• * ; _...- v;,; - / iyf$ß . : -Jyi' v\. ~ . : ' :%*$> '; r $A'Ä5S: ., ; ■. ; , '| ^ i \\ \ A.ws t: -An v v'’W'. Aaaa ! \ W \ V "a^ \ ' ' • ' \ \\ Wn'v-OX 52S3 $^iJ|r' tJasaMoli^i t ' t ^Etfi „ * 7 Y§ JL' ** ' .• ./* ,£? A ''■p^^^^lälipuMän^i. L \uViw*i'ui£lM& . Jb&SZ--?' >P~ A . ' - ; • „, " & ' ' 'Itp • • *&, ;;*x .Z&l?' 1 * ■; .$■&$ ^OOXbdeitaViulo - ?• j£^£«»rSwtx JEa^n 1633 iFcussanii -R.e ale oscotijeCase osco MONTE ¥ISÜ¥IO 3000 J/ftr? .1631'^ CnsefzRUc r- 7ö,00C TOBKEDE 0 500 1000 ;; weit zu schmelzen, dass das Zink flüssig wurde, indess das Kupfer zuriiekbiieb. Bald ist die Lava dünnflüssig, last wie Wasser, bald zähflüssig wie ein Metallguss; bei der Abkühlung bildet sich sehr schnell eine . April lö<2 veranlagte ein plötzlich sich öffnender Krater mit glühendem Lavastrom), und über die Schlackendecken getrost liinschreiten, wenn zu unterst die Lava noch fliesst. Man wird bei einer solchen Reise (nicht mit Behagen) bemerken, dass die Lava dieselben Dämpfe wie der Krater aus den Lücken ausstosst. Die auffallende Erscheinung, das Bäume unversehrt, nur verkohlt, unter Lavaströmen sich befinden, ist aus der luftdichten Umhüllung zu erklären, die dem Sauerstoff den Zutritt verwehrt. Die Lava des Vesuvs ; reich an LeV<- cit und Augit, ist meist krystallinisch, doch auch glasig und steinartig. Beim Aufsteigen der Lavamasse im Yul- kanschlot und beim Erguss und Pliessen der Lava tritt eine Scheidung ein, der erstarrte Lavafels ist der am schwersten schmelzbare Rückstand, die flüchtigsten Stoffe entweichen gänzlich als Dämpfe und ein dritter Theil, der zuerst dampfförmig entweicht, setzt sich an den kühleren Schlackenstücken als Sublimate wieder ab. Die Mineralien der Lava werden somit durch Temperaturabnahme und Verdunsten des Lösungsmittels ausgcscliieden, aber beides geschieht schon tief im Vulkanschlot, durch die Berührung mit den kälteren Bergwandungcn und während des Aufsteigens und Austretens. Schon ausgescliiedene Krystalle werden wieder zerrieben; herausgeworfene Bruchstücke können wieder in die Masse zurückfallen 383 7. Der Yesuv (Die Ausbrüche), 384 und sich einbetten, ausgeworfene können in heissere Theile der Lava zurückfallen, wieder geschmolzen werden etc. Trachytische Tuffe bilden das Fundament des Vulkans und sind ein bald fester, bald loser verbundenes Aggregat von feinstem Trachytgrus, Bimssteinstücken, dunklen Leucitophyrschlacken, losen Krystallen von Augit, Sanidin- Feldspat u. a., verschieden in Konsistenz und Bildung, je nachdem sie das Produkt untermeerischer Eruptionen sind oder in die Luft geschleudert und beim Niederfall geschichtet wurden. Der graue Tuff enthält Einschlüsse von (zuweilen magnesiareichen) Kalkstücken mit gerundeter Oberfläche, oft von Faustgrösse, dicht, oder halbkrystallinisch, auch wasserhaltige Kalke und Dolomit. Diese Findlinge, von weisser, grünlicher, bläulicher, gelblicher, aschiger Farbe, werden in Neapel zu den bekannten Lava - Arbeiten verwandt, zu allerlei Schmucksachen, Medaillons, Statuetten, welche als Produkte der Lava del Ve- suvio in Neapel, oft trefflich geschnitten, in einer Reihe von Magazinen verkauft werden. — Diese Kalkblöcke scheinen Bruchstücke des Apennins zu sein, welche durch die vulkanischen Ausbrüche losgerissen und verändert wurden. (Bei den neueren Ausbrüchen sind Kalkauswürflinge eine grosse Seltenheit.) In den krystalliniscken Kalkeinschlüssen finden sich oft ausgeschiedene schöne krystallisirte Mineralien. Wo der graue Tuff (namentlich des Sommarings) entblösst ist, werden die von den Mineralienhändlern zu Re- sina und Portici sehr gesuchten sogen. » Auswürflinge « gefunden, am leichtesten, wenn heftige Regengüsse die lockeren Tuffmassen ausgewaschen haben. Schlägt man jene Sommablöcke auf, so enthalten sie oft eine köstliche Pracht schönfarbiger, glänzender, flächenreicher Krystalle. Folgendes sind die Vesuvmineralien (nach der Aufzählung von G. vom Rath): Periklas, Zirkon, Spinell, Magneteisen, Olivin, Hmnifc, Wollastonit, Äugit, Hornblende, Biotit, Granat, Vesuvian, Sarkolith, Mejonit und Mizzonit, Humboldtilith, Leucit, Nephelin, Sodalith, Hauyn, Anorthit, Oligo- klas, Sanidin, Orthit, Gismondin, Phillipsit, Titauit, Apatit, Kalkspat, Arragonit, Anhydrit, Flussspat*, ferner kommen als Seltenheiten vor: Blende, Bleiglanz, Eisenkies, Magnetkies, Graphit. Die Bomben des Vesuvs bilden fiir den Vesuv unter allen tliätigen Vulkanen eine einzigartige Erscheinung, um so auffallender, als sonst für die Vulkane (z. B. den Aetna) die Armut an mannigfachen und schönen Mineralien charakteristisch ist. (Merkwürdigerweise wurde auf 3 QM. um den Vesuv eine grössere Zahl [82] einfacher Mineralien gefunden als auf irgend einer gleich grossen Stelle der Erde.) Die fossilen Meerschalen, die man in ausgeworfenen Sandsteinfragmenten und Tuffen in den älteren Partien des Vesuvs gegen Neapel hin gefunden hat, bis 290 ra. ü. M. (besonders beim Rivo di Quaglia , nahe beim Fosso grande), gehören lauter noch gegenwärtig im Mittelmeer lebenden Species i an; sie sind in Fragmenten von Tuff und Sandstein eingebettet, die in einer frühem Periode in die Luft geschleudert wurden und dann in die alten Tuffe kamen (wie die Stärke von Dolomit und anderen dem Berg fremden Felsarten). Sie beweisen nur, dass einige der früheren Eruptionen durch Tuffe marinen Ursprungs brachen, wie diejenigen, die man zwischen Neapel und dem Vesuv findet. B. Die Ausbrüche (Geschichte des Vesuvs). Der jetzige Vesuv scheint während jener furchtbaren Katastrophe um das Jahr 7!) n. Chr. entstanden zu sein, als Pompeji, Herculaneum un i Stahiä zu Grunde gingen (S. 4)0) und seine jetzige Höhe (ca. 70 ra. höher als die Somma) nach und nach aus dem Kreiskessel der Somma empor durch Aufschüttung erlangt zu haben. In Pompeji und Herculaneum drangen damals erdige Bimssteinmassen als Schlamin in die Gebäude ein, welche dem jetzt vom Vesuv ausgewogenen Material ganz unähnlich sind; Schlammströme und Tuffmassen, welche vor dem Ausbruch die Berghänge auf der Meerseite umkleideten, verschütteten die Häuser, dazu ungeheure Anhäufungen von Sand, Lapilli und Schlacken, welche von der Eruption selbst herkamen. — Lyell fand 1828 beim Amphitheater folgende acht Schichten: . „ , 0 , .p, FUSS Zoll 1. Schwarzer Sand von der Eruption von 1822, mit Augit und Turmalin.— 2 2. Dammerde.3 — 3. Loser Tuff mit Pisolith in Lagen von Zoll bis 3 Zoll Dicke . 1 6 4. Kleine Schlacken und weisso Lapilli.— 3 385 7 . Der Vesuv (Die Ausbrüche), 386 Fuss Zoll 5. Brauner erdiger Tuff mit Pi- solitli (auch beim Ausbruch von 1822 in dem mit dem Regen niedersturzenden ausgewogenen vulkanischen Sand) . . — 9 6. Brauner erdiger Tuff .... 4 — 7. Grauer fester Tuff.6 3 8. Bimsstein.— 3 Bas Holzwerk, in wässeriges Sediment eingehüllt, verbrannte nicht, sondern verkohlte. Bei Herculaneum verhält sich die Sache anders; obschon auch hier die Substanz, welche das Innere der Häuser ausfiült, als Schlamm eindrang, so weichen doch die überliegenden Massen sowohl in der Zusammensetzung wie in der Dichtigkeit völlig von einander ab. Herculaneum lag einige Mi- glien näher am Vulkan und ist deshalb mehr ausgesetzt gewesen, nicht nur von Aschenschauern und Alluvialströmen, sondern auch von Lavaströmen bedeckt zu werden; demgemäss haben sammt jener Ausfüllung noch beiderlei Massen die Stadt oberwärts überdeckt, so dass man jetzt 20—30 m. zum Boden hinabdringen muss, und über tieferen Schichten liegen noch Mateiden von vielen weiteren Eruptionen auf; jede von der andern durch Lagen guten Bodens getrennt. (Das Weitere S. 521.) Vor diesem Ausbruch, zur Zeit des Augustus. beschreibt Strabo (V) die Gegend so: »Es leben aber zu Seapolis die Römer, die sich hierher von Rom zurückgezogen haben, um von ihren Anstrengungen auszuruhen , oder weil sie sich wegen Alters und Gebrechlichkeit nach einem ruhigem Leben sehnen, ganz nach griechischer Weise. In der Nähe ist das befestigte Herculaneum auf einer ins Meer vorlaufenden Landspitze, wo der Südwest sehr häufig weht, und dadurch der Aufenthalt sehr gesund ist. Die Osker besessen diesen Ort sowie auch Pompeji, an dem der Fluss Sarno vorbeiströmt. An diesem ist der Hafen Pompeja gelegen, auf dem die Waaren ankommen und abgeschickt werden. Oberhalb dieser G egenden liegt der Berg Vesuv, mit Ausnahme des Gipfels ringsum von schönen Feldern bedeckt Dieser ist grössten- theils flach , ganz unfruchtbar und von aschgrauer Farbe, mit grottenartigen Höhlungen , asengrauen, vom Feuer zerfressenen Steinen; ein Beweis, dass diese Gegend früher gebrannt und Krater für das Feuer gehabt hat, welches aus Mangel an Materie erlosch«. Die folgenden Hauptausbrüchc fanden statt in den Jahren: 203, 472 (der Wind trug die Asche bis Konstantinopel); 512, 085, 082 (mit Erdbeben zu Ihnecent und C.tpna); 1030, 1130. — Dann lange Pause; selbst bei der Erhebung des Monte Nuovo (153s) blieb der Vesuv ruhig. Nun aber erfolgte: 1031 der heftigste Ausbruch seit Pompeji. — Salimbeni und de’ Rubel berichten, dass sie bei ihrer Besteigung 1610 das Innere des Kraters noch mit Eichen, Steineichen, Eschen und anderen Waldbäumen bedeckt fanden. Man konnte (von Ottajano her) in den Krater, der 1578 m. im Durchmesser hatte, auf abschüssigem Pfad 657 m. tief zum Boden desselben hinabsteigen; er mass 160 m. Der Berg war bis nahe zum Kegel auf allen Seiten angebaut, die Pedimenta und die Atrii dienten als Weideplätze. — Bracini, der den Vesuv kurz vorher bestiegen, sagt: »Der Krater hatte 5 Migl. Umfang und war etwa 1000 Schritte tief, die inneren Seiten waren mit Buschwerk bedeckt und auf dem Grund war eine Ebene, auf der das Vieh weidete; im Gehölz daselbst bargen sich häufig wilde Eber. An einem mit Asche gefüllten Theil der Ebene waren drei kleine Teiche, zwei salzige und ein geschmackloser«. — Am 16. Dec. 1631, kurz vor Sonnenaufgang, begann der Ausbruch, indem sich mit fürchterlichem Getöse die Südseite des Bergs etwas über dem Atrio di Cavallo Öffnete (schon am 10. Dec. hatte man eine Hebung des Kraters wahrgenommen, so hoch waren die Laven bereits gestiegen). Zwei Tage spie der Schlund glühende Steine, Rauchwirbel und Asclienwollcen und Blitze schlängelten aus dem Krater hervor. Aschen- und Sandregen zog in grosser Pinienwolke durch die Basilicata bis nach Tarent; in der Nähe des Vesuvs lag die Asche 6 m. hoch. In Neapel war die Sonne am hellen Tag verdunkelt und mit der Asche ein lästiger Geruch nach Salzsäure verbreitet. Die glühenden herabfallenden Steine zerstörten und verbrannten alles in Sola, Palma, Lauro, Ottajano und anderen Stäiten der östlichen Ebene in der Nähe des Vesuvs. Dabei unaufhörliche Erdbeben, auch in Neapel und weiterhin. — So ging es bis zum 18. Dec. Daun ergoss Morgens 10 Uhr der Krater, nach einem äusserst heftigen Erdstoss, eine ungeheure Lavaflut, die in mehrere (oft 1 Mjgl. breite) Arme getheilt, die Abhänge zwischen Ton-e dell' Annunziata und PoHici bis zum Meer über- strömte, S. Jorio zerstörte und nördl. bei Madonna dclV Arco sich ausdehnte, Häuser und Baume umriss und entzündete und etwa 3000 Menschen (auch eine Procession von 400 Personen) tödtete. Sie war mit solcher Schnelligkeit niedergeströmt, dass sie vom Krater bis zum Meer weniger als 1 St. brauchte; gleichzeitig trat das Meer an der ganzen neapolitanischen Küste zurück und kehrte dann heftig, sein altes Bett überschreitend, infolge einer starken Erschütterung zurück. Einer der Arme des Lavastroms zerstörte Bosco und Torre dell’ Annunziata und ergoss sich noch 200 in. ins Meer; ein zweiter verwüstete den grössten Theil von Torre d-l Greco und floss noch 400 m. weiter ins Meer; ein dritter zerstörte Resina (über Herculaneum) und Portid und ergoss sich bei dem sogen. Granatello noch weiterhin ins Meer; ein vierter westlicher ergoss sich über S. Giorgio a O emano und berührte noch Harra und S. Giovanni. Auf der Höhe des Bergs löste sich ein grosser 387 388 7 . Der Vesuv Strom ab, (1er durch den Hohlweg des P'osso alla Vetranct und P'osso di Faraone hinabfloss, sich auf Massa di Somma stürzte und bis 8. Sebastiano und Madonna delV Arco ausbreitete. Man berechnete die Masse der in 2 St. ausgefiossenen Lava auf 73 Mill. Kubikm., welche eine Fläche von 14Va Mill. Qm. 7—10 m. hoch bedeckte! Ein Stein von 25,000 Kilogr. Gewicht wurde bis zur Somma geschleudert, ein anderer nach Xola von solcher Grösse, dass 20 Ochsen ihn nicht fortzuziehen vermochten. Auch grosse Schlammströme wirkten fast ebenso verheerend wie die Laven. Wo die Lava endete, bildete sie grosse Hügel. Nach dem Ausbruch war der zuvor 40 m. höher als die Somma aufsteigende Vesuv 108 m. niedriger als diese geworden, der Kraterrand stürzte ein und das Innere ward zum tiefen verengten Schlund. In der Woche darauf tobten Orkane, zuvor schon fielen mit Asche untermengte Wasserströme nieder. Die Kiiste soll 000 m. weiter gegen das Meer gerückt worden sein. Weitere Ausbrüche: 1638 , 1660 (aus drei Schlünden), 1680 . — Von da an bis jetzt ist die lleihe der Eruptionen eine fast nie längere als höchstens lu Jahre unterbrochene, während in der Nachbarschaft keine Eruption mehr stattfand. Bei den kleinen Eruptionen erhob sich in der Hegel der Gipfel, -während er bei den grossen an Höhe verlor; ball hatte er in seiner Mitte 1, 2, 3 Kegel, in oder neben dem andern, bald zwei oder mehr Höhlungen, grösser oder kleiner, mit ebenem oder konkavem Boden, mit oder ohne Kegel auf demselben. — 1682 , 1685 , 1680 (der innere Kegel wuchs um 100 m.). — 1694 (zwei Lavastrüme gegen Torre del (ireco und 8. Giorgio a Cremano). — 1606—08 fünf Ausbrüche. — 1701 , 1704—1708 drei Ausbrüche, namentlich 1707 sehr heftig. — 1712—37 eine ganze lleihe nur durch kurze Pausen unterbrochene Eruptionen ('Lavaströme gegen Otlajano und Torre del Greco 1713 und 1725; Lavaströme ins Atrio di Ca- vallo). — Nach dem Ausbruch von 1737 war der Vesuv nur noch 1066 m. hoch, die Somma unverändert (1110 m.). Später ward der Kegel mehrmals wieder aufgebaut und wieder vertieft, die Gestalt des Vesuvs dadurch oft geändert. — 1751—54 fortwährende Tliätigkeit des Vesuvs (1754 der Kegel sehr erhöht). — 1756 drei koncentrisciie Krater. — 1760 im Fosso della Gampagna Bildung einer lleihe von Kegeln (Voccoli), von denen drei noch sichtbar sind, aber mit Reben und Gehölz überzogen. — 1765 bis 1767 Lavenergüsse in das Atrio di Ca- vallo und Kegelbildung. — 1767—78 Lavaströme ins Atrio di Cavallo und durch die Fossa grande (1773 der grosse Krater mit ebener Fläche und einem, kleinen Kegel in der Mitte). — 1779 grosse Feuerfontäne aus einer neuen Oeffnung gegen die Somma. Dann glühender Steinregen. — 1785 floss die Lava 15 Monate lang. — 1786 Lava- (Die Ausbrüche). ström in den Fosso Vetrana. — 1700 Lavastrom und heftiger Aschenregen bis Neapel. 1704 ist wieder einer der heftigsten Ausbrüche; die ganze Krater- j ebene wird in die Luft gesprengt, in den Pedimenta öffnet sich eine OjU m. lange und 30 m. tiefe Spalte, aus welcher sich eine ungeheure Feuergarbe erhob, welcher sogleich ein mächtiger Lavastrom folgte; in 4 St. erreichte er das Meer, zerstörte, 600 m. breit eindringend, 'Torre del Greco fast ganz und hatte an manchen Stellen der Stadt 12 m. Mächtigkeit. Im Meer bildete die Lava noch eine 8 m, hohe Masse, die den südlichen Hand der jetzigen Cala des Städtchens bildet. Der Vesuv erzitterte während des Ergusses wie von Schüssen einer Batterie, später auch der Boden von Neapel; Blitze zuckten, dichte Aschenregen umhüllten den Gipfel. In Neapel und bis Tarent fiel Asche nieder. Die Spitze des Kegels war im Westen eingestürzt, der Kegol um den vierten Tlieil niedriger geworden. Die ganze Form des Vesuvs verändert sich. Regen mit Asche vermengt und Schlammströme folgten. Die feine Asche lagerte sich 3 Migl. um den Vesuv herum fast V 2 m. hoch. Neuere Ausbrüche: 1804 eine Eruption von 30 Tagen, ein Lavastrom von 22,500 Pa men (ca. 6 Kil.) Länge. ■— 1805 Beobachtungen von Alexander v. Humboldt, Leopold v. Huch, Gay-Lnssac. Bildung der Punta del Palo, ein Dutzend kleiner Kegel in der ebenen Kraterfiäche. — 1810 ziemlich heftiger Ausbruch; Lavaströme gegen Ottajano, Bosco tre Gase und Hesin-t, — 1812 begrüsste der Vesuv das Neue Jahr mit einer Girandola. Die Lava legte in 8 St. 3 Migl. zurück, erreichte auf ihrem Weg nach Torre del Greco diesen Ort jedoch nicht. — 1818-20 eine Reihe kleinerer Ausbrüche. — 1S20. Auf der Spitze des Hügels, aus dem die Lava seit Monaten floss, stiegen beständig Flammen von schönster Farbe auf, welche von Verbrennung eines schwefelhaltigen Gases zeugten. Ungeheurer Aschenauswurf Ende des Jahres, im nordwestlichen Tlieil des Atrio über sechs Oeffnungen sechs Kegel, der oberste am Fuss des grossen Kegels, der unterste nächst dem Fosso della Vetrana auf der Lava von 178(5. 1822 im Februar Explosion und Lavaerguss über den Westrand des Kraters in drei Armen, die sich in der Pedimentina vereinigten, gegen Besinn hin auf die Laven von 1810 sich warfen, »eine wunderschöne Kaskade« bildend. Später neuer Nachschub. Unter donnerndem, 10 St. weit hörbarem Getöse Auswurf von Rauch, Sand und Lava in hoher Feuergarbe. Neuer Erguss in sechs Armen an dieselben Stellen. Grosse Veränderung im Krater. Am 21. Okt. sah man die Lava sich über den Kraterrand in zwei Bächen in die Pedimenta stürzen. Am 22. Okt. früh 1 Uhr stieg eine ca. 600 m. hohe, mit Sand und glühender Asche gemischte 389 390 7. Der Vesuv (Die Ausbrüche). Feuersäule auf, nach einem fürchterlichen ‘ Knall stürzte der östliche Kratorrand ein, es drang eine Aschen- und Lapillhvolke hervor, welche % St. lang Bosco tre (Jane und Ottajano mit ihrem Inhalt Üherschüttete. Gegen Mittag erhob sich eine ungeheure, oben mehrere Miglien breite, ca. 2400 m. hohe Pinie, in deren Nähe Blitze ohne Donner zuckten; der Berg erzitterte fortwährend, über den südwestlichen Kraterrand floss immer stärker und schneller die Lava und legte den Weg längs des Kegels bis zur Pedimenta in 15 Min. zurück, ein Strom zwischen Fonno grande. und Fonno bianco stand (vorn 3 m. hoch) D /2 Migl. von der Kirche von Resina still; Nachmittags strömte aus der Spalte des östlichen Kraterrandes eine so grosse Menge Lava hervor, dass sie die Pedimeiitina in der Richtung nach Bosco tre Oase um mehr als 12 ui. erhöhte. Um die Feuergarbe zuckten Blitze und die Detonationen und Erschütterungen schienen einen Einsturz des Vesuvs herbeifiihreu zu müssen. Asche und Lapilli bedeckten die ganze Umgegend des Vesuvs, die Lava strömte nach Bonco tre Cane, theilte sieh aber davor in mehrere Arme; von 10,()0(j Einw. von Torre del Grcco waren nur sechs in der Stadt geblieben. Aschenregen in Neapel, Geruch nach Salzsäure bis dahin. Rüthliche Asche gelangte bis Cannano (22 St.). Die ausgegrabenen Theile von Pompeji wurden wieder mehrere Fuss hoch bedeckt mit Asclie. Der grosse Kegel war niedriger und an seiner Basis breiter geworden. Die Pedimentina hatte sich im O., W. und S. um mehr als <50 m. durch die Lavaströme, die ausgeworfenen losen Massen und den durch den Regen lierabgeführten Sand erhöht. Der Krater war ganz verändert. (Alexander v. Humboldt beschrieb diesen Ausbruch in den »Ansichten der Natur«, Bd. II, 8.272, überaus lebendig.) — Am äussern Kraterrand bestanden zweierlei Funrarolcn, die einen entwickelten schweflige Säure, die anderen Salzsäure und Schwefel. — Lyc.U fand die Laveu von 1822 noch 1828 an der Nordseite des Kegels nicht erkaltet; aus ihren Spalten strömten noch Dämpfe und Hitze aus. 1828. Heftige Explosion; zwei Kegel entstehen, der grösste 135 m. über die Ebene des alten Kraters sich ei-liebend, höher als die Punta del Palo. — 1831. Lavastrom in 2(! St. 2000 m. zuriicklegend, gegen Heniua hin; der Hauptkegel (Decemberj mit Schnee bedeckt, durch welchen schwarze Lava niederströmte. — 1834. Zehntägiger Ausbruch, bei welchem die Gestalt des Kraters durch Einsturz des innern 00 m. hohen Kegels ganz verändert wurde. Der mächtige Lavastrom floss nach Mauro hin. — 1839. Die schönste Eruption, wegen ihres ungeheuren feurigen Steinregens , die Feuersäulo 330 m. hoch, im Durchmesser bis 150 m. In der Nacht vom 3. auf den 4 Jan. zählte man in b '2 St. 216 Blitze. — 1850. Acht Oeffnungen an der Ostseite mit Lavaströmen, im Krater zwei grosse Schlünde. — 1855. Lavastrom in den Fonno del Faraone. Ein ‘ neuer grosser Centralkrater zwischen den zwei von 1850. Der Eruption gingen eigen- thiimliche Störungen der Magnetnadel des vesuvianischon Observatoriums voraus; eine grosse Menge rotlier Coccinellen mit schwarzen Punkten sah man auf der Höhe des Kegels. • Die zahlreichen Stösse waren oft so schwach, dass nur das von Palmieri erfundene Seismometer sie anzeigte. 1856 und 1857 floss die Lava aais jenen zwei Bocche, füllte sie aus, bedeckte die Punta del Palo, die durch dieangeliäufte Materie verschwand, und floss hernieder. Es bildete sich ein CentraJkegel, der in die Luft gesprengt wurde, sogleich wieder gebildet sich seitlich spaltete und Lava entlud. — 1858. Berstung des grossen Kegels, Senkung des obern Kraters um .54 m.; 30 Miil. Kubikmeter Lava fliessen hernieder, ein Theil derselben verwandelt das 100 m.; tiefe Thal Fosso gründe zu einem Hügel. Lava floss bis 1861 langsam heraus, ihr Strom bildet das fremdartigste Bodenrelief, von Heim »Fladenlava«, von Rath »Gekröslava« genannt. Sie erhielt diese Gestalt durch das längere Verharren in zähflüssigem Zustand. 1861 im December spaltete sich der Boden oberhalb Torre del G'-eco, Lava strömte reichlich hervor, der Boden erhob sich um die Stadt. Ausströmungen von Kohlensäure und Kohlenwasserstoff, Salzsäuregeruch. —1862 kehrt der Boden langsam wieder zu seinem Niveau zurück. — 1868 Spaltung des grossen Vesuvkegels, pastose schlackige Lava; December Lavastrom demjenigen von 1855 folgend, bis über Le Forelle hinaus. Aus dem Gipfelkrater hatte sich ein 100 m. hoher Eruptionskegel und aus diesem ein kleinerer erhoben. 1871 im Januar begann eine neue Aktion mit der Oeffnung einer nordöstlichen Spalte am Aschenkegel, über welcher sich allmählich eine grosse Lavamasse aufthürmte, in deren. Mitte die Mündung lag, welche einen (leueitreiclien) Strom in das Atrio entsandte. ■— Dieser Ausbruch kam erst am 30. April 1872 zu seinem vollen Ende, indem der gewaltigen Katastrophe eine lange Reihe kleinerer Eruptionen als Vorspiel einer grossen Kraftentfaltung voranging. Am 23. April verstärkte sich der Lavaausstrom im Atrio dell Cavctllo; der Seismograph verkündigte die bevorstehende Katastrophe. Am 24. April ergoss sich ein Iiellleuchtender Lavastrom von der Südseite des Kegels die Fläche hinab, auf der man gewöhnlich hinuntersteigt, ein Schauspiel, das durch die zauberhafte Darstellung eines riesigen feurigen Baums bei dem klaren Mondschein eine Menge Beschauer zur Besteigung des Bergs einlud. Am 25. Abends sollen über 120 Wägen bei der Eremitage vorbeigefahren sein. Nach Mitternacht begannen die Rauchwolken sich massenhaft aus dem Krater hervorzudrängen, aus sehr vielen Löchern des Kegels ergossen sich Lavaströme, so dass der ganze Kegel wie mit einem feurigen Mantel umgeben war. Am 26. gegen 3‘/ 2 Uhr Morgens 391 7. Der Vesuv (Die Ausbrüche). 392 befanden sich eine Menge Neugieriger im Atrio, als der Kegel in seiner ganzen Lange von der Spitze bis zum Atrio mit weitklaffender Spalte aufriss und eine bedeutende Lavamasse ihr entquoll. Zu gleicher Zeit, berichtet Palmieri, schleuderten die beiden Gipfelkratcr unter heftigen Detonationen zahllose glühende Wurfmassen aus; eine Dampfwolke hüllte die unglücklichen vom Rückweg zur Eremitage abgeschnittenen Besucher des Atrio ein, ein Hagel glühender Geschosse fiel auf sie herab und in ihrer unmittelbaren Nähe brach die Lava hervor, so dass eine grosse Zahl in der glühenden Flut umkam (darunter neun junge italienische Mediciner). unter furchtbarem Gebrüll unermessliche graue Rauchmassen und Dämpfe aus und schleuderte glühende Schlacken, Lapilli und Asche bis zu einer Höhe von 1300 m. auf. Die Rauchwolke formte sich zur Pinie, Lapilli und Asche verbreiteten sich weithin. In der Lava sah man eruptive Fumarolen. Die Glut der Lava war am Tag nicht zu sehen, denn alle Lava war Schollenlava, die viel rascher eine Schlackendecke liefert als die Fladenlava. Abends fing im kalt* bläulichen Schatten die Glut zu glänzen an, über dem Gipfel zeigten die Dämpfe strahlenförmige Beleuchtung, die sich mehr und mehr zur starren, geraden Feuersäule entwickelte. Am 27. erreichte der Feuer- fe-'-v 1 'Of^f WS Krater des Vesuvs nach dem Ausbruch vom April 1872. Die Spalte des Bergs auf der Nordostseite war breit und tief und setzte sich 300 m. lang ins Atrio fort, und ein langgestreckter Lavarücken gleich einer kleinen Bergkette bildete sich, der sich bis zu 50 m. erhob; der kleinere Arm warf sich in eine Schlucht, welche die Strome von 1807 und 1871 trennte, und folgte dem Strom von 1853 gegen liesina, die Hauptmasse stürzte in den Fosso della Vetrana, füllte die ganze Breite desselben (ca. 800 m.) aus, durcheilte ihn auf 1300 m. Länge in 3 St. und ergoss sich in den Fosso di Furaone; der linke Arm floss über die Lava von 1808 und der rechte setzte seinen Lauf über den Strom von 1355 fort, trat zwischen die Ortschaften Massa und S. Seba- stiano, zerstörte dieselben theilweise und blieb bei einein Landhaus stehen, das einst dem berühmten Maler Luca Giordano gehört hatte. Von 10 Uhr Morgens bis 11 Uhr Nachts legte die Lava 5 Kil. (1 St.) zurück und bedeckte 6—7 Kil. Der in zwei Abtheilungen getheilte grosse Gipfelkrater stiess ausbrueli sein Ende, die Auswürfe von Asche und Lapilli mehren sich, die Farbe der Pinie wird dunkler, Blitze, von stetem Donner begleitet, durchzucken sie. Am 28. fielen Lapilli und Asche massenhaft und verdunkelten die Luft. ( Verfasser war an diesem Tag oben, so weit man Vordringen konnte.) — In Neapel ging schon um 5 Uhr Morgens wegen des dichten schmutzigen Aschenregens , der über die ganze Stadt strömte, alles mit aufgespannten Schirmen; der Himmel war bleigrau, das Licht wie fahle Abenddämmerung. Rings um den Berg Regen von Lapilli, bei Ottajano faustgros.-e Steine. Das Donnerrollen des Bergs tönte selbst in Neapel wie eine summarische Be- seliiessung. Am 29. dauerte das Lärmen foi’t, aber die Auswurfmassen stiegen nicht mehr so hoch. Gegen Mitternacht zeigten die Detonationen zeitweilige Unterbrechungen, zugleich entluden sich über Kampanien Gewitter mit starkem Donner; Abnahme der elektrischen Erscheinungen am Krater, 393 7. Der Vesuv (Besteigung). 394 ; f der Sandregen in Neapel weniger dicht. — Am 1. Mai Abnahme aller Erscheinungen, nur unaufhörliches dichtes Qualmen von Kauchwolken. Am Nachmittag schliesst ein schreckliches Gewitter diesen seit 1(538 stärksten Ausbruch des Vesuvs. Am 3. Mai sah man zum erstenmal wieder den Vesuv unbewölkt, hell und klar von Neapel aus. Er war von oben bis unten von den nassen Aschen schwarz gefärbt. Die neuen Laven, mit hellen Sublimationsprodukten bedeckt, zeichneten sich schon in grosser Ferne durch ihi*e helle Farbe aus. So lange der Vesuv in Thätigkeit war, schwankte der Boden beständig, selbst nach dem Schluss der Eruption hielten diese wellenförmigen, von NW. nach SO. sich erstreckenden Schwankungen noch einige Tage an. Vor dem Ausbruch vom 26. April lagen im losen Aufschüttungsmaterial des Gipfels drei Krater, zum Theil bis in den Felsgrund eingesenkt, ein vierter, noch nicht lange gebildeter, am Nordostabhang des Gipfels gegen das Aschenplateau. Nord* östl. strömte aus einem festen, auf dem Aschenplateair aufgesetzten Lavakegel aus dessen Gipfel Dampf, aus dessen Fuss Grundlava aus. Nach der Eruption hat sich die Form des Gipfels verändert; vom Atrio gesehen, ist er zweigipfelig geworden, vom Gipfel geht ein Riss als Thalschlucht bis ins Atrio hinein. Die Ostseite ist felsig steil, die Westseite ein steiler Aschenhang, die .Schollenlava hat den Boden am westlichen Theil des Atrio um ca. 6 m. erhöht. Die Mündung der neuen Schlucht gegen das Atrio ist durch mitten aus demselben aufsteigende und um dieselbe herumgestellte C. Besteigun T a g e s t o u r. Man unternimmt dieselbe meist nur von zwei Punkten: von Resina oder von Pompeji aus; von beiden ca. St. bis zum Gipfel. Im ganzen erfordert die Partie (mit Aufenthalt) ca. 7 St. I) lieber Resina. a) Die gewöhnliche und empfelilens- wertheste Art, von Neapel aus den Vesuv zu besteigen ist: Morgens sehr früh zu Wagen {Einspänner 2 Fr.) bis zum (1 St.) Führerbüreau in llesina (Nr. 62, Öfficina dolle Guide) zu fahren; hier ein Pferd (5 Fr.) zu besteigen, und mit einem Führer (6 Fr., für sein Pferd 5 Fr.), der auch für eine grössere Gesellschaft ausreicht, bis zum Fuss des Kegels sich zu begeben. — Diesen letzten Kegel kann man nur zu Fuss (oder in einem Tragsessel, Damen sehr zu empfehlen, 30 Fr. inkl. Rückkehr) ersteigen. Man braucht dazu eine Stunde, und gesunde, frische Kraft. — Ein Mann mit einem festen Riemen umgürtet, in den man eingreift, schreitet voran (auch kräftigen Leuten zu empfehlen); ein zweiter schiebt allfällig hinten nach. Für dieses I-Iinaufziehen (ajuto) hat man (nach Taxe) 3 Fr. zu bezahlen, und für das mittlerweile Halten der Pferde 2 Fr. — Für die Besteigung, noch Hügel von 50—100 m. verbaut. Diese Hügel sind nicht etwa seitliche Ausbruchskegel, sondern Trümmerhaufen (Heim), Sand und Aschen mit zahllossen mächtigen Blöcken älterer leneitreicher Vesuvlava liegen als ein Bergsturz übereinander. Die Lapilli und Aschen haben nun den ganzen Kegel so bedeckt, dass das Ansteigen zum Krater jetzt beschwerlicher ist, das Herabsteigen dagegen etwas leichter. Den zweiten Krater scheidet gegenwärtig eine kyklopenartige Scheidemauer in zwei Theile mit senkrechten Wänden, die einen Wechsel von horizontalen Schlackenschichten und dichten Laven zeigen und gegen 250 m. tief sind. Die Masse der ausgeflossenen Lava (im Durchschnitt zrr 4 m. Dicke) beträgt ca. 20 Mill. Kubikmeter. — Mofeiten (Kohlensäure * Exhalationen) bildeten sich namentlich gegen Resina hin (zwischen der Favorita und dem JJosco Reale); an den Brunnen bemerkte man vor dem Ausbruch keine Verminderung, mit dem Erscheinen der Mofetten aber wurden sie zu Säuerlingen. — Die Laven des Ausbruchs von 1872 enthalten wenig Leucit, sind überreich an Augit und Olivin und zeigen bisweilen kleine Krystalle von Hornblende. Merkwürdig für das Verhältnis der Erdgeschichte zur Weltgeschichte ist das Faktum , dass das Vesuvgeb.irge trotz seiner Schrecken und so zahlreicher entsetzlichen Zerstörungen doch für eine kräftige Bevölkerung von mehr als 80,000 Menschen Nährboden geblieben ist, während der Kalkboden des Apennins, falls er hier gestanden hätte, kaum den 20. Theil würde ernährt haben. I des Vesuvs. mehr beim Hinuntersteigen leistet wesentliche Dienste ein Bergstock (den man in Resina für l U Fr. erhält). — Man bezahlt erst nach der Rückkehr in Resina. Als Trinkgeld gibt man gewöhnlich dem Führer IV 2 —3 Fr., je nach der Zahl der ihn Benutzenden; dem Halter des Pferdes 30 C.; dem Rienienzieher Va bis 1 Fr. — Orangen und Vesuvwein, beides von guter Qualität mitzunehmen, ist sehr räthlich; doch werden oben Eier, Wein und Brod, freilich zu hohen Preisen angetragen. Der Wein am Vesuv (die Flasche gewöhnlich 1 Fr.), der überall angeboten wird, ist meist sehr gut. Ein erfahrener Reisender wird sich aber erst nach den Strapazen gütlich thun. Ein Einzelner, welcher nach obiger Anordnung verfährt , gibt also für die ganze Reise ca. 25 Fr. aus; eine Gesellschaft steht sich billiger. b) Man kann auch von Neapel aus (über Resina) bis zum Observatorium im Wagen fahren (Zweispänner 25 Fr., Dreispänner 30 Fr.; zuweilen findet man auch Kutscher, die für 15 Fr. zweispännig hinan- faliren, doch nur bei günstiger Gelegenheit). Ordentliche Fussgänger machen dann die weitere Besteigung zu Fuss. Führer und 395 7. Der Vesuv (Besteigung). 396 Pferde kosten vom Observatorium (namentlich in Portici) bis zum Kegel ebensoviel, wie von Resina aus; man nehme sich also den Führer schon in Resina aus der Officina mit und lasse ihn auf dem Bock mitfahren, er kostet dann nur 6 Fr., weil er kein Pferd braucht. c) Die Societä dei Tramways Napoletani hat einen täglichen Dienst von Stage-Coatches und Breaks organisirt, der auch das Observatorium auf dem Fes uv unter seine Reiseziele aufgenommen hat. Der Wagen fährt um 9y 2 Uhr von Torretta a Chiaja (E 7) ab; ein Platz kostet 7 Fr. Die Billete sind verkäuflich von lu Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags, Via Roma 28!). Der Wagen ist gegen 6 Uhr in Neapel zurück. Eine grössere Gesellschaft, oder wer sich jeder weitern Sorge entschlagen will, thut am besten, die Anordnung der Reise einem vertrauten Leiter (J. Huber , S. 55) zu überlassen. d) Eisenbahn bis Portici-, man gehe oder fahre von der Station nach dem Va St. entfernten, an der Hauptstrasse von Resina gelegenen Vesuv -Fiihrerbüreav, 6 “2 (Officina delle Guide). Dort sorgt man für Führer und Pferde. Bei kleineren Gesellschaften genügt Ein Führer. — Tarif des Municipio: Pferd oder Maulthier ä 5 Fr. — Führer mit Pferd ä 11 Fr. (ohne Pferd 6 Fr.). — Riemenhülfe auf den Kegel ä 8 Fr. — Halten des Pferdes am Kegelfuss ä 2 Fr. — Tragsessel (portan- tina) von der Eremitage 'zum Krater 40 Fr.; von Resina zum Krater 00 Fr. Distanzen. Von Resina zum Observatorium l 3 /4 St.; 3 /4 St. von da bis zum Kegel ; 3 /4 St. von da bis zum Krater. Führer (vorzüglich empfelilenswertlie): Andrea Auastasio ( Maccarone genannt), beim Cafe von Bernardo Panzone zu Resina; er Verkauft auch Mineralien vom Vesuv und den Phlegraischen Feldern; — auch Giovanni Gozzolino ist ein trefflicher Führer. Eisenbahn von Neapel bis (8 Kil.) Portici (S. 401). Zwischen Portici und Resina. passirt man den Lavastroni von 1631 (S. 385), der, einen Theil von Herculaneum deckend, am Meeresufer unter dem Porte del Granatcllo endet und viel Pflastersteine für Neapel liefert. Auch von Resina weiterhin gegen das Observatorium hinan rückt man zwischen ‘Weinbergen und Feldern über jenen Lavastrom von 1631 vor; nach V 2 St. wendet die Strasse nordwärts. Bevor man zum Fuss des Promontoriums kommt, auf welchem das Observatorium steht, trifft man auf die zerstiiekte Lava von 1858 (S. 390), die gegen S. Giorgio a Ch'emona liinzieht; sie enthält häufig weissliche, rundliche Amphigenkry- Stalle. Beim Hinangehen ziun Observatorium sieht man, dass das Promontorium aus hellem, geschichtetem Tuff und aus verkitteten Aschen, Sand und Schlacken besteht. Oben beim Observatorium bemerkt man, dass das Promontorium einen Hiesendamm bildet, der sich am Fuss des grossen Centralkegels vom Vesuv trennt, mit seinen abschüssigen Seiten nach S. und N. gegen Neapel vorrückt und wie der grosse Vesuvkegel von einem fast ebenen Gürtel an der Basis umgeben ist, der den Thalgrund bildet. Von Resina bis zum Lavastrom von 1872:’ 3 ji St.; von da weitere 3 ji St. bis zur sogen. Einsiedelei (Ermitage; Romitorio del Salvatore). Die schon 1631 gegründete Einsiedelei ist jetzt eine Wirtschaft, wo man Vesuvwein, auch den berühmten Lacryma Christi erhält (2 Fr.), unter dessen Namen aber selbst an und auf dem Vesuv ganz andere Weine (Marsala, Vino d'Ischia u. a.) ausgeschenkt werden. Der echte (dessen Reben durch Lavaströme theilweise zerstört wurden) wird aus der Lacrymätraube an der Somma als Vorlass in sehr geringer Menge bereitet; er ist schön, roth, süss gewürzhaft, von starkem, vortrefflichem Bouquet. Bei der Einsiedelei-Wirtschaft kann man stets Führer und Pferde haben (8. 394). Die Wägen fahren bis hierher. Panorama. Die Uebersicht des ganzen Golfs von Neapel ist von liier oben namentlich in der Abendbeleuchtung ausserordentlich schön: über der weitausgedehnten Stadt die bewaldeten Höhen von Camaldoli, westl. die Küste mit der Punta di Posilipo, Bajä, Misenum, das flache Procida, die Pyramide des Epomeo auf Ischia; hinter diesem Mittelgrund die fünf pontinischen Inseln und Gaeta’s Promontorium bis zum Monte Circello in duftiger Ferne. Im Süden über Castellaraare der hohe Monte S. Angelo und an dessen Fuss die köstlich gelagerten Vico, Sorrento und Massa mit ihren wundervollen Buchten, dann Capo Campanella und das dreigipfelige Capri. —Von der Terrasse des Observatoriums übersieht man trefflich den. grossen schwarzen Lavastroni von 1858 (siidl.), den das Vetranathal füllenden Lavaerguss von 1868 (S. 390) und den Strom gegen S. Sebastiano von 1872. Oberhalb dieser Wirtschaft folgt das Observatorium <560 m. ü. 1 L). Dasselbe enthält eine Bibliothek, einen grossen Saal für wissenschaftliche Sitzungen, einen Saal für die elektrisclienApparate, einen andern für die magnetischen; einen achteckigen Saal, in dessen unterem Theil eine Samm- 397 7. Der Yesuv (Besteigung). 398 lung der vulkanischen Produkte sich befindet, während der obere zu meteorologischen Beobachtungen dient; ein Kabinet für das Studium der Licht- und Wärmeerscheinungen, ein anderes für die chemischen Analysen; zwei Terrassen für Beobachtungen im Freien und einen Pavillon für die Erforschung der atmosphärischen Elektricität. Der gegenwärtige Direktor, Pulmieri, hat sich namentlich beim Ausbruch von 1872 einen sehr hohen Ruf erworben. (S. 890.) Hinter dem Observatorium ist ein Cara- binieriposten zur Beaufsichtigung der früher wiederholt unsichern Umgegend. Vom Observatorium bis zum Gipfel sind es noch 2 St. Man reitet zunächst dem Bergkainin entlang, kommt durch den Lavastrom von 1872, sieht steil und hoch den Vesuvkegel aufragen, r. die flachen Lava- und Lapillifelder Le Plane. L. ziehen sich die Atrii, als ein »wahres Höllenthal«, wie ein versteinertes Meer zwischen einer Felswand und einem Aschenberg tief unter den Füssen fort, östl. sanft zum Atrio del Cavallo auf- steigend. Am Ende ( 3 / 4 St.) des fast horizontalen Saumwegs .sieht man, dass die Wände der Somma fast vertikal ab- fallen und von einer Menge vertikaler und geneigter Gänge durchsetzt sind, und dass der ganze Vesuvkegel eine aufgehäufte Masse grosser schwarzer Schlacken ist, die von oben hinunter- stürzten. Der Anblick des Atrio und der Soinmafelsen gehört zu dem Grossartigsten und Eigenthümlichsten, was die Natur darbietet; eine Lavaflut in Strömen und Gebirgen. Am Fuss des Kegels kann man eine der Bocchen beschauen, Oeffnungen, aus denen die Lava drang. Der Gipfel (1290 m. ii. M.) überragt die Sohle des Atrio um ca. 480 m. (Bis 1872 war das Gehänge ein regelmässiger, geschlossener Mantel, jetzt unterbricht eine tiefe Schlucht auf der Nordseite die Wölbung.) Die letzte Besteigung (1 St.) des steile Kegels hat man in anstrengender Weise zu Fuss zu machen. Die Böschung, 30° und mehr geneigt, lässt leicht den Ungewohnten in den losen Sand zurücksinken. An schönen Tagen wimmelt es hier von Riemenziehern, Nachschaltern, Sesselträgern, Pferdebeaufsichtigeru, Verkäufern von Wein, Wasser, Orangen, Brod, Eiern. Beim Aufsteigen verliert man die Sicht auf den dampfenden Gipfel. Hat man nun die Aschenebene erreicht, so tritt plötzlich der Gipfel in seiner drohenden Majestät hervor. Der Gipfel bildet ein flachgewölbtes Plateau, das je nach den Ausbrüclftn seine Form verändert; gegenwärtig stellt er eine abgeschnittene, von S. nach N. geneigte Ebene dar und trägt gegen S. eine kornartige Spitze. Die *Aus sicht oben ist überaus prächtig, das Panorama noch entfalteter als bei der Einsiedelei. »Ein Blick westwärts nimmt wie ein heilsames Bad alle Schmerzen der Anstrengung und alle Müdigkeit hinweg.« (Goethe). — L. scharf gezackt der hochgipfe- lige Monte S. Augelo, in der Mitte die Felsensphinx Capri, geradevor der zauberische Golf, r. das stolz thronende Berghaupt des Epoineo, unten weissschimmernd die geschichtlichen Krater des »vulkanischen Volks«: die Kastelle von Iscliia, Vivara, Procida, Nisida, S. Elmo; zwischen und hinter den Inseln und Verbergen das wundersam leuchtende Meer — das herrliehst umrahmte der Erde. Das Nahen an den rauchenden, erstickende Gase aushauchenden Krater und an die Ausbruclistellen nehme man nicht ohne Führer vor! Der Krater verändert bei starken Ausbrüchen seine Form völlig. Verfasser sah ihn noch vor wenigen Jahren ein schönes weites Eirund in der Mitte der Gipfelfläche bildend, die inneren Wände in allen Farben mit zierlichen Schwcfelkrystallen, die Tiefe ein ebener Boden mit Schutt; später völlig verändert, viel kleiner, viel weniger tief, aber mit zerklüfteten Wänden und Riffen, unten im Krater ein neuer Aschenkegel, auf dessen Höhe aus dem Schlund die Auswürfe kamen. Gegenwärtig nehmen zwei Krater den Gipfel ein, der grössere centrale hat ca. 200 m. Durchmesser, ist ca. Iö0 m. tief und seine Trichterwände sind sehr steil. Den kreisförmigen Kratorrand durchbricht an der Westseite ein tiefer Spalt. Gegen N. schliesst sich ein kleiner, etwas tiefer liegender, nur durch eine schmale Lavawand geschiedener Krater an, und an diesen, durch eine niedere Schlackenwand getrennt, eine tiefe ScliUicht, welche dem Kegelmantel seine Regelmässigkeit benahm. Die Rückkehr zu den verlassenen Pferden ist meistens mit einigen Sand- rutsclipartien verbunden; also den Bergstock nicht vergessen. 399 8. Pompeji. 400 2) Ueber Pompeji. Distanzen. Im ganzen gleiche Entfernung wie über Resina. Von Pompeji bis Bosco 3 /* St. Von Bosco bis zum l^uss des Kegels P/a St. Das Uebrige s. oben S. 398. Führer 5 Fr. — Pferd 5 Fr. (Tragsessel, Pferdebalter und Riemenzieher S. 393 ff.) — Bei Ankunft 4m der Station findet man Führer und Pferde schon bereit. — Der Weg ist etwas mühsam und sandreicher; auch nicht fahrbar. Eisenbahn von Neapel bis (24Kil.) Pompeji (S. 401). — Hinter Pompeji begleiten die Weinberge bis weit die Höbe hinan, wenn Pferde und Führer schon längst im Lavakies waten; dann stehen noch hier und da struppige Gräser, die immer spärlicher werden, meist Kryptogamen , wie an der Grenze des ewigen Schnees, höchstens etwa in den Rissen der Lava das goldgelbe Köpfchen des schmalblätterigen Ruhrkrauts und die kleberigen Sträucher des wandelbaren Beifusses — dann die volle schwarze Oede; doch reitet man, ziemlich gleich- mässig ansteigend, leicht hinan. Die Lavafelder von Bosco gehören der Eruption von 1822 (S. 388) an. Durch Asche und Sand gelangt man V 2 St. höher an die sich durcheinander schiebenden Strömungen von 1848 und 1868; dann wird es steiler, der Ruf »Macca- roni« .spornt die Pferde an , die Schläge treiben sie weiter. Bald erreicht man (IV 2 St.) den Halteplatz. Bei grösseren Gesellschaften trifft man hier vorausgegangene Männer zum Halten der Pferde und mit Riemen zum Hinanziehen der Besteiger des Kegels (s. S. 397). Ein dritter, namentlich für Freunde der Geologie sehr interessanter Weg kann über Torre del Greco (S.402) eingeschlagen werden ; zuerst auf der Eisenbahn mit Uebersicht der Lavaströme von 1631, des Granatello, zwischen Portici und Resina und der zwei Lavaströme bei der Scala und Caiastro. Auf den Lavastrom von 1794 (S. 388) sind die Häuser von Torre del Greco gebaut. Von Torre del Greco geht man (zu Fuss) direkt gegen den Vesuvgipfel hin, längs dem Rand des Lavastroms von 1794, dessen Lava in grossen Stücken und Schlacken vorliegt, mit Lichen bedeckt, aber ohne Gras und Bäume. Etwas weiter begegnet man der nackten Lava von 1861, die man bis zu der Bocca verfolgen kann, aus der sie hervorgeströmt, dann derjenigen von 3872. Ein vierter interessanter Weg führt zur vollständigsten Uebersicht des Ausbruchs von 1872. Mit Wagen ( Omnibus) bis S. Jorio ? dann folge man am nördlichen Ende desselben der Strasse nach 8. Sebastiano. Am ersten Haus des zerstörten Dorfs angekommen, überschreite man den ungeheuren neuesten Lavastrom in der Direktion zur Kirche von Massa; von da zum Observatorium (S. 396). 8. Pompeji. Siehe die Karte S. 374 und den beiliegenden Plan. Dies hier ist der Vesuv, von Weinlaub jüngst noch beschattet, Hier hat Kufen der Saft edeler Trauben gedrückt. Dies sind die HÜgeJ, die Bacchus mehr als die nysäischen liebte; Hier hat der Satyrn Chor festliche Tänze getanzt. Dies war der Venus Sitz, ihr lieber, als Lacedämon, Dieses der Ort den berühmt Herkules Tempel gemacht. Nun liegt alles in Glut — zerstört und von Asche verschüttet, Dass ihr so Vieles vermocht, Götter, bedauert ihr selbst. — (Martial IV, 44.) Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hat. Ich weiss nicht leicht etwas Interessanteres. (Goethe.) (24 Kil.) Eisenbahn von Neapel nach Pompeji , das erste Viertel der Strecke Neapel- Salemo-liomagnano; tägl. ömal, in a /4 St., für I. 2 Fr. 75 C., II. 1 Fr. 90 C., III. 1 Fr. 10 C. — Jtelourbillete mit 25 Proc. Rabatt. (Von Stat. Pompeji werden keine Retour- billete gegeben.) Da die Linie Neapel-Castellamare bis Torre Annunziata denselben Weg zurücklegt, die Entfernung zwischen Torre und Annunziata und Pompeji nur 36 Min. (4 Kil.) beträgt (Wagen 1 Fr.), so kann man namentlich bei der Rückkehr nach Neapel diese zweite Linie (8 Züge) oft mit Zeitgewinn benutzen. li | M «50 TombedeUaficrmnlUL Arrüh (Dwmeaej. ._A_1 51 Casa. delFazmo .E 5 52 , , deüa Ibreta nera. .... .E 5 53 . deiCapiteUxPigurcdi . ,E5 54 „ r deKrranduccvdiTosama ^E, 0 55 . . diJbünma, ocbd Capi -teübcdlorati . X5 6 56 , . deüa, Caccia; antiea,. . .F 5 57 CasthdUHarcoX-ucrezio e- delle, Sanatrid .G- ß diSirieo . G7 58 , „ ddPrincipidlRussia. -G7 GO Torna eJAoüni .G-6 61 Jhzpanca'e, toujv.o .F 7 G2 CasaäABcdßonepmsdej . . .Tß 63 JSuoveTerme (Stabi/xne. j . . . . G-7 64 Casa, ätBolßortius ..... . G8 D _j_E ü Jamba. de.Ua. Ikn’ta dLmarmo ..Al Iß GmotafiodL.Cttjuslabeo Al H TombudiAaetvldct jgdic. .Al Triclinio fuuebre. .Al WladuMarcoArrio- Diomede .Al [ 94 Casa dell'Orsa .F6 95 „ „ diGnprasiusBtfmus .G6 96 Lavniqio di Tardsso .F6 97. Albergo ddßlefioxte, .G7 98 (hsa. deL' Canwla .F7 99 Damusi. CsmeU DiadumeniT 7 deüa. Caccra-rmoru .... T 7 101 , « delOnghiale .JE8 102 Diiconsenies: .;. .£8 103 Cojhl dellaRegmadJhgkiherrtSb 104 Casa deMo scheLetro ..F8 105 . , deTl' JnmeratfdAustria F8 106 . . diEpimns Rufus. .HI8. 107 . „ delrtcrnasso .H7H , . di Top idius Stanuhis . H8 109 Casa. di OrCeo .F.45 110 JVuova Jhdhmicas. .E 4 111 Casa.JSf.Z8. Stn Stabiana ,. F 4 112 „ , dettujdeL Laocoonte,. F 4 113 . „ deiDisüchi,. .G4 114 . „ deHLUievo .. . G4 115 ,, diGccvioRufo .E&6 116 ■ „ . dLVibio.ItaJzo ..F6 117 Damus SjnzriJMesoris. ....ES 118 „ , PopicblPrisei ... F6 119 Casa. deWAmore punUo. F 6 120 Taltema. Grprasv .F. 5.6. 121 .. Edmüs .F6 122 Damus CajesiBlundL .G-6 123 D.Pantherac .&H.7 124 Taberna.JLNant CampardS 6 125 „ „ Q.SaJiustthw. H6 GxtiSdiJii .G-6 127 Casa deR'Arwara, .JD5 di. Ckampiarmet. CJ),8. 129- „ de3a.DtaissatricdS.ZA. 130- - . _ dal Forno diFerroFfS.b. 131 dtMcscinio. .G8 132! „ „ a, tre-piani .B3 13$ . . drlTridziao __C.2.3. 37 nüa.deile. (blorme. musaico. . . ..B 2 Villa, di Cicero .A 2 POMPEJI, 39 TombcL rti Scrrilia. M Ttxmba. dLSciawo H Grande Porlico eon (dberghi escuderie> SepoLero votando 13 Cmotaäo difaJyenzio .... Al 11 Mtare Haiebre/di .'.Al UbeRa .Al Scale 1:4000 orta del Porta di \ Wesuvio SV 35 Busüiea, .CD.8 Tempio di. Teuere .X) 7 . . Giore/Jupiter ). . .D 6 Rmtvtm n Tkrrrpia dealt Auq stsdi .' ..... E6 Senaculo o Curia........ D£3 7 Tempio di Mercia-io o dv Quirino. .E7 Edtdxio di Eumachia. (Chalcidicum.) Scuola di Verna Ze tre Curie Tempio delluFortuna, Terme dedla Fortuna Casa. del Poeta' tragico dbfamcv DA5. cidhmica. . ...Do Casa deüa piccola femtana D 1 grcmdeFontana D 4 , , dLAdaneferito .3)3 di Apoüo .1) 2 . diMdeagro .DJ£ 3 ädCentauro .D.32 3 diCastare tPolhtce/ oCasa. del Ouestore. . . .3)JE 3 4 , di/.Odus Saüustius ..CI Forno eJnblnw .C 1 Casa, deR'AccadJdiTusicaZ 4 sapone .C 3 Casa dtPolibib. .0 4 Dogana.. Casa Bi. icn Ciärurgo delle Testali Albergo di Albino Basamento diauv statua, Jbniba di Cerriruus diAuhtsVejus. diMamia ch.Teremio tl» i_POTÄ ' - -4elSäEao ^.: X , 3 Ter«?> . delle, Ghirlande.. J> z ’ta aeHa asEn QlCODlO T^HötelDionie Entrata aT «tVT Die von Senator Fiorelli ein|eführte antike Eintheilung der Stadt in Regiones u. Insulaß,nebst der entsprechenden Bezeichnung der Strassen ist biau eingedruckt' Porta dfisooera Stazi ä Porta di Stabia iCasteüamare) apoliabale Fibliogi'ajlnseines Institut in Leipzig, 401 8. Portici - Pompeji. 402 9 i % ¥ Eintritt. Am Sonntag bezahlt man in Pompeji kein Eintrittsgeld, erhält aber auch keinen Führer. An den Wochentagen hat man 2 Fr. zu entrichten und wird von einem Führer (la Guida) überall hin begleitet. Künstler, Techniker und Professoren der Archäologie und schönen Künste können im Museum zu Neapel (äusserste Thür r. und bis zu oberst hinauf) auf der Se eine Doppelpforte mit Nebeneingängen (jetzt ohne Wölbung), bei der Gräberstrasse; das Nolaner Thor, das älteste, mit prächtigen Hausteinen, laut oskischer Inschrift durch Vibius Popidius errichtet; das Kocera-Thor, bei dem Theater, ganz aus Quadern. Die Stadt war nach den Grenzbestimmungen des Templums der italischen Augurallehre eingetheilt, die Strada Stahiana war der Cardo maxi- mus dieser Eintlieilung (S. 421). Die Strassen der Stadt sind meist i sehr gerade, aber des Schattens halber ■ schmal (meist nur 4 m., die Hauptstras- ; sen 7 in. breit), im rechten Winkel sich i durchkreuzend. Die eigentliche Fahr- j strasse ist mit polygonalen Lavablöcken | sorgfältig gepflastert, die Trottoirs ca. | 1 ji m. hoch, 1 m. breit und verschieden belegt (Marmor, Erde, Mosaik, Ziegel). Auffällig sind die grossen elliptischen Trittsteine, über die man von einem : Trottoir zum andern trocken schreiten | konnte und welche zwischen sich Platz : für durchfahrende Wagen Hessen. Das I Fahren in den Städten war übrigens ■ meist nur Vornehmen gestattet, und : Stallungen hat man in der Stadt sehr ; wenige aufgefunden, doch sieht man ganz I deutlich die Einschnitte der Wagen und j die Spuren von Pferdehufen. DieNamen (der Strassen, welche jetzt der neuen Regioneneintheilung weichen , sind mo- ; dem erfunden. Die Ilausthüren tragen ; besondere Nummern und an den Ecken j sind die Regionen ungeschrieben. Wo j sich die Strassen kreuzen, sind meist i Brunnen angebracht, viereckige Becken, , in welche das Wasser aus altarförmigen, mit Maske oder Tliierköpfen verzierten Cippen herabfiel. In Verbindung mit den Brunnen sind den Laren (Hausgöttern) , deren Einfluss sich auch auf die Strasse erstreckte, kleine Laren- altäre errichtet. Die Laren werden mit Lorbeerkranz und oft mit Trinkhorn in der Linken dargestellt. Zwei sicli einander zuwendende hochgeringelte Schlangen und OpferdarstcIInngen vollenden das Bild. Eigentümliche antike Lebensbilder gewähren die Inschriften an den Aussenwänden der Häuser, die an den älteren Häusern meist verloren gingen, 411 8. Pompeji (Ausgrabung-: Pie Häuser). 412 an den neu ausgegrabenen jedoch in grosser Zahl frisch erhalten sind (die Berliner Akademie hat die bis 1871 aufgefundenen publicirt). Diese Aufschriften zeichnen ganz vortrefflich das Alltagstreiben. Man findet grosse rotlie, sorgfältig mit Mennig aufgemalte Strassenplakate (Dipinti), die bestimmten Schreibern (daher in gleicher Form) übertragen wurden. Die Mehrzahl sind Empfehlungen von Kandidaten zu den städtischen Aemtern (besonders zum Duumvirat und zur Aedilität); man kann noch die republikanische und kaiserliche Epoche unterscheiden, denn in letzterer ist der Ausdruck schwankender, die Rechtsformen weichen dem Belieben, häufig nennen sich die Em- pfehler, oft sogar in Gemeinschaft, ein Meister mit Lehrjungen, ein Verkäufer und seine Kunden, Nachbarn einer Gasse, Mann und Frau, ganze Genossenschaften, wobei man inne wird, dass die Ackerleute in der Nähe des Nolaner Thors, dieMarktleute undMaul- thiertreiber an der von der Gräberstrasse hineinführenden Gasthofsstrasse ( Via Gonsolare), die Holzhändler in der Via Stabiana, die Kornhändler an der Picke der Via del Foro, die Obsthändler am Ende der Via Mercurio, die dem Isisdienst Obliegenden bei deren Tempel und die Venusdiener bei einem Venustempel unweit des Amphitheaters ihre Wohnung hatten. Salinenarbeiter (in den Salinen bei Herculaneum), Walker, Mäntelschneider, Goldarbeiter, Toilettehändler, Bäcker, P'assbinder, Ilühner- verkäufer, PTiseure, Pastetenhändler findet man unter den Gewerbtreibenden. Der Empfohlene wird als Ehrenmann (vir bonus) } hochverdient (bene meri- tus), staatsmännisch gebildet (dignus rei publicae) empfohlen. Unter den Stadtämtern wiegt in den älteren Zeiten das Duumvirat (die zwei wechselnden Bürgermeister), in den späteren die Aedilität (Bau-, Markt-, Spielvorstand) vor; die Namen der Plmpfolilenen sind als Bekannte zuweilen nur mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet. Auch Ankündigungen von Gladiatorenspielen, die | bei den Pompejanern selbst zu nach- | barlichen Schlägereien mit den Noceri- nern führten (Taeit. Anw. XIV, 17), sogar mit der Angabe der Anzahl der j auftretenden Paare, und die Anzeige vor Hitze schützender Zeltdächer und künstlicher Staubregen blieben erhalten. Die für diesen Zweck geweisste Wand liiess Album. Eingekritzelte Grüsse, Bitten , Glückwünsche , Dichtersprüche, Sentenzen, Liebesklagen und selbst Verwünschungen, die inan hier und da an den Innenwänden findet, lassen manchen tiefen Blick in das Kleinleben werfen. Die Häuser. Die Anlage der Häuser ist fast durchgängig von grosser Gleichförmigkeit , die einfachsten Bauten des Handwerkers haben noch vieles mit den : jetzigen in Neapel gemein; selbst die j grösseren Wohnungen weisen in ihren j weiten Höfen auf die südliche Gewohn- | heit, den freien Himmel als die wahre Stätte des Lebens zu betrachten und die J gedeckten Bäume mehr zum Zweck des ! Unterkommens. Das Material der Häu- | ser sind meist kleine, durch Mörtel gekittete Bruchsteine, Ziegel, manchmal , auch (an den Eckpfeilern) Tuffquadern; 1 Marmor ist selbst in den öffentlichen | Gebäuden sehr selten. Auch die Säulen ; sind nur stukkirte Ziegellagen oder | haben höchstens Tuffkerne. DieGrund- ; fläche der vornehmeren Häuser ist zu- 1 weilen sehr bedeutend, aber sie zerfällt bei allen Häusern in auffallend viele kleine Räume, in der Mehrzahl so klein, dass sie nur 4—5 Personen Platz zur freien Bewegung boten. Man liebte vorzugsweise den Aufenthalt in den Höfen und Säulengängen und lebte viel ausser dem Haus in reger Theil- nalinie an der Oeffentlichkeit. Doch haben die Gesellschaftszimmer in vornehmeren Häusern nicht unbedeutende Dimensionen. Aussen zeigen die Häuser die kahlen Wände ohne Gesimse und haben im Gegensatz zur modernen Welt meist keine Fenster auf die Strasse hinaus, höchstens vergitterte kleine Oeffnungen, 413 414 8. Pompeji (Ausgrabung: Die Häuser). grössere nur in oberen Baikonen der gegen das Licht von Innen abgeschiedenen Mietwohnungen. Grosses Leben gaben der Strasse die vielen Läden, welche zu den Dependenzen auch vornehmer Häuser gehörten, aber in der Mehrzahl vom Innern derselben unabhängig sind und mit eigenen kleineren Wohnungen im Obergeschoss in Verbindung standen. Die Schönheit des Hauses entfaltete sich nur nach Innen, wo der südliche Himmel die schönen Ilöfe, die zugleich als Sale dienten, erfinden liess und ein »abgeschlossenes Il'eimwesen« mit stets frischem Luft- genuss sich verband. Ein Hof mit Seitenkammern und in der Rücklinie mit Empfangszimmern bildet den eigentlichen Grundplan. Eine behagliche Wohnung hatte jen- seit des Eingangsflurs (Prothyron), neben welchem der Portier (Janitor) seine Cella hatte, ein Atrium als ersten Hof, entweder mit einem nur von vier Querbalken getragenen, nach innen überhangenden Dach (Tuscanicum), oder mit vier Säulen ( Tetrastylum) in den Ecken, auch mit mehr f Corinthiczm). Um dieses Atrium, in welches das Licht von oben fiel, lagen Schlafzimmer, Vorrathskammern , Wirtschaftsräume. Die Halle diente als offener Empfangsaal für Klienten und Geschäfte; sie hat fast immer in der Mitte ein viereckiges, mit Marmor ausgelegtes, vertieftes und eingefasstes Bassin (Impluvium) für den Abzug des Regenwassers, das in Röhren in die Ci- sterne floss, aus der es dann aus nebenan liegenden schön verzierten Mündungen (Puttal) geschöpft wurde. Am Impluvium steht sehr oft an der dem Innern des Hauses zugewendeten Seite ein Mar- mortiscli mit Löwenfüssen. Die kleinen Schlafzimmer, die 1. und r. gegen das Atrium sich öffnen, sind meist ohne Verbindung unter sich und erhaltenihr Licht vomHof oder hoch gelegenen, in den Hof schauenden Fensterehen. Sie dienten für Sklaven, die schöneren für Gäste. (Man erkennt sie meist durch die für das Bett bestimmte Nische.) Auffällig sind dabei im Gegensatz zur modernen Welt die enge Schlafstätte und die schmalen gemauerten Stellen für die Betten. In grösseren Häusern ist vorn ein Zimmer für den Hofaufseher (Ostzar ins). Dann folgen Vorrathszimmer und kleine Sklavenräume mit der Treppe ins Obergeschoss. An den beiden Enden der Atriumseiten sind zwei offene Flügelräume (Älae), den Audienzen für Befreundete gewidmet, daher sorgfältiger geschmückt, oft schön mosaicirt. Hier wurden in kleinen tempelartigen Schränken die Büsten mit den Porträtmasken der Vorfahren aufgestellt und so geordnet, dass sie den Stammbaum der Familie darstellten. Zuweilen sieht man in den Alae die Wände mit gemalten Porträtmedaillons geschmückt. Im Grunde des Atriums, dem Eingang direkt gegenüber, ist der eigentliche Salon (Tabli- num), gegen den vordem Hof offen, nach hinten gewöhnlich durch eine Brüstunggeschlossen und mit Vorhängen verscliliessbar ; hier verwahrte man die Diplome, Geschlechtsurkunden (daher Tablinum) u. dgl. zur Schau; die besten Malereien und Mosaiken schmückten diesen Raum. Zur Seite des Tabli- nums führt dann ein Verbindungsgang (Fauccs) zum zweiten Hof. R. und 1. vom Tablinum befindet sicli etwa nocb ein Konversationszimmer und ein Speisezimmer (Triclinium), besonders für die kältere Jahreszeit, es ist dann gegen den zweiten Hof gewendet. Bei einigen sind noch die steinernen Lecti (Grundlage der Speisesopha’s) vorhanden. Der zweite Hof (Peristylium, Säulenliof) ist die eigentliche Privatwohnung und hat einen heiterem Charakter. Das Haus wuchs damit in die Länge, anstatt in die Höhe. Die Mauern eines römischen Wohnhauses hatten früher gesetzlich nur *2 m. Dicke und waren daher nicht stark genug, mehrere Stockwerke zu tragen. Meist umschliesst in diesem zweiten Hof ein hübscher korinthischer Säulengang einen kleinen Garten (Xzjstus) oder ein von erhöhten Blumenbeeten umrahmtes Wasserbecken (Piscina), oft mit Springbrunnen. Auf diesen Um- 415 416 8. Pompeji (Ausgrabung: Die Häuser). gang öffnen sich die Zimmer der Familie, Schlafzimmer und Speisezimmer, deren es in vornehmen Häusern fiir Sommer und Winter besondere gab. Triclinien (Freilager) hiessen die Esssalons von den drei niedrigen Ruhebetten, die ein offenes Rechteck bildeten, dessen vierte Seite für die Bedienung frei blieb. Jedes Ruhebett bot Raum für drei Personen, welche auf Polstern liegend assen, den linken Arm auf die Kissen stützten, mit der Rechten die Speisen zum Mund führten. Die alten Römer speisten also höchstens zu neun. — An der Rückseite desPeristyls sind zuweilen kleine offene Konversationsräume (Exedrae) und etwa noch ein Festsalon (Oecus), der in reichen Häusern das eigentliche Gesellschaftszimmer war, viersäulig, oder mit doppelter Reihe von Säulen (korinthisch), oder mit übereinander gestellter Säulenordnung, unten mit Umgang, oben mit gefensterten Wänden (ägyptisch), zuweilen mit kostbarer Marmorbekleidung. L. vom Oecus trifft man meist die Küche und (wie oft noch jetzt in Italien) in oder neben derselben — ihr Gegentheil. In manchen Häusern gelangt man noch zu einer dritten Abtheihtng, dem eigentlichen Garten (Viriclarium), der meist auf drei Seiten von Pfeilern oder Säulen umgeben war* in vielen findet man auch eine Hauskapelle ( Sacrarium, Lararium) und einen hintern Ausgang fPosticumJ auf die rückliegende Gasse. Grössere Häuser hatten auch noch ihre Badegemächer, Bibliothekkabinette für die Papyrusrollen und Gemäldezimmer. Kamine fand man nirgends, man be- ; diente sich dertragbarenKohlenbecken. Die oberen Geschosse, welche das Atrium und das Peristyl ganz oder theiweise umschlossen, waren weit leichter gebaut und enthielten meist die Schlafzimmer für weibliche Hausgenossen und Sklaven, Wohn- und Esszimmer, nach aussen auch Mietwohnungen. Wurde hinter oder neben dem Peristyl noch ein zweites Peristyl angelegt, so kamen hinter das zweite die Sklavenzimmer und die Wirtschaftsräume. In den neulich ausgegrabenen Quartieren sind die Reste der Oberbauten besser konservirt. Die Läden, in den Plan des Hauses aufgenommen, waren meist Mietlokale und haben dann keinen Eingang in die Privatwohnung; ihre grosse Anzahl beweist die stark entwickelte Gewerb- thätigkeit Pompeji’s; sie sind weit offen, doch eng und niedrig, haben gemauerte Ladentische mit Steinplatten, oft mit Einsenkungen für dieGefässe, gemauerte Gestelle an den Wänden, kleine Herde; den Eintritt zwischen Ladentiscli und Mauerpfosten schloss eine Thür, Nachts konnten sie mit Bretern verschlossen werden. An den Seitenpfeilern waren die Aushängeschilder, welche in Relief oder Malerei das Gewerbe andeuteten (Gott Bacchus: Weinhändler; Ziege: Milchverkäufer; Gladiatorenkampf: Fechterkneipe u. dgl.). Wo die Läden mit den Häusern in direkter Verbindung stehen , verkauften wohl die Sklaven des Hauseigenthümers die Ackerprodukte. Die älteste Häuserform besteht nur aus einem Atrium mit 2 — 3 Kubikeln, das oben gänzlich bedeckt und aussen von einem kleinen Stück Pflanzland umgeben war. Sie deutet darauf, dass die älteren Einwohner einen Kern fleissiger Ackerbauern bildeten, deren Vieh auf dem Gemeindeboden ausserhalb der Stadt weidete. Die Gruppenanhäufung der Häuser lässt auf Familienverbindungen schliessen. Dass bis jetzt nur ein einziges Kultusgebäude der Griechen aufgefunden wurde, bezeugt, dass die Hellenen hier nur als Niedergelassene und nicht als Eroberer sich angesiedelt haben. Einen bedeutenden Fortschritt in der Kultur bezeichnet die Ausbildung des Hauses zum offenen Atrium und die Aufnahme des Pflanzlandes in den Organismus des Baues. In der samnitischen Periode erhielt dann die Stadt schon theil- weise ihre spätere Physiognomie (S. 405). Die Neubauten nach dem Erdbeben von 63 n. Chr. bestehen fast alle aus Gusswerk oder Ziegeln mit sehr feinem Stucküberzug; diese Bauweise hob die eigentlich konstruktiven Formen auf 417 418 8. Pompeji (Bauart). und führte zu willkürlichem Spiel mit den klassischen Typen sowie zu einer überquellenden Wandbemalung; aber die geistreiche Improvisation, mit welcher hier die Sehätze der Alten Welt vorgefiihrt werden, lassen diese phan- alles, und eine Menge neugeschaffener Willkürkapitäle wuchern auf. Wer die überaus anmutliige, heitere und malerische Anordnung sich vergegenwärtigen will, der rekonstruire sich die wunderbar schone Perspektive der lichten ftVSg Ij" l^L * .VAM’UA'VS/\.\-VlW aaäa A/vCÄXCV Wanddekorationen in Pompeji. tastisehe Willkür und Ueberfülle so i Hallen und ihrer farbenprächtigen Umreizend und lebensfrisch erscheinen, . gebung, den Blick des Eintretenden dass selbst die Felder zuweilen zu Vor- j auf das reich verzierte Atrium, das ge- zügen werden. Hie dorischen Säulen ver- [ schmückte Tablinum, das heitere Pcri- längern sich und werden leichttragend, ' stylium und seine farbigen Säulen, die haben derbe Farben und nur oberwärts j den malerischen Effekt noch ins freie Kannelüren, unten glatten Stuck; der j Sonnenlicht fortführen, auf den Pracht- römisch-korinthisclie Stil überwältigt | saal dahinter und den Ziergarten mit 419 8. Pompeji (Malereien). 420 Springbrunnen sowie endlich noch auf die schöne Gebirgslandschaft als Hintergrund! Ueberall die heiterste Farbenpracht und ein sinniger Wechsel, meist der der Erde zugewandte Sockel dunkel, die mittlere Wand roth, grün oder gelb und die Oberwand weiss, Licht und Luft wiederspiegelnd. Die Ornamente sind jetzt noch massgebend in der Kunst, die Malereien sind die lebendigsten Zeugen, wie die klassische Kunst der Griechen das grosse Gemeingut der Römer war, aus dessen Fülle in freiester Verwendung der pompejaniselie Künstler reichlich schöpfte. Auch die Mosaikgemälde eifern der eigentlichen Malerei glücklich nach. Ein Grundzug, der schon in der Wahl und Behandlung der Gegenstände sich bemerkbar macht, ist die Vermeidung der kräftigen, strengeren Formen und das Bevorzugen des Zierlichen, Anmu- thigen und selbst Ueppigen. Ueberall zeigt sich die Abhängigkeit der römischen Epoche von der griechischen Kunst, wie sie sich seit Alexander d. Gr. entwickelte, immerhin noch eine quellende Fülle von Schönheit, aber nicht mehr der hohe Ernst echt hellenischer Formen, sondern die zierliche Anmuth und die Leidenschaft. Bewunderungswürdig bleibt, dass bei aller Flüchtigkeit der Mehrzahl dieser Arbeiten, da sie ja meist nur Handwerkerleistungen einer mittler« Landstadt uud blosse Dekorationsmalereien des kurzen Zeitraums von 63—79 n. Chr. sind, dennoch ein so reines Stilgefühl und ein so quellender Phantasiereichthum sich geltend machen konnte. Die poetische Umrankung aller Flächen, die spielende Beigabe von allerlei Geräthen, Masken, Vögeln, Meerthieren u. dgl., das kräftige Farbenspiel der Wände, die luftige, phantastische, gemalte Architektur mit ihrem anmuthigenGesims- und Giebelschmuck, Sphinxen, Genien, Viktorien, Putten, Tritonen u. a. , die schwebend liingehaucliten Gestalten mitten in der farbigen Fläche, die munteren Anspielungen im Genrebild, Stillleben und Landschaft, endlich die Stilschönheit unddiesinnigeWahl der Hauptbilder offenbaren in aller Fülle das reiche Phantasieleben jenes heitern, genussliebenden Volks der ersten Kaiserzeit. »Und so deutet der jetzige ganz wüste Zustand einer erst durch Stein- und Aschenregen bedeckten, dann durch die Aufgrabenden geplünderten Stadt auf eine Kunst- und Kilderlust einen ganzen Volks, von der jetzt der eifrigste Liebhaber weder Begriff, noch Gefühl, noch Bedürfnis hat.« (Goethe.) Fast alle Wandmalereien, sowohl die farbigen Gründe, wie die auf denselben stehenden Ornamente, Einzelfiguren und abgegrenzten Bilder, sind a fresco aufgetragen , Leimfarben - und Temperamalerei finden sich nur aushiilfsweise. Die ideal gehaltenen Gemälde mythischen Stoffs sind bedeutenden Originalen mit grösserer oder geringerer Freiheit nachgebildet und stehen in genauem Zusammenhang mit der kurz vorangegangenen alexandrinischen Dichtung. Ein Grundstock von Darstellungen kehrt in jedem grossem Haus wieder (Strafe Aktäons, Ariadne und The- seus, Paris’ Urtkeil u. a.); daneben trifft man immer wieder ungewöhnlichere. Eine nähere Kenntnis der verschiedenen Kunstepochen in Pompeji ist nur bei Berücksichtigung des Zusammenhangs der Bilder und der Architektur zu erlangen. Eine zweite Klasse realistischer Darstellungen der gemeinen Wirklichkeit, welche das bürgerliche Leben der Mu- nicipalstadt oft trefflich charakterisiren, sind von untergeordneteren Künstlern nachlässiger verfertigt, stehen aber auch in der Zahl den. anderen weit nach. Die historische Entwickelung der Dekorationsweise hat in neuester Zeit Man auf bestimmte TTincipien zttrückznführen gesucht. Die Casa di Sallnstio und die Casa del Fauno repräsentiren danach den ältesten Stil der Dekoration, d. h. die plastisch in Stuck ansgeführte Nachahmung der Wandbekleidung mit Tafeln mehrfarbigen Marmors. Die Casa del Laberinto zeigt den nächsten Fortschritt, wie die Marmorinkrustation der Wände durch Malerei nachgeahmt wurde; man malte auch Säulen auf die Wand, die entweder auf dem Fussboden oder auf dem Sockel aufsetzen; anch ist zuweilen oberhalb des Karnieses eine Porti- cus mit schlanken Säulchen als erste Andeutung der späteren phantastischen Architekturen gemalt. Die Nachahmung von Marmor 421 422 8. Pompeji (Der ausgegrabene Stadttheil). wurde dann ganz aufgegeben, der Sockel schwarz gemalt, mit hellen, regelmässigen Linien; der mittlere Theil erhielt sehr schlanke, helle Säulen oder zierliche Kandelaber, welche die Wand in drei Felder mit grösserem Mittelfeld theilen, das für Aufnahme eines Hauptbildes nun geeignet wird. Auf den Säulen liegt ein bunter, leichter, friesartiger Arcliitrav, an der obern Wand erscheinen sorgfältig gemalte phantastische Architekturen. Alle architektonischen Formen werden nun des Lastenden beraubt. Die letzte Periode, die am verbreitetsten vorhandene, bringt nun die Fülle der phantastischen Bauwerke und hebt die Konstruktionsgesetze völlig auf. An die Stelle der kleinen Durchsichten und Säulenrahmen treten mehrgeschossige Gebäude mit Säulengängen, Treppen und Baikonen auf, die geradezu einen vegetabilischen Charakter haben. »Es ist eine Architektonik, In der sich Rohrsäulen, Festonsgebäude, Rankenbögen ins Schrankenlose nach allen Richtungen und in zwei- und dreifachen perspektivischen Durchsichten aufbaueil. Da ist kein Pflanzenelement, kaum eine Thiergestalt, welche nicht benutzt würde.« Die Ornamentik der Einfassungen, Bekrönungen , Gesimse hält sich im altern Stil an die ionische Bauordnung, es wird zunächst Tuff und sehr feiner Stuck angewendet iind die Dekorationsweise ist noch eine einfache und ernstere. Später, als auch der Marmor hier und da eiiigeführt wurde, macht sich eine spielende Eleganz geltend (noch von schönen Formen in der Thüreinfassung des Gebäudes der Eumachia im Erdgeschoss des Museums). Der Stuck wurde jetzt zu den ausgedehntesten Dekorationen verwendet (z. B. in den Thermen), die Farben sind lebhafter, aber die Formen sind stumpfer und der Stuck wird geradezu Träger der Formgebung und bietet im Zusammenwirken mit der Fai’be die glänzendsten, heitersten Gebilde, die aber jedes plastischen Ernstes entbehren. Selbst in den Tempeln fehlt das wirklich plastische Ornament. Dagegen standen in den Vorhöfen, Vorhallen und Tempelcellen zahlreiche Kultbilder, auf dem Forum Reiterstatuen , an der Gräberstrasse Standbilder, in denPeristylen und an den Brunnen allerlei Skulpturwerke in Marmor und Bronze. Manche Statuen zeigen noch jetzt die deutlichen Spuren der Bemalung und Vergoldung. Die köstlichen Bronzen des Narcissus, des Silen, des Satyrs, des schiessenden Apollon, des Fischers etc. (sämmtlich im Museum zu Neapel) bezeugen die Höbe der Vorbilder. Mosaikböden waren im allgemeinen Gebrauch, ihre Würfel sind von Marmor oder Kalk, grauer Lava, farbigem Smalt. — Auf welcher Höhe die Mosaikmalerei stand, zeigt am besten die berühmte Alexanderschlacht im Erdgeschoss des Museums zu Neapel. Der ausgegrabene Stadttheil. Bis vor wenigen Jaliren trug jede Strasse einen besondern, bezeichnenden Namen, der sich allmählich so eingebürgert hatte, dass er wohl ungeachtet der gegenwärtigen sche- matiscben, an den Strassenecken angeschlagenen Zahlcneintheilung nicht mehr verdrängt werden kann. Zur übersichtlichen Vergleichung der bisher iibliehenStrassen- naraen mit den gegen wärtigen Tafe 1 n folgt hier ihre entsprechende Namengebung (die bedeutendsten mit Stern): Strada dcll’ Abbondanza . . — Decumanus minor. Regio VII. VIII. _ del Casino dell 1 Aquila — _ - I. IX. * . della Fortuna .... — _ major. - VI. VII. - (lella Marina .... — . minor. - VH. VIII. _ dei Mercanti .... — _ VII. VIII. - di Nola. — - major. - V. IX—IV. III. . del Olconio. — - ininor. - VII. VIII. * - Stabiana. — Cardo I. VIII—IX. VII-V. VI. * - delle Terme .... — Decumanus major. - VI. VII. - del Anfiteatro .... — Regio prima. Via prima. - degli Augustali . . . — - scptima. - secunda. - delle Case di Cliamp. - octava. - prima. * - Consolare. — - sexta. - secunda. * - del Toro. — - septima. - octava. * - di Mercurio. — - sexta. - sexta. - delle Scuole .... — - octava. - quarta. * - del Sepolcri .... dei Teatri. — Via publica extra Portam. - Regio octava. Via septima. - del Temprio d’Iside . . — - octava. - secunda. Vico di Balbo. — - nona. - tertia. - del Balcone pensile . . — - septima. - tertia. - dei Dodici dei . . . ~ _ octava. - quinta. - di Eumachia . . . . — - septima. - nona. - del Farmacista . . . —■ - sexta. - tertia. - del Fauno. — - sexta. - septima. - del Foro. Angiportus. Regio septiina. - della Fulloniea . . . — Regio sexta. Via quinta. - del Gigante . . . . - septima. - quinta. - del Labirinto . . . . =: - sexta. - octava. 423 8. Pompeji (Der ausgegrabene Stadttheil). 424 VIco del Lupanare della Maschera . . . : di Mercurio.: di Modesto.: di Narcisso. del Panettierc .... della Regina . . . . degü Scheletri . . . degli Scienziati . . . dei Soprastanti . . . Storto . delle Terme .... Auch die Mehrzahl der Häuser trug bis zu dieser neuen Eintheilung besondere Namen, die von einem Gemälde oder einer hochstehenden Person, in deren Gegenwart die Ausgrabung gemacht worden, oder von einem aufgefundenen Namen oder Kunstwerk herrühren. Jetzt haben dagegen alle Häuser arabische Zahlen, die jedoch bei jeder Strasse wieder aufwärts und abwärts = Regio septima. Via undeeima. — septima. decima. sexta. sexta. — sexta. quarta. = sexta. tertia. nr septima. prima. rz octava. tertia. __ - septima. quarta. rz sexta. nona. — septima. secunda. septima. nona. = septima. septima. neu beginnen, so dass denselben stets zur topographischen Bezeichnung die Regio und die Insula beizuschreiben ist. Zur leichten Auffindung der unter jenen Namen allbekannten Häuser ist in der folgenden Tabelle nicht nur die jetzt allein an denHäusern stehende Zahl, sondern auch noch F io- reli’s neue Styassenbezeichnung angegeben. Accademia di musisa. Insula III. Nr. 7. Casa di Adelaide dTnghilterra . . . , . . - VII. XIV. - 5. - di Adone . III. - 14. - ferito (Asellini) . . . . . . - VI. VII. - 18. - delle Amazzoni. II. - 14. - di Amore punito.. . . - VII. . II. - 23. - deir Aneora. X. - 7. - di Apollo (llerenulei). , . - VI. VII. - 23. - di Apollo Citar. (Popidi) . . . IV. - 5. - dell 1 Arciduca di Toscana ... . . - IX. II. - 2 — 4. - dell 1 Argenteria (Antisti) . . . . . . - VI. . VII. - 20. 21. - di Arianna. . . - VII. IV. - 31. - di Atteone (A. Coss. Lib.). . . . . - VI. - II. - 4. - di Bacco. IV. - 10. - delle Baccanti. . . - VI. X. - 11. - del Balcone pensile . . - . . . . • - VII. XII. - 28. - dei Bronzi . ' . IV. - 48. - della Caccia. . . - VII. IV. - 48. - della Caccia nuova. . . - VII. . X. - 3. - di Cajo Memmio. . . - VII. III. - 8. - di Cajo Vibio. . . - VII. II. - 18. - dei Capitelli colorati. . . - vil. . IV. - 31. - dei Capitelli figurati. . . - VII. IV. - 57. - di Caprasio. - 11. - 48. - di Castore e Polluce. . . - VI. IX. - 6. - del Centauro. . . - VI. IX. - 5. - di Championnet. . . - VIII. II. - 1—3. - del Cliirurgo. . . - VI. I. - ü—10. - di Cicerone (Pracdia Crassi) . . . . Strada dei Sepolcri Nr. 5 - del Cinghiale .. . Insula III. - 8. - dei Cinque Scheletri. X. - 2. - del Citarista (L. Pop. Sec.) . . . . - I. IV. - 5. - delle Colonne a musaico . . . . . . Strada dei Sepolcri Nr. 10 - di Cornelio Rufo (D. Cornelia) . . . Regio VII. Insula IV. - 14. - della Danzatricc. . . - VI. . 10, - delle Danzatrici. . . - VI. . II. - 22. - dei Diadumeni (Epidi Rufi) . . . . - IX. . I. - 20. - di Diana. III. - 18. Villa di Diomede. . 24. Casa dei Dioscuri. Insula IX. - 6. - del doppio larario. . . - VII. III. - 13. - di Elena e Paride (Cor. Diad.) . . . - vil. XII. - 26. - di Epidio Rufo. . . - IX. . I. - 20. - di Ercole. VII. - 6. - del Fanno (Cassi). . . - VI. XII. - 2. - della Fontana di amore.... . . - IX. II. - 7. - di Fontana grande ...... VIII. - 22. 425 8. Pompeji (Porfa Marina — Museum). 420 Casa di Pontana piccola.Regio del Forno di ferro (Ter. Eud.) ... di Ganimede .. Gavio Itufo. del Granduca Michele. Granduca di Toscana. del Gran musaico (M. Gassi).... dell ! Impei'atoi’e Francesco I. . . . - - Giuseppe II. di Russia. d’Ifigenia (Pop. Secundi). dTnaco ed Jo.. . • d’Iside. del Laberinto. di Lucrezio. dei marmi (Pop. Prisci). di Marte e Venere (Gaesi). del Medico. di Meleagro. del Mercurio. di Mescinio. di Modesto. di Narcisso. del Naviglio. delle Nereidi. . • ^ di Olconio. Omerica. dell 1 Orso. di Pansa (Nigidi Mai). di Paquio Proculo. della Parete .. del Parnasso (Epid. Sabini). del Poeta tragico. di Polibio. di Pop. Priscus. di Pop. Secundus. dei Princ. Russi.- della Princip. Margherita (Pantlierae) di Pupio.. • • - dello Quadriglie. del Questore.- . . . del Re di Prussia. della Regina d’Inghilterra . . . . - Garolina. di Sallustio (A. Coss. Lib.) .... di Salve Lucru (Sirici). dello Scheletro. degli Scienziati . . . .. di Sirico (Vedi Sirici). di Spurio Mesore. delle Suonatrici (Lucreti). a Tre piani. del Triclinio. - delle Vestali. Man schreitet zuerst durch die überwölbte Porta Marina (B 8), die 36 m. lang, 5,3 m. breit und 8 m. hoch ist und zur Linken einen durch Stufen zugänglichen schmalen, niedern Seitengang hat. Ein vorspringender Stein im Eingang des grossen Bogens und zwei Löcher in der Mauer bezeugen den frühem Verschluss. Die Wände sind von VI. Insula VIII. Nr. 23. VI. - XIII. 57. VII. - XIII. 4. VII. II. 1«. VI. V. 5. VII. IV. 56. VI. XII. VIII. VI. - 10. 11. VIII. II. 33. VII. II. 38. I. IV. 5. VI. VII. 19. VI. II. 14. VI. XI. 10. IX. III. 3. VII. II. 20. VII. I. 40. VIII. VI. 6. VI. IX. 2. VII. II. 35. VIII. IV. 9. VI. V. 13. VII. II. 45. VI. X. 11. VI. IX. 2. VIII. IV. 4. VI. - VIII. 5. VII. II. 45. VI. vr. 1, VII. II. 6. VII. IV. 59. IX. I. 22. VI. - VIII. 5. VI. o. - 19—2G. VII. rr. 20. I. IV. 5. VII. L 25. IX. II. 16. VI. II. 22. VII. II. 25. VI. IX. 6. VII. IX. 33. VII. - XIV. 5. VIII. III. 14. VI. - 11. 4. VII. I. 47. VII. - XIV. 9. VII. II. 38. VII. 1. 47. VII. III. 29. IX. III. 3. VI. occ. - 10. 11. VI. I. 25. VI. I. - 7. rk, also romischei • Konstruki Mitten im Durchgang tritt man r. in das Museum, wo in drei Zimmern Thü- ren, Leichen, Amphoren, Töpfe, Regen- speier, Antefixe, Friesreliefs, Tischfüsse, G-laswaaren, Altärclien, Masken, Menschen- und Thierskelette und einige Statuetten aufgestellt sind. 8. Pompeji (Museum), wms I ■ Jpfr .teXS /&W ftM rasa 429 430 8. Pompeji (Museum — Basilika). Im X. Saal, au clor Eingangswand r.: eine interessante *Bronzethür mit Schloss. — An der rechten Wand: Bruchstücke von Thiiren und Inschriften. — Gegen die Glitte r.: ein Körbchen; ein weiblicher Busen. — Freistehend: * Fenster mit Laden; Verschluß einer Bottega. — An der rechten Wand: Bruchstücke. — An der Ausgangswand L: nachgebildete Thür (aus Casa di Eumaeliia), r.: Wagenrad u. a. II. Saal: *Fänf BfiieJien unter Glas, in Gipsabgüssen. Man hat nämlich die llolil- form, welche in der Asclienmasse sich in der ganzen Rundung der verschütteten Körper bildete, mit Gips ausgegossen und so ein völlig getreues Bild der Unglücklichen erhalten, so dass man an einigen Leichen noch den Todeskampf wahrnehmen kann. Verkohlte Reste ixiiter Glas. — Rechte und linke Wand: Töpfe, Amphoren, Regen- speier, Reliefs, Köpfe, Masken, Altärchen, Konsolen, Aki’oterien. — Rückwand: ^Sammlung von Marmorsorten ; Tisclifüsse. — Eingangswand r.: Narciss; ein Telamon. III. »Saal: Drei Leichen unter Glas. — Ein Hand unter Glas. (Der schöne Mädchenleib wurde unweit des »Sfcabianer Thors 7 Fass über der Erde gefunden; sie muss also zum Fenster hinaus sich geflüchtet haben und am Fortkommen gehindert worden sein. Der Hund lag [treu] vor der neu ausge- grabouen Casa di Orfeo.) — Linke Wand: In Glasschränken Skelette von Menschen und Thieren- — Rechte Wand: Bronze- und Glasgelasse. — Fensterwand: 1. Mars, r. Venus. Man schreitet jenseit des Marinethors das antike Lavaptiaster (mit unregelmässigen grossen Platten) hinan. Gewöhnlich wird man sogleich zuv Basilika (8. 430) geführt. Doch sind hier gleich nach der ersten Querstrasse 1. (Via quinta) einige neu ans- g e g v a b e n e II ä n s e r von Interesse. — Man überschreitet am Ende desTlioraufgangs nach der letzten Säule 1. die erste Querstrasse (mit zwei Schrittsteinen) und tritt in der Regio VII, Insula VII über zwei Sprossen in die Casa Nr. 10 ein. Schreitet man durch Atrium und Tablinum in das Peristyl , so sieht man hier an der linken Wand und an der Rückwand grosse, meist gut erhaltene Malereien: 1. Urne mit Springbrunnen, Ffauen, Brunnen, Nymphen, darüber ein liegender Satyr; — Rückwand: Schlange, Elefant, Ochs, Antilope, Pferd, Fuchs, Bar u. a.; — an der rechten Wand: ein Krieger mit den Spolia opima, die einem im Hintergrund gefallenen Krieger abgenommen wurden; — r. im 1. und 2. Nebenzimmer: Vögel und Landschaften in Vierecken und Medaillons. — Im Zimmer r. vom Tablinum, an der linken Wand: Romulus und Remus mit der Wölfin. Schreitet man jenseit des Peristyls bei Nr. 13 über die mit der Strada Marina parallele Strasse über den Schrittstein hin, an welcher 1. ein schöner Marmorbrunnen ausgegraben wurde, so sieht man am Pfosten des Hauses Nr. 2, vor dem Eingang r., noch rothangeschrieben: »Pati/iiumdu. Fuschs cn- pidas fecit« (d. h. Fuscus, ein eifriger Wähler und wahrscheinlich Hausbesitzer, empfiehlt den [wohl hochstehenden] Paquius Proculus [s. Stabianer Strasse, S. 493] zu einem öffentlichen Amt). Jenseit des Vestibüls, an welchem man 1. unten Kaktus und darüber einen Vogel mit Kirschen hingemalt sieht, tritt man in ein Atrium (das vor General Sherman am 24. Febr. 1372 freigelegt wurde) mit Implu- vium und kannelirtem Marmorputeal; an den Seitenwänden sind *die schwellenden Gestalten der Jahreszeiten (im Zimmer 1. fand man die schöne Aquarellmalerei auf Marmor, die Niobiden (jetzt im Museum); — r. vom Atrium drei Zimmer; im 2. Architekturmalerei, im 3. Gazelle, Wagen ziehend; — in der (r.) Ala, Axisgangswand: Neptun; rechte Längswand: Venus als Fischerin und guterhaltene Architekturmalerei. — Jenseit des Tabliuums eine vertiefte Gartenanlage, zu welcher acht Sprossen hinabführen. Sie ist an zwei Seiten von tiefen Kellern eingefasst. Zum Eingang (Nr. 2) zurück und nebenan durch Nr. 3 eintretend, sieht man im Zimmer 1. vom Vestibül: Venus, Toilette machend, mit zwei Eroten; Landschaften; Aktäon. Vom darauffolgenden Haus Nr. 4 (r.) ist noch ein Theil des Obergeschosses erhalten, nach innen mit Malereien. In Nr. 5 über dem Herd der Lar. Kehrt man von hier über die Strasse durch das gegenüberstehende Haus Nr. 14 zurück, so gelangt man in ein Haus, dessen Peristyl 12 kannelirte Säulen auf hohen, runden, dunklen Schäften hat. — Im 1. Zimmer r. vom Peristyl: Amoretten, Mars und Venus, Jahreszeiten; — im 2. Zimmer r.: Landung der Venus, Scene aus dem Trypto- lcmosmythos. Jenseit des Peristyls Im Tri- cliniuni hübsche Sockelreste , oben reizende Architekturmalerei, Vogel, Panther u. a. Zurück durch dieses Haus und dann östl. geradeaus gelangt man zum Hauptplatz Pompcjrs, dem Forum civile (S. 433). *Die Basilika (PI. C 8, Nr. 1, gewöhnlicher Eingang: Mitte der Längswan d; besser: vorn, vomForum aus), einst Börse und Gerichtsstätte, das grösste und älteste Gebäude am Forum, dessen Bedeutung und Namen die Dipinti und Graffiti der Aussenwand beglaubigten. Der Bau, dessen Wandsäulen noch bis zu ziemlicher Höhe erhalten sind, macht einen sehr grossartigen, feierlichen Eindruck. Den Forderungen Vitruvs (V, 1), dass der Platz für die Basiliken an das Forum grenzen müsse und an der wärmsten Seite (also nach Süden) dort abzustecken sei, zum besten der im Winter 431 432 8. Pompeji (Basilika - Venustempel). frierendenGeschäftsleute, aucli dass ihre Längsseiten die Schmalseiten wenigstens lim einen Drittlieil übertreffen sollen, ist hier genau Rechnung getragen. Das Gebäude ist dreischiffig, indem 28 stuk- kirte, kannelirte Backsteinsäulen (einst mit Tuffkapitälen, jetzt auf die kleinen korinthischenHalbsäulen) zwei Umgänge (je zu 12 Säulen) an den Längsseiten und einen (von vier Säulen) längs der hintern Schmalwand bilden. Der gesammte Umgang umschliesst also im Innern ein Rechteck (ob mit Dach?). Der Plan ist 67 m. lang und 27 Vam. breit, drei Strassen isoliren das Gebäude, fünf Thiiren führen hinein. (An der linken Ecke der Parade fand man eine Treppe, die aber zur obern Gallerie des Forums führte.) Das Erdbeben von 66 hatte die Säulen umgeworfen und die "VVande beschädigt; man ist deshalb über die Höhenmasse nicht ganz gewiss. Die inneren Säulen (mit ionischen Kapitalen) sind ca. 11 m. hoch, an den Wänden sieht man aber kleine korinthische Halbsäulen, die kaum 7 m. Höhe haben; wahrscheinlich waren sie zur Ausgleichung mit der Höhe der inneren Säulen von einer Art Attika mit Pilastern überragt. Die Vorhalle stammt laut aufgefundener Inschrift aus einer der Kolonie vorangehenden Epoche, da sie noch von dem Quästor Yibius Popidius errichtet wurde. Die Wand ist verschiedenfarbig marmorartig bemalt, die Inschriften auf dem Stuck sind nicht mehr lesbar. Eine Menge aufgefundener Skulpturreste bezeugt die schöne innere Ausschmückung. Am Ende des Baues ist eine rechtwinklig in den Bau hineingeschobene hohe Tribüne, 2 m. den Boden des Umgangs überragend, mit Halbsäulen geschmückt, vorn sieht man noch die Basen von sechs isolirten ko- Basilika in Pompeji. rinthischen Säulen und hinten acht solcher Säulen, welche sie begrenzten. Man hält diese Erhöhung für das Tribunal, den Richtersitz des Duumvirs und seines Personals. Davor ist ein zweisäuliger Raum (mit einem Piedestal für eine Reiterstatue) für die Parteien ; unter der Tribüne ist ein finsteres Gewölbe, in das man seitlich hineinsteigen kann, wahrscheinlich ein (inhumanes) Lokal für die Untersuchungshaft (man fand zwei Gerippe darin). Eiorelli hält es nur für ein Repositorium, wie unter den Stylobaten des Jupiter- und des Eortunatempels. Der rechten Längswand der Basilika gegenüber liegt, durch eine Gasse getrennt, der ^Teniisteinpel (Pi. Nr. 2), wohl richtig Aedes Yeneris Pompejanae benannt, leider sehr zerstört, aber eine der schönsten Ruinen Pompeji’s. Der Hauptgöttin der Stadt (Venus Pompe- jana) geweiht, war er einer der grössten (54 m. lang, 32 m. breit, also fast viermal so gross als der Isistempel). Eine 3 m. breite Thür führt der Basilika gegenüber hinein; eine gemauerte Umfriedung, deren westliche Langseite das Forum begrenzt, umgab ihn (an der Südwestecke mit Säulenresten älterer Gebäude). Innen bildete eine zum Theil noch erhaltene Porticus von 48 Säulen zu nenn Säulen an den Schmalseiten und 17 Säulen an den Längsseiten eiu grosses Rechteck, dessen Wände einst mit Malereien (Achilles - Scenen) geschmückt waren. Die Säulen sind aus ionischen durch Uebertünchung zu korinthischen geworden und trugen ein dorisirendes Gebälk. Fünf Säulen der rechten Seite, einst mit vier Eckvoluten und breitstegigen Kannelüren, tragen nocli das Triglyphengebälk mit seinem kleinen Architrav. Dort vor der fünften Säule stellt auf kleinem Piedestal die Statue (Herme) einer jugendlichen (melancholischen) Frau im Mantel, 1817 gefunden. Die Ostwand des Tempels rückt gegen N. etwas weiter (33,40) gegen O. hin, um dem Forum parallel zu laufen, daher treten die Pfeiler liier 433 434 8. Pompeji (Forum civile). allmählich stärker vor. Vor dem Auf- gang zur Cella sieht man einen grossen Altar aus Peperin für die Liebesopfer (Früchte, Kuchen, Räucherwerk), laut Inschrift von den Viermännern der Stadt geweiht. 14 Stufen von Kalkstein führen zum Tempelhaus hinan, das auf einem Podium von 2Vs m. Höhe, 20 m. Länge und 12 m. Breite ruht. Einst umgaben je sechs Säulen vorn und je zehn zur Seite den Tempel, wie noch jetzt einige Stümpfe und an den Ecken zwei hohe Säulen bezeugen. Diese Säulen sind verschwunden. Eine breite Vorhalle führte zum Innern der Cella, in welcher das Kultusbild auf einem noch vorhandenen Fussgestell von Tuff stand. — Die Mauern der Cella erheben sich jetzt kaum 2 m. hoch über die Plattform. Hinter dem Tempel sieht man noch mehrere einst mit schönen Malereien gezierte Gemächer für die Priesterinnen (im ersten Gemach [rechte Ecke], das allein mit dem Tempel kommunicirt, Bacchus und Silen). Zurück durch den Venustempel tritt man nun östl. in das Forum civile (D 7), das ein lebendiges Miniaturbild Roms und der cen- tralisirenden Allgewalt seiner Staatsidee gewährt. Dem römischen Forum ähnlich umschliessen diesen Einen Platz der Landstadt, als das Centrum derselben, lauter Öffentliche Gebäude, mehrere bedeutende Tempel, eine grosse Basilika, Börsen, Gerichtssäle, Kurie, Gefängnis, VVechslerbuden und Triumphthore. Es nahm den schönsten Platz im S. der Stadt gegen das Meer hin im grossen Parallelogramm (157 m. lang und 33 m. breit) ein, war auf drei Seiten mit einer Porticus, einer doppeltgeschossigen Säulenreihe (von Peperin oder Ziegeln, mit Stucküberzug) umschlossen, die untere Reihe dorisch, die obere ionisch (auf dem Sockel der Forum einfassung und auf Säulenstümpfen liegen jetzt theilweise schön skulpirte Gesimsstücke mit antiken Inschriften). Die Nordseite nahm der Jupitertempel ein. Die Porticus bildete also, von diesem Tempel auslaufend, zwei bedeckte Korridore übereinander; an der Südseite war die Säulenreihe doppelt. Die Abstände der Säulen von den anliegenden Gebäuden sind ungleich (8 bis 14 m.), weil mehrere dieser Bauten schon vor der Forumporticus errichtet waren und die Linie daher nicht immer parallel gezogen werden konnte. — Man fand beim Ausgraben zahlreiche frischbehauene Friesstücke, die zwischen die Säulenschäfte hingelegt waren, um demnächst emporgewunden zu werden. Die Restauration sollte zugleich eine Verschönerung sein, und in Roms damaligem Geschmack wurden auf die dorischen Säulen korinthische Kapitäle gesetzt. — Vier steile, enge Treppen führten zur obern Gallerie hinan und der Zugang zum Forum war nur denFussgängern erlaubt, denn selbst am grossen Triumphbogen neben dem Jupitertempel fand man Sprossen, und die Porticus war im 0. mit einem Eisengitter geschlossen. Sieben Zugänge führten zu diesem Herzen der Stadt; Thore, vorgeschobene Steine und Gitter sorgten für den Verschluss des Platzes. — Der ganze Boden der Area (freien Fläche) war mit Travertinplatten bekleidet. Koch jetzt sieht man gegen die Säulen hin zahlreiche grosse Piedestale, einst für Statuen der Gefeierten; 12 längs der Westseite für Reiterstatuen, vier mit gewöhnlichen Statuen, an die Säulen gelehnt. Zwei der letzteren mit Inschrift auf den Quinquennalen (Censoren)Z/Mcre- tius Decidianus ; zwei mit Inschrift auf Pansa } Vater und Sohn, beide Duumvirn (Zweimänner, Konsuln der Landstadt) und Quinquennalen. Vier Reiterstatuen und ein kleiner Bogen erhoben sich an der Südseite der Area. An der Ostseite auch zwei Reiterstatuen, eine mit Inschrift auf den Duumvir Sallustius ; in der Mitte der Area eine grössere, wohl für eine Kaiserstatue. — Man sieht überall deutlich, dass zur Zeit der Katastrophe das meiste noch in Restauration begriffen war. Geht man nun an der linken Langseite des Forums der Wand des Venustempels entlang, so trifft man beim 1. Recess 1., Nr. 31, eine Steinplatte auf drei Füssen, in einer länglich viereckigen Nische, welche in der Mauer ausgespart ist, mit fünf runden Löchern. Laut hier gefundener Inschrift ist dies die den 15 Unter-Italien. I. 8. Pompeji (Venttstempel - Forum ciyile) *Lü!“'JÜ lim 11 ;!, vi'lii h i [; 1 1.: .. ' |'ii' I i 1 i, i i! ,, iii! gpp. . I s ii ..i»; 1 : Forum in Pompeji (Ruinen des Tempels der Venus). 437 8. Pompeji (Jupitertempel — Augustustempel). 438 Duumvirn unterstellte Stätte für die I Normalmasse xmdGewichte. Die kleinste [ Oeffnung hat 0,20 m., die grösste 0,30 m. ; Durchmesser. Das hierdurch eineKopie ersetzte Original befindet sich im Museum zu Neapel. Nun folgt eine jener Treppen (S. 434) mit 20 Stufen zur obern Gallerie der Forumporticus, und der nordöstliche Zugang zum Venustempel. Dann Nr. 29 die sogen. Poilcile (Lesche), eine 34 m. lange Porticus, auf drei Seiten geschlossen, vorn mit sieben Backsteinpfeilern, wahrscheinlich eine Spazierhalle. Gegenwärtig liegen hier zahlreiche Kapitäle und Säulenschäfte. — Es folgt unter einer rechteckigen ThorÖffnung (Nr. 28) der Eingang zur öffentlichen Latrina, mit Seitenkanal auf drei Seiten. — Dann Nr. 27 ein Gefängnis, nahe beim Thor des Forums, mit mehreren fensterlosen Räumen; man fand hier zwei Skelette mit eisernen Fesseln. Daneben ist der Mauerabschluss des Forums. Nun folgt an der nördlichen Schmalseite des Forums Nr. 26 ein .Ausgang auf die Strasse, daneben ein hoher Eingangsbogen (Triumphbogen) von der Strasse der Augu,Stalen, ohne Schmuck, aus Bruchsteinen erbaut, nicht für die Durchfahrt, denn vier Sprossen führen von ihm ins Forum hinab. — Neben diesem Bogen (ostwärts) erhebt sich, die Mitte der nördlichen Schmalseite des Forums beherrschend, der *Jupitertempel (D 6, Nr. 3) , welcher auf einem 3 m. hohenUnterbau (Podium) neben dem Eingang in das Forum in einer Länge von 36 m. eingebaut ist. Lava, Ziegel, Tuff und eine sehr feine Stuckbekleidung sind sein Material. In der Mitte der gewaltigen 18 Stufen, die hinauf geleiten, stand einst auf dem die Treppe unten rampenförmig theilenden Vorplan (Pulpitum) der Altar. Von der hochgelegenen, 15 m. breiten und 12 m. tiefen Vorhalle (mit köstlicher Aussicht über das Forum und die Gebirge oberhalb Sorrent; noch freier auf demPodium) sieht man nur noch 12 un gleiche Stümpfe, 6 in der Front, 3 auf jeder Seite, einst hohe schlanke korinthische Säulen. Die Cella hinter der Vorhalle ist 18,50 m. lang, zeigt aber nur noch Bruchstücke der Wände und des Mosaikbodens. Sie ist dreischiffig, mit je zwei Reihen von acht ionischen Säulen, die eine obere Gallerie (wie die kleine zwölfstufige Treppe 1. an der Hinterwand andeutet) mit korinthischen Säulen trugen, von denen man aber nur noch einzelne Kapitäle fand; die Seitenschiffe sind sehr schmal, nur 1,50 m. breit, während das Mittelschiff 9,30 m. breit ist. Die Cella enthält noch am Ende das Podium für die kolossale Jupiterstatue (ein hier gefundener kolossaler Jupiterkopf ist jetzt im Museum zu Neapel). Die Wände zeigen deutliche Spuren der dekorativen Bemalung, dunkler Sockel, rothe Wand mit gelben Zwischengliedern; auch der Fries ist theilweise erhalten. — Im Boden sieht man noch die Lichtlöcher für das darunterliegende Re- positorium. — Im Hintergrund des Sanc- iuariüms sind drei gewölbte Kammern ; man glaubt für das Archiv und den Staatsschatz (Aerarium). Der Tempel war bei dem Vesuvausbruch noch in der Restauration begriffen (da er seinerllöhe wegen durch das Erdbeben 63 sehr gelitten hatte). — Etwa 15 m. vor der Fa- 9 ade des Tempels steht der massive Opferaltar. Es folgt östl. neben der Rückwand des Jupitertempels r. ein Triumphthor, nur mit Einer Bogenöffnung zwischen 3 m. breiten Pfeilern. Es ist ein Ziegelbau über einem Kalkgestell und war einst mit Marmor bekleidet, mit Säulen und zwei rechteckigen Nischen geschmückt, r. noch eine Säulenbasis und 1. bei der Wand des Jupitertempels eine zweite. Am Ende der Forumstrasse entspricht diesem Thor am Eingang derMer- kurstrasse ein zweiter Bogen, der eine Reiterstatue trug (Nero?). Es folgt nordöstl. an der Ecke der rechten Langseite des Forums der *Augustusteinpel (E6, Nr. 4), Augusteum oder sogen. Pantheon^ das Festgebäude der Augustalen, mit derKa- pelle des Augustus, eins der bedeutendsten Gebäude von Pompeji, lange ein Rathsel. Vor demselben lag die schönste Porticus des Forums, einst mit 24 Sta- 15 * 439 8. Pompeji (Curia - Merkurtempel). 440 tuen, deren Basen theilweise noch erhalten sind. An der Fa^.ade hat man die schiefe Abweichung von der Forumpor- ticus dadurch ausgeglichen, dass den hier angebrachten (Nr. 12, 11, 10) sieben Wechslerbuden (Tabernae argentariae) eine verschiedene Tiefe (von 2 — 5 m.) gegeben wurde. Zwischen diesen Buden führen zwei Eingangsthüren (Nr. 7 und 8), welche eine Pfeilernische mit zwei Marmorsäulen scheidet, ins Innere. Zu äusserst 1. sieht man noch Sprossen einer Treppe, die zur obern Gallerie des Forums führte. Ins Innere (bei Nr. 8) eingetreten, erblickt man einen gewaltigen rechteckigen offenen Hof (37,50 m. lang, 27 m. breit), der von einer eben angelegten Porticus umgeben werden sollte (schon war an der West- und Nordseite das Paviment eingelassen). In der Mitte dieses Hofs befinden sich auf einem 12eckigen, sehr niedrigen Sockel (von 12,50 m. Durchmesser) im Kreise zwölf viereckige Basen (Altäre?), die in der Zahl den Cellen an der Südwand entsprechen. Die frühere Annahme, dass diese Basen die Statuen der 12 grossen Götter (DU consentes) getragen hätten, gab dem Bau den Namen des Pantheons. Auffällig ist, dass dieses Tempelchen ausserhalb der gewöhnlichen Axe liegt. — Nord - und Westwand des grossen Rechtecks waren mit schönen * Freskobildern geschmückt, von denen jetzt noch (durch eine moderne Deckung geschützt) einige sich vorfinden: An der West wand (nördl. neben dem zweiten Haupteingang Nr. 8) in der Architektur: Nike und Krieger; schwebende Gruppen; Priesterin; oben Seeschlachten; *To und Argos (Epaphos V), Quadriga und Priester, schwebende Gruppe; oben Seeschlacht und Vasen; zierliche Arabesken. — An der Nordwand: *Odyi*seu$ und Penelope; r. vom Seiteneingang Achill und Thetis; unter dem Schutzschlrmchen: Phryxosauf dem Widder. R. an der südlichen Längswand sieht man 11 kleine Zellen, wahrscheinlich die priesterlichen Zimmer der Augu- stalen, welche seit Tiberius auch in den Municipien errichtete Kollegien für den Kultus des Augustus waren und wegen ihrer grossen Anzahl einen ritterlichen Mittelstand (Ordo) zwischen den De- kurionen und der Plebs bildeten. Von der Bemalung der Zellen sieht man nur noch die rothe Farbe. — Dem Eingang gegenüber, fern an der Ostseite des Gebäudes , ist das eigentliche Heiligthum, drei grosse Gemächer, von welchen das mittelste eine über fünf Stufen erhöhte Kapelle (Aedieula) für die Statue (des Augustus) bildete (jetzt steht nur das Postament), zu deren Seiten in Nischen die Statuen (jetzt Kopien) r. des Drusus und 1. der Livia, Gattin des Augustus, stehen. Das Gemach 1. enthält eine Nische (flir ein Kultusbild), ein Podium und einen Altar für die Opfer. Das Gemach r. enthält eine theilweise noch mit Stuck bekleidete gemauerte Bank, die sich hufeisenförmig an den drei Wänden umherzieht; die Mulde und Rinne der Bank deuten darauf, dass hier das Opferfleisch verkauft wurde. Von Gemälden sieht man in diesem dritten Raum noch an der Rückwand: pompejanischeLokalgottheiten; am Sockel: Meerthiere und Masken. — An der linken (nördlichen) Seite führt ein Ausgang in die Strada degli Augustali (Reg. VII, Via II), die ihren Namen von diesem Bau erhielt. Auf den Augustustempel folgt: Nr. 3. Die sogen. Curia oder Sena- culmn (D 7, Nr. 5), das vermuthliche Sitzungslokal der pompejanischen De- kurionen (des Senats), eiu grosser, leerer, in Ziegel erbauter Saal (20 m. lang, 18 m. breit), am Ende mit einer halbkreisförmigen Vertiefung; in der Mitte auf Marmorboden ein Altar, nach vorn zwei Sei- tennischen mit Piedestalen für Statuen. Neben der Curia steht der Nr. 2. *Merkurtempel (E 7, Nr. 6) oder Aedes Genii Augusti; sehr zerstört. Er wurde nach Merkur benannt, weil nach Vitruo der Tempel dieses Gottes am Forum stand, und man Inschriften eines Merkurtempels in Pompeji auffand. Er heisst auch Quirinustempel, weil die Inschrift an einem Piedestal beim Tempeleingang (die Kopie ist jetzt 1. vom Eingang zum Euma- chiabau eingelassen) den Romulus als Sohn des Mars, Regenten während 38 Jahren, Erleger des Königs Acro, dessen Rüstung er dem Jupiter Feretrius weihte, und als Gott Quirinus preist. Fiorelli hält ihn für einen dem Genius des Augustus geweihten 441 8. Pompeji (Gebäude dev Eumachia). 442 Tempel, laut einer hier aufg-efundenen Inschrift (Mamia P. F. sacerdos public. Genio Aug. solo et pecunia sua). In diesen Tempel gelangt man vom Forum aus durch eine (von dem Führer aufzuscbliessende) Vorhalle auf den Vorplatz desselben, in dessen Mitte ein 1V 2 m. hoher * Marmoraltar steht, auf dessen Vorderseite ein Opfer (der Opfernde hat Aehnlichkeit mit Cicero) in Relief dargestellt ist, an den Seiten die Opferinstrumente, hinten ein Eichenkranz. Im Hintergrund ist die kleine Cella, nur 4 m. breit und 3V*m. tief, mit einem Postament für das Kultusbild auf einem 2 m. hohen Unterbau, auf den beidseitig von hinten Stufen führen. — R. ist der Eingang zu drei Räumen für die Priester. Vorn hat man eine Anzahl Ausgrabungsgegenstände untergebracht: Marmorarbeiten, Tischfüsse, Brunnenmündungen, Töpfe, Gesimsstücke, Statuetten, Bleigefässe, Reife, Eisengitter, Gewichte u. a.; auf dem Postament der Cella gegenwärtig hübsche Regen- speier (Antefixa). Die folgende grosse Anlage ist das Nr. l. *Gebäude der Enmacliia oder Chalcidicum (E 7, Nr. 7), oder Por- ticus Concor diae Augustac (nachFiorelli), eine Waarenbörse. Laut einer Inschrift am Sturz der kleinen Thür, aussen am Ende der rechten Langseite (dem Brunnen der Strada dell 1 Abbondanza gegenüber), hat Eumachia, öffentliche Priesterin (sacerd. pub.), in ihrem und ihres Sohnes Namen auf ihre Kosten den Ban errichtet und weihte der Coneordia Augusta ein Chalcidicum (verlängernde Vorhalle an der Schmalseite einer Basilika), eine Krypta (eine geschlossene, nach innen mit Fenstern versehene Gallerie) und eine Porticun. Der erweiterte Bau wurde (wohl zu Ehren Livia’s , derWittwe des Augustus) dann der Pieta geweiht. Man sieht nun gegen das Forum hin eine grosse Vorballe (das Chalcidicum), 39,50 m. laDg und 12,50 m. tief, einst mit 16 Travertinsäulen von engeren Zwischenräumen als die der Forumhalle. An der Corniche dieser Vorhalle stand ebenfalls jene Inschrift (die noch auf Blöcken am Forumrand, 1. vor dem Eingang desChalcidicums, theilweise erhalten ist). Boden und Fa 9 ade waren mit Marmor bekleidet. An der Rückseite dieser Vorhalle ist in der Mitte der Haupteingang, dessen schöne Marmorverzierung | ins Museum zu Neapel kam. — L. und I r. von diesem Eingang sind schmale j Räume, durch die doppelte Hinterwand ! des Chalcidicums gebildet, die wahr- , scheinlich zu Magazinen dienten, da man 1 noch zahlreiche Marmortafeln zur Ver- , kleidung der Wände des noch in Restau- | ration begriffenen Baues fand. — Aussen i an den Seiten des Eingangs sind zwei ! grosse halbkreisförmige Nischen noch i mit Resten afrikanischen Marmors bekleidet, und an den äussersten Ecken zwei viereckige, 1,50 m. hohe Vorsprünge, wahrscheinlich für die Ausrufer der Handelsedikte und Auktionen. — Tritt man nun durch den Haupteingang ein, so sieht man einen weiten Ilof (38 m. lang, 19,50 m. breit), dessen Boden einst Marmor deckte und um den eine Rinne gezogen ist. Diesen grossen offenen Hof umgaben einst 54 Säulen von Marmor, je 18 korinthische Säulen an den Längsseiten und je 10 an den Schmalseiten (Gebälkstücke und einige Säulentrommeln sieht man gegenwärtig nach innen angelehnt). — In der Mitte des Hofs war eine Cisterne; an der rechten Seite sieht man kleine gemauerte Fundamente, wahrscheinlich dieFüsse von Waarentischen, denn das Gebäude scheint dem Kollegium der Walker, einer der reichsten und angesehensten Zünfte Pompeji’s, als Waarenbörse und Lagerhaus für Zeuge gedient zu haben. Auch die Spuren von 10 Cisternenmündungen sind noch sichtbar. Nach aussen wurde diese offene Por- ticus von einem grossen bedeckten Korridor, jenerKry pta umgeben, welche an den (in gelbe und rothe Felder getheilten, in der Mitte mit kleinen Landschaften geschmückten) Längswänden des Gebäudes hinzog und im N. und S. mit je 10 Fenstern sich auf die Säulenhalle nach innen öffnete. Dieser äussere bedeckte Umgang setzte sich auch an der hintern Schmalseite des Gebäudes quer fort. An der Südseite ist ein Ausgang (aussen mit jener Inschrift). Dem Eingang gegenüber, jenseit der hintern Schmalseite der Porticus, gelangt man über zwei Stufen, neben denen zwei Wasserbehälter lagen, zu einer grossen 443 8. Pompeji (Fortunatempel). 444 halbrunden Nische. In der einst bemalten Nische ist ein grosses Piedestal, das die Statue der Gottheit (Ooncordia) trug (in den zwei Seitennischen waren wohl auch Statuen). In gleicher Flucht mit der Ilauptnische sieht man noch zwei kleine Seitenapsiden, die linke noch mit ihrem weissen Marmorboden. Die Hinterwand des Baues besteht wie die vordere aus einer doppelten Mauer, um auch hier die Unregelmässigkeit des Flächenplans auszugleichen. In der Mitte dieser Doppelwand ist eine viereckige Nische ausgespart, wo auf einem Postament die (in Gips nachgebildete) Statue der Eumachia, der Gründerin des Baues (das Original im Museum zu Neapel, 2. Korridor), steht. Laut Inschrift hat die Zunft der Walker (Eullo- nesJ der Priesterin dieses Standbild errichtet. Auf der linken Seite der Nische ist die berühmte Thür, die zur symmetrischen Ausgleichung mit einer gegen- überliegendenThürliierher gemalt wurde (mit Füllungen wie noch jetzt). — Die einzelnen Theile des Baues dienten wohl für folgende Zwecke: das Chalcidicum für die kleine Börse, die Ecktribünen für den stückweisen Verkauf der Wolle und Stoffe, die Porticus für die grosse Börse im Sommer, die Krypta für die Winterbörse, die Nische mit dem Bilde der Gottheit für die Handelsrichter. — Die äussere Wand des Eumachiabaues gegen die Abbondanzastrasse diente als Album (geweisstes Mauerfeld für die Anzeigen). Jenseit der folgenden Querstrasse bildet den Schluss (d. h. den Anfang) der Ostseite des Forums die sogen. Schule des Verna (E 8, Nr. 8), ein grosser viereckiger Saal, 21 m. lang, 17 m. breit, an dessen Ende inrothenBuchstaben Verna und seine Schüler die Gerechtigkeit des Duumvirs anriefen. Die Südseite des Forums (dem Jupitertempel gegenüber) nehmen (Nr. 10—6) drei Gerichtssäle ( Tribunali, D 8, Nr. 9) ein, ihres Schmucks völligberaubt, aber von schöner Backsteinkonstruktion; Nr. 6 die grösste, mit drei Nischen auf jeder Seite und einer im Hemicyclus; Nr. 8 mit erhöhtem Fussboden, im Innern mit 16 Piedestalen (die wohl Säulen trugen) und hinten ein Podium, zu dem man auf Holztreppen hinanstieg; Nr. 10 kleiner, hinten mit Hemicyclus und hohem Podium. Alle drei Säle hatten an Wänden und Fussboden grosse Marmorfliesscn, von denen jetzt noch Reste vorhanden sind. Jenseit des grossen Triumphbogens neben dem Jupitertempel gelangt man nach wenigen Schritten, wo dieFortuna- strasse die Forumstrasse scheidet, zum (Regio VII, Ins. IV, Via'VIII, Nr. 1) ^Fortunatempel (E5,Nr. 10), Aedes Fortunae Augustae, laut Inschrift im Sanctuarinm (am Boden vor dem Piedestal der Göttin) von einem Glied der Familie Cicero’s, welches Duumvir, dreimal Quinquennal, auch Augur und Militärtribun gewesen, auf seine Kosten und auf eigenem Boden 2 n. Chr. erbaut; jetzt ein von allem Marmor entkleideter, aber überaus pittoresker Bau: er ist nur 24,50 m. lang, .9,50 in. breit und hatte keine besondere Umfriedung. Zwei kleine zuführende Treppen sind durch einen Vorplan für den Altar unterbrochen; dann geleitet eine sehr zerstörte neunstufige Volltreppe zur Vorhalle, die vorn einst vier korinthische Säulen darbot, und je eine Säule und einen Pfeiler an den Seiten. Drei ihrer Kapitale und ein schönes Gesimsstück sieht man auf der Brüstung. Zu hinterst erhebt sich die Weihnische mit dem Piedestal der Göttin zwischen zwei korinthischen Pilastern; an den Cellawänden sieht man noch Gesimsbrucli- stücke; in vier Nischen standen vier Statuen (wahrscheinlich Tullien); aussen sind die einst marmorbekleideten Wände der Cella mit Pilastern geschmückt und erheben sich noch 4,50 m. hoch. Die erste Querstrasse 1. (Strada dclle Terme) führt bei der 2. Thür 1. in die (Regio VII, Ins. V, Decumanus major, Nr. 2) *Fortunabäder (Balmeae) (D 5, Nr. 11), 1824 ausgegraben; sie bilden eine von vier Strassen umschlossene Gebäudeinsel (Insula), 49,50 m. lang 445 8. Pompeji (ForfcanaMder). 446 und 53 m. breit, sind aber jetzt mir durch einen ihrer sechs früheren Zugänge zu betreten. Das Bad der Römer bestand aus vier Ilaupttheilen, dem Schwitzen in erwärmter Luft, dem warmen Wasserbad, der Abreibung und den kalten Abwaschungen, Danach sind die Räumlichkeiten vertheilt. Ein Gang führt von dem Seiteneingang Nr. 2 (2. Thür 1.) sogleich in das Apody torium (Auskleidezimmer), 11,50 m. lang, 7 m. breit, unter dessen ehemaligem Tonnengewölbe ein nach hinten theihveise noch erhaltener (mit Chimären, Leiern und Vasen, weiss auf rothem Grund) reich reliefirterundorna- mentirter Sims hinzieht, auf welchem die Lampen standen (man fand über 1300 Lampen in diesen Bädern, zur Nachtbeleuchtung, und vielleicht auch als Handelsartikel). Der Boden ist mosaicirt, die Wände gelb; Lavabänke laufen an den Wänden entlang, ein 1 m. breites Fenster ist dicht unter dem Gewölbe; fünf Thören öffneten sich in dieses Auskleidezimmer (die südlichen Volker scheuen die Zugluft nicht); Capsarii wachten über die Kleider, von deren Aufhängestellen noch Spuren vorhanden sind. Von hier trete man vorn, um die drei Hauptstationen in ihrer Reihenfolge zu sehen, durch die erste Thür r. in das *Tepidarium(10 m. lang, 5,50 m. breit), das laue Bad, d. li. ein massig erwärmtes Gemach, dessen Temperatur bei dem in ein Badetuch gehüllt ruhig Dasitzenden einen leichten Schweiss hervorrief. Da die Temperatur hier nicht störend wirkte, so schmückte man diesen Saal künstlerisch prächtig aus. Man sieht tlieilweise jetzt noch die schöne Farbenvertheilung (weiss, roth und blau) des Deckengrundes mit den frischen weissen Stuckreliefs in den unteren Reihen und den weissen Malereien in den oberen; an den Nischen der Wände (für die Aufbewahrung der Handtücher und Decken) sind köstliche Atlanten oder Telamonen (d. h. männliche Figuren, die als Karyatiden dienen) inTerracotta, welche in vier verschiedenen, regelmässig abwechselnden Typen, mit aufwärts gezogenen Einbogen den Sims stützen. Ein Fenster in der Höhe erhellt den Saal von der Südseite. Hinter Gitter hat man jetzt die drei hier gefundenen Bronzeruhebänke (mit Thierfüssen) und einen fünffüssigen Bronzeherd aufgestellt. Das Tepidarium ward nämlich durch Röhren unter dem Boden und durch einen Bronzeherd (Focu- lare) geheizt. Hatte sich der Thermenbesucher hier noch mit dem Strigilis abreiben und mit wohlriechenden Oelen salben lassen (was oft erst nach dem kalten Baden geschah), so trat er durch die Thür r. in den anstossenden Hauptraum, das Caldarium (5,50 m. breit, 16,50 in. lang), in welchem an den beiden Enden r. ein warmes Wasserbad (Calda lavatio), 1. ein Apparat für kalte Uebergiessungen vereinigt sind. In diesem langen Saal befindet sich daher am rechten Ende über zwei Stufen für das grosse Wasserbad eine viereckige Marmorwanne (Al- vcus, calida piscina), 5 m. lang und 1,50 m. breit, in welcher etwa zehn Personen gleichzeitig Platz fanden; drei Stufen führten hinan, zwei hinab; auf dem Marmorrand sitzend, konnte man nach Belieben tiefer eintauchen. Am linken Ende ist eine runde Nische mit einem runden, flachen Marmorbecken, dem Labrum, durch ein Rundfenster in der fast halbkugeligen Decke von oben beleuchtet. Dieses Becken von 2,30 m. Durchmesser diente für die kalten Ab- . Waschungen und Uebergiessungen , ehe man das Caldarium verliess; laut der Bronzeinschrift an seinem obern Rand wurde es aus der Stadtkasse für 750 Sesterzen (ca. 160 Fr.) von den Duum- vini angeschafft. Der mosaicirte Boden ruht auf kleinen Pfeilern von röhrenförmigen Ziegeln , damit die Hitze aus den benachbarten Oefen sich in diesem Souterrain (suspensuraej frei verbreiten könne; Thonröhren führten sie von da aus auch zwischen den doppelten Wänden der Cella hinauf. Der JPeuerungs- apparat daneben (durch einen Gang mit dem Apodyterium verbunden) war so 8. Pompeji (FortnnabiUler). sm WBMI äüi :M8pÄp iSÄEii: j&BPSs W ^s^4 Das Tepidarium der Portunaliüdor in Pompeji. 449 450 I t 1 8. Pompeji (Haus des Poeta tragico). eingerichtet, dass beim Ilauptofen zwei vomFeuer verschieden entfernteWasser- kessel für heisses, laues und kaltes Wasser sich befanden, und aus ihnen das Wasser in die Baderäume floss. Wenn die ganze Operation des Cal- dariums beendigt war, so begab man sich durch das Tepidarium und Apody- terium zurück in das hinter diesem (durch die zweite Thür r. an der hintern Schmalwand zugängliche) gelegene Frigidarium (cellafrigidaria),das kalte Bad, wo ein rundes, marmorbekleidetes Bassin (piscina, baptisterium), in welches kaltes Wasser in Rohren herabströmte, den durch die Hitze erschlafften Körper erfrischte; die vier runden Nischen an der Wand enthielten die Ruhebänke für die Badenden. Die blaue Decke mit ihrem offenen Auge, der rothe Fries mit den weissen Reliefs (Bigen), die hellgelbe Wand erhöhten den erfrischenden Eindruck. Auch Meerwasser konnte in das Bassin des Frigi- dariums gelassen werden, wie dies die Inschrift dieser Bäder darlegt, die auch einen Privaten (Thermae M. Crassi Frugi) als ihren Gründer und Geber an die Stadt nennt. Ein Atrium und andere Räumlichkeiten sind nicht mehr zugänglich, ebensowenig die nebenanliegenden, zu Magazinbauten verwendeten primitiveren Bäder. — Dampfbäder wurden in grösseren Bädern an einer Schmalseite des Caldariums in einem beson- dern, durch eine Mauer getrennten Raum (Laconicum) angebracht. Den alten Thermen gegenüber, weiter r., liegt in der Strada della Terme das Nr. 5. * Haus des Poeta tragico (D 5, Nr. 12), (ein unrichtig erklärtes treffliches Gemälde im Tablinum, jetzt im Museum zu Neapel, gab ihm den Namen des tragischen Dichters); es ist ein kleines, aber sehr geschmackvolles Haus, durch seine Malereien, namentlich aus dem homerischen Kreis (auch im Museum) hochberühmt (es ist das Haus des Glaukos in Bulwers Roman). Reicher hier gefundener Goldsehmuck liess auf einen Juwelier als Besitzer schliessen, besonders weil die seitlichen Verkaufsläden (2) in den Flur sich öffneten, also zum Haus gehörten. Im Hausflur (1) war in Mosaik ein angeketteter Hund mit der Inschrift »Oave canem « (jetzt im Museum zu Neapel) dargestellt. Aus dem Atrium (3), hinter dessen Impluvium eine hübsche kanne- lirte Brunnenöffnung ist, sind die berühmten homerischen Bilder nachNeapel gekommen; man sieht noch 1. vorn ein ; X; r— TO ~i Haus des Poeta tragico in Pompeji. Bruchstück einer Entführung durch Meergottheiten; im 2. Zimmer (IV) 1. vom Atrium, rechte Wand: Daphne und Apollo. Im Fries: Amazonenkämpfe; in der Mitte des Frieses, Rückwand: Venus Pompejana. — Im Tablinum (V): Viktorien und Eroten (der sogen, tragische Dichter wurde liier ausgehoben). — Im Zimmer (VI) 1. vom Tablinum : Thiere verschiedener Gottheiten, Taube, Pfau, Panther. Ein Fenster an der Rückwand erhellte dies 451 8. Pompeji (Haus des Pansa). 452 Zimmer. — Das Peristylium (VII) bildet auf drei Seiten einen Säulenumgang um ein Gärtchen; an die Rückwand lehnt die niedliche llauskapelle (Lararium) 1. in der Ecke. — Im 1. Zimmer 1. (VIII) vom siebensäuligen Peri- stvl sieht man r. eine Fischerin (Venus), 1. Ariadne; vier Eroten. — R. vom Pe- ristyl, im Tricliniu m (IX), Speisezimmer, 6 m. lang und Ö 1 ,^ m. breit; in der Mitte der linken Wand: ^Mädchen und Jünglinge ein Nest mit drei nackten Eroten betrachtend (gewöhnlich als Leda dem Tyndarios im Nest Castor, Pollydeukes und Helena überreichend, erklärt). Rückwand: *Ariadne. In den Seitenfeldern: Jahreszeiten und bewaffnete Jünglinge. Ueber dem Fries der Nordwand: Marsyas; in der braunen Predella: Seeungeheuer. Imweissenund schwarzen Mosaikboden: Fische und Schwäne. — Im Raum (X) r. daneben die Küche mit dem Ofen und in der rechten Ecke das Kloset. — Vom zweiten Stockwerk bemerkt man nur noch Spuren; an der Ostwand beim Eingang der Strada Fullonica sieht man noch die schwachen Reste der Aufschrift: »Du wirst die Gedichte des Numerius erhalten«. In gleicher Flucht, nur durch die Querstrasse Fullonica getrennt, folgt (Reg. VI, Ins. VI, Decum.major) r. das Nr. l. *Haus des Pansa (D 5, Nr. 13), (ein Wahlvorschlag 1. vom Thürpfeiler gibt ihm diesen Namen), eine der grössten Wohnungen Pompeji’s und durch Harmonie der Masse und Vollständigkeit des Plans zum Musterbild der antiken Häuser geworden , das zugleich deutlich das Princip der Par- cellirung des römischen Hauses zeigt, indem auf das Erdgeschoss allein 50 verschiedene Räumlichkeiten kommen. Es ist von vier Strassen umschrieben (Insula) und bildet ein fast regelmässiges Rechteck, 98 m. lang und 38 m. breit. Neben dem Haupteingang (I) hatte es sechs Verkaufslokale, 1. Nr. 21, 22, 23; r. 2, 3, 4 (PL XXIX — XXXIV), und drei auch an den beiden Länqsseiien, 1. in sechs Räumen (Nr. 17—10; PL XXIV—XXIX) eine Bäckerei mit Mühlen 5 — an der rechten Langseite, Nr. 7, 8, 9, abgeschlossene Mietlokale (PL A, B, C), die mit dem Innern nicht Zusammenhängen. Durch den schmalen Ilaupteingang, vorn Nr. 1, den aussen zwei hohe korinthische Pilaster kennzeichnen, und das kaum 3 m. breite Vestibül (I) (ProthyrumJ tritt man durch eine zweite, nur noch an den Einkerbungen kenntliche Thür in das Atrium (II), das hier eine Art Saal mit Oberlicht und Oberluft bildet, der Plafond war kassettirt und hatte in der Mitte eine Oeffnung, 3 m. breit und 5 m. lang. Dieser Oeffnung entspricht unten das Marmorbassin (Impluvium) zum Auffangen des Regenwassers, das durch vier Wasserspeier von dem nach Innen abgeschrägten Dach herabfloss. Vor dem Impluvium sieht man die viereckige Oeffnungsstellc der Cisterne. Um den offenen Hof gruppiren sich seitlich sechs nur vom Hof erhellte Schlafzimmer (Cubicula) (III) für Gäste und Sklaven, an der Rückseite hebt sich in der Mitte das Tablinum (IV) hervor (5 auf 5 ,50 m.), einst mit Mosaikboden, der Saal 1. (V) war auch mosaicirt, wohl die Bibliothek (man fand hier Manuskripte). Der Raum r. (VI) am Ende des Durchgangs (VIII) scheint ein Schlafzimmer gewesen zu sein, denn an der Wand sieht man noch die Vertiefung für die Bettlehne. Vor diesen zwei Seitenzimmern sind die Alae (VII), offene Flügelzimmer, welche man sorgfältiger dekorirte und in denen der Hausherr Audienzen gab. Der Durchgang (VIII) (Fauces) neben dem Tablinum führt in das schöne, um zwei Stufen erhöhtePe 1 *i sty lium (IX), einen offenen Säulenhof, genau doppelt so gross als das Atrium (20 m. lang 13 m. breit), welchen 16 ursprünglich ionische und kännelirte, dann mit Stuck überzogene, unten gelbe, oben weisse Säulen umgeben. In der Mitte ist ein grosses 2 m. tiefes Wasserhassin (Piscina); ein Puteal zwischen den zwei ersten Säulen der linken Längsreihe wurde von der Cisterne unter dem Pe- ristyl mit Wasser versorgt. — Von der vordem Seite des Umgangs geht r. (XI) 453 454 8. Pompeji (Haus des Pausa). ein Gang (Posticum) quer zur Seiten- j mitdemBildderschützendenSchlangen;, Strasse. An der Rückseite des Peristyls daneben ein Vorlegezimmer (XVI) ; ist das grösste und schönste Gemach gegenüber ein Saal für die Sklaven des Hauses, der »Oecus« (XII), das Ge- (XVII). Auch von hier führte ein seilschaftszimmer (zuweilen auch als ; Seitengang über einige Sprossen zur Haus des Pausa (Grundriss). Speisesaal dienend), genau doppelt so breit als das Tablinum, und gleich tief wie die Breite innerhalb des Peristyls. R. ist das Triclinium (XIII), Speisezimmer, 0 m. lang, 5 m. breit, mit klei- nemSeitenbüffet (XIV); — ander gegenüber liegenden Ecke 1. dieKüche (XV), Nebenstrasse. — Zwischen Küche und Oecus führt ein Gang (XVIII) zum Garten. — E. vom Oecus ist das Tabu- lariuin (XIX) für die Papiere und Kostbarkeiten, dahinter ein kleines Studienkabinet (XX) mit Aussicht auf den noch höher liegenden Garten (XXI). 8. Pompeji (Haus des Pausa). 456 f WM p/m, m ■il# ^sssasis Restanrirte Ansicht vom Innern der Wohnung des Aedilen Pansa in Pompej 457 8. Pompeji (Haus des Sallustius). 458 Vor diesem zog sich in der ganzen Breite des Hauses eine bedeckte Galle- rie (XXII) (Pergula) mit 11 Säulen hin (hier fand man den schönsten Bronzekandelaber des Museums). — Der Garten (Xystus, Viridarium) war in Platebanden angelegt und r. mit einem Wasserreservoir versehen (die Bleiröhren und die Kessel sind jetzt im Museum). — Das obere Geschoss, nach den aufgefundenen Gegenständen das Frauengemach, ist jetzt ganz zerstört. Biegt man nun r. in die Strada con- solare (Regio VI, Ins. III, Via II) ein, so sieht man zuerst r. einen Brunnen mit einem reliefirten Adler; hinter ihm ist eine (Nr. 20) Taverne (Garküche) mit einem Steintrog für die Thongefässe und (hinten) der Mauerstelle für die Glutpfanne. Es folgt r. Nr. 17. ein Laden mit (hinten I.) Schlafstätte, Triclinium mit Fensteröffnung. — R. Nr. 16. eine noch in sechs Sprossen erhalteue Treppe. — Gegenüber, mit der Front die Strassentheilung bildend, tritt man vom (Nr. 1) in ein Thermopol (Garküche), r. mit dem Podium für den Verkauf und dem anstossenden Herd, hinten 1. eine Kammer, in der Mitte ein Raum für die Gäste, r. am Ende eines engen Gangs die Latrina. Die Schlange, welche einst als Schutzgeist der Strasse aussen abgebildet war, gab diesem Haus den Namen der Apotheke. Nun folgt 1. ein Gebäude mit zwei Eingängen Nr. 36 und Nr. 32, wo Treppen (bei Nr. 36 zerstört) zu einem höher a’s die Strasse gelegenen Geschoss führen. Man sieht hier zwei Atrien, beide zu einem Pe- ristyl führend mit geräumigem Garten (wo jetzt r. Agaven wachsen, und ein ♦Prachtblick auf die Küste von Sorrent, das Meer und Capri ergötzt). Bei Nr. 31 schliesst sich eine Taberna an, mit dem Podium für den Verkauf, r. die CisternenöfFnung, hinten zwei Räume für die Gäste. Gegenüber r. Nr. 7. Casa dell’ accade- mia di musica mit tuskischem Atrium, Iin- pluvium, vier Kammern und r. eine Ala mit Bad. Das Tablinum zwischen zwei Fauces; 1. liegt der Oecus, r. die Cella pe- narla mit Küche und (dahinter) Treppe; zu hinterst 1. das Viridarium, r. das Triclinium mit den Resten von zwei Gemälden (Nordwand: Dido; Ostwand: Kassandra); an der Rückwand des Viridars die Nische für das Larar und 1. unten ein kleiner Altar. — Es folgen r. Tabernen, die zum Haus Nr. 3 gehören. — Gegenüber die Archäologische Schule. R. bei Nr. 3 (PI. Nr. 23) tritt man in ein Atrium, das aus einem toskanischen in ein viersäuliges mit Beigabe von vier kräftigen Ziegelpfeilern verwandelt wurde, welche auf dem Rand des Impluviums stehen. Sie scheinen ein Solarium getragen zu haben, zu dem man von der Treppe r. an der Eingangswand aufstieg. Kammern und Tablinum dienten für das Gewerbe der Bäckerei (Panetteria di Pansa), die einen besondern Eingang bei Nr. 27 von 0. hat, wo noch zwei weitere Seiteneingänge sind, bei Nr. 26 für das Lokal, wo man das gebackene Brod ab legte; das andere bei Nr. 28 für die Thiere, welche die Mühlen trieben. Im Rauin des Viridariums sieht man noch die Mahlsteine auf vier Postamenten und die Vorrichtungen für das Backen, den Herd und in der anstossenden Ala den vom Tablinum aus zugänglichen Kornboden. Den Bodenstein der Drehmühlen bildet ein massiver Kegel mit vertikaler eiserner Axe, der Läufer besteht aus zwei mit der Spitze gegen einander gekehrten hohlen Trichtern, ist um die Axe drehbar und lässt das in den obern Trichter geschüttete Getreide allmählich durch; an diesem Läufer war die Deichsel befestigt, an welcher der Esel zog. Es folgt r. nach der Querstrasse ein Laden mit einem Podium, in welches sechs Terrakottengefässe eingelassen sind und an dessen rechten Schenkel ein Herd stösst. An der linken Wand die Nische für die Penaten. Dann folgt bei Nr. 4 der Eintritt (r.) in das sogen. *Haus des Sallustius (C 4, Nr. 22 ; nach einer Inschrift an der Mauer benannt, während eine Bronzeinschrift dasselbe als die Domus A. Goss. Libani bezeichnet), durch Eleganz und bedeutende Wandmalereien berühmt. An der Fa 9 ade mehrere Boutiquen; in der ersten 1. vom Eingang der aufgemauerte Tisch mit den sechs Oeffnungen fiir die Oel- und Oliventöpfe; in der äussersten 1. drei Mühlen. — Durch das breite Prothyron eingetreten, sieht man r. einen Wartesaal; Atrium } Alae und Tablinum sind hoch aufgebaut und durch Reihen verschiedenfarbiger kleiner rechteckiger Felder belebt. — Im 1. Zimmer r. ein hübsches reliefirtes Gesims, korinthische Halbsäulchen und Triglyphen darüber, (Im Atrium fand man am Rand des Impluviums die berühmte Bronze Her -> hules mit dem Hirsch, jetzt in Palermo.) — Hinter dem Tablinum ist anstatt eines Peristyls eine einfache, durch vier Sau-- len gestützte, gegen den Garten offene Gallerie; 1, ein Badezimmer; an de? 459 8 . Pompeji (Haus des Polybius). d60 j linken Seite des erhöhten Gartens ist ein elegantes Sommcr-Triclinium, einst von einer Weinlaube gedeckt und reich bemalt. — Von der rechten Längsseite des Atriums gelangt man durch einen Seitengang, an dessen rechter Wand (Ende) wiederholt das Wort »Nympho- dote« steht (wohl ein Gruss an den Diener , der in der kleinen Cella gegenüber schlief und wahrscheinlich der Hüter der innern Hausabtheilung war), in ein zweites Peristyl an der Südseite, mit acht rothen achteckigen Säulen um ein Gärtchen; die Wände dieses Peristyl s waren reich bemalt; noch sieht man an der rückliegenden Schmalwand in Lebensgrösse ein grosses Fresko: * Aktäon und Artemis; 1. über einer Oeffnung: Europa, und darüber in langem Rechteck eine eigenthümliche Darstellung vor einer daherschreitenden Gestalt auf ein Schiff und an ein Fluss- ufer Fliehender; gegenüber i\: Phrixos. Zu den Seiten der Hauptbilder: Mädchen mitMuscheln, r. Satyr, 1. Bacchantin ; am Sockel schwarze Nereiden auf gelbem Grund. — Im Kabinet 1. neben Aktäon oben: Geflügelte Sirenen. Im Kabinet r. neben Aktäon, Rückwand: Paris und Helena (erloschen); darüber gut erhalten: Mars und Venus. Unten neben Paris: Eroten (fast erloschen). — L. im Beginn der linken Wand: Küche, Treppe, Kloset. Gegenüber von Casa di Sallustio liegt 1. Nr. 19—26 das grosse Haus des Polybius > vorn mit sechs Läden und j?wei Eingängen; der zweite (Nr. 25), etwas erhöht, führt zu einem tuskischen Atrium, mit kleinen Kammern zur Seite; dahinter das Tablinum, neben welchem r. ein Gang ziir Treppe insUntergeschoss führt; der zweite Zugang (bei Nr. 24 und dann r.) führt zu einem Peristyl, von dem noch 14 Säulenstümpfe stehen (hier Prachtblick auf die Sorrentiner Küste), dahinter einige grosse Zimmer mit Aussicht. Nun bei der Strassentheilung 1. an einem Brunnen und einer öffentlichen gewölbten Gisterne vorbei,bei der sich ein Lararium befindet, trifft man r. (Regio VI, Ins. I, Via II, Nr. 18) wieder eine Ta - ; verne (Tab er na FhoebiJ. Dann r. Nr. 14 und lo 5 die sogen. Sei- , ! fenfabrik (PI. 25); es folgt r. Nr. 13. die [ Haut (Dogana; PI. 27), ein grosser Saal ! mit Musivboden, wo man ein Bleigewicht fand; nach Fiorelli ein Kultusgebäude, wo j die Magistri zum Opfer sich versammelten. > Es war vorn mit einem Eisengitter ge- ft schlossen. f Dann r. Nr. 9, 10. das Haus des Chi- ! rurgen (PI. 28), ein Bau von zehr alter Kon- • struktion. Das tuskische Atrium mit Implu- ‘ vium von Nocerastein, seitlich vier Kubikeln und zwei Alen, die linke mit Resten von ' Malerei und Mosaikboden, führt in einen gefensterten Oecus, die rechte in ein ge- \ räumiges Triclinium. .Folgt man aussen an f der Eingangswand desselben dem Gang, so : kommt man zur Küche, zur Latrina, Cella ' penaria, und dem Posticum (Nr. 28). Am j Ende des Ostarms 1. ein Graffito. — Zurück < ins Tablinum tritt man aus diesem ins Yi- ; ridar, an welchem r. ein eleganter gefen- j sterter Oecus liegt, einst mit reichen Ma- j lereien. j Es folgt r. Nr. 6, 7, 8. die Casa delle • Vestali (PI. 29), eine grandiose Wohnung i mit 1. und r. je einem Vestibül (in Pompeji } ein Unicum) zur Seite des Eingangs, beide , einst mit Mosaikboden und hübschen Male- ; reien; im ersten L, an der rechten Wand: , Satyr und Bacchantin, gegenüber: Victoria; l im zweiten r. das enge Bett des Thürhtiters. ) Die Wohnung ist eine aus zwei Häusern < vereinte; das Prothyron des ersten führt in ein tuskisches Atrium, 1. mit Kammer und Triclinium, dem Eingang gegenüber das Tablinum, r. der Oecus, 1. die Fauces, die weiterhin L zur Küche und ihren zuge- ; hörigen Räumen geleitet; dann eine Skia- ; vencella, und eine gefensterte Kammer, wo j das Bett an der Rückwand auf eine Erhöhung gesetzt war; über dem Bett Mars i und Venus; 1. Toilettenscene. Auf das j Tablinum folgt ein kleines Viridar mit Piscina; dahinter ein Oecus mit (r.) einem ! Zimmerehen, an dessen Rückseite eine Cella I anstösst, und 1. daneben ein Raum mit aus- 1 gemauertem Badebecken. I Von da führt 1. ein Gang in das damit , verbiindene zweite Haus, welches aber j einen Zugang von der rückwärtsliegcnden ■ Strasse bei Nr. 25 hat, wo man r. vom ; Eingang noch Epigraphe liest. Der zweite i Raum r. vom Prothyron enthält das Apo- ; dyterium eines häuslichen Bads, dann folgt i das Bad, die Latrine, das Puteal der Ci- S Sterne. Dem Atrium r. gegenüber liegt ( ein geräumiges Triclinium, an dessen Ein- ! gangswand r. aussen ein Recess zu einem , kleinen Oecus führt, und geradeaus zu dem von einer splendiden Portieus umgebenen Garten. Dieser, mit elf Säulen und vier Pi- ' lästern, durch steinerne Brüstung verbunden, hat im Innern ein Blumenbeet, eine Fontäne und Piscina. Die Aussenwände sind gelb bemalt mit rothem Sockel, und 4M 8. Pompeji (Herkulanertlior). 462 einer Kolonnade mit Festons, in deren I Zwischenräumen man an der West- und I Nordwand noch Früchte, Fische, Vögel, in j den Hauptfeldern (halb erloschene) bewaff- ' nete männliche Gestalten und am Sockel Sphinxe und phantastische Thiere sieht. Ein Graffito aussen am gelben untern Theil der dritten Säule derOstseite (rechte Langseite vom Eintritt) lautet: »C. Julium Polybium duumvir infantio rogat«; -wonach also diese Wohnung wohl dem Julius Polybius gehörte, auf den sich viele an den Strassen gemalte Programme beziehen. — R. (östl.) vorn im Peristyl sind zwei Zimmer und ein Oecus, einst mit Marmorboden. — An der Nordseite ist r. eine sehr grosse Exedra und in der Mitte ein elegantes grosses Sacra- rinm mit drei Nischen (mit Muscheln in der Wölbung); 1. zu äusserst ein grosser erhöhter Raum, vorn mit vier Stufen (hor- reumV). Es folgen r. noch eine (Nr 5) Taberne, ein (Nr. 4) Hospitium und ein (Nr. 2) Thermopol. — Zuletzt r. diesseit des Thors einige Schritte in der Höhe, an die Mauer angebaut (Nr. 1), ein Diversorium (mit einem grossen, mit Pergola beschatteten Triclinium). Gegenüber von r. Nr. 5 liegt (1. Nr. 3, 4) ein Thermopol mit (oben) Phallus zwischen den zwei Eingängen. Dann schllesst die Strasse noch mit einem zweiten Thermopol. — Es folgt Das Herkulanertlior (Porto Erco- lanese, B 2) , aus Römerzeit, von Ziegel und Bruchstein erbaut, mit grossem (jetzt offenem) Bogen und zwei kleinen Seitenbögen für die Fussgänger; vom j Fallgitter für das grosse Thor sieht man i nur noch die Falzen. R. vom Thor i kann man auf die Stadtmauer steigen. — Jenseit des Thors gelangt man in die Vorstadt pagus Augustus felix, Wohnsitz der von Augustus hingesandten Militärkolonie. Von allen aus Pompeji in die Umgebung führenden Strassen wurde nur die eine aus dem Herkulaner- thor, mit Vesuvsteinen gepflastert, ausgegraben. Es ist dies die berühmte *GriiberstraSSe (Strada dei Se~ polcri, B2A1), mit ihren Monumenten, mit den heitersten Blicken auf Golf und Berge, durch Herculaneum und Capua mit ihrem Vorbild, der Via Appia Roms, verbunden. Die glanzvollen Gedächtnismale bilden noch jetzt die idealen Wegweiser der antikenZeit. — L., Nr. 1, das Grab des Augustalen M. Cerrinius Bestitutus (PI. 32), eine Sepulkralnische mit zwei Bänken auf einer von den Dekurionen geschenkten Stelle (früher für ein Schilderhaus gehalten). — Gegenüber r., wo der Fussweg sich aussen um das Pomoerium zieht, steht (Nr. 1) ein noch unvollendetes Basament, wahrscheinlich für ein Grabdenkmal. — B., Nr. 2 : Halbkreisbank des Aulus Vejus (PL 33), in der Mitte der Rücklehne mit der Inschrift, dass das Denkmal einem Reclitsduumvir und vom Volk gewählten Militärtribun, auf durch Dekret der Dekurionen geschenktem Platz errichtet wurde; es ist ein grosser steinerner, halbkreisförmiger Sitz (eine Exedra), hinter welcher das Grab war. (»Ueber die Lehne hinaus sieht man das Meer und die untergehende Sonne. Ein herrlicher Platz, des schönen Gedankens werth.« Goethe.) — Es folgt 1., Nr. 3, das Basament und der Kern des Grabmals eines M. Porcius, dem die Dekurionen ein Stück öffentlichen Bodens von 25 QF. zuerkannt hatten. — Gegenüber r., Nr. 2: Das Kenotaph des Titus Terentius Eelix (PL 35 ; Ehrengrabmal) mit der(kopirten) Inschrift: » Dem Aedi- len Tit. Terentius Felix, dem die Bürgerschaft die Begräbnisstelle nebst 2000 Sesterzien schenkte, von seiner Frau Fabia Sabina errichtet«. — L., Nr. 4: * Halbkreisbank und Grabmal der Manila ' (Schola et sepulcrum Mamiae, Pl. 34); ; die Bank schliesst an den Seiten mit Greifentatzen ab und hat an der Rücklehne die einzeilige Inschrift: »Der Mamia, Tochter des P(orcius), öffentlicher Priesterin , ward dieser Begräbnisplatz durch Dekurionendekret gegeben«. Das Grabmal dahinter, einst mit Statuen und korinthischen Säulen geschmückt (jetzt mit einer Cypresse), ist eine kolumbarienartige Cella mit elf Nischen und einem Cippus für die Aschenurne der Priesterin. Innerhalb der das Grab umfassenden Area wurden noch mehrere Personen begraben (durch Cippen bezeichnet). — Gegenüber i\, Nr. 3, 4: Zwei unvollendete Piedestale. — L. zweigt ein Fussweg meerwärts ab. — An der rechten Ecke des Fuss- wegs, gegen die Strasse hin, ein Piede- stal, das laut Inschrift einst die Statue 8. Pompeji (Gräberstrasse). mm mim iH '!■ 'szmiSfSÜer: Bi! HÄ ► -«sr^Is: t&aitess.- Die Gräberstrasse mit dem Herkulanerthor in Pompeji nach ihrer Wiederherstellung. 465 8. Pompeji (Griiberstrasse). 466 des Gemeindevermessers und Tribuns Titus Suedius Clemens trug. Jenseit des abzweigenden Fusswegs folgen 1. die (Nr. 5—15) Reste der sogen. Villa Cicero (PI. 38); sie erhielt den Namen von der Stelle (Cic. Acad. II, 25): »Ich sehe von Bauli aus das Landgut bei Pompeji nicht, und doch liegt kein Hindernis dazwischen, nur die Sehkraft reicht nicht aus«. Sie war gross und reich geschmückt, wurde aber wieder zugeschüttet. R., Nr. 5 : ein Grabmal mit Netzwerk, an der Thürseite mit zwei festonge- schmückten Altären. — Dann r,, Nr. 6, 7: ^Sepolcro delle Ghirlande (PI. 36), mit Guirlanden zwischen den Pilastern des würfelförmigen Grabmals. — R., Nr. 8: Sepolcro del Vaso divetro, ein glänzendes Grabmal aus grossen Quadern; es enthält eine kleine Cella (Thür ostwärts), in welcher die berühmte gläserne Amphore mit der Weinlese gefunden wurde (Museum, S. 268). — R., Nr. 9: *Sedile pubblico coverto, halbkreisförmige offene Nische ; bezeichnet die Grabstätte eines Unbekannten und bot den Spaziergängern einen angenehmen Ruheplatz. Sie ist tiefer als breit, vorn mit bizarr übereinander gestellten Pilastern geschmückt, der Giebel mit Delphinen und zwei Tritonen auf Meerwiddern; im Innern sind die Wände elegant bemalt und eine grosse Muschel ziert die Decke. (S. die Abbildung.) ß., Nr. 10 — 15: Die sogen. Villa delle Colonne a musaico, mit zwei Eingängen; der erste, zwischen vier Läden und mit Pilastern geschmückt, führt in einen Gang mit Malereien (Masken, Landschaften, Fische, Vögel, Architekturen), und eine offene Area, in deren Mitte ein Sacrarium mit vier Mosaiksäulen sich erhob. Am Ende ist eine gedeckte Brunnennische mit Mosaik und Muscheln und kleinerer Nische für den Wasserstrahl. Der zweite Eingang unter der ersten Arkade einer Porticus (die vor einer Reihe von Laden sich hinzieht), führt auch zu einer offenen Area, hinten mit einem dem Herkules geweihten Sacrarium; auf dem Altar das Relief Unter-Italien. I. eines Opfers. — R. von der Area der Pferdestall (mit dem Graffito campani salvete und Namen der Gäste). — L. zwei Treppen, welche ins Obergeschoss führten. R.,Nr. 16—28: Eine ununterbrochene lange Porticus mit kleinen Bögen und dahinter Tabernen. — R., Nr. 29, in der letzten Bottega: Ein Ofen mit Revarber, und im Nebenraum ein zweiter, einst mit Hohlziegelwölbung. — R., Nr. 30 bis 32: Hier wendet sich die Strasse nach r. Auf drei Grabmaler von Sarnostein folgen einige 1873 aufgefundene Gräber, welche älter als die Sullanische Kolonie Hemicj'clium. sind und wohl noch der oskischen Zeit angehören (nach Fiorelli war dies die samnitische Begräbnisstätte). Zur Gräberstrasse zurück, 1., Nr. 16, ein altarförmiges Grab (von Servilia dem Gemahl errichtet), zwischen Cy- pressen; daneben r. ein kleiner mar- mornerjlermencippus, hinten mit Haaren und Hals, nach innen mit der Inschrift: Junoni Tyches Juliae Augustae Vener. — Es folgt 1. das sogen. Nr. 17: Grabmal des Aricius Scaurus (PI. 40), einst mit berühmtem Gladiatoren-Stuckrelief, welches die Kampfspiele der Gladiatorenschar des Festus Ampliatus darstellte, die zu Ehren des bestatteten Scaurus gehalten worden. Jetzt sind nur noch zwei Gruppen auf 16 467 8. Pompeji (Gräberstrasse). 468 dem Fries über der Thür vorhanden: der einem Kämpfer in den Arm fallende Herold und der getroffene Myrmillone. Man schreite die sechs Sprossen vor dem Eingang r. hinan und betrachte das Grab im Innern. Es ist ein Columba- rium, in dessen Mittelpfeiler und Seitenwände 18 Nischen für die Graburnen eingelassen sind. — Hart daneben 1. Nr. 18 : Das runde Grabmal (PI. 42) (sepolcro rotondo), ein stumpfer Cylin- der auf viereckiger Basis innerhalb einer Mauer mit kleinen thürmchenformigen Akroterien, gegen die Strasse mit Reliefs , vorn r. eine Frau, welche das Skelett eines auf einem Steinhaufen liegenden Kindes umwickelt; 1. eine Frau, welche opfert; an den Seiten zwei schwebende Figuren mit Inful und Patera; geht man durch die kleine Thür vier Sprossen _ hinan, um das Grabmal, und dann noch vier Stufen, so sieht man dort den engen Eingang. Gegenüber r., Nr. 34, das *Grab mit der Marmorthür (Sepolcro della porta di marmo,Pl. 45), auf der linken Schmalseite unten mit kleiner hübscher Mar- morthiir. — Es folgt I., Nr. 20, das *Kenotaph des Augustalen Calventius Quictus (PI. 43), in sehr schönem Stil, mit niederer, hinten giebelförmig erhöhter Umfriedung. Unterhalb der Inschrift der von Dekurionen und Volk (ob »munificent« wegen seiner Freigebigkeit) ihm zuerkannte Ehrensessel (bisellium) in Relief; 1. und r. die Bürgerkrone. An der Umfassungsmauer Akroterien mit Stuckreliefs (Victoria, Oedipus und die Sphinx, Theseus). — Daneben 1., Nr. 21: die Grabstätte der Familia Istacidia. — Gegenüber r., Nr. 35: ein Basament, 36: eine ummauerte Area, gewöhnlich als ein Ustri- \ num j Verbrennungsstätte der Leichen, i erklärt. j R., Nr. 37: *Grab des AedilenLibella j (PI. 44) und seines schon im 17. Jahr ! (als Decurio !) gestorbenen Sohns; von dessen Mutter, der Cerespriesterin, gesetzt; aus Travertin in einfach vortrefflichem Stil, der Platz von der Stadt geschenkt. — Diesseit gegenüber, Nr. 22: 1 *Grab der Naevoleja Tyche (PI. 47) in ! Altarförm auf hohem Sockel (im Innern ein 2 m. hohes Co- lumbarium). Auf dem schön verzierten . Marmorcippus steht unter dem Reliefbild der Stifterin: »Naevoleja Tyche, Freigelas- I sene der Julia , für sich und für G. Munatiw » Fau- slus, August aX und Gemeindevorstand, dem die Dekurionen unter Volksbeistimnmng ■ einen Fhrensessel für seine Verdienste delretirten. Dies Monument hat Naevoleja ihren männlichen und weiblichen Freigelassenen und für die des Munatius Faustus bei Lebzeiten errichtet «. . Unter.der Inschrift ist das Todten opfer reliefirt, an den Seiten 1. der Ehrensessel, r. ein Schiff auf dem Meer (Symbol der Lebensfahrt). — An dies Grab grenzt 1., Nr. 23, das Triclinium für die Leichenmahle (PI. 48), rings ummauert, mit einem Altarpiedestal, dem Tisch und den Bänken für die Theil- 1 nehmer der Schlussfeier. Gegenüber r., Nr. 38. Sepulcrum. Genlis Cejae, ein Grab in Piedcstalform, einst mit Statuen geschmückt (jetzt noch mit vier Statuenbruchstücken; hinten r. eine freistehende). — Auf der folgenden Brüstung, r., Nr. 40.: Sepulcrum Sah ii mit kleiner viereckiger Nische; — Nr. 41. Sepulcrum Grati Grabmal des Calventius Quietns in Pompeji. 469 8. Pompeji (Villa des M. Arrins Diomedes). 470 mit ähnlicher einst bemalter Nische, vorn an der Mauer die Inschrift: »N. Velasio Grato, lebte 12 Jahre«. — Nr. 42. Sepulcrum Genlis Arriae (PI. 50) ? am Grab in eingelassenem Rechteck die Inschrift: »M. Arrius T. L. Diomedes sibi suis memoriae magister pag. Aiig. Felic. Suburb«. — Vorn an der Mauer die Inschrift: »Arriae M. F. Diomedes L. sibi suis«; — dann folgen noch zwei Columellae mit Inschrift: »M. Arno Primogeni und Ar- riac M. L. utili«. Diesen Grabinschriften der Familie des Arrius Diomedes hat die gegentiberstehende berühmte Villa ihren (willkürlichen) Namen zu verdanken. Es folgt 1., Nr. 24, die *Yilla des M. Arrius Diomedes (PI. 49). Sie hat drei Stockwerke, die in terrassenförmigen Absätzen an den Abhang des Hügels gebaut sind. Man tritt von der Strasse über eine siebenstufige, marmorne Vortreppe (I), von deren Ueber- dachung noch zwei Säulenstümpfe stehen, sogleich (ein dreieckiges Vor- plätzchen vertritt das Prothyron) in das zweite Geschoss, 1. in ein Peristylium (II), mit 14 unten rothen, oben weissen dorischen Säulen. L. vom Peristyl, an der Eingangswand, ist das Dreieck, welches diese mit der Längswand der Villa gegen die Strasse bildet, von Gemächern für halte und warme Bäder eingenommen. Zuerst ein dreieckiger Korridor mit Dach auf sechs Säulen, von denen noch zwei stehen, 1. in der Ecke Repositorium und Herd; in der Mitte des Raums, einst reich bemalt, liegt das Buptisterium (für kalte Bäder) mit zwei Säulen davor. R. über zwei Sprossen tritt man in das Frigidarium (IV) und jenseit desselben in das Tepidarium (V) mit Fenster; daneben 1. das Cali- darium (VI) mit Badewanne und reliefirter Nische, der Boden auf kurzen Ziegelpfeilern. Der Gang r. zu hinterst führt in das Hypocanstum mit Herd, Tisch und Spuren einer Treppe. Nun in das Peristyl zurück; an seiner südlichen Schmalseite liegen vier Zimmer (VII); durch die Mittelthür gelangt man hier in ein halbkreisförmiges Boudoir; das Ilauptschlafzimmer (VIII) der Villa, mit drei Fenstern; vorn ein Alkoven und ein Toilettentisch. Dem Eingang zum Peristyl gegenüber liegt das Tablinum (IX), r. von diesem ein bemaltes Zimmer ( Ala [X]) und ein Korridor zur Gallerie (XI), an deren Hinterseite zwei bemalte Räume (XII) (Bibliothek und Audienzzimmer?) 1. und r. vom Tablinum sich der Aussicht zuwenden. Vor der Gallerie ist ein grosser Saal ( Oecus [XIII]), r. und 1. von zwei niedrig ummauerten breiten Terrassen (XIV) flankirt. An der rechten Sclimal- wand des Peristyls gelangte man durch die zweite Thür (XV) zu einer Treppe, die in das dritte Geschoss (das Frauengemach) führte. Durch die erste Thür K |X Villa des Diomedes in Pompeji. r. vom Eingang geht mau in das untere Geschoss hinab (zu dem auch von aussen eine Thür r. führt). Man steigt acht Sprossen hinab und kommt dann in einen schmalen gewölbten, abwärts ziehenden Gang (XVII), wo die einzelnen Räume 1. ausgespart sind. Zu unterst r. gelangt man in den Keller (XVIII), wo bei der Eruption 18 Personen mit einem Knaben und einem Kindlein Zuflucht gesucht hatten und zu spät zum Ausgang eilten; man traf sie 1700 JftbrQ später noch mit den Gc- 16 * 471 472 8. Pompeji (Casa delle Amazoni — Casa di Ercole). wandern bedeckt. Den Hausherrn mit zwei Schlüsseln und einen Sklaven mit Kostbarkeiten fand man am Gartenthor. — L., am Ende jenes Ganges, liegt ein Zimmer mit halb erloschenen Malereien. — Dann tritt man in die durch Pfeiler gestützte Porticus des Gartens, auf welche sich Fenster und Thüren der sechs Gemächer des Erdgeschosses unter den Terrassen öffnen. In der Mitte des grossen Gartens (XIX), der 33 m. im Quadrat misst, ist ein Fischbehälter und dahinter noch die sechs Säulen eines Pavillons. Eine Treppe (a) fuhrt auch 1. von der Gallerie in den Garten hinab. Kehrt man nun zum Herkulanerthor zurück und durch die Konsularstrasse bis zum ersten Brunnen und folgt von hier 1. dem Vicolo di Narcisso (Reg. VI, Ins. I, II, Via III), so trifft man hier nach einigen unbedeutenden Wohnungen die (r.) Ar. 14. Casa delle Amazoni (PI. 73), mit noch vorhandenen Malereien; im Zimmer r. vom Prothyron Thiere, im Atrium am Sockel 1. zwei Kampfhähne, im sehr kleinen Tablinum 1. ein Jüngling (Apollo?) mit Köcher; darunter geflügelte Gestalten; an der linken Atriumwand ägyptische Sakralbilder. — L. von der Piscina des Gartens, am Ende des Hauses, Landschaft mit Architektur. — Im sehr schönen Triclinium 1. vom Garten, linke Wand, Mittelbild: Ariadne; gegenüber dem Eingang: Venus; zur Seite 1.: Jüngling zn Pferd; r. Amazone zu Pferd (sie gab dem Haus den Namen); in der obern Reihe schwebende Gestalten und Vögel. Daneben, Nr. 15, das Posticum der Casa delle Danzalrici (PI. 77), mit Haupteingang, Nr. 22, von dem Vicolo di Modesto (s. unten). — Dann r.: Nr. 16. Casa di Narcisso (PI. 74); im toskanischen Atrium oben in kleinen Rechtecken Architekturen und Landschaften. Die bunte Architekturmalerei der linken Wand des Tablinwms noch gut erhalten, ebenso im zweiten Zimmer l. vom Peristyl und der Mosaikboden des Oecus. Am Ende des Vicolo di Narcisso gelangt man an der Mauer r. in den Vicolo di Modesto (Reg. VI, Ins. II, via IV und Reg. VI, Ins. V, via IV). Hier 1., Nr. 8, die *Casa di Nettuno (PI. 75); in seinem toskanischen Atrium schönes Iinpluvium in Marmor, mit Puteal und Tisch. — Im Zimmer 1. vom Prothyron: 1. Diana. Zimmer r. vom Prothyron: r. Theseus und Ariadne; Rückwand: Apollo und Diana; Zwischenfelder: Schwebende Mädchen. — Im Atrium, Eingangs wand r.: Biga der Diana (überaus frisch erhalten); rechte Wand: Neptun (daher der Name) und sehr hübsch erhaltene Dekorationen mit Pfauen und anderen Vögeln. Es folgt r. Nr. 22. Casa delle Danza- trici (PI. 77); im Atrium, das seitlich keine Zimmer hat, r. Bacchus (die Tänzerinnen, die das Haus benannten, sind verschwunden); — im Tablinum (das hierl. angebracht ist) 1. Meleager und Atalante; — im Peristyl dahinter, der noch die Mehrzahl seiner Säulen trägt, 1. eine schöne Larkapelle, r. elegantes Puteal. — Dahinter 1. im Triclinium ausgelöschte Malereien (Perseus und Andromeda); — daneben ein brillant roth bekleidetes Schlafzimmer (mit Thierdarstellungen); dann ein Gang (Posticum) in den Vicolo di Narcisso. Gegenüber 1. Nr. 5. Casa del Granduca Michele di Russia (PI. 76); ohne Tablinum, das Atrium führt direkt zum Peristyl, dessen vier Säulen der rechten Seite halb in die Wand eingelassen sind und die Landschaften derselben einrahmten. Ein schönes bemaltes (Eroten) Architravstück überragt die dorischen Säulen. Im Triclinium 1. vom Oecus: 1. Fische; Rückwand: Kandelaber und Gefässe; r. Fische; dazwischen Landschaften in Medaillon. Dann kommt man zum Vicoletto di Mer- curio (Reg. VI, Ins. V, Via I), folgt ihm 1. und tritt bei Nr. 13 in die Casa di Modesto (PI. 78); im langen Prothyron r. Zugang zur Küche; das Atrium ein Displuviatum (mit aufwärts geneigtem Dach); am Ende r. das Tablinum (zugleich als Triclinium) mit Malereiresten (sehr verdorben: Phryxus ; Rückwand: Der verwundete Adonis; in der Architektur: Jahreszeit). Im Vicoletto di Mercurio 1. weiter, trifft man an der Ostecke der Fullonica-Strasse (1.) die Nr. 6. Casa di Ercole (PI. 79), mit wunderlicher Fa$ade (roth, weiss und gelben Rauten); am Prothyronende unten zwei Hundsköpfe, der Sockel lichtblau; die Dekoration des Atriumsockels dunkel mit Sträu- chern; — das Tablinum mit korinthischen Pilastern eingefasst. — Im Garten ein *La- ra Kinn, unter dessen Aedieula die beiden Laren in gelber, gegürteter Tunica und rotliem Pallium stehen, mit Rhyton und Situla; an den Seitenwänden als Symbole der Schutzgeister zwei Schlangen, die nach einem Altar sich ringeln, auf welchem ein Pinienzapfen und zwei Eier liegen (häufig in Häusern und an Strassen wiederkehrend). — Im Oecus, r. vom Garten, an der rechten Wand: Herkules und Geliebte; Eingangswand: Musen. Geht man längs dem Vicoletto di Mercurio und dann 1. bis ans Ende der Strada di Mercurio (Reg. VI, Ins. VII, IX, Via VI), so trifft man eine Reihe sehenswerther Häuser; zuerst in der Nähe der Stadtmauer 1. das 473 8. Pompeji (Haus des Apollo — Haus des Meleager). 474 Nr. 23. "Haus des Apollo (D 2, Nr. 18)^ Domus A. Herenulei Communis), reich an Malereien. Das Prothyron zwischen zwei Zimmern, an das 1. vom Eingang stösst die Treppe; im Atrium, 1. in der Mitte: Helios (Apollo, welcher dem Haus den Namen gab); das Tablinum mit zwei marmornen Halbpilastern zur Seite des Eingangs und mit trefflich erhaltener Dekoration; 1. Venus, in den Spiegel blickend; Medaillon der Venus; r. Adonis; Medaillon zweier Bacchantinnen, R. vom Tablinum ein Oecus; 1. die Fauces; dahinter das *Viridarium, an dessen linker Wand: Darstellung eines Gartens mit Bäumen, Vögeln, Enten, Schwänen, Pfau und eine Fontäne mit Dianabild. Davor eine Marmorfontäne in Pyramidenform mit Stufen für den Wasserniederfall. Hinter dem Garten das Triclinium; 1. von demselben die Cella penaria; r. die Küche, davor eine Treppe ins Obergeschoss, die Latrine, das Larar mit Larenopfer; neben der Küche ein Raum mit Vor* Iegetisch. — Aus dem Viridar tritt man r. in ein Vestibül, in das sich r. ein gefenstertes Zimmer öffnet. — Auf das Vestibül folgt r. ein Repositorium mit grossem Schrank; 1. zwei Oecus, hübsch bemalt, einst mit Marmorboden und Marmorsockei. — Nun vier Stufen hinab in den Xys tus; in diesem ist 1. eine runde Marmorfontäne und ein auf drei Seiten erhöhter Boden für die Blumen; an der Eingangswand und den zwei Seitenwänden Malereien; r. Blumen und Gräser; am Pfosten des Eingangs Pateren, Stierschädel; an der Eingangswand Delphine, Meerungeheuer, Nymphen. An der Rückwand, die mit Samokalk bekleidet ist, lag das Sommertriclinium, dessen Dach von Marmorsäulen getragen wurde, hinten mit drei Nischen für die Schutzgottheiten des Hauses. — L. vom Triclinium befindet sich eine sehr schöne Exedra, deren Vorderwand eine lebendige Landschaft mit bacchischer Staffage schmückt; an der rechten Längswand ist ein muschelumrahmtes Mosaik: Achill von Odysseus erkannt; im Innern sind hübsche phantastische Architekturen, an der Rückwand: Bacchus auf dem Thron, 1. Apollo mit Scepter und Nimbus , r. Venus in ähnlicher Erscheinung; an den Seitenwänden zwischen Thüren und Säulen zahlreiche, zum Marsyas- mythus gehörige Gestalten (Pallas, Apollo, Olympos, Marsyas u. a.). — Gegenüber gelangt man durch das zweite Prothyron 1. in das Nr. 2. *Haus des Meleager (E 3, Nr. 19), einereiche, elegante Wohnung ohne Boutiquen, mit schön stukkir- ter Fa_... t i'iViT: " ; |.K lla tlifgi gÖgägj i ■' Strasse mit Ilaus und Iialkon (Casa del Balcone xiensile) in Pompeji. 501 502 8. Pompeji (Stalbianei* Thermen). auf Scyrus. Medaillons mit Mädchen. Unter der Atriumhalle fand man das Skelett einer Frau nebst ihren Amuleten. Es folgt nach der sehr zerstörten Domes Mescini Gelonis, mit vier Boutiquen und der engen Q-anea (Winkeltaverne) (Reg. VIII, Ins. IV) r.: Nr 14. *Haus des Cornelius Rufus (PI. 65; 1861 ausgegraben), das bis zur Stabianer Strasse (103 u. 105) sich erstreckt; im Atrium ein prächtiges Im- An der linken Seite der Strada degli Oleom liegen dieser Reihe von Häusern gegenüber (Reg. VIII, Ins. I) 1.: Nr. 8. *Die Stabianer Thermen (PL 63), erst 1853—58 ausgegraben und daher auch »die neuen« genannt, wahrscheinlich aber anderthalb Jahrhundert früher erbaut als die sogen, alten Bäder (Fortuna-Bäder) (S. 444). Das Gebäude ist von drei Strassen umgeben. Man tritt von der Via degli Olconi (an der Strad & di Olconio Die Stabianer Thermen zu Pompeji. pluvium mit zwei löwenköpfigen marmornen Tischfüssen; r. vom Eingang die viereckige Basis eines Larariums, an der Wand angemauert, mit Resten eines Sakralbildes. — Am Antenpfeiler zwischen Tablinum und Triclinium die Marmorherme des 0. Rufus, mit Inschrift. Sie ist zugleich ein Zeuge, wie »harmonisch diese Art der Aufstellung wirkt«. —Im Zimmer 1. vom Tablinum: 1. Paris und Oenone; r. Komödienscene. — 2. Zimmer r. vom Atrium: Attribute des Bacchus. Das sehr schöne Peristyl hat 18 dorische Säulen ohne Basis. Südseite) zwischen Läden in die erste Hauptabtheilung; zunächst in ein gewaltiges Peristyl, die Palästra (I) für jene Gymnastik, welche als Vorbereitung zum Bade diente. Sie ist auf drei Seiten mit Säulenhallen umgeben und 12 m. breit, 19 m. tief. 30 Säulen haben noch meist ihre Kapitalhälse; 1. ragt noch ein grosses bemaltes Wandstück mit stukkirter, überaus heiterer Architektur auf (innerhalb der Ornamente mythologische Figuren). An die von Säulen nicht eingeschlossene linke Seite des Hofs schliesst sich ein Schwimm- 17 * 503 8. Pompeji (Stabianer Thermen). 504 bad (Natatio) (II) an; das viereckige, 14,5 m. lange, 16,5 m. breite und 2 m. tiefe marmorne Bassin lag unter freiem Himmel und -war zum kalten Bad für die Gymnasten bestimmt. R. und 1. ist dieses Schwimmbad von einem bedeckten, aber doch luftigen Gemach flankirt, jedes mit einer Thür nach dem Bad und der Palästra; es waren wahrscheinlich die Vorbereitungszimmer für die Benutzer der Piscina. Der erste Raum 1. (III) diente zur Aufbewahrung der Kleider, wie die eisernen Haken zeigen, welche an drei Wänden zur Befestigung der Schränke angebracht sind. Man sieht darin Nillandschaften, Brunnenmädchen, Satyrn; im Stuck des Bogens Faustkämpfer ; — im zweiten (IV) auch Nillandschaften und Brunnenmädchen. Zwischen Schwimmbad und Palästra zieht sich ein Pflasterstreifen von grauem Tuff hin und diente wahrscheinlich als Ballspielraum (Sphäristerium) (V). Gegen N. schliesseri sich die Badezellen für Einzelne an. Aus der Palästra gelangt man r. in die östliche 11. Hauptabtheilung, die ein doppeltes Bad und zwischen demselben den Hauptofen hat. Man betritt zuerst das Männerbad (zu dem man auch von der Stabianer Strasse eintreten kann), und gelangt sogleich in ein reizendes, gewölbtes und mit eleganten Stuckreliefs dekorirtes Vorzimmer (VI). Aus diesem kommt man 1. durch eine Thür in das runde fünfnischige verzierte Frigida- rium (VII). Vom Vorzimmer geradeaus tritt man durch einen Bogen in das 12 m. lange, 7 m. breite, in drei ungleiche Joche getheilte *Apodyterium (Auskleidezimmer) (VIII). Am Sockel laufen aufgemauerte Bänke herum, über welchen viereckige Nischen ohne Schmuck sich befinden. Von dem Palmettenkarnies darüber erhebt sich ein reich mit trefflichen Stuckreliefs verziertes Gewölbe (mitTrophäen, Satyrn, Nymphen, Eroten, Genien auf Delphinen u. a.). — Nördl. vom Apodyterium ist der Eingang in das rechteckige Tepidarium (IX) (halb zerstört), an dessen rechter Schmalseite der Alveus (S. 446) ist, und auf dessen Boden die kleinen Pfeiler für den Durchlass der warmen Luft (Suspensurae) jetzt blossgelegt sind. — An die nördliche Längsseite lehnt sich das Caldarium (X), dessen Wände hohl sind (für die Cir- kulation der warmen Luft); auf der linken Seite erkennt man noch ein zerstörtes Labrum innerhalb einer Halbkreisnische; r. bei dem heissen Bassin (Calda lavatio) sieht man noch Reste des auf kleinen Pfeilern ruhenden Bodens. — Es folgt der kleine Raum für den Hauptofen (XI). Drei kupferne Kessel standen über dem Ofen, der von dem nördl. anstossenden Gang aus das Brennmaterial erhielt. Von ihm ging die heisse Luft nicht nur in das Männerbad, sondern auch in das Cal- darium und Tepidarium des folgenden zweiten, weniger reich ausgestatteten Frauenbads, das zwei besondere Eingänge von der Strasse her hat. Aus der Via degli Olconi kommt man in die Strada Stabiana zurück. Geht man hier einige Schritte 1., der Längsmauer der Stabianer Thermen nordwärts entlang, so sieht man au der r. einmündenden Querstrasse an der linken Mauer zwei mächtige Schlangen. Man folge dieser Strasse (Vicolo dei Serpenti); liier bei der vierten Thür 1. Eingang in Nr. 16. *Domus D. Pantherae (oder della Principessa Margherita, PI. 123). Im Prothyron lebhafter Farben- sclimuck, in den weissen, braunen und gelben Feldern Blumen, Trinkhörner, Schwan, in den rothen zu beiden Seiten des Ein- tretenden 1.: Hund, der einen Hasen jagt; weiterhin r. eine Katze, eine Gans beissend, 1. ein Lowe, einen Hirsch zerreissend. — Die Wände des Atriums sind roth über schwarzem Sockel, von dem sich Schilfpfian-. zen mit Vögeln in die Höhe ziehen, die Felder theilend, darüber ein weisser Fries mit Blumenornamenten. — An der Rückwand: Pegasus und Belleroplion, welchem der durch Sthenoboia aufgestiftete Proitos sitzend das Täfelchen zum Untergang mitgibt. lt. Herkules (und ein Stück der Hesione). —.Mittelzimmer r. vom Atrium, Eingangswand: Herkules, Hyllos tragend, Dejanira vom Wagen steigend, Nessos, der Kentaur, bietet seine Dienste knieend an. Gegenüber : Abschiednalime des Belleroplion von Sthenoboia. Linke Wand: Amazonenkampf. — Zimmer 1. vom Prothyron: Fussboden mit feinem Mosaik, an den Wänden phantastische Architektur; Eingangswand: Aktäon. Nun bis zur letzten Längsstrasse, lind dieser 1. entlang bis Nr. IS; hier Zimmer 505 8. Pompeji (Isistempel). 506 1. vom Protliyron: Argos, die Io bewachend; — Tablinum: 1. Mars, Venus erwartend; Zimmer 1. daneben, rechte Wand: Frauen mit Thyrsus. — Im Peristyl vorn r. (wo die Treppe nach oben führt): Schlange, See- tliiere, Vögel. — Im Zimmer hinter dem Peristyl, an der linken Wand: Paris mit Venus und Oenone; Rückwand: Galatea. Dann in Nr. 21: Atrium, noch unvollendet; Zimmer r. vom Atrium: Bekleidete Venus mit einem bestraften Amor; Mitte der linken Wand: Achill vor Thetis sich waff- nend; gegenüber: Penelope und der von ihr nicht erkannte Odysseus. — L. vom Tablinum: die Hauskapelle. Im Viridar hübsches Larar mit plastischen Schlangen und Altar. Nun an der Taberna Q. Sallusti Inventi weiter und 1. bei Nr. 21 eintretend, kommt man in einen ehemaligen Stall; in dem hintersten Raum desselben sieht man an der rechten Wand vor der Treppe ein Larenbild; und in der Nische Epona auf einem Esel; Über der Schlange: Mann mit Eseln. Im folgenden Haus, gegenüber der Taberna Cati Scithi, ist 1. Nr. 26. jenseit des Prothyrons, 1. ein grosses Larar. In die Via Stabiana zurück und hier südwärts zu den Stabianer Thermen; dann beim Wasserleitungspfeiler (neben der Fa^ade der Thermen) 1. der Querstrasse entlang, tritt man bei Nr. 20 in die *Pomus Epidi Ruft (oder Casa dei Diadumeni, PI. 10(5); vor der Fatjade eine Erhöhung Über dem Trottoir, daher auf Stufen ins Protliyron; das prächtige korinthische Atrium ist lßsäulig, 17,50 m. lang, 12 m. breit. Die Ala r. und 1. mit je 2 Säulen. — Im Zimmer r. vom Protliyron: Zwei eingeralimte Fenster nach aussen. — In der rechten Ala Lararium mit Inschrift: Dem Genius unseres Markus und den Laren die zwei Diadumeni, Freigelassene. — Im Zimmer r. vom Tablinum (mit Vcnstcv auf den Garten), Eingangswand: Apoll und Marsyas; rechte Wand: Venus, Amor und Hesperus; Fensterwand: Apollo. Dazu fünf Musen. — L. am Garten dahinter die gewölbte Küche. — Das Haus daneben: Nr. 22. Casa de’J Parnasso (PI. 107), hat im Atrium r. an der Eingangswand ein als Stucktompelclien gebildetes, sehr schönes Larar; das neunsäulige Peristyl ist um einige Stufen erhöht; — im grossen Tri- clinium hinter dem Peristyl, Rückwand: Der Parnass mit Apollo und den Musen ; 1. Diana und Aktäon; die Brustbilder von Bacchus und Ariadne. — Im Durchgang zum II. (auch neunsäuligen) Peristyl: 1. Herkules, Vulkan und Venus. Zurück zur Via Stabiana und südwärts gegen das Stabianer Thor hin Nr. 5. t'asa Popidius Secundus (Augu- stianius) oder del Citarüta (PI, 108) (1853 bis 1871 ausgegraben). An der Front liegen drei Läden, zwei derselben standen zuerst mit dem Tnnern in Verbindung und sind dann durch neue Scheidemauern von ihm getrennt worden. Die sehr grosse Wohnung (eine der grössten in Pompeji) hat drei Peri- style; das mittlere Peristyl, etwas 1. (nord- östl.) vom Atrium, mit 18 Säulen. — Im 1. Zimmer 1. hinter diesem Peristyl (Tri- clinium) : grosser Mosaikboden; im kleinen Zimmer r. daneben: r. Leda (Nemesis); Rückwand: Venus und Mars. — Im folgenden grossen Zimmer 1.: Paris’ Urtheil und Genius mit Guirlanden. Im 2. Zimmer dahinter, Rückwand: Apoll, r. musikalischer Wettstreit. — Das Peristyl des rechten Hausflügels, mit 20 Säulen, umfasst einen Garten; zwei Thüren und sechs Fenster öffnen sich von dem ersten auf dieses zweite Peristyl. — Zuin Peristyl des linken Haus- flügels (der auch als besonderes Haus des Mosaikcompluviums gilt) steigt man auf 10 Sprossen empor; es hat 12 Säulen, kleine Wandmalereien (Vögel, Architektur, Landschaften), die Felder sind abwechselnd roth und gelb; im Mittelzimmer auf der Ostseitc (verdorben): Adonis, Aegis. Daneben 1. eine queranstossen.de Seiten- wolmung mit Eingang von Via C. dell Aquila. An der Stabianer Strasse 7 schräg gegenüber dem Popidiusliaus, 1. am Eingang der Strada del Tempio ä'-Iside, liegt r. (Reg. VIII, Ins. VIII, Via II u. Reg, VIII, Ins. IV, Via II): Kr. 25. Der * Tempel des Aeshulap und der Hygieia '(Gesundheitstempel) ; er ist der kleinste Tempel Pompeji’s, die ge- ' sammte Grundfläche ist nur 21 m. lang j und 7 m. breit. Durch eine zweisäulige, ■ jetzt zerstörte Halle tritt man in den ; schmalen Tempelhof, in welchem vor ■ der Tempeltreppe ein schöner, dem Sci- I pionensarg im Vatikan ähnlicher Altar | aus Tuff mit Triglyphen und Voluten ■' steht. Neun Stufen führen zur ehemaligen sechssäuligen Vorhalle und zur Tempelcella. Auf einem Podium standen . in Terracotta die beiden Gesundheits- gottheiten und zwischen ihnen eine Rüste der Minerva medica. — Es folgt in der Strada del tempio d’Jside 1.: Nr. 28. Der *Isi 8 t 6111 pel (PI. G 9, Nr. 66). Der Isisdienst hatte sich als neue Religion sehr schnell von Alexandria über das Mittelmeer verbreitet; Isis war namentlich eine Göttin der Frauen und der Schifffahrt, und der neben ihr verehrte Sarapis (s. Pozzuoli) ein Heilgott. Die grosse Göttin wurde von den Frauen in der ganzen römischen Welt als die Gnadenreiche, als Heil- uud Schutzgöttin am inbrünstigsten angerufen, und ihr Dienst, in Pompeji wohl viel früher als in Rom, war zur Zeit des Ausbruchs des Vesuvs in vollster Blüte. Der Gottesdienst bestand in täglichem zweimali- 508 507 8. Pompeji (Curia Isiäca gen Gebet und Cbor, man besprengte sich 1 mit dem Weihwasser des Nils und fastete nach Vorschrift: Opfer und Bezahlung unterstützten bei Vergehen die Fürbitte. Anfangs November war die Hauptprocession, die Geschichte der Göttin wurde in Trauer und Freude aufgeführt. Daneben gab es be- sodere Weihen; die Geweihten hatten geschorenes Haupt und trugen linnene Kittel; die Einweihungen durchliefen besondere Grade durch allerlei symbolische Schrecknisse der Finsternis und des Todes zum Licht und zur Verklärung. Danach richtete sich auch der Tempelbau. Bei dem Erdbeben 63 n. Chr. stürzte dieser Tempel ein, und laut (der kopirten) Inschrift über der Seitenthür liess ihn der sechsjährige Nonnius Popidius Celsinus auf seine Kosten wieder aufbauen, worauf ihn die Dekurionen gratis in ihr Kollegium aufnahmen. Der Tempel, ein mit sehr hartem Stuck in rechteckigen Feldern bekleideter Ziegelbau, ist einer der vollständigst erhaltenen Pompeji’s, 30 m. lang und 18,50 m. breit. Man betritt zunächst den Tempelhof, dessen vier Seiten von 22 unten rothen, oben weissen dorischen Säulen mit stukkirten Tuffkapi- tälen umgeben sind. Zwischen den Säulen sind fünf Altäre. Der nordwestliche Eingang in der linken Ecke läuft allein parallel mit einer Strasse; hier waren zwei Weihwasserbecken aufgestellt (jetzt im Museum). In der Mitte der linken Wand der Halle ist eine Iiarpohrates- nische, in welcher dessen Bild gemalt war. (Gegenüber war die hübsche Isisstatue, jetzt im Museum.) Mitten im Hof steht das über acht Stufen erhöhte Icleirte Tempelhaics; es bildet eine rechteckige, 5 m. breite Vertiefung, die durch Pforten geschlossen war. Hinten ist seine ganze Breite durch einen hohlen gewölbten Unterbau eingenommen, unten mit zwei kleinen Thiiren (wahrscheinlich für die Dekorationen, schwerlich für die Orakel). L. konnte man auf einer engen Treppe unter den Altar gelangen. Ueber dem Altar ist das Piedestal für die Isisstatue. Aussen r. und 1. sindzweiNisehen (mit korinthischen Pilastern) für Statuen (Osiris undHorus); vor der linken Nische ein Gabenaltar. In der Nische aussen, an der Rückwand der Cella, stand eine von Popidius Ampliatus gestiftete, theilweise vergoldete und bemalte Bacchusstatue. L. vorn im Peristyl steht ein mit Stuck- — Forum trianguläre). reliefs reich verziertes Tempelhäuschen, das sogen. Purgatprium, mit einer Treppe zu dem heiligen unterirdischen Brunnen, wo die religiösen Reinigungen vorgenommen wurden (der Brunnen diente für den Sarnokanal Fontana’s). — Neben der Thür zum Purgatorium steht der Hauptaltar für die Brandopfer mit Erhöhung für den Priester. — An die nordwestliche Ecke des Tempelhofs stossen die Priesterwohnungen (Küche und Refektorium), an die östliche ein grosser Saal hinter dem Sanctuarium, in den man durch fünf Arkaden eintritt, wohl der Mysteriensaal, denn seine Malereien (jetzt im Museum) beziehen sich alle auf den Kultus. Daneben 1. ein Verbindungsgang mit dem Theater. — Hinter der Isistempelstrasse, der grossen Mauer entlang, kommt man bei Nr. 29 in die sogen. Curia Isiaca (PI. 67), ein rechteckiger Hof, 24 m. lang und 17 m. breit, in welchem eine offene Fläche auf drei Seiten von einer Kolonnade von 20 dorischen, theilweise noch trefflich erhaltenen Säulen umgeben ist. Die Säulen haben einen untern Durchmesser von 0,38 m., die Interkolumnien betragen an den Schmalseiten 2 m., an den Langseiten 2^4 m. Die vierte Seite stÖsst an den Mysteriensaal des Isistempels. Hinter der gegenüberstehenden Seite sind einige Zimmer, die ein zweites Geschoss trugen, und zu äusserst ein Ausgangzum Theater. Die Säule r. vom Eingang ist als Brunnen durchbohrt; ihr gegenüber (vor dem hintern dritten Zwischensäulenraum) ist ein 2 m. hohes Piedestal ( Tribunal) mit dahinter angebrachter Treppe. Eine an der Innenwand dieses Baues gefundene samnitische Inschrift berichtet, dass Vibius Adiranus in seinem Testament Pompeji eine Summe vermachte, die laut Dekret des pompejanischen Senats zum Bau dieses öffentlichen Saals verwendet wurde, unter der Quästur des Vibius Vicinus, der den Bau leitete. — Jenseit dieses Saals liegt das *Fornin trianguläre (G 9), welches man durch eine propyläenartige, schöne ionische Vorhalle betritt. Sechs ionische Säulen (fast 6 m. hoch) und zwei 509 510 8. Pompeji (Altgriecliischei DreivieHelsäulen, welche im Profil an die Antenpfosten angebaut sind, sämmt- lich ans Basalt, mit je vier Voluten, nehmen einen trapezförmigen Raum, 16,50m. breit und 4,50 m. lang, ein. Jenseit der Halle führen zwei Eingänge in der Mauerumfriedung zu diesem Forum (das noch fünf andere Eingänge hat). — R. durch Nr. 3 gelangt man unmittelbar in eine dorische Säulengallerie, die vorn nur sechs Säulen, an den zwei nach aussen abspringenden Längsseiten aber zusammen 94 Säulen hatte, die den fast dreieckigen hochgelegenen Platz seitlich begrenzten. Die grössere Seite (108 m.) ragt westl. über dem grossen Theater und der Gladiatorenkaserne auf, mit welcher sie r. durch eine grosse Treppe und 1. durch zwei kleinere Eingänge zu den oberen Stufen des Theaters in Verbindung stand. Die dritte Seite Öffnet sich frei auf die herrliche Aussicht. Gegen diese grössere Schmalseite des Forums hin dehnen sich die geringen Reste eines *altgriecliisclien Tempels fPI. 69) aus, der, nach denUeberbleibseln zu urtheilen, wohl schon im Anfang des 6. Jahrh. v. Ohr. erbaut wurde. Als altdorischen Tempel hat man ihn dem Herakles zugewiesen. Gegenwärtig sieht man noch die fünf Stufen seines rechteckigen Unterbaues (31 m. lang und 20,50 m. breit). An der Südostseite zwei dicke dorische Sänlenstümpfe von Peperin, auf dem Stylobat vier dorische Kapitale aus dem Kalktuff des Samo (in der Form denen von Pästum ähnlich); Fragmente von der Cella-Umfassung und die runde Basis für das Kultusbild. Der Tempel hatte vorn je acht Säulen, an den Seiten je elf Halbsäulen. Vor seiner neun- spr ossigen Treppe, welche (gegen die Landstrasse hin) die fünf Stufen unterbricht, ist ein gemauerter Raum für die Opferasche, zur Seite drei Altäre für die verschiedenen Opferweisen und dahinter 1. Nr. 32 ein *Bidental 9 die geheiligte Stätte, in welche der Blitz geschlagen hatte, durch das Opfer eines zweijährigen Schafs (Bidens) geweiht, in Form einer Bruimenmündung ummauert, hier von einem kleinen offenen Rundtempel (von Tempel — Grosses Theater). kaum 4 m. Durchmesser) mit acht dorischen Tuffsäulen umgeben. R. von der nördlichen Schmalseite des Tempels wendet sich ein halbrunder Sitz, r. mit einem Löwenfuss (in der Mitte der Lehne auch Reste von Löwenfüssen) , einst an der Lehne mit einer Sonnenuhr, der unbeschreiblich schönen Aussicht auf die Berge über Castellamare aufVico, Sorrent, Capri und den Golf von Neapel zu. An das Forum trianguläre stosst das ^Grosse Theater (Pi. G 9, Nr. 70); es gehört zu den besterhaltenen des Alterthums und wurde unter Augustus von dein Architekten M. Artorius Primus auf Kosten zweier Glieder der Familie Ilolconius (der Brüder M. Rufus und M. Celer) erbaut. Es lehnt sich nach griechischer Bauweise mit seinen Sitzreihen an den Abhang des Hügels an, so dass nur die vier obersten Sitzreihen auf einem gewölbten Korridor aufliegen und in derselben Ebene mit den anderen Gebäuden liegen. Von der Strasse her tritt man daher in die zwei obersten Galle- rien ein. Zwei seitliche grosse Eingänge unter gewölbten Korridoren befinden sich in der Tiefe zu den Seiten der Scene. Jeder dieser Korridore hatte einen gewölbten Seitengang, der unter den Sitzen verlief und auf sechs Stufen zur Höhe des ersten Halbkreisabsatzes (Prae- cinctio) und zum zweiten (Media CaveaJ führte. Eine Treppe östl. hinter dem Halbkreis geleitete direkt zu den höchsten Sitzen. — Der Zuschauerraum (Oavea) ist hier hufeisenförmig, hat 68 m. Durchmesser, konnte 5000 Personen fassen und nach kampaniselier Sitte durch ein an Masten aufgezogenes Zeltdach überdeckt werden. Die unterste Cavea hat vier Stufen, auf denen sich die Ehrensessel der Duumvirn, Dekurionen und Augustalen erhoben; die mittlere hat 20 Sitzreihen (unten in der Mitte stand die Statue eines Donatoren Ilolconius Rufus; die Spuren der Inschrift sind noch sichtbar); hier sass die Bürgerschaft; die oberste bot der Plebs vier Sitzreihen. Sechs Treppen theilten den Znsclmuer- ; raum in sieben Keile (Gunei) ; überall 511 8. Pompeji (Kleines Theater). 512 ist reichlich für die entsprechenden Aus- gangsthtiren gesorgt; die Sitze waren mit (jetzt fehlendem) parischem Marmor belegt, das Theater aus Tuff gebaut. — Die *Bühne, 33 m. breit und nur 6,50 m. tief, erhebt sich 1,50 m. über den Boden der Orchestra (d. h. den Zwischenplatz zwischen Bühne und unterstem Sitzkreis). Die hinter der Bühne sich erhebende Wand zeigt noch die drei Thii- ren, durch welche der Schauspieler zur schieben des Vorhangs dienenden Behälter deutet noch die Oeffnung im Boden an, in welchen in Zwischenräumen von einigen Schritten zur Aufnahme der Vorhangsträger Löcher eingemauert sind. Noch sieht man vorn als Zwischenwand, zwischen Orchestra und Bühne, die Brüstung einer halbkreisförmigen und von sechs viereckigen Nischen. In den zwei grossen rechteckigen Nischen zwischen den drei Thüren der Bühne standen die Statuen »Nero’s und Agrippina's. — Ins Postscenium hinter der Bühne zogen sich die Schauspieler zurück. Das Theater war beim Ausbruch der Katastrophe noch in Restauration begriffen. — Hinter dem Theater, 1. vom Forum trianguläre, steht ein viereckiges Wasserreservoir (für den Staubregen an heissen Tagen). Hinter der Bühne gelangt man 1. in das ^Kleine Theater (Pl. 9, Nr. 71), auch das Odeon genannt , nach der Stelle Vitruvs: »das Odeon liegt den aus dem Theater Her- Bühne vortrat; einst war diese zwei-| ausgehenden zur Linken«, für ca. 1500 geschossige Wand mit architektonischen Personen, diente wohl für die Lustspiele Bühne Orchestra Das grosse Theater zu Pompeji. Dekorationen reich geschmückt. Man sieht auch noch die kleine fünfstufige Treppe, welche die Verbindung zwischen Bühne und Orchestra, zwischen Schauspieler und Chor vermittelte. — Das Pro- scenium, die eigentliche Bühne, war wohl eine in die Orchestra hinausgebaute hölzerne Estrade. Sehr wahrscheinlich war die Bühne oben durch einen hölzernen Fehlboden zugedeckt (wo die Blitze, Donner und Flugmaschinen aufgestellt waren); den für das Hinauf- und Hinab- des Plautus und Terenz, die Atellanen mit dem antiken Hanswurst (Maccus), Pantomimen und Schnurren. Einst ruhte ein Dach von Holzkonstruktion mittels Säulen, zwischen denen das Licht einfiel, auf der viereckigen Tuffmauer. Laut Inschrift an derWand, welche es vom grossen Theater scheidet, haben die Duumviri C. Quinctius Valgus und M. Poreius das »Theatrum tectum« zufolge Dekurionen- beschluss erbauen lassen. — Auch hier liegen nur die obersten Sitze in derselben Das kleine Theater in Pompeji. Pompeji (Kleines Theater) 515 516 8. Pompeji (Gladiatorenkaserne — Amphitheater). Flucht mit den übrigen Gebäuden; die unteren dagegen sind an die Hügelwand angebaut. Die seitlichen Vomitorien fehlen und man tritt durch hohe Thore sogleich in die Orchestra ein, wo man den ganzen Zuschauerraum und die Bühne zugleich übersieht. Die Einrichtung ist wie beim grossen Theater, nur ist die halbkreisförmige Cavea durch die (wegen des Daches) gerade Längswand seitlich beschränkt. R. und 1. an der Marmorbrüstung, welche den zweiten Rang vom ersten abgrenzt, sind noch die LÖwenfüsse als Abschluss erhalten und die Seiten wand wird durch je einen knieenden Atlanten abgeschlossen. Die zwei Vorplätze (Tribunalia) über den Thoren zur Orchestra scheinen die Logen der obersten' Priesterinnen gewesen zu sein. Die Sitzstufen sind hier von einer peperinartigen grauen Tuffmasse (man legte Polster oder die Toga darauf) und hinten flach vertieft für die Fasse der oberwärts Sitzenden. Die marmorbelegte Orchestra ist laut einer Bronzeinschrift von dem Duumvir M. <%ulcitius Verus errichtet worden. — Die Rückwand der Bühne ist von fünf Thüren durchbrochen, zwei zu den Proscenium- logen der Priesterinnen und drei für die Schauspieler. Die Bühne wurde von zwei grossen Seitenfenstern erleuchtet, und hinter der Bühne befindet sich ein ebenfalls seitlich beleuchtetes Garderobezimmer für die Schauspieler. Die Wände zeigen noch den antiken Netzbau. Hinter der Bühne befindet sich zwischen dem grossen Theater und der Stadtmauer die sogen. (xladiatoreiikaserne (Pl. 72), zu welcher vom Forum trianguläre eine 36stufige Treppe als einziger Zugang hinabführt. Es ist ein grosser, offener Hof, 47 m. lang, 35 m. breit, von 74 dorischen, unten roth, oben abwechselnd roth und gelb bemalten stukkirten Säulen umgeben, die jetzt einen Fruchtgarten umschliessen. Auch die Wände sind abwechselnd roth und gelb. Hinter diesen Säulengängen liegen 66 theilweise zerstörte Zellen von ca. 4 m. Grösse, theilweise in zweistöckigen Reihen übereinander. Oestl. eine grosse Küche und über einer Treppe grössere Räumlichkeiten; neben der Treppe ein Gefängnis, in welchem man ein Fusseisen für 10 Delinquenten fand (drei Skelette staken noch mit ihren Beinen in der Maschine). Auf Säulen (z. B. der neunten) undWän- den noch einige Graffiti. Geht man hinter dem kleinen Theater zur Via Stabiana zurück und hier nordwärts bis zur dritten Querstrasse, so führt diese r. zu einer Rampe; dieselbe hinansteigend, kommt man an einem Schilderhaus vorbei zum Fussweg nach dem 7 Min. nordöstl. abliegenden ^Amphitheater j einem der lehrreichsten Beispiele dieser Stätten der Gladiatorenspiele und Thierhetzen. Es zieht sich eiförmig von N. nach S. hin. Sein grösster Durchmesser ist 136, sein kleinster 104 m.; die äusseren Mauern ragen nicht wie beim Kolosseum in Rom hoch empor, sondern umgeben mit je 40 Arkaden eine in die Erde vertiefte Arena (68 m. lang, 36 m. breit). Aussen sieht man den unbedeckten Umgang, zu welchem zwei Doppeltreppen für die Zuschauer des dritten Ranges hinaufgeleiten. Der ganze Bau ruht auf einer äusserst soliden Kryptoporticus. Von den zwei (abwärts geneigten) Haupteingängen führt nur der nördliche direkt ins Innere; man sieht in diesem grandiosen Korridor, der mit Vesuvlava gepflastert ist, gleich im Eingang r. und 1. zwei Nischen, in denen laut Inschrift zwei Statuen von Magistraten standen. — Die Zuschauerplätze steigen in 34 Kreisen, deren Sitze von vulkanischem Tuff sind, empor und bilden vier Rangordnungen, von welchen je die obere die weniger angesehene war. Zu unterst sassen (erhöht über der Brüstungsmauer des Kampfplatzes) in vier Reihen die Magistrate und Priester; ihre Plätze waren durch Treppen und Eingänge in 18 Bögen eingetheilt. Neben den zwei Haupteingängen führten noch vier eigene gewölbte Gänge in diesen 1. Rang, iu den man auf fünfstufigen Treppen gelangte, die in dem ringsumlaufenden Korridor angebracht sind, welcher nahe Das Amphitheater in Pompeji 8. Pompeji (Amphitheater). V% {'] ll-i' Jii mfiäp. WaSpiP';^^» fiw&it 1 $t" sSSSH) lii®@ ii » i ^llifl ,i Mitel ii;! „i.'A. _ .....: tw/Arf faw AvJmäti i mm umTs# üSAV^v.-i 519 9. Herculaneum und die Favorita. 520 an der Arena die Haupteingänge durch- schneidet. — Im 2. Rang sassen die Kaufleute und das Militär in zwölf übereinander liegenden Sitzkreisen, die von 20 Treppen keilförmig durchbrochen waren; zehnstufige Treppen, die zwischen denTreppen des ersten Rangesaufsteigen, führen hierher. — Der 3. Rang, für das übrige Volk bestimmt (aber nur für die Männer), hat 18 Sitzreihen, von 40 Treppen durchschnitten. Seine 40 Aus- gangsthore (Vomitorien) durchbrech en den breiten Umgang, zu dem man auf jenen zwei Doppeltreppen gelangt. — Zu oberst ist die Gallerie für die Frauen, überdeckt und mit besonderem bedeckten Zugang. Noch sieht man an der Mauer die Spuren, dass auch die Männerplätze mit Tüchern überspannt werden konnten. Der gesammte Zusehauerraum (Cavea) zählt 97 Vomitorien und hatte für ca. 20,000 Personen Platz, da auch die Nachbarstädte an den Spielen theilnahmen. In die Arena (den Kampfplatz im Mittelraum) münden zwei einander gegenüberliegende Thorbögen, deren zuleitende Gänge mit den zwei Haupteingängen ins Theater zusammenfallen. Die gerüsteten Gladiatorenscharen hielten ihren Einzug durch diese Pforten , neben welchen zwei kleine viereckige, vergitterte Räume für die harrenden Bestien angebracht sind. Durch den dritten schmalen Eingang in die Arena, zwischen den zwei Haupteingängen in der Mitte, wurden die todten Menschen und Thiere längs eines engen, langen Ganges hinausgeschleift ; der runde Raum r. hinter der Mündung dieses Ganges ist das Spo- liatorium, wo man die todten Gladiatoren auszog. Die2,5m.hoheUmfassungs- mauer, welche die Arena von den Sitzen des ersten Ranges trennt, war bei dev Ausgrabung mit schönen Malereien (Palmenvertheilung an die Gladiatoren, kämpfende Thiere u. a.) bedeckt, die aber an der Luft abgeblättert sind. Bio Cousins (66, 23) berichtet, die Verschüttung habe stattgefunden, während eben das Volk im Amphitheater sass; doch fand man nur wenige menschliche Skelette, dagegen die Gerippe von acht Löwen; die treffliche .Einrichtung der Ausgänge sowie die Nähe des Nucera- und Sarnusthors erleichterten die Flucht. (Henzen hat wegen der eigenthümlichen Formen der Inschrift des Amphitheaters dasselbe den ersten Zeiten der Sullanischen Kolonisation zugewiesen.) Das Haus der Julia Felix, nord- westl. vom Amphitheater, 1756 ausgegraben , ist wieder zugeworfen worden. Man fand in dieser reich dekorirten Villa eine Menge ausgezeichneter Kunstgegenstände. Westwärts vom Amphitheater sind vier moderne Brunnenhäuser der wieder aufgegrabenen Zuleitung des Samo ge- folgt. 9. Herculaneum und die Favorita. Siehe die Karte S. 374. Nach Herculaneum, über welches die volkreichen Ortschaften Portici und Retina hingebaut sind und dessen ausgegrabene Theile unter letzterem Ort liegen, fährt man entweder mit der Eisenbahn bis (8 Kil.) Portici und dann zu Fuss nach Resina bis zum Eingang ins Herkulaner-Thcater. 13 Züge; in 1 k St. bis Portici, für I. 95, II. 65, III. 40 C. (sowohl die Züge nach Salerno als auch die nach Castel- lamare halten bei Stat. Portici); — von der Station zu Fuss zuerst r. (5 Min.), dann 1. nach Resina hinan (5 Min.), und nun wieder r. der langen Hauptstrasse entlang, an der Ofßcin t delle Guide vorbei (5 Min.) zur Inschrift. Oder mit Wagen von Neapel nach Resina-. Droschke 2 Fr. (Taxe); — Omnibus fahren alle Vs St. vom Largo S. Ferdinando bis Portici (SU C.; bei Licht 40 C.). Vom Halteplatz in Portici bis zum Bogen der Villa Reale, wo Resina beginnt, zu Fuss in 4 Min. An der Hauptstrasse 1. Nr. 90 (eigentlich Nr. 38) ist die »Ofßcina delle Guide del Vestivio«. Am Ende dieser Strasse r., gegenüber S. Caterina, Nr. 111, ist der Eingang zu den » Scavi di Frcolano«. Beim Eingang I. erhält man die Einlasskarte (2 Fr.) und einen Führer, die aber, da es deren nur vier gibt, die Besucher oft zu ungehöriger Eile treiben. Man lasse sich dadurch nicht beeinflussen, da die Länge des Besuchs eine beliebige ist. Sonn- 521 !). Herculaneum. 522 tags ist der Eintritt frei. — Auf dem Ein- gangstisch liegen Kataloge von 1870 (a J Fr.) in französischer and italienischer Sprache. Man steigt auf schöner Marmortreppe ins IMtergeschoss, und erhält dort (r.) Kerzen zur Besichtigung der Theaters. — Nach derselben tritt man von ebenda ins l ? reie, folgt 2 Min. lang dem J7eo di Mare und tritt dann 1. zu den Ausgrabungen der Häuser ein. Der Besuch von Herculaneum lässt sich auch leicht mit der Besteigung des Vesuvs vereinigen, beim Hin- oder Rückweg über Resina. — Von Pompeji nach Portici fahren tägl. 5 Züge in 40 Min. Man sollte zum bessern Verständnis Herculaneum erst nach Pompeji besuchen I Herculaneum liegt unter einer Decke, zu welcher noch mehr als 20 Ausbrüche nach der Zerstörungseruption beitrugen, in solcher Tiefe (12 — 30 m.) unter Portici und Kesina, dass man nur wie in einem Bergbau durch Anlegung unterirdischer Gänge zu einzelnen Räumen Vordringen konnte. Aschenmassen, durch Wasser fortgeführt, Bimsstein und andere vulkanische Produkte hatten die Gebäude angefüllt und überdeckt, und auf diese Decke strömte noch flüssige, glühende Lava, die durch den Druck zu einer festen Tuffmasse sich versteinerte, welche nun Wände, Säulen und Gerätlie ein- schliesst, -wodurch freilich die Stuckflächen in ihrer Frische erhalten blieben. Aber diese Lava stürzt beim Graben ein, trägt sich nicht selbst wie der Katakombentuff, daher können nur schmale Stellen ausgehauen werden. Kur an einigen vom Vesuv weiter entlegenen Stellen in der Nahe des Meers sind die aufgelagerten Schichten weniger dick; hier hat die Ausgrabung aufs neue begonnen. Herculaneum wurde schon im Anfang des 18. Jahrh. aufgefunden, als der General Emannel, Fürst von Elboeuf aus Lothringen, zu Portici hinter S. Pietro von Alcantara ein. Kasino baute und 1713 beim Graben eines Brunnens auf Marmorplatten von Rosso, Giallo antico, Fior di persico, Ala- bastro fiorito und auf eine grosse Halle mit Nischen stiess, wo er eine Anzahl von trefflichen Statuen fand, mit denen er seine Terrasse und Treppen schmückte. Drei weibliche Figuren schickte er an Prinz Eugen nach Wien, von wo sie durch Verkauf nach Dresden (Japanisches Palais) kamen, wo sie schon Winckelmann sah. Da aber dem Prinzen die Fortsetzung seiner Nachgrabungen untersagt wurde, so erfolgten geregelte Ausgrabungen erst 1736 unter Karl III.; der Archäolog Marcello Venuti hatte ein Architravstück mit den Buchstaben Th (eatrum) aufgefunden, liess sich in Gegenwart des Königs an einem Strick in den Brunnen hinab und sah beim Fackellicht Stufen im Halbkreis. Dann kam die Inschrift des Theatergründers zum Vorschein , Basiliken, Privathäuser, Münzen, welche keinen Zweifel über die Wiederauffindung Herculaneums Hessen. Aber das Suchen nach Kunstschätzen und Sorglosigkeit (Winckelmann sagt, der Leiter der Ausgrabungen habe mit den Alterthümern so wenig zu tlmn gehabt, als der Mond mit den Krebsen) verhinderten jede systematische Ausgrabung (so z. B. wurde das prächtige Bronzepferd im Museum zu Neapel noch vollständig, aber in Bruchstücken gefunden; man brachte die Stücke in den königlichen Palast, und hier verschwanden einige derselben und andere wurden zu zwei lleliefbildnissen des Königs und der Königin umgegossen. Erst dem Schweizer Ingenieur Weber, sagt Winckelmann, sind alle guten Anstalten, die nachher gemacht wurden, zu danken: er machte einen Grundriss aller Gänge und entdeckten Gebäude nach allen Arten von Ausmessungen. Die Franzosen Cochin und Bellicard entwarfen später einen Plan der weitern Oertliclikeit, des Forums, der Basilika, der Tempel, die wieder zugeschüttet sind; 14 Jahre nachher (17fv2) stiess ostwärts ein Gutsherr von llesina wieder beim Graben eines Brunnens auf das Peristyl eines reichen Hauses (sogen. Casa d’Aristide). Man fand liier im Archiv (einem Zimmer mit Wandschränken) die berühmten 17c>6 Papyrusrollen ('jetzt lim Museum, S. 273), theihveise verkohlt, und im Garten die Mehrzahl der noch berühmteren Bronzen in Gruppen aufgestellt. Die Veröffentlichung blieb jedoch immer eine Art willkürlicher Staatsgunst.—Nach langer Unterbrechung hat die Neuzeit (1869) den Forschungen wieder erneute Thätigkeit zugewendet; der König von Italien wies aus seiner Privatkasse 30,000 Fr. an, und präsidirte selbst der Wiederaufnahme der Arbeiten. Herculaneum scheint reicher und künstlerisch noch durchgebildeter gewesen zu sein als das kaufmännische Pompeji; die Malereien, Skulpturen und Bronzen (letztere in Herculaneum grün, in Pompeji blau wegen vei’schiedenstufiger Oxydation) aus Herculaneum haben meist einen hohem artistischen Werth. Gegenwärtig sind das unterirdische Theater und einige freistehende Häuser ca. 200 Schritt südöstl. vom Theater in dem sich gegen das Meer hinziehenden ) 'ico di Mare das einzige, was man besuchen kann. Der Eingang zu den »Scavi di Erco- lano« liegt in llesina in der Hauptstrasse Nr. 111 (S.402). Man steigt auf schöner 523 9. Herculaneum (Grosses Theater). 524 Marmortreppe in das Untergeschoss, wo man die Kerze für die unterirdische Wanderfahrt erhält, tritt durch eine Glasthür und steigt auf breiter, in die vulkanische Masse gehauener, moderner Treppe von mehr als hundert Sprossen in das * Grosse Theater hinab, dessen Orchestra 27 m. unter dem jetzigen Niveau von Resina liegt. Das Theater war 20 m. hoch und konnte nur theilweise feri gemacht werden, mit Stützen von Ziegelpfeilern und vulkanischen Massen. Man hat daher zur Besichtigung überall das Kerzenlicht nöfchig. Theater zu Herculaneum. Unten an der Treppe befindet man sich im grossen gewölbten Korridor bei den obersten Stufen. Fussboden und beide Seiten waren ganz mit weissem Marmor bekleidet, durch vier grosse Arkaden und fünf kleinere obere Fenster fiel das Licht ein. — Vom Korridor führt ein Vomitorium gegenüber der Scene zur Treppe und den Stufen, deren gewaltiger Lichtschacht erst später angelegt wurde und seinen Ursprung einer Brunnenausgrabung verdankt. Das Theater hatte 19 Sitzreihen von Tuff; die niederen der unteren fünf Reihen erhielten noch besondere Sitze; 7 Treppen (Itinera), die zugänglich sind, theilten die Stufenbänke in 6 Sektionen (Cunei), die drei obersten Reihen waren von den unteren, ununterbrochen aufsteigenden gänzlich iso- lirt und man gelangte auf besonderen Treppen zu denselben; höher hinauf überragte sie eine Porticus mit Marmorgebälk, auf welcher die schöne Quadriga stand, von der nur das Pferd übrig geblieben ist. Die Form des Theaters ist römisch: Boden, Wände, Sitze waren mit geschliffenen farbigen Marmortafeln bekleidet. Zuschauer konnte es 10,000 fassen. Dann steigt man zur Orchestra hinab (27 m. unter Resina), wo eine grosse Brüstung die Sicht und den Durchgang erleichtert; 1. an der Brüstung vier Sprossen hinan, hat man auf einem Postament eine Uebersicht der sämmtlichen hier ausgegrabenen Theile. Die Orchestra war, wie man noch aus Resten sieht, mit dicken Fliesen von Giallo antico belegt, man gelangte zu ihr und den privilegirten Sitzen durch zwei grosse Vomitorien an den beiden Enden des Halbkreises der Cavea. Zwei Inschriften über diesen Vomitorien haben die Namen des Architekten (Numisius) und des auf seine Kosten den Bau anordnenden Duumvir (Lucius Annius Mammius Hu- fus) aufbewahrt. — Die Seena, die man 1762 auszugraben begann (Weber {’ liess aus eigenem Antrieb in den Feierabendstunden daran arbeiten; aber laut Winckelmann wurde ihm die Arbeit durch den Vorgesetzten Oberst, der auf die Entdeckung neidisch war, mehrmals untersagt), war fast 24 m. breit und 9 m. tief, mit 12 korinthischen Säulen und vier Nischen für Statuen geschmückt; hinten zeigte sie die drei gewöhnlichen Thüren und den Nischenschmuck; sie war ganz mit Marmor bekleidet. An den Enden (Kulissen) sind zwei Piedestale, auf denen laut Inschrift die Statuten 1. des Prätoren und Prokonsuls Nonius Baibus (M. Nonio M. F. Balbo pr. pro. cos. Her- culanenses), r. des Konsuls und Feldherrn Appius Claudius Pülcher (38 v.Chr.) (Ap. Claudio C. F. Pulchro cos. imp. Herculanenses post mort.) standen. Man wird nun hinter die Scene ge- 525 0. Herculaneum. 526 fuhrt, in da $, Postscenium, und sieht in der Aschenschielit den Hohleindruck eines menschlichen Gesichts (wohl von einer Theatermaske). Weiterhin einige Säulen, eine Partie alten rotli bemalten Stucks, ein schöner Rest der alten Ziegelmauer, einige (ausgefüllte) Bögen, dann der Recess, wo (angeblich) die Statuen der Familie Baibus (jetzt im 2. Korridor des Museums in Neapel) gefunden wurden. Die Familie hatte wohl zum Wiederaufbau des Theaters nach dem Erdbeben vom Jahr 63 das meiste beigetragen. — Die Schutzhalle hinter der Seena scheint mit der Portieus des Forums in Verbindung gestanden zu haben. Die runde Aussenseifce des Theaters war gegen das Forum gekehrt, wie ein schon 1739 in die Aschenschicht eingehauener Gang darlegt. Im Erdgeschoss hatte sie 15 Arkaden mit roth und gelben Pilastern, ebenso im zweiten Geschoss, das eine Attika schloss. Zum Untergeschoss zurückgekehrt, tritt man auf die Strasse hinaus, geht r. den Vico di Mare hinab, 200 Schritte bis zu einem Eisengitter, durch welches man zu den Ausgrabungen der antiken Stadt hinabsteigt. — Man überschaut hier eine südöstl. gegen das Meer laufende Strasse mit Seitengebäuden und einigen Nebenquartieren. Sie wurde unter einer 11 m. dicken Schicht freigelegt. — An der linken Seite sind die Ausgrabungen von 1868—76; an der rechten Seite sind diejenigen von 1828—37. Die Häuser gleichen denen zu Pompeji, doch sind die Mauern, des weicheren vulkanischen Steins wegen, dicker. Zuerst kommt man 1. zu den neuen Ausgrabungen, tritt durch das erste Prothyron 1. in ein schönes (1876 ausgegrabenes) P e r i s ty 1 mit eigenthiimlich geformtem Kreuzbrunnen, 7 Säulen und 2 Ilalbsäulen, letztere noch mit Gebälk. An der Eingangswand ein Zimmer mit mosaicirtem (Marmorstücken) Boden und hübscher Architekturmalerei; daneben ein Haus mit marmorbelegtem Podium, 13sprossiger Treppe, Herd und Latrine; aussen neben der Treppe 1. noch ein antikes Gitter. Dann r. durch den Korridor an der linken Langseite in ein Peri- styl mit 20 Säulenstümpfen von Backstein. Dahinter ein tiefer Lava - Einschnitt f welcher sehr instruktiv die verschiedene Schichtung darlegt. L. vom Peristyl ein Baderaum. Eine kleine lavagepflasterte Querstrasse führt zu den jetzigen Erd- arbeiten; vorn r. eine Boutique mit Podium und Puteal. Am Ende des Korridors r. eine originelle Darstellung, wie Venus sich vor Mars auskleidet. R. von diesem Schlussraum tritt man durch einige Oeffnungen in einen Raum, dessen Rückwand ein Mosaik mitFestons und Vögeln ziert; gegenüber in einen Raum mit Mosaikboden und Architekturmalerei. Daneben kehrt man durch ein Prothyron zu der Strasse zurück, welche zu den alten Ausgrabungen (r.) führt. Die Strasse selbst, 5,3 m. breit, ist mit Lavapolygonen gepflastert und mit Trottoirs versehen, hat aber als Nebenstrasse keine Laden, und die Wohnungen kehren ihr meist das Posticum zu. Beim Hinabgehen sieht man zuerst 1. auf dem Trottoir ein Puteal dann r. ein nur theil- weise ausgegrabenes Haus, dessen Eingang (das Posticum) eine zweisäulige Vorhalle bildete; r. vom Eingang siebt man die Portierloge, 1. ein Zimmer mit Amphoren, Mörsern, einer halben Mühle und einem kleinen Marmortisch. Das theilweise freigelegfce Peristyl ist 18 m. breit, die Säulen sind kannelirt und stukkirt; ostwärts war die Portieus durch einen offenen Oec-us mit drei Pfeilern am Eingang ersetzt, die Malereien der Wände waren nur dekorativ. lieber dem Oecus sieht man noch im Gestein die Balkenreste des obern Stockwerks. Das Wasserbecken im Peristyl war gleichzeitig kaltes Bad; Stufen führten zu demselben hinab. Gegenüber 1. ist das Haus des Skelettes (in dessen oberem Stock man menschliche Reste nebst Gold- und Silbermünzen fand); im Atrium sind 1. zwei kleine Zimmer, das erste mit Mosaik gepflastert, das zweite ein Bad; dasTabli- num ist nicht völlig freigelegt} r. führt 527 528 !). Herculaneum (Haus des Argus) und dieFovorita. ein Korridor in mehrere Zimmer; im letzten Kaum die Küche. Auf das erste Haus r. folgt das wichtigste dieser Ausgrabungen: *Das Haus qv Gipfel des Bergs (1320 m. ü.M.) gewährt einen * Prachtblick über das 18* 535 11. Castellamare und Sorrent. Meer, dessen zwei Golfe von Neapel und Salerno wie zwei Seen inmitten von Bergen erscheinen 5 auch die Küste von Gaeta ist sichtbar, die Schneegipfel der Abruzzen, die Stadt Benevent, die hir- pinischen Gefilde mit ihren Ortschaften und das Gebirgsland bis in die graue Ferne! Am Fass des Bergs befindet sich in Loreto, zu dem man durch Kastanieu- waldung im Zickzack hinabsteigt, das interessante * Archiv des Klosters und 53G i die grosse Wohnung des Abts (mit • reichen Holzskulpturen). Das Archiv bildete schon früher einen Sammelpunkt der anvertrauten Dokumente der Umgebung; die ältesten datirten aus dem 9. Jahrh.; ferner Diplome von König Roger, Wilhelm II., eins von Heinrich VI., sieben von Friedrich II., drei von Karl I., sechs von Karl II-, drei von Robert, drei von Johanna 11., zwei von Alfons I. u. a.; über 300 päpstliche Bullen, die älteste von Alexander II.; IS,000 Pergamenturkunden, 200 Manuskripte und Codices u. a. Yon Avellmo geht eine Hauptstrasse nach Benevent (lt. 17). II. Castellamare und Sorrent. Siehe die Karte S. 541. Anzuempfehlen: Nachmittags mit Eisenbahn nach Castellamare, von der Station mit Wagen nach Sorrent; hier übernachten ! — Früh Morgens mit Barke nach Capri (R. 12). — Der Ausflug erfordert 2 — 3 Tage. Eisenbahn von Neapel nach (27 Kil.) Castellamare tägl. 8 Züge, in D/4 St. I. 3 Fr. 10 C., II. 2 Fr. 15 C., III. 1 Fr. 25 C. — Wagen von Castellamare nach (16 Kil.) Sorrent findet man an der Station; Taxe: Einspänner (Carrozzella) 3 Fr., Zweispänner 6 Fr.; einen einzelnen Posto (Platz) erhält man jedoch für Iba Fr. Dio Dampfboote nach Capii berühren zuerst Sorrent (gegenwärtiger Konkurrenzpreis der beiden Gesellschaften <4 Fr. nach Sorrent); sie fahren aber nur bei ruhigem Wetter; gegenwärtig um 9 Uhr (im Sommer 8 Uhr) Morgens. Abfahrtsstelle: Die untersten Stufen der Treppe von S. Lucia. Die ältere Gesellschaft (Risposta) bezahlt jetzt auch die Barkonfülirer, so dass der Reisende mit dem Billet, das er sich zuvor im Hotel oder am Kai löst, aller weiteren Ausgaben für die Fahrt enthoben ist (sonst 30 C. für die Fahrt zum Dampfschiff). Boi Bergtouren in diesen Gegenden erkundige man sieh zuerst über die Sicherheit. Die Bahn von Neapel bis (20 Kil.) Torre Annunziata s. S. 402. Hier zweigt die Linie von der nach Eboli ab und folgt r. dem Meer, setzt dann über den Samo, der von den Apenninen herabkommt und aus seiner Quelle den nach Pompeji fliessenden Canal di Samo speist. Der Mündung des Sarno gegenüber r. die Inselklippe llevigliano mit Kastell. (27 Kil.) Castellamare. Gasthöfe : *H6tel Royal, das nächste am Bahnhof; T. d’h. 5 Fr., Service 1 Fr., Z. 3 bis -4 Fr. — * Antica Stabia, viel billiger, ganz gut. — Am Hügel von Quisisana ftlie Salita Caporiva hinan, halbe Höhe): *H6tel Quisisana (V4 St. von der Stadt); Pension 7—8 Fr.; sehr zu empfehlen.— Höheroben: *Gran Bretagna, 10—12 Fr. — In der Villa Cotticelli: Pension Allemajide, mit deutschem Wirt, 6—7 Fr. — In der Villa Belvedere: Pension Anglaise , 7 — 8 Fr. Alle mit Prachtblick auf Berge und Meer. — Gutes *Re> staurant beim Bahnhof. — Cafe *Europa, Mitte des Largo Principe Umberti. Wagen. Die Corsa: Ispänn. 50 C., 2spänn. 1 Fr.; — nach Quisisana IV2 Fr., 3 Fr.; — nach Torre Annunziata l J /2 Fr., 3 Fr.; — nach Pompei U/2 Fr., 3 Fr. — Die Stunde 1 Fr. 20 C., 2 Fr. — Nach Sorrent 3 Fr., 6 Fr. Esel pro Monat 60 Fr., pro Tag 4 Fr., pro Stunde 1 Fr. Beliebteste Touren zu Esel: Pozzano, Quisisana, Monte Coppola, Lettere. Geschichtliches. Die Stadt, in ältester Zeit Stabiii genannt, wurde schon im Bim- desgenossenkrieg von Sulla zerstört, dann bei dem grossen Ausbruch des Vesuvs im Jalir 79, obgleich 8 Migl. von ihm entfernt, mit Pompeji und Herculaneum zugleich verschüttet (wobei der ältere Plinius hier seinen Tod fand). Die Spuren der antiken Stadt fand man bei Messigna (wo einst der Hafen lag und man Mastbäume ausgrub), bei Va- rano (Amphitheater und Häuser), bei S. Maria a Pozzano (Dianatempel), auf der Höhe des Hügels oberhalb des alten Hafens bei Fa- jano (Janustempel), bei der *Grotta diS. Biase (Tempel des Pluto), jenseit Ponte S. 3larco, auf der Strasse nach Nocera (Gräber), bei Casa di Mita (Häuserreste). Die ausgegrabenen Kunstwerke kamen nach Neapel, die Bauten wurden wieder zugeschüttet. Ihr 537 11. Castellamare. 538 Aufblühen verdankte die Stadt zunächst Friedrich II., der ein » Kastell am Meer«, dessen Trümmer im Süden die Stadt noch immer überragen, erbauen liess, unter dessen Schutz sich eine neue Niederlassung bildete. ■— Karl I. von Anjou umgab das Kastell mit Mauern und Thürmen. — Karl II. hingegen erbaute einen Ruhesitz an dieser gesunden Stätte, der den Namen Casa sana erhielt, aus-welchem dann der Name »Qui si sana« entstand. — Als Johanna II. hierher floh und die Stadt sie gegen Ludwig von Anjou und Sforza schützte, gab ihr jene den Titel der »allergetreuesten« und viele Privilegien. Ferdinand I. gründete das Arsenal, Ferdinand II. die grossen Schiffswerften. — Der Schutzheilige der Stadt ist der Bischof C-itieilo. Jetzt hat die Stadt 26,400 Eirnv. (Bezirk) und ist ein seiner luftbewegtcn, kühlen Lage und seiner köstlichen, schattigen Stellen wegen sehr besuchter Sommeraufenthalt und beliebt für den Gebrauch der Meerbäder und der Heilquellen. Auch das Trinkwasser ist vortrefflich. Acqua acetosella, ein Sauerwasser mit Gips; — Acqua medica , ein alkalisch-muria- tischer Säuerling; — Acqua ferrata snlfurea, mit Schwefel und Eisenverbindung; — Acqua ferrata del Pozzillo; — Acqua del muraglione (am Meeresufer, am Weg gegen »Sorrent hin), hat purgirende Wirkung. Her Hafen mit 9 m. Tiefe hat einen schonen Molo und sichern, leichten Zugang. Wer von Sorrent kommt und zur Station fährt, durchzieht den gesummten, */2 St. langen Kai (Corso), von dessen Anfang ein überaus malerischer *Bliek auf den Hafen, die Docks und das Meer sich eröffnet; dann ragt r. der originelle weisse Campanile mit der Stadtuhr isolirt auf; es folgt ein köstlicher Platz mit Anlagen und Bänken, il Jjaryo Principe Umberto (wo Abends während der Sommerzeit täglich Militärmusik spielt), und ; dann erst nach 20 Min. der Bahnhof. — So stellt sich die Stadt in ihrem : gastlichsten Gewand mit sehr ansehnlichen Bauten dem Durchreisenden vor. Aber das Innere entspricht keineswegs dieser Aussenseite! Doch ist die Lage def Oberstadt eine der schönsten, und köstliche Spaziergänge erhöhen den Reiz des Orts; vom Largo Principe Umberti 1. die Salita Caporiva hinan, erreicht man weiterhin durch schattige Alleen von Kastanienbäumen (25 Min.) die königliche Yilla Quisisana (»liier genest man«), wo schon Karl II. Anjou eine Sommerstätte und die Bourbonen ihre Jagdsitze hatten. i Permesso zum Besuch des Casino Reale 1 (Trinkgeld) und des Gartens ( 1/2 Fr.) erhält mail im Palazzo lteale zu Neapel (S. 138). Durch den schönen Park »il Bosco di Quisisana« (r. gegenüber dem Thor zur Villa) hinter dem Kasino kann man ohne Permesso hinangehen. Bei der ersten Wegverzweigung 1. führen Saumpfade (die man vom Park aus zu Esel passiren kann) zum (IV 4 St.) * Monte Coppola; von da kann mau auf einem Umweg von 20 Min. über den Convento Pozzano zurück. Der Weg zieht sich vom Bosco di Quisisana über (IV 2 St.) Piedemonte und dann ziemlich steil und steinig bis zur Höhe der Kapelle auf Monte S. Allgelo (1524 m. ü. M.) hinan, mit der herrlichsten Ucberschau der Golfe und zu den Abruzzen hinüber. Führer (nothwendig) und Esel 5 Fr. In den Bergdörfern St.) Gragnano, Aurano, Franche, die durch gesunde Lage sich auszeichnen, findet man treffliche Milch, Butter und Käse, in Gragnano auch berühmten Rüthwein. Oestlicher liegt am Fuss des Monte Ccriti (D /2 St.) der Flecken Lorici , mit überaus malerischen Rundblicken und Ruinen einer alten Burg der MivobalU. Westlich führt eine gute Strasse (4 St.) zu dem malerischen, von Gonmluo da Oordova gegründeten Kloster von Pozzano (s. oben). Der "Weg von Castellamare über den Kleinen Monte S. Angela nach (7 St.) Amalß (Führer und Esel <» Fr.) ist weder als aussichtsreich, noch als sicher zu empfehlen. Von Gragnano ist oiue neue Strasse über Cerola gegen den Piccolo S. Angelo hin im Bau- Von Castellamare gegen Sorrent hin zieht durch ganz Castellamare stirnhandartig die Hauptstrasse parallel der Küste; jenseit der Stadt bis (lGKil.) Sorrent durchläuft sie eine der durch ihre Naturschünlieiten berühmtesten Strecken Italiens, bald dicht am Meer, bald hoch auf jäh abfallendem Küstenfelsen, bald zwischen Olivenhainen und von Myrten umgürtet, bald zwischen engen Mauern der Weinbergsgärten, dann in die prächtigste Orangenniederung tretend, zur 11. Castellamare und Sorrent. 540 53 9 Seite am fernen Rand des Wasserspiegels die melancholischen Höllen der Somma und des Vesuvs. — Zunächst 1. Kloster Pozzano (s. oben), dann zur halben Höhe des felsigen Capo Orlando und hinüber nach (1 St.) Vico Equenso (Aequensis), in reizendster Lage (*Pension Anglaise; 8 — 10 Fr.) auf vorspringendem Felsen, mit 9000 Einw.; in der Pfarrkirche das Grab des edlen Gaetano Filangieri, der hier seine Wissenschaft der Gesetzgebung schrieb (gest. 1788). — Nun setzt die Strasse auf imposanter Brücke über einen steilen Abgrund (r. Marina di Sejano) und in üppigster Vegetation zur Pimta di Scutolo, oberhalb Meta, liier tritt man »hoch über dem Meer wieder hinab in die herrliche Chiana (Piano) di Sor- re.nto, wo Pomeranzen- und Citronen- gärten, Agaven- und Granatbäume an die Stelle der Oeibäume treten und aus dem dunklen Griin die weissen Häuser und Tlmrme zahlreicher Dörfer und Landsitze hervorleuchten, im Hintergrund ein Halbkreis von Felsenbergen von wahrem Schweizercharakter«. (2 St.) Meta , mit 7229 Einw.. Schiffswerften und zwei kleinen Marinen. — Dann über den Viadukt Ponte maggiore nach Carotto, Pozzo Piano f S. Aniello (Albergo Coeumelln,, s. unten) nach (3 St.) Sorrento. Gasthöfe: * Villa Nardi (ITötel Tramon- tano), das theuerste (von ltussen und Engländern stark besucht). — * Vittoria (von den Gebrüdern Fiorentino gehalten), das beste, und billiger; an Piazza di Tasso, durch einen langen schönen Garten zugänglich, hart über dem Meer, mit grosser Terrasse, gedeckter Galleric und Prachtblicken auf Gestade und Wasser; der Zugang vom Meer durch eine alte Grotte fahrbar bis zum Hotel. Hat auch Zimmer im vollen Süden und drei Dependenzen; die Pension (wenigstens eine Woche) von 10 Fr. an täglich. Kann aufs beste empfohlen werden. (Der Oberkellner spricht deutsch.) — irena, im Westen der Stadt, am Meer; elegant, aber theuer. — * Tasso, ebenso. — Oesttielier: * (Iran Bretagua (gehört auch den Gebrüdern Fiorentino); Pension von 8 Fr. an; gut und geräumig, Bedienung und Verpflegung gut. — Zwischen Vittoria und Bre- tagna: * Pensione Villa Maja (nur Im Winter offen), mit Zimmern nach vollem Süden; Pension von <> Fr. an aufwärts; gehört (wie Vittoria und Bretagna) denselben Eigen- thiimern, welche in Neapel ITötel de Villc und Hotel Bristol besitzen. — * Croce di Malta, billige Preise und reeßt gut. — * Pension Allemande, ehemals Villa Rubinacci; deutsch; Pension 7—8 Er. täglich. — In der Höhe: Petition d’Angleterre, 7—10 Fr. täglich. — P/4 St.) * Cocumella, gegen om (4 Min. von der Piazza Tasso). In der 1. Capp. r. in der Mitte der Rückwand: *Christus mit Ornamenten aus der Schule des Sausovino; 1. und r. davon die ♦Zwölf Apostel von 1300.—Unter der Kanzel: Silvestro Buono, Madonna mit Johannes und Magdalena (leider theilweise übermalt). — Gegenüber au der linken Wand: Madonna mit Heiligen, angeblich von Zingaro. — IMesseit des Doms, an seinem isolirt am Corso liegenden Campanile, nuten am Bogen antike Säulen und Gebälkornamente. Umgebung. Wer nur ganz kurze Zeit zur Verfügung hat, sollte wenigstens auf der <• Min. jenseit Sorrents den Berg hinansteigenden Btrada Capo di Monte zum Fondo Parisi (20 Min.) sich begeben und dort vom Belvedere das hen'liehe ♦Panorama (ganz Sorrent über den Felsenhängen) gemessen; — dann die ^Strasse nach Massa entlang fahren. 1) Einc herrliche *neuc Strasse führt am Meer entlang nach (Wagen 3 Fr.) ♦Massa (U /4 St.); man geniesst an einigen ansteigenden Stellen wahrhaft bezaubernde Rundschau auf Sorrent und seine Baum- praelit hin, auf das hohe, durch jähe Felswände vom Meer getrennte Plateau mit seinem «lichten Garten von Orangen, Limonen und Oliven, aus denen die hübschen Villen auftauchen, dahinter auf die hohen kahlen Berge mit ihren horizontal fast gleichlaufenden Linien und ihren Abstürzen gegen die See; und dieses grossartige Bild ist im Hintergrund geschlossen durch den Vesuv und den Golf von Neapel (»Vera ispirazione di pocti e di pittori«); unterwegs 1.: Villa Bersali, mit Piuienhahi und Prachtblick auf Capri. — Am 15. Aug. Kirchweihfest. — Auch sieht man in Massa noch Reste von der antiken Zeit (Aquädukt u. a.); von den Tempeln des Jupiter und der Juno, die auf dem Vorgebirge standen, soll der letztere die Substruktionen von B. Franccsro bilden. 2) Von Sorrent zum (U /4 St.) *Desertü (ehemaliges Kloster) hinan. Vom letzten Haus von Sorrent (r. das Spital) 3 Min. zur Conca, einer romantischen Bergschlucht mit kleinem Wasserfall. Von der Conca in 3 Min. zur rasch ansteigenden kleinen Pflasterstrasse Capo
  • ) Mit Barke besuche man (3 Fr. mit 2 Ruderern, 6 Fr. mit 4 Ruderern) die schönen Grotten der Uferfelsen: ßrotta della Gam- panclla ; le dne Grotte blü; Grotta Sirena (hei heiterem Himmel blau). Weitere Ausflüge: Ueber (U/4 St.) Massa nach ( a /4 St.) Termini und zur (U/2 St.) Punta di Cainpanella (3V4 ,St. von Sorrent). Vom Leuchttliurm dieses Endpunktes der Halbinsel die wundervollste *Aussiclit. Ihren jetzigen Namen hat die Punta von einer Glocke, welche im Mittelalter die Seeleute des Golfs vor nahenden Seeräubern warnte. In antiker Zeit stand hier ein dorischer Tempel der Minerva, »von Ulysses gegründet« (titrubo), und gab der Spitze den Namen; die nur 1 St. breite Meerenge Le 'Bocche di Capri trennt das Kap von der Inseh Von Termini auf den Monte B. Costanzo (1 St.). Von Termini nach Nerano und der Marina del Cantone (1 St.); von da (zu Schiff) nach Crapolla (mit alten Ruinen) und der Kirche S. Pietro (l St.). In der altromanisc-hcn Kirche Fresken von 1300 und antike Säulen. Nürdl. von Nerano steigt das Kalkgebirge nochmals bis 450 m. ü. M. auf und senkt sieh dann jäh zum Meer hinab. Auch die Partie von Sorrent ostwärts nach dem ehemaligen Kloster (2 1 [ 2 St.) l'amal* doli über (U /2 St.) Meta und (Va St.) Alberi ist sehr genussreich. Von Sorrent auf den südöstl. gelegenen Piccolo S. Angelo ( 2 J /2 St.), über (V2 St.) Cesarano und (Va St.) Baraniea. Von Sorrent auf den östl. gelegenen Monte Vico Alvano (500 m.), über Villa Cacace und Colle Conti diGeremenna in 4 St. Der Weg vom Piano di Borrento über Scaricatojo nach Amalfi (S, 503). 547 12. Die Insel Capri. 548 12. Dis Insel Capri. Siehe die Karte S. i>5i. Man gelangt von Neapel nach Capri entweder mit Dampfboot, welches bei nicht stürmischem Wetter täglich Morgens nach Sorrent, dann zur Blauen Grotte und zur Marina in Capri und über Sorrent nach Neapel zurück für 7>/a Fr. fährt. (Wenig zu empfehlen.) — Gegenwärtig ist durch die Konkurrenz zweier Dampfschiffgesellschaften der Preis der Hin- und Zurückfahrt über Sorrent nach Capri Kämmt den Kosten für das Einfahren in die Blaue Grotte und das Hin- und Zurückfahren in den Barken bei Neapel und Capri der Gesammtpreis auf 7 x /2 Fr. herabgesetzt worden. Von Neapel nach Sorrent 3 Fr.; von Sorrent nach Capri 3 Fr.; von Capri nach Neapel r> Fr. — Von Capri nach Sorrent fährt früh Morgens täglich eine Postbarke (2 Fr.). Von Sorrent nach Capri Mittags. — Das Tragen des Koffers ins Dorf hinan: Va — 1 Fr. Ein Esel (oder Pferd) bis ins Dorf: l x ,'2 Fr. — Die Schiffe der altern Gesellschaft (ltisposta, Leone) sehr gut und mit sehr gewandtem, vier Sprachen geläufig redendem Chef, hatten den Preis bis auf 15 Fr. erhöht, bis die neuen, noch schneller fahrenden Schiffe (il Favorite, Vincitore, Inaspet- tato) die Preise zu ihrer jetzigen Niedrigkeit lierabdrückten. Die Einschiffung für beide Schiffe geschieht von der Treppe von S. Lucia in Neapel. Man erkundige sich zuvor genau (Büreau: Molo piccolo 34) oder (neue Gesellschaft) Str. Piliero28, ob der Wind und der Zustand des Meers die Einfahrt in die Blaue Grotte erlaubt. Die vorgeschriebene Programmzeit ist8 l /2 Uhr Morgens: Montag, Mittwoch, Sonnabend; Ankunft in Sorrent llB/a Uhr; an der Blauen Grotte 11 Uhr; an der Marina von Capri IIV2 Uhr; Abreise von Capri l k vor 3 Uhr. Bückkunft in Sorrent 31/2 Uhr, in Neapel 5 x / a Uhr. £3^ Es ist von dieser eintägigen Hetzjagd dringend abzurathen, denn man kann nur einen sehr kleinen Theil der landschaftlich herrlichen Insel sehen, und diesen in der unpassendsten Mittagsbeleuchtung. Marktschiff: 3mal wöchentlich in 4 St. Neapel -Capri, hin und zurück 2 Fr. — Abfahrt von Neapel beim Molo piccolo Porta al Massa, Mittags 12 Uhr. Eisenbahn und Wagen nach Sorrent (S. 535) und von da per Barke oder Dampfboot nach Capri (s. S. 540). Der letztere Weg in Verbindung mit dem Besuch von Sorrent ist entschieden der genussreichste. Gasthöfe in Capri, unten: * ITötel du Louvre (Stafford, spricht deutsch), etwa 300 Schritte r. von der Marina auf einer Terrasse über dem Meer; vorzüglich. Man findet sogleich nach der Ankunft mit dem Dampfschiff das Diner bereit (mit, Wein 4 x /2 Fr.; Pension 7 bis 0 Fr.). — Etwas näher der Marine: Gran Brettagna; Pension 7 Fr. (Diner 4 x /a Fr.). — Hinter dem Louvre: H’ötel de la Grotte bleue; von Künstlern besucht; Pension 6 Fr. — Oben (20 Min.) in Capri: *Albergo Pagano (Vittoria), altbewährt und sehr gemütlilich; stets überfüllt, besonders von Deutschen. Die Prachtpalme im Garten sieht man in allen Ateliers der in Italien heimischen Künstler; Pension G Fr. (sammt Licht und Bedienung, welche von den Gebrüdern Pagano besorgt wird); die Mehrzahl der Zimmer geräumig; der Tisch sehr gut. — Dahinter: *Hötel Quirimna, besonders von Engländern besucht; Pension 8 Fr.; wird sehr gelobt. — Hötel Tiberio(soll eingelien). — Hotel de France, wird gerühmt; Pension G Fr. Barken. Jede Stunde D/a Fr. Von der Marina zur Blauen Grotte (Flachkähne, da der Eingang sehr niedrig ist, auch bei direktem [Nord-] Wind unthunlich) 2 Fr. —. Nach Sorrent (hin und her): 2 Kuder 8 Fr. ’ 4 Buder 15 Fr. (Ueberfahrt 2 x /2 St.), bei Uebernachten: 2 Buder 15 Fr., 4 Buder 20 Fr. (Mit den Schiffern an der Marina persönlich akkordiren!) Die Bundfahrt um die Insel (3—4 St.): 4 Buder 12 Fr. — Nach hchia (6 St.) 20 Fr. Esel pro Tag 3 Fr. — Führer 4 Fr. Barbier: Nieolino Morgano, Piazza di Capri. Der Capriwein, besonders der woisse (Tliränen des Tiberius), ist ausgezeichnet, kräftig und feurig. Mau erhält ihn jedoch nur in den Hotels von guter Qualität. — Das Oel von Amcapri weithin berühmt. Interessanteste Punkte: Blaue Grotte, — Villa Giove (di Tiberio), — Arco naturale -, — Anacapri, — Monte Salaro. ZurFührung genügen Knaben, die sich überall herandrängen oder von den Wirten sogleich herbeigeschafft werden. Man bezahlt ihnen für die Stunde ca. V2 Fr.; für mehrere Stunden 1— l l k Fr. — Esel nach Villa Tiberio: 2*/2 Fr., Pferd 3 Fr.; nach Anacapri: Esel 3 Fr., Pferd 4 Fr ; auf den Monte Salaro: Esel 5 Fr., Pferd G Fr. Zeit des Besuchs der Insel. Wer nur die 3 St. der Dampfbootruhe benutzen kann, reite sogleich nach Capri hinan und zum optischen Telegraphen hinauf, wo man den nächsten Prachtblick über die originelle Insel hat; dann zur Strasse nach Anacapri bis zur Wendung und zurück, und stärke sich zuletzt vor der Abfahrt durch ein Mahl. Eine prächtige, aber anstrengende Tages- tour: Ueber Priora, Crocevia, Baetane, Aqitate, ])eeerto , S. Agata, Tore, Piccolo, S. Angelo, Conti, VArco naturale. Ausflüge zu Wasser. Hier ist besonders zu empfehlen die Fahrt zu den vier Grölten: Grotta dellaCampanella; zwei kleine blaue Grotten und die Grotta Siena. Die volle Pracht der Farben entfalten diese Grotten jedoch nur bei völlig heiterem Himmel. — (Eine Barke mit 2 lindern dahin 3 Fr. eine Jacht mit 4 Rudern G Fr.) mgm rJ&JggäWMzM. ÄPI !t«3 FS »'Miftf mm fes-s •*• fjjyyWi 549 550 12. Die Insel Capri. Geschichtliches. Capri (im Volksdialekt Crapi), das antike Capreä (Ziegeninsel), war nach der Sage ein Wohnsitz der Tele- boier aus Akarnanien, später Eigenthum der Neapolitaner, denen Augustns die Insel, deren Vegetationsfrische, balsamische Luft, fröhliche Spiele und herrliche Felsen ihm beliagten, gegen Ischia austauschte. Bezeichnend für den Charakter der Insel heisst cs, Augustus sei dort von alexandri- nisclien Kaufleuten gefeiert worden und habe angeordnet, dass die Römer griechisch und die Griechen römisch sich kleiden und sprechen sollten. Danach wurde Capri die architektonisch gepflegte, berüchtigte Residenz seines Stiefsohns, des Kaiters Tiberius, der hier, schon ein Siebenziger, .die zehn letzten Jahre seiner Regierung, nur seinen Kreaturen zugänglich, bis zum Wahnsinn gemüthskrank verlebte. »Die Zeit war greise geworden wie der Eremit dieser Felsenklippe.« — Tacitm IV, 67 erzählt: »Am meisten zog den Tiberius die Abgeschiedenheit der Insel an, da das Meer rings umher ohne Hafen und nur wenige Ankerplätze fiir kleinere Schiffe vorhanden sind, auch niemand leicht landen konnte, ohne von der Wache bemerkt zu werden. Die Luft ist im Winter mild, weil ein vox'liegendes Gebirge die rauhen Winde abhält, der Sommer durch den Zug des Westwindes und die Aussicht aufs offene Meer sehr angenehm; gegenüber sah man den äusserst reizenden Meerbusen, ehe der Ausbruch des Vesuvs (79) die Gegend umwandelte. Tiberius besetzte die Insel mit 12 prächtigen Villen, jede mit besonderem Namen, und so eifrig er vormals den Staatsgeschäften oblag, so sehr überliess er sich in seinem hohen Alter den heimlichen Lüsten und einer Böses brütenden Müsse«. — Sueton hat mit plebejischer Anekdotenlust dieses wahnsinnige Leben zu Capri so detaillirt zur Schau gestellt, dass man in den über die Insel zerstreuten Ruinen der kaiserlichen Bauten die geheimen Kabinette archäologisch noch bestimmen zu können glaubte, Ja schon zu Suetons Zeiten zeigte man auf Capri die Stellen, wo Tiberius die Angeklagten martern und, nachdem sie verurtlieilt waren, nach langwierigen und ausgesuchten Foltern vor seinen Augen vom Felsen hinab ins Meer stürzen liess. — Gregorovim hat in -seinem ebenso plastisch wie geistreich fesselnden Werk über Capri, das Lindemann- Frommel illustrirte, die Insel, als Naturbild dieser Seenen, mit einem Sarkophag verglichen, dessen Seiten sclilaugenhaarige Eumeniden schmücken; obenauf liege Tiberius ! Die Alten dagegen verglichen die originelle Gestalt Capri’s, als des Ideals eines Landaufenthalts, mit der Ziege. — In späteren Zeiten Besitzthum der Benediktiner, dann der Amalfitaner, Rogers von Sieilien, unter Friedrich II. seines Grossadmirals Eliseo Arcuccio, lebte Capri still dahin und hatte nur 1286, als König Jakobs sicilische Flotte es den Anjou’s entriss, und am 17. ükt. 1808 unter Murat, als General Lamarque die Engländer, die es im Namen des sicilisclien Königs 1806 besetzt hatten, aus ihrem »Neu-Gibraltar« vertrieb, Antheil an den Weltkämpfen. Schon in der Nähe von Sorrent, wenn das Schiff am Capo di Sorrento und Massa vorbei hinüberzieht, tritt die unvergleichliche Gestalt der Insel gross und ernst, »klippenstarr und felszacken- gepanzert hervor, in der melancholischen Wildheit ihrer Berge und in der schroffen Jähe der schwindelsteilen Kalkwände von rotlier Farbe fürchterlich und lieblich zu gleicher Zeit«. — Von O. her erhebt sich der Kalkfels mit Neigung gegen W. zu einer 6 Kil. langen, im W. 3 Kil. breiten und sich nach O. keilförmig verengenden Masse, die 15 Kil. Umfang hat und sich in der Mitte so brach, dass die Insel doppelköpfig wurde und die abendliche Hälfte am Absturz die grösste Inselhöhe (Monte Salaro 610 m. ii. M.) erreicht, die verengte östliche dagegen sich senkend nur halb so hohe Kiffe bildet. Die Kluft zwischen beiden gleicht unten nördl. eine grössere Gala (Bucht für Schiffe), südl. eine kleinere (Marina di Mulo) aus. Die zwei Marinen sind die einzigen Stellen, wo Barken an das Land gezogen werden können; die jähe Abschaffung der Insel gestattet nur bei ganz ruhiger See noch an einigen wenigen Stellen das Landen. Auf der Hölie des Sattels liegt das Dorf Capri (120 m. ii. M.); bergan und durch eine Felswand, die jetzt auf breiter, sanft ansteigender Strasse umwandert werden kann, getrennt, Anacapri auf köstlicher, reich bebauter Hochfläche. Von der Marina, die von einer Ansiedelung von Fischern, Seeleuten, Strandwächtern umgeben ist, fahren die kleinenKähne(2 Fr.) westwärts nahe den kolossalen Felsenriffen, wo schon die phantastisch-graudiosen Formen der ro- tlien Kalkmassen und der Blick über das Meer hin zu den fernen Küsten den wundersamsten Gegensatz bilden, an den sogen. Bädern des Tiberius (mit Mauer- und Säulenresten) in V 2 — % St. zu der niedern Oeffnung der nur bei ruhigem Meer zugänglichen 551 !•;. Die Insel Capri. 552 **ßlauen dl'ölte (Qrotta azanrra). Der Eingang liegt mit seinem Scheitel kaum 1 m. über dem Wasserspiegel, und man schlüpft liegendmitdemBootdurch. Den blendenden Eindruck bei der Einfahrt ins Innere (zwischen 10—12Ulir am glänzendsten) hat der deutsche Dichter lind Maler Kopisch aus Breslau, der die Grotte 1826 von einem Fischer geleitet auffand, in das Fremdenbuch Pagano's so eingetragen: »Wir benannten diese Grotte die Blaue Grotte, weil das Licht aus der Tiefe des Meers ihren weiten Raum beleuchtet. Man wird sich sonderbar überraschtfinden, das Wasser blauem Feuer ähnlich die Grotte erfüllen zu sehen, jede Welle scheint eine Flamme. S. Costanzo auf Capri. Sie ist des Morgens (von 10—12 Uhr) am schönsten, weil Nachmittags das Tageslicht stärker und störender hineinfällt und der wundervolle Zauber dadurch gemindert wird. Der malerische Eindruck wird noch erhöht, wenn man, wie wir, mit flammenden Pechpfannen hineinschwimmt«. Die ringsum geschlossene Höhle, mehr lang als breit, dehnt sich nach der Tiefe hin und setzt sich in zwei Gänge fort, zu welchen zwei durch einen Felsblock getrennte Bögen führen. Sie ist 56 m. lang, 30 m. breit, 6 —S m. (an einer Stelle bis 12) hoch, das Wasser 12 m. tief. Je tiefer man in die Grotte vordringt, desto satter wird das Blau und wirft noch prächtige Reflexlichter auf die Wölbung, denn die wundersame Erscheinung wird dadurch verursacht, dass das Licht zum Eingang hinein.nur auf tiefen weissen Grund der Grotte fallen kann, und dann, durch das Wasser reflektirt, dieDecke erleuchtet. Alle Gegenstände, die mau eintauclit, erscheinen durch das von unten heraufdrängende Licht wie in Silber verwandelt. Gewöhnlich wirft sich ein Schiffer (1 Fr.) aus- gezogen in diese Farbenflut; dann glänzt der ganze Körper -wie strahlendes Silber.— »Im Hintergrund«, sagt Kopisch, »führt ein alter (jetzt verschlossener) Weg in den Felsen, vielleicht nach dem darüber liegenden Damecuta (einer Villa Tibers), und es ist möglich, dass die Höhle sein heimlicher Landungsplatz war.« — Man kann neben der Grotte auf einem nicht allzu beschwerlichen Weg direkt nach Anacapri hinauf gehen. Kehrt man zur Marina zurück, so führt ein ziemlich steiler, gepflasterter Weg, am Hotel du Louvre 1. vorbei, in 20 Min. nach Capri (146 m. ii.M.) hinan. (Ein steiler Treppenweg 1. verkürzt die Ansteigung um 5 Min.) — Hier schon beobachtet man, dass fast alle Lasten von Menschen getragen werden, von den Männern auf den Schultern, von den Weibern auf dem Kopf. Auf halbem Weg r., wo die schroffen Felsen von Anacapri aufsteigen, die alte ehemalige Hauptkirche S. Costanzo, von sehr alter Anlage. Zweimal vier Säulen (vier jetzt durch Pfeiler ersetzt) theilen die Kirche in drei Schiffe, an deren mittleres, das wie das hohe Kreuzschiff Im Tonnengewölbe überdeckt ist, sich eine Apsis (je eine rechtwinklige Erweiterung) lehnt; die Kuppel hoch über den vier Kreuzungsbögcn hat vier einfache Kundbogenfenster. (20 Min.) Capri (Gasthöfe s. oben), in gestreckter Linie eine Reihe kleiner Häuser mit Terrassen und Veranden, die Dächer meist platt mit Lastrico oder gewölbt in Backofenform; an der Mehrzahl der Wohnungen gesaulte Lauben mit ft 553 12. Die Insel Capri (Certosa). 554 rankenden Weinstöcken. Die 2500 Einwohner sind freundliche, echte, braune Eischergestalten. Leider besteht für den Fremden die Sprache der Mehrzahl der ihm begegnenden Capreser jeden Alters und Geschlechts in den vier Worten: Date mi un bajoeco! — Ueber dem Sattel Capri’s erheben sich die Hügel (1.) 8. Michel, und (r.) Castello, mit köstlicher Aussicht; strahlenförmig gehen vier zu erreichen). Man geht von der Freitreppe vor der Apotheke an der Piazza durch den Bogen r. am Ilötel Pagano vorbei zum Hotel Quisisana; hier scheidet sich der Weg; r. geradeaus erreicht man in wenigen Schritten dieMauern der Certosa, ein jetzt zur Kaserne verwendeter, alterthümlieh romantischer Bau mit gewaltigem Hof, auf dem Rand des Thals von Tragara, das sich zwischen G, " 0 \- ' Pnuta 7/7 // Karte von Capri. Thälehen (Maria, Meneta, Mitromania, Tragara), alle trefflich angebaut, vom Städtchen aus. An den übrigen Stellen wurden mühevoll kleine Plätze durch aufgeführte Mauern und Ansammlung von Erdreich zu Gärten verwandelt. Sind auch die Bäume »Eremiten« auf Capri, so wachsen doch hier Eichen, Maulbeerbäume, Oelbäume, Cypressen, Pinien, Johannisbrodbaum, treffliche Feigen, köstliche Trauben, Mandeln, Kastanien, Nuss- baume, Orangen, Limonen und selbst einige Palmen (Pagano, s. oben), und wilden Naturschmuck der Felsen bildet der schöne weiss- blütige Kapernstrauch und der wundex*- liclie Kaktus. Spaziergänge von Capri aus: 1) Zur Certosa und zur Punta Tragara (fast eben vom Dorf Capri aus dem Kastellhügel und dem Tuoro grande südwestl. von der Stadt niedersenkt, von Conte Giacomo Arcucci, Grosskämmerer des Reichs, 1363 gestiftet, in einer der hübschesten Lagen von Capri. Hier hatte Hudson Loive (der Gefangenwärter Napoleons I. auf St. Helena) 1806 — 1809 sein Hauptquartier. Nun zurück zum Hotel Quisisana und hei jener Wegetheilung 1. vor derFa 9 ade des Gasthofs dem schmalen ebenen Fuss- weg ostwärts der Mauer entlang bis (2 Min.) dahin, wo 1. ein tlieilweise mit Stufen versehener gepflasterter Weg in die Höhe führt. Bei der zweiten Tliei- lung des Wegs geradeaus (prächtiger 55S 12 . Die Iusel Capri. 55G Rückblick nach Capri und die hochragenden Felsen über ihm) bis zum Rondel der (V 4 St.) PuntaTragara, einer über der Südostspitze der Insel gelegenen Stembviistung, über welche hin man einen Prachtblick über das weiteMeergeniesst, auf die riesigen Felsklippen der *Fari- glioni (unten 1.) liinabblickend, die bei den Ruinen des antiken Hafens aus dem Meer aufragen und mit der Umgebung zu einer überaus malerischen Gruppe sich gestalten. Die erste. Klippe ist der Monacone (Mönch), auf dessen nur durch eine niedrige Oeffnung zu erreichender Höhe man Trümmer fand, die dem Grabmal des Masgabas zugeschrieben wei’den, auf welches hinschauend Augustus griechische Stegreifverse dichtete; — die zweite Klippe, Stella, ist noch mit dem Land verbunden; — die dritte dagegen, I-o Scopolo, die nur mit Lebensgefahr erklettert wird, um Müveneier zu holen, streckt sich weiter ins Meer hinaus. Ueber der Tragara laufen grosse Mauerreste, »Le Camerelle«. bis zum Tuoro grande in einer gebogenen Linie fort; sie scheinen einer antiken JStrasscnanlage zu gehören. 2) Zum Salto und (50 Min.) der V i 11 a T i b e r i an a. Entweder vom zweiten Bogen der Piazza durch die enge Dorfstrasse hinan, oder von der Punta Tra- gara (Kaktus, Oliven und Euphorbien ziehen sieh die Hohe hinan) zurück bis (6 Min.) zu jenem gepflasterten Weg, hier hinan und sogleich hei der ersten Theilttng 1. zwischen zwei Häusern den steinigen Weg aufwärts und wieder 1. an Kaktushecken entlang (mit Prachtblick auf [1.] den Kastellhügel) bis zur (3 Min.) blauen kleinen Kapelle am Weg; hier r. hinan bis zur Sicht des Kirchleins della Oroce (hier führt der Weg r. zum Telegraphen, zur MitlirashÖhle und zum Arco naturale); an der Mauer desselben entlang, zwisclienMauern den steinigen Weg woiter, dann in (15 Min.) bei clerWegethei- Jung (mit prächtiger freier Aussicht auf die hochragende Villa Tiberiana und den Salto r. daneben) r. die gepflasterte Strasse hinan, die hier einen Bogen um ein Haus beschreibt. Weiter oben pväsentirt sich hinter dem Kastellhügel der Inselfelsen aufs herrlichste; r. und 1, das Meer, Unmittelbar vor der hochragenden Villa Tiberiana liegt r. der sogen. Salto, zu dem man durch einen Restaurant eintritt. Es ist eine thurmartige Brüstung über einer senkrecht 240 m. ü.M. aufragenden Felswand, als dem Ort, von welchem Sueton (62) sagt: »Noch jetzt zeigt man auf Capreä die Stelle, wo Tiborms die Angeklagten nach langwierigen und ausgesuchten Foltern vor seinen Augen vom Felsen hinab ins Meer stürzen liess; dort wurden sie von einer Anzahl von Bootsknechten aufgefangen und mit Stangen und Rudern vollends zu Tode geschlagen«. Wirft man jetzt mit Kraft einen Stein hinab, so fällt er nicht in das senkrecht unten liegende Meer, sondern die Winde zwischen der Insel und der Punta di Campanella lassen ihn in Bögen auf den kurzen Rand unter dem Abgrund auffallen. — 30 Schritte davon r. der alte Faro von Capri, der einige Tage vor dem Tod des Tiberius einstürzte (jetzt nur noch 18 m. hoch). — Nun noch einige Schritte aufwärts zur (20 Min. von jenem Freiblick) “Villa Tiberiana (di Giove). Hier soll dereigentliche Wohnsitz des Tiberius gewesen sein, der sich über die ganze Berghohe ausdehnte. Sueton berichtet (65): »Als des Sejanus Verschwörung schon unterdrückt war, hielt sich Tiberius noch so wenig für gesichert, dass er die nächsten neun Monate die Villa des Jupiter nicht verliess«. Gegenwärtig sieht man noch eine Menge von Gewölben, Gemächern und unterirdischen Korridoren, theilweise jetzt zu Weingärten und Viehställen verwendet, Arcbitekturfragmente aller Art und Mosaikböden. (Ein aus schönen Marmorarten zusammengesetzter Boden dieser Villa ist jetzt in S. Stefano zu Capri, wo auch im Chor antike Giallosäulen stehen.) Oben gelangt man 1. durch eine Maueröffnung zur (r.) Treppe, die zur Cappella S. Maria del Soccorso hinan- führt (324 m. ü. M.). L. neben der Kapelle haust ein vom Fremdenbuch lebender Eremit, der dem Besucher sogleich einen Stuhl zum bequemen Genuss der herrlichen ^Aussicht (1. neben der Kapelle) zur Brüstung hinrückt. 557 12. Die Insel Capvi (Spaziergänge). 558 Man überschaut die Sorrentiner Berge bis zur Spitze Campanella und die Sirenen- inscln an ihrer rechten Seite; r. den Mee- busen von Salerno, die Gegend von Pästum die Kalabrischen Berge bis zur Punta della Licosa; 1. von Monte S. Angelo Pompeji am Fuss der Berge, dann den Vesuv, Torre Annunziata, Torre del Grceo, Rcsina und Portici, Baja, Procida, Iscliia und hinten die Insel Pouza; hinter Procida den Golf von Gaöta. Der Eremit bietet auch ein gutes Glas Wein an und ist ein aufgeweckter Kopf. Er zeigt auch allfällig die Stelle, wo jener Fischer, über steile und unwegsame Felsen von der hintern Seite der Insel sich empor- arbeitend, plötzlich mit einer Seebarbe vor dem überraschten Tiberius stand, und dieser für den Schreck ihm das Gesicht mit dem Fisch und einem grossen Meerkrebs zerreiben liess. Die Reste der übrigen elf Villen des TiberiuSj von denen Tacitus spricht, hat man verschieden zu bestimmen gesucht, gegenwärtig in folgender Weise: II. Villa (Giunone) bei Moncta (bevor man nach S. Maria Soccorso kommt). — III. Palazzo della Marina (Baureste r. von der Küste und j unter der Treppe nach Anacapri; sie zog ' sich bis ins Meer hinein; man grub hier [ 1790 einen Altar der Kybele aus (jetzt im Britischen Museum) und ein prächtiges korinthisches Kapitäl (jetzt im offenen Hof j des Museo Nazionale); einige »Säulen kamen ! nach Russland. Marmor erhielt man 1600 Ctr. — IV. Bei Damecufa (Reste über der ; Blauen Grotte). — V. Bei der Certosa. — VI. ! Villa (Kettuno), beim Castißione, südl. von j der Stadt (man fand hier bemalten Stuck ! und die schöne Marmorvase Styvens, auch einen Mosaikboden mit mathematischen Figuren, jetzt in der Favorita; anderes kam in die Hände von Piraten). — VII. Bei Mitromania (S. 558). — VIII. In der Ebene Sopra-Fontana (Vigna Areucci, wo man noch die Formen der Zimmerräume sieht in die enge, hohe Stalaktitengrotte, auch mit prächtigen Stalagmiten; vor dem Eintritt zu dieser Prachthöhle liegen r. am Boden einige gewaltige Stalagmiten. — Der Bäuerin 1 Fr. 4) Zum (22Min.) *optischen Telegraphen. Zu diesem führt vor dem Kirchlein S. Croce, das man von zwei Bögen an der Piazza (neben dem Munioipio) geradeaus ln 7 Min. erreicht, rechts andern fensterlosen Gehtift vorbei ein guter Fusspfad; bei (5 Min.) der ersten Wegtheilung geht man rechts bis zur Mauer und dieser 1. entlang bis zu dem gepflasterten Strässchen, das zwischen zwei niederen Brüstungen auf hier und da gelegten Stufen zum schwarz und weiss gestreiften Neubau des Telegrafo semaforico hinanführt. Schon beim Hinansteigen sieht man 1. unten den Arco naturale; oben eröffnet sich der herrlichste malerische *Bliektiber die Höhen und Tiefen der Ostseite der Insel; den Ort Capri übersieht man hier am besten, ebenso die Partie der neuen Strasse mit der Südostseite des gewaltigen Monte Salaro, r. S. Michele und zuletzt die Höhen der Villa Tiberiana und des Salto. Auch die Farißioni (s. oben) saimnt der ganzen Herrlichkeit des Meers und seiner Gestade sieht man nirgends schöner als hier oben. Die Ansteigung das Pflastersträsschen hinan bis zum Telegraphen beträgt nur 8 Min. 5) Zur (Va St.) Mitlirasgrottc und zum ('V 4 St.) Arco naturale. Den Wog von Capri bis zum Haus diesseit S. Crocc s. oben. Hier r. derselbe Pfad wie zum Telegraphen, aber bei derWege- theilung geradeaus, bei den Häusern weiter bis zu einer kleinen Grotte (1.), wo der Weg sich in die Felsen verläuft; liier vor dieser Grotte rechts den steinigen Treppen weg (etwas rauh) 161 Stufen hinunter, ln 12 Min. erreicht man die und die sogen. 4. Grotte Tiberiane). — IX. Bei Tragara (S. 555). — X. Auf der Terrasse des Hügels S. Michele (bevor man nach S. M. del Soccorso kommt, im SW.). — XI. (Vesta) im Campo di Pisco, jenseit S. Co- sfcanza. Im Norden XII. zu Ajano bei S. Co- stanza. (Vier Giallosäulen in der Capp. des Palazzo di Caserta.) 3) Zur *Stalaktitengrotte neben S. Croce. — Vom zweiten Bogen der Piazza die enge Strasse geradeaus durch das Dorf gelangt man nach 7 Min. zum Kirchlein S. Croce (man kann daher den Besuch der Grotte passend mit dem Rückweg von der Villa Tiberiana verbinden). Man geht 1. neben S. Croce durch einen Tliorbogen in ein Bauerngut hinein, erhält in dem kleinen Haus r. einen Führer und eine Kerze, schreitet durch den Garten 1. zur Grotte und auf einer eingehauenen Treppe 56 Stufen hinab, dann durch eine niedrige Wölbung hohe geräumige MithraSgTOtte (Grotta Mitromania ). Eine überaus malerisch gelegene Mithras- hölile, 17 m. breit und 30 m. tief, mit antikem Mauerwerk (in der grossen Wölbung noch Bänke und Zugang zum I-Ieiligthum); man fand ein Mithrasrclief (jetzt im Erdgeschoss des Museo Nazionale) in diesem Matjnum Mithrae Antrum (Matrimonia) und eine Marmortafel mit griechischer Grabinschrift. Jenseit der Grotte Prachtblick auf das Meer. Zurück und (besser über die Terrassenbänke als oben über die Felsen) r. zum (10 Min.) *ArCO naturale 9 einem prachtvollen offenen Felsenthor mitten unter einem »phantastischen Wald von FoJsenzinken« , die das Ufer umstarreUj 559 12. Die Insel Capri (Spaziergänge). 560 nächst der Blauen Grotte die überraschendste Einzelmerkwürdigkeit der Insel, »tief unten das Meer, schwarz verschüttet, rings rothbraune Klippen, Uber dem Meer der magische Anblick des Kaps der Minerva und der Küstenberge von Ämalfi und Salerno. 6) Von Capri zum (V* St.) Kastell, Casti- glione genannt, hinan, das südwestl. über Capri sich erhebt. Neben der Freitreppe (vor der Apotheke) auf der Piazza 1. aufwärts und bei den drei Bögen r. durch die zahlreichen Wölbungen. Nach 7 Min. bei der Wegtheilung r. den Fusspfad an der Mauer hinan (der *Fussweg links führt um den Kastellhügel, hoch über dem Bande des Meers mit Blick auf Capri, die Certosa und die Fariglione, die Punta Tragara, den Telegraph, den Salto und die Villa Tiberiana, zu einem Rondel mit Praclitblick) zur alten Burg, von der man ein überaus schönes Panorama der Insel und des Meers mit all seinen Gestaden geniesst. 7) Nach (40 Min.) Anacapri. Von der Piazza zu Capri führt jetzt westwärts eine an köstlichen Aussichten auf Felsen. und Meer überreiche, bequeme (fast 3 m. breite) *neue Strasse, mit Brüstung, in massiger Austeigung und zahlreichen "Windungen (die der Fussgänger dreimal abschneiden kann) nach dem 2G8 m. ii. M. an der Westseite des Gebirges gelegenen (40 Min.) Dorf Anacapri* Man sieht die steilen, zackigen, wunderbar geformten Riesenwände und Klippen der Höhen Capri’s, die hier zur Linken aufstarren, nirgends malerischer und grossartiger; r. unten eine Strecke schön bebauten Flachlandes mit hellen, kleinen, mit Flachdächern bedeckten Häusern; dann prächtiger Seitenblick auf Capri, Marine und Felshöhen, und weiterhin ganz nahe die gefurchten kolossalen, nackten Bergmassen, in heliweissen, grauen, gelben, violetten, rüthliehen Farben mit Höhlungen, Grotten und von dunklem Buschwerk überzogen jäh über der Thalung. Nach 20 Min. kommt man an die Stelle, wo 1. eine aus Steinstücken zusammengesetzte Stufentreppe steil den Berg hinanführt, jetzt wegen der neuen Strasse nur zur Abkürzung benutzt. Es ist dies die letzte Strecke der einst durch ihre 536 Stufen berühmten Bergtreppe, die früher der einzige Verkehrsweg mit Anacapri war. Steigt man, anstatt die Strasse weiter zu verfolgen, diesen Stufen- rest empor, so tritt man durch zwei Thor- • Bügen oben in die Kommune Anacapri’s ein und kommt nach wenigen Schritten, an der Villa Simioli vorbei, 1. zum Albergo Barbarossa, das seinen stolzen Namen dem sogen. Palazzo di Barbarossa verdankt, der 1. am Iland des Abgrunds aufragt, ein vom Seeräuber Barbarossa (Chayreddin) 1544 zerstörtes Kastell mit rundem Thurm. Gegenstände von milder und schroffer Natur bilden überall den charakteristischen Theil Capri’s; daher der überaus wolil- thuende Eindruck der freundlichen, grünen und trefflich angebauten Ebene von ; Anacapri (griechischer Name für | Obercapri). Gasthof: Albergo di Barbarossa, mit Prachtblick auf der Terrasse (dienstfertige Wütin; Essen und Getränk ordentlich). — Einige Schritte am Fussweg darunter, weiter r., Uistaurante Barbarossa, demselben Wirt gehörig; sehr einfach, aber mit relativ gutem (weissen) Wein; die Flasche 1 Fr. — Der Wein in der Osteria Mazzarelli ist weniger gut. — In der Villa Simioli englischer Gottesdienst. , Ein Flecken mit weissen, kleinen, : gewölbten Häusern und hübscher Kirchenkuppel; die Strassen sind breiter als : in Capri und jedes Haus von einem Gar- ; ten umgehen. Alles ist hier neuer als in Capri, selbst der Schutzpatron (S. AntoDius von Padua). Die Einwohner : (1600 ; Capri 2400) betrachten sich nicht als Landsleute der Capreser, sie gelten für gerader , ehrlicher und gutmüthiger als die schlaueren und gewandteren Capreser , sind aber treffliche Korallenfischer, die bis an die Küsten Afrika’s in ihren Barken ziehen, im März gehen und im Oktober wiederkommen. Dio Frauen, wie die Capreserinnen überhaupt, haben regelmässig geschnittene Gesichter, aber auffällig kurze Stirnen, stecken den silbernen Pfeil durch das tiefgeknotete Haar und tragen trotz der Armut Korallen, goldene Ohrgehänge und goldenen Schmuck, der zur Heirath unerlässlich ist, auf der Brust. Mit eigenthüm- licher Grazie wissen die Capreserinnen auch das Kopftuch (il mucadore) zu schlingen. Das Betteln um den Bajocco ist hier aber womöglich noch zuthunlicher als in Capri. 8) Ueber Anacapri auf den (1 */4 St. von Anacapri) *Monte Salaro. Einem •&ä-. )$' Mm i, v*- 1 - 'mmm 561 12. Die Insel Capri (Spaziergänge). 562 Knaben, den der Wirt des Ristaurante Barbarossa besorgt, bezahlt man für die ganze Tour nur 50—60 C. — Vom Ristau- rante Barbarossa auf gepflastertem Pfad zunächst eben 1. am Berg entlang, dann den ersten Fussweg r. der Mauer entlang; nach 7 Min. kommt man (immer fast eben vorwärts) an einen tief eingeschnittenen, i. in die Höhe ziehenden, sehr steinigen Bergweg, dem man nun fortwährend folgt; das sich 1. ziehende gestufte Ende desselben führt auf den Kamm der grünen Berghohe zu einer (40 Min.) kleinen Kapelle. Hier theilt sich der Weg: geradeaus geht es zwischen den Höhen (1.) der Croceila und (r.) des Monte Sa- laro zur Eremitage (216 m. ü. M.) hinan, wo beim Pater trefflicher Wein zu haben ist, und von der Brüstung ein schöner Blick über die Insel hin sich entfaltet. Bei jener kleinen Kapelle r. hinan gelangt man dagegen ziemlich steil, aber meist auf grünem Boden zur *Höhe des Monte Salaro (610 m. ü. M.), den das von den Engländern erbaute kleine Forte di Bruto krönt. Die ^'Aussicht von der Brustwehr dieses halb zerstörten Forts ist die herrlichste und ausgedehnteste unter den so zahlreichen »unnennbar« schonen von Capri. Den Vordergrund bildet die Inselsphinx, tief unter sich sieht man die Jupitervilla, den Hügel S. Michele, den Felsenkcgel Uastiglione, eng zusammengedrängt im Thal das Städtchen Capri, heiter in der Hohe, von Gärten und Bäumen umlacht, Ana- capri, frei badend in der See die Faraglioni, dann im köstlichen Umkreis die ganze südliche Westküste von Terracina bis zu Kalabriens Bergen, und vorspringend: Gaeta, Miseno, Capo Campanella, Licosa und Pali- nuro; prächtig gelagert im silberglänzenden Meer: Ischia, Procida und die Sirenen; hinter der Küste die scliünlinigen Reihen der Apennincn und in entzückender Ausbreitung davor die beiden herrlichen Golfe von Neapel und Sorrent. Man kann im Rückweg (über nicht sehr angenehmes Steingeröll) direkt zur (40 Min.) Eremitage hinüber niedersteigen. Eine Barkenfahrt um die ge- sammte Insel (mit drei Ruderern ca. 3 — 4 St., 9 Fr.) bringt namentlich die Herrlichkeit der Felsenwelt und ihren wundervoll reichen Farbenwechsel sowie einige schöne Grotten zu genussreichster Anschauung. Von der Marina in entgegengesetzter Richtung der Blauen Grotte zuerst um die Punta del Calato zur Stalaktitengrotte, dann um das Promontorium lo Capo, die Punta del Monaco und Punta di Chiavica zur Grotta bianca, weiter um die Punta del Mar- zulla zu den *Fariglioui (S. 555) und durch die Oeffnung der zweiten Felsenzinke hindurch; nun zur Piccola Marina und um die Punta Ventroso zur * Grotta verde, welche direkt unter der 610 m. hohen Felswand des Monte Salaro völlig offen aliegt; der flache kalkige Meeresgrund gibt ihr die wundersam smaragdgrüne Farbe (auch hier ist wie bei der Blauen Grotte die günstigste Zeit gegen Mittag); dann an der Punta del Tore, der Cala del Tonno, dem Leuchtthurm der Punta di Carena, Punta di Pino, Punta di Campetiello, Punta Capoechia, Punta di Vitareto, Punta Gradelle zur * Grotta azzurra (S. 551) und an den sogen. Tiberius- bädern vorbei zur Marina zurück. Eine kürzere, äusserstgenussreiche Barkentour (für den Zeitsparenden räthlich) ist die Fahrt von der Marina piccola (zu der man nach 5 Min. Gehens auf der neuen Strasse nach Anacapri 1. unterhalb der Strasse in 1 /i St. hinab- gelangt) zur Grotta verde und durch die Fariglioni zurück (drei Ruderer 6 Fr.), an der Grotta bianca vorbei zur Marina grande. Bei der Sirena (in der Nähe des Arco naturale) sowie an dem Terrain unterhalb Anacapri und an der kleinen Marina ist im Mai und Juni der Wachtelfang ein überaus ergiebiger, so dass der Bischof, dessen Haupteinkommen einst dieser Fang bildete, den Namen Wachtelbischof erhielt. Hier sammeln sich die Wachteln oft scharenweise zum Nachtzug über das Wasser, zuweilen so ermattet, dass sie sich mit den Händen fangen lassen. Pagano fing einst an einem Tag 800 auf diese Weise. Habichte und Möven sind ihre schlimmsten Feinde und verzehren sie begierig; der Mensch gesellt sich die Lockwachtel zu, und das an der Stange befestigte Schivelonetzlein wird über die ihr Zuhuschenden geworfen. Die Weibchen trifft das Geschick, zum Leckermahl gemästet, in Reis gesotten, zum köstlichen Braten zu dienen. Unter-Italien. I. 19 563 13. Die Inseln Iscliia und Procida. 564 13. Die Inseln Ischia und Procida. Sielie die Karte S. 22. Ein irgendwie genussreicher Besuch dieser beiden Inseln verlangt 2—3 Tage und den Antritt der Reise bei entschieden schönem Wetter. Dampfboote. Die Societä Procida-Ischia fährt tägl. lmal, während der Badesaison (Juni bis September) tägl. 2mal (Billete: Strada Molo Piccolo 34) in 2t/a St. von Neapel über Procida und Ischia nach dem Badeort Casamicciola auf Ischia. Taxe: I. 5 Fr., II. 31/2 Fr. Hin und zurück 6 Fr. (für die Zuführbarke Taxe: 20 C. pro Person). Abfahrtsstelle: am Molo Piccolo, bei der (Do- gana) Immacolatella (H 0). — Abfahrtszeit: gegenwärtig Mitt. 1 Uhr (man erkundige sich im Büreau Strada Molo Piccolo 34). — Marktboot (unregelmässig) von Neapel nach Procida ( 1/2 Fr.) in 2—6 St. Barken : Von Pozsuoli nach Procida (2 St.) 6 Fr. — Vom Capo Miseno (Miniscola), nicht immer zu haben, nach (V 2 St.) ProHda 2 Fr. — Von Ischia nach Capri (6 St.) 20 Fr. MarktschifF: Von Pozzuolt nach Procida täglich, 1/2 Fr. Wer Procida zu Fuss ( s k St.) durchlaufen will, nehme das Dampfboot nur bis dahin und lasse sich dann von der Siid- bucht Chiajolella in 3 k St. mit einer Barke (2 Fr.) nach Ischia übersetzen oder nehme das Nachmittags-Dampfboot. Die Insel Procida. Die Insel hiess in antiker Zeit Prochyta, ein griechischer Name, der auf die Eruption deuten soll, die sie von Ischia oder von Misenum losriss. Sie erhebt sich mit fast ebener Oberfläche massig über das Meer j und hat gegen S. zwei alte Krater nebeneinander, die jetzt in zwei halbkreisförmige Buchten verwandelt sind. Der Boden besteht aus geschichtetem Tuff, in welchem dem Monte di Procida gegenüber (bei der Punta di Chiuppetto und der Punta di Ric- ciola) Tracliyt sichtbar ist. — G-eschichtlich i hat die Insel Ruf erlangt durch Konradins I Rächer, Giovanni di Procida, einen von ! Friedrich II. und Manfred hochgeehrten Edelmann von Salerno, der als Arzt einen grossen Ruf hatte, Besitzer der Insel Procida war und 1280 die Verschwörung gegen die Franzosen einleitete, die mit der Sici- lianischen Vesper schloss. Die Küste ist sehr buchtenreich und die Einwohner so fleissige Fischer, dass man die Insel Isola »dei Pescatori« nennen könnte. Doch ist auch jede Stelle des ausserordentlich fruchtbaren Bodens fleissig benutzt und die Ebene fast ein einziger Gemüse-, Obst- undWeingarten. Diese Fruchtbarkeit hat hier eine unverhältnismässig zahlreiche (aber schön gewachsene) Bevölkerung (14,000) zusammengedrängt. Man landet gewöhnlich an der Kanalseite, wo die Marina di Procida am Ufer sich hinzieht und gute Schiffswerften sich befinden. Schon vom Meer aus sieht man an der Punta della Eic- ciola das Castello di Procida stattlich über die amphitheatralisch emporsteigende Stadt sich erheben. Von der Marina führt der Weg beim Cafe dcl Commercio hinan 1. zur Piazza der Stadt (im Albergo di Campagna ausgezeichneter Rothwein). — Von hier steigt man 1. zum Castello (jetzt Gefängnis), wo man eine unvergleichliche ^Aussicht über die ganze Insel geniesst: das Gassengewirre derStadt mitdenplattenDächern, die schneeweissen Landhäuser der acht Gemeinden, die Kirchenkuppeln mitten aus dem üppigsten Obst-, Orangen - und Limonengarten hervor, im S. die Corri- cella und davor dicht unter sich Tufffelsen mit Kaktus und Agaven, an der Marina die Matrosen, an der Westküste zahllose kleine Fischerhäuschen. Guic- ciardini nannte die Insel eine »terra in- cantata!« — Juvenal (Satyre 3) zieht sie der Subarra zu Rom vor. An den Festtagen kleiden sich die Procidanerinnen noch in ihre malerische »griechische« Tracht (besonders am Schutzengelfest, 29. Sept.), auch sind sie als Tänzerinneu (al suon de’ timpani) berühmt. In s /4 St. durchläuft man die ganze Länge der Insel bis zu ihrer Südbucht Chiajolella. Hier trennt ein seichter, nur für Fischerkähne passirbarer Kanal von 100 Schritt Breite die Insel von dem kleinen Eiland Vivara, das nicht grösser als Nisida ist, aber in dessen offenem Hafen (ein alter Krater) die grössten Schiffe ankern können. Barken fahren von der Bucht Chiajolella in 3 /4 St. (2 Fr.) nach Ischia hinüber. Die Insel Ischia. Wer von Neapel die Tour in 1 Tag machen will (nicht räthlich), nehme das Dampfboot (hin und zurück 6 Fr.) nach 565 13. Die Insel Ischia. 566 (21/-2 St.) l'asamiciiola, besteige (zu Esel, die man schon am Landungsplatz findet; 4 Fi\, hin und zurück 5 St.) den Epomeo und gehe auf dem Rückweg nach Ischia hinab (wo das Dampfboot von Casamicciola vovbeikommt). — Wer 2 Tage darauf verwenden will, der besteige am ersten den Epomeo und mache am zweiten die Iiandtour um die Insel (8 St., Esel 5 Fr.). Rundreise um die Insel. Von Ischia führt nur Eine Ilauptstrasso nach der Nordseitc und theilweise parallel mit ‘der Nordküste quer über die ganze Insel zu den zwei anderen Ilauptorten Casamicciola und Forio. Am besten macht man die ganze Rundreise zu Esel. Wer wenig Zeit hat, steige von Neapel kommend bei Ischia aus, gehe von hier nach (P/a St.) Casamicciola, besteige von da den (2Va St.) Epomeo und kehre über (:3 St.) Forio zurück. Die Einwohner, von welchen zwei Drittel Bauern sind, haben mit grossem Fleiss über drei Viertel der felsenreichen Oberfläche angebaut; nur ein Viertel sind Fischer und kühne Seeleute, die übrigen Handwerker. Man zählt mehr als tausend kleine Grund- eigonthümer. Bei Borgo d’Ischia und bei Lacco wurden Tonnaren für den THunfischfang angelegt. Die Inselbewohner und die Einwohner von Tone delGreco geltenalsdiegewandtesten Thunfischfänger; der Tonno erscheint gegen Ende April, laicht im Mai und wird bis Ende Juni gefangen; Mitte Juli erscheint er wieder und zieht dann umgekehrt gegen N. Er wird bis 10 Ctr. schwer und ist der beliebteste und grösste schmackhafte Fisch des Mittelmeers; man zieht für den Geschmack die von J /3—Va Ctr. vor, haut sie zum Verkauf in senkrechte, etwa 5 cm. dicke Scheiben aus, verkauft sie nach dem Kilo und isst sie in Oel gebraten; man muss sie, bald nachdem sie aus dem Wasser genommen sind, essen, denn die abgestandenen sind der Gesundheit sehr nachtheilig. Der Boden, durch die Puzzolana und die vulkanischen Aschen genährt, ist noch fruchtbarer als der am Golf von Neapel, die Traube gedeiht besser als in den fruchtbaren Strecken der Campagna und liefert einen trefflichen weissen, prickelnden Wein; vorzüglich sind auch Obst, Feigen, Orangen, Wassermelonen; wild wächst überall Myrte und Mastix. Das Klima ist mild, von den kühlen Seeströmungen erfrischt, der Himmel oft monatelang wolkenlos, der Winter ziemlich gelinde; doch ist Forio und die Campagna umher den Südwest- und Nordwestwinden ausgesetzt, und Ischia bildet eine Art Kanal für den Nordwestwind, der als der kälteste Wind dieser Gegenden in den Golf von Neapel dringt, so dass die Atmosphäre immer heftiger Bewegung ausgesetzt ist. Casamicciola, im S. so geschützt, wie es im N. offen steht, bietet durch seine Lage einen noch frischem Sommeraufenthalt als Sorrent, ist aber fiir den Winter nicht als Krankenstation zu verwertlien. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 24,000; es ist ein schöner Schlag Menschen, doch sehr dunkel gefärbt, von anderer Gesichtsbildung als die Neapolitaner, stark und flink, mit ansprechenden, oft edlen Zügen, einfach, sehr freundlich und gutmütliig, wenn auch oft laut aufbrausend; von Räubereien hört man kaum je etwas. Die Mundart ist eigentliümlicli, die Tracht der (sehr brünetten) Frauen ein farbiger Scialleto, der hinten vom Kopf niederfällt, ein Corpetto von rother Seide mit Goldfransen, eine Weste von weisser Farbe; das den Hals um- schliesscnde, vorn zugebundene Hemd ist an den Aermeln fein gefältelt, das Mieder , geht kaum bis zur halben Brust, die Röcke sind kurz und faltenreich. Manche tragt i noch ein mit Gold besetztes Mützchen auf dem Kopf, von dem, wenn sie zur Messe geht, ein weisser Schleier herabfällt. Die Frauen von Forio tragen den Scialleto in der Form eines graziösen Turbans. Sie sind berühmte Tarantellatänzerinnen (ein Rest der griechischen Bacchanalien der herrlichen Weingegend), und von hier soll das bekannte Tanzlied »figliulo cu chi l’hai, cu chil’hai?« stammen. Die Landhäuser, in Weinbergen und Gärten versteckt, erinnern mit ihren kleinen, auf den Hof geöffneten Stuben und ihrer Bestimmung des Hofs finden Verkehr an die antike Vorzeit. Die Insel hiess bei den Griechen Fithe- cusa, bei den Römern Aenaria (angeblich von Aeneas), bei den Dichtern Inaritne (so Virgil Aen. IX, 719, weil Homer die Stätte, wo der Gott des vulkanischen Ausbruchs Typhoeus gebändigt, aber noch widerstrebend in der tiefen Erde ruht, in das Land der Arimer verlegt). Ischia ist die grösste Insel bei Neapel, hat 8 St. Umfang und bildet in der unvergleichlich schönen Scenerie des Golfs von Neapel (für die Stadt Neapel jedoclt durch das Kap Misenum und den Posilip verdeckt), durch den aus der grünen Umkleidung der Inselmitte breit kegelförmig aufragenden dunkeln Epomeo, den prächtigen Westschluss. Schon Virgil hat den Berg mit dem rauchzackigen Lager verglichen, das Zeus dem Typhoeus aufwarf. Die ganze Insel ist vulkanischen Ursprungs; der Epomeo ein ungeheurer Tuffkegel, über einem mächtigen Lager schwarzer Trachytlava aus dem Meer sich aufthürmend. Die interessanten geologischen Verhältnisse, die Heilquellen und die überaus herrliche Natur haben sie zu einer der besuchtesten Stätten des Golfs erhoben. Die Dampfboote gewähren schon von fern den Blick auf den aus- 19 * 567 568 13. Die Insel Ischia (Casamicciola). gebrannten hohen Vulkan, der wie ein zweiter Vesuv mit all dessen Ortschaften isolirt aus dem Meer auftaucht; die weissen Häuschen am Berg umringen, in Weinbergen und Gärten versteckt, den Berg von allen Seiten bis zur öden Höhe, unten taucht an der Ostspitze das Kastell von Ischia auf, bei dessen Borgo (wo man aussteigen kann) die Dampfboote gewöhnlich vorbeifahren, um dann ihre Ilauptbestimmung Casamicciola zu erreichen, das hoch über der Küste an der einzigen im nördlichen Inseltlieil von Ischia bis Forio hinziehenden Hauptstrasse liegt. Am Landeplatz (20 C. Taxe für das Landen), findet man Esel ( x /2 Fr.) zum Hinaufreiten zu den ( 1 /a St.) Gasthöfen. Die Diener der Gasthöfe stehen schon für den Empfang und die Besorgung bereit. Casamicciola. Gasthöfe: *H6tel Bellevue (wo Garibaldi 1863 wohnte), das äusserste r. mit prächtigem Blick auf die Bucht von Lacco und schönen Spazierwegen; Pension 10 Fr., Familien billiger. Gut, aber theuer. — *Hötel des Etrangers (T. d’h., sehr gut, 4Va Fr.; Z. von 3 Fr. aufwärts; die Besitzerin ist eine Engländerin), am Südabhang der Höhe, die Casamicciola von Lacco scheidet; Pension 7 Fr. — *Hötel Gran Sentinella, der höchste Punkt derselben Reihe, mit deutschem Wirt; neu eingerichtet; sehr gut; Pension 8 Fr.— Albergo Manzi, unten am Kurhaus. — Albergo Balboni, gegen die Marina hin. — * Villa Rivaz (Schweizerpension), 8 Fr. tägl. — Villa Sauv4 (französ. Pension), 8 Fr. tägl. — Eine ziemliche Auswahl von moblirten Wohnungen steht in den Villen zu Gebote. Esel pro Stunde ca. 1 Fr. Die Besteigung des Epomeo ca. 6 Fr. Der Tag ca. 5 Fr. Casamicciola ist ein in den Monaten Juni bis Mitte September sehr stark besuchter Badeort wegen seiner trefflichen Thermen (»la regina dei bagni«), köstlichem Blick auf das Meer, Seebädern, Sandbädern und herrlichen Ausflügen. Im N. des steilen Epomeo gelegen und der See völlig geöffnet, geniesst es Schatten und Kühle im Sommer. Bäder, Kursäle und Hotels sind zweckmässig eingerichtet. Der Ort mit 4000 Einw. liegt malerisch in einem üppig angebauten Thälchen. Die Thennalquellen (die eigentliche B’däerstadt ist das 10 Min. tiefer gelegene Monte) entspringen aus beiden Seiten der Schlucht Ombrasco, 74 St. vom Flecken, am Fuss des Epomeo. Die Ilauptquclle ist der Gurgltello (Strudel), eine Sodaquelle mit brodelnder freier Kohlensäure, 52—59° Wärme; in 1 Liter 3Gr. Kochsalz, 3Gr. kohlensaui'es Natron, 1 Gr. schwefelsaures Natron und etwas Jod, gegen Rheumatismen, Gicht, skrofulöse Anschwellungen, Schusswunden, Caries und Paralysen verwendet; auch gegen »nervöse Verstimmung der Frauen«, wobei die bewegte, excitirende Luft zu berücksichtigen ist; gegenüber ein Spital für arme Patienten, dann zwei grosse Etablissements mit Privatbädern und mit einzelnen Zimmern und Appartementen (aber ohne Aussicht). Einige Schritte davon die Quelle del Cappone (des Kapaunen), mit lauem (35°) salzigen Wasser; sie ist weit kochsalzreiclier als der Gurgitello, wird stark getrunken, selbst über Tisch. — Etwa 60 Schritte vom Cappone entspringt die Sodaquelle der Acqua di Bagno fresco (aber mit 37°), für die Augen gerühmt und daher dell'Occhio genannt, auch für Weisswaschen der Hände. — Westlich, nahebei (im Val Sinigala ), steigt mitten im Bett des Perabachs die Quelle Spemta pollastro (viel zum Hühnerabbriilieu benutzt) empor, 65°; die Quelle Golata (Lauge) wird zum Waschen benutzt; die ihr gegenüber heisst Gociva, weil sie (72° heiss) als Kochwasser verwendet wird. — In dem pittoresken Val di Tamburro (Trommelthal), das sich auf das Val Ombrosco öffnet, findet man schon am Eingang die Acqua ferrata (eisenhaltig) und 20 Schritte weiter VAcqua d’oro mni d’argento (die goldführende Quelle Strabons). — Höher oben entspringt aus einem Lava- felsen die Tamburroquelle, derenKohlensäure- entwickelung ein trommelndes Getöse erzeugt.—Im Westen von Casamicciola lliesst aus einem kaum kenntlichen Krater die Acqua Rita (65 o), mit geringerem Salzgehalt, häufig zum Kochen benutzt. Hinter dem Hotel Bellevue, an dem Gehänge des Epomeo, die Fumaroli und Stufe Erassi und Monticeto. Bei Casamicciola und 550 m. am Epomeo hinauf hat man durch die ganze Lavamasse durchbrechend unter derselben einen zu Töpferarbeiten tauglichen Thonmergel (»Greta«) mit Meennusclieln (am häufigsten Buccinum prismat.) gefunden. Schon Plinius leitet den Namen der Insel »Pitheeusa« von den hier verfertigten grossen tliönerneu Vasen ab. Besteigung des ^Epoilieo. Der Weg von Casamicciola hinan ist der steilste, aber die Esel sind hier auffallend gut gebaut, kräftig und zuverlässig. (Der wenigst mühsame Weg führt von Panza im SW. der Insel empor; ein anderer von Bagno d r Ischia zwischen dem Montagnone und Monte Rotaro hinan.) Von Casamicciola eine Strecke auf dem Weg nach Ischia, dann r. den Euss- weg hinan, unter Weingärten, dann Kastanienwald und Weiden für Ziegen und Schafe; auf die Myrtengebüsche und 569 13. Die Insel Iscliia (Borgo d’Ischia). 570 hohen Ericasträuche folgt zuletzt nur der nackte Fels, und der Esel klettert am Rand tiefer Abgründe hin. Die Aussicht entfaltet sich immer herrlicher. Auf der Höhe zieht in Spiralen an der Südseite des Bergs der Pfad hinan zur Einsiedelei S. Nicola (759 m.). Ein langer, durch den Felsen gebohrter Dang führt von der Südseite an die nördliche, sonst unzugänglicheWand,undhier auf schwindelnden Stufen zum Gipfel. Hier ge- niesst man auf der nur 1 m. breiten Felsspitze die herrlichste ^Aussicht auf einen Umkreis . von mehr als 80 Seemeilen. verursacht, die immer durch Seitenspalten hervorquollen und bald in ihrem Lauf stockten. Den Rückweg kann man nach ( 2 V 2 St.) Ischia einschlagen. Er führt durch Kastanienwälder und Maulbeer- pflanzungen mit reizendem Wechsel der Fernsichten über Fontana, Meropano, Gasdbona, mit Blick 1. auf Piejo, »im Schatten der Pappeln, Eichen und Nussbäume , an denen, wie in der Campagna felice, die Rebe zur Freude des Malers und zum Aerger des Weinkenners hoch emporsteigt« 5 zuletzt über Laven nach Ischia nieder. Ein anderer, bequemerer Rückweg führt über Panza (S. 574) nach Forio, in der Mitte Vor sich das dunkle farbenspielendeMeer, von einzelnen weissen Segeln und Dampf- ( booten durchfurcht, landwärts die beiden ! der Westküste. Golfe von Neapel und Bajä, das lang ge- | . streckte Ufer von Cumä, über allen das j nUlldP6l$6 UtTI 016 IrtSGl. Ägen ÄeTiÄ i B °^° ^ mit den Höhen von Terracina und Gaeta. an der Ostküste, ist die Hauptstadt der Dazu bei längerem Verweilen der pracht- ; j nse i un( i Bischofsitz, mit 6500 Einw., volle Farbenwechsel! Die Bucht von Salerno i ist hier durch die Halbinsel des Monte S Angelo verdeckt, die Aussicht also etwas beschränkter als auf Capri, doch breiten sich Küste und Meer vom Capo Circello bis Capri in noch glanzvollerer Schönheit aus. Ischia selbst liegt wie eine Reliefkarte zu Füssen. Die Einsiedelei ist in den mürben Tracliytfelsen gehauen. Die Gänge und Zellen im Innern liess ein Deutscher, Herr v. Argvtk, einhauen, der unter Karl III. Festungskommandant von Ischia war und wegen wunderbarer Rettung sein Leben als Eremit mit 12 Klosterbrüdern hier oben verbrachte. Ein von Deutschen gestiftetes Fremdenbuch liegt hier auf und man erhält guten Wein (ein Trunk des trefflichen mit breiten Strassen, malerisch am Strand hingelagert, und mit Springbrunnen, deren Wasser ein Aquädukt von der (1 St.) Bucetoquelle am Epomeo herbeiführt. — Gebieterisch erhebt sich das Kastell auf einem 180 m. hohen, von den Wogen zerfressenen Trachyt- kegel mitten aus dem Meer, nur durch einen schmalen Damm mit der Insel verbunden. Gegen die türkischen Piraten erbaut, diente es den Bourbons mit seinen tiefen Felsengelassen als Staatsgefängnis für die Republikaner Neapels und Siciliens. Ein um den Felsen, zum Theil als Gallerie, sich windender Trep- Ischiaweins, mit dessen bester Sorte man | penweg führt hinan (zur Besichtigung sich versehen sollte, zu einigen Orangen ! bedarf es eines Permesso des Festungs- der Insel genossen, ist ein köstliches Lab- kommandanten) zu den Batterien und sal hier oben). In langer Bogenreihe sieht j Kasematten, im Innern zu den Kerkern, man die Felsen sich von unten hervor- j m it der Ueberschrift: Fructus Criminis. heben, und man sucht vergeblich nach ; In Iscliia, das 813 von den Saracencn, einem Krater. Die Südseite des Epomeo, i l 135 von den Pisaiiern zerstört 1299 sammt r 5 ! der Insel durch Karl II. mit Neapel vorder einen halbkreisförmigen, nach SO. geöffneten Wall bildet, ist weit jäher, theilweise mit senkrechten Wänden; dort sind von der Nordseite des Kraters einige Reste geblieben. Die grosse Unregelmässigkeit der weiteren Umgebungen des Kegels ist durch die zähen, feldspatreichen, trachytischen Laven einigt wurde, wohnten später die Arago- nesen und ihre Getreuen noch längere Zeit, nachdem sie aus Neapel vertrieben waren. »Hier«, sagt Witte, »dichtete Vütoria Colonna nach dem Tod ihres geliebten Gatten, des Marchese da Pescara (dessen Familie die Statthalterschaft über die Insel erhielt), vielleicht die schönsten, gemüthvollsten Verse, die in italienischer Sprache je eine Frau geschrieben.« 571 13. Die Insel Iscliia. 572 Der Weg von Ischia nach Casamic- ciola fährt über den Lavastrom VArso, der 1301 plötzlich aus einer durch elliptischen (jetzt fast zerstörten) Schlacken- rand bezeichneten Spalte (CremateJ hervorbrach und IV 2 Migl. lang und bis V 2 Migl. breit ins Meer floss. Er ist ca. -im. dick (stellenweise 12 bis 15 m.), mit Schlacken bedeckt, schwarz und rauh und so nackt und Öde, als wäre er jetzt erst erkaltet. Bei dieser Eruption wurde die Villa des Pontano (welche da lag, wo an der breitesten Stromstelle zwischen der Stadt und den Bädern jetzt einige Häuser mitten in dem Chaos der Lavaschollen liegen) zerstört, der, sowie auch Villani, über die Schreckensscene schrieb; der Ausbruch dauerte zwei Monate, und die Einwohner wanderten zum Tlieil aus. V 2 St. Bagno cVIschia, mit dem Lago del Bagno, einem mit salzigem Wasser ausgefüllten alten Trachytkrater; der See steht jetzt mit dem Meer in ka- nalisirter Verbindung und dient als Schutzhafen. L. eine königliche Villa voll südlicher Gewächse. Unter den Gärten des Casino ein Baüe- Fitablissement mit den heissen (55 — 59°) Quellen der Acqua della Fontana und Acqua di Formello (kochsalzhaltig, mit kohlensaurem Natron und Magnesia und freier Kohlensäure). Von hier führt ein guter Weg zwischen dem Montagnone und Monte Itotaro hinan auf den Epomeo (S. 508). Die Strasse läuft nun durch Weinberge aufwärts am Fuss des Montagnone (einem weiten, an der Ostseite offenen Krater) und dem mit ihm halb ver- wachsenenen Monte Botaro (auch einem Schlackenkegel mit grossem Krater auf dem Gipfel) und Monte Tabor (einem prächtigen Lavastrom des Rotaro, mit hellem, fleisclirothem Trachyt) hin. Der Strom des Tabor ergoss sich ins Meer und nimmt die Breite zwischen der Bnnta Perrone und della Scrofa ein. Der Ausbruch des Rotaro ist wahrscheinlich der von Timaus ausführlich beschriebene und von Strabo (V, p. 171) mit- getheilte (ca. 390 v. Chr). NÖrdl. vom Rotaro und Tabor an der Küste ist die Punta Castiglione; am Ostfuss des Promontoriums die überbaute Dampfquelle (75°) von Castiglione; auf der Höhe über den Bädern werden die Dämpfe aus den Laven zu Dampfbädern benutzt; — die Stufe di Cacduto (30 Dampfquellen, mit 68°) entspringen aus den Laven des Monte Tabor. — Um den Monte Tabor führt die Strasse nach Monte und dann mit einer Kurve nach r. (1 St. von Bagno) zu dem hochgelegenen Casamicciola (S. 567), dem wichtigsten Ort Ischia’s. Die Hauptstrasse führt direkt westl. nach (1 St.) Forio (S. 573). Gegen NW. zu führt ein Weg nach dem nur 1 Miglie von Casamicciola entfernten Lacco, einer langen Häuserreihe am Sandstrand (in der Kuppelkirche ein antikes Weihbecken). — Im NW. von Lacco erhebt sich mitten auf dem antiken Begräbnisplatz (wo man in gemauerten Grabgewölben schöne griechische Vasen ausgrub) zwischen den Hütten der Weingärtner das Karmeliterlloster S. liestituta (das Fest der Heiligen [17. März] zieht eine Menge Menschen in ihren Feierkleidern hierher), in dessen Garten die Acqua della Regina Isabella z\i Bädern benutzt wird. Die Hauptquelle, S. Restituta, 50°, ist eine Kochsalzquelle und entspringt am Fuss des Vicohügels; sie enthält dreimal mehr feste Bestandtheile (28 Gramm auf 100 Kubik- zoll Wasser) und zweimal mehr Kohlensäure als der Gurgitello, kolilensaurc Alkalien, Kochsalz, Glaubevsalz und Spuren von Jod und Brom. — Auch trockene Sandbiider nimmt man hier, denn die ganze Gegend umher ist so heiss, dass man in der Nähe der Quelle schon Va m. tief auf Meerwasser von 05° Wärme stösst. Abends werden von den Einwohnern auf diese Weise Fussbäder genommen. Fünf Brunnen in der Nähe liefern ähnliche Mineralwässer; über dem Kloster ist auf dem Gipfel des Vico mitten im Kaktusgebüsch die Fumarole von Cotto. Ra St. westlicher entspringen am Fuss des Monte Vergine, im Hintergrund der Bucht von S. Montano,* die Thermen S. Mon- tano (55°), mit noch stärkerem Salzgehalt als die S. liestituta, zudem eine romantisch einsame Stätte. •— Die Stufe di S. Lorenzo auf der Anhöhe, durch welche das Val S. Montano vom Vicohügel getrennt wird, sind wegen der 57° heissen Wasserdämpfe die besuchtesten Schwitzbäder. — Der Lavastrom (la Sciarra), der an der Nordwestspitze der Insel bei der Punta Carusa niederströmte, soll 474 v. Ohr. die Syrakusaner von hier vertrieben haben. Südlich von Lacco, an dem Hohlweg südöstl. von Meazavia . liegt 20 m. über dem Meeresspiegel, 485 m. von der jetzigen Küste entfernt, eine Bank groben Sandes mit Geschieben von Trachyten, Feldspat - trüinmern undBimssteinen, welche ingrosser Menge lose marine Reste, Muscheln, Ecliino- dermen und Korallen, oft noch mit Farben, enthält; die Fauna entspricht der noch lebenden des Mittelmeers. 573 574 14. Von Neapel nach Amalfi und Ravello. Von Laeco gelangt man in 1 St. südwestlich über den Lavastrom des Monte Mare- cocco (auf dem Südrücken des Stroms die Eremitage Monte Vergine mit schöner Aussicht auf die Ebene von Forio) nach Forio, einem behäbigen, zerstreut gelegenen Flecken mit 6176 Eimv., vielen Kirchen und mittelalterlichen Thürmen, von fern mit den flachen weissen Häusern und dem Häuflein Palmen einer Stadt des Orients gleichend. Man hat hier eine *Prachtsicht auf das unendliche Meer (namentlich von S. Francesco aus), das hier in furchtbaren Nordweststürmen wüthet, aber die Bewohner zu kühnen Seeleuten bildet (die ischiotischen Felucken, die man in den Häfen von Genua und Livorno sieht, werden hier gefertigt). Der Boden ist bei Forio leichter zu bearbeiten als in anderen Theilen der Insel, und hier befinden sich auch die vermöglich- sten Grundeigenthümer, die zudem die schönsten Wohnungen besitzen. Am Ostabhang des Monte di Vico deutet eine griechische Inschrift auf die Stelle des Forts, während dessen Bau jene Eruption eintrat, welche die sicilisch-griechischen Ansiedler vertrieb. Bei Eeriglio (vor Forio) ist in der Villa Paolone die in dem 15 m. tiefen Brunnen 45° warme Quelle Acqua di Francesco I., die als eröffnend getrunken wird (sie ist reich an Kochsalz, schwefelsaurem und kohlensaurem Natron). 1/2 St. südlich von Forio ist die am Westrand der Insel am Fuss des Monte Im- peratore entspringende berühmte Quelle di t'itara (51°), sehr kochsalzhaltig und ausser reichlichem Glaubersalz mit Eisenverbindungen, Spuren von Jod und viel freier Kohlensäure; das stark eröffnende Wasser wird zu Trinkkuren auch nach Casamicciola versandt und wird dort namentlich den jungen Frauen empfohlen. — Nur 100 Schritte nördlicher findet man Quellen mit 53—57° Hitze, deren freie Kohlensäure sie zu Sied- qucllen gestaltet (in dem nahen Lavafelsen sieht man noch alte Stufe). (1 St.) südöstlich liegt das Dorf Paiiza, köstlich gelegen mitten in Weinbergen, einst Sommeraufenthalt der arago- nischen Könige, am Fuss der Laven des Monte öorvo. — V on hier aus ist (13/4 St.) der Monte Epomeo am leichtesten zu besteigen: (1 St.) Serrara; (V 2 St.) Fontana (V 2 St. vom Gipfel). (1 St.) MeropanOj wo ein gepflasterter Weg von der Brücke zur Quelle von Nitroli führt, in der öden wilden Schlucht delV Olmitello; sie springt aus Maueröffnungen am Fuss der Lavablöcke hervor, hat nur 30°, Kochsalz, Eisen und Kohlensäure in massigen Dosen und wird viel als Trinkwasser benutzt. Hier gefundene Reliefs bezeugen ihre Benutzung in antiker Zeit. Berühmter ist die nur 1 Kil. südlichere Quelle ilell’ Olmitello in derselben wildromantischen Schlucht; sie hat 43,5° Wärme, viel Kohlensäure und an festen Bestandteilen kohlensauren Kalk, Talk und Natron, Kochsalz, Glaubersalz, Gips und Spuren von Eisen. Sie wird häufig zum Trinken versendet (gegen Verdauungsleiden, Obstruktion, Nierenkrankheiten). An der nahen Südküste der Insel trifft man an der Marina dei Moranti aufFuma- rolen, welche den Sand des Strandes bis auf 80° erhitzen; dann zwischen Serrara und Testaccio die dem G-urgitello ähnliche 76° heisse Quelle delle Petrelle in der wilden Schlucht Cava scura. Die Stufa del Testaccio (1 Kil. östl. von der Olmitelloquelle) bei dem nahen Ort Testaccio •sbesehliesst den Kranz der ischia- nisehen Heilquellen« (eine ihrer Spalten entwickelt bis 93,5° Wäi’me). — Von Testaccio gelangt man in l k St. nach dem (V 2 St. von Meropano) südüstl. entfernten Ort Barano. Von hier führt der Weg langsam nordostl. (man lässt Casabona und Piejo 1. liegen) am (Va St.) r. Monte di Vezza und dem fernem Monte di Campagnano vorbei (dieser nordöstliche Theil zwischen Mariana degli Ma- ronti und Mariana della Mandra zeigt nirgendseinen deutlichen Krater; Gänge, Bereg und Ströme von Trachyt, Lapilli und Tuff setzen ihn zusammen) nach ( 11/2 St.) Borgo d’Ischia (S. 570). 14. Von Neapel nach Amalli und Ravello. Siehe die Karte S. 22. 49 Kü. Eisenbahn von Neapel bis Vietri (Bahn Neapel - Salerno - ltomagnano) 5mal täg. in 2i/ 3 St. für I. 5 Fr. 55 C., II. 3 Fr. 90 C-, III. 2 Fr. 25 C. Wagen von Vietri nach Amalfi: Einspänner 4—5 Fr. (Corricolo 3 Fr.), Zweispänner 7 Fr. EinPosto(Sitz)2Fr. Fahrzeit: 2Va St. — Kutscher und Eseltreiber rechnen immer noch auf ein Trinkgeld. — Esel: Von Amalfi nach (D /2 St.) llavello 2 Fr. Diese Route lässt sich mit der nach Sorrent (R. 11) oder mit derjenigen nach Pästum (R. 15) verbinden. Die Fremdenführer J . Huber und Zumstein haben für letztere eine zweitägige Ausfiugs- route angeordnet, die jedoch unter 4Personen 575 576 14. Ton Neapel nach Amalfi und Kavello. nickt unternommen wird; Eisenbahn nach Salerno', Wagen nach Amalfi, Wagen nach Piistum, und die besten Hotels (Amalfi: Luna; Salerno: Vütoria), alle Auslagen inbegriffen , 50 Fr. pro Person. Man fährt Morgens 1/4 vor 8 Uhr beim Schweizer Cafd Zepf-Weber ab (wo man Tags zuvor bis spätestens 7 Uhr Abends seinen Namen ab- zugeben und 10 Fr. Angeld zu erlegen hat, damit für die Zimmer und Kutschen nach ►Salerno telegraphirt werden kann), hat II. Kl. Eisenbahn und bequeme Dreispänner. Die Bahn von Neapel bis (24 Kil.) Pompeji s. S; 401. — Es folgt: (27 Kil.) Scafati 9 mit lebhafter Baum- wollkultur, einer grossen Baumwollspinnerei, berühmtemVolksfest (lö.Aug.) bei S. Maria del Bagno . Golf und Vesuv treten mehr und mehr zurück, während gegen NO. zu beiden Seiten die Höhenzüge des Albinius sich naher treten. Ueber den Sarno (S. 535) nach Angvi, mit Baumwoll- und Seidenspinnereien. Südl. von Angri, am Fuss der Hügel, deren alter Name des Mons Laötarius in dem Ort lettere nachklingt, fand im Frühling 553 11 . Chr. die Vernichtungsschlacht zwischen den Griechen unter Xarses und den Gothen unter Tejas statt. Die verrätlie- risclie Uebergabe der Flotte hatte Tejas gezwungen, sein Lager abzubrechen, und die Gothen wichen bestürzt auf die Abhänge des lactarischen Bergs zurück; dort beschlossen sie, dem äussersten Geschick nicht länger auszuweichen. »Der ruhmvolle Kampf«, sagt Gregorovius , »der letzten Gothen auf dem schönsten Kampfplatz der Welt, zu den Füssen des alten Vesuvs, im Anblick des Golfs von Neapolis, beschliesst die Geschichte dieses neapolitanischen Heldenstamms durch einen Untergang, der uns noch heute mit Schmerz erfüllt, aber durch seine wahrhaft tragische Grösse reichlich versöhnt.« Der Gegner Procopius selbst ruft über den gefallenen Tejas aus, dass es keinen Heroen irgendwo im Alterthum gegeben, der diesen an Tapferkeit übertroffen habe. In ernst prächtiger Gegend (37 Kil.) Stat. Pagani. In S. Michele, Capp. i. vom Hochaltar, die Reliquien (unter Glas) des Stifters des Redemtoristenordens, S. Alfonso de’Liguori, gest. 1787 zu Pagani; wurde 1839 ‘heilig gesprochen. In lieblichem Thal mit fast schweizerischem Charakter liegt (37 Kil.) Stat. Nocera. Die Stadt, jetzt mit 13,500 Einw., liegt in einem grossen Thal, von Hügeln und der Kette des Albinius umgeben. Zerstreut umher erblickt man die 25 Casali zwischen den Bäumen, am Hiigelgeliänge und in der Ebene in reicher und schöner Vegetation. Geschichtliches. Nocera ist die antike Xuceria Alfaterna, die schon im Samniter- krieg zerstört, dann unter Augustus eine Kolonie römischer Veteranen wurde (unter Xero noch verstärkt) und mit Pompeji Hafen und Theater gemeinsam hatte, sich gelegentlich auch mit ihm überwarf. — Im grossen Caslello starb Helena, die schöne Gemahlin Manfreds, nach fünfjähriger Einkerkerung, noch nicht 29 Jahre alt, 1271; hier war es auch, wo 1385 Urban VI. von König Karl III. Durazzo belagert, viermal des Tags ans Fenster trat, die Glocke in der einen, die Fackel in der andern Hand, und das Heer, den König und dessen Gemahlin exkom- municirte; unter Trompetenschall ward dagegen vor den Mauern der Stadt ausge- rufen, wer den Papst todt oder lebendig einbringe, solle 10,000 Goldgulden Belohnung erhalten. Vom Kastell (1. von der Bahn, über den Cappuceini), zu dem man auf einem mit Lauben und Feldblumen bedeckten Fussweg hinansteigt, hat man eine wunderschöne "Aussicht auf alle Dörfer umher, die umliegenden Berge, Thäler und Flüsse und auf die Ebene von Salerno; im Hintergrund der Vesuv und Neapel mit seinem Golf. Nocera ist der Geburtsort des Stifters der Tempelherren, Ugo dei Pagani (geb. 1080) und des Malers Francesco Solimena (geb. 1657). Noch eine gute Strecke bewegt sich die Bahn in der herrlichen Hügellandschaft. Die grünen Bergkegel ringsum sind mit pittoresken Ruinen, alten Klöstern und Jagdthürmchen gekrönt. — Diesseit der (40 Kil.) Stat. S. Clemente liegt r. (von der Bahn gut sichtbar): *S. Maria maggiore (S. Maria rotonda) ,ein sehr interessanter altchristlicher Bau, ursprünglich eine Tanfkirche, dann Kathedrale, unter Urban VI. wegen Baufälligkeit verlassen. (S. die Illustrationen S. 577—582.) Um einen innern offenen Kreis, in welchem sich ein drei Stufen tiefes, marmorbekleidetes Becken befindet, laufen acht antike (zwei Granit-, sieben Marmor-) Säulen (von drei nur die Basen) auf einer Brustwehr. Es folgt ein zweiter äusserer Kreis von 14mal zwei nach dem Halbmesser gekuppelten Säulen, welche nach innen zu eine Kuppel, nach aussen einen gewölbten Umgang unterstützen; vor die hintere runde Umfassungsmauer legen sich Wandpfeiler als Gewölbeträger. -- A 11 der Vorderseite legt sich eine quadratische gewölbte Vor- 577 14. Nocera (S. Maria maggiore) — La Cava. 578 halle an; gegenüber öffnet sich der gewölbte Umgang in eine überhalb runde Apsis, zu deren Seiten je ein 'Paar monolither weisser Marmorsäulen mit antiken Kapitalen und antiker Gesimsplatte stehen. Die Säulen, meist von antiken Gebäuden spaterer Zeit, bestehen aus verschiedenem Material (Travertin, Granit, Marmor), einige sind mittelalterlich. — Die Kuppel hat acht kleine ungleich vcrthcilte Fenster (die im untern Tlieil sind modern) und wird aussen von einem kleinen Tliiirmchen überragt. Weil für die In beiden Monumenten tritt die Ueber- tragung des Basilikenschema’s auf den Kundbau in einfachster Form zu Tage. Bahnroute. Jenseit derStat.S.Cle- mente schichtet sich der Apennin amphitheatralisch , und der kahle Scheitel des Monte Finestra tritt scharf hervor. Die Bahn hat eine bedeutende Steigung zu überwinden bis zur S. Maria maggiore bei Nocera. Kuppel hier noch die Säulen das tragende Glied sind, so mussten diese etwas unbe- liiilflich nach den Radien zu gekuppelt werden, und durch das Einschneiden von rund- bogigen Archivolten in den kreisrunden Tambour entstanden unschöne Bogenlinien, zugleich auch büssten die Bögen an Festigkeit dadurch ein, dass ihre Scheitel ausserhalb der Verbindungslinie ihrer Kämpferpunkte lagen. Es war erst die Vorschule ; der wahren Kuppel. R. vom Eingang sind zwei Bögen mit (sehr übermalten) Freskomalereien des 15. Jahrh. verziert (Auferstehung, Madonna mit S. Magdalena, Limbus, Geburt und Kreuztragung, Glorie. Der Bau hat grosse Aelmlichkeit mit S. Costanza zu Rom und gehört wie jener ins 4. Jahrh. (45Kil.) Stat. LaCava (* Vittovia), 5 Min. von der Bahn; sehr zu empfehlen (nicht theuer). — Freundliches Städtchen, dessen Häuser auf Bögen ruhen , die ihm den Namen Klein - Bologna gaben, in einem ungemein malerischen und fruchtbaren Thal, inmitten zweier Bergketten, die sich gegen S. erweiternd gegen die reizende Marina von Vietri niederziehen. Dieses Becken, das ihm den Kamen gab, ist von Höhen, Hügeln und kastanienbedeckten Bergen umringt, die eine köstliche Naturtreppe gegen die Tlniler bilden. Acht Bäche speisen Kanäle und Brunnen dieses ländlichen Elysiums. Auf den Anhöhen Burgruinen, hübsche Landhäuser, 579 580 14. Von Neapel nach Thürmchon zum Einfangen (1er wilden Tauben mittels der versteckten Frombolie/ri. Ueber 50 Dörfer, in Gruppen auf den Hügeln vertheilt, umkränzen die aus diesem Amphitheater sich erhebende (Stadt. *Seitentour nach Corpo di Cava und S. Trinitä della Cava, südwestl. von La Cava, in waldreicher, reizender Umgebung (D/4 St.). — Esel hin und zurück 3 Fr. Die Strasse, die 1. au der Kirche hinan- zielit, passirt jenseit Cava eine schöne Drücke mit vielen Bögen, zu deren Rechten man in einem tiefen Thal das Dorf Molina (Müllerthal) mit roth und weissen Häusern Grundriss vonS. Maria msiggiore beiXocera. sieht, von einem Bach durchzogen, der die Mühlen, die Papierfabriken und den Eisenhammer von Vietri speist. Sie zieht dann hinab und hinan, zwischen den Bergen hin zum Kloster (20 Min.) S. Giuseppe und von da wieder 1. über den Viadukt zur ( l h St.) Kirche Pietra Santa, dann am Wald entlang auf die Landstrasse und über den Viadukt, wo man r. nach dem Dorf ♦Corpo di Cava (Albergo Rodionojf) gelangt, das in köstlichster Lage über dem friedlichen Miihlentlial in gesundester Luft auf dem Felsen liegt, an den das Kloster angebaut ist, — 1. nach (5 Min.) dem in erhabener Waideinsamkeit liegenden *S. Trinitä della Cava, am steilen Abhang des Falesio gegründet, der das jähe Thal von Bonea beherrscht. Das Kloster ist so dicht von Bergwänden mit Kastanien umschlossen, dass man es erst gewahrt, wo die letzte Biegung des steilen Waldpfades vor der Fa$ade der Abtei mündet. Der stil- Amalfl und Ravello. lose Bau war ein berühmtes Benediktiner- l-loster, einst das Haupt einer ausgebreiteten Kongregation, 1011 von dem Cluniacenser- mönch Alferio Pappacarbone von Salerno gegründet, seit Gregor VII. unmittelbar dem römischen Stuhl untergeben. Der alte Bau von 1025 ist tlieilweise noch unter dem gegenwärtigen, im Mittelalter darüber gestülpten, zu sehen, und noch sind einige Reihen gewundener doppelt gestellter Saul- chcn erhalten. — Alter Grabliof aus der Longobardenzeit. — Die Klosterkirche wurde (laut Inschrift im linken Schiff) 1092 von Urban II. in Gegenwart des Herzogs Roger geweiht, aber 1796 völlig modernisirt. An der rechten Wand der Vorhalle: das Grabmal Sibylla’s, der Gemahlin König Rogers ; im Atrium zwei antike Sarkophage aus dem 3. Jahrh. (mit Meleagerjagd und Bacchanal). Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist die Orgel (mit 6000 Pfeifen, 84 Registern, 3 Manualen zu je 6 Oktaven; von Gennari di Abruzzo erbaut). Die Schnitzereien im Kapitehaeü sind nach Zeichnungen von A. da Salerno. In der Sala dei Rilievi die Reliefs der alten Kirche. Noch jetzt besitzt das Kloster ein *Avehiv mit höchst wichtigen Urkunden zur ältorn Geschichte Unteritaliens, ca. 40,000 Pergamente mit 1600 Diplomen, das älteste von Radelcliis, Fürst von Benevent, eins mit Porträtsiegel von 1025, von Waimar (Guai- maro) III., Fürsten von Salerno, das die Orts- schenkung des Klosters enthält; ein Diplom des Königs Roger (Ruggiero) von Sicilicn von 1290, mit den Bildern Christi und des Königs auf dem Goldsiegel; ein Diplom von Balduin VI., König von Jerusalem, das dem Kloster freie Schiffahrt auf den Meeren seines Reichs zusagt; eine Morgengabe von 793. Den vortrefflichen Katalog zum Archiv fertigte Abt Venereo. Durch die Bemühungen der Benediktiner Michael Morealdi, Mauro Scliiani, Silvano de Stefano und de Aragonia •wurde jetzt die Herausgabe des Codex diplo- maticus Cavensis ermöglicht. Der Kodex, bei dem tliätigen Buchhändler Hoepli in Mailand erscheinend, wird alle Dokumente aus den Jahren 793—1400 tlieils unverkürzt, theils auszugsweise enthalten (schon 3 Bände sind erschienen; darunter das berühmte longo- bardische Gesetzbuch vollständig). — Die Jübliolhe J» hat berühmte Manuskripte, einen Bibelkodex aus dem 7. Jahrh. (Itala), eine longobardische Gesetzsammlung von 1004, Manuskripte aus dem 16. Jahrh. mit trefflichen Ornamenten und Miniaturen, eine Gebetsammlung, das Speculum Belluacense, einige Gebete mit reizenden Miniaturen von Angelico ela Fiesoie. — Die Pinakothek bietet ausser einer Madonna von Sasso/errato und einer hübschen Madonna von Guido Reni nur untergeordnete Werke der Schule von Andrea da Salerno und des 17. Jahrh. (z. B. Dom. Brandi) dar. Köstliche *Spaziergänge rings umher. Bahnroute. Schon in 10 Min. erreicht man 581 14. Vietri. 582 ■4 > (49 Kil.) Stat. Vietri, das oben am Berg und unten an der Marina angebaut ist. — liier zweigt sich die schöne *Landstrasse nach Amalfi ab, die an einem der herrlichsten Gestade der Erde entlang zieht. Wagen von Vietri nach (15 Kil.) Amalfi 5 Fr., 2spännig 7 Fr., in 2—2^2 St.; — nach (i/ 2 St.) Salerno 2 Fr.; ein Posto Fr. y^r - Wer Pästum nicht besuchen will, fahre über Salerno nach Amalfi. Formellbildung an die glühenden Felswände sich lehnend, anmuthige Hügel, terrassenförmige Citrohengärten und die Bäche der Ebene, von Boccaccio so köstlich beschrieben, das Meer, das an dieser Küste die ganze Pracht seiner Naturschönheit entfaltet und in wundersamer Harmonie zur romantischen Umgehung stimmt, die amphitlieatralisch sich steigernden Felspartien des von der Sonne durchglühten Gesteins, das originelle, S. Maria maggiore hei Nocera (Durchschnitt). Die Bahn führt von Vietri mit starkem Gefälle durch vier Tunnels in 13 Min. nach (54 Kil.) Salerno (S. 594). Wagen von der Station zur Stadt nach Amalfi etc. s. S. 594. Die -'•‘•Strasse von Vietri nach Amalfi (15 Kil.) ist eine der herrlichsten der Welt und noch schöner als jene von Castellamare nach Sorrent. Die übereinander aufsteigenden Berge, »die Alpen des italienischen Südens«, zuweilen mit Schnee bedeckt, aber an ihren Gehängen mit Kastanien, Orangen und Oliven bekleidet, die pittoresken Dörfer auf schwindelnder Höhe und an der Bucht, Bauwerke von morgenländischer um jeden Bogen wechselnde Diorama haben diese Seestrecke zu einer der landschaftlich schönsten erhoben. — Schon unten bei der Marina di Vietri ein Prachtblick aufs Meer und rückwärts auf Ober- Vietri, das am Abhang des steil ins Meer abfallenden Monte JÄberatore hinanzieht. L. im Meer gegen Salerno hin i Eratelli, vier Felsenriffe. Oben r. Eatto ‘ dann nach Cittara, ein Fischerdorf (Agoni), einst die Ostgrenze der Republik von Amalfi und eins der frühesten Piratennestcr der hier hausenden Saracenen; — nun an der Marina von Erchia vorbei, ansteigend zum Capo del TumulOf dem östlichen Ausläufer des 583 14. Von Neapel nach Amalfi und Ravello. 584 Monte Falesio, mit köstlicher *Aus- sicht. — Nach dem tiefer gelegenen Ausläufer: Gapo d’Orso, wo das von den Franzosen gewonnene Seetreffen unter Leitung des Filippino Doria gegen die spanische Flotte Karls V. stattfand, folgt : Maiori, die Rivalin Amalfi’s, in der lachenden, malerischen Lage, mit seinen Orangen und den berühmten Ponsiri o 6S' Erzthürj der Kirche S, Salvatore a hireta in Atrani. (einer Limonenart, die in Zucker einmacht wird) und Citronenterrassen. Den Frauen rühmt man das Colorito der hier wild wachsenden lio&a di Ilengala nach, den Männern die Kraft der Berg- und Seeleute. — Das dreigeschossige Cadel S. Xicola, in der Hohe, stammt aus aragoni- scherZeit; jetzt ist es von-T/auben umringt und Aussichtsstelle. — In £». Maria a Marc hinter dem Hochaltar ein schönes gothisches Relief mit S. Margaretha, Verkündigung und Geburt Christi, Auferstehung, Mariä Himmelfahrt und Krönung. Die Unterkirche ruht auf acht Mai'inorsäuien. Jetzt zu der schönsten malerischsten Stelle! Minori } einst das Zeughaus von | Amalfi und die Grabstätte (in S. Trofi- i mena) seiner Consoli und Duchi. j Atrani j gleichsam die Vorstadt \ Amalfi’s, ungemein pittoresk an der Mündung einer Schlucht ansteigend, deren Höhen bis nach Amalfi mit alten Burgen, Wartthurmen, Klöstern, Kapellen , Landhäusern bunt geschmückt sind. Die malerische Bauart der Häuser mit Loggien macht den Anblick noch fremder; die schwärzlichen Felsen theilen sich zur Seite des Orts in zwei gigantische Massen, durch welche sich eine tiefgrüne Thailing senkt. Auf deren oberstem Rand sieht man den Ort Fon - tone, eine Landschaft von überraschendster Grossartigkeit. Die eigenthümliche Aussprache der Einwohner leitet man von den 1000 Arabern Manfreds ab, die hier zurückgeblieben waren. — Die kleine Kirche S. Salvatore a bireta, wo die Elektoren sich versammelten, die den Duchi das Berretto verliehen, hat noch zwei b erühm te * Bronzeihüven von 1087, die zu der Gruppe konstan- tinopolitanischer Arbeiten gehören, welche durch die Familie Pantaleon von Amalfi aus dem Orient hierher kamen. Die vier innersten Felder sind mit einfach und gut charakterisirten Figuren (Christus, Maria, S. Sebastian, S. Pantaleon), die anderen mit Kreuzen geschmückt. In der Kirche ist eine mci’kwürdige mittelalterliche Skulptur in die Wand eingemauert (ein Phönix zwischen zwei Pfauen; der Pfau 1. tritt auf den Kopf eines menschlichen Brustbildes, zu dessen Seiten zwei sehr charakteristische Sirenen sind; der Pfau r. tritt auf einen umgürteten Hasen, an dessen Kopf und Schweif je ein Adler pickt). Zu Atrani wurde Masaniello (der Held von Aubers Stumme von Portici), eigentlich Thomas Aniello, geboren, der siegreiche Leiter des Aufstandes 1647 gegen den Zwangszölle auferlegenden VicekÖnig Herzog von Areas in Neapel; er fiel aber, zum Despoten geworden, durch die eigenen Genossen (S. 114). Sein Geburtshaus wird in der Höhe gegen Pontone hin gezeigt. 585 58G 14. Amalfi (Kathedrale S. Andrea). Von Alrani naeli Raveilo (1 St.), s. Amalfi S. 589. AmallL. Gasthöfe (diesseit Amalfi): *Luna , ein ehemaliges Kloster der Antonianer, in herrlichster Lage über dem Meer; vortrefflicher 'I'iscli und aufmerksame Bedienung ; Pens. 8 Fr., Z. von 2Vs Fr. aufwärts; T. d’h. m. \V. 4V 2 Fi*, (eins der besten Hotels Italiens). Der Bruder des Wirts, Leopoldo, ein guter Führer. — *Gappuccini, an der Marina, ebenfalls ein ehemaliges Kloster; Z. von 8 Fr. au aufwärts; T. d’h* m. W. 5 Fr.; Dejeuner 3V2 Fr. Barke pro Stunde 2 Fr.; — nach Scari- cafojo mit 4 linderem 10 Fr., mit 0 Ruderern lf> Fr. — Esel pro Stunde 1V4 Fr., nach Raveilo 2 Fr. — Führer für den ganzen Tag 6 Fr., für den halben Tag 3 Fr. Amalfi liegt in Gestalt eines Hammers vom Meer weg an die Schluclit der wild zerrissenen Felsenmassen des hohen Monte Cerciti im köstlichsten malerischen Uebereinander und Durcheinander schwalbennestartig angebaut, mit einer Menge von Mühlen in der engen Felsrinne, »so dass oft Brücke, Bach und Steg, Haus und Fels in drolligen Sprüngen durcheinander zu purzeln scheinen; dazu die üppigste Vegetation, so viel Orangen-, Citronen-, Oel- und Johannisbrodbäume, lieben und Blumen, als in den Kitzen eingestopft werden konnten«. Einst mit 50,000 Einw., zählt es jetzt 6500, nur noch durch den fremdartigen Stil seiner Häuser und durch seine Kirchen an die längst verschwundene Bedeutung erinnernd. Der Name der Stadt tritt erst »in der Morgendämmerung neuitalischer Kultur« auf. Geschichtliches. Mit Sorrent zumExar- cliat von Ravenna gehörend, hatte es schon im Anfang des 7 Jahrh. seine eigenen Unter- herzüge. Im Beginn des 9. Jahrh. lösten sich von dem Herzogthum Neapel als selbständige Gebiete unter eigenen Duces (Duchi) Gaeta und Amalfi ab, zur Zeit Leo’s III. (795 — 816) stellte Amalfi schon eigene Schiffe gegen die Saracenen. Konstantinopel war für die Stadt der Mittelpunkt ihrer politischen und kommerciellen Verhältnisse, und Amalfi’s Herzöge trugen Iloftitel von daher. Die Amalfitaner machten die weitesten Seefahrten und trieben den Handel am grossartigsten; ihre so rasch auf blühende Kaufmannsrepublik aber regelte jahrhundertelang durch ihre Seegesetze (Tabulae Amalphitanae) die Schiffahrt des Mittelmeers. • Schon 1010 bestand hier ein Seegericht, 1048 gründeten Kaufleute von Amalfi beim Grab Christi zu Jerusalem Kirche, Kloster und Spital, aus dem die Johanniterritter hervorgingen. Guglielmo di Pugliu schreibt in seinem Gedicht »Normanni« aus dem 11. Jahrh.: »Amalfi ist angefüllt von Menschen und Reichtliümern, keine Stadt hat solchen Ueberfluss an Gold, Silber und kostbaren Gewändern wie diese; ihre zahlreichen Seehändler haben Niederlassungen in allen Gegenden der Welt und sind sehr erfahren in der Kenntnis des Meers und Himmels«. Man schreibt auch einem Amalfi- taner, Flavio Gioja, die Erfindung des Kompasses zu, den aber die Chinesen erfanden, die Araber schon zu Ende des 12. Jahrh. nach Europa brachten. — 1039 gegen Guai- mar IV. von Salerno, 1073 gegen Robert Gniscard sich erwehrend, erlagen sie 1131 dem Angriff König Rogers von tiieilien und kämpften nun mit seiner Flotte gegen die rivalisirenden Pisaner, die Amalfi 1135 und 1137 überfielen und liier den Pandektenkodex (jetzt in S. Lorenzo zu Florenz) mitgenommen haben sollen. Amalfi behielt noch lange Kolonien in Byzanz, Kleinasion und Afrika, aber Pisa und Genua verdunkelten es, und Verheerungen durch das Meer, das in einigen plötzlichen Erhebungen Theile der Stadt mit sich gerissen, trugen zum Sinken bei. — Jetzt bilden die alte Kathedrale und die malerisch köstliche Aussicht bei der Canonica die Hauptanziehungspunkte der Stadt. Beim Ilötel Cappuccini führt r. die Strada del Duorao sogleich zur kleinen Piazza, und hier erhebt sich r. über einer imposanten hohen Treppe die *Kathedrale S. Andrea, deren Fa^ade in den letzten Jahren ziemlich stilgetreu aussen umgebaut wurde, in der gothischen Bauweise der Vorhalle, die 1865 abgetragen, nun wieder (zum Theil mit neuen Säulen und Kapitalen) hergestellt worden ist. Aus der Vorhalle Prachtblick auf das Kastell in der Höhe r. Sie macht mit dem alten Thurm 1. zur Seite im ganzen einen sehr malerischen Eindruck. Einige der Säulen der Vorhalle stammen aus Pästum. Im Hof 1. neben der Kirche liegen Reste der alten Säulen (einige kannelirt) und Kapitale. Vier Eingänge führen von der Vorhalle in die Kirche, drei in die drei Schiffe, der vierte 1. zur Nebenkirche S. Croceßsso. Die Marmorpfosten der Mittelthür sind mit alten phantasiereichen arabisirenden Verzierungen geschmückt (Simson, Greife, Kentauren, Vögel, Drachen, Trompeter, Widder). Sie um- schliessen berühmte Erztlmren, deren 587 14. Von Neapel nach Ainalfi und Ravello. 588 Verfertigung zuKonstaiitmopel vor 1066 fällt, denn der Abt von Monte Cassino,7^c- sidcrins, sali sie schon vor dieser Zeit. Sie zerfallen in 24 Abtheilungen, 20 Felder mit Kreuzen, nur die vier innersten mit Figuren, innerhalb Bogenarehitek- ; turen (Christus, Maria, darunter S. An- j dreas und S. Petrus), von grossartiger ; Haltung. Laut Inschrift am linken ' Flügel auf dem Kreuz des zweituntersten ; Feldes (Hoc opus fieri jussit pro rc- demptione animae suae Pantaleo filius TMauri de Pantaleone de Mauro de Mau- rone eomite) ist ihr Donator ein reicher, frommer Amalfitaner Pantaleon. Ueber > der Inschrift an jedem der sechs Thiir- rahmen ein Löwenkopf. An der vierten Thür 1. die alten marmornen Tliürpfosten. ; Das Innere dev Kirche, mit drei Ap- ' siden, ist gänzlich erneuert; acht moderne ' Pfeiler jederscits, deren jeder zwei der alten | Säulen enthält, und liundbögen darüber 1 trennen die Schiffe von einander. Die flache Decke, reich mit späterem Schmuck geziert, enthält Gemälde von Andrea d’Adi, einem . Schüler des Solimena. — 1. Capp. 1. (Taufkapelle). — Im folgenden Durchgang zur (1.) Capp. del Crocefisso an der Wand: eine antike Porphyrvase als Taufbecken, zwei antike Sarkophag- Keliefs; 1. ohen *der Kaub der Proserpina; r. unten (unter einem Kasten): Abschied des Tlieseus von Ariadne. — Die * Ambonen am Chor r. und 1. mosaicii’t und vergoldet auf antiken kleinen Säulen aus Pästum; die beiden prächtigen Eingangssäulen des Chors (mit den Leuchtern) ebenfalls mosaieirt und vergoldet; die grossen Seitensäulen aus Pästum. Die *Cfiorschranken, tbeihveise aus dem 11. Jahrli., mosaieirt und vergoldet. —Beim Hinabgang zur Unterkirche, 1. diesseit des Chors, r. Bronzestatue der Madonna. Die Unterkirche (der Küster seliliesst auf; 30 C.), 1239 vollendet, 1719 renovirt, mit fünf Apsiden und vier die zehn Kreuzgewölbe stützenden Säulen; vor der mittlern Apsis das Grab des Apostels Andreas, dessen Keliquien 1208 aus SS. Apostoli in Konstantinopel hierher kamen; jetzt sind die Wände reich mit Marmor bekleidet und die Deckengewölbe mit Malereien von AnieUo Falcone, Salvator Kosa’s Lehrer. Die Bronzestatue des S. Andreas, stark berninesk, von Michelangelo Naccherino aus Florenz im 16. Jalirh. gefertigt, hat keinen eigentlichen Kunstwerth. Der Thurm, laut Inschrift 1276 erbaut, mit hohem quadratischen Unterbau; und zwei Geschossen darüber, wurde 1768 restaurirt und mit Stuck überkleidet; auch der oberste . Theil mit den kleinen Seitenkuppelchen ist ein späterer Zusatz. — Ueber dem Thurm ragt herrlich das hohe Gebirge empor mit i den terrassenförmig daran aufsteigenden Wein- und Olivengärten; darüber der rauhe Fels mit dem Thurm der Königin Johanna, von welchem sie ihre Liebhaber hinabgestürzt haben soll. Umgebung. Nach (V 4 St.) der *Cil- tlOliica ( Cappuccini), einem in der Höhe in den Felsen eingebauten Kloster, später Kapuzinerkonvent, jetzt Sce- mannsschule (Scuola nautica), gelangt man, der Kathedrale gegenüber, unter dem Arco Ferrari r. durch einen gedeckten Korridor (nicht 1. die Treppe hinan) auf einen rechteckigen kleinen Platz; hier gellt man an der linken Ecke die Salita Vagliendola hinan, 44 Stufen, dann 1. noch 72 Stufen geradeaus (nicht r. die Treppe hinan) und etwas niederwärts zu dem Gang mit niederer Brüstung, der die herrlichste Aussicht auf das Meer freilässt, und allmählich (V 4 St.) zu dem vor dem Besucher liegenden Klosterbau hinanfUlirt. Man gebt am besten den Mittelweg hinan. Das Kloster wurde 1212 von Kardinal Pietro Ca- puano als Abtei gestiftet und hat durch seine malerische Lage und den orientalischen * Kreuzgang mit eigenthümlich verschlungenen Spitzbögen schon Jahrhunderte einen künstlerischen Weltruf. Hinter dem Kloster 1. befindet sich die berühmte hohe ^Tropfsteinhöhle , welche, von den Mönchen zu einem Kalvarienberg angelegt, den Kähmen zu einer, der köstlichsten malerischen Wed Uten der Erde bildet (in unzähligen Stichen, Photographien und Gemälden verbreitet); namentlich gegen Abend oder bei Mondbeleuchtung, die den Golf von Salerno im wunderbarsten Silberlicht erzittern lässt, dazu r. die von Buchten unterbrochene Küste, mit Dörfern bedeckt, in denen die Lichter zwischen den Gärten und Cypressen aufscliimmern; gegenüber verliert sich der Blick in die Gestade von Pästum und Grossgriechenland, 1. in der tiefsten Stille Amalii und die ins Meer tauchenden Felsen. Auf dem Weg zum Kloster sieht man unmittelbar vor der letzten Ansteigung zu demselben drei Wege vor sich; der ■■-nnter.de 3. führt in überaus schöner, erhabener Felsenumgebung um den Berg herum zu einer Grotte mit kleiner Kapelle und dem Bild des S. Christophor. Hier führt geradeaus, hoch hinan in prachtvollster Felsenlandschaft, ein mit Stufen versehener Bergpfad nach (V 2 St.) *Pogerola ; r. von jener Grotte geht ein Fusspfad hoch über dem Meer und mit Prachtblicken auf dasselbe nach Velfiea minore, Lune u. a. 589 590 14. Ravello (S Ein köstlicher Spaziergang, der nicht unterlassen werden sollte und in 1 /2 St. hin und her gemacht werden kann, führt in die Yalle de’ Molini , eine schattige Schlucht mit reizendem Bach, reichem Farnwuchs, Kuinen auf allen Flateau’s, Papiermühlen, Maccaronifabriken, r. oben die Beste der Veste Pontano. Man geht vom Domplatz der (engen) Hauptstrasse entlang bis zum KirchleinS. Spinio, hier dem Brunnen gegenüber, unter dem Korridor, Porta dell' Ospe- dale, hindurch und nun immer dem Wasser entlang au kleinen, sehr hübschen Wasserfällen vorbei, unter dem Bogen mit der Aufschrift »Strada Chiarito superiore« durch; mit Prachtblicken auf die Felswände und das Kastell; r. oben die Häuser von Pontone und die Ruinen des Castello Pontone. Kach (l’/2 St.) Scala (nicht ohne Führer), auf der Ostböselrang der steilen Felsen, welche die Schlucht von Atrani von der Schlucht Amalfi’s trennen, der älteste Sitz des Freistaats, einst eine Stadt mit 130 Kirchen, jetzt wüst und nur noch mit 1200 Einw., mit einigen Grabmälem aus dem 14. jahi*h. und einer goldbeschlagenen Bi- scliofsmitra aus dem 13. Jahrh. in der bischöflichen Kirche (Vescovaclo). — Ein schöner Weg führt von der Valle de’ Molini über Scala. Prächtige Spaziergänge ferner: auf (272 St.) Monte Chiitnso, zu Esel erreichbar (über Majora); — nach (372 St.) S. Maria dei monti (über Ravello), mit schönstem Blick auf beide Meerbusen; —nach (272 St.) Monte S. Angelo ; — (2 St.) Pogerola über Veüica minore, Lune und Patina; zur Punta di Concha etc. Zu Wasser: 1) Man versäume nicht, 2 Kil. weit gegen W. und S. mit der Barke ins Meer hinaus zu fahren, um den unvergleichlichen *Bliek auf die Küste Amalfi’s voll zu geniessen. — 2) Zur (74 St.) Grolta di S. Andrea (Crotta del mare): 2 Ruderer 2 Fr., 4 Ruderer 4 Fr .; interessant durch die Tiefe und den dunkeln Abschluss, der selbst das Erblicken der Oeffnung verhindert. Nach (lVi st.) Ravello. Führer 3 Fr.; Esel 2 Fr.; Tragsessel 6 Fr. Weg von Amalfi nach Ravello: Man I geht der Strasse nach bis nach Atrani, hier der Rampe des Viadukts entlang bis an deren Ende und dann hinter derselben hinunter und r. durch die erste gewölbte Galteria (di Carmine), dann eine grosse Zahl Steintreppen ohne Aussicht steil hinan und an zwei Kapellen vorbei zum freien Blick auf die herrlichsten Felspartien, 1. oben Scala; dann an einer kleinen Kartonfabrik und hübschen Wasserstiirzen vorbei. Der Blick wird, je höher man steigt, desto prachtvoller; Weingärten, Karuben und Kastanien beleben die Landschaft. Zu oberst zieht sich der Weg rechts nach Ravello; man kommt zuerst an der (r.) kleinen (schon von unten sichtbaren) Kirche S. Maria de Gradillo vorbei (am Campo santo), mit zierlicher, von Spitzbögen umgebener Kuppel, !. Pantaleone). über dem Kreuz mit drei Apsiden; am Süd- westende der isolirte Glockcnthurm mit kleiner phantastisch-flacher Kuppel. Daun durch einige Wölbungen zum kleinen Largo Vescovado; 1. die Kathedrale (s. unten). Ravello, oben auf der Terrasse des Gebirges gelegen, ausgezeichnet durch seine saracenischen Erinnerungen, seine wunderbar schöne Lage, seine weite Meeresansicht, »die Stadt selbst in abgelegener Felswildnis mit völlig maurischem Gepräge, aus schwarzem Tuff gebaut, ganz einsam, still, verlassen, todt«. Die Reste starker Mauern und Tlnirme zeigen die Bedeutung der frühem Stadt, die jetzt nur noch 1500 Eimv. hat. Das 1087 gegründete und unmittelbar dem päpstlichen Stuhl unterworfene Bisthum wurde erst 1818 aufgehoben. Die Kathedrale *S. Pantaleone, welche Niccolö, aus dem Geschlecht der Rvffoli, dem vornehmsten der Stadt und später einem der angesehensten des ganzen Königreichs, im 11. Jahrh. gestiftet hatte, wurde 1786 völlig restau- rirt. An der ganz erneuerten Fa<,:ade haben sich die drei Portale in alter Weise erhalten. Die (aufzuschliessenden) *Erzthiiren des Mittelportals übertreffen an Grossartigkeit und monumentaler Durchbildung alle gleichzeitigen Arbeiten. Sie wurden 1176 von einem Künstler ausTrani nach konstantinopoli- tanischem Vorbild gefertigt; 54 Felder, getrennt durch die reizendsten Arabesken, sind mit Bildwerken geschmückt (Christus, Maria, die Apostel, Heilige, Bogenschützen, Keulenschläger u. a.). »Alles fein durchgeführt in einem neuen klassicistisclien Stil, die Bewegungen zwar befangen und selbst ungeschickt, aber nicht mehr roh oder willkürlich.« Die Darstellungen des einen Flügels sind nach denselben Modellen auf dem andern Flügel wiederholt. Die Kirche ist dreischiffig, hat ein weit ausladendes Kreuzschiff und drei Apsiden, in zwei Reihen 16 Marmorsäulen, 5 m. hoch, mit antiken korinthischen und mannigfaltigen mittelalterlichen Kapitalen; je auf zwei Säulen folgt ein breiter viereckiger Pfeiler, mit dem sie auch durch Rundbögen verbunden sind. R. in der Mitte die * Kanzel; sie ist 591 14. Ton Neapel nach Amalfi mul Kavello. 592 unter allen alten Ambonen eine der reichsten und prächtigsten; laut Inschrift von 1272. Sie zeigt entschieden pisanischen Einfluss, verbindet aber noch die ganze Fülle des früher üblichen Mosaikschmucks mit einem Reichthuin trefflicher Marmorverzie- ruugen; die Bühne der Kanzel ruht auf sechs spiralförmigen Marmorsäulen (mit sehr schönen Kapitalen), die von sechs lebendig und verschieden cliarakterisirten Löwen, »den naturwahrsten der Zeit«, getragen werden; die Vorderwand ist dreitheilig; vor dem mittlcrn steht der das Lesebrot tragende Adler von schwarzem Basalt; der Aufgang ist durch eine prächtig mit Mosaiken geschmückte Wand verkleidet; zwei Inschriften daran bezeichnen den Künstler (Magister Nicolatus de Bartolomeo de Fogia marmorarius) und den Donator (Nie. Ku- fulus). In der Mitte über der Thür des Aufgangs sieht man zwei hold lächelnde Frauenköpfe und ein sehr schönes, gekröntes weibliches Brustbild, ganz in antiker Auffassung mit Diadem und reicher Lockenfülle. Gegenüber dieser Evangelienkanzel befindet sich 1. für die Epistel ein zweiter, einfacherer Ambon } unter Biscliof Con- stantinus Rogadeus 1094 — 1150 angefertigt, mit der Mosaikdarstellung des Jonas mit dem Fisch. — lm Chor der Bischofstuhl mit zwei Spiralsäulen und mit Mosaiken (Drachen, Pfauen etc.) sowie zwei mosaicirte Kandelaber. — In der Sakristei Madonna von Andrea di Salerno. — Die Unterkirche hat sechs Granitsäulen in der Mitte, die 14 Kreuzgewölbe tragen; Wände und Gewölbe sind mit Malereien im Mosaiken- stil bedeckt. — Ueber den Largo Veseo- vado hin gelangt man sogleich 1. zum "Palazzo ßuifoli (jetzt im Besitz des Engländers Key); bildete einst ein grosses bedeutungsvolles Ganzes mit Eingangsbau, Palast und mehreren Thürmen. Schon an der Aussenwand sieht man maurische Ornamente, Beste der Arkaden und Säulen. Dann 1. an der Brunnennische vorüber und r. gegen den hohen Thurm hin; r. neben dem Thurm der Eingang mit Gitter und Klingel (dem Gärtner 1 h Fr.). Der hohe Thurm hat ein Spitzbogenportal, am vordem Eingang zwei Krokodilköpfe, in den vier Ecken des Thurms die Jahreszeiten; darüber r. hoher Fries mit Säulchcn und eine eigenthümlich angeordn^te maurische rothe Kuppel. — Durch den Garten wird man sogleich in den alten Palast geführt, von dessen drei Geschossen nur noch die eine Seite übrig ist. Audi hier waltet überall der maurische Stil in Konstruktion und Ornament vor. Der schöne * kleine Hof mit seinen Arkaden- korridoren zeichnet sieli durch seine un- gemein feine Gliederung aus, seine Mauermasse wird durch die beiden unteren Säulen und durch 34 Säulenpaare der Gallerie getragen; die Zwischenräume sind durch Ziegelstücke ausgefüllt; alle Ornamente u. Bänder bestehen aus einem schwarzbehauenen Stein. Von der Halle } die sich einst um drei Seiten zog, sind zwei Seiten jetzt durch schwere Strebepfeiler und neue Bogen ganz vermauert. Aus dem 3. Korridor tritt man in den Garten, und liat von liier die Vollsicht auf die Ornamente des 1. Korridors und des Untergeschosses. Im Zimmer, wo man den Namen einschreibt, .Reliefs und Gebälkstücke. Im Garten 1. unter grossem Spitzbogen ein prachtvoller Kamelienbaum. An der Hüdwestseite des Gartens ein ♦Korridor mit der herrlichsten *A ns sicht; 1. eröffnet sich dieser Korridor mit einer Nische, vor welcher mittelalterliche Löwen Thiere verzehren. Auch unten r. im Gewächshaus Spitzbögen und Ornamente. — »Das Ganze«, sagt Schulz, »bildet eine so wunderbar phantastische und doch liebenswürdige Anordnung, wie sie innerhalb der christlichen Architektur des Occidents nur noch an anderen Theilen dieses Palastes vorkommt.« — Das ganze Haus ist reich mit Marmorsäul- clien geschmückt. — Hadrian IV., Karl II. Anjou und Robert bewohnten diesen Palast, der ein Werk des 13. Jahrh. ist. Zurück zur Kathedrale und an der Mauer ihrer linken Langseite hinan, dann 1. auf den Platz, an dessen linker Seite S. Giovanni del Toro liegt, eine noch aus der Zeit des Königs Roger stammende Kirche mit schöner alter Kanzel aus dieser Epoche. Im Garten daneben Piccolo Giardino, überaus herrliche -Aussicht (vom kleinen Balkon 1.) auf den unten gelegenen Golf von Minori, auf die Höhen von Tramonti und auf die Südküste von Amalfi; in malerischer Romantik unvergleichlich. Man kann hier Wein und Eier haben und erwartet eine Erkenntlichkeit für die Aussicht. S. Giovanni gegenüber liegt der Palast der einst angesehenen Barone Afflitto, 593 15. Von Neapel iilber Salerno nach Piistum. 594 am Eingang mit Löwen. — Viele andere verfallene Gebäude höchst eigenthüm- licher Natur, welche die besondere Blüte Ravello’s zur Zeit des Aufkommens der angiovinischen Herrschaft bezeugen. Von Amalfi über Scaricatojo nach Sorrent. Bis Scaricatojo 2Va St., bis Sorrent 5 St, Man kann die Route Neapel-Amalfi aufs angenehmste mit der Route Amalfi-Sorrent verbinden, eine ausserordentlich genussreiche, malerische Wasserreise. Barke mit 2 Ruderern von Amalfi nach Scaricatojo 8 Fr. Man umfährt angesichts der Dörfer Poggerola, Pastina, Lona, Vettica minore den malerischen Vorsprung von Cava, von seiner kleinen Bucht so genannt. Es folgen die schroffen Felsengehänge' Furore’*, von den häufigen Meerstürmen so genannt, die Dörfer Furore, Prujano und Vettica maggiore (in der Kirche S. Gennaro eine heil. Familie, angeblich von Zingaro); letztere beide bekannt durch das empfehlende Sprichwort: »Chi vaol vivere sano Sia la mattina a Vettica e la sera a Prajano«., inmitten der Berge, Haine und Felsen; auffällig sind an dieser Küste die effektvollen Lichtkontraste, welche nördliche und südliche Kolorite wundersam vereinigen. Bei Positano, mit reizender Küstenansicht , führt ein guter, nur 1 St. stark ansteigender Weg (Führer 2 Fr.) nach (3V2 St.) Sorrent. Positano’s Marina war im Mittel- alter sehr blühend, lind rühmt sich als Geburtsstadt des Kompasserfinders Flavio Gioja (1302); noch jetzt führt der Ort regen Tuchhandel, und die Jugend widmet sich fast durchgängig in Neapel dem Handel. Der ganzen Küste entlang sieht man jene Thürme, die Pietro di Toledo unter Karl V., als der berüchtigte Seeräuber Chayr- eddin Barbarossa ganz Italien in Schrecken setzte, an den Meersäumen des ganzen Königreichs errichten liess, um durch Rauchsignale rasch die Kunde von dem Nahen feindlicher Schiffe zu verbreiten. Dann der überaus malerischen Küste entlang nach Scaricatojo, von dessen »Torre« ein Fussweg (Führer 2 Fr., Esel 3 Fr.), ein steiler Felspfad in Windungen, zuerst theil- weise auf Treppen, 1 St. stark bergan führt; auf dem höchsten Gipfel sieht man das Meer nach beiden Seiten hin; man kommt über (1 St.) Conti auf bequem abwärts führendem Weg, der aber wegen der einschliessenden Mauern wenig Aussicht bietet, in 2^2 St. nach Sorrent. Von Amalfi zu Wasser um die Punta di Campanella bis Sorrent, oder nach Capri 6 St.; 4 Ruderer 36 Fr. 15. Von Neapel über Salerno nach Pästum, Siehe die Karte S. 22. Für diejenigen Reisenden, welche es ernst mit der Kirnst nehmen, ist dies ein unerlässliches und ungemein genussreiches Ziel. 54 Kil. Eisenbahn von Neapel nach Salerno (Napoli-Romagnano) 5mal tägl. in 21/4 St. I. 6 Fr. 15 C., II. 4 Fr. 30 C., III. 2 Fr. 45 C. — Wagen (hin und zurück) von Salerno bis Pästum in 4 St., 25 Fr. und Trinkgeld. — Für einen Corricolo, sehr pi*i- mitiver Zweiräderer, 8 Fr. Man verbitte sich dabei ausdrücklich jede weitere Personenaufnahme. Der e m p f e h 1 e n s w e r t h e r e W e g ist: Eisenbahn von Neapel nach Fboli, 3mal tägl. in 31/4 St. I. !) Fr. 5 C., II. 6 Fr. 35 C., III. 3 Fr. 65 C. — Wagen von Fboli nach Partum in 2 St. (hin und zurück), 15 Fr. — Corricolo 7 Fr. — Die Strasse von Eboli nach Pästum ist zwar weniger gut als von Bat- tipaglia, aber die Landschaft weit schöner; dabei ist man in Battipaglia den Forderungen des Wirts, der nur zwei Wägen besitzt, anheim gegeben. — In Eboli besorgt der Wirt ( Nnzzo) den Wagen zu den angegebenen Preisen. Unter-Italien. I. Barke von Salerno nach Partum (nicht zu empfehlen) 25 Fr., nur bei ruhigem Wetter. Die Balm von Neapel bis (49 Kil.) Vietri s. S. 575. Von Vietri an fallt die Bahn stark, durchsetzt vier Tunnels und erreicht schon nach 13 Min. (54 Kil.) Salerno. Schon von Vietri aus führen Wägen (2 Fr., ein Sitz V 2 Fr.) den landschaftlich herrlichen Weg, mit köstlichem Blick auf das Meer, in Va St. zur Stadt Salerno und zum Hotel hernieder; da das Haupthotel (Vittoria) sehr weit von der Station abliegt, so ist es angenehmer, schon in Vietri einen Wagen zu nehmen (vgl. fc>. 581). Gasthöfe: * Vittoria, am Eingang der Stadt von Vietri her 1., mit Garten. Seebäder nabe beim Hotel. Geräumig und sehr gut, aber nicht billig. Pens. 10—12 Fr. — Anglelerre (Salvi), Corso Garibaldi, am Meer, neben der Präfektur; nahe dem Centrum der Stadt; etwas billigei*. — Die kleinen Locanden, Sole und Pacella, erstere westl., 20 1 S95 590 15. Von Neapel über Salerno nach Piistnm. letztere östl. von der Präfektur, sind überaus primitiv, und wer sic benutzt, vergesse nicht, vorher die Preise auszumachen. — Trattoria: *Limocelli, nordwestl. von der Präfektur (hier speisen viele Officiere). Wagen von der Station zur Stadt: Einspänner Va Fr.; Zweispänner 1 Fr.; Nachts 70 C. oder D/a Fr. Die Stunde: Einspänner 1 Fr., Zweispänner 2 Fr.; Xachts 1 Va ? 2Va Fr. Zweispänner nach Päxtum 25 Fr.; Dreispänner (für 5 Personen) 80 Fr.; dazu das Trinkgeld: 2 Fr. — Einspänner nach Amalß 5 Fr. (bei Mangel an Touristen oder bündigem Unterhandeln 4 Fr.) und Trinkgeld Vs Fr. Zweispänner 8 Fr. und 1 Fr. Trinkgeld. — Ein Hatz (im posto) nach Amalfi 2 Fr.; gewöhnlich nur nach Ankunft der Züge zu erhalten; dabei ist das Gepäck extra zu bezahlen (V2 —1 Fr.). Barke nach Amu Iß 1 0 Fr. ; — nach Päxtnm 25 Fr.; — pr. Stunde IV 2 Fr. Theater, s. unten. — Telegraph, Westseite der Präfektur. Die Stadt, herrlich am Meer lungedehnt, aber an einem versandeten Hafen, und überaus malerisch vom schönlinigcn Kalkgebirge der Apenninen umschlossen, zahlt jetzt in ihrem Bezirk 27,750 Einw., ist Erzbisthum, hat ein hübsches Theater und bedeutende Seidenweberei und Baumwollspinnerei bis auf seine 1 St. entfernten Hügel hin, wo schweizerische Fabriken errichtet sind. Die Kathedrale, die Ruinen der alten Xormannenburg auf der steilen Felsenhöhe und der mittelalterliche spitzbogige Aquädukt rufen im Verein mit der landschaftlichen Pracht die lebendige Erinnerung an die vergangenen Zeiten der Poesie und der regen Kunst dieses Fürstentluims wach, wo auch in der Wissenschaft, namentlich derHeilkunde, Grosses hier geleistet wurde. Schon im 11. Jalu*h. bildete sich Salerno zu der weltberühmten Civitas Hippocrafica, wie es in seinen alten Siegeln und Inschriften genannt wird, deren Schule zuerst streng die Diätetik berücksichtigte. In leo- ninisehen Versen, den Schöpfungen der romantischen Poesie nachahiuend, ward die Ileihnlttcllchro eingeprägt, die Mönche verwandelten sich in Laienärzte, und Salerno ward die Mutter aller niedieiniselien Fakultäten Europa’s. Selbst ausgezeichnete weibliche Aorzte (Sentia, 1Wrrcnriadi*, Rebecca, Trofta) gab cs in dieser Zeit zu Salerno, sowie auch weibliche Studenten, weibliche Doktoren und weibliche Professoren.—Nachdem die Saraeenen in der Zeit von 871—1016 Salerno mehrfach ohne Erfolg belagert hatten, entriss Robert Guixcard nach einer achtmonatlichen Belagerung des Kastells dem letzten longobardischen Fürsten, Güolf , die Stadt und erhob sie zur Hauptstadt seines Fürstentliums. Als jedoch Roger den Hof nach Palermo verlegt und das Heer Kaiser Heinrichs VI. 1104 die Stadt erstürmt und verheert hatte, verlor sie 'ihre Bedeutuug. Die schönste, mit stattlichen Gebäuden besetzte Strasse der Stadt ist der Cor so Garibaldi . hart am Meer und einen Praehtblick auf dasselbe gewährend. Die hinterliegenden engen, regellosen Strassen der Stadt sind noch die mittelalterlichen, mit Lava des Vesuvs gepflasterten, oft steil und mit Brückenbögen von einem Haus zum andern; dagegen zieht der breite Corso Garibaldi 20 Min. lang am Gestade als köstliche Promenade hin, mit dem Denkmal des Carlo Pisacana, der 1857 ein Opfer seiner Freiheitsbestrebungen ward; am Westende das grosse, architektonisch sehr hübsche * Theater, der hervorragendste Bau Salerno’s, ostwärts mit schönen Anlagen davor, mit der Fa 9 ade an Via Car- raciolo dem Meer zugewendet; an der Östlichen Langseitc das Casino Sociale; Eingang am Corso Garibaldi. — An der Westseite der Präfektur, gegenüber dem Ufficio centrale dei Dazi di consumo, die. Via del Duomo hinan, kommt man zur (r.) grossen Freitreppe der Kathedrale -'S. Matteo, dessen Gebeine 954 aus Pästura nach Salerno kamen. Robert Guiscard begann den Neubau 1076: schon 1084 weihte sie Gregor VII. ein und fand hier selbst als Flüchtling seiu Grab. Voran legt sich ein offener Vorhof, vor dem noch mit dem alten reliefirten Sturz bekleideten Eingang zwei alte Löwen ; die Aussenseite wurde 17 68 ganz erneuert und verdorben. — Im Innern von schönen Verhältnissen, 34 m. lang, 31 m. breit, viereckig und von Hallen umgeben, deren 28 antike Säulen, zumeist von Granit, verschiedenen Bauten entnommen wurden, je acht an den Langseiten, jo sechs an den Fronten, mit überhöhten Rundbögen, deren Weiten von Mitte zu Mitte 3 l /s m. betragen; an den Ecken befinden sich Pfeiler. | Man meint, die Säulen und selbst die I (ungriechischen) Kapitale stammen aus ! Pästum (die kanneürten Säulen haben 597 598 15. Salerno (Kathedrale S. Matteo). wohl Anrecht darauf), doch liefert die Umgegend von Salerno zahlreiche Funde von antikenKapitälenundSäulen. Anden Wänden de?' Halle stehen 14 Sarkophage. lini sexus, mit Nereiden und den Brustbildern der Gatten; — ein römischer Sarkophag mit neuem Wappen; — ein (spätrömischer) Sarkophag mit Meleagerjagd; — ein römischer Sarkophag mit neuem Wappen. — SfflljjlilÄ!; 11111 !®!! II An der rechten Eingangswand: Sarkophag von 1433 mit Madonncnrelief und liegender Statue, im rechten Säulengang vier römische und am Ende r. ein mittelalterlicher Sarkophag (mit Madonna und zwei Wappen) über einem römischen. — An der ltückwand (Eingangswand der Kirche): Sepulcrum Sergii Crassi et heredum mascu- Im linken Säulengang eine römische Ara; — dann die liegende Grabstatue des Yice- konsuls Pontanus Augustinus (1547). — Ein römischer Sarkophag mit Brustbildern und : Nereiden, der Deckel mit gothisclier In- | schrift und mittelalterlichem Wappen.—Am 1 Anfang der rechten Halle ein römischer Sarkophag mit Stierschädeln. 20 * 599 15. Von Neapel über Salerno nach Pästnm. 600 An der Stelle des gegenwärtigen kleinen Granitbeckens stand das jetzt in der Villa Reale zu Neapel stehende. — Drei Portale führen an der Rückwand der Vorhalle in die drei Schiffe der Kirche; das mittlere ^ grösser und reicher ausgestattet, Pfosten und Oberschwelle mit schönem Rankenornament und Thie- ren aller Art, hat eine sehr merkwürdige *Erzthiir, ein Geschenk des Salerners Landulf Butromile und seiner Gemahlin Guinsah 7 aus der Zeit des Erzbischofs Alfanus (1085 — 1121), wahrscheinlich aus Konstantinopel. Es ist (nach Schulz) »die eleganteste von allen den damit verwandten, aus Kon- stantinopel stammenden in Unteritalien«; 46 von 54 ihrer Felder sind mit ornamen- tirten Kreuzen verziert, die anderen enthalten unter Bögen Heilige: Christus, Maria, Petrus, Simon, Matthäus (mit den Donatoren); der Brunnen des Lebens. Bei allen Figuren sind dio von Silber ausgeführten Gesichter und Hände ausgefallen. Die Kirche ist dreischiffig, mit Querhaus, drei Apsiden und einer Unterkirche; seit 1722 trennen Pfeiler statt Säulen die Schiffe. Den Ausschmückungen um die Mitte des 12. Jahrh. gehören (die sehr zerstörten) Mosaiken an den Chorschranken vor dem Hochaltar an; die * Mosaiken des Fussbodens sind weit kunstvoller als in irgend einer römischen Kirche. — Von den alten Mo- saihgemälden der Kirche sind nur noch die der rechten Apsis und über dem Hauptportal (im Innern) 8. Matthäus erhalten. — Die beiden einander gegenüberstehenden * Ambonen (Kanzeln) für das Evangelium und die Epistel sind »in ihrer Gesammtheit das prachtvollste Werk« (Schulz) dieser Art; erstere (r.) so grossartig, dass sie jetzt als ein Sängerchor dient; beide von Marmor und mit Mosaiken. An dem linken Ambon, der auf vier Säulen ruht, Reliefs: Johannes, Matthäus (jugendlich schön), Jesaias; darüber ein herrlicher musivischer Fries. Der **rechte (grössere) Ambon ruht auf sechs schlanken Granitsäulenpaaren, die Kapitale sind figu- rirfc; das Ornament überaus schön und reich an Mosaik und Goldstreifen; laut Inschrift ist derselbe von 1175; vor der Mittelsäule steht ein interessanter mosaicirter * Osterleuchter, unten mit Thiergestalten. Am Ende des rechten Seitenschiffs (1. an der Chorwand): antiker Sarkophag mit Bacchanal und Masken; dann an derselben Wand: Sarkophag des Bavaradiso, mit Madonna und liegender Gestalt. Gegenüber an der rechten Längswand: antiker Sarkophag mit bac- chischer Scene. — Die ChorschrarJcen mosaicirt und vergoldet. — Auch die Cathedra des Erzbischofs ist mit Musiven verziert. In der Capp. rechts neben dem Hochaltar ruht Gregor VII. (gest. 1085), der hier im Exil, geschützt von Robert Guiscard, dem nach ihm zweitgrössten Charakter des 11. Jahrh., starb; beide aus dem Staub emporgehoben. 1578 fand man bei einer Untersuchung des Sarges die Gebeine noch intakt im Pon- tifikalgewand. Pius IX. restaurirte die Kapelle und setzte die moderne Statue des Papstes. Ueber dieser Statue in der Rundung der Nische sind noch die alten *Mosaiken erhalten (Engel, SS. Matthäus, Johannes, Fortu- natus, Jacobus, Laurentius), die laut Inschrift der durch die Sicilianische Vesper berühmte Arzt Johann von Procida stiftete. Am Ende des linken Seitenschiffs, l v : das * Grabmal der Margaretha von Durazxo, Königin von Neapel, Gattin Karls III. (gest. 1412); laut Inschrift von Antonio Baboccio von Piperno. Das Denkmal (im Stil des Domdenk- mals) mit bemalten Gestalten der vier Tugenden, an der Vorderseite des Sarkophags die Königin, r. und 1. je drei Hofdamen, auf der Seite die Königin in Nonnentracht, je von sieben Nonnen umgeben, auf dem Sarkophag das liegende'Relief der Verstorbenen. R. * Grabmal Nicolai Piscicelli, op- timi presidis Salerno 1471, unten mit den Statuen von Glaube, Liebe, Hoffnung; oben mit Reliefs, Matthäus, Madonna, Lukas und liegender Gestalt. Davor ein mittelalterliches Bischofsgrabmal mit den Medaillons Christi, Mariä und Johannis. In der Sakristei (linkesQuerschiff) am Altar ein *Elferibeinsclinitzwerlc, von vorzüglicher Arbeit, noch ganz in antiker Auffassung; höchst kunstvoll, aus der altchristlichen Epoche. Jede der Hälften der Tafeln enthält in je sechs Reihen übereinander und fünf ne- j beneinander 30 Felder mit Darstellungen; 601 15. Salerno, 602 die äusseren Reihen, mit Geschichten aus [ dem Alten Testament, die übrigen aus dem J Neuen Testament. Die Unterkirclie , zu welcher am Ende ! des rechten Seitenschiffs, gegenüber den ; zwei Sarkophagen, eine Marmortreppe hin- j abführt (r. von der obersten Stufe an der j Wand ein relielirtes antikes Schiff), hat j zwei Pfeilerstellungen nach der Tiefe, jede gemauert; laut Inschrift (am Schmalfenster) weihte ihn unter König Roger (1130 — 54) der Bischof Wilhelm dem Matthäus (das obere Geschoss ist ein neuer Ziegelbau). Es folgt hei der Ansteigung r. 8. Domenico (jetzt Kaserne), mit einem male- «n ' mm tim rtm. kU'Arsfef rääS IPl ÜP Wasserleitung bei Salerno. von sieben Pfeilern nach der Breite; sie ist »mit vieler Eleganz« ganz neu mit Marmor bekleidet und mit kleinen Deckengemälden geschmückt; die Bronzestatue des 8. Matthäus, dessen Gebeine hier ruhen, ist ber- niucsk. Am Abend des 20. Sept. und am 21. Sept., dem Gedäclitnistag des Schutzheiligen Salerno’s, findet grosse Festlichkeit (meist Illumination, die sieb besonders schön vom Meer aus darstellt) statt. Am Thurm (auf der Südseite) sind an den unteren Ecken antike Säulen einrischen gotliischen Kreuzgang mit dem Blick auf das die Stadt und die Gegend beherrschende hoch gelegene Kastell (s. oben). Eine sehr lohnende, aber jenseit der ! Cappuceini etwas mühsame Tour von Vs St. | ist die Besteigung des * alten Kastells (s. : oben), 270 m. ii. M., das schon von den I longobardisclien Herrschern errichtet wor- | den. Man steigt von S. Matteo die Strasse i hinan 1. zum Largo delle Assisie (mit der | Kirche Addolorata) und r. von diesem Largo I den frühem Stationenweg zu den (V 4 St.) 603 604 15. Von Neapel über t'iippucciiii (jetzt Gefängnis) hinan, wo schon ein sehr schöner Blick auf die Stadt und das Meer sich eröffnet. Von da klimmt maii nun hart an der Unken Westseite der Cappuccini den jähen Bergpfad zu den (V* St.) verfallenen Ruinen empor. Man ge- niesst das herrliche Panorama am besten auf der Ostseite, wenn man oben bei der Wegtheilung r. an der kleinen Mauerbrüstung emporgeht. Das Kastell ist noch in ansehnlichen Resten erhalten (in der Mitte der Burg eine kleine moderne Wohnung); am Abhang Opuntien und Oliven; r. die Küste von Araalft, vor sich das weite Meer; unten die fast thurmlose Stadt, 1. die Berge, weithin mit Wohnungen besäet, nordost- wärts weiter oben noch ein alter Rundthurm. Die malerische Wasserleitung 1 bei Salerno wurde erst 1320 erbaut (einer der Bögen dient jetzt der Eisenbahn). Der gothische Palazzo dei Sanseve- rini hat durch Modernisirung gelitten. In S. Lorcnzo wurden Wandfresken von Andrea da Salerno freigelegt. Der Stall des Erzbischofs ist aus alten Bruchstücken im Spitzbogenstil erbaut. Von Sglerno nach Pästum. Hin - und Rückfahrt 8 St.; man hat also in Salerno zu übernachten, kann aber bei frühzeitigem Aufbruch von Salerno mit dem letzten Bahnzug, wieder in Neapel ein- treffen. Die Fahrt von Eboli, S. 598. Man falire auf dem Rückweg gleich zur Station Battipaglia, von wo man in 8 St. nach Neapel kommt. — Fahrpreise s. S. 598 in der Einleitung. Man hat sich mit Proviant zn versehen, da in der Osterie zu Pästum nur Wein (doch vortrefflicher) zu haben ist, und allfällig Eier und ein Fischgericht. —• Von Anfang Juli bis Mitte September herrscht in Pästum Malaria. Man fährt von Salerno nach Pibtu-m entweder 1) direkt mit Wagen in 4 St., oder 2) per Eisenbahn nach Eboli. Von Eboli fährt man schon in 2 V 3 St. nach Pästum. Da der Gasthof von Vuzxo in Eboli recht ordentlich ist und man gutes Nachtlager findet, so ziehen es viele vor, von Eboli aus Pästum zu besuchen, weil dadurch bedeutend an Zeit gewonnen wird. 1) Direkt mit Wagen. Die ersten 4 St. (im Wagen 2 St.) legt man auf der Hauptstrasse nach dem Süden dieselbe Strecke zurück, welche die Eisenhalm bis (20 Kil.) Battipaglia macht; dann geht es r. durch die monotone, nur durch Krappfelder belebte Ebene und über (3 St.) den antiken Silarus (jetzt Sele; Salerno nach Pästum. Silicus Italicus VIII, 557: »dess Flut, wie die Sage geht im Lande, den versenkten Zweig zum Stein erhärtet«; die wiederholt zerstörte Brücke ist wieder hergestellt) nach (4 St.) Pästuill. • 2) Mit der Bahn über Eboli. Die Bahn über Pontecagnano, Bellizzi (r. Tavevna Vicenza, wo das antike Pi- ccntia stand, das infolge seines Ueber- gangs zu Ilannibal zu Grunde ging; in der Nähe lag ein Tempel der argoischen Juno) und Battipaglia (Abzweigestelle der Landstrasse nach Pästum, 1. das pittoreske Olevano) nach Eboli (*Albergo di Vuzzo, recht ordentlich und der Wirt zuverlässig, 8 Min. vor der Stadt; die Wägen nach Pästum fahren von hier ab. — Sorren- tino, theuer), mit einer Gemeinde von 9000 Einw., einem recht interessanten, malerischen Städtchen mit engen, theil- weise steilen Gassen (in S. Francesco eine Kreuzigung von lloberto de Ode- risio von Neapel, einem trefflichen Nachfolger Giotto’s), auf dem Berggipfel die Thiifme der alten Burg, jetzt Jagdschloss; 1. mit schönem Blick auf das Meer und den Persanowald. Wagen nach Fihtum in Z l h St., 15 Fr. Man fährt in überaus malerischer Umgebung an dem Persanowald vorbei, der sieh am Fuss des Alburnus (jetzt Postiglione) hindelmt und noch Wildschweine und Hirsche beherbergt. Dies- seit des Seleflusses ( 2 V 2 St. von Eboli) mündet die Strasse in die von Salerno kommende Landstrasse. Pästum. . Die Osterie von Franco Marcdlo liefert vortrefflichen Wein; auch Eier und Käse und allfällig ein Fischgericht; zwei Betten sind zur Disposition. Am Sonntag ist Pästum , wo jetzt eine Reihe neuer Häuser entstand, oft sehr belebt. — Der Kustode der Tempel erhält nach officieller Vorschrift 1 Fr. für jede Person. Einst stand hier die reiche griechische Stadt Posidonia , mit herrlichen Tempeln und so hoher Kultur des Bodens, dass Martial (12, 31), entzückt von Auen und Posen so schön wie im zweimal tragenden Pästum, dichtet und schon Virgil und Ovid den doppelten ry. \üf -Hin^L^S igSl! i’HSSSKSSSiiäjj; lljBWTil, MS ii-A^'-'i. ^yx^ : 605 15. Pästum (Neptuntempel). 606 Rosenflor preisen. Ueber das Geschick der Stadt, die man jetzt wieder aufrichten will, gibt das Sprichwort Aufschluss: »Quando canta la Cicala A Pesto c’ e la Reste!« — Büffel hausen behaglich in den Sümpfen des Flusses Salso, der an der Südseite der antiken Mauern vorüber fliesst. Die Stelle der berühmten Veilchen und Rosen nimmt jetzt das wilde Vorbild des korinthischen Kapitals, der Akanthus, ein. Aber drei dorische Tempel, der mittelste einer der herrlichsten, welche die Erde noch schmücken, erheben diese Stätte zur bedeutendsten klassischen Stelle Italiens. Hier tritt der männlich-kräftige, ernste und doch so klare Stil des in sich selbständigen dorischen Geistes überwältigend vor Augen* der Stein lebt, der Tempel blüht als eine vollkommene organische Schöpfung auf, alle Glieder im schönsten Eben- mass entfaltend. Hier ist das Geheimnis gelöst, den starren Stoff als einen beweglichen, rhythmisch gegliederten zu behandeln, dessen Formen nur der entsprechende Leib des innerlich schaffenden Genius sind. Hier strebt die Säule, stämmig aufschiessend, dem Druck des Gebälks, unter dem das Kapital sieh wie die dorische Schulter verbreitert, kräftig entgegen ; das Gebälk spannt ein elastisches Gewebe über die Stützen, der schwebende Giebel krönt in ruhiger Senkung organisch den Bau. Geschichtliches. Die alte Neptunstadt Poseidonici war eine ungefähr 700 Jahre v. Chr. von dorischen Griechen (trözenischen Pelo- ponnesern) aus Sybaris gegründete Kolonie, gedieh nach der Zerstörung ihrer Mutter- stadt zu rascher Blüte und wurde unter ihren Nachbarn durch ihre kunstfertigen Männer berühmt (Herod. I, 167); die Bauten wurden aus dem einheimischen harten, roth- gelben Kalktulf errichtet. Die Stadt fiel zur Zeit, als das sinkende (Jriechentlium in Italien dem einheimischen Element erlag, zuerst in die Hand der Bruttier und Lukaner (341 v. Clir.). Doch blieb ein Theil der alten Einwohner zurück. Nach kaum 70 Jahren (‘273 v. Chr.) kam Poseidonia unter die Herrschaft der Römer, die zur Ausdehnung und Befestigung ihrer Seemacht hier die Küstenkolonie Pästum an der Stelle der tlieihveise von den Bruttiern zerstörten Stadt anlcgten. Griechische Eigcnthümlich- keit und Sprache verloren sich, weshalb die »Posidionaten« auch später noch ein jährliches Thränenfest feierten, wobei sie in ihrer Muttersprache die alten Zeiten auffrischten. ZurZeit des Augiifitus kannte man noch ihre Rosen, aber auch ihre Malaria; endlich ward sie, wahrscheinlich 871 n. Chr., von den Saracenen zerstört. — Schon Robert Guiscard benutzte (im Jahr 1080) Säulen von ihren Tempeln für Salerno. Die .Sümpfe der Niederung, die Versandung des Hafens, der schwierige Abfluss des Wassers machten Pästum immer ungesunder; die Einwohner zogen sich auf den Nachbarhügel zurück und siedelten sich in dem noch jetzt in Resten erhaltenen Capaccio vecckio (Caput acquae) an. Die Stadt blieb verschollen und ward erst 1745 wieder der kunstliebenden Welt durch Antonini vorgeführt; genaue Pläne publicirte zuerst Labrouste 1818. Der mittlere, grösste und am besten erhaltene der drei berühmten Tempel am Südrand der antiken Stadt ist der **Neptuntenipel 9 der vollendetste lind glücklichste Ausdruck der Architektur im Zeitalter des Peisistratos •□®D®c*[D©D©LJ®a®Do[ii»a*n®n*D» Grundriss des Neptuntempels zu Pästum. •□•□•[□•□•□•□•□•□•□♦□•□•□•CI® (ca. 550 Jahre v. Chr.). Das prächtige Pe- ristyl blieb aufrecht, weil die aus je vier Stücken zusammengesetzten Travertinsäulen den modernen Bauten nicht dienen konnten; dagegen fehlt ein grosser Theil des Quadernmaterials. Der graphische Plan ist noch im ganzen Umfang erhalten; Peristyl (Säulenumlauf), Pronaos (Vorliof), Treppe, Tempelcella (wo die Statue des Gottes stand), Opisthodom (Raum hinter der Cella) und Posticum (Säulenstellung an der Rückseite) sind genau markirt. Er ist 58,oi m. lang, 26,25 m. breit. Vorn und an der Rückseite streben sechs Säulen stämmig und stark verjüngt, doch wenig geschwellt, der Last entgegen, an jeder Langseite 12, zusammen 36, alle schon mit je 24 Kan- nelüren , aber noch mit alterthümlic.hem, weich ausladendem Kapital (noch nicht mit der Geschlossenheit der vollen klassischen Zeit); die Verjüngung ist von 1,99 rn. auf 1,54 m., die Höhe 8,87 m., die 607 15. Von Neapel über Salerno nach Piistiim. 608 Deckplatte 2,® m. Sie haben somit 4,50 m. Durchmesser (im klassischen Zeitalter 5,50 m.), ein sehr starkes Verhältnis, welches der Stuck, mit dem der rissige und zerlöcherte Travertin dick überkleidet wurde, noch wuchtiger machte; das Gesims 3,85 m., der Giebel *3,18 m., so dass die oberen Partien 7,03 m., also i fast die Hälfte der Gesammthöhe des ; Tempels, einnehmen. Sämmtliche Missverhältnisse, in denen wie beim spätem Parthenon eine Vorliebe für die ungeraden Zahlen waltet, sind eine tiefge- gedachte, vollbewusste Entfaltung einer organischen Gliederung. Ifauptfa^ade 11 Triglyphen, 21 Mutulen; Seiten: 27 Triglyphcn, 53 Mutulen; Stylobat mit drei mächtigen Stufen, drei zur Cella; Höhe der Säulen siebenmal die der Kapitäle; Totalhöhe vom Säulenboden bis zur Höhe des Giebels fünfmal die Höhe des Giebels u. a. Auf den Säulen schwebt ein schwer- lästiger Architrav (dessen Kante noch zurückbleibend ist) und ein leichter Fries. Dies etwas schwere Gesims, die kurzen Proportionen der Säulen und ihr gedrängterer Stand geben dem Tempel einen noch alterthümlichen, aber überaus grandiosen Charakter. In der Mitte , des Tempels stehen als Reste der öella \ zwei Reihen von je sieben, die äussere Säulenstellung in kleinerem Massstab wiederholende Säulen; über dem Architrav derselben erhebt sich, in fast mathematischer Linie sich fortsetzend, eine zweite obere Reihe noch kleinerer Säulen, die das Dach trugen. Die untere Ordnung hat 1,46 m. an der Basis und 6,03 in. Höhe (etwas mehr als 4 m. Durchmesser) , die obere 0,86 m. an der Basis und 3,40 m. Hohe (etwas weniger als 4m. Durchmesser). Die Kapitäle sind weniger elastisch und fast weichlich ausgebaucht; die Verhältnisse sind kürzer als am Peristyl, um den Stützen grössere Kraft zu geben. Man sieht noch Reste der Mauer, welche die Cella umschloss, stand die Statue des Gottes; das Dach Uber der Cella war ausgeschnitten, der Tempel also hypäthral, d. h. das Sanc- tuarium stand unter freiem Himmel, wodurch der Festtempel eine reiche Beleuchtung durch das prächtige Oberlicht erhielt. (Man hat auch nur in den Hallen die Wirkungen niedergestürzten Deckengebälks gefunden, nicht aber in der deckelosen Cella.) Die Fortsetzung der Mauern der Cella bilden zwei Vorhallen, eine gegen den : Pronaos und eine kleinere gegen das i Posticum, jede von der Porticus durch ; zwei Pfeiler getrennt, zwischen welchen [ noch zwei Säulen stehen. Die Anten des Pronaos stehen nicht in Einer Linie mit den Säulen, sondern treten mehr hervor, geben dadurch dem Vestibül mehr Tiefe und dem Plan grössere Be- i wegung. I Dieser Tempel ist der einzige griechi- ) sehe, der noch im Innern seine zwei Ord- ! muigcn übereinander zeigt. Die imposante I Wirkung, die Harmonie der Verhältnisse, ! der strenge Stil, die wuchtige Kraft, die | grandiose Einfachheit erheben den Gasaramt- bau noch weit über die sicilischen Tempel. Die Arbeit ist von der grössten Sorgfalt, die Konstruktion von monumentaler Dauerhaftigkeit (z. B. der Fussbodenbeleg aus den grössten Steinblöcken, die einzelnen Werkstücke an Säulen und Gebälk aufs genaueste und ohne Mörtel aneinander gefugt). Die Säulen sind zwar noch kurz und stämmig, stark verjüngt mit geringer Schwellung und stehen dicht bei einander, das Kapital noch weit ausladend und etwas gedrückt, Architrav und Erics hoch und schwer, aber : der Eindruck des ganzen Bauwerks ein : ebenso grossartiger als durchaus harmonischer, der »die Idee mächtiger, koncentrir- ter Kraft« erweckt. Die vollendete Ivlassi- cität verlangte nur noch ein kräftigeres Entziehen der Ausladung, Erleichterung der Wucht, Verlängerung der Höhe und Erweiterung der Dimensionen. Das Gebälk war reich mit Farben geschmückt, die Säulen und grossen Flächen (Architrav, Dachkranz) gelblich, die Triglyphen und Tropfen dunkelblau, die Metopen roth; von der Farbe auch Reste der Thür an der Ostscite und der letzteren sieht man noch Spuren au Spuren der in den Thtirwänden ausge- ’ der ersten Metope der Ostfa9ade r. — sparten Treppen. \ Dagegen ist die wunderbare Goldfarbe Die Doppelsäulcn trennten das In- . des Travertins, der dem Tempel den nere der Cella in ein breites Mittelschiff j reichen glühenden Ton und eine fast und zwei schmalere Seitenschiffe, hinten ' braune Durchleuchtung verleiht, beson- G09 610 15. L’iistum (Basilika - Cerestempel). ders wenn die volle Sonne ihren Glanz über ihn ausgiesst und die vorspringenden Theile ihre scharfen Schatten werfen, ein Werk der Zeit, d. h. der Oxydi- rung des Eisengehalts im Material. Den Travertin boten die mächtigen Süss- wassorkalkwände des Silarus ('Seie) , von deren Dispositionen schon Strabo spricht. Auch die Mauerflächen waren wie die Säulen mit Stuck bekleidet. 16,50 m. vor der Ostfa^ade des Tempels sieht man am Boden die Basis eines Opferaltars, 8,50 m. lang u. 2,50 m. breit. Südl. vom Neptuntempel steht die sogen. Basilika; in der Nähe des ihr südl. parallel laufenden Flusses Salso. Sie ist • , • • p 0 0 ü 0 0 0 0 0 0 0 m • 0 • • • 0 0 0 0 0 0 0 • © • 0 • • • 0 • • 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • • • • 9 O • 9 Grundriss der Basilika zu Pästura. ein Peripteros mit 50 Travertinsäulen, 9 an jeder Front, 16 an den Längsseiten, die ein Rechteck von 24 m. Breite und 54 m. Länge beschreiben, das auffallenderweise durch eine mittlere Säulenreihe in zwei Längshälften getheilt wird. An Stelle der Cellawände laufen Säulenreihen mit quadratischen Eckpfeilern hin; — eine niedrige Brüstung zwischen den Säulen schloss den Innenraum ab. Man nannte den Bau ziemlich willkürlich eine Basilika; mit mehr Wahrscheinlichkeit hat man ihn als eine Doppelstoa bezeichnet, wie sie auch in Elis vorkamen (Paus. VI, 24). Auch über das Alter ist man nicht einig. Die schönen Kapitale entsprechen nicht den gewöhnlichen dorischen (Kehle mit kleinen Blättern), haben jedoch Aehnlichkeit mit denen zu Selinunt. Die Verhältnisse, der weiche und volle Echinus scheinen sogar auf eine noch ältere Bauzeit als die des Neptuntempels zu deuten. Doch weist das feine Schmuckwerk (der reich ausgezierte Hals) der Sfallen auf eine ganz andere Zeit als die der grossen Formen des dorischen Stils und erinnert an den etruskischen Goldschmuck. — Vom Gebälk ist nur der Architrav und ein Stück des Frieses (mit cigenthümlichen Einschnitten) erhalten. Den glatten Architrav krönt ein dicker Wulst, der Fries ist ohne Triglyphen. Auch die sich verjüngenden quadratischen Pfeiler an den Ecken des Innenraums und ihre eigen- thümlichen korinthisirenden Kapitale erinnern an etruskische Gräberpfeiler; die vier Flächen des Pfeilers beugen von dem das Kapital vom Schaft trennenden Astragal an aus und rollen sich an den Ecken zu kleinen Voluten auf. — Danach wird die Basilika von manchen erst in die etruskisch- römische Bauzeit hinabdatirt. Nörcll. in etwas weiterer Entfernung vom Neptuntempel, zunächst dem Eintritt von Salerno her, steht der sogen. Ceresteillpelj eil! kleinerer hexa- styler Peripteros, d. h. mit je 6 Traver- Grundriss des Cerestempels zu Pästnm. tinsäulen an der Stirnseite und Rückseite und je elf an den Langseiten, zusammen 34. Nur das Peristyl (die Ringshalle) und vier Säulen der Vorhalle sind stehen geblieben. Der Tempel ist 14,25 m. breit, 32,25 m. lang; die Säulen haben 1,25 m. Durchmesser, auf 6,01 m. Höhe, also ein Verhältnis von 4,80 m. Durchmesser; 2 /ö höher als an der Basilika; sie sind massig verjüngt, aber stark ausgebaucht, und haben 24 Kanäle mit Kreissegmenten. Der Echinus steigt ziemlich flach an und zieht sich oben scharf ein; die Platte ist etwas höher als der Echinus; der Architrav hat eine mehrgliedrige hohe Bekrönung aus ionischen Gliedern. Der Fries ist restaurirt, wie überhaupt eine spätere Restauration hier mannigfach eingegriffen hat. Die viersäulige Vorhalle ist sehr tief (ebenso tief wie breit), die ionisirenden Säulen ruhen nicht wie die dorischen auf dem Säulenboden, sondern auf einem zweigeteilten Sockel. — Die Cella hat nicht die altdorische 611 15. Yon Neapel über Salerno nacli Pästnni. 612 schmale Länge; an ihrem Ende erhebt sich eine Aedicula für das Bild der Gottheit; die Cella ist zerstört. Folgende Erscheinungen weisen den Tempel wahrscheinlich einer spätem Zeit zu: 1) die Triglyphen (d. h. die Dreischlitzplatten am Fries) sind zwischen die Metopen (d. h. die quadratischen Felder neben den Triglyphen) als dünne eingeschobene Täfelchen wie ein späterer Zusatz gebildet; — 2) der äusserste Triglyph ist nicht an die Ecke, sondern über die Axe der Ecksäule gestellt; — 3) der Ar- chitrav hat statt des Gesimsleistens und der Tropfen ein in Skulptur ausgeführtes Unterglied (Kymation); — 4) die Unterseiten der vorragenden Platten des Dach- und Giebelkranzes sind mit vertieften Kassetten verziert; — 5) die Säulen haben eine sehr starke Schwellung; — C) der dreistufige Unterbau geht nur um die Hälfte des Baues herum, an der andern Hälfte bildet er einen einzigen Sockel (wie beim etruskischen Tempelbau). Die Missverhältnisse, die kurze und stämmige Bildung und enge Stellung der Säulen haben bedeutende Forscher (z. B. Semper) veranlasst, den Tejnpel der ältesten dorischen Zeit zuzuweisen, während andere diesen Bau für ein bald nach der römischen Besetzung entstandenes, von der griechischen Umgebung noch stark beeinflusstes römisches Werk halten , das sich zwischen dem griechischen und dem spätem römisch-dorischen Stil in die Mitte stellt. Der obere Theil des Gebälks ist restaurirt. Die drei Tempel liegen an einer Linie, welche die Stadt im kürzern Durchmesser mitten durchselinitt; noch stehen ausserhalb derselben: Die Stadtmauern, theils wohl erhalten, theils noch in neuester Zeit zerstört, I eine eiförmige (fünfeckige) Umfriedung I von 1 St. bildend, 1510 m. lang, 997 m. I breit, an einigen Stellen der südlichen und östlichen Seite noch 15 m. hoch, die Travertinblöcke an 4 — 5 m. dick. Vier Thore, nach den vier Himmelsgegenden gerichtet, führten in die Stadt; das östliche (Bergseite), 14 m. hoch, ist noch mit seinem Bogengewölbe vorhanden; an den Schlusssteinen desselben sieht man nach innen einen Delphin, nach aussen eine Sirene. — Noch erkennt man die Spuren von acht viereckigen Thürmen; einer neben dem östlichen Thor ist noch ziemlich erhalten; auf der Terrasse des r. vom Siidthor liegenden hat man den schönsten Ueberblick über den ganzen Stadtplan und die köstliche Perspektive der drei Tempel. — A 7 or der Südmauer fliesst parallel mit ihr der Salso. Vor dem Ostthor ist r. ein Rest des Aquädukts, 1. eine Cisterne und antikes Pflaster aus Polygonen von dichtem Kalkstein. — Vor dem Nordthor (Porta Aurea) war eine Gräberstrasse, auch vor dem Südthor östl. am Salso. Man fand (1805, 1852, 1854) in diesen backsteinernen Gräbern griechische Waffenrüstungen, bemalte Vasen, interessante Wandgemälde (sämmtlich imMuseumzuNeapel). Das Innere der Stadt durchzogen zwei in der Mitte sich rechtwinklig durchschneidende Strassen, welche dasselbe in vier ungleiche Regionen zer- theilten. In der nordöstlichen fand man gegenüber der jetzigen Osterie Spuren eines Amphitheaters und (westl. neben demselben) eines sogen. Friedenstempels; nördl. vom Neptuntempel Spuren des Forums, das sich wahrscheinlich vor jenem und der Basilika hinzog, und Reste von Basen, auf denen wohl Ehrenstatuen sich erhoben. 613 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi. 614 III. Die Abruzzen, Capitanata, Bari, Benevent 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi. 556 KU. Eisenbahn von Ancona nacli j Brindisi. Täglich zwei direkte Züge, da- i von der eine (Schnellzug) mit I. und II. Kl. \ in 14 St., der andere (Postzug) mit 8 Klassen in 20V2 St — Ausserdem geht wöchentlich (Sonnt.) ein Kurierzug (nur I. KL) in l0 2 /3 St. nach Brindisi, der jedoch nur in Pescara und Foggia hält. Bezüglich der auf dieser Strecke laufenden Schlafwagen s. S. 9. Preise der Züge von Ancona nach Foggia: I. 86 Fr. 85 C., II. 85 Fr. 20 C., III. 25 Fr. 15 CL; — nach Brindid: I. 62 Fr. 75 C., II. 44 Fr., III. 81 Fr. 40 C. (gewöhnlicher Zug 25 Fr. 15 C.). Die E isenb ahn fahrt an der Küste des Adriatischen Meers hietet verhältnismässig nicht dasselbe Interesse wie die "Westküste dar, da sich der Hauptschauplatz der kulturhistorischen Entwickelung an der letztem hinzieht. Jene wird daher weniger von Touristen als von Geschäftsleuten benutzt, da sie die kürzeste Verbindung für die Orientreisenden ist. Immerhin ist auch hier des Schönen und Interessanten genug, herrliche Hochgebirgstouren, die freilich erst einer komfortabeln Zugänglichkeit bedürfen, reizende Panoramen von den nahen Höhen, interessante Bauwerke des Mittelalters, eigentliümlichere, noch originalere Bevölkerung und Sitten u. a. Die Stationen liegen mit Ausnahme der Strecke von Termoli bis Barletia durchweg in der Nähe des Meers und meist in ziemlicher Entfernung von den Städten, mit denen sie durch Omnibus in Verbindung stehen. Von den Höhen vieler dieser Städte geniesst man entzückende Prachtblicke auf die Gebirge und das Meer, die an Schönheit auch den schönsten der Westküste gleichkommen. — Grössere Partien in die umliegende reich lohnende Gebirgswelt sind leider in den Abruzzen und selbst in Apulien immer nur mit gehöriger Vorsicht gegen räuberische Ueberfälle zu unternehmen. Jenseit Ancona, »der Wade des italienischen Stiefels«, zieht sich der nordöstliche Theil der vordringenden Apenninausläufer in einem Bogen nach Osimo, der südliche über JRecanati nach Loreto ; Ancona selbst liegt am steilen Ende des Östlichen isolirten Höhenzugs des Monte Conero. Parallel mit dem Loretozug läuft ein Zweig, auf dessen Rücken Macerata sich lagert, zum Meer. Die hinter Ancona liegenden Höhenzüge hat die Bahn zu durchschneiden; man sieht 1. den schroffen, kalkigen Monte Conero und kommt durch einen Tunnel nach (16 Kil.) Stat. Osimo. Die Stadt, einst die festeste und grösste im Gebiet der Picentiner (das antike Auximum), liegt 1 1 j 2 St. ah auf hohem (260 m. ü. M.) Bergscheitel, mit prächtiger Aussicht auf die Berge und das Meer. — Jenseit Osimo zieht die Bahn nahe an Castel Fidardo vorbei, allbekannt durch die gänzliche Niederlage der päpstlichen Truppen unter Lamoriciere im Kampf mit den Italienern unter Cialdini am 18. Sept. 1860. (24 Kil.) Loreto (derberühmteWall- falirtsort liegt *2 St. in der Höhe; Wagen pro Sitz 60 O. Beschreibung s. Rom, Bd. I, S. 368). — -Es folgt (28 Kil.) Stat. Porto Pecanati (das Städtchen 1 St. entfernt). — Längs der Küste, die Potenza passirend, nach (37 Kil.) Stat. Potenza Picena, eine antike Kolonie, zum Unterschied von der Stadt der Lukaner nach den Ficentinern genannt. — R. »der italische Fruchtgarten«, besonders reich an weissen Maulbeeren. (43 Kil.) Stat. Porto Civitanova (Diligenceverbindung mit Macerata ), an der Mündung des Chienti (Cluentus), der hei den Ruinen einer antiken Picenerstadt die Leta morte (den todten Lethe) auf- nimmt und als Hafen von Civitanova endet. — Ueber den Fluss nach (50 Kil.) Stat. 8. Elpidio a Mare; die Stadt (mit 8000 Einw.) liegt 1 St. davon entfernt 148 m. ü. M. — Ueber die Tenna, die auf der Schneehöhe der Montagna della Si - billa entspringt und als Hafen von Fermo mündet, nach (59 Kil.) Porto S. Giorgio, einem aufblühenden sommerlichen Badeort in 615 10. Von Ancona über Pescara mul Bari nach Brindisi. 616 schöner Umgebung. (Hier hatte Hieronymus Bonaparte eine Villa.) Wägen führen in 1 St. (*/a Fr.) nach (6 Kil.) Fcrmo (Aquila), malerisch auf steilem Berg (265 m.) gelegen, mit 18,000 Einw. Das antike Firmnm Picennm, eine zu Anfang des ersten Punischen Kriegs angelegte römische Kolonie. Im Mittelalter hatte es 200 Adelsthürme und seine eigenen Herren, denen die Päpste 1355 und 1529 die Stadt Wegnahmen. Die Stadt ist, wenn auch theilweise steil, doch schön gebaut; noch sieht man beim Eingangsthor Porta S. Francesco einen nicht unbedeutenden Theil der altitalischen Mauern. Unter den 10 Kirchen steht die Kathedrale auf den Unterbauten eines einst berühmten antiken Junotempels. — 6’. Filippo enthält ein Gemälde von Rubens. — Im Palazzo del Comune an der grossen Piazza sind Inschriften und Ueher- reste aus der römischen Zeit (eine reiche Pri vatsamml ung b esitzt der Advokat MinicU). — Das Theater ist hübsch; die Universität aber wich den grösseren Anstalten, doch ist die Stadt noch Sitz eines Erzbischofs. Der berühmte Kirchenschriftsteller Lactantius •»Fir- mianus« ist sehr wahrscheinlich hier geboren. Nun Uber die Leta viva am Meer entlang, mit schönem Blick auf die dör- ferbesäeten Hügel r.; bei der (69 Kil.) Stat. Pedaso über den Asofluss nach (77 Kil.) Stat. Cupra Marittima, in deren Nähe die antike Stadt der Picener stand, mit einem bedeutenden Tempel der Göttin Cupra, welche für eine Juno und etruskischen Ursprungs gehalten wurde, doch wohl eher eine sabinische Gottheit Cypria (gute, bona Dea) war; noch Hadrian, der sein Geschlecht vom picentinischen Ha- tria herleitete, erneuerte den Tempel 127 n. Chr. (80 Kil.) Stat. Grottam/mare; der Ort ist ein ansehnlicher Flecken; auf der Anhöhe herrliche Aussicht. Papst Sixtus V. wurde hier am 18. Dec. 1521 geboren, musste in dem von seinem verarmten Vater gepachteten Garten das Obst bewachen und selbst die Schweine hüten. Als Papst liess er den unvollendet gebliebenen Hafen anlegen. 8 Kil. in der Höhe (Post 75 C.) liegt die Stadt Itipatranzone (171 m.) mit 5700 Einw., wahrscheinlich das antike Cupra mon - lana, mit einer hübschen Kathedrale S. Gre- gorio und kleinen Katakomben. (85 Kil.) s. BeuedettO (Locanda della Strada ferrata). Post (im Anschluss an die Bahnzüge, 4-, 10, 7 und 14) von hier (2 ! /2 Fr.) in 4 St. hin, 3 St. zurück nach (28Kil.) Ascoli (* Aquila ), mit23,000 Einw., dem antiken Asculum, der festen, ansehnlichen Hauptstadt der Picentiner an der Via Salaria, im Bundesgenossenkrieg 89 v. Chr. durch Pompejus zerstört, aber bald wieder hergestellt und noch in späteren Zeiten blühend. — Es liegt von hohen Bergen (der malerischen Sibilla und der scharf gezähnten Ascemione) umragt, beim Einfluss des Castellano in den Tronto an dessen rechtem Ufer, auf einem Hügel 143 m. ü. M. — Ein *c tntikes römisches Thor im W. der Stadt, bedeutende Reste der sehr alten Mauer, Inskriptionen im Pal. del Comune , unbedeutende Reste von antiken Theatern erinnern noch an seine ehemalige Grösse. Auch das spätere Mittelalter hat hier stattliche Bauten hinterlassen, einige architektonisch nicht unbedeutende Paläste, vor allem aber an der Südseite der Stadt die schöne *Kathedrale, die schon von Konstantin an der Stelle eines Herkulestempels erbaut worden sein soll, dessen Substruktionen noch wahrnehmbar sind, in ihrer jetzigen Erscheinung ein Gemisch von Arcliitektur- formen; das Langhaus (laut Inschrift) von 1481 ; die bedeutendste Restauration des Ganzen von Cola d'Amatrice 1570, von dem die Renaissancefa^ade herrührt, an der nur noch die zwei Thürme alt sind. Die Bilder der Kirche von lokalen Künstlern des 18. Jahrh. — Im Chor (mit Gestühl aus der Uebergaugszeit vom Gothischen in die Rc- . naissance) eine Altartafel von dem Venetia- ner Cj ’j Crivelli (Pieta, Madonna, Apostel, Heilige); 1473. — In der Sakristei das silberne Behältnis in Niello, mit dem Arm des S. Emidius; die Unterkirche mit drei Apsiden. — An der Südseite des Doms erhebt sieh das aus Travertin erbaute Baptisterium, ein merkwürdiger altromanischer Bau, unten viereckig, oben ein Achteck mit kleinen rundbogigen Arkaden S. Francesco, an der Piazza del Popolo, 1202 von Antonio Vipera erbaut, hat eine nicht gewöhnliche, aber sehr ansprechende Anlage, ein üreischiffiges Langhaus mit je fünf achteckigen Pfeilern, über der Kreuzung eine achteckige Kuppel, am Querhaus sieben Apsiden, die Parade bildet ein hoch über die Seiten sich erhebendes Rechteck. An den Langseiten schmale gothische Fenster. Die Bilder sind von Künstlern von Ascoli (z. B. der Familie Giosafatti, 1G43 —1785) und von Cola cVAmatrice, der auch das vergoldete Holztabernakel anfertigte; das Bild des Hauptaltars (S. Franz) trägt den Namen Tizians. — Von Cola d’Amatrice, der im 16. Jahrh. die meisten Öffentlichen Bauten in Ascoli leitete und den bischöflichen Palast 1532 errichtete, sind auch eine grosse Anzahl von Gemälden hier, so in S . Vittorio Madonna mit Heiligen, 1514; im Ospizio degli Esposti Geburt Christi mit Heiligen, das Abendmahl und die Kreuztragung; im Refektorium der Minoriten ein Fresko von 1519; ebenso im S. Maria delT Ospcdale. — S. Gregorio Magno ist auf den Resten eines antiken Tempels erbaut, von dem noch 617 16. Ascoli — Teramo — Gran Sasso. C18 einige Säulen und Tlieile der Netzwerkwand vorhanden sind. ■— In S. Giacomo ist ein Altarbild von Pietro Alamanni (Madonna mit Heiligen) von 1489; auch in S. Groce ist ein Bild von ihm (Madonna mit S. Emi- dius und S. Stephanus); ebenso in S. Angelo Custode. — Carmine, 1636 gebaut, hat ein Bild von Luca Giordano. — iS. Maria inter tineas ist noch mittelalterlich; ebenso $. Agostino. — S. Vincenzio cd Anastasio hat noch alte Reliefbilder. — Die Porta Solesta im Spitzbogenstil ist von 1230. Die grosse yVavcrtinbrilcke über den Castellano vor Porta Maggiore wurde 1372 durch Massio di Niccoluccio und Ravvolto di Ascoli ausgeführt. Jenseit S. Benedetto setzt die Bahn über den Tronto (Truentus), die alte Grenze zwischen dem Kirchenstaat und dem Königreich Neapel. Der Tronto trat, in den Bergen von Oampotosto bei Poggio Cancelli entspringend, über Arquata in den Kirchenstaat; von Ascoli an durchzieht er in tiefem Einschnitt ein ebenes Thal und ist bei Martino Sic.uro für kleine Fahrzeuge, die mit Hülfe der Flut über seine Barre gebracht werden, schiffbar. Folgt (99 lvil.) Stat. Tortoreto. — Dann (109 lvil.) Stat. Giulianova. Der Ort (20 Min. r.) auf dem Hügel, mit 4700 Einw., entstand, als Ginlio Aquaviva, Herzog von Atro (gest. 1481), die durch Malaria decimirten Bewohner von S. Flaviano an der Küste dahin verpflanzte. Dieses 5. Flaviano an der Mündung des Tordino war in antiker Zeit der Seehafen Castrum novum von Interamna, dem jetzigen Teramo. Corriere von der Stat. Giulia tiigl. 2mal in 3 St. (2 Fr.) nach (20 Kil.) Teramo (mit ordentlicher Lo- canda an der Piazza) durch das Tordinothal (mit Prachtsicht auf den gewaltigen Gran Sasso). Die Stadt, mit 19,700Einw., liegt 267 m. ü. M., am Einfluss der Vezzola (deren weissc Farbe die Sage ihres Milchführens vcran- lasste) in den Tordino, ist als Provinzialhauptstadt der Ostküste sehr gewerbsam und hat stattliche Vorstädte; eine breite Strasse mit schönen Häusern durchzieht die Stadt in gerader Linie. An die antike Zeit erinnern Spuren weitläufiger Thermen und eines Theaters im Garten des Seminars und Le Grotte genannte Baureste vor der Porta Reale. Der Name der alten Bevölkerung Praetutiana wurde schon seit dem 6. Jahrh. in Aprutium umgelautct und erweiterte sich später zur Bezeichnung der ganzen Provinz der Abruzzen; der Bischof von Teramo heisst jetzt noch episcopus Apm- thms. — Die (leider sehr niodernisirte) Kathedrale wurde unter dem Bischof Nikolaus 1317—55 errichtet; an der viereckigen Faijade abwechselnde Ziegellager, die Nischen mit Spitzgiebeln, Statuen, Mosaikverzierungen der Kosmaten; auch an Portal und Pfosten Mosaik. — S. Agostino hat innerhalb prächtiger spätgothischer Architektur ein interessantes Bild der Krönung Mariä (aus dem 15. Jahrh.). Besteigung des Gran Sasso. Von Teramo aus besteigt man den stets mit Schnee bedeckten Gran Sasso. — Am Monte delle Panicelle theilt sich der Hauptzug der Apenninkette in drei Arme, der östlichste ist der eigentliche I-Iauptgrat, und aus diesem steigt zwischen dem Corno pic- colo und le Ire Torri der Gran Sasso auf, der höchste Gipfel der Apenninen (2992 m.); die Anwohner der Ostseite nennen ihn Corno grande, weil er von dort ein spitziges Horn bildet, während er von S. wie eine Pyramide mit abgestumpfterSpitze erscheint. Er wird am leichtesten von dem kleinen Dorf Forca di Valle aus erstiegen. Bei Isola (3 St. von Teramo), wo man übernachten kann, findet man Maulthiere zur (mühsamen) Besteigung eines grossen Theils der Anhöhe. Da die Besteigung eines Bergs um des Naturgenusses willen den Bewohnern dieser Gegend noch etwas Unbegreifliches ist, so sind Empfehlungsbriefe von Teramo aus sehr nothwendig, um gute Unterkunft und zuverlässige Führer zu erhalten. Der Fuss des Bergs ist mit Wäldern und Alpenweiden bedeckt, die grössere obere Hälfte aber eine kolossale nackte Felsenmasse, -wo Geröll und ewiger Schnee die tief cinges'clmittenen Schluchten füllen. In 4 St. erreicht man den mit reichen Wiesen umgebenen Felsenrücken Arapielra, wo die Maulesel bleiben. Von da an beginnt der strenge Fussmarsch, der eine prächtige Alpenwelt ringsum erschauen lässt; aber auf einem Weg, der nur für kräftige Touristen praktikabel ist. Vom Gipfel erblickt man nicht nur die beiden Meere, sondern selbst die Gebirge Dalmatiens. Von Teramo führt eine gute Strasse nach (60 Kil.) Aqnila (S. 074), gegen das der Gran Sasso jäh abfällt, und nach Terni. Die Bahn setzt über den Tordino (Batinum), der am Padula in der Mon- tagna di lloseto entspringt, und über den Voniano, der, von den Bergen der Laga herabfliessend und den vom Gran Sasso niederstürzenden Maone bei Miano aufnehmend, eine ungeheure Gescliieb- masse in die Ebene hinabwälzt und ein über 600 m. breites Bett durchwühlt. (128 Kil.) Stat. Mutignano. Post von hier (D/tFr.) Imal tägl. (gegenwärtig 2 V 2 Uhr) in IV 2 St. nach (9 Kil.) Atri (Albergo Marcone), schon 1252 zum Bischofsitz erhoben, mit 9400 Einw.; es ist das antike JJadria, eine Etruskerstadt (berühmte Sammlung von alten Münzen bei der Familie Sorricefdo) } noch mit mancherlei Resten der römischen Zeit (Mauern und Thermen; auch einige Häusersubstruktionen gegen die Mündung des Flusses Pioniba 619 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi. 620 hin). — Die * Kathedrale f zu der ein Vestibül mit 20 Stufen emporführt, ist im go- thischen Stil erbaut, 1503 einigermassen modernisirt, und mit neuen Gewölben. Zwei der Spitzgiebelthüren der Parade tragen die Jahreszahlen 1288 und 13o2; über dem Architrav ein Rundfenster. Im Innern ein alter Ambo von trefflicher Arbeit, ein schönes Holztabernakel über dem Hochaltar von dem Mailänder Paolo Garo (1503), mit der Geschichte des S. Jakob von Gompostella, und ein Martyrium des S. Sebastian; in der grossen Chornische Malereien des 15. Jahrh.; in den vier Abtheilungen des Kreuzgewölbes die vier Evangelisten, Kirchenlehrer und Tugenden, lieblich und naturwahr; im Chor die Geschichte Mariä und Christi; die Inschriften italienisch; interessante Unterkirche. Der unten viereckige, oben achteckige, zum Theil von Ziegeln erbaute Thurm gewährt eine wahre Prachtaussicht. — In S. Francesco, einem gothischen Ziegel- Krypta der Kathedrale zu Chieti. bau, eine Trinität von Carlo Crivelli und einige Malereien aus dem 14. Jahrh. — S. Domenico ist ein schöner gothischer Bau von Ziegeln und Steinen, die Fayade fast viereckig, am Portal köstliche alte Skulpturen auf dem Architrav und an den Bögen. — S. Antonio enthält Presken aus dem 14. und 15. Jahrh. Die Hahn setzt über die Piomha (jMatrinus), die vom Monte Chiodo lier- abstürzt, die Gegend von Bozza ungesund macht und neben dem Salino mündet. — (134 Kil.) Stat. Süvi. (139 Kil.) Stat. Monte Silvano. Post tägl. Imal (gegenwärtig 2s/ 4 Uhr) in 3Va St. (2y 2 Pr.) über Castel S. Angelo (mit 6400 Einw., eine der vier Städte der Vestiner; in der Nähe Spuren der alten Salz werke, welche die Anwohner der Via Salaria bis in das Sabinerland mit Salz versorgten) nach (27 Kil.) Oivitä
  • des 4. oder 5. Jahrh. passt. Die Hauptkirche 8. Maria maggiore [ ist ein Gemisch verschiedener Baustile; j der vordere Theil der Kirche gehört dem j 12. Jahrh., der hintere dem 14. Jahrh. j an; das Portal der Fa 9 ade ist neu, die ; Seiteneingänge die alten (in den Krag- ■ steinen bizarre Ringer), die Fenster über \ den Seitenthüren von köstlichem durch- ! brochenen Mauerwerk. Im Innern tragen vier hohe, antike Marmorsäulen die Bögen, an einigen Kapitalen sieht man Löwen und doppelt geschwänzte Meergötter. Die Apsis erweitert sich nochmals vor dem Abschluss; hinter dem abgeschlossenen Presbyterium führen bei den Kapellen Treppen vorbei, welche auf ein interessantes Marmortabernakel (aus dem 14. Jahrh.) hinter dem Hochaltar münden; die Kanzel hat denselben Stil wie das Tabernakel. 637 16. Canosa — Andria. — Trani. G38 S. Sepolcro (unweit des nach Trani führenden Thors) ist ein dreischiffiger spätgothischer Bau mit noch romanischen Motiven; über der Kreuzung erhebt sich der Hauptthurm von Barletta. In der Sakristei mehrere interessante Alter- thiimer (ein Pfau von Email, eine byzantinische Madonna, ein Eeliquenkästchen aus dem 11. Jahrli., ein altes Krucifix).—- 8. Andren hat ein sehr altes merkwürdiges Portal. — Hübsche griechische Kirche. — Unter den Palästen ist der Palast Marra (1660) der eigentümlichste. — Von den berühmten Festungswerken der Stadt steht mir noch das grosse Kastell, quadratisch mit spitzen Bastionen an den Ecken, auf der einen Seite den Hafen, auf der andern den Weg nach Trani beherrschend; es wurde 1537 unter Karl V. erbaut. Seitentouren von Barletta. 1) Post 3mal wöehentl. in 3 St. (3 Fr.) nach (25 Kil.) Canosa (Albergo Genghi), mit 15,000 Einw. (Wein und Oel berühmt), das antike Canimuni, von Griechen gegründet (die Umgegend Mess Campi Diomedis) und noch zu Augustus’ Zeit beide Sprachen redend (Horaz : Canusini more bilinguis), damals eine der beträchtlichsten Handelsstädte Italiens, nach der Schlacht von Cannae (S. 635) die Zuflucht der Reste des römischen Heers, aber im Panischen Krieg um seinen Wohlstand gebracht, dann in den Kämpfen der Griechen und Saracenen immer tiefer sinkend. — Im 9. Jalirli. zogen sich die Bewohner in den noch jetzt bewohnten Stadttheil zurück, und die Kathedrale kam hierher. — S. Sabino, die jetzige gothische Hauptkirche, wurde HOI grösstentheils aus Resten alter Bauwerke erbaut; über der Vorhalle steigt ein Thurm vom Jahr 1825 auf; über dem Mittelschiff erheben sich drei Kuppeln, deren Gurten auf 38 Säulen ruhen, von denen sechs von sehr schönem Verde antico sind, die vier Granitsäulen im nördlichen Querarm sind antik und haben normannische korin- thisirende Kapitale. — Der Bischofstuhl hat einen Sitz, der von Elefanten getragen wird, die Seitenlehnen zeigen in Blätter endigende Greife und Sphinxe; die Kanzel gleicht der in S. Clemente zu Rom; an der Südwand des Querschiffs ist die Grabkapelle des berühmten normannischen Helden Boemnnd (Sohns von Robert Guiscard, gest. 1111); ein Kuppelbau mit zwei bronzenen Thürflügeln (an der Südseite), deren arabisirende Ornamente sehr elegant in Niello gearbeitet sind (im vierten untersten Feld der Name des Künstlers: Roger v. Amalfi). — Das verfallene Kastell ist ein Restaurationsbau von Karl I. (1270). Aus der antiken Zeit stammen noch Reste von Mauern, an derViaAppia Spuren alter Gebäude, an dem Thor nach Cerignola der sogen. Triumphbogen des Terentius Varro , und in dessen Nähe Reste eines Amphitheaters. Im Feld vor der Stadt fand die dreitägige Schlacht zwischen Hannibal und Marcellus statt. 2) Corriere tägl. 2mal in 1 St. (b^Fr.) nach (15 Kil.) Andria (Loeanda di Müone), einer wohlgebauten, von Mandelgärten umgebenen Stadt mit 34,000 Einw. (Gemeindebezirk); den guten Ruf der Einwohner bezeichnet schon der Spruch an der Porta S. Andrea: » Andria fidelis nostris affixa medullis«, der von Kaiser Friedrich II. herrühren soll; 1799 vei'theidigte es sich so tapfer gegen die Franzosen, dass die Mehrzahl der Bewohner dabei ums Leben kam, wobei auch eine Reihe kunstliistorischer Denkmäler durch Feuer zerstört wurde. — Der Vom, mit drei gleich breiten Schiffen und Kapcllen- vorlagen an den Seiten, ist ein durch Restaurationen umgestalteter altgotliischer Bau; zwei Frauen Friedrichs II., dessen Lieblingsstadt Andria war, wurden im Dom beigesetzt (Jolanthe und Isabelle); die Krypta, wo das Mausoleixm war, dient als Beinhaus; auch Beatrix, Tochter Karls II. Anjou, die den Balai (Baux aus der Provence) als Mitgift die Grafschaft Andria zubrachte, ist hier begraben (1330). — S. Agostino, von den Templern angelegt, 1230 im Besitz des Deutschordens, hat ein schönes gotkisches Spitzbogenportal; die Kanzel ist in demselben Stil. — In S. Maria delV Umiltä ist der Grabstein und die Büste (Sakristei) des Herzogs Franz II. Balzo. — Die Kirche Porta Santa ist ein hübscher Renaissancebau des 15. Jahrh. Neben dem dortigen Spital der Misericordia steht der gothische Palazzo Torre. Post von Andria in 1V* St. (V-> Fr.) nach (13 Kil.) Trani. Eisenbahn. Von Barletta wieder dem Meer entlang durch eine reich kulti- virte Gegend mit Weinreben, Oliven und Mandelbäumen, nicht malerisch schön, aber durch den Anblick vergnüglicher Behäbigkeit und einer Reihe parallel mit der Bahn sich folgender Ortschaften erfrischend. Die ganze Seeküste von Barletta bis Brindisi liefert treffliche Weine; die Reben werden nach dalmatischer Sitte sehr niedrig ohne Pfähle in Reihen gezogen, je zwischen vier Rebstöcken die Erde angehäuft und Getreide darauf gesäet, um sie frisch und feucht zu erhalten; aus Feldsteinen erbaute Hütten (Specchie) dienen als Schutz für die Gerätschaften und die Bauern. (403 Kil.) Stat. Traui. Die alte Hafenstadt (Loeanda dcl Risorgimento ; 639 16. Von Ancona über Pescara und Bari nach Brindisi. 640 *Italia, neu und gut, trefflicher Muskat- wein) mit 24,400 Einw., das antike Turenum der Pencetier (in der Villa, d. li. dem Giardino pubblico, sind noch zwei Meilensteine der antiken Strasse auf bewahrt), ist länglich rund, hat gutgepflasterte, aber theilweise mittelalterlich-krumme Gassen, viele Quaderhäuser mit noch normannischer Ornamentik; die schönsten Gebäude lagern sich um den als Becken stadtwärts sich dehnenden Hafen, der aber stark versandet ist. Auf den alten Bastionen sind schöne Gärten (la Villa) angelegt, mit köstlicher Aussicht aufs Meer. Die Stadt breite Doppeltreppe führt zum Vorbau der Fa 9 ade, deren untere Bögen auf die beabsichtigte Vorhalle deuten. Das einfache * Hauptportal umgeben zwei prächtig verzierte romanische Bögen, von gleicher Schönheit sind die Ornamente der innern Archivolte und die Skulpturen. »Nicht leicht hat die romanische Kunst irgendwo den Reichthum kühner, freier Erfindung zu einem gesetzmässiger schönen Ganzen vereint, als hier. Diese Verzierungen erinnern vielfach an arabische Ornamentik.« (Schulz.) Die *Thürfliigel des Portals sind von Erz, ähnlich denen zu Ravello (S. 589), und wie diese ein Werk des Barisanus Kathedrale zu Trani. hat ihre erste Blüte namentlich den Normannen und den Kreuzzügen zu danken; den höchsten Aufschwung aber erhielt sie unter den Anjou’s als Handelsplatz nach dem Orient (die Venetianer knickten diese Blüte durch Verschüttung des Hafenoingangs). Das interessanteste Gebäude ist die * Kathedrale 9 auf einem freien, erhöhten, am Meer gelegenen Platz, an dem sich auch der Palazzo del Tribunale befindet; sie wurde zu Anfang des .12. Jahrh. errichtet und ist eine hohe Basilika mit drei Apsiden und grosser Unterkirche, an der Südseite mit einem grossartigen fünfgeschossigen normannischen Thurm, der wie die Kirche aus kleinen Kalksteinquadern besteht. Eine von Trani, von 1175; »sie sind, was vor- gothischen Reliefstil anbelangt, die vollkommensten Kunstwerke Süditaliens«. Der oblonge Haupttheil hat 42 Abtheilungen mit prächtigen Ornamenten; in der ersten Reihe: der thronende Christus; in den Zwickeln: die Zeichen der Evangelisten; in den Halbfeldern: betende Engel; die Bildwerke, stark hervortretend , sind breit und flach behandelt, meist Apostelfiguren und Scenen aus der biblischen Geschichte in der mannigfaltigsten Motivirung. Ueber dem Portal und den seitlichen Arkaden sieht man in ziemlicher Höhe drei ornamentirte Fenster, und über dem Mittelfenster eine grosse Rose. — Das Innere dieses herrlichen Baues ist leider durch modern 641 1(>. Corato — Knvo - Bisceglie — Molfetta. 642 geschmacklose Zufchaten einigennassen verdorben; die sechs Paar nach der Tiefe gekuppelten Marmor- und Granitsäulen sind sammt den Kapitalen mit Stuck überzogen; über den Säulen läuft eine Reihe von doppelten Bogen, auf denen die Arkaden der Emporen stehen; nahe unter der Flachdecke sind je sieben Rundbogenfenster. — Im C h o r sieht man noch Reste des alten Mosaikfussbodens, das Gestühl ist spätgothisch. — In der Unter - Isirche ist besonders der Chorraum von schönster Anlage (mit 30 Marmorsäulen, deren Kapitale von ausgezeichneter romanischer Arbeit sind). Seitentouren von Trani. 1) Post 2mal tägl. in D /4 St. (1 Fr.) nacli (15 Kil.) Corato, mit 25,000 Einw. (nur haibcrfcrägliche Unterkunft), von wo man auf neuer Strasse zunächst nach dem Feld » Epitafßo« gelangt, wo das Denkmal des vielbesungenen Siegs den 13 Italiener über 13 Franzosen (1503) sich erhebt, bei welchem Proxpero Colonna für die Italiener (Ettore, Fieramosca, Romanello, da Forli, Fanfulla da Lodi u. a.) und Ritter Bayard für die Franzosen (Guy de la Mothe, Charles de Torgues, Jacques de la Fontaine u. a.) sekundirte; — dann auf der Strasse weiter kommt man in z k St. (von Corato mit zweirädrigem Karren in D /2 Stunde für 4 Fr. hin und zurück) nach dem berühmten, von Kaiser Friedrich II. erbauten Schloss Castel del Monte. Es steht auf einem spitzen, hohen Hügel am Gefall der apulischen Gebirge und gewährt eine köstliche Aussicht auf das sehluchtig durchrissene Hügelland der Capitanata und den fernen Monte Gar- gano sowie über die üppige Ebene der Terra di Bari, landeinwärts in die gebirgige Basilicata bis zu dem vulkanischen Monte Vul- tnre. Das Schloss bildet ein Achteck mit Eekthürmen auf stark vortretender Unterlage; ein prächtiges Marmorportal, »in antiker Weise gedacht«, mit gothischem Detail, führt ins Innere. Die je acht Zimmer der beiden Geschosse sind mit Kreuzgewölben zwischen Spitzbogenrippen überspannt; unter dem achteckigen Hof ist eine grosse Cisteme; vier Wendeltreppen führen in das reicher ausgestattete Obergeschoss (die Kamine sind alle zerstört). In diesem Schloss, dem Lieblingssitz Kaiser Friedrichs (er resi- dirte hier schon 1244), sassen später oft hohe Gefangene; so mehrere Jahre die Söhne Manfreds (denen Karl II. endlich 1297 die Ketten abnehmen liess); noch im 15. Jahrh. war es in gutem, wohnlichem Zustand und König Ferdinand residirte 1459 einigeZeithier. 2) Von Corato in 1 St. (Zweiräderer hin und zurück 3 Fr.) nach dem auch mit Molfetta über Terlizzi durch Omnibus verbundenen (5 Kil.) Ruvo (Rubi), mit 15,000 Einw. (Kost und 2 Zimmer bei Giov. Kanni, der sein Möglichstes zur Befriedigung der Besucher auf bietet), dem hochberühmten Fundort antiker bemalter Vasen (s. Museum von Neapel, S. 295) und anderer bedeutenden antiquarischen Gräberschätze. Es liegt in reich gesegneter Weingegend, hat aber kein behäbiges Aussehen. Die Vasensammlung der Familie Jatta bildet ein kleines Museum; auch das Museo Caputi enthält manches Sehenswerthe; ferner trifft man bei dem Händler Virginio Cervone (fu Pasquale) oft vorzügliche und nicht theure Kunstschätze, besonders in Ambra; die Gräber dagegen, weil meist bis 4 m. tief unter der Erde und nach der Ausbeutung wieder verschüttet, bieten gegenwärtig kein Interesse. — Sehenswerth ist die Kathedrale, eine dreischiffige Basilika mit drei Apsiden unmittelbar hinter dem Querschiff; die Facade gleicht der des Doms von Trani; zur Seite erhebt sich ein hoher, alter Glockenthurru. In der alten Taufkirche S. Giovanni rotondo sind noch zwei alte grosse Taufbecken zu sehen. Von Ruvo führt eine Strasse in 2 St. nach Stat. Bisceglie. Die Eisenbahn führt von Trani an der Küste weiter, reichen Olivenpflan- zungen entlang, nach (4X1 Kil.) Stat. Bisceglie. Die Stadt, mit 21,400 Einw., ist von einem Halbkreis freundlicher Villen umringt und hat stattliche Palazzi mit blumcnge- schmückten Terrassen; Wein und Cibe- ben sind berühmt; ein Molo bildet den Hafen. Das einst mächtige Kastell ist zerfallen; die Kathedrale ist im Aeussern theilweise noch alt (12. Jahrh.), mit Spitzgiebelportal, im Innern aber ganz erneuert (1808); die Frauensitze befinden sich nach griechischer Weise über den Seitenschiffen; die Unterkirche hat zwei Reihen Säulen. — Ein zierlicher einschiffiger Bau ist S. Margherita (1197 gegründet), mit den alten Grabmälern der Donatorenfamilie Falcone und einem altgriech. Ältarbilde der Madonna. — Es folgt (420 Kil.) Stat. Molfetta. Die Stadt, mit 26,800 Einw., hart am Meer, mit kleinem Hafen, Schiffswerften und lebhafter Fischerei, theilt sich in die kleine ummauerte Altstadt mit grossen, hohen Häusern des 15. bis 17. Jahrh., mit engen winkligen Gassen, und in die stattliche Neustadt, mit breiten Strassen, Kramläden, grossen, geschmacklosen, aber 643 16. Yon Ancona über Peseara mul Bari nacli Brindisi. 644 neuen Kirchen, Seminar, Bibliothek, Museum und Theater. Die ehemalige Kathedrale, wegen Feuchtigkeit vom Bischof verlassen, ist eine drei- scliiffige Basilika in tlieilweise byzantinischen Bauformen (wegen des regen Verkehrs der Stadt mit dem Orient), mit drei Kuppeln über dem Mittelschiff, zwei im llalkkreis, eine in erhöhter Eiform; leider haben den schönen Bau des 12. Jahrh. moderne Kapellen verunstaltet; die Anordnung der Apsis und der Thürme daneben sowie die Ostfa^ade haben viel Aehnlichkeit mit dem Dom von Bari. — Die je'zige Kathedrale ist die Kirche des ehemaligen Kollegiums der Jesuiten. 2 Kil. vor der Stadt S. Maria dei Martiri (von 1102), durch moderne Veränderungen noch mehr verunstaltet (eine gute Madonna von Luca Giordano). Omnibus von Molfetta über (11 Kil.) Ter- lizzi nach (17 Kil.) Iiitvo (3 Fr.), s S. 642. (426 Kil.) Stat. Giovinazzo, das antike Natiolum, mit 9100 Einw., auf einer Landzunge, mit Kastell, stattlichen Gebäuden und einem grossen Hospiz für ausgesetzte Kinder, die liier Handwerke lernen. Die Kathedrale, 1283 neu geweiht, und das 1184 geweihte Baptisterium daneben restaurirte Bischof Masi im Geschmack des 17. Jahrh. (433 Kil.) Stat. S. Spirito-Bitonto. Corriere tägl. in 1 St. (60 C.) nach (fi Kil.) Bitonto, Stadt mit 24,970 Einw.; sie gehört zu den alten griechischen Kolonien; hier schlug Graf Montemar die Oesterreicher am 25. Mai 1734 und stürzte damit den Thron des ersten Bourbonen; eine Pyramide mit Inschriften glorificirte den Sieg. Die enge mittelalterliche Altstadt ist von der Neustadt rings umgeben; — die alte dreischiftige Kathedrale ist ein sehr interessanter orientalisirender Bau, fast völlig in seiner Ursprünglichkeit erhalten, mit drei Apsiden, die nach aussen durch eine Wand verkleidet sind; die Fay.ade in schönen Verhältnissen und mit reichen Ornamenten; im Innern wechseln zwischen Mittelschiff und Seitenschiff stets zwei Säulen mit einem grossem Pfeilerbündel ab; die Unterkirche hat die gewöhnliche apulisclie Form. Eine der zwei Kanzeln trägt den Kamen des Künstlers: KUolaus, 1229. Das Taufbecken ist aus derselben Zeit. — Der vortreffliche Zagarello - Wein von Bitonto ist einer der besten dieser gesegneten Gegend. (445 Kil.) Stat. Bari (im Garten des Bahnhofs eine Palme). Droschke von der Station zur Stadt Va Fr.; Nachts 75 C. Gasthöfe: * Albergo del llisorgimenlo, Via Sparano di Bari 19. — Billiger, echt italienisch, aber recht ordentlich: *Vito di Gese (gewöhnlich Vito di Bio genannt), Via Piccinini 4 (vom Balkon des Speisesaals Prachtblick über den Markt der Piazza Ca- vour hin auf das Meer). — Restaurant : *Ri*or- gimento, am Corso Garibaldi 70. — Cafe: Siop- pani, daneben. — Schweizer Bierbrauerei (Ca- llisch), Strada Piccinini.— Trattoria: *Mila- nese, Corso Garibaldi 98 (billig). — Deutscher Vicekonsul (das angesehene Haus Mantaller): Strada Sparano da Bari. — Deutscher Klub: (mit Zeitungen und Zeitschriften), Corso Garibaldi DO. Die jetzt in Linee und Isole abge- theilte Stadt, mit 40,000 Einw., ist die volkreichste diesseit des Faro. Schone Gebäude erheben sich an dem durch zwei Molen gebildeten, 1855 erneuten Hafen (hier halten die Dampfschiffe zwischen Neapel und Ancona), ebenso am Corso Garibaldi und in den breiten Strassen des Borgo. — Der im Neubau begriffene Prachtbau des Athenäums für die höheren Schulen sowie das hübsche, dem hier 1728 gebornen berühmten Komponisten Niecolb Piccini geweihte Theater und der schöne öffentliche Garten deuten auf die rege Entwickelung der Stadt. — Die Altstadt jenseit des Corso Garibaldi hat noch vielfältig ihr mittelalterliches Aussehen bewahrt, und hier und da trifft man noch auf interessante Baureste (besonders Fenster- und Tlnireinfassungen) aus dem 14. bis 16. Jahrh. (z. B. in Str. Lamberti das schöne säulengetheilte Fenster über dem Spitzbogen des Arco delle Repentine; in der Str. Meraviglia 1, Str. Palazzo della Cittä 14, 29 und am Ende derselben der Bogen u.a., oft mitlesenswerthenSprüchen). Geschichtliches. In antiker Zeit war Barium ein Municipium, und Iloraz nennt es in seinem Reisebericht (Satyre 1,5) mit Recht »das an Fischen reiche«. Im Mittelalter wurde es durch seine Lage in die grossen Kämpfe verwickelt; Romuald, Herzog von Benevent, entriss es 690 den Griechen, die es 720 durch Vermittelung des Papstes Gregor II. wieder erhielten; 802 eroberte es Sicard, Fürst von Benevent; im 9. Jahrh. die Saracenen. König Ludwig II. (852), Peter, Fürst von Salerno, und. Adelais II. von Benevent (856), Herzog I.ambert von Spoleto (865) erstrebten vergeblich den Entsatz ; aber nach einer langen Belagerung, die Kaiser Ludwig II. 868 begann, wurde die Stadt endlich 871 von den Christen erstürmt und die Saracenen vertrieben. Die Griechen, als die Besitzer der Stadt, vertheidigten sie erfolgreich 988, 998, 1003 gegen die Saracenen und gegen Otto I. und II. Der grie- chischeKatapan hatte als Befehlshaberseinen 645 646 16. Bari (S. SaMno). Palast da, wo jetzt S. Nicola stellt. 1071 verdrängte der Normanne Robert Guwcard nach dreijähriger Belagerung die Griechen; als aber Bari wieder mit den Byzantinern unterhandelte, erstürmte es 1156 König Wilhelm der Böse und zerstörte es fast völlig. Erst 1166 ward die Wiederherstellung erlaubt. 1002 brachte Venedig Hülfe, als wieder ein Saracenenheer die Stadt belagerte, und sie erhielt danach den Löwen von S. Marco als Wahrzeichen (auf der Piazza). Friedrich II. legte eine Zollstätte hier an und liess 1233 das Kastell neu erbauen. König Robert Anjou schenkte Bari 1324 sammt Umgebung als Ftirstentlium seinem Günst- lino- Ämelio dei liaho. Im 15. Jahrh. kam dieses als Herzogtlium an die Sforza, 1558 wurde es dem Königreich Neapel einverleibt. Die jetzt im grössten Aufschwung begriffene Handelsstadt hat viel Verkehr mit Triest, Corfu, Messina und dem Orient. Oel, Mandeln und Safran der Umgehung sind von vortrefflicher Qualität, auch der "Wein ausgezeichnet. — Die zwei berühmtesten Kirchen Bari’s stehen in der Altstadt und zeigen in ihrem Stil die Schicksale der Stadt, indem sie trotz der langen byzantinischen Herrschaft den Charakter der flachgedeckten italienischen Basilika gewahrt haben, aber in der Bildung der Apsis, der Triforien und der Kuppel byzantinischen Einfluss zeigen und auch normannische Elemente (die durchschneidenden Kreisbögen, die Verbindung der Glockenthürme, die Häufung des Hervorragenden um den Chor, die Behandlung der östlichen Fa 9 ade) ihre Einwirkung äussern. Eilige, welche Bari nur einige Stunden gönnen können, werden am schnellsten und genussreichsten den folgenden Weg einschktgen. Vom Bahnhof führt die breite Via Sparano di Bari geradeaus an dem (1.) geschmackvollen Kolossalbau des dreigeschossigen Athenäums, mit 32 Fenstern Front, dann an der (1.) geschmacklosen modernen Kirche 8. Ferdinande) vorbei, in 10 Min. zu dem von stattlichen Hän- sern umrahmten Corso Garibaldi, der Galastrasse der Stadt. Längs desselben kommt man am Cafe Stoppani und Ri- storatore Risorgimento vorbei zur Por- ticus des eleganten Theaters; gegenüber liegt die Präfektur. Zwischen beiden 1. die Post. Zwischen der Post und der Präfektur führt die schöne baumbepflanzte Via Castello zum (r.) gewaltigen, noch halb mittelalterlichen Kastell mit seinen dicken Thürmen (jetzt Gefängnis), dann r. in wenigen Schritten, an der Fa 9 ade von (r.) 8. Giacomo vorbei (vom Theater bis zur Kathedrale 6 Min.), zur Kathedrale *S. SabinO (Bari istErz- bisthum), eine der herrlichsten Italiens, erlitt aber durch Erzbischof Gaeta II. 1750 eine entsetzliche Verunstaltung, die alten Säulen wurden stukkirt, die Kapitale ersetzt, die Fenster und der untere Theil der Fagade ganz verdorben; ein mit Eisengitter umzogener Vorhof mit modernen Büsten bildet die Einleitung vor der verzopften alten Fatjade. Was noch vom alten Bau erhalten blieb, ist von vortrefflicher Arbeit. Die Kirche wurde 1034 als eine dreischiffige Basilika mit Emporen nach alter Weise (wie S. Agnese in Rom) angelegt, die Apsisjedoeh durch eine die zwei Seitentliürme verbindende Wand verkleidet; der südliche Thurm, 1613 eingestürzt, wurde nicht wieder aufgebaut; der nördliche Glockenthurm, der wegen seiner bedeutenden Höhe auch als Wartthurm benutzt wurde, ist oben nach dem alten Plan restaurirt und zeigt normannischen Einfluss; eine zierliche Kuppel erhebt sich über der Kreuzung. — Die westliche Fagade thei- len Pilaster in dreiTlieile und schmücken Arkaden sowie reiche Ornamentalgurte; an die nördliche Seite lehnt sich eine Por- ficus. Der Mittelbogen der Nordfa^ade, neben dem Thurm, stützt seine Säulen auf kleine Elefanten; köstliche Ornamente umrahmen den Bogen, den zu oberst ein Pelikan schmückt, während als Bogenstützen Framenköpfe dienen. Das wohl ältere Baptisterium, einen hohen Rundbau an der linken äussern Langseite des Doms bildend (an der Str. della Trulla), dient jetzt als Sakristei und ist wie die Kirche aus kleinen Kalksteinquadern erbaut; die östliche Ansicht ist die schönste, von besonderer Zierlichkeit das Hauptfenster. Im niodernisirten Innern, in der Cftpp. r. von der Chorkapelle, an der rechten Wand: *Tiniorelto, Heilungswunder des S. Itocco. — Inder Chorkapelle unter dem Bilde der Assxinta ein reich skulpirtes Cibo- 647 10. Von Ancona über Pescava mul Bari nacli Brindisi. C4S riiun von 1493; — der Hochaltar wurde im 11. Jalirh. durch Alfanus von Termoli angelegt. • *r! e - re ^ c ^ angelegte Unterkirche hat drei Reihen von jo acht Säulen und zwei und an ihrem Ende r. durch Piazzetta di S. Nicola, wo man durch einen Bogen in den Cortile S. Nicola eintritt (vom Dom bis nach S. Nicola 3 Min.). S. Nicola zu Bari. V. * M 1 \ t \ itv? ü ^Sj/j \&-$&i£^Z䣣££tiri I i-BIUtUUUU'. .iimioiiiiur an der Apsis. An der Rückwand der reell- : *S. Nicolii , zu Ehren des Arianer- ten Seite ein (vom Sakristan zu enthüllen- __..i T -i i , r . , des) schönes altes *Bild der S. Maria di Go- .-.ogners Biscliot ISikolaus zu Jlyra m Ly- Uantinopoli, angeblich laut Akten beim Bil- kieti errichtet, dessen Gebeine 1087 von dersturm nach Bari gekommen. Bareser Kaufleuten aus dem von den Vom Vorhof des Doms gehe man an 1 Seldscliukken eroberten Land durch der linken Langseite der Kirche bis zum List erbeutet und im Triumph nach Bari thurmartigen Baptisterium und liier 1. gebracht wurden, geniesst eines weit durch die Strada lleccheria a S. Nicola, \ grossem Rufs als der Dom. Koch 1087 049 050 l(i. Bari (S. Kicolä). wurde der 15au der Kirche auf dem von I die Säulen des Ilauptportals ruhen auf Herzog Roger geschenkten Platz begon- : seltsamen (Nilpferden ähnlichen) Thier - neu, und Papst Urban II. legte 1089 per- ! gestalten. An der linken Langseite über sönlicli die Gebeine des Heiligen in der dem Sturz des reich skulpirten Portals Unterkirche nieder, wo nun der Balsam ) eine Reiterprocession; gegen den Bogen (Manna) des Leibes Wunder wirkt. | hin: altes Relief des segnenden S. Niko- Ilier betete 1094 Peter von Amiens in-| laus, mit zehn Legenden aus seinem brünstig tun den Erfolg des ersten Kreuz- , L e n er) z ngs, und auch Bocmnnä, ehe er nach Pa- I lästina zog, verrichtete hier seine Andacht j Im Innern stören drei Querbögen, Urban II. kamen 1098 nochmals nach Bari i welche zur Auseinanderhaltung der dem und hielt in der Oberkirche das berühmte | Einsturz; nahen Wände angebracht wur- ;\ • 7 Unterkirche zu S. Ricolä. in Bari. Koncil gegen die griechische Kirche. 1137 hielt liier Papst Innocenz II. vor Kaiser Lothar ein Hochamt. Die wimderthiitigen Keliquien zogen bald grosse Scharen von Pilgern an. Die Kirchenanlage ist der des Doms ähnlich , mit Emporen über den niedrigeren Seitenschiffen, direkter Verbindung des Querschiffs mit der Apsis, gerader Wandverkleidung derselbenzwischen Thürmen (die aber unvollendet blieben), ähnlicher Eaijadc, doch mit zwei später hinzugefügten, unsymmetrischen (auch unvollendeten) Thürmen; die vorderen und seitlichen Thiiren sind mit Skulpturen verziert (schöne Arabesken mit Thieren), den, die freie Uebersieht; die Säulen sind tlieils von Granit, theils von Marmor, zierliche Arkadengallerien schmücken die Oberwände ; die Malereien an der modernen Flachdecke stellen Thaten des Titelheiligen dar; an den Wänden der Seitenschiffe sind viele interessante alte Grabsteine. An der Eingungswand, neben der linken Thür, r. am Sockel: das Grabmal von Itobert Ckyurlia, Kanzler König Karls I., aus Bari gebürtig und durch das von ihm über Konradin ausgesprochene Bluturtheil berüchtigt. — Neben der rechten Thür 1.: Grabmal des Jacobus Bon , mit altem Bild des Hieronymus. — 2. Capp. r. reich ornamen- tirt. — 3. Capp. r. (vor dem Niedergang zur Unterkirche) mit überreichen Skulpturen. — Die *Marmorscliranken vor dem Chor, ; welche die beiden Niedergänge in die I Unterkirche umrahmen, stammen tlieilweise | noch aus der alten Kirche. 651 16. Von Ancona über Pescara und Bari nacli Brindisi. 652 Der Hauptaltar ist ein Prachtwerk des 17. Jahrh.; zwei Reihen schöner Chorstühle scheiden den Mittelraum von den Seitenarmen; Mosaiken von fast arabischem Charakter verzieren die erhöhten Theile des hintern Raums; auf der hintersten Stufe steht der alte kleine *Bischofst»hl von 1098, davor das grosse, sehr schöne *Tabemakel , in welchem sich »die uralte einfache Form in grösster Vollendung und Pracht« ausspricht (von 1120); in Mitte der vordem Inschrift (unter den kleinen Dachsäulchen) ist in trefflichem Niello S. Nikolaus, dem König Roger die Krone aufsetzend, dargestellt. — Hinter dem Chor, über dem Bischofstuhl, ist das Grabmal der Königin Bona von Polen, Tochter des Giovanni Galeazzo Sforza (gest. 1558); — ein in Venedig 1593 gearbeitetes Marmorwerk; unten mit der Statue der knieenden Königin auf schwarzem Marmorsarkophag; darunter die allegorische Personifikation r. Polens, 1. Bari’s; in den Seitennischen S. Stanislaus und S. Nikolaus; zu oberst: Relief der Auferstehung Christi, sammt dem polnischen Wappen; Inschrift: Poloniae Sigitmuudus III. Rex. Anna Regina Boloniae. — R. vom Hochaltar in der Cappella S. Marlino die *Madomia mit SS. Jakob, Nikolaus und zwei Bischöfen, von Bartolom. Vivarini von Murano, 1476 (leider 1737 re- staurirt); in der Limette: *Cliristus mit SS. Franz und Nikolaus, von Demselben (1465). — Die breite (überreich dekorirte) Unter - lcirehe unter dem Chor hat dieselbe Anlage wie die des Doms; 28 sehr niedrige, aber zierlich spätromanische Säulen von ungleicher Höhe und Dicke und ohne Basen stützen die schönen Gewölbe, die leider durch schwerfällige Stukkirungen verdorben sind. — Hauptfest am 8. Mai, weither besucht, besonders von den albanesischen Gemeinden (s. oben), weil der Heilige griechischen Ursprungs ist. L. von cler Fa^ade S. Nieolä’s liegt "'S. Gregorio , ein einfach würdiger Bau von ähnlicher Anlage; die schönen, theilweise figurirten Kapitale, unter den überhöhten Bögen wurden leider wie das ganze Innere weiss übertüncht. In der Tribüne acht lebensgrosse bemalte Holzfiguren aus dem 17. Jahrh. Zurück zum Corso Garibaldi und zu seinem Westende (gegen den Hafen hin); hier führt die Via 8. Benedctto in das Westgebiet der Altstadt und r. auf die Piazza Mercantile 7 an deren Rückseite der Venetianische Löwe über vier Iiund- sprossen sich erhebt, noch aus der Zeit der Saracenenkriege; auf dem Halsband des sehr typischen Löwen steht: »Esto justicie« ; unten ist das Wappen der Stadt. — Von der Piazza Mercantile wende man sich durch die Salita allo Spiazzo pubblico r. zur Markthalle, zur Piazza Cavour und zum Hafen, dann widme man nocli einen Spaziergang der 1. zum neuen Hafen ziehenden Strada delle Mura, welche köstliche Blicke auf das Meer gewahrt. Bahnroute. JenseitBari folgtStat. Nolcattaro, dann das alte (464 Kil.) Mola (mit 12,000 Einw.), das von seinen zwei Ilafendämmen (Moli) den Namen erhielt; die Altstadt liegt mit der alten Kirche auf einer ins Meer vorspringenden Landzunge; einige moderne, schon bebaute Strassen führen zu einem grossen freien Platz mit einer schönen Kirche, ebenfalls altnormannischer Gründung, doch vorn im 16. Jahrh. erneuert, hinten mit achteckiger Kuppel über vier Spitzbögen, vor den Portalen Löwen, im Innern Emporen und eine Unterkirche mit fünf Pfeilern. — Viele Einwohner sollen griechischer Abkunft sein; sie haben den Ruf trefflicher Fischer und Seefahrer. (478 Kil.) Stat. Polignano, Städtchen (8500 Einw.) auf einer höhlenreichen zerrissenen, bis 24 m. hohen Felswand, die sich jäh im Halbkreis um die Bucht zieht; die schönste Grotte liegt unterhalb der Neustadt, gegen das Meer hin gewendet. (Das 2 Kil. entfernte ehemalige Kloster 8. Vito ist jetzt ein Bauerngut, aber immer noch ein sehr pittoresker Bau mit Hallen und Terrassen.) (485 Kil.) Stat. j^onopoZz'(Minopolis), mit 20,000 Einw., »lässt mit ihren ungeheuren Kirchen und hohen Thürmen von weitem mehr erwarten, als man in der Nähe findet«. Die Kirchen sind bedeutungslose Bauten, mit vielen mittelmässi- gen Bildern angefüllt, der Hafen ist nur eine sehr kleine Bucht; an der Nordcala Fischerhöhlen in den Felswänden. Auch wurden hier alte Felsengräber freigelegt (im Municipio die Fundstücke). (499 Kil.) Stat. Fasano (Omnibus zur Stadt 1 k Fr.), mit 15,000 Einw., am Fuss eines mit unzähligen Villen (für denW ein- und Oelbau) übersäeten Hügels, bietet einen amnuthigen modernen Anblick dar. 653 16. Brindisi. 3/4 St. davon (gegen das Meer Irin) lie- J gen die Ruinen des antiken Egnatia (jetzt Torre (VAgitazzo) in prächtiger Lage mitten in fruchtbarster Ebene, da, wo die antike ; Via Appia von Benevent her ans Meer tritt. Die Strasse geht mitten durch die erhaltene Umfriedung der alten, aus länglichen Quadern mit Querlagen erbauten Mauern, die gegen das Meer liin noch die alte Höhe : haben. (519 Kil.) Stat. Ostuni f mit 16,300 ■ Emw., gehört zur Terra d’Otvanto und erhebt sieh über einem mit Gärten überdeckten Hügelland »höchst stattlich« mit drei Kastellen und 13 hohen Thürmen, aber engen, steilen Gassen; die Kathedrale ist ein schöner Bau von 1435. — Die Umgebung ist überaus reich an OJi- ven, Mandeln und Wildbret. — Dann über Stat. Caravigno und S. Vito d’Otranto nach (556 Kil.) Stat. Brindisi. , Wagen zur Stadt V 2 Fr.; Nachts 1 Fr. (Hj Gasthöfe; * Albergo Helle Tndie OHentuli, am Hafen; gut, aber theuer (Frühst. 3 Fr., Diner 5 Fr., Z. von 3 Fr. an). — Billiger: * Europa (von einem Griechen gehalten), [j-i'.p- neben Piazza del Mercato. — Höfel d’An- ca t gleterre, in der Stadt; ganz italienisch. — Z. Caf 6 Triestino. “ Die Stadt, mit nur 13,800 Einw., ist als nächste Verbindungsstätte zwischen Europa und dem Orient in grossem Aufschwung begriffen. Die Dampfer des Oesterreichischen Lloyd haben geregelte Verbindungen au bestimmten Wochentagen mit Ancona (30 St.) und Triest (6'6 St.); C'nftt (32 St.), Syra, Athen, Smyrna, -Komtantinopel (wöchentlich lmal); Alexandria (in 7 Tagen); Odessa, — Die Schiffe der Penhmdar and Oriental Company fahren jeden Montag früh in 82 St. nach Alexandrien (240 M.). — Italienische Schijj’e fahren ebenfalls jeden Montag in 90 St. nach Alexandrien. Da d er Hafen (der einen sehr schönen Anblick gewährt; man mache eine Meerfahrt zum Fort, 2 /2 St., und zum Damm) durch eine Insel (mit der Quarantäne) in zwei Arme getheilt wird, so hat man neuerdings den nördlichen Arm durch einen Kolossaldamm abgesperrt, um der Versandung zu wehren, die im Mittel- alter so weit vorgeschritten war, dass der (nun ausgetrocknete) innere Hafen der Stadt die verheerende Malaria und damit einen immer tiefem Verfall brachte. Die gründliche Umgestaltung wird Brin- 655 656 17. Von Foggia nacli Neapel. disi (wo nun schon die gewaltigen Dampfschiffe der Oriental Company am Quai anlegen können) wieder zur Bedeutung des antiken Brundusium erheben, aus dessen Hafen man mit jedem Wind aus- ' laufen konnte. Schon Sfrabo sagt: »Von Griechenland und Asien ist die gerade Ueberfahrtsstrasse nach Brundusium, und alle, die nach Rom wollen, fahren dorthin«. — Auch wurde die grosse Reichsstrasse, die Via Appia, unter Trajan bis zur Stadt gezogen, welche durch den bedeutenden Verkehr nächst Tarent die grösste in Japygien war; doch soll schon bei der Belagerung durch Julius Cäsar, Doiuitius Ahenobarbus und Antonius, wie es heisst, durch damalige künstliche Verengerung der Einfahrt, der Grund zur allmählichen Versandung des Hafens gelegt worden sein. — Der Tragiker M. Pacuvius, der hier 220 v. Chr. geboren wurde, und der Dichter der Aeneis, Virgil, welcher, auf der Heimreise aus Griechenland begriffen, hier starb, gaben dem Ort auch einen dichterischen Nachklang. (Man zeigt begreiflich das Haus des Virgil, und zwar nahe der Aussteigestelle; so auch das Grab des Pacuvius.) 49 v. Chr. belagerte Cäsar die Stadt, welche von Pompejus gehalten wurde. — Im 9. Jahrh. wurde Brundusium ein Waffenplatz der Saracenen, denen es von Kaiser Ludwig II. 8(>8 entrissen wurde. 1071 eroberte Iiobert Guiscard die Stadt. Zur Zeit der Kreuzzüge stieg die Blüte Brindisi’s nochmals, und Friedrich II. liess es 1233 neu befestigen. Der Hafen behielt auch im Mittelalter noch lange seine hohe Bedeutung. Den Namen hatte die Stadt von der Hirschzweigform des Hafens erhalten. Auf einer Erhöhung am Hafen steht eine zusammengestückte antike (glatte) Säule aus griechischem Marmor, mit figu- rirtem Kapital; am Fuss steht die Inschrift, dass ein griechischer Prothos- pathnrius (Protospota Lupus) die Stadt neu erbaut habe, wohl nach jener Zerstörung (868) durch Kaiser Ludwig II. Daneben steht eine Säulenbasis, deren Schaft nach Lecce kam. Wahrscheinlich gehörten diese Säulen zu einem Ehrendenkmal eines byzantinischen Exarchen. Das Kastell (an der innern Seite des zweiten Bassins) erhielt schon unter den Anjou’s viele Veränderungen, undKarl V. liess es umbauen; Murat richtete es zu Gefängnissen ein (wozu es noch jetzt dient). Dem eigentlichen Verfall gingen Hafen und Stadt erst seit der Erstürmung durch die Ungarn unter König Ludwig 1352, und dem grossen. Erdbeben von 1456 entgegen. Die Neublüte ist ein Werk der industriüsen Neuzeit. Die der Madonna und dem iS. Theodor (der nebst S. Leticius Schutzpatron der Stadt ist) geweihte Kathedrale weihte Papst Urban II. 1089 ein; doch wurde sie lloO mit Hülfe König Rogers vom Erzbischof Bailar- dus neu erbaut; 1178 erhielt sie den Mosaikboden, von dem noch Reste im Mittelschiff sind; bei dem gros-sen Erdbeben 1743 stürzte sie ein und zerschlug den Boden; Erzbischof Antonio Senate (1743—49) baute sie daher nochmals fast völlig neu auf; 1858 litt sie abermals durch Erdbeben. Der Neubau behielt aber die alte Anlage bei; die Mosaiken von 1117 wurden jedoch tlieilweise willkürlich zusammengeschoben (Thiergestalten, Schöpfungsgeschichte, Kampf Rolands mit den Arabern [die älteste Darstellung dieser Heldensage], die Konturen mit schwarzen Steinen ausgelegt). Die alte Kirche S. Giovanni Battista (jezt zu einem Museum bestimmt) ist ein merkwürdiger, aus Quadern, (ohne Mörtel) errichteter Rundbau, mit acht im Kreis gestellten Säulen im Innern, die mittels Arkaden die überliegende Wand tragen; der Hauptbogen öffnet sich auf einen viereckigen kreuzgewölbten Raum mit einer Apside; die Hauptapside durchbrechen drei Fenster; die Säulen des schönen Portals ruhen auf Löwen; die Kapitale von fünf inneren Säulen sind antik. S. Bcnedetto hat ein altes, zierlich or- namentirtes Portal. Fortsetzung der Bahn von Brindisi über lecce nach Otranto s. R. 25. 17. Eisenbahn von Foggia nach Neapel. (198 ICil.) Eisenbahn (im Anschluss an die Bahn Bologna -Ancona-Brindisi) von Foggia nach Neapel, tägl. 5 Züge in 5*/2 (Abendzug) bis 9 St. Für alle Züge: I. 22 Fr. 40 C., II. 15 Fr. 70 C., III. 8 Fr. 95 C. 8^3^ Der Eilzug Bologna-Ancona-Foggia- Neapel mit Waggons I. und II. Klasse legt die Strecke von Bologna bis Neapel in 18 3 /4 St. zurück; nämlich: von Bologna bis Ancona in 5 St.; von Ancona nach Foggia in 8 j /2 St.; von Foggia nach Neapel in öVa St. Er ist somit die schnellste Verbindung zwischen Deutschland und Neapel. — Der wöchentlich nur lmal verkehrende Kurierzug Bologna - Brindisi (nur I. Kl.), welcher nur in Ancona, Pescara und 657 658 17. Troja — Bovino — Benevento. Foggia anhält, korrespondirt gegenwärtig ' noch nicht mit den Zügen Foggia-Neapel. Von Ancona bis Foggia s. S. 613—626. Jenseit Foggia (S. 626) durchschneidet die Balm das 27 St. lange und 10 St. breite Tavoliere di Puglia (S. G28), dessen grösserer Theil den neapolitanischen Schafherden zur Winterweide dient. (9 Kil.) Stat. Cervaro, einsam am Fluss gelegen, der, von Monte Sabletta über Bovino entspringend , dieEbene von Apulien bis zum Meerbusen von Manfre- donia durchfiiesst. Zweigbahn (2mal in 1. St. für 4 Fr. 45 C., 3 Fr. 10 ü., 1 Fr. 80 C.) über (10 Kil.) Or- dona (das antike Ilerdonea, das Hannibal 210 v. Chr. einäscherte) und (22 Kil.) Ascoli di Salriano (das auf einer Anhöhe an der obern Carapella liegt und durch die zweite Schlacht der Römer gegen Pyrrhus (279 v. Chr.] bekannt ist, nach welcher Pyrrhus gesagt haben soll: »Noch eiy solcher Sieg, und ich bin verloren«) nach (30 Kil.) Candela, einem Städtchen (5690 Einw.) am Rande der Apulischen Ebene und der Apen- ninen, das durch gute Strassen mit Alelfi (S. 701) und Venosa (S. 7u4) in der Basilicata verbunden ist. Es folgt (27 Kil.) Stat. Giardinetto. Man sieht über die weite Ebene hin Lu- cera, Troja, Monte Gargano, Ascoli und selbst den Monte Vulture in der Basilicata. Wägen (ltya Fr.) führen von hier nach dem 15 Kil. nordwestl. gelegenen Troja, Städtchen mit 6337 Einw., das der griechische Feldherr Fnbagnanus mit griechischen Kolonisten 1063 auf dem einsamen Hügel gründete, an der Stelle des antiken Aeca, einst mit einem grossen Herkulestempel. Noch jetzt sieht man antike Reste. Der schönste Bau ist die schon 1093 gegründete * Kathedrale, eine dreiscliiffige Basilika aus grauem Tuff mit stark vorragendem Querhaus und einer reichen, sehr schönen Parade in farbigen Steinen; neun Stufen führen zur prächtigen Bronzethür (von 1119), auf deren 1. Feld man 1. Oderi- sius von Ecuevent (der Künstler) und Be- rardus (Graf von Sangro) sieht; im 2. Feld (altbyzantinisch) Christus als Weltrichter; im 3. Feld Bischof Wilhelm, der Geber der Thür; im 4. Feld Petrus und Paulus; in der 2. und 5. Reihe acht wunderliche Köpfe; die 2. Reihe enthält später hinzugefügte Wappen von 1560 und 1573 u. a.; in der 7. Reihe die Inschriften. — Auch an d'er Südseite ist eine zweite merkwürdige Bronzethür (von 1127), ebenfalls von Oderisiun von lienevent, mit Darstellung der Bischöfe von Troja. Die Apsis der Kirche ist aus massiven Quadern aufgefiihrt, das Innere weniger bedeutend. — Eine noch ältere Kirche ist 8. Ba- silio mit einem schönen Vorlesepult (von 1169). Unter-Italien. I. Troja ist auch die Stätte, wo am 29. Aug. 1462 Ferdinand I. von Aragonien den auf der Erztlnir des Castel Nuovo in Neapel dargestellten Sieg über die Anhänger des Herzogs von Anjou erstritt. Jenseit Giardinetto setzt die Bahn bei Ponte di Bovino über den Cervaro. (34 Kil.) Stat. Bovino ? Städtchen mit 7000 Einw., 1. oben auf einem der östliclienYorberge der Apenninkette; gewährt einen umfassenden Blick über die ganze Apulische Ebene bis zum Adriatischen Meer und Monte Gargano. Der Dom aus dunkeln Quadern ist ein interessanter Bau verschiedener Zeiten (eine Inschrift auf dem Portalarcliitrav des südlichen Seitenschiffs spricht schon von einem Bau desJahrs 905). DieStadt stand in jüngst vergangener Zeit im verdienten Ruf, die Briganten zu schützen. Nun dem nördlichen Ufer des Cervaro parallel nach (43 Kil.) Stat. Orsarci, (47 Kil.) Montaguto } (53 Kil.) Savi- gnano-Greei, deren Ortschaften auf dem Gebirge liegen, welches das enge Flussbett des Bovinothals begrenzt und durch dessen Vorhöhen mehrere Tunnels (der längste vor Savignano) gesprengt sind. — Es folgt (63 Kil.) Stat. Aviano (das nicht sichtbare, IV 2 St. in der Höhe gelegene Städtchen hat durch Erdbeben 1456 und 1782 seine besten Gebäude verloren). — Jenseit (70 Kil.) Stat. Starza durchzieht die Bahn 500 m. ü. M. den grössten Tunnel (2600 m.) dieses Gebirgsthals und folgt dann nach(74Kil.) Montecalvo, (80 Kil.) Buonalbergo, (88 Kil.) Stat. Aprice im engen Flussthal dem Nordufer des (westwärts fliessenden) Colore nach (95 Kil.) Ponte Valentino, wo sie den Tamaro übersetzt, einen Bergbach, der von dem. Pass bei Säpinum herkommt. — Dann am rechten Ufer des Calore weiter nach (102 Kil.) stat. Benevento. Wä'gen zur Stadt { l U St.) Ispänn. 50 C., Abds. 60 C.; 2spänn. 1 F'r., Nachts 1 Fr. 30 C.; Einspänner die Stunde 70 C., Zweispänner 1 Fr. 30 C. Gasthof: Locanda di Benevento, an der Piazza S. Antonio (recht ordentlich; Marmortreppen ; reinliche Zimmer und Betten ä P/ 2 —2 Fr.); gibt kein Essen.—Man speist (relativ) am besten in der Trattoria Villa di Roma am Corso (2 Min. niederwärts von der 22 659 17. Ton Foggia, nach Neapel. 660 Locanda); sehr billig; hier speisen die Offi- ciere.— Cafe: DelV Itolia ana, Corso Garibaldi. Die Stadt liegt in köstlicher Ilügel- landschaft an dem sie nördl. umfliessen- den Gebirgsfluss Öalore 7 in den hier der Sabato einmiindet, hat aber trotz ihrer bedeutenden geschichtlichen Rolle nur 20,100 Einw. in ihrem gesammten Gemeindebezirk. Eine schöne Brücke führt jenseit des Bahnhofs über den Calore zur Stadt, deren Aussehen theilweise den modernen Anforderungen noch fern steht. Geschichte. Ben Ursprung der Stadt schreiben die Alten wohl wegen Einwanderungen von Kolonisten und Götterkulten (Pallas) aus Griechenland (Aetolieu) dem Heros Diomedes zu. Dann kam sie in den Besitz der Hirpiner, eines südlichen Zweigs der Samniten; schon im dritten samnitischen Krieg scheint sie den Kölnern gehört zu haben, die liier 275 v. Chv. einen grossen Sieg über den für Samnium kämpfenden Pyrrhus erfochten. 268 wurde sie durch Besetzung mit den ersten römischen Kolonisten zur Zwingburg für Samnium und nun von immer höherer politisch-strategischer Bedeutung, ihren alten Kamen Maleventum in Beneventum umtauschend. — Die Lage in der Nahe der Kreuzung der appischen und lavikanischen und anderer Hauptstrassen, welche von Rom, Capua, Terracina nach Ufundisium, Tarent, Regium führten, verschafften ihr bald den Rang einer der bedeutendsten Städte Italiens. Unter Angustus, der wiederholt hierher kam, erhielt die Stadt eine Kolonie von Veteranen ; ebenso unter Nero. Den Kaiser Trajan, der so anregend weithin im römischen Reich auf die Baulust der Gemeinden wirkte, ehrte zu Benevent der Senat durch ein herrliches Denkmal. —• Im Gotheukrieg fielen die Mauern der Stadt 814 durch Toiila. Unter den longobardi- selien Herzogen gewaun sie als vieljährige Residenz derselben eine neue selbständige Blüte, war als Vorhut gegen Avaren und Griechen von grosser Bedeutung und wusste die gewonnene Sonderstellung durch bedeutende Erweiterung des Gebiets und durch grössere Machtfülle im Innern im vollen Umfang zu behaupten. 1051 unterwarf sie sich dem päpstlichen Regiment unter Leo IX., ward Sitz eines Erzbischofs, und hielt nun dem zweiten Rom dieselbe Treue, wie dem ersten. 1078 und 1118 hatten die Normannen sie ohne Erfolg belagert, 1187 aber wurde sie von Herzog Heinrich von Bayern für Papst Innocenz II. eingenommen. 1241 fiel sie nach langem Widerstand in die Gewalt Friedrichs II., und am 26. Febr. 1266 fand hier die mörderische Schlacht auf »dem Feld der Rosen« statt, nordwcstl. von Benevent, wo der ritterliche Manfred der Uebermacht Karls von Anjou erlag. Schon hatte die französische Reiterei die ungestüm vorstürmenden Saracenen geworfen, da stürzte sich die deutsche Ritterschaft, vom Grafen Jordano geführt, mit dem Feldgeschrci: »Schwaben!« auf den Feind und trieb die Franzosen in die Flucht. Gegen diese richtete Karl den Kern seines Heers, ihnen zur Seite stand jetzt Manfred mit dem edlen Römer Anibaldi und dem Grafen Rudolf von Habsburg. Wie sehr auch die deutschen Krieger ihre alte Tapferkeit aufs neue erprobten, »der romanische Stoss lind Stich trug den Sieg davon über die germanische Kampfweise. Sie fielen mit Heldenmuth als die dem Tod geweihten Repräsentanten des germanischen Reichs, welches mit Friedrich II. zu Ende gegangen war«. — Der Hohenstaufe Manfred, der im Kirchenbann gestorben war, wurde an der Brücke des Calore in die Erde verscharrt, die französischen Krieger aber trugen, seinen Heldenmuth zu ehren, jeder einen Stein hinzu und häuften ihm ein Denkmal, im Volksmund Petra Roseti, »Rosenfels«, genannt. Der Erzbischof von Cosenza liess jedoch den verfluchten Todten wieder ausgraben, weil der Boden von Benevent kirchliches Eigenthum sei, und jenseit der Grenze am Strand des Verde (unter Ascoli) verstreuen. Wenn dieses Blatt im Worte Gottes besser Der Hirte von Cosenza, welchen Clemens Jagd auf mich machen hiess, gelesen hätte, So ruhten die Gebeine meines Leibes Noch jetzt bei Benevent amFuss der Brücke, Behütet von den aufgeheäuften Steinen. {Dante, Purgat. III, 124.) Ein eigenthünüiches Spiel der Geschichte liess dafür den ehemaligen Bischof Talle.y- rand unter Napoleon, zum Fürsten von Benevent werden. Eilige, welche auf Benevent nur 2—3 St. verwenden können, mögen genau der folgenden Wegführung nachgehen. Von der Bahnstation 7 Min. zur Brücke. Am Ende der Brücke schlage man die Strasse 1. ausserhalb der Stadt ein; nach 7 Min. erreicht man auf derselben den berühmten, an der Ostseite der Stadt an der Strasse nach Rom liegenden ^-Triumphbogen Trajans (Porta Aurea } das goldene Thor,), einer der Ehrenbögen, die mit Beziehung auf kriegerische Erfolge doch zu Ehren der in- nern Verwaltung errichtet wurden, als Dankzeichen für die Wiederherstellung der Via Appia (T14 n. Chr.). Er ist eins der schönsten Monumente Unteritaliens, 15V 2 m. hoch, die Pforte 8 V 2 m. breit, das Material parischer Marmor; die Attica und die Mauerflächen der beiden Fronten sind mit reichen Reliefs geschmückt, in ähnlicher Weise wie der Titusbogen in 661 662 17. Benevento (Triumphbogen. Trajans). Rom, dem auch die äussere Form nachgebildet ist. Die Inschrift an der Attica datirt den Bogen aus dem 18. Tribunat des Kaisers t und Senat und römisches Volk -weihen das Werk dem » Fortissimo ’Principi«. Die Darstellungen der Reliefs beziehen sich auf das Leben Trajans. Den Bogen durchschreitend, sieht man: Auf der Innenseite unter der Inschrift ein Fries mit dem Triumph über Trajan. L. oben: Die Götter bescliliessen Trajans Adoption (nur vier Figuren erhalten) ; darunter: Trajan triumphirt über Da- cien; Armenien unter der Botmässigkeit Roms. In den Zwickeln des Bogens: Personifikationen der Donau und des Rheins. Nun gehe man wieder ausserhalb der Stadtmauer die breite Strasse an derselben hinan (schöne Blicke auf die reiche Umgebung); man erreicht in 7 Min. das I e> ft M t Ql -fffl Uutyytv IjB Triumphbogen Trajans zu Benevento. dieDacicr, d. h. die Bewohner des heutigen »Siebenbürgen; oben 1.: Trajan, ein Opfer darbringend; darunter 1. in den grossen Reliefs : Adoption Trajans durch Nerva; Trajan, das Recht ertheilend. R. oben: Triumphzug Trajans aufs Kapitol; darunter in den grossen Reliefs: Der Einzug in Rom; der Kaiser in der Basilika Ulpia. — Innerhalb des Bogens, 1.: Opfer Trajans an Jupiter; r.: Trajan ertlieilt von der Tribüne aus dem Volke Geschenke^ am Gewölbe: Victoria krönt den Kaiser. — An der Aussenseite am schmalen Fries: Der Triumphzug Trajans über germanische Völkerschaften; in den grossen Reliefs r.: Der Dacierkönig Decebalus zu Füssen des Kaisers; darunter: Vermählung Kaiser Hadrians mit Sabina; asiatische Gesandte vor gothische Kastell, jetzt an seiner Seite die Präfelctur. Die malerischen mittelalterlichen Reste des Kastells stammen noch aus ihrer Griin- dmigszeit unter Papst Johann XXII., 1336 bis 1324. An seiner gegen den öffentlichen Garten gewandten Fa^.ade sieht man Bruchstücke von antiken Festons mit Stierschädel, das Fragment eines Grabmals und ein antikes Pilasterkapltäl. Vor dem Kastell breitet sich die neu angelegte * Villa aus, eine öffentliche Parkanlage mit Prachtblick (r.) auf die Gebirge. — Vom Kastell r. in die Stadt hinein, am Löwen vorbei, der auf einem 22 ; *‘ 663 17. Ton Foggia nacli Neapel. 664 romanischen ornamentirten achteckigen Pfeiler ruht, geht man nun dem die ganze Stadt durchschneidenden Corso Garibaldi entlang. Schon nach wenigen Schritten folgt die Piazza del Principe Umberto mit dem hübschen Theater; r. in der Mitte des Platzes ein Obelisk auf vier (romanischen) Löwen und weiter r. (an der rechten Seite des Platzes): S. Sofia ) die Kirche des berühmten, von Herzog Arichio 774 gestifteten Klosters *S. Sofia. Ueber dem Architrav der Eingangsthür ein in gemischt byzantinisch-romanischem Stil skulpirtes * Relief aus dem 13. Jahrh. auf Mosaikgrund: Der thronende Christus, 1. Maria, r. S. Merkur, empfiehlt den Herzog, neben Maria das Wappenschild. Die Kirche ist ein Rundbau, an den sich vorn ein rechteckiger Fa 9 adenbau mit zwei Kapellenflügeln und hinten eine rechtwinklige Altarnische anschliessen; in der Mitte unterstützen im Sechseck sechs antike Säulen auf mittelalterlichen Basen den erneuerten Kuppelbau; in weiterem Umkreis, mit der Umfriedungsmauer durch Gurtbögen und Kreuzgewölbe verbunden, stehen zehn andere Säulen. — Der Kreuzgang daneben hat 60 Säulen mit wunderlichen Kapitalen und quadratischen Aufsätzen; auf einer derselben die Inschrift, dass Johannes IV. diese Zierde errichtet. — Der Thurm trägt eine Bauinschrift aus dem 11. Jalirh. Dem Corso Garibaldi weiter entlang folgt (nach 3 Min.) am dritten kleinen Platz, r. Piazza Papiniano 7 wieder ein aus den Zeiten des Isiskultus (3. Jahrh.) stammender Obelisk; dann 1. die Tribunale und das Municipio, und nach 3 Min. der Domplatz mit (1.) der *Katliedrale (Benevent wurde schon 969 von Papst Johann XIII. zum Erzbis- thum erhoben) , ein interessanter mittelalterlicher Bau, von dem noch die Fa 9 ade aus dem 12. Jahrh. sowie die noch ältere Säulenreihe und Bögen der fünf Schiffe grösstentheils erhalten sind, während bedeutende Erdbeben (z.B. 1688) im übrigen beeinträchtigen de Restaurationen hervorriefen. Die alten Theile zeigen den normannisch-romanischen Stil Apuliens (noch keine Spitzbögen). Die dreigeschossige P'agade bildet in den unteren Theilen eine breite »palastartige« Masse, unten mit schlanken, dar- i über mit gespreizten Arkaden; über dem i rechten Portal und im letzten Bogen r.: : zehn alte Inschrifttafeln von Gräbern der longobardisehen Fürsten Benevents. Auf dem Thürsturz die Inschrift mit dem Namen des Künstlers Roger fRoggerius scidpsit). — Berühmt sind die thiiren des I-Iauptportals aus dem 12. Jahrh., mit einem eigentümlichen Gemisch antiker byzantinischer und altlateinischer Elemente; sie sind nicht so schön wie die zu Trani und Ravello, aber in ihrem Geist (nicht byzantinisch wie zu Monte S. Angelo) schon mit einer gewissen Frische der Gruppirungen mit starkem Hervortreten des Reliefs. Die 79 Felder enthalten in den oberen 5 Reihen sehr bewegte Darstellungen aus der biblischen Geschichte, die 6.—9. ist mit Darstellungen des Erzbischofs von Benevent und seiner Suffragane untermischt; sämmt- liche Suffragane haben den Titel ihrer Kirchgemeinde zur Seite des Giebels. Als Thürknöpfe mit Ringen dienen nach aussen zwei Greifenköpfe, nach innen zwei Löwenköpfe. Sehr schön skulpirt sind die Marmorpfosten des Portals: Thiere in Arabesken, reich entwickelte Kapitälblätter; der Bogen darüber mit Rosetten. Der viereckige Thurm 1. an der Fa- 9 ade ist ein späterer Anbau zum Theil von antiken Werkstücken, auch Fragmenten von Sarkophagreliefs*, in der Mitte der Vorderseite 17 Halbfiguren; im zweiten Geschoss neben dem Bogen eine antike Maske; an der linken Seite des Thurms unten (Mitte) ein Eber. Die Inschriften geben als das Jahr des Baues 1279 an, als das der Restauration nach dem Erdbeben 1668, also lautend: »Post devastatam a Federico II anno 1239 hanc civitatem turris haec campanaria caepta est sub Archiepiscopo Romano de Capoferris a. 1279 de oblationibus fidelium et Cleri post eandem urbem prope universam terraemotu a. 1668 dejectam ipsa iinmunis instaurata tribus campanis supra quatuor antiquis aucta et ad fastigium perducta est, propria : sumptu a Fr. Vinc. Mar. Ord. Praedic. Card. Ursino Archiepiscopo 1690.« Das Innere ist eine grosse Basilika mit fünf Schiffen, mit Flachdecke und nicht vortretendem Kreuz, 54 antiken 665 17. Benevento - Aversa. 666 Säulen, am Ende des Mittelschiffs, r. und 1. neben dem Aufgang, mit zwei schönen -Ambonen von verwandter Ausführung mit je sechs Säulen, die auf dem Rücken von Löwen und Greifen ruhen; am reell - tcn Ambon vorn: eine edle Statue S. Peters, im Tabernakel in der Mitte Gabriel (»in schönster Entwickelung rein lateinischer Elemente«), r. die Madonna, die Zwischenfelder mit Skulpturen, Mosaikarbeit und Rosetten. Auf dem linken Ambon neben der Madonna L der *Gekreu- zigte vom Donator angebetet; über dem Donator die Inschrift mit dem Namen des Künstlers: Nicolaus de Monte/orte 1311. »Besonders interessant sind diese Ambonen darum, weil sie eine Uebergangsstufe von jenen vorwiegend mit Mosaik verzierten Kanzeln früherer Zeit zu den nur Skulpturen und die Anwendung von Baldachinen habenden bilden.« (Schulz.) Ebenso ausgezeichnet ist vor dem rechten Ambon der gleichzeitige *Oster- leuchter, von vier Figuren in lebhafter Bewegung getragen. An der rechten Langscite des Doms niederwärts kommt man zur Präfektur und weiterhin durch einen Thorbogen zur Stätte des jetzt völlig überbauten antiken Amphitheaters. Von der Kathedrale immer dem Corso Garibaldi entlang (r. zweigt der breite Corso Vittorio Emanuele gegen die Eisenbahn hin ab), gelangt man nach 4 Min. zur Piazzetta di S. Lorenzo (im Hintergrund steht die Kirche S. Maria della Grazie). Hier erhebt sich r. auf einem Postament die *Granitstatue eines Apisstiers ebenfalls ein Rest des römischen Isiskultus. — Von hier 3 Min. zur Brücke zurück, von der man in 7 Min. zur Station gelangt. Bahnlinie. Jenseit Benevent folgt die Bahn wieder dem nördlichen Ufer des Calore, in malerischem Engthal von Kalkhügeln umgeben, die oft eine wunderliche Kegelform annehmen. Vor und nach OlOKil.) Stat. Vitulano einTunnel; d&r Ort am Monte Pentina. — Bei (117 Kil.) Stat. Ponte di Benevento eine Draht brücke über den Calore, über welche die Fahrstrasse nach Maddaloni geht. — Jenseit (122 Kil.) Stat. S. Lorenzo 8. Maggiore durchkreuzt die Bahn die Poststrasse nach Campobasso und Termoli. (129 Kil.) Stat. Solopaca. Zum lang gestreckten, hübsch am Berge gelegenen Städtchen führt die schöne, von Guira 1885 erbaute Kettenbrücke Ponte Cri- stina über den Calore hinüber; ihre beiden Enden ruhen auf Felsen. Von hier an vgl. Karte S. 22. Jenseit Stat. Solopaca sieht man 1. den (V 2 St.) Lago di Telese, einen ungesunden Sumpf, der im Jahr 860 durch ein Erdbeben entstanden sein soll. (134 Kil.) Stat. Telese. Das ärmliche Städtchen (r.) ist durch seine Schwefcl- wasser (200 Schritt nördl.) bekannt, die an fünf Stellen am Saum der vulkanischen Tuffe hervorsprudeln. Kabebei Beste des antiken JbZmWUebcr- bleibseü der Stadtmauern, eines Amphitheaters und eines Tempels), einer samnitischen, im zweiten Panischen Krieg von den Römern eroberten Stadt, seit Augustus eine mit Veteranen bevölkerte Kolonie, zuletzt durch die Saracenen zerstört. Nun auf einer Eisenbrücke über den Calore, dann im offnem Thal des Vol- turno, dem der Calore eine westliche Richtung gibt und der nun bis Capua in mächtigen Krümmungen dahinströmt. — (138 Kil.) Amorosi. (145 Kil.) Stat. Dugenta. Jenseit derselben fuhrt eine gute Strasse dem Isclero entlang nach (D^St.) S. Agata de tioti, am Fuss des von Virgil erwähnten quellen- und gräberreichen Monte Tabuma, ein berühmter Fundort antiker Vasen. — Die Kathedrale erneut, aber mit dem alten Mosaikfussboden; in SS. Annunziata eine sehr schöne Verkündigung, Ende des 15. Jahrh-, aber übermalt. (151 Kil.) Stat, Volle di Maddaloni; nach einer allmählichen Steigung passirt die Bahn den schönen dreistöckigen Aquädukt Vanvitelli’s , Ponti della Volle (S. 38) 1 und zieht dann abwärts nach (156 Kil.) Stat. Maddaloni und durch zwei Tunnels nach (164 Kil.) Caserta (S. 36), wo unsere Linie die Bahn Rom —Neapel (R. 1) schneidet. Es folgt in überaus fruchtbarer Gegend (170 Kil.) Stat. Marcianise und (179 Kil.) Stat. Aversa. Eine schöne Pinienallee zieht von der Station westwärts zur Stadt. 66 17. Von Foggia nacli Neapel. 668 Geschichtliches. Die Stadt ist in der J Geschichte altberülimt, erstlich als das ' antike Atella, das Krähwinkel der antiken Zeit, in das die Krälnvinkliaden (Atellanae) . der alten Volkspossen mit ihren theilweise ! noch jetzt im Pulcinella und Arlechino er- . lialtenen festen Köllen und stehenden Spässen verlegt wurden; dann im Mittelalter als die erste von den Normannen besessene Stadt, die ihnen Herzog Sergius von Neapel für ihre Dienste (1027) gegen seinen Feind l\tn- dulf IV. von Capua verliehen hatte, in einem an Korn und Früchten reich gesegneten Landstrich; hier gründeten sie dann unter ihrem Führer Rainulf eine unabhängige Grafschaft, die derselbe als Bundesgenosse Waimars von Salerno 10B8 von nnnnnr S. Lorenzo zu Aversa. Kaiser Konrad II. als Falmenlehen bestätigt erhielt. Rainulf wurde so in die Zahl der italienischen Reichsfürsten aufgenommen. — Im Kastell fand am 21. Aug. 1345 Andreas von Cngam, Gemahl der Königin Johanna I., unter schrecklichen Martern den Tod durch Mördei’hände (S. 105); aber schon drei Jahre nachher liess in demselben Schlosse sein Bruder Ludwig, König von Ungarn, bei einem grossen Festmahl, zu dem er alle Prinzen und Edelleute geladen hatte, die an der Ermordung seines Bruders keinen Theil genommen, und wobei Karl von Durazzo es wagte, sich einzufinden , diesen vor seinen Augen niederstossen und den Leichnam an die Stelle werfen, wo man den todten Bruder gefunden hatte. Die lebhafte, hübsche Stadt mit 21,176Einw., breitem Corso und schönen Häusern macht einen ganz modernen Eindruck und ist als Geburtsort des berühmten Komponisten Niccol'o Jomelli und durch Errichtung des grossen Waisenhauses 8. Lorenzo vor der Stadt, dessen Kirclienfagade noch den alten normannischen Charakter bewahrte, sowie der Irrenanstalt Morotrofio della Madda- lena, endlich aber auch durch seinen prickelnden Wein (Asprino) bekannt. Die Reben lässt man hier (wie auf der ganzen Strecke vom Yolturno bis zum Sarno) . selir hoch an nabe beisammenstehenden Schwarzpappeln hinaufsteigen, defien man die Seitenzweige wegnimmt. Der Asprino, ein angenehmer, leichter, moussirender weisser Wein, findet sich auch noch an einigen anderen Orten der Cam- pagna felice. — Ein nicht uninteressanter Bau ist die Kathedrale 8. Paolo, deren Kuppel noch normannischen Stil zeigt. Der östliche Theil hat eine ähnliche Anlage wie S. Lorenzo iuNea- pel: neun Kreuzgewölbe legen sich iim den abgerundeten hohen Chor, den drei Apsiden schliessen. — Im Quer schiff r. ein reicher Marmoraltar mit SS. Petrus und Paulus im Stil Santacroce’s; im Chor ein gothisches Bischofsgrabmal aus dem 14. Jahrh. Hinten im Chor ein Bild (SS. Petrus und Paulus) von J. B. Graziano (1577), der sich nach Curia und Marco da Siena gebildet hatte; — in der Sakristei Erzengel S. Michael (von 1495, restaurirt 171(i). Der 1495 erbaute Thurm zur Seite der Kirche mit vier Stockwerken und einer Kuppel ist dem von S. Lorenzo in Neapel verwandt. Am Hospital ein reiches antikisiren- des Portal aus dem 15. Jahrh. Jenseit Stat. Aversa durch die vegetationsreichen Gründe der Terra di La- voro über (183 Kil.) Stat. S. Antimo, (185 Kil.) Kratta - Grumo, (189 lvil.) Casoria (hier namentlich sieht man wieder den an Pappeln gezogenen Wein und die üppigsten Kornfelder) nach (198 Kil.) Neapel (R. 4). 669 18. Von Terni durch die Abruzzen (Aquila) nach Neapel. 670 18. Von Terni durch die Abruzzen (Aquila) nach Neapel. Verbindung: der Eisenbahn Florenz —Bom mit der Strecke Ancona — (Neapel — )Brindisi. Postwagen von Terni (gegenwärtig 32 Uhr Mitt. und 1 Uhr Morg.) 2mal nach (90 Kil., ca. 18 St.) Aquila, in 10 St.; für 13 Fr. Von Aquila nach Terni gegenwärtig 2 Uhr Nachm, und 4 Uhr Morg. Beides im Anschluss an die Bahnzüge. — ^ 5 =* Wer den Postwagen von Mitt. 12 Uhr benutzen will und den Besuch des "Wasserfalls in Terni damit verbindet, befinde sich spätestens 1 U vor 1 Uhr auf der Strasse neben dem obersten Fall und avertire zuvor bei der Lösung des Postbillets den Kondukteur von seinem Vorhaben. Die sehr schöne, theilweise neue Strasse, an romantischen Naturscenen und Prachtblicken überreich, führt an der Hohe des herrlichen Velinosturzes vorbei nach Rieti und von dort fast immer durch reizende, malerische Gebirgsgegenden nach Aquila. Eisenbahn von Aquila nach (60 Kil.) Solmona (von Solmona über Isernia nach Neapel s. S. 680) und von da über Popoli nach (127 Kil.) Pescara (S. 620), an der Eisenbahn Ancona — Brindisi. Verfasser, der in jüngster Zeit im Sommer eine grosse Strecke dieser Strasse zu Fass zurücklegte, fand sie weniger staubbeschwert als die gewöhnlichen italienischen Hauptstrassen und überaus genussreich. Von der Stat. Terni, der Balm Florenz-Rom, erreicht man 1. in einem Bogen in 7 Min. die Stadt, dann vom Thor durch den langen Corso Vittorio Emanuele in 7Min. die PiazzaVittorioEmanuele (^‘Albergo Europa; -Cafe, Americano, auch gutes Restaurant); die Strasse führt 1. von der Piazza bis Via delle Concie, hier nochmals 1., dann r. durch die Via Garibaldi zur Brüche (mit köstlichem Bergpanorama). Auf schöner neuer Bergstrasse, die nach Vs St. vom Thal allmählich r. aufsteigt und in langer Windung Prachtblicke auf das reizende Engthal 1. unten und auf die Gebirgswelt umher gewährt, erreicht man, das alte pittoresk gelegene Papignano 1. lassend, in 1^2 St. die Höhe des berühmten ' k Ve~ Unofalls (oben 1. eine schlechte Osteria, aber mit gutem Wein). Fussgänger können, um die Schönheiten der Gegend und' den überraschendsten und malerischsten Anblick des Falls zu ge- niessen, schon 10 Min. jenseit der Brücke von Terni dem Strasschen 1. folgen; — dann'immer r. halten und nach V* St. wieder der Hauptstrasse entlang durch üppige Olivenhaine, dann nach 5 Min. 1. (auf steinigen Wegen) in das Thal hinab und, bei köstlichem Vorblick auf 1. Palazzo Graziani, v. oben Papignano und darüber die romantische Höhe mit der alten schützenden Madonnenkirche sowie auf die prächtigen Felspartien, die sich zur Rechten und Linken aus der Fülle des Thals erheben, in einem Bogen der Nera entlang, zwischen Orangen- und Feigengärten, dann^über die Brücke zur »goldfruchtreichen« Villa Graziani (Schlüssel zum Arrsgang beim Gärtner, der den Permesso für den Durchgang durch den prächtigen Oliven- und Orangengarten besorgt); jenseit des Gartenthors durch einen, alpinen Engpass (in 7 Min.) zum untersten Fall des Velino (der unterste und der zweite Sturz sind die grossartigsten) , dessen vier zu Wasserstau!) zerschellende gewaltige Massen man am besten 1. oben (5 Min.) auf einer laubgedeckten Ruhebank, zu der ein schmaler Bergpfad liinanfiilirt, betrachtet. Zurück und auf natürlicher Brücke über den Fluss am linken Ufer den steilen Fusspfad hinan (durch eine kleine Grotte 1. sieht man in sehr malerischer Umrahmung den Mittelfall mit seinem prächtigen Regenbogen) zur Schauhütte, einer kleinen Brüstung zu oberst, von der man den ersten Fall stürmisch hervorstiirzen sieht, und zur Strasse zurück. iZjr* Wer hier den von Terni kommenden Wagen zur Weiterreise benutzen will, hat volle zwei Stunden auf die Fusstour voraus zu berechnen. Das Weitere s. »Rom und Mittelitalien«, Bd. I. Nun durch waldreiche Hügelgegend längs des linken Ufers des Velino. L. Pie di Luco, am sumpfigen See Ve- linus (von Velia, Sumpf), der im Thal von Rieti durch Stauungen des Kalksinter absetzenden Velino entstand und schon 217 v. Chr. von Marcus Curim Bentatus durch den 6 m. breiten Cavo Cnriano abgeleitet wurde; spätere Kanäle halfen nach. Dann im weiten Bogen am Bergrand hin (1 St. von Rieti) zum Ponte di Tcrria, wo der Turano (Tolenus) einmündet. Ovkl (Fast. VI, 565) berichtet von ihm, dass nach der Niederlage des Konsuls Itu- tilins am 10. Juni 91 v. Clir. durch die Marsen »strömten die Wasser gemischt nieder mit purpurnem Blut, und gleich im folgenden Jahr am nämlichen Prührotli wuchs durch Bidius’’ Fall doppelt die feindliche Macht«. Ueber die Brücke ans rechte Ufer des Velino und durch die reichere Ebene nach G72 671 18. Ton Terni durch die Abruzzen (Aquila) nach Neapel. (30 Kil.) Bieti (Campana ; an der Piazza; Cafe - Restaurant Italia), mit 14,000 Einw., das antike Beate, eine uralte Niederlassung derümbrer, der Hauptversammlungsort der Sabiner, schon bei den Alten als herrliche Gegend mit einem Tempe (Cic. ad Att. 4, 15) und den Ro- sea rura gepriesen, liegt 380 m. ü.M., am Anfang der Hochebene, durch welche der Velino fliesst; es hat eine alte Burg und viele Kirchen; in der Kathedrale } einem hübschen Bau des 15. Jahrh., ^Denkmal Grundriss der Kirche zu S. Vittorino. der Isabella Alfani, von Thorwaldsen ; — | iji S. Francesco das Jüngste Gericht, Auferstehung u. a., von Jacöbo Siculo ; — in 5. Domenico Madonna, von Luca Thome; im Pal. del Comune antike Inschriften. —- Schone Ausflüge nach Monte Eolo und in Villa Valle. Seitenrouten (zuvor nach der Sicherheit der Gegend sich erkundigen und Empfehlungsbriefe für die Aufnahme, da Wirtshäuser oft ganz mangeln) gegen NO. über (25 Kil.) Leonessa (908 m. ü. M.), in kühler Höhe von einem Halbkreis viel höherer Kalkberge beschattet, und (45 Kil.) C’ascia, grosser Klecken am Zusammenfluss von sechs Wildbächen (fabelhafter Ursitz der Abori- giner (Yoranfanger), nach (57 Kil.) Norcia, ein den Erdbeben sehr ausgesetztes Städtchen mit 8700 Einw., das noch 1857 schwere Zerstörung erlitt, berühmt als Geburtsstätte (408) S. Benedikts, am westlichen Fuss der prächtigen Sibillakette. In antiker Zeit war die Sabinerstadt (iSursia) berühmt durch ihre trefflichen Rüben ( Martial 18, 19; Steckrüben [Napi] bieten sich Dir Nursische runde zum Mahl), die noch jetzt ihren guten Ruf verdienen (man hat eine Rübenzuckerfahrik angelegt); sie war Vaterstadt des Sertorius und der Mutter Vespasians. Zurück über (15 Kil.) Accumoli, auf einem Hügel malerisch gelegen; vom antiken BadieA noch die Spuren der Mauern mit vier Thoren und vielen Thüi’men. (22 Kil.) Amatricc, mit 6300 Einw., am westlichen Fuss der hohen Pizzo di Sevo und Pizzo di JMoscio, unweit der Quellen des Tronto (Spuren antiker Mauern, Thore und der Arx sowie der Via Salaria); Geburtsort des von Va&ari so gepriesenen Malers Nicola Filotesio (Cola d’Amutrice); in S. Francesco ein vergoldetes Bronzetabernakel (1487 von Pietro von Ascoli) und ein. schönes gothisches Portal. (39 Kil.) Montereale und (54Kil.) S. Vittorino, Gebirgsdovf, das antike AAiiternum (am Aternus), Stammort der Sabiner und einst ein unabhängiger Staat mit eigenem Gebiet, unter den Römern eine Präfektur, Vaterstadt des Geschichtschreibers Sallustius; noch bedeutende Ruinen; auf der Anhöhe der Arx ein Thurm mit Inschriften und Skulpturen (Torre d’Amiterno), unten am Hügel (10 Min.) Reste von Tempeln, Theatern, Bädern. — Der jetzige Name des Orts stammt von einem Bischof von Amiternum (5. Sept. sein Fest), von dem das Martyrologium berichtet, dass er unter Trajan bei dem Acquao Cutiliae (s. unten) den Märtyrertod erlitten. Ihm zu Ehren wurde die alte einschiffige Kirche (1170) erbaut; mit grossem Querschiff und Apsis (1528 restaurirt); unter der westlichen Erhöhung führen 15 Stufen in die Katakomben mit dem alten Sarkophag des Bischofs S. Vittorio hinab; vor dem Hochaltar führt eine Treppe zur Untei-kirche. in welcher, wie an der Apsis, alte (zerstörte) Fresken die Wände bekleiden; an der Siid- waud der Kirche zwei alte Marmorreliefs mit der Geschichte des Bischofs. Der Stein- und Ziegelthurm unweit der Kirche zeigt antike Fragmente. Von S. Vittorino in. 1 St. nach (59 Kil.) Aquila (S. 674). _ Jenseit Rieti in köstlicher, malerisch- romantischer Umgebung zieht die Strasse das Velinothal hinan. — Bei ( s /4 St.) Fondo di Lesta sind noch schwache Ruinen der antiken Sabinerstadt Lista, angebliche frühere Hauptstadt der Abori- giner (s. oben). 2 673 18. Cittaducale — Aquila. 674 (38 Kil.) Cittaducale, mit 4000 Einw., an der ehemaligen Grenze des Kirchenstaats gegen Neapel; S. Maria liat ein reiches spätgothisches Portal von 1450 (mit Verkündigung); auf der Piazza stellt ein köstlicher gothischer Brunnen; der Thurm von 8. Agostino hat schöne gothische Fenster. 1 St. thalaufwärfcs, unweit des kleinen Sees Ponzo di Latignano, liegen Trümmer gewaltiger antiken Bauten; liier waren die Bäder von Cutiliä, wo Vespasian im Jahr 7y n. Chr. starb; der Ort an der Stelle des uralten Cotylia galt nach Varro (Plin. III, 12) für den Mittelpunkt Italiens und war schon in den ältesten Zeiten sehr berühmt, denn es sollen sich hier infolge eines Orakelspruchs von Dodona die Pelasger niedergelassen und mit den Aboriginern vereinigt haben; auf dem geheiligten See schwamm einst eine Insel. — Die Sauerquellen daselbst, jetzt Bagni di Paterno genannt, laufen, wie die Acqua del Bagno und Acqua della Puzaa und einige andere Schwefelwässer, zwischen Cittaducale und Antrodoco in den Velino. In dem prächtigen Hügelthal, unten mit Wein und Oliven, oben mit Wäldern bepflanzt, führt die Strasse (begleitet von den Emanationen jener Schwefelwässer) weiter nach (56 Kil.) Antrodoco } mit 3700 Einw., das antike Interocrea, berühmter Apenninenpass der Via Salaria, am Vereinigungspunkt von drei Schluchten. Hoch über den Fluss schauen die Ruinen einer alten Burg der Vitelli. Der ganze Apenninenzug von Panicello über den Monte Calvo zum Grau Sasso sendet von seinem Knoten Zweige östl. gegen das Adriatische Meer, westl. in das Längenthal des Alerno (s. oben), dessen Sohle noch 600 m. ü. M. liegt, herab; die Pescara fliesst durch die riesige Spalte von In- termonti, und jenseit derselben erhebt sich die Majella; diesem ungeheuren Zug folgt die Hauptstrasse; — die Wasserscheide zieht nicht über die höchsten Berge, sondern vom Monte Calvo zum Colle di Gorno und weiterhin bis zum Mutete. Der Riss der Velino- schluchten trennt die von Itieti nach Sora ziehende Parallclkctte von dem rauhen Ter- minillo (dem Tetricut der Alten), von. welchem der Monte Calvo (S. 634) »den Sporn« bildet (die Besteigung des Monte Calvo, der den Blick bis in die Campagna von Rom trägt, nicht ohne FührerI). Hie Hauptstrasse durchsetzt nun den Engpass und führt durch ein reiches, landschaftlich ungemein reizendes Hügelland mit einer Menge zerstörter Burgen (in den Schluchten fielen 1799 an 4000Franzosen im Kampf mit dem aufgestandenen Landvolk); jenseit der Madonna della Grotta und am Ende des Engpasses die schönsten malerischen Punkte. — Jenseit Qoppito mit seiner Ruine, das in entzückender Lage das im Hintergrund durch hohe Gebirge gesclilosseneThal desAtfmto beherrscht, über den (grauen) Aterno, der, am Monte Corno entspringend, bis Coppito schon zwölf Bergbäche aufnimmt, aber bis Aquila nur 1 m. Tiefe hat, nach (90 Kil.) Aquila (Sole, an der Piazza del Palazzo; Leone am Corso; beide rechtordentlich; BettlVaFr.), mit 16,600 Einw., wohl gebaute Hauptstadt der Provinz Ahruzzo ultra II, in kühler, gesunder Gegend, 720 m. ii. M., doch noch von Rebenhügeln umgeben, zu Füssen des hochragenden Gran Sasso d’Italia • sie ist erst eine mittelalterliche Schöpfung nach dem Plan Kaiser Friedrichs II., mit der Bestimmung, die Grenzlande seines Königreichs zu schützen, daher nach dem siegreichen kaiserlichen Zeichen des Adlers Aquila benannt. Geschichtliches. Schon. 122;) hatte Gregor IX. die Umwohner zum Bau einer Stadt an diesem Acculum genannten Ort aufgefordert. Konrad IV. führte 1254 den Plan aus und vereinigte die alten Grafschaften von Fttrconium und Amiternmn zur neuen Grafschaft Aquila ; aber schon 1250 erfuhr die neue Stadt, welche gegen das holien- staufische Geschlecht die päpstliche Partei ergriff, eine vollständige Zerstörung durch König - Manfred, und erst als Karl von Anjou seine Herrschaft gesichert, erhob sich die wegen ihrer vortheilhaften Lage von ihm besonders begünstigte Stadt von neuem; die Umwohner erbauten in ihr eine Menge Kirchen, die den Namen ihrer Ilcimatskir- chen erhielten (’S. M. di Paganica, S. M. di Bazzano u. a.; »Aed’ficatores tot condident ut JEcclesias, quot erant «; Antinori); in der höchsten Blütezeit hatte Aquila Ü9 Kirchen und soll 60,000 Einw. gezählt haben; bei der Krönung Papst Cölestins V. 12’,)4 waren ! über 100,000 Fremde in der Stadt; 1424 hielt sie sich 13 Monate gegen die Belagerung durch Braccio da Montone und Niccolö Pic- Cinino, und als Giacomo Caldora und Francesco Sforza zum Entsatz herbeirückten und üen. zwei berühmten Condottieri eine blutige Schlacht (am Hügel von S.Lorenzo) lieferten, entschied ein Ausfall der Bürger; Braccio wurde verwundet und gefangen und starb in der Stadt. Den schönen Gebäuden der Stadt haben die Erdbeben von 1315, 1461 und I 675 18. Yon Terni durch die Abruzzen (Aquila) nach Neapel. 676 1703 grossen Eintrag gethan. — Von der Sole gelangt man durch die Strada Principe Umberto über den Corso hin zur ^Kirche des S. Bernardino di Siena, eines kurz nach seinem Tode heilig gesprochenen Eranciskanermönchs, der 1444 in Aquila'starb, wurde 1452 angelegt; die schöne Fatro d’Ariftcola; die Ornamente von Saluato dall’Aquila (»qxxesto mausoleo e uno dei piü ricchi ed insigni che si conoscano, e rende chiari i spleudidi contribuenti non meno che gli ai’tisti«; Cicognara), besonders schön die Dekoration und die Reliefs zwischen den Pilastern; im obern Tlieil Madonna, zwei ihr von S. Bernardino Vorgestellte segnend und zur Seite die Statuen der beiden Johannes, oben Gottvater mit Engeln; darunter der Sarg mit der Statue und zur Seite in zwei Nischen S. Petrus und S. Paulus. — 1. Capp. r.: Krönung Mariä und Auferstehung, aus der Werkstätte der Kobbia. Von der Fa^ade S. Bernardino’s 1. durch die Porta Collemaggio gelangt man in 4 Min. zu der berühmten Klosterkirche *S. Maria in Collemaggio, 1287 gegründet und schon 1294 die Weihestätte des zum Papst (Cölestin V.) erwählten Stifters Peter di Morronc (von dem nahen Kloster S. Spirito a Morrone so genannt). Die Kirche zeichnet sich, obwohl sie durch Erdbeben und Restaurationen litt, durch »imponirende Verhältnisse im Ganzen und durch eine unübertreffliche Vollendung und Feinheit der Ornamente im Einzelnen« aus. Die prachtvolle gothische Fa 9 ade, mit drei Portalen und über jedem derselben mit einem reich mit gothischem Masswerlt ausgefüllten Rundfenster, ist aus rothen und weissen, in regelmässigen Mustern zusammengestellten Steinen ausgefiihrt. Die Seitenwände der Kirche sind tlieil- weise modern. Im Innern moderne bunte Pracht. L. die Kapelle des Papstes Cölestin (das Auf- scliliessen hat man im Municipio nachzusuchen) mit seinem Grabmal von Girolamo da Vicenza (1517). Die Darstellungen aus seinem Leben sind von Bruder Andreas ! ’uther aus Danzig, Schüler des Rubens; die ; Kuppel malte Lorenzo BerrMini aus. I Unter den übrigen Kirchen sind her- I vorzuheben: Agnese, mit schönem Portal, | ähnlich ornamentirt wie das in S. Maria di I Collemaggio; neben dem Bogen sechs giot- | teske Engel; — 8. Chiara mit einem sehr schönen *Gemälde von Kiccolb Alunno (von i 1487): der Gekreuzigte von vier Engeln be- ! klagt, S. Franeiskus umklammert das Kreuz, i Maria 1. in Ohnmacht, r. Johannes wei- 1 nend; zur »Seite: Christus am Oelberg, ! Kreuztragung, Auferstehung, *Pietä. — 8. : Maria del Sorcorso, in ähnlichem Stil wie S. Maria in Collemaggio, doch von 1450. — In 8. Silvesfro (1703 neu gebaut) gute Holzskulpturen aus dem Ende des 15. Jahrh. In dieser Kirche hing die Heimsuchung von Raffael, jetzt In Madrid. — S. Lorenzo, hat ein interessantes Spitzbogenportal. — S. Domenico , eine Basilika mit Kreuzschiff und drei Apsiden, wurde 1309 erbaut, durch Erdbeben mehrmals beschädigt und 1772 modernisirt. — Daneben die kleine Kirche 8. Pietro di Sassi, hat eine einfache, sein* schöne, durch vier Pfeiler getheilte Fa^ade, oben mit einem Rundfenster. — S. Maria di Bazzano, ist im 16. Jahrh. modernisirt worden; — vor 8. Maria di Paganica stehen zwei einzelne Säulen (Jachin und Boas), und das Portal ist dem von S. Maria di Collemaggio ähnlich. Im Bathhaus } am Corso VittorioEma- nuele, befinden sich eineGallerieberühm- ter Aquilaner, eine Sammlung altrömischer Inschriften und eiuige Bilder einheimischer Maler. — Im Palazzo Porres (unterhalb der Piazza grandc) ist eine nicht unbedeutende Gemäldegallerie, deren Hauptstücke ein Bildnis des Kardinals Torres von Vomenichino } eine 677 18. Yon Terni durch die Abruzzen (Aguila.) nacli Neapel. 678 Steinigung des S. Stephanus (auf Kupfer) von Demselben, ein Abendmahl von Tizian (auf Marmor), eine Magdalena von Paolo Veronese und ein Demokrit von Quido Reni sind. — Im Palazzo des Marchese Dragonetti ist eine interessante Bildersammlung mit Gemälden von Sil- vestro imdPompeo d’Aquila, Cola d’Ama- trice, Ribera, Viviani, Domenichino, Jacopo di Percossa, Quintin Metsys (Qemx. f.) u. a. — Vor Porta della Riviera ist ein köstlicher aus rothen und weissen Steinen errichteter Brunnen, die * Fontana della Riviera } dessen aus dem unterirdischen Aquädukt von Monte S. Giuliano herbeigeleitetes treffliches Wasser aus 93 auf drei Wände vertheilten Köpfen zusammenfliesst (laut der von einem gothischen Spitzgiebel überragten Inschrift von Magister de Pentoma de Valva 12T0 gefertigt). — Ein interessanter Bau ist der Pal. A Ifieri aus dem 15. Jahrh., an dem sich gotliische und Renaissanceelemente mischen. — Die Citadelle (ein Soldat daselbst vermittelt das Eintrittsgesuch durch Ilerbeiholung eines Offi- ciers) jenseit des Corso vor dem Thor ist ein unter Karl V. 1535 von Scriva angelegter Bau, ein regelmässiges Viereck mit breiten, runden Eckthürmen. Zugleich geniesst man hier einen *Pracht- blick auf den Gran Sasso und die Gebirge rings um die Stadt. Eine neu angelegte Strasse veibindet jetzt Aquila mit (75Kil., ca. 15 St.) Teramo (S. 617). Von Aquila aus wird jetzt auch der (Iran Sasso (S. 018) bestiegen, über Assergi und Campo pericolo (wo der Alpenklub eine llütte errichten liess); von Aquila bis auf die Spitze sind es starke 11 St., von denen die ersten fünf im Wagen zuriickgelegt werden können und die folgenden drei auf einem Maulesel, während die letzten drei nur zu Fass gemacht werden können. 60 Kil. Eisenbahn von Aquila nach Sol- moiia (2mal in 2Va St. für I. 6 Fr. 80 C., II. 4 Er. 75 C., TI1. 2 Fr. 75 C.) und weiter über (74 Kil.) Popoli nach (127 Kil.) Pescara (S. 620) 2mal in 5 St. für I. 14 Fr. 40 C., II. 10 Fr. 5 C., III. 5 Fr. 75 C. Eisenbahn. Kurz jenseit Aquila Prachtblick auf die Stadt; hinan in das von scliönlinigen Gebirgen abgeschlossene Aternothal, 1. auf Coppito mit seiner Ruine, r. auf das Kloster S. Giusto am Berggehänge, südl. auf die pittoreske Brücke, die in das jenseitige Hügelland geleitet, und aus dem schönen Panorama hervor leuchtet noch weithin die prächtige Fa 9 ade von 8. Maria di Colle- maggioj gegenüber die Ruinen der mittelalterlichen Burg 8. Pamfilo und das (1479 vollendete) Kloster S. Angelo d’Ocre. Zur Linken sind die Hügel mit Häusern und Weinbergen besäet, r. windet sich der von dunkeln Bäumen umsäumte -Aterno durch die schönen Wiesen. Dann erweitert sich das Thal zu einer üppig fruchtbaren Ebene, und behäbige Ortschaften lagern sich an die Gehänge der Berge. Der Gran Sasso entfaltet immer deutlicher seine Sattelgestalt. Ein landschaftliches Eden! (8 Kil.) Stat. Paganica, in reichem Wiesenland, mit reger Bienenzucht und Käsewirtschaft. R. (8 ICil.) auf einem Hügel Fossa, nahebei Reste des antiken Aceja, Stadt der Vestiner (Sil. Italic. 8: »auf den Wiesen,, die rasch erblühen, Ayeja’s«); in der Kirche S. Maria delle Grotte giotteske Fresken (und rohere, noch ältere) und im Chor ein schönes Triptychon aus dem 14. Jahrli., von einem neapolitanischen Meister aus Giotto’s Schule. In fortwährend üppig fruchtbarer Gegend und mit schönen Bergj)anoramen über (16 Kil.) Stat. 8 . Demetrio; (22 Kil.) Fagnano; 1. Retenga, mit alter Burg auf der Anhöhe, einst eine Hauptfestung der Vestiner. 7 Kil. östl. Capcstrano , auf hohem Bergabhang, Geburtsort des echten Abruzzesen 8. Johannes Capestrano (geb. 1386), eines tief in die Geschichte des 15. Jahrh. verflochtenen Franciskaners, Nachfolger des Bernhardin von Siena im Generalvikariat für Italien; mit 65 Jahren kam er nach Deutschland, das ihn als Heiligen empfing, wirkte aufs eifrigste gegen die Hussiten und gegen die Juden, sammelte ein Kreuz- heer gegen die Türken und half mit dem Kreuz an der Spitze die überlegenen Türken bei Belgrad besiegen. (27 Kil.) Stat. Fontecchio; Stat. Bcffi; (37 Kil.) Stat. Acciano; Stat. Molinaj (50 Kil.) Stat. Rajano. Nur 4 Kil. von Stat. Rajano an der Landstrasse nach Popoli liegt das Dorf Pen- tina (an der Kirche eine Inschrift von 1228, welche den Crosskanzler Friedrichs II. und Manfreds, WdUer von Ocra, als den Stifter, und den Maurer Justinus als den Erbauer nennt), wo man (beim Kanonikus ) den Schlüssel erhält zur nahen interessanten 679 19. Yon Pescara durch die Abruzzen (Solmona) nach Neapel. 680 Kirche S . JPcllino, die alte Käthe- j Jahrli. gleicht derjenigen zu S. Clemente drale des Bisthums Valva, die bei dem an- ! am Pescara (Casauria, S. 622); — der Siid- tiken Corßnium liegt, von dem in der Kirche wand der Langseite liegt eine dem Papst viele eingemauerte antike Inschriften so- S. Alessandro geweihte Nebenkirche an, mit wie Ornamentalfragmente und Kapitale stammen. Die Kathedrale ward dem S. Pellinus, Bischof von Brindisi, geweiht, weil dieser bei der Belagerung Corüniums durch Valentinian den kaiserlichen Anführern erschien und ihnen das Gelingen der Eroberung offenbarte. — Sie ist eine dreischiffige Basilika aus der Zeit Friedrichs II., mit zwei Reihen von je sieben Pfeilern mit grosser, aus gelbem Stein ausgeführter, un- gemein zierlicher Hauptapsis in vier Stockwerken (mit Rundbogenfenstern, darüber mit einer Säulchenarkadc von sieben Halbkreisbögen und einem Rundbogenfries auf Kragsteinen) und mit zwei Nebenapsiden am Querhaus. Ueber dem Kreuz der gothi- sehen Kirche erhebt sich eine moderne achteckige Kuppel; das Innere mit Flachdccke und die Paraden sind theihveise erneuert; die schöne Kanzel aus dem Ende des 12. giottesken Fresken aus dem 14. Jahrli. (SS. Alessandro, Hieronymus, Katharina u. a.). Am schönsten präsentirt sich die Kathedrale von der Ostseite, die noch in unversehrter Ursprünglichkeit prangt. Von dem alten Corßnium sieht man in dem Ackerland umher vier antike verfallene pyramidale Gräber, eine Menge formloser Baufragmente und einige Aquäduktbögen; ehemals die Hauptstadt der Peli- gner, war es ein sehr fester Ort, Mittelpunkt des Bundes im Bundesgenossenkrieg und zur Hauptstadt des neu zu gründenden italischen Reichs bestimmt; daher Raff ca genannt. Nun hinab in das vom Gebirge umsäumte, üppig reiche Salmonathal. (60 Kil.) SolllIOIia (s. unten) und von da weiter nach Neapel (R. 19). 19. Von Pescara durch die Abruzzen (Solmona) nach Neapel. 67 Kil. Eisenbahn von Pescara nach Sol» liiona tiigl. 2mal in 3 St. für I. 7 Fr. 60 C., II. 5 Fr. 30 0., III. 3 Fr. 5 C. — Post von Solmona über (3 St.) Castcl di Sangro (15 St.), Isemia nach (125 Kil., ca. 25 St.) Cajaniello (S. 23), an der Bahn Rom—Neapel, in 10 St. {gegenwärtig Abgang von Solmona 6 Uhr Abds., von Cajaniello 0 Uhr Morg.) für 13 Fr. 30 C. — Eisenbahn von Cajaniello nach (73 Kil.) Neapel 4mal in 2—3 St. für I. 9 Fr. 5 C., II. 6 Fr. 35 C. Von Pescara (S. 620), Stat. der Bahn Ancona—Brindisi bis (15 Kil.) Ohieti (s. S. 620); dann folgen die Stationen Manopello, Alanno, S. Valentino (39 Kil.), Tor re de' Passen (das nahe 8. Clemente di Casauria, S. 622); durch den Engpass, clen nun die Pescara durchströmt, nach Stat. Bussi und (53 Kil.) PopOÜ (Locanda delV America; Posta), lebhaftes Städtchen mit 6700 Einw. , an der Kreuzung der Strassen nach Solmona und Pescara, in dem breiten, fruchtbaren Thal des Pescara . Es ist eine Fortsetzung des Aterno, der hier den antiken, seine aschgraue Farbe bezeichnenden Namen verliert, nachdem er noch in einem nahen Engthal (wo man noch Reste der von Cäsar vertheidigten Brücke sieht) den Callistro aufgenommen, mit dessen Ableitungen noch jetzt, wie zur Zeit des Flinius, im Winter die Gärten und Rebenpflanznngen durch Bewässerung vor Frost geschützt (calidare) werden. Von S. fliesst der Sagiftario (Fluturnus) ein. Die Häuser von Popoli sind meist neu und wohlgebaut, ein Beweis der Behäbigkeit der grosse Viehzucht treibenden Einwohner. — An der schönen Piazza erhebt sich die aus Quadersteinen errichtete Hauptbirche ; die Fat^ade im Spätstil des 15. Jahrh., oben im 17. Jahrh. erneuert, das Innere völlig erneuert; der viergeschossige Thurm von 1480. — Im ( 1 /4 St.) Qiardino Canteloni einige römische Inschriften und Alterthümer. — Auch die Burg über der Stadt gehörte den Cante- ■ loni, einst Herzogen von Popoli. Von Popoli längs des rechten Ufers des G-izzio, eines Zuflusses des Sagit- tario, durch das köstliche, üppige Sol- monathal, 1. mit Blick auf die majestätische Majella, r. auf die malerischen Gebirge des Fuciner Sees, siidl. dessen ein Ausläufer des Argatone die Hauptkette der Apenninen westl. mit der Parallelkette in Verbindung setzt. (67 Kil.) Solmona. Omnibus zu der 20 Min. entfernten Stadt 40 C. — Solmona (Locanda della Lombardia, mit ordentlicher Trattorie), mit 15,000 Einw., 480 m. ii. M., am Einfluss der Vclla in 681 19. Solmona. 682 den Gizzlo, dessen klares Wasser in Quaderkanälen, theilweise auf Bögen, in die Stadt und ihre Umgehung zu Papier- und Walkmühlen , Kupferhämmern und zur Feldbewässerung geleitet wird. Die Stadt ist das antike Sulmo der Peligner im Sabinerland, allbekannt als Vaterstadt des Dichters Ooid : der sein Leben hier trefflich schildert (Klagelieder IV, 10): Sulmo ist’s, wo ich daheim, ein Gebiet voll kühlender Quellen, Neunzig de >• Taufende i'-t's Schritte entfernt (90 römische Meilen) von der Stadt (Rom). Dort nun vjard ich geboren — dass kund Dir werde der Tag auch, Während der Konsuln zwei (Ilirtius und Pansa) fielen im Doppelgeschick (im Jahr 43 v. Chr.). Schon als ein Knäblein zog es mich heimlich hin zu den Musen, Sage, so frug manchmal mich der Vater, was treibst Du für Tand nur? Sulla zerstörte die Stadt, richtete sie aber wieder als römische Kolonie auf. In der (Neuzeit haben die Erdbeben von 1703 und 1706 die Stadt hart mitgenommen. Die ehemalige Hauptkirche S. Pam- filo ; von Bischof Walter, dem Erbauer von S. Pellino (S. 679), 1119 neu aufgebaut, bei der Belagerung Solmona’s durch Kaiser Friedrichs II. Schwiegervater, Johann von Brienne, 1228 beschädigt, 1238 neu geweiht, 1450 reich ausge- schmückt, 1501 erweitert, zeigt jetzt ein schönes spätgothisches Portal mit den Statuen des SS. Pamphilus und Pellinus, und theilweise noch die alten drei Apsiden. Die ganz gothische Kirche 8 . Maria äella Tomba mit schöner Marmorkanzel soll an der Stelle eines Jupitertempels stehen. — Die Kirche des Corpus Domini gehört in ihrer ganzen Erscheinung zu den »eigenthümliclisten Gebäuden des spätem gothischen antikisirenden Misch- lingsstils und enthält eine Menge ungelöster Kontraste«. — Der *Pal. del Co- mune zeigt ebenso eine eigenthümliche (schönere) Mischung des gothischen und Renaissancestils (am Fenster r. trägt er die Jahreszahl 1522). — Vor der Can- celleria erhebt sich eine von den jetzigen Solmonesen ihrem Mitbürger Ovid errichtete wunderliche Statue. — Die Wasserleitung, welche die Hauptstrasse von der Piazza trennt, stammt schon von 1258. Nahebei das schöne Portal von S. Francesco. — An den Häusern hier und da gothische Ornamentfragmente; am Palazzo Tabassi die Inschrift: Maestro Petri da Como fece questa porta } 1448. — Berühmt sind die Konfitüren und der gekochte Wein von Solmona. Die ganze Umgegend von Solmona entfaltet die volle Naturherrlichkeit der Abruzzenim Reich- thum des Bodens und in der Schönheit der umragenden Gebirge. Ganz nahe bei Solmona erhebt sich steil abgebrochen der hohe, wilde Monte Morrone, wo der unglückliche Papst Cölestin V . als Einsiedler Petrus viele Jahre zugebracht hatte; er war der (jüngste) elfte Sohn eines Landbauers zu Molise in den Abruzzen und hatte auf dein einsamen, unwegsamen Gebirge ein Kloster und einen schwärmerischen Orden gegründet, der später von ihm den Namen der Cölestiner erhielt; er lebte hier in entzückte Bussübungen versenkt, | als in seinem 80. Jahr die Päpstwalil auf ihn fiel; der Papsteremit, von zahllosem Geleit auf dem Berg eingeholt, ritt in seiner ärmlichen Kutte auf einem Esel, den zwei Könige am Zügel führten, zur Krönung nach Aquila. 21/2 St. westl. von Solmona bildet bei Anversa der Sagittario herrliche Wasserfälle und noch schönere die in denselben einmündende Foce d’Anversa, besonders am Ponte d’Inferno. Von Solmona aus wird jetzt auch der Monte Aimiro (S. 621) über Pacentro und Campo di Giove (wo man übernachten kann) bestiegen. Die Strecke von Solmona bis zum Gipfel beträgt 9 St. Man kann mit einem kräftigen Thier bis hinauf reiten. Weiterreise. Von Solmona führt die Poststrasse zuerst in der Ebene nach (1 St.) Pettorano (mit Spuren antiker Trümmer). Herrlicher ^Rückblick auf die 4 St. lange reiche Ebene und die lange Reihe derSclineeberge, über welche der Gran Sasso d’Italia aufragt; unten strömt zur Seite der Oizzio. Dann steigt die Strasse 4 V 2 St. lang und zieht zunächst durch einen s !i St. langen wilden Engpassnacli Valloscura, in öderSchluclit, dann steil hinan durch die düstere Felsgegend , unter sich wunderliche Formen gebrochener Blöcke. Nach Z U St. erreicht man die Höhe des Passes, das Piano di Cinquemiglia, im Winter oft wegen der Schneestürme eine gefährliche Strecke, auch im Sommer rauh und unwirtlich 083 19. Von Pescara durch die Abruzzen (Solmona) nach Neapel, 684 über die 1290 m. hohe Fünf- Miglien- Ebene ragen höhere Gebirge empor. Wie in den Alpenpässen deuten Pfosten die Pfade bei Verschneiung an. Im Frühling und Herbst wird die Ebene für die Schafe des Tavoliere dellaPuglia (S.628) benutzt. Dann beim südlichen Ausgang Prachtblick auf (r.) das malerisch hoch gelegene Roccoraso und nach V 2 St. in rasch abfallender Niedersteigung in das Thal des Sangro (Sagrus), der am Monte Turchio bei Gioja entspringt und zwischen hohen senkrechten Felsen durch eine lange Schlucht in 2 St. nach Castel di Sangro zieht, vor welchem die Strasse über den Fluss setzt. (40 Kil.) Castel di Sangro (Albergo del Gommer do), mit 5239 Einw., am Eingang des 2 St. langen Flussthals an einen steilen Hügel gelehnt, mit noch mittelalterlichen Mauern, Thürmen und Häusern, in denen hier und da antike Grabsteine, Säulen und Ornamente eingebaut sind. Die alte Burg der Marsengrafen ragt über dem Ort auf. Diligence tagl. nach (56 lvil.) Lanciano (S. 623). Die Strasse zieht steil den Berg hinan, führt durch die ärmliche Ortschaft Rio- nero, dann hinab nach Piano di Foroli und in das Thal der Vandra, die dem Volturno zufliesst, wieder hinan über: den Macerone } mit überraschendem Rückblick auf das Thal, Yorblick auf die Schneegipfel des Matese, Niederschau auf das Thal des Volturno, in 6 St. nach (75 Kil.) Iseruia (Albergo Pctto- rossi), mit 9000 Einw., überaus pittoresk auf einem Hügel zwischen der Valle Caprina und delle Precie gelegen, aus denen die Gewässer unter der Stadt zusammenströmen und den Fiume Cavaliere bilden. Von der antiken samnitischen Stadt Aesernia, die im Bundesgenossen- krieg zerstört wurde, von Augustus aber eine Niederlassung von Veteranen erhielt, stehen noch als Grundlage der neuen Stadtmauer fast in ihrem ganzenllmkreis Blöcke der ältesten (kyklopischen) Umfriedung; an den Mauern der Ilaupthii-che und einiger Häuser sieht man hier und da antike Baustücke mit Inschriften eingelassen; auch die durch den Kalkfelsen getriebene Wasserleitung (1627 m. lang, 2 m. hoch und 1 m. breit) mit sechs Reinigungsschachten stammt aus antiker Zeit. Mühlen und Tuchfabriken geben der Stadt ein regeres Gewerkleben. Erdbeben haben dieselbe mehrmals fast zerstört (847, 1349, 1805). — Isernia ist die Geburtsstadt des Papstes Cölestin V. Ausflüge. Zwei antike Städte liovia- num, von denen noch interessante Reste vorhanden sind, liegen je 5 St. von Isernia entfernt: 1) Nordöstl. ßoviaimm vetus, bei Pie- trabbondante (zu dem in den letzten 2 St. nur ein Saumweg führt), noch mit Resten von Tempeln und Theater. 2) Stidöstl. Röjano (nach Plinius 3, 12 Bovianum l'ndecwmanorum ), Hauptstadt der Pentri in Samnium, dicht an der Nordseite des 1300 m. hohen Matese, wo bei dem Dorf Civitä auf einem hohen Felsen über der Stadt noch die antiken, mächtigen Kyklopen- mauern der alten Arx zu sehen sind. Post von Isernia über Ttojano tägl. nach (45 Kil.) Campohasso (S. 624). Die Strasse wendet sich nun in raschem Niedergang südwestl. dem Thal des Volturno zu, der seine Quellen über Isernia bei Bali S. Vincenza hat. Am rechtenUfer auf einem Hügel Montaquila, dann mit köstlichem malerischen Vorblick auf die Eichenhügel und die reichbelaubte Umgebung nach (100 Kil.) Venafro (Locanda Mac- cari), mit 4400 Einw., dem antiken Vena- frum, einer uralten samnitischen Stadt, deren Umgebung das beste Oel in ganz Italien lieferte und noch jetzt durch prächtige alte Oe'lbäume sich auszeichnet, in überaus fruchtbarer, aber ungesunder Thalerweiterung amFuss der Costarossa, überragt von dem Baronialschloss der Caracciolo. Vor dem. durch manche stattliche Häuser und Kirchen sich her- vorthuemlen Städtchen Reste eines Amphitheaters und eines Aquädukts. Auch einige Fragmente der Kyklopenmauern haben sieh erhalten. In mehreren Pri- vathäusern antike Inschriften (auch in den Oelgärten). Die Strasse führt in der Nähe des Volturno am königlichen Jagdpark vorüber und, am rechten Ufer des Flusses entlang, an r. Presenaano vorbei, einem 685 20. Ton Rom über Avezzano nacli Neapel. 686 malerischen, aber von der Malaria heim- gesuchten Flecken, mit Burg auf dem Gipfel, nach (125 Kil.) Cajauiello (S. 29), Stat. der Bahn Rom— Neapel, und auf dieser nach Neapel (R. l). 20. Von Rom über Tivoli und Avezzano (am Fuciner See) durch das Liristhal nach Neapel. Wagen von Monte Citorio in liom tägl. in 4 St. (3 2 fa Fr.) nach (30. Kil.) Tivoli» — Die Strecke von Tivoli über Arsoli und die Bergstrasse nach. (55 Kil.) Tagliacozzo legt man am besten zu Pferde zurück. — Von Tagliacozzo gute Fahrstrasse nach (20 Kil.) Avezzano. — Von Avezzano tägl. Post in 8 St. (9% Fr.) nach (7o Kil.) Stat. ßoecasecca an der Bahn Rom—Neapel. — 127 Kil. Eisenbahn von Koccasecca 4mal tägl. in 31 / 2 —5 St. nach Neapel. Eilzug: I. 14 Fr. 60 C., II. 10 Fr. 25 C. Gewöhnlicher Zug: I. 13 Fr. 85 C., II. 9 Fr. 50 C., III. 6 Fr. 60 C. Ausführlicheres über die Tour von Rom bis Arsoli und die Beschreibung von Tivoli siehe in des Verfassers »Rom und Mittel-Italien«, Bd. I. Die Strasse, welche Rom durch die Porta S. Lorcnzo verlässt, führt am schwefligen Lago de ’ Tartari und den grossen Travertinbrüchen, die zum Bau des Kolosseums und der Peterskirclie das Material lieferten, vorbei über die malerische alte Lucano-Brücke, jenseit welcher das gewaltige antike Rundgrab der Familie Plautia steht (die Villa Hadriana r. lassend), nach (30 Kil.) Tivoli ( Albergo Hella Si- lilla; Rom, Bd. I, S. 454). Von hier führt aus dem 8. Angelothor die antike Via Valeria Jangs des rechten Ufers des Anio an den Aquäduktbögen der Claudia vorbei nach Vicovaro (Rom, Bd. I, S. 464), das an der Stelle der Burg des antiken Varia steht, dann an S. Bocco vorüber zur Osteria della Fervata an der Acqua ferrata (50 Kil. von Rom), wo die antike Station Ad Laminas war; hier trennt sich die Fortsetzung der antiken Via Valeria von der nach Subiaco r. abzweigenden Ilauptstrasse; nach 3 /4 St. (60 Kil.) Arsoli, bei der ehemaligen neapolitanischen Grenze auf einem an- muthigen Vorhügel des Monte S. Elia, am rechten Ufer eines Flusses, der wegen der Kühle seines Wassers den Namen Rio- freddo erhielt. Auf dem Weg nach dem Ort überschreitet man eine schöne antike Brücke (wahrscheinlich aus Nerva’s Zeit) und kommt an schönen Eichen und ander (r.) Kirche S. Maria delV acgua. Mar eia vorbei (die Quellen dieses kühlsten und besten Wassers von Rom, deren Leitung erst in den letzten Jahren wieder her- gestellt wurde, befinden sich hier). Am Nordende des oblongen, von W. nach O. gerichteten Kastells, dessen Piazza am äussersten Ostende liegt und mit einem schönen Brunnen und einer antiken Meilensäule der Via Valeria aus der Zeit Nerva’s geschmückt ist, liegt die anmu- thig frische Villa Massimi. Weiter in der Richtung der antiken Via Valeria gelangt man in IV 2 St. nach (67 Kil.) Carsoli, mit 5500 Einw., das von einer malerischen, mit Epbeu umrankten Burg überragt ist; an der Piazza ein hübsches altes Stadthaus; an der Kirche auf den Architraven der zwei Seitenthüren interessante Skulpturen des 13. Jahrh. — Die Spuren des antiken Car- seoli der Aequer findet man 3 Kil. thal- abwärts jenseit des Turano in der Waldung von Sesara. Die raube Gegend verwehrte schon bei den Alten nicht den (guten) Getreidebau, wohl aber die Oel- pflanzungen. — Nun dem Bergbach Mola entlang zur nordwestlichen Höhe des Bergpasses. Oben bei ( 2 V 2 St.) (80 Kil.) Bocca di Cervo köstliche Thalsicht; der beschneit eVelino (2500m. ü.M.) mit seinem Gefolge liegt vor; eine grüne Ebene mit sanften Vorhergen zieht sich um seinen Fuss bis an den Fuciner See, von dem man einen kleinen Theil zwischen zwei Bergen hindurch sieht. Nach kurzem Absteigen gelangt man in ein Wiesenthal, wo der Salto entspringt; 687 688 20. Ton Rom über Avezzano nach Neapel. das köstliche Thal ist ganz von Bergen umringt und nur durch eine enge Felsschlucht geht der Fluss, meist verdeckt, nach Tagliaeozzo hinab. — Auf dem Felsen daneben steht in Trümmern di eJBurg der alten Grafen von Tagliaeozzo, eine weite Ringmauer, oben durch eine viereckige Veste mit starken Thoren und Thürmen geschlossen. — Nach 3 /4 St. (85 Kil.) Tagliaeozzo, mit 7400 Einw., blühendes Städtchen am obern Ende der Campi Palentini, mit zwei gothisehen Kirchen aus dem 13. Jahrh. Da, wo der Imele aus tiefer, schroffer Schlucht hervorbricht, ist der Ort, von dem aus der unglückliche Konradin (der letzte Spross des grossen deutschen Kaisexge- schlechts der Hohenstaufen) am 23. Aug. 1268 den aus Aquila nach Scurcola gekommenen Karl von Anjou angriff. Bei Rio- freddo überstieg das I-Ieer Konradins das rauhe Gebirgsland, drang ungehindert durch die Distrikte von Carsoli in die Abruzzen und stieg in das Thal des Salto nieder. Hier stellt sich dem Blick das grossartige Theater des Marsenlands dar, mit himmelhohen., von Schnee bedeckten Bergen, zu deren Füssen der tiefblaue See von Fucino prachtvoll hervorglänzt; ringsum stehen die Mar- senstadte Avezzano, Tagliaeozzo, Celano, Antino und Alba. — Als Konradin gegen Tagliaeozzo rückte, fand er zu seinem Erstaunen, dass der Feind bereits den Fuciner See erreicht hatte und sich der Stadt Alba näherte; der Salto trennte die feindlichen Lager; das Heer Konradins bildete zwei Schlachthaufen, den ersten unter dem Infanten, dem Grafen Galvan und Gerard Donoratico von Pisa, den zweiten meist deutsche Ritterschaft, unter dem Befehl der beiden Jünglinge Konradin und Friedrich. Am Morgen cles 23. Aug. setzte zuerst Heinrich von Kastilien über den Fluss, umging die Proventjalen an der Brücke und eröffnete mit Ungestüm den Kampf. Als die Scharen Konradins über den Salto vordrangen und sich mit feuriger Wuth auf die Feinde stürzten, warf ihr unwiderstehlicher Stoss die feindliche Schlachtordnung nieder; die erste Linie der Proven£alen wurde zermalmt, die zweite der französischen Ritterschaft zerbrochen. Als der 1Marschall von Cousance. welcher Karls von Anjou Rüstung trug, mit dem Schlachtenbanner vom Rosse sank und augenblicklich in Stücke gehauen ward, verkündete ein donnerndes Siegesgeschrei deu Tod des Usurpators. Die französischen Scharen stürzten in wilder Flucht davon, und hinter ihnen verfolgend Heinrich von Kastilien, der Held des Tags. Deutsche und Toskaner warfen sich plündernd auf (las feindliche Lager und alle Ordnung löste sich im Schlachtfeld auf, dessen Palme der siegestrunkene Konradin in seinen Händen hielt. Karl befand sich in einem Versteck auf einem Hügel, von wo er auf die Flucht seines Heers herab- sali; der Verlust der Schlacht war unfehlbar der Zusammensturz seines Throns. Plötzlich brach seine Schar aus dem Hinterhalt hervor; 800 Ritter stürzten mit eingelegten Lanzen auf das Schlachtfeld, und diese frische Schar genügte, die aufgelösten, mit der Plünderung beschäftigten Truppen Konradins zu zerstreuen, zu vernichten, in jähe Flucht zu treiben, während sich die zersprengten Franzosen um jenen Kern wieder sammelten. Die Flucht war allgemein, die Niederlage schrecklich. Als die Nacht auf das Feld von Tagliaeozzo gesunken war, sass der finstere Karl wieder in in seinem Zelt und diktirte an den Papst den Siegesbericht. Konradin floh vom Schlachtfeld mit 500 Reitern, mit ihm sein Gefährte Friedrich von Baden, der Graf Gerhard von. Pisa, Galvan Lancia und dessen Sohn sowie andere Edle. Er wandte sich zuerst nach Castel Vecchio bei Tagliaeozzo, wo er eine Weile rastete, dann floh er auf der Via Valeria weiter nach Vicovaro. ( Gregorovias.) In seltsamen Gegensatz tritt die Pracht der Umgebung von Tagliaeozzo zu dieser dunkeln Tragödie, besonders wenn man auf der Höhe des überragenden Bergs vom *allen Schloss herab die weite üppige, von grossartigprofilirten Bergen umzogene Ebene überschaut und überall die Reize des behäbigen, quellenden Lebens vor sich sieht. Die Strasse führt durch die Ebene der Campi Palentini, welche hier die niedrige Wasserscheide des Tiber und des Garigliano bildet, längs der Richtung der antiken Via Valeria (mit seitlichen Spuren von antiken Gräbern) nach (95Kih) Scurcola, mit 3500 Einw., an dem untern Hang eines Hügels, wo der bebaute breite Bergrücken, welcher die grosseEbene in zweiThäler theilt, endigt, mit einem von den Orsini 1269 erbauten Kastell; starke Äniskultur. Inder Kirche S. Maria befindet sich das bemalte Holzbild der Madonna, das Karl von Anjou in Frankreich hatte fertigen lassen und das 1525 unter den Ruinen der Abtei aufgefunden wurde. 20 Min. von der Stadt, unweit des Te* Ione, erhebt sich auf dem nach Tagliaeozzo benannten Schlachtfeld die Ruine des Klosters S. Maria della Yittoria, das Karl von Anjou 1277 zum Andenken an seinen Sieg erbauen liess, wie Villani sagt: »per l’anime della sua gento morta«, wozu Vasari beifügt, dass Kicola Pisano dies Werk zur grössten Zufriedenheit des Königs vollendet habe, und dass Karl daselbst (»in essa«) die unglaubliche Zahl von Todten habe begraben lassen, welche an jenem Tage gefallen 689 20. Avezzano — Fncinev See. 690 waren. — Das Kloster verfiel schon fiüh durch »zornige« Erdbeben und Kriege. Urkunden im neapolitanischen Archiv haben dargethan, dass nicht Nicola Pisano, sondern der Franzose Heinrich von Assone aus Poitou der Meister des Werks war. (105K.il.) AvezZäUO (Locanda d’lta- lia), mit 5000 Einw., ein wohlhabender freundlicher Ort mit meist neueren Häusern und einigem Handelsverkehr; im Palazzo Tribunale in der Umgegend gefundene antike Inschriften, ebenso im pittoresken Baronialsehloss der Barberini, das Yirgilio Orsini 1499 erbauen liess. Ausflüge von Avezzano aus: 1) 5 Kil. gegen Scnrcola hin der einzeln liegende Felsen Alba mit dem Dorf Alba Fucesc (ca. 150 Einw.), einst als Alba Fucentia oder il larsornm Stadt der alten Marser, dann als römische Militärkolonie sanimt Carseoli am Eingang in das Gebirgsland der Marsen durch lieerstrassen und Besatzungen wie zwei mächtige Riegel zwischen Sanmium und Etrurien eingeschoben, später Staatsgefängnis (z. B. Fer*etis von Makedonien und Syphax sassen hier). Der Berg, welcher das Mittelglied zwischen der Bergreihe des Yelino und der an den Garigliano hinab- ziehenden ist, hat eine treffliche Lage zu einer Landesfestung; noch jetzt sieht man in ausgezeichneter Erhaltung die frühesten altitalischen (sogen, kyklopischen) Mauern, aus gx’ossen ungleichen, meist ungeheuren, vieleckigen Steinblöcken, die ohne Mörtel genau ineinander gefugt sind. In mehreren Reihen übereinander ziehen sie sich um den Berg, die oberste mit mehreren vorgebauten Pfeilern und einem Thor, unter dem man noch das alte vieleckige fctrassenpfiastcr sieht. Manches von hier ward zur neuen Stadt verbaut, die als eine grosse Ruine ganz oben sich enger zusammeugezogen hat. Auf dem Vorplatz vor der Kirche hat man den eigentliiimlielien Uebcrhlick über die uralten Mauern, die jetzigen in die Trümmer gebauten Wohnungen, dazwischen antike Säulenstücke aus römischer Zeit und aus dem Mittelalter. — I>io liauptkirche S. Jielro ist eine Erweiterung eines antiken Tempel s-, der aus einer rechteckigen Cella mit einer Vorhalle von vier Säulen bestand; die beiden äusseren Säulen sind noch thcil- weise innerhalb der verlängerten Mauern erhalten; die Porticus ist im 15. Jahrln, die Fa2 Kil. Davon 80 Kil. auf der Eisenbahn Napoli-Salerno-Koma- gnano bis Moli (_I. ü Fr. 35 C., II. 6 Fr. 5 C., III. 3 Fr. 65 C-); Sinai täglich, in itya St. — Von Moli aus (obwohl die Dahn noch 35) Kil. weiter bis nach Komagnano geht) geht gegenwärtig täglich) die Corriera um 11 Uhr Moi'g. nach (55 Kil.) Maro Lucano, in 8 St. I. 10 Fr.. II. 8 V 2 Fr. — Vetturin von Muro nach (37Kil.) Melfi in5St., ca. 20—25Fr., ein Posto ca. 5 Fr. — Diligence von Melfi nach (20 Kil.) Candela (Endstation der Bahn Foggia-Candela) tägl. in 3 St. für 3 Fr. Wer im Innern Ausflüge machen will, wird bei der Erbärmlichkeit und dem Raummangel der Wirtshäuser gut daran tliun, sich Empfehlungen an Privatpersonen zu verschaffen. Konsulate und Hotels besorgen dieselben. Eisenbahn vo n Neapel bis (80 Kil.) Eboli, s.li. 8, 14, 15. — In Eboli besteigt man die Corriera. Die Strasse folgt zuerst der Richtung nach Potenza und zweigt dann nach V* St. 1. ab. — Nach 1V* St., 1. durch eine Strasse (5 Kil.) verbunden, Campagna, Ilauptort des Distrikts, mit 9800 Einw, — Nun in Ende des Buches. mannigfachen Steigungen und Senkungen, die bis Melfi sich fortsetzen, nach (21 Kil.) Oliveto, mit 1000 Einw., 1. malerisch auf der Höhe gelegen, mit stattlichem Baronialschloss. — Dann hinab in das Thal des Sele (Silarus), der beim Dorf Caposele entspringt, am Abhang des Paflagone (im frühem Principato citeriore) und in antiker Zeit die Nordgrenze Lukaniens (der jetzigen Basilicata) gegen Kampanien bildete; er zieht in der ungesunden Ebene von Pästum dem Meer zu (S. 604). Auf steinerner Brücke über den Fluss. — R. Polo auf jähem Kegel. — Eine lange Steigung hinan nach (IV2 St.) Valva, mit 2000 Einw., in reizender Lage über dem Sele. — Calabritto gegenüber verlässt die Strasse das Sele- thal und zieht sich r. durch eine reich bepflanzte Gegend, mit Waldung und Reben, nach (2^4 St.) Laviano, mit 2500 Einw. (leidliches Wirtshaus), in hübscher Hügellage, mit altem Baronialschloss. 699 21. Von Neapel nach Melfi und zum Monte Vulture. 700 Jenseit Laviano tritt man in die Basilicata, eine landschaftlich sehr schöne, durch naturwüchsige Pracht sich auszeichnende Gegend, die aber wegen ihres bergigen Terrains noch keine guten Landstrassen hat und nur ausnahmsweise von Touristen besucht wird. Die Zahl der Einwohner dieses Gebirgs- lands beträgt ca. Million; sie haben sich einen eigenthmnlichen Typus bewahrt, sind meist gross und schon gebaut und gelten als sehr thätig, intelligent und massig; doch hat der Mangel an industrieller Thätigkeit dem Wohlstand und der Geselligkeit Eintrag gethan , und ihre Familienfeindschaften tragen noch das mittelalterliche Gepräge. Zerstörende Erdbeben (noch 1851 und 1&57) haben die Dürftigkeit erhöht und die ergiebige Jagd, die leidenschaftlich geübt wird, den Jäger zu Zeiten in den Briganten umgewandelt. Der Boden, ein zäher Thon, verspricht bei gehobener Kultur einen weit reichern Ertrag, und das Land, das schon einige tretfliclie Weinsorten liefert {Melfi, Montal- bano, Maratea u. a.) und vorzügliches Obst (Pfirsiche von Montalbano, Feigen von Turfi, Orangen und Limonen von Rocca Imperiale) sowie vortrefflichen Käse und Honig, und rege Viehzucht treibt, wird durch die zu eröffnenden Eisenbahnen (über Potenza nach Tarent und über Melfi nach Candela) bald einer reichern Zukunft entgegengehen. Die vielen Berge sind Verzweigungen der Apenninen, deren Hauptzug sich hier dem S. zuwendet, wobei ein Ami bei Venosa sich gegen Bari hin abzweigt; von beiden Zügen scheiden sich wieder besondere Aeste ab, die das Innere des Landes erfüllen; die Mehrzahl der Gebirge ist bewaldet (Eichen-, Buchen-, Eschen-, Ahorn- und an drei Orten Tannenwälder). — Ganz getrennt von den Apenninen steigt mitten aus den Kalk- und Mergelschichten der Ebene der Monte Vulture in einem Umfang von 60 Ivil. empor, ein grosser erloschener Vulkan an dem südlichen Rande der apuli- schen Ebene. (55 Kil.) Muro, mit 8000 Einw. (leidliches Wirtshaus), eine Bischofstadt in einem düstern Engthal (wahrscheinlich das antike Numistro ), mit altem Kastell, in welchem Karl III. nach seinem triumphirenden Einzug in Neapel (S. 107) die Königin Johanna II. fest- halten und am 22. Mai 1382 von ungarischen Soldknechten mit einem Federkissen ersticken liess. — Die Kathedrale ist als Suffragane dem Erzbischof von I Conza unterworfen. | Von der alten Kirche haben sich nur wenige Ueberbleibsel erhalten, z. B. ein Bild der Madonna, welche dem S. Dominicus den Rosenkranz darbietet; darunter Königin Johanna I. knieend und der Gegenpapst Clemens VII.; weiter unten Otto von Braunschweig, Jolianna’s vierter Gemahl, und Bischof Anton von Muro. In wilder Gebirgsgegend nahe hei Muro eine Brücke aus dem Jahr 1100. Jenseit Muro wieder starke Steigung; r. Bella, mit 5400 Einw. (im Gebiet von Bella war das Erdbeben von 1857 so heftig, dass mehrere Hügel geebnet und an manchen Orten förmliche Thäler gebildet wurden) ; — dann auf den Gehängen, nördl. an der Strasse S. Bele, mit 10,500 Einw., in dessen Nähe die Wasserscheide zwischen dem Adriatischen und Tyrrhenischen Meer sich hinzieht. — Durch ein dürres Engthal und die Zuflüsse vom Ofanto (Aufklus, S. 635) überschreitend nach (75 Kil.) Atella, mit 2400 Einw., durch Erdbeben und schlechte Luft heruntergekommen. Hinter Atella zweigt r. die Strasse nach Avigliano (S. 702) und Potenza (S. 708) ab. Seitentour. (8 Kil) südöstl. liegt jenseit Iscahtnga auf der Höhe das Pastello di Pe- sole, einst ein berühmtes Schloss Kaiser Friedrichs II., das er als grosser Jagdliebhaber in dieser früher sehr waldreichen Gegend erbaute. Die Bauart gleicht der von Castel di Monte bei Andria (S. 638), aber nur noch wenige Fensterornamente, Thürbögen und Gesimse zeugen von jener Zeit; besonders der sogen. Kirchthurm enthält noch alte Theile, und an einem oben mit einem Spitzgiebel abschliessenden Portalbau befindet sich eine spitzbogige Pforte; Pfosten und Bögen werden von Zickzacklinien in dreifacher Stabprofilirung begleitet. — Das kaiserliche Jagdrevier reichte von Monte Carmine d 1 Avigliano, Monte Caruso und Monte Pierno bis nach dem Agromonte. Jetzt gehört das Kastei dem Fürsten Doria Pamfile. 2 Kil. weiter liegt der Lago (li Pesole, dessen Nordseite mit urwaldartigen, von Schlingpflanzen umrankten Bäumen umgeben ist; der See, aus welchem der Brandano, einer der grössten Flüsse der Basilicata, entspringt, ist reich an Aalen und Schleilien (Tinche) und hatte einst berühmte waldbepflanzte schwimmende Inseln, die später grösstentheils feste Wurzeln schhigen. Noch sieht man einzelne unbewaldete Flächen hin- und herschwimmen. Nun bietet die Strasse einen schönen Vorblick auf den Monte Vulture, längs dessen Ostgehänge sie läuft. (81 Kil.) Bionero, mit ll,500Einw., hart am Fuss des Vulture und daher 701 21. Barile — Melfi — Monte Vulture. 702 zu Ausflügen geeignet; die Stadt hat durch das Erdbeben von 1851 schwer gelitten, ist aber die reinlichste und bestgebauteste der Basilicata. (85 Kil.) Barile, mit 3800 Einw., in sehr pittoresker Lage zwischen zwei Bergströmen eingeengt, auf einem jäh ins Thal abfallenden Hügel, von dem man auf den Monte Yulture und die apu- lisclie Ebene eineprächtige Sicht geniesst. Die Albanesen, die noch jetzt ihre eigen- thihnliclie Kleidung und Sitten bewahrt haben, erbauten die Stadt, »ein unordentliches Gemisch schwarzer Bauten der abenteuerlichsten Konstruktion^. Das Erdbeben von 1851 hat auch hier übel gehaust. Von Barile führt eine Strasse in 2 St* direkt nach (10 Kil.) Venosa (S. 704). (87 Kil.) Bapolla, mit 3500 Einw., in überraschend romantischer Gegend, von den reichsten Fruchtgärten umgeben, die sich am Gebirge hinanziehen. Die mittelalteidiche, kastellartig zusammengedrängte braune Stadt hatte eine schöne Kathedrale aus dem 13. Jalirli., die das Erdbeben von 1694 zerstörte, so dass nur noch das Hauptportal der Fa$ade unversehrt blieb, über welchem eine Inschrift den Bischof Johannes und den Kleriker Melchior als Erbauer (1253) nennt. — Auch das Baronial- schloss stürzte zusammen. Mit beständigem Blick auf den majestätischen zerklüfteten Monte Vulture führt die Strasse, um unzählige Lava- Schluchten sich windend, an einer Reihe von lustigen weissen Winzerhäusphen vorbei, die aus dem Grün der Reben und Kastanien hervorblicken, dann durch eine in Tuff geschnittene Schlucht nach (92 Kil.) Melfi (Albergo Basil, beim Vescovado, vortrefflicher Wein; Sole) } mit 11,6C0 Einw. Die zur Warte besonders geeignete Lage auf einem vom Vulture getrennten Lavakegel (dessen Felsmasse sehr reich an Hauyn ist), mit weitem Blick auf die apulische Ebene, gab der Stadt in der Geschichte Unteritaliens eine nichtunhedeutendeStellung. Als die Normannen ihre ersten Eroberungen 1040 unter sich vertheilten, wurde Melfi zum gemeinsamen Hauptort erklärt. Papst Niholaiis II. belehnte auf dem hier 1059 abgehaltenen Koncil Itobert Guiscard mit dem Titel eines Herzogs von Apulien und Kalabrien. Schon 1037 wurde das Bisthum gegründet. Urban II. hielt 1089 hier ein Koncil; Friedrich II., der oft hier weilte, wollte Melfi einst zur Hauptstadt des Reichs erheben. Das Erdbeben von 1851 (14. Aug.) stürzte die alte interessante Kathedrale nebst anderen Kirchen und grossen Gebäuden in einen Schutthaufen zusammen; die Oberstadt lag in Trümmern, und gegenwärtig sieht man fast lauter Neubauten; nur Mauern und Thore widerstanden. — Das Schloss , von Robert Guiscard erbaut, einst im Besitz der Caracciolo, die von Melfi den Herzogstitel trugen, schenkte Karl V. an Andreas Doria mit dem Fürstentitel, und die Doria besitzen es noch jetzt. — Der Wein, besonders der Moscato, der Käse und das Rindfleisch sowie das Oel von Melfi sind ausgezeichnet, die herrliche Lage am Monte Vulture aber sein köstlichster Vorzug. Diligence: Von Melfi nach (46 Kil.) Potenza tägl. in 9 St. (7 Fr.) über llionero, Atella, Iscalunga, beim Schloss von Pesole (S. 70ü) vorbei, über den Pass des Monte del Curmine (bei der Madonnakapelle prächtige ♦Aussicht auf Tarent) hinab nach (32 Kil.) Avigliano (mit 16,000 Einw.), das von Tannenwäldern umgeben auf einem Bergrücken liegt (die Männer tragen hier blaue Kleider und spitze braune Hüte, die Frauen dunkle Röcke und kolossale Ohrringe, Cir- cielli). — Dann über einen ziemlich hoben tannenbesetzten Bergrücken bergauf und bergab (Aussicht auf Ruoti, den lluotiwald, den Bradanofluss und die umliegenden Ortschaften) in das Thal, in welchem (46 Kil.) Potenza (S. 708) thront. Man kann also die Route nach .Melfi und nach Potenza passend miteinander verbinden. Ausflüge von Melfi: 1) Die Besteigung des Monte Yul- ture kann bequem zu Pferd gemacht werden. Gleich hinter Melfi geht es bergan, zuerst in wildzerrissenen Lavaschluchten, dann durchwein- und Feigengärten; höher hinan durch prächtige Kastanienwälder; dann (H/ a 8t.) in vielen Windungen aus den Kastanien in die Tiefe bis zu denkleinen grünen 8een von Monticchio. Das ganze tiefe Becken umher zeigt überall den üppigsten Kasta- nienwuehs und über denselben ragen die Felsenstädte Monteverde, Galitri und Carbonara hervor. Arrf jähem Felsen hoch über dem See steht, ein überaus romantisches Bild darbietend, das Kloster 8. Michele. In D/ß St. erreicht man den Gipfel des Monte Vulture, ü Püzuto di Melfi (1247 m. ü. M.), von wo eins der herrlichsten Panoramen sich entfaltet, weithin über die Ebene Apuliens , auf das Adriatisclie Meer und das malerisch geformte Apenningebirge, wie | es sich von den höchsten Centralpunkten 703 704 21. Von Neapel nacli Melfi, und Monte Vulture. an den Quellen des Ofanto und des Selo zu den sanftesten Ausläufern heruntersenkt. Felsenstädte wechseln mit Wein- und Oliven- gärten. »Rings umstarrt von Zinken und Zacken, von Schrunden und Schlünden, schweift das Auge über die dichten Kastanienwälder und die Seen hinaus, die sie umschatten, über die Hügel hinunter, die bald grösser, bald kleiner wie zu ihrem Herrscher emporblicken, und findet endlich in der schönen, vom Ofanto und von kleinen Bächen durch- rauschten, mit vielen Städten und Orten gezierten Ebene seinen Ruhepunkt.« (Schnars.) S iidwc st lieh von der Höhe steigt man in einer elliptischen Mulde auf reizendem Pfad in das Becken hinab, das die zwei Seen von Monticchio in überaus romantischer Umgebung cinsehliesst. Beide Seen sind Krater eines erloschenen Vulkans, wie noch jetzt die vom Kulturland entferntere zerklüftete Umwallung darlegt. Der grössere, von Gebüsch und Laubholz umkränzte See, von 5 ICil. Umfang, ist sehr fischreich (Aale, dunkle Schleihen, Sardinen, Cyprinus Vulturi), doch schmälern Sehwefel- ausditnstuugen, Gasentwickelungen undErd- beben den Reichthum. Ein traehytisclier Dauun, auf dessen erhabenstem Punkte die Trümmer eines alten Klosters, S. Isidor, von Epheu umzogen stehen, verbindet den grossem mit dem kleinern See, der nur 7 Kil. Umfang und eine Tiefe von 43 m. hat. Er liegt 555 m. ü. M. und ist wegen des geringen Zuflusses von frischem Quellwasser weniger reich an Fischen. Im nahen Kloster S. Michele findet man Aufnahme und etwas Speise und Trank. Es liegt an einer der kahlsten und schroffsten Wände des Kraterrands, 300 m. unter dem höchsten Gipfel; in der Kirche ist eine Quelle schwefelhaltigen Wassers. Der grössere See, nur 24. m. tief, empfängt die zufliessenden Gewässer des kleinern durch einen Kanal, und sein Abfluss gegen (SW. windet sich durch dichte Kasta- nienwaldung bis zum Ofanto hin, unweit der Brücke Pietra äelVOglio; zwischen diesem Abfluss des Sees und der Fiumara d’Atella liegen die Ruinen des Kastells von Monticckio auf felsiger Höhe, von Kastanien umkränzt. — Bei dem Gastngno bmciato, dem kolossalsten , aber verdorrten Baum, stehen die Trümmer des durch Erdbeben zerstörten Klosters S. Ippolito; neben demselben ist eine Höhle, Grotta dell’ abate Ces are genannt, weil Cesare Eicciardi zuerst hier als Mönch lebte, dann später als gefürchteter Räuber- hauptmann. Jenseit des Piano della /Spina verbinden sieh die Wälder von Montiechio mit denen der Fossa Faraone und des Bergrückens von Molara; 4 Kil. von der Costa della Molara befindet sich die Quelle der hochgeschätzten Acqua santa, eines Eisensäuerlings, der in Wiesenumgebung bis zu der eisenhaltigen Acqua rossa sich hindehnt. — Die Höhe des Bergs besteht ganz aus vulkanischer Lava und Basalt, tiefer abwärts ist die Lavabildung zersetzter, mit Tuff und Agglomerat vermengt; um den Krater, in den die Felswand von drei Seiten jäh abfällt, erhebt sich ein Halbkreis von kegelförmigen Gipfeln (Pimta di Orlando, Ficozii, Neviere ); noch innerhalb der vulkanischen Bildung liegen die Städte Melfi, Eapolla, Partie, llionero, Atella, deren Häuser und Pflaster deshalb durchweg aus Lava bestehen. ( Venosa und Lavello dagegen liegen wieder im Kalkgebiet.) Vom Kloster S. Michele führt ein reizender Pfad am nördlichen Montecchio-See durch den Sattelpass zwischen dem Pizznto di Melfi und Pizznto di S. Michele (1238 m. ü. M.) nach llionero hinab. Den schönsten, imposantesten * Anblick des Vulturegebirges geniesst man von dem hoch über dem Unken Ufer gelegenen Städtchen Monte Verde; auch bildet der Berg in der apulisolien Ebene weithin den majestätischen Schluss des Panorama’«; für Ascoli, Foggia, Canosa , Barletta und Tran! gilt er als der Unheil verkündende Wetterprophet, da die Wolken, die aus südlicher Richtung um seinen Scheitel sich zusammenziehen, die sicheren Verkündiger eines Sciroccosturms und heftiger Regengüsse sind. In antiker Zeit bevölkerten seine Waldungen auch Bären, deren Horaz (Od. III, 4) in der malerisch naiven Schilderung seiner kindlichen Ausflüge auf den Vulture gedenkt, die er von seiner Vaterstadt Venosa aus unternahm. »Als nach der Heimat Schwelle Apuliens Auf Yülturs Höh’n ich irrte und niedersank, Von Spiel und Schlaf bezwungen, haben Tauben des Waldes bedeckt den Knaben Mit frischen Zweigen; allen ein Wunder schien’s, Die hoch das Felsenthal Acherontias (Ace- renza) Und Bantia’s (S. Maria di Banzi) Waldtrift bewohnen Und das gesegnete Thal Forentums (Fo- renza), Dass unverletzt von Bären und Natternbrut Ich schlummernd lag, dass ich in hüllendem Festlorbeer schlief und Myrtenreisig, Nicht ohne Gott, ein beherztes Knäblein.« 2) Nach (25 Kil.) Ycnosa führt über Ra* polla und Barile eine Landstrasse in 3 St., ein näherer Reitweg in 2 St. Die kleine Stadt (schlechtes Wirtshaus ), mit 7200 Einw. und alter Citadelle, in imgemein romantischer Gegend auf einem schmalen, von zwei Thalern eingefassten Bergrücken, ist das antike Venusia, an der Strasse von Bene- vent nach Tarent; ursprünglich eine Stadt der Hirpiner in Samnhnn, aber von den Römern schon 2!)1 v. Chr. kolonisirt; hier wurde Horaz 65 v. Chr. geboren, dessen. Vater, ein Freigelassener, am Ufer des Ofanto ein kleines Landgut hatte und die Stelle eines Einnehmers bekleidete, aber, obwohl (Satyre 1, 6) »arm beim magern Gütlein, nicht in des Flavius’ Schule (zu Venosa) den Knaben 705 706 22. Von Neapel durch die Basilicata nach Potenza. erziehen« liess, sondern selbst mit ihm nach Rom ging. Noch jetzt besitzen die Fundamente der Häuser, die Abtei ÄS'. Trinitä, in deren Nähe das Amphitheater lag, und die Casa Rapolla viele antike Inschriften und Bruchstücke. — Das alte Kastell errichtete 1470 der Herzog Pirro del Balzo, der durch seine Vermählung mit Maria Donata Orsini, Herzog Gabriels von Tarent Tochter, Venosa erhalten hatte. Von dem Westtlmrm prächtige ^Aussicht auf die Wälder des Vulture und die Gegend um de« Lago di Pesole. Bei diesem Bau wurde aus fortifikatorisclien Gründen die auf der Anhöhe liegende alte Kathedrale geopfert, und der Herzog liess die neue errichten, die wie der Thurm daneben grösstentheils aus Fragmenten antiker Bauwerke aufgeführt wurde. Das interessanteste Gebäude ist die Abtei SS. Ti'hiith. vor der Altstadt, ein Bau der normannischen Zeit (noch sind die Urkunden des Grafen Drogo und Robert Guiscards [von 106:5 und 1060] vorhanden). Laut einer Inschrift in der Kirche weihte Papst Nikolaus II, dieselbe 1150. Durch Bonifaz VIII. kam sie an die eben vertriebenen Jolianniterritter. Sie soll auf dem Grund eines Hymenäustempels erbaut sein; ursprünglich dreischiffig, sind jetzt die Seitenschiffe meist zu Kapellen eingerichtet; die Vf orte, welche von der Vorhalle in die Kirche führt, hat einen arabisirenden, sehr eigenthümlichen Charakter, während die spitzbogige Umrahmung des Bogenfelds mit dem Spitzbogenfries erst der Mitte des IS. Jalirh. angehört. — Im gegenwärtig restaurirten Innern (mit normannischen Kapitalen und moderner Holzdecke) an der Nordseite des Mittelschiffs das *Grabmonnment der Alberada, ersten Gemahlin Robert Guis- eards(verniälilt 1048, geschieden 1050), Mutter des grossen Boemmid (gest. 1128); über reich gegliederten Basen zwei Säulen, auf deren Architrav die Inschrift lautet: »GuUcardi conjnx Alberada hac conditur arca, Si geniium quaeres, hunc Canusinm habet«. Der Sarkophag in grösster Einfachheit. — Eine an die Wand gemalte Inschrift gedenkt auch der hier begrabenen Grafen Wilhelm Eisenarm (gost. 1046), Drogo (gest. 1051), Humfred (gest. 1057 ) und Robert Guiscards (gest. 17. Juli 1085 auf Korfu; die Leiche wurde hierher gebracht). Die grössere Kirche, die den Körper der ältern fortsetzt, erinnert in ihrer Anordnung- an nordfranzösische Bauten; das Material stammt auch liier offenbar vom Amphitheater. Die alten, von der Tünche befreiten Fresken gehören erst dem 14. Jalirh. an. — Im Hof viele jener antiken Inschriften und Bruchstücke. Am Weg 0/4 St.) zur Ftumara, »wo wasserverannt Daunus der ländlichen Völker Zügel geführt«, hat man den Zugang zu alten jüdischen Katakomben entdeckt mit Inschriften in hebräischer (24), griechischer und lateinischer Sprache; sie ■ sind in den weichen Kalkstein unter dem Piano della Maddalena eingetieft. 10 Kil. von Venosa, bei Palazzo, r. von der Strasse nach Spinazzola, entspringt die Fon- tana grande, die im 12. Jahrh. Fons Bandu- sinus hiess; dies soll die Quelle sein., nach welcher Iloraz die Quelle seines Sabinums (Rom, Bd. I, S. 466) benannte. Auf der waldigen Anhöhe oberhalb Venusia wurden im Haimibal’sehen Krieg 208 v. Ohr. die beiden römischen Konsuln bei einer Re- kognoscirung von karthagischen Reitern überfallen; Marcellus, der Eroberer von Syrakus, focht, bis er sterbend vom Pferd sank. 15 Kü. nördlich von Venosa, durch eine direkte Strasse verbunden, liegt über dem Rondinothal, das reich an Oliven, Reben und Mandeln ist (1. Ripacandida und Gi- ncstra, mit Albanesen), das Städtchen La- vello (früherer Grenzort der Basilicata) auf einem wenig belaubten, von Erdbeben zerklüfteten Hiigelriicken, mit schöner Aussicht auf den Vulture. Hier starb der Hohen- staufe Konrad IV., Sohn Kaiser Friedrichs II., im 26. Jahr an der Malaria (nach Nie. di Jansllla an Gift) plötzlich am 2Ü. Mai 1254. (Auch hier, wie zu Venosa, sind hebräische Inschriften aufgefunden worden.) Eine neuere Strasse führt südl. von Venosa nach (50 Kil.) Potenza (S. 708). Hauptroute. Von Melfi führt täglich eine Diligence in 3 St. (3 Fr.) zur ('20 Kil.) Stat. Candela ( S. 657), von da per Eisenbahn in 1*/4 St. nach Foggia (S. 626). Von Stat. Trani (S. 638), an der Balm Ancona-Brindisi, führt eine am besten mit zweiriiderigem Corricolo zu befahrende interessante Route über Andria (638), Ganosa (Castel del Monte, S. 641), Curignola und Alvano nach Lavello und Melfi (ca. 85 Kil). 22. Von Neapel durch die Basilicata über Potenza zur Bahn Bari—Taranto (Stat. Grumo). Ca. 292 Kil., davon 80 Kil. Eisenbahn von Neapel nach Eboli, 3mal tägl. in 3Va St.; I. 9 Fr. 5 C., II. 6 Fr. 35 C., III. 3 Fr. 65 C. — Kurier von Eboli tägl. nach dem ersten Hauptzug in 5 Sfc. nach (35 Kil.) Auletta (6 Fr.); von da in 6 St. nach (40 Kil.) Potenza. (Von Eboli nach Potetiza in 11 St.; I. 15 Fr., II. 12 Fr.) — Veiturino von Potenza über Gravina in 12 St. nach (85 Kil.) AUamura. — Postomnibus von Altamura ln 3 St. (für 2 Fr. 55 C.) nach (30 Kil.) Grumo, Station der Bahn Bari-Tarent. (22 Kil.) Eisenbahn von Grumo in 45 Min. nach Bari. 707 22. Von Neapel durch die Basilicata nach Potenza, 708 Eisenbahn von Neapel nach (80 Kil.) Eboli s. R. 8. 14, 15. — Nun Post 1 St. jenseitEboli über den Selestrom (Silarus [S. 604]); dann r. Postiglione, mit 1000 Einw., am Fuss des nach ihm benannten Kalkgebirges, welches das Dianothal vom Meer scheidet. — Bei der Ansteigung der Strasse weiter Blick über die Ebene von Pästum und auf das Meer. — (16 Kil.) La Duchessa (Poststation). Dann auf der Anhöhe LoScorzo (mit ordentlichem Wirtshaus, wo die Vetturine einkehren). — Am Monte cliPostiglione (dem antiken Albur- nus mit den »grünenden Steineichen, wo Bremsen schwärmen in Unzahl«; Virgil, Georg. III, 146), dessen dunkle Wälder und Schluchten hier im Vorblick liegen, die Dörfer öastelluccio und Sicigna.no. Nun in die Thalebene des Negro (Tana- ger), der aus der tiefen Felsenhöhle La Pertosa (S. 712) unweit Auletta wieder hervorbricht, und über den Fluss. —Das Städtchen Auletta (an der Strassenab- zweigung ein leidliches Wirtshaus) bleibt r. liegen (S. 711); Postwechsel (40 Kil.). Die Strasse überschreitet den Landro, einen unbedeutenden Zufluss zum Sele, und führt abwechselnd durch freundliche weite Thalgründe und enge Schluchten, mit Dörfern und Burgruinen auf den Höhen, nach (52 Kil.) Vietri (Roma), mit 3700 Einw., in einer der grossartigsten Lagen des ganzen Basilicats, denn drei enge Bergthäler, deren Schluchten und Gehänge mit einer Fülle von Reben, Oliven, Eichen und Buchen übersäet sind, vereinigen sich hier (prächtige Aussicht vom nahen Kapuzinerkloster). Ein köstlicher Eichenwald (Cugni) von 2 St. Umfang beginnt ganz nahe. »Wie Ueberreste eines gigantischen zerfallenen Bergkainraes starren aus dem Grün der Eichen überall Kuppen, Zacken und Nadeln hervor und fesseln die Blicke in wunderbarem Kontrast, und über den nächstgelegenen Kuppen ragen die höheren Berge, besonders das Älburnogebirge, wie eine un- übersteigliche Mauer hervor.« (Schnars.) — Man verlegt hierher die Campi zeteres (Li- vius 25, 12), wo der Prokonsul Tibernis Sem - yronius Gracchus durch Verrath seines Gastfreundes, des Lucaners Flavins, in einen ihm von Mago gelegten Hinterhalt gerieth (212 v. Chr.) und in diesem seinen Tod fand. In anmuthigen Windungen durch ein reich mit Eichen bewachsenes Thal nnd über ein ziemlich hoch gelegenes Bergplateau, dann bergab, über den Fluss Mai-mo (mit prächtiger Aussicht von der Brücke); — 1. Picerno, mit 4500 Einw., am Hügel aufgebaut, einem Ausläufer des Monte Marmo, der einen gelbgeaderten weissen Marmor liefert. Der Ort litt schwer durch das Erdbeben von 1857. — Durch ziemlich kahle und öde Gegend nach (75 Kil.) Pöteuza (Locanda della Oroce di Savoia; Trattoria Lombarda), Städtchen mit 18,500 Einw., Hauptort der Basilicata, liegt mitten in einem ausgedehnten Thal wie eine isolirte Bergstadt und ist empfindlicher Kälte und stürmischen Winden ausgesetzt; das Thal hat daher einen völlig nordischen Charakter. Das antike Potentia lag in der Ebene La Murata, wo jetzt noch viele antike Fragmente ausgegraben werden; die jetzige Stadt nimmt die Stelle der Arx ein; hier kreuzten sich in alter Zeit die Hauptstrassen von Venosa nach Anzia, Tarent, Grumen- tiun und Cosenza bis zum Kap Colonna. Die Quellen in der Nähe der Stadt ergiessen sich in den Basento (Masuen- tum), welcher an dem nahen Berg Ariosa seine zwei Hauptquellen hat und nach einem Lauf von 125 Kil. ziemlich wasserreich bei den Ruinen von Metapont in den Golf von Tarent mündet (im Winter wird er zuweilen zum verheerenden Strom). Von dem Erdbeben am 16. und 17. Dec. 1857, das auch in Potenza so heftig war, dass der grösste Theil der Stadt zusammen- stürzte und die Zahl der Verwundeten eine solche Höhe erreichte, dass am 19. Dec. von der Regierung eine grosse Zahl Aerzte verlangt wurde (»indem die Zahl der Verwundeten unermesslich sei und 4000 Personen in der Lage wären, amputirt zu werden«), berichtet Schnars : »Das Erdbeben hatte eine ringförmige Bahn; da, wo es am schwersten war, zeigte es sich in drei Stössen, von denen der zweite der stärkste war; die Heftigkeit der Erscheinungen zeigte sich vorzugsweise in den Gegenden, die auf und an derjenigen Linie liegen, welche man vom Monte Vulture nach dem Vulkan von Stromboli zieht; hier befinden sich Auletta, Atena, Polla, Sala, Padula, Saponara, Sapri und viele andere Ortschaften, die gänzlich zerstört wurden, ln der Richtung nach dem Vesuv, d. h. westl. nach Neapel und Sa- 709 22. Oppido - Gravina - Altamura. 710 lei’no hin, machte sich von dieser Linie aus das Erdbeben viel fühlbarer als in östlicher Lichtung. Im Bezirk Sala und imValle di Diana kamen 13,280 Personen im Erdbeben selbst um, im Basilicat 32,475 Personen. Im ganzen forderte das Erdbeben gerade so viele Opfer wie dasjenige vom Jahr 1783 in Kalabrien. — Viele Gebäude stürzten noch bei den später im Februar, März und April 1858 erfolgten Stössen zusammen.« Seitentour. Von Potenza führt eine fahrbare Strasse über (40 Kil.) Tncarico und (60 Kil.) Matera, mit Ez’zbisthum (mit manchen Resten der alten Anlage in der restau- rirten Kathedrale), nach (30 Kil.) Castelia« neta (Station der Bahn Bari-Tarent) und von da in 0/4 St. per Bahn nach Tarent. Die neue Strasse führt von Potenza in 2 St. nach dem unbedeutenden Pietra- galla (nahebei der prächtige Eichenwald ßosco grandej. Weite Blicke nach SO. auf das Gebiet des Bradano und Basano, in welches gewaltige Thäler vom Kamm der Apenninen niederziehen. — Es folgt (100 Kil.) Oppido, das antike Opi- num, durch welches die alte Römerstrasse nach dem Kap Colonna führte. 5 Kil. 1. von der Strasse liegt Accrenza (Locanda del Gastello vecchio), Bischofsitz mit 4000 Einw., in hoher Lage, mit grossartiger Aussicht vom Kastell; es galt im Mittelalter als einer der festesten Plätze Unteritaliens, Gothen (Morra), Longo- barden (aus ihren Castaldi wurde Sicon zum Fürsten von Benevenfc gewählt) und Griechen legten einen hohen Wertli auf seinen Besitz; 1061 eroberte es Robert Guiscard; die späteren Besitzer fülnten den Herzogstitel; 1203 erhob Innocenz III. das südöstl. gelegene Matera zum Erzbisthum und vereinigte Accrenza mit ihm. Die Bewohner sind ein schöner, kräftiger Gebirgsstamm; die jetzige Kathedrale auf dem höchsten Punkt der Stadt ist nicht mehr die alte. /Nach 3 St. das ummauerte (123 Kil.) Montepeloso, mit 6300 Einw.; über den Cassone, einen Zufluss zum Brandano, in 2 Vs St nach (14S Kil.) Gravina, hübsche Stadt mit 14,400 Einw., im Kreis Apulien (Terra di Bari), in einem tiefen Thal am südlichen Euss des Monte Eranco, mit berühmtem kaiserlichen Schloss Friedrichs II., auf einem Hügel über der Stadt, eine weite Aussicht auf die Basilicata und das waldige grosse Jagdrevier gewährend. Es bildet ein längliches Parallelogramm; der von zwei Bögen überspannte Eingang an der Schmalseite führte in den grossen Hof, an dessen hinterer Seite die Kaiscr- wohnnng in drei Geschossen sich erhebt, zu denen auf beiden Seiten Wendeltreppen hinanführen; aus der Eingangshalle führen Thüren zur Seite in tonnengewölbte Bäume; die oberen Fenster in den aus trefflichen Quadern erbauten Mauern sind von weiten Kundbögen überspannt; der Thurm ist nur theilweise erhalten. — Das Schloss kam an die Familie Omni, Herzoge von Gravina, deren älterer Stamm jetzt in Rom residirt. Die Kathedrale von Gravina ist im Mischlingsstil des 15. Jahrh. aufgeführt. — Der Graben, Gravina, der nördl. in den dichten Kalkstein der Murgiehiigel eingetieft ist und nach S. in den darüber liegenden Tuff übergeht, gab der Stadt den Namen; man sieht eine Menge alter verlassener Wohnungen in diesem Tuff und eine Kirche (S. Michele) , deren Boden der natürliche glatte Kalk bildet, während die jetzt halbzerstörten Säulen und Gewölbe aus dem Tuff ausgespart sind. — Berühmte Messe am 20. April; bedeutende Vieh - und Pferdezucht. (160 Kil.) Altamura, mit 17,000 Einw., von Friedrich II. 1220 auf einem halbinselartig in die Ebene vorspringenden Hügel 360 m. ii. M. angelegt, mit ansehnlicher Kathedrale, die drei verschiedenen Bauepochen angehört, denn unter Friedrich II. begonnen, wurde sie unter König Robert 1330 theilweise verändert und nochmals unter Pietro di Toledo 1531. Der dreischiffigen Basilika legt sich als geradliniger Anschluss ein Querschiff vor; der Haupteingang an der westlichen Fa$ade ist prächtig ornamentirt; zwei grosse, schon natürlich gehaltene Löwen erheben sich auf den Kragsteinen und tragen Säulchen mit eleganten Kapitälen (r. mit Tritonen); auf dem Spitzgiebel der segnende Christus; im Feld zwei angiovinischc Wappen; in den spitzbogig zulaufenden Feldern der Thiirwandungen Darstellungen der Geschichte Christi von der Geburt bis zur Aus- giessung des heil. Geistes, alles noch ganz im romanischen Stil; zarter im Giebelfeld die Madonna. Die grosse Fensterrose über dem Portal gehört derselben Zeit an; zwei Thürme erheben sich an der Vorderfatjade. Die Seiten gleichen denen der Kathedrale von Bari. — Im Innern ist das Mittelschiff durch je drei Pfeiler getrennt, in der mittleren Abtheilung erheben sich je drei Rundbögen iiher zwei Rundsäulen, bei den zwei anderen je zwei Bögen über einer Mittelsäule. Die Skulpturen gehören »einer weit reichern Entfaltung des romanischen Stils« an; die Emporen mit je zwei Säulchen, welche drei kleine Bögen unterhalb des 711 23. Von Neapel nacli Reggio. 712 grossen tragen, zeigen »ein noch im wesentlichen romanisches Element zu breitem Formen durchgebildet«. Die Seiteuschiffe sind mit Spitzbögen uberspanut, zwischen denen sich Kreuzgewölbe befinden. — Am Haupt altar: Franc. Curia, Himmelfahrt Mariä. — L. vom Eingang eine Madonna aus dem 14. Jahrh. — 3. Capp. r.: S. Joseph mit dem Christuskind (von 1654). In Altamura ist der berühmte Komponist SnverioMercadantelVäS geboren. Einige antike Ruinen in der Nähe von Altamura schreibt man der Stat. Su& Lu- patia an der Via Appia zu. Nun am lland der Hügelkette am Murgie der Puglia pietrosa, flachen, niedrigen Bänken von. Grobkalk ohne eigentliche Thäler, entlang über Toritto (mit 5500 Einw.) in 3 St. nach (190 ICil.) Griuno, Stat. der Bahn Bari-Tarent (S. 733). Eisenbahn: Von Grumo nach (22 ICil.) Bari 3mal in 3 /4 St. für I. 2 Fr. 50 C., II. 1 Fr. 75 C., III. 1 Fr.; — nach (93 ICil.) Tn- ranto 2mal in 3 St. für I. lö Fr. 50 0., II. 7 Fr. 35 C., III. 4 Fr. 20 C. 23. Von Neapel auf der grossen kalabrischen Strasse nach Reggio. 545 ICil., davon 80 Kil. Eisenbahn von Neapel bis Eboli (R. 15). — Die Fortsetzung der Bahn über Romagnano, Potenza, *Ferran- dina nach Torre a Marc an der Bahn Tarent- Reggio ist im Bau und die Strecken Eboli- Romagw.ino und 2'orre a Marc -Eerrandina bereits im Betrieb. Von Eboli ans Kurier (la Corriera), der nur über drei Plätze verfügt, die schon lange voratis bestellt werden (daher schon in Neapel Vorsorge für die Erlangung eines Platzes zu treffen ist), in 75 St. (64 Fr.) nach (465 Kil.) Reggio. — Vetturine, die man von Salerno aus nimmt, legen die Reise in 10 Tagen zurück. —■ Zwischen den einzelnen Stationen verkehren auch Diligencen, doch ist ein Platz hier nicht immer sicher zu erlangen. Touristen können passend diese Route mit dem Besuch der nördlichen und Östlichen Partien der Basilicata verbinden; z. B. Eboli-Melfi; der Vulture und Vonosa; Melfi - Potenza; Potenza - Auletta. In der Provinz Calabria ulteriore I kann man überall in völliger Sicherheit reisen; jetzt auch in Calabria ulteriore II; weniger günstig steht es in Calabria citeriore (s. S. 720). Eisenbahn von Neapel nach (BO Kil.) Eboll, s. R. 8, 14, 15. Diligence von Eboli nach Auletta in 5 St. für 6 Fr. Post. Strasse von Eboli nach Auletta, s. S. 707. Bei der Strassetiabzweigung 1. nach Potenza führt der Kurier r. nach (115 Kil.) Auletta ( Locanda della, Posta, unten an der Strasse), mit 3000 Einw., über dem Negro gelagert, an seinem Austritt aus dem Dianothal; im Mittelalter ein befestigtes Kastell, das Karl Y. 1535 eroberte. Die Umgebung schmücken in köstlichster Ueppigkeit Oliven, u. Wein, aber die Luft ist ungesund. — Weiter folgt 1. Pertosa, mit 1000Einw., die von der Fieberluft leiden und deren Häuser zum Theil 1857 zerstört wurden (400 Personen kamen dabei um). Unterhalb dieses Orts, wo das Thal gegen den ! Bergrücken hin sich verengt, öffnet sich im Hintergrund die berühmte * Grotte S. Michaels, aus welcher der Negro (Ta- nagro), nachdem er in der Schlucht Eos- sato di Maltempo bei der Brücke von La Polla verschwunden, 1 k St. weiter hier aus der tiefen Felsenhöhle wieder hervorstürzt. Ein Fusspfad führt von der Hauptstrasse r. zur majestätisch gewölbten Grotte, in welcher ein Altar mit der Statue S. Michaels steht und 1. aus dunkler Ferne der Tanagro aufrauscht; prächtige Stalaktiten füllen die Wände; die Höhle ist 120 m. lang, 8—12 m. hoch, am Eingang 7 ni. breit; zu Pfingsten ist hier Volksfest. Die Strasse führt sanft abwärts zur Serra Molinara, dann setzt sie über die prächtige Brüche von üampestrino, die mit 27 Bögen in drei Reihen übereinander die tiefgehöhlte Schlucht des (oft sehr wasserarmen) Gebirgsbaches überspannt. Jenseit derselben führen drei grossartige aufgemauerte Windungen den kahlen Bergrücken von Polla hinan. Jenseit der Höhe weiter Ausblick auf das vom pappelbesetztenNegro durchzogene, überaus freundliche Dianothal mit den Städtchen Polla, Atina, Diano und Padula. R. in einem Gebüsch Reste eines Apollotempels. — Am Thaleingang r. 713 23. Polla — Sala Consilina — Lagonegro. 714 (124 Kil.) Polla^ mit 5700 Einw. (in hübscher Umgebung, das alte Forum Popilio). mit Ueberresten einer antiken Brücke und Häuserfundainenten; die Bewohner litten fürchterlich vom Erdbeben (über 2000 Leichen wurden hier ansge- graben). Eigenthümlicli sind die schar- lachrotlien Röcke, das griechische Käppchen und die griechischen Gesichtsziige der Frauen. — Nun durch das (zerstörte) Dörfchen 8. Pietro, das seine Berühmtheit einer antiken Inschrift am Wirtshaus mit den Ortsentfernungen zwischen Reggio und Capua und dem Namen des M. Aquilius Gallus zu verdanken hat. — In Krümmungen am Fuss kahler Berge weiter; 1. das zerstörte Atina auf einem Bergvorsprung (noch mit Resten der antiken Mauern, Thürme und eines Amphitheaters). — (5 St.) 1. in der Mitte des Thals, am Fuss der östlichen Bergreihe, (140 Kil.) Sala Consilina (ordentliche Locanda an der Piazza), mit 7700 Einw., terrassenförmig an das Gebirge angelehnt, in der Höhe zerfallene Mauem einer altern Stadt, zu oberst die Ruinen eines von Robert Guiscard erbauten Kastells; rings umher Oeibäume und Weinpflanzungen; gegenüber die vom Erdbeben schwer mitgenommenen Ortschaften S. Arsenio, S. Ruffo und Diano. Das Dianothal dehnt sich hier eiförmig zwischen Sala und Diano in einer Breite von 1 St. aus ; zwei Apenninketten scliliessen es nach O. und W. auf einem Umfang von 5 St. ein; den Schluss bildet nach N. der schneebedeckte Monte Palma, südl. trennen die Monte di Casalnuovo das Thal vom Golf von Polic-astro. Der Versumpfung des Thals wehrt ein nach Campestrino hinziehender Abzugskanal. Eichen-, Buchen-, Ahorn- und Kastanienwälder befördern die Viehzucht; der Tanagro liefert treffliche Schlei- hen und Forellen. Jenseit Sala führt die Strasse an (r.) Diano vorüber, das auf einem isolirten Hügel liegt, zu oberst mit einem Kastell. Seiientouren. IV 2 St. jenseit Sala zweigt von der Hauptstrasse ein fahrbarer Weg 1. ab nach (11 Kil. von Sala) Padula, mit 8600 Einw., einem gewerbs- thätigen (Gipsmühlen), terrassenförmig an den Berg hinan gebauten Städtchen, au dessen Fuss die ehemals berühmte Kartause S. Lovenzo liegt (mit fünf Höfen,, aber im schweren. Stil des 17. Jahrh., Chorstühle von 1597), deren verfallene Pracht die ehemalige Grossartigkeit des unter Fürst Thomas Sanseverino (sein Grabmal in der Kirche) im 13. Jahrh. errichteten Baues verräth (mehrere Gemälde aus S. Lorenzo im Museum zu Neapel). Eine interessante, aber lange und ziemlich beschwerliche Gebirgswanderung führt durch einen Sattelpass in das Aggiathal (schöne Aussicht auf das Piano delle Mattine mit den Quellen des Acri), über das jenseit der Waldung liegende, durch Erdbeben fast ganz zerstörte Städtchen Tm- mutola, dann durch die Kastanienwälder (r. Bergkette von Monteserrato und das prächtige schwarzkalkige, oben beschneite [3230 m. ii. M.] Pollinogebirge) nach (5 St.) dem auf einem Hügel erbauten Seponara, mit 2700 Einw., bei welchem südl. die Ruinen von Gruvientum in buschreicher Gegend liegen ' Reste eines grossen und kleinen Amphitheaters, Netzwerkmauern, Aquädukte, Reste von Tempeln und Privatwohnungen, die 4.00 m. lange • Hauptstrasse durch die Stadt; der Ort ist eine reiche Fundgrube römischer Alterthümer (Kameen, Gemmen, Münzen, Hausgeräthe, Waffen, Reliefs). — Hier traf 207 v. Chr. Gajus Fero den Hannibal und konnte sich nach einem hartnäckigen Gefecht den Sieg zusclireiben. — Saponara erstand erst 882 n. Chr. auf dem höher gelegenen Theil der grossen antiken Stadt. Das Erdbeben hat a\ich hier unsägliche Zer- ! Störungen angericlitet, di® Erde Öffnete sich wie zu Tramutola und Montemuro an mehreren Stellen. Die Hauptstrasse führt über romantische Berghöhen in 5 St. von Sala nach Casalbuono, einer ärmlichen Ortschaft mit 1800 Einw., in der Nähe der Quellen des Tanagro, auf einer Anhöhe; — dann in wildromantischer Landschaft 2 St. lang in Windungen zwischen den Fels- thälern hin; über den Trecchinafluss in 5 St. nach (183 Kil.) Lagonegro (560 m.), mit 4400 Einw., auf romantischer Anhöhe, mitten in einer zur südlichen Basilicata gehörenden Landschaft. (Hier ist der Halteplatz der Vetturine.) Ueber das Städtchen weg ragen die Höhen des Monte Cocuzzo, Papa und Cervoro. Den Namen hat es von dem nahen See am Monte Serino. Weiter über die Schluchten zweier Zuflüsse zum Rio dellaNoce durch einen öden Engpass r. Pivello mit 4000 Einw., niedrig, auf isolirtem Hügel; 1. der kleine Lago di Serino (der antike Lacus niger, s. oben) und unweit davon, am Monte Pennarone, die Quellen des Sinno (des 715 716 23. Von Neapel nach Reggio. antiken Siris, an dessen Ufern Pyrrhus einen denkwürdigen Sieg errang), der in den Golf von Tarent fliesst. — R. hoch im Gebirge der kleine Ort Trecchina, am gleichnamigen Fluss. — Dann (5 St.) (203 Kil.) Lanria (327 m.), ein kleines niedliches Städtchen mit 10,600 Einw. (das antike Kastell Lagaria, dessen Wein die Aerzte damals besonders empfahlen) , sehr malerisch in einem tiefen Gebirgskessel gelegen, durch einen steilen Felsen in zwei ungleiche Hälften getheilt; auf einer der beiden fast senkrechten Spitzen die alte Burg (Stammhaus des in der Geschichte der Sicilianischen Vesper berühmten Admirals Hoger de Lauria ); gegenüber der gebieterische Monte Serino. Noch jetzt ist reger Weinbau umher; der Wassersturz von dem Felsen der Oberstadt treibt im Thal mehrere Hammerwerke. Die Gegend wird weiterhin schauerlich öde, nur hier und da ragt eine Hütte vor. (220Kil.) öastelluccio superiore, mit 3000 Einw. (die Poststation in der Unterstadt) ; die Oberstadt ragt auf einem Felsenvorsprung empor über einem Arm des Lao (des antiken Laus, Grenzfluss zwischen Lukanien und Bruttium), der am Monte della Salvia entspringt. Rings umher reiche Jagdwaldungen. (231 Kil.) Rotoilda (322 m.), mit 4700 Einw., nahe am Nerinofluss, um einen Bergkegel gebaut, zwischen der Yalle di S. Martino und der Hochebene des durch seine trefflichen Weiden bekannten Campo Tanese; auf der Höhe die Ruinen der alten Burg. Hier verlässt die Strasse die Basilicata und tritt in Kalabrien ein (Calabria citeriore). — Gleich hinter der Stadt thürmen sich die Gebirge Malaspino und Cilisterno auf. Die Strasse führt eine ziemliche Strecke weit durch eine wilde Schlucht hinan, bis sie auf einmal jäh abfällt in das länglichrunde, von hohen Bergen umschlossene Thal (3 St.) Campo Tanese, den Krater eines erloschenen Vulkans. Man trifft etwas Roggen, sonst lauler Weide. Das Thal ist IV 2 St. lang und steht nicht i im besten Ruf der Sicherheit: hier und I da sieht man an den zerrissenen Bergzügen einzelne verlassene Häuser. — Am Ende des Thals, wo die Strasse 1. in den Felsen gehauen, r. von einer hohen Mauer gestützt, sich durch die Dirupata di Morano hindurchwindet, trifft man mit überraschendem Blick auf ein heiteres, von hochragenden Bergen umschlossenes Land mit Reben, Feigen, Oelbäumen, Pinien und Cypressen; aus der obern Schlucht heraus nach (2 St.) (250 Kil.) Morano, mit 8900 Eimv., das antike Muranum, wie die meisten kalabresischen Städtchen terrassenförmig an einen jähen Bergabhang gelehnt, mit kleinen engen Gassen, ein- bis zweistöckigen fensterlosen Häusern und alter verfallener gothischer Burg, an steiler Wand über dem Coscile (dem antiken Sybaris) aufgebaut; in der Pfarrkirche ein Kreuz aus vergoldeten Silberplatten mit Christus und S. Petrus, von Anto- nello di Sassone (1445). — Längs bewaldeter Höhen nach (1^4 St.) (265 Kil.) Castrovillari, mit 9400 Einw. (das antike Apustrum oder Aby- stron des Ptolemäus), am linken Ufer des Coscile (Sybaris), auf einem Hügelrücken , an dessen Ende das in aragone- sischer Zeit von Paolo Giannitelli erbaute Kastell liegt. Eine gute Strasse führt von hier 1. in 2 St. zu dem überaus malerisch gelegenen Cassano (S. 681). (277 Kil.) Cammarata — dann über einige Zuflüsse zum Coscile. — Von 1. Spezanea, einem unterhalb des Thals gelegenen Dörfchen, geniesst man eine herrliche Aussicht hinab in die vom Crati und Bisignano durchschlängelte Ebene, hinüber auf den prächtigen Golf von Tarent und weit hinaus über das Meer. (300 Kil. ) Tarsia , mit 1900 Einw., das antike Caprasia, ein von Sümpfen umgebenes, von Malaria leidendesStädtchen, dem schmutzigsten in den drei Kalabrien, auf einem steilen Felsen am linken Ufer des Crati (des antiken Crathis), der im Silawald entspringt, sich hier nordöstl. wendet und den Coscile in der Ebene aufnimmt. Am Ende der langen, einzigen Stadtstrasse das zerstörte Schloss der 717 718 23, Cosenza (Kathedrale). Spinelli. 20 Kil. nordwestl. von Tarsia liegt Lungro, die reichste Saline Italiens, die dem Tertiärgebirge angehört. — Am linken Ufer des Crati entlang, durch eine reichbepflanzte, von waldigen Hügeln umkränzte Gegend. L. über dem Fluss die herrlich gelegene Stadt Bisignano, mit 4500 Einw., das antike Besidci (Liv. 30, 19); mit Bisthum und dem Ruhm, wie Rom auf sieben Hügeln zu stehen ; von ihm haben die Sanseverini den Fürstentitel. An der Kathedrale, die schwer durch Erdbeben litt, schönes gothisches Portal. — Nach einer langem Ansteigung und Ueberschreitung des Crati folgt (320 Kil.) Ritorto ; auf der das Thal begrenzenden Hügelkette eine Reihe von Ortschaften; r. meerwarts Montalto und S.Sosti, zwei einst schwer verfolgte Waldensergemeinden. — Ueber mehrere Zuflüsse des Crati und zuletzt über den berühmten Busento, in dessen Bett 410 n. Chr. der Gothenkönig Alarich (nach einer Volkssage mit vielen Kostbarkeiten) begraben wurde (Platens Gedicht: »Nächtlich am Busento lispelt etc.«, bezieht sich hierauf). 2 St. vor Cosenza zweigt eine Strasse r. nach (20 Kil.) Paula (S. 721) ab. (345 Kil.) Coseuza (244 m.). Gasihof: *Albergo dei due Lionetti, trefflicher Gasthof am Präfekturpalast, mit herrlicher Aussicht (gegen O. auf die Sila, gegen N. auf den Monte Pollino und Cam- potenese). Cosenza, mit 16,000 Einw., das antike Gosentia, einst die feste ansehnliche Hauptstadt der Bruttier, jetzt Hauptort der Provinz Calabria citra, auf mehreren Iliigeln am seitlichen Ende des offenen heitern Cratithals; die Altstadt mit engen steilen Gassen, die Neustadt mit grossen stattlichen Bauten; für die Konstruktion dient ein in der Nähe gebrochener weisser Kalkstein »Biancotella«, zu Pflaster und Fussboden ein schöner röthlicher Kalkstein. Die A^orstädte an den Ufern des Busento und Crati sind durch Brücken mit der Stadt verbunden. Hoch über der A'ereinigungsstelle der beiden Flüsse das grosse mittelalterliche Schloss, das die Erdbeben mannigfach zerstörten. Die vielen Casali auf romantischen Anhöhen rings um die Stadt, deren Umfang fast eine Stunde beträgt, geben dieser etwas ausserordentlich Malerisches. Das Gebiet von Cosenza ist ein schönes, überaus fruchtbares und dicht bevölkertes Land; in dem Umkreis eines Halbmessers von 3 St. liegen über 40 Dörfer und Städte. »Es verbinden sich hier höchste Fruchtbarkeit des Bodens, starker Regenfall, Reichthum an Quellen und Bächen, gesunde Gebirgsluft, um einer dichten Bevölkerung Leben und Gedeihen zu geben.« Die Kathedrale wurde 1750 durch den Erzbischof Capece Galeota fast ganz renovirt; die Fa^ade zeigt noch drei alte Klosterkirche zu Cosenza. Thüren und das Rundfenster, ist jedoch 1831 durch »eine lächerliche, gothisch sein sollende Restauration, bei der auch Farben und Kuppeln an den zur Seite angefügten Thürmen nicht gespart sind«, gänzlich verunstaltet worden. Im Innern das Grab Ludwigs III., Herzogs von Anjou, der vom Papst Martin V. zum rechtmässigen Erben Johanna’« II. erklärt, auf einem Feldzug gegen einen aufrührerischen Baron in Cosenza 1434 vom Fieber hingerafft wurde; er hatte sich in dieser Kirche 1433 mit Margaretha, einer Tochter des Herzogs von Savoyen, vermählt. An einigen Privathäusern haben sieh alte Thüren erhalten. Sonst haben die Erdbeben, wie fast in ganz Kalabrien, alle mittelalterlichen Bauwerke zerstört, besondei’s das fürchterlicheErdbeben von 1783. Auch 1854 und 1870 litt die 719 23. Vor Neapel nach Reggio. 720 Umgebung durch Erdbeben. Das schöne Theater Cosenza’s stürzte zusammen. Im Sommer ist Cosenza der Malaria unterworfen und verödet, eine Folge der Ausbreitung der Sümpfe durch Entwaldung. Von Cosenza soll nördl. dem Fluss Crati entlang eine Eisenbahn zur Balm Tarento- Cariati geführt werden. Privatpost von Cosenza nach Bujj'aloria S. 761) an der Bahn Tarent'—Reggio. Die Umgegend ist ungemein fruchtbar. Die vorzüglichsten Produkte sind Honig, Oel, Hanf, Getreide, Wein, der Haupthandelsartikel die Seide. Die Erdbeben in Kalabrien. Kalabrien ist seit den ältesten Zeiten der Schauplatz furchtbarer Erdrevolutionen gewesen, deren man seit dem Ende des 17. Jabrh. bis 17 ö 3 allein 25 gezählt hat. Eines der fürchterlichsten war das im Jahr 1783; die Stösse begannen im Februar und währten fast vier Jahre. Nach Pignataro fanden allein im Jahr 1783: 949 Stösse statt, unter denen 501 zu den liöchstgradigen gehörten; 1784 151 Stösse, worunter 98 höclistgradige. Gegen 400 Städte und Dörfer wurden zerstört , über hundert Berge stürzten lierab, dämmten Flüsse zu Seen und veränderten die Gegend. — »Eine eigenthiimliclie Erscheinung«, sagt Lyell, »ist die Begrenzung auf eine Gegend, wo weder alte noch moderne Felsarten vulkanischen Ursprungs vorhanden sind. Der Raum, auf den die Haupterscheinungen sich koncentrirten, beträgt ea. 60 Quadratmeilen, und der Boden besteht hier wesentlich aus Tertiärboden von dicken Thonschichten mit Meermusclieln, zuweilen mit Sand und Kalksteinlagen abwechselnd. Wenn von Oppido als dem Centralpunkt ausgegangen und ein Kreis mit einem Halbmesser von 7 St. beschrieben wird, so bezeichnet derselbe den Umfang der Gegend, die am meisten gelitten hat.« Der erste Stoss am 5. Febr. 1783 warf in zwei Minuten den grossem Theil der Häuser in allen Städten, Flecken und Dörfern nieder, von den Westgehängen der Apenninen in Calabria ultra bis nach Messina in Sicilien. Am 28. März erfolgte ein Stoss von ähnlicher Heftigkeit. Der tertiäre Boden an der Basis der Granitberge liess oft grosse Klüfte zwischen dem soliden granitischen Kern und dem sandigen Boden zurück. In einigen Städten lagen Stücke des Pflasters verkehrt, und überall zeigten sich die merkwürdigsten Wirkungen der wellenförmigen Erschütterung; in manchen Städten stürzten alle soliden Häuser nieder und die leicht hingebauten blieben stehen, Klüfte öffneten und schlossen sich abwechselnd , so dass Häuser, Bäume, Menschen und Thiere in einem Augenblick verschlungen waren und beim Zusammenschluss der Spalten keine Spur mehr von denselben übrig blieb. Zuweilen wurden Individuen durch den einen Stoss verschlungen und dann mit grossen Wasserströmen lebend wieder durch den unmittelbar folgenden zweiten Stoss ausgeworfen. Zuerst verbreiteten sich die Spalten strahlenförmig wie die Arme der Seesterne, zuweilen floss aus ihnen ein dicker, mit Luftblasen vermischter Schlamm. In der Nähe von Oppido wurden eine Menge Häuser von dev gähnenden Erde verschlungen, die unmittelbar über denselben sich schloss; im Bezirk von Cannamaria wurden Landhäuser und einige grosse Wohnhäuser so völlig in einer einzigen Kluft verschlungen, dass keine Spur von denselben nachher erkennbar war; ebenso in Tcrra- nnova, S. Crütina und Sinopoli. Bei Nachgrabungen fand man die Häuser saramt Inhalt zu einer kompakten Masse zusammengedrückt. Manche {Schlünde schlossen das Niedergestürzte in ungeheure Höhlen ein; es gab Spalten, die am 5. Febr. geöffnet, am 2b. März eine Länge von mehr als J /4 St. und eine Tiefe von ca. 60 m. erlangten. Oft bildeten sich zerrissene kreisförmige Dellen, die sich mit Wasser füllten; selbst eine Menge neuer Seen entstanden, nach der officiellen Aufzählung 50 grössere (z. B. d;-r Lago del Tofilo bei Seminara, 536 in. lang, 280 m. breit, 16 m. tief) und 165 kleinere. — Olivengründe sah man 1 ,k St. weit auseinandergerissen 500 Fuss tiefer ungestört fortgedeihen; ein grosser Theil der Stadt Polütena ward 10 Min. weit über eine Schlucht gelegt und mehrere Einwohner zog man noch unvei’letzt aus den Trümmern. Die über 1 k St. langen Tenuten Macini und Vuticano bei Miieto wurden 20 Min. weit in ein Thal niedergeführt. Die Stadt Monteleone versank in die Erde. Die Zahl der Umgekommenen schätzt Hamilton auf 40,000 und 20,000 an nach folgenden Nothständen und Epidemien, besonders aiicli an Malaria, die von den stagnirenden Seen und Teichen sich erhob; die meisten kamen unter den Trümmern ihrer Häuser um, viele auch durch Feuersausbruch, der auf die Stösse erfolgte; in Oppido fand dieses Feuer an den grossen Oelmagazinen volle Nahrung; viele Menschen , namentlich über das offene Land laufende Bauern, stürzten in die tiefen Spalten hinab. — In Polütena blieb kein Haus, kein Stück Mauer stehen, über der vierte Theil seiner Einwohner wurde lebendig begraben, einige grub man noch 3—6 Tage nachher lebend aus, die mangelnde Hülfe liess aber viele lebendig Begrabene umkommen, deren Stimmen man noch hörte. Auch 1854 und 1870 litt die Umgebung durch Erdbeben. Ausflüge von Cosenza: Man reise in diesen Gegenden nicht ohne Führer, denn der grosse Silawald gilt als sehr unsicher; die Verfolgten wissen sich hier in Grnben und Höhlen, die sie durch Bedeckung mit Zweigen unsichtbar machen, den Nachsuchungen zu entziehen. 721 23. PaoJa — ßogliaiio — Tiriolo.- 722 1) Um die Quellen dos Orati schliesst sich das finstere, wald- und regenreiche und kaum je von Touristen besuchte Granit- gobirge der Sila an, das nicht die Höhe der Kalkapenninen erreicht und aus G-neis, Glimmerschiefer und Granit bestehend, in Hufcisenform Cosenza umgibt; der höchste Punkt der Sila hat 1880 m. Viele der höheren Gipfel sind jedoch die Hälfte des Jahrs mit Schnee bedeckt, die unteren Kegionen sind reich an Viehweiden, an Eichen und Buchen, die oberen an Tannen und Wild; zahlreiche, tlicilweise sehr fischreiche Bäche bewässern die Triften. — (Schon Strabo», spricht von dem 700 Stadien langen Wald, mul das bruttisclie Poch, das dieser, lieferte, war berühmt.) Die Ausdehnung der Silo, von N. nach S. beträgt 65 Kil., von O. nach W. 35 Kil., das Teblrge bildet einen hohem Wall mit nahezu horizontaler Höhenlinie und sanftem äussern Gehänge; von diesem Aussen* wall verzweigen sich nach innen mehrere Bergrücken, welche jene Thalschaften ein- schliessen. Enge Schluchten lassen den Blässen den Austritt, unter denen der Ncto, der unter S. Giovanni in Fiore, der ansehnlichsten Ortschaft der Sila, liiniliessfc, der bedeutendste ist; die grössten ebenen Berg* flächen sind Vallo Chiazza, Oamporotondo, (’upcllo di Paglia, Tussitano und Gapo rosa. Vom Beginn des Juni bis in den Oktober ernährt die Sila nach Rath ca. 15,000 Stück Kindvieh und 150,000 Schafe, sehr viele Pferde, Maulthiere u. a. Das Winterfutter findet das Vieh auf den unbebauten Ebenen des Küstenlands, vor allem auf denselben Flächen, deren reiche Getreideernten einst die Bewohner Krotons (S. 765) ernährten. 2) In 5 St. nach Paola, mit 8500 Einw., eine der am schönsten gelegenen Städte Kalabriens am Abhang eines Bergs unweit des Meers, mit schönem Schloss. In einem Thalkessel, J /4 St. von der Stadt, das Kloster dos »S. Francesco di Paola, Stifter des Ordens der Ulinimen, einer strengem Richtung der Franciskaner; er ward 1416 hier geboren und stobt noch jetzt, namentlich in Frankreich, in sfdir hohen Ehren. In der Umgebung von Paola entspringen eine Menge von Thermalquellen, zwischen dem Thal des Orati und der Meeresküste z. B. die Therme von Guardia Lombarda ; die Schwefelthermen bei Cerisano, Montalto, 8. Biagio und Fugnano. — Dampfboote von Neapel nach Messina legen in Paola 2—3mal wöchentlich an. Von Cosenza führt die Strasse in vielen Windungen bergan mul bergab durch den Silawald (aus welchem die liömer Schiffbauholz bezogen) , der sich bis hinunter nach Catanzaro und Ni- castro erstreckt. Er ist aber kein zusammenhängender Wald, sondern eine bergige, waldreiche Landstrecke, die zu den fruchtbarsten Gegenden in Kala- Unter* Italien. I. | brien gehört (Pyrrhns führte einst seine Truppen und Elefanten durch diesen Wald). — Vom Thalgrund aufwärts führt die Strasse durch reichbepflanztes Land; an den Höhen gedeihen Eichen* und Kastanienbäume. Die Dörfer Figline, Cel- lara, S. Stefo.no und Mangone sind im Oktober 1870 durch das Erdbeben , welches sich damals über die ganze Breite der kalabnschen Halbinsel ausdelmte, theilweise zerstört worden. (361 Kil.) RogliailOj mit4900Einw. (leidliches Wirtshaus), heiter gelegen auf aussichtsreichem Hügel, an der Stelle der altrömischen Station ad fiumum Snbatum ; Geburtsort (1644) des berühmten Juristen und Dichters Vi- cenzo Gravina, gegenwärtig mehr durch seine vielen Schuster bekannt und in Neapel namentlich durch seine ausgezeichneten Schinken und Würste. — Gegenüber in prächtiger Lage Belsito. Dann Prachtblick auf den Monte Cocuzzo. Der Monte Cocuzzo ist ein 1550 m. hoher Kalksteingipfel, dessen Fuss pliocäne thonige Sedimente bilden, während die untere Partie aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer besteht und die obere aus schwarzem Kalkstein, mit vielen Abgründen und tiefen Wildtliälern. Gegen denselben laufen das Plutonische Gebirge von Bitontn, die Serra di Palombo und die Monti della Monaco zwischen Meer und Cratithal hin. Die Strasse zieht in die tiefe Schlucht hinab, in welcher der wilde Savuto rauscht, und steigt auf der andern Seite jäh im Zickzack hinauf über einen Grat der Apenninen, Croeellc di Agrifoglic f nach Carpanzano, einem dürftigen Dorf (hoch über dem Savutothal liegt das Dorf Altilia, wo einst ein berühmtes Kloster der Cistercienser blühte, welches Graf Koger 1099 mit einem Tlieil der Sila belehnte). Dann in einsamer, wilder Berg- landscliaft, mit Eichen und Farnkräutern, nach Goraci, weiterhin in etwas öder Gegend in Calabria ulteriore II nach Arena Bianca und (400 Kil.) Til’iolo (leidliches Wirts* haus), mit 3600 Einw., an der Südseite eines runden Berggipfels reizend gelegen, auf der Wasserscheide im Granit- gebirg, indem der Coreace 1. zum Golf von Squillace und der Lamo.to zum Golf 24 723 23. Yoii Neapel nach Reggio. 724 von S. Eufemia zieht. :>l)ie bedeutende Erhebung, die freie Eage zwischen beiden Meeren, die sieh hier öffnenden Waldesgrüntle der Sila erklären hinlänglich die grosse Verschiedenheit des Klima’s und der Vegetation zwischen diesem hohen Scheitel der Landenge und den Küstengebieten.« Man sieht bei Tiriolo keine Opuntie, keine Agrumi- bäume mehr. — Lei Tiriolo fand man 1640 die berühmte Erztafel (jetzt in Wien) mit dem Senatsbeschluss gegen die Bacchanalien, 186 v. Ohr., und eine grosse Menge antiker Münzen. Geologisches. Von der Höhe des kegelförmigen isolirten Kalkberges übersieht man in voller Ausdehnung den Gürtel der . niederen Hügel, der sich zwischen diesen : zwei Golfen und den Granitbergen von ; Tiriolo, l’izzo und Squillace hinzieht. Auf dieser niederu Zone der • Pliocänehiigel liegt Catanzaro. —Kalabrien besteht sonach ausser den zwei grossen Granitgruppen, von denen die eine hufeisenförmig Cosenza umgibt, während die andere zwischen Catanzaro und Reggio hinzieht, aus fast durchweg plioeänem Boden. Dieses pliocane Terrain, das die beiden Granitgruppen scheidet und die ganze Bz-eite zwischen den zwei Golfen von 8. Eufemia und Squillace einnimmt, wird nur durch die kleine Mergelzone von Stilo, Gerace und den Strich zwischen Capo Spartivento und delF Armi unterbrochen. Einst schied also in der plioc'änen Epoche eine Meerenge das Kalabrien lleggio’s in lnselfonn von dem Kalabrien Cosenza’s, das mit dem italischen Festland durch einen sehr engen Isthmus zusammenhing, den die Apenninen von Montalto, Getraro, Belvedere u. a. bildeten, die während der plioeänen Epoche vom Meer bedeckt waren. Post: Von Tiriolo nach Iteggio, in 28 St. Diligence: Von Tiriolo in 3 St. (3 Fr.) nach dem auf reizenden Hügeln gelegenen (15 Kil.) Catanzaro ( Albergo di lioma), Station der Bahn Taranto-Reggio (S. 76l)). Westlich von Tiriolo führt ein Weg in 3p2 St. nach (16 Kil.) Mcastro, mit 13,200 Einw., als neue Stadt fröhlich mit rothen Ziegeldächern aus den Oehväldern hervorschauend, ziemlich gut gebaut, mit Ruinen einer alten Burg, einem der Kastelle, in denen Heinrich, der Sohn Friedrichs II., vor seinem Ende in Haft gehalten wurde; rings herum reiche Oliven- und Orangenpflanzimgen, die der 5. Volito bewässei’t. 6 Kil. meerwärts von Nicastro lag das von Robert Guiscard gestiftete berühmte Benediktinerkloster S. Eufemia, das, vom Erdbeben 1638 zerstört, einem die Duft verderbenden See Platz machte; das jetzige S. Eufemia liegt 3 Kil. davon entfernt. II a u p t r o u t c. Einige hundert Schritte jenseit Tiriolo hat man von der Strasse aus einen herrlichen Blick auf die zwei Meere, das Ionische und Tyrrhenische, die hier nur 30 Kil. auseinander liegen, an der Ostküste auf den Golf von Squillace und die Magna Graecia, an der Westküste auf den Golf von S. Fufemia ; und über diesen hin auf die Liparischen Inseln mit dem Stromboli, der in verschwimmendcr Ferne auftaucht. — Nun jäh in ein enges Thal hinab, das nach beiden Seiten sich ausbreitend die Kette der Apenninen durchschneidet, und der tyrrhenischen Küste zu. Ueber den Lamato, dem rechten Ufer desselben folgend, zum (ö 1 ^ St.) Casino Chiriaco und dem Piano di Maida entlang, wo 1806 4800 Engländer unter Stuart als Helfer der Bourbonen die für die neue Bonaparte’sche Dynastie oin- riiekenden Franzosen unter Beynier schlugen. »Als die Engländer im Golf 8. Eufemia ausstiegen, kam ganz Kalabrien in die grösste Aufregung; »Tod den Franzosen!« war der allgemeine Schrei, und für lleyniev, der in Maida zurückgeschiagcn worden, bedurfte es hohen Muthes und Klugheit, um sich zu Cassano zu verschanzen und seine Truppen zu retten, bis Masseua ihm zu Hülfe kam.« (Cant'u.) L. Filadelßa, von den Bewohnern des 1784 zerstörten Castelmonardo erbaut, und Francavilla, an der engsten ; Stelle der Halbinsel, die Karl III. hier zu durchstechen beabsichtigte, (3Va St.) ! Torre Masdca, am rechten Ufer der Angitola. K. zweigt die Strasse nach (435 Kil.) Lo Pi/ZO ab, einem ehe- | maligen Kastell gegen die Seeräuber an 'der steil vortretenden Felsenspitze, die im S. den Golf von S. Eufemia besehliesst, 1 jetzt eine Stadt mit 8200 Einw. (die i Dampfer zwischen Messina und Feapcl legen hier an), bekannt durch das Ende , Joachim Murats, des Königs von Neapel und Schwagers von Napoleon. -um 18. Okt. 1815 landete er mit H Ofii- cieren und 16 Soldaten in der Ducht und hoffte die eben an einem Festtag versam* i melton Landleute und das Biirgerrnilitär für 1 die Bewegung zur Wiedererlangung des Königreichs gewinnen zu können. Aber Volk und Militär wandten sich von ihm ab. Der Dekan der Kirche von Fizzo erzählt: 725 23. Lo Pizzo — Monteleune — Mileto. 726 Mnrat suchte die Höhen zu gewinnen und eilte auf der Strasse nach Münteleone fort, aber der Gendarraeriekapltän 'Irenta- capilli, der gerade auf dev Durchreise von Palermo nach Cosonza sich hier aufhielt, verfolgte ihn mit Soldaten und Landbewohnern, die mit Flinten, Aexten und Sicheln gegen den »gottlosen Verfolger der Kirche und des Papstes« auszogen. Als der Kapitän bald Murat erreichte, rief dieser: »Kennst Du mich? Ich bin Dein König, folge mir nach Monteleone«; der Kapitän aber erwiderte: »Du lügst, mein König ist Ferdinand, und Du. bist ein Räuber!« Da zog Murat eine Pistole, aber in diesem Augenblick gaben die Nachsetzenden Feuer, Murat entsprang mit den Seinigen in einen Oelwahl, traf aber bald auf einen niederstürzenden Bergstrom, dev jedes weitere Vordringen unmöglich machte. Sie wendeten sich gegen das Meer, eilten mit Lebensgefahr die jähen Abhänge hinab und gewannen das Ufer, sprangen in ein Boot und suchten ihre Schüfe zu erreichen; aber das überladene Boot sticss an einer seichten Stelle auf den Strand; die Verfolger erkannten sie und schickten ihnen Kugeln nach, und als Murat den Kapitän «todt niederstürzen und alle anderen verwundet sah, ergab er sich; das Volk riss ihm seine Uniform entzwei und schleppte ihn mit Stockschlägen, Kolben- stösseu und Ohrfeigen unter den Zurufen: »Räuber! Gottesleugner! Freimaurer!« (er hatte vier Klöster aufliebeu und die Zahl der Geistlichen vermindern lassen) aufs Kastell. — Von Tropen erschien rasch der Direktor der Polizei, an welchen fünf Tage danach von Neapel der Befehl kam, sogleich einen Kriegsrath zusammen zu berufen, mit dem llinzulugen, das von der Sentenz bis zur Vollstreckung dem Gefangenen nur 1/4 St. Zeit zur Todcsvorberoitung gestattet werden dürfe. Das Unheil ward rasch gefällt, Murat beichtete und schrieb: »Man muss als guter Christ leben und sterben«, dann noch einen kurzen Brief an seine Gemaliliu. Kr schritt in den Vorsaal, in welchem die Soldaten das Gewehr zum Anschlag bereit standen. Kr warf noch einen Blick auf die hervorgezogenen Bilder seiner Kinder, schlug die Kleider auseinander und rief: »Nun seliicsst!:' Sechs Flintenschüsse streckten ihn nieder; der Leichnam ward in die Kirche getragen, die er als König reichlich beschenkt hatte, und in der allen Armen gemeinschaftlichen Gruft begraben. Die Stadt Pizzo aber erhielt laut Gnadendekret des Königs: 1) den Titel der Allcr- geireuesten; 2) für den Syndikus und die höheren Beamten die goldene Medaille, am Knopfloch zu tragen; 3) die Abschaffung aller Steuern, die der königliche Schatz auf sich nahm; 4) für jeden Einwohner jährlich 15 Pfund Salz; 5) die Zusicherung der Vollendung der Kirche, die mit Murats Geld gebaut worden war. Ein steiniges Strässclien führt von Pizzo durch Briatico nach (35 Kil.) Tropea, das höchst malerisch auf einem Felsen liegt und ! gegen das Meer hin herrliche Gärten hat; ! an dem nahen, siidwestl. gelegenen Capo Va- i ticano wendet sich die Küste rasch nach SO. | H a u p t r o u t e. 1. St. jenseit . Casino führt die Strasse durch einen langen Oehvald hinaus ans Meer, in eine wahr e*H e s p e r i d e n g e g e n d, wo Kak- . tus und Weinrebe prangen, Citronenwäl- der und Orangen die Berghänge decken, r. unten das Meer wogt und in der Ferne . die Inseln auftauchen. In diesem reizenden Gefilde auf einer Anhöhe, die ! zwischen dem Golf von S. Fufemia und von Gioja sich ausdelint: (445 Kil.) Montelcone; mit 10,800 Einw. (Haltestelle der Vetturine; Italia } leidlich), nach der völligen Zerstörung von 1783 (s. oben) hübsch aufgebaut, lebhafte Bezirksstadt mit bedeutenden Seidenfabriken. Ueber der Stadt, von herrlichen Baumen umgeben, die Trümmer der von Friedrich II. erbauten LÖ- wenstadt mit köstlichem "'Panorama, in dessen Umkreis der Aetna. Messina, die Liparischen Inseln und das Gebirge von Policastro liegen. Seüentour. Zwischen Monldeone und dem Meer liegt Bivona (Vinn), ein kleiner Ort, bei welchem Spuren einer Stadtmauer von 2400 m. Umfang die Stelle bezeichnen, wo das antike Hipponituti stand, dessen griechischer Name schon zu Cicero 1 « Zeit in Vibo verkürzt wurde, an der Südküste des Terinäisehen Meerbusens, der auch Sinus llipponiates oder Vibonennis hiess. Die Römer gaben der .Stadt nach ihrer Kolonisation den Namen Valentin. Unter Augustus war sie ein bedeutender Seeplatz für die römische Flotte mit Schiffswerften. Die Saracenen zerstörten die Stadt. Die Strasse führt durch das mit zahlreichen Dorfschaftcn (deren Namen auf die byzantinische Herrschaft deuten) umsäumte Viano di Monteleone nach (460 Kil.) MilctOj mit 4400 Einw., das weitläufig auf eine Anhöhe am Pra- vati, mit fast durchweg einstöckigen Häusern hingebaut ist; die frühere Stadt hatte das Frdbeden von 1783 völlig zerstört, auch die im 11. Jahrh. gestiftete Kathedrale und die von Robert Guiscards Bruder, Roger von Kalabrien, gegründete Abtei SS. Trinitä gingen damals zu Grunde. Der Sarkophag des Grafen Roger (gest. 1101) kam nach Neapel insMuseunr 24* i 727 23. Von Neapel naeli ßeggio. 728 Seitentouren. Ein Bergpass führt östl. durch Soriano (wo die Ruinen des vom Erdbeben zerstörten Klosters S. Domenico liegen) und Sorianello über einen niedern Pass des Monte Astore zu (-IVa St.) der im hohen Apennin gelegenen,, einst liochberiilimten Kartause 8. Stefano in Bosco, der zweiten Pflanzstätte des Kartäuserordens, die Graf Roger für S. Bruno stiftete, der hiev starb; seit dem Erdbeben von 1783 sind die ltuinen der Abtei verlassen, aber die Mauern der Kirche, die Wohnung des Abtes, der Kreuzgang und andere Theile des Prachtbaues (der aber in späterer Zeit starke Umwandlungen erlitt) noch vorhanden. — ln der 10 Min. entfernten modernen Kapelle S. Maria del Bosco ist das Grabmal des am 0. Okt. 1101 gestorbenen S. Bruno, aus dem 17. Jahrli.; in der ersten Maiwoche findet hier eine Procession von La Serra statt. Ucber Serra, das nach 1783.neu aufgebaut wurde, führt ein Saumpfad nach (ca. 50 Kil.) Stilo (S. 772), mit 2700 Einw., 360 m. ü. M., das terrassenförmig am Fuss des senkrechten Kalkberges Comolino (701 m.) liegt, welcher mit ausgedehnten Mauer- und Thurmruinen bedeckt ist. Stilo verdankt Karl V. das Prädikat einer königlichen Stadt und den zweiköpfigen Adler in seinem Wappen. — Fast unmittelbar an den Felsen des (Jonsolino geklebt, überragt die merkwürdige kleine Ziegelkirche Da (Jattolica (im Lichten nur 6 in. im Quadrat) die Stadt. Das Kirchlein ist ein quadratischer Bau mit drei Apsiden und vier den innern Raum in neun Quadrate theilenden antiken Marmorsäulen; zwei aus Cipollino, eine aus Granit, eine aus weissem Marmor; auch die Kapitale sind verschieden, statt der Basen dienen zum Theil umgestürzte Kapitale; die erste Säule r. vom Eingang trägt die griechische Inschrift: »Gott ist der Herr und uns erschienen« um ein griechisches Kreuz; über den vier Eckquadraten erheben sich cylin- drische Kuppeln, die fünfte (höchste) über dem Mittelquadrat; die vier mittleren Quadrate tragen Tonnengewölbe; die Fenster sind rundbogig; Reste von alten Fresken. Die Bauart zeigt vornehmlich den mittelalterlichen Verkehr mit dem byzantinischen Reich. Die Strasse zieht die Höhen hinab, welche das Piano di Gioja begrenzen, längs des Mesimaflusses, den sie beim Beginn der Provinz Calabria ultra I überschreitet. (477 Kil.) llosarno, mit 3800 Einw., in einer der Malaria ausgesetzten Gegend malerisch über dem Fluss auf oliven- besaetem Hügel; westl. davon lag die griechische, von denLokrerngegründete Stadt Medama, mit einer berühmten Quelle; südöstl. gegenüber liegt jenes 1783 verschlungene Polistena (S. 720). R. von der Ebene, welche die Strasse durchzieht, liegt Gioja f welches die Stelle des antiken Metaurum einnelimen soll; die Malaria liess schon seit Anfang des 17. Jahrli. die Stadt veröden, aber wegen der reichen Ernte umher besitzt sie noch grosse Oelmagazine. — Der kleine Fluss Marro , über den die Strasse setzt, ist der Metaurus, an welchem jene Stadt lag. — R. von der Strasse das von alten Oelbäumen umschattete (505 Kil.) Palmi ( Alhergo Plut.ini) , mit 10,000 Einw., dicht am Meer auf einer Anhöhe, nach dem Erdbeben von 1783 regelmässiger aufgebaut als Viereck mit der rechteckigen Piazza und den Palmbrunnen in der Mitte, nördl. der grössere Platz um die Hauptkirche mit den öffentlichen Gebäuden am Ende; 14 gerade polygon gepflasterte Strassen tlieilen die Stadt in 52 Inseln mit fünf Kirchen; auf den Terrassen köstlicher Blick auf den Aetna hinüber, auf Messina, die Liparischen Inseln und das prächtige Meer, zu welchem grosse Alleen hinabführen. Rings herum reiche Oliven- und Orangenpflanzungeil. Ausflüge. Lohnender Ausflug auf den hohen, rauhen *Monte S. Elia (f>80 in.), au welchem Palmi liegt, mit Prachtblick auf Gebirge, Küste, Meerenge und Sicilien. Südöstlich von Palmi erreicht man in z k St. Seminara, mit 4570 Einw., aus dem 1075 zerstörten Tanriannm entstanden und nach dem Erdbeben von 1783 nach S. gerückt. Oöstlich von Palmi gegen die Berge hin liegt das jetzt ein regelmässiges Viereck mit 11 Strassen und 36 [nseln bildende Oppido, der Centralpunkt des fürchterlichen Erdbebens, das hier rings herum weithin alles zerstörte (S. 720). Nun durch Kastanienwaldungen und Olivenpflanzungen, mit prächtigem Blick auf die Küsten und gegen Sicilien hinüber, nach (515 Kil.) Bagnara (Locanda della Stella) , mit 8500 Einw., von Robert Guiscard gegründeter hübscher Ort am Meer, mit verfallener Burg, schönen Frauen und offener Rhede. In Bagnara werden jene berühmten Kuchen gefertigt, welche man in eigcnthümlichen, buntbeklebten Schachteln durch ganz Kalabrien versendet. — Der Küstenbiegung folgend, mit fortwährend herrlicher Aussicht auf die Küsten, nach 2 St. 729 23. Scilla — Aspromonte. 730 (527 Kil.) Scilla (unten eine ordentliche Trottoria) , mit 7400 Einw., das vom Sclilossfelsen herab in zwei Reihen von Häusern bis ans Ufer des Meers niederzieht, welches hier eine halbkreisförmige Einbuchtung bildet. — Sici- lien liegt nur J /2 St. mit seinem Capo di Foro entfernt. Fischerei (im Spätsommer Schwertfische), Seidenspinnerei und Schönheit des Menschenschlags von Scilla haben begründeten Ruf; auch der Wein ist vortrefflich. — Scilla ist das antike ßcylUinm, an dem hohen und senkrecht ins Meer hineinragenden Felsen Scylla, am nördlichen Anfang der sieilischen Meerenge, an den die Phantasie Homers den schreckenden Mythus von dem allen Schiffen Verderben bringenden Seeungeheuer Scylla knüpfte. »JÜttcn im Fels ist eine von Nacht umdämmerte Höhle, Drin im Geklüft nun hauset die furchtbar bellende Skylla; Halb mit dem Leib zwar ist sie gesenkt in die Tiefe des Felsens, Doch vorn streckt sie die Häupter hervor aus dem grässlichen Abgrund, Schnappet und fischt umher, mit Begier umspähend den Felsen. Noch hat nie sich ein Fischer gerühmt, unverletzt mit dem Meerschiff Dort vorüberzufahren; mit jeglichem Rachen entreisst sie Einen geraubeten Mann aus dem dunkel- geschnäbelteu Schiff.« (Odyss. 12, 89.) Schon Tlntkydides (4, 24) bezieht den homerischen Mythus auf diese Gegend, die er wegen der Enge dos Raums und des Eiiiströmens und gewaltigen Wogens des Tyrrhenischen und Sieilischen Meers für sehr gefährlich hält, was glücklicherweise für die jetzige Schiffahrtskunde trotz der immer noch starken Strömungen keine Bedeutung mehr hat. Der niedrigere, gegenüberliegende Felsen mit dem Ungeheuer der Oharybdis ist topographisch nicht mehr aufzufinden, wird aber, da die Ungeheuer gewaltige Meeresstrudel personificiren, an den sogen. Gtcrofulo- Wirbel beim Hafen Mes- sina’s verlegt, in den auch Schillers Taucher sich senkte. — Auf dem Scheitel des Scyllafelsens, der zwischen zwei Halbkreisebeilen vorragt, hatte schon Anaxilaos, der Machthaber in Rliegium (Reggio), 470 v. Chr. einen Wachtthurm gegen Seeräuber erbauen j lassen; jetzt steht hier ein noch 1806—1808 I gegen die Franzosen vertlieidigtes Schloss ] auf der gegen die Landseite der Stadt gerichteten Einsattelung. Bei dem Erdbeben 1783 hatte sich der Fürst von Scilla (aus dem Haus ßu/o) mit einer grossen Zahl seiner Unterthanen auf die Schifferkähne geflüchtet; aber in der Nacht des 5. Febr. hob sich das Meer plötzlich um 6 m., warf sich auf die Küstenebene und zog alles, was es vorfand, mit furchtbarer Heftigkeit gegen das Land hin; die Kähne zerschellten am Ufer oder wurden weit ins Land hinein geworfen. Der Fürst sammt 1430 seiner Unterthanen kamen um; Schloss und Stadt stürzten ein (S. 720). Besteigung des Aspromonte. Von Scilla aus besteigt man am besten den Aspromonte, dessen höchster Gipfel, Montdito, 1964 m. ü. M. aufragt. Lohnende, aber sehr beschwerliche Waldwege, unten durch Buchen- und Eichenwälder, oben durch Tannen, führen zu dem rauhen Berg hinan, der die Kette der südlichsten Apenninen abbriclit. (Vgl. S. 775.) Mehr noch als ein herrliches Panorama, das lange unbenutzt blieb, hat den Namen des Gebirgzugs der officielle Angriff der Italiener unter dem Obersten Pallavicini auf den gefeierten Freiheitshelden Garibaldi überallhin bekannt gemacht. Garibaldi , der gegen den Befehl der Regierung mittels Erhebung des gesammten Volks ins römische Gebiet Vordringen wollte, war mit 2000 Freiwilligen von Catania nach Melito hinübergefahren und hatte sich, da er die Festung zu Reggio stark besetzt fand, am 27. Aug. 1862 auf dieses Gebirge zurückgezogen. Pallavicini folgte ihm, und als trotz der gemessenen Befehle Garibaldi’s der oinen Bruderkampf vermeiden wollte, ein Schuss fiel, gaben die künigl. Truppen Feuer; der Freiheitsheld ward am Schenkel und Knöchel verwundet und gefangen vom Gebirge liei*abgeführt. Eine schöne, nach der Restauration der Bourbonen angelegte Strasse folgt dem Rand der Küste, mit dem entzückendsten Panorama. — (535 Kil.) 1 ’illa S. Giovanni, mit 3600 Einw., an der schmälsten Stelle der Meerenge (3 Kil.), in prachtvoller Lage, von reichbepflanzten Höhen umgeben, mit gutem Klima und gedeihlicher Seidenindustrie. (Von hier aus ist die kürzeste Ueberfahrt nach Messina mit Barke in 1 St; für 5 Fr.) — Ueber Gallico, Arco und S. Caterina, von üppiger südlicher Vegetation (Palmen, Granaten, Agaven und Agrumen) umgeben, nach (545 Kil.) Reggio (S. 777). 731 24. Von Bari nacli Taranto. 732 24. Von Bari Vgl- die Karte am 115 Kil. Eisenbahn von Bari nacli Ta- \ ranio, 2mal tägl. in 4 St.; I. 13 Fr., II. 9 Fr. i 10 C., III. 5 Fr. 20 C. j Diese Bahn bildet jetzt einen Abschnitt ; der grossen Bahn Bari - Reggio, die in 19 St. 1 bis zur äussersten Stiefelspitze Italiens führt, i von wo man in 1 St. nach Sicilien (Messina) : hinüberfährt. Die Bahn Taranto - Ileqqio '■ R. 20. J \ nach Taranto. Ende des Buches. Doms von Bari nachgebildet ist. Die Umgebung liefert treffliches Oel, ist sehr baumreich und reich angepflanzt. (15 Kil.) Stat. Bitetto (r.), Städtchen mit 5000 Einw. Die Kathedrale, 1325 begonnen, ist eine dreischiffige Basilika im Transitionsstil; die i Strarta GaribcutU ^.Eoriu\di Lacee 2 . ■< Mxqqiore Q.&flammiao 3. " Carducci 1 .CaUedralp 4. Curso Tiitorio Eman ® ^.Tostet (L ifiwo Ced. V \ CCOIO; 0, O \_ V 0 T k ft k H T 0 Taranto. Die Balm, anfangs in flacher, landschaftlich einförmiger, aber an Oliven, Karuben, Mandelbäumen reicher Gegend mit schönem Rückblick auf Bari und das Meer, tritt Hälfte des Wegs in eine von Gallerien durchschnittene Gebirgsgegend; auf der letzten Strecke schöner Blick auf den Golf von Taranto. (11 Kil.) Stat. Moäugno, Städtchen mit 9000 Eimv., schon 1025 als Bisthum unter dem Erzbischof von Bari genannt; neben der im Renaissancestil aufgefiihr- ten Ilauptkirche, mit einer Kuppel über vier Spitzbögen, erhebt sieh der alte hohe Thurm, der dem Campanile des Fa^ade über einer fünfstufigen Freitreppe zeigt die lombardische Anordnung der Pilaster, die In den Rundbogonfries übergehen. Das im Spitzbogen überwölbte Hanptportal schmücken reiche Skulpturen in gothischem Stil, an den Pfosten drängen sich Figuren zwischen die Arabesken, an den Feldern sind neun biblische Darstellungen von der Verkündigung bis zur Hochzeit zu Kanaan angebracht; im Bogenfelrt Madonna und Christus mit den zwölf Aposteln; über dem Portal eine grosse Hose. — Das Innere zeigt zwei Reihen durch Spitzbögen und Rundbögen verimndener Pfeiler, an die sich seitlich Halbsäulen anlehnen, Kreuzgewölbe überspannen die Schiffe; die von der Tünche befreiten Fresken mit biblischen Geschichten sind aus dem 15. Jalirli. Das nahe durch eine Strasse verbundene llitonto s. S. 643. 733 24. Bitetto — Taranto. 734 Omnibus (30 C.) von Bitetto in Va St. nach Palo dcl Colle, mitten in Obst- und Oelgärten auf einem Hügel hingebreitet, mit vortrefflichem Wein (besonders Muslcat- woino, z. B. Zagarello); nahebei die schöne Villa des Fürsten della llocca Filomarino. (22 Kil.) Stat. (hmmo. Kurier nach (25 Kil.) Altamitra (S. 710) in 3 St., für 2 Fr. 55 C.; — nach (45 Kil.) Miticra (>S. 700) in 6 St-, für 5 Fr. 10 C. An Stelle dev Baumlaudschaft tritt mm die ödere Weide: (41 Kil.) Stat. Acguaviva• der Ort 1. mit romanischer Ilauptkirehe. Dann durch einförmige Weiden und Wiesen; 1. grosse Waldungen mit Obstbäumen und Oliven. R.Cassano, mitschönerStalaktitengrotte. (54 Kil. ) Stat. Qioja dal Colle, mit 13,000 Kimv., eine rege Stadt, die schon Friedrich II. als Jagdbezirk liebte. Die Hochebene von Gioja ist auffallend verschieden vom Küstengebiet, liier gedeihen keine Oelbäume und Orangen mehr. — Nun in der Terra d'Otranto in gebirgiger und sehluchtiger Gegend, die von Tunnels durchsetzt und durch schöne Kunstbriicken verbunden ist, über (67 Kil.) Stat. S. Basilio Mottola; man sieht 1. Mottola hübsch gelagert auf einem Berg und macht eine Rundtour um dasselbe. — (77 Kil.) Stat. Castellaneta, r. unter Bäumen*, Praehtblick auf das Gebirge 1. Dann durch einen langen Tunnel; schönes Hügelland und Eichenwald (eine berühmte Gegend für die Jagd auf Schnepfen, die bis nach Paris versendet werden. R. köstlicher Blick auf das langgestreckte blaue kalabrische Gebirge. Durch die romantische Bergschluclit von Gravina nach Calaginetta, das ganz aus dem Tuff dieser Wüste aufgebaut ist. — ("86 Kil.) Stat. Palagianello. — (93 Kil.) Stat. Palagiano - Mottola, wo nochmals das an vortrefflichem Oel überreiche Mottola auftaucht. In köstlicher Olivengegend nach (93 Kil.) Stat. Massafra; 10 Min. von dem Städtchen, das auf einem iso- lirten Kalkhügel liegt, die an einer Schlucht gelegene, auf langen Treppen zugängliche Kirche Madonna, della Scala. — Dann in ganz flacher Gegend, mit köstlichem Blick auf das Meer, nach (115 Kil.) Taranto. Gasthöfe: Albergo di Roma (Fecury), Anfang der Via Maggiore. — Albergo Garibaldi (La Tanza), am Eingang der Stadt; beide echt italienische Lokanden mit Trattorien; III. Ranges, aber sehr billig (Z. V-h Fr., Braten G0 C., *Fische 50—70 C., halbe Flasche vortrefflichen Weins 25 C.); die Wirte sind noch nicht durch die Fremden verdorben. Die 'Jrattorie im Albergo Garibaldi wird von den Officieren frequentirt und ist zu den Essenszeiten stets angefüllt. Die Zimmer und Bedienung sind im Albergo di Roma besser. — Trattoria Leone di Venezia, inittelmässig. Cafes (noch höchst primitiv): Das grösste, Cafe-Restaurant Colombo. d’Architn, liegt weit weg in der Neustadt. — In den zahlreichen KeUrrkneipen trefflicherWein (Flasche 30 C.). Wagen vom Bahnhof zur Stadt: 60 O. Deutscher Konsul: Nicola Corato (von Bari), wohnt in der Neustadt gegen die Villa Beaumont hin. Post: Gegenüber der rechten Langseite der Kathedrale. Alterthümer: Bei Cataldo Ammaco an der Piazza (Schälchen, 'Besseren u. a.). Tarent, mit 27,546 Einw., lebhafte Seestadt, mit eigenthümlicher, durch die verengte Bucht bedingter Physiognomie auf einer Insel liegend, dehnt sich zwischen einem von ziemlich flachen bewaldeten Ufern umsäumten Meerbusen von 30 Kil. Umfang, il Mare piccolo genannt, und dem grossen eigentlichen Golf von Tarent hin, und ist durch eine Brücke und einen Aquädukt mit dem Festland verbunden. Das an Schalthieren (frutti di mare) und Fischen (schon in antiker Zeit) überreiche Mare piccolo tritt am innersten Rand des grossen Golfs tief in das Land ein und wird zu einer Art Lagune durch die Einschiebung der Insel zwischen die zwei Landzungen, welche die Bucht einkeilen. Die Fischerei (Pesca) ist an bestimmte Zeiten gebunden; die Mormili tischt man im Juni und Juli, die *S anri im August und September, die Anrate im Oktober und November. — Bei der Fontanella ist der Lido voll von Fragmenten der sogen. Pui’pur- schneckc; am Lido delle Sciaje findet man Bruchstücke antiker Vasen, au der kleinen Bai 8. Lucia ist der Lido reich an Schalthierfragmenten ; hier findet besonders dev Seppiafang statt. Bei den Fieschi ist die reichste Ausbeute an Austern und Spondili. Am Flüsschen Rasen fängt man nahe an seiner Einmündung ins Mare piccolo eine grosse Zahl von Wasservögeln. Eine innere Erdzunge theilt das Mare piccolo wieder in zwei Hälften, deren 735 2L Von Bari nach Taranto. 736 östliche etwas geräumiger ist. In den grossen Golf hinaus dehnen sich südl. und nordl. zwei Vorgebirge: weiter ins Meer vortretend Capo 8. Vito und mit stumpferer Form Capo 8. Collichio, welche die Grenze des grossem äussern Hafens bilden; zwischen diesen Promontorien liegen noch etwas weiterhin im Meer, die beiden flachen Inseln 8. Pietro, die nördliche, grössere, und S. Paolo ? die südliche, kleinere, und schützen den dahinterliegenden Hafen. Beide Inseln sollen jetzt durch einen Damm verbunden und dadurch der Aussen- hafen vollkommen gesichert werden; gleichzeitig wird östl. vom Kastell die schmale Landzunge durchstochen, welche das Mare pieeolü vom Hafen scheidet. Zwei Leuchtthürme bezeichnen den Eingang; die nördliche Einfahrt jenseit S, Pietro ist versandet und nur kleinen Schilfen zugänglich. In der Stadt selbst, die jetzt nur den alten Kern (die Akropolis) des berühmten antiken Tarent einnimmt, kann man sich ohne Plan sehr leicht zurecht finden. Sic zeigt ihre drei modernen Entwickelungsstadien in drei verschiedenen Quartieren. Nordöstl. dem Mare piccolo zugewendet, an der Strada Garibaldi (die aber wegen der hohen Mauern am Meer keine Aussicht auf dasselbe gewährt) die Behausungen der Fischer und des niedern Volks, die einen ganz beson- dern Dialekt sprechen, mit vielen verdorbenen griechischen Wörtern; auch altgriechische Spiele, z. B. livolia, curru- colo, arunghiole (mit Knöcheln, Quirl und Eisen) erhielten sich noch. In der dem regen Verkehr geöffneten, einen langen krummen Streifen bildenden Mittelstrasse (Strada maggiore) die Handeltreibenden, deren wichtigste Ausfuhr Oel und Getreide ist; endlich am Kai die stattliche Strada Vittorio Emanuele , die naturschöne Erholungsstätte. Eine Menge kleiner dunkler Winhclgassen durchschneidet die Centralstrasse; die Häuser sind meist massiv aus Sandsteinquadern erbaut, mit sparsamen Fenstern und mehrfachen Geschossen, häufiger mit Ziegeldächern als mit den süditalischen Lastrico bedeckt. 4^=* Eilige, welche Tarent nur wenige Stunden widmen können, mögen sich genau an die folgende Wegführung halten. Geht man vom Eingang der Stadt über die Piazza (mit einem schönen durch KarlV. errichteten Brunnen aus weissem Kalkstein) der Strada maggiore entlang, so trifft man nach wenigen Schritten 1. (nach Nr. 6) 8. Domenico. Vorn, neben der doppelten Freitreppe: 1. Petrus, r. Paulus, 1Ö Jahrli.; an der Fa v. Chr.), der auch Staatsmann und lange Zeit Vorsteher der Stadt war. Später nahm wegen des Wohlstands die Schwelgerei überhand, so dass sie im «Jahr mehr Festtage als Werktage hatten. Von da an wurde ihre Verwaltung schlechter, wie ihre Wahl auswärtiger Anführer bezeugt; zuletzt riefen sie den Pyrrhos, als sie mit den Hörnern Krieg führten, und erlagen 272 v. Chr.; sie veruneinigten sich selbst mit denen, die sie zu Hülfe gerufen, ln den Kriegen mit llannibal verloren sie 2011 v. Chr, ihre Freiheit; später (123 v. Chr.) erhielten sie eine römische Kolonie. — Die alte Mauer hat noch einen sehr grossen Umfang (wie zu Augustus 1 Zeit); jetzt ist der östl. vom Isthmus gelegene Theil unbewohnt, der aber an der Mündung des Hafens, wo die Akropolis ist, besteht noch und hat die Grösse einer bedeutenden Stadt. — Die Stadt besitzt ein sehr schönes Gymnasium und ein grosses Forum, auf welchem der eherne Koloss des Zeus steht. Zwischen dem Markt und der Mündung ist die Burg, mit geringen Ueberresten des vormaligen Glanzes der Weihgeschenke; den grössten Theil hatten die Karthager bei der Einnahme der Stadt vernichtet, und die Körner, als sie sich der Stadt mit Gewalt bemächtigten, führten das andere als Beute hinweg (verkauften auch 30,000 Tarentiner Bürger als Sklaven). — Der Hafen ist gross und schön, durch eine sehr grosse Brücke geschlossen und hat 100 Stadien im Umfang; aus dem innersten Winkel desselben läuft eine niedrige Landzunge ins Meer vor, so dass die Stadt auf einer Halbinsel liegt; niedrig ist deshalb auch die Lage der Stadt, nur nach der Akropolis zu erhöht sie sich ein wenig«. Vom Ursprung berichtet Strabon nach Antiochns: Spartanische Parthenier, welche, weil Ihre Väter nicht gegen die Messenier ins Feld gezogen, für unehrlich erklärt wurden, hätten unter Phalanthos eine Verschwörung eingeleitet. die aber verrathen wurde; Phalanthos sei deshalb zur Gründung einer Kolonie fortgeschickt worden, und das Orakel habe ihm geweissagt: Taras fettes Gebiet und Satyrion hab’ ich zum Anbau Dir verlielin, und dass Du den Japygern werdest zur Plage. So kamen mit Phalanthos die Parthenier hierher und gründeten (707 v. Chr.) Tunis (bei den Körnern Tarentnm). Iloruz, zur selben Zeit geboren wie Strabon , hat der Stadt die herrlichen Strophen geweiht (Od. II, 0): Wenn die Parzen Tivoli’s Sitz mir weigern, l Zieh ich hin, wo Sparta’s Phalanthos ] herrschte, j Zum Galaesusfluss (Cervaro), wo das feil- [ bedeckte ! Wollenvieh weidet. (In antiker Zeit war Tarents Wolle berühmt.) j Dieser Winkel lacht mir vor allen der Erde, j Wo der Honig (noch jetzt ausgezeichnet) mit i dem Hymettus eifert ] Und des Oelbaums strotzende Beere mit dem j Fetten Yenafrum; : Wo der Himmel längeren Lenz und immer Laue Winter schickt und die Aulonhüke j (nördl. von Tarent), Reich durch Bacchus Huld, die Falerner 1 Traube j Wenig beneidet. — Dich mit mir ruft jenes Gefild, die goldnen Höhen nehmen beide vereint auf! hier einst Netze Deines Freundes, des Dichters, warme Asche mit Thränen! — j Nur geringe Beste aus der antiken Zeit haben sich erhalten; an der Südoststrasse (nach Leece), 7 Min. jenseit des ! Kastells (S. 737), die Ueberbleibsel eines Girlcus, dann weiterhin (S.738 ), r. meer- wärts zahlreiche Fragmente von Netzwerkbauten (vermengt mit mittelalterlichen Bauresten). Sie erstrecken sich in einem Rechteckt von mehreren 10U Schritten harr, am Meer bis zur Ansteigung hin. Man geht von der Thonfabrik (wo die Brüstung der Landstrasse aufhört) r, nahe am Meer stets dem Geröll entlang. Da in jüngster Zeit für den Bau der Eisenbahn liier Material geholt wurde, so sind ziemlich zahlreiche Ueber- reste gefunden worden, von denen ein Theil (Säulen, Pfeilerquadern) jetzt in einem Kaum neben dem Bruch liegt. An einigen Bauüberresten sieht man noch den bemalten Stuck. Dem Häuschen des Aufsehers direkt gegenüber ist amFussboden des letz- . ten Raums (unterhalb des Feigenbaums) i noch das Mosaik theilweiso erlialteu. Vom j Meer aus sind noch einige Grotten zugäng- 1 lieh. Als solche gilt auch hart beim Steinbruck ein antiker Keller mit Flachdecke und Liclitöffnung. Auch noch Spuren der antiken Stadtmauer, im Garten des ehemaligen The- resianerklosters Spuren der Platca eines 741 25. Von Brindisi nacli Lecce, Otranto und Taranto. 742 Theaters. — Wein, Feigen und anderes Obst sowie der) lonig sind noch wie in der antiken Zeit ausgezeichnet, aber anstatt der FurpurSchnecke, deren Denkmal noch der Monte Testaccio trägt, hat die berüchtigte Tarantel spinne von der Stadt den Namen erhalten. Die Tarantel, ein spinnenartiges Thier, stark behaart und bis 5 cm. lang, auf dem Rücken mit einem schwarzen, gesäumten Dreieck und weissen Querlinien, unterhalb safrangelb mit .schwarzem (pierband., hat von der Stadt Taranto den Namen (Taranteln). Die Erdlöcher, welche die Taranteln nur bei Nacht verlassne, liegen hier im harten Lehmboden; berührt man das am Eingang ausgespannte Spinnennetz leicht mit einem Strohhalm, unter Nachahmung des Summens einer gefangenen Fliege, so sehicsst die Tarantel hervor und kann leicht gefangen werden. Die Behauptung, ihr Biss Verursache die düsterste Schwermuth und das Absterben, aller Empfindung, wenn nicht raschbewegte Musik zur Heilung bereit sei und den Ohnmächtigen aufraffe, worauf derselbe mit Geheul einen Bacchantentanz beginne, den er 2—5 St. sclnveiss- trlofend fortsetze und zur völligen Genesung- noch drei weitere Tage nach dem Mittagessen wiederhole, ist eitel Fabel und beruht theihveise auf Verwechselung mit dem Veitstanz. Der JJiss der Tarantel ist wenig schädlich und nicht mehr als ein Bienenstich zu fürchten; er entzündet und schwellt die betroffene Partie, es bildet sieh ein gelber lling und schwarzer Schorf ohne weitere Folgen. Die ungewöhnlich reizbare Einbildungskraft des Apuliers hat das Thier zum Ausgangspunkt nervöser Krankheiten gemacht. — Die Tarantella , ein selbst in die nordischen Klavierkompositionen eingedrungener sfidifalischer Nationaltanz, mag wohl schon lange vor dieser Spinnensage geblüht haben, steht aber, wenn leidenschaftlich getanzt, der Krankheit, die er heilen soll, weit näher als der Spinnenbiss. 20 Min. vor der nur sparsam mit Villen umgebenen Stadt liegt an der Küste die immer noch hübsche Villa S. Lucia, einst im Besitz des Erzbischofs Oa-pecelatro, dann des Generals Fepe. Von 'Taranto nach Leocft s. S. 7f»l. 25. Von Brindisi nach Lecce, Otranto und Taranto. Vgl. die Karte am 85 Kil. Eisenbahn von Brindisi bis Otranto 2mal tiigl., in 3V 4 St. I. 0 Fr. 75 C., II. 0 Fr. 85 O-, IIr. 3 Fr. 00 C. — Von Otranto zurück nacli Lecce (17 Kil.) in 2 St. I. 5 Fr. V» 0., II. ;t Fr. 75 C., III. 2 Fr. 15 (J. — Post von Lecce tiigl. (in 9 St., für 10 Fr.) nach (85 Kil.) 'Taranto. Jenseit Brindisi (S. 653) zieht die Bahn in grösserer Entfernung von der Küste südl. über die Stationen Tuturano, S. Pietro 7 Vernotico, Stjuinzano (Städtchen mit 3700 Kinw.), Trepuzzi nach (öS Kil.) Lecce (Albergo di Roma; Albergo dello, Ferrovia), mit 23,300 Eimv., Hauptstadt der Provinz Terra (VOtranto und Bischofsitz, eine der grössten und wohlgebautesten Städte jenseit Neapel, in der Ebene, 1 */2 St. vom Meer, von modernem, aber eigenthümliehem Aussehen, da die vielen spitzen Tliürme und die meist aus gelben Sandstein- quadern erbauten, mit Lastrico eingedeckten Häuser ihr ein orientalisches Gepräge geben, während stattliche Renaissancebauten, grosse Thorwege und liier und da Malereien an den Wanden den speeifiseh italienischen Charakter Ende des Buches. wahren und die breiten und geraden Strassen, die grosse, regelmässige Piazza, das von Vorstädten, Villen und Gärten umgebene Parallelogramm des Stadtkerns sowie das Schloss eine volkreichere, regere Stadt erwarten lassen. Schönheit und feinere Bildung zeichnet die Bewohner aus, doch sind sie gegen Fremde zurückhaltend. Geschichtliches. Lecce steht wahrscheinlich an der Stelle des antiken Lupia (Luppiae), von dem noch im 15. Jahrh. lteste eines Amphitheaters und anderer römischen Bauten vorhanden waren; liier harrte der 18jährige Ohtavian, als er nach Casars Ermordung von Apollonia znriiek- kam, der Nachrichten über den Gang der Ereignisse zu Rom. Zur Nonnannenzeifc hiess die Stadt Licium (Lecce), und die Grafen von Leccc erlangten eine hohe Stellung. Graf Gottfried und der Bischof Forra»sus dessen die Kathedrale 1114 bauen. Die schöne Tochter Graf Roberts von Lecce, SybiUa, erhielt (1145 und 1147) vom ältesten Sohn des Königs Botjer von Sicilien zwei Söhne, Tancred und Wilhelm. Der Graf entzog sich dem Zorn des Königs durch die Flucht nach Griechenland, der Kronprinz starb, mul seine zwei Söhne wurden in Pa- lenno verwahrt; aber Tancred entkam und erhielt dann von König ‘Wilhelm II. die 743 25. Von Brindisi nach Lecce. Otnvnto und Taranto. 744 Grafschaft Lecce. 1189 erhoben ihn die Normannen auf den Thron, den er unter fortwährenden Kämpfen gegen die Deutschen bis zu seinem Tod (1194) behauptete. — Wilhelm, der Sohn Tancreds, erhielt Lecce von Heinrich VI.; aber einer Verschwörung vei’dächtigt, ward er nach Hohenems in die Gefangenschaft geschleppt. Nachdem noch der Schwiegersohn Tancreds, Hugo von Brienne, die Grafschaft besessen, kam sie an Friedrich II und Manfred; Karl I. Anjou verlieh sic dem Grafen Walter von Brienne; durch Erbe kam sie an die Eugenio und Balzo - Or&ini, dann an König Ferdinand von Aragonien, der ihre schnelle Uebergabe mit reichen Privilegien lohnte; Kaiser Karl V. legte hier ein grosses Kastell an. Die Kathedrale (Assunta) gehört ihrer Anlage nach dem 12. Jahrh. an und hat grosse Aehnlichkeit mit dem Dom von dem Grafen Tancred 1180 zum Seelenheil des Königs und seiner Familie errichtet. »Die mathematische Einfachheit und die feine Symmetrie der Dekoration sowie die bewunderungswürdige Präcision in der Ausführung aller einzelnen Theile erhebt diese Kirche zu einem der vorzüglichsten Bauwerke Unteritaliens.« (Seimig.) In der Vierung der dreischiffigen Pfeilerkirche erhebt sich über vier hohen Spitzbögen ein im Innern durch Ueber- bauung oval, von aussen aber achteckig gestalteter Kuppelbau; das Mittelschiff ist mit einem spitzbogigen, durch Gurten verstärkten Tonnengewölbe überdeckt, das Querschiff reicht nur bis an die rnsmmmmw ira S. Nicola e Cataldo in Lecce. zu Bari, wurde aber später mannigfach modernisirt, besonders 1660. Unter dem Chor befindet sich eine Unterkirche. Der Thurm neben derFa^ade, zu Anfang des 13. Jahrh. erbaut, stürzte wiederholt ein; die unteren Theile gehören dem ursprünglichen Bau an. -- An der Fa9ade von S. Croce sieht man noch mehrere interessante Architekturtheile. »Das Innere ist bei aller Manier nicht ohne eine gewisse Kühnheit der Struktur.« — Der Präfeldurpalast daneben ist ein reich geschmücktes, aber schweres Gebäude. — Noch mehrere der 32 Kirchen zeigen Reste der Kunstblütezeit Lecce’s im Mittelalter. S. Domenico stammt aus dem 14. J^hrli. Der interessanteste Bau ist dicKirche S. Nicola e ( ataIdo, vor der Stadt, Flucht der Seitenschiffe. Im 17. Jahrh. ist das ganze Innere der Kirche durch Malerei verunstaltet worden. Auch die Vorderansicht der Kirche ist durch Neuerungen verdorben; doch blieb das Ilaupt- portal mit seiner Spitzbogenwölbung und arabisirenden Verzierungen der Einfassungsgurten verschont. Ueber der Arcliitravinschrift von 1180 läuft ein ornamentirtes Gesims mit 8 Frauenköpfen, die einen eigentlüimlichen Kopfputz tragen; »sie scheinen recht gut den Typus einer Klasse des dortigen Volks auszusprechen: eine sehr hohe breite Stirn, scharf vorspringende Augen, eigen kleinen Mund«. — Zwischen Architrav und Spitzbogen lleste eines Madonnenfresko’s aus dem 15. Jalirh. Das Baumaterial der Kirche bilden muschelreiche Kalkquadcrn, die Skulpturen aber, aus einem Lecce cigouthümliehcn Stein geschnitten, haben den goldgelben Ton der Tempel zu Pästum. 745 25. Lecco — Gallipoli. — Maglie — Galatina. 74C Eine hübsche Promenadenstrasse führt in ii l /a St. östlich zum (17 Kil.) t'astello (li S. ('ataldo am Meer. Das 1 St. südwestlich gelegene Uugge hält man für das antike lludiae, Geburtsort des Epikers und Tragödiendichters 'Kmius (geh. 23i) v. Clir.), der den epischen Vers der Hellenen zuerst in die römische Literatur einfährte, Stücke des Euripides übersetzte, Satiren schrieb und der römischen Poesie und Sprache die Wege öffnete. Seiteniour von Lecce per Post (in 3 St., für 3 Fr.) nach dem südwestl. am Meer gelegenen (37 Kil.) Gallipoli. Die Strasse führt anllugge (s. oben) vorbei nach (25 Kil,) Nardo, mit 10,200 Einw., das antike Neretum der Salentiner in Japygien, jetzt ein sehr ge- werbreiclies Städtchen, bekannt durch die hier gewobenen baumwollenen Bettdecken. Die Kathedrale von 1400 wurde 1720 ganz niodernisirt und die Säulen zu Pfeilern umgebildet; bei der Kanzel ein Bild Solime- na’ü, ö. Bernardino von Siena den Einwohnern von Nardo predigend. Gallipoli, mit 10,000 Einw., das antike griechische Kallipoli*, zu Plinius’ Zeit Anxa genannt, hübsche befestigte Stadt auf einer ziemlich hohen Felseninsel am Meer, mit gutem, durch einen Molo geschützten llafen, in welchem die Dampfboote von Ancona und Messina anlegen. Eine durch das Kastell geschützte Brücke verbindet die Jusel mit der weiten Vorstadt des Festlandes; um sie her liegen die Inseln S. Andrea und del Campe, und die Südbucht, die das Pizzo- vorgebirge bildet. — Selienswerth sind die in den Kalkfelsen gehauenen Oel-Chternen, welche bewirken, dass das lange gelagerte Olio di Gallipoli das klarste der neapolitanischen Oele ist, wie denn überhaupt das Oel der Terra d’Otranto und Bari den zweithöchsten Hang in Süditalien einnimmt. — Die schöne Kathedrale ist ein Neuban von 1020, welchen die aus Gallipoli gebürtigen Architekten Francesco JUschetimi und Scipione Lachiburi ausführton; die Ausschmückung ist erst von 1606; im Innern sind Gemälde von Giov. Andrea Copola und Giov. Domenivo Cataluni, beide von Gallipoli; in der Kuppel das Martyrium von >S. Agata vom (Hafen Niccolb Malinconico; die Chorstühle von einem Deutschen, Georg Ae er. — In der Kirche S. Maure (auf der Strasse nach Nardo) byzantinische Fresken mit griechischen Inschriften. Bahnroute. Jenseit Lecce führt die Bahn gegen Otranto hin durch eine einförmige Gegend an den Stationen S. Cesario, S. Donato, Galugnano, Ster- natza, Zollino, CorigUano vorbei nach (62 Kil.) Maglie (5700 Einw.) 15 Kil. westlich von Maglie, durch eine gute Strasse verbunden, liegt Galatina (S. Pietro in Galatina), mit 10,300 Einw., freundlich in der Hochebene eine der hübschesten Städte der Provinz und ein Centmm des Handels, 138b unter Königin Johanna erbaut, jetzt im Besitz der Balzo-Orsini, mit einer interessanten '*S. Katharinakivvhe von 1384 (»in ihrer Gesammterselieinung das wichtigste 'Gebäude der Terra d’Otranto«; Schulz). Die fünfschifiige, nur dreijochige Kirche bildet ein Quadrat; über je zwei, von spitzen Tonnengewölben überspannten Abseiten erhebt sich ein gemeinschaftliches flaches Dach, darüber hinauf das mit Kreuzgewölben eingedeckte Mittelschiff. Die Seitenschiffe sind durch Wände mit niedrigen Spitzbogenöffnungen getrennt und entbehren des eigenen Lichts; das Mittelschiff hat hohe gothisclie Fenster; im Süden legt sich an die von niederen Fenstern durchbrochene Aussenwand eine kleine halbrunde Apsis an. Vor dem Portal der zweigeschossigen Fa^ade liegen zwei Löwen, auf deren Kücken verzierte Säulen mit zierlichen Kapitalen ruhen; über dem Kundbogenornament erhebt sich ein reich dekorirter Giebelbau. In den Skulpturen hat sich noch der alter- thümlich apuliscli - normannische Stil fortgeerbt; die Figuren zeigen aber noch rohen romanischen Stil. Zwei achteckige Säulen flankiren den Mittelbau des Obergeschosses der Fa$ade; die grosse Fensterrose ist von höchster Schönheit. — Das Innere der Kirche mit seinen massigen Pfeilern und der reichen Fülle seiner Malereien »gehört mit zu dem Malerischesten, was überhaupt die Provinzen Apuliens der Art darbieten«. Weil die geringe Zahl der Fenster bei der grossen Breite der Kirche dieselbe ungenügend erleuchtete, fügte Antonio del Jialzo- Orsini (nach seinen eigenen Worten) den erleuchtenden Kopf, d. h. den neuen Chor, dem Körper hinzu mit spitzbogigem llippen- gewölbe; das prächtige *Grabmal Antonio's (gest. 1454) deckt die Ostwand; auf vier Löwen tragen vier achteckige Säulen einen gotlii- schen Baldachin, auf welchem der Verstorbene im Franciskanergewand ruht (Gesicht und lländo bemalt); oben halten zwei Engel das Wappen; über ihnen: Christus mit den zwei Apostelfürsten. — Die Fresken der Kirche führte Francesco von Arezzo 1435 aus; im. ersten Joch Scenen der Apokalypse (nach Schuh wahrscheinlich eine Nachbildung der zu Grunde gegangenen, in der Kirche S. Cliiara zu Neapel von Giotto gemalten); am zweiten Gewölbe die Sakramente; besonders merkwürdig das Bild mit der Kuppel, von der ein Strahl auf Christus in Papstgewändern fällt; nebenan die zwei Apostelfürsten und die Schar der Gläubigen; im dritten Kreuzgewölbe Engelchöre; die Fresken in der Verlängerung des Mittelschiffs setzen die Geschichte Christi fort: das Altarfeld enthält die Geschichte S. Katharina^; besonders schön die lebensgrossen Gestalten von Maria, Katharina, Franciskus und Clara. Die Wand- und Deckenbilder der Seitenschiffe stellen Heiligengeschichten dar. 747 25. Von Brindisi nach Lecco, Otranto und Taranto. 748 "Von Maglie führt die Bahn in öst- \ tadelte an der Südseite der Stadt sowie lieber Richtung über die Stationen Da- die Mauern und Tluirme erinnern an die gnolo, Cannole, Giurdignano nach frühere Unglückszeit der Stadt. (85 Kil.) Otranto, Hafenstadt mit 2002 Einw., das antike griechische Ily- druntum (bei Cicero llydrus ), eine der ältesten Städte des alten Kalabrien, nahe dem östlichsten Punkt Italiens auf einer kleinen Anhöhe der hier bis an das Meer vortretenden Sandsteinfelseil, in fruchtbarer Umgebung. Eine kleine, nur Geschichtliches. Von den Gotlion und Byzantinern, die hier einen Befehlshaber i hatten, Longobarden und Saracenen wie- i derholt belagert, wurde die Stadt am , 28. Juli 1480 von dem Grosswessir Achtntt j Keducki mit 70 Galeren überfallen und am : 11. Aug. unter den entsetzlichsten Greueln i erstürmt; die Kathedrale wurde erbrochen, | der Erzbischof daselbst niedorgemae.ht, die j Krauen und Kinder als Sklaven fortgeführt, • ! die Kirche zur Moschee unigewandelt, die Unterkirclie zu SS. Annunziata in Otranto. 3 m. tiefe Bucht bildet den Hafen, in welchem der meiste Verkehr mit Korfu stattfindet; im Alterthum war hier die Hauptüberfahrt nach Apollonia in Ulyris Gräca oder Xeuepirus, einer Universität der Römer (jetzt Pollona). Das Innere der Stadt ist schlecht gebaut, hat enge, kleine Strassen lind ein todtes Ansehen; die Einwohner, vorwiegend Fischer, bilden zwei auffallend verschiedene Typen, die einen mit griechischem Schnitt, die anderen mit vortretendem Jochbein, niedriger Stirn und kleiner Nase. — Die Festungswerke, eine unter Karl V. zum Schutz gegen die Türken errichtete Ci- Gemälde zerstört, 000 Männer auf dem nahen Minervenhügel ermordet; 10 Monate lagen sie unbegraben, bis Ferdinand 1., der die Stadt durch seinen Sohn, Herzog Alfons von Kalabrien, wieder gewann, sie nach den Kathschlägon des berühmten Architekten Francesco Martini von Siena in einer neu- , erbauten Kapelle r. vom Altar beisetzen | liess (viele von ihren Gebeinen kamen als j Reliquien nach S. Annunziata) ist daher der einzige Bau von Bedeutung 1 ; sie wurde mich der Zerstörung durch die Türken zwar gänzlich restaurirt, aber die alte Anlage beibehalten: eine dreischiffige Basilika mit nicht vertretendem Querscliiff, in das sich in der ganzen Breite der Schiffe drei Apsiden anlehnen, unter denen eine Krypta liegt. Die spätgothisclie Fensterrose ist ein Werk der Restauration, ebenso die skulpir- ten Brustbilder der Bischöfe an den »Seiten- tbiiren; — je fünf meist zusammengesetzte Säulen mit Kapitalen aus dem 15. Jahrh. ixnd am Querscliiff ein Pfeiler theilen die Schiffe. L. vom Haupteingang befinden sich die Bischofsgräber; der *Fussboden aller drei Schiffe ist mit merkwürdigen Mo- SS. Annunziata in Otranto. saiken, braunen Figuren auf weissein Feld, andere mitsehwarzenUmrisscn, geschmückt, deren schönste im Mittelschiff sind. Am Westende geht von einem Eie- fanten ein Baum aus, auf dessen Aesten allerlei Thierc sich bewegen (im Stil den mittelalterlichen apulischcn Reliefs ähnlich); am interessantesten: die Monate, in deren Gruppen Iheilweisc byzantinische Elemente überliefert sind; auch ein grosses Bild des babylonischen Thurmbaues und eine Menge biblischer Darstellungen; im linken »Seitenschiff eine originelle Darstellung von Paradies und Ilölle. Diese Mosaiken sind laut Inschrift 1103 unter Erzbischof Jonathan 1 auf seine Kosten von dem Geistlichen Pan- i taieon verfertigt worden. Die *Unterkirche hat sich noch in' der alten Anlage erhalten, mit 'ier Reihen freistehender Säulen aus Granit, Porphyr, Marmor, mehrere aus dem 11. Jahrh.; meist ohne Basen und mit Kapitälen, deren korb- förmige (mit den Tauben) (lenen in der »Sophienkirche zu Konstantinopcl nachgebildet sind. Auf den "Wällen des Kastells sieht man bei günstigem Wetter die Berge von Albanien. Ausflüge. Nördlich von der Stadt befindet sich in einem hübschen Thal ein Bruch eines sehr porösen muscheligen Sandsteins mitten unter Wein-, Feigen- und Oliven-. Pflanzungen; hier sieht man eine Menge. ultbyzantinischer Gräber. z k St. von der Stadt liegt («iordiguano, mit byzantinischer alter Felsenkirchc. Felsenkirclie zu Giordignano. Zur Südspitze des »Absatzes« des italienischen »Stiefels, (45 Kil.) Csipo S. Maria di Leuca, führt eine Strasse an (1.) (18 Kil.) Castro vorbei, einem hübsch gelegenen Küstenstädtchen mit alten Befestigungen; 1537 von Ciiayreddin Barbarossa erstürmt; es ist das antike Castrum Minervae, das als erste Landspitze Italiens dem Vir- gil’schen Aencas entgegenleuchtete. »Schon erröthete jetzt bei fliehenden »Sternen Aurora, Als wir dunkele Hügel von fern und wie streifenden Nebel Tief Italia sehn. 0 Italia.' rufet Achate«; Und o Italia! griissen mit fröhlichem Ruf die Genossen. Götter des Meers und der Erde, der Witterungen Gebieter, »Sanft lasst schweben die Fahrt, und erregt mitwehende Kühlung! Nach dem Gebet weht frischer die Luft und der Hafen (von Otranto) enthüllt sich Und der Tempel erscheint auf dem Castrum Minervae.« ( Virgil, Aeneide III, 521.) Dann durch eine Reihe von Gärten, Weinbergen und Dörfern, welche, »obschon entfernt und wenig von Reisenden besucht, doch von reichen und gastfreundlichen Bewohnern bevölkert sind«, durch Triea*e mul das vom Kaiser Alexius Comnenus gegründete (30 Kil.) Alesssino, dessen Kathedrale aber ein moderner Bau ist, dann Putü, Gaglianu und Cadrignano del Capo nach (45 Kil.) S. Mari a beim Capo di Leuca (oder Finisterre); das Dorf soll auf dem antiken Flecken Leuca stehen, auf dem »Hals« der japygischen Landspitze am Promontorium Japyginm. Die berühmte Quelle, deren Geruch durch die hier mit Felsen bedeckten, von Herkules verwundeten Giganten so penetrant war, dass er die ganze benachbarte Küste unschiffbar gemacht habe, ist jetzt durch moderne Tabakpflanzungen ersetzt, durch Baumwolle, Flachs und Oliven. Die Aussicht reicht bei günstigem Wetter bis nach Albanien. 751 20. Von Taranto nacli Reggio. 752 Direkter Rückweg auf der guten Strasse nach (45 Kil.) Maglie (S. 745) oder über (50 Kil.) GcillipoU (S. 745). Hauptroute. Von Otranlo mit der Balm zurück bis (47 Kil.) Lecce (S. 741). Von Lecce nach Tarent fährt täglich die Post in 9 St. auf ziemlich eintöniger Strasse, zuerst von zahlreichen DOrtschaften mit reich kultivirten Feldern umgeben, durch (15 Kil.) Ca?npi Balenlino, mit 5000 Einw. — (35 Kil.) B.Pancrazio, mit 1900 Einw., am Anfang der Kette kleiner Seen , welche südl. bis Levorano fortziehen. (55 Ivil.) Maudnria, mit 8700 Einw. Altgrichische Stadt, von Fabim Maxi- mm im zweiten l’miischen Krieg zerstört; liier wurde der .spartanische König Are hi- dumox von den Messapiern erschlagen; die Stadt tauschte erst 1700 im Bewusstsein antiker Grösse den spätem Namen Casal- miovo gegen den ursprünglichen um; noch sieht man die Reste der länglich viereckigen antiken Stadtmauer aus grossen Quadern ohne Mörtel, und uralte in den Felsen gehauene Gräben, die stundenweit sich fortziehen und wahrscheinlich zu künstlicher Bewässerung dienten. 12 Kil. nördl. von Manduria liegt Oria, mit 7000 Einw., das antike kretische ( ria, die alte und eigentliche Hauptstadt Japy- giem , die Mutter vieler Kolonien im Laude der Salentiner, malerisch auf einer Anhöhe an der Wasserscheide beider Meere gelegen, mit berühmter Aussicht gegen O. auf das Adriatische Meer und die wilden Kalkgebirge Albaniens, gegen W. auf den grossen Golf von Tarent und die runden plutonischen Gebirge Kalabriens; alte Gebäude, eine mittelalterliche Burg und eine gute Kathedrale geben dem Städtchen, das wahrscheinlich der Stammort der berühmten genuesischen Familie Doria (d’Oria) ist, ein würdiges Ansehen. Ueber Bava imd (75 Kil.) B. Giorgio, eine albanesisclie Kolonie, nach (85 Kil.) Taranto (S. 734). 26. Von Taranto längs der Ostküste der kalabrischen Halbinsel nach Reggio. Vgl- die Karte am Ende des Buches. 473 Kil. Eisenbahn von Taranto nach Reggio nur 2mal täglich, Morg. und Abds., in 17 3 /4 St. resp. 15 l /4 St. (oft sich verspätend), für I. 53 Fr. 45 C., IX. 37 Fr. 45 C., III. 21 Fr. 40 C. — Der Abendzug korre- spondirt mit dem Dampfschiff von Reggio nach Messina (Morg. 11 Uhr). — Ausserdem ein Zwischenzng Morg. 10 Uhr 20 Min. von Taranto bis nach (Äbds. 7 Uhr 20 Min.) Cotrone. Von Taranto nach (44 Kil.) Torremare (Metapont) 3mal tägl., in VU St.; I. 5 Fr., II. 3 Fr. 50 C., III. 2 Fr. — Von Taranto nach (230 Kil.) Cotrone (Kroton) 3mal tägl., in 7—0 St.; I. 2G Fr. 70 C., II. 18 Fr. 70 C., III. 10 Fr. 70 C. — Von Cotrone nach (238 Kil.) Reggio 2mal tägl., in 8 J /2 — 0 St. — Von Cotrone nach (50 Kil.) Catanzaro 2mal tägl., in 2tyt St. — Von Catanzaro nach (178 Kil.) Reggio 3mal tägl., in 0 St. Wer die Fahrt von Taranto nach Reggio mit dem Morgenzug antritt, versehe sich mit Proviant, da die einzige Haltestelle bei Cotrone (bei fast täglicher Verspätung) nur kurze Essenszeit gestattet und ohnehin nichts Ordentliches bietet, denn die (guten) Gasthöfe liegen entfernt. Von Catanzaro führt eine fahrbare Strasse in 3 St. nach Tiriolo auf die grosse kala- brische Strasse an der Westküste. Dampfschiffe der Linie Ancona-Catania- Reggio legen jede Woche Imal in Tarent, Rowano, Cotrone und Catanzaro an und gehen von da über Catania nach Reggio. Rossano- Cotrone : I. 12 Fr.; Rosmuo-Catanzaro : I. 18 Fr. Von Catanzaro an legen die Dampfer nicht mehr an der kalabrischen Küste an, sondern fahren direkt nach Catania. Der Sommer darf zu einer langem Küstenreise nicht gewühlt werden, da die Malaria in diesen Gegenden haust; die passendste Zeit sind die Monate April und Mai. Die grossgriechischen Städte am Golf von Tarent. Der auffallende Gegensatz der alten griechischen Blüte dieser Gestade und der gegenwärtigen Verkommenheit der Städte, der Landwirtschaft und Verbindungswege ist nicht so sehr der Malaria, die durch Bevölkerung überwunden werden kann, als der Verwahrlosung der Bildung zuzuschreiben. In antiker Zeit, als der griechische Unternehmungsgeist dem italischen Festland sich zuwandte und aus dem Korinthischen Meer grosse Züge von Kolonisten dem Tarentinischen Golf zuströmten, denen die Chalkidier auf ihrer Handels-Meerstrasse folgten und Sybaris in üppiger Niederung, bald darauf Kroton auf höherem Uferrand bauten und so auch altionische Bevölkerung der peloponnesischen Nordküste nach Italien kam, dann auch Achäer folgten, da 753 754 20. Yon Taranto nach Reggio (Grossgrieclienland). nahm die Entwickelung dieser Küste einen gewaltigen Aufschwung. Die Sybariten drangen an den Küstenflüssen aufwärts, überstiegen die kalabrischen Apenninen und gründeten auch am Wcstgestadc eine Reihe von Städten; in gleicher Weise handelten die Kroloniaten. Endlich folgten auch die Lokrer und gründeten neben den liheginern ein neues Locii (Geruce); am innersten Theil des Golfs setzten sich lakonische Ansiedler fest und errichteten Tarent (S. 7534), wohl wegen des Reichthuins der Gewässer an Sclialtliieren, da ja auch der Lakonische Golf der purpurreichste des griechischen Meers ist. Als nun auch die Stadt Siris ( Heraklea) durch kolophonische Ionier neu gegründet war , und östl. davon Metapont von achäi- schen Familien, da blühte der ganze Halbkreis der schönen »Seebucht als ein frischer Kranz griechischer Städte (eine wahrhafte Magna Graecia!). »Sie lagen so zweckmässig vertheilt und in so gemessenen Abständen von einander, dass man sie sich nur nach gegenseitiger Uebereinkunft oder unter dem Einfluss einer sachverständigen Oberleitung entstanden denken kann.« (Gur- tius.) Man legte die Städte nie in zu grossem Massstab an und ging mit dem Umkreis der Mauern nicht gern über l x /a St. hinaus. Genügte der Mauerkreis nicht mehr, so pflanzte man lieber neue Städte. Die Pflanzstädte pflegten die Sitten und den Gottesdienst der Heimat und baten sich oft von der Mutterstadt die Führung aus; bei rascher Blüte nahmen sie jedoch die volle Unabhängigkeit in Anspruch. Aber das glänzende Leben, welches die reichen Neustädte an den ausgewählten üppigen Plätzen bald zu entfalten vermochten , war auch der Untergang ihrer Kraft. »Man wollte sich des rasch erworbenen Reich- tliums freuen.« Im Kalender der bald verweichlichten Städte waren mehr Fest- und Schmaustage als Werktage zu finden. Die Stämme schieden und befehdeten sich in heftigster Eifersucht und der Boden Grossgriechenlands wurde ein Schauplatz der blutigsten Kämpfe zwischen den Nachbarstädten. Sybaris, Kroton und Metapont waren zuerst die mächtigsten, dann vertilgte Kroton Sybaris so gründlich, dass es den Cratifluss über die geebnete Stadt führte; schon zuvor war Siris zerstört worden. Auch in Kroton brach der Bürgerkrieg aus, da das Volk gegen die aristokratischen Pytliagoräer, welche die Stadt grossgezogen, sich auf- lelmte; dazu kam eine Art italischer Völkerwanderung gegen das griechische Küstenland hin, und schon 473 v. Chr. erlitt Tarent gegen die Bergvölker eine schwere Niederlage , und als die Demokratie neue Kräfte glücklich verwandte, brachen kurz darauf die inneren Unruhen wieder aus. Den Einfällen und Plünderungen der Bergvölker aiisgesetzt, mussten Ackerbau und Viehzucht auf dem flachen Land mehr und mehr zurückgehen, und es war nicht möglich, das ganze Gebiet immer nachhaltiger zu schützen und der Industrie so viele Kräfte zu ent- | Unter-Italien, I. ziehen. Noch unter Perikies ward durch die Athener Thurii (S. 761) gegründet und blühte rasch auf. Auch für die Entwickelungsgeschichte des Denkens sind die grossgriechischen Städte von sehr wesentlicher eigenthümlicher Bedeutung gewesen, die mathematisch-religiöse Anschauungsweise des Pythagoras drängte schon im 6. Jahrh. v. Chr. zu einem ethisch- politischen praktischen Bund zu Kroton; zu Pythagoras’ Schülern gehörte der Leiter Tarents, Archytas. In lilea (bei Castella- mare della Brucca, 7 St. südöstl. unterhalb Pastum) entwickelte sich unter Xenophanes und dem dort 510 v. Chr. gebornen Parme- nides sogar die Lehre von der Einen, allwaltenden Gottheit; und auch dieser Denker sowie sein Schüler Zeno wirkten thatkräftig auf Gesetzgebung und Sitte der Vaterstadt. Welche Grossartigkeit aber die Kunst entfaltete, das zeigen noch die herrlichen Ruinen von Pästum! — Und jetzt? Nach allem Unglück, welches Erdbeben, Heer- züge, Malaria, Griechen, Saraceneu und einheimische Fürsten brachten, findet Inan von all dieser Fülle, die schon unter den Römern zu verblühen begann, an der ganzen Ostküste nur noch die traurigsten, dürftigsten Ueberbieibsel. Land und Leute. Selbst die Landwirtschaft des noch heute ergiebigen Landes weilt in der Kindheit; die Einwohner sind durch die Räubereien aller Zeiten jn kleinen, meist pyramidalisch auf Höhen gelegenen festen Städten zusammengedrängt worden. Strecken von 3 bis 5 St. finden sich oft völlig unbewohnt; Landwirtschaft könnte niemand ungestraft vereinzelt unternehmen; der Pächter des adligen Besitzes reitet gut bewaffnet mit seinen Arbeitern auf das ferne Feld; nur zur Erntezeit werden für die Familien gemeinschaftliche Hütten aus den dürftigsten Materialien errichtet; der Pflug ist noch ein starker Oelzweig, an den ein Widerhaken angeheftet wird; das Dreschen verrichten die an einem Strick im Kreis getriebenen Ochsen, indem sie über das rings umher aufgeschüttete Getreide hinlaufen und es zermalmen; ein grosser Stein, den jedes Paar nachschleppt, wühlt das Zertretene von neuem auf. Der Wiesenbau im Innern des Landes ist völlig vernachlässigt (noch mehr der Gartenbau); zwei Jahre Brache folgen einem Jalir Frucht. Die Wägen sind noch von der primitivsten Form und kommen nur an dem grossem Strassenverkehr vor. »Zwei Oelbaumäste werden vorn unter spitzen Winkeln zusammengebunden, hinten wird ein dritter Ast durch Stricke quer an die zwei ersten befestigt, dieser dient als Achse; zwei Breter, aus einem Kastanienbaum gezimmert, werden als Räder angesteckt, und der Wagen ist fertig.« (JTugi.) Einzelnes Hausgerätli stammt, wie manche Trachten und Wörter, offenbar noch aus der Zeit Grossgriechenlands. 25 755 26. Von Taranto nach Reggio. 756 Die Kleidung bestellt bei den Frauen meist aus blauen und rotlien Tüchern, die um den Leib geschlagen und festgebuuden werden. Den Oberleib bedeckt ein Mieder, dessen Aermel mit Ländern angekniipft sind; über den Kopf legt sich ein weisses befranstes Tuch im Viereck und etwas über den Nacken herabfallend. Die Männer tragen blaue oder graue tuchene Hosen und eine lange Jacke aus gleichem Stoff; den Fuss bekleidet ein Stück ungegerbte Haut, und ein Band umwickelt diese und die Lumpen, welche als Strümpfe dienen; eine blaue oder braune wollene Mütze, welche die Form eines 2 Fuss langen Sackes hat und niederhängt, oft auch in wunderlicher Weise ein- gestiilpt wird, oder ein kegelförmiger Hut ■mit schwarzen Sammetbändern, welche den Kegel bis zur Spitze umwinden und dann dicht und flatternd auf die Schultern herabfallen, bedeckt den Kopf. Und doch ist das Volk bei allem Mangel an ludustrie und Gewerkkunde ein zwar rohes, aber kräftiges Naturvolk, auffallend ernst, selten scherzend, dem Gesang nicht zugethan, oft sehr gesprächig, voller Fähigkeiten , aber auch voll Wildheit (ferocia) und Unversöhnlichkeit. Wie das Land selbst die wundersamsten Gegensätze zeigt, von zwei Meeren eingeschlossen, in der Mitte ein hoher, mehrere Monate lang mit dem tiefsten Schnee bedeckter, oft rauher und kahler, oft üppig bewaldeter Bergrücken aufragt, tiefe Thäler und einzelne Ebenen, hier unbebaut, dort im Ueberfluss dazwischen liegen, und keine wirklichen Stx*assen, sondern nur sogen. Vie naturali beide Theile verbinden, wie alle Bäume des Nordens und des Südens, Schnee und Glühhitze nur wenige Stunden von einander und doch ganz geschieden sind, so das Volk selbst; die Reichen und Vornehmen leben auf ihren kala- bresischen Besitzungen ganz getrennt vom Volk und haben auf dasselbe gar keinen Eiufluss; es sind völlig getrennte Welten; man trifft Leute von hoher Bildung und tiefem Denken und daneben ein Volk oft von unglaublicher Roheit. Diese Gegensätze und die ursprünglich reiche Natur Kalabriens werden durch das Ilineinziehen in den Weltverkehr erst mit Vollendung der Eisenbahn und mit einem neuen Schulwesen zu einer bedeutsamen Lösung gelangen. Viele sporadische Centren zeigen grosse Regsamkeit. Noch blüht wie ehemals Viehzucht um Cotrone, wo man auch Herden von Me- rino’s findet; Catanzaro liefert Eisen und Holz; in der Nähe von Sqmllace gewinnt man viel Organsinseide. Um Reggio ändert sich das Bild völlig: die herrlichste, reichste Vegetation und rege Industrie wetteifern, und ein balsamisch gewürzter Garten zieht sich viele Stunden weit hin. Dass das Räuberwesen in manchen Gegenden auch jetzt noch nicht verschwunden ist, dass die Gasthäuser der Nebenorte zumeist nur schmutzige, elende Tavernen oder sogen. Fondachi sind (in denen man meist nur Eier und Fische findet), ist die unaus- l bleibliche Folge jener Zustände, und selbst die Vollendung des Eisenbahnnetzes wird , erst langsam bessere Zustände herbeifiiliren. i Für längere Touren lasse man sich in den | grösseren Städten Empfehlungsschreiben an ' Privatpersonen geben, bei denen man gut aufgehoben ist, da die Gastfreundschaft bei den vermöglicheren Grundbesitzern noch den loyalen, herzlichen Charakter der patriarchalischen Zeit hat. Die Sprache ist oft j schwer zu verstehen, aber die Mimik um so sprechender. Die Wirtshäuser sind meist nur vier : hohe Mauern und ein Dach darüber, an ; einer Ecke ein weites Thor, durch welches die Treiber mit ihren Mauleseln einziehen; in einem Winkel brennt ein grosses Feuer, über welchem an langer Kette ein Kessel ; hängt; in welchem man alles, was nicht | auf der Glut gebraten, kocht; daneben ein ! Tisch und eine Bank. Reibt der Wirt mit i der Rückseite der gekrümmten Finger unter ! dem Kinn hin und her, unter gleichzeitigem Zusammenpvessen der Lippen, dann ist auch ; — zum Essen nichts vorhanden. ; Bei Fusswanderungen ist man oft ge- ; nöthigt, über die vielgetlieilten Wasseradern ; der Fiumaren (Kiesbette) einem stämmigen 1 Burschen rittlings (a cavallo) sich auf den Rücken zu setzen, ! Die Eisenbahn führt von Tarent \ (S. 734) durch eine flache, monotone,' J sehr öde, nur theilweise mit Weizen- i feldern behaute Ebene mit vielen Oel- i Wählern und Gehöften (Masserie). Dies- I seit (25 Kil.) Stat. Ginosa schöner Blick ! auf das Meer; dann über eine Fiumara; ijenseit derselben isolirte spitzige Stroh- | hütten und grosse Viehherden. Nach einer ' grossen Ziegelhütte folgt die lange Brücke über den Rio Bradano, der aus dein ! Lago di Pesole (S. 700), in der innersten Basilicata herkommend, nach 15 Kil. ziemlich wasserarm unter 8. Salvatore mündet. Eine ununterbrochene Dünenreihe, 3 — 6 m. hoch, zieht längs des Meers hin und ist wohl wesentlich an der Versumpfung des dahinter liegenden Landstrichs schuld, da sie den Bächen den Ausgang versperrt. (44 Kil.) Torremare, dürftiger, kleiner Weiler mit mittelalterlichem Thurm und Taverne. Man sieht weithin in die einförmige Gegend. Der Station gegenüber liegt der Lago di St. Pelagina, eine kleine durch eine enge Einfahrt mit dem Meer verbundene Bucht, wahrscheinlich der antike Hafen, wohl zum Theil künstlich gegraben. 757 26. Torremare — Metapontion. 758 Zweigbahn von Torremare über Bernalda, Pisticia, Perrandina, Salandra Grol nach (öl Kil.) Grassauo ; Fortsetzung der Bahn , über Potenza nach Eboli (Neapel) im Bau. 1 Eine Strasse führt von hier nordösth (man erhält vom Tavernenwirt für 2—3 Fr. j ein Pferd für die etwas öde Tour) in 1 St. zu den Resten der altgriechischen Stadt Metapontion , die von archäischen Ansiedlern etwa zu Anfang des 6. Jahrh. v. Chr. gegründet wurde. Die Einwohner selbst gaben sie für eine Anlage der mit Nestor von Troja zurückkehrenden Pylier aus; nach anderen war Epeus, der Verfertiger des trojanischen Pferdes, ihr Gründer, und als eine Stadtmerkwürdigkeit wurden im Pallas- tempei vor der Stadt den Fremden die Werkzeuge gezeigt, womit Epeus jenes Kunstwerk angefertigt. Die Stadt soll durch Ackerbau so reich geworden sein, dass sie einen »goldenen Sommer«, d. li. goldene Aehren, für den Zehnten der Ernte nach Delphi weihte. Auf den hier gefundenen Münzen sieht man noch die volle Gerstenähre des Tributs und auf der Kehrseite Apollon als Sieger. — ZurZeit des Pyrrhus musste es sich der römischen Herrschaft unterwerfen, ging aber nach der Schlacht bei Cannä zu den Karthagern über, und seitdem verschwindet es aus der Geschichte (wohl auch wegen des schlechten Hafens und weil es an keiner grossen Heerstrasse lag). Schon Patmmias (geb. 170 n. Chr.) sagt (6, 19); »Den Anlass, bei welchem Me- tapontum seinen Untergang gefunden, kenne ich nicht; zu meiner Zeit aber war ausser einem Theater und Resten der Ringmauer nichts mehr von der Stadt übrig«. — Gegenwärtig sieht man noch an der Tavola de 9 JPaltidini genannten Stelle die aus den Sandhügeln hervorragenden 15 Säulen eines *dorischen Tempels; kannelirt, ohne Basis, von kräftigen und doch schlanken Verhältnissen, 5 untere Durchmesser hoch, der untere Theil des Kapitäls stark über den Schaft ausladend, nach oben mit scharfer Einbiegung, der Säulenhals mit kehlförmiger Einziehung und zwei Ringen, der Architrav zum Theil verwittert. Die Höhe der Säulen beträgt 4,63 m., der Durchmesser an der Basis l,oi m., unter dem Kapital 0,72 m.; die Entfernung der Säulen an ihrer Basis im Lichten 1,85 m. Die Verjüngung ist in der untern Hälfte unbedeutend, in der obern stärker. Die noch vorhandenen Ge- bälksteino sind 3 m. lang; die Entfernung beider Säulenreihen von einander beträgt 14,74 m., die ganze Länge der aus 10 Säulen gebildeten Langseite 55 m. (also fast wie der Nepttintempel zu Pästum). Nach Roth (die Quellen widersprechen sich) soll der berühmte Philosoph Pythagoras in seinem 80. Jahr, aus Kroton vertrieben in Tarent und Metapont noch 19 Jahre gelebt und hier im 99. Jahr gestorben sein (470 v. Chr.). Gegen die Strasse nach Torremare hin sieht man noch Gräberreste. Der alte Hafen, von dem nur noch Spuren am Meer aufzu- finden sind, ist völlig versandet. 3 U St. südlicher (auf dem Rückweg zu besuchen), dem rechten Ufer des Flusses entlang und bei den Inselcheu r., an der »La Ghiesa di Sansone « genannten Stelle (jetzt ein Pachthof, Masseria di Sansone), hart an der Eisenbahn, liegen Reste von Ruinen, aus deren Steinen auch diese Meierei aufgebaut wurde. Die Bahn kreuzt den Basento (Ma- suentum), der, an den Bergen dellaMad- dalena entspringend, nach einem Lauf , von 130 Kil. ziemlich wasserreich unter Bernalda in das Meer sich ergiesst. Einförmige Gegend, r. hier und da eine Meierei mit Strohhütten; dann, vom METASPONTIOIL i TavolatPaLadiiia) \. Jf(i Qft y.zrn oJBjjfjlgMt Meer etwas entfernter, nach (52 Kil.) Stat. 8. Basilio-I’istieei und über den Sa- landrellafluss (zwischen Öden Ufern), den manche (nach Plinius’ Angabe der Lage von Thurii) fiir den antiken Acalandrus halten; — an einem grossen Gehöft mit zahlreichen Rindern vorbei, dann wieder durch sehr einförmige Gegend nach (60 Kil.) Stat, Scanzano di Montalbano. — Dann an einem grossen Gehöft mit eleganter Villa im Renaissancestil vor- ; bei; zahlreicheBÜffel und weisse, langge- j hörnte Rinder. Kun durch buschige Ge- , gend mit zahlreichen Zwergeichen über ! den Agri (den antiken Aciris), den bc- [ deutendsten und wasserreichsten Fluss des Meerbusens von Tarent, an einer j kastellartigen Meierei vorbei, nach ' (65 Kil.) Bolicoro, Herrschaftsgut | des Grafen Monte Santangelo, unweit | der Mündung des Flusses. 759 760 26. Von Taranto nac Im Wald, nahe an den Ufern des Agri, lag wohl, wie das Auftinden von alten Münzen und einigem antiken Gemäuer bestätigen, die altgriechisehe Stadt Heraclea, die laut Strabon von den Tarentinern gegründet wurde, während das verlassene ältere Siris zum Hafenort dev Hera- kleoten herabsank. Hier war es, wo 280 v. Clir. zum erstenmal Körner und Griechen in ernstem Kampf einander gegenüber standen, Pyrrhos nicht mehr mit den alten begeisterten hellenischen Bürgersöhnen, sondern mit soldatisch ausgebildeten königlichen Truppen; der Konsul P. Valerius Laevinu* mit römischer Zuversicht zur Entscheidung drängend; seine Reiterei erzwang den Ueber- gang über den Fluss Siris, Pyrrhus in geschlossener Schlachtordnung den Angriff der Römer erwartend, die siebenmal vergeblich versuchten, den Wall der griechischen Phalanx zu durchbrechen; dann ging der König zum Angriff vor und warf seine treffliche Reiterei mit den Elefanten auf die erschöpften Römer. Das entschied. Die Ungethüme, hier zum erstenmal von den Römern gesehen, flüssten ihnen Entsetzen ein, und die Geschlagenen stürzten dem Siris zu, ihr Bager fiel in die Hände des Pyrrhus; 7000 Römer blieben auf der Wahlstatt, 2000 wurden gefangen; auch der König verlor 4000, und Heraclea liess ihn ahnen, welche Helden er sich gegenüber hatte. Bei dem nahen Luee wurden 1753 die berühmten herakleemischen Bronzetafeln gefunden, die jetzt im Museum zu Neapel (S. 223) sich befinden. Die Bahn zieht nun der langen Waldung entgegen, die man schon von weitem r. am Höhenrand im weiten Zug erblickt. Zur Zeit der Feldarbeiten sieht man hier auch die Frauen (in dunkeln Gewändern und weissen Hemdärmeln) in den Aeckern arbeiten. Nun fährt man durch den theilweise sumpfigen, mit Binsen untermischten Wald (1 St. von Policoro) Selva di Policoro, welcher die Ufer des breiten Sinno (des griechischen Siris) bezeichnet und an die reiche, die Griechen in diese Gegend lockende Vegetation erinnert; das Unterholz strotzt von Myrten, Erdbeerbäumen, Mastix, Lorbeer,' wildem Wein und Oleander; die Bäume sind stellenweise sehr malerisch überwuchert. Dann über die Carina, welche Kalabrien von der Basilicata trennt; bald nachher schöner Blick auf die hohe Kette des Monte Pollino und auf das Meer. Demselben sich nähernd, nach (75 Kil.) Stat. Nova- Siri. Mit fortwährend schönem Blick auf Gebirge und h Reggio (Heraclea). Meer, nach (79 Kil.) Stat. Rocca Imperiale, mit 2164 Einw., ein malerischer, gegen die Bahn hin mit stattlicher Villa eröffneter Bergflecken, der terrassenförmig auf einem hohen Sandsteinfelsen liegt, dessen Scheitel die gut erhaltene Burg krönt. In dieser Gegend lag wahrscheinlich das antike Kastell Lagaria, durch seinen von den Aerzten besonders empfohlenen Wein berühmt. — In malerischer olivenreicher HUgellandschaft, dem Meer stets ganz nahe, nach (86 Kil.) Stat. Monte Giordano; dann an einem alten Meerkastell (1.) vorbei nach (94 Kil.) Stat. Roseto (Rosenhain); der Ort, mit 1300 Eimv., auf einer Anhöhe unweit des flachen Capo SupUco, mit Marina und altem Kastell, von dessen Reparaturen unter Friedrich II. noch Urkunden vorhanden sind. — Dann durch theilweise Ödere Gegend nach (99 Kil.) Stat. Amendolara (Mandelhaiu), in einem Thal nahe an der Küste. R. wieder Blick aufs Gebirge; dann r. reiche Olivenpflanzungen und weiterhin malerische Iliigel- landschaft; immer hart am Meer. — (108 Kil.) Stat. Trebisacce (das Dorf mit seiner Kuppelkirche gewährt ein ganz orientalisches Bild); jenseit desselben sehr schöner Blick in die Gebirge, in deren letztem Drittheil der schneebekrönte höchste Gipfel ( 2233 m.) des il/bwie Pollino in der Ferne (dem Titlis ähnlich) auftaucht. Gegen das Meer hin versumpfte Gegend; dahinter Ackerland und grosse Rinderherden. Nach der (118 Kil.) Stat. Torre Cerchiara entfernt sich die Bahn vom Meer. Die Berge begleiten den Zug noch eine Strecke weit, auf den Weiden erblickt man zahlreiche grausilberne Rinder und schwarzbraune Büffel. Dann folgt eine lange Strecke mit mächtiger Buschwildnis, endlich wieder Wiesen und die (123 Kil.) Buffaloria di Cassano. Hier ist der kalabrcsisclie Kegelhut (S. 753) schon allgemein. Eine Fahrstrasse führt von hier in das 15 Kil. entfernte Cassano, mit 9000 Einw. (leidliches Wirtshaus), romantisch von Oelbäumen umgeben, in überaus malerischer Lage, mit sehr ge- 761 762 26. Cassano — Corisrliano — Kossano. sundcm Klima und von der Umgegend sehr besuchten Schwefelbädern; über dem Hügel, um welchen sich die Stadt hinzieht, lagert die Burg, mit prächtigem Blick auf die Fluss- thaler des Coscile und des Crati, des antiken KrathU, in dessen Nähe die berühmte griechische Pflanzstadt Sybaris lag (etwas westl. vom Dorf Polinäre), im Gebiete der Herzoge von Cassano und Corigliano, deren hochragende Schlösser das weite sumpfige Jagdland überschauen, in prächtiger Lage. Der Umfang der alten Stadt Sybaris betrug einst 2. St.; zu ihrem Gebiet gehörten zur Zeit ihrer höchsten Blüte 25 Städte, so dass sie gegen die Krotoniaten 300,000 Mann ins Feld habe stellen können. Schon 510 v. Chr. wurde die durch ihr Wohlleben sprichwörtlich gewordene Stadt von den Krotoniaten so gründlich zerstört, dass sie den Krathis über die Trümmer liinleitetcn und jetzt keine Spur mehr von dem reichen, üppigen Griechensitz aufzufinden ist, während von dem 2 St. südlicher gelegenen antiken Tliurii, das 434 v. Chr. die Athener gründeten, noch einige Trümmer der länglich quadratischen Stadt vorhanden sind, nord- östl. vom jetzigen Städtchen Terranova (mit 2200 Eimv.), das in herrlichster Lage von einigen verfallenen grossen Rlosterge- bäuden umgeben ist. Die Strasse windet sich in Bögen von der Höhe zur Ebene von Sybaris hinab, die jetzt völlig unbewohnt ist und nur ein weites Jagd-, Sumpf- und Weideland bildet. Unter der Demokratie des Charondas soll Thurii zu solcher Blüte gelangt sein, dass es gegen die Lucaner 14,000 Mann Fussvolk und 1000 Reiter stellen konnte. Unter den neuen Kolonisten werden auch und der berühmte Geschichtschreiber Herodot genannt, der hier gestorben sein soll. ImPunisclienKrieg ging Thurii zu Hannibal über, der aber später aus Misstrauen viele Einwohner nach Kroton ablühren liess; nach dem Abzug Hamiibals sandten die Römer eine Kolonie dahin und verwandelten den Namen in Copiav. Noch unter ticxtun Pompein « hielt die sehr feste Stadt eine Belagerung aus; GiUar (b. e. 3, 21) berichtet, dass Armin* Milo die Hirten für den Bürgerkrieg aufzuwiegel.u suchte, und als ihm dieses nicht gelang, einige Sklavenzwinger geöffnet und C'ox« (Cassano), im Gebiet von Thurii. bestürmt habe, hier aber von der Mauer aus durch einen Steinwurf getödtet worden sei. Der römische Thurm hei Cassano heisst deshalb noch jetzt Torre di Milone. — Prokop nennt Thurii im t». Jahrh. eine offene Stadt. Die Umgegend liefert noch jetzt, wie in antiker Zeit, guten Wein. Was hier an Alterthümern abgeht, das ersetzt die schöne Gegend, indem die Berge, welche die Ebene einschliessen und bei Capo del Tronto und Capo Spulico zur Rechten bis ans Meer vortreten, sehr malerische Formen haben und die Ebene in herrlichster Vegetation prangt. Die Balm führt durch monotone öde Gegend, setzt über den Crati und gelangt an Eichen und Oliven reichen Feldern (r. in der Ferne wieder die kalabrischen Berge) vorbei nach (138 Kil.) Stat. CorigliailO (hinter der Station r. kleines Buffet-Cafe [mit Würsten]); die Stadt (r. jenseit der Station erst völlig sichtbar) mit 10,500 Einw., amphitheatralisch sehr schon an den Bergen, 8 Kil. vom Meer gelegen, ist von einem dichten Olivenhain umgeben, der ihr den griechischen Namen gab (Ko)olo)v blalfov, »Oelgarten«), mit hübschem bethürmten Baronialschloss; eine malerische Wasserleitung umzieht den Hügel. Die Berge umher liefern die beste /»«- labresische Manna, einen von der Luft eingetrockneten Saft der rundblätterigen Esche (Fraxinus ornus), welcher 60 Proc. Zucker enthält; die beste fllesst bei trockenem Wetter in den heissesten Tagen von Mitte Juni bis Mitte Juli aus den Stämmen und Zweigen dieser Baume durch von selbst entstehende Risse hervor, verdickt sich an der Luft und wird abgeschabt als Corpo di Manna; gewöhnlich aber werden Einschnitte gemacht an der Ostseite des Baums, dicht, am Fuss, und dann nach oben fortgefahreix; die so an der Rinde getrocknete ist die Manna a cannolo; das auf den Boden Ab- laufeude wird in Kaktusblättern aufgefangen; die auf den Blattern rundlich erhärteten Tropfen nennt man Manna di fronda : oder in lagrime; die feuchte Manna, die im September und Oktober ausfiiesst, lieisst Smimtzzo. Die Manna von liier bis Gerace gilt überhaupt als die beste aller Sorten ; in Calabria citeriore liefern GaUroviUari und 3[orano auch gute. Die Bahn durchzieht einen Thcil der überreichen *01ivenpflanzungen; r. köstliche Aussicht in die Berge. (149 Kil.) Stat, IloSSauo, r. die Stadt (Albergo clella Tiomanclla), mit 14,900 Einw., in hübscher, fester Lage, von dem wegen Malaria verlassenen Strand 1 St. entfernt (Wagen 1 Fr.), auf einem Felsen an hohen Waldbergen gebaut, dahinter das malerische Tannengebirge Sila (S. 721), mit reichem Oel- bau und 14 Kirchen. Geburtsort des S. Kilm, der, dem griechischen Basilianerorden seiner Heimat angehörend , der berühmteste Einsiedler seiner 763 2G. Von Taranto nach Keggio (Strongoli). 764 bewegten Zelt war, dem auch Kaiser Otto III. 1002 persönlich huldigte. — In der Nähe einige Alabaster- und Marmorbrüche. Die Dampfboote von Ancona nach Messina legen an der Marina an (s. oben). — Der Strand der Marina bietet eine schöne Aussicht auf die malerischen Berge, die untere Ebene und die Thürine, Häuser und Hütten längs des Ufers (aber die Kneipe unterstützt diesen Genuss keineswegs). Die B ahn führt durch prächtige Oel- waldung (r. hohe, steile Berge in schönen Formen, bis zum Gipfel hinauf mit Wäldern bedeckt), setzt über den aus den Bergen niederziehenden Tvionto, den antiken Traeis, wo nach Diodor die aus dem Kampf mit der Gegenpartei entronnenen Sybariten sich ansiedelten, und erreicht nach der (161 Kil.) Stat. Mirto Crosia, wieder dem Meer sich nähernd, mit offenem Blick auf dasselbe, landwärts von Hügeln begleitet (166 Ivil.) Stat. S. Giacomo Calopezzati. Der Ort malerisch r. in der Höbe. Nun durch kahle Gegend hart am Meer; dann wieder über eine Fiumara nach (172 Kil.) Stat. Pietropaola (der Ort nicht sichtbar). In kurvenförmiger Hügellandschaft nach Stat. Campana. Längs schönliniger Hohen, theil weise mitWiesen geschmückt, hart am Meer, dann durch reiche Oel- gegend nach (181 Kil.) Stat. Cariilti ( Locanda di Sibari ; kalabrisch primitiv). Der Ort liegt r. von der Station, einem Kastell des Mittelalters gleichend, auf einem nahen Hügel. Nun erscheinen wieder dieBerghöhen und Olivenpflanzungen ; die Bahn setzt über eine grosse Fiumara und zieht durch dichte Olivenwaldung, zuletzt r. schöne Pinien. —■ (190 Kil.) Stat. Orucoli; der (r.) malerische Ort hat ein altes Kastell und weiter landwärts eine verfallene go- thischeKirche, mitten in üppigen Manna- pflanzungen. — Bei der flachen Landspitze Punta delV Alice, die in antiker Zeit Orimisa hiess und eine angeblich von Philohtet angelegte Veste sowie ein Ileiligthum des Apollon Alaus trug, dem der trojanischeHeld seinen Bogen weihte, mit dem er Paris erlegt und den Fall Troja’s ermöglicht hatte. — Die Bahn zieht dem Meer entlang; r. Dünen, Weiden mit Schafen und Heide. DieLandes- traclit wird hier noch überall getragen; die roth gestreiften Röcke, die goldenen Ohrringe und die Haarnadeln sowie das gestickte Kopftuch, die sehr kurzen Mieder und die weissen Brustlinnen sieht man an der Mehrzahl der Frauen. — (204 Ivil.) Stat. Cirb. Der Ort auf der Höhe über der Punta. — Sehr reich bebaute Gegend, stattliche Meierhöfe , dann Hügel mit Wiesen und Weiden (Schafe). Nun wieder dem Meer entlang nach (211 Kil.) Stat. Torre di Melissa ; die kleine, kastellartige Torre erhebt sich kurz jenseit der Station auf der nächsten Höhe. Hart am Meer (r.) Schafweiden und einiges Wiesenland. (219 Kil.) Stat. StrOHgOÜ. Der (IV 2 St.) entfernte, durch ein schmales Strasschen mit der Station (wo Pferde bereit sind) verbundene Ort, mit 2900 Einw., ragt auf einem rauhen Berg auf; er ist das antike Petelia, eine sehr alte griechische, der Sage nach von Philok- tetes gegründete Stadt, die sich aufs hartnäckigste gegen Hannibal verthei- digte, während die umwohnenden Bruttier ihm zufielen; bei einem verzweifelten Ausfall ihrer Bürger fanden diese fast alle ihren Untergang (diesen Muth rühmt man noch den jetzigen Einwohnern nach). General Rcynier liess es 1806 niederbrennen , aber es erstand wieder in besserer Gestalt. Einige antike Ruinen und zwei Inschriften an der Kathedrale sind noch von der alten Stätte vorhanden. Die Bahn zieht vom Meer wieder etwas entfernt durch Weideland bin; dann unterbrechen Olivenpflanzungen die einförmige Bodengestaltung. Die Gegend ist weithin offen gegen die fernen Gebirge. Nun über den sehr breiten Nieto, den Hauptfluss aus dem Silawald; er nimmt r. den Arvo, 1. den Lese auf und bildet auf der letzten Hälfte seines Laufs die Grenze zwischen Calabria citra und ultra. An diesem Fluss, dem antiken Xeaethos, an dessen Ufern noch jetzt, wie Theohit (IV, 25) singt, »die herrlichsten Kräuter gedeihen, Dürrwurz sainmt Geisweizen, 765 20 . Cotrone. 766 und balsamreiche Melisse«, sollen die gefangenen Trojanerxnneii die Schiffe der Griechen verbrannt haben, um nicht länger von ihnen als Gefangene herumgeschleppt zu werden. Kleine Lagunen an der öden Küste. Dann r. ein Strässcheu, das nach S. Se- verina führt, Städtchen am Monte Clibano auf felsiger Höhe, von der man zugleich die Golfe von Squillaee und von Tarent sieht. Neben der Kathedrale eine interessante Taufkirche. Man passirt den Eraso, den antiken Aesarus, bei dessen Weide, da der Fluss, ein halb stagnirender, mit Unkraut und Wicken übersäeter Bach, in einer schlimmen Malaringegend ist, wohl noch jetzt das Vieh des Korydon (Theokrit IV, 17) mager bliebe. — R. Meierhof mitKapelle. Dann Blick in die reiche Gebirgswelt. Zuletzt r. unterhalb der Hügel zahlreiche Liquiritienbäume*, 1. gegen das Meer hin, rülmvtem apollinischen Kultus in dem frucht baren Gebirgsland, an »Dessen Gehängen der Wein und der Oel- baum herrlich gedeihen, Grasige Triften der Höh'n unzählige Herden ernähren, Stattlicher Hochwald Holz von Platanen und dunkeln Cypressen ltüstigem Schiffsbau liefert«. Gemeinsam wetteiferten Sybaris und Kroton an Macht und Grösse und machten alle umwohnenden Ünotrischen und oskischen Stämme zu Zinsbauern; aber als Sybaris eine demokratische Umgestaltung durch die Handwerker und Krämer erlitt und die reichen Bürger nach Kroton entflohen, da entbrannte der Nachbarkrieg, und die in den Ringscliulen gekräftigten Krotoniaten, die schon zu Olympia die Preise im Wettkampf errungen, mit dem herkulischen Milon und dem auf einer Durchfahrt begriffenen spartanischen Königssohn Doriens an der Spitze, siegten vollständig über die dreimal stärkeren Gegner; Dorieus weihte zum Andenken der Athene (510 v. Chr.) ein Heilig- tlium am Ufer des Flusses. über schmaler Ebene (236 Kil.) Cotrone ( *Concordia,, gut, reinlich und billige Preise. — Wagen vom Bahnhof in die Stadt 50 C.), mit 7700 Eimv., gegenwärtig ein ummauertes Städtchen auf einem ins Meer vortretenden niedrigen Hügel, zwar mit engen Gassen, aber in neu aufstrebender Umbildung begriffen. Für den Hofen wurden 1790 zwei neue Moli (und zwei Leucbtthürme) errichtet. Vom alten Kastell (der wachehaltende Soldat ruft einen den Besuch gestattenden Officier herbei) die beste Uebersicht über die Gegend, deren Hauptgüter (Weiden und einzelne Waldungen) der Familie Baracca geboren. Länger Verweilende können sich in Bari durch den Konsul Empfehlungen an die Familie verschaffen. — Das Haupt der Familie wohnte 1870 in Isola, sein gewöhnlicher Aufenthalt ist aber Paris; die nächstbedeutende Familie ist die der Berlinghieri; sowie auch Empfehlungen an die Familien Borelli und Albani höchst angenehm sind. Die herrlichen Olivenhaine und Süssholzpflanzungen sowie auch die Agrumen der reichen Umgebung lernt man schon auf der Fahrt nach Cotrone kennen Die Dampfboote von Ancona nach Catania legen hier an (s. oben). Geschichtliches. Kroton (jetzt Cotrone) war eine in antiker Zeit von achäischen Auswanderern um 710 v. Chr. angelegte, rasch aufblühende griechische Stadt mit be« Pythagoras, der die Krotoniaten zum Kampf ermuntert haben soll, hat erst der Stadt ihren vollen Glanz gegeben. Sein Leben ist zwar in ein Geheimnis gehüllt, wie seine Lehre und sein politisch-religiöser Bund, aber darin stimmen alle überein, dass er (zu Samos 582 oder 569 v. Chr. geboren) in reifem Alter (im 40. oder im 60. Jahr) nach Grossgriechenland übersiedelte und sich namentlich in Kroton aufhielt und hier eine politisch-religiöse Gesellschaft stiftete, welche sich noch zu seinen Lebzeiten über die bedeutendsten unter den grossgriechischen Städten verbreitete. Es scheint, dass diejenigen, welche wirklich seiner Schule angehörten, erst nach vorausgegangener moralischer und begrifflicher Prüfung aufgenommen wurden, und durch Musik und Mathematik streng geschult, nach ihrer Bewährung religiöse Weihen erhielten und mit den tiefsten Lehren bekannt gemacht wurden. Kurz nach dem Sieg über Sybaris suchte sich das Volk der pythagoräisclien Aristokratie zu entschlagen und erschlug eine grosse Zahl der Anhänger; ähnliche Revolutionen erfolgten in Locri, Metapont und anderen Städten. Dies war der Anfang der Untergrabung der Macht dieser Griechenstädte. Die ungeheure Niederlage im Kampfe : mit den Lokrern am Sagras hatte das Sinken ; der Stadt zur Folge, so dass sie den Angriffen des Dionysios (388 v. Chr.) und des Agathokles (299 v. Chr.) sowie des Pyrrhos erlag. Unter der römischen Herrschaft hatte sie keine Bedeutung mehr. Kroton blieb noch in der Neuzeit ein Fundort der schönsten griechischen Münzen; von der Stadt selbst blieben nur einige höchst dürftige Mauerfragmente. 767 768 26. Von Taranto nach Reggio (Cotrone). Ausflug. 12 Kil. südöstl. von Cotrone, an der östlichen Spitze des Tarentiner Meerbusens, steht noch am Capo della Coloima (
  • ) Schwefelquelle, die aus dem Thongebirge hervordringt. Ein- »Saumpfad führt von Gerace über den Aspromonte (S. 730) durch den Pasto del Mercante nach Camlnuovo und von da in 5 St. nach Gioja (S. 728) am Tyrrhenischen Meer. Dieser Pass bietet überaus prächtige Naturscenevien, dichte Wälder, wilde Felsen, ausgedehntes Panorama auf beide Küsten. Zwischen den hohen Bergen Midulo und Jejunio bildet der centrale Kamm eine Senkung, durch welche eine neue Fahrstrasse von Gerace nach Gioja führt. Die Bahn zieht über die Stationen Ardore, Bovalino (das Städtchen, mit 2600 Einw., malerisch auf hohem Hügel gelegen) und Biancanuovo (der Ort auf isolirtem, auffallend weissem und kahlem Kreidegebirge) nach (412 Kil.) Stat. Brancaleone, mit 1300 Einw., auf steilem Berg, 6 Kil. vom Meer, die Einwohner als geschickte Töpfer bekannt. — Nun, von gelben Lehmbergen begleitet, um das Gap Spartivento (das antike Herkulesvorgebirge), das Südende Kalabriens, nach (425 Kil.) Stat. Palizzi’ die kahlen Berge treten stellenweise senkrecht ins Meer vor. — (430 Kil.) Bona, mit 3400 Einw., ein Albanesenstädtchen auf steilem Berg in sehr malerischer Lage. Noch jetzt ist die Sprache hier ein durch viele italienische Worte verdorbenes Griechisch; auch in Jtovudi, Condofnri, Ilocca- forte, Curio und S. Lorenzo ist die Sprache noch griechisch. Dann immer der Küste entlang nach (434 Kil.) Stat. Amandola. Das kleine elende Dorf über der gewaltigen Fiumara des Flusses soll die Heimat des Praxiteles sein, und noch jetzt bietet man hier Bildnerwerke (von schmutzigem Wachs) dem Reisenden an. (443 Kil.) Melito f der südlichste Punkt des Festlandes von Italien, wo Garibaldi 1860 seine glücklichste und 1862 seine unglücklichste (S. 730) Landung bewerkstelligte. — Endlich über (451 Kil.) Stat. Saline am Capo delV Armi vorbei, dem antiken Vorgebirge Leukopetra (das seinen Namen von der weissen Farbe des Felsens erhielt), wo die Apenninenkette mit felsigem kahlen Gestade am Meer abbricht, über Stat. Lazzaro und (463 Kil.) Pellaro, Beim Capo Pellaro, das aus weissen tertiären Thonschichten besteht, hören diebreiten Kiesbetten der Fiumaren auf, die Berge treten niedrig ans Meer; hoch an ihnen hinauf liegt auf spitzem Felsen der kleine Ort Motto S. Giovanni, unten aber sieht man Ackerfeld mit Fruchtbäumen und Zäune von Agaven und indischen Feigen. Nun mit köstlichem Blick auf schön bewachsene Berge, auf Orangen- und Ci- tronenpüanzungen, Weingarten, einzelne 777 26 . Reggio. 778 Palmen und an der Strasse Weinlauben vor den Thüreil nach (473 Kil.) Reggio. Gasthof: *H6tel Victoria,, Corso Garibaldi; gilt, aber nicht billig (Omnibus l l /2 Fr., Z. 3 Fr., Bed. 75 C., Diner Fr., Tasse schwarzer Kaffee mit Cognac 70 C.). Wer mit dem Nachtzug ankommt und den Omnibus der Vittoria benutzen will, thut gut, vorher zu telegrapliiren, da er meist rasch angefüllt ist. — Trattoria: *Kovara, bei der Hauptkirche S. Maria.— Cafe Garibaldi, ebenda, — Cafä d’Italia, Piazza Vittorio Eman. — Biireau der Dampfschiffe: Corso Garibaldi 235. — Agenzia der Eisenbahn an der Hafenstrasse (neben Villa Leo). Eilige, welche Reggio nur einige Stunden widmen können, mögen genau der folgenden Wegführung nachgehen. Reggio ist die Hauptstadt der Provinz Calabria ultra I, mit 35,200 Eiirw. (Bezirk), in einem herrlichen Garten gelegen , dessen balsamische Düfte die ganze Atmosphäre berauschend erfüllen, sich weithin ausdehnend und mit seinen stattlichen Bauten am breiten, fast l /\ St. langen Corso einen sehr stattlichen Eindruck gewährend. Geschichte. Schon744 v. Chr., zu Anfang des ersten Messeni- sehen Kriegs, von einer Mischung äolischer Chalkidenser aus Euböa und dorischer Messenier gegründet., hatte sich Rhegium seit Anlegung des Hafens am Vorgebirge Scyllaeum (S. 729) rasch zur blühenden und raächtigenllaupt- stadt emporgeschwungen, die schon vor den Perserkriegen den Tarentinern 3000 Bürger zur Hülfe schicken und zur Zeit des Dionys von Syrakus 30 Kriegsschiffe stellen konnte. Es ist die Vaterstadt des Dichters Jbykos (um 528 v. Chr.), des fünften Meisters im Kanon der griechischen Lyrik, der -wie ein echter Sohn Reggio’s mit feurigster Glut und überströmender Leidenschaft von der Liebe sang. Ein kleines von ihm noch vorhandenes Bruchstück führt in die reiche, köstliche Vegetation seiner Heimat, die jetzt noch ihr Hauptpreis ist, mitten hinein. »Im Frühling blühen die kydonischen Apfelbäume, getränkt von Strömungen aus den Flüssen im imbetretenen Garten der Jungfrauen, und die Weinblüten, die unter den schattigen Ranken des Weinlaubs heranwachsen; mir aber lässt Eros zu keiner Jahreszeit Rast.« Und Schiller lässt ihn gleichsam das Wanderlied seiner Küste singen: »Mir schenkte des Gesanges Gabe, Der Lieder süssen Mund Apoll; So wandle ich am leichten Stabe Aus Rhegium des Gottes voll!« Die antike Stadt hiess Rheyium, wahrscheinlich, wie Acschylos sagt, weil Sieilien durch Erdbeben vom festen Land abgerissen worden, Strabon berichtet: »Unter der mächtigen und berühmten Stadt standen viele Portal von S. Francesco in Gerace. andere Städte, jederzeit war sic eine Schutzmauer, und viele Männer, ausgezeichnet durch Tapferkeit und Bildung, gingen aus ihr hervor. Sie wurde aber von Dionys vou Syrakus (387 v. Chr.) nach heldenmüthiger Verteidigung und Erduldung von Hunger und Elend zerstört, weil die Stadt ihm, als er eine ihrer Töchter zur Gemahlin begehrte, die Tochter des Scharfrichters angeboten hatte. Zwischen den Leichenhaufen schlichen noch 6000 Bürger bleich und kraftlos einher. Wer sich nicht mit einer Mine Silbers lösen konnte, wurde als Sklave verkauft. Den Sohn des Stadthauptmanns Phython liess Dionysios ins Meer stürzen und den Vater an die höchste Belagerungsmaschine binden. »Der ist um einen Tag 779 26. Von Taranto nach Reggio. 780 glücklicher als ich«, rief Phython, als man ihm den Tod des Sohnes meldete. Die Feld-- mark der verödeten Stadt übergab Diony- sios wahrscheinlich den Lokrern. Von da an schwang sich die Stadt nie mehr zu dem alten Glanz empor. Dionysios dev Jüngere stellte einen Theil der Stadt wieder her und nannte sie Vhoebia «. Zur Zeit des Pyn-hos brachte die kam- panische Besatzung nach der Schlacht bei Heraclea (280 v. Chr.) alle wehrhaften Bürger um, bemächtigte sich der Stadt sammt den Weibern und Kindern und errichtete einen unabhängigen Räuberstaat, der Kro- ton überiiel und in Asche legte. Aber von den Syrakusern mit Schiffen unterstützt, belagerten die Körner unter dem Konsul Ge- nuciua die Stadt, die sich mit demMuth der Verzweiflung wehrte, bis sie erstürmt ward. Was von der räuberischen Bande dem Schwert entrann, büsste in Rom, undKhe- gium wurde den übrig gebliebenen Bewohnern zurückgegeben. — Beim Unglück Han- nibals brachten die Römer (205 v. Chr.) die Stadt wieder in ihre Gewalt und straften sie für ihren Abfall aufs schwerste; römische und bundesgenössische Ansiedler bezogen die verlassenen Häuser und theilten sich in die verödete Feldmark. — Kurz vor dem Marsischen Krieg ging ein grosser Theil der Stadt durch Erdbeben zu Grunde; Kaiser Angmtus bevölkerte sie durch Soldaten auf seinem Heer. Die Unglückschronik der reizenden Stadt, die immer wieder aus ihrer Asche erstand, zeugt von der Verjüngungskraft ihrer wundervollen Umgebung. — Im Jahr 410 belagerte sie Älarich , der in der Nähe starb, 549 eroberte sie Tolila nach grossem Widerstand, 918 fiel sie in die Gewalt der Saracenen, denen die Pisaner hier 1006 ein Treffen lieferten. 1060 wurde Reggio den Byzantinern durch Roger entrissen und 1282 dem Karl I. Anjou durch Peter von Aragonien. 1542, 1558, 1594 verheerten die Türken die ganze Küste. Da die alte Stadt durch das grosse kalabrische Erdbeben gänzlich zerstört wurde, so ist die jetzige ein völliger Neubau, mit grossen, geräumigen Strassen und hübschen Häusern, vom Hafen zur üppig umgürteten Höhe emporsteigend, rings von heiteren Villen umgeben. Die Hauptstrassen laufen von N. nach S. und sind eben, die Querstrassen, welche gegen das Meer münden, steigen steil bergan. An Fenstern, Balkonen r. oben findet man den eoeänen Sandstein von Syrakus, »einer der herrlichsten Architektursteine der Welt«. Vom Bahnhof gelangt man in 3 Min. zum Anfang der Stadt-, hier gleich 1. das neue Comizio Agrario } mit köstlichem Garten und prächtigem BlickaufMessina, die Gebirge, das Meer und 1. auf den Schneegürtel des Aetna. In weiteren 4 Min. erreicht man auf dem mit grossen Fliesen bekleideten Corso Garibaldi r. die moderne Kathedrale • auf dem Fries über den drei Portalen die grosse einzeilige Inschrift (Apostelg. 28, 13): »Da wir umschifften, kamen wir nach Rhe- gium« ; sie ist ein stattlicher Bau mit einigen glänzenden Grabmonumenteii-, eine grosse Freitreppe führt zu ihr hinan. Neben dem Chor am rechten Pfosten das schöne Denkmal auf Matthäus de Ja* nuario, Erzbischof von lteggio, 1668, mit liegender Statue, Relief und stützenden Löwen mit Wappen; 1. vom Chor, am linken Pfosten: Grabmal des Annibale de Affiitto von Palermo, Erzbischof von Reggio, ganz in demselben Stil. . Am Corso Garibaldi weiter nach 4 Min. 1. die Piazza Vittovio Emanuele, mit Anlagen und der modernen Marmor- j statue der Italia von Larussa, mit i Schwert und Lorbeerkranz. Gegenüber I die stattliche Camera del Commercio. Auf ! dem Platz spielt die Militärmusik. Dann j bei dem (r.) hübschen Renaissancebau j des Palazzo Musitano - Guerrera (der ' vierten Strasse 1. gegenüber) die gepfla- | sterte Via Giulia 1. hinunter zur Hafen- \ strasse ; hier überall *Prachtbliek auf (].) den Aetna und den Gebirgszug bis nach (r.) Messina, das in voller Ausdehnung jenseit der Meerenge vor Augen liegt; r. am diesseitigen Ufer eine weite herrliche Strecke der kalabrischen Küste. In der Mitte der Hafenstrasso liegt die hübsche, im gothischen Stil erbaute Villa Leo, mit reichstem Gartenflor (der Eingang ist aber von Strada Diana aus, die sich vom Corso Garibaldi abzweigt; Zutritt gegen Visitenkarte leicht gestattet). An Sonntagen sieht man in Reggio das kalabresische Kostüm noch zahlreich ver- i treten; die grossen blauen, in Wülsten her- : abhängenden Mützen, die unten offenen j schwarzen Sammethosen, weissen vorragen- j den Unterhosen, WoUstrümpfe und Sauda- I len, der schwarzsammtne Kittel mit zwei i Reihen vergoldeter Knöpfe geben der Er- j scheinung der sonst nicht durch Schönheit hervorstechenden Kalabreser Landleute et- : was sehr Malerisches. — Aber das Schönste ; von Reggio ist das Panorama und die Ve- j getation umher, welche die hier überaus Der Aetna von Iteggio ans gesellen. 782 26 . Kegffio. 783 26. Von Taranto nach Reggio. 784 rege betriebene Fabrikation von Essenzen und wohlriechenden Wassern gleichsam in der Luft noch fortsetzt. Am geschätztesten sind Bergaviotti und Cedrini. Obst und Orangen sind trefflich, es strotzet der Boden von Früchten, Wie auch von Blumen der zwei Hemisphären in üppigster Fülle; Und zu bedeutender Röhe schwingt sich die Palme und reifet Datteln; der Ricinus füllt mit den riesigen Blättern die Gärten, Ringsum leuchten im Laube Orangen, Ci- fronen, Limonen. Ostwärts raget der Aspromonte mit Tannen zu oberst, Rings an den Flanken vonWäldern mit Eichen und Buchen umgürtet. Unten am Hafen entzückt als ein farbendurchleuchtetes Seebild: Jenseits über den Wogen Siciliens Küste, Messina, Kaum eine Meile entfernt, und der hohe gewaltige Aetna, Rückwärts Berge an Berge in fernen verduftenden Zügen. Und an den Strassen nach Süden und Norden begleitet die Ränder Fleischiger Kranz von Opuntienblättern und indischen Feigen; Und so schliesst der italische Süden mit einer Idylle. — Manchmal, wenn in den Tagen des glühenden Sommers die untern Schichten der Luft durchglüht bei völliger Stille des Windes Wenige Zoll hoch zittern, und Strahlen von oberen Schichten Dann in die anderen dringen, und hier nun gebrochen, gebogen Plötzlich den Boden entfernen, erblickt man staunend Ruinen, Schlösser, Paläste als luftige Bilder der Fata Morgana. Ausflüge: Die Besteigung des Aspromonte S. 730; — nach Scylla S. 721); — nach Ccipo Spartivento S. 77ö. A. Acciano 67$. Accumoli 672. Acerenza 709. Acerra 29. Acherusia-See 365. Acqua morta 371. Acquaviva 733. Aesernia 083. S. Agata bei Sessa 48. — bei Ferentino 20. — bei Sorrent 546. — de’ Goti 6G6. Aggiatlial 714. Agno, Fluss 40. A ijnolo Franco 120. —. Gabriele d’ 126. Agri, Fluss 759. Alanno 679. Alaro, Fluss 772. Alatri 20. Alba Fucese 689. — Marsorum 689. Albano 18. Alberi 546. Alburnus 707. Alessano 750. Aletrium 20. Alexanderschlacht am. Issns, Mosaik 250. Alli, Fluss 768. Altamura 710. Altilia 722. Amalfi 585. Anialfi — Sorrent 593. Amandola 776. Amasenus, Fluss 42. Amatrice 672. Amatrice, Cola deXV 122. Araendolara 760. Avnerighi da Caravaggio 123. Ammanato, Giov. 122 . Amorosi 666. Anacapri 559. Anagni 19. Ancinale, Fluss 771. Ancona ■— Brindisi 613. S. Andrea 771. Andrea da Salerno 122. Andria 638. S. Angelo, Monte 42. — d’Ocre 678. — in Formis 30. 35. Unter-Italien. X. Register. Angri 575. S. Aniello 539. Anjou , das Haus 83. 95. 98. S. Antimo 668. Antinum 694. Antrodoco 673. Anversa 682. Anxur 44. Apollotempel am Avemer See 367. Aprice 658. Apricena 625. Aqnila 674. Aquino 22. Arapietra 618. Arce 698. Arco 730. — felice 363. — naturale, b. Sorrento 546. Ardore 776. Arena Bianca 722. Ariano 658. ‘ Arienzo 38. Arpaja 38. Arpino 22. 696. Arpino, Cav. Gius.Cesari d' 123. Arquata 617. S. Arsenio 713. Ai’soli 685. Ascoli 616. — di Satriano 657. Aspromonte 730. Assergi 677. Assi, Fluss 771. Astroni 352. Atella 700. Atcrno, Fluss 674. Aternum 620. Atina 713. Atrani 584. Atri 618. Atrio di Cavallo 376. 397. Aitalux’ XVeihgeschenh 242. Auletta 707. 711. Aurano 538. Auria, Domenico d’ 130. Aveja 678. Avella 531. Avellino 532. Averner See 366. Aversa 666. Avezzano 22. 689. Avigliano 702. j B. 7 iaboccio, Antonio 129. I Bacchus-Torso, farncs. 245. j Bacoli 370. I Badolato 771. Bagnara 728. Bagni di Cutiliao 673. — di Nerone 368. — di Paterno 673. Bagno della Sibilla 367. Bagnoli 350. Bagnolo 747. Baja 368. Barbaro, Monte 361. Bari 643. Bari—Potenza —Neapel 712. Bari — Taranto 731. Barile 701. Barletta 635. Jiartolommeo, Dionigi di 127. Basento, Fluss 708. 758. S. Basilio 733. Basilio Pisticci 758. Battipaglia 527. 603. Beffi 678. Bella 700. — Vista 347. Bellizzi 604. Belsito 722. S. Benedetto 615. Benevento 658. Bernalda 757. ßernini, Lorenzo 131. Bianconuovo 776. Biferno, Fluss 625. Bisceglie 642. Bisignano 717. Bitetto 732. Bitonto 643. Bivona 726. Boeca di Fiume 42. Bocclio di Capri 546. Bojano 684. Borghese, Ippolito 123. Bosco grandc 709. Botticelli 708. Bova 776. Bovalino 776. Bovianum Undecumanorum 68-4. Bovianum vetus 684. Bovino 658. Bozza 619. 26 786 Register. Bradano, Fluss 700. 756. Brancaleone 77G. Briatico 725. Brindisi 653. Brindisi — Ancona 650. Brindisi — Lecce — Otranto — Taranto 741. Buffaloria di Cassano 760. Buonalbergo 658. Buoni, Silvestro de’ 122. Busento, Fluss 717. ' Bussi 679. C. Caciacavallo 628. Cümrs Landhaus 370. Cajanello 29. 686. Calabritto 698. Calagranda 733. Caldura, Polidoro, da Cara- vaggio 122. Cales 30. Callistro, Fluss 679. Calore, Fluss 659. 665. Calvi 30. Camaino, Tino da 128. Camaldoli bei Neapel 341. — bei »Sorrent 546. — am Vesuv 402. Cammarata 716. Campagna 697. Cainpana 763. Carapestrino, Brücke von 712. Campi Elysei 371. — Palcntini 687. — Salentino 751. — veteres 707. Campo Pericolo 677. — Tanese 715. Campobasso 624. Campomarino 625. Cancello 38. 529. Candela 657. Candela — Melfi.—Neapel 706. Canna, Fluss 759. Cannü 635. Cannole 747. Canolo 775. Canonica 588. Canosa 637. Capestrano 678. Capistrello 693. Capo dell 1 Armi 776. — Caroglio 349. — S. Collichio 735. j — della Colonna 767. — Leukopetra 776. j — S. Maria di Leuca 750. ' — Miseno 371. — di Nau 767. — Orlando 539. — d’Orso 583. — Pellaro 776. — di Posilipo 347. — Sorrento 543. ' — Spartivento 776. ; — Spulico 761. — Stilliti 770. ! Capo Stilo 772. — del Tronto 761, — del Tumulo 583. — Vaticano 726. — S. Vito 735. Caposele, Villa 45. Capre, Grotta delle 43. Capri, Insel 547. Anacapri 559. Areo naturale 558. Blaue Grotte 551. Camerelle 555. Cappella S. Maria del Soe- corso 556. Capri, Dorf 552. Castello, Hügel 553. Castiglione 559. Certosa 554. 8. Costanzo 552. Faraglioni 555. Forte di Bruto 561. Grotta azzurra 551. — bianca 562. — Mitromania 558. — verde 562. Marina piccola 562. S. Michele, Hügel 553. Monte Salaro 561. Palazzo di Barbarossa 560. — della Marina 557. Punta Tragara 555. »Salto 556. Sirena 562. Stalaktitengrotte 557. Telegraph, optischer 558. Tragara, Thal 554. Villa di Giove oder — Tiberiana 556. Villen des Tiberius 557. Wuchteifang 562. Capua, das moderne 30. — das antike 33. Caracciolo, Giambutt. 123. Caramanico 621. Caravaggio, Michel Angelo da 123. — Polidoro da 122. Caravigno 653. Careeri di Nerone 370. Cardisco, Marco 122. Oariati 763. Caroglio 349. Carotto 539. Carpanzano 722. Carseoli 686. Carsoli 686. Casa Cellula bei Capua 35. Casalbordino 623. Casalbuono 714. Casalnuovo bei Neapel 40. — in Kalabrien 751. Casaluce 372. Casamicciola 567. Casapulla 35. Cascano 48. j Cascia 671. I Casorta 86. 666. ] Casilinum 31. j Casino Chiriaeo 724. I Casinum 22. Casinus, Fluss 23. Casoria 668. Cassano 760. Cassino 22. Castagno bruciato 703. Castellamare 586. Castellaneta 709. 733. Castellano, Fluss 616. Castel »S. Angel o 619. Castello di Bajä 370. — di S. Cataldo 745. — Fklardo 614. — Gandoifo 18. — del Monte 641. — Monticehio 703. — di Pesole 700. — di Sangro 683. Castelluccio 707. — superioro 715. Castelvetere 772. Castrignano del Capo 750. Castro 750. Castrovillari 716. Cataldo 745. Catanzaro 769. S. Caterina 730. 771. Caudinisehe Engpässe 38. Caulonia 772. la Cava 578. Cava 593. — Curiano 670. Cavaliere, Fiume 683. Ceccano 21. Celano 692. Cellara 722. Cento Camerelle 370. Ceprano 21. Cerignola 634. Cervaro 657. Fluss 634. Cesari, Giuseppe 123. S. Cesario 745. Charonisclie Gruben 352. Chiajolella 564. Chienli 625. — Fluss 614. CHieti 620. Ciampino 18. Cicala, Monte 531. Ciccione, Andrea 126. 129. Cicero’s Grab 45. — Villa 45. Cigliano, Krater 360. Cilistorno-Gebirge 715. Circeji 42. Oirceo, Promontorio 42. Ciro 761. Cisterna 39. Cittaducale 673. Cittara 582. Civitä d 1 Antino 694. — Laviuia 18. — di Penne 619. Civitä Veccliia — Neapel 47. Civitanova 614. Civitella ltoveto 694. S- Clemente 576. — di Casauria 622. Codola 531. 787 Register. Cola Axialrice 122. Cola Tornasi Hi*. Colantonio di Fiore 119. Oolleparclo, Grotte 21. Colles Leucogaei 36*0. Colorc 6‘>8. Conca, Seb. 125. Condopuri 776. Consolino 727. Conti 594. Convento de’ Cappuccini361. il Coppino 341). Coppito 674. Corace, Fluss 722. Coraei 722. Corato 641. Corenzio, Belmtrio 121. Cortinium 680. Corigliano 745. 762. Corno grande 618. — piccolo 618. Corpo di Cava 579. Correggio 277. Cosa, Fluss 20. Cosenza 717. Costa rossa 684. (’otrone 765. Crapolla 546. Crati, Fluss 716. Crimisa 763. Criscuolo, Filippo 123. Croechio, Fluss 768. Crocellc di Agrifoglie 722. Cropani 768. Crueoli 763. lumä 363. Amphitheater 365. 1’Antro della Sibilla 365. Apollotcmpel 3f>4. Grab der »sibylla 365. Cupra TMarittima 615. — montana 615. Curia, Francesco 123. Curio 776. Cutiliä, Bäder 673. Cutro 768. D. 8. Demetrio 678. Deserto 545. Diano 713. Dianotlial 713. >S. Domenico bei Sora 695. Donafello 130. S. Donato 745. Donnelli, Piero tt. Ippolito 121. la Duelicssa 707. Dugenta 666. E. Eboli 604. Egnatia 653. S. Elpidio a Mare 614. Elysäischc Folder 353. S. Erasmo bei Capua 35. Eraso, Fluss 765. Erchia 583. i Erdbeben in Kalabrien 719. S. Eufeniia, Kloster 723. F. , Fagnano 678. Falcone, Aniello 124. Falesio 579. Farnesischer Herkules 223. Farnesischer Stier 225. Fasano 652. Favorita 530. S. Feie 700. S. Felice bei Terracina 42. — (Valle Caudina) 38. Ferentino 20. Fermo 615. Feronia, Heiligthum der 42. Ferrandina 757. Figliue 722. Filadelfia 724. Filippo Tesauro 117. Finoglia, Paolo Domenico 124. Fiumara 706. — d’Atella 703. S. Flaviano 617. Foce d’Anversa 682. Foggia 626. Foggia — Neapel 655. Fondi 44. Fondo di Lesta 672. — Parisi, bei Sorrento 545. Fontana 698. — grande 706. Fonlana, Domenico 127. Fontecchio 678. Forca di Valle 618. Forio 573. Formia 45. Formianisclie Hügel 45. Furo Appio 41. Forte del Granatclio 395. Fortorc, Fluss 625. Fossa 678. — Faraone 703. — Nuova 42. Fossacesia 623. Francavilla 724. — a Mare 622. Francesco di Simone 119. Franche 538. Franco 127. — Aynolo 120. Frascati 18. i Fratelli 582. Fratta-Grumo 668. Fregcllä 21. Frosinone 20. Frusino 20. Fuciner See 690. Fitga, Ferdinande 127. Fnmarolen 378. Fuorigrotta 350. Furore 593. G. Gaeta 45. 30. Gagliano 750. I la Gajola 348. I Galatina 746. I Gallardo 128. j Gallico 730. i Gallipoli 745. ] Galugnano 745. Gaudolfo, Castel 18. Garigliano, Fluss 48. 697. Gennaro di Cola 119. Gerace 773. S. Germano 22. S. Giacomo Calopczzati 763. Giardinetto 657. Ginestra 706. Ginosa 756. Gioja 728. — dal Colle 733. Giojosa 773. Giordano, Luca 125. Giordignauo 747. 750. S. Giorgio (in Kampanien) 531. — (bei Tarent) 752. — a Cremona 395. Giotto 117. Giovanni da Xola 130. S. Giovanni a Teduccio 401. Giovinazzo 643. Giulianova 617. S. Giuseppe 579. Gizzio, Fluss 680. 682. Glanis, Fluss 40. Grab des Cicero 45. — Sannazaro’s 346. — der Sibylla (Cumä) 365. — Virgils 343. Gragnano 538. Gran Sasso 618. Granatello 395. Gravina 709. Gi’azzanise bei Capua 35. Grotta dell 1 abate Ccsare 703. — d’Ammoniaco 352. — S. Andrea 589. — azzurra 551. — del Cane 352. — delle Capro 43. — Dragonara 372. — della Maga 43. — S. Michael 712. — di Pietro di Pace 363. —
  • 9. Sacco, Fluss 19. 697. 8agittario, Fluss 680. 8agra, Fluss 772. 8ala Consilina 713. Salandrella, Fluss 758. Salerno, Andrea da 122. Salerno 594. Salerno — Pästum 603. Saline 776. Salino, Fluss 619. Salopaca 625. Salto, Fluss 686. Salvator Rosa 124. Sanct-i*, 0'iacomo de 127. Sandrussa 345. Sangro 623. — Thal 683. Sannaxaro's Grab 315. Sannazaro, Kirche 315. Sanseverino 532. Sansone, Chiesa 758. Sanssouci (PosiIipo),348. Sanlaeroce, Girol, 130. Santacroce, Monte 30. Santafede, Fabrizio 123. Santangelo 683. Saponara 714. Sarno 531. Sava 752. Savignano • Greci 658. Savuto, Fluss 722. 795 Register. Scatati 575. Scala 589. Scanzano di Montalbano 758. Scaricatojo 594. Schioppo, Wasserfall 694. Scilla 729. Io Scorzo 707. Scuola di Virgilio 348. Scurcola 688. S. Sebastiano 400. Sebeto, Fluss 373. 401. Segni 19. Sele, Fluss 603. 698. Selva di Policoro 759. Seminara 728. Sepolcro d'Agrippina 370. — di Virgilio 343. Serapis-Tempel 356. Senuuneta, Siciolante da 122. Serra 727. 772. — Molinara 712. Sessa 48. Setia 41. S- Severina 765. S. Severo 625. Sezza 41. Sgurgola 20. Sibilla, G-rotta della 43. Sicignano 707. Siciolante, da Sermoneta 122. Siderno 773. Siena, Marco da 123. Signia 19. Silawald 721. Silvestro de Buoni 122. Silvi 619. Simmari, Fluss 768. Simone, Maestro 117. Simone, Papa der Jüngere 123. Siimo (Siris), Fluss 714. 759. Siris 759. Sogne, Bach 22. Solfatara 353. 5159. Solimene, Franc. 125. Solmona 680. Solmonatlial 680. Solopaca 666. Somma 375. 397. Sonnino 41. Sora (594. Sorianello 727. Soriauo 727. Sorrento 5519. S. Sostene 771. S. Sosti 717. Sovorato 770. Spagnoletto 124. Sparanisl 30. 48. Spartivento 776. Spezanca 716. S. Spirito-Bitonto 643. Squillace 770. Squinzano 741. Stabiii 536. Stalliti 770. Stanzioni, 3Tassimo 124. Starza 658. Steccati 768. S. Stefano 722. S. Stefano in Bosco 727. Stefanone 119. Sternatia 745. Stignano 771. Stillaro 772. Stilo 727. 772. Strada nuova diPosilipo 346. Strongoli 764. Stufe di Agnano 351. — di Tritoli 368. Snb Lupatia 711. Snsshoh 767. Sybaris 761. T. Tagliacozzo 687. Tamaro, Fluss 658. Tarantel 741. Tarantella 742. Taranto 734. : Taranto — Otranto 752. Taranto — Reggio 751. Tarsia 716. Taverna Vicenza 604. Tavogliere di Puglia 657. 683, Teano 30. 48. Teate 620. Telegrafo Semaforico bei Sor rento 546. Telese 666. Tempel des Apollo am Aver- ner See 367. — der Diana (Bajä) 369. — des Merkur (Bajä) 369. — des Serapis(Pozzuoli)356. — der Venus Euplea 347. — der Venus Genitrix (Bajä) 370. : Tenna, Fluss 614. Teramo 617. ! Termini 546. | Termoli 624. ! Terni 669. I Terni — Neapel 669. i Terra di Lavoro 36. Terracina 43. i Terranova 761. I la Testa del Gargano 634. i Thomas von Aquino 21. i Thurii 761. ! Tibata, Mons 35. j Tino da Camaino 128. : Tiriolo 722. Tivoli 685. Tomasi, Cola 119. Tomm.as'o de Ste/ani 117. Tordino, Fluss 618. Tordinothal 617. Toritto 712. Torre d’Agnazzo 653. — d’Amiterno 672. — cloll’ Annunziata 402. — Bodino 43. — Cerehiara 760. — di Franeolisi 48. — del Greco 402. — del Greco — Vesuv 400. Torr Masdea 724. — di Melissa 764. — di Milone 761. — Olevola 43. — d’Orlando 47. — de Passeri 622. 679. — de tre ponti 40. — Vittoria 43. Torremare 756. Tortoreto 617. Tramutola 714. Trani 638. Trani — Andria — Melfi 706. Tre Torri, le 618. Trebisacco 760. Trecchina 715. Tremiti-Inseln 625. Trepuzzi 741. Tres Tabernae 39. Tricarico 709. Tricase 750. Ti'igno, Fluss 624. S. Trinitä della Cava 579. Trinitapoli 635. Trionto, Fluss 763. Trisulti 21. Troja 657. Tronto, Fluss 616. 617. 672. Tropea 725. Turano, Fluss 670. Turenum 639. Tuturano 741. U. Ufens, Fluss 42. V. Vaccaro, Andrea 124. S. Valentino 621. 679. Vallc di Maddaloni 666. — de Molini 589. Valloscura 682. Valmontone 19. Valva 698. Vandrathal 683. Vasto 623. Velinofälle bei Terni 669. Velinus, See 670. Velitrae 19. Vella 680. Velletri 19. Venafro 684. Venosa 704. Ventotiene 44. Venns - Torso in Neapel 236. Veniotico 741. Veroli 21. Vesuv 375*. Atrio di Cavallo 370. 397. Ausbrüche 383. Besteigung 393. Canalc dell’ Inferno 376. Einsiedelei 396. Fosso della Yetrana 376. — di Faraone 376. — grande 376. 796 Register. Vesuv (Fortsetzung). " Fnmarolcn 378. Geschichte 383. Gli Atri 376. Lava 382. Madonna del Pianto 874. Monte de Canteroni 376. Observatorium 376. 396. le Piane 376. 397. Punta del Nasone 376. Somma 375. 397. Vettica maggiore 593. — minore 593. Vezzola 617. Via Antiniana 359. — Appia 39. — Campana 359. — Claudia Valeria 620. — Cumana 359. — Domitiana 365. — Iiereulea 368. — Valeria 685. Vico equenso 539. Vicovaro 685. Vietri 581. 707. Villa d’Abro 347. — Angri 346. — Arcione 347. — Bauli 370. Villa Belvedere (Posilipo) 347. — Caposele 45. — Julius Casars 370. — des Cicero bei Pozzuoli 361. — des Cicero bei Sora 696. — di Donna Anna 346. — della Favorita 530. — (ierace 347. — S. Giovanni 730. — del Giudice 347. — Graziani 670. — Grotta marina 347. — S. Lucia 742. — d.LucullusamPosilip348. — des Lucullus bei Miseno 372. — Majo 543. — Massimi 686. — Mazziotti 347. — de Melis 347. — Moncaprice 347. — des Vedius Polio 347. — Quisisana 538. — Kicciardi 347. — Rocca Filomarino 733. -Matilde 347. — Romana 347. — Serramarina 347. Villa Sersali 545. — Thalberg 347. — Tiberiana 556. — Valle 671. — di Servilio Vatia 365. Virgils Grab 343. Vitellia 19. S. Vito bei Neapel 359. — Kloster 652. — Stat. b. Brindisi 653. — Chietino 623. S. Vittorino 672. Vitulano 665. Vivara, Insel 564. Volskerberge 18. Volturnum 33. Volturno, Fluss 30. 666. 684. Vomano, Fluss 618. Vomero bei Neapel 349. Vf, ■Wasserfälle de SaglttarioG82. Z. Zannone, Insel 44. Zimjaro 120. Zollino 745. Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. Memorandum zu Meyer’s- Reisebücliern. n Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig-, Memorandum zu Meyer’s Reisebiicliern, Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig. Memorandum zu Meyer’s Eeisebüchern. Adresse: Bibliographisches Institut Leipzig. Memorandum zu Movers ßeisebüchern. Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig. Memorandum zu Meyer’s Keisebüclieru. Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig.. Memorandum zu Meyer’s Reisebüchern. Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig. Memorandum zu Meyer’s Beisebüchern. Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig. Memorandum zu Meyer’s Reiselmckern. Adresse: Bibliographisches Institut — Leipzig. MEYERS REISEBÜCHER: ITALIEN von GSELL-FELS, ITALIEN in 60 Tagen. Italien geltenden JRundreise-Billete. Zweite Auflage. Mit 6 Karten, 18 Plänen und Grundrissen, gebunden 9 Mark. Kritiken über Gsell-Fels’ Italien in 60 Tagen. [Norddeutsche Allgemeine Zeitung.] ». . . Es ist ein wahrhaft ingeniöser Plan, den der als bester Italien-Führer anerkannte Verfasser in diesem handlichen Werk aufgestellt hat, um es dem Touristen zu ermöglichen, innerhalb 60 Tagen und mit den bescheidensten Mitteln ganz Italien zu durchstreifen; es ist bewundernswerth, welch eine Fülle von historischem, kunstgeschichtlichem Material, von werthvollen Fingerzeigen, von Karten und Plänen jeder Art sich in diesem Einen Band aufgehäuft findet, für den wir, nach sorgfältigster Prüfung, nur Worte der vollsten Anerkennung haben, die sich auch auf die ebenso gediegene wie praktische 'Ausstattung erstreckt.« [Weserzeitung.] ». . . Nirgends begnügt sich der Verfasser mit Abschreiben oder blossem Abkürzen des früher Gegebenen; überall sieht man, wie er, sorgfältig prüfend, jede Zeile durchdacht hat und auch darin auf der Höhe seiner Zeit steht, dass er in materiellen wie in geistigen Fragen stets die neuesten Veränderungen und Resultate wissenschaftlicher Forschungen berücksichtigt hat. . . .« Kunsthistoriker Dr. H. A. Müller in Bremen. [Niederrheinische Volkszeitung.] ». . . Wir können allen Rompilgern dieses Gsell-Fels’sche ,Italien in sechzig Tagen 1 nicht angelegentlich genug empfehlen, indem wir auf Grund gewissenhafter Durchsicht dessen Hauptvorzüge kurz dahin resumiren, dass es in bündigster Form den Reisenden bei jeder irgend wichtigen Stadt über deren geschichtliche,kirclien- und kun st historische Bedeutung orientii't, mit tliunlichster Zeitersparung denselben zu den einzelnen Denkmalen und Sehenswürdigkeiten führt und sie mit einigen lichtvollen Bemerkungen erläutert, durch sehr sorgfältig ausgefiihrte Pläne und Karten dem topographischen Verständnis nachhilft, Find dass es schliesslich über dem Geistigen das Materielle nicht vergisst, sondern überall erfahrungsmässig begründete Rathschläge für alles ertheilt, was das Reisen _in fremdem Land angenehm und billig macht . . .« Rektor Aldenkirchen in Viersen. [Danziger Zeitung.] ». . . Die Auswahl ist geschickt und mit Sachkenntnis getroffen, wer ihr folgt, wird genügend gesehen haben, nm ein Bild des Wunderlands in seinen wesentlichsten Einzelzügen mit nach Hause zu nehmen. Das sehr hübsch ausgestattete Reisebuch ist als bequemster Reisebegleiter jedem zu empfehlen, der nur wenige Wochen auf eine italienische Reise zu verwenden hat . . .« [Ueber Land und Meer.] ». . . Dazu hat Gsell-Fels hier nun die bündigste, trefflichste und praktischste Anleitung und Handhabe gegeben, so dass der Reisende sich ganz seiner Leitung überlassen darf. Das bequem in die Tasche zu steckende, vorzüglich sauber gedruckte, mit Karten reich ausgestattete-und mit gutem Register versehene, solid und weich gebundene Buch ist ein Musterbuch, an dem man schon von aussen seine Freude hat, und das sich von innen als bester Führer bewähren wird . . .« [Neue Preussiscke (Kreuz-) Zeitung.] ». . . Ganz Italien in Einem Band, noch dazu in Taschenformat, ist der in jeder Beziehung empfehlenswertheste Begleiter für diejenigen Touristen, welche Italien nicht en grand seigueur bereisen können , sondern in kürzester Zeit möglichst viel von der Hesperia magna kennen lernen wollen . . .« [Schwäbischer Merkur.] ». . . Was den neuesten Führer »Italien in 60 Tagen« betrifft, so glauben wir, dass er einem weit verbreiteten Bedürfnis in hervorragender Weise gerecht wird. Mit erstaunlichem Geschick ist hier alles Wissenswerthe auf den engsten Raum und doch in übersichtlichster, anschaulichster Weise zusammengedrängt. Professor Dr. Wilh. von Lübke in Stuttgart. MEYERS REISEBÜCHER: ITALIEN VOS GSELL-EELS. OBER-ITALIEN. Dritte umgearbeitete und vermehrte Auflage, Mit 10 Karten, 38 Plänen und Grundrissen, 84 Ansichten, 1 Panorama. 2 Bände, gebunden 12 Mark. Zweite Auflage. Mit 5 Karten* ROM UND MITTEL-ITALIEN. 55 Plänen, 79 Ansichten, 1 Panorama. 2 Bände, gebunden 18 Mark. UNTER-ITALIEN und SICILIEN. Zweite Auflage. Mit 15 Karten, 47 Plänen und Grundrissen, 88 Ansichten. 2 Bände, gebunden 12 Mark. Vorstehende 6 Bände, welche sich aneinander genau anschliessen, bilden das grOSS6 9 ganz Italien umfassende Werk des Dr. Gsell-Fels. Diese Reisehandbücher sind bei ihrem Erscheinen von der Presse mit seltener und ungetheilter Auszeichnung begrüsst und von den besten Kennern als die vorzüglichsten aller Reisehandbücher über Italien bezeichnet worden, eine Anerkennung, zu welcher die inzwischen erfolgten, durch Nachträge ergänzten neuen Auflagen nur noch beitragen werden. Wir lassen einige Kritiken über die Bücher folgen. , JfJ , . T . Bibliographisches Institut m Leipzig. Kritiken über Gsell-Fels’ Italien. [Berliner Nationalzeitung.] »Der Unterzeichnete hat vor anderthalb Jahren in Italien die Erfahrung gemacht, dass er die mitgebrachten deutschen Reisehandbücher unterwegs wieder in den Koffer thun und zu dem französischen Handbuch von du Pays, zu dem englischen aus Murray’s Verlag seine Zuflucht nehmen musste. Das hat ein deutscher Wanderer durch Mittel- Italien und Rom nicht mehr n'öthig, seit das Werk von Gsell-Fels erschienen ist.« »Der Verfasser schrieb diesen Führer weder als Archäolog, noch als Künstler, Bondern suchte an seine Person und an sein Buch den Massstab allgemeiner Bildung zu legen. Mit vollem Recht, aber er war das nur im Stande, weil er seine Mittheilungen überall auf gediegenes archäologisches Wissen, auf echt künstlerisches Verständnis gründete und zugleich den offenen Sinn für Art und Eigentümlichkeit des Landes mitbrachte, in welches er den Reisenden einführen will. Die ganze Anordnung des Buches ist übersichtlich uud praktisch. Der Verfasser ist zugleich auf dem Gebiete der mittleru ‘ und neuern Kunst vollständig zu Hause, es kam auch hier auf die Berücksichtigung einer sehr umfassenden Literatur an. — Was den Werth des Buches vervollständige, ist die vorzügliche Ausstattung, der übersichtliche und korrekte Druck, die Illustrationen, welche weit über dem stehen , was deutsche Reisehandbücher gewöhnlich bieten .« ». . . Dass auch das obere Italien in so sachkundiger und verständnisvoller Weise behandelt wurde, war ganz besonders ein Bedürfnis, denn Bädeker ist gerade in diesem Abschnitt am dürftigsten, und selbst Murray und du Pays, ausführlich und brauchbar in vielen Partien, haben doch nicht in allen aus der rechten Quelle geschöpft, haben besonders nicht die neuere deutsche Literatur, die zu der Erforschung der italienischen Kunst so viel beigetragen, verwerthet. Dem Reisebuch von Gsell-Fels merkt man jene Herrschaft über die Sache an, welche durchgängige eigene Ansckauung von Land, Volk und Denkmälern gewährt ... In erfreulichem Gegensatz zu dem philiströsen Ton, den wir in unseren Reisebüchern gewöhnlich finden, haben wir ein Werk, das der Höhe unserer Bildung entspricht. Mit dem landschaftlichen Charakter, mit der nationalen und lokalen Eigen- tliümliebkeit sind überall Geschichte, Alterthum und Kunst gediegen behandelt, doch stets innerhalb der Grenzen, welche ein nicht bloss für gelehrte und künstlerische . Kreise, sondern überhaupt für ein gebüdetes Publikum bestimmtes Werk sich setzen muss . . .« A. Woltmann, Prof, der Kunstgeschichte an der Universität zu Prag 30 ostl.L.v.Terro iCiixo di S«.o fTeramo udf&eabr ' \\ Y. V. ß \ t o) m% iCMittSiiiei tr ir „ .- B‘ a ’ irtetgd J'A'cxS'OWiiMa •tä/a/teB. .Barbarano i p «■ .11''IIJ «Af® .SV/d//, g^ÜaOadr V«^/»,v. „„ V5ir»«H,.,... »sa*- SPXaria fJjoaisi Xaafsstab 1:1.740000 fr JflfFab *{lnnöni Ä3J«j£&v» o Ärf ^ Deutsche geogr. Xeil. 15-1 Grad •tlienische Xiglien 60-1 Grad iiv&qjhnatj k \v 7 " -< \ r i £*\\ 5 i^S«\%^jSK»' , ‘'¥ rt «^TtwS. ^^^VäScN* sApricbna ÖnratcaJei •Warcoin Lamis -Kilometer IH .3 -/ Grad ■efraM agB^^/ArpIndVjdfeÄf® i^*s*rv» cK’ ir ‘"X''by ERKLÄRUNG und mehr Einte. e /&»•/# «tf Einwohner ' e /k ! ‘ %Jtina ht.?tr*~ . „ \ 0 GtXe 7 huoXZ a STADT a STADT , StiOOO STAUT , 20,000 Stadl . /KtfM . Xiäkm- “^»'Ca p”'i „ dYa/t 1 Leuchtfeuer • Dorf fMosterBonventip-Bad. .Bagni * Ruin. alt. Städte ’tteioni Ußrra \ \ V3 FaUccgrsa ; : LJ\_' , “” 5 l as ‘3B¥f f “ >s^<^ Eisenbahnen 'Strade/errate '——.- Eisenbahnen im Bau ■*•••*■* imProjeet Staate n. Poststrasse Strade regie Fostah -- J>OöinK-u.llandclsstrasse StradeprooLnciaU e commercialt anal 'Xaoiglio !..._•■■ Wasserleitung Jeguedotli £?{ ■ GtfditäCdW’etr« •<%PeÄ2 ^Jfftypdoimwty p. .• ./ L : , ySE^PsPcaur CSKtinetto ? 1t 'rinttepo Mhtctando/tö ,,ti? *> S.fyoFiftnihX. Pignata rn»Ti, Wlizti®fe«Ä^£ JtAi xCASTUOtf- teZ dellibritfL (EavvBo- - „ *W»7» SAUDIXIEA 1 9 '£*S£ ! ‘‘-f.J9ilehi*&FF ga®Kh ddioil •* t lR <6 ftriu.'iUi ’ontdH 'fkCoperih'to fZ 0 llinof erDA i%rptS^ ' iSolfto - Äo .Morl,mg Thieii Sidrouiffe2o +j 2 sJ^^Serra^nna od.deüe Cotonne glSS '^Sensale ' 2 feceraj$. int sSi/in toFaglia. . . °¥iUÜma$Jtargta ^<0 fortäle I r on#/v>ssa x o WWfWhm '/-. .• A Wbmnöli Santadi TV>;'■■'■%■ u v \ \ n : ^äavai£e [U’MilL I* olitis che ErMarimg’ Ivciiußreicli Italien.. . oruiz Grenzen TrorinzenlFrovincieJundB/'c/se (Ciretmdnrii/ rorrden, nach den dotmelr vesp rtnEarh unterstrichenen JlatrptoTten benannt. Die ehern. Manien der MeapnlitanischetiTrocineen sind sn-icc/ten Klammern leigefugt °SinoA)h ^^Ca^briäsi ftW i o r e SMS üwirMMhfo', wrdJxiJ IQICO 2 sna * 4 (~) °-fcceC(l^ ZfJegesra d2e,tm. rbana j;\ \('ä«w / Telese j ~ ’UHsäo \ z-d S. (hüsodnk. Tor^olk j ^J^tMJSLLg XEAPEI n JÜtzs. telbiioüa vTeffnatdro Ugi^ Solopnca taa Vj^.&uyaat^” ' fkjstzsc. Saleaii fr&ncifsilla belliatL „ Jl gebungen 'Jfapexkfgiot* ra«imano o Cesarö S Marone doppeltenTdaaßstaEe «er Oauptli. e.äwryMccbtoH vv n . _. JraBe d'Ohuo, • B Tboina Pdetjjnattie HEelunPa j fe-! ■^' a 'Wa ^Giinno Mer+£ä&/r.f •' 1 ^AOtapp^JdSlrdiro L. Ptllalbn % dro / "ieonftrl , ; wweuoh b V^L* 5 L P^ . Beget/bui ■£.'■ 'fpccttaZ't '•^‘ vcr '°^ * ''‘ ff ^ ®Ta.slrno ^^^/“•JOTatera AversaV i * lädguicraer* W!**0 Mfrg ‘äuarae,n

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A • 3y • .. ) * ’ 1 1 «"} . « ii L - i. ty f‘* ‘ ‘t‘ -. , •. , 1 .'.»•• ' a, J; ‘ Xx'y ■ . ..v^ x x-'^^^vRXv' *. "c. ■ -'■ x , v; /'.. - X • ■•''■■.Z&ovküStz yrr- i ’if * imi«*“/ • ‘ ■ y ••- *;.. ^r- $X V &*&>«£*;■ r 'Ä>. - • .. ■S&'fv-. ^ • . '• — - ?{'.•? <' "' v ' ..SD.tR " *■ *^£5.“'*'- 1 ’ v * X ’ ! 1 . Cr,. •• > -< £ ': ■% : "•'• . ,'a,5 . y .W'i '.A v . rfyy :. sägä... -^rrmr—-._ . _ /<••.'. -.«iA j.r‘ I [Nürnberger Korrespondent.] y>. . . Jetzt, seit kurzem, besitzen wir in den vortrefflichen Reisehandbüchern von Dr. Th. Gsell-Fels Werke, von welchen ich behaupten kann, dass sie, bei aller Anerkennung der Vorzüge von Badeker und Fournier, unter allen bis jetzt erschienenen Reisehandbüchern durch Italien den ersten Rang einnehmen. Sie verbinden die Vortheile des Bädeker und Fournier mit denen von Burckhardts Cicerone, sind bequemer und gedrängter als Murray und den Verhältnissen der Deutschen angepasst . . .« R. Bergau, Professor der Kunstgeschichte in Nürnberg. [Aachener Zeitung.] ». . . Die gründliche Behandlung w ;aOQTYa/,v,,,f ' < ' H<> ^ 1 den umfassendsten Studien Zeugnis ab an' re— —»r Und die zu rühmenden Vorzüge ( vier Bänden in gleich hohem Grad. W Fournier sich allzu sehr auf das flüchtige Molitor durch seine unkritischen Wurn ungeniessbar macht, hat Gsell-Fels in a) findende rechte Mass eingehalten . . .« , Thftila« . lnj>fc n . h i ZllZl © [Augsburger A ». . . Allzu reich ist unsere Reit und dieses neueste Werk, das dürfen • ZU' treten, nimmt jetzt entschieden den Eingeweihte sofort ansieht, dass etwas Ti Italienkenner mit dem Reisehandbuch v< diesem Führer in der Hand sich in der < Nachdem nun auch das Ergänzungswerk ist, haben wir Deutschen für diese ein Ri können . . .« [Wese; ». . . Man muss in der That staun etwa trockener Gelehrsamkeit, sondern gri und Kunstforscher, mit welchem Fonds von welcher gesunden Phantasie und wohlthuend< gegangen und seine Riesenarbeit durchgefüh ». . . Wenns also eben hiess: je richtiger, so muss man vom zweiten Br die Richtigkeit zu einer Unfehlbarkeit, die anerkennt . . .« Kun [An den ». . . Ich stehe gar nicht an, insonc anbelangt, Ihren Führer als das weitaus zu erklären. Ich kann nicht genug rühmt werthe Belesenheit, die sich oft in Eine; Schreibweise frisch und angenehm etc. . ; [Zeitschrift fi ». . . Wenn Einer, so ist der Verfi ist er der ungeheuren Literatur Meister gehäuft liegt, während der eigene kundig auch an kleinen und abgelegenen Orten Forschung bisher oft ganz vernachlässigt g deutschen Reisenden noch sehr gefehlt . . Das vortrefflich!} Buch wird mehl geschichto es vermag, darauf hinwirken, Italiens zu erschlossen. Mit Einem Wort Buch vor uns, sondern man darf ehrlich Italien zu einer Lebensaufgabe geworden is [An den Verfasser.] ». . . Ihr Ue den früheren Bänden an, sondern scheit ständigkeit und Sicherheit dieselben noc! durch mühevollsten Fleiss, gediegene Beherrsi einen deutschen Führer für Italien gegeben, < m cq XaillCMiqie «oi-iD Z H13 Prof, der Kunstg* CHES INSTITUT: L. rrParia -X SICILIEIi Maisstab l:t»0,000 Oeogr, MeilenJS-/Aequ.di'. Mal. McgUen.60-tAegu.6n ^ Halometer. Mt,3 /Or -T ^ :b "id 3o FhCßflcÜMea) 1 , -\\v ,< IJüumi I ,\\'\j.Erifcbde£) iVulcaHO ^fttera l Ull‘ i: 1 7 >r'' Ui-trtJiV tiuei-i Muni r j ' \ Iotsulm teZSaeeie. I '&'&?« IS&lBKaSaPft’ *s> ’Ikc4cK.' m \ßfigeit »Hk & ‘ä ,: ’^Kk 1 ®* s *>° .' ' C • tyfftd^gpo J^niissxn SEK* f. J. ' t> {esu W EP«n rteuosfö} iw*,/ w^mmWp ! (ü djlrgjrq%Z' ISP fe£$K MÄssas SM •.AM»?««'/ ■ ^vjssä^äsffSäS -ÄfufunSSoT^ ) 1 »Z/Wiri ap; etiti ^fcJtiesi JjHkJ'^tro«« frauros: tts,fi.gn^?nt^! tkdjW i'M ostaJ Uceati äöÄ ; :rV . ... _ tu Jiank l.Terdinanaea •• .•• v 1UlMn.entst.im/uUlS3/ 4V trBÄ 'u.nlifijlT}&fig. ims l PÜÜ l^^lEfftrrertU 310 °wtl. Jj.KH bjvo Bibliographisches hstitutin Leipzig 3Z70&: g Schenkung des Vulkaninstituts Immanuel Friedländer 8996 UNTER-ITALIEN und SICILIEN. ZWEITER BAND. == föv MEYERS REISEBÜCHER. Nord - Deutschland , Führer, mit 29 Karten, 28 Plänen, 2 Pa- noramen, 90 Ansichten. Zweite Auflage. Gebunden. . . . Mark 9. Süd -Deutschland (inkl. Tirol, Salzburg u. Salzkaminergut), Führer, mit 27 Karten, 13 Plänen, 5 Panoramen, 56 Ansichten. Zweite Auflage. Gebunden..- 7,50 Rheinlande, Führer, mit 20 Karten und 16 Plänen, 8 Panoramen, 46 Ansichten. Dritte Auflage. Gebunden.- 8. Wien , Führer durch die Kaiserstadt und auf den besuchtesten Routen durch Oesterreich-Ungarn. Mit 10 Karten, 23 Plänen, 26 Ansichten. Gebunden.- 5,50 Thüringen, Führer von Schwerdt und Ziegler. Mit 11 Karten, 3 Plänen, 4 Panoramen und 19 Illustrationen. Zweite Auflage. Gebunden.- 6. Schweiz, Führer, mit 18 Karten, 7 Plänen, 29 Panoramen, 22 Ansichten. Achte Auflage. Gebunden.- 9. London (England, Schottland und Irland), Führer von E. G. Ravenstein. Mit 11 Karten, 45 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama und 36 Ansichten. Dritte Auflage. Gebunden.- 7,50 Siid-Eraukreich und seine Kurorte- (inkl. Pyrenäenbäder), Führer von Gsell- Fels. Mit 17 Karten, 21 Plänen, 5 Panoramen, 25 Ansichten. llevidirte Ausgabe. Gebunden.- 9. Ober-Italien, Führer von Gsell-Fels. Mit 10 Karten, 38 Plänen und Grundrissen, 84 Ansichten und 1 Panorama. 2 Bände. Zweite Auflage. Gebunden.- 12. Rom und Mittel-Italien, Führer von Gsell-Fels. Mit 5 Karten, 55 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama, 79 Ansichten. 2 Bände. Zweite Auflage. Gebunden.- 18. Ullter-Italieil, Führer von Gsell-Fels. 2 Bände: I. Unter-Italien. Mit 8 Karten, 26 Plänen und Grundrissen und 57 Ansichten. Zweite Auflage. II. Sicilien. Mit 6 Karten, 22 Plänen und Grundrissen und 32 Ansichten. Beide Bände gebunden.. - 12. Italien in 50 Tagen, Wegweiser in 1 Band von Gsell-Fels. Mit 6 Karten, 18 Plänen und Grundrissen. Gebunden.- 9. Thüringen, Wegweiser von Anding und lladefeld. Mit 1 Ueber- sichts-und 6 Routenkarten. Sechste Auflage. Kartonnirt . . - 2. Harz, Wegweiser, mit 1 Panorama, 1 Uebersichts- und 15 Routenkarten. Fünfte Auflage. Kartonnirt.- 2. Riesengebirge, Wegweiser von Letzner. Mit 5 Karten und 1 Panorama. Dritte Auflage. Kartonnirt.- 2. Schweiz, Wegweis e r, mit 2 Uebersichts-, 2 Special- und 5 Routenkarten. Dritte Auflage. Kartonnirt.- 2. METERS REISEBÜCHER. UNTEE-ITALIEN UND SICILIE Db. TH. GSELL-FELS. ZWEITE AUFLAGE ZWEITER BANI): SICILIEN. MIT C KARTEN, 22 PLÄNEN UNI) GRUNDRISSEN, 9 ANSICHTEN IN STAHLSTICH UND 23 IN HOLZSCHNITT. L E I P Z I G BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT 1877 . Alle Rechte vom Verleger Vorbehalten. ♦«iS- -iw '■jS'tlu- Inhalts-Verzeichnis zum zweiten Band: Sicilien. Allgemeines. Reisezeit. Rciseplan. Verkehrsmittel. Sicherheit. Bevölkerung. Dialekt. Die Natur des Landes. Geologisches S. IG ff. — Schwefelgruben ,S. 22. — Salz S. 23. — Bernstein S. 24. — Vegetation • S. 24 ff. — Ackerbau S. 28. — Viehzucht S. 31. — Arbeitskalender des Landmanns S. 32. — Weinbau S. 36. — Fischerei (Thunfischfang) S. 36. Kunstgesehiehtliches. Dorische Tempel S. 38 ff. — Münzen S. 47. — Vergleichende Tabelle der Tempelmasse S. 46. — Kirchenbauten S. 55. — Mosaikgemälde S. 56. — Malerei S. 57. — Bildhauerei S. 58. Geschichtliches. Sikeler S. 60. — Pliöniker S. 62. — Elymer S. 63. — Hellenen S. 64. — Griechische Pflanzstaaten S. 65. — Karthager S. 68. — Dionysios S. 71. — Römerzeit S. 76. — Byzantiner. Christenthum S. 80. — Araber S. 81. — Normannen S. 84. — Roger S. 85. — Hohenstaufen, Heinrich VI. S. 94. — Friedrich II. S. 96. — Si- cilianische Vesper S. 106. — Aragonesen S. 106. — Spanische Herrschaft S. 109. — Bourbonen S. 110. — Garibaldi S. 113. — Zeittafel S. 114. Reiserouten durch Sicilien. Route 1. Von Neapel zur See nach Sicilien. a) Nach Palermo S. 117. — b) Nach Messina S. 118. 2. Palermo und Umgebung. Oekonomisches S. 119 — 124. Zur Geschichte von Palermo S. 124 — 135. Zur Kunstgeschichte S. 135 — 140. Lage und Leben der Stadt S. 141 — 148. Volkscharakter S. 145. — Klima S. 117. Rundgang in der Stadt: I. Südlicher Stadttheil S. 158 — 207. Foro italico, Porta Felice, S. Maria della Catena, Piazza Marina S. 165. -T- S. Francesco de’ Chiodari, Piazza Pretoria 8. 175. — Piazza Vigliena S. 170. — Dom S. 186. — Palazzo Reale S. 197. — S. Giovanni degli Eremiti S. 207. Rundgang in der Stadt: II. Nördlicher Stadttheil S. 208 — 242. Nuovo Mercato, S. Domenico. —Museo Nazionale (A. Erdgeschoss: Metopen. — B. Erster Stock: Diverse Sammlungen, Vasen, Bronzen, Münzen. — C. Zweiter Stock: Gemäldesammlung) S. 216. — S. Cita, S. Giorgio de’ Genovesi, Kastell S. 241. S eite 1 - 14 14 — 38 38 - 59 59-116 117-120 119 — 282 VI Inhalts-Verzeichnis. Route Seite Umgebung von Palermo 8. 242 — 282. Villa Giulia (Flora) S. 242. — Botanischer Garten S. 245. — Zisa S. 246. — Cappuceini S. 250. — Monreale S. 250 u. 254. — Cuba S. 252. — Conc-a d’oro S. 254. — Cnbola, Villa Tasea S. 253. — Monte Pellegrino S. 266. — Grotta S- Rosalia S. 266. — Giardino Inglesc S. 273. — Villa Favorita S. 274. — Ponte doll’ Ammiraglio S. 275. — Castollo di Mare dolce S. 276. — S. Maria di Gesix y. 277. — Santo Spirito S. 278. — Bagheria, Villa del Principe Palagonia Gravina S. 279. — Solunt S. 281. — Insel Ustica S. 282. 3. Von Palermo nach Calatafimi und Segcsta. Carini. Hykkara S. 284. 4. Von Palermo nach Trapani und auf den Monte S. Giuliano Insel Pantellaria S. 310. 5. Von Trapani nach Marsala, Mazzara und Castelvetrano .... 309 — 326 Lilybaion-Motye S. 316.— Insel San Pantaleone S. 319. — Cave di Campobello S. 324. 6. Selinunt. Von Palermo über Calatafimi nach Castelvetrano und ScHnunt.. 325 — 358 Vita (Garibaldi 1860) S. 325. T. Von Castelvetrano (Selinunt) über Sciacca nach Girgenti .... 357 — 366 Caltabellota. Triokala S. 362.— Heraklea Minoa. Cattolica S. 363. 8. Von Palermo über Corlcone nach Sciacca. 365 — 368 Giuliana (— Contessa — Entella) — Sambucca Zabut S. 367. 9. Von Palermo über Termini nach Girgenti. 367 — 378 Caccaino S. 374. — Alia S. 375. 10. Girgenti. 377-424 Oekonomisches. Zur Geschichte S. 378. — Die neue und die alte Stadt und ihr Boden S. 334. — Wegweiser S. 394. — Rundgang: I. Der Südtlieil S. 398. — II. Der Nordtheil mit der jetzigen Stadt S. 417. — Maccaluba, Schwefelminen S. 422. 11. Von Girgenti über Licata und Terranova nach Syrakus .... 423 — 440 Von Girgenti über Canicatti nach Licata S. 423. - - Von Girgenti über Favara nach Licata S. 425. ■— Von Girgenti über Palma nach Licata S. 425. — Butera S. 428. — Terranova—Vittoria — Ragusa — Modica S. 432. — Terranova — Biscari—Cliiaramonte — Palazzolo — Syrakus S. 435. — Terranova— Caltagirone — Vizzini — Bueclieri — Palazzolo — Syrakus S. 436. — Terranova—Kamarino— Scicli — Pozzallo—Pachino—Noto — Syrakus S. 438. 12. Von Girgenti über Caltanisetta nach Catania . . ,. 439 — 458 Enna S. 445. — Calascibctta. Leonforte. Troina. Imacliara S. 448. — Centuripe S. 451.—Von Castrogiovanni über Caltagirone nach Catania S. 452. — Lago Pergusa S. 453. — Piazza S. 454. — Lago Naftia S. 456. — Palagonia, Militello S. 458. 13. Von Palermo über S. Caterina und Leonfovte nach Catania . . . 459 — 462 Von Termini über Polizzi, Gangi, Nicosia nach Leonforte S. 460. 14. Von Palermo längs der Küste nach Messina. 463 — 484 Himera S. 464. — Manna-Esche S. 467. — Keplialoidion S. 470. -- Pollina S. 471. — Mistretta S. 472. — S. Fratello S. 473. — S. Marco S. 474. — Tyndaris S. 476. 15. Messina. 483 — 542 Oekonomisches S. 483. — Zur Geschichte S. 489. — Zur Kunst S. 497. — Lage und Charakter der Stadt S. 498. — Rundgang in der Stadt S. 507. — Umgebung S. 535. — Pace. Capo Peloro. Torre di Faro S. 538. — Campo inglese S. 541. — Antinamare. Monte Cicci. S. Placido S. 542. . . 283-298 . . 297 — 310 Inhalts - Verzeichnis, VII Route Seite IG. Von Messina über Taormina nach Catania.541 —5G2 Tauromenion S. 5-47. — Naxos S. 557. 17. Catania.5G1 — GOG Oekonomisches S. 561. — Zur Geschichte S. 567. — Lage und Leben der Stadt S. 573. — Klima, Wind, Wasser S. 579.—Wegweiser S. 582. — Rundgang durch die Stadt: I. Tour (Dom, Griech. Theater, Museum) S. 587. — II. Tour (Universität, Amphitheater, Villa Bellini) S. 599. 18. Der Aetna.G05 — G72 A. Der Berg und seine Regionen S. 605. — B. Die Ausbrüche (Geschichte des Aetna) S. 619. — C. Die Reise auf den Aetna (1. Auf die Monti Rossi über Nicolosi. 2. Besteigung des Kratergipfels. 3. Die Yalle del Bove) S. 639. — D. Von Catania um den Aetna nach Piedimonte (Misterbianco, Paterno, Biancavilla, Aderno, Bronte, Randazzo, Linguaglossa) S. 661. 19. Von Catania nach Syrakus.. . G71 — G80 Leontinoi S. 674. — Megara Ilyblaia S. 673. 20. Syrakus.G79 —77G Oekonomisches S. 679. — Zur Geschichte S. 681. — Zur Kunst S. 727. — Lage und Charakter der Stadt S. 728. — Wegweiser S. 732.' — I. Rundgang in der gegenwärtigen Stadt S. 736. — II. Die vergangene Stadt auf der Hochfläche des Festlandes S.' 743. — III. Die antiken Stadtbezirke und die Burg S. 753. — IV. Das Olympieion, der Anapos und die Papyrosstauden der Kyane S. 760. — Von Syrakus nach Palazzolo S. 766. — Von Syrakus über Noto und Modica ins Grottenthcl von Ispica S. 770. 21. Die Liparischen Inseln. 775 — 794 Lipari S. 779. — Vulcano S. 783. — Salina S. 786. — Filicudi S. 787. — Alicudi. Panama S. 788. — Basiluzzo. Scoglio del Castoro. Spinazzolo. Panarelli. Dattolo. Le Formiche. Lisca bianca. Bottaro. Lisca nera. Stromboli S. 789. A b k ii r R. — Route. Stat. ~ Station. Kil. z: Kilometer. in. zz Meter. ii. M. zz über dem Meer. St. zz Stunden. Min. zz Minuten. R. r. zz rechts. L. 1. zz: links. S. zz Süden. W. zz Westen. N. — Norden. O. = Osten. SW. = Südwest. ninge r. NO. zz Nordost. SO. zz Südost. NW. zz Nordwest. SSW. zz Südsüdwest etc. Fr. zz Franc (Lira). C. zz Centesimi. Z. zz Zimmer. Frühst, zz Frühstück. L. zz Licht. Bed. zz Bedienung. T. d’h. zz Table d’liöte. Fingeklammerte Buchstaben mit Zahlen, z.B.(C4), (CD 5), (F 2, 3), sind Verweisungen auf den betreffenden Stadtplan. IriUier geltende Masse. (Jetzt ist das Mctermass überall eingeführt.) a) In Neapel und Unter-Ita 1 ien. 1 Palrao zz 10 Decime a 10 Centesimi — oder auch. 1 Palino = 12 Once ä 5 Mi- nuti zz 0,2045» Meter. I Canna zz 10 Palmi zz 2,6455 Meter. 1 Miglio (60 = 1 Aequatorgrad) zzlUOO Pass! zz 1855,110 Meter — 1,855 Kilometer. b) In Sicilien. 1 Palmo zz 12 Once ä 12 Linee ä 12 Punti zz 0,‘25810 Meter. 1 Canna zz 8 Palmi zz 2,06480 Meter. 1 Miglio (74,8704 zz 1 Aequatorgrad) ZZ 5760 Palmi = 1486,656 Meter zz 1,480 Kilometer. Illustrationen-Verzeichnis zum zweiten Band. I. Karten. Seite Karte von Sicilien, vor dem Titel. Umgebung von Palermo, im Text . 244 Calatafimi — Segesta, im Text . . 290 Umgebung von Trapani, im Text . 299 Umgebung von Marsala (Lilybaion- Motye), im Text .315 Strasse von Messina, im Text . . 534 Karte vom Aetna.606 II. Pläne und Grundrisse. Palermo.119 — Krypta des Doms, im Text . 193 — Museum: Erdgeschoss, im Text 218 — clo. Erster Stock, im Text. 230 — do. Zweiter Stock, im Text 234 Monreale, Dom, im Text .... 259 Selinunt, im Text .327 — Tempel A., im Text . . . 348 — Tempel B., do.350 — Tempel C., do.351 — Tempel D., do. .... 355 — Tempel E., do.'338 — Tempel F., do.342 — Tempel G., do.344 Girgenti.378 — Zeustempel, im Text . . . 410 Tyndaris, im Text .478 Messina.483 Taormina, im Text .546 Catania.562 Syrakus.679 III. Ansichten. Palermo mit dem Monte Pellegrino 500 — S. Maria della Catena, im Text 162 Seite Palermo, Fontana del Garraffo, im Text .163 — Dom.186 — Ostta^ade des Doms, im Text 189 — Pak Selafani, im Text . . . 195 — S. Giovanni degli Eremiti, im Text .206 — Palasthof in Via Macqueda, im Text .143 -- Die Zisa, im Text .... 247 — Die Cuba, im 'Text .... 251 Monreale, im Text .256 — Dom, Inneres.186 — Dom, Kreuzgang, im Text . 263 Grotta S. Rosalia bei Palermo, im Text .269 Segesta, im Text .287 — Tempel.293 — Amphitheater, im Text . . 291 Marsala, im Text .314 Selinunt, Tempel, im Text . . . 339 Termini, im Text .371 Girgenti, Tempel der Here Lakinia, — Concordia - Tempel, im Text . 403 — Grabmal dcsTlicron, im Text 415 Messina.500 — S. Grcgorio, im Text . . . 514 — Aus der Umgegend, im Text . 539 Taormina.575 Catania mit dem Aetna .... 575 Aetna von Aci-Rcale aus .... 611 Syrakus vom Plemmyrion aus, im Text .763 — Latomia dei Cappuccini, im Text .751 — Antikes Theater.293 ■ 5 \ 1 B ti 3 o ■7 ■3 H .4 10 n 17 1)3 15 00 14 30 '75 .75 ill res 751 203 s I c i L I E N. Motto: Theokrit, Die Chariten, Vers 88 ff. 0 wenn wieder die vorigen Bürger die Städte bewohnten, Welche zu Schutt und Trümmern die Hände des Feindes verkehrten! Würden die Fluren gepflegt und bebaut! Und möchten der Schafe Zahllos wimmelnde Scharen, auf grasigen Weiden gemästet, Blöken durch’s Thal, und die Kinder, am Abend daheim in die Hürden Kehrend, zur Eil 1 antreiben den langsam schreitenden Wand’rer. Würden die Brachen gepflügt zur Einsaat, wann die Cikade, Kuhende Hirten belauschend am Mittag, singt in der Bäume Wipfel ihr Lied! O dehnte die Spinn 1 ihr zartes Gewebe Ueber die Waffen doch aus, und verschwände der Name des Elends! Unter-Italien. II. 1 Allgemeines Reisezeit. Die angenehmste Reisezeit für Sicili en ist in der Regel im April und Mai (die Zeit der Goethe’schen Reise), für den Aetna die Monate Juli und August. Dieser kann zwar auch hei noch grosser Schneemasse erstiegen werden, aber die Kälte ist dann eine so empfindliche, dass der Genuss verloren geht. Im September beginnen die Herbstregen, aber nach den ersten Regengüssen und im Oktober ist meist eine köstliche Reisezeit, es ist die Zeit der Weinlese und Baumwollernte sowie der reichen Herbstfarben in Baumschlag und Gebirge. Man kann also allfällig im September nach den ersten Herbstregen den Aetna besteigen und dann seine Reise an der Ostküste nach Syrakus und Modica und nach Taormina und Messina fortsetzen, von da der Küste entlang nach Palermo, und dann über Segesta, Trapani und Marsala nach Selinunt und Girgenti, von hier über Calta- nisetta und Castrogiovanni nach Catania zurückkehren, in stets passender Jahreszeit. Doch ist der November meist ein nasser Monat, während dessen die Finmaren schwellen und die Unannehmlichkeiten der Reisen zu Maulesel hervortreten. Der December ist besser, doch immerhin oft nass, stürmisch und kalt. Der Januar ist meist ein köstlicher Monat, als wäre der Frühling schon angebrochen, doch sind die Tage eben noch sehr kurz. Februar und März sind weniger günstig, das Wetter unbestimmbar, oft kalt und stürmisch. Reiseplan. Für den erstmaligen Besuch von Sicilien kann in 34 Tagen folgende er- spriessliche Uebersicht gewonnen werden: Messina mit Fort Castellaccio, Faro und Antinamare 21/2 Tage. — Taormina D /2 Tag. — Catania 2 J / 2 Tage. — Aetna IV2 Tag. — Syrakus 3 Tage. — Palazzolo IV2 Tag. — Modica 2 Vü Tage. — Syrakus — Catania — Castrogiovanni 1 Tag, Castrogiovanni (mit Lago Pergusa) 1 Tag. — Caltanisetta ■—Girgenti 1 Tag. — Girgenti 2 Tage. — Girgenti — Palermo 1 Tag. — Palermo mit Monte Pellegrino, Bagheria—Sotunto, Mare Dolce— S. Maria di Gesü — Camposanto di S. Spirito, Monrcale 8 Tage. — Segesta IV2 Tag. — Trapani — Monte S. Giuliano D/a Tag. — Marsala — Castelvetrano D /2 Tag. — Selinunt 1 Tag. — Castelvetrano — Palermo D /2 Tag. AVer nur das Allerbedeutendste sehen will, verwende auf Palermo sammt Umgebung (s. oben) 8 Tage, auf Segesta und Selinunt 4 Tage, auf Girgenti 2 Tage, auf (Dampfschiff) Syrakus 3 Tage, Catania 3 Tage, Aetna D /2 Tag, Taormina IVa Tag, Messina 2 Tage (zusammen 25 Tage). Die Liparischen Inseln erfordern eine Woche mehr. Eisenbahnen gibt es einstweilen nur: l)Die zuleitende (auf dem Festland)Aeopel— Foggia — Bari — Taranto — Reggio, von deren Endstation man nur 1 St. auf dem Meer zu fahren hat, da die Dampfboote nach der Morgenankunft des Zugs sogleich von Reggio nach Messina hinüberfahren. — 2) Die Bahn Messina — Taormina — Catania — Syrakus. — 3) Die Bahn Catania — Santa Caterina, welche ganz in die Nähe von Caltanisetta führt, von wo regelmässige Posten nach Girgenti und nach Palermo (d. h. Eisenbahnstation Roccapalumlia) fahren. — 4) Caltanisetta — Serra di Falco — Campobello, welche siidl. bis Licala fortgesetzt wird; auch eine Verbindung von Canicatti nach Caldarc (Palermo— Girgenti) und von Caltanisetta nach S. Caterina ist im Bau. — 5) Palermo — Termini — Spina, von wo die Post bis Passo- fonduto führt, im Anschluss an die kurze Bahnstrecke nach Girgenti und den Hafen desselben, Porto Emdedocle. Dampfschiffe umfahren wöchentl. Imal die Insel (Palermo, Trapani, Marsala oder Mazzara, Sciacca, Girgenti, Licata, Terra - nova, Syrakus sind die Stationen) und unterhalten ausserdem 5mal wöchentl. die Verbindung zwischen Palermo und Messina. Doch ist die Benutzung der Dampfschiffe nicht zu empfehlen und die Landreise stets vorzuziehen. 1 * 7 ßeiseplaii. 8 Die Fahrposten sind an den betreffenden Orten angegeben. Die Ilauptverbin- dungen liegen gegenwärtig in den Händen von nur zwei Gesellschaften, und man liat die Billete nicht an den Endpunkten der binnenländischen Eisenbahnen zu lösen, sondern in Palermo, Catania oder Girgenti, wenn man nicht riskiren will, sitzen zu bleiben. Am ehesten erhält man noch in Caltanisetta sichere Weiterbeförderung. — Die Postwagen sind schlechte Omnibus, lästig niedrig und sehr primitiv, aber man lernt Sicilianer kennen, reist ziemlich rasch und hat nach beiden Seiten hin Aussicht. Gegenwärtig hat man noch obligatorisch (es steht auf dem Billet) i !i Fr. bei jeder Station dem Postillon zu bezahlen. Bei Nachtfahrten frage man nach der Zahl der Stationen und bezahle die gesamrnten Trinkgelder dem Kondukteur. Privatwagen bezahlt man meist (2spän- nig mit 5 Sitzen) mit 25 Fr. pro Tag und 2 Fr. Trinkgeld. Die Maulthiere sind fast durchweg gut; man bezahlt durchschnittlich für ein Maulthier mit einem Führer tägl. 12 Fr. Es ist durchaus nothw'endig, dass man sich zuvor das Thier und den Sattel zeigen lasse, da man nur auf einem guten englischen Sattel (Sella inglese) gegen allzu grosse Strapazen gesichert ist. Die Wirtshäuser in den kleineren Städten sind meist elende , primitive Lokanden , oder fehlen oft ganz, selbst in den Mittelstädten sind sie vorwiegend nur eben angehende, leidliche Unterkunftstätten. Verwöhnte lassen sich deshalb von den grossen Städten aus Empfehlungen geben, wenn sie eine grössere Binnenlandreise machen. Der Sicilianer nimmt Empfohlene sehr gastfreundlich a*;f. — Restaurants (Trattorie) gibt es meist auch in kleineren Städten ordentliche; sie sind durchweg sehr billig und der Wein meist vortrefflich. — Die Cafes sind nicht, wie auf dem Kontinent, die Versammlungsstätten der Einwohner, sondern mehr dem Bedürfnis gewidmet (der Sicilianer bleibt in der Familie). Doch sind Kaffee und Eis meist von sehr guter Qualität. Weiteres über Reiseausrüstung etc. vgl. Bd. I, S. G—IC. Die Sicherheit der Strassen ist für die Posttvägen durch reitende Carabinieri, welche stationsweise wechseln und stets nahe dem Wagen folgen, an den verdächtigen Orten gewährleistet. Gegenwärtig wird diese Begleitung nur auf ganz wenigen Strecken für nothwendig gehalten. Den grossen Lärm, der in den Zeitungen über das liüuberwesen in Sicilien noch jetzt unausgesetzt verbreitet wird, erklären die Sicilianer theilweise für einen Tendenzlärm, weil das sicilische Volk mit seiner Insulanerpolitik sich tendenziöse Feinde zugezogen habe. — Gewiss ist, dass der Tourist in Sicilien gerade so sicher reist wie im übrigen Italien. Verfasser reiste vier Monate lang (1875 ’ und 187G) kreuz und quer durch die ganze Insel, meist ganz allein, und hatte (obschon durch Brille und Typus als Fremder sich ; kennzeichnend) nicht das Geringste zu erleiden. Gleichzeitig durchzog Herr Friedrich Bossart von Stuttgart Sicilien zu Fuss kreuz und quer und, wie der Verfasser, auch tagelang in den berüchtigtsten Gebieten, ohne je einen Unfall zu erleiden. Die sorgfältigsten Erkundigungen ergaben, dass während dieser ganzen Zeit kein einziger Tou- Das liüuberwesen in Sicilien ist im Ma worden. Das Ministerium, freilich von behauptete, sich in der Unmöglichkeit zu gewöhnlichen Mitteln aufrecht zu cvlialt walten, um die Sicherheit herzustellen. Freilich handelte es sich dabei nicht um ein Itäuberwesen, das die Touristen zu fürchten haben, sondern um eine Art Geheimbund im Begehen der Verbrechen. Im Jahr 1874 sind auf eine Bevölkerung der Insel von 2,609,000 Menschen 88 Attentate auf die öffentlichen Beamten, während sie ihr Amt ausiibten, vorgekommen, 40 wurden getöd- tet, 27 schwer verwundet. Im Jahr 1873 laxitete die Tabelle: 1 Mord auf je 3194 Einw. der Insel (in der Lombardei 1 Mord auf 44,7G4), 1 Verwundung auf 544 Einw. (Lombardei 1:1894), 1 Diebstahl auf 3098 rist angegriffen wurde. Den schlechtesten Huf haben die Umgebungen von Girgenti gegen Favara hin sowie die südlichen und östlichen Umgebungen von Palermo. An beiden Orten wanderte der Verfasser wiederholt bis in die Nacht hinein und ging unbelästigt zu Fuss allein in die Stadt zurück. Auch die Nachfragen hei den Konsuln bestätigten, dass es sich mit der Sicherheit um Palermo für Touristen durchaus nicht bedenklich verhalte. 1875 öffentlich im Parlament besprochen Sicilien grösstentheils sehr angefeindet, befinden, die Ordnung der Insel mit den in, und erbat sich ausserordentliche Ge- (Lombardei 1: 12,487). Der Minister Min- ghetti verlangte, dass in den Provinzen und Gemeinden, wo die Öffentliche Sicherheit schwer geschädigt sei (durch Mordanfälle), folgende Massregeln getroffen werden: »Der Präfekt soll befugt seiu, durch ein geschriebenes Mandat die präventive Verhaftung von Individuen anzuordnen, welche in dem dringenden Verdacht stehen, Associationen von UebeUhätern anzugehören, Manutmgoli (Helfershelfer) oder Mitschuldige zu sein, und überall llausuntersuchungen anstellen zu können, wo Gründe vorhanden sind, dass 9 Käubenveseii, 10 Individuen, Waffen oder Gegenstände, die mit jenen Verbrechen in Verbindung stellen, vorhanden sind. Die Inkulpirten seien nach beendigter Voruntersuchung, jedoch nicht später als 14 Tage nach ihrer Verhaftung, dem (Jericht zu übergeben, das ihnen in keinem Fall provisorische Freiheit zu ertheilen berechtigt sei, oder sie können für 1—5 Jahre internirt werden durch Ministerialerlass auf den Vorschlag einer lokalen Junta, die vom Präfekten präsidirt ist und an welcher der Präsident und der königliche Prokurator der civilen und korrektioneilen Tribunale theil- nelimen. Diese Junta hat die Angesclml- digten einzuvernehmen und kann, wenn sie <‘inen Bescheid über ein Individuum, das nicht verhaftet ist, zu fassen hat, dieses durch einen, mittels eines Agenten der öffentlichen Macht notificirten Akts citiren. Die Gerichte können Personen, welche zur Abgabe von Indikationen oder zur Aufklärung über Begebnisse, die sich auf jene Verbrechen und Individuen beziehen, cinberu- fen sind, und welche falscher Zeugnisse oder der Verschweigung in ihren Depositionen oder Deklarationen verdächtig sind, im Verhaft behalten.« — Die Linke griff diesen Gesetzentwurf mit Heftigkeit an, da ein politischer Zweck , eine Art Staatsstreich darunter verborgen liege. — Der Deputirte Tom- masi-Crudcli fügte nun zur Unterstützung Minghetti’s hinzu, dass es in Sicilien Gemeinden gebe, welche einen jährlichen Tribut den Brigantenbanden bezahlen, um gegen die Räuberanfälle sicher zu sein, ja, dass die gewissenhaften Magistrate der Insel stets zwischen Leben und Tod schweben, die Gesehworncn bedroht werden und einen Schuldigen nicht verdammen können, die Jury nur funktionire, um verneinend auf die ihr gestellten Fragen zu antworten. — Zwei Deputirte der Linken erinnerten daran, dass die gouverncmentale Administration mit den Räubern zu transigiren sich genötliigt sah, weil sie denselben gegenüber zu schwach war, und Minghetti antwortete, man vergesse die Ermordungen auf den öffentlichen Plätzen in Sicilien in Gegenwart einer Bevölkerung, innerhalb deren es unmöglich sei, («in einziges Individuum zu finden, das gegen die Mörder Zeugnis leisten möchte. — Tajaui, Exprokurator von Palermo, Depu- tirter der Linken, beschuldigte die Regierung selbst der Konnexion mit dem Räuberwesen, gab aber zu, es existire eine Maffia als geheime Verbindung von Uebelthä- tern über ganz Sicilien, ohne Statuten und regelmässige Organisation und Zusammenkünfte, aber gemeinsam durch dasVerbrechen lebend und sich bereichernd; die Maffiosi haben eine Gerechtigkeitspflege, welche nicht die der Socialjustiz ist; ihre Verdikte sind unerbittlich und rasch: ein Zeuge, durch die Maffia verurtheilt, ist in 24 Stunden getödtet. Der Präfekt von Palermo schrieb am öl. Juli 1874: »Man könnte die Maffia definiren als ein verborgenes, verderbliches Unternehmen, mittels dessen in einem Land, wo die Korruption und die Reaktion gegen die Autori- | tat ein Erbe der vergangenen Regierung sind, Leute aller Klassen sich gegenseitig Hülfe leisten, zum Zweck der Verteidigung, des Raubes, des Gewinns, der Vergewaltigung, der Rache, indem sie sich aller Mittel bedienen, welche das Gesetz, die Sittlichkeit und die Civilisation verabscheuen. Die Maffia durchdringt alle Klassen der Gesellschaft; der Reiche übt sie aus, um seine Person und seine Güter zu sichern und den Einfluss zu bewahren, den ihm die jetzigen freieren Institutionen rauben; der kleine Bürger macht mit aus Furcht vor Rache, oder aus Sucht nach Popularität, Gewinn, Ehre; der Proletarier pflegt sie aus Hass gegen die Besitzenden, aus Trägheit oder in Hoffnung auf eine schönere Position. Die Maffia der untersten Klassen geht meist Hinauf Erpressungen aus; der Verband der städtischen Maffia mit derjenigen auf dem Land erleichtert die Verbrechen; es fehlen alle Beweise, da niemand Klage zu führen wagt und die Zeugen stumm sind. Die Grade der Maffiosi sind: der aktive Maffioso, der Räuber, Dieb, Mörder; der geheime Maffioso, welcher die Berichte sammelt und an der Verbreitung der Verbrechen arbeitet; der Slauu- tengolo, der aus Furcht oder Interesse sieh zum Beschützer der aktiven Maffiosi macht. Ihre Novizen, Sgaraglioni, müssen zuerst Beweise ihrer Geschicklichkeit, Kühnheit und Verschwiegenheit ablegen; sie beginnen mit der Bezahlung einer Abgabe an die Maffia«. Der Präfekt von Trapani berichtet, »dass die Korporationen, welche die grösste Zahl der Maffiosi in seiner Provinz liefern, die ambulanten Händler, die Barbiere, Bäcker, Müller, Kutscher, Kärrner, Ziegenhirten seien. Das Gesetz der Maffia sei, sich mit den iibelberüclitigtsten Individuen in Verbindung zu setzen, mn beständig mit. den begangenen oder zu begehenden Verbrechen auf dem Laufenden zu sein, über die Verbrechen, bei denen man zugegen war, zu schweigen, durch falsche Zeugnisse die begangenen zu verwischen, die Angeklagten zu befreien, Subsidien von den Reichen zu beziehen, unter dem Vorwand, sie zu beschützen, die öffentliche Gewalt allezeit zu hintergehen, die,Regierung' als eine immoralische und räuberische zu verdächtigen!« — Der Präfekt von Caltanisctta setzte noch hinzu: »Mittels der Alta Maffia zwingt man die Besitzer, einen Pachthof, ein Feld, einen Wald, den man zu besitzen wünscht, zu niederen Preisen zu verkaufen, nöthigt. den Reichen zu einer beliebigen Vcrheirathung seiner Tochter; in den Städten sucht die Maffia den Tod der mit Erbgütern Gesegneten zu beschleunigen, die Magistrate zu bestechen, die Funktionäre zu betrügen, ein Protektorat auszuüben, in jeder Weise sich zu bereichern, die einträglichsten Aemter zu erhalten und auch die Kommunalgüter in Kontribution zu setzen«. — Seit diesen Erklärungen, welche Sicilien fast zu einem Räuberstaat herabsetzten, ist freilich das Ministerium Minghetti gefallen, und die Präfekten sind zumeist durch andere ersetzt il Volkszählung — Unterricht — Mundart. 12 worden, aber bis jetzt ist es auch diesen nicht gelungen, grössere Sicherheit herzustellen und dem wahren Uebel, das ein gesellschaftliches ist, abzuhelfen. Denn in einem Land, in welchem, wie die Nachforschung 1875 erwies, von 27 Millionen Einwohnern trotz der thätigsten Verbesserung im Erziehungswesen 19^2 Millionen weder lesen noch schreiben können, und wo Strassen und Eisenbahnen noch in ähnlichem Zustand wie die Erziehung sich befinden, ist allerdings noch viel zu leisten, zumal Handel, Industrie und Ackerbau Hand in Hand mit der Verbesserung der Verkehrsmittel und des Unterrichts sowie mit der richtigeren Ausgleichung des Besitzes gehen. Die Volkszählung von 1871 ergab folgende Bevölkerungszahlen der Provinzen und der drei bedeutendsten Stadtgemeinden: Provinz Palermo (Palermo, Cefalu, Corleone , Termini) . 617,C78 Eimv. Caltanisetta (Caltanisetta , Piazza, Terranova) . . 230,0G6 Catania (Catania, Acireale , Caltagirone, Nicosia) . 495,415 Girgenti (Girgenti, Bivona, Sciacca). 289,018 Messina (Messina, Castroreale, Mistretta, Patti) . 420,649 Siracusa (Siracusa, Modica, Noto). 294,885 Trapani (Trapani, Alcamo, Mazzara) ..... 236,388 2,584,099 Einw. Die Stadtgebiete von Palermo 364,421; Catania 198,263; Messina 197,942 Einw. Die Stadtgemeinden von Palermo 219,398; Catania 84,397; Messina 111,854 Einw. Der Elementarunterricht hängt von den Gemeinden ab, welche die Kosten dafür aufzubringen, die Lehrer zu ernennen und zu bezahlen haben. Jede Gemeinde, von 5Ü0 Einw. an muss eine Knabenschule und eine Mädchenschule halten für wenigstens zweijährigen Elementarunterricht, jede Gemeinde über 4000 Einw. hat auch noch eine wenigstens zweijährige obere Schule zu errichten. Dennoch konnte bis jetzt der Verbesserung und Vermehrung der Volksschulen nur insoweit nacligekommen werden, dass gegenwärtig auf luO Einw. zwei Schulkinder kommen und auf je 1400 Kinder eine Schule. Palermo hat gegenwärtig am meisten für Volksschulen gethan; 1859 gab es 7 Volksschulen, welche im ganzen von 679 Schülern besiicht wurden (auf 194,000 Einw.), 1872 gab es 9023 Schüler in 53 Tagesschulen und 32 Abendknabenschulen sowie 36 Mädchenschulen für die Stadt, und 20 Tagesschulen, 25 Abendknabenschulon sowie 23 Mädchenschulen für den Landbezirk. Der Unterricht für die höhere Bildung in Lyceen, Gymnasien, technischen Schulen und Universitäten ist durchweg ein tüchtiger; Sicilien zählt jetzt 8 Lyceen, 32 Gymnasien, 23 technische Schulen (ausser den Seeschulen) und 3 Universitäten (Messina, Catania, Palermo). Die sicilische Mundart. Es scheint sich eine lebendige Tradition von der alten sike- lischen Sprache bis zu dem heutigen Sici- lianisehen fortgeerbt zu haben; zumeist hat wohl die Sprache der Römer den altitalischen Dialekt umgebildet. Siciliens kampa- nische Vulgärsprache wurde unter den Normannen und am Hof des hohenstaufischen Kaisers Friedrich II. zur Sprache der Poesie erhoben. Das Arabische hat nur sehr geringe Spuren in der sicilischeu Sprache hinterlassen, keine in der Grammatik, eine Andeutung in der Aussprache, einige hundert Wörter und einige Redensarten; die Wörter beziehen sich meist auf die Landwirtschaft, die bürgerliche Industrie, Kleider, Speisen und einige Institutionen der städtischen Polizei. (Mhnche arabische Wörter haben bekanntlich den Lauf durch ganz Europa gemacht und finden sich auch in der italienischen Schriftsprache: Ammiraglio, Cifra, Zero, Cammicia, fondaco, magazzino, sensale, tariffa, dogana, canfora, aleali, al- manacco, Zenit u. a.) Ende des 12. Jahrli. war die sicilianische Sprache schon durch die ganze Insel verbreitet. Jede Stadt in Si- cilien, fast jedes Dorf haben ihren besondern Dialekt, und man kann gleichsam eine Topographie der Dialekte nach Städten, Bergen und Thälern entwerfen. In Piana dei Greci und Contessa wird auch griechisch gesprochen; in Alcamo ist in der Volkssprache noch am meisten Einfluss des Arabischen geblieben; in Nicosia und Sperliuga, welche den Franzosen nach der Sicilianisclien Vesper Schutz gewährten, haben die Bewohner etwas vom französischen Accent bewahrt; in einigen Lombardenkolonien, die sich unter Roger und Robert ansiedelten (Piazza, Fratello, Nicosia, Aidone), sprechen zusammen gegen 40,000 Personen noch die lom- bardische Sprache. In den Kolonien der Albanesen wird noch albanesisch gesprochen. Zudem hatte jeder Eroberer Siciliens wieder einigen Einfluss auf die Sprache. Charakteristisch für Sicilien ist die Tiefe, Wärme und der Reichtlium des Volksliedes, gleichsam ein Nachklang der bunt gestalteten Geschichte des Volks mit mythologischen Vorstellungen der Griechen, punisclien Erinnerungen , byzantinischen Naehklängen, orientalischer Fülle der Araber, romantischen Empfindungen des normannischen Ritterthums und der Hohenstaufen und selbst spanischer Poesie. Leonardo Vigo hat die Schatze ( Canti popoluri) gesammelt. Man vernimmt diese originelle Volksdichtung am ehesten, wenn man zur Nachtzeit die volksbelebtesten Strassen durchzieht, oder bei 13 Die Natur des Landes. U Festen. Die Mandoline, oft begleitet von der Guitarre und den abgemessenen Schlägen des Triangels, begleitet die klagende Weise mit ihren rührenden Molltönen. Scheinbar ungQjmnden und in »arabeskenartiger Freiheit« wogen die Läufe und Wendungen durcheinander, mit wundersamen, bis an die Dissonanz streifenden Uebergängen. Der Vortrag bringt in jeder Strophe etwelchcn Wechsel derselben Melodie. Die Texte haben sich vornehmlich durch mündliche Mittheilung fortgepfianzt. Die Bezeichnung dieser Lieder als Canzoni d’entrata erinnert schon daran, dass ihre eigentliche Bestimmung ist, vor dem Haus gesungen zu werden, in offener Thur. Der wahre Improvisatore hat zu Minco la pietra della poesia (Contrada Ca- muti, Villa di Paolo Maura) den »Stein der Dichtkunst« geküsst; an Festen Lind beim Wein umzingelt ihn das wannfühlende Volk, und zuweilen kommt es hier bis zum dichterischen Zweikampf, la tenzone, einer Herausforderung inVersen, und zwar auch zur Lösung schwieriger dichterischen Aufgaben. An dem Unterliegenden rächt sich das empfindliche Volksgemüth: er wird ausgepfiffen und vertrieben. Jetzt singt triumphirend der Sieger seine besten Weisen, oder es erhebt sich nochmals ein leidenschaftlicher Kampf. Die Form der Dichtung ist meist die Oktave, in welcher sich schon die Kinder üben. Bin besonderes Vorrecht steht, wie bei den alten Völkern, den Blinden zu, die Repräsentanten der Poesie zu sein. In Kapellen und vor Tabernakeln, an denFesten der hohen Heiligen und des christlichen Cy- klus, an Ständchen, Hochzeiten und Freudenfesten hört man sie singen, und wie die alten Rliapsoden werden sie in die Häuser aufgenommen. Von einem Knaben geführt, singen sie meist zur Guitarre oder zur Geige, sei es Hymnen, oder Brautlieder, oder Brigantengeschichten. Ja, in Palermo haben sie 1661 eine Akademie gestiftet, in der Vorhalle der Casa professader Jesuiten tagend. Vigo hat die Volksgesänge, die nicht den unbestimmten lyrischen Gefühlen huldigen, sondern, obschon reich an Metaphern und Bildern, doch stets einen sehr realen Gegenstand vor Augen haben, in Lieder der Liebe, des Hasses, der Verschmäliung, Eifersucht, Verlassenheit, Entfernung und Hochzeit, in Wiegen-, Blumen- und Todtenlieder, heilige Gesänge, Lieder von Briganten, Vendetta, bösen Geistern und Krieg eingetheilt. Kein Volk besitzt grössere Begabung für die Improvisation als die Sicilianer. Ein von Gre- gorovius übei’setztes Beispiel mag die Art der Dichtung charakterisiren: Acula, vai vulannu mari mari Spetta, quantu ti dien dui palori Quantu ti scippu tri pinni d’ali, Mi cci fazzu 1 na littra a lu me 1 beni; Tutta di sangu la vogghiu lavari, E ppi sigillu ci metta lo cori; Quannu la littra 6 spidduta di fari, Acula, portieilla a lu me 1 beni. Adler, der du fliegst über Meere, Meere, Warte, ich sag’ dir zwei Wörtchen lieb; Drei Federn aus deinem Flügel will ich nehmen, Ein klein 1 Briefchen sclireib’ichan mein Lieb. Ganz mit Blut wohl will ich es färben, Setz’ ich als Siegel darein mein Herz. Wenn das Briefchen ich habe gefertigt, Adler, dann trag’ es zu meinem Lieb. In der gesammten sicilisclien Mundart ist die häufige Verwandlung des e in i, des geschlossenen o in u, besonders in den Endungen, sogleich auffällig. Die Sprache wird dadurch etwas eintönig und weniger heiter, daher zur Moll-Melodie geeignet. Angenehmer sind die Milderungen der Konsonanten, die Verwandlung des b in w nach Art der Spanier, 11 und tt in dd, nd in nn, p und q am Anfang der Worte in ch, z. B. vasciu rr basso, vrancu = bianco, aneddu = annello, biddizzi = bellezzeu. a. Z. B.: Ristau fridda, comu nivi Poi pretisi fari scasciu M’eu mi misi tantu vasciu Ca di l’occhi ci sparivi. Sie ist geblieben kalt wie Schnee, Begehrte dann zu nehmen Rache, Doch legt 1 ich mich so völlig nieder, Dass ich ihr aus den Augen schwand. Der gefeiertste Volksdichter Siciliens ist Pietro Fullone von Palermo, aus dem Anfang des 17. Jahrh.; seine Gedichte sind über die ganze Insel verbreitet; er war ein ai’incr Steinschneider und Arbeiter auf der königlichen Galere (gest. 1670). Die Volksdichtung ist zugleich ein Spiegel des Volkscharakters. Man erkennt aus ihm die Lebhaftigkeit und Beweglichkeit des siciliani- schen Geistes, das Schnelle der Auffassung und die Leichtigkeit, sich in die verschiedenen Lebenslagen zu finden, die Glut der Liebe und des Hasses, die Rachelust, den ungeduldigen Eifer, den Stolz und die Selbstachtung , den Witz und die Feinheit der Empfindung, die unnachahmliche Mimik, die selbst die Sprache durchdringt. (Charakter und Leben der einzelnen Städte s. in den Einleitungen zu denselben.) Die Natur des Landes. Sicilien ist die grösste Insel des Mittelländischen Meers und die an Naturfülle reichste, gleichsam eine Uebergangsstätte von Italien nach Afrika. Es hat einen Flächeninhalt von 29,240 QKil. (532 geogr. QM.) und einen Umfang von 759 Kil. Zwischen Taormina am Ostgestade Siciliens und Sv- baris am Ostgestade der italienischen Halbinsel läuft ein mächtiges Stück einer alpinen Centralkette, deren nordöstliche Nebenzone der Apennin bildet und zu deren südwestlicher Nebenzone Sicilien gehört, während unter dem Tyrrhenischen Meer die tektonische Axo der italienischen Halbinsel liegt (vielleicht die Fortsetzung der im Bogen gekrümmten Axe der Alpen), welche in ihrem gegenwärtigen Zustand nur die aus dem Meer und den jüngeren Ablagerungen heraufragenden Trümmer des grossen alten 15 Die Natur des Landes. 16 Tyrrhenischen Gebirges (Süss) darstellt. — Im peloritanischen Gebiet unweit Messina steht Gneis zu Tage, und gegen SW. folgt immer jüngeres Gebirge; hier befindet sich also der Schichtenkopf der westlichen Neben* zone jener Centralkette, während der Schichtenkopf der östlichen Nebenzone die grosse weisse Kalkkette der Basilicata ist. Ausserhalb dieses Gebiets steht der gewaltige Vul- kau des Aetna, während die Liparischen Inseln mit ihren Vulkanen mehr in die Mitte jener Senkungsl'elder gestellt sind. Die Hauptkette der Insel zieht in einem 175 Miglien langen Bergzug von Capo Peloro bis zum Capo Lilibeo an der Nordküste hin und gewinnt in der Mitte im Pizzo di Gase eine Höhe von 1931 m., gegen das Ende hin 630 bis 1000 m. Vom Pizzo di Case bis zum 32. Meridian zweigt sich eine Kette ab in der Art einer Hochebene, die sich von 500 bis zu 160 m. senkt und am Capo Passaro endigt. So ist die Insel in drei Niederungen getheilt, in die nördliche am Sicilischen Meer, die östliche am Ionischen Meer, gegen welches die grösste und fruchtbax’ste Ebene des Landes, »La pianura di Catania«, hinzieht, und in die südliche am Afrikanischen Meer. Sicilien liegt also an den drei grössten Verkehrsstrassen der ehemaligen Kulturwelt und hatte seine reiche Geschichte und Kultur schon geographisch vorgezeichnet, stand im O. den Phönikern und Griechen offen, im S. und SW. den Karthagern und Sara- cenen, im N. und NO. den Normannen. Die Meerenge des Faro di Messina scheidet die Insel nur um 5 Kil. vom Kontinent, und die Westspitze Siciliens liegt nur 120 Kil. von Afrika entfernt, und gegen Griechenland hin bildete es das Centrum des durch die Halbinseln, welche nach S. die Meere durch- sclmeiden, dreigetheilten Mittelmeers. Ueber jenen Niederungen aber erhebt sich in ganz eigenthümlicher Gestaltung das Hochland Siciliens, ein waldloses, an den Spitzen stets kahles Inselgebirge, in aufsteigender Linie Kuppe an Kuppe bildend und als Aussichtspunkte grüne Gehänge und Thäler fast ohne Bäume, aber in mannigfachster Lagerung, oft mit den schönsten, originellsten Umrissen , sowie graubraune Gipfel bis zu den wildesten Formen bietend, die Höhen oft eine neben der andern mit ehemals sikeli- schen Städten gekrönt. Die Flusslandschaft ist je nach der Jahreszeit eine völlig verschiedene; nach den Winterregen durchziehen die wildesten Ströme, über ihre oleandergeschmückten Ufer austretend, die Thäler in steter Schwellung bis zum Meer hin; im Sommer sucht man oft vergeblich die Flüsse der Landkarte an ihrer angegebenen Stelle, oder breite, Steinwüsten ähnliche Fiumaren lagern sich wie mächtige Itunsen um den schmalen Bach und begleiten ihn stundenweit, den Touristen als Bergsteige wohlbekannt. Zwischen April und November ist daher die Flusslandschaft eine sehr geschmälerte, dagegen erfreut die ; überaus üppige und blumenreiche Vegetation der Ufer um so mehr. Nur durch die Natur des Bodens, der die Wintcrfeuohtig- keit in sieh behält und im. Sommer durch einen reiclilichenTliau besprengt wird, gleicht sich der sommerliche Wassermangel aus, und das herrliche Klima, nur selten bis zum Gefrierpunkt in der Niederung erkaltet, begünstigt die überaus üppige Ergiebigkeit des Bodens, die Sicilien zum fruchtbarsten Land Europa’s erhebt. Selbst jene über die Tertiärformen an der Meerenge von Messina aufragenden Mond di Peloro (die antiken Neptunsberge), welche von Capo llasocolmo, dem nördlichstenVorgebirge Siciliens, 47 Kil. lang bis zum Pizzo Bonavi bei Taormina hin ziehen, werden in ihren schroffen Thaleinschnitten fast bis zu den zerrissenen, zackigen Gipfeln hinan durch den herrlichen, überreichen Pfianzenwuchs um ihre trotzige, wilde Gestalt gebracht. Die grössere Nordhälfte des Gebirges bis Capo Scaletta und Tripi besteht aus Gneis, aus welchem Granitgänge besonders an der Westseite hervoi’gebrochen sind; sie erhebt sich im Monte Dinnamare bis zu 1130 m. Westlicher tritt diese Gebirgsart längs der Nordküste noch mehrmals auf, besonders in der Halbinsel Mila-zo, wo der Gneis, von zahlreichen Gängen eines grobkörnigen Granits durchzogen, zu Tage tritt. Schon innerhalb dieses kleinen Abschnitts lagert häufig dichter Kalkstein auf und bildet z. B. auf dem Monte Scuderi (1154 m.) eine tafelartige Platte; von Taormina bis Francavilla tritt (an der südwestlichen Begrenzung des Thonschiefers) Jurakalk auf, der im Monte Venerata bis zu 1073 m. aufsteigt. Dann beginnt die Kreidebildung der Apenninen wieder, mit der Aufbruchsseite nach N., und bildet von O. nach W. die lange Nordküste Siciliens, nahe am Meer vom Capo llasocolmo bis gegen Trapani, nordwärts meist steil abgebrochen, südwärts sanft abgedacht. Der Sandstein Macigno (dem deutschen Quadersandstein ähnlich) bildet mit milderen Linien die Wellenformen der Berge des Bosco di Caro- nia (die antiken Heräischen Berge); die Monti Bissoleo, Sordo, Spennagallo und Cosi- mano sind die Ilauptgipfel dieser Kette und bilden die Wasserscheide. Gegen die Längenmitte erheben sich südl. von Cefalü die Madonie (die antiken Nebrodes) mit grossen Kalkmassen und bilden den Höhepunkt der gesammten Kette; hier erreicht der Pizzo ddV Antenna 1925 m. und ist der höchste Kalkberg Siciliens; nur 80 m. niedriger ragt der Pizzo di Palermo auf. Westlicher zieht ein mehrfach veräste- tcr Zweig der Südküste zxx; hier erreicht der Pizzo di Cammarata 1576 m. Höhe. Hierauf umzieht das Gebirge die herrliche Ebene Palermo’s mit dem Monte Griffone und Monte Caccio (1050 m.), und nördl. von dieser Ebene steigen drei prächtig geformte, gänzlich getrennte Kalkberge jäh aus der See empor: der Catalfano, der weltberühmte Monte Pelle- grino (598 m.) und der Monte Gallo (614 m.), alle drei zu den köstlichsten Landschafts- bildern gehörig und nur durch eine angeschwemmte Ebene mit der Insel vereinigt. 17 Die Natur des Landes. 18 Von Palermo weg flacht sich das Gebirge al), und Mergel (die obersten Schichten der Apenninbildung) bildet die Wasserscheide, dann steigt am Westrand Siciliens der Monte 8. Giuliuno (751 in.) auf, der berühmte antike Eryx, Träger des Venustempels, und aus dem Meer erhebt die Bergkette nochmals ihr Haupt in den Aegadisehen Inseln. In diesem gesummten Gebirgszug lagert sich über den lireccicn und Sandsteinen der untersten Schichten Kalkstein, Mergel und Mergelschicfer und über diesen blaugrauer Thon. Von dem Grundstock, der vom Capo del Faro bis zum Capo Lilibeo zieht, gehen südwärts einige Gebirgsreihen ab, die sich durch den centralen und südlichen Theil der Insel ausdehnen: der Entella, zwischen Cor- leone und Sciacca, mit hohen, jähen Felsen und oben mit einer Hochfläche von über 5 Miglien, der Monte di S. Calogero (590 m.) über Sciacca, der Monte delle Hose nördl. von Bivona, der Monte Rifesio zwischen Bivona und Cattolica, der Monte Calvario (819 m.) /.wischen Sutera und Massumeli; der Monte Giudica zwischen Catania und Castrogio- vauniund die Gruppe der Hybläisclien Berge sowie Monte Lauro zwischen Castrogiovanni und Noto. Zur plioeänen Zeit war ein grosser Theil Siciliens vom Meer bedeckt; folgt man der Verbreitung dieser plioeänen Meeresbildung, so ergibt sich (wie Philipp! nachwies), dass drei Viertel der Schalthiere, die in diesen Muschelbreccien, Kalkstein und Thon gefunden werden, noch in dem angrenzenden Meer leben. Da diese plioeäne Bildung noch bei fast 1000 m. Höhe über dem jetzigen Meeresspiegel wagrecht auf tritt, so muss zur Zeit, als diese Niederschläge sich bildeten, JSicilien um wenigstens 10U0 m. tiefer gelegen haben, und zwar noch gegen Ende der plioeänen Zeit, denn die äusserst geringe Zahl der ausgestorbenen Tliiere weist auf die jüngste Abtheilung der Plioeäne. Die in den Höhlen bei Syrakus und Palermo gefundenen Säugetliiere beweisen, dass die Hebung der Insel aus dem Meeresgrund zum jetzigen Festland zur Zeit der interglacialen Bildung erfolgt sein muss. Ja, es ist wahrscheinlich, dass damals und bis in die ersten Zeiten der jetzigen Säugethierperiode Siei- lien höher lag als jetzt und mit Afrika in Verbindung stand, dann aber wieder gesunken ist. Der gewaltige Aetna entstand, wie die Ablagerungen an .seinem Fuss bezeugen, erst zu einer Zeit, in welcher die organische Natur in den jetzt lebenden Formen ausgeprägt war; er baute sich aus dem aus der Tiefe hervorgebrochenen und ausgeworfenen Material auf und wurde im Lauf der Jahrtausende durch ruckweise Aufschüttung , Aufschichtung und Gangbildung zur jetzigen Höhe emporgetlnirmt. Die Berge über Messina, aus Gneis und Glimmerschiefer mit Granitgängen bestehend, sind an ihrem Gehänge gegen die Meerenge bis zu einer gewissen Höhe mit Meersand, Konglomeraten und plioeänen Thonschichten bedeckt, mit einer grossen Menge von Korallen, Kon- I chilien und Ueberrcsten von anderen Meer- I thicren. Und diese modernen Ablagerungen bilden auch die Küsten Reggio gegenüber und bis zum Dorf Faro hin. Die geologische Struktur dieses Theils ist also den kalabri- sclien Apenninen entsprechend. Die archaischen Felsen herrschen noch fast bis Noara, und auf der Nordwestseite der Berge von Taormina wie auf der Südostseite trifft man dann wieder fossilienreiche Schichten vom Ufer des Meers bis zu einer gewissen Höhe. Noch neuere fossilienhaltige Lager liegen der Landenge auf, welche das Promontorium von Milazzo mit der Insel verbindet. Von Messina nach Cefalü steigen zuerst die Hügel mit recenten fossilienhaltigen Lagen auf, dann folgen die granitisehen Berge, und bei 6’esso-findet man wieder sekundäre Schichten mit Gipsbänken. Die sekundären Gebirgsarten, Kalke und Sande setzen sich gegen die Küste fort bis zum Castello von üpadafuora, wo sich die plioeänen, fossilienhaltigen Schichten finden. Diese setzen sich zwischen den Bergen zur Linken fort mit den reichsten und schönsten Orangengärten und tiefen Thälern und zwischen der Alluvial- ebenevon Milazzo bis jenseit Barcellona. Dann beginnen die Berge mit Sandsteinschichten (Arcnarien), unter denen man in den tiefen Thälern -wieder dieselben granitisehen Felsarten vortreten sieht, wie sie den Bergen von Messina eigen sind. Am Capo Tindaro sicht man einen schönen Granitgang, viele andere in allen umliegenden Thälern; das jähe Capo Calava zeigt Granit, und aus gra- nitischen Felsarten sind die Berge von Patti, Giojosa, S. Angelo u. a. Das Capo Orlando besteht aus Gneis und Glimmerschiefer, mit zahlreichen Granitgängen; dieselben grani- tischen Felsarten trifft man in den zwei grossen Thälern, zwischen welchen das Kap sich befindet, und auf diesen Felsarten sind die Arenarien, aber die Stadt Naso liegt auf einem Berg, dessen Gipfel von modernen fossilienhaltigen, plioeänen, den Arenarien aufliegenden Schichten gebildet ist. Von Naso bis Cefalü sind alle Küsten von den Sandsteinschichten gebildet, und aus eben diesen Gebilden bestehen fast alle Berge zwischen Noara, Randazzo, Bronte, Adernd, Argirö, Leonforte, Petralia und Cefalü. Diese Berge sind wohl eine Wiederholung des eo- cänen Macigno des italienischen Festlandes. Sie bilden eine sehr einförmige Gebirgslandschaft, welche die Umgebungen von A i- cosia (mit Steinsalz) und das Sassothal (mit salzhaltigem Fluss, der bei Adernö in den Simeto mündet) umfasst. Diese gesammte Region hat an ihren höheren Hängen und auch an denen im W. vom Aetna keine einzige den wärmeren Ländern eigene Pflanze; selbst der Oelbaum fehlt und nur Kornfelder gedeihen. Die Madonischen Berge im S. von Cefalü bis Po- lizzi bestehen aus jenen Sandsteinschichten sammt Kalkbänken, die oberen Theile namentlich sind kalkhaltig, mit Bänken von Korallen, Konchilien und Nummuliten; von ihrer höchsten Spitze sieht man Palermo, 19 20 Die Natur des Landes (Geologisches). weshalb sie Pizzo di Palermo lieisst. Dieser Pizzo ist reich an Buchen und anderen Bäumen, besitzt aber nur eine höchst geringe Anzahl von Pflanzen, welche in Italien die Bergflora bezeichnen, und gar keine alpine Flora.— Von Cefalu nach Palermo herrschen bis Termini die Sandsteinschichten vor und dann die Kalke der Madonischen Berge, die der Landschaft mit ihren pittoresken Formen den höchsten Reiz geben; sie sind höhlenreich, und an den alten Molluskenlöchern über dem Meer in den jähen Gehängen erkennt man die Erhebung dieser Küstenhöhen; in den Felsspalten trifft man moderne Breccien mit Meermuscheln, die noch die volle Farbe haben. Die Kalkberge, welche die Goldmuschel Palermo’s im Halbkreis Lim- ragen, sind reich an Grotten und interessanten Höhlen, in denen viele Knochen von Elefanten, llhinoceros, Hippopotamus und anderen Thieren gefunden wurden,, und die amphitheatralischen Treppen der Berggehänge sind noch ein lebendigerZeuge, wie einst die Meereswogen gegen diese Wände anprallten und die Insel sich von Terrasse zu Terrasse hob. Auch die Ebene von Palermo ist in ihrem Boden aus pliocänen Niederschlägen gebildet, undman findet häufig in ihr Knochen von Elefanten und Rhinoceros. Von Palermo gegen Trapani steigen die Kalkberge von Monreale an, welche nach Capaci und Carini ziehen; in Partinico trifft man auf ein Becken mit pliocänen Schichten, Alcamo ruht auf einer Kalkhöhe; über Calataßmi bis nach Trapani folgen sich Höhen theils von Kalk, theils von Thon und Thonschichten. Die Berge zwischen Trapani und dem Golf von Castellamare sind sämmtlich Kalkberge, und einige zeichnen sich durch ihren ausserordentlich weissen Kalk aus. Trapani liegt auf pliocänen Lagern von Thon und Sand, die sehr fossilienreich sind. Von Trapani nach Sciacca dehnt sich eine höchst eintönige Gegend hin, bald flach, bald wellig, aus den gewöhnlichen pliocänen Schichten, mit Fächerpalmen und Dattelpalmen in grosser Menge, schon an das nahe Afrika mahnend. Die Gegend ist aber weltberühmt durch ihren vortrefflichen Marsalawein. Von Mazzara nachCu.s telvefrano uud Palermo durchzieht man eine plioeäne Gegend, sieht Berge mit Gips und Kalk zwischen Salemi und Gi- bcllina und trifft Höhen mit Thon und Mergel bis zu den Kalkbergen Palermo’s. Zwischen den Bergen von Sciacca und dem Monte di S. Calogero sind berühmte Schwefelquellen; von Sciacca nach Contessa, Prizzi und Castromovo dehnen sich Kalkberge hin, die auch das Flussbecken des Caltabel- lotta umziehen. Von Sciacca nach Girgenti folgen sich sehr fossilienreiche plioeäne Niederschläge, und von Platani nach Girgenti herrschen die Kalkberge mit Gips. Girgenti ist durch seinen Schwefelreichthum fast ebenso bekannt als durch seine griechischen Tempel; Schwefelgruben (zolfarc) trifft man in reichster Zahl in seinem Territorium, namentlich im O. und NO. der Stadt, bis nach Caltanisctta und Mazzarino. Der Schwefel Girgenti’s liegt in einem Boden, der aus Thon und Mergelschichten besteht und plastischen Thon enthält (ähnlich den pliocänen Schichten des sienesischen Bodens, aber ohne Fossilien), sowie aus Kalkbänken mit Nummu- liten, Hippuriten und anderen Fossilien und aus Schichten mit Gips und Steinsalz. Die Schwefelgewinnung s. S. 422. Bei Girgenti erhebt sich der interessante Schlammvulkan der Macalube; bei Ragal- muto, zwischen Girgenti und Serradifalco, sind Gruben, welche reichlich Steinsalz zu Tage fördern, das sich auch bei Galtanisetta findet, wo zahlreiche Zolfaren liegen und das Steinsalz dem Wasser des Salsoflusses seinen Namen gab. Von Girgenti nach Palma trifft man die gewöhnlichen fossilienreichen pliocänen Sedimente; von Palma bis gegen Terranova Kalke mit Gips, Schwefel u. a.; zu Terranova die Plioeäne mit Fossilien inmitten einer Alluvialebene zwischen pliocänen Höhen; von Terranova bis gegen Chiaramonte Plioeäne und eine ziemlich einförmige Landschaft mit Mastix, Zwergpalmen, Eichen u. a.; von Chiatamone nach Syrakus Kalkschichten und vulkanisches Gestein (zwischen Chiaramonte und Palazzolo). Notothal (Valle di Noto) heisst die ganze Siidostgegend Siciliens zwischen Terranova, Catania und Capo Passero; sie ist durch ihre Basalte und vulkanischen Tuffe berühmt. Hier verschwindet der blaue Thon, und die Felsarten bestehen aus fossilhaltigen Kalksteinen, abwechselnd mit vulkanischen Produkten submariner Eruptionen. Wahrscheinlich (Lyell) während der Sand und der Kalkstein sich ablagerten, brachen die unterseeischen Vulkane aus, und zwar zu verschiedenen Zeiten; vulkanische Asche und Sand wurden dann durch Wellen und Ströme weiter geführt und bildeten Tuff- scliichten zwischen den Betten des Kalksteins. (»Die neue Bildung dieser Schichten legt den Schluss nahe, dass die Fauna und Flora eines grossen Theils von Sicilien älter sind als das Land selbst, da sie lebten, bevor die Materialien zur Bildung der Insel im Wasser sich abgesetzt hatten. Der grösste Tlieil Siciliens ist Land geworden, nachdem das Mittelländische Meer schon mit fast allen lebenden Species von Testaceen uud Zoophyten bevölkert war.«) Am Nordwestende dieser kalkreichen und vulkanischen Region beginnt eine Reihe von Höhen und Bergen, aus den gewöhnlichen Kalken (mit Gips) gebildet, die sich gegen NW. bis Caslrogiovanni und Caltasci- betta ausdehnt, dann mit der madonischen Kette sich verbindet. Von Syrakus nach Catania wechseln die Kalke mit den vulkanischen Gesteinen, dann folgt das grosse Piano di Catania, ein quaternärer, vom Gur- nalnnga und Simeto durchflossener Alluvialboden. Zuletzt trifft man auf den vulkanischen Boden von Catania und dem Aetna, der bis zu den Küsten von Taormina sich ausdehnt. Die Basis des Aetna ist fast kreisförmig und hat 145 Kil. im Umkreis; rechnet man 21 22 Die Natur des Landes (Sclnvefelgruben). don ganzen Kreis, über den sich seine Laven ! ausdelmcn, dazu, so misst sein Umfang! fast das Doppelte. Das Originellste an sei- ■ ner Erscheinung sind die überaus zalilrei- ! chen kleineren Seitenkegel, die namentlich j in der bewaldeten Region sich anhäufen und einst sämmtlich thätige Krater waren; der Blick von der kahlen Region auf dieses Kraterheer hinab ist einer der hinreissendsten und am meisten charakteristischen von Si- cilien, da die Krater ebenso sehr an Grösse, G estalt und Vegetationsbekleidung variiren als in wundervoll malerischen Gruppen zusammenstehen. Ihre pittoreske Natur gewinnt dann ihr ungetheiltes Interesse, wenn vonoben herab in die verschieden zerrissenen offenen Schlünde hiuabgeschaut wird. Das Studium der Geschichte dieser Eruptionen gewinnt erst dann die volle Bedeutung, denn sie enthüllen den wichtigsten Thcil der Entwickelungsgeschichte und der Aufschichtung des Bergs. Die Gegend von Terraforte bei Catania am Fass des Aetna muss sehr spät aus dem Meer gehoben worden sein, denn die fossilen Schalen daselbst gehören sehr modernen Speeles an und die Thonbetten selbst sind auf einer Höhe von 3uo m. von zwei Ablagerungen bedeckt, in deren einer alle Muscheln zu den lebenden Species zählen, während die anderen den Gesteinen angehören, die einst vom Simeto niedergeführt wurden. Bei Catira (6 Kil. nürdl. von Catania!, in noch erhöhtercr Lage und ander Nachbarküste, beiAcicastello und beiTrezza, den Kyklopenfelsen gegenüber und bei Niz- zetti, 2 Kil. nordwestl. von Trezza, sind die fossilienhaltigen Schichten mit gleichzeitigen basaltischen und anderen vulkanischen Produkten vergesellschaftet, den ältesten Monumenten der vulkanischen Thätigkeit (J^yell) in der Region des Aetna. Durch diese Eruptionen, kann man sagen, wurden die Fundamente des grossen Vulkans in das Meer gelegt, als der gegenwärtige Boden des Aetna noch eine Bncht des Mittelländischen Meers war. Lyell selbst sammelte 05 Species fossiler Schalen, von denen nur vier zu den ausgestorbenen gehörten und der Rest zu den jetzt im Mittelmeer lebenden. Eine Sammlung von 142 Species (von Aradas) zeigte nur 8 Proc. ausgestorbene, nnd diese so selten, dass oft ein einziges Individuum gefunden wurde. Lyell hält dennoch den Aetna in seinen ältesten Thcilen für etwas älter als die Grundfesten des Vesuv und stellt die tertiären Schichten bei Catania im Alter dem Nonvich Crag gleich. In Beziehung auf die Eisperiode hält er die ältesten Eruptionen des Aetna für älter als die Aera der grössten Kälte in Central- und Nordeuropa. Lyell erhielt auch aus den Tuffen zu Fasano bei Catania fossile Blätter, welche Heer zu den jetzt in Sicilien verkommenden zählt (Laurus nobilis, Myrtus communis, Pistacia lentiscus). Während der Aetna an der Nord- und Südseite eine sehr symmetrische Form zeigt, ist er an der Ostseite durch die tiefe Volle del Bove emgerissen, deren Abhang unmittelbar unter dem Ostrand der höchsten Plattform beginnt und einen über 1000 m. tiefen Absturz bildet; hier fallen sogleich die vertikalen Mauern auf, welche die vulkanischen Betten ln allen Richtungen durchsetzen, mehrere tausend an Zahl. Sartorius v. Wal- tershausen und Lyell wiesen eine doppelte Axe der Eruption nach, dass also im Piano Trifoglietto ein alter Äusbrucliskrater ge* legen habe; während Grünsteinmauern von dieser Axe ausgehen, sieht man deshalb andere Schichten von doleritischen Laven vom gegenwärtigen grossen Centralkrater ausstrahlen. Die Uebermaclit dieses letztem brachte dann den Kegel zu seiner jetzigen symmetrischen Gestalt. Lyell hält die Entstehung dieser ungeheuren Valle als gröss- tentheils das Werk der Explosionen von Dämpfen, die aus unterirdischen Spalten hervorbrachen, während mehrerer Seiteneruptionen, die wahrscheinlich gleichzeitig mit einer zeitweiligen Thätigkeit des alten Eruptionsfocus (der Axe des Trifoglietto) stattfanden. So hängt die gesammte landschaftliche Gestaltung des Aetna von seiner Entwickelungsgeschichte ab. Auch der Charakter der Vegetation desselben ist ein sehr markirter; während in den Gärten Catania’s und um die Bauernhütten in den Vignen zwischen Catania und Giarra die Bananen (Musa paradisiaca) mit dem breiten Schirm ihrer seidenglänzenden, bis D /2 m. langen Blätter Schattendächer bilden, und aus der Mitte ihrer kurzen Stengel die rosigen und violetten Blüten am Schaft hervorragen, während die Opuntien ihre wunderlichen, stachligten Glieder und Früchte in reichen Farben entfalten und selbst die Dattelpalmen im Giardino Bellini zahlreiche Blüten treiben und der Papyrus dort im Freien gedeiht, hören beim Hinan- schreiten auf den Aetna schon frühzeitig die Fackeldisteln, dann die Opangen und bald auch die Oelbäume und die Zirbelkiefern (Pini da pinocclii) auf, und an die Stelle dieser Gewächse der warmen Länder tritt die Kastanie und die Eiche, dann die Buche, die Föhre und die Birke. In einer Höhe von 2000 m. hören auch diese Bäume auf, und wenige Sträucher und Blumen schmücken noch den vulkanischen Boden, der oben völlig kahl wird. Ein ebenso charakteristisches Bild wie die vulkanischen Erscheinungen und der Yege- tationswechsel bilden im Innern der Insel die Schwefelgruben. Die Landschaft, welche zu denselben führt, trägt vorwaltend den Charakter einer romantischen Wüstengegend oder stiller Heidefluren, auf denen die ro- then Rinder weiden. Mit Schwefel beladene Maulthiere ziehen vorbei, hochgelbe, in Quadern regelrecht geformte Scliwefelstiicke in Haufen tragend; den Weg kennzeichnet der allenthalben herumliegendo zerbröckelte Schwefel; im ganzen Gebiet sieht man in den Bergen die dichten Rauchsäulen der Gruben, und schon atlimet man die von Schwefelgeruch durch und durch gesättigte 23 Die Natur des Landes (Schwefel, Bernstein), 24 Luft. In oft sehr malerischen llergschluch- ten tritt man zu den SvhmelxioerJcen hin, wo das schwefelhaltige Gestein in den Ofen geworfen, dieser zugemauert und so lange gefeuert wird, bis der reine Schwefel in eine etwa 2 Ctr. fassende Form abfliesst und so zu Kuchen gebrannt ist. Als Schmelzofen dienen auch die Galcarelle, Becken von Thon oder Sandstein, oder die Calcaroni, mit Erde bedeckte Katasten, ähnlich denen, welche man zur Kohlenbcreitung mH dem Holz aufrichtet. Einen originellen Eindruck macht dann das Bergwerk selbst. Man tritt gewöhnlich durch eine etwa 2 m. hohe und 1 m. breite OefFuung ein und sieht hier die Schar der Männer und Jungen keuchend schwere Ladungen des schwefelhaltigen Gesteins aus der Tiefe über die jähen Stufen hinantragen, wie ein Ameisenhaufen einer dem andern folgend, denn keiner darf den andern hindernd seineu Schritt anhalton; die Bekleidung der Rastlosen reicht nur von unten herauf bis an den Gürtel. Man durchschreitet zahlreiche durch einander greifende Gänge und sieht überall nur Hacke und Spaten als Werkzeug. Selbst Pumpwerke für die Entfernung des oft sehr lästigen Wassers fehlen. Zur Beleuchtung der unterirdischen Gänge dienen die Berglampen. Der Schwefel kommt hier überall in der Xälie des Gipses vor, aber gewöhnlich in dem löcherigen Kalkstein, weissenKreide- mergel und Thon, sowie in dom blauen Mergel, welcher die Südseite der Insel deckt, die sämmtlieh mit dem Gips wechseln. Der Distrikt, in welchem er gewonnen wird, dehnt sich über 2600 QMiglien aus lind enthält ca. ”00 Gruben; die nördlichsten Minen liegen zwischen Centorbi und Catcna nuova, bei Leonforte, Villarosa (westl. von Calta- seibetta) und nördl. vom Monte Laura bei Cattolica; Centorbi und Cattolica bezeichnen die östliche und westliche Grenze des »Schwefels. Die reichsten Minen sind die von Gallizzi, Sommatino und Favara. Sicilien producirte 1830: 300,000 Quin- tale (1 Quintal rz ca. 1 Ctr.) Schwefel und .jetzt jährlich 1,600,000 Quintale in einem Werth von über 20 Mill. Iure. Dazu kommen noch 60,000 Quintale für den innern Verbrauch. 200 Gruben gehören zu den wasserlosen, vorzüglichen; sie liegen besonders in den Territorien von Girgenti und Caltauiselta und haben Seliwefelbänkc von mehr als 30 m. Dicke. Die Gewinnung des Schwefels beschäftigt etwa 3500 Picconieri (Pikenmänner) und 13,000 Trasportatori (Lastträger). Die Industrie ist noch vieler Verbesserungen fähig. Von besonderem Interesse sind die prächtigen, bisweilen 5 Zoll langen Schioefelkrystalle, welche bei Girgenti in Gesellschaft von schön krystallisirlem Cölestin , Gips und Kalkspat auf Klüften von tertiärem Thonschlamm, welcher auf Hip- puritenkalk in der Nachbarschaft von Gipsstöcken lagert, vorkoinmt. Eine eigenthümlieho Physiognomie geben manchen Gegenden auch die Salzwerke, die sich in grosser Zahl an der Ost - und Westküste befinden. Meist werden in das flache Ufer zahlreiche breite, gegen 2 Fuss tiefe Gräben eingelassen, in welche das Meerwasser hineingeleitet und durch einen Damm vom Meer abgeschlossen wird. Durch die Sonnenwärme verdunstet nun das Wasser, und das Salz bleibt auf dem Boden als weissliche Kruste zurück, die dann zu grossen zuckerhutförmigen Haufen zusammengeschaufelt wird. Hier findet dann wieder eine Reinigung von den Beimischungen statt. Die pyramidalen Haufen, in grosser Anzahl aufgereiht, bieten namentlich an den Gestaden von Trapani einen ganz originellen Anblick dar, besonders, wenn etwa noch die Strahlen der Sonne sich auf den Kry- stallkörncrn brechen. Die bedeutendsten Salinen sind bei Agosta, dann an der Einfahrt des Stagnone, nördl. von Marsala und (35) südl. von Trapani; von hier wird das Salz sogar nach dev Türkei, Norwegen und Schweden exportirt. Eine besondere Merkwürdigkeit Sici- Iiens ist der Bernstein (a-mbra), der im ganzen Mittelmcer nur liier, in den Flüssen Si- meto und 8also, nach heftigem Regen an der Mündung gefunden wird. Man trifft ihn auch bei Gallascibelta im anstehenden Gebirge. Er ist ein aus dem Harz uvweltlicliev Zapfenbäume (namentlich des Pinites sucei- nifer) entstandener Körper, der hier in den thonigen Ausschlännnungen desSimeto(Giar- retta) in den schönsten gelben, sehr klaren, opalisirenden Exemplaren vorkommt und iu Catania zu allerlei künstlerischen Schmucksachen verarbeitet wird. Schon im Alterthum war das Marien- Glas, die halbedlen und edlen »Steine wie Achate und Smaragde der Insel bekannt; der Schwefel wurde noch nicht benutzt, dagegen werden Salz, Farberde und Asphalt als Produkte Siciiiens erwähnt. Vortrefflichen Kalkstein zu den Tempelbauten lieferten namentlich die nahen Brüche bei Selinunt (Campo- bello), und der bunte Marmor von Taurome- nion war hoch geschätzt. Wie aber die Schwefeldistrikte das jetzige Sicilien von dem antiken physiognomiscli stark unterscheiden, »so noch weit mehr die Vegetation , denn der Citronenbaum ward erst in der spätem Kaiscrzcit kultivirt, die Orangen brachten er.st die »Saraeeiien im 12. Jahrh., ebenso die Dattelpalme und die Baumwolle; Reis wurde erst am Ende des 15. Jahrh. angebant, und Opuntien und Agaven kamen erst im 16. Jahrh. aus Amerika; auch die Maulbeeren stammen aus der neuern Zeit (Roggen wurde in der antiken Zeit nicht gebaut, Hafer war Unkraut). Opuntien und Agaven bilden aber jetzt eins der wesentlichsten Ornamentglieder der sicilischen Flora; die Opuntiej indianische Feige, hat radfür- mige Blüten, die aus den dornigen Höckern der walzigen Stengel entspringen und sich zu eierähnlichen gelblichen und röthlichen Früchten entwickeln, die zwar durch ihre Stachelhaare den Anfänger unangenehm verletzen, wenn aber die Kunst des raschen 25 Die Natur des Landes (Vegetation). 2G Schalenkreuzschnitts (an der Basis) erlernt ist, in ihrem rothgelben butterartigen, mit vielen Samenkörnern erfüllten Mark ein sehr erfrischendes, säuerlich-süsses Obst liefern, dessen sich die Sicilianer für den Burst sehr fieissig bedienen. Bie vielverzweigten holzigen Stämme erheben sich hier oft zu . stattlichen, umfangreichen Bäumen, und die dickfleischigen, glänzend grünen Scheibenglieder mit ihren Borstenbüscheln bilden, namentlich in vulkanischen Gegenden oder wo sie zur Bezäunung der Felder benutzt werden, eine ganz eigenthümliehe Draperie der Landschaft, deren Beleuchtung ihre das Licht stark rcflektirendcn Stengelblätter oft aufs grellste steigern. Bie Früchte werden auch als Schweinemast benutzt. Man trifft sie in Sicilien überall, grosse, durch die verworrene Verwachsung und die Stacheln undurchdringliche Hecken bildend, oder zuweilen ln ganzen Wäldchen zusammen (auf den Lavaströmen des Aetna bis 7U0 in. hinan), und ihre Früchte bilden auf dem Land vier Monate des Jahrs einen Haupttlieil der Nahrung, die ohnehin fast nichts kostet. Sic ist die nächst Wein und Agrumen am reichsten vertretene Frucht und bedeckt ausser den Hecken noch S5D0 Hektar Boden; sie wächst auf den unfruchtbarsten Stellen,' selbst auf Kalksteinschroffen, und ist der »Pionier« der Kultivirung auf den schwarzen, rauhen Oberflächen der Lavaströme. — Bie Agave (grosse Aloe) ist gleichsam die Gesellschafterin der Opuntie, da sie überall vorkommt, wo diese Boden gefasst hat, und auch mit dürrem, unfruchtbarem Grund zufrieden ist; ihre mächtig langen und breiten, heclitblau bereiften und stachelig gezähnten Blätter werden hier auch, wie die Opuntie, zu Hecken benutzt; ihr dicker, oben ästiger, leuchterartiger, baumhoher Blütenstengel trägt oft trotz aller Steifheit sehr zur Belebung des kleinern Laudschafts- bilds bei, und man begreift, dass sie wegen ihres stattlichen Ansehens den Namen der »Erlauchten« Kadmostoehter erhielt. •— Bie Dattelpalme, die es zwar zu prächtigen Blütenrispen und zur vollen Entfaltung ihrer langen blaugrünen Blätter bringt und an der südwestlichen und nordöstlichen Küste eine Hauptzierde der Landhäuser ist, zeugt doch von ihrer Versetzung aus der arabischen Halbinsel durch ihre nicht essbaren Früchte. — Bie Banane (Musa paradisiaca) mit ihrem langen, aus fest gerollten Blattscheiden gebildeten Stamm, dem prächtigen breiten Schirm ihrer seidenglänzenden, zart gewebten langen Blätter und dem saftrei- clien Stengel mit dem rosig umbliiteten Schaft bildet namentlich am Fuss des Aetna einen köstlichen Schmuck einzelner, in den Vignen zerstreuten Bauernhütten, und doch beginnt ihr eigentliches Vaterland erst 15° südlichert — Die Zwergpalme (Chamaerops lmmilis), in Sicilien halbgriechisch Ciafä- gniuni genannt, bildet eigentlich nur Sträuche ohne Stamm und wuchert wie Unkraut; der flache Blattstiel ist mit starken Bornen besetzt; zwischem dem Blättcrscliinn, der bis 1 m. Durchmesser hat, treten die zweihäu- sigen Blumenkolben hervor; die weiblichen entwickeln je drei runde, am Stiel dreieckig zugedrückte, haselnussgrosse Steinfrüchte. Sie ist namentlich an den südwestlichen Strandsteppen die charakteristische landschaftliche Pflanze, besonders um Gir- genti, Selinunt, Segcsta,wo sie grosseStreckon bekleidet. Ueberall schauen hier ihre fächerförmig gefalteten und fingerig gespaltenen starren Blättchen in Menge aus den ltitzen des felsigen Bodens hervor. Aber während sie um Palermo theilweise noch im lockern Sandboden begraben ist, so dass nur die Spitzen der Blätter hervorragen, sieht inan sie bei Girgenti mit kleinen, bis IV2 m. hohen Baumstämmen. Auf dem Stamm sitzt dann als zierliche Krone der Blattfächer auf. Bas Mark des dicken Wurzelstocks, die weissen Blätterköpfe in der Knospe werden gegessen, letztere als Salat; die Früchte isst der Landmann einige Wochen hindurch als Hauptnahrung, und die Ziegen helfen ihm; mit den frischen Blättern wird das Rindvieh gefüttert; die zusammengebundenen Blätter bilden Besen und Kehrwische, die lockeren Bastnetze zwischen der Basis der Blattstiele liefern ein treffliches Werch; die zähen, langfaserigen Gefässbiindcl geben einen trefflichen Bindfaden, aus welchem zierliche Sessel, ja, selbst dauerhafte Stricke geflochten werden (auch Körbe, Fischreusen, Sonnenschirme, Fächer, Iliite werden aus ihr verfertigt). — Bie Meerzwiebel (Scilla maritima), ein blattloser Schaft mit langer weisser Blütenähre, ist sehr oft die Gesellschafterin der Fächerpalme, sowie auch der Kapernstrauch, ein dorniger, wilder Strauch mit langen , kriechenden Ranken. — Der Mastix (Lentiscus), in Sicilien »Stincu« genannt, liebt die Meeresküste und ziert dieselbe mit seinem dunklen, immergrünen Laub, überzieht auch oft ganze Gebirgs- gehänge mit seinem Gebüsch; seine Zweige dienen den Hirten zur Feuerung und verbreiten einen balsamischen Geruch; die Laudleutc sammeln imBecember die schwarzen Beeren und pressen ein helles Lampenöl daraus. — Bie Kultur des Oelbaunis bildet eine Hauptquelle des Wohlstandes der Insel. Er deckt gegen 60,000 Hektar Land; die Ernte liefert jährlich ca. 15,000 Tonnen, 2/3 für das Inland, Va für den Export. (Die Qualität ist nicht so fein wie die zu Lucca, konnte aber durch Kultur leicht dazu erhoben werden.) Am reichsten gedeiht er an den Bcrgliängen der Nordküste. Man trifft liier wahre Prachtexemplare; die mancherorts vorkommenden bizarren Gestalten derselben, indem die hohlen, spiralförmig gewundenen Stämme unten auseinander spreizen und auf ca. 2 m. von einander entfernte kleinere übergehen, sollen von der sarace- nischen Art der Pflanzung herrnliren. Gegen 36,000 Hektar sind mit allerlei Früchten bepflanzt. Darunter treten besonders die Agrumen (Orangen, Limonen, Citro- nen) hervor, welche ca. ÖH0O Hektar bedecken. Nur die Auslese der Früchte wird 27 Die Natur des Landes (Vegetation). 28 exportirt und mit grosser Sorgfalt verpackt. Die Mehrzahl der anderen dient zur Essenzbereitung aus der Rinde und zur Darstellung der Citronensäure aus der Pulpe. — Die 31 andelbäume bedecken ca. 2500 Hektar und gedeihen am besten an der Nordküste und um Girgenti. — Die Haselnüsse sind namentlich um Piazza sowie auch an den Nordhängen des Aetna von ausgezeichneter Qualität und nehmen ca. 2400 Hektar ein. Sie werden auch exportirt. — Die Feigen sind fast durchweg vortrefflich, am besten auf den Liparen. Auch Wallnüsse, Melonen , Stachelbeeren, Kirschen und Erdbeeren (die man schon im April erhält) gedeihen vorzüglich. —■ Der Johannisbrod- baiuu (Karube) trägt mit seinem dichten dunkeln, immergrünen Laubdach glänzender, gezackter Blätter oft sehr viel zur Schönheit des landschaftlichen Charakters der Insel bei; er findet sich in allen bergigen Gegenden Siciliens und ist besonders in den steinigen Gebieten des Val di Noto angepfianzt. Er nimmt ca. 2400 Hektar des Gesammtbodons ein. Das Meer und dürre heisse Felsen ziehen ihn besonders an; sein kühlschattiger Schutz macht ihn auch dem Touristen sehr angenehm. Seine starke Verbreitung verdankt er wohl den Arabern, da er den arabischen Namen »Carruba« erhielt; er wächst langsam, beginnt erst im 20. Jahr zu tragen und wird einige hundert Jahre alt. Wie der Oelbaum wird er alle 2—3 Jahre beschnitten; die herrliche Krone wächst zuweilen bis zu einem Umfang von 25 m. an; das harte, gelbliche, schön roth- geaderte Holz ist für feine Drechslerarbeiten sehr beliebt. Die unansehnliche Blüte erscheint im Juli und August und nach 34 Monaten im September und Oktober die flachen, fleischigen Schoten, die erst, wenn sich die glänzende Haut kastanienbraun färbt, gegessen werden. In Sicilien ernährt der Ciucciaro (Eseltreiber) der Küstengegenden seine Esel und sich mit Karobe, die dem Thier roh dargeboten werden, während der Treiber sie röstet. In Modica gewinnt man durch Auspressen des frischen, reifen Johan- nisbrods einen honigsüssen Saft (Carruba Inlep), welcher zur Einmachung der Früchte dient. Der Rückstand ist Viehfutter, besonders für Schweine. — Die Maulbeerbäume sind mehr wegen der Blätter als wegen der Früchte gepflanzt, besonders im NO. der Insel, von Capo Orlando bis Messina und gegen Taormina hin, doch auch in der Ebene von Palermo und Alcamo; sic nehmen ca. 1800 Hektar des Landes ein. — Der Sumach (Sommaco) ist ein Sicilien sehr charakterisirender Strauch mit siebenpaarig gefiederten, hellgrünen Blättern, zottigen Zweigen und in filzighaarigen Rispen zusammengedrängten Beeren. Sein Hauptnutzen besteht in der Verwendung der Blätter und jungenZweige, welche gestossen oder zu Lohe gemahlen in den Handel kommen, zum Gerben (besonders zum Saffiangerben). Der sicilische Sumacli ist der beste überhaupt; man führt ihn jetzt nicht mehr, wie früher, nur in Pulverform, sondern auch in Blättern aus; diese werden im Juli und August gesammelt, im September der Nachhub. Der Anbau hat den Vorzug, dass der Sumach den trockensten, unfruchtbarsten Felsenschutt liebt, doch ist er gegen Kälte sehr empfindlich. Er bedeckt ca. 22,000 Hektar und liefert jährlich ca. 30,000 Tonnen. Man pflegt ihn besonders an der Nordküste (Termini, Carini, Ebene von Palermo), aber auch bei Trapani, im Val di Noto und bei Girgenti). — Die Manna-Esche (Bd. I, S. 762) wird besonders um Cefalü, Mistretta, Carini stark angepflanzt, ein prächtiger Anblick , wenn die weissen Blüten durch das glänzende Grün der eleganten Blätter leuchten ; die Ernte beginnt am 15. Aug. Er nimmt ca. 3(500 Hektar ein. — Das Süsshok (aus dessen Wurzeln der Lakritzensaft gewonnen wird, Bd. I, S. 767), obschon es wild wächst, ist bei Termini, Patti, Catania, Modica und anderen Orten in ausgedehnter Weise angepflanzt. — Die Kultur der Baumwolle ist von den Arabern aus Asien eingeführt worden. Die meiste wird im Piano di Catania gebaut; der Same wird alle drei Jahre aus Aegypten erneuert. Auch das Val di Noto pflegt sie, sowie Terranova, Licata und Trapani; 1862 wurde sie der besten von New Orleans gleichgestellt. Die wichtigste Nutzpflanze Siciliens ist der Weizen, welcher über die Hälfte der Gesammtanpflanzungen in Anspruch nimmt, meist harter Weizen (Majorca). Er wird zu 9 /io im Land selbst verbraucht, Vio exportirt. öbsclion bereits zu Cato’s Zeit Sicilien die Kornkammer Roms hiess, war der Ackerbau auch in jener Zeit nicht der richtige Ausdruck der wirklichen materiellen Blüte des Landes. Die ganze Wirtschaft war schon damals der unbedingten Rücksichtlosigkeit der Kapitalmacht unterwoi’fen. Nach karthagischem System, das der gegenwärtigen Plantagenwirtschaft entsprach, arbeitete, anstatt eines freien Bauernstands, eine Sklavenschar, die durch keinerlei Familienverhältnisse an das Gut oder den Herrn gebunden war, auf den Aeckern; an die Stelle der Bauernwirtschaft trat überall die Grosswirtschaft ein, und in den Händen der römischen Kapitalisten vereinigte sich die Bodenrente der besten Stücke, während auch die grossen Staatsdomänen, welche die reichsten Kornebenen in Sicilien in Anspruch nahmen, keineswegs gedeihlich auf die Entwickelung des Landes wirkten. Der Ackerbau im kleinen verlohnte sich nicht mehr der Mühe, und nur die Viehzucht warf noch eine erkleckliche Bodenrente ab, da sie ohne grosse Auslagen betrieben werden konnte. So kam es, dass in Sicilien allmählich nur noch in der Umgebung der Städte Ackerbau im kleinen betrieben ward, Bäume gepflanzt und Landhäuser untei’halten wurden. Das übrige Land schied sich nach und nach in grosse Felder, die selbst aller Landhäuser entbehrten, und die Insel wurde zu Städten und ungeheuren, unbewohnten Feldern. Auch die Klasse der Pächter ging zu völliger 29 Die Natur des Landes (Ackerbau), 30 Knechtschaft über, da sie, selbst wenn sie Erbpächter waren, keine Handänderungen ohne den Willen des Grossbesitzers vornehmen konnten. Dabei waren die Steuern sehr hoch. In der griechischen Zeit war der Ileiclithmn der Sicilianer und ihr Luxus ein ganz ausserordentlicher. Akragas (S. 378) that es darin allen zuvor, und Wein und Oel waren ein äusserst ergiebiger Exportartikel. Syrakus hatte über so viel Korn zu gebieten, dass Hieron dem römischen Volk die grossartigsten Austheilungen zukommen lassen konnte. Ja, selbst nach allen Verwüstungen und Leiden des Landes erlangte es nach neuer Aufnahme von zahlreichen Ackerbauern, in den Zeiten der Ruhe nach Timoleon wieder theilweise seine frühere Wohlfahrt. Noch bei der Einnahme von Syrakus fanden die Römer mehr Reichthum daselbst als in Karthago, der bedeutendsten damaligen Handelsstadt. Aber gerade diese Reichtliümer des Ackerbaues waren unter der römischen Kapitalwirtschaft die Ursache des Verfalls der Insol, denn Sici- lien hatte seinen Glanz wesentlich nur durch die Produkte des Ackerbaues erworben, und nun kam es um jede Selbständigkeit und den Gewinn in dieser Produktion. Erst unter den Saracencn blühten freie Eigen- tliümer der Aecker wieder einigermassen anf, so auch in der ersten Regierungszeit der Normannen. Die Baronialwirtschaft und ihre Gebrechen führten wieder zur vollen Plantagenwirtschaft zurück, unter der spanischen Herrschaft aber hatte sich der Druck des Lehnswesens so sehr gesteigert, dass die Regierung sich genöthigt sah, den Ackerbau durch Gesetze anzubefehlen, da der Ertrag nicht mehr für die Bedürfnisse der Insel ausreichte. »Es ward genehmigt, dass die Unterthanen mit ihren eigenen »Saumthieren ihr eigenes Getreide wegfahren durften, wofür sich die Lehnsherren ebenfalls das Monopol angemasst hatten, ja, sie hatten oft jede Getreideausfuhr aus der Gemeinde verboten, um ihr eigenes Getreide verkaufen zu können. Es musste den Lehnsherren verboten werden, den Pächtern ihr Zugvieh abzupfänden und auch dann von ihnen Abgaben zu erzwingen.« — Aber das Grundübel blieb; die Grundherren selbst waren keine Ackerbauer, verpachteten ihre Güter an Unternehmer und diese die einzelnen Parcellen an Unterpächter. So sank der Ackerbau immer mehr. Der Weizen ist noch jetzt der Hauptgegenstand des Landbaues und bestimmt «len Werth des Landstückes und seiner Pachtung; die Ertragsfähigkeit an Weizen und die Nähe bei der Absatzquelle bestimmen dann die nähere Taxation. Trotz aller gegenwärtigen Freiheit des Ackerbaues hemmt noch jetzt der allzu grosse Umfang der Güter das Gedeihen der Landwirtschaft; zudem sind die Pachtungstermine zu kurz (3 — 6 Jahre), und Verbesserungen nach dem jetzigen Stand der Kenntnisse finden nur vereinzelt statt. Am besten steht die Kultur in der Umgebung der Städte, wo die Baumkultur jetzt sorgfältig gepflegt und die Gärten mit besonderer Vorliebe kultivirt werden. Aber hier ist umgekehrt meist die Zersplitterung eine zu grosse, und zudem umfasst dieses Gebiet nur etwa den 15. Theil des kultivirbaren Landes. Während diese kleinen Aecker jährlich tragen, sind die grossen Aecker einer Dreifelderwirtschaft unterworfen, nach welcher nicht das dritte Jahr zur Ruhe, sondern zur Ernte bestimmt ist. »Das erste Jahr wird der Acker als Hutung verpachtet, das zweite Jahr wird er aufgerissen und das darauf wuchernde Gras wieder (für den halben Werth) als Hutung verpachtet und erst das dritte Jahr Weizen gebaut. Hat der Wirt die Mittel zu den Kulturkosten, so baut er im zweiten Jahr Bohnen, die durch Behacken den Boden reinigen und mild machen, worauf dann im dritten Jahr die Weizenernte um so reicher ist; hat der Wirt nicht Kräfte genug , so bleibt auch im zweiten Jahr der Acker zur Hutung liegen.« Da noch jetzt kein eigentlicher Mittelstand von Bauern sich in Sicilien hervorgebildet hat, die Ackerleute in den grossen häuserlosen Strecken sehr stark den antiken besitzlosen Sklaven gleichen und die Besitzer noch wesentlich aus einer kleinen Zahl grosser Herren bestehen, so kann ein wirkliches Gedeihen erst dann eintreten, wenn auch in die Masse der arbeitenden Klasse wahre wirtschaftliche Kenntnisse eingedrungen sind und die Menschen ebenso sorgfältig kultivirt werden als der Boden. Erst dann vermag die jetzt sich immer mehr Bahn brechende Vertheilung des Grundbesitzes, Hand in Hand mit der Belebung des Handels und der Durchführung der Verkehrswege, die in unglaublicher Weise vernachlässigt wurde, auch auf die gesammto Kultur des Landes erspriesslich zurückzuwirken. Von den 2,399,319 Hektar angebauter Bodenfläche Siciliens dienten noch 1870: 1,908,170 dem Ackerbau und damit abwechselnd der Viehweide. Seither hat die Baumzucht wesentlich gewonnen, immerhin gehören Breiviertel des Landes dem Getreidebau. Nach dem jetzt herrschenden System sind die grossen Besitzungen in kleinen Stücken auf jene kurze Zeit unter verschiedenen Bedingungen je nach dem Bewerberzudrang oder der Ertragsfähigkeit des Bodens verpachtet. Häufig pachten auch Spekulanten im grossen und haben dann wieder ihre Unterpächter; der Pacht selbst wird gewöhnlich nicht in Geld, sondern in einem Theil der Produktion entrichtet. Danach fällt dann auf den Bauer nur ein kärgliches Leben der Noth und daher leicht auch einer falschen Noth- welir. Grund und Boden werden nicht verbessert, ja, es kommt oft dahin, dass, wenn diese Verbesserung einem Pächter gelungen ist, vermöglichere Mitbewerber ihm die Pachtung wieder wegnehmen. Dennoch gibt es anderseits in Sicilien ganze grosse Distrikte, wo der Ackerbau blüht, und zwar gerade da, wo eine relative Ausgleichung des 31 32 Die Natiu 1 lies Landes Besitzstands stattgefunden liat, z.B. in der reichen Umgebung von Modiea, wo auch der Obstbau, Wein, Oel, Mandeln, Orangen, Citronen aufs reichste gedeihen. Eigentliche Dörfer gibt es nur zwischen Messina und Catania, bei Palermo, Milazzo und Trapani. Sonst sind fast überall die Bewohner in Landstädten zusammengehäuft und die Arbeiter genöthigt, einen grossen Tlieil der Arbeitszeit auf die Wanderschaft zu den Feldern zu verwenden, oder während der Ernte fern von der Heimat auf den Feldern unter Notlibauten zu leben. Pfähle werden eingerammt, wagrechte Stangen daran befestigt und Tücher über dieselben gehängt. liier stehen dann die Was- serkrüge von porösem Thon, das Weinfässchen, der Brodkorb der Schnitter; hier ist auch die Bettstelle. Nach dem Schnitt wird auf freiem Feld eine Tenne bereitet, wo die Maultliiere die kreisförmig gebetteten Garben zerstampfen. Aehnlich lebt der Hirt. Wie kurz ist da der Schritt zum Hass der Arbeit, zur Auflehnung gegen das ärmliche Beben, zur Rache gegen den Besitzer und — zum Räuber, wo Rache oder Gelegenheit im Spiel sind, zudem der mangelhafte Verkehr die Straflosigkeit begünstigt. Auch liat die Entfremdung der Besitzer von ihrem Besitzthum, namentlich des Adels (Sicilien zählt 120 Fürsten, 32 Herzoge, 124 Marchesi, 23 Grafen, 356 Barone und »ein ganzes Heer Sprösslinge«, die sich alle zum Adel rechnen), der meist in den grossen Städten lebt und seinen ungeheuren Grundbesitz, nur das Geld in Empfang nehmend, den Verwaltern überlässt, dem Gedeihen der Landwirtschaft grossen Eintrag gethan. Dabei ist die Bearbeitung des Bodens die alte geblieben, Hacke, Pflug, Sichel und der Ochse an der Mehrzahl der Orte noch in der ererbten Weise. Und selbst bei dem neuen allmählichen Verkauf der Kirchen- giitcr an ca. 20,000 verschiedene Käufer, in zehnhektarigen Loosen, trat der Spekulant wieder an die Stelle der Bauern, und der Grossbesitz benutzte die Gelegenheit zur Abrundung. Bei dem System der Verpachtung an doppelte Unterpächter , »Borgesi«, welche also die Arbeit schon aus dritter Hand bestreiten müssen, ist der Gewinn der eigentlichen arbeitenden Pächter so gering, dass sie den Samen vom Unternehmer sich liefern lassen und die Ernte noch mit ihnen theilen müssen, dazu noch Vorschüssen und der Ausnutzung derselben anheimfallen. Diese Art des Ackerbaues ohne Grundeigenthum hat noch den Nachtheil, dass der Verdienst ein unsicherer ist. Ackerknechte gibt es an vielen Orten nicht, sondern man lässt zur Bestellung des Ackers die Werkleute aus der Stadt kommen und übergibt ihnen Pflug und Ochsen; dann kehren sie erst Sonnabends wieder zu ihren Familien zurück und gehen am Montag wieder zur Arbeit. Die Zahl und die Grösse der Viehherden hängt nicht mit dem Grossbesitz zusammen, sondern meist kaufen Spekulanten eine Acknrlian, Viehzucht). Herde Rinder, mieten sich die Weideplätze und lassen das Vieh unter freiem Himmel kampiren und von Stelle zu Stelle treiben. Für die Schafe dienen weite viereckige Mauern. Eine Herde von 1000 Schafen bedarf eines Cüratolo (Aufsehers) und etwa noch sieben Gehiilfen. Stets trifft man auch berittene Hirten. Die Wolle der Schafe wird jetzt in Neapel auch zur Tuchfabrikation verwendet; die Milch der Schafe dient für die Käsebereitung, und weil diese lukrativer ist als die Wolle, so gewöhnt man die Lämmer (deren Fleisch auch zur Nahrung dient) sehr frühzeitig ab. — Die Ochsen sind ein prächtiger Schlag, gross und mit weit abstehenden gewaltigen Hörnern; ihre Farbe ist eine ganz eigentliiimlich rötliliche. Da die ISIaulthiere weit vorteilhafter sind als die Pferde und zudem hier sehr kräftig gedeihen, so sind sie weit zahlreicher als diese, und zu den Reisen in die Gebirgsgegenden erhält man meist Maulthiere, auf die man sich ganz verlassen kann. Immerhin ist einige Kunde für die Wahl eines passenden Thiers von grossem Vorthcil. Auch der Esel ist hier weit seltener als das Maulthier. — Ziegen trifft man in grossen Scharen, und selbst in den Hauptstädten erhält man als Milch fast nur Ziegenmilch. — Am meisten fehlt leider das Hole, und die Waldwirtschaft in den Gegenden von Catania (Aetna) und Messina lässt noch sehr viel zu wünschen übrig. Eichen (Steineichen und Korkeichen) und Kiefern sind die häutigsten Bäume; aber wer das Binnenland durchwandert, ist erstaunt, überall fast nur kahle Felsenberge zu sehen, ja, die gewaltige Masse derselben mit ihren charakteristischen Linien gleichsam als Gemälde des Binnenlands sich einprägen zu müssen. Bei dem Mangel an Wägen zieht man es vor, Kohlen zu brennen, und schlägt hierzu das Holz alle 10 — 24 Jahre. — Neigebaur hat einen zur Uebersicht für denTouristen sehr brauchbaren Arbeitskalender des Landmanns entworfen. Im Januar wird das Brachfeld zum erstenmal beackert; der Weisen wird behackt und besonders die Bohnen. Die Reisfelder werden zum erstenmal beackert, Weinstöcke gepflanzt, ebenso der Sumach und die alten Pflanzen behackt, die Pfähle für den Weinstock bearbeitet und die trockenen Aeste der Oelbäume abgeschnitten. Der Gärtner säet Gemüse, und in den Obstgärten werden Kerne von Steinobst gesäet, die jungen Stämme gepfropft und die alten vom Moos gereinigt. Die Hecken und Graben werden in Stand gesetzt. Das Vieh wird von den Bergen nach den Küsten getrieben, der Wein wird umgefüllt, den Bienen Futter zugegeben , und die Hühner brüten. Im Februar wird das Brachfeld zum zweitenmal geackert, an der Küste wird der Sommerweizen gesäet, das Getreide wird gejätet und behackt, Linsen und Erbsen gesäet, um jeden Weinstock werden 2—3 Rohrstäbe eingesteckt und die Reben angebunden; die Oelbäume werden an der Wurzel behackt, der Tabak wird gesäet; man säet 33 Die Natur des Landes (Landwirtschaft). 34 alle Arten von Obst, die Ilausthicre zur Zucht werden eingekauft, die Bienenstöcke werden mit Rosmarin und anderen starken Kräutern geräuchert, sie werden dabei gefüttert und dafür gesorgt, dass die Bienen Wasser haben. Die Taubenschläge werden gereinigt. Im März wird auf den Bergen das Sommergetreide gesäet, das Getreide wird zum zweitenmal gesäet und behackt. Die Reisfelder werden zum dritten- und viertenmal beackert und am 25. März wird der lleis gesäet, man behackt den Weinstock zum zweitenmal und der im Januar gepflanzte Weinstock, die Oelbäume werden gepfropft, die Kartoffeln gesteckt, Melonen, Kürbisse und Gurken gesäet. Um die Mitte des Monats fliegen die Bienen aus und die Seidenioürmer werden ausgebrütet. Im April wird das Brachfeld zum drit' tenmal geackert, die Bohnen und Herbst' gemüse zum zweitenmal behackt, mit dem Säen des Heises fovtgefahren, der Weimtock zum drittenmal behackt und das überflüssige Gewächs abgebrochen, der alte Sumach wird zum zweitenmal behackt, die Kartoffeln zum erstenmal, die Baumwollkömer werden in Furchen, die drei Palmi von einander' entfernt sind, gesteckt, die Gitronen werden gepfropft und die kleinen Orange« abgepflückt, wenn man ganz vollkommene erziehen will. Die Rindviehherden ziehen von den Küsten auf die Berge, das zu mästende Vieh wird abgesondert und den Menen wird ein Theil des Honigs genommen. Im Mai fängt an der Küste die Ernte der Gerste an, in den kälteren Gegenden wird der Weizen zum letztenmal gejätet, in den ersten Gegenden werden Erbsen, Bohnen und Flachs geerntet, ebenso das Heu. Die Weinstöcke werden zum viertenmal behackt lind die überflüssigen Sprösslinge abgebrochen , die Oelbäume zum zweitenmal behackt und die Bäume vom Moos gereinigt. Der Sumach wird wieder behackt, die Kartoffeln zum zweitenmal, die Gemüse werden verpflanzt, die Schafe geschoren und das Vieh verkauft, das man nicht mehr braucht, endlich werden die Geräthe zur Ernte vorbereitet. Im Juni. Die Ernte ist in vollem Gang, das Getreide wird mit der Sichel geschnitten, der Reis wird gejätet, die Reben werden angebunden, die Gartensämereien werden gesammelt. Man hört auf, die Schafe zu melken und sucht die Bienenschwärme zu sammeln. Im Juli wird das Getreide gedroschen, wozu oft breite Strassen benutzt werden, man sucht die besten Aehren aus, um daraus das Saatgetreide zu gewinnen, doch wird solcher ausgesuchter Weizen nicht in gedüngtes Feld, sondern auf reines Brachfeld gesäet. Man sammelt die Baumwolle, man schneidet die Sumachzweige ab, lässt sie trocknen und dann mahlen oder verkauft auch die getrockneten Blätter ungemahlen. Man schneidet die Manna-Esche an, um den Saft auszuziehen, die jungen Füllen werden im Unter-Italien. II. Schatten gehalten, die Ochsen lässt man in der*Hitze sich nicht niederlegen, weil ihnen der heisse Boden schädlich ist, endlich nimmt man die Bienenstöcke aus. Im August bereitet man sich auf die Regengüsse vor, welche der Herbst bringt, man brennt den Stoppel ab, man erntet das Sommergetreide, schneidet und brennt die Sodapflanzen, man jätet den Reis, erntet die Kartoffeln, die Färberröthe und setzt die Baumwollernte fort, die Weinstöcke werden behackt, die reifen Tabakblätter werden gesammelt, man pflanzt Broccoli nnd Kohl, erntet Aepfel, Birnen, Feigen, Pflaumen, der Hanf und Flachs wird zum Rösten ins Wasser gelegt, man fängt an, das gereinigte Getreide zu versenden und besorgt das Vieh wie im Juli. Im September werden die Brachfelder von dem Unkraut befreit. Der Dünger wird auf die mit Bohnen oder anderen Hülsenfrüchten zu besäenden Felder gebracht; wenn es geregnet hat, wird der Acker zur Saat eingerichtet, und es ist vortheilhaft, zeitig zu säen; die Reisernte beginnt, man reinigt den Boden unter den Oelbäumen, weil die Früchte abzufallen anfangen, man erntet die Mandeln und Pistazien, säet Zwiebeln nnd Salat, veredelt die Rosen, sorgt für den Holzvorrath, bricht den Flachs, setzt die Pflüge und die Weinfässer in Stand. Im Oktober wird die Saal bestritten; gewöhnlich fängt man mit der Leinsaat an und dann mit dem Krapp. Die Weinlese beginnt und die Ernte der Oliven, man drischt den Reis, man fängt an, die Kühe zu melken, und die Schafe fangen an, Junge zu haben. Im November wird die Saat beendet, denn man sagt, zu Martini ist der Weizen besser in der Erde, als in der Mühle. Die Weinstöcke werden beschnitten und tief behackt-, die Olicenernte wird fortgesetzt und das Oel gepresst, man fängt an, die Wurzeln des Lakritzenstrauchs zu sammeln, die zweimonatlichen Lämmer werden abgewöhnt, die Kühe nach den Küsten auf die Weiden getrieben, und man verwahrt die Bienen vor der rauhen Jahreszeit. Im December wird das Brachfeld geackert, der Weinstock wird gepflanzt, die Olivenernte beendet, die Oelbäume werden beschnitten, mit Sehafmist gedüngt und um den Stamm eine solche Vertiefung gemacht, dass die Winterfeuchtigkeit die Wurzeln nähren kann, und die Bienen werden gefüttert. Der fruchtbarste Theil Siciliens ist die Ebene von Catania, reich an Weizen, Flachs, Reis, Baumwolle, Wein und Oel; die Gegend von Cefalü und Terranova zeichnet sich durch Reichthum an Manna aus; die Gegend von Caltanisetta durch Mandeln und Soda; am reichsten an Feigen sind Girgenti und Messina und an Kaktus oder indischen Feigen die Umgegend von Palermo, wo auch, wie bei Messina, die meisten Agrumen wachsen, d. h. die Limonen und Orangen. Die Gesammtbebauung der 2 35 Die Natur des Landes (Weinliau, Fischerei), 36 Insel wird auf f>8 Proc. Korn, 25 Proc. Weideland, 10 Proc. Garteilkultur, 3 PÄio. Wald angegeben; die übrigen 4 Proc. fallen auf ödes oder mit Gebäuden besetztes Land. Schon im Alterthum war nicht nur der Kornbau weithin berühmt (während Ciceio als Advokat der Sioilier den Boden nur das lOfache tragen lässt, preist Tlieoplirast den Boden der Gegend von Mylae wegen seines ÖOfachen Ertrags, und Plinins spricht sogar von dem lOüfaelien Ertrag der Leon- tiniseken Gefilde), sondern auch die Viehzucht so bedeutend, dass Sieilien die Heimat der bukolischen Poesie der Griechen wurde, denn das Hirtenlied knüpfte sich an den Kultus der Artemis (Eacelitis) zu Tyn- daris und zu Syrakus; die des Liedes kundigen Hirten durchstreiften, von der Musik unter dem Schutz der .Religion Erwerb gewinnend, mit eigenthüinliciien Liedern truppweise die sieilische Flur (manche Formen und Instrumente haben sich wohl bis jetzt noch unverändert erhalten) und besangen namentlich Scenen, denen das Hirte,nleben in reizender Natur eine höhere Weihe gab. Diese Kuhreigen und Wcttlieder der Rinderhirten wurden auch bei städtischen Festen gesungen, und Thcokrit aus Syrakus erhob sie dann zur bukolischen Dichtung, indem er »mitten in einer iiberbildetcn buchgelehrten Zeit den Ton der Natur vernahm und die Stimmen des Hirtenvolks kräftig und gesund vorzutragen verstand«. Doch wer richtet den Kampf? wer wird uns Singende hören? Drüben der Geishirt, wenn wir hierher ihn zu uns beriefen, Welchem der Hund mit der Blässe die Böcklein eben umbelfert. Und ihn riefen die Knaben, es kam sie vernehmend der Geisliirt, Und nun sangen die Knaben, und gern war Richter der Geishirt. MenaUas: Thälcr und strömende Bäcli’, von Göttern entstammt, hatMenalkas Je zum Klang der Syring liebliche Lieder gesellt, Weidet mit günstiger Seele die Hämmerchen! aber auch Daphnis, Bringt er die Stärken liieher, find’ er’s nicht weniger voll. Daphnis: Quellen und Kräuter, Gewächs voll Siissigkeit, wenn die Gesäuge., Fliessend aus Daphnis’ Mund, gleichem der Nachtigall Lied, Schenket der Herde der Kiili’ ein Gedeihen, und treibet Menalkas liieher, weid 1 er erfreut rings in dem üppigsten Gras. Menalkas: Ringsum Lenz, rings Weide, und ringsum schwellen die Euter Hoch von Milch, und es kommt Nahrung den Jungen vollauf Da, wo das reizende Mädchen herannaht; aber entweicht sie, Schmachtet der Hirt lind mit ihm schmachten die Kräuter verdorrt. Daphnis: Dort geli’n Ziegen und Schaf 1 mit Zwillingen, dort sind der Bienen Stöcke von Honig gefüllt, höher der Eichen Gewächs, Wohin wendet die Schritte der reizende Milon; entweicht er, Welkt mit den Kühen zugleich auch der sie weidet dahin. Die Weinpflanzungen nehmen etwa 160,000 Hektar ein. Sieilien zieht in der Mehrzahl weisse Trauben an niedrigen, 1 m. hohen Reben und Rohrstäben, welche um so näher beisammen stehen, je wärmer die Lage und je leichter der Boden ist. Die hervorragendsten Traubensorten sind der Muscateddu vrancu und niuru (dunkler und heller Muskateller) , die gelbe Murvascia, die Guarnac- cia, der süsse Catandlu, die liartbeerige Li- parota, die Olivedda, Knsxiddara, Dnraea, der Vi'paloro, die Greca, die süsse grüne Vir- dma, die rothe Riesentraube Iiotulara und der gewürzhafte Tribbinnu. Der Faro, lli- lazzo und Messina haben auf ihren Hügeln dunkelrothe Weine; am Aetna nehmen Reben den grösstem Tlieil der bebauten Region ein; Mascali liefert den besten Rothwein Siciliens, der Terra forte ist einer der stärksten Weine, Catania hat treffliche rothe und weisse Tischweine (viel Wasser ertragend), der beliebteste Tischwein ist der Jiosco. Syrakus hat berühmte Dessertweine ; man zieht liier auf dem hellen Kalkboden den besten Moscato, halbrothcn und bernsteingelben, beide sehr süss mul mit trefflichem Bouquet. Auch die Sy rakusaner weine Rcstimbotta, Caprinta, Galavrisi sind gesucht. Im westlichen Sieilien liefern Termini, Corleone, Girgenti, Castolvetrano und Mazzara die besten 'Weine. Am berühmtesten ist der Marsala, aber wesentlich durch eine Alteration (S. 315). Doch hob sich gerade durch diesen präparirten »englisch schmeckenden« Wein die Weinausfuhr Siciliens • ausserordentlich. Die Fischerei ist sehr entwickelt. Der wichtigste Zweig derselben ist der Tliun- fisehfang; Sieilien zählt gegenwärtig 27 Tonnaron; eine der bedeutendstem findet sich hei Trabia (S. 369). Der Fisch (tonno) gehört zur Gattung der Makrelen, wird ca. 2 Fuss lang und an 7 Pfd. schwer, kann auch eine Länge von 2—3 m. erreichen und ein Gewicht von mehreren hundert Pfund; seine Gestalt ist ziemlich spindelförmig, die Farbe oberhalb stahlblau, an der untern Hälfte der Seiten und am Bauch silberglänzend. Hinter den beiden Rückenflossen stehen noch 8—10 Flössel. Das Fleisch siebt fast wie Rindfleisch aus, wird durch Kochen blass und schmeckt wie Salm; cs wird meist frisch genossen, aber auch eiugesalzcu in den Handel gebracht. In Fäulnis übergehend wirkt. (>s höchst nachtheilig auf die Gesundheit. Der Fisch wird hauptsächlich im Mai bis Ende Juni gefangen. Denn der Raubfisch ist zugleich ein Wanderfisch, kommt in Zügen vom April an aus dem Atlantischen Öecan an die Küsten des Mittelmeers und zur Meerenge Messina’s, wo 37 38 Kttiistgescliiclitliclie,«. er, von der Gegenströmung beunruhigt, um die Küste von Sicilien herum ruhigeres Wasser aufsucht (und wenn er dem Fang entwischt, ins Schwarze Meer zieht). Die Tonnaren bereiten ihnen an der sicili- schen Küste »die Gemächer des Todes«. Ungeheure Netze, die sich kammerartig zu vier Wänden zusammenschliessen, werden aus spanischem Spartogras gemacht, die letzte Kammer aus guten Hanfseilen; sie haben eine Länge von ca. 450 m. und eine Tiefe von 15—!30 m. Anfang April sind die Netze fertig, sie werden unten durch grosse Beilstiieko und mehrere Anker an den Boden festgemacht, oben durch Korkscheiben schwimmend erhalten. Wächter liegen in Booten am Meer auf dem Bauch, um die Meeresfarbe, Tiefe und Strömung des Meers zu beobachten, bis das Meer still genug geworden ist, denn nur dann können die Netze senkrecht wie Wände hinabgesenkt werden (was »incrociare la tonnara« heisst). Bei der Ankunft der Fische ruft ein Zeichen die harrenden Boote herbei,' die in einiger Entfernung vom Gestade ihre Netze zu geschlossenen Gemächern vereinigen. Von der Isola der Kammern gehen zwei lange Wände aus, um den Tonno aufzuhalten und hereinzuleiten, la Coda, dem Land zu, il Codardo in das Meer hinaus. Ist nun die See bewegt, so zieht der Tonno am liebsten mit dem Wind, oft in Gruppen, zuweilen in ganzen Armeen. Sobald er auf eine Seitenwand trifft, zieht er dieser entlang und gelangt zur Oeffnung (foratico) des Vorsaals (gran Camera), schwimmt dann im Kreis an den Wänden herum, bis er den Eingang zur nächsten Kammer findet und dovt den Kreislauf fortsetzt. Häufen sich die Fische in den vorderen Kammern an, so werden sie durch das Hineinwerfen von Sand geschreckt oder ein schwarzes Schaffell wird eingesenkt , oder ein besonderes Netz (lin- giarro) drängt die Tonni in die anstossendo Kammer. Sind eine gehörige Anzahl im letzten der Gemächer, der Camera della morte, in der Leva versammelt, so wird der unter demselben angebrachte starke Netzboden heraufgezogen und die Gefangenen mit ihm. Die Wächter haben mittlerweile, versteckt in den Booten harrend, den Eingang geschlossen; manchmal dauert es aber mehrere Tage, bis die Camera della inorte gehörig angefüllt ist. — Dann beginnt die Schlacht, durch eine rotlie Tliurm- fiagge verkündet. Mit Spiessen und Harpunen wird diese matanza axisgeführt, und unter wildem Geschrei. Das Netz wird bis auf 2 m. unter die Oberfläche gebracht und die Fische schlagen das Wasser wild empor, die Fischer stechen und stossen auf die Thicre los, und diese ziehen manchmal in ihrer Abwehr einen Kämpfer ins Wasser hinab. Das Meer umher färbt sich blutroth, der Jubel, das Jauchzen, Tücherschwingen steigert sich, bis die Fische ans Land gebracht werden. Der Fang des Schwertfisches (Pesce Spada) findet namentlich in der Meerenge (Faro) von Messina im Juli und August statt. Schon Strabon (I, 2) hat ihn beschrieben, wie er noch jetzt stattfindet. Einer hält (in grosser Feluke) Wache, die übrigen stellen sich in zweiruderigen Kähnen je zwei in einen Kahn; einer rudert, der andere steht am Vordertheil mit der Harpune in der Hand und wartet, bis der Wächter das Zeichen der Anwesenheit des Fisches gibt. Wenn nun der Schwertfisch dem Schiff nahe genug ist, so schleudert man die Harpune auf ihn ab. Diese wird aus dem Körper gezogen, jedoch ohne die eiserne Spitze, welche mit Widerhaken versehen und auf eine geschickte Art nur lose an den hölzernen Schaft angemacht ist. An der Spitze ist ein langes Tau befestigt, welches nachgelassen wird, sobald das Thier getroffen ist, bis cs sich durch die Zuckungen und das Hin- und Herschiessen erschöpft hat. Alsdann zieht man es in den folgenden Kahn. Die Korallenfischerei s. S. 5100. Zur Kunst. Die Kunstschätze Siciliens, Werke der griechischen Architektur und Skulptur, von höchster Bedeutung für den Einblick in den Entwickelungsgang der klassischen. Zeit, sowie die Werke der mittelalterlichen Architektur, in welchen noch in höchst eigenthiimlicher Weise das arabische Element zu Tage tritt und doch schon der normannische Geist herrscht, die reichen Skulpturarbeiten an den Kapitalen der mittelalterlichen Klosterhöfe sowie die dekorativ prächtigen Mosaikmalereien jener Zeit, dann die Holzschnitzereien der llenaissancezeit und die tüchtigen Skulpturen (Jagini’s, endlich die Malereien des in der Entwickelungsgeschichte der Kunst höchst bedeutsamen Antonclio da Messina und des raffae- lesken Malers Vincenzo Ainemolo sowie die zahlreichen Werke des Realisten Pietro No- velli (Monrealese) aus dem 17. Jahrh. und der Messincscr Schule sind eingehend an den Orten behandelt, wo die Werke Vorkommen. Zum Verständnis der dorischen Tempel, welche zahlreicher als in Griechenland selbst und aus sämmtlichen grossen Epochen der hellenischen Baukunst in Sicilien (Selinunt, Gix’genti, Segesta, Syrakus) vorhanden sind, mögen ausser dem, was ausführlich in den betreffenden Abschnitten darüber mitgetlieilt ist, noch folgende Vorbemerkungen dienen: Fast alle dorischen Tempel in Sicilien gingen der höchsten Blütezeit Griechenlands voran und gehören dem 7.—<5. Jahrh. v. Chr. an. Ihre Bauweise ist folgende: Der Tempel steht auf einem besondern steinernen Unterbau, ist stets ganz aus Stein erbaut und bildet gewöhnlich ein längliches Viereck mit einem Giebeldach von geringer Neigung und einer Vorhalle auf Säulen, oft mit ringsum laufender Säulenhalle. — Der Unterbau (Stereobat) steigt in drei oder vier Stufen mit pyramidaler Einziehung auf und hebt den Tempel als geweihten empor, 2 * 39 Kunstgeschiclitliclies (Dorische Tempel). 40 Wo die Stufen Uber Sehritthölie abstchen, werden an der Vorderseite kleinere Stufen als Zugangstreppe ausgemeisselt. An der untersten Stufe der Langseite ist meist ein Rinngraben angebracht. Ein ebener Plattenboden (Stylobat) trägt die Säulen (Stylobat und Stereobat zusammen heissen das Krepidoma, d. h. Stufenbau des Tempels). — Di e Säulen sind ohne eine besondere Platte direkt in den Plattenboden etwas eingetieft, steigen wuchtig gedrungen unmittelbar aus dem Boden empor, und zwar in ihrer Zusammengehörigkeit nicht in genau senkrechter Linie, sondern ein wenig nach innen sich neigend. Der Säulenschaft offenbart seine organische lvraft in einer leichten geschwellten (Entasis) und elastischen Verjüngung nach oben und hat 16 bis 20 massig tiefe Rinnen (Kanneliiren), welche die belebende Licht- und Schattenwirkung erhöhen. Sie bilden flach elliptische Bögen zwischen scharfen Stegen. Der obere Säulendurchmesser beträgt etwa ' d U des untern. Der Säulenschaft bestellt meist aus einzelnen Rundblöcken (Trommeln), die im Cen- trum durch hölzerne Dübel verbunden wurden. Die Kannelirung führte man nur an dem untersten und obersten Stück zum voraus durch, die übrigen Kanneliiren fertigte man erst nach der Aufrichtung der Säulen, lieber dem Ende des Säuleusehafts steigt der Knauf (das Kapital) auf, der mit dem sogen. Säulenhals aus einem Stück verfertigt ist. Der Säulcnhals beginnt gewöhnlich mit einem Einschnitt (Seamillus) und verbindet sich mit dem Kapital durch einige Ringe von sich vergrösserndem Durchmesser, dann folgt der untere, wichtigste Tlioil dos Kapitals, der Wulst (Echinus), welcher mit elastischem Schwung den Schaft bekrönt und der Belastung ein schwellendes Auflager darbietet; er gleicht die senkrechte Säule mit dem wagrechten Gebälk aus. Ueber ihm endigt die quadratische Eck- platte (Abacus), welche dem Eehinus im Durchmesser entspricht und die Punktion der Säule ausdrückt. Mit dem Kapital zusammen beträgt die Höhe der dorischen »Säule etwa vier bis sechs untere Durchmesser (der untere Durchmesser bildet die Mass- einhrit). — Ueber dem Abacus liegt das Gebälk, zu unterst die, vierkantige Steinbal- kenlago (der Architrav), gewöhnlich von der Dicke des obersten Säulendurchmcssers; dann folgt der verzierte Mittelbalken (der Fries), der sieh durch ein schmales Band (Taenia) vom Architrav scheidet. Au dom Fries sieht man viereckige Tafeln (Tri- ßyphen, Dreischlitze), in welche zwei ganze uud zwei halbe Schlitze, die senkrechte Richtung fortsetzend, in die Fläche eingelassen sind, wonach also die Triglyphen drei prismatische, senkrechte Stege zeigen. Mit den Triglyphen wechseln am Fries viereckige Felder ( Metopen , Lichtöffnungen), welche ursprünglich offen waren und dem Licht Zutritt gestatteten, dann aber mit bemalten oder reliefirten Steinplatten geschlossen wurden. Die Stelle der Triglyphen bezeichnet die Mitte der Säulen sowie die Mitte eines Säulenzwischenraums; weil jedoch auch an die Ecken des Frieses Säulen zu stehen kommen und dort nicht mit der Axe der Ecksäule Zusammentreffen, so rückte man die Ecksäule um l U des untern Durchmessers weiter gegen die Mitte; so entstanden an den vier Ecken der dorischen Tempel je zwei Zwischensäulenräume, welche schmäler als die übrigen sind. Die Triglyphen uud Metopen sind meist einen halben untern Säulendurchmesser breit. Unter jeder Triglyphe ist ein Plättchen mit sechs Zäpfchen (Gultae, Tropfen) an (hu 1 Unterseite der Taenia angebracht (Tropfen-Ae o Bg w . •ö >3 'C *ö . ‘-3 ,:> fD a o 3 3 3 3 V *C *U ^ (S (I O (! «1 m l- 3 >Ö H ® s fl ®,4j h- i— '-'2 3 £ 3 Q ’ ^ ® !>° o ® « n ” 2. ^ S? S c? ^ Sj*jo »: P o <* «> Dj ?g*So O O *3 Cß O (J V iß o P o ®> W iß tu W tO C*5 Vergleichende Uebersicht der Masse (in Metern) an den altgriechischen Tempeln Unter-Italiens und Siciliens. 47 Kimstgescliielitliclies (Münzen). 48 gleichmäßig 1 sorgsam gebildet, man darf sagen, mit einem Schönheitssinn, welchen scheinbar nur die letzte Fähigkeit des Ausdrucks von der Vollendung scheidet«. Aus griechischer Zeit sind auch zahlreiche Vasen in den Nekropolen gefunden worden, manche von hohem künstlerischen Werth. Vor allen zeichnen sich die von Akragas (Girgenti) aus; es gibt solche mit alterthümlichen Thierfiguren und ziemlich zahlreiche mit schwarzen Figuren (besonders Lekythoi). Aber bei weitem die Mehrzahl zeigt rothe Figuren, in voller Entfaltung des Stils von ernster Strenge bis zur eleganten Zierlichkeit, oft in ausgezeichneten Exemplaren; in Selinunt wurden hauptsächlich Lekythoi von alterthümlicher Manier gefunden. In Adranon, Kenturipai, Leon- tinoi finden sich überwiegend Vasen des spätesten Stils. Dagegen sind in Gela (Terra- nova) sehr schöne Vasen der vollendeten Kunst in ihren verschiedenen Gestaltungen gefunden worden; auch Kamarina und Akrai (Palazzolo) lieferten vortreffliche Beispiele. Syrakus hat dagegen verhältnismässig nur eine geringe Zahl (sowohl mit schwarzen als mit rotlien Figuren) aufzuweisen. Aus griechischer Zeit stammen auch die Fundamente mancher in römischer Zeit überbauten Theater, von denen die zu Taormina, Syrakus, Catania, Palazzolo, Segesta, Tyn- daris (und Selinunt) die bekanntesten sind. Statuen der antiken Zeit finden sich namentlich in Palermo (wo die berühmten Bronzegüsse des den Hirsch ereilenden Herakles lind des syrakusanischen Widders sind) und in Syrakns (wo eine berühmte Venusstatue sich befindet). Von besonderem Interesse sind auch die antiken Gräber, die von unförmlichen Höhlen und Ddieri (s. Val d’Ispica), phöniki- schen Grabstätten (bei Solunt) bis zu architektonisch geschmückten Kammern (Syrakus) und Katakomben (Syrakus, Palermo) ihre verschiedenen Entwickelungsstufen darlegen. Sehr zahlreich sind die alten Mauerreste, aus sikelischer, griechischer, römischer und späterer Zeit, zuweilen der beste Fingerzeig für die alte Geschichte einer Stadt. — Auch Aquädukte und Wasserwerke aller Art sind zahlreich vorhanden, und hier xmd da noch lleste antiker Brücken. — Am zahlreichsten sind aber römische Bäderreste. — Die Ausgrabung eines altrömischen Hauses in Palermo (Piazza Vittoria) brachte zwei prächtige Mosaikböden (jetzt im Museum) zum Vorschein; der eine, sehr merkwürdige, unten mit tragischem Dichter, dann den Horen und Zeusgeliebten, in der Hauptabtheilung mit Helios, Poseidon, Herakles und anderen Götterbrustbildern. Am bewunderungswürdigsten sind die ** Münzen des griechischen Siciliens. Auch der eilige Tourist vex-säuine nicht, denselben eine eingehendere Aufmerksamkeit zuzuwenden! Selbst Athen, als es airi der höchsten Stufe der Kunst stand, erreichte an Vollkommenheit des Stempels die von Sicilien nicht. In seinen Münzen wurde (nach dem Pelopon- nesischen Krieg) in Schönheit des Gepräges (oft bei auffallendem Ungeschick der Mechanik des Prägens) »das Höchst e un d Herrlich s t e, wasjegeleistetwordenist«, erreicht (Ottfr. Müller); am bedeutendsten ragt Syrakus vor, namentlich in der Epoche von 412—345 v. Ohr. (als Timoleon die Verbindung mit Korinth erneuerte, wurden dann die so häufigen Pallasköpfe mit Pegasos geschlagen). Auch die von Karthago abhängigen Orte Siciliens nahmen an demselben Kunsteifer theil. Ueber die Künstler dieser zum Theil so vorzüglichen Arbeiten findet man bei den antiken Schriftstellern keine Nachrichten, xind man sieht erst bei aufmerksamer Betrachtung, dass ihre Namen nur in ganz kleiner Schrift und gleichsam verborgen hier und da auf der Vorderseite an den Köpfen in den Haarbinden, an der Helmfläche über der Stirn, an der Scheide des Helmbusches, am Halsabschnitt, auf dem Revers, wo der untere Abschnitt abgesondertwird, an den Felsstücken, den Thronen und Basen der Figuren, im Ornament und an anderen Orten enthalten sind. Namen der Stempelschneider kommen z. B. auf Münzen von Katane (Catania) vor (Euain, Prokies, Choirion), von Syrakus (Euainetos, Eukleides, Eumenos, Kimon, Soson, Pliry- gillos), Naxos (Prokle), Kamarina (Exakesti- das) etc. Sie finden sich meist auf Silbermünzen. Da diese Münzen ein wirkliches Kunst- interesse darbieten, so mögen zum nähern Verständnis der Sammlungen die folgenden Andeutungen beliülflich sein (eine der schönsten und reichsten Sammlungen sicilischer Münzen befindet sich gegenwärtig in Winterthur in der Schweiz bei Herrn Br. Imhof- BUimer, der zugleich auch ihr unermüdlichster Erforscher ist). Syrakus. I. Periode archaischer Kunst (6. Jahrh. bis 47U v. Chr.). Oligarchie der Geomoren (vor 485): Gespann mit Lenker; weiblicher Kopf in viergetheiltem Rechteck; der weibliche Kopf meist auf dem Avers, das Haar oft in Tressen und mit Diadem oder Olivenkranz, rings um dasselbe Delphine; über dem Wagenlenker zuweilen die Siegesgöttin, unten zuweilen ein spi-in- gender Löwe. — Transitionsperiode (Hieron I., Thrasybulos, Demokratie; 478—412): Dieselben Figuren; auf dem Revers zuweilen der Reiter mit einem bis zwei Pferden und der Siegesgöttin und der Blackfisch, Wagon mit Werthzeichen; die Siegesgöttin bekrönt oft die Pferde, der Fisch mit Werthzeichen. — Klassische Kunslzeit I., Demokratie nach der athenischen Belagerung, 412—40fi: Gold, Avers: Junger Herakleskopf mit Löwenhaut; Revers: Der weibliche Kopf im Viereck; Avers: Pallas mit athenischem Helm; Revers: Aegis mit Schlangen und Gorgonenhaupt. Silber: Tetradrachmen von Eumenos; weiblicher Kopf mit Ohrringen, Kopfbinde (auf welcher der Name des Künst- 49 Kunstgesclxiclitliches (Münzen). 50 lers stellt), umgeben von Del pliinen; Revers: Das Viergespann mit siegeskrönender Nike; auf dem Avers Eumenos, auf dem Revers Euainetos oder Euth. (mit Scylla und einem Fiscli vor ihr) unterhalb der Quadriga; auf dem Avers; Soson, Phrygillos; auf dem Revers: Persephone mit Fackeln auf der Quadriga, die Siegesgöttin mit dem Kranz über dem Gespann; Drachmen von Eumenos; Revers: Leukaspis mit Helm, Schild und Schwert; halbe Drachmen mit weiblichem Kopf und Quadriga. — Klassische Kunstzeit II. (Dionys der Aeltere, 405—367, Dionys II., 367—356, Dion, Kaliippos und Hip- parinos, 356 — 350, Zwischenzeit 350—345). Gold. Auf dem Avers: Kopf der Arethusa und der Künstlername Ki(mon); Revers: Herakles erwürgt den Löwen; Avers: Junger männlicher ICopf; Revers: Ein Pferd und der Name der Stadt (der sonst meist auf dem Avers steht). Silber: Dekadrachme von Euainetos, Avers: Kopf der Persephone mit Aehrenblättern, der Name der Stadt über dem l-IaujR, der Name des Künstlers unter dem untersten Delphin; Revers: Das Viergespann mit der fliegenden Nike, unter dem Unterstrich Helm, Kürass, Schild, Beinschienen. Tetradrachmen von Euainetos mit Persephonekopf und Quadriga; Tetradracli- meu von Eukleides und Euainetos, der weibliche Kopf mit Schwan über der Stirn. Avers: *Kopf der Pallas, Dreiviertel Vorderansicht, mit reichem phrygischen Helm, auf welchem der Name des Künstlers steht. Dekadrachme von Kimon, mit Persephonekopf, Quadriga, Nike, Waffenstücken. Tetradrachmen von Kimon, Avers: Arethusakopf, im Haarband der Name Kimon; die vier Delphine in den gewaltigen Haarlocken; am Rand über dem Stirnhaar der Name Arethusa. Tetradrachmen von Parme .,. und von verschiedenen Stempelschneidern, mit weiblichem Kopf, Persephone und Pallas. Bronzemünzen, 412—345. Avers: Der weibliche Kopf; Revers: Viereck mit Stern, Wagen und Delphine, Blackfisch, Dreizack. — Periode der allmählichen Abnahme der Kunstblüte (Demokratie durch Timoleon hergestellt 345—317). Plektrum (Silbergold). Avers: Kopf des Apollon; Revers: Kopf der Artemis, vor dein Antlitz »Heilandin«; oder Dreifussbecken; Avers: Kopf des Zeus Eleutlierios; Revers: Pegasos mit Wertlizeichen ; Avers: Kopf des Apollon; Revers: Leier mit fünf Saiten; Avers: Kopf der Kyane; Revers: Pegasos; Avers: Kopf der Pallas; Revers: Reiterund Stern, oder Delphine, Fische, Seepferd; Kopf der Aphrodite; Revers: Halber Pegasos, Kopf des Anapos; Revers: Pegasos, Kopf des Ar- chias, der Persephone, des Apollon; Revers: bei allen drei auch der Pegasos; Kopf des Zeus Eleutlierios; Revers: Pferd, Blitz, Adler. — Zeit des Agathokles (317—289). Gold. Avers: Apollokopf; Revers: Biga (Zweigespann) ; Avers: Kopf der Persephone; Revers: Fluss-Stier (Anapos). Silber. Avers: Kopf der Persephone, unter dem Hals NR oder NI oder Phi; Revers: Quadriga, und über ihr die drei Beine (triquetra); Kopf der Pallas, oft mit Trophäen; Revers: Pegasos. Bronze: Persephonekopf, Stier und Delphin nebst den Buchstaben Ni oder Nk oder Ag, Al.—Münzen von 310—306. Silber: Tetradrachmen mit dem Namen des Agathokles, Persephonekopf (mit Koras); Revers: Die Siegesgöttin befestigt mit Hammer und Nagel den Helm einer Trophäe, r. die Bein- Triquetra, 1. der Name des Agatliokleios (oder kleos). Bronze: Herkuleskopf, Löwe; Büste der Artemis, Blitz; Artemiskopf, Reiter mit phrygischem Helm. — Münzen von 306—289 mit dem Königstitel (Basileus). Gold, Avers: Pallaskopf mit korinthischem Helm; Revers: Agathokleos Basileos und dazwischen der Donnerkeil; unten Tr oder Ph it. a. Silber: Pallaskopt und Pegasos mit Triquetrjr. Bronze: Artemisbüste, vorn Heilandin; Revers: König Agathokles und der Donnerkeil, oder Zeus Eleutlierios. — llikelas, 287 bis 278. Gold: Persephonekopf; Revers: »Epi Iketa« unter einer Biga. Silber: Kopf der Persephone, Quadi*iga. Bronze: Ebenso, mit Buchstaben (Ag, Eu, P, S, N, So, T u. a.), über der Biga oft ein Stern oder Donnerkeil. Bronze der Mamertiner, Avers: Zeus Hellenios; Revers: Adler mit Blitz. — Pyr- rhos, 278—276. Gold: Kopf der Persephone; Revers: Biga mit Nike. Bronze: Kopf der Persephone oder des Herakles; Revers: Pallas Promachos. — Hieron II., 275—216: Persephonekopf und Biga, oder Pallaskopf und Pegasos; auch Silbermünzen mit bartlosem Königskopf (Hieron) und Quadriga, mit Inschrift: König Hieron; oder mit Gelonkopf und Quadriga, mit Unterschrift: Gelon; oder Adler mit Blitz, auch mit dem Kopf und dem Namen der KöniginPhilistis; Avers: Demeterkopf; Revers: Quadriga, mit Unterschrift: Sikeliotan. Bronze: Kopf des Hieron, Reiter und Name des Hieron; Kopf des Poseidon und Dreizack mit Delphinen und Namen des Hieron; Kopf der Persephone und Pegasos mit Namen des Hieron oder dem Flussstier und Buchstaben. — Hierouymos, 216—215. Gold: Persephone, Donnerkeil mit Namen. Silber: Kopf des Hierouymos und Donnerkeil. — Unter den Römern Bronze (nach 212): Zeuskopf und Biga oder Quadriga; auch Isis oder Sarapis, Persephone, Demeter, Asklepios, Apollon, Helios, Janus. Akragas (Girgenti). Gold. Klassische Periode (412—.345). Avers: Adler auf Felsen, eine Schlange verzehrend, darunter das Werthzeichen; Revers: Krebs. — Silber. Archaische Zeit. Avers: Adler mit Stadtnamen; Revers: Krebs, darunter oft ein junger männlicher Kopf, ein korinthischer Helm, ein Gerstenkorn.— In der Uebergangsperiode (479 bis 412) meist Adler und Krebs. — In der llas- sischen Zeit. Avers: Zwei Adler über einem Hasen, der nähere den Kopf in die Höhe streckend mit offenem Schnabel, der entferntere der Beute sich nahend und mit offenen Flügeln; Revers: Der Künstlername Myt...; das Viergespann, darüber die Siegesgöttin mit dem Kranz; unter dem Strich die Scylla oder ein Krebs, eine Keule; über der Quadriga manchmal Weintrauben; an- 51 Kunxtgflscliiclitlielics (Münzen). 52 statt der Quadriga zuweilen Krebs und Meertisch, oder Krebs und Scylla mit den Hunden, oder Krebs und Thuntisch. — In der Abnahmezeit. Avers: Pferd' oder Zeuskopf, oder Kopf des Akragas; Revers: Krebs oder Adler. — Bronze. Klassische Zeit. Adler und Krebs, oft mit den Werthpunkten (Hemili- tron, Trias, Ilexas Uncia). Abnahmezeit: Kopf des Akragas oder Hypsas, Adler auf ionischem Kapital und Werthpunkte. — Unter rhintias (287—279), Avers: Kopf des Apollon, oder der Persephone oder Artemis; Revers: Phi., Adler, Basileos Pliintia mit Eber. — Letzte Periode, Avers: Kopf des Zeus Soter oder Kopf des Apollon; Revers: Adler mit Hase, oder Dreifussbccken, Krieger, Kopf dies Asklepios. — Itomerzeit: Auf dem Avers der Name und Kopf des Augustus, auf dem Revers Salasso comitiae. sex. reo. inr. (Bordüre); innerhalb: U. Clodio ltufo Proeos. Katane (Catania). Silber: Periode der archaischen Kunst. Avers: Stier mit Mcn- sclienkopf, das rechte Knie gebeugt, darüber ein Silenkopf, oder eine Flusspflanze, oder ein Wasservogel, oder Nike, darunter oft Flusstisclie; Revers: Die schreitende Siegesgöttin in langem Gewand mit Kapuze und mit Oelzweig oder Binde in der Hand, darunter der Name Katane oder Katanaion, oder ein Donnerkeil mit dem Namen der Stadt. — In der Zeit seines Namenwechsels in Aitiia. Avers: Silenkopf. Revers: Aitn. mit Donnerkeil.— Indor2Vaim7?o«SÄe£<. Avers: Apollokopf mit dem Stadtnamen Katanaion; Revers: Viergespann (oft mit der Siegesgöttin). — In der klassischen Zeit auf dem Avers: Jugendlicher Kopf mit Diadem, oder prächtiger *ApoIlonkopf; Revers: Quadriga mit Nike. Auf den Apollonköpfen zuweilen der Name der Künstler: Herakleidas, Choi* rion; auf dem Revers kommt in der Tafel der Nike der Name des Euain(etos) vor. Auf dem Avers oft auch der Kopf des Ätnenanos (zuweilen mit dem Künstlernamen Luai . .), umgeben von Flussfischen, oder der Silenkopf; auf dem Revers: jugendlicher Kopf mit Diadem, Apollonkopf, Donnerkeil, Stier, doch meist das Viergespann. — Bronze. Avers: Kopf der Persephone oder des Amenanos; Revers: Donnerkeil.— Abnahmezeit. Avers: Kopf der Pallas oder eines Flussgottes, oder Silon, Zeus Sarapis: Revers: Blitz mit Thyrsosstab; Dioskurenlielmc mit den Sternen und einem Löwenkopf; Trauben, Gerste. Mit Wcrthzeiclicn: Kopf des Poseidon und Delphin (litral; Köpfe von Zeus Sarapis und Isis; Revers: Apollon (Dckonkion); Kopf von Apollon; Revers: Isis (Pcntonkion und Ilexas).— Ohne Werthzeielien, Avers: Kopf des jungen Dionysos; Revers: Die frommen katanäisohen Brüder (S. 616), oder auf dem Avers einer der frommen Brüder, seinen Vater tragend, und auf dem Revers der andere, seine Mutter tragend; zwischen den Füssen die Schlange; Avers: Kopf des Hermes ; Revers: Nike ; Avers: Kopf des Zeus Ammon; Revers: Göttin mit dem Füllhorn; Avers: Zeus Sarapis; Revers; Isis und Har- pokrates. Messana (Messina). Silber, unter dem Stadtnamen ZanJde (vor 490 v. Chr ). Avers: Zankle, sichelförmiges Hafenzeicben mit Delphin, Revers durch vier Kreuzstriche in neun Abtheilungen zerlegt, in der Mitte eine Kaxmn- musehel. — Zeit der archaischen Kunst (Ana- xilas, ca. 490). Avers: Haut eines Löwenkopfs; Revers: Messenion und Kalbskopf; oder Avers: Messenion und Hase; Revers: Biga mit Maulthieren, unten Olivenblatt. (Dann auf dem Avers: Messanion,)— Transitionszeit (nach 476): Messanion mit springendem Hasen; Revers: Maultliierbiga mit Nike und Oelblatt. — Klassische Zeit. Ebenso, die Biga aber von einer weiblichen Figur gelenkt; unter dem Unterstrich zuweilen Fisch und Künstlername Kimon ; unter dem Hasen manchmal ein Adler, welcher eine Schlange' verzehrt..' Avers: Kopf von Pelo- rias. mit Ohrringen und Aeliron, darunter ein Delphin; Revers: Pheraimou mit Helm und Speer. Avers: Springender lla^e, darunter Muschel oder Olivenblatt; Revers: Mes mit Olivenzweig. Bronze. Avers: Mes- sana oder Messanion, mit weiblichem Kopf, springendem Hasen, Kopf von Polorias; Revers: Biga mit Maulthieren, Fische, Dreizack. — Abnahmezeit. Avers: Kopf des Poseidon, oder des jungen Herakles, oder von Polorias; Revers: Dreizack mit Delphinen, Löwe, Krieger, Biga mit Lenkorin. — Mamertinerzeit (282—264 v. Ohr.). Bronze. Avers: Kopf des Adranos; Revers: Mainortin, und Hund; Avers: Kopf des Ares; Revers: Adler auf dem Donnerkeil; Avers auch Kopf des jungen lleraklgs, des jungen Zeus, des Apollon; Revers auch Stier, Krieger. Mit Werthzeielien: Kopf des Ares; Revers: Pallas (Ilexas). Kopf dos Zeus, oder des Ares, oder des Apollon, eines Kriegers (Pcntonkion); Avers: Kopf des Apollon, Revers: Nike (Hemilitron und Trias). Ohne Werthzeielien, Avers: Kopf des Zeus; Revers: Hermes; Avers: Kopf des Apollon oder der Artemis; Revers: Marne, Omplialos. Panorinos (Palermo). Silbe r. Trunsi- tiomperiode. Avers: Panortn., Kopf Apollons mit Lorbeer; Revers: Viergespann mit Siegesgöttin. Avers: Kopf einer Nymphe (I’a- normitikon); Revers: Rückwärts schauender Hund, darüber eine Muschel; Avers: Kopf des Flnssgottes; Rev.: Stiermit Menschengesicht. — Vor25i. Gold. Avers: Pallaskopf;Rovers: Etile; Avers: Apollonkopf; Revers: Leyer. — Abnahmezeit. Bronze. Avers: Pallasbüste mit korinthischem Helm; Revers: Persephonekopf, oder Triquctra (drei Beim'), an der Verbindung Gorgonenkopf; Avers: Zeuskopf; Revers: Adler mit Blitz ; Avers: Widder, zwischen den Beinen Januskopf; Revers: Adler; Avers: Weiblicher Kopf mit Kranz, Revers: Altar; Avers: Sitzender Hermes; Kopf der Persephone, Köpfe der Dioskurcn, Kopf der Demeter, der Aphrodite, des Zeus; Revers: Lorbeerkranz mit Panormitan; Scliiffsvor- dertheil; Taube; Krieger. Mit Werthzeielien ; Avers: Kopf des Janus mit Lorbeer; Revers: Portus mit Lorbeerkranz (As). Kopf des Zeus, Portus (Scmis). Kopf der Demeter; 5 3 54 Kimstgescliichtliclies (Münzen). Portus. Mit Namen römischer Magistrate (Zeuskopf, Krieger). Kaiserzeit: Kopf des Augustus und Triquetra; Augustus und Livia; Livia als Demeter und Widder u. a. Selinus. Silber, archaisch. Itevcrs: Das Eppichblatt (Selinoni, d. h. das Blatt der wilden Sellerie (apium graveolens), das noch jetzt an den Uiern dos Selinusflusses anzutreffen ist. Revers: Sechs vertiefte Dreiecke mit der Spitze nach dem Mittelpunkt, oder Viereck, durch Diagonallinien in dreieckige Folder getheilt. Mit Werthzeichen beim Eppiehblatt. Auch auf dem Revers Eppichblatt im Viereck. — Transitionsperiode. Avers : Der zuweilen gehörnte Flussgott Selinos, in der Tunken einen Zweig als Symbol der Reinigung, in der Rechten die Opferschale über einem bekränzten Altar mit giebelförmigem Aufsatz, daneben ein Hahn. Hinter dem Flnssgott auf einem Postament ein Stierbild, darüber ein Eppichblatt. Revers:. Vierge- spanu mit Apollon (einen Pfeil abschiessend) und Artemis (die Zügel führend). Avers: Der Flussgott Selinos, in der Linken mit buschigem Zweig, in der Rechten mit Opfer- sclialc über dem flammenden Altar, auf dessen Basis ein Hahn steht. Hinter dom Flussgott auf einem Untersatz das Bild eines Stiers mit Menschenantlitz, darüber ein Eppichblatt; Revers: Apollon und Artemis im Viergespann, unten ein Weizenkorn. Zu- . weilen über dem Eppichblatt eine Votivtafel mit menschlicher Figur; Avers: Herakles, den Stier niederkämpfend, mit der Keule zum Schlag ausholend; Revers: Ilyp- .sas, der gehörnte Flussgott, in der Linken mit abwärts geneigtem Zweig, in der Rechten die Opferschale über dem Altar, um welchen sich eine Schlange windet; r. ein Sumpfvogel, über ihm ein Eppicliblatt. (Die Tetradraclimcn und Didraclnnen dieser Epoche mit Selinos und Ilypsas, Apollon und Artemis und Herakles mit Stier beziehen sich auf die dem Empodokles ziige- schriebene Entsumpfung des Stadtgebiets zur Regulirung seiner Gewässer [S. 330J. Im Stier bekämpft Herakles die Wasserkraft, mit dem Pfeil verscheucht Apollon die Malaria, und dafür danken Selinos und Ilypsas mit Opfern am Altar des Asklepios [Hahn, Schlange] und der Hygieia [Gesundheit]. Der Stier, der die jUeberflntung svm- bolisirt, ist nun überwunden, und der Sumpfvogel findet keine Nahrung mehr und eilt vom Ilypsas weg.) Avers: Weiblicher Kopf mit dem Namen Eurymedon; Revers: Kopf des Flussgottes Selinos mit langem Horn und spitzemOhr, dahinter das Eppichblatt; Avers: Sitzende weibliche Figur, mit Kopfnetz, die Rechte gegen eine vor ihr aufgerichtete Schlange ausstreckend, die gegen ihre Brust andringt, mit der rückwärts erhobenen Linken hält sie das Ende ihres Gewandes schleierartig über das Haupt (Hygieia? Persephone?); Revers: Stier mit bärtigem Monschengesicht (verderbliche Kraft? Dionysos?). — Klassische Zeit. Avers: Flussgott, opfernd mit Schale über dem flammenden Altar, r. mit dem Lorbeerzweig, unter dem Altar der Hahn, r. der Stier auf dom l’iedestal; Revers: Viergespann mit der Siegesgöttin, darüber der Olivenkranz, darunter die Aehre; Avers: Herakles bändigt den Stier; Revers: Flussgott, am Altar opfernd; Avers: Kopf des bärtigen Herakles mit Löwenhaut; Revers: Viergespann und Eppichblatt. Auch gibt es sehr schöne Münzen von Himera (Hahn und Ilenne oder Krebs; Nymphe Himera und Quadriga oder Reiter; Kopf mit Horn, Fuss mit Flügel; Reiter auf einem Ziegenbock); — Thermae Hime- raeae (Hcrakopf, Herakles, Nymphe); — Ahnte (Palazzolo), Persephonekopf und Demeter; — Agyrinm (Adler, Herakles, Wagen, Stier, Leopard; Kopf des Flussgottes, dos Apollon, Zeus Eleuthcrios mit Blitz, Pallas, Ioiaos); — Kamarma (Pallas und Nike, *Herakleskopf und Viergespann; Flussgott I fipparis und Nymphe Kamarina mit Schwan ; Gorgonenhaupt und Werthzcielien [Kupfermünzen]); — Cevturipa (Kopf der Persephone und Leopard; Kopf des Zeus und Blitz [Dc- konkion], Kopf des Apollon und der Artemis [Ilemolitrou und Trias]); — Kephaloedion (Ocfalü; Herakleskopf und Keule); — En-nti (Castrogiovanni; Demeter mit Viergespann und Frau mit Fackel opfernd; Demeterkopf und Weintraube; Jüngling mit Speer und Schlangen, Gerstenkorn. Als Kolonie, auf dem Revers: Hades im Viergespann und lVrsoplione; Avers: Demeterkopf); — Kryx (Adler und Krebs; Aphroditekopf undHund); ■— (j'ela (Terranova), Zeus Sotcr und Flussstier; Quadriga oder Reiter); — Leonfini (Löwenkopf und Viergespann, Frauenkopf mit Gerstenkörnern, Apollonkopf); — JAlyhacon (Marsala; Apollonkopf);— Segesta (Nymphe Segesta und Hund); — Tauromenion (Taormina, Apollonkopf und Dreifuss oder Stier mit Monschengesicht); — Tyndaris (Revers die Dioskuren), Advanon, Alacsa, Amestra- tos, Assoros, Kalakte, Entella, Ilybla, Me- gara, Motya, Naxos u. a. Aus der Zeit der Byzantiner und der Saracenen sind keine Monumentalwerke erkalten. Um so reichere Schätze hin'or- liessen die Normannen. Wie feindlich sie auch gegen die Saracenen auftraton, so wussten sie doch die Vorzüge ihrer geselligen und künstlerischen Kultur wohl zu schätzen und sich rasch die Formen dieses Lebens anzueignen. Die Fürsten aus dom Hause Hautcville bauten sich Paläste in maurischem Stil, schon König Roger errichtete die Lustschlösser Minemium und Favara mit prächtigen Parkanlagen und Teichen; von letzterem stehen noch bedeutende Ueberreste bei Maredolce. Sein Sohn, König Wilhelm I. (gest. 1166), entwickelte die Pracht der Lustschlösser weiter, von ihm ist noch die Zisa in wichtigen Theilen erhalten. Unter seinem Nachfolger König Wilhelm TI. (gest. 1180) hob sieh der Glanz dieser Parkburgen so sehr, dass ein arabischer Reisender sie mit dem Pcrlensehmuck eines schönen Mädcheuhalses vergleicht. 55 Kunstgescliiclitliclies (Kirclienbanten). 5G Diese Paläste waren von arabischen Baumeistern errichtet worden, mit arabischen Inschriften verziert und folgten noch dein Baustil der sicilischen Araber; sie sind von rechteckigem Grundplan, steigen burgartig als hohe, imposante Vierecke auf, die Geschosse aussen mit spitzbogigen Fenstern, Arkaden und Blenden geschmückt, durch wagrechte Gesimse geschieden, die Empfangsäle mit Stalaltitengewölben und Nischen, die Wände mit Marmor und Glasuren, der Abschluss ein Zimmerkranz (Zisa, Cuba bei Palermo). Wie die Devisen der Münzen und die Diplome jener normannischen Zeit auch in arabischer Sprache abgefasst waren, der Hofstaat, die Gesetzgebung und Regierung dem arabischen Vorbild folgten, selbst von dem Christenthum sehr abweichende Sitten im Umgang mit Frauen anfgenommen wurden, so folgte den Normannen auch in ihre Kirchenbauten, obschon die Könige orthodoxe Lehnsträger des Papstes waren, das arabische Element. Von diesen Kirchenbauten, unter denen einige zu den bedeutendsten Kunstwerken Siciliens gehören, ist noch eine ziemliche Anzahl erhalten, La Martorana (1143 vollendet), S. Giovanni degli Ere- miti (1148 vollendet), La Magione (1150), S. Cataldo (llöl vollendet) und als die herrlichste Kirche Siciliens die Cappella Palatina, welche diesen Werken vorausging (1129—40). Alle diese Bauten gehören Palermo an. Vom dortigen Dom blieben leider nur Theile der Aussenscite (von 1180) noch in ihrer ursprünglichen Form. Dagegen zählen zwei Kathedralen ausserhalb Palermo^ zu den berühmtesten Kunstschätzen der Insel, der Dom von Monreale (1174—89j und der Dom von Cefalü, dessen Gründungsstein König Hoger 1131 legte. In allen diesen Bauten herrscht der arabische Spitzbogen, und zwar nicht in der hohen konstruktiven Bedeutung des gothischen Stils, sondern noch als ornamentaler Schmuck, ein Unterschied, der sich etwa wie die orientalische Dichtung zum nordischen Nationalepos verhält. Was der arabische Stil aus byzantiuischer Tradition aufgenommen, und was diese wieder aus Kom bewahrte, sowie was der abendländische Kultus forderte, das tritt in diesen Bauten mehr oder weniger wieder stärker hervor, und sie haben daher sowohl für das tiefere Eindringen in die Entwickelungsgeschichte dieser verschiedenen Elemente als für die unmittelbare Anschauung einen ganz eigen- thümlichen Reiz, der sich in den vollendeteren Werken bis zum höchsten Zauber dichterischen Genusses steigert. Der Grund- plan kann bei den einen mehr byzantinischer (byzantinische Centralanlage mit qua- dratischem Grundriss und byzantinischer Kuppel), bei den anderen ein mehr abendländisch-romanischer genannt werden, der, eigenthiimliche arabische Spitzbogen (dessen Originalvorbild in einer Moschee zu Kairo nachgewiesen wurde) aber ist allen gemeinsam , er ist bedeutend überhöht, läuft breit und stumpf zusammen und hat ein rechtwinkliges Profil, eine wirklich organische Gliederung geht ihm ab; die Säulen sind mit antiken Kapitalen und Basen oder denselben nachgebildeten geschmückt, sie stehen weit von einander ab und steigern so in Verbindung mit der Höhe der Bögen den Eindruck des dichterisch Freien, zur Höhe Strebenden, doch fehlt der Säule die vermittelte konstruktive Verbindung mit der Oberwand. Nur kleine, schmale Fenster erhellen die hohen Seitenschiffe der grösseren Bauten, und noch kleinere treten in deren Mittelschiff über die Spitzen der Bögen. Der Chor hat bei allen diesen Kirchen drei Nischen (Conchen); auch bei den grösseren Bauten sind keine eigentlichen Querschiffe vorgelegt, denn diese bilden mit dem Chor eine durch den Kultus bedingte Einheit, steigen daher mit einigen Stuten über die Gemeindekirche auf, sind aber mit den drei Apsiden unmittelbar verbunden und haben ihre wesentliche Bedeutung als Kuppelträger. Die Kuppelverbindung mit den vier im Quadrat aufgestellten Säulen, den hohen Spitzbögen und Eckgewölben folgt noch der orientalischen Weise. Die Majestät des Kultus findet aber erst in der prachtvollen Auskleidung dieser Bauten ihren entsprechenden Ausdruck, sie ist das herrliche glanzvolle Gewand über die noch dürftige konstruktive Gliederung; Marmorinkrustationen und reiche Ornamente strahlen an den Wänden, Mosaikgemälde von der glänzendsten Farbenpracht und ergreifendster Wirkung lieben sich von dem leuchtenden Goldgrund ab. Diese, mit den Kirchen gleichzeitigen Mosaiken, die zu den wirkungsvollsten und fesselndsten Kunstschöpfungen des mittelalterlichen Siciliens gehören, rühren wahrscheinlich von griechischen (byzantinischen) Arbeitern her, die theilweise schon in Süditalien (z.B. Capua, S. Angelo in formis, S. Giovanni) beschäftigt waren, oder aus Konstantinopel selbst kamen; möglicherweise setzten auch unter den Saracenen byzantinische Christen das Mosaiciren fort, doch konnte sich die kirchliche Verwendung dieser Kunst nicht ausbilden. Die ersten dieser sicilischen Mosaiken (im Dom zu Cefalü 1148) sind die tüchtigsten, sowohl in Würde und Adel der Auffassung als in der Technik. Wenn auch in Figuren und Gewandung ein wesentlich byzantinisches Element sich geltend macht, so erfreuen doch in den vollendeteren Partien dieser (von verschieden geschickter Hand ausgeführten und vielfach restaurir- ten) Mosaikgemälde eine bewunderungswürdige Farbenhannonie, sorgfältige Zeichnung (an die klassische Zeit erinnernd), Sinn für Plastik und Perspektive in einer weit über die älteren byzantinischen Vorbilder übergreifenden kunstfertigen Darstellung. — Haben auch die Mosaiken in der Cappella Palatina, Martorana und Kathedrale zu Monreale nicht mehr diese Höhe erreicht, so stehen sie immerhin weit höher als die gleichzeitigen römischen. Ein Jahr- 57 Ktmst^esdiicliUiclies (Malerei. Bildhauerei). 58 hundert später überflügelten diese jedoch die sieilisehen, wie die Mosaiken im Dom von Messina zeigen. Einen hohen Kunstgenuss gewähren auch manche mittelalterliche Kreuzgänge, unter denen vor allen die Kapitale des Kreuzgangs von Monrealc, welche unter Wilhelm II. ausgoi'iihrt wurden (1180), hervorragen ; sie sind sammt mehreren ihrer Säulen das Herrlichste, was die sicilisehe Elastik im Mittelalter schuf. — Vielerorts in Sieilien trifft man auch noch auf reichverzierte normannische Por ta 1 e, von denen auch aus der gothUvhen Kun*tzeit eine grosse Anzahl vorhanden ist (das bedeutendste am Dom von Messina). Paläste aus der gotlii- sehen Zeit sind, wenn auch meistens verbaut, fast in jeder grossem Stadt, die nicht durch Erdbeben um ihre alten Kauten kam, zu finden (die schönsten in Palermo). Die Renaiss an ce z e it ist in Monumentalbauten nur schwach vertreten, dagegen hatte die Malerei sowohl in Palermo als in Messina sehr tüchtige Vertreter in drei verschiedenen Epochen. Die sicilisehe Kunst hat zwar nach dem Schluss der normannischen Periode ihren frühem Glanz nie wieder erreicht. Aber im Jalirli. fand Antoncllo da Messina in den Niederlanden die Bildungselemente, welche ihn zu einem der bedexxtendsten Künstler seiner Zeit erhoben. Nach Vasari studirte er die Zeichnung in Rom, arbeitete einige Zeit in Sieilien, sah dann in Neapel ein Gemälde des Jan van Eyck, das dieser für Alfonso I. von Aragonien gemalt hatte, und zwar mit einem neuen Bindemittel (Oelfarbe), das dem Antonello durch seine Glätte und Haltbarkeit und andere Eigenschaften so bemerkenswertli schien, «lass er alle anderen Arbeiten und Pläne aufgab und sieh nach Flandex*n begab, wo er das Geheimnis der neuen Malerei erlernte. Gegen 1465 kehrte er nach Italien zurück und verweilte bis Ende 3472 zu Messina; dann reiste er nach Venedig, wo er auch stai’b. Unzweifelhaft echt sind zwei Bilder von ihm in Messina (Museo), welche sowohl das Studium der flämischen Vollbilder als seine Eigenthtimlichkeit. (weicliex-e Verschmelzung der Farben, künstlerischex*e Modellirung und Auffassung des Gegensatzes von Licht und Schatten) zeigen. Antonello hat die italienische Kunst ausserordentlich gefördert (dadurch, dass »er seiner Färbung Glanz, Wärme und Durchsichtigkeit verlieh und in der Modellirung Weichheit, Fluss und Breite erreicht«). — Als ein sehr tüchtiger Maler trat Antonio Crescenzio ungefähr gleichzeitig in Palermo auf, der in seinem Fresko »Triumph des Todes« (Caserma di S. Spi- rito zu Palermo) ein Wei’k schuf, das den gleichzeitigen Florentinern nahe steht und die Fresken in S. Severino zu Neapel, mit denen es Verwandtschaft zeigt, iiber- trifft. — Antonello de Saliba, in Messina ansässig, wurde oft, weil in seiner Manier sich das Studium des Antonello da Messina geltend macht, mit diesem verwechselt- Sein bestes Bild ist in »S. Niccolö zu Catania. — Tomviaso de Viyilia, Pietro Ituzvlone haben wahi’seheinlieli xnit diesem Antonello unter demselben Meister gelernt. »Alle drei sind sein* sorgfältig, aber nüchtern in der Zeichnung, eintönig in der Färbung des Fleisches und zaghaft im Helldunkel, doch bildete sich Saliba noch am weitesten aus, indem er die Gemälde Antonello’s von Messina studirte«. — Antonello da Palermo war der Solni des Antonio Crescenzio, stand unter lombardischem Einfluss (Gangia zu Palermo) und kopirte ltaflael (Sciacca). — Der raf- J'aelische Einfluss ist in der zweiten Epoche der sicilianisclien Malerei am liei’vorragcnd- sten hei Yincenzo Aineinolo wahrzuuehmen, Maler von Palermo (Museo), der in seiner Heimat dieselbe Stellung (Cr. u. Cav.) ein- nahm, wie Andrea da »Salerno zu Neapel, wo Ainemolo wahrscheinlich Perugino’s Himmelfahrt Mariä studirte; er soll in Rom gleichzeitig mit Polidoro da Caravaggio in die Schule Raffaels eingetreten sein. Von da kam fcr nach Messina (S. Fi*ancesco), wo er mehrere Jahre verweilte, dann kehrte er nach Palermo zurück, wo er 1540 starb. In seinen besseren Bildern leistete er Vorzügliches, durch Raffaels Einfluss sichtlich bedingt (»dabei zeigte er grosse Leichtigkeit der Behandlung und ein weiches, warmes Kolorit, doch zeigt sich in seiner Zeichnung stets eine gewisse Obei’fläclilichkeit und in seinen »Schatten etwelche Flauheit«). ■— In Messina hatte jener Polidoro da Caravaggio, ein greller Naturalist voll kühner Energie und Leidenschaft, doch ohne Adel in den Fonnen, eine Schule gegründet, dei*en bedeutendster Repräsentant, Deodato Guinaccia (gost- 1585) aus Neapel, stets in Messina blieb. Als der bedeutendste Maler auf der Scheide des Jahrhunderts that sich Alfonso Rodriqucz (geb. 1578 in Messina, gest. 3648) hervor; während man ihn den Cai*acci >Si- ciliens nannte, ei’hielt Antonio Barbalonga (geb. 1600 in Messina, gest. 3640) den Namen des Domenicliino der Insel. Als Gründer der neuen Messineser »Schule that sich Simone Comande (1580—1634) hervor, der sich an den Venetianern hcranbildete. Aus seiner Schule ging Catalano il giovane (geb. 1585) hervor, während dessen Vater dem Federigo Ba- l’oceio nacheifex’te. — Am bedeutendsten ragte aber unter allen Malern des 17. Jahrli. Pietro Novell! von Monreale (daher il Mor- realese) hervor (geb. 1603); er schloss sich an die idealistische neapolitanische Schule an, wusste Charakterköpfe übei*aus lebensvoll darzustellen, und zeigt viel Verwandtschaft mit der spanischen Schule, namentlich im Kolorit und in der energischen Darstellung des Leidenschaftlichen sowie in der Luftperspektive und den Stimmungsmotiven. In der Bildhauerei glänzte in der Re- naissancezeit namentlich Antonio Gagini voxi Palermo (geb. 1480), der sich auch in seinen Söhnen tüchtige Nachfolger schuf. Skulpturen der edelsten Pracht und übei*aus zahlreiche Statuen tragen seinen Namen; seine 59 Geschichtliches (Sikaner). co gesicherten Werke haben in Lebenswahrheit, Würde und Milde viel Verwandtschaft, mit denen von GiovanuiMerlia.no vonNola. Dem Ornament und den Holzschnitzereien in Sicilien, unter denen sich aus alter und neuer Zeit viel Ausgezeichnetes findet, sollten auch Kunstlaien ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Früher gebräuchliche Längenmasse: 1 Palmo — 0,25ö Meter. 3,87 Palmi 1 Meter. 1 Canna = 8 Palmi (der Palm zz 12 Once zu 12 linee) z= 2,004 Meter. Zur Geschichte. (Die Geschichte der Grossstädte und ihrer Gebiete findet sich specieller in der Einleitung zu denselben behandelt.) Die Insel war zu allen Zeiten so ergiebig und schön, so vorteilhaft an den Völker- thoren gelegen, dass es ihr nie an Bewerbern fehlte. Der semitische Stamm brachte ihr Kandel und Industrie, die Griechen bereicherten sie mit klassischer Bildung und erhoben Syrakus zur glänzendsten Stadt ihrer Zeit, und als die karthagische llandelsmacht und (las klassische Athen sie um ihroEigen- t.hüinlichkeit bringen wollten, vermochte das sicilische Grieehcntlium nach schweren Verlusten sich beider zu erwehren. Sie unterlag der römischen Macht, hatte aber durch die Hülfe von Syrakus den Sieg Boras über Karthago wesentlich gefördert und wurde nun lebendiges Glied in dem Organismus der Küstenstaaten des Mittelmeers. Born brachte ihr auch das Christenthum. Später fiel die Insel Ostrom anheim, und dann wurde sie eins der bedeutendsten Beiche der Araber, trieb neue Blüten unter diesen, bis die nordische Macht der Normannen ihr auch die neue romantische Kultur des Bitterthums verlieh und die hohonstaufischcn Kaiser, deren bedeutendster Deutscher, Sicilianer, Normanne und Araber zugleich war, die normannische Kultur absclilossen. Der französischen Herrschaft der Anjou’« entzog sich die Insel durch die blutige Sicilianische Vesper, aber durch den nächsten Anverwandten der Hohenstaufen, den Schwiegersohn Manfreds, König Pedro, fiel Sicilien an Aragonien, dann an Neapel und an »Spanien und durch dieses an die Bourbons, bis ein ausser.st kühner patriotischer Feldzug die Insel mit dem grossen Nationalreich Italien vereinigte. Diese allzu üppige geschichtliche Entwickelung des Landes hat durch die steten Kämpfe in ihrem Gefolge, und am meisten durch Hingabe an Herrscher, welche ihre wesentlichen Literessen nicht mehr in »Sicilien hatten und die reiche Insel zum Vasallenstaat herabsetzten, die beste Kraft derselben gebrochen, und macht nun beim Anblick der Hinterlassenschaft der grossen Werke der Griechen, Römer, Araber (welche die Bodenkultur zu neuer Entfaltung brachten) und der Normannen um so mehr den Wunsch rege, dieses verlorne Paradies von seinem Fluch befreit zu sehen. Urzeit. Der ursprüngliche Name der Insel war Pikanten, dann nach der Ankunft der Sikcler aus Italien Sikelien, bei den : Dichtern TrinakHa, als Umdeutnng der homerischen Thrinakie (Odyss. XI, 107), d. h. der dreizackigen (Insel des Poseidon), eine Bezeichnung, die man auf die drei vortretenden Landspitzen bezog. Die Römer nannten sie deshalb auch THguetra, d. h. dreieckig, ein Name, der auch auf die eigenthüm- liche, auf sicilischen Münzen im 4. Jahrh. v. Chr. vorkommende, yieilien symboli- sirende Figur: Drei gebogene Menschen- beine, die speiehenartig von einem Mittelpunkt (oft einem Gesicht) auslaufen, übertragen wurde. Als Ureinwohner der Insel nennt Strabon (nach Ephorus) VI, 2 die Iberer; ihnen werden jetzt auch die Fcuer- stein-Geräthscbaften zugeschrieben, die man liier und da mit fossilen Thierknoclien (z. 13. in der Grotta S. Teodoro, östl. von Caro- nia) findet. Eine zweite Urbevölkerung Siciliens, die sich noch theilweise in der historischen Zeit ei’hielt, sind die Sikaner, denen die Sikcler folgten. Nach Pausanias (V, 2ö) sind Sikaner und Sikcler aus Italien herübergekommen, und nach Virgil (XI, 317) waren sie alte Bewohner Latiums. Die Sikaner trennten sieh von ihren Stammgonossen daselbst und zogen nach Sicilien, wo sie zuerst über die ganze Insel verbreitet lebten. Diodor (V, 6) erzählt: Die Sikaner wohnten ehemals in Dörfern zerstreut und die Städte bauten sie zum Schutz gegen die Räuber auf für die der Verthcidigung günstigen Anhöhen, denn sie standen nicht unter eine?« König, sondern jede Stadt hatte ihren eigenen Herrscher. Zuerst bewohnten sie die ganze Insel und schafften sich durch den Feldbau hinreichenden Unterhalt. Später aber, als die Ausbrüche des Aetna mehrere Orte trafen und einen beträchtlichen »Strich des Landes zu Grunde richteten , und diese Verheerungen mehrere Jahre fortdauerten, verliessen die »Sikaner den östlichen Tlieil von Sicilien und wanderten in die westlichen Gegenden hinüber. Sikanisc.he Städte waren Kamikos (oberhalb Caltabellot.ta), wo jetzt das sogen. Castelle (94t) m. ü. M.) steht, sowie llykkara (Garbolangi, westl. von Palermß), die Stadt der schönen Lais, und (als nicht von Phö- nikoru, Elymern und Griechen besetzt) Ha- likyai (»Salem i, 442 m. ü. M.), Sehera (Cor- leone), Triokafa (bei Caltabellotta, S. Maria a Monte Vergine), Herbessos (le Grotte), Nisa (Caltanisefta). Viele Mensehenaltcr nachher kam das gesaimnto Volk der Sikeler von Italien nach Sicilien herüber und liess sich in der von den Sikanern verlassenen Gegend nieder. Da die Sikeler ihr Gebiet immer weiter ausdehnten und in der Nachbarschaft, plünderten, so kam es zu häufigen Kämpfen zwischen ihnen und den Sikanern, bis durch einen Vertrag die Grenzen bestimmt wurden. Nacli Thukydides (VI, 2) fanden diese Kämpfe schon anfangs statt, indem die <51 Geschichtliches (Phöiiiker). 02 Sikeler mit grossen' JTeeresmacht nach Sici- ILeu kamen, die Siknnor in oinom Treffen überwanden und in die mittäglichen und westlichen Tlioile der Insel verdrängten, wonach Sikanion Silcclien benannt wurde (dies habe sich 1033 v. Clir. ereignet). Die Sikeler erhoben sich zu einem weit bedeutendem Volksstamm ; auch ihre Sprache bezeugt, dass sie, ein Volk italischen Stammes, mit den Latinern stammverwandt waren. Dionys. Halic. (I, 0) gibt sogar nach den ältesten Nachrichten an, dass die Sikelor Rom zuerst inne gehabt haben (auch werden Aricia, Gabii, Tibur und andere Städte des untern Tibergebiets als ihre Gründungen oder Niederlassungen bezeichnet; ein Theil von Tibur [Tivoli] hiess Si- kelion, und in der Nähe gegen Subiaco hin liegt Siciliano, welcher Name auch sonst noch als Ortsname im mittlern Italien vorkommt). Bei llomer gelten die alten Sikelor der Insel als Sklavenhändler (Odyss. XX, 382: »Lass uns die Fremdlinge doch im beruderten Schiffe verpacken, Und zu den Sikelern senden, das gab’ ansehnlichen Kaufpreis!«), und eine in Theben 1807 auf- gefundenc hieroglypliische Inschrift bezeugt, «lass sie (die Sakala) 1200 v. dir. sogar in Aegypten mit Bundesgenossen einen Einfall machten, aber freilich erlagen. Thukyd. (VI, 2) berichtet, dass Sikeler noch zu seiner Zeit in Unteritalieu wohnten. Auf der Insel blieben sie auch nach der Ankunft der Griechen noch lange ein tüchtiges, reges, sich selbst regierendes Volk, dessen [Städte meist im Jiinnenlund lagen, und das seinen Kern um den Simcto herum hatte, wo sie auf den Hohen wohnten und ein eigenthümliches nationales Leben führten. Silcelische Städte waren: Herbita (Troina oder die Ruinen bei Casalini), Kapytion (Capizzi),Galaria (Gagliano), Assoros (Asaro) mit dem Tempel des Flussgottes, Agyrion (Agirö) mit. seinem Herakleskultus, Autosalon (Regalbuto), Kentoripa (Centoripc), dessen fünf Spitzen nach dem Kern (los Landes schauen, Jlybla (Adorno) geleatis, Inessa (Civita ; hiess eine Zeitlang Aetna), lma- ehara (Imbaee.ari). Ergetion (auf Monte Ci- tadolla bei Aidone), Eryke und Neai (bei Caltagirone), Monai (Mineo), Echotla (Oc- chiola bei Gramnichele), Herbessos (oberhalb Sortino, unweit Syrakus), Akrai (Pa- lazzolo), Nccton (das frühere Noto), Helo- ros ibei der Mündung des Abisso), Motyke (Modica), llybla lleraia (bei Chiaramonte), Maktorion (Oastelluzzo bei Terranova), Ichana (bei der Insel Vindicari), Petra (Pc- tralia sopraua), Engyon (S. Benedetto bei Gangi), Paropos (bei Gollesano), Keplialoi- dion (Gefallt, wohl von den PhÖnikem angelegt, aber später nur von Sikelern bewohnt), Amestratos oder Mytistraton (Mi- stretta), Apollonia (auf Monte S. Fratello), eine Sikelerstadt später Gründung, Aga- thyrnon (S. Martino), Aloution (S. Marco), schon in der Aeneassage vorkonunend, Aba- kainon (bei Tripi), Tissa (Randazzo) und der Nabel Sicilieus, Henna (Castrogiovanni), damals eine Grenzstadt gegen die Sikaner und nur in der Mitte des <>. Jahrh. hellenische Gemeinde, wohl schon vor den Griechen Sitz des Kultus der Demeter, d. h. der fruchtbringenden Erde. Eins der bedeutendsten Heiligthiimer der dem Naturdienst obliegenden Sikeler lag am See der Paliken (Lago Naftia bei Palagonia, zwischen Cal- tagirone und Catania), einem Krater, aus welchem ununterbrochen Perlensclnnire von Luftblasen, ein Gemisch von Schwefelwasserstoff und Kohlensäure, wie aus einem siedendenKessel, aufsteigen, wonach über der Fläche des Sees eine tödliche Schicht liegt; auf der Oberfläche schwimmt die Naphtha. Dieser heilige Bezirk war zugleich ein Asyl für die Sklaven, die heiligsten Reiniguitgs- eide wurden hier geschworen. Daher baute der .sikelisclie Nationalfürst Dukctios seine neue Hauptstadt hier auf. Zu den Ureinwohnern Siciliens segelten früh die Phöniker und gründeten im 11. bis t>. Jalirli. v. Ohr. Niederlassungen. Thukyd. (VI, 2) berichtet: Auch Phöniker wohnten dort, welche in ganz Sicilien umher die Landspitzen am Meer und die nahe liegenden kleinen Inseln wegen des Handels mit. den Sikelern besetzten. Als aber die Hellenen in grosser Anzahl zur See sie befehdeten, zogen sie nach Motye, Soloeis (So- lanto) und Panonuo* (Palermo) zusammen, und wohnten so in der Nähe der Elymer, im Vertrauen auf die Bundcsgcnossensebaft derselben, und weil von dort aus (das stammverwandte) Karthago Sicilien sehr nahe liegt. Noch deuten Ortsnamen orientalischen Ursprungs und Mittheilungen über orientalische Kultusgebräuche auf die ursprünglichen Wohnsitze der Phöniker (das Vorgebirge nördl. von Messina, wo Orion, ursprünglich ein orientalischer Heros, verehrt ward); die Heraklesmythe, welche eine orientalische Grundlage hat, deutet auf Niederlassungen in Leontini und Syrakus; liier auch das orientalische Stieropfer bei der Kyane (und das Menschenopfer); bei der Stadt Heloros (nahe der Südspitze der Insel) wird ein Hafen Phoinikos erwähnt; das Vorgebirge Pacliyuos deutet auf das phöni- kische Paehum, Warte; Kamarina an dm* Siiilkii.ste auf Kamar, Stein; Makara bei Capo Bianco auf Melkart (griech. Makareus [den oriental. Herakles]). Den Namen von Solinus will man auch ^ou dem semitischen Sela (Felsenstadt) ableiten, Mazzara bedeutet Kastell; Motye, Marsala gegenüber, kommt auch in der Heraklessage vor, und man fand daselbst eine pliünikische Inschrift; Panormos (Palermo), das zwar einen griechischen Namen hat (allumfassender Hafen\ liiess phönikiscli wahrscheinlich Maclioscli- bin (Lager der Buntwirker), ein Name, der auf Münzen vorkommt. Soloeis (Solanto) bedeutet etymologisch wahrscheinlich Felsenstadt, auch war ihr Name in die Hera- klessage ausgenommen; Himera ist seiner warmen Bäder wegen auch mit Herakles in Verbindung; im Binnenland deuten die auch in semitischen Gegenden vorkommenden Geschichtliches (Elymer). 64 6 » Namen von Arbela, Ametha, Tabai (Tavi bei Leont'orte) und die an panische Namen anklingenden von Aineselon, Bidis, Mak- toryon, Motyka, Inykon, sowie die in ka- naanitischen Gegenden vorkominenden Ata- byrion, Cena, Helkethion, dann die aus semitischen Wurzeln zu erklärenden Namen von Amestraton, Kabala, Solusapre u. a. auf die pliönikischen Niederlassungen. Jene Elymer, in deren Nähe die Phö- niker wohnten, galten als ursprüngliche Trojaner; sie gründeten Scgcsta und Kryx (bei Trapani) und standen mit den Phönikern in engen Beziehungen auch durch den Kultus der Astarte (Aphrodite, Venus), die ihre heimische Stätte unter den verschiedensten Namen in einem grossen Thcil des Orients hatte. Da eine Landschaft, in Persien, Ely- mais, von Elyxnäern bewohnt wurde, und der persischen Aphrodite Hunde heilig waren (die sich auch auf Münzen von Segesta, wie auf Münzen vonMotye, Panormos und Selinus finden), so scheinen die Elymer ein Gemisch von Persern, Phönikern und Troern gewesen zu sein. Sie verbanden sich daher mit den Phönikern und Karthagern gegen die Hellenen, welche sich an der Westküste Siciliens niederlassen wollten. Da auch an der ligurischen Küste elymische Namen sich finden: Eryx (Le- rici), Segesta (Sestri), Entella (ein Fluss), so scheint danach eine ihrer Kolonien nach Ligurien gezogen zu sein. Von den Städten der Elymer sprechen nur noch die Ruinen bei dein berühmten Segestatempel, die geringfügigen Reste auf Monte S. Giu- liano bei Trapani, wo auf hohem Berg sich der berühmte Venustempel erhob, endlich die Andeutungen von Entella beim jetzigen Rocca d’Entella. Die Phöniker brachten auch den Kultus des Gottes Adranos (Kriegs- und Feuergott: der Moloch der Palästinenser) nach Sicilien, der am Aetna einen Tempel (mit Hundekultus) erhielt, wo 400 v. Chr. Dionys I. die Stadt lladranon (Aderno) errichtete. Man hält auch jenes (S. 00) Triquetra- zcichcn, das auf späteren sicilischen Münzen vorkommt, für ursprünglich semitischer Herkunft; es soll den Sonnengott in den drei Jahresgestalten symbolisiren. Die Phö- niker mehrten und verbesserten nicht nur Handel und Industrie in Sicilien (Weberei), sondern sie hoben auch den Fischfang, die Kultur der Fruchtbäume und die bildende Kunst (Daidalos arbeitet auch für das Hei- ligthum der Aphrodite). Von pliönikischen Baure^ten hat sich noch einiges erhalten, in Sparano, zwischen Palazzolo und Noto ein Ring von fünf aufrechten Steinen, welcher eine auf bequemer Treppe zugängliche Sub- struktion umscbliesst, in deren drittem Gemach die linke Wand ein phönikisches Schriftzeichen trägt; ein oberhalb Cefalü an die Rückwand des Bergs sich lehnender Hausbau mit Gang und zwei Kammern, auf Monte S. Giuliano Mauerreste Snit Mauer- thlirmen und Bruchstücken des Astartetem- pcls; westl, von Collaso Reste der Stadt Pa- ropos; dann vielerorts Gräbergrotten, namentlich bei Palazzolo, wo die Frauengräber und Männergräber in verschiedener Richtung lagen und die völlig erhaltenen Skelette deutlich den pliönikischen Körperbau erkennen liessen, die Grotten bei Sciacca, dessen HÖlilenbäder noch aus dem Felsen gehauene Sitze zeigen, u. a. Die berühmten Gräbergrotten des Val d’Ispica sowie die zahlreichen »Ddieri« genannten Gräberhöhlen gehören wahrscheinlich der vorgriechischen sikanisch - sikeli- sehen Periode an. Ihre hohe Kulturbedeutung erhielt die Insei erst durch die Hellenen. Bei ihnen galten als die ältesten Bewohner Siciliens die Kyklopen und Lästrygonen, der Gott des Meers ist Vater des Trinakros, des Si- kelos, des Kyklopen Polypbem, des Eryx. Aber die homerischen Irrfahrten des Odysseus verknüpfte erst eine spatere Zeit mit Sicilien, versetzte die Kyklopen an den Oststrand der Insel unterhalb des Aetna, Hess den Odysseus an der Insel davor landen und nachher den Polyphem jene riesigen Felsstüeke auf ihn werfen, dann die Fahrt zu Aiolos auf den Liparischen Inseln fortsetzen, und zurückgetrieben den Odysseus bei Leontine landen, wo die menschenfressenden Lästrygonen wohnen und ihm alle seine Schiffe zerstören (bei der Mündung des Porcari). Später zieht der Heros noch durch die Meerenge von Messina, sieht hier die Charybdis, wie sie »das dunkele Wasser hinabschlurft (Odyss. XII, 104); dreimal speit sie es täglich empor und schlürfet es dreimal fürchterlich ein«. —- Nun landet Odysseus an der Insel Thrina- kia, wo die Herden des Gottes Helios weiden, also an der Landzunge von Milazzo. Sicilien war lange noch bei den Griechen ein unbekanntes Märchenland, gefürchtet wegen dev Unsicherheit dev Schifffahrt und der Thatkraft der Phöniker, die, neidisch auf jede fremde Mitbestrebung, fremde nach Sicilien gelangende Schiffe anfielen und zu Grunde richteten. Die Niederlassung von Chalkidieru zu Kyme (bei Neapel) ca. 900 v. Chr. musste die Ostküste Siciliens bei den Giiechen schon bekannter machen. Die Verehrung des Poseidon ist wahrscheinlich von Ioniern in sehr alter Zeit nach Sicilien gebracht worden, ebenso ist der Kultus des Apollon schon vor dem 8. Jahrh. aus Kleinasien nach Sicilien gekommen. Der Dichter Nikandros gibt an, dass zuerst von allen Griechen Aetolier nach Sicilien gekommen seien, und zwar nach Ortygia (Syrakus), das vielleicht seinen Namen von ihnen erhielt, denn Ortygia liiess auch ein Ort in Aetolien. Palermo (Panormos — grosser Hafen) mag seinen griechischen Namen auch von Halbgriechen haben, die in uralter Zeit den Hafen benutzten. Westgriechen brachten wohl den Kultus der Artemis. Die Kreter, die neben ihren semitischen Anschauungen ein griechisches Element aufge- nommen hatten, traten schon sehr früh mit den Ureinwohnern in Verbindung, und in den 65 Gesclnclitlichos (Hellenen). CG Sagen von Daidalos, der dom Zoni dos Minos zu Kreta mit seinem Sohn Ikaros durch die Luft entfloh und die freundliche Aufnahme in Sicilien mit dem Fcstungsbau von Kamikos, der Heilgrotte von Selinunt, der Erweiterung des Apliroditetempels auf dem Eryx und der Mauereindämmung des Flusses Alabon (Megara) belohnte, sowie in den Sagen von Minos, der den Daidalos nach Sicilien verfolgt, bei Herakleia Minoa landet, dann in Kamikos seinen Tod findet und ein prächtiges Grab erhielt, wonach die zurückgebliebenen Kreter sich in Minoa niederliessen, andere die Stadt Engyon (G-angi) gründeten und dort den Kultus der Mütter, als der Ernährerinnen des jungen Zeus, einführten, spielen in die semitischen Elemente schon griechische hinein. Aber die wirkliche Gründung von griechischen Pflanzstaaien in Sicilien begann erst im 8. Jahrh. v. Chr. Die Griechen waren bei ihrem Eintritt in die Geschichte ein Wandervolk; die Dorier zogen aus dem N. in den Peloponnes, dann breiteten sich die griechischen Kolonien nach O. in Kleinasien aus, und endlich auch westwärts nach Italien und Sicilien. Ihrer geographischen Lage entsprechend kamen Achäer nach Süditalien, Ionier nach Katane undLeontini, Dorier nach Syrakus. Der Ilat.h des delphischen Orakels (einer sehr intelligenten Auswanderungs-Agentur) wählte bei der Zunahme der Bevölkerung mul dem politischen Wechsel den Westen in sehr einsichtiger Weise; die hellenischen Städte und Staaten in Sicilien sollten keine blossen Handelsemporien des Mutterlandes sein, sondern neue, vervollkommnetere Grie- chon.staaten, mit den Kulten der Mutter- stadt, in Ehrfurcht und Liebe aber frei mit ihr verbunden. So waren es zwar zwei der bedeutendsten Handelsstädte der Griechen, das ionische Chalkis und das dorische Korinth , welche die ersten wirklichen Kolonisationen in Sicilien gründeten, aber das weitere Gedeihen dieser festen Niederlassungen blieb Aufgabe ihrer freien Entwickelung. 7;35 v. Chr. wurde Naxos gegründet (unweit Taormina auf Capo Schisö) von Chalkis aus, das Jahr nachher auf Ortygia, Syrakus von Korinth aus. Der delphische Gott, als er den Korinther Areliias zu dieser Gründung aussaudte, sprach (Tansanias V, 7): »Eine Ortygia liegt im dunkel dämmernden Meer, An der Trinakia hin, wo des Alpheus Strömungen endend, Einigen sich mit der schön hinfiiessenden Quell’ Arethusa«. — Dazu habe der Gott den Areliias und den ebenfalls eine Auswanderung (nach Kroton) leitenden Myskellos gefragt, was sie lieber wollten, lieichthum oder Gesundheit ? da habe der Korinther (als echter Vertreter seiner Handelsstadt) den Reichthum gewählt. Gemäss dem Orakel wurde dann Syrakus durch seinen vortrefflichen Handelshafen zur reichsten Stadt der Alten Welt. (Geschichte von Syrakus, S.681.) Mehr im Innern kolonisirte dann der Gründer von Naxos 729 v. Chr. Leontinoi (das schon von Unter-Italien. II, Sikelern bewohnt war, welche nun von den Megarorn vertrieben wurden), wozu noch unmittelbar am Meer in demselben Jahr Katane (Catania) kam. Das dorische Megara, dessen Auswanderer Leontinoi für die Kolonisten von Naxos erobert, dann aber überlistet die Stadt wieder verlassen hatten, setzte sich in Megara (an der Bucht von Agosta) fest, das an die Stelle des sikelisclien Hybla trat. In eben dieser Zeit wurde, wie Strabon sagt, von Naxos aus Zankle (Messana) kolonisirt, das wohl ursprünglich eine sikelische Stadt war, da ihr Name auf sikclisch »Sichel« heisst, der Form der ins Meer vortretenden Landzunge entsprechend. Durch die in ihr sich festsetzenden Messcner erhielt sie den Namen Messana (vgl. S. 490). Zum Schutz Messana’s legten die Griechen die Festung Mylai (Milazzo) auf der schmalen Landzunge jenseit des pelorischen Vorgebirges an (71 (! v. Chr.). An der Südküste erstand durch die Itliodier 689 v. Chr. die Burg Lindioi (weil unter den Kolonisten sich viele Bürger der rhodischen Stadt Lindos befanden), um welche; die Stadt Gehl (Terranova) sich erhob, nach dem »kalten« Fluss benannt. Von Bewohnern von Zankle, Mvlai und Syrakus wurde an der Nordküste flimera 648 v. Chr. gegründet, zu dessen Gebiet die Thermen (Tcnnini) gehörten. Von Megara Iiy- blaia aus entstand 628 v. Chr. Selinus, das seinen Namen wohl vom Eppich erhielt, nach welchem der nahe Fluss benannt war (Geschichte von Selinus, S. 629); den unbedeutenden Hafen der neuen Stadt verstärkte das Emporium an der Mündung des Flusses Mazaras (Mazzara), das nun zugleich Grenz- veste gegen die Phüniker und dann gegen die Karthager war; gegen 0. legte Selinus ebenfalls eine Festung an (wo das jetzige Sciacca liegt). — Gela aber erbaute zwischen sich und Selinus die ihm bald überlegene Stadt Akragas (Girgenti) 581 v. Chr., das nächst Syrakus die berühmteste Stadt Siciliens wurde (s. S. 678), voll der herrlichsten Tempel und Kunstwerke. — Schon zuvor hatte Syrakus Akrai (Palazzolo) gegründet und Henna (Castrogiovanni), als dem Mittelpunkt der Getreidefülle und deshalb des Demeterkultus , mit Zustimmung der Sikeler zur Griechenstadt gemacht, dann Kasmenai (Scicli) 644 v. Chr. und Kamarilla (unweit Terranova) 599 v. Chr. erbaut; letzteres als Westgrenze des syrakusanischen Gebiets. Die letzte griechische Niederlassung wurde auf Lipara gegründet. So hatten die Sikelioten (sicilischen Griechen ) innerhalb 150 Jahren an der Griechenland zugewendeteu Ostküste und an der Südküste Siciliens überall blühend«; Pfianzstaaten angelegt, während der Westen im Besitz der Semiten blieb und die Sikeler einen grossen Theil des Binnenlandes bewohnten. Die zum Niederlassungsland durch seine nach drei Meeren offenen Küsten bestimmte Insel war von nun an auch in ihrer Weitercntwickelung durch die Geschichte dieser Niederlassungen bestimmt, während 3 67 Gesclriclitliclies (Karthago). 68 das Binnenland, durcli seine Gebirgsmasse mehr für Viehzucht und Ackerbau geeignet, erst später in die sociale Gestaltung der Bevölkerung eingriff. Die mannigfaltigen neuen Anforderungen, welche an die sicili- schen Griechen herantraten, prägten ihnen allmählich einen eigenthüinlichen Typus auf. Man nannte sie: »gewandt., weltklug, erfinderisch, gewerbfleissig, sinnlich, zu behaglichem Wohlleben geneigt, aber von aufgewecktem Geist, feiner Beobachtungsgabe, lebhaft und geistreich, stets mit einem Treffwort bei der Hand und immer voll witziger Einfälle«. Den Stadtgründungen folgte die Epoche der Gesetzgebungen, dann die Epoche der Parteiungen, des Ehrgeizes, der Bündnisse und der Einmischung der auswärtigen .Mächte. Mit ihren griechischen Mutterstädten standen sie durch Theilnalime an den Festen in Verbindung, führten indessen sonst ihre Angelegenheiten völlig selbständig; die den Grundstock der Auswanderer bildenden Bürger waren die Grundbesitzer, die früheren Einwohner dienten nun als Hörige und hatten das Land zu bebauen; für die neu ankommenden Griechen stand Handel und Industrie frei, dagegen konnten sie als Niedergelassene keinen Grundbesitz erwerben und auch keine politischen Rechte ausüben. Die ursprüngliche Verfassung der griechischen Pflanzstädte war daher die Aristokratie des Grundbesitzes. Freilich lag nun schon von vornherein in der Erwerbung von grossem Vermögen durch Handel und Schiffahrt der Keim zum spätem Umsturz dieses Systems durch die reich gewordenen neuen Ansiedler, und zur Bildung von Demokratien, die auf dem Princip der Gleichberechtigung der griechischen Bürger beruhten. In diesem Kampf der Neubürger mit den Altbürgern lag die Ursache zur Gründung mancher neuen Kolonie, wo dann die Neubürger wieder die berechtigten Erstbürger waren. Derselbe Kampf aber, wenn er über die Besitzenden hinaus das ganze Volk ergriff, schuf eine Macht (die Tyrannis), deren sich einzelne Ehrgeizige zum eigenen Vortheil bedienten, den aristokratischen Geschlechtern die Macht entrissen und deren Söldner jede Regung der Aristokratie sowie selbstbewusster Demokratie niederhielten. Weisen Gesetzgebern gelang es oft, eine neue heilsame Ordnung zu schaffen. Das Vorbild für diese Entwickelung gab Syrakus, wo die ursprünglichen Grundbesitzer als Gamoren die obrigkeitlichen Stellen in Händen hatten, während in Akragäs hei gemischterer Bevölkerung es frühzeitig einem angesehenen Zollpächter, Plialaris, durch die in seine Hände gelegten Geldsummen für einen Tempelbau gelang, mittels bezahlter und bewaffneter Arbeiter sich zum Tyrannen aufzuwerfen und bald auch über einen nicht geringen Theil Siciliens zu herrschen (570—554), wobei er die griechische Mission erfüllte, die Pliöniker (Karthager) in der Ausbreitung ihrer Herrschaft über Sicilien zu hindern. In Leontinoi war schon98 Jahre zuvor Panaitios (der älteste sieilisclie Tyrann) zur Herrschaft gelangt; für sämmtliclio ehalkidischen Städte galt die dorische Gesetzgebung des Ciiaromlas. In Gela warf sich nach mannigfachen ‘Vor- fassungskämpfen Kleandros (504) zum Tyrannen auf. Die majestätischen älteren Tempel von Selinus fallen in diese Epoche (S. 935). Bereits im Jahr 580 hatte die den PhÖnikern und Elymern stammverwandte afrikanische Handelstadt Karthago in die sicilischen Streitigkeiten sich eingemischt. Die Griechen standen mit ihren Niederlassungen schon hart an den phünikisehen Gebieten von Motye und Solocis, deren natürliche Schutzstadt Karthago war, das, selbst von PhÖnikern angelegt, als eine reiche und handelsthätigo Niederlassung der Tyrior aufblühte, die zugleich in der fruchtreichen Gegend regen Ackerbau trieb und als echte semitische Stadt Reiclithum, Macht und List am höchsten hielt. Als nun Knidier und Rliodier am Vorgebirge Lilybaion der pliönikischen Stadt Motye gegenüber eine Niederlassung gründen wollten, riefen die Pliöniker die Elymer und die Karthager herbei und besiegten die Griechen, welche sich dann auf Lipara niederliessen. Dieser Erfolg bewog Karthago, das in der Mitte des 7, Jahrh. die Balearen erobert hatte, nun auch in Sicilien festen Fuss zu fassen; so bildete sich schon im 6. Jahrh. die karthagische Provinz, deren Hauptstädte die pliönikischen Orte: Panonnos, Soloeis und Motye waren. Ende des 6. .Talirh. besiegten die Karthager den spartanischen Königssohn Doriern, der, auf einen Orakelspruch gestützt, die Landschaft um den Eryx sich aneignen wollte, weil Herakleia rechtmässiges Eigen- tlium der Herakliden sei, aber imKampfe fiel. Mittlerweile war in Gela 498 v. Chr. der Bruder des Kleandros, Ilippokrates, zur Herrschaft gekommen und fand an Gelon einen trefflichen Kriegsobersten, der ihn in der Erweiterung seines Gebiets aufs thätigste förderte. Der Plan, Syrakus zu unterwerfen, wurde zwar durch Korinth und Kerkyra verhindert, gelang aber seinem Nachfolger Gelon, der als Vormund der hinterlassenen Söhne des Hippokrates an die Spitze getreten und nach einem Aufstand sich selbst (491) zum Tyrannen aufgeworfen hatte. In Syrakus hatte sich das Stadtvolk mit den Hörigen verbunden und den Adel vertrieben, dieser zog nacliKama- rina und mit Hülfe Gelons wieder nach Syrakus, wo Gelon nun (seit 485) als Tyrann herrschte. Er legte den Grund zur höchsten Blüte der Stadt, schuf ein tüchtiges Landheer und eine noch gewaltigere Seemacht, kolonisirte die Stadt mit den Bewohnern anderer Orte, nahm aus Gela die Hälfte der Bürger dahin, zerstörte Kamarina, bevölkerte mit den Obdachlosen seine Stadt, und zog die Vornehmen aus Mcgara und Euboia herbei. Er wurde Schwiegersohn des weisen Theron, der als Tyrann von Akragas durch gerechte und milde Regierung 69 Geschichtliches (Hieron I.). 70 sicli die höchste Liebe seiner Untergebenen erwarb; sein Gebiet stiess bis an das von Himera. ln den Feindseligkeiten, welche diese Nähe mit dem Tyrannen Terillos her- vorrief, wandte sieh letzterer an die Karthager, und diese erschienen mit einem grossen Heer. Gelon eilte Theron zu Hülfe, und diircli List und Muth besiegten die Griechen in der Schlacht bei Himera (s. llimcra S.465 und Syrakus S. 685) die Karthager so gründlich (481), dass dieser Sieg, der fast gleichzeitig mit dem in Hellas gegen Xerxes vorfiel, die Mittel an die Hand gab, durch den Bau der herrlichsten Monumontalwerkc Sicilien echt hellenischen Glanz zu geben. Himera erhielt Tempel, Syrakus Tempel und Wasserleitungen. Die ausserordentliche Beute und die Gefangenen halfen zur raschen Ausführung. Akra- (fas liess ebenso durch die Gefangenen einige seiner herrlichen Tempel aufführen sowie den Landbau wesentlich verbessern. Gelon war jetzt der populärste Fürst und in ganz Sicilien, dessen eigentlicher Gesammt- herrsehcr er geworden, hochgeehrt. Auch er lioss dem Ackerbau neue Pflege ange- deihen. Syrakus und Akragas blühten unter Hieron, Bruder Gelons, zu den glanzvollsten Gressstädten auf, auch Kutane wurde (476) verschönert, erhielt nun den Namen Aetna und wurde um 10,000 Bürger (worunter viele Peloponncsior) vermehrt; aber wie Gelon Kaimarina zerstört und Gela geschwächt so- wieMegara um sein Gedeihen gebracht hatte, so flelNaxos als Opfer der Vergrösserung von Katane, und die alten (ionisch-) chalkidi- schen Bewohner wurden nach Leontini versetzt. Doch der Glanz der Kultur hatte eine solche Höhe erreicht, dass selbst, Pindur und Aeschylos damals Hierons Bestrebungen verherrlichten, der auch der Dichtkunst und den Wissenschaften neue Pflege zuwandte {Simonides, Bakchylides, Epichurmos, Xeno- phanes lebten ebenfalls an dem glänzenden Hof) sowie der bildenden Kunst festliche Siegesaufgaben stellte. Hatte aber schon unter Hieron ein »System des Misstrauens und des Druckes die Kehrseite des Glanzes gebildet, so trat jenes unter dem weniger begabten Bruder Thrayybulos noch einseitiger hervor; da ergriff das Volk die Waffen, die bedeutendsten Städte (Gela,. Akragas, Selinus, Himera) traten auf seine Seite, selbst die Sikelcr schickten Truppen. Thra- sybulos wurde vertrieben und an die Stelle der Tyrannis trat eine demokratische Verfassung. Der Befreiung zu Ehren ward ein (noch vorhandener) Altar unweit, des Theaters errichtet, an welchem jährlich 450 Ochsen geopfert und dem Volk zum ergötzlichen Schmaus vorgelegt wurden. Die Demokratie kam ausschliesslich den Altbürgern zu gute, während alle unter der Tyraunenregierung aufgenommenen Neubürger, also sämmtHche Söldner, von den politischen liechten ausgeschlossen waren. Auch die übrigen Städte setzten »die Vertreibung der Fremden « fort. In Katane zogen die Altbürger wieder ein und gaben ihm seinen Namen zurück, die Vertriebenen gingen nach I'nessa, das nun den Namen Aetna erhielt. Auch half die Herstellung von Kamarina (461 v. Glir.) zur Ausgleichung. Syrakus verlor sein Uebergewiclit, und ein einseitiges Vorwiegen der dorischen Städte (Syrakus, Akragas, Gela, Selinus, Kama- riua, Aetna) über die ionischen (Katane, Leontinoi, Naxos) trat an die Stelle der Tyrannenregierung , doch blühten Ackerbau, Handel und Industrie, Wissenschaft und Kunst, in dieser Zeit des »ruhigen Gedeihens«. Syrakus entfaltete jetzt seinen höchsten Luxus, in Aki’agas setzte JKntpedokles, anstatt die ihm angebotene Königskrone anzunehmen, die Regierungsfähigkeit aller Bürger durch. Unter den Sikelern war mittlerweile, unterstützt durch ihr hülfrciches 13eisteh.cn bei den Befreiungen der Grieehenstädte von ihren Tyrannen, eine grössere Einheit zu »Stande gekommen. Ihr Führer Duketios fachte das Nationalbewusstsein erfolgreich an; er gewann die den Sikelern unter Ilic- ron entrissenen Ländereien um den Aetna zurück (461 v. Chr.), gründete die Stadt Menai, eroberte Morgantion (459) und vereinigte (455) die sämmtliclien sikelischen Städte zu einem gemeinsamen Bund, erbaute eine neue Bundesstadt, Palike, am Palikensee (Lago Naftia), wo das Nationalheiligthum der Sikeler lag, und griff nun, um seinem Volk die alte Herrschaft über die Insel wieder zurückzubringen, die Hellenen an, nahm die Stadt Aetna, schlug (451) die Akragautiner und Syrakusaner bei Motyon. Aber beim ersten Sieg der Hellenen (bei Nomai) vei’liess ihn sein nur mühsam verbundenes Volk. Duketios rettete sich durch ein kühnes Erscheinen in Syrakus, das den Sehutzflehendon nach Korinth verbannte. Er brach seinen Eid, gestutzt auf einen Orakelspruch, er habe an der schönen Küste (Kalakte) eine Kolonie anziilegon, und erschien wieder, begleitet von bewaffneten Korinthern. Die Eifersucht zwischen Syrakus und Akragas ermöglichte ihm aufs neue seine Herrschaft, er erbaute Kalakte und suchte den sikelischen Bund wieder zu erneixern. Nach seinem Tod (489) iiolon die sikelischen Städte dem berechnenden Syrakus zu, nur Trinakia vertheidigte sich heldenmiithig bis auf den letzten Mann. In Wissenschaft und Kunst war diese Epoche eine sehr hervorragende. Der grosse Staatsmann und Naturforscher Kmpe- dokles aus Akragas, der Gründer der öffentlichen Redekunst Korax aus »Syrak us, der berühmteste Rhetor nicht nur Sieiliens, sondern ganz Griechenlands, Gorgias aus Leontinoi, der Mimendichter. S’op/irow aus Syrakus gehören dieser Zeit an. Herrliche Tempel, in noch harmonischeren Verhältnissen und durchgebildeteren Formen als die früheren, wurden in Selinunt, Akragas, Egesta, Gela nnd Himera errichtet. Die hellenische Bildung durchdrang die ganze Insel; schon die Münzen bezeugen, wie sehr Sikeler 71 72 Geschichtliches (Dionysios L). Elymer und Phöniker hellenisirt waren, selbst Panorraos und Motye bedienten sich griechischer Inschriften. Das immer gewalttkätigere Vordrängen des dorischen Elements über das ionische, während dessen im Mutterland der Kampf beider aufs heftigste entbrannt war, und die Politik von Syrakus, die kleineren Staaten der insei sich zu aunexiren, waren die Ursache der Einmischung Athens. Syrakus befehdete Leontinoi und dieses verband sich mit den chalkidischen Städten und Ka- marina und rief Athen um Hülfe an, das sich durch die Vorstellung, das übermächtig gewordene (dorische) Syrakus möchte sich an dem Kampfe des dorischen Sparta gegen Athen betheiligen, sowie durch die Hoffnung, mittels Sicilieu zu einer neuen imposanten Machtstellung zu gelangen, zu dem gefährlichen Unternehmen hinreissen liess, das zwar gänzlich scheiterte (413), aber auch Syrakus sehr schwächte. Beim neuen Angriff Kartliago’s auf Sicilien kam nochmals die Tyrannis empor. Auch dieser Einbruch der Karthager, der wie ein Sturm den Wohlstand Siciliens knickte, war durch innere Zwietracht der sicilischen Staaten herbeigerufen; in einem abermaligen Streit zwischen Selinus und Egesta über angrenzende Gebietsteile hatten die Egestäer aus Furcht vor der dorischen Uebermacht nachgegeben, aber die Forderungen von Selinunt wuchsen, und Egesta wandte sich an das ihm befreundete Karthago, das nicht zugeben konnte, das Land der Elymer, die Verbindung zwischen seinen Städten Motye und Panormos, in der Hand der Griechen zu sehen, und Syrakus nach seinem Sieg über Athen sich als Herrscher auf der Insel gegenüber zu haben. Daher die ungeheure Kriegsrustung, die nicht nur einen siegreichen liacliekrieg für das Unglück bei llimera, sondern auch die Vorherrschaft der Karthager auf der reichen Insel erkämpfen sollte. Selinus fiel (4o9), llimera folgte, selbst das herrliche Akragas wurde dem Feind überlassen (406). Der Tyrann Dionysios I. (406) sah sich in diesem verderblichen Kampfe genöthigt, Gela und Kamarina aufzugeben und seine ganze Macht in Syrakus zu sammeln (ausführlicher s. S. 705); nur eine das Belagerungsheer um die Hälfte vermindernde Pest machte endlich den Feind zum Frieden geneigt, der den Karthagern wieder ihr und ihrer Kolonisten ursprüngliches Gebiet zusicherte, die Sikaner untertlian machte, und den nun tributpflichtigen Selinuntiern , Himcräern, Akragantinern, Geloern und Kamarinäern nur unter der Bedingung die Rückkehr in ihre Städte erwirkte, dass sie keine Befestigungen um dieselben zögen (404). Dionysios schuf Syi*akus zu einem Bollwerk ersten Ranges um und machte Orty- gia zum Sitz seiner Macht, unterdrückte die Aufstände gewaltsam, schloss enges Bündnis mit den Spartanern, um durch sie Söldner und Einfluss zu mehren, suchte sich jetzt zum Kampfe gegen Karthago das nichtkarthagischo Sicilien zu unterwerfen, nahm Aetna, verwüstete das Gebiet von Leontinoi, eroberte Enua, erwarb durch Verrath Katane und Naxos, zerstörte letzteres, baute (401)die Stadt Hadranon(Adernö), um die Sikeler zu gewinnen, und zeigte in diesem ganzen Verfahren, »die hellenischen Gemeinwesen vernichtend, die sikelischcn schonend, italische gründend, dass er nicht sowohl Grieche als Sicilier« sein wollte. Deshalb gab er auch die alte Grieclienstadt Katane an Kainpaner. Hellenisirte Sikeler und Hellenen sollten Ein Volk werden und vereint den Karthagern entgegentreten unter seiner Tyrannis. Er rüstete sich auf die umsichtigste Weise zum neuen Kampfe, ganz Syrakus verwandelte sich in ein Arsenal; schon kennzeichneten greuelvolle Racheangriffo auf die in den griechischen Städten wohnenden Karthager die verhaltene Wuth, dann erklärte 397 v. Chr. Dionysios durch eine Gesandtschaft Karthago den Krieg. Nach grosser Anstrengung gelang ihm die Eroberung von Motye (697), dann unterwarf er sich Halykiai, aber vor Segesta erlitt er eine schwere Niederlage. Den Karthagern (zwischen 100 — 300,009 Mann geschätzt) glückte die Einnahme von Eryx durch Verrath , dann die Rückeroberung von Motye, und auch Halykiai ging wieder zu ihnen über; sie zogen an die Nordküste, eroberten Messana und schleiften die Stadt (396), erfochten einen Seesieg bei Katane und belagerten nun Syrakus; aber eine furchtbare Seuche, welche in ihrem Heer wütlicte, benutzte Dionysios zu einem kühnen Ueber- fall zu Wasser und zu Land und besiegte in einer der denkwürdigsten Schlachten das freilich zur Hälfte zusammengeschmolzene Heer vollständig. Dionysios führte nun ungestört seine berechnende Tyrannenpolitik weiter, versetzte 10,000 altgediente, »mit lästigem Selbstgefühl erfüllte« Soldaten nach Leou- tinoi, stellte Messana wieder her und unterwarf es sich völlig (Mcssener, welche das ihnen feindliche Sparta nicht daselbst leiden wollten, gründeten Tyndaris), gewann zahlreiche sikelische Städte durch Verrätherei oder Eroberung, so auch nach einem frühem vergeblichen Versuch Tau- romenion, erzwang bei einem nochmaligen Angriff der Karthager unter Magon einen vortheilhaften Frieden, brachte den Italioten unter Heloris eine Niederlage bei und eroberte Rhegion und Kroton. In neuen Feldzügen gegen Karthago 383, 379, 368 vermochte er stets ihre Macht in Schranken zu halten. So ist dieser merkwürdige Tyrann, der nebenbei die Dichtkunst pflegte, Dichter und Philosophen an seinem Hof hielt, aber trotz eigenen arbeitsamen und sittenstrengen Lebens, zur Mehrung der Fügsamkeit der Unterthancn das ausschweifende Leben förderte, trotz des grössten persönlichen Muths ein in alles eingreifendes System des Argwohns handhabte, trotz der populärsten Züge, stets bereiten 73 Geschichtliches (Timoleon). 74 Scherze und grosser Freude am Schönen, eine Reihe von Thaten der grössten Grausamkeit vollbrachte, die Menschen verachtete und die Religion entweihte, dennoch insofern für Sicilien von höchster Bedeutung gewesen, als er das griechische Element vor seiner Unterdrückung durch das semitische rettete und ein neues hellenistisches Staatswesen zu begründen suchte. Seinem Nachfolger, dem nach tyrannischen Grundsätzen vernachlässigten Dionysius II., vermochte selbst ein Platon, der durch den Schwager des Dionysios, Dion. schon an den Ilof des Vaters kurze Zeit gezogen, dann zur Verwirklichung seiner Staatsideen 368 v. Chr. abermals dahin gekommen (wie der 7. platonische [?] Brief berichtet), um »ein glückseliges und wahrhaftes Leben im ganzen Lande zu verbreiten«, nur vorübergehendes Interesse für eine Neugestaltung des Staats einzuflössen. Auch Dion, der begeisterte Schüler des Platon , nach seiner Verbannung mit Waffengewalt nach Syrakus zurückgekehrt (357), als ein Gott empfangen, ward bald durch das von seinen Gegnern gewonnene Volk um seine Wirksamkeit gebracht und 353 ermordet 346 wurde Dionysios durch Ueber- fall nochmals Herr von Syrakus, als die Stadt schon ein trauriges Bild des Verfalls darbot, bis der Korinther Timoleon zur Rettung der Insel herbeieilte. In der Mehrzahl der sicilisclien Städte herrschten damals Tyrannen (in Katane Manierkos [zugleich Dichter], in Apollonia und Engyon Leptines, in Kentoripa Niko- demos, in Agyrion Äpolloniades). Unter ihnen ragte allein hervor AndromacJtos von Tauromenion, bei welchem Timoleon, als er mit Hülfe der Rheginer den auflauernden Puniern entkam, Aufnahme und Unterstützung erhielt. Mit nur 1200 Mann besiegte Timoleon durch kühnen Ueberfall den fünfmal stärkern Hiketas. Da traten viele Städte und feste Plätze Siciliens dem Vorkämpfer der Freiheit bei; Timoleon eilte nach Syrakus und Dionysios übergab ihm die Inselstadt; Hiketas wurde mit seinen Truppen verdrängt, die Tyrannenburg niedergelegt, die Flüchtlinge in die verödeten Städte zurückgerufen, das grosse Befreiungswerk auch auf die übrigen Städte der Insel ausgedehnt, und die karthagische Macht (gegen 00,000) durch 12,000 Griechen in einer der glänzendsten Schlachten der Hellenenzeit am Krimisos (342) vernichtet. Auf den Beutestücken, die in die Tempel nach Korinth geschickt wurden, stand: »Dies haben die Korinther und ihr Feldherr Timoleon , nachdem sie die Sicilien bewohnenden Hellenen von den Karthagern befreit, zum Dank den Göttern geweiht«. Alle Tyrannen der Insel erlagen; Karthago erhielt den erbetenen Frieden, wurde aber mit seinem Gebiet bis an den westlichen Halykos zurückgedrängt, freilich stets noch zu neuer Kraftanstrengung fähig. Timoleon blieb als republikanischer Bürger in stiller Müsse zu Syrakus und starb (337) daselbst erblindet im 75. Jahr. (Holm vergleicht den Helden mit Garibaldi.) Schon 20 Jahre nach seinem Tode vermochte an die Stelle der auf die Demokratie folgenden Oligarchie Agathokles zur Tyrannis zu gelangen, zwar »ein Staatsmann und Feldherr von ungemeiner Begabung, aber einer der scheuslichsten Wiitheriche, welche die Geschichte kennt, ein Mensch, Cäsar Borgia ähnlich«, dabei von eigenthümlich jovialer Natur, ein Mann des niedern Volks, dessen »Beifall seine Macht, dessen Fäuste und Knittel sein bester Schutz« waren. Sein Vater gehörte zu den Kolonisten, welche, folgend der Einladung Timoleons(ausTermini), in das verödete Syrakus zogen (343); zuerst zeichnete den Sohn im Heer die riesenmässige Stärke aus, dann als Chiliarchen sein Muth und seine dreist- fertigen Reden, als Gatte einer reichen Wittwe bald auch der ungeheure Reicli- thum. Seine feindselige Stellung gegen die Machthaber zwang ihn, Syrakus zu verlassen. Als nach dem Sturz der Oligarchie der verbannte Anhang unter der Leitung des Sosistratos, von den Karthagern unterstützt, einen Krieg gegen Syrakus unternahm, zeigte Agathokles seine militärische Fähigkeit in glänzendster Weise; bald wieder verbannt nach der Zurückberufung der Gegenpartei, dann durch Karthago’s Hülfe wieder aufgenommen, erhob er sich hier zum beliebtesten Volkshaupt, ward Feldherr, Wächter des Friedens, und nachdem er mit »rücksichtsloser Konsequenz und tückischer Grausamkeit« alles vernichtet hatte, was ihm im Weg stand, bildete er ein ihm vollständig ergebenes Heer und »reinigte« mit demselben (wie er sich selbst ausdrückte) die Stadt von ihren Machthabern; mehr denn 4000 der angesehensten und begütertsten Bürger wurden gemordet, über 6000 verjagt und die Güter den Soldaten und dem Pöbel preis gegeben (317). DasVolk erhob ihn zum unumschränkten Strategen, und er wusste sich durch »Furchtlosigkeit, Freigebigkeit, kluge Verwaltung, Leutseligkeit und bürgerliche Einfachheit« überall beliebt, durch Vergrösse- rung der Land - und Seemacht und des Waffenvorraths allgemein gefürchtet zu machen. Die Unterwerfung Messana’s misslang ihm, dagegen unterwarf er sich viele Ortschaften des innern Sicilien. Im Angriffskrieg von Akragas vermittelte der karthagische Feldherr den Frieden: »von den griechischen Städten auf Sicilien sollen Ilerakleia, Selinus und Himera unter den Karthagern stehen wie bisher, alle übrigen aber unabhängig sein unter der Vorsteherschaft der Syrakusaner« — Als Messana den Vertrag nicht anerkannte, vermochte Agathokles die Stadt zu unterwerfen, und liess aus ihr und dem nahen Tauromenion an 600 seiner Gegner hinrichten. Als nun auch Akragas seine Freiheit bedroht sah, wandte es sich an Karthago. Im Krieg mit diesem 311 am Himeras geschlagen, fielen fast alle Städte von ihm ab, und er 75 Geschichtliches (Hieron II.). 70 rettete sich nur durch einen kühnen Angriffskrieg in Afrika, zu dem er das Geld zusanimeubraclite durch Zwangsanleihen, Tempelplündcrung, Einziehung von Vermögen und Ermordung aller derjenigen (gegen 1600), die von seiner Erlaubnis Gebrauch machten, die Stadt, mit ihrer Habe belastet, zu verlassen. In Afrika siegte er mit 14,000 Mann, wusste sich llülfsmann- schaft zu verschaffen, hatte bald alle wichtigen Küstenstadte in Händen, musste aber, da Syrakus durch Akragas Noth litt, zurückeilen, vermochte hier in Verbindung mit etruskischen Schiffen durch Seesiege und durch die Eandsiege seines .Feldherrn Leptines Syrakus wieder zu befreien, eilte dem bedrängten Heer in Afrika zu Hülfe, konnte es aber nicht mehr retten, entfloh und kam 606 wieder nach Sicilien , verschaffte sich dort durch die schändlichste Grausamkeit wieder neue Mittel, und ging gegen Geld einen entehrenden Vertrag mit Karthago ein, das wieder alle seine früheren Städte erhielt. Seine einheimischen Gegner schlug er durch Truppen und Ver- rath, sah sich bald wieder als Herrn der Insel anerkannt und nahm 305 den Königstitel an. Nach Zügen gegen Grossgriechenland und Kerkyra, wollte er, 72 Jahre alt, nochmals den Kampf mit Karthago aufnehmen, starb aber plötzlich an Gift (289). In Kunst und Kultur konnte eine so bewegte Zeit nicht mehr Grosses leisten, zumal das öffentliche Heben keines innern Gedeihens mehr theilhaftig ward. So schienen die Syrakusaner, von Parteien zerrissen und auf die Vertlieidigung ihrer Mauern beschränkt, den Karthagern erliegen zu müssen., als die Ankunft des herbeigerufenen Pyrrhos (278), Schwiegersohns des Agathokles, anfänglich einen allgemeinen Umschwung hervorbrachte. Er drängte die Karthager zurück, eroberte Panormos, Eryx und Eikte, belagerte aber erfolglos Uilybaion. Die Begeisterung der Sikeliotcn schlug wegen der Strenge des Pyrrhos in llnmuth und Zwietracht um, bald sah er sich nach dreijährigen Siegen von einem Volk umgeben, in welchem Parteihader und Egoismus jede gemeinsame Gestaltung fast unmöglich machten. Enttäuscht iiberliess er Sicilien seinem Schicksal und kehrte nach Italien zurück. In Syrakus bemächtigte sich zwei Jahre nachher Hieron II. der Tyrannis. Er sah sich genötliigt, die Mamertiner (Marssöhne, d. h. .Landsknechte) anzugreifen, eine Schar kampanischer Söldner, welche auf dem Heimweg Messana an sich gerissen und dasselbe zum räuberischen Soldatenstaat gemacht, schlug sie und zwang sie, sich in die feste Stadt zurückzuziehen. Aber die Mamerti- ner, die nun in der Bedrängnis keine Hülfe als bei Karthago oder Rom finden konnten, Hessen eine karthagische Truppe in die Burg von Messana offiziellen. Die römische Partei in Messana hatte jedoch zuvor eine Gesandtschaft nach Rom geschickt, welche versprach, die Stadt und ihr Gebiet nach Besiegung der Feinde dem rdmUchen Volk zu übergeben. Rom, obgleich mit Hieron befreundet, nahm das Anerbieten an. So erschienen die Römer in Sicilien (264) und leiteten den ersten Funisehen Krieg (264 bis 241) ein. »Der Krieg um Sicilien, gross und gewaltig wie er war, bildete nur das Vorspiel zu dem grossem und gewaltigem Kampf, der Karthago auf immer von den Mächten der Erde austilgte« und die Alleinherrschaft Rums begründete. Hieron II., anfänglich, als Messana den Römern zugefallen, mit den Karthagern, dein Erbfeind, in Verbindung getreten, aber durch die vordringenden Römer erschreckt und rasch auf Syrakus sich beschränkend, gegen das ein vergeblicher Angriff gemacht wurde, wandte sich im folgenden Jahr, als die Römer mit ■»neuem lleer erschienen, Rom zu, dein sich fast alle sieilisehen Städte ergaben. Nun trat er vollständig in das Verhältnis eines Schützlings und Bundesgenossen Roms, und seinen treuen Dienstleistungen verdankte dieses einen grossen Tlieii seines Erfolgs gegen die Karthager; Hieron vermochte aber trotz der grössten materiellen Opfer an Rom doch Syrakus noch eine Naclibliito zu verschaffen. 265 v. Ohr. nahm er die königliche Würde an; in Griechenland suchte er sich Ehre und Kränze zu erwerben; den Rliodiem schickte er nach einem Erdbeben 100 'Talente. Dem gesammten Hellas und den Inseln sollte sein ungeheures Schiff, ein luxuriöses, künstlerisches Werk, aber für alle griechischen Häfen zu gross (daher er dasselbe dem König von Egypten schenkte), Getreide bringen. Dem Ackerbau in Sicilien wandte er neue Pflege zu; eine Menge von Tempeln, Theatern und Gymnasien entstanden unter ihm (in Syrakus, Agyrion, Neeton u. a.), seinen mechanischen Werken stand Arelii- medes vor; zu den Dichtern, welche unter ihm blühten, gehört 2'heokrit. Als die llümer die Karthager vollständig aus Sicilien vertrieben hatten und das Gebiet derselben nach Beendigung des ersten Puniselien Kriegs zur römischen Provinz machten, blieb die Herrschaft des Hieron völlig ungeschmälert; eine Bedingung im Friedensvertrag ( Polybiu « I, 62) lautet: »Die Karthager räumen ganz Sicilien und führen keinen Krieg gegen Hieron, noch ergreifen sie die Waffen gegen die Syra- kusier, noch gegen die Bundesgenossen der Syrakusier«. — (Das Drama der römischen und karthagischen Kämpfe in Sicilien, die Belagerung und Einnahme von Agrigent, die Schlachten hei Mylä und bei Kkuomos, die Eroberung von Panormos und Metellus’ Sieg bei Panormos, die Belagerung von Lilybäum, die Seeschlacht bei Dropana, die Schlacht bei den Aegadischen Inseln s. bei den betreffenden Orten.) Im Jahr 216 starb König Hieron, mehr als OOjälirig. Auf seine milde, weise und staatskluge Regierung, welche dem durch Zügellosigkeit, Bürgerkrieg und Greuel zuvor verrotteten Syrakus noch eine reiche 77 Gescliiclitliclies (Römer). Entwickelung zu geben vermochte und sein Gebiet in dem Kampf von Rom und Karthago unversehrt zu erhalten wusste, folgte eine plötzliche Umwälzung, durch die unbesonnene Parteinahme seines Nachfolgers, des 15jährigen Hieronymos, für die karthagische Partei, welche aus allen denen bestand , die irgendwie sich durch die römische Hen'scliaft verkürzt fanden. Hiero- nymos stand ganz unter dem Einfluss von Rathgebern, welche hofften, den Krieg zwischen Rom und Karthago zur Vergrösserung der Macht von Syrakus und des königlichen Hauses benutzen zu können und sich daher an das bei Cannae siegreiche Karthago an- schlossen. Zwei karthagische Unterhändler, deren (Jrossvater ein syrakusanischer Bürger gewesen, JJippokrates und Epikyde s, leiteten nun die Opposition gegen Rom, während die Anhänger der republikanischen Zeit diesem befreundet blieben. 215 v. Clir. wurde Hieronymos in Leontinoi ermordet und in Syrakus 'brach wieder der Bürgerkrieg aus, die Republikaner siegten und das königliche Haus wurde ausgerottet. Heer und Volk aber wählten sich Hippolrate s und Epikydes zu Strategen, und abermals ward die Stadt durch Parteihader zerrissen. Ilippokrates, zum militärischen Schutz nach Leontinoi geschickt, nahm offen Partei gegen Rom, aber der Prätor Marcellus nahm die Stadt mit Sturm und liess 2000 römische Ueberläufer hinrichten. Diese Strenge trieb die den Römern zur Unterstützung zugesandten syrakusanischcn Soldaten zu Ilippokrates, der mit ihnen in Syx’akus ein- marschirte und die Stadt in die Hände des Pöbels lieferte. Da bz’achen die Römer gegen Syrakus auf, das zwar von Arcliimedes mit den vorzüglichsten Vertheidigungsmaschmeu versehen war, zu Land aber sich uneinnehmbar erwies, während die den Mauern von Achradina sich nähernden Schiffe durch Wurfgeschosse zurückgetrieben, durch lierabgelas- sene Haken gepackt, emporgewunden und zurückgeschleudert wurden. Die Karthager besetzten Agrigent, segelten in den Hafen von Syrakus und schlugen in der Nähe der Römer auch am Land ein Lager auf. Am Fest der Artemis gelang den Römern bei lässiger Bewachung die Ersteigung einer niedrigem Stelle der nördlichen Mauez', und auf derselben weiter schleichend, die Oeffnung des Hexapylon-Thors. Seuchen, welche das karthagische Heer hini'afften, die Uebergabe vonEuryklos durch den griechischen Befehlshaber, Kampf der Parteien izn Innern der Stadt und Ven’ath des Moe- ricus, eines spanischen Feldherrn, der im südlichen Theil der Insel Ortygia befehligte, brachte endlich den Fall der Stadt; ein Morden, Plündern, Verheeren begann, das Syrakus für immer um seinen Glanz brachte. Marcellus hatte zwar anbefohlen, das Leben zu schonen, aber auch Archimedes wurde getödtet (212). Zwei Jahre nachher fiel Agrigent durch Verrath, und nunmehr war ganz Sicilien eine Provinz und die Kornkammer Poms dem Regiment der Proprätoren unterworfen, ein »grosser Pachthof«, öffentliches Eigen- thum oder Privatgut des römischen Adels. Die grossen Güterkomjzlexe (Latifundien) bildeten sich, welche den Grundbesitzern Italiens gehörten. Schon mit Beginn der römischen Herrschaft wurden grosse Grundstücke zu Weiden herabgesetzt, das Vieh wurde Sklaven übergeben, welche das Zeichen der Leibeigenschaft auf der Stirn tni- gen, höchstens in Felle gehüllt waren und in ihrer völligen Vernaehlässiguxxg zum Räuberlebexi griffen, dessen Ertrag voxn Herrn gutgeheissen wux’de. Der Grundbesitz wurde Sache reicher römischer Unternehmer, und die zusammengekettetezz, Nachts izz Hürden eingeschlossezzen, Morgens mit der Peitsche zur Arbeit geführten Sklavezi waren die Ackex’bauer. Aus diesen Verhältnissen, zum Theil schon von den Karthagern verschuldet, gixz- gen dann die Sklavenkriege hervor (155 bis 152; 103 bis 100). Die herrliche leontinische Feldmark von ca. 50,000 Jugera urbarem Landes, die als römische Domäne von dezz Censoren verpachtet wurde, war unter nzir ö4 Pächter getheilt, von denen also durelx- sclzzzittlich jeder 360 Joche hatte. Fast alle waren römische Spekulanten, nur einer ein Leontiner. 135 v. Chr. brach der Aufstand der »eisengestempeltexi Menschenherdc« aus. Ein reicher Pflanzer von Enna (Castrogiovanni; s. daselbst die ausführlichere Erzählung) ward von seinen Feldsklaven nieder- gemacht, die Freigewordenen drängten nach der Stadt Enna und riefen die Mitsklaven zur Erhebung auf; ein syrischer wunder- thätiger und orakelkundiger Sklave ward ihr Anführer, und die Insurrektion ergriff fast ganz Sicilien. Drei Jahre nach eixi- ander sahen sich die Römer genötliigt, konsulare Heere abzuschickezi, bis nach manchen Niedeidagen endlich Taox*mina und der Herd des Aufstandes, Enna (aber erst nach zweijähriger Beiagenzng), erobei*t wurden. Ueber 20,000 Sklaven endeten am Krezzz. 30 Jahi'e später war abermals Enna, die heilige Stätte der Ceres, der Ausgaxigsort der Ixxsuz-rektion; die Besatzung wurde voxi den Sklaven besiegt, der Sklave Salvitis trat an die Spitze der Aufständischen als (syrischer) König Tryphon; sie besetzten die Landschaft zwischen Enna und Leontini, wo zwischeninne der heilige Beziz-k der Pa- liken lag, und überwältigten die römischen Truppen. Aber unter dem Prätor Lnciillus bot ein neues römisches Heer den Sklaven eine Schlacht in den Bergen obexiialb Seiaeca und schlug sie. Der frühere Räuberliaupt- mann Anthemion, der die Gemüther durch Proplxezeiliuxigen entflammt und der kriegskundigste Leiter war, erlag, und Tryphon musste sich in die Bei’gfestzzng Triocala werfen. Nach seinem Tode (102) übernahm der wunderbar gex-ettete Anthemion den Oberbefehl und stand bald siegreich an der Spitze eines ansehnlichen Heers. Ez-st nach zweijährigen harten Kämpfen schlug der Koxi- | sul Marius Aquillius die verzweifelte Gegen- 79 Geschichtliches wein* nieder und überwand die Aufständischen durch Hunger. Unter der Verwaltung des Verres (70 v. Chr.) producirtc ganz Sieilien nicht so viel Korn (2 2 / 3 Mill. Hektol.), als zu Gelons Zeit das alleinige Gebiet von Syrakus. Verres, man weiss nicht, ob mit mehr Habsucht oder Kunstmanie, beraubte die Insel ihrer werthvollsten Kunstschätze, und sein Ankläger Cicero hat ein erschreckendes Bild entworfen, was einem römischen Prätor der Insel möglich war, welcher die ganze Verwaltung, Rechtspflege und das militärische Kommando mit unbeschränkter Gewalt leitete. Julius Cäsar ertheilte der ganzen Provinz das JusLatii (während früher niemand ausser seiner Heimatsgemeinde Grundbesitz erwerben durfte, ausgenommen die römischen Bürger und die Angehörigen, einiger bevorzugten Städte, wie z. B. Centuripa), Antonius verlieh ihr angeblich nach Casars Testament das volle Bürgerrecht. In den Bürgerkriegen Roms, welche Sieilien zu ihrem Kampfboden machten (43—35), sank der Wohlstand der Insel immer tiefer, viele Städte verödeten. Augustus suchte den völligen Ruin einiger Städte aufzuhalten. Strabon berichtet, dass er im Osten nur vier Städte gefunden habe (Messina, Taormina, Catania, Syrakus), dass Catania und Syrakus von Augustus restaurirt und letzteres auf einen kleinern Raum beschränkt worden sei. An der Süd- küste standen nur Agrigent und Lilybäum, während die übrigen Städte völlig verwüstet und verödet lagen; auch die Nordküste war wenig bevölkert, obsclion man noch Aesa, Tyndaris, Cefalü, Palermo und das sege- stanisclie Emporium sah. Von den Binnen- städten nennt er Aetna, Centavupe (von Augustus restaurirt), Eryx mit dom leeren Tempel, Enna als blosse Festung, Lentlni im Elend, die übrigen Städte verlassen und zu Hirtenwohnungen umgewandelt. »An Getreide (Strabon VI, 265), Honig, Safran und einigen anderen Erzeugnissen ist jedoch Sieilien fruchtbarer als Italien, dazu kommt, dass alles leicht nach Rom geliefert werden kann, daher man die Insel die Kornkammer Roms nennt; denn man bringt alle Erzeugnisse dahin, das Wenige ausgenommen, was die Einwohner verzehren. Dies sind nicht allein Früchte, sondern auch Mastvieh, Häute, Wolle.« Wie Augustus, so wendeten auch Tihc- riu* und Caligula der Insel einige Sorgfalt zu; unter den folgenden Kaisern kam es zu einem Anfang von Wohlfahrt, und einige Städte erstanden aufs neue, ein Zustand, der aber nicht festen Fuss fasste, weil der Grossbesitz der Insel sich völlig in den Händen der römischen Aristokratie befand. 259 n. Chr. brach ein neuer Sklavenkrieg aus. Der Ackerbau wurde vernachlässigt, die Entvölkerung mehrte sich. Die Züge der Völkerwanderung steigerten den Verfall. Schon unter Kaiser Probus fiel eine Schar Franken ein, die auf ihrem (Christentum»). 80 räuberischen Rückzug vom Schwarzen Meer 278 v. Chr- Syrakus verwüstete; die Vandalen unter Geiserich belagerten Palermo, nahmen Lilybäum (440 n. Chr.), wurden von Ilicimer bei Girgenti (456) geschlagen, und nachdem sie die Insel verwüstet hatten, überliessen sie dieselbe dem Odoaker (476) und behielten nur Lilybäum als Warte für ihr Reich in Afrika. König Theodorich brachte den Vandalenfürsten dazu, dass 491 Sieilien dem Ostgothenreich zurückgegeben wurde. Trotz der milden Regierung sah die Rechtgläubigkeit, wie die rächenden Dämonen die Seele des ketzerischen Königs in den brennenden Krater auf Li- pari warfen. liyzantiner (Ostrdmer). Der Feldherr des Ostreichs, Beiisar, eroberte Sieilien mit 10,000 Soldaten in wenigen Wochen, Catania durch einen Handstreich, Syrakus und andere Städte durch Verträge, Palermo durch eine hartnäckige Schlacht und triumphirte in Syrakus (535), das nun wieder die griechische Sprache und das griechische Gold in seinen Mauern hatte. — Der kurze Zug Totila’s (549—551) war der letzte Einfall der Gothen in Sieilien; die »nordischen Barbaren hatten Sieilien nur 80 Jahre in Besitz gehabt, keine Militärkolonien hier angelegt, keine eigenartigen Einrichtungen hinter- lassen. Die byzantinische Herrschaft dauerte mit römischen Institutionen fort; der kaiserliche Statthalter (Patricius) besass eine fast unabhängige Civil - und Militärgewalt und bezog grosse Einkünfte für sich und den kaiserlichen Hof auf der Insel. Im 6. Jahrh. bewirkten die byzantinische und dann die longobardisehe Eroberung Italiens eine Aen- derung der Völkerverbindung, die für Si- cilien den Mittelpunkt immer mehr nacbO. verlegte. Das Christenthum scheint früh in Sieilien Wurzel geschlagen zu haben. Die Tradition berichtet, dass schon Petrus aus Antiochien die ersten Bischöfe Marcian nach Syrakus und Pancraz nach Taormina geschickt habe und ihnen Beryll in Catania, IAbertinns in Girgenti, Philippus in Palermo, Bukchylos in Messina nachgefolgt seien, alle aber wegen ihrer Bekämpfung des Heiden- tliums den Märtyrertod erlitten. Die Apostelgeschichte (XXVIII, 12) erwähnt in ihrem Bericht vom dreitägigen Aufenthalt des Paulus in Syrakus (61 n. Chr.) noch keine befreundeten Religionsgenossen daselbst, und geschichtlich lässt sich nur eine Verpflanzung des Christentlmms aus Rom nachSici- lien nachweisen, aber die Tradition gibt wohl richtig die topographische Reihenfolge der Verbreitung an. Den Gegensatz gegen das junge Christenthum entflammte noch Porphyrius (270), dessen Anfall von Melancholie durch seinen Aufenthalt in dem herrlichen Sieilien geheilt wurde; hier schrieb er dann eine Vertlieidigung des Heidenthums und suchte damals schon die Widersprüche des Alten und Neuen Testaments, den Konflikt zwischen Paulus und Petrus, den Unterschied zwischen der reinen Lehre 81 Geschichtliches (Araber). 82 Jesu lind der getrübten apostolischen Lehre als Beweise gegen die Göttlichkeit der neuen Religion geltend zu machen. Das Christenthum fasste selbst nach seiner allgemeinen Einführung in Sicilien nur langsam Boden bei der Landbevölkerung, und noch am Anfang des 7. Jahrli. findet man Reste des Heidenthums. Papst Gregor I. erwähnt (um 600) Götzendiener, die der Bischof von Tyndaris Mühe hatte, zu bekehren, und heidnische Sklaven, welche die Juden von Catania gekauft hatten. Die sicilisclie Hierarchie trat in Verband mit der römischen, und schon im ö. Jahrli. tritt der Bischof von Rom als Metropolitan in der Insel auf. Auch der Territorialverband schloss Sicilien an das Papstthum an, da die römische Kirche daselbst zu sehr bedeutenden Besitzungen gelangte, besonders bei Syrakus, Catania, Milazzo, Palermo, Girgenti, so dass zuweilen zwei besondere Rektoren der Verwaltung in Syrakus und Palermo vorstanden. Im Lauf des 7. Jahrh. rivali- sivten die Klöster Siciliens mit denen von Rom im Reichthum und in der Zahl der Mitglieder; besonders wurde hier der Gesang gut gepflegt. (Aus Sicilien stammten die Päpste Agathon [678], Leo II. [682], Sergius [687], Stephanus IV. [768].) Die Einkünfte, welche der kaiserliche Statthalter des oströmischen Reichs und der kaiserliche Hof in Konstantinopel aus Sicilien bezog, sowie die bedeutenden Patrimonien, welche die römische Kirche auf der Insel besass, verminderten den Nutzen des Bodenertrags für die Einwohner insehr hohem Grad. Der Aufenthalt des oströmischen Kaisers Gonstans II. (641—668), der den Nachstellungen des Volks seiner Hauptstadt entfloh und über Athen und Rom nach Syrakus kam und hier die letzten Jahre seines lasterhaften Lebens zubrachte, half dem Land wenig. Schon im 7. Jahrh. begannen die Araber Streifzüge nach Sicilien zu unternehmen; 669 kamen sie von Alexandria auf 200 Schiffen, geführt von Abd Allah ihn Kais, nach Syrakus, verwüsteten das Gebiet umher einen Monat lang und entführten die Schätze der Kirchen und die von Constans aus Rom gebrachten antiken Bronzewerke. Auch 703—705 fanden drei Streifzüge statt; 727 griff Biscir ihn Sefwän Sicilien an und machte viele Gefangene; ebenso sein Nachfolger, der sogar 180 Barken gegen die Insel ausrüstete, die aber durch Stürme untergingen. Einfälle erfolgten auch 730—74. 752 leitete Abd er Rahrnän einen Streifzug, worauf Byzanz Sicilien verstärkte, eine Menge Kastelle auf den Anhöhen errichten licss und eine Schutzflotte anordnete. Im Jahr 827 (17. Juni) fassten die Araber bei Mazara festen Fuss. Der Feldherr Enphemios hatte durch Entführung seiner zur Klosterzelle gezwungenen Geliebten deren Brüder zur Klage an den Kaiser veranlasst. Der entehrenden Strafe suchte sich Euphemios dadurch zu entziehen, dass er sich zum Kaiser ausrufen liess und den Aghlabitenfürsten Ziädet Allah in Kairewän zur gemeinsamen Eroberung der Insel aufforderte. Euphemios erschien mit einer von dem 70jährigen arabischen Feldherrn Ased ibn Forät, ihn Sinan, befehligten Flotte mit 100 Schiffen, 700 Reitern und 10,000 Fuss- soldaten. Syrakus ward zwar durch eine byzantinische Flotte befreit, Ased starb während der Belagerung und Euphemios wurde ermordet. Aber die Saracenen, durch Genossen aus Spanien verstärkt, setzten den Krieg gegen die Byzantiner fort. Nach drei Jahren fiel Messina in ihre Hand, dann folgte (831) Palermo (Panormos wurde von den Saracenen Bulirma genannt); 831—841 bemächtigten sie sich des Vai di Mazara, wo sie ihre ersten Kolonien gründeten. Von 841—859 unterwarfen sie sich das Val di Noto. Als sie den Christenaufstand von 860 im Val Mazara und Val Noto unterdrückt hatten, gelang ihnen auch die allmähliche Unterwerfung des Val Demone. Den freiwillig sich unterwerfenden Städten liess man die alte Verfassung, die überwundenen dagegen erhielten einen Al- kaden (Gemeindevorstand) und Kadis (Richter), welche dem Absolutismus des Emirs (Regierungsvorstand) unterworfen waren. Die Christen, welche doch die Mehrzahl der Bevölkerung der Insel ausmaehten, bildeten nun vier Klassen: Freie, Tributpflichtige, Vasallen und Sklaven. Die freien Städte schlossen sich theihveise noch an das byzantinische Reich an und behielten ihre früheren Administrationen, anderseits wuchs in vielen Städten die Macht der Kurie zur Grundlage der Municipalkörper heran. Die Tributpflichtigen waren von den Kriegsgefahren befreit, wurden aber bei Auflehnungen zu Vasallen herabgesetzt, was zuletzt mit allen geschah. Vasallenstädte waren alle mit den Waffen oder durch Verträge genommene. In diesen hatten die Christen keine politische Autorität, alle öffentlichen Güter standen in den Händen der Muselmanen, so auch die Kolonen, welche das Land behauten. Die freie Bevölkerung hatte volles Eigentlvumsreeht und gleiches Vertrags- und Strafrecht mit den Muselmanen. Die Religionsausübung blieb frei, aber niemand durfte vom Koran, dem Propheten und dem Islam übel reden, niemand die Soldaten beleidigen, niemand Pro- sclyten unter den Muselmanen machen. Sie hatten Steuern von der Person (gezia) und von den Grundstücken (kharäg) zu bezahlen (die Personensteuer fiel beim Ueber- tritt zum Islam weg). Die bürgerliche Ordnung war eine drückende. Den christlichen Untertbanen (Dsimrni) war verboten, Waffen zu tragen, Pferde zu besteigen, Sättel auf Maulesel oder Esel zu legen, gleichgrosse Häuser mit den Muselmanen zu bauen, Wappen mit arabischen Buchstaben und arabische Namen zu führen, öffentlich Wein zu trinken, Leichenceremonien zu begeben; die Frauen durften in kein Bad treten, so lange savacenische Frauen dort weilten. Alle Dsimmi mussten ein Abzei- 83 Geschichtliches (Normannen). 84 eben an den Ilausthüren und an den Kleidern, anders geformte und anders farbige Turbane und einen Gürtel von Leder oder Wolle tragen; unterwegs hatten sie den Muselmanen auszuweichen. Kirchlich standen sie freier; es war ihnen aber verboten, neue Kirchen und Klöster zu bauen, doch durften sie die alten restauriren. Der Kultus in den Häusern und Kirchen war völlig frei gegeben, doch war es nicht erlaubt, das Evangelium so laut zu lesen, dass es die Ohren der Muselmanen vernehmen konnten, und öffentlich durfte kein Kreuz geschlagen werden; Diseiplin und Dogma blieben frei. Die Juden unterlagen denselben Gesetzen wie die Christen. 878 fiel auch Syrakus, nachdem es zehn Monate mit mächtigen Helagerungswerk- zeugen bestürmt worden war und einen Muth wie in seinen besten Tagen den Angreifern entgegengesetzt hatte. Der Mönch Theo- dosiits hat die entsetzlichen Leiden und das Schicksal Siciliens in einem Brief an den . Areliidiakon Leo geschildert (S. 727). 902 folgte nach tapferstem Kampf an der Marina von Giardini die Einnahme von Taormina, das die Hauptstadt des byzantinischen Sici- lien war; die Behendigkeit der Saracenen erreichte über scheinbar unersteigliche Felsen die Höhe; selbst Frauen, Kinder und Geistliche wurden gegen das muselmanische Gesetz niedergehauen, ttnd Feuer ward an die Stadt gelegt. An die Stelle der Dynastie der^Aghlabiten von Kairewan trat die der Fatimidcn , und Sicilien wurde durch die Vereinigung des Chalifats von Tunis mit dem von Aegypten ein von diesem abhängiges Emirat, das seinen Sitz in Palermo aufschlug. Hassan ben AH war dort der erste fatimidische Emir (948), er vermochte sich die Parteien unterzuordnen und regierte mit Kraft. 965 fiel den Saracenen auch noch Kometta, das letzte griechische Municipium, zu, das Hasan ihn Ammär schon vom August 963 an belagert hatte und erst nach einem blutigen Kampf mit der zu Hülfe gesandten byzantinischen Macht eroberte. Im Jahr 972 beschreibt Ihn llaulcal Palermo mit seinen fünf Regionen, der Khä- lesa, in welcher der Sultan itnd sein Gefolge wohnen, Bäder, Verwaltungen, Arsenal, Gefängnisse sich befinden, dem Kasr, wo die Kaufleute und der Municipaladcl wohnt, der Moscheenregion mit den Gewerben und Händlern, clem Fremdenquartier und dem Quartier der Juden und Soldaten (seine Beschreibung S. 127). — Nach 80jährigen geordneten Zuständen unter den Fatimiden griffen die Vereinigungen in Afrika auch in Sicilien ein; eine Auflösung in eine Monge von kleinen Sektenherrschaften ging der Auflösung des saracenischen lieichs selbst voran. Hassan Samsun Kddaula war der letzte Emir von ganz Sicilien; ihn verjagte sein Bruder. »Wie irgend ein angesehener Führer, ein reicher Besitzer, der Liebling der Einwohner einer Stadt oder sonst ein geschickter Mann über einen Di- I strikt zu herrschen vermochte, der tlnit es« | (Allcadi Sheaboddini). Abdallah ibn Men- kut war Fürst von Trapani, Ali ibn Naamh gebot über Enna und Girgcnti, Ibn al The- manlx brachte Syrakus und Gatania in seine Gewalt. Der griechische Kaiser suchte diese Auflösung zur Wiedergewinnung der Insel zu benutzen. Im Jahr 1038 unternahm sein Feldherr Gcoryios Maniakes den Feldzug, unterstützt von nordischen Zuzügen. Mit ihm treten zum erstenmal die Normannen in Sicilien auf. Die »Nordlandssöhne« Skandinaviens, die selten in alter Zeit grosse Heerfahrten (Wikingerzüge) unter Königen nach fernen Gegenden gemacht, im 10. J'ahrh. auf französischem Boden sich dauernd niedergelassen (Normandie) und hier das Cliri- stenthum und die französische Sprache angenommen hatten, vollzogen nun ihre .Mission, »den mittelalterlichen Process der Völkervermischung und der Bildung neuer Nationalitäten abzuschliessen«, auch in Sicilien. Mit grosser Tapferkeit, Diseiplin und militärischem Scharfblick verbanden sie auch grosse Klugheit in den staatlichen und ökonomischen Angelegenheiten, ihr abenteuernder Wandergeist hatte zugleich eine sehr reale Richtung auf Gewinn. Reichthum und Herrschaft, und es fehlte ihnen nie an List und Gewandtheit, diese sich im geeigneten Augenblick anzueignen; sie waren schlau und beredt, oft zügellos und rachsüchtig, von grosser Ausdauer sowohl in allen Unbilden des Klima’s als in allen Beschwerlichkeiten des Kriegs; mit grosser Leidenschaft pflegten sie des Waffenhandwerks und der Jagd und waren Freunde schöner Pferde und reicher Gewandung. Eine Pilgerfahrt nach der heiligen Grotte des Bergs Gargana in Apulien hatte sie in die Kämpfe gegen die dortigen Griechen verwickelt, und ihre Tapferkeit benutzten die Fürsten von Capua nnd Neapel, Benc- vent und Salerno in ihren Kämpfen unter einander, oder gegen die Griechen nnd Saracenen. Als sie 1027 den Herzog Sergius von Neapel wieder in seine Herrschaft einsetzten, verlieh ihnen dieser den fruchtbaren Landstrich, in welchem sie die Stadt Aversa (Bd. I, S. 666) bauten und eine unabhängige Grafschaft errichteten. Die Schilderungen des reichen Landes im S. zogen immer mehr normannische Ritter hierher. Zehn tapfere Sohne des Grafen Tan- cred von Haatevüle (bei Marigny, Diöcese Coutances), eines normannischen Ritters von mittlerem Adel und bescheidenem Vermögen, zogen aus und schlossen sich den südlichen Ansiedlern an, um sich ein Erbe zu erstreiten. Drei der älteren, Guillaume (Wilhelm), Dreux (Drogo) und Ilumfroy (Ilumfriedj, zogen nach manchen Abenteuern nach Italien, stritten zu Capua und Salerno und schlossen sich nun dem Zug des Maniakes nach Sicilien (1038) an, wo Wilhelm den Namen »Eisenarm« sicherstritt. Als Maniakes durch Hofränkc gehemmt und einem feigen Günstling luitergcordnct wurde, wagte er mit Hülfe der Normannen sich selbst zum 85 86 Geschichtliches (Roger I.). Herrn von Sicilien und Neapel zu erheben. I Obg'leich sein Unternehmen misslang (1043), I beschleunigte doch sein Abfall die Erobe- I rung der byzantinischen Besitzungen in Italien durch die Normannen. Schon hatten sich diese wegen Verweigerung der Beute ; an den Griechen in Apulien gerächt, sie bei Cannae geschlagen und von Melfi aus die Grafschaft Apulien gegründet. Nach Wilhelms Tod (1046) wurde Drogo Graf von Apulien, der die Investitur von Heinrich III. 1047 erhielt; nach der Ermordung Drogo’s (1051) folgte Iliunfried. Die Normannen, verstärkt durch die »Söhne Tancreds von seiner zweiten Frau, deren ältester, Jtobert Guiscard, »die Kühnheit und den Trotz der persönlichen Selbständigkeit mit praktischem Sinn und scharfem Verstand verband, Verschlagenheit und Hinterlist mit der Miene ehrlicher Derbheit, und aufrichtiger Frömmigkeit«, warfen sich auf die griechischen Besitzungen in Kalabrien. Den ihnen bei Civitä sul Fortorc entgegentretenden Papst (Leo IX.) schlugen sie, verlangten von dem Gefangenen aber voll Ehrfurcht den »Segen. Humfried unterwarf nun noch das übrige Apulien und setzte bei seinem Tod (1056) Guiscard zum Grafen von Apulien und zum Vormund seines jüngsten Bruders, Hoger, ein. Guiscard nahm unter der Investitur vom Papst den legitimen Titel eines Herzogs an. lloger war 1056 als 25jährigcr Jüngling nach Italien gekommen, gross, schön, von leichtem Wort und stetem Mutli, begierig nach Lob, ehrgeizig, aber offen und frei, klug in Staatssaclien, doch ohne den weiten Gesichtspunkt Guiscards. Letzterer schickte lloger mit 60 Reitern (1057) auf die äussersten Apenninenjoehe des »Südens, von wo er die Ebene überfiel und die Umgegend unterwarf. Robert und Roger eroberten gemeinschaftlich Reggio. Dann (1060) setzte Roger mit 200 Reitern nach Messina über und lief in den Hafen ein; die »Saraeenen eilten heraus, und Roger simulirte eine rasche Flucht, wandte sich aber plötzlich gegen den aufgelösten Feind, verfolgte ihn bis zum Thor und kehrte dann mit Erbeutung der zurückgelassenen Pferde, Waffen und Gewänder nach Reggio zurück. Dort beschlossen die Brüder, den Krieg nach Sicilien zu verlegen, wozu sie Ibn Thimna noch eifriger antrieb, welcher einen Theil seines usurpir- ten Gebiets gegen Ihn llawioasci verloren hatte und nach Rache dürstete. Er schilderte ihnen die innere Zwietracht der durch Religionszwist getrennten Saraeenen und die grosse Zahl seiner Anhänger. Roger begleitete nun mit 500 Kriegern unter seiner und des erfahrenen Goffredo Kidelle Leitung Ibn Thimna (1061). Sie zogen zuerst nach Rometta und schlugen die ihnen entgegenrückende Saracenenseliar. Als sie aber Messina selbst angreifen wollten, wurden sie an die Küste zunickgetrieben und vermochten nur mit der grössten Gefahr nach Reggio zuriiekzukehren. Ein neuer Angriff wurde vorbereitet. Roger fuhr mit 270 Kriegern hinüber und lagerte sicli 2 »St. südl. von Messina; die Barken brachten ihnen neue Hülfe von 170 Reitern; den neuen Befehlshaber von Messina trafen sie auf seinem Zug zur Stadt und hieben ihn und sein Gefolge nieder. Nun wurde Messina angegriffen, und gleichzeitig erhoben sich die Christen innerhalb der Stadt. Der Uebcr- fall gelang vollständig, Roger schickte die Schlüssel Messina’s an Robert, der nun die wichtige Stadt sogleich neu befestigen liess und eine Reiterbesatzung hineinlegte. Dann zogen Robert und Roger mit 1000 Reitern und 1000 Fusstruppen mit Ibn Thimna weiter. Der Kahl von Rometta übergab ihnen die bedeutende Festung. Der Marsch ging in das Thal des Simeto an der stark besetzten Festung Kenturipe vorbei über Pa- ternö nach Castrogiovanni, wo sie ihr Lager aufschlugen und Ibn llawwasci ihnen mit grossem Heer entgegenzog. Robert ermahnte die Seinen: »Der Herr habe gesagt, wenn du ein »Senfkorn grossen Glauben hast und befiehlst dem Berg, hebe dich von dannen dorthin, so werde er sich heben; der Berg hier vor ihnen sei nicht von »Stein, sondern von Ketzerei und Unbill; wenn sie darauf blasen, unter Anrufung des Heiligen Geistes, so werde er einstiirzen; sie sollen ihre Sünden bekennen, den Leib des Herrn empfangen und Lanze und Schwert an den rechten Ort stossen, dann sei der Sieg nicht zweifelhaft«. — Und nun, nach dem heiligen Mahl, stiegen sie zu Pferd, hoben sie das Banner, jeder Krieger machte das Zeichen des Kreuzes und stürzte sich auf den Feind. So erfochten sie, gestählt durch Disciplin und Religion, weise geführt und von Kriegsehre und Beutelust entflammt, den wunderbaren, glänzenden Sieg über die gewaltigen »Scharen der »Saraeenen. Die umliegenden Kastelle ergaben sich, ja, selbst der Emir von Palermo sandte Geschenke und schloss mit Robert einen Vertrag. Ein gleichzeitiger arabischer Dichter schildert die damaligen Normannen: »Wer sie in Wutli erblickt, den fasst ein Grauen, Dem Löwen fiel er lieber in die Klamm; »Sie schleudern in des Glaubensstreites Hitze Aus Wolken ihrer Scheiden Schwerterblitze. Und wie der Leu den Fuchs zerrcisst, verbreiten Sie mit den Speeren Tod auf allen Seiten; Gewalt’ge Scharen in gewaltigen Schiffen, Zielen sie gen Rum, im Kampf mit ihm begriffen. Wenn es den Feigling nur nach Wohlsein löstet, Sind sie zum Tod der Tapfern stets gerüstet, Und machen aus dem Staub, der im Gewühl Der Schlachten aufstäubt, sicli den Sterbepfühl«, Nach vergeblicher Belagerung von Castrogiovanni zogen die Brüder nach Apulien und I Kalabrien zurück. Roger erschien bald wio- I der mit 250 Reitern, rückte plündernd bis | Girgenti vor, begünstigt durch die Christ- 87 Geschichtliches (Roger I.), 88 liehe Bevölkerung, und machte Tt'oina zu einem neuen Anhaltspunkt. Dann ging er wieder nach Kalabrien und verband sich mit der edlen Gräfin Judith von Evreux, die von den Herzogen der Normandie abstammte. Kurz nachher wurde Ibn Thimna verräthe- risch ermordet (1062), in einem um so gefährlichem Augenblick, als eben Roger mit Robert gebrochen hatte, der ihm die Zutheilung des versprochenen Gebiets vorenthielt. Doch als eine persönliche Erkund- schaftung Roberts in Gerace diesen zum Gefangenen machte und Roger ihn befreite, erneuerte sich das brüderliche Bündnis. Roger zog mit 300 Reitern nach Troina; aber die Stadtbevölkerung erhob sich bei einem seiner Streifzüge, und in Eile zurückgekehrt, hatte er, durch eine Hülfsarmee von 5000 Saracenen eingeschlossen, mit dem Hunger zu kämpfen, denn die verzweifelten Ausfälle brachten wenig Hülfe. Giuditta war genöthigt, oft »den Hunger durch Wassertrinken und Thränen zu täuschen«. Ihr und ihrem Gemahl blieb nur ein Mantel, mit dem sie sich wechselweise deckten. Doch die Fahidässigkeit der Belagerer, die sich den guten Wein schmecken liessen, unterstützte einen mit der gesammten Macht unternommenen Ueberfall. Roger bemeisterte sich der übrigen Stadt und des Thurms und holte dann aus Italien neue Pferde. Mittlerweile befehligte seine Gemahlin die Besatzung. Dann setzte Roger seine Beute Züge in Sicilien fort. Aber von den Ziriten Afrika’s unterstützt, zog ein saracenisclies Heer von (angeblich) 30,000 Reitern und 20,000 Mann Fussvolk gegen das durch die sicilianischen Christen verstärkte kleine Normannenhäuflein in Troina (1063). Roger rückte ihnen entgegen und schickte seinen tapfern Obersten Serlone zur Besatzung der Festung Ce- rami aus, wohin der Zug des Feindes gerichtet war; hier wurde die Reiterei der Saracenen geschlagen, nochbevorRogercintraf. Dann stürzten die Normannen, in zwei Haufen getheilt, auf das Hauptheer. Wer anders gab ihnen den Sieg, vuftMalatcrra aus, als ein herrlicher W’eisser Ritter mit rothein Kreuz, S. Georg, dem die Normannen nachstürzten! Der nordische Wille und Glaube siegte über die aus unzuverlässigen Arabern, afrikanischen Sklaven, verdächtigen sicilianischen Adligen und Haufen Volks zusammengefügte Masse der Saracenen. Wie Wolken, vom Wind aufgewirbelt, wie Vögelscharen, wenn der Falke auf sie stürzt, sagt Mala- terra, zerstäubte die saracenische Reiterei und hinterliess 15,000 Todte; am folgenden Tag fand noch die Nachjagd auf das Fussvolk statt. Die Gefangenen wurden nach Kalabrien und Apulien verkauft. Kurz nachher forderten die Pisaner wegen Ungerechtigkeiten der Saracenen Roger zu einem Zug nach Palermo auf, führten denselben aber allein aus (1063), sprengten die Hafenkette, erbeuteten sechs Handelsschiffe, warfen die Palermitaner zurück, plünderten die schönen vorstädtischen Villen aus und brachten einen so grossen Schatz nach Pisa, dass sie den Dombau beginnen konnten. Roger, seine Beutezüge bis Cefalu ausdehnend, liess seine Gemahlin im Kastell Troina, holte Hülfstruppcn auf dem Festland und setzte seine Streifzüge bis nach Girgenti fort. 1064 rückten Roger und Robert gemeinschaftlich nach Palermo vor, belagerten aber die Stadt vergeblich drei Monate lang. Das Val Demone (mit Messina) gehorchte nun den Normannen, das Val di Noto (mit Catania und Syrakus) dem mit den Normannen verbündeten Saracenentheil, das Val di Mazara (mit Palermo, Trapani, Girgenti, Caltanisetta) befehligten die feindlichen Saracenen. Von Petraglia aus eröff- nete Roger seine neuen Züge und bedrängte durch Ausdehnung seiner Macht die Sara- cenen so sehr, dass 1068 von Palermo aus eine neue Schlacht beschlossen wurde. Oestl. von der Stadt, bei Müilmeri, fand der Zu- sammenstoss .statt, in welchem die Saracenen (nach dem Bericht von Malaterra) so sehr unterlagen, dass selbst ein Bote fehlte, die Nachricht der Stadt zu bringen, und die Normannen Brieftauben hinschickten. Zu eben dieser Zeit hatte Robert Bari, die letzte Griechenstadt in Italien, erobert, wo die Normannen auch im Seekampf sich tüchtig erwiesen; sie zogen nun nickt mehr wie Abenteurer, sondern mit einem geschulten Heer von ca. 8 —10,000 Mann unter der Leitung beider Brüder Palermo entgegen, nachdem zuvor Roger sich Catania’s bemächtigt hatte, Roger von O., Robert vom Meer her. Sie bemächtigten sich zuerst des Castel Giovanni (Jahja), wo sie das Generalquartier aufschlngen; lloger stellte sich auf der Strasse gegen Monreale auf (bei S. Vittoria). So umzogen sie von S. her die Stadt in mehr als einem Drittel ihres Umfangs. Im N. schloss die Flotte den Hafen ein. Aber Palermo war gerüstet, seine Verthei- diger machten viele Ausfälle und kämpften mit Tapferkeit und Umsicht. Doch der Hunger, die Mehrung der Krankheiten und Sterblichkeit und die Niederlage der Hülfs- schiffe von Afrika verschlimmerten die Lage der Stadt. Da wagte Robert den General- sturm mit 14 verbundenen Treppen. Den HauptangrifF gegen die Festung der Altstadt leitete Roger (1072); der erste Sturm wurde kräftig abgeschlagen, aber Robert rückte rasch auf die unbewachte Khalesa vor, überstieg die hier schwach vertheidigte Mauer und zerschlug das Thor (hinter dem Gancia- kloster, an der Piazzetta Vittoria, wo noch jetzt in der alten Kirche della Vittoria [1. Altar r.] die Reste der Thür und ein Votivbild der That zu sehen sind). Die Stadt wurde geplündert, die Einwohner niedergemacht, die Kinder zu Sklaven verkauft . Auch die in der Khalesa sich schützenden Bewohner ergaben sich. Am vierten Tag zog Robert feierlich zum Dom, 1000 Reiter voran, mit ihm die Gemahlin, der Bruder und die Barone. So kehrte Palermo nach 240 Jahren zum Christenthum zurück. Kurz darauf ergab sich auch Mazara freiwillig und 89 90 Geschichtliches (Roger II.). wurde tributpflichtig. Nachdem Robert in Palermo Kastelle mit Besatzung errichtet und einem christlichen Emir die Leitung der Stadt übergeben hatte, kehrte er nach Apulien zurück, reich mit Beute beladen. In Italien ging er seinen grösseren Plänen nach, versuchte das griechische Reich zu bekämpfen, zog dem Papst Gregor VII. gegen den deutschen Kaiser zu Hülfe und verbrannte 1084 einen grossen Theil von Rom, erfocht dann einen glänzenden Seesieg gegen die Flotten von Konstantinopel und Venedig, erlag aber plötzlich einem Fieber (1085). Hoger schritt in Sicilien langsam vorwärts, noch fehlten ihm Taormina und Trapani. Eine Menge kleinerer Festungen fiel ihm dadurch zu, dass von den sara- cenischen Feinden ihn jeder nur vereinzelt angriff. 1076 gelang es ihm, nach vorherigem siegreichen Kampf der Saraeenen unter Benavert, das Val di Noto sich völlig zu unterwerfen; 1077 nahm er Trapani mit grosser Macht, 1078 Taormina, 1081 Hess er die Befestigungen von Messinu- neu errichten mit gewaltigen Wällen und Tliürmen, baute hier auch die Kirche S. Nicola, unterwarf sieh nochmals Catania, wo sich Benavert vorübergehend zum Herrn gemacht hatte, nahm 1086 Syra’cus nach einem hef- ; tigen Kampf im grossen Hafen und fünfmonatlicher Belagerung und 1087 Girgenti nebst den Kastellen seiner Provinz. Endlich übergab ihm Ibn Hammud auch Castrogiovanni. Zuletzt unterwarfen sich ihm noch 1089 Butera, das durch tapfern Widerstand sich einen günstigen Vertrag erwirkte, und freiwillig 1091 Noto. Dann eroberte er noch Malta. Seinem Neffen Roger verhalt* er zur Behauptung des Herzogthums Apulien, und dieser trat Roger die Hälfte Palermo^ ab. Auf dem Gipfel des Glücks raffte ihn der Tod im 70. Jahr weg. Sein Sohn Roger II, folgte ihm zuerst unter der Regenz (1101 —1111) seiner Mutter Adelaide, unter welcher Palermo (statt Messina) fester Sitz des Fürstenthums wurde ; es mochte damals 200,000 Einw. zählen. Der Hof war ein sehr gemischter; Krieger, Seefahrer, Juristen, Sekretäre, Handelsleute, Beamte, in verschiedenen Sprachen geübt, verschiedenen Religionen zugethan. Arabische Literatur und griechische Wissenschaft wurden gepflegt; die Künste hatten einen durch die Araber umgewandelten byzantinischen Charakter. Man traf am Hof Normannen, Saraeenen und Griechen Sieiliens, ebenso Kleriker und Adel Italiens und Frankreichs. Die saracenischen Sitten und Anschauungen griffen noch tief in das öffentliche und private Leben ein. — Roger II. zog mit grossem Heer nach Kalabrien, wo ein Zustand der grössten Anarchie eingetreten war, verbrannte die Kastelle der Aufständischen (1121), bz’aclite den Herzog Wilhelm von Apulien dazu, auf Kalabrien völlig zu verzichten, und kaufte ihm die andere Hälfte von Palermo ab und die Nachfolge im Herzogthum, falls er keine Söhne hinterlasse. Als Wilhelm 1127 starb, eilte daher Roger nach der Hauptstadt des Herzogthums Salerno und wurde nach Niederkämpfung der Gegner allgemein auch als Herzog von Apulien anerkannt; nur der Papst, der selbst nach diesen Provinzen trachtete, exkommunicirte den Fürsten und liess sich in Troja von den Baronen eidlich geloben, Roger zu vertreiben oder zu tödten. Aber Roger besiegte die Barone, und der Papst sah sich genö- thigt, ihn 1128 mit dem Herzogthum zu belehnen. Da auch die longobardischen Territorien, die normannische Grafschaft Capua und Neapel sowie die Republiken Gaüta und Amalfl seine Oberhoheit anerkannten, so liess er sich in einem Generalparlament zu Palermo den Königstitel geben und am 25. Dec. 118J im Dom von Palermo die Krönung mit orientalischem Luxus begehen. Der König von Sicilien (die anderen Gebiete waren nur Annexe des Königreichs) wetteiferte nun in Territorialbesitz, militärischer Macht mit den ersten Monarchen Europa’s und übertraf sie an Reiclithümern. Rogers Devise auf seiner Schwertklinge lautete nun: »Apulus et Calaber, Sicuius mihi servit et Afer«. Mit seiner neuen Würde war auch die wichtige oberste Kriminaljustiz verbunden. Neun Jahre lang hatte Roger noch den grossen Städten, den vereinigten Baronen, den pisanischen Seefahrern, den Heeren des Kaisers Lothar, den Philippiken S. Bernhards und der Opposition des Papstes entgegenzutreten, zu Land und zu Wasser oft unter grossen Verlusten zu kämpfen. List, Kriegskunst und Gewalt wechselten ab. Jeden Frühling zog er mit Land- und Seemacht nach dem Festland, und die saracenischen Ingenieure waren ihm von grossem Nutzen. Noch einmal liel der Papst (bei S. Germano) in die Hände der Normannen, und noch einmal begegneten ihm diese mit der grössten Ehrfurcht; aber er (Innocenz II.) wurde genöthigt, den Frieden zu unterzeichnen und die Bulle der Investitur Rogers und seiner Nachfolger mit dem Königreich Sicilien, dem Herzogthum Apulien und dem Fürstenthum Capua zu sanktioniren. Roger unterwarf sich auch in einem Krieg gegen die Ziriten von Tunis und Tripolis das Küstenland Nordafrika’s und sandte dann seinen sicilischen Flottenführer Georg mit 70 Galeren in die östlichen Meere, um in Griechenland die Entwürfe seines Oheims auszuführen; aus Athen, Theben, Korinth wanderten antike Schätze sowie Werke der Spindel und des Webstuhls nach Italien, selbst den kaiserlichen Palast in Konstantinopel griffen die Seefahrer an, aber der tapfere griechische Kaiser Manuel zerstreute mit Hülfe der Venetianer die kühnen Eindringlinge und brachte sogar durch den tüchtigen Admiral Paläologos während eines mehrjährigen Kriegs viele Städte in Apulien zur Anerkennung des Ostreichs. Aber nach des Admirals Tod ging alles Gewonnene wieder verloren, und der byzantinische Kaiser hatte die Königswürde Rogers anzuerkennen. Roger starb 1154 im 58. Jahr. 91 Geschichtliches (Wilhelm !.)■ 9 ‘ 2 , Unter seiner Regierung war Sicilien zu einer Blüte gelangt, welche alle damaligen italienischen Staaten übertraf. Roger war raschen Geistes, voll Lehen und Thätlgkeit, von reifem Urtheü in den öffentlichen Angelegenheiten und stets wachsam; sparsam in den Ausgaben, verwandte er doch grosse Summen für die Kriegsangelegenheiten, die Wissenschaften und die Monumente. Kr war ein vor- trefflicher Kinanzmann, wusste das Aerar zu mehren, und nahm sich der Verwaltung so sehr an, dass er persönlich die lteclmun- gen durchmusterte. In ganz Europa war damals die Sicherheit, der Wohlstand Sici- liens und Kalabriens berühmt, denn Roger verstand es, den Tyrannen imd Länderbesitzern sowie den Bauern zu imponiren und durch eigene unparteiische Gerechtigkeitspflege sich in Achtung zu setzen. Er hielt bis zur Grausamkeit an der unbedingten Unterordnung unter die Gesetze fest, refor- mirte das Gerichtswesen, liess zur Verbesserung der Civilgesetzgebung die berühmtesten Männer des Auslandes herbeirufen. Er führte Proviuzialmagistratc ein, Dclegirte der Regierung in den Städten, oberste Richter für eivile und korrektioneile Fälle, provinziale Rechtspflege der verschiedenen Instanzen, und folgte hier tlieilweise den früheren sa- racenischen Institutionen (giänib, hägib, se- lähia, giandär und das Gericht für Beleidigungen, Diwan ei mozälim); die Grosswürden der Krone entnahm er den abendländischen Höfen (Kanzler, Grossrichter, Protonotar, Conndtable, Kämmerer, Gross - Seneschal). Die Kanzlei theilte sich in eine arabische für die alten Bewohner und eine lateinische für die neuen ; in jener wurde auch die griechische Sprache gebraucht. In den arabischen Diplomen Lässt sich Roger »hochwürdiger und heiliger König« (el malek el mo’ aüzazam el kadis) nennen, und auf den Münzen »der hochwürdige, durch die Gnade Gottes erhobene«. In den doppelsprachigen Diplomen unterschreibt sich Roger immer griechisch: »Roger in Christus-Gott, frommer und mächtiger König, Vertlieidigcr der Christen« (so in dem prächtigen Diplom der Cappella Palatina). Er liess unter der Redaktion des Edrisi während 15 Jahren durch die berufensten Männer unter täglicher persönlicher Theilnahmo das namhafteste geographische Werk des Mittelalters ausfüliren: »Ergötzen des Reisendem-, ein Werk, das sechs Wochen vor seinem Tod vollendet wurde (dev Redaktor, Julrui, war ein Sprössling der letzten Chalifen von Cordova). Er zog stets bedeutende Gelehrte und Dichter an den Hof. Der Genius der Civilisation, welcher das ganze Leben des Königs Roger durchleuchtet, offenbart sich auch noch in seinen Monumenten, welche die Zeit verschont hat: die Cappella Palatina, S. Giovanni degli Kremiti, die PorphyrVdrge im Dom, die Reste der Villa della Fuvara (bei Mare- dolce), die Villa dell 1 AUardlo di Baida, alle zu Palermo, sowie der Dom von Cejalü. Schon gegen die Mitte des 12. Jalirh. war Sicilien voll von christlichen Einwanderern. Aber der üppige Süden rächte sich an den überkräftigen Nordländern. Rogers Sohn und Nachfolger. 'Wilhelm 1., lebte völlig wie ein orientalischer Despot; er war trag, stolz, zügellos und geizig; Georg Majo, Sohn eines Oeliiändlors aus Bari, leitete als Kanzler die Geschäfte wie ein Grosswessir. Die Watten WiLlielms siegten überall gegen die rebellischen Barone (1155), gegen die Auflehnungen in Sicilien, Kalabrien und Apulien (115G), die noch durch den Einfall der Byzantiner, den Angriff des Papstes und die Anschläge Barbarossa’s erschwert wurden. Die Byzantiner wurden vertrieben und in der grossen Seeschlacht bei Negropontc (1157) völlig geschlagen. Aber Wilhelm verlor die Eroberungen seines Vaters in Afrika; in Sicilien brachen Empörungen und Verschwörungen aus; Majo wurde beschuldigt, nach dem Thron zu streben und den König zu grausamen Thaten zu treiben, damit er als Tyrann verhasst werde, zudem seien am Hof Majo mit den Eunuchen und diese mit den Saracenen verbunden. Sein Vertrauter, Mutteo Bonello, ein junger Adliger, der heimlich zu den unzufriedenen Baronen hielt, stiess ihn (11(»U) bei den Hausern des Erzbischofs von Palermo nieder und wurde der populäre Held l’alermo’s und des Königreichs. Die Unzufriedenen beschlossen die. Absetzung des Königs. Wilhelm wurde plötzlich im Rathssaal festgeuonimen, seine Schatze und Frauen vertlieilt, die Eunuchen nieder- geinaelit, die Königsburg zerstört (11(>1), der Sohn des Königs unter die Rcgenz der Verse hwornen gestellt, viele Muselmanen ge- tödtet. Aber unter den Verschwornen brach Zwist aus, das Volk wandte sich gegen sie als gegen eine Rotte von Ucbelthatcrn, die Prälaten riefen zur Befreiung des Königs auf, und die Verschwornen sahen sich ge- nötliigt, mit dem König zu unterhandeln; er besiegte nun auch die aufrührerischen Barone im östlichen Sicilien (1161) und sclilv^g mit grösster Grausamkeit die Unruhen auf dem Festland nieder (11(52). Eine zweite Palastverschwörung endigte mit dem Tod aller Verschwornen (1173). ln diesen Kämpfen hielten die grossen Städte stets zum König, denn die Barone übten einen viel lästigem Druck; dagegen die lombardischen Ortschaften in Sicilien traten immer auf die Seite der Barone und hielten auch den Religionshass gegen die Muselmanen aufrecht. Die Wiedereinsetzung Wilhelms brachte die Eunuchen nochmals an die Spitze, alle Magistrate wurden aus den Kreisen des Hofs genommen, dienten diesem und ihren eigenen Leidenschaften und unterdrückten die Untergebenen straflos. Wilhelm üb.erliegs die Regierung seinen Ministern und eiferte-seinem Vater nur in den orientalischen Vergnügungen nach, liess dazu mit grossen Kosten in kürzester Zeit die Zisa (ElAziz, die Glänzende) erbauen. Noch vor ihrer Vollendung starb der König 11(56 im ' 46. Jalir. (Falcando fügt bei: »An der drei- j tägigen Leichenfeier weinten nur die sara- ■. cenischcn. Frauen«.) U3 (lescliichtliclics Sein Solin IVilhelm II. zog aus der väterlichen Tyrannei die gcgentheiligen Lehren. Seine Gerechtigkeit, iMilde und Liebenswürdigkeit gewannen ihm rasch die Herzen. Freilich brachte seine Schwäche das Reich um die Selbständigkeit. Der 14jährige blonde und anmuthige, in den Wissenschaften gut erzogene Jüngling wurde in Palermo gekrönt. Die Umwälzung, welche die katholische Partei von Frankreich und England durch den jungen Vetter der Königin, Eticnne des liotrous, Grafen von Perclie, der Grosskanzler imd Erzbischof von Palermo wimle, zu Gunsten des Papstes beabsichtigte, endigte mit dem Exil des Kanzlers (1.1C8) und der französischen Genossen. Die Urheber der Gegenrevolution bildeten nun ein aus Bischöfen und Grafen gebildetes Decemvirat, und als der König grossjährig wurde, schwang sich ein Mitglied dieses Raths, der Engländer Walther of the 31 ill (GuaUerio Offamilio), Dekan von Girgenti und Lehrer des Königs, zum Erzbischof von Palermo und ersten Minister auf und nahm zu Genossen der Regierung nur den Kanzler Matteo d’Ajello aus Salerno und den Engländer Richard Palmer, Bischof von Syrakus. Matteo war das Ifaupt der kirchlichen Kationalpartei, die beiden anderen standen an der Spitze der kaiserlichen Partei. Der König, klug in den kleinen Dingen, wusste beide Parteien auszugleicken. Da Wilhelm kinderlos war, so suchte man einen Nachfolger. Die Nationalpartei war für den illegitimen Sohn des Herzogs Roger von Apulien, Tancred; die kaiserliche Partei errang den Sieg durch die Veivheirathung (’ostanza’s, Tochter König Rogers, die zum Kloster bestimmt war, im Alter von 31 Jahren (118G) mit dem 21jährigen ältesten Sohn des deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa, Heinrich (VI.). Im Innern genoss Sicilien unter Wilhelm II. (dem Guten) eine Periode des Friedens, der Gerechtigkeit und materiellen Wohlfahrt, die Gesetze erhielten wieder Kraft und die Parteien söhnten sich aus, die Sicherheit war ebenso gross und sta.u- nenswertli wie unter Roger, der Wohlstand noch grösser. Nach aussen dagegen war die Politik eine schwächliche; es wurden unnütze Kriege unternommen und der einzige nothwendige vermieden. Der König verschwendete mitten in seinen Lieblingsbeschäftigungen, in seinen Palästen und Gärten, in fernen Unternehmungen, in der Theilnalnne an den Kreuzzügen, an den Kämpfen gegen Saladin und die Muselmanen, gegen Afrika und Griechenland mehr Menschenleben und Schätze, als je sein Grossvater und Urgrossvater zu ihren Eroberungen gebraucht hatten. Mohameä ihn Djobair von Valencia schreibt als Augenzeuge: »Der König liest und schreibt arabisch, sein Harem besteht aus saracenisclien Damen; Pagen und Eunuchen sind heimliche Muselmanen. Die Frauen Palermo’s sind schön, üppig und ganz saracenisch gekleidet; an festlichen Tagen in der Kirche (Wilhelm II.). 91 erscheinen sie in goldgelber Seide, kostbaren Mantillen und farbigen Schleiern, mit goldenen Kotten und Ohrgehängen«. Wilhelm II. starb 1181), eben als er, im Verein mit Philipp August und Richard Löwenherz, eine grössere Flotte nach der Levante führen wollte, ln seiner Politik hatte sich Wilhelm stets zwischen den Vorschlägen seiner beiden Minister Walther und Matteo hin- und herbewegt. Auf Matteo’s Rath errichtete er das Erzbisthum Monreale vor den Thoren Palermo’s (1182); auf seinen Rath schickte er eine Flotte gegen Alexandria aus unter Tancred (1174), der dadurch zu solchem Ruhm kam, dass er als Nachfolger Wilhelms designirt wurde. Auf Walthers Rath hatte er Costanza an einen Ho- henstaufen verlieirathet. Nach dem Tode Wilhelms rief die Proklamation der holicnstaufi- sehen deutschen Herrschaft eine allgemeine Anai’chie hervor, die von einer wüthenden Verfolgung der Saracenen (118!') begleitet wurde. Eine grosse Zahl Saracenon floh in die Berge des Westens, und ihr Aufstand dauerte bis ins Spätjahr 1190; mehr durch Ueberredung. als durch Uebcrwindung bewogen, kehrten sie zurück, denn in Palermo hatte Matteo über die Fremdenpartei gesiegt , und Tancred wurde zum Nachfolger Wilhelms gewählt; seine innere Politik war weise, seine Kriegführung dagegen unglücklich; er beruhigte die Saracenen, söhnte sich durch Geld mit Richard von England aus, entsclilug sich durch Vermittelung der inneren und äusseren Feinde auf dem Festland. Schon nach vier Jahren starb er (1194) und liinterliess die Krone einem Kind, die Regenz einer untüchtigen Mutter (der Kanzler Matteo war inzwischen gestorben). Die Hohenstaufen. Kaiser Heinrich VI. erschien zur Geltendmachung seiner Rechte (als Schwiegersohn König Rogers) mit einem Heer. Als Catania ihn zum König ausrief, sandte die Wittwe Tanc-reds Truppen dahin, aber der kaiserliche Marschall Heinrich von Kalindin, unterstützt von Genuesen, schlug die sicilischen Scharen. Die königliche Wittwe floh mit einer kleinen Schar der Ihrigen in das Kastell zu Caltabellotta. Heinrich, stets bedacht, ein gewaltiges Kaiserreich zu schaffen, zog mit Stolz in das festglänzende Palermo ein (30. Nov. 1194). ln grossen Zügen gingen ihm festlich geschmückt die Bürger entgegen, voran die Musik und die reich geschmückte Reiterei mit den schönsten Pferden. In der Stadt fand das triumpliirende Heer die Paläste mit Teppichen und Blumengewinden behängen, die Strassen duftend von orientalischen Specereien. Wie erstaunten die Deutschen über die mazmigfachen Herrlichkeiten des reichen Normannensitzes, über die Fülle von Gold und Silber, die prächtigen Schlösser und Paläste, die Demutli der Saracenen, die sich bis zum Boden ver- i neigten- Als Heinrich in die Königsburg j trat, boten ihm die Eunuchen die Schlüssel I zu den Schätzen dar, und hier fand er 95 Geschichtliches (Heinrich VI.). 9C Kisten voll geschlagenen Geldes, Gemmen und kostbaren Gewandungen und die Steuerbücher Kalabriens, Apuliens, Siciliens und Afrika’s. Von den Kostbarkeiten tlieilte er manche an den Adel und die Hauptleute aus, andere schickte er nach den hohen- staufischen Burgen (noch jetzt bewahrt "Wien unter den Kleinodien des heiligen römischen Reichs den Mantel Rogers (1133), die Tu- nica und den Beinschmuck Wilhelms II., mit Goldstickerei und Perlen, arabischen Buchstaben, Figuren und Arabesken, auch die Handschuhe und arabeskirten Sandalen und Gewebe von Seide und Gold. Heinrich knüpfte nun mit der Königin in Qaltabellotta Unterhandlungen an, versprach ihrem Sohn die väterlichen Erbgüter, die Grafschaft Lecce und das Fürstenthum Tarent und gelobte allen Sicherheit der Personen und des Eigenthums. Die Königin öffnete die Burg, ihr Sohn Wilhelm entsagte der Krone, und Heinrich liess sich im Dom von Palermo krönen. Nun schritt der Kaiser zur Ausrottung jeglichen Widerstands, wozu Briefe über eine angebliche Verschwörung zum Sturz der Fremdherrschaft erwünscht waren. Die Blutgerichte trugen den grausamen Charakter jener Zeit, und die Rache versprach wesentliche Förderung der politischen Pläne. Ein Beamter der Hohenstaufen berichtet: »Heinrich rief ein Parlament (Optimatenversammlung) in Palermo zusammen, venirtlieilte den König, die Königin, mehrere Bischöfe und Grafen, sie einer Verschwörung bezüehtigend, einige blendete er, andere verbrannte er, oder sie wurden gehängt, oder nach Deutschland in die Gefangenschaft geschickt«. Der deutsche Mönch Otto von Sankt Blasius, der Lobredner Heinrichs, erzählt von der »studirten Grausamkeit der Strafurtheile«. Viele wurden sogar lebendig in die Erde vergraben, oder gesotten, oder gespiesst. Die königliche Wittwe und ihre drei jugendlichen Töchter wurden als Gefangene in die elsäs- sische Festung Hohenberg gesperrt (»An- nales Marbacenses«, Portz 17,1Ö6), zwei ihrer Vettern fanden in einem unterirdischen Verliess der Burg Trifels den Untergang, den Erzbischof von Salerno, seine Brüder und viele Anhänger des normannischen Königshauses schloss man auf deutschen Burgen ein, der unmündige König Wilhelm wurde geblendet und entmannt und bis an seinen Tod in die Festung Hohenems in Vorarlberg eingekerkert, Tancreds Leiche wurde ausgegraben und verhöhnt; alle Habe der Verurtlieilten zog der Kaiser ein, schwer beladene Saumrosse trugen die Schätze in die kaiserlichen Burgen. So hauste der Kaiser unter den verweichlichten und entarteten normannischen Grossen, stellte durch entsetzliche Strenge die Zucht und den Gehorsam her und schuf sich Platz für kaiserlich gesinnte Kolonisationen. Noch in Palermo erhielt Heinrich die Nachricht, seine Gemahlin habe in Jesi (bei Ancona) einen Sohn (Friedrich II.!) geboren. Costanza, im Verein mit einigen vertrauten Rathen, erhielt dann die Verwaltung Siciliens, Heinrich ging seinen grossen Entwürfen nach. — Zwei Jahre später, als der Kaiser die Burg des Kastellans von Castrogiovanni, der sich aufgelehnt hatte, belagerte, erkältete er sich auf einem Streifzug an einem heissen Augusttag auf diesen Höhen und kehrte an Dissenterie erkrankt nach Messina zurück. Noch nicht ganz genesen, machte er sich auf den Weg nach Palermo, aber ein Rückfall brachte ifim den Tod (28. Sept. 1197), wahrscheinlich in llandazzo (nach der Cronica di Sessa). Er wurde in Palermo begraben in dem schönen Porphyrsarg, in welchem sich noch feilte seine Gebeine befinden; aus diesem Sarg hatte er die . Leiche Tancreds herauswerfen lassen. Er hatte nur 32 Jahre erreicht, und sein Erbe war der vierjährige Friedrich, der nun rasch nach Palermo geholt wurde, nachdem seine Mutter Costanza in Uebereiustimmung mit der nationalen Partei alle Deutschen, Markward von Anweiler an der Spitze, verbannt hatte. Ihr Kind liess sie noch vor zugesagter päpstlicher Investitur 1198, 17. Mai, zum König von Slcilien krönen. Kaiser Friedrich II. (I. als König von Sicilien). Der grosse Papst Innocenz IIU, ein besonnener, gewaltiger Herrscher und ein Meister in der Kunst die Verhältnisse zu benutzen, trat sogleich auf die Seite Costanza’s da sie sich auf die nationale Seite gegen die Deutschen gestellt hatte. Aber an die Belehnung Friedrichs mit dem Königreich Sicilien knüpfte er die Bedingung, dass die Normannenkönige auf die verliehenen kirchlichen Freiheiten zu verzichten und sich zu einem jährlichen Lehnszins von 1000 Goldstücken zu verpflichten hätten. Noch bevor der Lehnseid geschworen wurde, starb Costanza (27. Nov. 1198). Doch hatte sie in ihrem Testament den Papst zum Vormund Friedrichs, den Erzbischof von Palermo (Bartolommeo of the Mill), den Erzbischof von Monreale und den Kanzler Walther von Palearia, Bischof von Troja, zu Berathern desselben bestellt. Aber die deutsche Partei wuchs, da die von Heinrich mit Lehen im Königreich beschenkten Kriegführer nun auch ihr Haupt erhoben, und Innocenz Fremde gegen Fremde stellte. Der von Costanza verwiesene Marktoarä von Anweiler verband sich unter Berufung auf Heinrichs Testament, das ihn zum Vormund Friedrichs und Verwalter Siciliens bestellt hatte, mit dem Markgrafen Diepold von Voh- burg , Grafen von Acerra, welcher behauptete, von Heinrich zum Statthalter von Apulien ernannt worden zu sein; sie traten nun den ihre Rechte nicht anerkennenden normannischen Edlen und Bischöfen mit bewaffneter Macht entgegen. Markward fasste den kühnen Entschluss, nach Sicilien überzuschiffen, um sich der Hauptstadt und des Königskinds zu bemächtigen. Unterstützt durch die Pisaner, fuhr er von Salerno nach Trapani (Oktober 1199). Der Papst beschwor sogleich die Grafen, Barone, Bürger und Bewohner ganz Siciliens, 97 Geschichtliches (Friedrich II.), 98 gegen diesen »Feind Gottes, der Kirche und des Königs« zu ziehen, und sagte allen, welche gegen Markward stritten, den Kreuzzug-Ablass zu, da dieser Hebell sich mit den »Saracenen verbinde und ihnen christliches Blut zu trinken und geraubte christliche Frauen zu eigen gebe. Freilich wenige Tage nachher schrieb er auch an die »Saracenen, ihm und dem König treu zu bleiben, lobt die unerschütterliche ltechtiichkeit derselben und verspricht ihnen, dass er sich in seinem Krieg gegen Markward jeder Beleidigung der Saracenen enthalten und sie vielmehr mit neuen Freiheiten beschenken werde. Aber nach und nach trat der grösste Thcil des Val di Mazara, Saracenen und Christen, auf die Seite Markwards, so dass er im {Sommer 1200 den Zug gegen Palermo wagte. Die dortigen Verweser schickten Friedrich nach Messina und erhielten einige Hülfe von Innocenz, 200 Heiter mit einem Kardinallegaten und den Erzbischöfen von Tarent und Neapel; von Messina zogen sic mit den sicilischen Truppen zu Schiff und -Land nach Palermo und erschienen, als die schon 20 Tage belagerte Stadt an Mangel zu leiden begann. Nach viertägigen vergeblichen Verhandlungen schritten sie zum Kampf. Markward hatte zur Linken mit boo Pisanern und einer sehr grossen Zahl Saracenen die Höhen von Monreale besetzt und sein Heerlager zwischen der Kocca und dem Ponte della grazia aufgeschlagen. Gegenüber stand das königliche Heer mit dem jwudcr des Kanzlers zur liechten und dem päpstlichen Marschall und Kastellan der Cuba. .Der Flügel Uentile’s stürzte die Höhen von Monreale hinan und hieb die Saracenen nieder, in der Ebene hatte dagegen Markward mit den deutschen und saraceiiiselien Heitern zweimal schon die Anstürmenden zurückgedrängt, aber beim dritten Anprall brach der Marschall mit dem ganzen linken Flügel vor und schlug den Feind. Markward floh; der Pisaner lianieri und andere Krieger von Bedeutung wurden gefangen, die Besiegten flohen über Berg und Thal; gross war die Beute, auch der Schrein mit dem Testament Heinrichs VI. war darunter. (So erzählt der Augenzeuge Anselm, Erzbischof von Neapel.) Aber dieser Sieg trug keine Früchte, denn der Kanzler hegte einen immer starkem Verdacht gegen den Papst, und der Marschall und Legat kehrten unverrichteter Sache nach Kom zurück. Markward wurde zwar noch einmal bei Handazzo geschlagen, aber dann verständigte sich der Kanzler mit ihm, hauptsächlich um dem mit zahlreichem Gefolge erschienenen französischen Grafen Gauthier de Brieune , Schwiegersohn Tanereds, das Gegengewicht zu halten, da ihn der Papst als Fürsten von Tarent und Grafen von Leeee anei’kannt hatte. In Sieilien und auf dem Festland wiithete der Parteikrieg; der siciüsclic Adel war getheilt, die grossen Barone wollten sich nicht un- terordnen und viele schlossen sich au die Partei Markwards an. Markward und der Kanzler thcilten sich einige Zeit in die Unter-Italien. II. Herrschaft, trennten sich aber bald in Feindschaft. Die Anarchie ergriff das ganze lieich, doch stand ausser Messina jetzt fast ganz Sieilien unter Markward, der aber plötzlich (an einer Steinoperation) starb. An seine Stelle tx*at wieder ein Krieg- fülirer der deutschen Partei, Wilhelm Gap- parone, bezog das königliche Schloss in Palermo und nannte sich Vormund des Königs (der schon nach der Niederlage Markwarus nach Palermo zurückgekehrt war) und Hauptmann von Sieilien. Auch er trotzte dem Bannfluch und den feindlichen Angriffen. Als Markgi-af Diepold von Vohburg mit Einwilligung des Papstes nach Palenno ging, um Königsschloss und König unter seine Aufsicht zu nehmen, traten Capparone und der Kanzler gegen ihn auf. Unter solchen Zuständen wilder Anarchie verbrachte Friedrieh seine Jugendzeit. Da trat Otto 1 V. seinen Kömerzug an (1209), stellte die Heiclxsrechte her und suchte da wieder anzuknüpfen, wo beim Tod Heinrichs VI. abgebi’ochen worden, denn dieser hatte den grossartigen Plan gefasst, wozu die Grundlagen der sicilischen Monarchie (die monarchisch - büroaukraüsche Verfassung, das von den Mohammedanern eingeleitete Finanzsystein, die reichen Schätze und mächtigen Flotten desLandes)am besten passten, das gesammte Mittelmeer zur Binnensee des Kaiserreichs zu erheben. Otto suchte auch den jungen Friedrich seines siciliscli - apulischen Heichs zu berauben, aus Furcht, ihn einst als Gegeixkönig sich gegenübei’treten zu sehen. Dazu knüpfte er Verbindungen mit Diepold, den er zum llei’zog von Spoleto erhoben, und mit den Häupterxi der deutschen Partei an. Ende 1210 war er Herr von ganz Unteritalien. Schon wollte er von Kcggio nach Sieilien übersetzen, da ti’af ihn der Bann des Papstes und bald dax’auf die Nachi-icht, dass die deutschen Fürsten deshalb von ihm abgefallen. Besonders die schwäbischen Heri’en äusserten wieder ihre alte Anhänglichkeit an die Hohenstaufen, und Friedrich hatte nie aufgehört, den Titel »Herzog von Schwaben« zu führen, und war dui*ch die Sorgfalt der seine eivte Erziehung überwachenden Gräfin von Ursliiigen im Deutschen gut unterrichtet worden. 1211 wurde der Abfall von Otto in Nüniberg öffentlich bestätigt und Friedrich zum deutschen König gewählt. Er war im 14. Jahr volljälmg geworden und hatte sich 120Ö mit einer Schwester des aragoniseken Königs, der 24jährigen Wittwe des Königs von Ungarn, vermählt. Der grösste Theil der königlichen Domänexi war usui’pirt, oder von den Kegeuten abgetreten woi’den, Syrakus und einen Theil der Provinz hatten die Genuesen besetzt; dagegen hielten Volk und Klerus von Palermo, Messina, Catania, Caltagironc und Nicosia zu Friedrich, aber vei’mocliten nicht, den üblügen Theil der Insel zum Gehorsam zurück- zubringeu. Constantia, die Gattin Friedrichs, liess daher ihren Verwandten, den 4 99 Geschichtliches (Friedrich II.) 100 (trafen von Provence, mit 500 Heitern kommen , welcher Friedrich von Palermo nach Catania und Messina geleitete (1209) und ihn dort in der Herstellung seiner Lelins- reehte unterstützte; doch eine Seuche wti- thete unter den Htilfstruppen, und der Kö- niir sah sich ausser Stand, den nun auch rebellischen Saraeenen entgegenzutreten. Aber der lluf nach Deutschland, der ihm die Kaiserkrone in Aussicht stellte, hob seine Ki-aft. Er überwand die Abmahnung seiner Gemahlin und der sicilischen Grossen und 'eilte im März 1212, 17.Jahre alt, über Rom (wo er durch Erneuerung des Lehnseides den Papst beruhigte) und, da die gewöhnlichen Gebirgspässe besetzt waren, über die x-aulxesleu Alpenpässe Hohenrätiens nach Chur, St. Gallen und Konstanz, gerade als Otto auf dem nöi-dlichen Ufer des Sees nahte. Der Bischof von Konstanz liess den jugendlichen, alle Herzen bezaubernden König ein, und der Bischof von Bari sprach den Bann über Otto. Auf seinem Weiterzug folgten ihm selbst die Grafen von Kybuvg und Habsburg, und schon mit grossem. Gefolge zog er in »die edle Stadt Basel« ein, wo ihm eine Reihe von Fürsten und Bischöfen huldigte. Zu Frankfurt wurde er auf einem glänzenden Reichstag nochmals zum deutschen König gewählt und im Dom von Mainz gekrönt. Dem. Papst schwor Friedrich aufs neue die Unabhängigkeit des Kirchenstaats und die Obei-lien-lichkeit über das sicilisclie Reich zu. In Aachen salbte der Legat des Papstes den jungen, nun auf den Stuhl Kax-ls d. Gr. erhobenen König, und Friedlich gelobte hier einen Kreuzzug nach dem heiligen Land. ein Schwur von den sehwei-sten Folgen. Denn die Verzögerung der Ausführung, die Weigerung, Si- cilien als Kirchenlehen von der Krone des römisch-deutschen Reichs zu trennen, vei-- wickelte ihn in den heftigsten Streit mit (lern päpstlichen Stuhl. Nach acht Jaln-en kehrte Friedlich nach Italien zurück; in Rom zum Kaiser gekrönt (22. Nov. 1220), bemühte er sieh, die seit 30 Jahren so tief gesunkene Autorität in Sicilien und Süditalien herzustellen. Mit Klugheit und Ki-aft wusste er den Par- leien und der Eigensucht zu begegnen. Auf dem Festland rief er Parlamente zusammen, erliess strenge Gesetze und bewältigte mit den Waffen die aufrührei-ischen Barone. In Sicilien fielen dem mächtigen Herrscher die Christen sogleich zu, aber die Sax-acenen setzten ihm neue Aufgaben. Ihr Brach, mit der christlichen Bevölkerung war ein vollständiger, nicht wegen der Religion, sondern w r egen ihrer socialen Stellung, denn auch im Val di Mazara, wo sie noch in grosser Zahl wohnten, waren sie (denen die hohe Blüte des Ackerbaues und die Venvand- lung Siciliens in ein prangendes Paradies zu verdanken war) zur Annut und zur Knechtschaft vernrtheilt, da den Geistlichen, als den Hauptstützen des Thi-ons, der Haupt- theil des Landes zugesproclien worden. Auch Friedrich begünstigte die hohe Geistlichkeit, um an ihr eine Stütze gegen die Eingriffe des Papstes und der Barone zu erhalten. Er bestätigte auf Ansuchen des Erzbischofs von Monreale den Besitzeszustand und die Koncessionen der Kirche, wie sie während der Anarchie in Anspruch genommen worden, gab in den Donationen unbedenklich Orte zu eigen, wo Saraeenen wohnten. Der Aufruhr derselben wuchs daher immer drohender; sie zerstörten sogar das Spedale di S. Giovanni de’ Lepi-osi liax-t an den Thoren l’alermo’s, nahmen den Bischof von Girgenti gefangen und besetzten selbst die bischöflichen Häuser und den Campanile des Doms (1221); in Cefalxx musste die Besatzung gegen ihren Angriff vei-stärkt werden. Es mochten damals noch ca. 60,000 Saraeenen in Sicilien wohnen und ebensoviel in Apulien, abgerechnet die Handwerker und Diener in Palermo sowie die in der Campagna vei-wendeten Ai-beiter. Die Zahl der Kämpfenden stieg bis auf 30,000. Fricdi-ich hatte 1221 ein Parlament in Messina gehalten, um durch strenge polizeiliche Gesetze der grenzenlosen Sittenverderbnis zu wehren; er hatte eine Rundreise in den wichtigsten Städten der Insel gemacht und auf dem Festland den widerspenstigen Grafen von Celano gezüchtigt. Jetzt sah er sich genötliigt, dem Axifstand der Saraeenen mit aller Macht entgogenzu- treten. Er zog gegen deren Häuptling Mi- vabetto (Morabit), belagex-te Giato und bemächtigte sich des Häuptlings sammt seinen beiden Söhnen und des Genuesers Porco, der kurz zuvor siciJiselier Elottenfithi-er gewesen, sowie des Hugo Eer aus Mai-scille, der einst zu Tausenden französische und deutsche Kinder unter dem Voi-wand, sie zum Kreuzzug zu vei-wenden, als Sklaven nach Afrika verkauft hatte. Fi-iedrich liess die gefangenen Häuptlinge in Palei-mo an den Galgen hängen; aber die Saraeenen setzten den Krieg fort; er bedrängte sie durch Zci’störung der Ernten und Abschneiden der Lcbensmittclzufuhr. Viele ergaben sich, und er schickte sie nach Lucera zur Bildung einer für ihn sti-eitbareii Militärkolonie. Noch drei Jahre setzte er diesen Krieg fort, zu welchem er auch die Barone hei-beirief; es scheint, dass auch die Sara- cenen der Provinz Girgenti nach Lucera geschickt wurden, die der zwei anderen Pi-ovinzen dagegen im Besitz ihrer Ländereien oder in der Ausübung ihrer Industrie belassen blieben, nach Vei-abfolgung von Geiseln. Von 2225 — 42 beunruhigten sie den Kaiser nicht mehr. In zweiter Ehe vei-mählte sich Friedrich mit Jolanthe, der Tochter des Johann von Brienne, und fiihi-te nun auch den Titel eines Königs von Jerusalem. Tn San Germano beschwor er 1227 aufs neue, den Kreuzzug mit grosser Hülfsmacht anzutreten. In Sicilien gelang ihm die Unterordnung der Barone und die Umwandlung der Saraeenen zu ergebenen Truppen sowie die Hebung der innei-en reichen Kräfte des Landes durch eine treffliche Verwaltung. Uli Geschichtliche« (Friedrich II.). 102 Den Kuelilsbodcn der Modernen Monarchie legte seit 1225 der bedeutendste Reehts- gelehrte jener Zeit, Pietro dolle Vigne (Petrus de Vincis), der später alle •wichtigen Stnatsgeschäfte leitete. I)ante lasst ihn in der Hölle (XIII, 58) sagen: »Ich bins, der einst das Herz des Friedrich MitbeidenSehliisseln auf- und zugeschlossen, Und sie so sanft und leis gedreht, dass ich, Und sonst fast keiner, sein Vertrau’n genossen — Und bis ich ihm geopfert Schlaf und Illut, Weiht 1 ich dem hohen Amt mich unverdrossen«. Die Kurie konnte sich zur neuen Gestaltung der Monarchie keineswegs freundlich stellen, denn ihre lehnsherrlichen liechte kamen in Gefahr, um so mehr, als Friedrich danach strebte, das Besetzungsrecht der Bisthiimer wieder an die Krone zu bringen. 1227 rüstete sich Friedrich zum Kreuzzug, und die Kreuzfahrer sammelten sich in Brindisi; aber die sommerliche Fieberluft lichtete die lieilien der im Lager dicht Zusammengedrängten. Schon stachen 40,000 in die See und am 8. Sept. folgte der Kaiser mit dem Landgrafen von Thüringen ; doch nach der Abfahrt steigerte sieh das Fieber, an welchem beide litten, und sie waren zur Umkehr genöthigt; der Landgraf erlag, der Kaiser verschob die Abreise und begab sich zur Herstellung in die Bäder von Pozzuoli. Da kehrte auch die Flotte zurück und der Kreuzzug löste sich auf. Gregor IX. sprach den Bann über den wortbrüchigen Kaiser und schob alle Schuld auf diesen, da er das Kreuzheer zu unpassender Zeit in ungesunder Gegend absichtlich versammelt habe; er selbst heuchle Krankheit, lebe den Sinnesgenüssen und habe die Sache Christi verlassen. Nun erliess Friedrich das berühmte Manifest, in welchem er die Gefahren darlegte, welche die Herrschergewalt der Hierarchie dem weltlichen Regiment bereite, und die Entartung der Kirche malte; ein Manifest, das selbst auf dem Kapitol zu Rom verlesen wurde. Der exkom- municirte Kaiser zog dennoch nach dem Morgenland, wo er als der in ai-abischer Gelehrsamkeit bewanderte »christliche Sultan« der sicilischen Saraeenen hochgeehrt ward. Noch vor der Abfahrt war Jolanthe an der Geburt ihres Sohns Konrad gestorben. Schon war Friedrich in Akkon angekommen und hatte vom Sultan nur die (schon früher zugesagte) Ueborgabe der heiligen Orte verlangt. l)a trafen Briefe des unvei’sühnliclien Papstes ein und stachelten den Patriarchen, die Priester, die Templer und Johanniter gegen den »exkommnni- cirten Piraten« auf; die Unterhandlungen mit den mohammedanischen Fürsten zogen sich in die Länge; durch Mohammedaner musste der Kaiser vor den Nachstellungen geistlicher Ritter gewarnt werden. Mittlerweile vernahm Friedrich, dass der Papst sein apulisches Reich angegriffen habe. Er schloss rasch einen Vertrag, dass die Moschee auf dem Tempelberg von Jerusalem den Mohammedanern verbliebe, die übrige Stadt aber sammt Bethlehem und Nazareth und der Küstenstrich von Joppe bis Sidon den Christen abgetreten werde. Aber dev aufgestiftete Patriarch klagte, dass der Kaiser durch den Frieden die Waffen der Christen stumpf gemacht habe, ohne das Heil Jerusalems zu sichern, dass er im Herzen ein Heide sei und den Moslemin mehr Gunst erweise als den Christen, selbst unter seinen Hausgenossen Saraeenen habe. Dennoch zog Friedrich in Jerusalem ein und setzte sich nach dem Besuch des heiligen Grabes ohne priesterlichen Segen die Krone des Königs von Jerusalem auf unter Hymnen der Deutschen. Der Erzbischof von Caesarea sprach dann noch nachträglich das Interdikt über Jerusalem und das heilige Grab (!). Friedrich landete nach elfmonatlicher Abwesenheit wieder in Brindisi, verjagte die päpstlichen Truppen, die schon alles Land am Garigliano und Volturno weg- genoramen hatten, aus seinen Besitzungen und züchtigte die auf ihre Seite getretenen Unterthancn, nöthigte den Papst zum Frieden (1230) und zur Aufhebung der Exkommunikation. Freilich hatte die gemeinsame Verurtheilung des Republikanismus und der Ketzerei in Oberitaliens Stadtgemeinden beide einander genähert. Aehnliche Erscheinungen wie in Oberitalien, zeigten sich in den Municipien Sieiliens, genährt durch die Guelfenbeispiele des Festlandes, die Aufstiftung der Mönche und durch die Genueser; daher mitten in der organisatorischen Tliätig- keit Friedrichs die unerbittliche Strenge. Die Lelmsträgcr sollten zu Beamten, die Städte zu Centren der königlichen Herrschaft gestaltet werden; an die Stelle des alten Feudalismus sollte die alle Einzelglieder zu Trägern des Staatslebens in sich aufneh- tnende Erbmonarchie treten. Jegliche Re gung städtischer Demokratie, jedes Festhalten an den alten Baronialreehten wurde gewaltsam unterdrückt, daher die Bluturtheile zu Messina, Syrakus und Nicosia, daher die Versetzung der Bewohner von Centorbi, Capizzi, Troina, Montalbano in andere Städte und die Zerstörung der Häuser; daher aber auch die regelmässige Einberufung der Bezirksparlamente und die besonderen Repräsentationen der Gemeinden daselbst. Auf dem Festland halfen ihm zur Befestigung seiner Macht die Kolonien sicillani- seher Saraeenen, zunächst in Lueera, dann in Girofalco; ihr wiederholtes Desertiron nach SiciUcn bewog ihn, 12SU fast alle Sa- racenen in Zuce>-a (Capitanata) zu vereinigen. Die auf der Insel noch Zurückbleibenden wurden theilweise aus ihren früheren Sitzen, entfernt (sie finden sich z. B. in den königlichen Kastellen von Syrakus und Len- tini, im Quartier Seracaldi und bei der Zisa in Palermo; in der Umgegend von Girgenti und Oefalü; theilweise auch noch als Hirten ira Val Mazara, auch in der Umgegend von Trapani). Nach nochmaligem Aufstand gingen die letzten Reste, zum Ohristenthuin • 1 * 104 10:1 O-eseMclitliches (Fviedvidi TL). übertretend, völlig in der Bevölkerung auf (die anderen kamen aufs Festland). — Friedrichs politisch eil Zielen trat einstweilen noch die Langsamkeit der geschichtlichen Entwickelung entgegen; das Papstthum schloss keinen Bund mit dem allgewaltigen Staat, die Städtefreiheit Oberitaliens ging nicht in dem grossen Organismus auf, die (Jentralisation der Staatsgewalt in Apulien und Sicilien förderte die Fremdenherrscliaft. Aber seine Konstitution des Königreichs Sicilien (in Melii sanktio- nirt) ist eine merkwürdige Vorahnung des modernen Staatsbaues , indem sie die Staatsgewalt ganz in die Macht des Königs und clor von ihm eingesetzten Organe legt, jedoch die bürgerlichen Kreise mitwirken lasst. Oie oberste Behörde ist durch die vier GrosshoJ'- richter repräsentirt; ihr Vorstand, der Justitiar, urtheilt über llochverratli, entscheidet über die von den Landrichtern ergangenen Appellationen in Kriminal - und Civihuige- legenheiten. Die Behörden der neun Provinzen Siciliens stehen unter dom Justitiarius, sie dürfen keine Verwandte noch aus den Kreisen der Einwohner sein, erhalten ihre Besoldung vom Staat und dürfen keine Geschenke annehiuen. Der Justitiar hat fortwährend die Kunde in den Provinzen zu machen, er hat auch die Voruntersuchung in Eehnsangelegenheiten der Kronvasallen, während die endgültige Entscheidung dem Kaiser zustelit. — Der lleclitsgang wurde beschleunigt und erleichtert, die Uottes- urtheile untersagt, die Folter auf notorisch schlechte Subjekte und Majestätsverbreclien beschränkt, das YValientragen verboten, die Spccialreelite aufgehoben. Der Kämmerer stand der Verwaltung vor, trieb die Steuern ein, stand dem bürgerlichen Recht vor; die Amtmänner (bajuli) besorgten die Ortspolizei. Die Beamten waren aufs strengste kon- trollirt, einer überwachte den andern (Missbrauch der Gewalt lag mehr in der Vermischung der Aemter des Iticliters und des Verwalters). Die Domänen des Königs wurden zu »Musterwirtschaften« erhoben, die Leibeigenschaft auf diesen Gütern aufgehoben, ödes Land zu fruchtbaren Geülden nmgesclialfen. Palermo verdankt die Dattelpalmen, ebenso die bessere Pflege der Baumwolle dem deutschen Kaiser; auch Indigo liess er anpüanzen, vermehrte die Zuckerrohrplantagen und verbesserte die Zuckerraffinerie. Der Handel mit Seide, trockenen Früchten, Korn war ein sehr lebhafter. Die lombardischen Ackerbauer erhielten längere Zelt Steuerfreiheit. Den Handel begünstigte Friedrich durch Aufhebung der Binnenzölle, vortlieilhafte Verträge mit Italien und Afrika, Erleichterung der Ein- und Ausfuhr, Hebung der schützenden Marine. Sicilien zerfiel in neun Militärkreise, in welcheu Kapitäne die Mannschaft aushoben und die Oberleitung der Kastelle hatten. Deutsche und Sara- cenen bildeten das besoldete stehende Heer. — Im Finanzwesen ist Friedrich der Gründer des jetzigen Staatshaushalts; er führte bei den Vasallen die regelmässige jährliche Grundsteuer ein, welche auch die Klöster entrichten mussten, regelte die Verbrauchssteuer, liess durch Prokuratoren die Gefälle der Domänen einziehen und die Erträge für einen gewinureichen Handel verwenden, erhob Salz, Eisen, Stahl, Kupfer, rohe Seide zu Staatsmonopolen und legte die ersten Tarife für die Ausfuhrzölle an. »Nie hat die schöne Insel einen so reizvollen Anblick gewahrt, als in dieser Zeit, wo die Schöpfungen und Denkmäler weit auseinander liegender Zeiten und Völker auf engem Kaum sich friedlich begegneten und zu einem malerischen Gesammtbild sich vereinten. Die sorgfältige Bodenkultur der Araber, durch den Kaiser noch gesteigert, hatte das Land in ein prangendes Paradies verwandelt, darin die Vegetation der südlichen und nördlichen Klimato zu einander gesellt das anmuthigstc Laiul- schaftsbild überkleidete. Noch gab es ansehnliche Ueberreste altgrichischer Tempei- architektur, welche die schimmernde Pracht ihrer Säulen und Giebel an hohen Gestaden über der blauen Meereswelle erhob, ln unabsehbarer Fülle breiteten sich die Werke der maurischen und normannischen Baukunst mit dem phantasiereichen Formenspiel durch das Laubgewinde der Gärten aus, über denen in stolzer Isolirung Burgen, Schlösser und Kirchen auf jähem Bcrgcs- liang sich erhoben.« Friedrich verstand provengalisch und französisch, spiracli italienisch, lateinisch, arabisch und deutsch, auch dichtete er in italienischer Sprache; er war einer der ersten, welche in Italien die arabische und proven^aliselie Sitte einführten, am Hof Verse vorzutragen in der Sprache, die jeder redete, eineHofsitle, welche der italienischen Literatur sehr förderlich wurde. Er unterhielt sich gern mit den Gelehrten und liebte es, in den Uebungen der freien Künste und in den geistigen Ergötzungen den König vergessen zu machen, war stets leutselig, lebendig und gewandt, in seiner Bildung wählerisch, in seinen Geräthen glänzend und elegant, in den Bauten hielt er auf Adel und Schönheit. Wenn auch Sinnlichkeit, Härte und Willkür den Glanz seines Charakters trübten, und sein fürstliches Leben wie seine fürstliche Politik einen morgenländisehcn Zug behielt, so gestalten ihn doch sein Scharfblick als Staatsmann, das Feldherrntalent, die Pflege der Künste und Wissenschaften, die Energie und Tapferkeit, die geistige Ueberlegenheit und vor allem die geniale Auffassung seiner weltgeschichtlichen Aufgabe nicht nur zum bedeutendsten K e g e n t e n Siciliens, sondern auch ztun grössten Imperator des Mittelalters. In seinen frühesten Jahren hatte er die Kämpfe der Politik und die Ilänke des Hoflebens in wechselvollster Weise kennen gelernt, und in die Bildung seiner Jugend schon war die arabische Kultur gedrungen. Saracenen begleiteten ihn nicht nur im Krieg, sondern auch im Frie- ins Geschichtliches (Siciliaiiisclie Vesper). IOC den, und dev Hof von Palermo galt in ganz Europa als ein muselmanischer. Allgemein erzählte man sich, wie der Kaiser sich an Tänzerinnen, Pantomimen, Gauklern ergötze, und wie er seine Gattin durch Eunuchen bewachen lasse, dabei aber für sich ein Serail in Lucera und eines bei seinen italienischen Feldzügen habe. Ebenso war auch die Art des Luxus orientalisch. Unter den Künsten ist noch besonders hervorzu- heben die llohscltneiderei, ein Kunstzweig, den namentlich die Saracenen pflegten, wie schon das arabische Wort tarsia andeutet (vgl. die Ebenholzladen im Museo zu Palermo, die Koste von intarsirten Inschriften auf weissem Marmor mit fai’bigcn Steinen ebenda und au den Pfosten des Hauptportals der Annunziata de’Catalani in Messina, den Schrein in der Capp. Palatina u. a.). Schwer traf den Kaiser das Unglück des eigenen Hauses. Sein Sohn Heinrich empörte sich auf des Papstes Betrieb zweimal gegen den Vater und wurde zu lebenslänglicher Haft auf Schloss S. Felice in Apulien verurtheilt. Nach dem glänzenden Sieg Friedrichs über die Lombarden bei Cortenuova 1237 und nach dem gänzlichen Bruch mit dem Papstthum, der zu gegenseitigen Schmähschriften führte und den folgenden Papst (Innocenz IV.) zur Bestätigung des Bannfluchs, Absetzungserklärung des Kaisers und zur Sanktion zweier Gegenkönige trieb, wurde Friedrichs Sohn Enzio, König von Sardinien, von den Bolognesen besiegt (1249) und lebenslänglich gefangen gehalten. 1249 wurde auch noch sein vertrautester Rathgeber, Petrus de Vineis, des Einverständnisses mit der päpstlichen Partei und eines Vergiftungsversuchs gegen den Kaiser beschuldigt; er ward geblendet und rannte sich selbst die Stirn gegen eine Mauer ein. Ein Jahr nachher starb Friedrich auf dem Schloss Fiorentino hei Lucera an der Ruhr in den Armen seines Sohns Manfred. Nach testamentlicher Verfügung folgte ihm sein Sohn Konrad IV. in Deutschland und Italien, während Manfred in Abwesenheit Konrads das Statthalteramt in Italien, und Sicilien mit voller königlicher Gewalt erhielt. Friedrich wurde im Dom zu Palermo boigesetzt, wo noch jetzt sein Por- phyrsarg steht. Da der Kaiser im Kirchenbann gestorben, so erklärte der Papst Sicilien fiir ein der Kirche zugefallenes .Lehen, und es bedurfte der vollen Kraft Manfreds, die abgefallenen Städte und Barone wieder zum Gehorsam zurückzubringen. Als Konrad schon 1254 starb, ward sein Sohn Kon- radin Erbe Siciliens. Auf ein Gerücht hin, Konradin sei in Deutschland gestorben, nahm Manfred 1258, von den Grossen und den Städten gedrängt, die Krone Siciliens an. Der Papst aber bot Neapel und Sicilien dem Bruder des Königs von Frankreich, Karl von Anjou 9 an. Die Schlacht von Taglia- cozzo (I, S. 687) und die Hinrichtung Kon- radins (I, S. 103) entschieden für Karl I, Aber 14 Jahre nach der Enthauptung Kon- : radins und 16 dalire nach dem Fall König Manfreds bei Benevent (1, S. 659) rächte sich das von dom Anjou vernachlässigte Sicilien an der Habsucht und dem Ueberinuth der französischen Regierung auf die entsetzlichste Weise. Freilich der Reichsvikar Sici- liens, Herbert d’Orleans, welcher in Messina sass, und der Justitiar vom Val di Ma- zara, welcher in Palermo regierte, Hessen ihre Beamten die schnödesten Willkürakte unbestraft begehen. Sogar in die zum Gottesdienst sich versammelnde Schar drängten sich die Beamten des Fiskus ein und schleppten Missbcliebige unter der Anklage verweigerter Steuerbezahlung weg. Am Dienstag nach Ostern, 31. März 1282, brach bei Palermo die grauenvolle SictlianischeVesper an. 1 U St. jenseitPorta Montalto, in S. Spirito am Orcto feierten nach alter Sitte die Palcrmitaner den Abend des dritten Ostertags. Zudringlich mischten die französischen Wächter und Aufseher sich in das Fest der Freude, und als man sich stolz von ihnen abwandte, klagten sie die Männer, die sich solchen Stolzes erfrechten, des heimlichen Tragens von Waffen an. Eine Untersuchung zeigte die Nichtigkeit der Anklage. Da ertönte das Geläute zur Vesper; ein schöner edler Jüngling zog mit seiner Braut und denVerwandtcn zur Kirche, der Franzose Drouet tappt an die Braut hin, mit der frechen Beschuldigung, sie habe Waffen unter ihrem Gewand verborgen. Plötzlich rächt ein Jüngling aus dom Haufen das freche Gebaliren, entreisst dem Franzosen sein Schwert und durchbohrt ilm. Noch läutete die Vesperglocke, als schon 200 Franzosen und eine Menge Sicilianer todt auf der Erde lagen. Nun erscholl durch die ganze Stadt der Racheruf: Tod den Franzosen! Die Parole war Ceci e Ciceri! (Wicken und Erbsen), wer sie säuselnd und weich sprach, ward niedergestossen. Noch in derselben Nacht fielen in Palermo 2000 Franzosen (Dante Parad. 8: »Die schlechte Herrschaft, die den Groll aufreget, des Volks, sic hat Palermo zu dem Wehe, zum Ruf: Er sterbe, sterbe l wild erreget«). Wie der »Brand in der dürren Steppe« lief die Empörung durch die ganze Insel, denn Johann von Procida, einst Manfreds Freund und Arzt, hatte ganz Sicilien zuvor vei’kleidet durchwandert, die Einwohner zur Rache entflammt und war zum ritterlichen König Peter von Aragonien, dem Schwiegersohn Manfreds, geeilt, den legitimen Erben zum Schutz des unterdrückten Volks aufzufordern. Alles war für den Eroberungszug bereit, als die Sicilianische Vesjmr ausbrach und in allen Städten (ausser in Sperlinga) die Franzosen überall ermordet wurden. Selbst der sicilianische Adel schloss sich der blutigen Nationalerhebung an. Dynastie Aragon. Karl von Anjou liess sogleich die Flotte, die gegen den griechischen Kaiser segeln sollte, nach Sicilien fahren und Messina zu Wasser und zu Land belagern (S. 492). Da erschien Peter von Aragonien vor Trapani, und schon nach 107 Geschichtliches (1283—1415). 108 zwei Monaten fiel ihm die ganze Insel zu. In Palermo erhielt er die Königskrone; Johann von Procida ward seiu Kanzler, Buggiero da Loria sein Feldoberst. Dieser schlug in Abwesenheit Karls die neapolitanische Flotte, wobei der Sohn Karls in die Hände Peters fiel (1283). Der Bannstrahl des Papstes schreckte den Sieger nicht. Karl starb schon sechs Monate nach jenem Sieg Peters und dieser folgte ihm das Jahr nachher. Sein zweiter Sohn Jakob erhielt im Dom von Palermo die Krone. Umsonst stritt der Papst mit aller Macht gegen ihn; de Loria’s Flotten trieben alle Angriffe zurück. Infolge Austausches erhielt der Sohn Karls seine Freiheit wieder. Der Papst krönte ihn zu llieti als König beider Sicilien und sprach über Jakob den Bann. Aber das französisch-päpstliche Königthum fand in Sicilien keine Wurzeln. Als Jakob den Thron von Aragonien erhielt, erlangte zwar der Papst sein Verzichten auf Sicilien, allein die Sicilianer hielten am jüngsten Enkel Manfreds, Friedrich II., fest. Der neue Papst, der gewaltige Bonifacius VIII., suchte Friedrich durch glänzende Anträge zum Verzieht auf Sicilien zu bestimmen, und Jakob entband die Sicilianer ihres Eides. Aber auf einem von Geistlichkeit, Adel und Städten zahlreich besuchten Parlament zu Catania (1296) wurde Friedrich zum König von Sicilien ausgerufen und dann im Dom von Palermo gekrönt. Er führte eine der freien Gliederung des Gemeindelebens in Sicilien sehr fördernde Verfassung ein und vermochte gegen dje vereinte Seemacht Neapels und seines Bruders die Selbständigkeit der Insel zu retten, obschon de Doria auf Jakobs Seite gegen ihn stritt und der Papst alle Macht aufbot, Sicilien zu gewinnen. In Rom war zudem die Aussöhnung der Familie Manfreds mit den Anjou’s erfolgt, Violante, Manfreds Enkelin, wurde mit dem Enkel Karls von Anjou, Robert von Kalabrien, vermählt. Aber Friedrich erfocht einen neuen Sieg bei Falconara, unweit Trapani, in welchem der jüngste Bruder Roberts, Philipp, in seine Gefangenschaft gerieth. Jetzt rief der Papst den Bruder ) konnte sie noch rechtzeitig aus dem Palast Chiaramonte’s über Meer an den neuen Molo fliehen. Caprera . soll wütliend sich in das Bett der 109 110 Geschichtliches (1415 -,181a). Königin geworfen haben, mit dem Ausruf: »Bas Rebhuhn hab’ ich verloren, aber das Nest halte ich!« Dann habe er wie ein Jagdhund sich am Geruch der Beute ergötzt; er zerstörte den Palast und schleppte alle Kostbarkeiten mit sich. Bianca war nach dem Kastell von Solanto entflohen. Mittlerweile benutzte Papst Johann XXII. die Wirren, um Sicilien, weil es keinen Zins zahlte, der Kirche zu unterwerfen. Er schickte einen Kardinallegaten mit drei Schilfen. Messina und Milazzo Helen ihm zu. Aber Caprera brachte die päpstliche Partei dazu, ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen, und dieses sprach dem Caprera das Regiment zu bis zur Wahl eines neuen Königs. Bianca zog sich in das Kastell von Catania zurück; die Barone traten auf ihre Seite, und es gelang ihnen, Caprera bei Palermo gefangen zu nehmen ; sein grösster Gegner, der Grossadmiral Lihori, liess ihn in Mofcta einkerkern. Sicilien ein Nebenland der Krone Spanien (1416 — 1713). Ein von den verschiedenen Betheiligten niedergesetzter Ausschuss von neun Richtern wählte Ferdinand von Kastilien zum König von Ara- gonien und Sicilien, einen talentvollen, gerechten Fürsten. Caprera wurde in Freiheit gesetzt und ging nach Barcellona zum König. Bianca zog 1415 zu ihrem königlichen Vater nach Navarra zurück. Schon das Jahr darauf starb König Ferdinand im 37. Jahr und hinterlless das Reich seinem ältesten Sohn Alfonso, dem sein Bruder Johann, welcher indessen Sicilien verwaltet hatte, im Parlamentssaal zu Catania alle Barone und Grafen Siciliens sowie die Universitätssyndiken den Eid der Treue schwören liess (1420). Am 12. Febr. 1421 zog Alfonso in Palermo ein. Von da an war Sicilien nur ein Beigut Kastiliens (Bd. I, S. 109). 1504 ging auch Neapel völlig in die spanische Herrschaft auf, denn zu Blois wurde ein Vertrag geschlossen, kraft dessen Ferdinand der Katholische eine Verwandte des französischen Königs heira- thete, worauf Ludwig XII. auf den Titel eines Königs von Neapel und Jerusalem verzichtete. Neapel, mit Sicilien vereinigt, wurde nun von Vicekönigen regiert. Das Volk sank unter dem Druck feudaler Einrichtungen in immer tieferes Elend, die königliche Gewalt war eine fast unumschränkte, der ständische Ausschuss machtlos ; die Steuern wurden willkürlich erhöhen und lasteten wesentlich auf den niederen Schichten der Bevölkerung; Privilegien wurden für hohe Geldgeschenke ertheilt. Karl V. hatte 1554 Neapel und Sicilien an seinen Sohn Philipp II. abgetreten, und es folgten in Sicilien von 1557—1696: 35 Vicekünige. Die Unzufriedenheit der Sicilianor mit diesem Regiment steigerte sich 1649 so sehr, dass sich eine Verschwörung bildete, in welche Angehörige der vornehmsten Familien ( Ventimiglia, Filangieri, Gaetani, Afflitto, Canetto) und angesehene Geistliche und Sachwalter verflochten waren. Des Gohl- arbeiters Alesi Aufstand war 1647 in Palermo noch kläglicher verlaufen, als der von Ma- saniello in Neapel. Dagegen schien der Auf- stand in Messina 1672, der von Frankreichs Land- und Seemacht durch Ludwig XIV. unter Leitung von Yivonne unterstützt wurde (S. 494), von entscheidendem Erfolg zu sein; aber Vivonne war ein geistreicher Höfling und kein Kommandant; alle gewonnenen Vortheilo gingen wieder verloren, und ein schmählicher Abzug der französischen Flotte überliess Messina wieder den Spaniern, welche die Stadt jetzt um die letzten Privilegien und Freiheiten brachten. König Karl II. von Spanien, der ohne Nachkommen starb, vermachte die Krone seinem Grossneffen Philipp von liourbon; aber auch der deutsche Kaiser verlangte die Krone für seinen Sobn, den Erzherzog Karl, als den Erben des altern Zweigs des Hauses von Oesterreich. Der Erbfolgekrieg dauerte 13 Jahre, und durch den Frieden von Utrecht wurde Sicilien auf Betreiben des englischen Kabinets von Neapel getrennt und fiel dom Herzog Victor Amadeus von Savoyen zu, der den Titel eines Königs von Sicilien annahm. Spanien gab seine Ansprüche auf Italien nicht auf, und eine spanische Flotte nahm 1718 Sardinien und einen Tlieil von Sicilien. Aber durch die »Quadrupelallianz« wurde im Pariser Frieden von 1720 Sicilien der Krone Neapels zurückgegeben, und Victor Amadeus erhielt Sardinien. So war Kaiser Karl VI. Herr von Sicilien und dieses ein Nebenland Oesterreichs. Aber schon 1733 rückte während des Kriegs, welchen Oesterreich und Frankreich um die polnische Krone führten, der Infant Kurl von Spanien in Neapel ein und ward am 5. Juli 1735 als Karl III. in Palermo gekrönt. So kam das spanisch-bourbonische Haus wieder auf den Thron von Neapel und Sicilien. Durch die Nachfolge Karls auf den Thron von Spanien erhielt wegen Ausschlusses des px*äsumptiven Erben der spanischen Krone der dritte Sohn Karls, Ferdinand IV., erst neun Jahre alt, das Königreich Sicilien (1759). Als 1798 die französischen Heere unter General Championnet in das Neapolitanische einrückten, schiffte sich Ferdinand nach Palermo ein; als aber 1799 die Franzosen abzogen und nur eine schwache Besatzung hinterliessen, siegte bald die Gegenrevolution, und mit ihr zogen auch die gerichtlichen Verfolgungen und Hinrichtungen ein. Der Friede von Amiens 1802 setzte Ferdinand wieder auf den neapolitanischen Thron. Aber schon 1806, als eine französische Armee in Neapel einrückte und Joseph Bonaparte zum König erhoben ward, zog sich Ferdinand abermals nach Sicilien zurück, dessen Besitz ihm durch die Gegenwart einer englischen Flotte gesichert war. Bis 1815 besass Ferdinand daher nur Sicilien, und erst der Vertrag von Casalanga brachte Ferdinand wieder nach Neapel zurück. Nach Bestätigung durch den Wiener Kongress nahm er den Titel Ferdinand I., 111 Geschichtliches (1815 —1860). 112 König beider Sicilicn, an, uncl gab seinen »Staaten die Napoleonischen Gesetz» buch er. Aber schon zwei .Jahre nachher kehrten die alten absolutistischen Zustände zurück. Das untere Volk und der grössere Theil des Heers hielten am König fest, und nur in Geheimbünden (Carbonari, Bd. T, S. 116) vermochte die geringe Zahl der Liberalen die Befreiung vorzubereiten. In Neapel brachte es 1820 eine Insurrektionsarmee, zu welcher General Guglielmo Pepe mit seinen Dragonern übergetreten war, dazu, die freisinnige spanische Konstitution von 1812 durchzusetzen. Auch in »Sicilicn war die Revolution ausgebrochen, aber mit Verlangen nach Trennung von Neapel. Da erschien General Florestan Pepe mit 4000 Mann in Milazzo, und General Coletta rückte nach, demüthigte das widerspenstige Palermo und schloss Sicilicn aufs neue an Süditalien an. Aber der Kongress zu Laibach 1821 brachte nach einem unglücklichen Kampf der neapolitanischen Liberalen wieder die alte Willkürherrschaft. Sicilicn fiel unter besondere Verwaltung, österreichische Truppen blieben drei Jahre im Lande. Ganz Sicilien wurde nach Carbonari durchspürt, und die Gefängnisse überfüllt. Unter Franz I. (1825) dauerten diese Zustände fort, alle liberalen Regungen wurden axxfs strengste verfolgt. Auch Ferdinand II. lenkte nach einem kurzen Anflug freier Institutionen rasch in die Politik seiner Vorgänger ein. Als 1836 die Cholera in Paleimo innerhalb sechs Wochen 26,000 Menschen hinraffte, brach hier die furchtbarste Anarchie aus (s. über diesen ge 1 sammten Abschnitt die Specialgeschichten in den Einleitungen und an den betreffenden Orten). In Catania wurde der Aufruhr unter Marchese 8. Ginliano zur Erklärung der politischen Unabhängigkeit der Insel benutzt. Doch die königlichen Truppen unter General Sonnenberg zogen fast ohne Widerstand in die insurgirten Städte ein; Sicilien verlor auch noch die letzten Ueber- reste der Selbständigkeit und wurde neapolitanische Provinz unter einer gemeinsamen Regierung für beide Länder. 1838 vief eine Schädigung des britischen Handels, durch Verminderung der Produktion des Schwefels zu Gunsten Frankreichs, ein englisches Geschwader herbei, welches die Häfen blo- kirte. Die Regierung sah sich zu einem neuen Handelsvertrag (1843) genöthigt. 1847 folgten die Handelsverträge mit Frankreich und dem deutschen Zollverein. In demselben Jahr brach infolge der freisinnigen Reformen Pius’ IX. und der Theurung in Kalabrien und Messina eine Revolution aus. Eine kleine Schar von Jünglingen wollte sich in Messina der Cita- delle bemächtigen, aber der Plan ward ver- rathen, und nach einem harten Strassen- kampf musste sich dev Haufe in die Berge flüchten, zumal das Volk keinen Antlieil an der Bewegung nahm. Als in Palermo General Vial mit Verhaftungen wegen Re- I formdemonstrationen einsclireitcn wollte, meldeten sich 8000 (!) Personen als Schuldige, l darunter der Herzog Serradifalco, der Fürst Kcordia, der Marchese Ituggiero Setthno, und die Magistratur seihst überreichte dem Kommandanten eine mit 10,000 Unterschriften bedeckte Petition für die Bürgerwehr. Die Häupter der liberalen Partei in Palermo , welche fast aus dom ganzen Adel (der schon lange zuvor seine Feudalrechte aufgegeben hatte) und dem gebildeten Mittelstand bestand, hatten in geheimen Versammlungen den Beschluss gefasst, der Regierung eine letzte Frist zur Einlenkung in eine andere Politik zu setzen. Liesse sie dieselbe unbenutzt, so sollte am Namensfest des Königs das Schwert entscheiden. Als nun keinerlei Andeutung von Reformen stattfand, und am 12. Jan. die Ge- schiitzsalven das königliche Namensfest ankündigten, antworteten ihnen die »Sturmglocken von allen Thürmen der Stadt, und die sicilianische Insurrektion brach aus. Die königlichen Truppen wurden genöthigt, sich in die festen Plätze zurückzuziehen, die Festung warf Bomben und Raketen auf Palermo. Am 15. Jan. trat eine provisorische Regierung mit den angesehensten Sicilianern an die Spitze. Neapel schickte 6000 Mann zur Bekämpfung des Aufstandes; bis zum 27. Jan. dauerte der Kampf, dann flohen die Truppen auf die Schiffe. In Messina erfolgte derselbe Angriff und dasselbe Resultat. Endlich lenkte der König ein und es erschienen Reformdekrete, wodurch in »Sicilien wieder eingeborne Beamte die Verwaltung erhalten sollten, aber die Antwort Palermo’s war: »Erst bei Eröffnung des siciliseken Parlaments zur Einsetzung der Verfassung von 1812 werde das Volk die Waffen niederlegen«. In Neapel brachten die erneuten Stürme endlich die Erklärung einerkonstitntionellen Regierung (29. Jan. 1848), die aber der König nur als genehme Form der alten Wili- küx’herrschaft handhabte, insgeheim den »Staatsstreich vorbei'eitend, den er am 15. Mai -durch die Soldaten und Lazzaroni in Scene setzen liess. Nur die drohende Stellung der französischen Kriegsflotte verhinderte grössere Verwüstungen durch den »Bombenkönig«. — Eine Flotte fuhr nun nach Messina. Der Fall dieser Stadt, das Voi’rücken der königlichen Truppen nach Milazzo zeigten die mangelhafte Rüstung »Siciliens. Die französischen und englischen Gesandten erzwangen einen Waffenstillstand. Die Sicilianer stellten sich mittlei*- weile unter die Leitung des Polen Mieros- la&vsfoj ; dev Angriff der Königlichen erfolgte am 5. April 1849 auf Catania. Nach wüthen- dem Kampf siegten die Neapolitaner (1200 Sicilianer waren gefallen). Von der Flotte unterstützt, nahmen nun die königlichen Trappen Stadt für Stadt ein. Als die Flotte vor Palermo erschien, wnrde (anf Beti*ei- ben Frankreichs) allgemeine Amnestie ver- heissen, doch mit Ausnahme der 43, die an der Revolution »gebauineistert« (Anspielung 11 « Zeittafel. 114 auf Serradifaleo’s Baualtertlnimer) hatten. Diese waren aber nach Malta entflohen. Die sicilische Revolution war zu Ende, der alte Absolutismus wieder obenauf. Das in Sici- lien stehende Heer betrug 1851: 40,000 Mann ; kleinere revolutionäre Bewegungen wurden rasch niedergeschlagen. Endlich 1800, nachdem der Feldzug gegen Oesterreich glücklich beendet war, brach am 4. April in Palermo ein Aufstand aus. Von Genua aus eilte der italienische Nationalheld Garibaldi der Insurrektion zu Hülfe. Mit 1050 Genossen landete er am 11. Mai 1800 ungeachtet der auf ihn fahndenden neapolitanischen Schiffe zu Marsala, lagerte bei Salemi, vermehrte seine kleine Schar durch Insurgenten und übernahm die Diktatur der Insel im Namen Victor Emanueis. Bei Calatafimi warf er den neapolitanischen General Landi aus fünf gut vertheidigten Stellungen; am 26. Mai zog er von Misilmeri über den Gabel Rosso nach Palermo und griff mit 5000 Mann eine Macht an , welche 25,000 geschulte Soldaten, 48 Geschütze, 8 Kriegsschiffe zählte. Schon Mittags gewann er die Hälfte der Stadt, dann folgte der Waffenstillstand und bald die Kapitulation der königlichen Truppen. Umsonst suchte nun das Ministerium Cavour ihn von der Verpflanzung der Insurrektion auf das Festland abzuhalten. Garibaldi liess sogar den Bevollmächtigten des Ministeriums aus Sicilien ausweisen. Am 21. Juli zwang er die Festung I Milazzo zur Ucbergabe; am 19. Aug. gelang es ihm, trotz der in der Meerenge Mcssina’s kreuzenden feindlichen Flotte, mit 5000 Mann bei Reggio zu landen, und am 7. Sept. empfing ihn die Stadt Neapel. Der Hass Ga- ribaldi’s gegen Napoleon stiess auf Ca- vours franzosenfreundliche Politik. Garibaldi klagte in Palermo öffentlich den Kaiser an, dass er allein die wahre Hauptstadt Rom Italien vorenthalte. Er xflef auf einer Rundreise zur Beseitigung der französischen Herrschaft in Rom auf und stellte sich im offenen Bruch mit der italienischen Regierung am 1. Aug. in Corleone an die Spitze von 800 Freiwilligen, zog von Ficuzza nach Catania, schiffte sich hier mit 2000 ein und landete zu Mclito. Aber eine piemontesische Tnippenabtheilung unter dem Obersten Pal- lavicino folgte den Garibaldinern, und der Nationalheld wurde als verwundeter Gefangener (Bd. I, S. 730) nach Spezia gebracht. Sicilien aber bildete von nun an ein Glied im Organismus der Italia una. Als Literatur kann besonders empfohlen werden: Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum (erschiexien Bd. 1 u. 2); Amari, Geschichte der Muselmanen in Sicilien (3 Bde.); Gregorovius, Siciliana; Hojf'iveiler, Sicilien; I)enny$, Handbook for travellers in Sicily; Hittorf, Recueil des monuments de Sogest e et de Sdlinonte, avec Atlas; Benndorf, Die Metopen in Selinunt; Serradifalco, Antichitä di Sicilia. Zeittafel. (Die llauptfakta der sicilisehen Geschichte sowie eine Uebersicht der Regenten seit der Normannenherrschaft enthaltend.) Vor Christi Geburt. (?) Vor 1000. Siedelungen der Sikaner, Sike- ler und Elymer . (?) 1000 — 800. Phöniker. ca. 750—580. Kolonisation der Hellenen. Gründung von: 743. Zankle (Messana). 735. Naxos. 734. Syrakus. 72!). Katane uxxd Leontinoi. 728. Megara Hyblaca. 716. Mylae. 089. Gela (Lindioi). 604. Akrac. 648. Himera. 628. Selinus. 599. Kamarina. 581. Akragas. 580. Erster Zusammenstoss der Griechen mit Karthago. 570—554. Phalaris, Tyrann von Aki’agas. 498—491. llippokrates, Tyrann von Gela. 491—476. Gelon (485 auch Herr von Syi’akus). 489—472. Theron, Herr von Akragas. 481. Schlacht bei Himera. 476 — 467. llieron I. Vor Christi Gehurt. 453. Sikelisclies Reich unter Duketios. ca. 450. Empedokles in Aki*agas. 427 — 424. Erste Intervention der Athener. 415—413. Krieg Athens mit Syrakus. 413. Vernichtung des attischen Heers am Asinaros. 409 — 368. Kriege mit Karthago. 406 — 367. Dionysios I. •567—357 und 346 — 343. Dionysios II. 357. Dion befreit Syrakus. 343. Timoleou, Befreier Siciliens. 342. Schlacht am Krimisos. 317 — 289. Agathokles. 278 — 276. Pyrfhos. 274 — 215 Hieron II. 241 v. bis 476 n. Chr. Sicilien r'ömische Provinz. 212. Marcellus erobert Syrakus. 103 — loo' } Grosse Sklavenkriege. Nach Christi Gehurt. 476 — 493. Odoaker. 493 — 535. Herrschaft der Ostgothen. 535 — 827. (902) Byzantiner. 827 —1072. Herrschaft der Araber. Dynastien : Aghlabitcn und Fatimiden. 115 Zeittafel. 116 Nach Christi Geburt. 10(50. Erster Einfall der Normannen unter Roger. 1072 —1194. Normannen. Dynastie Hauteville. 1101. Roger I. gest. 1101 —1154. Roger II. 1130 Königreich Sicilien. 1154—1166. Wilhelm I. 1166 — 1189. Wilhelm II. 1190 —1194. Tancred. 1194. Wilhelm III. 1194—1266. Hohenstaufen. 1194—1197. Kaiser Heinrich VI. 1197 —1250. König Friedrich I. (Kaiser Friedrich II. 1220). 1250 —1254. Kaiser Konrad IV. 1258 —1266. König Manfred (Statthalter seit 1250). 1266 —1282. Dynastie Anjou (Karl). 1282. Sicilianische Vesper. 1282— 1713. Sicilien ein Nebenland von Ara- gonien, dann Spanien, oder doch von spanischen Dynastien regiert. 1282—1285. Peter I. (III. von Aragonien). 1285 —1295. Jakob (resignirt bei seiner Thronbesteigung in Aragonien). 1296—1337. Friedrich II. 1337 — 1342. Peter II. 1342 —1355. Ludwig. 1356 — 1377. Friedrich III. 1377 —1385. Maria, vermählt mit Nach Christi Geburt. 1385 —1409. Martin I. 1409 —1410. Martin II. 1410 — 1412. Regentschaft des Grossjustitiars Caprera. 1412—1416. Ferdinand I., König von Kastilien und Aragonien. 1416 —1458. Alfonso, König von Aragonien und Neapel. 1458 —1479. Johann von Aragonien. 1479 —1515. Ferdinand II., der Katholische. 1516 — 1700 (und 1720—1734). Haus Habsburg. 1516 — 1554. Karl I. (Kaiser Karl V. 1519). 1554 — 1598. Philipp II. 1598 — 1621. Philipp III. 1621 —1665. Philipp IV. 1665—1700. Karl II. 1700 (—1713. 1735)—1860. Dynastie Bourbon. 1700 — 1713J*Philipp V. von Dourbon. 1713—1720. Victor Amadeus von Savoyen. 1720 — 1734. Kaiser Karl VI. 1735 —1759. Karl III. von Bourbon. 1759—1825. Ferdinand IV., seit 1815 Ferdinand I., als König beider Sicilien. 1825 — 1830. Franz I. 1830 — 1859. Ferdinand II. 1848 —1849. Sicilien selbständig unter einer provisorischen Regierung. 1859 — 1860. Franz II. Seit 1860 Victor Emanuol, König von Italien. Reiserouten durch Sieilien I. Von Neapel zur a) Nach Palermo. Die Dampfboote der Societä Florio (Bü- reau in Neapel.: Strada Piliero 30, am Hafen [PI. G 5, 6]; Büreau in Palermo: Piazza Marina, (PI. 1) 6) Vittorio Emanuole 00), die auch die Schiffe der Trinacria-Gcsellsehaft übernommen hat, machen gegenwärtig täglich (ausser Sonntags) in 16—22 St. die direkte Fahrt zwischen Neapel und Palermo; sie verlassen Neapel um 6 Uhr Abds. und Palermo um 3 Uhr Nachmitt. I. Platz 48 Fr. 00 C., II. Platz 31 Fr. 20 C. mit Verpflegung (Einsehiffen mit Gepäck 1 Fr., ohne Gepäck l h Fr.). Die Billete werden auf den Namen der Person ausgestellt, der Name des Schiffs und die Abfahrtszeit sind auf denselben angegeben. Der I. Platz ist für Damen und Freunde des Komforts allein zu empfehlen; doch geniesst der II. Platz auch das Recht des vollständigen Verdecks. Auf dem I. Platz sind 70 Kilogr. Gepäck frei, auf dem II. Platz 45 Kilogr. Das Essen ist in der Regel gut (jedoch zu unpassender Zeit). — Bei der Ankunft auf dem Schiff gebe man Achtung auf das Gepäck, dem die Adresse aufzukleben ist, und lasse das Handgepäck in die Kajüte besorgen (die Koffer kommen in den tiefen Mittelraum). Den Barkenführer bezahle man erst, nachdem man auf dem Schiff sämmtliches Gepäck erhalten hat. — Der Kellner erhält nach beendigter Fahrt von der Person 1 Fr. Trinkgeld; er ist es auch, welcher zu den Kabinen führt und dem der Dienst derselben obliegt. — Das Gepäck unterliegt in der Dogana zu Palermo einer leichten Untersuchung. Einspänner von der Dogana in die Stadt sammt Gepäck: D/a Fr. (vorher fixiren!). Die Fahrt. Man geniesst zunächst noch den herrlichen Blick auf Neapel und die gesammte Küste unter dem Vesuv, sieht r. den ernst auftauchenden Vulkan von Ischia, lässt Capri hart zur liechten und das SoiTentinische Gestade zur Linken, sieht oft noch den Busen von Salerno und die zackigen Gipfel der kala- brischen Berge von den letzten Sonnenstrahlen vergoldet und steuert dann ins See nach Sieilien. offene Meer hinaus. Am Morgen früh sieht man noch die letzten Höhen von Kalabrien schwinden, 1. in der Ferne die Liparischen (Aeolischen) Inseln mit Stromboli, r. in gleicher Höhe die Insel Ustica (für die Schiffe eine Warte), endlich Siciliens Berge aus dem blaugrünen Meer auftauchen und zu immer grösseren Formen sich entfalten. Endlich erhebt sich r. das Capo di Gallo, und man umfasst mit einem Blick den Monte Pelle- grino und das herrliche Thal, die »Goldmuschel«, mit der Stadt. Der Anblick des Golfs von Palermo ist malerisch, noch ergreifender als der von Neapel; denn es fehlen Neapel die Zwischenglieder, während in Palermo die schönsten Kontraste in köstlichster Gesammtwir- kung zusammenstimmen. »Natur und Kultur zeigen sich gleichzeitig in allen Tlieilen einer Landschaft, die gleichsam von der Hand eines grossen Künstlers mit unendlicher Kunst angelegt ist«. Im Grund des Golfs, zwischen üppigen Gärten, ragen die beflaggten Schiffe, die Kuppeln undThürme auf, und jenseit derselben glänzt das dunkle Grün der Karuben und Orangen bis zu den Höhen, welche von Monreale zu beiden Seiten die Conca umgürten. Im Halbkreis zurückweichend, zieht die Kette ihre jähen Flanken zur Linken bis zum Kap Zafarana ins Meer hinaus und zur Hechten bis zum goldkalkigen Capo di Gallo. So tritt »Palermo la felice« dem zu Schiff Nahenden entgegen. b) Nach Messina. Die Dampfer der Societä Florio fahren gegenwärtig 3mal wöchentl. in 20 St. direkt nach Messina (Mont., Mittw., Freit. Abds. 119 9) 2. Palermo und Umgebung. €Uhr vonNeapol; Mont., Donnerst., Sonnabd. 3 Uhr Naclnnitt. von Messina). I. Platz 48 Fr. 50 C., II. Katz 31 Fr. 50 C. mit Verpflegung (Weiteres S. 117). Die Dampfer der Societa Peirano - Dano- varo (Bureau Strada Piliero 33, PI. Gr 5, 0) machen 2mal wöelientl. (gegenwärtig Dienst, und Sonnabd. Abds. 0 Uhr) die Küsten fahrt längs Kalabrien nach Messina und legen an einigen Hauptorten au, am regelmässigsten bei Paola und Pizzo. Die Fahrzeit beträgt gegen 30 St. I. Platz 40 Fr., II. Platz 24 Fr., wozu noch das Essen hinzuzurechnen ist. Die Küstenfalirt gewährt den Vorzug, dass man die kalabrischen Berge, die Ufer und die hochgelegenen Ortschaften oft in ziemlicher Nähe erblickt. Die Beschreibung der Ortschaften s. Bd. I, K. 23. 2. Palermo und Umgebung. Vgl. den beifolgenden Plan. Ankunft zu Schiff. Für die Boote, welche Passagiere und Gepäck vom Dampfschiff zum Zollamt (Dogana) fahren, gibt es keinen Tarif ; es wird gewöhnlich pro Passagier 1 Fr. und mit Gepäck l 1 /* Fr. bezahlt. — Die Untersuchung des Gepäcks ist eine nachsichtige. — Ein Wagen von der Dogana (Pl. J 8) in die l k St. entfernte Stadt, laut Tarif (für eine Fahrt ausserhalb der Stadtgrenzen in die Stadt, wenn die Fahrt Va St. nicht überschreite L ): Einspänner 1 Fr.; Zweispänner D/a Fr ; wird die l k St. überschritten: Einspänner 1 Fr. 80 C.; Zweispänner 2 Fr. 80 C. Man fixire den Preis! Ankunft mit der Eisenbahn. Wagen in die Stadt: Einspänner 1 Fr.; Zweispänner D /2 Fr. Ein Koffer 20 C.; zwei Koffer 30 C. Gasthöfe; *Trinacria (Pl. a, D 7), ViaBu- tera 72; die gegen das Meer gerichteten Fenster liegen unmittelbar über der Terrassenpromenade (S. 108), mit herrlicher Aussicht. Z. von 3 Fr. aufwärts, jo nach Stockwerk und Aussicht; Z. im 1—3 Stock mit Aussicht auf das Meer nicht unter 5 Fr.; ein Salon 6—10 Fr.; Diner m. W. 5 Fr. (auf dem Zimmer 7Va Fr.); Frühst. (Kaffee, Theo, Chokolade komplet) D /2 Fr.; zweites Frühst. (2 Gänge) 2 J /a Fr.; Bed. 1 Fr.; Kerzo 1 Fr. Bei längerem Aufenthalt billigere Arrangements. (Der Sohn des Gastwirts, Ragusa, spricht deutsch.)— * Hotel de France (PI.b,D7), Piazza Marina 47; die Westzimmer sehen auf den palmenreiehen Giardino Garibaldi. Gut und etwas billiger als in der Trinacria ( Gastwirt; Giachdry). — *Italia (Pl. c, D 0), Piazza Marina 60: dieselbe Aussicht und dieselben Preise (Gastwirt: Salvo ); es ist das ehemalige Albion-Hotel, in welchem der König Ludwig I. von Bayern lange wohnte. — Billiger: ff Hötcl Central , Via Vittorio Em. 355, mit Succursale, gegenüber Nr. 330; im Mittelpunkt der Stadt (Pl. d, D 4). Z. 3 Fr.; Bed. V 2 Fr.; erstes Frühst. 1 Fr.; zweites Frühst. 2 Fr.; Diner 4 Fr.; Pension 8 Fr. — *Oliva (Pl. e, G4), weit ab, aber in gesunder, ruhiger Gegend, jenseit Porta Macqueda am Nordwestende der Stadt, Piano S. Oliva 72; Pens. 10 Fr. Für langem Aufenthalt sehr zu empfehlen (Gastwirt: Bruder des Trinaeriawirts). — Noch billig er: Rebecchino (PL f, C 3), Via Vittorio Em. 50-4; dem Dom gegenüber. Z. von D /2 Fr. an, Bed. V 2 Fr.; recht ordentlich (die Trattoria im Erdgeschoss, von Officieren staik fre- quentirt, gehört zu den besseren Palermo’s). — Pizzulo (Pl. g, E 5), Via Bandiera 3, beim Museum. Z. von D /2 Fr. an; von den Italienern stark frequentirt. Pension: *Pension der Madame Lelm aus Frankfurt, Via Lincoln 83, Palazzo Scia- rino, schräg dem Botanischen Garten und der Flora gegenüber; 12 Fr. tägl. (Morg. Thee, Kaffee oder Chokolade mit Eiern; Mitt. 2 Platten; Abds. 5 Platten); Luftheizungsofen, pro 8 St.: 1—IV 2 Fr. Sehr reinlich imd in jeder Beziehung vortrefflich. Kranke finden hier auch die sorglichste Pflege. Neun Zimmer nach S. mit schönster Aussicht, drei nach W., zwei nach O. Alle Zimmer mit Oefen, elegant möblirt, mit Teppichen. Auch Privatsalons; vorzügliche Küche; deutsche Bedienung. Gemeinschaftliche Salons. Piano, deutsche Bibliothek; Marmorbad. Case mobigliate (möblirte Zimmer) zu IV 2 -—5 Fr. pro Tag: Chiara Lanriel, Piazza Marina 33. — Nunzio Morena, Pia S. Oliva 88. — Jimanuele Peranni, Piazza Bellini 118. — Raffaele e Paolo, Piazza Bologna 23. Deutsches Erziehungsinstitut Pur junge Mädchen von Elim Wild, Via Macqueda 280. Restaurants (Trattorie): *Trattoria di Sicilia (PI. D 4), Via Vittorio Em., westl. von Piazza Vigliena; 2. Stock, Eingang Vicolo Castelnuovo 18; reinlich und gut. — Antica Villa di Roma , Via Vitt. Em. 313, 1. Stock; Küche gut, aber die Tischtücher unreinlich; etwas billiger als die Trattoria di Sicilia (Suppe 30—40 C.; Braten 80 C. bis 1 Fr. 20 C.; Fritto 60—Ü0 C.; V 2 Flasche Wein 35 C.; Brod 15 O.). — liebecchino (Pl. ; f, C 3), Via Vittorio Em. 504, dem Dom gegenüber; von Officieren sehr besucht. — Billiger: Milano, Via Cavour 13. — Cum - pidoglio, Via Vittorio Bm. 466. —Die Speisekarte der Restaurants wird gewöhnlich erst Abds. 4 Uhr angefertigt, da das Mittagsessen meist zwischen 5—7 Uhr genommen wird. — Das Gabelfrühstück wird vorzugsweise in den Cafes genommen und ist hier meist sehr gut und nickt theuer. Am beliebtesten sind für Gabelfrühstück: Cafd Oreto ¥ — * Europa, — * Stella Americana, — Lin- -.,5 t'Vlu ßvw<'r\ ... ■ | - . ; Piano ilöi 5 Po-r-ie-thi- . »p^l&gftsUme PALERMO & mk. MaJsstab-1: 13,000. Meter. L’, ■ JinnüzcQlata^ “, '“ ?« i < tCorieeiio'nr :■ •',> £ 'i A>\\ Gasthöle (Alberghi): a TriiutcrÜL .. . . D 7. i e Oliyu, b Bätel de Trance 0 7. Ij f ReheecJmu- C ftafia. D 6. jj g Pizzuto 4 ßßtel Central 3) 4 La CliiM.su Vadonb sJi Lollegio J d e g 1 i 0 r k- "■•‘'■Porta ~. Guccüt 'S "Kä«i PhilipP 11 piaiaa * YjttoTia Girato deUa Madonna WT&;SSiupi%- '«>•„») A ; : -*•' Piaxxa, Casar d P^dei/ fcarÄ (Pta f‘ ?> , „raserxoa / Pfde . ifmßSfiimfr Casetancc 'S? - ' >' f « md VPXif*s to ‘ t > **■ ÄffW-jfore. v f „. - * mW— 1 ™- ff Ospizia Beneftcenzäiy. ^ jiffiorro .1; , >„_> •* j ■VroJVot' fi'i'iV* ‘ A —>,*y® ,v KiUaft’anbäi ■ ■* Ä - L‘'' v - Xtfi - V **t? ,5'.jÄ> SJgata, ^ + £sämLäA ;• -V *-idt \ Y\W Li ' j* i. f .■• w S.01iva ’ ’ . W-.'< t' „ Aai.Ä . ,-:■ .!■.; ft '. •?■ ■ ■<• :Vi .® Cattane y^^A.., -,i%“ »• : Vhtttza ' . ^ ’ ”V4 a ‘ ö- e Pcaidolföd ^,PaL . ' ~ Keraxa ' i -V ;U'': ;•■ - ■WK/t&'&M ^ata L' « StatM 1.w Cottane t b e r t a ,Ä; rt vaicv Geste Maria za ' . ^ * ’ “Vi a ‘ °- coöettimo , '4^.—' . sumäi cmirrroc Porta_ . %:r. * ^»Ä./ ", b «.. £ ,s; mm~^ iSJni? * _*" S’Anto iW Mmrirw £. -7 Ai ' ^ aj - -Mltvcfel ~ ^V'i. s ' CT e , K. . ■ £*%&% ^1-'fS?« s i J», iy ,f „ • . v» T? -j ■;■ 'S- -h ■ ' ep - c*a \.*<£fl(reZia, C-- Pianä dl\, \- i _‘ Castagiiä > • \ .T : i | l ilgf ' * v^ Stich t;T. Runge. BlbÜDgrapMsdies Institut in. Leipzig. 121 2. Palermo. 122 coln, alle vier an Via Yittorio Eni. (s. unten). Die Preise sind ziemlich gleich, ein Beefsteak Bismarck 1 Fr. 10 C.; Beefsteak Eiucoln 1 Fr. 20 C.; Braten 00 C.; Fische, Geflügel 90 C. bis 1 Fr.; V 2 Flasche Wein 2f> — 35 C.; Tasse Kaffee 15 — 20 C.; Käse 25 — 50 C.; Eis (V 2 Portion) 25 — 50 0.; Gemüse zum Fleisch erhält man als garnitura für 10—15 0., besonders 40 C. Cafes: *Oreto, Piazza Marina 22 (bester Kaffee, die Tasse 20 C.). — ^Stellet Americana, Via Yittorio Ein. 178 (bestes Eis, Ya Portion 25 (J.). — * Europa, Via Vite. Km. 197 (bestes Gabelfrühstück). — Proyresso, Via Macqueda 20U (für Milchkaffee beliebt). — *'X'Hnacria, Piazza quattro (Jantoui di Cam- pagna, bei Porta Macqueda; elegantes, gutes kleines Kaffeeliaus. — Lincoln, Via Vitt. Km. 105 (eng und klein; aber gutes Gabelfrühstück). — I 111 Cafe del Teatro Bellini erhält man Abends gutes Eis (50 C., gibt keine 1 /2 Portionen). Konditoreien (vorzüglich): *Pasticceria Suizzera von Cufiisch, Via Yittorio Em. 164. — Giuseppe Bruno, Via Vitt, Em. 557. — */S alcatore Grosso, Via Vitt. Em. 183. Wein: Vorzüglich und in grosser Auswahl in obigen Cafes mit Gabelfrühstück. Bier: Scunder JJarander, im Hof des llötel Central, Via Yittorio Em. 357 (PJ. d, D 4). — Birreria Oreio, Via Lincoln iö8. Cigarren: *Spaccio normale, Via Vittorio Em. 3o6 (bei Piazza Vigliena); fremde gute Cigarren von 25 C. aufwärts. Wagen. Tarif: Eine Fahrt innerhalb der Mauern der Stadt und in den äusseren sie umgebenden Strassen sowie jenseit Porta Macqueda bis Piazza Ruggiero Settimo, Piazza S. Francesco di Paola, Corso Scina und Via Borgo, lspännig 00 C.; 2spännig 8u C. — Eine Fahrt, ausserhalb dieser Grenzen beginnend oder endigend, wenn sie 1 /a St. nicht überschreitet: lspän- nig 1 Fr.; 2spännig D/aFr. — Ei ne S t u nde: lspännig. 1 Fr. eo C.; 2spännig 2 Fr. 80 C.; jede folgende Stunde: lspännig 1 Fr. 00 O.; Zspännig 2 Fr. — Von Mitternacht bis Tages- anorucli die Hälfte mehr; die Va St. überschritten zählt für 1 St. —Ein Koffer 2o C.; zwei Koffer 3o C. — Für weitere Strecken vor den Thoren nach obiger Massgabe zu akkordiren; gewöhnlich tiir den La Tag: Einspänner 8 Fr.; Zweispänner 12 Fr. Telegraph: Via Macqueda 220 (848), nördl. von Piazza Vigliena (PI. D 4), neben der Kirche Crociferi. Post: Piazza JJologni (PI. CD 4), Ostseite, südliche Ecke. Postwagen (Fahrpost). Sie werden gegenwärtig von zwei Gesellschaften geleitet. Die Wägen sind meist ziemlich primitive Omnibus zu sechs Sitzen und sehr niedrig, das Lederpolster schmal. Die Kondukteure dagegen sind durchweg sehr gefällig und ordentlich (wollen aber geutii behandelt sein). Die Sicherheit ist gegenwärtig weit besser als ihr Ruf, und wo irgendwie Anlass zu Befürchtungen ist, wird der Post Bedeckung mitgegeben. 1) Für die Linie Calatafimi (Segexta) und Marsa]{a sowie Calatafimi und Cas t e 1 ve t ran o (Selinunt) sind die Billete im Büreau Via Alloro (Nr. 133) an der kleinen Piazza dolla Chiesa dei Cocchieri (Pl. C 6) (man geht von der Osthälfte der Via Vittorio Em. südwärts durch Via Cintorinari bis Piazza Aragona und dann 1.) zu lösen. — Abfahrt Nachm. 4 Uhr. — Preise von Palermo nach: Mon- reale 1 Fr. 30 C.; Pioppo 2 Fr. (JO C.; Partinico 6 Fr.,* Alcamo 10 Fr. (50 C.; Calata- iimi 14 Fr.; — (Linie Trapani-Marsala), Calmatti 17 Fr. 30 C.; Trapani 22 Fr. 50 C.; Corale vecchia 25 Fr. 75 C.; Marsala 28 Fr. 85 C.; — (Linie Calatafimi—Castelvetrano), Vita 15 Fr. 85 C.; Salemi 17 Fr. 40 C.; S. Ninfa 20 Fr. 90 C.; Partanna 25 Fr. 50 C.; Castelvetrano 33 Fr. 75 C. — 2) Für die Landstrecken Palermo— Cer da — Messina , Palermo—Roccapalumba—Cal- tanisetta — Catania und Palermo— Girgenti sind die Billete im Hof des Pal. Comilini r., an Via Macqueda, Südseite, lieben S. Orsola (Pl. C 4), zu nehmen. Die Abfahrt richtet sich nach den llauptzügen der Eisenbahn; man hat aber die Billete in Palermo zu lösen, sonst riskirt man, an der Abfahrt- steile keinen Platz zu erhalten. — Preise (Linie Cerda—Messina): Cefalü 4 Fr. 30 C.; Finale 7 Fr. 30 C.; Castel Tusa (Alaesaj 8 Fr. 80 C.; Caronia (Kalakte) 11 Fr. 70 C.; Torre del Lauro 14 Fr. 70 C.; Acqua dolce 15 Fr. 50 C.; S. Agata - Militello 16 Fr. 50 C.; Torrente Zappulla 17 Fr. 50 C.; Capo d 1 Orlando 18 Fr. 60 C.; Brolo 19 Fr. 50 C.; Gio- josa 20 Fr. 50 C.; Patti 22 Fr. 80 C. (Tyn- daris); Falcone 24 Fr. 50 C.; Barcellona 26 Fr. 50 C.; Spadafora 28 Fr. 5o C.; Divieto 2) Fr. 40 C.; Gesso 30 Fr. 30 C-; Messina 32 Fr. 30 C. — Von ltoc.capalumba nach Cal- tanisetta oder zur »Station S. Caterina an der Eisenbahn nach Catania 17 Fr. 50 C.; — die Zwischenstrecke zwischen Palermo — Gir- genti: Spina — Passofonduto 8 Fr. 50 C. Eisenbahn : Von Palermo 3mal tägl. über (37 Kil.) Termini bis (45 Kil.) Cerda (hier geht die Post nach Messina ab); — dann tägl. 2mal weiter über (70 Kil.) Roccapalumba (Post nach Callaniselta und zur Endstation der Cataniabahn, gegenwärtig S. Caterina) nach (97 Kil.) Spina, Post nach Passofonduto, Endstation dei' Bahn nach Girgenti. — Der Bahnhof Palermo’s liegt 3 Min. südöstl. von Porta Santonino (Pl. A 5). Dampf boote: Die Hauptgesellschaft Societä Florio (die sich nun mit der Trina- cria-Gesellschaft verbindet), Vapori postali Italiani, Via Vittorio Em. 96 (Pl. D 6), Ecke der Piazza Marina (wo auch das Büreau der Societä Rnbattino ); organisirte folgende Fahrten: Nach Neapel tägl. (ausser Freit, und Sonnt.) 3 Uhr Nachm. — Nach Neapel, Civitavecchia, Livorno, Genua: Freit. 11 Uhr Morg. — Nach Messina, mit Landung bei Cefalü, S. Stefano, Capo d’Orlando, Patti, Mitazzo, Lipari: Dienst. 6 Uhr Abds. — Nach Syrakus, mit Ivandung bei Trapani, Marsala (zweiw'öchentlich abwechselnd mit Mazzara), 12.'! 2. Palermo und Umgebung. 124 Sciacca, Girgenli, Licata, 'Ten-anova: Somiabd. 9 Uhr Morg. — Nach Ustica: jeden 1. und 3. Sonnabd. des Monats um Mitternacht. Die Societä Rnbaitino: jeden 2. Sonnahd. 2 Uhr Nachm, nach Cagliari, Livorno, Genua. — Die Messageries maritimes, Piazza Marina 83 (PI. D <>), jede 2. Woche Sonnt. 4 Uhr Nachm, nach Messina; jede 2. Woche Dienst. 9 Uhr Abds. nach Marseille; zuweilen gehen ihre Schiffe über Trapani, Marsala, Mazzara nach Pantellaria. Spedition: Tristiano, Piazza Marina 9. — Artest Baldi, Via Vittorio Km. 28. Konsulate: Deutsches Reich (GeorgKopp), Via del Teatro S. Cecilia 44. — Oesterreich- Ungarn (Ignazio Florio), Via Materassai 51. — Schweiz (Konrad Hirzel), Via Ucciardone (jenseit Corso Scina) 6. — Holland (Karl Donner), Piazza Croce de’ Vespri. — Russland (Karl Minciaki), Piazza Pretoria. — England (Georg Dennis), Piazza della Kal.sa. — Schweden (Giacomo Guarnotta), Piazza Marina. — Dänemark (Bonavia Russo), Via Parlamente.— Vereinigte Staaten (Robert Frazer). Via Lincoln. Bankiers: llirzd, Via Ucciardone 6. — Kayser <£• Kressner, Via Teatro S. Cecilia 44. — Donner, Croce dei Vespri. — Wedekind, Via Cintorinari, Palazzo Cattolica.— Ingham e Whiteacker, Via Bara 1. — Morrison, Piazza Marina, Palazzo S. Cataldo. Cambia valute (Geldwechsler): Giardino e Koto, Via Vittorio Km. 181. — Sehast. Li pari, Via Vittorio Eni. 111. — Giovanni Maniscalco, Piazza Marina 19. Aerzte: Dr. Berlin (Deutscher), Via S. Sebastiane 30 (gegen das Kastell hin). — Dr. Razza, Professor an der Universität. — Gius. Arculeo (Augenarzt), Collcgio Maria Giusino 13. — Cesare Ribolla (Zahnarzt), Via Vittorio Km. 474. Apotheken: Englische (Lister Ilumlmt), Via Vittorio Em. 27. •— Baldassare Strazzeri, Via Vittorio Ein. 275. Bäder: *Stabilimen(o Idroterapico, kalte und warme Bäder, Via Rosolino Pilo 31 (das einfache Bad 85 C.). — Warme Bäder, Via Porto Salvo 11. — Die Meerbäder beginnen im Juli und endigen im September. Die Badehütten befinden sieh für die Damen bei S. Erasmo; für die Männer an der Colonnetta, am Sammuzzo, bei S. Lucia und an der Ac.qna- santa .— Neben der Sani.ta, am Nordende des Foro italico, fahren Barken (Va Fr.) für Schwimmer ins offene Meer hinaus. Latrine (lieux d'aisance; 10 (!.): An Porta Felice 1 (D 7). — Vicolo de 1 Mori 25 (D 4, gegenüber der Piazza Pretoria, östl. vom Corso). Beide 1876 sehr reinlich. Buchhandlungen: Luigi Pedone -Lauried, Via Vittorio Em. 360; Herausgeber der Hauptwerke über Sicilien , über die ein gedruckter Katalog vorliegt. — Sale. Biondo, Via Vittorio Em. 346. — Sandron, Via Vittorio Em. 324. Antiquare: Paolo Fiorenza, Via Vittorio Em. 365. — Pietro Ognibene, Via Vittorio Em. 359. — Allo in der Nähe der Piazza Vigliena. Musik und Saiten: Salita S. Antonio 23, Discesa dei Musici bei b’iazza Pretoria. Photographien: Fotografie diSicilia, Via Vittorio Em. 8 und 10 (nahe hei der Porta Feliee). — Emanuele Giannone, Via Macqneda 217. — Chaußourier & Girgenti, Via Vittorio Em. 881. Modemagazin und Wäsche: * Anhalt (Deutscher), Via Vittorio Em. 316 (schönstes Magazin in Palermo); ertlieilt auch freundliche Auskunft; steht in Verbindung mit dem Haus Reutlinger in Neapel. Herrenkleider (gut und billig): Truden, Via Vittorio Em. 367. — Bocconi Delhi, Via Vittorio Em. 124. Handschuhe: Guanteria centrale, Via Vittorio Em. 361. — GwrdineMo, Via Macqueda 316. Parfümerien (vorzüglich): Jhtgony, Via Vittorio Em. 204. — *Senes, Via Vittorio Em. 182. Waffen: Rainieri, Via Vittorio Em. 301. — Knesvrik & Bosco, Via Vittorio Em. 335. Gesellschaften: Deutscher und schweizerischer Kegelklub, Via Rosolino Pilo 20A, jon- seit Porta Macqucda r. — Casino nnovo, im Pal. Geräci, Via Vittorio Em. 411 (S-185); liier versammelt sich die eleganteWolt; Einführung durch ein Mitglied (14 Tage frei). — Casino Bellini, über dem Theater Bellini; sehr elegant; reichen Fremden leicht zugänglich. — Gabinetto Buoni Amici, Via Vittorio Em. 150 (mit Zeitungen). — Gabinetto Buoni Amici, Via Vittorio Em. 213 (ebenso). — Gabinetto Unione, Via Vittorio Em. 366 (ebenso). Protestantischer Gottesdienst (italienisch): Vicolo Paternö 18, 1. Stock; Sonnt. 11 Uhr. — Englische Kirche, Via Stabile. Theater: Bellini, Piazza Bellini (neben Piazza Pretoria, PI. C 5). — S. Cecilia, Via Teatro S. Cecilia (in der Nähe des deutschen Konsulats, PI. C 5). ■— Principe Umberto , Via Merlo 8 (hinter der Siidwestecke der l’iazza Marina C D 6). —Politeama (Sommertheater, sehr elegant), Piazza Ruggiero Settimo, jenseit Porta Macqneda (PI. G 4). — Circo, Via Bambinai 20. — Garibaldi, Via Castrofilippo 38 (C 6). Feste: Das berühmte Fest der S. Rosalia, 11 — 15. Juli (S. fll). Zur Geschichte. Die Stadt ist phönikischen Ursprungs und wurde, ungeachtet sie einen wohl von den Ilalbgrieehcn ihr gegebenen hellenisclienNa- men trägt (Panormos = »Allhafon«), nach Diodor (XXII 10) davon stammend, dass der Hafen der schönste in ganz Sicilien ist, doch nie von Griechen beherrscht. Der phönikische Name der Stadt ist ungewiss. Manche beziehen die auf siciliscli-phönikisclien Münzen vorkommende Inschrift Machanat (Lager) auf Palermo; Movers vermuthet, dass der eigentliche Name Machoschbim, Lager der Buntwirker, auch auf Münzen vorkommend, gewesen sei. Das Lob der griechischen Bezeichnung trifft noch jetzt den Hafen, wo die Schiffe an den verschiedensten Stellen ausserhalb Windesgefahr ankern können, ist doch 125 2 . Merino (Geschieh(diches). 32C der jetzige kleine innere Hafen (la Cala) nur ein Ueberbleibsel der weit umfangreichem altern, in die Stadt sich hineinziehenden Bucht. J>ie ursprüngliche Stadt lag wohl zwischen den beiden Armen des Hafens, vornehmlich da, wo sich jetzt der obere Theil der Via Vittorio Einanuele hinzieht. Im 3. Jahrh. v. Ohr. schloss sich südöstlich eine Neustadt an. Auf die Nordwestküste »Sieiliens blieb der Einfluss der Griechen immer am schwächsten, doch gibt es auch von Panormos Münzen, welche den hellenischen Einfluss des 5. Jahrh. v. Ohr. andeuten. Die Karthager machten aiis der Stadt ihr grosses Kriegs - und Schiffsarsenal und mehrmals das Centrum ihrer Kriegsoperationen, besonders während des ersten Puni- sclien Kriegs. 254 v. Chr. belagerten die Römer die Stadt mit 300 Schiffen, legten sich im llafen (Diodor XXIII, 12) nahe an den Mauern vor Anker, schifften die Truppen aus und umgaben die Stadt mit einem Wall und Graben. Da die Gegend bis an die Thore voll von Bäumen war, so wurde von einem Meer zum andern der Wall und Graben mit Pfahlwerk besetzt (nach Scliu- bring lag die Flotte im südlichen Hafen, und die Truppen schifften südlich von der Neustadt aus und zogen ihre Opcrations- linio von W. nach ö., vom Hafen zum äussern Meer. (Nach Inveges erstreckte sich aber der linke Hafen bis zum Papireto [S. 208], der rechte Hafen bis zur Casa Professa [S. 183], während nach Scliubring der Südarm diesseit der Via Macqueda [S. 209] endigte.) Die Börner führten hierauf (Polyb. I, 38) an zwei Stellen Werke auf und bewegten nun die Maschinen heran. Der am Meer stehende Thurm ward zum Einsturz gebracht, die Soldaten erzwangen hier den Eingang, und die Neustadt ward erstürmt. Auch die Altstadt kam in Gefahr, und nach kurzer Zeit ergaben sich die Einwohner. (Dieser Thurm erhob sich am Ostende, dem rechten llafen vorgesetzt, westl. vom Olivetanerkloster.) Einige Jahre darauf suchten die Karthager Palermo den Römern wieder mit verzweifelter Anstrengung abzugewinnen. Hasdrubal setzte sein ganzes Ileer in Bewegung und rückte durch die Engpässe in das Gebiet von Panormos. Der römische Konsul Gäcüins hielt aber klüglich seine Soldaten in der Stadt zurück, bis er seinen Gegner verleitet hatte, über den Oreto zu setzen. Als hier die Karthager die Elefanten und Truppen hinüber gesetzt, liess er seine leicht bewaffneten Soldaten ausrücken und zwang sie zur Aufstellung des ganzen Heers, dann stellte er einen Theil der leichten Truppen vor die Mauer und den Graben zur Beschiessung der Elefanten mit Pfeilen. Den Handwerkern von Palermo aber gab er Befehl, die Geschosse herbeizubringen; er selbst stand am Thor mit den Legionssoldaten, welche die leichtbewaffneten stets verstärkten und gegen die vordringenden Elefanten Spiesse imd Lanzen warfen. Die Thiere rannten gegen ihre eigenen Leute und rissen die Reihen auseinander. In diese drang nun das frische Heer des Cäcilius und entschied den Sieg. — Bald nachher (217 v. Chr.) lagerte der beste Feldherr Kartliago’s, Jla- milkar Harham, mit einem neuen Heer an . den Gehängen des Monte Pellegrino (der ■ antiken lleirlde, d. h. Verschluss), der, nur ! auf der Stadtseite zugänglich, den weitesten ! Ueberblick bot (S. 267). Hier hielt der ; Feldherr die Römer drei Jahre hin, und ! lieferte ihnen mittlerweile 15 Schlachten. (Polyb. I, 58: »Die beiderlei Staaten glichen i den edlen Kampfhähnen, die selbst bei Mangel an Kräften noch mutliig zum Streit sind«.) Es scheint aber längst ein italisches Element in Palermo sich geregt zu haben, das die Einnahme der Stadt 254 und diese dreijährige Resistenz erleichterte. Unter der römischen Herrschaft genoss Palermo grosser Privilegien, und zur Zeit Cicero’s war es wieder eins der llauptcentren des Handels (Cicero Verr. III, 39 u. 40 spricht von dem Senat der Stadt und von den grossen Pflanzern). Von der phönikischen und römischen Stadt sind aber alle Spuren verschwunden (nur wenige Fragmente im Museum, S. 218, aufbewahrt), ausser den Resten einer römischen Wohnung auf der Piazza della Vittoria (S. 196) und ihrer schönen Mosaikböden (S. 219). Strabo nennt Palermo eine römische Kolonie; unter Vespasian wird eine neue Kolonie von Veteranen erwähnt. Während des Verfalls des römischen Reichs wurde Palermo von (Jeiserich, dem Vandalenkönig, belagert. Es war die letzte Stadt in Sicilien, welche durch Beiisar 535 den Gothen entrissen wurde. Procop (Üb. I) erzählt, dass sich die Gothen daselbst im Vertrauen auf die Befestigungen eingeschlossen hätten; Be- lisar habe, das Schwierige einer Belagerung zu Lande einselieud, die Flotte in den Hafen geführt, um die gegen das Meer vortre- i tenden Mauern anzugreifen, auf denen die I Vertlieidiger fehlten. Die ankernden Schiffe j erreichten mit den Segelstangenspitzen die 1 Höhe der Mauern und die Mastkörbe füllten sich mit Bogenschützen, so dass die Gothen, plötzlich von oben herab beschossen und in Verwirrung gebracht, sich zur Kapitulation genöthigt sahen. (Das Meer musste also an der Nordseite tief in die Stadt cindringen; Schubring vermuthet, dass am entgegengesetzten Ufer dieses [linken] Hafens keine Wohnungen gewesen seien, aber eine [1869] hier aufgedeckte Gräberstätte lässt auf eine grosse Vorstadt schliessen.) Palermo blieb den Byzantinern bis 831. Die Briefe des Papstes Gregor I. nennen sie eine volkreiche und wohlhabende Stadt (Anfang des 7. Jahrh.). Im Jahr 830 widerstand sie ein volles Jahr aufs mutlivollste den Saracenen, und hatte laut lfm el Athir von 70,000 Bewohnern nur noch 3000 bei der Uebergabe am Leben. Die Angesehenen verliessen die Stadt. Aber die Sara- : eenen erhoben sie bald wieder zu einem i Centrum der Macht, zunächst als Kern eines j neuen, von Afrika wenig abhängigen Staats I und erst später unter strengerem Zaum fler 127 2. Palermo (fleseliiclitliclies), 128 residirenden Wall (Befehlshaber). Der Mönch Theodoaiu*, der »7» als Gefangener (S. 727) liier weilte, berichtet: »Bei unserem Eintritt in die Stadt fanden wir daselbst eine grosse Zahl Bürger und Fremde. Palermo war nicht unter seinem Ruf und unserer Erwartung. Man hätte sagen mögen, dass die ganze Rasse der Saracenen nach dom Wort Davids im Psalm 107, 13 sich erhoben, um von Osten nach dem Westen, vom Norden zum Meer herbeizuströmen. Da die Stadt der Zahl der neuen Bewohner nicht mehr genügte, begann man auch ausserhalb der Mauern viele Häuser zu bauen. So bildeten sich in der Umgebung der Altstadt neue, nicht weniger mächtige und nicht weniger befestigte Städte. Diese widersinnige Stadt, nachdem sie immer weiterhin um sich gegriffen, glaubte, dass ihre Jurisdiktion ihrem Ruhm und Glanz naehstehe, wenn sie nicht auch Syrakus unterwürfe. Nun geht sie darauf aus, selbst die fernsten Völker sich zu unterwerfen, selbst den Sitz des Kaiserthums (Konstantinopel)«! Die eigentliche Schöpferkraft des sikulo- arabischen Volks koncentrirte sich nun auf Palermo. Es war der Gradmesser des materiellen und geistigen Fortschritts. Der afrikanische Emir Idansur, überzeugt, die Stadt stehe auf einer Höhe, welcher die Herrschaft durch Kommissarien nicht mehr zieme, erhob sie zur grossen selbstgesetzgebenden Provinz mit lokalem Emir, Civil- und Militärmacht. Das Emirat wurde zuerst von Hasan bekleidet und in seinem Stamm erblich. Kurz nachher kam (072) der Bag- dader Kaufmann Ihn Haukul (Abul Kasem- Mohammed ibn Haukal), welcher über 30 Jahre (043—076) für das Studium der Länder, der Sitten und des Handels verwandte, nach Palermo und beschrieb die Stadt. Die beiden Lagunen, welche die alten Häfen bildeten, waren schon sehr verkürzt durch Flussgeschiebe und Bodenerhöhungen; die Lagune der linken Seite, am obern Ende ein sumpfiger Boden geworden, bot weiter irnten ein hinlänglich tiefes und breites Bett für die Anhörung (Schubring setzt die Erweiterung des Nordhafens bis zur Piazza del Monte di Pieta und weist nach, dass die Quartiere Monte di Pieta, S. Onofrio, Conceria, Beceheria vecchia, Garraffo und Garraffelo damals unter Wasser standen). Von der rechten Lagune blieb nur ein grosses Becken für das Arsenal, und der gegenwärtige kleine Hafen (la Cala) bildete den einzigen Eingang zur Stadt; das Ende der Altstadt (Kasr) zog sich bis mitten in das Meer hinaus, an der Stelle, wo jetzt S. Antonio stellt. »Palermo«, sagt Ihn Haukal, »theilt sich in fünf Regionen, zwei mit Bastionen und Gräben , die eine, Kasr (noch in jüngster Zeit wurde die Via Vittorio Emanucie Via Cassaro genannt), ist das wahre alte Palermo, verstärkt durch hohe, starke Steinmauern, von Thürmen flankirt, bewohnt von den Kaufleuten und von dem Munieipaladel. Die- andere Region, Kälesa, nicht so fest ummauert, ist dev Sitz des Sultans und seines Gefolges, hat keine Märkte und Magazine, aber Bäder, öffentliche Ueschäftswohnungen, das Arsenal, das Gefängnis. — Volkreicher und dichter als die zwei officiellen Stadt- theile des Municipiums und der Regierung ist die nicht ummauerte Region der Slawo - nier (parallel mit dem Kasr und von diesem durch Bäche und Sümpfe getrennt, darunter der Papireto). Sie enthält die Wohnungen für die Matrosen und die fremden Kaiifleute, welche hier landen. (Noch jetzt ist hier die Kirche S. Giorgio dei Üenovesi). Ebenso ohne Mauern sind die Heue Region und die Region der Moscheen, beide einander ähnlich; sie enthalten die Märkte und Gewerbe: Wechsler, Oelhändler, Getreideverkäufer, Droguisteu, Schneider, Waffenschmiede, Kupferschmiede und die anderen Gewerbe, jedes in getrennter Abtheiiung, ausgenommen die Schlächter, welche über 150 Läden in der Stadt und noch mehr ausserhalb derselben haben. Die Juden wohnen in einem besondern Quartier, ebenso die Soldaten in einem abgeschlossenen Quartier, Mo'aseher, vor der Altstadt. (Hier war, bevor sie nach der Kälesa verlegt wurde, die Residenz der Emire.) Die Vorstädte laufen südwärts durch Gärten bis zum Oreto, und süd- westwarts von Mo’aseher in ununterbrochener Reihe bis zum Dorf Baida. — Die Gestalt der Stadt gleicht einem Schiff, mit dem Rumpf des Kasr in der Mitte und dem Schnabel nach N.j vor Anker im NO. die Kälesa, im W. die Region der Moscheen, die neue Region und der Mo’aseher, die Region der Fremden westl., parallel mit dem Kasr. — Das Meer tritt in einen engen Kanal ein, scheidet die Kälesa vom Nordende der Fremdenregion und spaltet sich an der Spitze des Kasr in zwei Becken, das westliche mit dem Handelshafen, das östliche mit dem Arsenal. Einige grosse Zu- Strömungen zwischen dem Kasr und der Fremdenregion treiben Mühlen oder bilden kleine Seen, mit Rohr und Kürbis umzogen. Zwischen diesen Orten ist eine Untiefe mit Rapgrus bedeckt, aus dem man hier Schiffs- seiie verfertigt und das wenige Papier, das dem Emir zugehört. Die Felder im O. sind üppig au Fruchtbäumen und Lustgärten an den Ufern des Oreto (Wed-Abbäs); die Gärten steigen zu den Weinpftanzungen des Dorfs llalhard (jetzt Monreale) hinan, bei dem eine Eisengrube liegt, aus welcher der Emir Metall für den Schiffsbau bezieht. Für das Wasser werden Lüsternen und Kanäle benutzt, (Erst die Normannen führten die konsequente Versorgung mit laufendem Wasser durch.) — Von Monumenten erwähnt Ibn Haukal die Hauptmoschee((7i«»mJ im Kasr, einst christlicher Tempel. Der Kasr ist oval und in der llauptaxc von einer geraden Strasse, Simät (Schnur), durchschnitten (jetzt Via Vittorio lim.), mit Magazinen und Läden angefüllt und ganz gepflastert (eine Seltenheit zu jener Zeit). Die Altstadt hat neun Tliorc: Bäb el Bar, das Seethor; Bäb es Scefä, Thor der Heilquelle; 129 2. Palermo (Geschichtliches). lSu Bub »Sciantagät, Thor S. Agata; Bub Rüta, Oudlonthor; lläb er riäd, Gartenthor; Bub ihn Korob (des Rebellen); Bäb el ebnä, Thor der Söhne ; Bult el Iladi, Eisenthor, und ein ungenanntes. (Noch jetzt erkennt man die [ Rage dieser Tliore.) Die Kälesa hat vier Landtliore gegen S.; am Strand sind viele Ribät, dicht besetzt von Kriegsläufern, miissigen Leuten, alten und jungen, schlechten und heuchlerisch frommen, um Almosen zu erhalten, hier zusammengethan, weil sie weder Beruf noch Wohnung hatten. Von den 500 Moscheen standen 3 /b in der Altstadt und den dichten Regionen, und 2 /a in den Vorstädten; jede Sippe wollte ihre eigene Moschee haben, Notar Abu Mohammed liess sogar eine besondere Moschee für den Sohn bauen, dass er dort Vorlegungen über Rechtsmaterien halte; 300 Pädagogen gaben Unterricht. Die Moschee der Metzger, wenn ganz gefüllt, umfasste über 7000 Personen. Nach diesen und anderen Angaben berechnet man die damalige Einwohnerzahl auf 300,000. — Die sicilischen Statthalter entzogen sich den Herrschern von Kairovan und erkannten 078 die Ohalifen von Kairo als ihre Gebieter, eine Verbindung, welche auch für die Kunst und ihre Vorbilder von Bedeutung wurde. Unter dem Emir Abul Kasern (gest. 005) erreichte »Sicilien den höchsten Gipfel des arabischen Glanzes, fiel dann aber durch einheimische Kämpfe, indem die Aristokratie, welche zu grossem Länderbesitz gelangt war, fremde Macht zur Stützung ihrer Rechte herbeirief. Einer der streitenden Bewerber wandte sich an Georgias Maniakes, den byzantinischen Befehlshaber in Apulien, und-dieser kämpfte siegreich mit Hülfe der kräftigen normanni- nischen Hitler (1030). Bald fühlten sich Robert Guiseard, der sein Reich in Neapel gründete, und sein Bruder Hoger stark genug, Palermo drei Monate lang zu belagern. Sic kehrten 1071 dahin zurück, Robert lagerte vor der Stadt im 8., am rechten Ufer des Oreto; Roger an der jetzigen Porta Nuova; im NO. blokirte die Flotte den Hafen. Erst nach fünf Monaten gelang es Robert, während die Hauptmacht einen Angriff Rogers auf die Altstadt zurückschlug, durch ein Thor der Kälei s« (8. 1Ü0) einzudringen. Am folgenden Tag ergab sich die Altstadt durch Vertrag, und der byzantinische Erzbischof Nikode- mos verliess sein bescheidenes Kirchlein 8anta Ciriaca, wo er unter den Saracenen christlichen Gottesdienst halten durfte, und zog in den Dom, der nun aus einer Moschee zur Hauptkirche der Normannen wurde. Den »Saracenen wurde Freiheit, Sicherheit der Person und des Eigenthunis, besondere Richter, eigene Magistrate unter eigenen Gesetzen sowie religiöse Toleranz zugesichert. Hobert Guiseard behielt nun Palermo mit dem Val Demone und überliess Roger die anderen »gemachten und zu machenden« Eroberungen. Robert sorgte für die Befestigung des Hafeneingangs (erbaute eine 11a- fenveste, wo jetzt Casteliamaro steht) und Unter-Italien. II. einer Oitadelle am obern Ende, wo im 9. Jahrli. die Wohnung der Emire war, und gründete Kirchen, liess aber das »Stadtgebiet durch einen Statthalter in seinem Namen regieren. 1093 übergab Hoger, Herzog von Apulien, Nachfolger von Robert, eine Hälfte Palermo’s seinem Oheim, der schon vom Bruder das Val Demone erhalten hatte. Schon war »Sicilien ganz erobert und der grosse Graf Roger todt, als sein »Sohn Hoger JI. für die Hülfe, die er dem neuen Herzog von Apulien, Wilhelm, geleistet hatte, auch die andere Hälfte Palermo’s 1122 erhielt. Roger, mittels der Unterstützung Sieiliens zum erblichen Herzog- tlmm Apulien gelangt und im Besitz neuer Erwerbungen an der afrikanischen Küste, in ganz Europa berühmt und geehrt, griff nun zur Königskrone (1130), ungeachtet Rom, sowie das byzantinische und deutsche Reich ihm entgegentraten. Der italienische Schwerpunkt lag damals in Palermo, und dieses war der Ort, wo der Handel Euro- pa’s und Asiens sowie die Früchte der Civilisation derselben zusammenströmten. Zur alten Bevölkerung. die aus einheimischen und arabischen Elementen gemischt war, traten Sicilaner aus der ganzen Insel, Italiener der jenseitigen unterworfenen Provinzen, Handelsleute aus Pisa, Genua und Venedig, Barone uud Bischöfe, die das normannische Haus Hauteville im Geleit hatte oder allenthalben aus Europa herbeizog, und diese so mannigfach gemischte Bevölkerung lebte wieder unter verschiedenen eigenen Gesetzen und Magistraten, übten ihren Kultus in lateinischen und griechischen Kirchen, in Moscheen und »Synagogen aus, schrieben und sprachen italienisch, arabisch, griechisch, lateinisch, französisch, so dass selbst die monumentalen und die Rechtsinschriften in arabischer, griechischer und lateinischer Sprache nebeneinander abgefasst wurden. Auch die Kunst, vorwiegend dem Orient entnommen, mischte sich mit abendländischen Anschauungen uud blühte in Monumentalwerken und Lustschlössern auf. Der spanische Muselman Ihn Giohair schreibt im 12. Jahrli.: »Palermo ist die Metropolis dieser Gegenden und vereint zwei grosse Vorzüge: Gemächlichkeit und Glanz. Es bietet alles nur wüuschenswerthe Gute in Wirklichkeit und Schein, alle Früchte und Blätter des Lebens. Die alte und elegante, prächtige und anmuthige Stadt breitet sieh mit ihrer verführerischen Gestalt in ihren Plätzen und ihrem landschaftlichen Gebiete, das nur einen einzigen Garten bildet, in schönster Fülle aus. Diese wunderbare Stadt ist wesentlich im Baustil von Cordova erbaut«. — Es folgen nun wertli- volle Bemerkungen über das königliche Schloss und die königlichen, rings um die Stadt zerstreuten Lustgärten und Villen, »wie eine reiche Halskette um den Nacken eines schönen Mädchens«, über die Brunnen , die Kirche des Admirals Georgios von Antiochien, den Luxus der Frauen und die 131 2. Palermo (Geschichtliches). 132 Privatpaläste des Kasr. — Im gleichen Jahrhundert schrieb auch Falcanilo aus Frankreich in fast überschwänglichen Glanzwor- ten über die Wunder der .Stadt; erzählt von der grossartigen Königsburg (S. 15)7) und den .Seidenarbeitern in derselben, der königlichen Kapelle (Palatina), dem Heiz der umliegenden Villen und Gärten, der Menge und Vortrefflichkeit des zuströmenden Wassers, den drei Kegionen der damaligen Stadt, der Altstadt, reich an edleren Bauten, rechts und links von alten Mauern umgeben, von drei grossen Strassen durchzogen, deren bedeutendste von ihrem Pflaster den Kamen der Marmorstrasse erhielt, der Region Nea- I>o!is und Kälesa der Araber zur Rechten, vom Königsschloss auch ummauert bis zum Meer ziehend, und von der Region zur Linken, die sich bis zum Kastell am (noch mehr verkürzten) Hafen erstreckte. Auch unter den Hohenstaufen blühte Palermo im grössten Glanz. Nach Kaiser Heinrichs VI. Tod zu Messina wurde Friedrich II., kaum vier Jahre alt, von seiner Muttor Costanza nach Palermo berufen und hier im Mai 115)8 zum König gekrönt; über ihm wachte gegen die Eingriffe seines munds Innocenz III. uhd gegen die Anfor- Vorderungen der deutschen Barone die pa- lcrmitanische Bürgerschaft, ln dem Königsschloss Palermo’s ward dieser grösste deutsche Kaiser des Mittelalters, unter dem doppelten Einfluss der abendländischen und arabischen Kultur erzogen; dabei in steter Gefahr, seiner Krone und vielleicht sogar seines Lehens von einem der ehrsüchtigen Machthaber, die sich um die Reichsverwesung stritten, beraubt zu werden. In Palenno’s Gärten erglimmte er, wie Manfred schreibt: »zur heissen Sonne, die den Völkern leuchtete«; hier reifte seine Liebe zur Kunst und Poesie, hier aber auch seine Clia- llfengedanken, sein Grundgedanke, die Barone und die Kirche unter eine monarchische Macht zu beugen, wie sie der Orient den Herrschern verlieh, freilich mit echt deutscher Verfassung und Rechtsordnung, und einem gut disciplinirten Beamten - und Richterstand. In Pa’ermo saugte er auch die Liebe zu des Lebens Lust ein; Sänger, Lautenspieler und Dichter verherrlichten später seinen Hof, er selbst und seine Genossen übten fleissig die Kunst des Minnegesangs; er hielt sich einen Harem und bewachte seine von aller Welt abgeschlossenen Frauen mit der Eifersucht eines Arabers, eine sarncenische Leibwache umgab ihn, und seine Paläste und Schlösser glänzten in Pracht und Luxus. Auch die Wissenschaft fand bei ihm Pflege, und die früh geübte strenge Willenskraft erhob ihn zu seiner Grösse und gab seinen genialen Anschauungen die realen Formen. Ein echtes Kind der Zeit, war er so ungläubig als gläubig; erscheint bei Dante unter der Zahl der himmelstürmenden'Zweifler, welche zur Strafe in feurigen Gräbern ruhen, und in der Geschichte der Kirche als ihr weltlicher Arm zur Bekämpfung der ketzerischen und gcgenkirchliehen Bestrebungen. Wer sieht nicht Palermo’« südliche Glut in diesem doch so deutschen Manne! Die Kirche that sich mit dem demokratischen Bürgerthum der italienischen Kommunen gegen die Hohenstaufen zusammen, und in der spätem Anarchie (125-1--50) rief Palermo zuerst die Republik unter dem Schutz der Kirche aus, bis Manfred in Palermo die Krone erlangte. Der Franzose Karl von Anjou holte sich keine Krone in Palermo und blieb in dem sichern Rom und dem Frankreich nähern Neapel. Das Volk von Palermo war es, welches plötzlich, fast unvorbereitet die Wuth gegen das Franzosenregiment zur blutigen Sicilianiachen Vesper (S. 106) in ganz Sicilien anfachte. Kein Baron tritt in der ersten Periode dieser rächenden Erhebung auf, und fünf Monate lang tönte nur der Ruf nach der Republik unter dem Schutz der Kirche: Palenno, von welchem die Losung ausgegangen, entfaltete mitten in den Wirren seine Municipalfahne und trat an die Spitze der ganzen Bewegung. Erst als der Einfluss der Barone bei den wachsenden Gefahren wieder zunahm, war es möglich, dass Pietro d’Aragona als König in Palermo einziehen konnte. Palermo blieb unter den Aragonesen Hauptstadt und Sitz der Vicekünigc. Die neapolitanische Armee der Dynastie Anjou, welche 1325 vor Palermo landete, zerstörte die Gärten um die Stadt, namentlich die der Cuba, und schritt dann zu einem allgemeinen Sturm; drei Tage lang wurde bei den Thoren gekämpft , und die Flotte suchte die Hafenkette zu sprengen. Die Bürger schleuderten das Strassenpfiaster auf die Eindringlinge , und der Leitung des alten Giovanni Chiaramonte gelang es, die Stadt zu retten. 1648 raffte der schwarze Tod eine ausserordentliche Menge Menschen weg. Dann brach durch die Streitigkeiten der alten Einwohner mit den durch das neue Königshaus Bereicherten der Bürgerkrieg aus, und Palermo trat an die Spitze der latini- sclien Partei gegen die katalanische, die ihren Ilauptsitz in Catania hatte. An die Spitze der »Latini« traten die Chiaramonte, Herren von Modica, die in Palermo durch Reichthum, Verbindungen, Intelligenz und vaterländische Dienste hervorragten. Die Chiamaronte wussten als »Oapitani« und »Giustizieri« (Leiter im Feld und Gericht) die Regierung in den Händen zu behalten, namentlich unter den zwei noch kindlichen Königen Ludovico und Federujo III; sie hielten mit eigenem und öffentlichem Geld Söldner und beherrschten die Gemeinde durch ihre Günstlinge, bis zuletzt die Ba- ronenhemchaft völlig an die Stelle der königlichen Macht trat und Friedrich III. nur unter ihrer Gutheissung 1374 in Palermo die Krone erhalten konnte. Nach seinem Tod zerfiel Sicilien in vier Vikariate; in Palermo, das an die Spitze des Val di Mazzara trat, war Man- fredi Chiaramonte Vikar und erhob sich zu einem fast unabhängigen Fürsten, der seine 2. Palermo (Geschichtliches), 134 133 Tochter an den König von Neapel verhei- rathen konnte, einen Fürstenpalast (S. 166) in Palermo hatte, und die Stadt, trotz der Bürgerkämpfe, ostwärts gegen das Meer hin auszudehnen die Mittel fand, mit Einschluss eines Küstenthcils bei seinen eigenen Häusern, zudem bedeutende kirchliche Monumentalbauten schuf. Aber als die Zwietracht der Barone die königliche Macht unter Mar- tino, Sohn des Herzogs von Montblanc, und Gatte der Tochter Friedrichs III., wieder zur Geltung kommen Hess, vermochte das iso- lirfcc Palermo trotz der tapfern Vertlieidigung unter Andrea Chiaramonte nicht zu widerstehen. Chiaramonte wurde auf dem Platz vor seinem Haus (S. 166) hingerichtet, und der König Martino bezog den Baronialpalast, wo er auch den Tribunalen einige Räum- liclikeiten anwies. Mit der Herrschaft Mar- tino’s begann das eigentliche Fremdenregiment. Martino wurde König von Aragonion, und sein Sohn, der mit der Königin Maria in Palermo blieb, nahm den Titel Generalgouverneur in Aragonien an, um sich als präsumtiven Thronerben zu bezeichnen. Nach dem Tod Martino's versuchte der Grossjustitiar Bernardo Cabrera sich des Reichs und der Königin-Wittwe Bianca zu bemächtigen (1412), aber die Königin rettete sich auf einem Schiff des nahen Hafens der Gala. Sicilien kam nun ganz unter die Fremdherrschaft Spanien s, wenn auch die Municipalverfassung eine einheimische blieb. Alfonso, der auf Ferdinand 1416 folgte, fand freilich in Palermo noch alles so schön wie in Barcelona und Neapel, aber die innere Entwickelung der Stadt hatte keine selbständige Blüte mehr. Gi*osse Herrenpaläste erstanden mit spanischen Luxus- fayaden, eine Menge neuer Thürine; für das materielle 'Wohl wurde gesorgt. Die Gelehrsamkeit wurde begünstigt, der Geschichtschreiber Antonio Beccadelli, gewöhnlich nur il Panormito (der Palermitaner) genannt, 1394 geboren, schrieb damals die Geschichte Alfonso’s, Pietro lianzano, der erste Universalhistoriker der Renaissance, wurde 1428 in Palermo geboren. 1477 wurde die Buchdruckerkunst eingeführt, auch die Künste erfuhren die Umwälzung durch die llenaissance, blieben aber weit hinter Toscana zurück. 1492 protestirte Palermo gegen die Austreibung der Juden durch Ferdinand den »Katholischen«, es protestirte auch gegen die Einführung der Inquisition, 1493 erhob sich das Volk unter der Leitung des Patriciers Gian Luca SquarHalttpo und anderer Adligen, aber umsonst. — Als Karl V. als Sieger über Tunis 1535 nach Palermo kam, beschwor er die alten Freiheiten des lleichs, aber Palermo blieb spanisch. Unter dem Vicekönig Marcanlonio Co- lonna erhielt die Stadt ihren herrlichen Spaziergang am Meer und die schönen Kirchen Porto salvo, S. Maria de’ Miracoli, S. Giorgio de’ Genovesi, Olivella sowie der Palazzo Ajutainicristo erstanden, auch der damals sehr bewunderte neue Molo (1590 vollendet) an der Nordseite des Golfs, unter dem Monte Pellegrino. Auch für prächtige Feste sorgte das Regiment. Im 17. Jahrh. erhielt die Stadt den jene Zeit sehr bezeichnenden achteckigen Centralplatz Vigliena (S. 180) und die quer durchschneidende Via Macqueda, so dass das alte Palermo nun völlig den neuen Durchschnitten wich und die alten inneren Mauern und Thore verlor. In der Restaurationszcit blühten die Klöster und geistlichen Bauten auf, es entstanden die Glanzkirchen S. Giuseppe und der Casa Professa der Jesuiten, aber auch der kühne breite Weg auf den Monte Pellegrino und das Lazareth (1028), die Bevölkerung stieg auf 130,000 (1591: 114,131), obsclion die Pest 1624 sehr zahlreiche Opfer gefordert. Palermo wurde der Hauptsitz des müssigen Adels und der Geistlichkeit. In der Zeit der Volksaufstände gegen die Fremdherrschaft hatte auch Palermo seinen Masaniello in Giuseppe d’Alesi (S. 210), der nicht nur die alteu Volksrechte, sondern auch eine Universität, deren Lehrer die Gemeinde zu erwählen hätte, für Palermo verlangte. — Gegen die französische Hülfe Mos- sina’s 1672 (S. HO) verhielt sieh Palermo abwehrend, und als die Franzosen unter Vivonne und du Quesne die spanisch - holländische Flotte hier schlugen und verbrannten, erhoben sich die Palermitaner mit ihren Kanonen gegen die Invasion. Im Spanischen Erbfolgekrieg hielt Palermo zu Philipp V. von Spanien. Der Vertrag von Utrecht 1713. welcher Sicilien an Vittorio Amadeo von Savoyen gab, erweckte in der Stadt eitle Hoffnungen der Unabhängigkeit. Die Herrschaft des Kaisers Karl VI. dauerte nur wenige Jahre; dann nahm Karl III. Bourbon die Krone wieder in Palermo (1735). Ungeachtet des bald verhassten Bour- bonenregiments entwickelte sich die Stadt stetig vorwärts und erweckte die Bewunderung aller Reisenden. Goethe, bei seinem Aufenthalt 1787 (30. März bis 18. April) hat namentlich den landschaftlichen Genüssen und den Gärten die herrlichsten Worte gespendet. Vom öffentlichen Garten an der llliede schreibt er am 7. April: »liier brachte ich im Stillen die vergnügtesten Stunden zu, es ist der wunderbarste Ort der Welt; regelmässig angelegt, scheint er uns doch feenhaft. Grüne Beeteinfassungeu um- schliessen fremde Gewächse, Citronenspaliere wölben sich zum niedlichen Laubengang, höbe Wände des Oleanders, geschmückt von tausend rothon nelkenhaften Blüten, locken das Auge. Ganz fremde Bäume verbreiten seltsame Zweige. An den Pflanzen erscheint durchaus ein Grün, das wir nicht gewohnt sind, bald gelblicher, bald bläulicher als bei uns. Was aber dem Ganzen die wundersamste Anmuth verleiht, ist der starke Duft, der sich über alles gleichförmig verbreitet, mit so merklicher Wirkung, dass die Gegenstände, auch nur einige Schritte hintereinander entfernt, sich entschiedener hellblau von einander abheben. so dass ihre eigen* thümliche Farbe zuletzt fast verloren geht. 5 * 135 2. Palermo (tuinstgescliichtliclies). 13C Welche wundersame Ansicht, ein solcher Duft den entfernteren Gegenständen, Schiffen, Vorgebirgen gibt, ist für ein malerisches Auge merkwürdig genug. Der Eindruck dieses Wundergartens, die schwärzlichen Wellen am nördlichen Horizont, ihr Anstreben an die Bnchtkrümmung, selbst der eigonthümliche Geruch.... dies alles rief mir die Insel der seligen l'häalcen in die Sinne sowie ins Gedächtnis«. — Von seiner Ankunft in Palermo sagt er: »Wie sie uns empfangen hat, habe ich keine Worte auszudrücken, mit frischgrünenden Maulbeerbäumen, immergrüuendem Oleander, Citro- nenheeken u. a.« — Und seine Schilderung der unvergleichlichen Euclit ist eine Gemeinstelle aller Gebildeten geworden. Während der französischen Revolutions- kriege lioli der bourbonisehe Hof 1798 aus Neapel nach Palermo und weilte zwei Jahre hier, 1806 kam er nochmals hierher. Nach Murats. Sturz hob der auf den neapolitanischen Thron wieder eingesetzte König Ferdinand die Konstitution wortbrüchig auf, und Sieilien wurde zur Magd Neapels, daher 1820 der allgemeine Aufstand in Palermo im Namen ganz Siziliens. Nur durch Hunger konnte die eingeschlossene Stadt zur Ueber- gabe gezwungen werden, mit sehr günstiger Kapitulation, die aber nicht gehalten wurde. — 1867 raffte die Cholera in fünf Wochen 24,000 Einw. der Stadt hin; dabei rief der Wahn, die Armen würden auf Befehl der Regierung von den Aerzton vergiftet, die grössten Excesse hervor. — Am 12. Jan. 1848 kam es in Palermo zu einem allgemeinen Aufstand gegen das verhasste bourbonisehe Regiment; die königlichen Truppen wurden nach blutigem Kampf geschlagen, Regic- vurvgsausschüssc niedergesetzt; am 25. Jan. wurde der königliche Palast, am 4. Fcbr. das Fort Castellamarc erstürmt; am 25. März wurde das sieilische Parlament einberufen» um die Konstitution von 1812 wieder in erneuerter Form zu erhalten. Aber die königlichen Truppen siegten im Osten, und Palermo sah sich genöthigt, am 15. Mai 1849 gegen Zusicherung allgemeiner Amnestie sich-zu ergeben. — Am 4. April 1860 antworteten die Glocken den Kanonen von Pa- lestro und S. Martino; das Volk gerietli in die höchste Aufregung wegen einer Durchsuchung des Klosters Gancia nach politisch verdächtigen Männern, keinen Tag, keinen Augenblick ruhten die Angriffe, endlich erschien Garibaldi vor der • »Stadt und nahm mit seinen »Tausend«, vom Volk unterstützt, unter dem »Regen von 2000 Bomben« und gegen ein Heer von 20,000 Mann, Palermo im Sturm, und die Stadt ward nun zu einer Perle cles vereinten Italiens. Zur Kunst. An die Stelle der pliönikischen, griechischen , römischen und arabischen Reste der Stadt tritt lediglich das Museum, welches aber eine Fülle interessanter Skulpturen, Mosaiken, Ornamenten und Inschriften darbietet. Freilich, die zwei merkwürdigen Marmorsarkophage, welche im llaupt- saal der antiken Skulpturen (S. 224) stehen und bei Cannita in der Nähe Palermo’s gefunden wurden, haben zwar in ihren weiblichen Gestalten, zu denen die Deckel ausgearbeitet wurden, und in der Form der den ägyptischen Mumionkästen ähnlichen Särge grosse Aehnlichkeit mit solchen, die in Ph'ö- nikien gefunden wurden, aber der Charakter der Skulptur verräth schon den hellenischen Einfluss und damit die Epoche der karthagischen Herrschaft. Das Interessanteste und Einzigste in seiner Art, was Palermo an Kunstwerken besitzt, sind die altgriechischen Skulpturen an den Metopen von Selinunl (S. 221), welche aus drei verschiedenen Epochen, aus der Griinduugszeit der Stadt (628 v. Chr.) bis zur Epoche von 450 — 415 v. Chr. stammen. Sie gewähren, wie keine anderen, einen vollen Einblick in die Entwickelung des altdorischen Stils (S. 38), zunächst noch einer ringenden, kindlichen und nicht zur vollen Klarheit über Zweck und Mittel durch- gedrungenen Kunst, zwar mit erkennbarer Funktion aller Hauptgliedcr der Figuren, aber noch in unbeholfenem Einerlei äusser- Ueh zusammengesetzt, mit unsicheren und widersprecliendden Proportionen, falschem Wechsel von Profilstellung und Vorderansicht und leeren Physiognomien. Dann in einer Kunsthöhe, die sich schon den äginetischen Skulpturen nähert, zwar in der Darstellung des Körpers, der schlank, natürlich, kräftig und wohl gegliedert erscheint, doch dieselben noch nicht erreichend, in der Gesichtsbildung ihnen aber überlegen. Anstatt der Unterordnung.der Skulptur unter die Architektur, wie an den e/rston Gebilden, drängt hier die lebendige Bewegung über die Mc- tope fast hinaus. Doch haftet den Figuren immer noch etwas Unfertiges an. Endlich in der höchsten Stufe tritt schon die ganze Schönheit der dorischen Kunst in ihrer Vollendung hervor; die Metopenskulpturen des Ileratempels mit ihren harmonischen, mass- vollen Formen, freiem, die Körportheile verklärenden Gewandwurf, edler Gesichtsbildung, wirkungsvoller Anordnung, offenbaren vollauf die Vertiefung der künstlerischen Empfindung und führen die Kunst schon nahe zur höchsten Stufe des Parthenonfrieses, obsclion das specifisch Dorische sich noch leicht erkennen lässt. Die zwei Bronzewerke , Herakles mit dem Hirsch aus Pompeji und der Widder aus Syrakus (S. 231), gehören einer später« Epoche an, aber das Motiv der Ilerkulesgruppe ist wahrscheinlich einer Metope am Tempel von Olympia entnommen, die schlanken Formen des Helden deuten jedoch schon auf die Zeit des Eysippos. Das Werk ist eins der köstlichsten jener Epoche der griechischen Kunst, welche die vollste und doch natürlichste Entwickelung der Formen mit gefälliger Schönheit zu verbinden wusste. — Aus Girgenti und SGlimmt »sind Vasen mit sehr schönen griechischen Zeichnungen ebenfalls in das 137 138 2. Palermo (Kimstgescliiclitliclies). Museum gekommen (ß. 230). Auch architektonische Fragmente aus alter griechischer Zeit von hoher Bedeutung besitzt das Museum (im IlauptsaaL der antiken Skulpturen) aus Selinunt, Egesta, Himera, Solunt, Tyn- daris und anderen Orten, die für die Erkenntnis der Dachstruktur und die Bemalung der Tempel von besonderer Wichtigkeit sind. Ebenso sind hier manche schöne Exemplare alter griecliisch-sicilischer Münzen. Die römische Zeit ist besonders durch die bilderreichen grossen Mosaik/’ussbüden repräsentirt, die auf Piazza Vittoria ausgegraben wurden, wo noch Beste der römischen Wohnung vorhanden sind. Auch einige gute titatuen aus den alten Städten zieren das Museum. Aus der Saracencnzeit hat sich merkwürdigerweise fast nichts erhalten, und die prächtigen arabischen Inschriften, theilweise im Museum, theilweise noch an den Originalbauten vorhanden, sind fast durchweg aus der ersten normannischen Zeit*, 1 in welcher die arabische Schrift und die saracenisclien Künstler noch allverbreitet waren. Die normannischen Hen’sehcr erkannten auch sehr rasch die Unmöglichkeit, das arabische Element zu unterdrücken, und die Vorzüge der maurischen Kultur, Kunst, Wissenschaft und Industrie der Saracenen wurden daher unterstützt und gefördert, die Sitten sowie die Baukunst und den Luxus durchdraug ein orientalischer Grundzug. Nach der Zerstörung der Prachtbauten der Emire durch die Normannen wurden Neubauten geschaffen, denen noch die orientalischen Motive zu Grunde lagen, und die auch meist von saracenisclien Künstlern ausgeführt wurden. Die arabische Kunst, aus alten Traditionen Mesopotamiens, Modiens und Persiens stammend, folgt byzantinischen Vorbildern (welche dem römischen Stil einen orientalischen Charakter gaben), zum Tlieil durch die persischen Sassaniden vermittelt, welche den elliptischen Bogen gebrauchten. Der Spitzbogen, den. die Araber für alle Bauten einführten, scheint Im 8. Jahrh. in Mekka angewandt worden zu sein, wo die zu der (für die Moscheen mustergültigen) Kaba leitenden engen Thore die Spitzbogenform erhielten und die aus der Durchschneidung von drei Bundbögen der von fünf Säulen getheilten Thüren diese Form hervorriefen. In Sicilicn begannen die arabischen Neubauten im 0. Jalirh., als die Aglabitcn-Einirc Palermo vergrösserteu und restaurirten und die Hauptstrasse des Kasr entstand (S. 128), die wohl dem Ccntrahnarkt von Ilaircwän nachgebildet wurüe. Der Impuls kann auch von Mclidia ausgegangen sein, als die Fate- miten die Kälesa (!>37 [S. 127J) in Palermo errichteten. Graf Bogcr spricht von dem lioheif Glanz der Bauten, die er vorgefunden und zumeist zerstört hatte. Die normannischen Bauten des 12. Jahrh. zeigen eine auffallende Verwandtschaft mit denjenigen des arabischen Aegyptens, die Dome zu Palermo und Monreale, sowie Maredolce, Zisa, Cuba sind in den Bögen mit der Moschee von Ihn Tulün in Kairo verwandt, in den schwarzen und weissen Ornamenten mit dem Azliar in Kairo, die Kuppeln von S. Giovanni Martorana, Cap]). Palatina, S. Cataldo, S. Giovanni de Lebbrosi und der Loggetta im Garten der Casa Napoli bei der Cuba folgen alle nicht der byzantinischen Konstruktion, sondern einem 'Bauvorbild, wie es von Mesopotamien nach Aegypten kam, eine .Sphäre auf einen viereckigen Baum, gestützt mit Pendentiven in jeder Ecke, in Form eines ausgehöhlten Tannenzapfens. In Maredolce, Zisa, Cuba und Altasello di Baida erkennt man noch in den Uebcrresten des Erdgeschosses eine Benünisccnz an die Bauten der Sassaniden, eine kleine Apsis über einer rechtwinkligen Grundfläche und elliptisch schliessend mit senkrechter Hauptaxe. Die normannischen Fürsten folgten den Sitten der KeUnten, und diese hatten die Clialifen von Kairo nachgeahmt, wo ihr i Einfluss bedeutend war. Die siciiische Architektur des 12. Jahrh. hat daher noch einen arabischen Grnndzug, der durch die byzantinische Kunst, wie sie die arabische gestaltet hatte, modificirt ist. Da das 12. Jahrh. die einzige glänzende Zeit Palermo’« ist, in welcher es als Kesidenz unter selbständigen Herrschern auch eine weltgeschichtliche hervorragende Bedeutung hat, so haben die Glanzbauten dieser Epoche noch einen um so hohem Wei'th. Zum arabischen Grund- zug derselben gesellen sich auch nordische Moti\ e, und die Einheit dieser Formen gewährt wie das gesammte Kulturleben der normannischen Fürsten in Palermo einen besondern romantischen Beiz. Den höchsten Glanz sowie den Mantel dos Baukörpers entfalten die über die Wandflächen ausstralilen- den farbenprächtigen Mosaikgemälde auf Goldgrund, zu deren Anfertigung wohl griechische (byzantinische) Arbeiter herbeigeholt wurden, die sich ja auch in .Süditalien (S. Au- gelo in Foianis, S. Giovanni in Capua u. a.) hervovthaton; oder die Normannen!'iirsten erweckten, da in Sicilien die byzantinischen Elemente die Saracenen überdauerten, die erstorbene Kunstthätigkeit wieder. Aus der ältesten Zeit, fast gleichzeitig mit denen von Cefalü, stammen die Mosaiken der Capp. Palatina (1143), und die der Martorana, beide stärker reparirfc als die zu Cefalu, aber sie stehen, soweit sie noch ihre Ursprung- liehe Schönheit erkennen lässt, auf weit höherer Stufe als die gleichzeitigen römischen Mosaiken, namentlich in der Farbenharmonie, den Lichtern, der Perspektive und dem Sinn für plastische Gestaltung. Noch glanzender strahlen die Mosaiken, welche das Innere des Doms von Monreale überreich bekleiden (von 1182), aber sie sind den palermitanisclien an künstlerischem Werth nicht völlig ebenbürtig, etwas steifer und straffer und in der Farbenharmonie weniger rein, doch immerhin von frischer Lebendigkeit, in den Gruppen und Verkürzungen weit über gleichzeitige Produktionen anderer Länder hinaus, Die PlasGk zeigt in. den 2 . Palermo (Kiinstgescliiclitliclies). 140 139 Erzthüren'"dor Capp. Palatina und des Doms zu Monrcale, sowie in der technischen Meisterschaft an den Porphyrsärgen der Nor- mannenfiirsten und deutschen Kaiser im Dom ihre bedeutende Entwickelung, am glänzendsten aber in dem Kreuzgang von M 011 - roale. In der dekorativen Plastik ging Palermo selbst dem Festland voran, namentlich auch in der musivischen Verzierung von Kanzeln, Leuchtern und Brüstungen. »Schon im Laufe des 13. Jahrli. sinkt jedoch die Palermitaner Kunst, denn die Bürgerkriege, der Wechsel der Herrscher und ihre fremde Stellung zur Insel, das Unterliegen der Gemeinden gegenüber der Baro- nialmacht war der Kunst nicht günstig, ln den mittelalterlichen Palästen des 12. und 13. Jahrli. kämpft noch der romanische Stil mit dem gothischen ; wirkliche Gothi/c zeigen der Pal. Chiaramonte (Tribunale) und Sclafani (Gaserma Trinitä) aus dem 14. Jahrli. Von den gothischen Kirchen (S. Francesco, S. Ago- stinoj sind nur einzelne ornamentirte Theilc, namentlich Portale, noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten. — Mit dem Beginn der spanischen Epoche schwindet die originale Produktion. Die Skulptur fand in der Zeit der Renaissance noch einen vorzüglichen Vertreter in Antonino (lagini, geh. 1480, gest. 1571 zu Palermo, der oft eine auffallende Verwandtschaft mit Giovanni da Nola zeigt. Er hatte drei Söhne, Vincenzo, Giacomo und Fazio, welche auch Bildhauer waren; Viu- cenzo ist der bedeutendste derselben. In seinem OOjälirigen Leben und unterstützt durch die eigenen »Söhne, hat Gagini eine ausserordentliche Menge von Statuen und Beliefwerken ausgeführt, die aber sehr ungleichen Werth haben. Eine Menge Werke werden aber völlig kritiklos dem sicilischen Bildhauerfürsten zugeschrieben. Ende des 17. Jalirh. zeichnete sich der Palermitaner Giacomo Serpolta, besonders durch seine Figuren und Dekorationen in Stuck, vor allen gleichzeitigen Künstlern aus (gest. 1732); ungeachtet der manieristischen Ueber- treibungen haben diese Werke einen nicht unbedeutenden künstlerischen Wertli durch Gruppirung, lebensvolle Bewegung und ornamentale Erfindung. Nach ihm erlangte noch Ignazio Marahitti von Palermo (geb. 1710, gest. 1707) hohen Huf; er ist schon ein Vorläufer der dem Alterthum wieder sich zuwendenden Bildhauer. In der Malerei hat Palermo eine Menge Bilder aus dem 15. Jalirh. aufzuweisen, deren Hauptsammlung sich jetzt im Obergeschoss des Museums befindet. Die Künstler dieser Zeit folgten ausnahmslos den Vorbildern des italienischen Festlands. Zu den bedeutendsten gehören: Antonio ITeseenzio aus Palermo, der einer Malerfamilie angehörte und im 15. Jalirh. blühte (starb ca. 1496); er malte das lebensvolle, vortreffliche Fresko in der Oaserma SS. Trinitä (»S. DG), wohl durch die Darstellung im Campo Santo zu Pisa inspi- rirfc. »Seine Malweise hat Aelinlichkeit mit ; den Fresken in S. »Severino zu Neapel, stellt aber auf noch höherer Stufe. Er ist auch bedeutender als sein Schüler Tommaso de Vigilia (gest. 1497), dessen kalte Sorgfalt, schattenlose Karnation im Gegensätze zu den scharfen Tönen der Gewänder und Mangel an Lebendigkeit auch seinen besten Bildern Eintrag timt. Pietro linznlone, auch ein Schüler Crescenzio’s, zeigt mehr Energie und Charakter als sein Mitarbeiter Vigilia; er ist Realist, »unbewusst transalpinisch in seinem Stil«, jedoch ohne sorgfältige Wahl der Mittel und des Ausdrucks. Er malte in Palermo bis 1517. — Antonello da Palermo, »Sohn des Cres- eenzio, war 1527 Gehiilfe des Bildhauers Gagini, kopirte Raffaels Spasimo (jetzt in Madrid) für die Karmeliterkirche zu Palermo, malte 1528 für die Gangia das fleissige Madonnenbild. —• Antonello de Saliba ist aufs nächste verwandt mit Vigilia und Ruzu- lone, aber er bildete seinen »Stil weit vollkommener aus, als er mit den Bildeni des oft mit ihm verwechselten Antonello da il/es- xina (S. 498) bekannt wurde. (Bilder von ihm in S. Domenico und »S. Maria del Can- celliere.) »Seine älteste Komposition ist von 1497. — Vincenzo Anemolo von Palermo (gest. 1540) war der bedeutendste sicilische Maler des IG. Jahrh.; er scheint früh Neapel besucht zu haben (verbindet in der Krönung Mariä eine Nachahmung des Pcruginesken mit seinem eigenen »Stil), ging später nach Rom, wurde mit Raffaels Werken vertraut und Genosse von Polidoro und Maturino. In der Kreuzabnahme zu S. Domenico ■wiederholt er einige Figuren aus Raffaels Spasimo. Er erhielt in Sicilien sehr grossen Ruf; man rühmte seinen Bildern nach, sie glichen inAnordnung, Empfindung und Ausdruck den Raft’ael’schen. Sorgfältige Umrisse, sanfte warme Farbe und grosse Leichtigkeit der Ausführung deckten den Mangel an Kraft und tiefer durchdachter Zeichnung. (Bilder von ihm in der Mavtorana, im Museum, in »S. Domenico.) Noch klassischen Vorbildern nachstrebend sind die zahlreichen (oft vortrefflichen) Gemälde von Giuseppe Salerno von Gang!, Zoppo di Gand genannt, gest. 1613. ■— Den grössten Ruf unter den Palermitaner und Sicilianer Malern erwarb sieh Pietro Xovelli von Monrcale (daher Morrealexe genannt), geb. 1603, gest. 1647 in einem Volkstumult. Er hintcrliess eine sein* grosse Zahl von Werken, deren Malweise der realistischen neapolitanischen Schule sieh anschliesst und' zwischen den spanischen Malern und Caravaggio die Mitte hält. Lanzi äussert sich : »»Seinen naturwahren, fleissigcn,inderZeich- nung richtigen, im Kolorit warmen und an- muthigen, etwas dem Spagnolefto naclige- ahmten Stil lobt Guarienti, und täglich noch mehrthunes die Palermitaner, welche jedem ankommenden Fremden fast mir seine Bilder zeigen.« Ueberaus lebensvoll weiss er ältere Charakterköpfe darzustellon und ist darin, weit über Caravaggio hinaus, den besten »Spaniern gleiehzusetz<*n. Den Frauen gab er eine eigenthümlielie Schlankheit. Unter seinen Schülern sind die bekann- 141 142 2. Palermo (La«re und Leben der Stadt). testen Andrea Carrcca (gest. 1077) iirnl Oia- como La Verde (von Trapani), dessen "Werke oft mit denen Novelli’s verwechselt ‘werden. Das Fest der S. Rosalia wird gegenwärtig noch aufs brillanteste fünf Tage lang gefeiex’t (11.—lf>. Juli), zu Ehren der Schutzpatronin Palermo 1 » (S. 272). Am 1. Tag: Abends vom Largo S. »Spirito bis zur Porta nuova der Zug des von 31 Ochsen gezogenen Kolossalwagens mit der Silberstatue S. ltosalia’s, Musik, Fahnen, Kränzen, Engeln und 'Tabernakeln. Dann Feuerwerk an der Marina und Illumination. — 2. Tag: Abends von Porta Felice zur Porta nuova Pferderennen. Rückkehr des erleuchteten Rosalia* wagens durch die Via Vittorio Emanuele. — 3. Tag: Pferderennen. Feuerwerk an der Marina. — 4. Tag: Pferderennen. Illumination der Domkuppel, des Corso, der Fontana di Piazza Pretoria. — 5. Tag: Hochamt im Dom. Abends (10 Uhr) Procession mit dem Silbersarg S. Rosalia’s und Ihren Reliquien zur Piazza Marina. Illumination, Feuerwerk, Musik. Lage und Leben der Stadt. Der Anblick von Palermo hat für den Ankömmling* etwas fremdartig Ergreifendes; es ist weit stiller und ernster als die Gressstadt Neapel und drangt auf seiner Meer- und Landseite die ganze südliche Pracht in einen weit beschränktem Raum zusammen, obgleich die Gebirgskette, welche im 0. am Catalfano beginnt und im N. mit dem Monte Pelle- yrino seliliesst, in gerader Linie an diesen zwei Enden 12 Kil. von einander abstellt. In dieser liochgcstnften Einkreisung, die eine ununterbrochene Ilölienreilie von 75 Kil. Ausdehnung bildet, drängt sieh nun, als müsste sie durch das Zusammenrucken zur höchstmöglichen Fülle sieh steigern, die üppigste Vegetation. Und während imRiieken derStadtdie ansteigendeMulde mit den dichtesten Hainen von Orangen und Limonen übersäet und die ganze Landschaft von dem wunderbarsten Gold- schimmer und dunkeln Tönen übergossen ist, breitet sich nordwärts das Meer tiefblau, ohne Widerschein der Sonne und des Mondes, zwischen den jäh in die Flut ein tauchenden Vorgebirgen bin , deren nördliches, der Monte Pellegrino, sieh in seltsam ausgezackten Formen ganz nahe bei der Stadt wie die Seitenwand einer ungeheuren Schaubühne niedersenkt. Die Stadt zählte 1861: 194,463, im Jahr 1871: 219,398 Eimv., obschon 180G und 1867 mehr als 8000 Personen der Cholera erlagen (die Bevölkeriuigszuiiahme iii Neapel betrug während dieses Zeitraums 0,03, in Mailand 0,14, dagegen in Palermo 1,23 Proc.; sie wird nur von Rom [2,41] und von Florenz [4,(u] übertroffen). Der Bauoifer, zuerst in lebhaftem Aufschwung, litt nach Ablauf der zehnjährigen Steuerfreiheit. Der eigentliche Stadtkreis liegt 3—4 Kil. nach S. vom Griffone und iuic.li N. vom Pellegrino ab; 12—13 Kil. nach W. vom Billemi und nach O. vom Catalfano. Die unregelmässig gebaute Stadt wird durch das grosse Strassenkreuz der Via Vittorio Emanuele, und der Via Mac- Grad. Die Feuchtigkeit ist eine erhebliche und konstantere als die lloms, 74—<8°; Abends am stärksten. Kegen fällt im Winter häutig, von Oktober bis April zählt man 80—90 Hegentage, die meisten von Decem- ber bis Februar; von April bis September ist der Regen ein seltener Bast, im Juli am seltensten. Nebel fehlt im Stadtgebiet; Schnee senkt sieh selten bis zur Niederung hinab und zeigt sich höchstens 2—3 Tage, gewöhnlich im Februar. Die Sommerhitze ist durch den regelmässig wähi'end der heissesten Tageszeit wehenden Nordostwind gemildert, und durch die Lage der Stadt an einer nach NO. dem Meere offenen Kiisten- strecke (freilich für die Kranken ein Naoh- theil, der durch die südliche Breitenlage nicht überwunden wird). — Unter den Winden herrscht der Greco (Nordost) vor, der von April bis September beständig während des Tags weht, gegen 9 Uhr Morgens sich erhebend, und bis 4 Uhr Abends fortdauernd. Dann tritt Stille ein bis 2 St. nach Sonnenuntergang, worauf der Landwind sich leicht erhebt und während der ganzen Nacht weht. Im Winter ist der J.ib&cvio (Süd'west) sehr häufig und ein Kegenbringer, den der Ostwind noch konstanter macht. Der Maestro (Nordwest) bringt die unangenehmen Sprünge im Wetter und zuweilen auch in der Temperatur; durchweg herrschen in der kältorn Jahreszeit West-, Süd west- und Nordwestwind vor. Empfindlich ist nur der Scirorco (Südost), der zuweilen, besonders im Frühling und im Herbst 2—3 Tage stürmt, feinen Sand mit sich führt, das Nervensystem ab- spannt und die Respiration beeinträchtigt. Das Trinkwasser (s. unten) ist vortrefflich. Die Ye getation ist die reichste, schon einen halb afrikanischen Charakter ver- rathend, namentlich in den gut gehaltenen Gärten. Die Dattelpalme und viele tropische Gewächse blühen im Freien, die Mandel zu Ende December, in den Ebenen umher wuchern die Kosen und Geranien. Stets gedeihen auch Kamelien, Magnolien, Ncrien, Agaven, Opuntien in grösster Fülle im Freien, und die Limonen- und Orangenbäume gruppiren sich zu den ausgedehntesten Waldungen zusammen. Vor dem Wind geschützte Spaziergänge und köstliche VillengUrteji sowie öffentliche reiche Parkend Gartenanlagen gibt es in Menge. Grüne Erbsen, Blumenkohl und Artischokcn liefern schon der Januar und Februar, Ei’dbecrcn der April. Die Kranken können wegen der Temperaturgleichheit länger als an den meisten Gesundhcitsstationen im Xheien zubringen. Für genügend eingerichtete Zimmer ist jetzt vortrefflich gesorgt (S. 120). Zu Heilzwecken ist das Klima, welches den sogen, »kalmirenden, hypostlieni- sirenden« sich einordnet, besonders für Brustkranke zu verwerthen, in den früheren Stufen der Lungentuberkulose, mit Neigung zu Entzündung und Blutung, sowie bei Emphysem (d. li. krankhafter Ausdehnung der Lungenbläschen); ebenso bei Skrofeln jugendlicher, reizbarer l J ersonen, und bei vielen Nervenleiden mit krankhafter Reizbarkeit und Aufregung (daher namentlich auch Dichtern, Künstlern, Staatsmännern zu empfehlen). Für verschwisterte Magen- und Darmkatarrhe wirkt auch das Trinkwasser heilsam. 149 2. Palermo (Wegweiser). 150 Wegweiser. Wer innerhalb der Stadt . das Wichtigste in kürzester Zeit kennen lernen will, folge genau der nachstehenden Wegeangabe. Für eine einigermassen genussreiche llunde durch Palermo sind wenigstens 6 Tage zu rechnen, da auch die Umgebungen, die hauptsächlich an den Abenden die prächtigsten landschaftlichen Schönheiten entfalten, eine nicht unbedeutende Zeit in Anspruch nehmen. — Den Morgen widme man den Monumenten und der Stadt, den Abend der Umgebung. I. Der südliche Stadttheil. Die schönste Einleitung zu Palermo und zugleich die landschaftliche Eigentümlichkeit der Umgebung bietet das **Foro ItaliCÖ (S. 158) dem Ankömmling dar. Hart am Ufer des Meers, mit breiten Fliesen bekleidet, zieht es am Ostende der »Stadt jenseit der Cala bis zur reizenden Villa Flora, dem öffentlichen Garten hin. Am Nordende des Foro mündet die von SW. nach NO. die ganze Stadt durehsehneiden.de Via Vittorio Emanuele ein, liier eröffnet durch die monumentale (ungedeckte) Porta FeMce (S. 159). In diese Central-Via eintretend, trifft man sogleich r. an der mit hübschem Springbrunnen geschmückten Piazza S. Spirito <\&s I 1 'indelhaus(S. 159). Dann folgt an der Via Vittorio Emanuele 1. (Nr. 12) die Tafel, welche berichtet, dass Goethe hier ge- wohnt(S. 150). Weiterhin folgtr. (Nr. 41) die Sopraintendcnza der Staats-Archive (S. 160); dann ein kleiner Platz, von welchem r. die Via Porta delle Dogane abzweigt, an welcher 1. die schöne Renaissance-Vorhalle der Kirche Maria (lella Catena (S. 161) liegt. Eine Strecke weiter folgt, gegenüber den (1. Nr. 96) Vapori postali der Socicta Florio, r. (nach Nr. 105) die Kirche Porto Salvo (S. 164), theilweise aus guter Renaissancezeit. Weiter an der Via Vittorio Emanuele tritt r. der Pal. delle Finanze (S. 165) mit vier dorischen Pfeilern vor; gegenüber sprudelt die elegante Fontana del Garraffo (S. 165) als Einleitung zu dem siidÖstl. mit zahlreichen Palmen geschmückten Giardino Garibaldi (S. 165), der als vegetativ reicher öffentlicher Garten die Mitte der Piazza Marina einnimmt. An der Südwestecke des Platzes ist das Kirchlein S. Maria dei Miracoli (S. 165); die Südseite begrenzt der go- thisehe Pal. del Principe S. Cataldo (Nr. 65), und 1. von diesem Palast führt der Vicolo Palagonia alb Alloro zu den Resten des * alten Palazzo (S. 166). — An der Nordecke des Platzes liegt die Intendenza delle Finanze (S. ICO), ehemals die Münze (Zecca). Dann jenseit des Hotel de France und eines Zwischenraums folgt die gewaltige rothbraune Masse des ^Tribunal© (S. 106), eines bedeutenden mittelalterlichen Palastes. Der Fa^ade des Tribunale entlang kommt man südwärts zur gegenüberliegenden Kirche der *GAI 1 C!& (S. Maria degli angeli, S. 167). Der Fa 9 ade der Kirche und der Via Alloro entlang, folgt r. (vom Kloster der Gancia nur durch den Vicolo della Salvezza getrennt) der Abba» telli (Patella), Nr. 08, S. 168, ein berühmter Bau von 1495. Am Ende der Via Alloro erhebt sich r. diePrachtfaijade der Kirche Pieta (S. 168). Gegenüber führt der Vicolo Le mura dei cattivi zur (1. Gitter und elf Sprossen) Terrassen- Promenade, oberhalb des Foro italico, die die am Ilötel Trinacria und Pal. Butera hinlaufend ein überaus heirlichesKiisten- panorama darbietet. Von der Fa^ade der Pieta südwärts der Via Torremuzza folgend, trifft man an deren Ende r. S. Teresa und r. neben ihr das Istituto di Artigianelle (S. 169). Zwischen diesem und S. Teresa führt der Vicolo Savona zu einem grossen unvollendeten Penaissance- Bau der adligen » Bianchi « (Weisse), welche den zum Richtplatz Geführten beistanden. An der Südecke schliesst sich der Eingang zu einer ehemaligen Kirche S. Maria della Vittoria an, wo man in der 1. Capp. r. hinter einem hölzernen Altar noch die Reste des alten Stadtthors sieht, durch welches die Normannen unter Robert Guiscard eindrangen. An derSiidostecke, die Strasse hinan, folgt 1. Nr. 14 das Sifdicomio, in dem alten Bau des Spasimo, für dessen etwas weiter oben gelegene Kirche (von 1506), die wegen Erweiterung der Stadtbefestigung nicht ausgebaut wurde, Raffael den berühmten kreuztragenden Christus (dello 151 2. Palermo (Wegweiser). 152 Spasimo), jetzt in Madrid, malte. — Nun über die Piazza della Vitriera hin und durch den Rogen über die öde, noch un- geebnctc Piazza della Magione kommt man an deren Ende r. zur Kirche der *Magioue (Deutscliordenshaus, S. 170), deren alte Konstruktion man aussen am Chor noch erhalten sieht. L. um die Kirche herum kommt man zu deren nach W. gerichteten Vorhof, wo eine zweigeschossige dorische Vorhalle dem Eingang vorgelegt ist. Man kann auch an der l’iazza della Marione r. vom Chorban (neben der Laterne), unter dein Bogen, mit Aufschrift »Clerico- rum Mansionis« cintreten und gelangt hier durch den nach 1. sich wendenden Korridor zur Seitenthür. Jenseit des Vorhofs derMagione führt die Via della Magione westwärts in den Corso Garibaldi. Hier r. (der zweite Kolossalpalast) trifft man den (Nr. 15 — 31) '"Pal. Ajatamicvisto (S. 171), einen 1490 aufgeführten Prachtbau. Die Strasse mündet in die Piazza della Revoluzione (früher Ficravecchia), mit der Statue des bekrönten Genius der Stadt. An der linken Ecke dieses Platzes führt westwärts unter einem Bogen der Vicolo Teatro Cecilia zu diesem ältesten Theater Palermo’s (S. 172), und hier r. der Vicolo Valguerra zur Piazza Oroce del Vespro (S. 172), mit einer von Schwertern und Lanzen umstellten korinthischen Säule mit Kreuz, an die Tage Karls von Anjou erinnernd. — R. (östl.) folgt die kleine Piazza Ara- (jona, und an dieser führt die zweite Strasse 1., Via Cintorinari, an der (1.) Piazza Cattolica vorbei, zur (r.) Kirche *'S. Francesco de’ Chiodari (S. 173), mit Fa^ade aus dem 14. Jahrh. Neben S. Francesco ist 1. die Kongregation S. Lorcnzo (S. 173). — Die Via Cintorinari mündet in die grosse Via Vittorio Erna- nuele. Folgt man dieser westwärts, so kommt man (nach 2 Min.) zur (jenseit Nr. 259) r. Piazzetta S. Antonio. An der Rückseite des Recesses liegt S. Antonio (S. 174), wo ehemals der Baych- thurm am Meer stand und später die grosse Glocke die Parlamente zusammenrief. Geht man an der linken Langseite der Piazzetta die Salit-a di S. Antonio (S. 174) hinan, so findet man noch mancherlei Reste der alten Architektur (z. B. 1. Nr. 30 Fries und Rundbögen, daneben Rundbögen und Medaillons). An Via Vittorio Emanuelc westwärts weiter (nach Nr. 287) r. S. Matteo (S. 175). Geht man beim nächsten Vicolo (S. Caterina) 1. die 14sprossige Treppe hinan, so kommt man zu der imposanten *Piazza Pretoria (S. 175), in deren Mitte ein prachtvoller * Brunnen (S. 175) mit zahlreichen Statuen steht. An der Südwestseite des Platzes erhebt sicli das Rathhaus (Pal. del Coinune), S. 176. — An der Südostecke ist ein offener Pass in die *Piazza Bellini, deren Eingangsseite die Fa^ade der Kirche S. Caterina (S. 176) mit Freitreppe einnimmt, während die Ostseitc vom Teatro Bellini (dem besten Palermo’s), und die Südseite (S. Caterina gegenüber) von der Kirche *MartOraiia (S. 177), einem berühmten Bau aus dem 12. Jahrh., begrenzt wird. Den Schluss bildet der schöne alte Thurm. — Am Ausgang des Platzes, westwärts gegen Via Macqueda, führt dem Universitätseingang gegenüber eine 14stufige Treppe 1. zum ehemaligen Postgebäude empor und durch die Thür r., über zwei Treppenabsätze, zur Kirche *£. Cataldo (S. 179), einem Bau des 12. Jahrh.. — An Via Macqueda siidostwärts weiter folgt 1. nach dem vierten Haus S.Niccolo da Tolentino (S. 179). Jenseit dieser Kirche folgt r. (nach zwei Häusern) S. Orsola (S. 180) und 1. daneben der Pal. Comitini (S. 180). — Nun zurück zum Eingang (1.) der Universität (S. 180), durch die kanellirten Eingangssäulen von weitem kenntlich. Es folgt der eigentliche Mittelpunkt des Verkehrs und Lebens von Palermo, die *Piazzft YigTiena, gewöhnlich Quattro Cantoni (S. 180) genannt, weil er die vier grossen Regionen der Stadt (S. 89) in vier getrennten Monumentalwänden kennzeichnet. An der Südwesteeke erhebt sich die durch ungewöhnliche Innenpracht impo- nirende Kirche % S. Giuseppe (S. 181). Es folgt dann westwärts an der Via Vittorio Emauuele jenseit des (r.) Albergo Centrale 1. die Piazza BologTli(S. 182), mit der Statue Kaiser Karls V. — Der 153 154 2. Palermo (Wegweiser). Statue gegenüber, an der rechten Seite der Via Yittorio Emanuelc (Nr. 393), ragt der Pal. liiso (früher Belmonte, S. 182) auf, ein Baronialbau mit sehönemAtrium und Salone. — An der rechten Seite des Pal. liiso führt (über fünf Sprossen hinan) ein Strässchen (an dessen Ende durch den Bogen) zur Kirche V: del Cancellierc (S. Maria dei Latini, S. 182), mit schönen Gemälden. — Zurück zur Piazza Bologni. Am Ende ihrer Ostseite liegt an der Stelle des ehemaligen Carminello - Klosters die Post (S. 183). An der südlichen Schmalseite des Platzes folgt westwärts weiter der Yicolo Panormita; an der Rückseite des zweiten Hauses 1. liest man (über Nr. 29 1.), dass hier der berühmte Antonio Panormita (S. 183) im 15. Jalirh. geboren wurde. Einige Schritte jenseit der Qnerstrasse liegt in Yia S. Chiara (Nr. 2) der Pal. Raff'adali, noch mit den mittelalterlichen Kesten des Pal. Speciale (S. 183). Zur Panormitatafel zurück, süd- ostwärts die Salita Raffadali hinab und geradeaus durch Yia rimpetta Casa pro- fessa kommt man zur stattlichen Kirche Casa professa (de’ öesuiti, S. 183), deren Thurm (ganz 1. an Piazza Ponti- celle) im zweiten und dritten Geschoss noch Koste des 15. Jahrh. zeigt. R. neben der Kirche ist die Kommunal-Bibliotheh (S. 183). — Hier r. w'eiter, durch Via Casa professa und über Piazzetta Ballarö, kommt man in die Via Porta Castro; wo in der ersten Seitenstrasse 1. der Thurm von 8. Niccolb VAlbergaria (S. 184) sich erhebt, unten noch mit normannischer Konstruktion. Gegenüber führt (r. von Via Porta Castro) die Y T ia Benfratelli an der 1. Accademia ßlarmonica Bellini vorbei; am Ende der Strasse r. kommt man in wenigen Schritten durch Via S. Chiara nach 8. Chiara (S. 184). Von Via Benfratelli geradeaus tritt man in die Via Saladino, die in die Piazza Origlione einmündet, wo 1. vorn die Kirche dell' Origlione (S. 184) liegt. — R. vor derselben führt die Via SS. Salvatore nach *SS. Salyatore (S. 184), einer der bedeutendsten Kirchen Paler- mo’s, an der ViaVittorioEmanuele hinab. Gegenüber SS. Salvatore, drittes Haus r. (Nr. 411), erhebt sich an der Via Vittorio Emanuelc der Pal. Geraci (S. 185), mit Karyatiden am Mittelfenster; hier ist das Nuoro Casino, der Sammelort der elegantesten Gesellschaft der Stadt. An der linken Seite des nähern Hauses führt die Via Monte Verginc an der (1.) Kirche dieses Namens (S. 185) vorüber und fast am Ende des Strässcliens r. (nach Nr. 33) zur Kirche Tre Re (S. 185). Zurück zur Yia Yittorio Emanuelc und -westwärts weiter folgt r. (Nr. 327) das Lyceum mit der Biblioteca nationale (S. 185), ehemals das Collcgio nuovo der Jesuiten. — Nun folgt r. weiter der geräumige regelmässige *I)OinplatZj der in seiner Disposition noch an seine frühere Bestimmung alsEriedhof erinnert. An der Rückseite desselben erhebt sich in reichster normannischer Pracht die **Katliedrale (S. 18G), der S. Rosalia geweiht, innen mit (1. und 2. Capp. r.) den Grabmälern Rogers I., Kaiser Friedrichs II., Kaiser Heinrichs VI. — An der linken Seite des Doms ragt ganz in der Ecke der schöne Campanile (S. 189) über dem Nordflügel des erzbischöflichen Palastes (S. 194) auf. An der rechten (Östl.) Schmalseite des Doms, längs der Piazza dei setti angeli hinan , kommt man zur Querstrasse Via dell’ Incoronazione, und in dieser r. hinter dem Dom (Nr 5 u. 179) zur Badia nuova. (S. 194). Der Via Incoronazione westl. gegenüber liegt am Ende des erzbischöflichen Palastes das Spedale dei Saccrdoti (dellareconvalescenza), zu dessen * Kirche (S. 194) aussen r. die lange Treppe (die zur Piazza Papireto führt) geleitet. Am erzbischöflichen Palast durch die A 7 iaBo- nella zur Yia Vittorio Emanuele zurück, kommt man hier siidwüirts zur grossen Piazza Vittoria. An dieser liegt r. das Seminar und diePräfelctar; einige Schritte jenseit der Ostseite die umzäünten Reste einer antihen Wohnung (S. 196), mit Ku- stodehäuschen. Am Ende der Eingangsseite die *Caserma della Trinitä (S. 19G), einst der Palast des Grafen Sclafani, dessen Ornamente theilweise noch an der Süd- und an der Ostseite erhalten sind (letztere von Via Biscottari aus sichtbar). Zu dem berühmten Gemälde von Cresc.enzio im zweiten Hof hat der Kustode des 155 2. Palermo (Wegweiser). 15 o antiken Hauses an Piazza Vittoria die Schlüssel C'ß Fr.). — Die Westseite des Platzes begrenzen r. die .Porta omoca (S. 107) und 1. daneben der erhöhte imposante Reale (S. 107), an dem noch die normannische Tor re Pisana (später S. Ninfa genannt) sowie (Zugang letzte Tliür 1., dann sogleich 1, die Treppe hinan und oben r. zum rechten Korridor) im ersten Geschoss die herrliche ** Cappella Palatina (S. 199), mit ihren Mosaiken erhalten ist. Dem linken Flügel des Schlosses gegenüber erhebt sich das Denkmal Philipps IV. (S. 204). An dieser (linken) Seite des Schlosses siidwestwärts weiter gegen die Porta di Castro liegt 1, von der linken Langseite der Piazza della Pinta (Zugang diesseit der Piazza durch die Via Bencdetlini, dann neben dieser Kirche i\, Va Fr.) die altnormannische, baulich berühmte Kirehe*S. Giovanni degli Ere- llliti (S. 207). Neben ihr 1. ist die Kirche der Benedettini hianehi (Montoliveto), wo in der 4. Capp. r. der jetzt in Madrid befindliche Spasimo Raffaels hing. — S. Giovanni wird jetzt als Nationaldenkmal von allen störenden Nebenbautcn befreit. II. Der nördliche Stadttheil. An der linken Schmalseite des Domplatzes (S. 186) der Via Bonella entlang und unter den zwei Spitzbögen durch, welche den Campanile mit dem Dom verbinden, kommt man 1. über 22 Sprossen hinan zur öden (nur an den Rändern mit kleinen Bäumen bepflanzten) Piazza del Pa- pireto ; wo einst in weitem Teich der Papyrus gedieh. Zur Strasse zurück und der zweiten Seitengasse r. (Via Giojamia) entlang, über die Piazza de’ 40 martiri durch den Vicolo Baisamo in die Via de’ beati Paoli, und hier, wo 1. Niccolö Giovanni alla Guilla über dem Bogen steht, durch diesen Bogen und jenseit des Hofs durch den zweiten Bogen, dann in der Strasse r. zur stattlichen Piazza del Monte di Pieta , durchschreitet man eins der Quartiere, wie sie seitlich von der Kathedrale im Mittelalter sich gebildet hatten. An der rechten Schmalseite des Monte di Pieta (S. 208) die breite, mit Fliesen belegte Via dello Spirito Santo hinan, kommt ! man (nach Nr. 45) zur Kirche ' X 'S» AgO- StillO (S. 208), deren Fa$ade noch aus dem 14. Jahrh. stammt. Nun diesseit der Kirche 1. (westl.) durch Via S. Agostino zum *Nuovo Mercato } an der Piazza degli Aragonesi, der besteingerichteten Markthalle Siciliens. Der Westseite des Markts entlang bis zur Stadtmauer, dann an derselben r. durch den Bogen kommt man zum Kirchlein Agata Helle Sco- rugge (S. 209), mit bedeutenden Malereien. Zum Mercato zurück trifft man an dessen Südwestecke jenseit der Piazzetta S. Marco die immer noch Theile des eleganten Renaissancebaues bewahrende Kirche 8. Marco (S. 209). Längs der Südseite des Mercato und der Via S. Agostino entlang, kommt man (über S. Agostino hinaus) zum (1. Nr. 33) Pal. del Principe S. Giuseppe (S. 209 j, dann zur Via Macqueda, wo 1. (bei Nr. 326) das Collegio di 8. Ilocco steht. — In Via Macqueda zurück, kommt man (bei r. Nr. 252) zu einer (1.) 22 Stufen himib- führenden Treppe; an der linken Wand liest man, dass liier der Volkshauptmann Giuseppe d’Alcsi 1647 fiel. Die Treppe zur Piazza nuova (S. 210), einst der bewegte Volksplatz der Canceria. Jenseit der Piazza führt r. die Via de’ Fonnari (an zahlreichen Schuhläden vorbei) zur Piazza Caraccioli (dem Fleischmarkt), der alten Beccheria della Foglia, stets überaus belebt, das echteste Volksquartier. Jenseit dieser Piazza in Via d’Ar- | gentaria folgt 1. (Nr. 35 — 41) die origi- ! nclle Fatjade von S. Kulalia de ’ Catalani i (S. 211), gegenüber der Piazzetta Garraff o. Weithcrliin folgt die Piazzo Gar- raffello, wo einst die Loggien der Catalani und der Genovesi sich erhoben; von letzterer ist noch die Büste Kaiser Karls V. (r.) erhalten. Nun 1. durch Via de’ Materassai und gleich wieder 1. durch Vicolo Argen teria vecchia an (r.) Piazzetta S. Kligio vorbei, kommt man zum Chorbau von S. Domenico. R. um denselben herum (über Piazza Giovanni Meli) gelangt man in Via Bambinai 1. zwischen Nr. 2 und 1 (klopfen! in der Kapelle arbeiten meist Maler) zum *( )ra- torio della Gompagnia del Rosario di 157 2. Palermo (Foro Italico). 158 S. Domenico (S. 211), reich an trefflichen Gemälden. Zurück und an der Langseite von 8. Domenico westwärts kommt man zur stattlichen Piazza S. Domenico, mit der Statue der Immacolata in der Mitte. Au der Ostseite erhebt sich Doilie- llicO ('S. 212), die palermitanische Ruli- meslialle, überreich an Büsten und Sarkophagen. -- An der linken Schmalseite des Platzes, der Via Bandiera westwärts entlang, folgt (bei 1. Nr. 30, diesseit Via Patania) 1. Pietro Martire (S. 215). — Dann r. der Via Giuseppe Patania entlang und über die folgende Querstrasse hin zur Kirche *Olivella (S. 215), neben welcher das hübsche Oratorium steht. L. neben der Olivella ist das **Museo (nationale e Pinacoteca, S. 216), das sich namentlich durch seine antiken Skulpturen auszeichnet. Seiner Nordseite entlang läuft die Via Bara herab und führt ostwärts zum (Nr. 2) Monte di S. llo- salia (S. 239), welchem gegenüber (Eingang Vicolo Verdi 6) das Taubstummen- Institut steht. Durch den Hof des Monte, dann r., kommt man im ersten Strässclien 1. (Via del poeta), erste Thür 1., zur Griechischen Kirche (i Greci, S. 239), dann ostwärts (Via Piliero, Via Lampedusa) in Via Valverde 1. nach Cita (S. 239), mit köstlichen Kenaissaneeskulpturcn; hinter dem südlichen Eingang (über eine Treppe und r.) liegt das * Oratorio di S. Cita (S. 240). Gegenüber dem rechten Fa^adenportal S. Cita’s ist das Konservatorium der Musik, daneben 1., wo Squar- cialupo und seine Genossen 1517 fielen (wie eine Tafel berichtet), die*S. Annunziata (S. 240), mit einer Parade von 1501. Dann folgt in einem Rccess *S. Giorgio dei Genovesi (S. 240), die schönste Re- naissancekirche Palcrmo’s. — An der Nordseite der Kirche hinab kommt man zum Castello (S. 241) am Meer; der Piazza Castello r. entlang zum Kirchlein *S. Maria di Piedigrotta (S. 241), einem gut erhaltenen Bau des 16. Jahrli., und zum Meerbusen der Cala (S. 125). Der Parade der Piedigrotta gegenüber führt die Via S. Sebastiano, und an ihrem Ende r. die ViaGiovanniMeli nach (1.) S. Maria lanuova( S. 242). Der Via dcllaFonderia südöstl. entlang gelangt man zur Piazza Marina und zum Foro Italico zurück. Rundgang innerhalb der Stadt. !. Der südliche Stadttheil. Die schönste Einleitung zu Palermo und zugleich eine seiner landschaftlich bedeutendsten Eigenthümlichkeiten bietet das - "Foro Italico (B 8), ein breiter Spaziergang am Meer, der am Ostende der Stadt jenseit der Cala bis zur Villa Flora, dem herrlichen öffentlichen Garten, unmittelbar am Ufer mit breiten Fliesen bekleidet, dahinzieht. Der herrliche Spaziergang selbst, der namentlich in den Nächten des Sommeranfangs alle seine Reize entfaltet, theilt sich in den breiten iliesenbekleidcten Fussweg hart am Wasser, das seinen Schaum oft bis zu den Wandelnden emporspritzt, dann folgt ein breiter Fahrweg und eine doppelte Baumreihe (mit Ervthrina corallo- dendron und Cercis siliquastrarum, im Frühling mit köstlicher rotlier Blüte). Gegen die Mitte erhebt sich im Hintergrund ein heiterer, 1840 errichteter Musikpavillon mit ionischen Marmorsäulen. Hier spielt im Sommer bis spät in die Nacht (bei brillanter Gasbeleuchtung) Militärmusik. Die stattliche Dekoration der Rückseite bilden der Palazzo Butera, die Trinacria, der Pal. Aceto-Lampedusa, Forcella u. a. Nordwärts begrenzt der Monte Pelleqrhto mit seinen scharfen Konturen, acht ver- schiedenlinigen Kanten, abgerissenen jähen Felspartien, und trotz der Nacktheit mit der eigenthümliclisten, ins Grünliche, Röthliche und Gelbliche spielenden Farbenpracht, den Horizont weithin. »Er ist das schönste aller Vorgebirge der Welt« (Goethe). Unten .lehnen die Fischer-Wohnungen sich an und folgt in der Ferne der Hafen, dann die Stadt, durch den Vorsprung, an welchem die Sanita liegt, grösstentheils verdeckt; an den Monte Pellegrino reihen sich nach SW. die amphitbeatralisch die Stadt in weitem Kreis umschliessenden buchtigen Hügel an. Der Spazierweg wurde unter dem Vice- köuig Marco Colonna, 1;>82 begonnen (und trug seinen Namen), dann 1734, 1783 und 1817 verschönert (als Foro Borbonico); 1848 mit dem jetzigen Namen geschmückt, und nach 1860 abermals bereichert. Im O. entwickelt sich besonders an wolkenlosen Abenden ein überaus prächtiges, farbenreiches Panorama der weit hingestreckteu Bucht mit ICO 159 2. Palermo (Porta P ihren rückliegenden lockenden Höhen , weit hingestreekten weissen Porfsehaften und Städten , und dem tief in das Meer verrückenden abschliessenden Vorgebirge. Zwischen den beiden Promontorien rollen bis in die weiteste Ferne sichtbar die Wogen des Meers. Pas Foro zieht sich ein volles Kilometer hin. Am Nordende des Foro mündet die Via Vittorio Emanucle ein, welche in einer Länge von 1846 m. und einer Breite von 10,70 m. die ganze Stadt von SW. mich NO. durchselineidet. Sie wird eröffnet durch die mit der geschmückten Fa^adc dem Foro italico zugewandten Porta Felice (D 7), die »wunderbare, aus zwei ungeheuren Pfeilern bestehende Pforte, die oben nicht geschlossen sein darf (wie auch die anderen Thore Paler- mo's), damit der thurmhohe Wagen der heiligen Rosalia an dem berühmten Fest durchziehen könne« (Goethe). Per Grundstein zu diesem eleganten Prachtthor wurde unter Vicekönig Marcan- tonio Colonna 1582 gelegt, der Ihm den Namen seiner Gattin Felice Orsini gab. Colonna starb schon 158-4, und das Thor wurde erst unter dem Vicekönig Dnca di Feria 2603 weitergeführt und 1037 vollendet. Zwei isolirte gewaltige Pfeiler dorischer Ordnung, mit Marmo bigio bekleidet, bilden ohne Thorwölbung die Pforte. Es heisst, dass ein Thorentwurf Bramante’s dem Künstler als Vorbild gedient und Pietro Novelli (in seinen letzten Jahren Architekt des Senats) denselben modificirt habe. — Zwischen den beiden, auf hohen Sockeln ruhenden mächtigen Säulen vor den Pfeilern wurden 1644 zwei Brunnen angebracht, darüber die Inschriften und in zwei Nischen die Statuen des Pan und der Pomona, oben die Wappen und eine Ballustrade, an deren Ecken die zwei palermitanisclien Jungfrauen S. Cristina und S. Ninfa sich erhebe». Durch das Thor ein tretend, trifft man an der Piazza S. 8pirito (D 7) r. das Findelhaus, Conservatorio di Santo Spirito, früher das Spedale dei Pellegrini (Pilgerspital), 1608 das Bürgerhospital S. Bartolomeo, seit 1826 Findelhaus. Mit sieben Jahren verlassen die Findlinge das Haus und lernen im Ospizio di Beneficenza ein Handwerk. — Im obersten Geschoss zwischen den kleineren Fenstern ist ein liebliches Chiaroscuro von Vincenzo Riolo von Palermo: Pie Barmherzigkeit führt die Findelkinder zu den Füssen der Keligion. Vor dem Findelhaus dehnt sich ein hübscher Halbkreisplatz aus, mit Palmen und einem mit Meerpferd geschmückten nen, von Jgnasio Marabilli. Gegenüber an ?lice — Pindellians). der Ecke der Via Butera erheben sich r. der Rai. Pojero (eines durch Agrumenhandel reich gewordenen Genueser Hauses); I. der Pal. des Principe di Jiutera, an der oborn Passeggiata hinlaufend. Pie Piazza S. Spirito war einst von der Kirche S. Niccolö la Kalsa und von Fischerwohnungen eingenommen, die bei der Errichtung der Via del Cassaro weggeräumt wurden. Nun folgt der lange Zug der Via Vit - torio Emanuele, von den Saracenen El- Kälesa (die Kastellstras.se), von Ihn Haukal (S. 127) Es - Simat (die »Zeil«), von den Normannen » Marmorstrasse « genannt, weil bis 1325, wo sie gegen die Angriffe des Sohnes König Roberts von Neapel verwandt wurden, Mannor- platten den Boden bekleideten. Die Strasse dehnte sich aber damals vom Kastell nur bis S. Antonio (S. 174) aus, wo sie mit dem berühmten Baychthurm schloss. Don Gareia di Toledo Hess sie bis Portosalvo verlängern und nannte sie Via Toledo; 1581 erhielt sie die jetzige Ausdehnung, und nach 1860 den gegenwärtigen Namen. Gleich zu Anfang der Via Vittorio Emanuele trifft man 1. am zweiten Hause (Nr. 2) eine Tafel mit der Aufschrift: »Johann Wolfgang G o e t li e wohnte während seines Aufenthalts in Palermo im Jahr 1787 in diesem Hause, damals einem öffentlichen Gasthof«. Goethe schreibt am 2. April 1787: »Durch Porta Felice führte man uns in die Stadt und sogleich links in einen grossen Gasthof. Der Wirt brachte uns in ein grosses Zimmer, von dessen Balkon wir das Meer, die Rhede, den Iiosalienberg und das Ufer überschautem Wir vergnügten uns an der mannigfaltigen Aussicht und suchten sie im einzelnen zeichnerisch und malerisch zu entwickeln; denn hier konnte man grenzenlos eine Ernte für den Künstler überschauen«. Weiter folgt r. (Nr. 41) die Soprain- tendenza der Staatsarchive, 1843 gegründet, aber noch ist die Vereinigung sämrnt- licher Archive nicht durchgeführt. Pie Sopraintendenza hat eine Schule der Paläographie, eine besondere Bibliothek, einen Studiensaal für die Auswärtigen, eine Sammlung wichtiger Diplome; die ältesten gehen für Sicilien bis ins 11. Jahrli. zurück. Die Zahl der inventarisirten Pergamente beträgt jetzt (1876) 3068. Dann kommt man sogleich auf einen von breiter Strasse durchschnittenen kleinen Platz; liier liegt r. (Zugang von der Seitenstrasse Porta delle Dogane) die 1C2 ,5 •L r ' 1 '■ \\ 1G1 2. Palermo (S. Maria della Cateiia). sciiöiic Kirche *8. Maria della Catena (I) (>, 7), deren Name schon l.ÖdO in den j Akten verkommt und wohl von der Kette stammt, mit welcher hier der alte Hafen (S. 87) geschlossen wurde. zu welcher eine hohe Freitreppe hinauf“ führt. Drei ziemlich flache Bögen auf grau- marmornen korinthischen Säulen werden von viereckigen dreigeschossigen Thiinnelion mit flachen Nischen begrenzt. Seitlich sind S. Maria della Catena in Palermo. Gewöhnlich wird der Name von. den durch die Madonna gesprengten Ketten dreier Verbrecher abgeleitet, die, 1392 zum Galgen verurtheilt, wegen eines furchtbaren Gewitters hier eingestellt wurden und durch inbrünstiges Gebet ihre Befreiung erlangten. Nach diesem Wunder sei die Kirche neu erbaut worden. Ihren hohen Jvunstwerth verdankt sie der reizenden, im Anfang des IG. Jahrli. an der Westseite errichteten ' y 'V orh alle, zwei gleiche Bögen von viereckigen Pfeilern getragen. Kino ziemlich hohe, reich verzierte Bailustrade krönt die Halle; über dem Mittelbogen ist die Statue der betenden S. Caterina; darunter beriehiet eine Inschrift von der Hungersnoth lf>94—97. (»Das Ganze gewährt den heitern, malerischen Beiz der mittelitalionisehon Be- naissancebauten«.) I)io drei KirchenpoHale sind mit eleganten, zarten Skulpturen von Tin* t; Unter-Italien. II. 163 2. Palermo (Fonfcana del (Jarrallo). 164 cenzo G-agini geschmückt. Auch an der j liegt S. Giovanni de’ Jhipolelani (I) (5), mit Nordseite sind die Thür und die Fenster j Deckcnbild des Mittelschiffs (Täufer), von • i , •• *, All T 1 ' i. I ZoOpO (lt CrClHCln mit köstlichen Arabesken dekonrt. Das Innere der Kirche haben im vori- Dann folgt an der Via Vittorio lbna- gen Jahrhundert die Theatiner verdorben; I nuclc, den (1. Nr. 96) Vapori postali der Fontana del Garraffo in Palermo, 2. Capp. I.: Pietro Fovelli, S. G-aetano. — 2. Capp. r.: Madonna delle Grazie, 15. Jahvh. — Am Ilauptaltar drei ltoliefs (Bekehrung Pauli; Schlüsselübergabe an Petrus; Kreuzigung); die zwei oberen aus dem 10. Jahrh. Südwcstl, gegenüber (mit Eingang von Piazza Marina), jenseit der Querstrasse 1., Comp. Florio gegenüber fr. nach Nr. 105), die Kirche Porto Salvo fD C) , 1526 gegründet, 1581 bei dem Durchschnitt der Via Toledo leider halbirt, doch noch mit Kesten der Architektur des 16. Jahrh. (am Altar 1. vom Hochaltar: Verkündigung 2. Palermo (Pal. delle Finaiize — Tribunale). 166 165 von Giovanpaolo Fondoli aus Cremona, 1580). Weiter an Via Vittorio Einauuele tritt r. der Tal. delle Finauze (1) 6; mit vier dorischen Pfeilern vor; er wurde 1578 als Dogana begonnen, 1595 den Tribunalen und unten den Gefängnissen (Vicarie) eingeräumt, und 1840 zum Finanzpalast umgebaut (wo nun auch die Uftiei der Banca Nationale, des Banco di Sicilia und der Frsparniskasse der Börse sind). — Gegenüber sprudelt die elegante Fontana dcl Garraff’o, mit der Statue der Abbondanza auf einem Adler über den wasserspeienden Köpfen einer Hyder; an den unteren Wasserbecken mit Delphinen. Der Brunnen wurde 1608 von Paolo Amato, Architekt des Senats, an der Via Argentoria errichtet und wegen des niedern Wasserbeckens mit dem arabischen Namen Garraffo belegt (haudliohes Wasserschöpfen); er kam erst 1862 auf diesen Platz. Jetzt bildet der Brunnen die Einleitung zu dem Giavdino Garibaldi, der die Mitte der Piazza Marina (U (i ) ein- nimmt. Einst bespülte das Meer die Ostseite des Platzes; 1863 Hess das Municiphun den schönsten Stadtgarten, reich an Palmen, hier (wo früher der Galgen errichtet wurde) erstehen, weihte ihn Garibaldi und schmückte die öffentliche Vergnügungsstätte mit den Büsten von Itosolino Pilo (gefallen 1860 auf den Höhen von S. Martino), Itaffaele di Benedeit o (gefallen 1867 zu Monte S. Giovanni gegen die päpstlichen Truppen) und O'iu- auppe Martini. Der Platz bildet eine Art Forum, denn rings umgeben ihn die Tribunale, die Börse, die Finanzen, Banken, die Dampfbootgesellschaften und die Handelskammer. An der Südwestecke des Platzes ist das Kirchlein S. Maria d&i Miracoli (CG), 1547 errichtet aus dem Votivgclde. das wegen eines an die benachbarte Mauer gemalten wundertliätigen Madon- ncnbildes überreichlich floss. Die Kirche ist sehr klein, aber ein köstliches Beispiel der ltenaissaneearehitektur, dreischiffig, mit schlanken Bögen, graziösem Kuppelumriss und Seitenfenstern; luftig und leicht (»als wollte sie sich zu den Sphären des Schöpfers erheben«). Die Südseite des Platzes begrenzt der moderne gothisehe Pal. del Principe di San Cataldo (Nr. 65), Neffen des berühmten Archäologen Duca di Serradi- falco, und in Gemeinschaft mit Xiccolö Galletti Entwerfer des schönen Baues. — L. von diesem Palast führt der Yieolo Palagonia all’Alloro zum (r. Nr. 10) alten *Pal. San Cataldo, aus der Zeit der Früh- renaissance, mit sehr geschmackvoller Verzierung der Fenster, desPortalbogens und der Karniese. — An der Nordecke des Platzes liegt die Intendcnza dcllc Finanze, ehemals die Münze (Zecca), 1699 erbaut und damals eine der schönsten Bauten. — Dann jenseit des Hotel de France und eines Zwischcnbaues folgt die gewaltige rothbraune Masse des «•Tribunale (CD 6,7), desmächtigen, aus wohlbehaltenen Quadern auf hohem geschlossenen Unterbau imposant aufge- führten alten Steri (llostcrium ; arab.: herrlich), einst eine der schönsten normannischen Bauten Palermo’s, die Gotliik namentlich noch in der Fcnsterkonstruk- tion offenbarend. Je zwei oder drei durch Säulen verbundene Fenster, über welchen ein Vierpass den Kaum zwischen den Bogenschoiteln ausfüllt, werden von einem gemeinsamen Spitzbogen umrahmt. Die Einfassung besteht nach maurisch - normannischer Sitte aus Ornamentbändern. Zinnen bekrönen den hohen würfelartigen Jüan. ■— Man/redi C!hiaramonle, Signore di Caeamo und Conto di Modica, begann den Bau B»ü7, und Man- fredi III. beendete ihn 1880. Die ltebellion dos Andrea Chiaramonte, dessen Haupt 1892 auf dem Platz fiel, brachte sämmtliehe Güter der Familie an den König Martino, der diesen Palast bezog und einige Zimmer den Tribunalen anwies. 1412 floh hierher die Königin Bianca (mit einer Galere von Syrakus aus), um sich der Gewalt des Ber- nardo Caprera, Conte di Modica, zu entziehen, der durch ihre Hand Herr ganz Sä- ciliens werden wollte, und hier entfloh sie im Hemd mit ihren Damen, und segelte auf einer Galca, die in der nahen Cala geankert hatte, nach Solanto. — liier wohnten auch die Vioekonige von 1408—1517; in die unteren Bäume kam die.königliche Dotjana und in die oberen die Tribunale; im jalir 1600 wurde der Palast dem Tribunal der Inquisition eingeräumt, das hier auch die Ketzerkerker hatte, deren schrecklichste, von Filippo III. eingerichtet, daher Filippine genannt, beim Uhrtlnirm waren; 1709 wurde der Palast wieder zum allgemeinen Triba- naUüz. — Im Innern ist noch der grosse Saal erhalten mit seiner alten bemalten Holzdeeke, mit Inschriften und Feudalwappen; ebenso die Säulenhalle mit Spitzbögen im zweiten Geschoss über dem Atrium. — In den grossen Sälen des Thurms sind die alten Archive mit sehr werthvollen Diplomen. 6 * 16T 168 2. .Palermo (Gancia — Pieta). An den Palast stösst das Kirchlein S. Antonio Abbate (Zugang- letzte Tliür r. Nr. f>±) aus derselben Zeit, ursprünglich die Palastkapelle. An der Front ist die Spitzbogenthür erhalten, die Pfosten und die Arcliivolte mit Weinblättern und Akanthus dekorirt, im Sturz Christus in einem von Engeln gehaltenen Medaillon; am Scheitel des Spitzbogens das Lamm und die Wappen; über den kleinen vergitterten Nebenfenstern, die mit Spitzbögen bekrönt sind, stehen go- tliische geistliche .Inschriften (r.: Häc, sacer, Antoni cor cape parto boni; L: Spiritus 1m- mundus, quo vincitur et caro vincit). Der Fa 9 ade des Tribunale entlang kommt mau durch Via quattro Aprile südwärts an deren Ende zur Kirche der *S. — An den Pfeilern derTri- buna: zwei # Relicfmcdaillons mit der Verkündigung von Antonio Gai/ini. — An den beiden entsprechenden Pfeilern des Schiffs : die Medaillons des S. Ludwig und S. Bernhar- din, 15. Jahrh. — Die Chorstühle einfach schön. — In der Capp. 1. neben dem Chor, Rückwand: *Aincmolo, Verlobung Mariä, mit zwölf lebensgrossen Figuren (die letzte Person ist der Künstler), raffaelesk. — j Ö. Cap. 1.: Pietro Xovelli, S. Pietro (li Alcan- tara, 1640. —7. Capp. 1.: der berühmte Bambino della Gancia. Das Kloster hat sich in der neuesten Zeit in der Insurrektion am 4. April 1860 hervorgetlian. — Der Fa 9 -ade der Kirche und der Via Alloro ostwärts entlang, folgt r. (vom Kloster der Gancia Hindurch den Yicolo della Salvezza getrennt) der *Pal. Abbatelli (lat. Patella, C 7) Nr. G 8 , ein berühmter Bau von 1405, also aus der letzten Epoche der gotlii- sehen Palastbauten in Palermo, und schon die Verfallzeit der Gothik andeutend. Am Portal zweigartig ineinandergrei- fendc, mit Tauen umwundene Pfosten, deren Kapitale von Schlangen umschlungen sind; die Fenster mit geradem Sturz; der breite, regelmässige Mittelkörper vom hohen Zin- nenthunn überragt; ein Fenster desselben mit reichem Stab- und Masswork. -- R. neben dem Portal die Inschrift, dass unter dem König Ferdinand, dem Verbreiter der christlichen Religion, Francesco Abbatelli, der palermitanisclic Ritter Maestro Portolano, des Reichs Urosssenesclial, Prätor, für sich selbst und Helionore Solere von Barcelona, seine süsseste Gattin und sein Entzücken, sowie für seine Nachkommenschaft dieses Haus 1495 errichtet habe. — L. vom Portal die Erwähnung der Thaten und Auszeichnungen des Erbauers, lieber der Tluir das Wappen und die Devise, Symbol des Mero e misto impero, mit dem spanischen Motto: »Macht und Kraft«. Da der Erbauer ohne Nachkommen starb, so vermachte er seinen Palast seiner zweiten Gattin, nach deren Tod der Palast zu einem Kloster der Madonna della Piefä zu verwenden sei. Daher führt noch gegenwärtig das Palastthor in ein Parlatorium, und die Fenster sind vergittert. Am Ende der Via Alloro r. erhebt sich die 1058 dem Kloster angebaute Prachtkirche der Piot.l (C 7), mit der Front nach O. Die Fa 9 ade (au Via Tor- remnazza) ist die schönste aus der Barockzeit Palermo’«, nach dem Entwurf des Fra Giacomo Amato de’ PP. Crociferi, aus Marino bigio, mit Säulen und Statuen ; in der Mitte die Statue des S. Dominions, von Giac, Vitaliano aus Palermo. Im reichen Innern, 3. Altar 1.: Ainemolo 7 Grablegung (verdorben). — Gegenüber der Pieta führt der Yicolo Ae mura, dei cat- tivi« zur (1. Gitter, und elf Sprossen hinan) *'Terras senpromenade über den Foro Italien (S. 158), mit Blumenbeeten und Marmorsitzen geschmückt, 169 2. Palermo (Magione). 170 und mit überaus herrlichem Küstenpano- rama. Im Sommer wandelt man liier vor der Trinacria und dem Pal. Butera, der Musik unten lauschend, bis tief in die Nacht hin und her. Diese Passeggiata wurde 1823 angelegt und erhielt den wunderlichen Namen le mnra dei cattivi, weil in diesem früher abgelegenen Ort Abends die Wittwen (sici- lianiseli: le cattive) spazieren gingen. Von der Fac;acle der Pieta südwärts der Via Torremuzza folgend, trifft man an deren Ende r. S. Teresa, mit brillanter Baroekfaqade, auch von Amato, über der Mittelthür ein ehemals berühmtes Relief der heil. Familie, von Ottavio Melante von Trapani, 18. Jalirh. — li. daneben ist an die Stelle des 1G51 erbauten Klosters ein Istituto di artigianelle getreten, nach 1860 gegründet, jetzt mit 72 Insassen, welche sich mit weiblichen Arbeiten beschäftigen und Elementarunterricht erhalten, auch befinden sich hier 50 minorenne, durch Gerichtssprueh zur Zwangswohnung verurtheilte Mädchen. Oest-lich gegenüber S. Teresa liegt die Porta dei Greci (C 7), ein Bau von 1553, dessen Käme von dem alten Borgo stammt, den liier die Griechen bewohnten. — An der Piazza S. Teresa: der Pal, .Vorcella, ein modernerPalast in normannischem Stil, mit kostbaren Sälen in normannischem, saraeenischem und pompeja- nischem Charakter. — Zwischen dem Istituto und S. Teresa führt der Yicolo Sa- vona zur Piazzetta dello Spasimo, an deren Westseite ein grosser Renaissancebau von 1542 unvollendet aufragt, für die adlige Genossenschaft der »Weisscn« bestimmt, welche den zur Todesstrafe Yerurtheilten beistanden. L. an stossend ist die ehemalige Kirche 8. Maria della Yittoria, jetzt Frauenspital. Aus dem Hof tritt man in die früheren Kirchenrämne; man zeigt noch den Bogen des alten Stadtthors, durch welches die Normannen, unter Robert Guiscard eindrangen. Im 11. Jahrh. war hier die Grenze der Kälesa und der Fortifikationsmauer; es folgte dic-Meeresküste, wo später ein Griechenquartier entstand. An der Südostseite der Kirche die Strasse hinan folgt 1. (Kr. 14) das Sifilico- liiio in dem alten Bau des Spasimo. Hier wurde 1506 der Bau einer grossen Kirche begonnen, damals ausserhalb der Stadtmauer; die Erweiterung der Vcrthci- digungslinie unterbrach den Ausbau, was aber noch blieb, zeigt den grossartigen Entwurf. — Für diese Kirche war Raffaels Bild des Spasimo di Maria (kreuztragender Christus, jetzt in Madrid) bestellt; der verlassene Ban diente am Ende des 16. Jahrh. zu dramatischen Vorstellungen, z. B. der Aminta des Tasso, und der Tragödien der Siciliancr Licco und Sirillo; 1854 kam die Spitalabtheilung hierher. Nun über den Platz della Vitriera hin und durch den Bogen, dann über die öde, noch ungeebnete Piazza della Magione (B 6). Am Ende des Platzes r. sieht man den alten Chorbau der Magione-Kirche, geht um diesen 1. herum und kommt in den Yorhof, wo eine zweigeschossige moderne Vorhalle der Kirche vorgeJegt ist. Die -Magione ( DeutschordensTdrchc B 6), ursprünglich eine ca. 1150 von dem Salernitaner Matteo Ajello, Grosskanzler Wilhelms I., der Trinität geweihte (noch jetzt Trinitü della magione genannte) und den Cisterciensern übergebene Kirche, wurde diesen durch Kaiser Heinrich VI., weil sie der Partei des Königs Tancredi anhingen, entrissen und 1195 den Deutsch- rittern, deren Konfrater und Protektor der Kaiser war, übergeben. Die Kirche, jetzt gegen den grossen Vorhof hin durch eine 1820 errichtete zweigeschossige dorische Hallenfacade verunstaltet, hat aussen und innen noch manches Ursprüngliche bewahrt, zugleich darin neue fremde Elemente in der sicilischen Kunst zeigend. Sie bildet ein 33 m. langes, 13 m. breites Parallelogramm mit drei Scbiflen, welche durch Säulen mit steiler attischer Basis (und gegen diese hin ausschweifend) und vergoldeten korinthischen Kapitalen getrennt sind, über denen sich Spitzbögen erheben; an die drei Jochfelder des Schiffs lehnt sich ein etwas höheres, aber nicht, über das Langhaus ausladendes Querschiff an; die Seitenschiffe haben noch die alten Kreuzgewölbe. Den Schluss bilden drei Apsiden neben einander. — Vor der rechten Apsis siebt man noch am Boden alte Grabsteine der Ordensbrüder von 1428, 1480 und 1512, mit den liegenden Figuren; darüber an der rechten Wand: Madonna mit zwei Heiligen, und in der Predella der Gekreuzigte, die zwei Marien und die zwölf Apostel, Terracottarelief aus dem 15. Jahrh. — Der Aussenbau (Chor und Seitenwändo) der Magione hat besonderes Interesse durch seine (vom Festland importirte) Ornamentirung mit llundbogenfrics und schmalen, sich durohsclmeidenden Bögen. (»Das Ganz© 171 2. Palermo (Pal. Ajntamicristo). 172 macht den Eindruck eines spätromanischen BauevS«. Springer.) Die Bout,schrittet- hielten den Besitz selbst gegen die päpstlichen Schreiben fest und wurden darin vom Kaiser Friedrich II. bestätigt. Von da an erhielten Haus und Kirche den Namen Ordenshäuser ISIanno (magione), und hier wohnte der Ge- neralpräceptor der sicilischen Niederlassungen. Der Orden sorgte lange väterlich für die Deutschen und war sehr wohlthiitig; er blieb bis 1492 im Besitz der Magione, deren Grossineistcr, damals mit Untersuchung bedroht, sie plötzlich an den Papst überlieferte. Dieser ernannte den Kardinal Ro- drigo Borgia (Vater der Lucrezia Borgia) zu ihrem Präceptor; durch diesen kam sie trotz aller Proteste der Deutschen an Al- fonso von Aragonien, natürlichen .Sohn König Ferdinands. 1787 erhielt sie der Konstan- tliiisohc S. Georgsorden, dessen Grossmeister der König war. Das Kloster ist jetzt zu Privatwoh- nungen verbaut, und wo einst die deutschen Kitter waren, sind jetzt die Carabinieri Keali. Jcnscit des Yorliofs der Magione führt die Via della Magione westwärts in den Corso Garibaldi. Hier r. trifft man (der 2. Kolossalpalast, Kr. 15—31) den Pal. Ajutainicristo (0 5), von Guglielmo Ajutainicristo, Baron von Misilmeri, 1485 erbaut, nachher im Besitz der fürstlichen Familie Paterno Mon- | Palermo« im Triumph wieder an seine alte \ .Stelle; 1820 schwor hier das Volk den könig- , liehen Milizen den Untergang; 1848 hatten 1 die Aufständischen hier ihr Generalquartier ! und den .Sitz des ersten Komite’s; am 27. Mai ' 1800 rückte hier vom Monte Gibilrossa her : Garibaldi mit seinen »Tausend« ein. An i der Südseite berichtet eine vom Mnnicipio gesetzte Tafel die Krschlessung (28. Jan. 1850) von sechs Jünglingen (Garzili, Ajello, Caldara, de Luca, Garofalo, Mondini), deren einziges Vergehen war: »Änelare col pen- siero alla liberta della patria«. An der Westseite des Platzes erhebt sieh der Pal. Gela, 1495 erbaut, noch mit dem alten Portalbogen. An der linken Ecke des Platzes führt westwärts unter einem Bogen ein enger Vicolo zum Tcatro S. Cerilia (C 5), dem ältesten jetzigen Theater Palermo’«, von der Unione dei Mtisici 1G92 für Konzerte erbaut (am 28. Okt. 1G93 mit der ersten Oper Innocenza Penitcnte eröffnet), mehrmals erneuert, zuletzt 1855. — Vom Theater r. dem Vicolo Valguarnera entlang kommt man zur Piazza Croce del Vespro (der alten Piazza Valguarnera), in der Mitte eine mit Lanzen- und Hellebarden - Gitter umstellte Marmorsäule, oben mit einem Kreuz. Diese Säule mit ihrem JCrouz stand ur- cada, von grandioser Erscheinung, doch trotz der Zinnen und dunklen Mauern noch in seinem Grundcharakter, dem Uebergang des gothischen Stils zur Renaissance, sehr alterirt; besonders durch die Baikone aus dem Anfang des 17. Jahrli.; doch blieben gut erhalten die Westthür und das schöne innere Atrium im Osten. In diesem Palast wohnte die Königin Johanna von Neapel, 1500; und wie eine Tafel neben dem alten Thor (Nr. 31 r.) berichtet, Kaiser Karl V., 1535; Muley Hassan, Regent von Tunis, 15-14; Don Giovanni d 1 Austria, Sieger von Lepanto, 1574. — In neuester Zeit hat sich in eine Gartenecke des Palastes seit 1800 das Teutro Garibaldi eingenistet. Die Strasse mündet in die Piazza della llcvoluzione (0 5), früher dcrFicra- vecchia, schon vor 1291 Marktplatz; 1G84 erhielt sie den Brunnen mit dem bekrönten Genius von Palermo. 1849 bei der Rückkehr dos königlichen Regiments wurde dieser Genius als ein alter Zeuge der Rebellionen in ein Senatsmagazin I versteckt; 1860 stellte das Volk sein »vecchio , sprünglich gegenüber an der Ecke des Klo- : sters S. Anna, wo einst der Palast des stol- : zen französischen Statthalters Jean de Saint Remy sich erhol», der 1282 sammt den Franzosen der Volkswutli verfiel. An der Nordseite des Platzes (Via S. Anna 19) lautet eine Tafel: löaut lOOjährigcr Tradition war hier die Wohnung des J. de Saint Rem}’, Gerichtsherr des Val di Mazzara im Namen des Karl von Anjou, und hier fiel die Volksraclic auf den fremden Unterdrücker, 81. März 1282. Hinter der Crocc di Vespro erlicht sich der barocke Pal. Valguarnera, mit einer Menge Büsten an Karnies und Fa^.ade; — neben seiner Rückseite ist an der Via del Tcatro S. Cecilia der Pal. Settimo, wo bis 1849 der berühmte Rug- giero Settimo wohnte, den das Parlament 1848 zum Präsidenten des Reichs und Vater des Vaterlands proklamirte (im Palast die Biblioteea Settimiana mit seltenen, die Stadt Palermo betreffenden Manuskripten). —Auf die Piazza Croce di Vespro folgt r. die kleine Piazza Aragona, und an dieser führt die zweite Strasse 1., Via Gintorinari, an der (1.) Piazzetta 173 174 2. Palermo (S. Francesco de Chiodari - S. Antonio). Cattolica verhol (wo der grandiose, im 15. Jalirh. erbaute, aber völlig umgestaltete Pal. dei IVincipi di Cattolica, jetzt des Kaufmanns Briuecia, mit sehr schönem ^Arkadenhof [Eingang Via Cintori- nari Nr. 48] sich erhebt), zur (r.) Kirclie *S. Francesco (le’ Chiodari (1) fi), 1 255 begonnen (der älteste Theil sind die drei Kapellen der linken Seite, wo die auf Stadtkosten hergestellte' SiidtliUr ist); die Chiaromonti Messen die noch erhaltene :i: lIauptthÜT 1302 errichten, ein gutes Beispiel von der Art, in welcher die byzantinischen und normannischen Elemente zu dieser Zeit mit der sieiliani- sclien Architektur verbunden wurden. Auf jeder Seite des Portals sind vier Säulen (jetzt in Kostauration), theihvei.se von älteren Bauten, denn eine trägt noch arabische Sprüche in kufisclier Schrift (»im Namen dos barmherzigen Gottes«, und »es gibt nur einen Gott: und Mohammed ist sein Prophet«); hinter ihren Blätterkapitälen zieht sich ein Blattornament bandartig hin; die spitzhogige Lünette wird von zwei Zickzaek- ornamenten umrahmt, die durch schmale Blätterbänder getrennt sind. Die Parade wurde 1730 theil weise erneuert. Das Innere ist ganz modernisirt, doch haben die Seitenschiffe noch ihre ursprünglichen Kreuzgewölbe ohne Gurten; 1-158 wurde die Kirche vorgrössert, 1471 die Chorkapelle errichtet. 1548, 1735 und 1823 nach dom Erdbeben abermals thcilweisc erneuert. Die Deckenfresken (gtösstentlieils zerstört) sind von Pietro Kovelli, 1630—33; der auch die Malereien des Schiffs ansführte (über der Thür: *Disputa zwischen S. Angelo di Eicata, S. Franciscus und S. Dominions; r. *Papst Nikolaus V. vor S. Franciscus); — 6. Capp. r.: Reliefs der Geiselung und Kreuztragung Christi, von Sgraaio Marabitti von Palermo, 1786 (von ihm auch die Pieta am Altar). — 8. Capp. r.: Ainemolo, Madonna mit Täufer und S. Clara. Im Chor sehr schöne ^Schnitzarbeiten aus dem 16. Jalirh. — L. von der Tribuna die Cappella Senutoria der Immacolata, vom Palermitaner Senat 1650 errichtet; am Altar ein römisches Mosaikbild der Madonna, von 1772. Im Kloster versammelte sich das Parlament von 1848; jetzt sind liier zwei Assi- senhöfe. D. nebenan (in Via doll’ Immacolata) ist das Oratorium dev Kongregation S. Lo- renzo (1564), mit Stuckreliefs von Serpotta (I69ü); 1 . vom llauptaltar: Michelangelo Ca- ruvaggiot Tempelpräsentation. Die Sitze sind von Ebenholz mit Elfenbein- und Perl- muttereinlag'en. Die Via Cintorinari mündet in die Via Vittorio Emanuele. Folgt man dieser | westwärts, so kommt man nach 2 Min. ! r. (Xr. 2511) zur Piazzetta S. Antonio; i an der Rückseite derselben führt eine ! Tliür (mit der Aufschrift; »DomusDei; : Porta Coeli«) zu einem Rampen gang mit (1.) Heiligenbildern an der Wand, denen I Naelits die alten Frauen, unter Ilermur- : mein von Rosenkränzen, jedem sein Liehtlein unzünden. — Aus diesem Gang kommt man an einen kleinen freien Platz, ; wo die Kirche S. AlltOlliO (D 5) mit ihren gotliischen Fenstern sich erhebt. Dieser Platz lag vor Zeiten lialbinsel- ; förmig am Meer, und das Wasser bespülte auf der einen Seite die tiefer liegende Piar;m Caracciolo, und bedeckte auf der andern Seite die Gegend der Lattarini. Der Landvorsprung schied somit zwei grosse Busen oder Hafen und war deshalb durch einen sehr hohen Waclitthurm, la torrc di liaych, an der Porta de’ Pasitelli, beschützt, an dessen oberster Spitze man eine kutische Inschrift mit dem Datum des Baues (10. Jalirh.) und einigen Koranversen fand. Die Kir che wurde ca. 1220 errichtet und ist noch eine byzantinische Anlage mit griechischem Kreuz im Viereck und einer «auf vier inneren Säulen ruhenden Kuppel durch Bogennischen vermittelt; die Seitenschiffe haben Kreuzgewölbe, die Fenster bilden Spitzbögen; die Westfront ist späteren go- tlusclieii Stils, wie auch das Masswerk der Fenster; -die grosse Glocke des Thurms, 1375 gegossen, die man auf allen Seiten der Stadt vernahm, wurde zur Einberufung der Kommnmilrätlie und des General Parlaments verwandt. Das Erdbeben zerstörte einen grossen Theil der alten Kirche, und es blieben nur die drei Tlmren mit Spitzbögen und einige Fenster in spätgothischom Stil; am llauptaltar: Xoppo diOanH, S. Carlo; Capp. r. vom Hochaltar: Xovclli, S. Antonio. Zur Piazzetta 8. Antonio zurück und an deren westlicher Langseite die Salita di San Antonio hinan, findet man noch mancherlei Reste der alten Architektur; besonders 1. Nr. 30, und am folgenden Haus Bautheile aus dem 12. Jalirh. Man erkennt noch die Dekoration der vier Abtheilungen, im 1. Hauptgeschoss drei Blindfenster, unter welchen ein reich skulpirter romanischer Fries hinzieht, in der zweiten Abtlieilung ein grosses Fenster mit zwei durch einen Zickzackrundbogen verbundenen Ecksäulen; im folgenden Hauptbau drei grosse Ruiulfenstor, noch mit den Rosetten, und darüber drei kleine lling- fonster, «als Krönung ein stark ausladendes Gesims; endlich von der vierten Abtlieilung das untere (ungegliederte) Geschoss. Zur Via Vittorio Emanuele zurück und westwärts weiter, kommt man (nach 175 170 2. Palermo (Piazza Pretoria — Pal. Mimicipale). Kr. 287 r.) nach S. MiltteO (D 5), 1632 erbaut, mit dem vollen Glanz (aussen und innen) der Barockzeit (4. Capp. r.: Pietro Novelli, Tenipelpräsentation; in der Chorkapelle an den Seitenwänden die vier Kirchenlehrer von Marabitti skulpirt; 4. Capp. 1.: S. Anna mit der Jungfrau, von Pietro Novelli). — Geht man beim nächsten Yicolo (di S. Caterina) 1. die 14sprossigc Treppe hinan, so tritt man in die imposante -Piazza Pretoria (D 4), die ihren Namen vom Palazzo des ehemaligen Prä- tors, an dessen Stelle jetzt der Municipio getreten ist, erhielt. Der grösste Theil des Platzes wird von der berühmten '"POUtaiUl Pretoria, die einen Umfang von 133 in. und eine Höhe von 12 m. hat, eingenommen, einem der prachtvollsten Brunnen überhaupt (mit 56 Köhren, 37 Statuen, 24 Thierköpfen, 20 Urnen), entworfen 1550 von den Florentiner Bildhauern Francesco Caviilliani und Angelo Vagherino , unter Theilnahme des Frate Angelo da Montorsoli, ein Auftrag des Don Pietro di Toledo, der damit ,cine seiner Villen zu Florenz schmücken wollte; dochnach dessen Tode von seinem Sohn 1575 an den Palermi- tancr Senat für 20,000 Scudi (ca. 80,000 Mark) verkauft, wozu bis zur vollendeten Aufstellung noch 75,000 Scudi (ca. 315,000 M.) Ausgaben hinzukamen. Auf drei Stufen erhebt sieh eine weissmarmorne Bailustrade, dahinter vier Zugänge zu vier Becken mit AVasserspielon; die Becken mit Nischen und 24 verschiedenen Tliierküpfen, die aus ihren Nüstern AVassev spenden; an den tlieilenden Stufen 1, unten: die Statue Merkurs (mit einem geistreichen Distichon von Veneziano) und Pomona \s (auch mit Distichon, wie sämmtliche Statuen), oben Yertumnus und Venus Verti- covdia (mit reizendem Distichon); 2, unten*. Apollo und Diana; oben Abundanz und Liberalität; 3, unten: Adonis und Venus, oben Triptolemon und Ceres ; 4, unten: Herkules und Bacchus; oben: Orpheus und Ops. Unten stützen sich von Nereiden und TrL- tonen umstanden vier Flüsse (denen die Distichen die palennitanischen Namen Oreto, Mar dolce, Papireto und Gabriele geben) auf Felsen. In der Mitte erhebt sich der prächtige Brunnen, an dessen Fuss das grosse Becken sämmtliche Wasser sammelt; das Centrum des Umkreises bilden vier Meerpferde, auf denen zwei Ilavpyen die erste Tazza halten. Aus der Mitte des Beckens tauchen über vier Delphinen vier Sirenen mit vier Urnen auf und halten den zweiten llecipienten , in dessen Mitte vier geflügelte Genien mit vier Delphinen die Basis für die letzte Tazza bilden, die mit dem Genius von Palermo (wie Veneziano’s Spruch erklärt) schliesst, der aus dem Füllhorn einen reizenden AVasserregen, niedersprudeln lässt. An der Südwestseite des Platzes erhebt sieh der Palazzo Mimicipale (Rathhaus } C 4), im Stil des IG. Jahrh. renovirt. Fine Tafel berichtet, dass liier am 27. Mai 1860 Garibaldi, Anführer der »Tausend« und cler Volkserhebung den letzten Stoss (l’ultimo crollo) der Tyrannenherrsehaft der Bourbonen in Sicilien gab, und die Sonne vom 31. März 1282, am 12. Jan. 1848 der siegreichen Stadt wieder leuchtete. — Eine zweite Tafel zählt die Votanten für die Einheit Italiens unter Victor Emanucl (von 432,720 Votanten 432,035: Ja); eine dritte Tafel (gegen A r ia Macqueda) feiert den wissenschaftlichen Kongress 1875, an dem auch ausländische Berühmtheiten theilnahmen. DerMunicipalpalast wurde von der Stadt 1463 erbaut, erlitt dann aber mannigfache A T eränderungen und wurde gegenwärtig vom Architekten Giuseppe Damiani renovirt. Die alten Inschriften und Statuen, welche in einigen oberen Sälen sich befanden, werden jetzt sämmtlich dem Museum einverleibt; gegenwärtig sieht man l*. im Atrium auf einem Brunnen, ein römisches Paar aus einem Stück Marmor: am Aufgang der Treppe 1. der Genius von Palermo (15. Jahrh.) in einer Marmorschale sitzend, auf einen Porphyrschaft gestützt, auf dem ein reliefir- tes Alarmorbecken ruht. — ln der Sala del consiglio, erster Stock: vortreffliche *Statue des jugendlichen Dionysos. Gegenüber dem. Municipio sind zwei Paläste, r. der ehemalige Palast des berühmten Alterthumsforschers JJuect di Serradifalco (jetzt Prä. Puono core), 1. an der Ecke der Via Macqueda der Pal. Por- donaro. An der Ostseite des Municipio führt ein offener Durchgang zur * Piazza Bcllini (C 4,5). An der Nordscite derselben erhebt sich die glänzende Fa^ade von S. Caterina (1)4,5) mit Freitreppe, einer 15GG —90 mit aller erdenklichen Pracht im sicilianischen Barockstil erbauten Kirche; trotz des Manierismus der Zieraten doch wegen der zum Theil sehr schönen Ornamente und der reichen Fussböden (besonders am Hochaltar) be- merkenswerth (2. Capp. r.: I 'an Jhjch, Madonna; 3. Capp. r.: Statue S. Cateri- na’s, letztes Werk von Anton&Uo Gagini). 177 2. Palermo (Martorana). 178 — Die Ostscitc des Platzes nimmt das Teatro Bellini ein, 1809 unter dem Namen der Königin Carolina von Oesterreich als Teatro Carolino eröffnet, 18G0 mit dem Namen des sicilianisclien Komponisten "bekleidet (oben ist das Casino Jiellini, sein* elegant, auch Fremden zugänglich). — S. Caterina gegenüber, etwas erhöht; liegt an der Südseite des Platzes die Kirche der ^Martorana (C 4), ursprünglich /Santa Maria delV Ammirarjlio genannt, weil sie 1143 vom Admiral König Roberts, Georgios von Antiochien, der Maria gestiftet wurde. Sie hat noch viel Ursprüngliches bewahrt, obsclion die Nonnen des nahen, 1193 von Äloisia Martorana gestifteten Fraueuklosters, denen König Alfonso 1433 die Kirche übergab, die Schmalwand (Fa^ade) im W., und die Wand im O. (Chorkapelle) zur Erweiterung der Kirche abbrachen. Theilweise noch byzantinisch in der Anlage, zeigt sie doch schon entschieden den normannischen Charakter. Ein mittlerer, von vier Säulen und vier Spitzbögen getragener Klippelraum bildet den Kern des Centralbaues und ist von. kleineren recht winkligen G ewölbefeldern umgeben; drei Schiffe bilden die Breite, drei Gewölbefelder die Länge, und hier scliliosson sich drei Apsiden an. Das alte Opus Alexandrimun des Fussbodens (mit Porphyr, Serpentin, weissem Marmor), sowie der alte Mosaihschmuch bezeichnen die Ausdehnung der noch erhaltenen alten Theile. Der Kustode (Va Fr.; 9—4 Uhr) sehliesst auf; mail gehe durch die Gitterthür an der Piazza Bellini die Treppe hinan und um den Thurm herum, dann findet inan heim ersten vorspriugencleii Ban die Aufschrift »Campana del enstode«; hier liat man zu schellen. Man betrachte daher zuerst den *T li urm, einen sehr originellen und schönen Bau, der mit seinen prächtigen Spitzbogenfenstern wie ein gewaltiges Minaret aufragt; das unterste Geschoss ist in wuchtigen Quadern aufgeführt und an jeder Seite in der Mitte hallenartig von einem spitzbogigen Eingang durchbrochen; die Bögen ruhen auf zwei an den Eingangsecken eingelassenen Säulen mit korinthischen Kapitalen. Das zweite Geschoss hat auf jeder Seite ein gekuppeltes Spitzbogenfenster; Mosaikbänder umrahmen die Fensteröffnungen und den bossirten Umfassungsbogen; Sterne und Kreise schmücken die Fläche und ein breites Friesbaad mit weisser und schwarzer »Billet«Verzierung trennt die Geschosse; das dritte Stockwerk mit ähnlichen Fenstern geht in das Achteck über mit abgerundeten Ecken, die von Spitzbogenarkaden umsäumt sind; Machicoulis scheiden das vierte Geschoss vom dritten. Die Hauptthür ist im W- und man kommt in dieselbe durch ein von acht korinthischen Säulen gebildetes Vestibül unter dem Nonnenchor; zwei von den Säulen haben arabische Inschriften 1. »Gott ist mit den ihn Fürchtenden; im Namen Gottes des sanftinüthigen und barmherzigen; ich stütze mich auf Gott, o herrlicher Beschützer«. 2. »Sieg, Gewinn, Fortschritt und Glück«). Das innere (s. oben) ist viereckig, dreischiffig, mit Spitzbögen auf ungleichen Säulen von orientalischem Granit mit vergoldeten Kapitalen; die Felder bei der Kuppel sind tonnengewölbt, die übrigen Kannte in den Seitenschiffen mit steilen Kreuzgewölben bedeckt. Wände, Kuppel und Apsiden waren ganz mit Mosaiken auf Goldgrund inkrnstirt. Der Araber Ibn Giobair, der U85 Palermo besuchte, ruft aus: »Eint* Parade schmückt diese Kirche, die keine Worte beschreiben, denn sie ist die schönste Arbeit der Welt. Die Wände innen sind wie aus Einem Stücke Gold und mit Marmortafeln, Mosaiken auf Goldgrund und Blätterornamenten geschmückt, und die Decke leuchtet so wunderbar, dass sie die Gedanken an Gottes Beistand aufs tiefste erweckt«. — Unten sind die Wände leider im schlechten Geschmack des 18. Julirh. in- krustirt; oben sind noch zahlreiche *alte Mosaiken auf Goldgrund erhalten; r. vom Eingang (von der frühem Westwand erhalten): König Hoger durch Christum gekrönt, mit der Inschrift (mit griechischen Buchstaben) Itogerius rex (der König als echterNormann, rothbraunhaarig, mitsclima- lem Spitzbart, als Regent in königlich byzantinischem Gewand, als sicilischer Legat j der Kirche mit der Dalmatica). — L. vom I Eingang: der Kirchenstifter Admiral Georgios von Antiochien vor der Jungfrau knieend, die ein Diplom in den Händen hält, auf welchem griechisch eine Fürbitte an ihren Sohn zu Gunsten des Stifters geschrieben ist. Ucber seinem Ilaupt steht geschrieben: Gebet des Admirals Georg. Die Dunkelheit der Kuppel verhindert die richtige Würdigung der Mosaiken, im Mittelpunkt ist Christus mit der Schrift dargestellt, am untern Th eil der Halbkugel die vier Erzengel in Anbetung, darunter die Propheten und in jedem Bogen ein Evangelist. — In den Bogenzwickeln dos Schiffs: Mariä Tempelgang, gegenüber die Verkündigung. — Gegen den Altar hin, an der Wölbung: Gabriel und Michael; — gegen das Schiff bin: *Tod Mariä (ein Apostel lauscht nach dem Herzschlag); — an Decke und Wanden des Querschiffs: Apostelfiguren. — In der rechten Apsis: *S. Anna mit einer 179 180 2. Palermo (S. Cataldo — Piazza Viglieua). Palme (eine majestätische, noch wohl erhaltene Halbfigur). •— In der linken Apsis: .Joachim, Vater Mariä. — Da der musivische Schmuck durch Zeit und Reparaturen schwer gelitten hat, so können die Verdienste der Künstler nur aus einzelnen Stücken erkannt werden. — Am Hochaltar ein Oelbild von *Vincenzo Aitmmolo von Palermo, Himmelfahrt Christi (raffaelesk). Aussen ist die Nordseite mit ihren grossen normannischen Bögen und (oben) der Podikatäon Georgs, sowie die Kuppel von den verdeckenden Bauten befreit worden (auch die Inschrift im Innern Umkreis der Kuppel ln arabischer Schrift, eine inbrünstige Anbetung der Trinität, ist jetzt völlig sichtbar). Am Ausbau«*- des Platzes westwärts gegen die Via Macqueda führt (1. ) dein Univcrsitätscingang gegenüber eine 14- stulige Treppe zum ehemaligen Postgc- hiiude empor, und durch die Thiir r. über zwei Treppenabsätze zur Kirche ‘ X 'S. Cataldo (C 4), die eine der Martoranasehrälmliehe Anordnung zeigt, doch wird liier die mittlere Kuppel von Seiteukuppeln begrenzt und der byzantinische Stil herrscht noch vor, obschon der Bau ca. 18 Jahve später als die Mar- torana errichtet -wurde. Sie ist nur 10 m. lang und 7 m. breit, bildet ein Rechteck mit drei Apsiden; vier Säulen scheiden den Raum in drei Schilfe mit je drei Feldern, tragen die mittlere Hauptkuppel, und stützen die zwei kleineren im \V. und O. .Spitzbogenbildung, Säulenanordnung, Fussbodeiulekoration sind wie bei der Martorana. Der Mosaikensclnnuck fehlt. Haus sainint Kirche wurden vom : Admiral Majone di Bari errichtet, und nach seinem Sturz von König Wilhelm I. dem ' Grafen Silvestro di Marsi verkauft, dessen : .Sohn sie der Dogana verhandelte; 1182 | kamen beide an die Kathedrale von Monreale. , Das TIaus, Sitz der Krzbiscliöfc Monreale’s während ihres Aufenthalts in Palermo, wurde lö2o umgebaut, dann kam die unberührte Kirche an die Erzbischöfe von Palermo, das Haus aber wurde 1787 zur Post umgewandelt. Jetzt ist die Post an die Piazza Bologna verlegt worden und die Kirche unter die Nationalmonumente aufgenommen. An Via Macqueda südostwärts weiter folgt 1. nach dem vierten Haus S. Niccolb da Tolcntino (C 4), in dessen Kloster jetzt das Kommnnalarchiv sicli befindet, vom Municipimn gut geordnet (in der Kirche 5. Capp. r.: S. Agostino, von Novclli; im linken Querschilt' [0. Papp. 1.]: *S. Nic- colö, von Demselben, 1036). — Jonseit dieser Kirche folgt r. (nach zwei Iläu- ' sorn) S. Orsola (3. Capp. 1.: Ilierony- ; mus, von Zoppo di Gand, über dem Altar, in halber Crosse: Madonna, von Xo- r-clli). — Neben S. Orsola 1. liegt der Pul. dd Principi di Comitini, innen und aussen die »signorile Eleganz« der zwei- : teil Hälfte des 18. Jabrh. zeigend (hier ist im .Hof r. die Fahrpost nach Messina, Caltanisetta und Zwischenstrecke nach Girgenti). Nun zurück zur Universität (der ■ Piazza Bellini gegenüber, C4), deren Eingang an Via Macqucda vier kanno- i lirte dorische- Säulen sclnniicken. Per | schöne Bau war ursprünglich die Casa . der Tlieatincr, wurde aber schon 180/5 theilwcise zur Universität verwandt und 1800 gänzlich. Sie enthält jetzt ein reiches Museum der Mineralogie und Geologie, eine zoologische und vergleichend anatomische Sammlung, ein physikalisches, ein physiologisches und zwei chemische Kabinette, sowie eins für Anatomie. Im benachbarten ehemaligen Martoranakloster sind jetzt Kabinette für Mechanik, Konstruktion, Hydraulik und Zeichnungsäle für die Ingenieurschule. Die Universität zählt jetzt (>4 Professoren, aber nur 2Ü0 Studenten. Im Vestibül sind die Marmorbüsten von Rosario Gregorio (der Jurist), Paolo Baisamo (der Nationalökonom), Giuseppe PiazzI (der grosse Astronom), Giovanni Meli, Gianiilippo Ingrassia, Fortunate Fo- dele; in dem schönen Säulenhof des Erdgeschosses die sehr einfachen Ilörsiilc. Auch in der rückliegenden Halle sind Büsten bedeutender Gelehrten: Benedetto d’Acquisto; Emerico Amnri, Giov. Gorgone, *Domcnciu Scinä (der Physiker), *Grcgorio Ugdulena. (der Orientalist); Niccolö Cacciatore (der Astronom); mehrere von Civiletia in neuester Zeit trefflich ausgeführt. Es folgt nordwärts die *Piazza Yi- gliena (D 4), gewöhnlich Quattro Can- toni genannt, weil er in seiner ziemlich beschränkten Rundung die vier grossen Regionen der Stadt in vier besonderen Monumentalwänden kennzeichnet und den Mittelpunkt der vier Seiten des Lebens und Verkehrs der Stadt bildet. Hier stehen daher auch die Zeitungsverkäufer und allerlei Dienste anbietendes Personal ; hier hört man die lauten Stimmen bis tief in die Nacht; eine Reihe von Geschäften werden hier abgehandelt, und ganz in die Nähe dieses Platzes rücken die brillantesten Magazine, die freilich 181 2. Palermo (S. Giuseppe). 182 keine sicilischcn, sondern französische, i englische, und deutsche Stoffe in den SchauJädcn aushängen. Ueberraschcnd 1 ist der Blick auf die Enden des breiten Strassenkreuzes, das man von liier aus die ganze, Stadt in die Windrose zerlegen ; sieht, 4 Kih geradeaus bis zum Giardino inglc.se; 5 Kil. bis zur Ansteigung nach Monreale. ! Der Vicekönig Herzog Vigliena Hess ■ 1009 den Platz nach dem Entwurf des Hörners Giulio Lasso monumental schmücken, für diese Epoche noch von besonderer Kor- rektheit der architektonischen Linien unter einem Apparat von Architravon, Einschnitten, Karniesen und Friesen. Jede Eckfläche hat eine gleiche Fahnde mit dorischer, ionischer und kompositcr Ordnung, Marmorsäulen, Brunnen, Wappen und Statuen; die nach : S. gewandte Front einen Brunnen mit den Wappen der Stadt und der Statue des Herbstes, im 2. Geschoss die Kolossalstatue Filip- po’s IV., im 3. Geschoss die palermitanische Märtyrin und Schutzheilige S. Oliva; zu oberst ein Adler und die Wappen des Vice- ■ künigs und der Kommune, der Palast mit dieser Fa^ade gehört der Familie Napoli dei Principi di Rcssutano. — Oie nach W. gewandte Fahnde hat unten die »Statue des Winters; darüber Filippo III., zuoberst die palermitanische Jungfrau und Märtyrin S. Agata; der Palast gehört dem Baron Chia- ramontc-Bordonuro. von Canicatti (früher war zu oberst die Loggia des Martoranaklosters). — An der nach 0. gewandten Fa^ade ist unten der Sommer, darüber Filippo II., zuoberst die palermitanische Jungfrau S. Ninfa; der Palast gehört dem Marchese di Itudiin. — An der nach -X. gerichteten Front ist unten der Frühling, darüber Kaiser Karl V., zu oberst die palermitanische Jungfrau S. Cristina. Die Fa^ade nach X. gehört zur Kirche *S. Giuseppe (D 4), ici2— 45 von den Theatinern in grossartigster Pracht erbaut, von dem Theatiner Laien Giacomo Jiesio von Genua. (LübJce: »Diese Kirche zeigt, wie der Säulenbau, der in Palermo stets beliebt gewesen, in Verbindung mit einer Marmordekoration von fabelhafter Pracht noch grossartige Kirchen hervor- brachte«.) 11 Stufen führen hinan. Die IVeihbccken jenseit des Eingangs sind von Ignazio DIarabitli von Palermo, dem besten Bildhauer jener Epoche; die Kirche ist dreischiffig in lateinischem Kreuz, durch zwei Reihen von 12 Bögen getrennt, jede Reihe auf 26 komposite, über 7 m, hohe, monolithe Marmorsäulen sich stützend. Das Mittelschiff mit seinen Stichbögen und Tonnengewölben ruht auf 7 Paar Säulen, und die Kuppel über der Vierung auf 8 kolossalen monolithen korinthischen Säulen (von 1(),:10 m. Höhe, ohne Basis und Kapital, und von 4,40 m. Umfang), die mit den Pfeilern verbunden sind. Das Ganze macht einen gewaltigen Effekt. Archivolten und Arclütravc sind von gelbem Marmor, der Fries von buntem rotlien, das Gesims vergoldet, der Fussboden von Marmor. — Die Decke des Mittelschiffs mit vergoldeten Stuckdekorationen im Barockstil überbürdet, ist mit tüchtigen Fresken von Filippo Tan- credi von Messina geschmückt, die Kuppel vom Flamänder Borroman s bemalt, die Apsis von Oarrega von Trapani und von Gala»- drucci von Palermo, die ersten vier Zwickel der Bögen r. von Gin». Vdazgnez aus Palermo. — Das Krueißx am Hochaltar aus einem einzigen Stück Elfenbein. Die Seitenschiffe haben nackt gebliebene Kuppeln. — 4. Capp. r.: Madonnenstatue, Schule Gagini ’s. — f>. Capp. r.: S. Andrea Avellino, von Beb. Concct. — 6. Capp. r. *H<>lzkrucifix von Frate l'müe da Pietmperzia. — 5. Capp. 1.: S. Gae- tano voll Pietro Novelli. Die geräumige Unterk i r che, Madonna della Providenza, war Begräbnisstätte adliger Familien. — An diese Kirche knüpfen sich die Erinnerungen an die palermitanische Insurrektion von 1647; liier versammelte Giuseppe d’Alcsi zweimal das Volk und hier wurden die dein Vicekönig oktroyirten Capztoli votirt. An der Via Vittoria westwärts folgt die Piazza Bologni (C D 4), schon 1 5 7 3 eröffnet und nach der Familie benannt, die hier ihre Häuser hatte; vorn, dem Corso zugewendet, erhebt sieh die Bronze- Statue Kaiser Karls V., ein tüchtiges Werk von Giambattista hi-volsi von Susa. Der Kaiser beschwört die sicilisclien Konstitutionen (wie er es 1535 bei seiner siegreichen Rückkehr von Tunis im Dom von Palermo getlian hatte); zu den Füssen des Kaisers liegt die protestantische Ketzerei als siebenköpfige Hydra. Der Statue gegenüber, r. an der Via Vittorio Emanucle (Nr. 393), liegt der Pal. Riso (I) 4) (barone di Calobria), ein würdiger, eleganter Bau des sicilischon ■ Architekten Vcnanzio Marvuglia, 1790, mit berühmtem Atrium und Prachtsaal im ersten Geschoss. An der rechten Seite des Palastes führt (über fünf Stufen hinan) ein Strassclien (an dessen Ende durch den Bogen) zur Kirche del Cancelliere (S. Maria dei Latini), 1171 von dem Salernitaner Matteo Ajello, Grosskanzler König Wilhelms II. gestiftet, und nach ihm »Kanzlerkirche« genannt, 1590 neu gebaut; — an der rechten Wand, 2. Capp. nach der Sängertribüne: Zoppo di Ganci, 5. Benedikt; — an der linken Wand 1. Capp. nach der Orgel: *Antonello da Saliba, Anbetung der Weisen; — r. und 1. S. Paulus 183 2. Palermo (Post - S. Chiara). 184 und Blasius; Lünette: Anbetung des Kindes, ca. 1490. Zurück zur Piazza Bologna, an deren Ostende diePost (CI) 4) liegt, ein eleganter Neubau an der Stelle des Carminello- klosters, wo 18G0 das Generalkommando der königlichen Truppen war. — An der südlichen Schmalseite des Platzes westwärts weiter folgt der Vicolo Panormita; an der Rückseite des letzten Hauses 1. liest man (über Nr. 29 1.), dass hier der berühmte Antonio Panormita im 15. Jahrh. geboren wurde. Es folgen sogleich in Via S. Chiara 1. (Nr. 2) die Reste des Pal. Speciale (Vicekönigs), laut Inschrift am Treppenbogen 1468 in dessen Besitz, jetzt in den Pal. Raffadali verbaut. Man sieht noch über dem Portal drei Spitzbogenfenster, jedes durch eine kleine Säule getheilte Doppelfenster ist von einem am Scheitel cingekerbten Doppelbogen auf Konsolen umschlossen. An der folgenden ■\Vand, am 3. Geschoss: zwei spätgotliische Fenster. Zur Panormita-Tafel zurück, siidost- wärts die Salita Raffidali hinab, und geradeaus durch die Via rimpetta Casa pro- fessa, kommt man zur stattlichen Kirche Casa professa (de’ Gesuiti, C 4); sic wurde 1554 im ersten Eifer der eben in Sicilien eingeführten Jesuiten begonnen, aber erst 1630 vollendet, in dem sogen. Jesuitenstil, der aber hier in der prächtigen Räumlichkeit des Baues und in den Ornamenten eine ungewöhnliche Eleganz erreicht hat. (Es befinden sich hier zwei gute Kopien nach ltaffael: in der Tribuna 1. die Transfiguration, und am Hauptaltar die Pcrla; — in der 9. Capp. r.: zwei Bilder von Pietro Xocelli.) — Der moderne Campanile erhebt sich (ganz 1. an Piazzetta delle Ponticelle) über einem Thurm, der im 2. und theilweise im 3. Geschoss noch die Reste der Architektur des lo. Jahrh. zeigt. R. neben der Kirche ist die Kommn- nalbibliothek, deren Bibliothekar der für sicilische Studien sehr tliätigc Abbate Oioacchino di Marzo ist. Sie besitzt über 130,000 Bände und 2600 Manuskripte (letztere ein wahrer Schatz für die sicilische Geschichte), eine reiche Sammlung arabischer Münzen; eine Sammlung von Bildnissen berühmter sicilischer Gelehrter und Künstler. R. (südöstl.) weiter durch Via Casa professa kommt man zur Piazzetta Pal- lavb, deren Name von dem arabischen Balharä stammt, einem an der Stelle von Monreale gelegenen, ehemals saraeeni- schenDorf, dessen Gärtner hier ihre Produkte verkauften. Ueber die Piazzetta hin gelangt man in die Via Porta Castro, wo in der ersten Seitenstrasse 1. der Thurm, von S. Niecolb VAlbergaria (C 3) sich erhebt, im 1. und 2. Geschoss noch von normannischer Konstruktion (von diesem Thurm aus wurde die Bucht der Neapolis, welche sich der ganzen Länge der Via Albergaria nach erstreckte, bewacht). — Gegenüber, r. (nördl.) von Via Porta Castro führt die Via de’ Benfratelli an der (1.) Accademia filarmonica Bellini vorbei; am Ende der Strasse r. kommt man in wenigen Schritten durch Via S. Chiara nach S. Chiara (C 4), deren Stifter 1344 Matteo Sclafani, conte di Adernö, war, in dem Hause, wo sein Oheim, der Grossjustitiar Matteo di Termini, Gericht hielt. Zwei Inschriften r. und 1. von der Eingangsthür erinnern daran. Die Kirclie (von 1678) enthält nichts Alterthümliches mehr, aber 1. Capp. r. eins der besten Bilder des *Pictro Xovelli, Pieta 1646. Das Bild soll den Tod des Künstlers veranlasst haben, denn Novelli erhielt auf Piazza Vigliena in den Aufruhrtagen von 1647 einen Schuss, dessen man den vom Künstler entlarvten betrügerischen Rahmenvergolder beziiehtigte. Von Via Benfratelli geradeaus tritt man in die Via Saladino, die in die Piazza Origlionc cinmiindet, wo 1. vorn die Kirche S. Giovanni delV Origlionc (C 3) liegt 61782 erneuert), im Vestibül mit r. und 1. trefflichenfaber verdorbenen)* j^Vcs- hen von Pietro Novelli ; am 2. Altar r. eine Kopie der Kreuzabnahme von Rubens. — R. vor der Kirche führt die Via SS. Sal- vatore niederwärts nach SS. Sahatore (CD 3), einer der bedeutendsten Kirchen Palermo’s, an der Via Vittorio Emanuele, 1628 von dem Abbate Paolo Amato im eleganten Palcrmitaner Barockstil erbaut, im Achteck, mit elliptischer Kuppel und mit aller erdenklichen Pracht. Vom alten Kloster, das Robert Guis- card 1072 errichtete, sind noch an der * I Vestioand, Via del Protonotaro, gegenüber Nr. 18 — 28, bedeutende Reste erhalten, in zwei Abtheilungen von verschiedener Höhe; i I Hülfe ,r i.'T». ».'.i ML&- mm DOM ZU PALERMO. \^m DOM ZU MONREALE BLBI .HIST. «S?Z7;g ,« •* '*£;r ’$& . »i »mg- 185 18C 2. Palermo (Pal. Geraci - Domplatz). das Erdgeschoss, fensterlos aus massiven Hausteinen, noch mit dem alten l’ortalbogen; das obere Geschoss der 1. Abtheilung hat an jeder Ecke ein Kundbogenfenster, und zwischen diesen drei mächtige *Spitzbögen mit Zickzackband, auf Konsolen; die Bögen umschlicssen gekuppelte, unten durch eine Säule verbundene Fenster; unter dem Scheitel Rosetten. Die 2. Abtheilung hat schmucklose Kund - und Spitzbogenfenster. Im Kloster ist jetzt ein Mädcheninstitut. An der Via Yittorio Emaimele, SS. Salvatore gegenüber, drittes Haus r. (Kr. 411), erhebt sieh dermal. GGl'äci ('D 4), ein sehr reicher Rcnaissancepalast, aus einem altern von Maravuglia 1700 um- gebaut, von prächtiger Anlage; auch die Stückarbeiten des Vestibüls elegant und von schöner Eintheilung. Die Skulpturen des Mittelportals und am grossen Balkon sind von Ignario Mnrnbitti. Die Familie der Geräci, principi di Castcl- buono und Reichspairs, ist jetzt fast erloschen, und seit 1860 bat sich das Nuovo Casino (Sammclort der eleganten Welt) den Palast zum heitern Sitz der Karnevalbälle erkoren. — An der linken Wand des westwärts folgenden Hauses führt die Via Monte Yergini an der fl.) Kirche delle Vevgini (ein Bau von 1G97) vorbei, fast am Ende des langen Strässchens (nach Kr. 33) r. zur Kirche Tre lie (D 3). Am Jlauptaltar: Die Anbetung der Weisen, von Gioacchino Martorana, an den Seitenwänden zwei grosse Fresken von Fi/o d'Annu. —■ Der Ort, wo die Kirche stellt, war einst der Lido des linken Hafens der alten Stadt, und trug den Thurm Kheri. Zurück zur Via Vittorio Emaimele und hier westwärts weiter folgt r. (Kr. 327) das königliche Jageeum Vittorio Emaimele, das ehemalige Collegio nuovo der Jesuiten; hier befindet sich auch die Bibliotecii uazionale ftägi. von 10—4 Uhr; und vom 1. Dec. bis 31. Mai von GVs—0 Uhr Abds. geöffnet). Der Palast wurde 155G von den Jesuiten errichtet, 17GG nach ihrer Vertreibung der palcr- mitanischen Akademie übergeben, später für die Universität eingerichtet; 1848 und 1800 nach abermaliger Vertreibung der Jesuiten setzte sich der Staat in den Besitz der Bibliothek. Die Bibliothek ist durch die Sammlungen aus den unterdrückten Klöstern und durch neue Anschaffungen sehr bereichert worden : sie zählt ca. 110,000 Bände, 1550 Inkunabeln, 1209 Manuskripte. In ihrem grossen Saal fand in der Nacht des 18. Juli 1812 jene sieiiisehe Baronenversammlung statt, welche die feudalen Privilegien auf der Insel aberkannte; 1820 sass hier die Giunta revolu- zionaria. In dem weitläuligen Collegio »mas- simo« befinden sich jetzt ein Lyeeum, Gymnasium, Technikum, eine Normalse.liule, Abendschule (Zeichnen) für Handwerker und einige Elementarschulen. Kun folgt r. der Domplatz (I) 3), einer der schönsten der Stadt, ein weites regelmässiges Rechteck bildend und den Blick auf die herrliche Südseite des Doms völlig freilassend. Es war der alte Friedhof der Kathedrale, 140') erweitert. 1753 erhielt der Platz die an drei Seiten ihn umziehende reiche Marmorbalustrade, mit 10 zu verschiedenen Zeiten gesetzten Statuen der vier Kirchenlehrer (gegenüber dem erzbischöflichen Palast), von den Palermitaner Bildhauern Travaglia und Ane.Uo 1073 skulpirt, und der Palermitaner Heiligen; gegen den Cors<>: Sergius, Cristina, Silvia (Mutter Papst Gregors), Agata, Rosalia, Ninfa, Oliva, Agathen, von Aprile und Gnercio 1050 skulpirt; — an der Ostseite S. Mamiiiano, Eustazio, Proculo, Golbodeo, palermitanische Märtyrer, von Travaglia und Audio. — Im Centrum des Platzes, auf elegantem dreieckigen Piede- stal: S. Rosalia, 1744 aufgestellt. — Für den lieblichen Wolilgerucli sorgte das Municipio durch Anpflanzungen. Der **I)oill (D 3), der S. Rosalia geweiht, ist ein überaus pittoresker, phan- tasiereicher Bau des 12. Jahrli. und überrascht durch seine mannigfaltigen malerischen Prospekte, den glühenden, tiefbraungelben Ton seines Mauerwerks, die eigenthümliche Eleganz der sicilischen Gothik und des sieilisch - romanischen musivischen Fläclienschmueks. Leider stellt der Einhau einer modernen Kuppel in Renaissanceform in schroffem Widerspruch zu diesen Linien, dagegen vollenden die schön gearbeiteten vier Tliiirme an den Ecken des Baues und der weit nach W. abstehende imposante (1835 theil weise erneuerte) grosse G locken- tlnirm, von runden Ilalbthiirmen llankirt und durch zwei Bögen mit der Kirche verbunden, den originellen Eindruck dieser schönsten Kapelle Siciliens. — Die reiche Masse aller Gliederungen, Säulclien und Ornamente ist durchweg in Marmor, das Mauerwerk in dem porösen Palermitaner Kalkstein ausgeführt. Auf die 187 2 . Taleriuo (Dom). 188 äussere, Architektur und die innere Anordnung scheint auch die englische Heimat des Stifters eingewirkt zu haben. Der Bauherr des Doms war Waltci• of tlic. MM (von der Mulile) t ein Engländer, Hofkaphui König Heinrichs IT. von England, dann an den Normannenhof in Palerni > gezogen und seit 1170 als Erzbischof unter dem Namen (iualterins Oiihamilim die Kirche von Palermo regierend. Seinem grossartigen Projekt kam ein grosser Schatz zu Hülfe, den er angeblich bei dem Graben der Grundmauern von S. Spirito (vor der Stadt) in einer Urne fand. So trat an die Stelle, wo einst die im Jahr 600 erbaute Basilika sieh erhoben, welche die Savacenen in eine Moschee verwandelt hatten, seit 1185 (Jahr der Weihe durch Walter) ein neuer Prachtbau. — Es wurde seitdem an dem Dom stets fortgearbeitet und im 14., 15. und 16. Jahrh. Bauten hinzugefügt. Dennoch bewahrte derselbe bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts noch ziemlich ungetrübt seinen ursprünglichen Charakter. Erst der königliche Architekt Ferdinando Fnga aus Toscana gestaltete, im vollsten "Widerspruch mit der Aussenseite, das Innere in einen Tempel modern römischen Stils um und liess die störende Kuppel errichten. J)ie Südseite des Aussen bau cs ist völlig frei dem grossen Platz zugewendet und hat an den Obcrwnnden noch die einfachen und durchschneiden- den spitzbogigen Arkaden, die reiche musivische Inkrustation, die abschliessenden mächtigen, von phantastischen Konsolen getragenen Bogenfriese und einen noch maurischen Zinnenkranz. Die Vorhalle der Südseite ist ein reizender Bau mit drei schlanken, gestelzten, von vier Säulen von oricntalischcmGranit getragenen Spitzbögen mit Keminiscenzen an saraccnisehe Vorbilder; die flankircn- den Thiinne wurden nicht aufgebaut und leider an die Stollc’der alten Bekrönung ein antikisirender breiter Giebel (1450) aufgesetzt. An der 1. Säule 1. ist eine kufische j Inschrift aus dem Koran (7. Sura, 55. Vers: »Euer Gott hat den Tag geschaffen, dem I die Nacht folgt, und der Mond und die i Sterne sind beigefügt zum Werk nach j seinem Befehl. Hat nicht Er alle diese ! Dinge geschaffen? Ist nicht Er der Ge- | bieter? Gelobet sei Gott, der Herr aller ; Zeiten«).-— Auf den Bogen ist Gott-Vater i skulpirt, im Pontiticalgewand, sitzend und ! segnend, in der Linken das offene Buch; ■ dann zwei Engel mit musikalischen Instru- j menten; die Verkündigung; die Wappen I von Aragonicn, der palermitanischen Kirche \ und der Stadt; endlich zahlreiche Propheten, Patriarchen, Apostel, Heilige; am Karnies Thiere, Monstren, Biattornamente. Innerhalb (1er Povticus, an den Wänden: Inschriften ; 1. Belief der Krönung des Vittorio Amadeo von Savoyen, 1713; r. Karls III. Bourbon, 1735; an den Seiten in Nischen die Evangelistenstatuen. Die *Thiir , welche ^us der Vorhalle in die Kirche fuhrt, ist eine sein* saubere und feine Marmorarbeit von 1425. Der Spitzbogen von sechs gewundenen Säulen flankirt, am .Fronton die Apostel und Evangelistcnsymbole; oben der segnende Christus; darüber das Kreuz und auf dem Bogenscheitel der doppelküplige Adler, das Wappen der Kathedrale; zuletzt in einer Nische die Madonna und zwei Engel mit Kreuz, Dornenkrone und Leiter. Die lateinische Inschrift (mit gothisehen Buchstaben) berichtet, dass die Marmorthür 1425 vom Bildhauer Antonio Gambura ausgeführt wurde. Die Wcstfaijadc, von 1350 — 00, ist sehr eigenthümlich ungeordnet. Die Wand, an welcherLisenen die dreiSehiffe dev Kirche andcuten, wird oben von einer Arkadengallerie und von zierlichen spitzen Zinnen abgeschlossen. Zwei hohe, schlanke Thünne, in sechs Geschosse getlieilt, mit zweitheiligen, meist spitz- bogigen Oeffnungen, iiankiren die breite Vorderwand. Sie sind mit vielen Säulen und verschiedenfarbigen Marmorstücken aufs reichste dekorirt, in reizvollster Gruppirung; unvcrjiingt werden sie oben von einem kleinen spitzen llelm bekrönt. — Drei Portale führen ins Innere. Das *Mi ttc 1 portal ist ein überaus köstliches Werk, eine »Mischung einheimischer und fremder Formgedanken« von reichster harmonischer Wirkung. Die Ornamente sind mit Geist und Flciss aus- gcfülirt, die Akantlmshlätter der Kapitale von leichtestem Schwung, die Figür- clien antikisirend. Die Chor Seite hat noch grosse] i- theils das alte Gepräge bewahrt und bildet eine sehr malerisch gruppirte 13au- massc; die Hauptapsis lehnt sieh an die gerade geschlossene Fa^ade, und an die Seitenapsiden schliessen sich die Thtirme aufs engste an; die beiden Querschiffe sind deutlich markirt. Die reiche Gliederung ist mit sehr feinen Gesimsen geschmückt, und die Färbung der Ornamente sowie 180 2. Palermo (Dom). 190 die Zinnen verstärken die pittoreske Wirkung. Der Glockenthurm, im W., nach toskanischer Weise isolirt, ist durch zwei hohe Spitzbögen über die Strasse hin mit denn Dom verbunden und steigt am Nordende des erzbischöflichen Palastes auf. oben) völlig umgcstaltet worden, zwar ein gutes 'Beispiel der wieder erwachenden Klassicität nach den Ausschweifungen der Barockzeit, einfach in der Anordnung und keusch im Ornament, aber im vollsten Widerspruch zur Ausseuarchi- j tektur. innnfmnn uwmfm * xxjkii± mx-a. ;:i.i..ip. >.& muw ttt-t+ft-t ttttHfc ilCMIIlllf MmflR Die Ost-fa^adc des Doms zu Palermo. Er wurde 1885 theilweise erneuert, seine Grundform blieb jedoch diealtc, ein Viereck, von runden Halbthürmen umgeben, welche in jedem Geschoss eine offene Säulenstellung zeigen, die Mauermasse durch breite, vielgliedrige Fensteröffnungen durchbrochen. Das Innere (von 12 — 4 Uhr geschlossen) ist 1784—1801 von Fuga (s. Die Kirche ist diviseliiftig und bildet ein lateinisches Kreuz, die Spitzbögen wurden in Kundbögen verwandelt, die leichten Säulengruppen in schwere Pfeiler, die ursprüngliche Dekoration der Oberwand und die llolzdecke ganz entfernt, die Wände und Wölbungen übertüncht; kaum lässt sich noch die ehemalige Form der Fenster, durch Mittelsäulen gegliederte Spitzbögen, erkennen. — An das Langhaus scMiessen sich zwei Querscliiffe an, nur wenig vorspringend; im ersten bilden vier Pfeiler die 191 2. Palermo (Dom). 192 Vierung; die eingesprengte moderne 'Mittelkuppel unter dem Bau ganz stilwidrig. Der (üior schliesst mit drei Apsiden. In der 1. und 2. Kapelle des re cli t en Seitenschiffs sind die *• Kihvif/S - (jräbev. 1. Csipp. r., vorn: der Por- phyrsarkophag Kaiser Heinrichs VI. Sechs Säulen mit leichtem geraden Gebälk tragen das offene mit Porphyrplatten bekleidete Giebeldach: auf dem Sarkophag ist an dev Kopfseite eine Hose, Pinten mit einem Schild, an der Fusssoite die kaiserliche Krone und die Hand mit dem King skulpirt. Die Inschrift lautet: Dem Andenken Kaiser Heinrichs VI., Königs von Sicilien, gcst. in Messina, September 111*7. — Beim Eröffnen des Sarges war die Leiche trefflich erhalten; lange, rothe Haare holen vom Scheitel zur Schulter, und ein dichter rother Vollbart umhüllte das Kinn. Die Leiche war in einen reichen Mantel gehüllt und die kaiserliche Mitra (mit arabischer Inschrift) lag zu Füssen. K, neben Heinrich VI., an der Wand, ist der weisse Marmorsarkophag von Costanza (II.) von Aragonien, Gattin; Kaiser Friedrichs II., gest. zu Catania,! 23. Juni 1222. j Der Sarkophag ist antik und mit dem j Relief einer Jagd geschmückt; die Grab- j schrift lautet: »Fürstin Sicaniens einst, Gon- ; stanze, und Dir, Friedericus, hohe Gattin, , ruhe ich nun liiere (Sicanie regina fui Constantia, eonjux Augusta hic habito nunc Federice tuaj. Hinter Heinrich VI. der Porphyrsarg von Costanza (l.), Tochter König Rogers, Gattin Heinrichs VI., Mutter Kaiser Friedrichs II., welche Sicilien an die Hohenstaufen brachte. Das Grabmal ruht, auf mosaieirten Mar- morstützen, an der Kopfseite ist eine Kose und ein Adler skulpirt, an der Fusssoite die kaiserliche Krone und ein Kreuz. Sechs mit. vergoldeter Mosaik umwundene Säulen stützen den Baldachin. Die. Grabselirifö berichtet, dass die Jetzt« des königlichen Stammes der Normannen zu Palermo am 27. Nov. llbö starb. 2. Capp. r., vorn: I)cr Porphyrsarkophag Kaiser Friedrichs II. , ein grandioses Prachtwerk, ganz aus Porphyr, sannnt Säulen, Cornichon und Baldachin. Auf dem Deckel in sechs Medaillon- reliefs: I. die Madonna und zwei Evangelistensymbole, r. der segnende Christus und zwei Evangelistensymbole, zu Häupten eine Kose und ein Löwenkopf, zu Füssen das Kreuz und die kaiserliche Krone. Die Grabsc.hrift berichtet, dass der Kaiser zu Firenzuola (bei Lueeria) in Apulien am 12. Dec. 1250 starb. Der Sarkophag ruht auf vier Löwen mit Menschen in den Tatzen, der Baldachin ist als Schiffskiel gebildet. Die gesammte Arbeit beweist, dass man damals die Bearbeitung des härtesten Steins trefflich verstand; Komposition und Ausführung deuten auf Kunde der Antike. — Friedrichs Leiche geleiteten sechs Scharen Reiter und seine saracenisehe Leibwache zur Gruft in den Dom von Palermo, in welchem er als Kind die Königskrone erhalten hatte. Beim Eröffnen (1781 im Auftrag des Königs) fand man den Leib mit drei Tuniken bekleidet, die oberste überaus reich; es waren die kaiserlichen Gewänder, welche die sieilischnn Saracenen 1211 dem Kaiser Otto IV. geschenkt hatten; Schwert und Scepter lagen an seiner Seite, der Reichsapfel auf dem Kissen; aber über den Kaiser waren zwei andere Leichen gelegt, die eine von Peter II. von Aragonien; die andere eine Frauenleiche. L. neben Kaiser Friedrich, an der Wand, ist der weisse Marmorsarkophag von Wilhelm, Herzog von Athen und Neopatria, Sohn Friedrichs II. von Ara- g-onien, gest. zu Palermo 1338. Auf dem Deckel die liegende Figur des Verstorbenen im Dominikanerkleid; an den Enden zwei Schilde mit den Wappen von Aragonien und Schwaben. Hinter dem Sarkophag Friedrichs II. steht der Porphyrsarkophag des Königs Hoger. Es ist ein mit Porphyrplatten bekleideter Kalksteinsarg mit figurirten Marmorstützen; der Baldachin ist von Marmor und wird von sechs korinthischen Säulen getragen, mit. Erics und Ornamenten von vergoldeter Mosaik. Vorn am 8ockel lautet die Inschrift’: »Der Ruhe und dem Frieden Rogers, des gestrengen Herzogs und ersteu Königs von Sicilien. Er starb zu Palermo im Februar 1154.« Rundgang in den Kapellen. 3. Oapp. r.: Vi'lakqnpz, s. -Cristiua. — Der Seitenthür gegenüber: Marmor- IVeikhpcken mit zwei Abtheilungen Reliefs (unten: Heilung des Gichtbrüchigen, oben: Quelle Mosisj von Sputa,foro und JwburrucoccJduo. — 4. Capp. r.: JHetro A ’ovelli, Loyola und Francesco di Paola vor Christus. — An der rechten Wand: Cre»censio (?), S. Cacilia, ca. 145JO. — In der Capp. r. vom Chor {Capp. S. Rosalia), an den Wänden: zwei Reliefs {Geschichten S. Rosalia’s), von Vulerio lUho-eule, Schüler Canova’s; die Marmorarabesken der Capp. von Gagini. Der ciselirte, 412 Kilogr. wiegende SUbcvsarg S. Rosalia’* ist von 1Ü31, wird nur am 11. Jan., 15. Juli, 1 Sept. enthüllt, und darf bei der Procession nur von Steinhauern getragen werden, weil durch diese die Reliquien auf Monte Pelle- grino gefunden wurden. —• An den Wänden der Tribüne und an den Seitenpfeilern r. und 1.: cif Apostelstatuen von Gaßni, unter jeder ein Relief des Martyriums. — 193 2. Palermo (Dom — Piazza Vittoria). 194 Die Deckenfresken über dem Hochaltar (Herzog Robert G-uiseard und Graf Roger vertreiben die Saracenen aus dem Dom Pa- lermo’s) sind von MaHano ltossi von Sciacca. L. vom Hochaltar über prachtvoll angelegtem' Fussbodcn der königliche mosaicirte Marmorthron, mit der Aufschrift: »Prima se.des, corona regis et regni caput«; r. der erzbischöfliche Marmorstuhl mit der Aufschrift: »Trinacriae prima metropolis sede«. — 8. Cap]).: 1. der Altarpaliotto und die Grabmäler mit .Skulpturen von Gagini (Passion). — 7. Capp. 1.: Madonnenstatue von dem Veuetianer Francesco Laurano, 1469. — Am vierten Pfeiler 1. (der Seitenthür gegenüber) : IVeihbecken mit zwei Abtheilungen Reliefs; unten Taufe Christi, oben Segnung des Taufwassers; Florentiner .Schule. — 2. Capp. 1.: Gagini, Madonneustatue. Die Un t erkirche (Cimitcro di tutti i santi), zu der man beim königlichen Thron hinabsteigt, ist ein interessanter mittelalterlicher Bau. Sie bildet jetzt zwei Schilfe mit Kreuzgewölben. Zwei Reihen von je acht kurzstämmigen Säulen sind durch Spitzbögen verbunden. Die Säulen sind grösstentlieils von Syenit und haben breitblätterige Kapitale. Ursprünglich war sie drcischiffig, aber das dritte Schiff wurde bei der erfolgten Plan- veränderung des Oberbaues durch das Eingreifen der Grundmauern desselben zerstört. 1 1 v i 17 7T7? TT IT 9 10 11 12 13 R 13 5 0 7 16 17 18 1 *rr 20 21 Grabmäler d. Erzbischöfe im Dom zu Palermo. In dieser Krypta sind die *GrabniiHev von 'i4 Evzbi schüfen von Palermo: 13. Ce- sare Marullo, gest. lf>88, antiker Sarkophag mit kalydonisclier Jagd. — 4. Francesco d’Antioehia, römischer Sarkophag mit Tem- pelfa^ade und Grabschrift auf Tacitianus und seinen Sohn. — 5. Ottavio Preconio, gest. 1548, in elegantem Renaissancesarg. -- 7. Sarg aus parischein Marmor mit festfeiern- den Musen, die einen Dichter krönen. — 8. Nicodemo, griechischer Bischof, der letzte unter den Saracenen; die Gestalt griechisch segnend nnd mit griechischem Kreuz. — 5». Federigo d’Antiocliia; die Figuren am Sarkophag antik, der Krieger auf dem Deckel von 1305. — 11. Bartolomco d’An- tiochia, antiker Sarkophag mit Thür und Festons. ■— 12. Giov. Paternö, gest. 1511. Die Relicffigur im Pontifikalgewand vortrefflich; der Sarg antik mit Opfer. — 14. Tedeschi; römischer Sarkophag der Verfall- Unter-Italien. II. zeit (Einweihung der Ehe). — 15. Sarkophag aus parischem. Marmor, mit Thür und Ornament wie 11. — 16. Walter of the Mill, Stifter der Kirche, gest. 1190, mit Mosaikverzierungen und vielen Inschriften. — 17. Ugone, römischer Sarkophag mit Masken. — 19. Giov. Orsino, gest. 1333; römischer Sarkophag mit unvollendetem Bildnis. — 24. Marmoraltar mit Mosaik; am Paliotto der Grabstein des S. Cosino (gest. 1160) ; römisch mit zwei Halbfiguren, die eine Schriftrolle in Händen halten. Zwischen dem Campanile des Doms und der Via Vittorio Emanuele nimmt die Westseite des Domplatzes der er?:- bischöfliche Palast ein, Pal. Arcivescovile (Do), 1460 erbaut und später vergrÖssert. Ueber dem Portal sieht man das Wappen der Bologna, da der Erzbischof Simone Bologna der Bauherr war; am Eude dieser Ost- fa<;ade, gegen die Via Vittorio Emanuele hin, sieht man in der untern Reihe ein überreiches gothisches Fenster aus der Verfallzeit des gotliischen Stils. Am Anfang der Fa^ade gegen die Piazza Vittoria hin ist ein langer, weissmarmorner Balkon mit Konsolen, welche Vincenzo Gagini, Sohn Antonio’s, 1579 skulpirte. Der alte bischöfliche Sitz zur Zeit der Normannen war hinter dem Dom, wo jetzt die Badia nuova ist. Zu dieser gelangt man an der rechten (östlichen) Schmalseite des Doms längs der Piazza dei sette angeli hinan, und am Ende 1. in die Via dell’ Incoronazione. Hier liegt sogleich r. (Nr. 5 u. 179) die Badia nuova (D ;3), ein Bau von 1050. Deren Schiffdecke mit guten *Fresken von Pietro Fovdli (in 13 Abtheilungen Christi Himmelfahrt, Franciskus 1 Paradiesesweg, Bonaventura’s Inspiration, S. Clara’s Einkleidung und Krönung, S. Ludwigs Fuss- wasehung u. a.) bemalt ist. — 1. Capp. r. S. Franciskus, von Kovelli. Der Via Incoronazione westl. gegenüber liegt am Nordende des erzbischöflichen Palastes das Spedale dei Sacerdoti (della reconvalescenza), in dessen Kapelle (Zugang r. aussen die Treppe hinan, daun in Piazza Papireto 1.) am Hauptaltar Pieta von Marcello Venusti } am Altar r. S. Rosalia von Vau Dyclc hangen; Tan- credi bemalte die Decke. — An der Ost- seitc des erzbischöflichen Palastes durch Via Bonclla zur Via Vittorio Emanuele zurück, kommt man siidostwärts zur grossen Piazza Vittoria (C 2), der 7 195 2, Palermo (Cascrma ddla SS, Trinita). 196 grösste, aber am wenigsten belebte Platz Palenno’s, obschon ihn der erzbischöfliche Palast, die Präfektur, das königliche Schloss und zwei Kasernen umgeben. ' Atriums zur Königsburg, an welchem die Wohnungen der Hofpersonen, die Staatsrathssäle, die Seidenmanufakturen und das alte römische Theater lagen. Erst 1441) wurden die letzten lieste dieser altern Zeit zerstört. Palazzo Sclafani (Cascrma della SS. Trinita) zu Palermo. mifiä -'-Ä -,-LYsWW. i„ i)!n'' r ~t iwr liiüi' j. ; jji j._j. J_L_l Schon 1820 hatte der Platz in Erinnerung des Siegs der Volkswatfen gegen die neapolitanischen Truppen diesen Namen erhalten. 1848 war hier noch ein köstlicher Garten mit Fontänen und Sitzen, aber bewaffnete Volkshaufen zerstörten ihn und drangen auch unter dem Huf Vittoria in die königlichen Gemächer des Schlosses. 1860 fiel der Palast in die Hand Garibaldi’s; der Platz wurde nun definitiv Vittoria genannt. Unter den Normannen war der Boden mit Marmor- iliesen bekleidet und bildete eine Art freien Gegen die Ostseitc des Platzes hin liegt, von langem rechteckigen Gitter umschlossen, der Best einer antiken römischen Wohnung. Kustode im anstossenden Häuschen (40 C.); er hat auch die Schlüssel zum Crescenzio- Geinälde inderCaserma della SS. Trinitä); — 1868 beim Aufpflanzen eines Balkens für das Feuerwerk zu Ehren des Umberto und der Margherita aufgefunden. Man sieht jetzt noch sieben (tlieilweise erhaltene) Mosaikböden, deren zwei schönste ins Museum kamen (S.219), Zimmerabtheilungen, Cisternea, Baderaum, alte Bausteine, einige Kapitale und Sliuleustümpfe. Am Ende der Eingangsseite (O.) des Platzes liegt die Caserma della SS. Trinita (Schlüssel: der Kustode der antiken Wohnung; */2 Fr.), einst der Palast des Grafen Matteo Sclafani, dann von der Gemeinde gekauft und 1435 zum Bürgerspital umgcwandelt und seit 1852 als Kaserne benutzt. Laut Tradition vermass sich der Graf Matteo Sclafani, als Manfredi Chiaramonte, der an der Piazza Marina den gewaltigen Steri (S. 166) hatte erbauen lassen, in einem Jahr einen noch imposantem und glänzendem Palast zu errichten; einelnschrift von 1330 bezeugte den Bau innerhalb dieser Zeit. Der Palast zeigt nur an seiner Süd - und Ostseite (von Via Biscottari gut zu sehen) die Koste seiner alten gotlvi- schen Dekoration, die noch auf die ältere Bautradition zurückweist. Das Erdgeschoss wird durch schmale Lisenen gegliedert, dann folgt ein schweres Gesims, über welchem die sich schneidenden Rundbögen aufsteigen und spitzbogige gekuppelte Fenster (mit Rosetten darüber) umrahmen; schwarze und gelbe Steine bewirken einen angenehmen Farbenwechsel. m 2. Palermo (Porta nuova, Palazzo Keale). 108 Der dunkle Hof hat unten eine Säulenordnung in .Renaissance und darüber go- thische Bögen mit feinen Saulehen. ln den Arkaden des /weiten Hofs r. (Sclilüs- se) s. o hen) ist ein berühmtes * Fresko von Cresccnzio (ca. 1490) erhalten: der Triumph des Todes. Kino phantasievolle Produktion, vielleicht von dom Bild im Campe santo zu Pisa inspirirt; der Tod auf blassem Koss, unbekümmert um die Armen, die für ihr Knde seufzen, ebenso aber auch den Hoeli- gebornen vernichtend und den Reichen bedrohend. Die Figuren sind zusammeuge- zeichnet, ohne grosse Rücksicht auf geeignete Vertheilung, die Konturen aber von grosser Genauigkeit; eine anmutliige Geziertheit eharakterisirt die Frauen ; magere und eckige Formen bezeichnen die -dünner. »Man wird an Gentile da Fabriano erinnert.« (Cr. u. Cav.) und an die Neapolitanerfresken in 8. Seve- rino; doch steht Orescenzio noch höher. Die Westseite des Vittoriajfhitzcs begrenzt r. die Porta llUOVa (C 2), ein 1584 als Triumphbogen errichtetes Tlmr zu Ehren des Einzugs Karls V., 15 iSept. 1555. Aber 1067 zerstörte, der Blitz durch Anzünden des im Obergeschoss gelagerten Schiesspulvers den stolzen Bau, der dann durch Gaspare, Guercio nach dem alten Entwurf wieder aufge- fiihrt wurde. Von der kleinen Laterne der Höhe, zu der man auf bequemer Treppe hinansteigen kann, geniesst man ein herrliches ♦Panorama der »Stadt, der prächtigen Vegetation umher und des Meers. — Das Thor (ein sehr , schöner Bau) ist 4h m. hoch und hat drei Geschosse; gegen Moureale hin ist der Bogen , unten rustik, mit den Reliefs von vier Sara- cenentelamonen; um die Corniclie der zweiten Ordnung läuft eine Loggia mit Marmorbalustrade, unten mit vier Medaillonbüsten i und oben mit leichten ionischen Säulehen die viereckige Pyramide stützend, wo der paler- mitanische Adler in Email dargestellt ist. Mit diesem Thor ist mittels eines 1578 j erbauten Korridors verbunden: Der j ^Palazzo Keale (C 2), der die Westseite j des Yittoriaplatzes auf erhöhter Terrasse ! begrenzt, ein echt historischer Bau, d. li. | ein Nebeneinander von Bauten und Thür- | men der verschiedensten Epochen an der , höchsten Stelle der Stadt, und in dieser architektonischen Mischung doch imposant und die grossartigen Verhältnisse ' der alten normannischen Herrenburg ; nicht verleugnend, von der fast in der ! ] Mitte noch die stolze Torrc Pisana, spä- ■ ter Santa Ninfa genannt, aufragt. 1 Der Palast, von den Saracenon im !*. Jahrli. an der Stelle des Baues für die römischen Magistraten errichtet, wurde von den Normannen zu einem, von dem Araber Djobair schon im 12. Jahrh. hochbewunderten Palast umgeschaffen. Zur Zeit der ersten normannischen Regenten war der Palast eine weitläufige Festung (El Halka); innerhalb dieses Mauerumfangs lagen eine Menge kleiner Paläste für die häuslichen Bediirf- ! nisse des Ilofs und für die Audienzen und 1 Wachen; zwischen diesen Gebäudetheilen i und zwischen Portiken, Kirchen und Ka- ! pellen ragte gegen S. der griechische Thurm, gegen W. der pisanische Thurm, gegen 0. der rothe Thurm auf, und zwischen diesen . Thürmen liefen diejenigen Tlieile der künig- j liehen Residenz, welche Ghirimbri nnd (die ! glänzendere) Gioaria liiessen. — Am Fuss der königlichen Gemächer that sich der geräumige Hof auf, den TJgo Falcando die Aula regia nennt, d. li. die Reste eines antiken Theaters, dessen Sitzreihen noch erhalten | waren (und im Mittelalter zu Volksversamm- i lungen und Parlamentssitzungon dienten). , Von dieser Citadelle ging der gedeckte Gang ’aus, der die Emire zur Moschee und die I normannischen Regenten zum Dom führte | (eine lange Loggia, die in der Mitte der : Piazza Vittoria an der äusseni Ostmauer ' der Halka begann, die Linie der Via Vittorio I Emanuele durchzog und, einen Halbkreis be- ■ schreibend, den jetzigen Garten des Erz- ' bischofs durchschnitt). — Die Via marmorea, j die Centralader der alten Stadt, begann von ! der Via eoperta, bildete in der untern Hälfte ; der Piazza Vittoria eine Kurve und zog dann, ziemlich der Via Vittorio Emanuele entsprechend, nach S. Antonio. CIgo Falcando beschreibt den Palast im 12. Jahrh. folgen- derrnassen: »Der Palast war mit der grössten Sorgfalt und bewunderungswürdiger Kunst von Hausteinen erbaut; weite Mauern schlossen ihn nach aussen ab, und das Innere glänzte von Gold, Edelsteinen und ungeheuren Reichthümern. Au seinen Enden war er von zwei Tliürinen begrenzt, der Pisany, für den Schutz des königl. Schatzes, der Greca, über dem Stadttlieii sich erhebend, der Khemonia heisst. Der Mitteltheil des Palastes, Gioaria genannt, war der herrlichste und geschmückteste, für die Vergnügungen des Königs in den Stunden d< r Müsse reservirt. In weiser Anordnung warf n aufs beste vertheilt die Wohnungen für die Frauen, für die Mädchen und für die Eunuchen, die den Dienst des Königs und der Königin besorgten. Andere kleinere Gebäude, aber von grossem Glanz, wie kleine Paläste, waren beigefügt, wo der König mit seinen Vertrauten die Staatsgeheimnisse und die höchsten öif- ntlichen Interessen mit den Ministem und Baronen verhandelte. Als dem Palast dio Hofhaltung mangelte, wurde er vernachlässigt, so bereits in der zweiten Hälfte dos 1-4. Jahrh., und in den Büi’gcr- 7 * 190 2. Palermo (Palazzo Reale). 200 kriegen beschädigt, so dass schon Martini und Alfonso von. Aragonien zu ihrer Wohnung den Steri (jetzt Tribunale) wählten. Dann verfiel die Umfassungsmauer, und endlich liess der Vicekönig de Vega 1553 die Torre rossa nicderreissen. Zuletzt benahm der Vicekönig Macqueda im Jahr 1600 dem Mitteltheil jede Spur der alten Architektur , liess die gegenwärtige Fa^.ade mit Fenstern und Baikonen errichten und den Hof mit den drei um alle vier Seiten laufenden Loggien übereinander. Die Torre Ureca verschwand unter den Neubauten, und nur Torre Pisana (Santa Ninfa) blieb stehen. Sic zeigt nach aussen grosse Spitzbogenpanele in drei Geschossen und hat innen noch einen alten, mit Mosaik geschmückten Saal. fl Der Eingang in das Schloss ist 1. bei der äussersten Thur. Sogleich die erste Treppe 1. hinan, dann r. dem ersten Korridor entlang, kommt man im rechten Korridor zum schönsten Monument der ersten Normannenzeit in Palermo, zur ** Cappella Palatina (Morgens früh für jedermann frei geöffnet; später dem Diener 1 /2 —1 Er.). Vor dem Eingang zur Kapelle nimmt eine Vorhalle die ganze rechte Seite des rechten Korridors ein. Sie ist das Einzige, was von dem die Kapelle ursprünglich auf drei Seiten umziehenden Porticus übrig blieb. Ihre Spitzbögen ruhen auf sieben Säulen orientalischen Granits von ungleichem Durchmesser, mit attischen Basen und korinthisirenden Kapitalen. Die Wand ist mit Marmor inkrustirt, und den obern Tlieil liess Ferdinand der Katholische 15U6 durch Giovanni Sancliez mit Mosaiken bekleiden, die 1800 von Cardini erneuert wurden (Geschichten Ferdinands und Rogers, ohne künstlerische Bedeutung). Jj. sieht man an der Wand eine berühmte Inschrift in drei Sprachen, von 1142. Dreisprachige Inschriften und Diplome waren in der Normannenzeit überhaupt üblich. Sie bezieht sich auf ein damals verfertigtes kunstvolles Uhrwerk. Die lateinische lautet: »Dieses Uhrwerk liess der i-Ierr und königliche Gebieter Roger 1142 im 13. Jahr seiner glücklichen Herrschaft errichten«. — 'Die griechische ist nicht so knapp und stolz, sondern schmeichlerisch und feinsinnig an- spiolcnd: »O neues Schauspiel! der starke Herr und König Roger, von Gott mit dem Scepter belelnu, bezwingt den Strom des Weltganges und verbreitet die dem Irrthum nicht unterworfene Kunde der Stunden der Zelt«. — Die arabische drückt die fromme Ergebenheit und Demuth aus: »Die königliche, hochverehrte, erhabene Majestät Rogers, deren Tage Gott verlängere, begünstige und glücklich erhalte, hat die Verfertigung dieses Wttndcrwcrks anbefohlen, um die Stunden zu bestimmen in der behüteten Hauptstadt Siciliens, im Jahr 536«. — So wurde jedem der drei Stämme nach seiner Eigen- tliianlichkeit sich auszusprechen gestattet. Aus der Vorhalle tritt man durch die Thür 1. in einen bedeckten Gang, an dessen rechter Wand der Nebeneingang zur Westthür ist, die noch ihre alten ftronze- jliUjel hat; aufrechte Akanthusblätterum- ralimen die Flügel, in den Feldern sind fünf LowenkÖpfe, und säumende Plattbänder umziehen dieselben. —Der Ilaupt- eitigang in die Kapelle ist aber an der Südseite. DieKapcll e, klein(30m.lang, 12 m. breit), aber von bezaubernder poetischer Pracht, ein »höchstes Kleinod der frühmittelalterlichen Kunst«, glänzt im reichsten Schmuck der Goldmosaik, die alle architektonischen Glieder bedeckt. Das dämmernde Licht, die Farbenpracht und der Goldscliimmer, die originelle Vereinigung der verschiedensten baulichen Formen in diesem kleinen Raum zu einer reizenden Einheit, ergreifen den Eintretenden in wahrhaft magischer Weise. Sie ist das vollendetste Beispiel der normannischen Auffassung des religiösen Baues und zeigt zugleich aufs deutlichste, was dieselbe der arabischen verdankt. Die Gliederung ist eine sehr einfache und der architektonische Aufwand ein geringer. Die drei Schiffe werden durch antike Säulen (von ägyptischem Granit, Ci- pollino und weissem Marmor) mit antiki- sirenden Kapitalen getrennt; die Säulen sind in weiten Abständen durch je fünf, in ihren Schenkeln senkrecht sehr verlängerte Spitzbögen (wie sie die Araber liebten) verbunden. Ueber der Vierung erhebt sich auf vier weiten Spitzbögen, die durch gekuppelte Säulen gestützt sind, die byzantinisch konstruirte (15,6m. hohe) Kuppel mit acht kleinen Fenstern. Der Raum unter der Kuppel und die mittlere Apsis erlichen sich um fünf Stufen und sind durch mosaicirte Marmor- schranken vom Schiff getrennt. Das Langhaus ist durch ein seltsames (hei den Arabern beliebtes) hölzernes Stalaktiten- gewölbc (flach) geschlossen, und diese tropfsteinartige Decke, mit deren Hänge- 201 2. Palermo (Palazzo Reale). 202 werk sternförmige, mit kufisehen Inschriften (zum Lob des Schöpfers) eingeralnnte Kassetten wechseln, ist mit reichen Farben und Vergoldung geschmückt. Die Seitenschiffe haben schräge Holzdäclier, in deren Rinnen Heilige gemalt sind. — Der Fussboden ist mit Porphyr und Marmor bekleidet. Wände, Bögen , Kuppel und Apsiden sind (selbst an allen Kauten undEcken) mit Goldmosailceu aufs prächtigste bedeckt, die theils nach der Einweihung der Kapelle (1140), theils 1143 und noch später entstanden. (Bestes Licht Mittags zur Winterszeit.) »Dieses dekorativ unendlich reiche Innere zu sehen, wenn die Priester in ihren reichen Gewändern zum Kirchengesang erscheinen und das Sonnenlicht durch die kleinen Kuppelfenster über die Weilirauch- wolken niederfliesst, welche an den in Gold und Farbenpracht strahlenden heiligen Geschichten au den Wänden in beleuchteten Wirbeln zur Höhe ziehen und Effekte lier- vorrufen, wie sic nur ein Rubens wiederzugeben vermochte, ist schon allein eine Reise nach Sicilien, und eine mühsame, werth! « (Dennis.) Die Reihenfolge der Bilder folgt der mittelalterlichen Anordnung; die Wände des Hauptschiffs beginnen mit der Ver- heissuntj (in 34 bezüglichen Darstellungen aus dem Alten Testament), der Chor enthält die Erfüllung in Christo; die Seitenschiffe stellen die heilige Gemeinde dar (die Wirksamkeit des Petrus und Paulus; Heilige). Den Anfang macht die auf den Chor folgende Südu-.and. Es folgen sich: Schöpfung, Sündenfall, Abel (Lamm Gottes), Henoch (der Aufgefahrene), Noah (Retter aus der Siindfiut), Opfer Abrahams (vorbildliches Opfer) u. a. Ueberall sind erklärende Inschriften (im Chor griechische, in den Schiffen lateinische) angebracht. In der Hauptapsis: die kolossale Hälbfigur Christi, griechisch segnend, unten die Jungfrau, der Täufer, Jakobus, Maria Magdalena, Petrus. In der nördlichen Apsis kolossale Halbfigur des Paulus, darunter S. Anna, Maria, Philippus, Sebastian. In der südlichen Apsis die kolossale Halbfigur des S. Andreas (an der Stelle eines Petrusbildes), darunter Joseph mit dem Christuskind, Barnabas, Stephan. ] Der Stil der Mosaiken ist ein schon i von den byzantinischen Traditionen sich I tlieilweisc emaneipirender; Perspektive und | Chiaroscuro fehlen noch und die Zeichnung ; ist oft unbeholfen; aber die Motive sind meist ! sprechend, Gewandung und Gestalten c)n- , fach und würdig. Eine grosse Zahl ist erneuert oder restaurirt. Am vorzüglichsten sind die Begebenheiten des Petrus und Paulus (an den Seitenschiffen), die Heiligen- und Prophetenfiguren (am Seitenschiff r. und oberhalb der Bögen des Langhauses) unddieEu- gel (in der Kuppel), der Einzug in Jerusalem und die Flucht nach Aegypten (an der r. Querwand des Chors). Eine lange Kunst- Übung musste solchen naturalistischen Dax*- stellungen vorangehen. R. an den erhöhten Chor «ich anschliessend stützt sich ein Ambon (Kanzel) von weissein Marmor mit Mosaiken auf zwei Pfeiler und vier Säulen mit vergoldeten Kapitalen. Vor der ersten Kanzelsäule r. erhebt sich der * Osterleuchter, von weissein Marmor, auch ein Werk des 12. Jalirli. Er ist 5 m. hoch, ruht auf viereckiger Löwenbasis und ist mit köstlichen, der leicht tragenden Funktion des Leuchters entsprechenden Gestalten und Blattwerk geschmückt; unten Jäger, Löwen, Hunde, Weinlaub mit Vögeln, vier grosso Adler; es folgen vier Engel, der thronende Christus einen Bischof segnend, ein Engel führt eine Seele zum Erlöser. Dann vier Raubvögel, mit ihren Schnäbeln Vögel fassend, welche ursprünglich die Schale stützten, dann die schön gezeichneten vier Figuren, welche die Schale mit gehobenem Arni halten; sie sind ein Zusatz des 15. Jahrh. Am Westende des Mittelschiffs, dem Sanctuarium zugewandt, erhebt sich der prächtige, mosaicirte, weissmarmorne Königsthron. — Auch die Weihbeclcen sind musivisch ausgelegt und ruhen auf Porphyrschäften mit Löwenbasen. Vier Inschriften, an der Nordseite eine von 1130, über der Westthür des nördlichen Seitenschiffs eine von 1340, an der Wand desselben von 1462, im südlichen Seitenschiff von 1463 bezeugen stetige Restaurationen der Kirche. Westl. neben der Kapelle ist die Sakristei; in der Vorsakristei: 1. Belief der Taufe Ferdinands II. Bourbon , geb. 1800; — r. Verlobung der Prinzessin Maria Cristina (Tochter Ferdinands I.) mit Carlo Feliee conte di Genova, 1807; und Verlobung ihrer »Schwester Amalia mit Louis Philippe von Frankreich, 1807. — In der Sakristei die Bildnisse der »Ciantri« (Kantoren). Jenseit der Sakristei: das Archiv, mit zahlreichen griechischen, arabischen und 203 2. Palermo (Palazzo Reale). 204 lateinischen Diplomen aus der normannischen und holienstaufischen Zeit. Die Konse- krationsurkundc der Kirche in goldenen Buchstaben auf Silberplatte mit dem Datum 1140. » Zur Krypta führen am Ende der Seitenschiffe zwei kleine Treppen hinab. Sie hat drei Apsiden und ihre Spitzbögen ruhen aui schweren Pfeilern. Im 1. Geschoss des Schlosses wohnt jetzt der Präfekt von Palermo. Ein Schlossdiener (1 Fr.) fuhrt in die selienswcrthen Säle des Palastes. Aus einer grossen Loggia tritt inan in die (franda Sala nobile von rotliem sicilischen Marmor (aus Castellamare), 1735 durch Karl III. von Bourbon errichtet. — Zurück auf der ersten Treppe kommt man durch einen grossen viereckigen Hof) von dem aus man die schönen Loggien mit Säulen vfcn Steinen des Monte Pelle- grino trefflich übersieht; dann hinten r. durch eine grosse Thür in einige grosse Säle, wo sich früher das Parlament versammelte. 1037 schmückten Pietro Novelli, Gerardo Astunno, Vincenzo la Barbera und Gius. üostantini die Wände mit Fresken. —■ Im 2. Saal: Pietro Novelli, der Siegeswagen; Don Pedro Moncada vertreibt die Mauren aus Spanien. — Im 3. Saal, auch von Novelli: die Parlamentscrüffnung von 163(5; die Fama. — Alle diese Fresken sind sehr verdorben und die Säle dienen zur — Scuderla (Marstall). Im 2. Geschoss tritt man durch eine Loggia in die Sala dei Vicere, wo die Bildnisse der Yicckönige und Statthalter Siciliens von 1488 an hängen. Von da kommt man in die Sala dei venti, eine viereckige Halle in normannischem Stil, von der modernen Windrose an der Krystalldeckc so benannt (war die alte Kapelle Robert Guiscards, einst mit Mosaiken bedeckt, jetzt mit Farben imitirt). — Es folgt die "'Sala Norm an na oder di Ruggiero, ein künstlerisches Kleinod, eine viereckige Halle bildend, an der Ost- und Westwand mit der alten Mosaikinkrustation aus der Zeit Wilhelms I., Zickzackornamenten, Mensche]! Uiui Thicre auf Goldgrund, Pfauen, Schwäne, Löwen, Palmen, Bananen, Orangen; höher Jagdstücke, Kentaurenkämpfe , Arabesken von bezaubernder Wirkung. Wenn auch an vielen Stellen restaurirt, trägt die ganze Bekleidung doch noch das echte alte Normanneugepräge. Nun gelangt man in den grossen Parlamentssaal, wo die Könige von Sicilien oder ihre Repräsentanten das Generalparlament eröffneten. Leider sind unter Karl III. die alten Malereien iiber- tiincht worden, und der Sicilianer Giuseppe Velazquez bemalte Wände und Decke mit den Thaten des Herkules, daher heisst der Saal auch: »Sala d’Ercole«. Es folgt die Sala dell ? udienza oder der Arieti (Widder), weil hier die köstlichen antiken Bronzewidder (jetzt einer im Museum, der andere in der Revolution 1848 zerstört) standen, die der Admiral Georgios Maniakes im 11. Jahrli. aus Konstantinopel brachte. Der grosse, schöne Saal ist in eleganter, moderner Weise mit Reliefs, Arabesken undFresko- malcreien von den Palermitanern Patri- cola, Patania und Riola geschmückt. Zur Torre Pisana (später Santa Ninfa genannt), mit dem Astronomischen Observatorium ; steigt man von der in das 2. Geschoss einmündenden Haupttreppe 1. durch den Gang und hier durch die erste Thür r. hinan (Donnerst. 10—3 Uhr unentgeltlich; sonst dem Kustoden J /2 bis 1 Fr.). Es wurde 1787 von dem berühmten Astronomen Padre Giuseppe Piazzi gegründet, der liier seinen Katalog der Fixsteine entwarf und von hier aus am 1. Jan. 1801 die Ceres entdeckte. Es liegt 75 in. ii. BI. und inan hat hier den herrlichsten *Au sblick über Palermo und seine Umgebung, vom Monte Pellcgrnio über den Hafen und die Stadt hin bis zur Zisa und zur Bagaria. — Von astronomischen Instrumenten sind am sehenswertesten der schöne Meridiankreis (aus Berlin) und der grosse Aequator von Metz, der Chronograph und Pendel und der Meteorograph. Dem linken Schlossflügel gegenüber auf der Piazza Vittoria: das Philipps IV., von 1GC1, seit 185G mit der Marmorstatuc Philipps V. Die Bronzestatue Philipps IV. wurde 1847 zerstört, und die bourbonische Restauration liess sie durch den ersten bourboni- schen Regenten ersetzen. Die acht Statuen an den Ecken bedeuten die acht Philipp IV. unterworfenen Reiche, die vier Reliefs am 205 2. Palermo (S. Giovanni degli Eremiti). 206 207 208 2 . Palermo (8. Giovanni (lej?Ii Eremiti — S. Agostiuo). Piedestal die vier Welttlieile; die vier an den oberen vier Ecken die vier Welttlieile zu, Füssen dos spanischen Königs. An der linken Seite des Schlosses siidwestwärts weiter gegen die Porta di Castro- trifft man an der linken Langseito der Piazza della Pinta, südwärts mit seinenKuppelnaufragend, *'S. Griovaillli (leg*li Eremiti (C 2) (Zugang diesseit der Piazza Pinta, in der Via Bencdettini Nr. 36). Dieser merkwürdige Bau, fast quadratisch, mit fünf Kuppeln und durchweg mit Spitzbögen, ist jetzt als nationales Monumentalwerk von den störenden Umbauten befreit und gut erhalten; laut Urkunde wurde die Kirche 1132 unter König Roger erbaut. Sic hatte die Form T. d. h. vor ein einschiffiges Langhaus ist ein schmales Querschiff gelegt. Das Langschiff wird durch einen Spitzbogen, der auf vortretenden Wandpfeilern ruht, in zwei qnadarate Abteilungen getlicilt und von zwei Kuppeln überwölbt. Das Quevschiff bestellt aus drei Quadraten, deren mittleres grösser ist. Auch diese drei Quadrate werden je von einer Kuppel überragt. Zur Bildung dieser fünf Kuppeln tritt (nach arabischer Weise) über jedem Quadrat von tragenden Bögen und Mauern ein Gesims vor, auf welchem sich vier Spitzbögen aus der Mitte jeder Quadratseite und vier schräge Spitzbögen aus den Ecken erheben. So bildet sich über koncentrischen, treppenförmig einander überkragenden Halbkreisen ein Achteck, welches das Quadrat zur Kreislinie der Kuppel entwickelt. — Das Querschiff hat drei Apsiden, die Ilaupt- apsis ragt etwas vor, die Seitenapsiden bilden nur Nischen in den Querarmen. — Die nördliche Apsis ist in den viereckigen Thurm cingeselilossen, der ebenfalls eine Kuppel trägt, und dessen oberes Geschoss durch einen mächtigen Spitzbogen gegliedert wird. Die Kirche blieb von späteren Entstellungen verschont, ist aber ganz schmucklos. Steinerne Bänke ziehen sich an den Wänden hin. Ueberall ist der Spitzbogen durchgeführt, auch an Tliüren und Fenstern und an den Nischen unter den Kuppeln. Kleine Fenster zwischen den Zwickeln der Kuppel vermitteln die Beleuchtung. Auch der Aussenbau hat ein orientalisches Aussehen; über den horizontalen Ilau- steinmauern, die mit Bändern abschliessen, steigen unmittelbar die nackten Kuppelschalen auf. Ein anstossender Kr e u z gang hat ebenfalls Spitzbögen, auf Säulen mit korinthisi- renden Akanthus, Kapitalen und steilen Basen. In den Ecken stehen die Säulen zu vier. L. neben S. Giovanni Hegt die Kirche der Benedettini hianchi (di Monte Oli- veto), ein Bau von 1769 (4. Capp. r.: eine gute Kopie von Spasimo di Maria Raffaels, von Spagnoletto). II. Der nördliche Stadttheil. An der linken Schmalseite des Domplatzes (I.) 3), der Via Bonelia entlang und unter den zwei Spitzbögen durch, welche den Campanile mit dem Dom verbinden, kommt man 1. über 22 Sprossen hinauf zur öden Piazza del Papircto (I) 2), ein ausgefüllter Platz unter der Caserma S. Giacomo. Bis Ende des 16. Jalirli. war hier ein weit sich ausdehnender Sumpf, der sich über die ganze Contrada di Buon Riposo bis zum Garten des Marchese di Sant’ Isidoro ausdehnte. Di Giovanni schrieb noch 161p, dass er in seiner Kindheit hier die ägyptische Papyrusbinse habe wachsen sehen, und dass sein Vater hier Aale und Wasservögel gefangen habe. Erst als 1591 die Kanalisation bis zum Hafen der Cala unternommen wurde , verschwand der Teich. (In der Nähe, als dem ältesten Stadttheil, war eine Gruppe normannischer Kirchlein, und noch bewahren S. Agata la Guilla, S. Giovanni la Guilla, S. Cristina la Vecchia einige alte Erinnerungen.) Zur Strasse zurück und der zweiten Seitengasse r. (ViaGiojana) entlang, über diePiazza de’ 40 Martiri durch den Vicolo Baisamo in die Via de’ beati Paoli und hier, wo 1. Vicolo Giovanni alla Guilla über dem Bogen steht, durch diesen Bogen und jenseit des Hofs durch den zweiten Bogen, dann in der Strasse r. bis zum stattlichen (1.) Monte di Pieta, durchschreitet man eins jener Quartiere, wie sie seitlich von den alten Burgen und Domen oft zu treffen sind. — Der Monte di Pieta (E3), mit einer dorischen Säulenhalle von 1786 und grossen Sälen, wurde 1591 auf Senatskosten erbaut an der Stelle einer Tuchfabrik, die das zu jener Zeit noch massenhafte Wasser dieser Gegend benutzte. — An der rechten Schmalseite des Monte die breite, mit Fliesen belegte Via dcllo Spirito santo hinauf, kommt man r. (nach Nr. 45) nach *S. Agostiuo (E 4), mit einer Fa^ade aus dem 14. Jahrh. Die Kirche wurde auf Kosten der Familie Chiaramonte und Sclafani errichtet, deren Wappen man an dem schönen Portal sieht. 209 2. Palermo (Nuovo Mercato — Via Macqueda). 210 Den ziemlich flachen Spitzbogen dieses eigenthihnlicli gestalteten Portals schmücken anstatt plastischer Gliederungen drei mosai- cirteEinsenkungen neben einander; anjeder Thürseite sind drei durch ein fortlaufendes korinthisches Kapital verbundene Pilaster. Heber den Bögen umschliesst ein auf kleinen korinthischen Ualbsänlon, einem polychromen Blätterfries, ruhender flacher Giebel ein reiehdekorirtes Nischenfenster. Darüber: ein grosses massiges romanisches Radfenster, dessen Speichen als Säulen gebildet sind. Nun diesseit der Kirche 1. (westl.) durch Via S. Agostino zum *IfU0Y0 Mercato (E 3), an der Piazza degli Ara- gonesi, der besteingericlitcten Markthalle Siciliens, von dem Architekten des Mn- nicipio Giuseppe Damiano ausgeführt. Zuvor waren hier eine Menge ärmlicher Häuser, wo einst unter der Herrschaft der Könige Aragoniens ihre Landsleute wohnten. Der Westseite des Marktes entlang bis zur Stadtmauer, dann an derselben r. durch den Bogen zum Kirchlein *S. Agata li Scor- ruggi (PL E 3), mit trefflichen Deckenfresken (aus dem Anfang des 10. Jahrh.) von Zoppo di Ganci: 1. S. Francesco Lippi, 2. S. Agata von S. Petrus besucht, 3. *S. Bartolomeo. Am Hauptaltar: *Zoppo di Ganci, Martyrium S. Agata’s.— An der linkenWand, l.Bild: Wol- berch (Flamänder), die Anbetung der Weisen, 1580. — Au der linken Wand, nach der 2. Capp., ist (hinter Verschluss) der Brunnen, in welchem am .Tahresfest S. Agata’s das Wasser einen Milchschaum erhält. Das Volk trinkt dann dieses Wunderwasser aus »sco- delle« (scorruggie). An der Südwesteckc des Mercato miovo, jenscit der Piazzetta S. Marco, liegt die Kirche S. Marco (E 3), von altem Ursprung, von den in Palermo rc- sidirenden Venetianern gegründet, im Innern noch manches von dem eleganten ; Bau des 16. Jahrh. bewahrend. — Längs der Südseite des Mercato und der Via S. Agostino ostwärts entlang, trifft man eine Strecke jenscit S. Agostino (1. Nr. 33) den Pal. del Principe S. Giuseppe ; an der vom Beschauer rechten Schmalseite des Palastes, an Via Principe S. Giuseppe, ist oben über dem zweiten Balkon noch ein normannischer Bogen erhalten und ein kleines ornamentirtes Friesstück. — Die Via S. Agostino mündet in die = Yia Macqueda, die zweite Hauptader, der Stadt, welche au der Piazza Vigliena ^ die Via Vittorio Emanuele durchschnei- | det; sie wurde im Jahr 1600 vom Vice- künig Macqueda begonnen, ist 11,5 m. breit und von Porta Santonino bis Porta Macqueda 1376 m. lang. — Südwärts fgegen Piazza Vigliena hin) kommt man an der Ecke der vierten Strasse r. (Via del Celso) zur Kirche SS. Crociferi (I) 4) (S. Ninfa), 1601 begonnen. R. vom Eingang: Grabmal des Gius. Grurato, von Ignazio Marabitti; — ander linken Thür: Grabmal des John Aeton, Irländer, Günstling der Königin Maria Carolina. — Die Fresken der Chorkapelle von Gioacchino Murtorana; — von I)ems.: das Oelbild der vier palermitanisclieu Jungfrauen Oliva, Agata, Ninfa, Cri.stina und die vier Kirchenlehrer. — In der Sakristei eine S. Cecilia, Bologneser Schule. Neben den Crociferi (las Telegraphen- büreau. — Gegenüber den Crociferi, in Via Castellana die liampe (mit 30 Stufen) hinauf, trifft man an der Rückseite des Platzes die Kirche äelle Vergini (D 4), 1626 erbaut. Unter dem Chor, 1. an der Wand, zwei Säulen, in deren Mitte kufische Inschriften (aus dem Koran): 1. Tm Namen des gnädigen und barmherzigen Gottes. Gott, ausser dem kein anderer Gott ist. 2. Er lebt, er waltet. Nicht »Schlummer, noch Schlaf erfasst ihn; sein ist alles im Himmel und auf Erden. — ln der Sakristei ein Bronzebecher mit arabischen Inschriften. Nun in der Via Macqueda nordwärts, kommt man (gegenüber [1.] Nr. 252) bei der nächsten Seitenstrasse zu einer (r.) 22 Stufen hinabführenden Treppe. Au der linken Wand die Inschrift: Vor dieser Kirche (della Volta) fiel Giuseppe (VAlcsi, der Volkshauptmami, unter dem Schwert seiner Feinde, 22. Aug. 1647. — Am Ende der Treppe tritt mau in die Piazza nuova (D 4). Hier war die alte »Coneia« (Conceria), die 1821 dem jetzigen Gemüsemarkt weichen musste. Die »Conciatori« bildeten unter den Zünften der Stadt die stärkste und kühnste Korporation, die hier in einem Labyrinth kleiner winkliger Strassen zusammen wohnten. Giuseppe d’Alesi, der sici- lianische Masaaiello, zwar Schiffer, wohnte unterden Conciatori gegenüber dem jetzigen Brunnen La Fontanella. Jenseit der Piazza führt die Via de’ Formari ostwärts zur Piazza Caraccioli (D 5). Hier hatten die Saracenen ihren Markt, den die französische Regierung der Anjou’s zum Fleischmarkt (boucheric) machte, und 211 2. Palermo (Oratorio del Rosario — S. Domenico). 212 der jetzt noch beim Volk die »Ucciria« heisst. 1783 errichtete der Vieekönig Caraccioli die Buden im innern Quadrat des Platzes, die jetzt noch stehen. Hier ist nun ausser dem Fleischmarkt auch noch der begangenste Kleinmarkt der Stadt, freilich eine höchst primitive und namentlich an Regentagen höchst unerfreuliche Stätte. , Jenscit dieser Piazza in Via d’Argen- teria folgt 1. (Nr. 35—41) die originelle Fatjade von 8. Eulalia de' Catalani (1)5; gegenüber der Piazzetta Garaffo). Von den Kataloniern, welche mit den Königen von Aragonien nach Sicilien kamen und Handelsprivilegien erhielten, gegründet und ca. 1500 ihrer heiligen Vaterlandsgenossin geweiht. An der Fa^ade (durch neue Palkone entstellt) sind das Wappen Spaniens und vier Büsten von aragonisclicn Königen über Rundbögen mit Tempelsäulen relietirt. Die Kirche wurde im Anfang des 17. Jalirli. rekonstruirt. Der Strasse nach weiter kommt man zur Piazzetta Garraffello (I) 5), vom Brunnen von 1591 so benannt, einem der begangensten Centren Palermo’s, namentlich für die Geschäfte in dem Innern der Insel.' An der rechten Schmalseite dieses Platzes (Ecke der Via delle Loggie) ist an dein Haus Nr. 16 (79) die Büste Kaiser Karls V., mit dem Krucifix auf der Brust. In diesem Haus wurde der Vater des Kardinals Mazarin, Minister unter Ludwig XIV., geboren. Die Via dellaLoggia, die von hier zur Via Vittorio Emanuele zieht, erhielt diesen Namen von zwei Loggien (eine Art Börsen) der Genueser und der Catalanen. Die Genuesen , die zahlreichste Kolonie der niedergelassenen Kaufleute, hatten bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts eine grosse Anzahl ‘Wohnungen in diesem Quartier. — Nun von Piazzetta Garraffcllo 1. durch Via dei Materassai und gleich wieder 1. durch Vicolo Argenteria vecchia kommt man zum Chorbau von S. Domenico . R. um denselben herum (über Piazza Giovanni Meli) trifft man in Via Bambinai 1. zwischen Nr. 2 und 1 (klopfen! die Kapelle ist meist von Malern besetzt) das *Oratorio della Compagnia del Rosario (E 5) von S. Domenico; ein 1578 errichteter Bau mit ausgezeichneter (wenn auch barocker) Stuckdekoration von Giacomo Serpotta (1720), zwar in überschwänglichem Keichtlmm über Wände und Decke ausgeschüttet, aber mit ganz köstlichen Ornamenten und Figuren. Das Deckenfresko von Pietro Kovelli, Krönung Mariä. — Das Bild des Hauptaltars von van *Madonua del Rosario, 1623 in Palermo im 25. Jahr ausgeführt (von der Pest 1624 vertrieben, vollendete er es in Genua). Eins seiner besten Bilder; die von Cherubim umringte Jungfrau übergibt dem S. Dominicus den Rosenki’anz; zur Seite sind S. Oliva, Rosa di Lima, Agata, Cristina; in Verzückung schallt S. Ninfa zum Himmel auf, und vor S. Domenico kniet S. Rosalia. An den Wänden hängen grosse Oel- bilder, die 15 Mysterien des Rosenkranzes darstellend. Von 1. nach r.: 1. die Annunziata (Verktindigung)vonGiacomo Zo Verde, Schüler des Pietro Novelli. — 2. Die Heimsuchung, von Guglielmo Borromam. — 3. 4. Geburt, Darbringung; Schule Kovelli’8. — 5. *Tempeldis- putation, von Pietro Kovelli. — L.: 6. Gebet im Oelgarten, von Luca Giordano. — 7. *Sto - mer (Flamäuder), Geißelung. — 8. 9. *Dor- nenkrünung und Kreuztragung, flämische Schule . — 10. Kreuzigung, gute Kopie nach van Dyck. — 11. Auferstehung von Luca Giordano. — L.: 12. Himmelfahrt, Kopie nach Pietro Kovelli. — 13. *Pietro Kovelli, Geist- ausgiessung (eins seiner besten Bilder). — 14. Himmelfahrt Mariä, von JAica Giordano. — 15. Deckenfresko von Pietro Kovelli. Zurück und an der Langseite von S. Domenico westwärts gelangt man zu der grossen Piazza di 8. Domenico (D E 5), im Centrum mit einer (die Basis inbegriffen) 30 in. hohen Säule aus Palcrmi- taner Marmor bigio, oben mit derBronzc- statue der Immacolata, modellirt von Ragusa 1725. Kaiser Karl VI. hatte, weil in Barcelona durch die Truppen eine Madonnenstatue umgestürzt worden, die Aufstellung dieser Statue angeordnet und dazu den Platz von allen Häusern säubern lassen. An die Basis liess er seine und seiner Gemahlin Bronzestatue setzen, an deren Stelle dann Karl III. Bourbon 1750 sich und seine Gattin aufstellte; 1848 zerstörte das Volk diese Statuen. An der Ostseite des Platzes: *S. Domenico (E 5), eine schon im Jahr 1300 erbaute Kirche, aber 1414 und 1640 völlig erneuert; die grösste Kirche Palermo’s, laut Inschrift r. vom Hauptportal 11,918 Personen (der Chor nicht eingerechnet) fassend; jetzt die Sicilia- nische Ruhmeshalle, da in neuerer Zeit hier die Gräber, Kenotaphe und die Büsten der in Kunst und Wissenschaft aus - 213 214 2. Palermo (S. Domenico). gezeichnetsten Männer der Insel vereinigt wurden. In dieser Kirche eröff- nete linggiero Settimo am 25. März 1848 im Namen des Volks das sicilianisclic Parlament. — Der Entwurf der stattlichen Baroekkirche ist von dem Dominikaner Andrea Cirrincione. IC Marmorsäulen theilen die drei Schiffe, die eine langgestreckte Basilika nachahmen; die Dekoration ist eine der prächtigsten in Palermo. Im Querschiff stützen vier gewaltige Pfeiler und vier grosse Bügen, j Die Weihwasserbecken haben an der Basis Reliefs aus dem 14. Jalirh. — Am 1. Pfeiler r.: Büste des Malers Vincenzo Itiolo von Palermo (1772—1837). — 2. Capp. r. (rechte Wand): Giovanni Gorgone, Professor der Chirurgie, gest. 1868; Marmorbildnis von h'manuele Marchese di Villabianca (1720—1802g Herausgeber der berühmten Sieilia nobile. — 3. Capp.: Denkmal der Fürstinnen An- neita und Giuseppina Turrini Oolonna, die eine Malerin, die andere vortreffliche Dichterin, gest. 1848. — Ueber dem Altar: Fon- dulli (von Cremona), 8. Thomas und Magdalena vor dem Kreuz, 1573. — Vorn r. am 2. Pfeiler des rechten »Seitenschiffs: Büste des Ginseppe Vclazquez, Maler ans Palermo (1750—1827). — Am 3. Pfeiler des rechten Seitenschiffs: Büste des Michele Pandolßni, Arzt, gest. 1861. Es folgt eine übe/*reich intarsirtc Kapelle; — dann am 4. Pfeiler: Büste des Gio- vanni Patricolo von Palermo, Priester und Maler (1789—1861). — Am 5. Pfeiler: Büste des Giuseppe Patania, Maler (1780—1852). — Dann ein modernes *Denkmal des Emerico Amari, Statistiker, gest. 1875. — (>. Capp. r.: Giuseppe Velazquez (von Palermo), S. Vin- cenzo Ferrari (das beste Bild des Künstlers). — Am 6. Pfeiler: Antonio Mongitore, Bibliothekar und Arehäolog, gest. 1743. — Am Pfeiler der Rückwand des Querschiffs: Nar- cisso Co'/j.o de’ Conti di Galiiana (der 1860 sich sogleich an Garibaldi anschloss und im Kampfe fiel). Dann folgt gegenüber der rechten Aus- gangstliür, an der rechten Wand, der Mar- ■ morsarkophag des Don Masco Isfar e Cruil- las , eines adligen Spaniers, mit Medaillons der Evangelistenzeichen und Löwenfüssen. — In der Capp. r. neben dem Chor, am Eingangspfeiler 1.: *Rclief der Madonna, mit Engelsköpfcn, von Antonio Gugini (hinter Gitter). — Gegenüber Pieta, Schule Gugini’; s. — An der linken Wand: Denkmal des Domenico 3o Faso e Pietrasanta, Duca di Ser- radifalco (des berühmten Herausgebers und Erhalters der sicilianischeiiAltcrthtuner; 1783 bis 1863). — Gegenüber Denkmal des Carlo Kapoleone Giachery von Padua, Professor der Architektur in Palermo, gest. 1865. — In der Capp. I. vom Hochaltar, an der rechten Wand, Büste des Historikers llosario de Gregorio, vom Senat 1872 gesetzt. — Am folgenden Pfeiler: Giovanni Salemi, Professor der Chirurgie, gest. 1849. — An der linken Wand: S. Dominieus vor der Madonna, 16. Jahrli. — An der rechten Wand: Denkmal des llnggiero Settimo (1778—1863), Kriegsminister, der 1813 für Sicilicn die alte freie Konstitution verlangte und 1848 hier das Volksparlament eröffneto; mit Büste, schönen Arabesken und Genius. Im 2. linken Querschiff, an der Schmalwand: * Vincenzo Ainemolo, Madonna, verehrt von SS. Dominieus, Oristina, Tommaso, Ninfa; mit reicher Predella, 1540. — Dann im linken »Seitenschiff, vom Querschiff gegen den Eingang, am letzten Pfeiler: Büste von Giuseppe Crispi , Professor der griechische?/ Sprache (1781—1859). — Daneben 1.: *Büste des Pietro Novelli, il Monrealese (1603—1647), errichtet 1845 auf Kosten seines Biographen Agotitino Gallo, skuJpirt von Mario Villareale (Schüler Canova’s), nach dem Bild im Museum. Novelli wurde in S. Domenico begraben. — 7. Capp. 1., rechte Wand: Denkmal dos Guetauo, Scavazzo, »Senator und Minister (1782—1868). —• Linke Wand: *Gott-Vater, der Gekreuzigte und die Taube, Skulptur von 1477. —• Am folgenden Pfeiler: *Doppolbiiste des Venanzio (gest. 1814) und Emanuele Marviujlia (gest. 1845), Architekten von Palermo; sie waren die ersten, welche, den barocken Manierismus verlassend, zur römischen Einfachheit zurüc.kkehr- ten. — 6. Capp. 1., grosses Marmordenkmal auf llajfaele de Beneaetlo (1867 im Kampf bei Mentana gefallen), von Delisi. — Am folgenden Pfeiler: Büste des Valerio Villareale (1773-1851), Bildhauer von Palermo, Schüler Canova’s. — Am folgenden 4. Pfeiler 1.: Giuseppe Piazzi (1746—1826), berühmter Astronom (entdeckte 1801 den Ceresplanet). — 5. Capp. 1.: Paiudino, S. Ilaimuud Pen- naforte. — Die »Statue S. Anna’s, von Antonio Gagini . — Am 3. Pfeiler 1.: Büste des Joachino Ventura (1792—lfcCl), des berühmten Predigers (auch Historikers), der zu Versailles in der Verbannung starb. — 3. Capp. 1., linke Wand: 75 Namen der für die Befreiung des Vatez-lands 1848 und 1860 Gefallenen. — R. Denkmal des Duca di Villarosa dei Becadelli-Bologna (gest. 1843), Herausgeber der italienischen Klassiker. — Am 2. Pfeiler 1. (rechte Seite): Büste des Ago- stino Gaüo(1790—1872), Kunsthistoriker, Biograph des Novelli und Meli. — 2. Capp. 1., rechte Wand: Denkmal des Giovanni Meli, trefflicher aicilischer Dichter (1741 —1816), gekrönt von Apollon und den Musen. — Gegenüber: Michelangelo Monti, Genueser, Dichter und Professor der Beredsamkeit (1751—1822); beide von Valerio Villarcale skulpirt. — Am I. Pfeiler 1.: Domenico Sdnd, Franciskanor, Literat, Arehäolog (Kommentator des Empedokles), Professor der Physik (1765—1837). — 1. Capp. 1.: Statue Josephs mit dem Christuskind, Schule Gagini's. Das Kloster nebenan zeigt noch Reste seiner normannischen Gothik; »Spitzbögen, gekuppelte Säulchen mit Blätterkapitälen; vor dem Treppenai/fgang Relief der Ma- 215 2. Palermo (Museo Nationale: Erdgeschoss). 210 donna von Luca della Robbia, und Madonna, j von 8. Hieronymus vorolirt, 15. Jalirh. j Jenseit der linken Schmalseite des | Platzes, der Via Bandiera westwärts ent- : laug, trifft man 1. (Nr. 18) den Pal. \ Pietratagliata } einst Termini, aus dem ln. Jahrli., mit grossem Spitzbogenportal, imlhmptgeschoss noch die vier alten Beigen über den Fenstern, über dem vierten 1. der alte Zinnenthurm mit dem kleinen Doppelfenster. — Der Via Bandiera entlang- folgt 1. (bei Nr. 30, diesscit Yia Giuseppe Patania) *S. Pietro Martire (E 4), von 1G5G. Mit zwei vorzüglichen Gemälden von : Yinr.enzo Ainemolo, 2. Capp. r.: Grablegung (theilweise restaurirt); •- 2 . Capp. 1.: Petrus Martyr erhält die Marterkrone , 1. S. Stephan, S. Athanasius, r. S. Caterina, S. Agata; Mitte: die Madonna (eins der besten Bilder des Ainemolo, vielleicht mit Antheil Raffaels). Dann r. der Yia Giuseppe Patania entlang und über die folgende Querstrasse hin zur Kirche *(lelP Olrvellil (E 5). ein Bau von 1598 und 1790, in reinerem Geschmack dekorirt. 1. Capp. h: Xovelli (restaurirt); Gabriel, Denkmal der fürstlichen Familie Castelli di Torremuzza, von Leonardo Pennino. — 4. Capp. 1.: die l’eiclie Marmordekoration ans dem 17. Jalirh., ebenso das schöne Kru- citix. — 4. Capp. ].: Salvatore Loforle, B. Valfre heilt einen Krüppel. — 5. Capp. 1.: Seb. Conca, Filippo Neri. — Im linken Querschiff: *Füippo Paladino, Martyrium des 8. Ignatius. — Der Hochaltar reich au Achat und Marmor. Das Bild der Trinität mit sieben Engeln, von Sebast. Concha. — Im : rechten Querschiff: Paladino, Verehrung Mariä. — Die prächtige Orgel von 1859 aus Bergamo (8arassi). — 5. Capp. r.: lo Forte, Schiffsrettung durch S. Niccolö di Bari. — 4. Capp. r: liandazz.o (von Palermo), S. llo- salia. — 3. Capp. r.: Moderne, nach dem Cinquecentostil errichtete Kapelle, mit den Statuen des Jesaias, von Delhi (vonPalermo), und Moses, von d’Amore (von Palermo). Die Malereien der Decke und Wände von Ginseppe di Giovanni (diese schöne Kapelle • wurde am 7. Dec. 1874 eingeweiht). — 2. Capp. r.: *Lorenzo di Credi (gewöhnlich dem . Rafael beigelegt), Christuskind, Johannes und ein Engel. Die Kapelle gehört der Familie Zati von Florenz. — 1. Capp. r.: S. Isidor, flämische Schule. Neben der Kirche r. steht das Ora- torio delV Olivella, ein sehr hübscher Bau von Venanzio Mnrvurßia (1770), in bramanteskem Stil, für die Aufführung , von Oratorien und von vortrefflicher j Akustik. — In dem Oratorio 8. Caterina nebenan ist das Altarbild von Zoppo di Gand und die Stuckdekoration von 8er- potta. — L. von der Olivella (der ehemaligen Casa dei padri dell’ Oratorio) liegt das (E 5) ** MUSEO NA/ION ALE. Eintritt 1 Fr., Sonntags frei. — In diesem höchst werthvollen Museum sind besonders hervorzuheben: Die Metopen von Selinunt (für die Kenntnis der Entwickelung der griechischen Skulptur grundlegend), der antike Widder und Herakles mit dem Hirsch; die arabischen Inschriften; die Sammlung der Bilder Novelli’s und Aine- molo’s und der älteren sicilisehen Schulen; ein köstliches Triptychon der van Eyck- scheu Schule und die sicilische Vaseusamm- lung. — Italienischer Katalog der Antiquitäten: 1. Theil, von Sulinas, Professor der Archäologie, Palermo 1875. Fr. A. Erdgeschoss. Durch das Drehkreuz tritt man in den 1. llof. Im Innern des Hofs: Triton, Skulptur des 16. Jalirh., Brunnenschmuck des Palazzo reale. — Vorn r.: Kalkkugeln, in den Strassen beim Fort Castellamare gefunden. — Hinter dem Triton 1. die Säule an der Piazza Croce de’ Vespri, 1737 an der BegräbnisvStätte der in der Sicilisclien Vesper (1282) ermordeten Franzosen gesetzt. — 11. vom Triton: Brunnen aus dem 16. Jalirh.; die Basis älter. An der Wand des rechte n K o r r i d o r s (von N. nach S.), obeu: Arabische Inschriften von der Krönung der Cuba. Nach der Spitzbogenthür: 17 A. Griechische Inschrift, auf die Stiftung von S. Pietro Bagnara (1081) bezüglich. — Zur Seite des Spitzbogens: 20, 21. Säulen mit kufiseber Inschrift von S. Giacomo la Mazara. Der vergitterte Spitzbogen (des rechten Korridors) stammt aus der Caserma SS. Trinitä, einst Palast des Matteo Sclafani, 1330 (S. 19(5). — Durch diesen Spitzbogen tritt man in die sogen. Sala del S. Giorgio; dem Eintritt gegenüber: Altar-Aedicula, aus der Sakristei von S. Francesco, von Antonelli Gagini von Palermo; in der Mitte S. Georg zu Pferd, zwischen arabeskirten Säulen und reliefir- ten *Medaillons von Heiligen; im Auftrag der palennitanisclien Genuesen 1526 ausgeführt. •— R. und 1. zwei gewaltige Kutschen des Municipio, 18. Jahrli. An der Kutsche r.: Malereien von Giuseppe Velazques von Palermo. An der Wand 1.: S. Gaetano, von Giac. Pennino. — Nach dem Spitzbogen, neben einer Säule (Nr. 21) mit kufisclier Inschrift: *Nr. 22, viersprachige Grabinschrift (lateinisch, griechisch, arabisch und hebräisch) auf Anna, Mutter von Grisand, Kleriker von König Hoger von Sicilien; aus S. Michele; Nr. 24 ebendaher. — R. etwas höher: Nr. 26, 217 2. Palermo (Museo Naziouale: Erdgeschoss). 218 Arabische Inschrift in Serpcntinmosaik und ' mit Porphyr. — Darunter Nr. 2b, Arabische Grabinschrift auf Ja-sin ihn Ali, gest. 674 . (d. h. 1275). Nach den Namen folgen vier , Verse: »Du hast dich entfernt von allem, , was im Leben deinen Augen lieb war, hast die Welt verlassen und wirst nicht zurückkehren, bis Gott seine Kreaturen wiederbringt; niemand hoffte dich zu sehen und doch stehst du nahe. Dein Antlitz verhüllt sich jeden Tag, jede Nacht; deine Liebe offenbart siclrnicht, und doch liebst du! Der Friede Gottes ruhe auf dir, bis im Aufgang eine Sonne sich erhebt; bis ein Wind zittert in den hohen Aesten des Arak!« — Daneben r. Nr. 21) die Grabstele eines Kindes; nach einer Stelle des Koran steht in kufischen Puchstaben: »Tod, o wie bist du so eilends, wenn du erscheinst; plötzlich erfassest du den Menschen. Du zwingst auch die Schöne, aus ihrem geheimen Gemach zu gehen, ent- reissest das einzige Kind seiner Mutter.« — Es folgen Grabstellen mit kufischen Inschriften. — Eingangswand 1.: Nr. 37, Grabstein des Bildhauers Vincenao (hujini und seiner Gattin.—An der Wand des linken Korridors: Nr. 58, Sarkophag des Giovanni di Sicilia (1550) mit dem Bild der Insel im Wappen. — Nach der Thür unten: Nr. 41, Sarkophag der Cecilia Sicilia, 1405. — llück- wand: Grabmäler aus dem 16. und 17. Jahrh. — li. und r. führen zwei kleine Thiiren zu einer Sammlung moderner Skulpturen; — im linken Zimmer Skulpturen aus dem 15. und 16. Jahrh.; an der rechten Schmalwand: *Madonna, von Antone.Uo Gagini; aus S. Spirito. — Fensterwand: Tuffaltar aus dem 15. Jahrh., aus S. Michele. — Darüber: Marmorkreuz, 15. Jahrh., aus S. Francesco. — An der linken Schmalwand: *Madonna, 16. Jahrh., aus S. Maria Maddalena in Cor- leone. — Als Umrahmung dieser Madonna: skulpirte Thür, 15. Jahrh., aus dem Cortile ilegli Aragonesi. — Ueber dem Sturz die Annunziata, 16. Jahrh., aus S. Cita. — lliick- wand: zwei Madonnen aus dem 15. Jahrh.; die zweite vergoldet und bemalt. — In dem rechten Zimmer: An der Wand r.: Bacchantin von Villareale (1773—1854) von Palermo. — Skulpturen aus dem 15.—17. Jahrh. Zwischen Nr. 48 und 49 der Rückwand des 1. Hofs steigt man über fünf Sprossen hinab in den II. Hof, Zahlreiche antike Inschriften, Sarkophage, (Jippen, architektonische Fragmente. An der Eingangswand 1., in der Ecke a#n Boden (unter dem Täfelchen Rom), Nr. 2, 3: Stücke eines dorischen Frieses mit Triglyphen und Metopen, unter dem Dom ausgegraben. — Davor auf einer Säule: Sonnenuhr aus Tyndaris.—Auf den Sockeln des linken und rechten Korridors: architektonische Fragmente aus Solunt, Segestau. a. — An den Wänden: Inschriften. — An der linken Längs wand: Inschriften aus Sieilien (Oossura, Lipara, Thermae, Hime- renscs). Nr. 35—39: grosse lateinische Inschriften aus Tyndaris. — 40. Griechische Inschrift (Magistratsreclmung) aus Taormina.— 51. (ganz klein) aus Selinunt, Votivtäfelchen einer »Arceso« an Juno, in einem Tempel gefunden, diesen also als Junotempel bezeichnend. — 55. Griechische Inschrift aus Solus (auf einen Gynmasiarchen bezüglich). — 56. Römische Inschrift von der Respublica .Soluntinorum zu Ehren der Fulvia Plautilla, Gattin Caracalla’s. — Mulseo Etrjusco j Archi- tectur | Fragm - c S a 1 a III.Hof •- delle o s Metope Vestibulo Fragmente Sala del f a uno II. Hof Museo Kazionalc (Erdgeschoss) in Palermo. 57. lieber einem römischen Grabstein mit drei Ilalbfigureu dev Geminiusfamilie: christliche Inschrift auf Munatia (488 n. Ohr.; die älteste christliche Inschrift in Palermo). — 59. Clirist- : liehe Inschrift aus einem byzantinischen Friedhof, unter Pal. Saponara in Via Ca- vour gefunden, von 602 n. Chr. — Dazwischen, Nr. 58., grosse Inschrift, anfTbeater- ! spiele in Palermo bezüglich. ■— Ilück- ■ wand: Palevmitanische Inschriften aus dem Pal. Municipale, auf Monumente bezüglich, ; welche die Respublica Panhormitanorum ■ (Palermo) zu Ehren einiger Kaiser setzte (die Inschriften Nr. 66, 69, 73 u. a. sclirei- i ben Panhormus). — R. die Inschriften- . Sammlung des Museo Astuto von Noto, des : Museo Salnitriano und des Museo der Je- ! suiten. — In der Mitte: Reste einer Aedi- ! cula aus Selinunt. 219 2. Palermo (Museo Nazionale: Erdgeschoss). 220 Es folgt das Vestibül. In der Mitte frei: * Zeusstatue aus Tyndaris, aus griechischem Marmor, doch stark restaurirt. Ergänzt sind der Kopf, der rechte Arm bis an die Schulter, der halbe rechte Unterschenkel, das linke Hein vom Knie an, ein Theil der Gewandung; doch ist die Ergänzung (Villareale’s) richtig. —• Eie Statue hat hohen Kunstwerth, namentlich ist »die Festigkeit und Grossartigkeit der Stellung und die breite und einfache Behandlung des Gewandes« (Overbeck), die linke Hand eingehüllt nach hinten auf der Hüfte liegend, das Himation die ganze Schulter bedeckend und mit breitem Niederfall über den linken Arm. Au der Rückwand 1.: Kolossalstatue des sitzenden Jupiter, aus Solus, ein römisches Werk, die nackten Theile aus Marmor, die übrigen aus Haustein; in der Linken noch die Löcher Für den Blitz; der linke Arm (höher als gewöhnlich) auf den Scepter gestützt; Blick und Gesicht nach aufwärts gewandt; Thronsitz, 1 Thronschemel und Schuhwerk verziert. — 11.: Statue eines römischen Kaisers (XervaV), von Villareale restaurirt; aus Tyndaris (der Torso ist von Gips und nach dem des Museo Biscari zu Catania geformt). — An die "Wand gelehnt: altrömische Zinunerdekoration mit Masken und Fe- stons, aus Solus. An der rechten und linken Schmalwand kleine Statuen. II. und 1. von der mittlern Jupiterstatue zwei Leuchter und zwei ägyptische Figuren. Im Raum daneben einige Grabreliefs und Statuen. Dahinter der Saal der Mosaiken. Am Boden: Grosses **J?u$sbodemnosa;ik 9 ii,gb m. lang, 8,0-1 m. breit, in 83 Abtheilungen, aus dein Ende des 1. Jahrh. n. Chr. Die Umrahmung der kleineren Felder wird durch farbige Fascien und Medaillons mit Fischen gebildet. Die ganzcKomposition zerfällt in drei Haupttheile mit sinniger Zusammenstellung der mythischen Beziehungen ; gegen die Mitte hin die Brustbilder des * Helios (mit den Strahlen) und des * Neptun (von einer heftig bewegten Gestalt entnommen, mit kühnem Wurf des langen Haars und niederffiessenden Wellenlocken) , zu unterst drei sitzende Dichter. Der Fnssboüen wurde 1869 zufällig bei dem Eini’ammen von Pfählen zu einer Fcucrwcrksfafartc an der Piazza Vittoria in Palermo (S. 196) aufgedeckt. Er stammt aus einer grossen, in ihren Resten daselbst noch sichtbaren römischen Wohnung. Der Transport ins Museum kostete 12,090 Lire. Hie Gegenstände folgen sich von unten nach oben (und von 1. nach r.) so: I. 1. Tragischer Dichter, 2. Dichter, 3. Dichter. — II. 1.: Sommer, r.: Herbst; darüber: 1. An- tiopc, 2. Danae, 3. Leda. Darüber 1.: Frühling, r.: Winter. — III., I.: Tfolios; Mitte: Apollon; r.: Neptun; darüber zwei Windgötter; darüber 1.: Nereide; Mitte: Europa; r.: Nereide. Darüber 1.: Minerva; r.: Juno. Darüber: Nereide, Pegasus, Nereide; höher: zwei ‘Winde, und zu oberst Herkules; Mitte: Diana. An der Rückwand: * Mosaikpauiment mit der Darstellung des Orpheus, welcher, umgeben von zahlreichen Thieren des Waldes und Feldes, die Leier spielt; (>,14 m. lang, 5,55 m. breit; stammt ebendaher, ist künstlerisch weniger ausgezeichnet und scheint einer etwas spätem Zeit anzugehören. — An der rechten Wand: Mosaikfragment mit Neptun auf einem von zwei Meerpferden gezogenen Wagen. An die Wände angelehnt: Freskenbruchstücke aus Pompeji, zwei mit theatralischen Scencii. — Es folgt r. die Sala del Fauno. Am Boden: römische Mosailc, unter Casa Maggio (Via Macqueda 239) gefunden; mit der Darstellung des Orpheus und den Thieren. Hinter dieser Mosaik, vor der Mitte der Rückwand, auf besonderem Postament: * Satyr statue, aus Torre del Greco; der jugendliche Leib von vorzüglicher Schönheit. — An der rechten Sehmalwand Nr. 3, Isispriesterin, aus Taormina. 4. Jiacchushopf. Rückwand: 13., 15. Männliche Torsi. 10. Aeslzulap-Statue aus dem Ilerkulestempel in Girgcnti (Nacken, beide Arme und die Beine unter den Knicen erneuert). Zu den Seiten der Ausgangswand: Römische Statuen aus Tyndaris. Nun tritt man in den Saal mit den bedeutendsten Schätzen des Museums. Sala delle Metope. Hier sind die berühmten, mit griechischen Reliefs aus drei verschiedenen Epochen der dorischen Künsten twickelung geschmückten, in Tuffstein gearbeiteten (1822 aufgefun- 221 2. Palermo (Museo Nazionale: Erdgeschoss). 222 denen) * Metopen von drei dorischen Tempeln in Selinunt aufgestellt, und zwar so, wie sie vor Alters waren, daher sind einige architektonische Stücke restaurirt und einige nachgebildet. Die Höhe des Sockels repräsentirt die Höhe des Arcliitravs. — Linke Liings- wand. Nach einem altdorischen Triglyph lolgt: 1. * Metope mit dem Viergespann und den (Kesten der) drei Wagenlenkern; vom Tempel C. Hat sehr gelitten und ist aus 50 Stücken zusammengesetzt; ergänzt sind Stellen in den Vorderbeinen der Pferde und der obere Theil des Grundes, in.welchen die Hand des linken Lenkers und der Kopf des mittlcrn eingelassen sind. Viergespann und Pferde bieten die volle Vorderansicht und laden stark aus, selbst die Hinterbeine sind vom Grund losgelöst; die äusseren Zügelpferde treten etwas über die angeschirrten vor; nach einer im alten griechischen Stil typischen Weise wenden sie symmetrisch die Köpfe nach aussen. Hie Formen sind schon sehr entwickelt, doch sind die Mähnen noch typisch in zopfartige Flechten gewunden; Zügel, Gebiss und Leib waren bemalt, ebenso die plastisch ausgeführte Beschirrung. Hie Lenker (wahrscheinlich Helios mit zwei Horen) stehen in halber Rc- liefhölie hinter den Pferden; vom ersten und dritten, die durch gleiche Grösse und Tracht die Zusammengehörigkeit bezeugen, sind noch die Fiisse und glatten , zum Boden niederfallenden Gewänder sichtbar. Die. Mittclftgur, unbärtig, mit Lockenliaar, gegürtetem Gewand, hält die Zügel; sie ist kleiner, weil sie auf dem Wagen steht, und die griechische Symmetrie verlangte, dass die Figuren einer Metope gleich hoch liinan- reicheu, Bild und Kaum sich entsprechen. — Die Metope gehört zum Tempel C (S. 851) und zu den Keliefs, welche die älteste Entwickelung der griechischen Skulptur darlegen; s. unten. 2. * Metope mit Perseus, welcher die 'Medusa tödtet, aus deren Blut der Pegasus entspringt; die schützende Pallas Athene steht ihm zur Seite; vom Tem- pel C. Aus 32 Stücken zusammengesetzt; ergänzt an Athene der Hals, ein Theil der Brust und der Kniegegend, an Perseus die mittlere Waffenpartie und einzelne Stellen der Arme und Hände. Perseus ist unbärtig, kurzhaarig, mit Zopfresten, trägt rundeKappc mit schmalem lland und hohe, über dem Knöchel geschnürte Schnabelstiefel, durch eine nach vorn ausgehende Volute geziert: vom Gewand sieht man nur das gefältelte Ende über den Hüften und den Gürtel mit Buckeln; hinter dem Kücken ein Stück der Schwertscheide. Er schneidet mit primitiver Gemüthsruhe der Medusa den Kopf ab, während er ihr Haar packt. Die Medusa ist ins Knie gesunken und hält das aus ihrem Blut entsprungene Kind, das Flügelpferd Pei/asos, in den Annen. Die Medusa ist entsprechend dem ältesten griechischen Stil als scheusliehe Schreckgestalt dargestellt (noch fehlen die poetischen Schlangenhaare des Acsehylos und Pindar): aus dem aufgerissenen Mund treten die Zunge und das Fangzalmgebiss hervor, die Nase ist platt und breit, die Augen stier, das hinter den Ohren aufgebundene Lockenhaar fällt über die Schultern herab; das Gewand ist kurz und knapp und war wohl durch Malerei betont; sie umfasst in naivster Zärtlichkeit ihr Füllen, das zwar geflügelt, aber unten noch mit ihr verwachsen, dennoch schon das Anspringen versucht. Pallas steht regungslos hinter Perseus (wie die alte Kunst die nicht an der Handlung theilneh- menden Personen bildete), fast hinausgedrückt; ihr Acrmelgewand fliesst bis auf die Fiisse nieder; die Rechte liegt auf der Brust, in der Linken trug sic wohl den Speer. 3. -Metope mit Herakles 7 die Ker- Jcopenkobolde an der Stange forttragend ; vom Tempel C. Aus 48 Stücken zusammengesetzt; ergänzt: kleine Stellen an den Schenkeln des Herakles, das linke Ende der Schwertscheide. Herakles (Melampygos) trägt die beiden neckischen und diebischen Kobolde Passalos und Akinon (Hammer und Amboss), die ihn im Schlaf störten, an Händen und Füssen festgebunden, auf seinem Kücken an einem Tragholz wie ein erbeutetes Wild davon. Herakles trägt ein Schwert und eine (nicht mehr sichtbare) Löwenhaut, Schwert und Gürtel sind roth gefärbt, die Beine sind frei abstehend, stark ausschreitend und gegen die Natur beide (wie es der alterthiimliehe Ausdruck strammer Kraft verlangte) straff angespannt und doch mit voller Solilen- iläche auf dem Boden stehend; er trägt kurze Haare und wendet dem Beschauer das Gesicht(inalterthümlichem Widerspruch) voll zu. Die beiden Kerl open, die durch drei plastisch ausgeführte Kiemen an Händen, Knöcheln und Knieen gebunden sind, sind unten symmetrisch, oben völlig gleich dargestellt; von dem kurzen Haupthaar hängen hinter den Ohren lange, gegliederte Zöpfe in symmetrischen Bögen herab; die Fiisse sind dem Herakles zugewandt, die Iierabhängenden Köpfe dagegen von vorn sichtbar. Der Stil dieser drei vom Tempel C stammenden Metopcnrelicfs zeigt (wie sonst kein anderes erhaltenes griechisches Kunstwerk) die älteste dorische Skulptur ; kurz nach der Gründung von Selinunt G28 v. Chr. (nach Diodor 651), wie sie dem Ursprung des Reliefstils überhaupt noch sehr nahe stand. 223 2. Palermo (Museo Nazionalc: Erdgeschoss). 224. Die Verdrehung stehender und schreitender Figuren, die ornamentirte Behandlung des Haars, die übertriebene Hüften* angabe, die Mähne der Pferde deuten noch auf die frühere assyrische Einwirkung auf die altgriechische Kunst, oder auf den Anfang der Kunst überhaupt. Die anatomische Beobachtung ist noch eine kindliche, das Nackte noch ohne organische Gliederung, die Uesichtsbildung ohne tiefern Ausdruck und ziemlich gleiclmiässig, die Lippen noch gerade und breitgezogen, die Augen schief gestellt und hervorquellend, die Proportionen schwankend (Herakles hat f> Kopflängen, Pallas 43/4, Perseus 4 1 /4), die Figuren noch flächenartig und gegen den Grund zu nicht abgerundet, die Bewegung elementar angedeutet (die Hände nur als Ganzes bewegt), die Gewandung ohne Beziehung auf den Leib, die Wendung halb Profil und halb Vorderansicht, um sie noch mehr als im Profil zu geben (wie die klassische Kunst mehr als die Hälfte gab) und dennoch — obgleich sich hier die Erbschaft aus dem Orient noch deutlich zeigt, beginnt das Relief sich schon vom blossen Flächenrelief bestimmt zu unterscheiden, die stramme Kraft findet einen charakteristischen Ausdruck, die Situation ist klar gekennzeichnet und die Vertheilungsgesetze der Figuren richtig herausgefühlt; es ist schon ein lebendig gewordener Bausehnntck, das Symbol der Derbheit und Kraft des dorischen Stammes, der schweren, strammen Gedrungenheit des Baustils entsprechend. Es folgt ein Glasschrank mit Fragmenten von selinuntischen Metopen und anderen Skulpturen (fünf schöne Köpfe aus Selinunt und sehr schöne *Füsse von Marmor, von einer Mctope des Posticums des Heratempels). — Auf dem Sockel der rechten Längswand ebenfalls Fragmente von Selinunt. — Am Boden auf dem Sockel der linken Längswand: *Stücke der Aedicula des Empedokles in Selinunt, noch mit Farben (doch theilweise aufgefrischt). —• li. auf dem Sockel zwischen dem 3. und 4. Fenster: Frauengestalt zwischen zieei geßügelten Löwen sitzend , aus Solus (im Innern der Statue eine Höhlung, wohl für die Antworten). Zwischen dem 1. und 2. Fenster: eine archaistische Pallas (ergänzt beide Anne, Schild, untere Hüfte mit dem 'Gewand unter dem Knie) und eine archaistische Aphrodite (ergänzt: Nacken, beide Arme, die Beine unter den Knieen). — In der Mitte des Saals, vorn: * Gesims mit Löwenkopf und Kalkziegel von einem dorischen Tempel aus Jiimera (Buonfor- nello), das 409 v. Ohr. durch die Karthager zerstört wurde. An den Seiten der Thür zwei ähnliche Fragmente; vorn in der Ecke 1. ein zweiter Dachziegel. Es folgen in der Mitte (zwischen 1. und 2. Fenster): Zwei *phÖnikische Sarkophage, in Cannita bei Palermo gefunden; die Deckel zu weiblichen Gestalten ausgearbeitet. Die Formen verratlien den hellenischen Einfluss. Sie gehören also der karthagischen Zeit an. — Zwischen dem 2.und 3.Fenster: Monolither *Tuß'sarko- phag aus Girgenti , innen roth bemalt, aussen noch mit Spuren der farbigen Dekoration. — Weiter in der Mitte (zwischen dem 3. und 4. Fenster): Grosse Inschrift auf einem TufFpilaster aus Selinunt, aus dem 5. Jahrh. v. Ohr.; sie berichtet, dass die Selinunter durch folgende Götter siegen: Zeus, Hekate, Herakles, Apollon, Poseidon, Dioskuren (Tyndarklen), Pallas, Demeter, Persephone (Pasikratea), aber vorzugsweise durch Zeus. — An der linken Wand folgt nach dem Glasschrank diell.Abtheilung der*Metopen von Selinunt, mit zwei nur in der untern Hälfte erhaltenen Reliefs vom Tempel F in Selinunt (S. 341); sie stellen den Kampf der Artemis und des Dionysos mit je einem Giganten dar. 1. * Kampf der (wahrscheinlich) Artemis mit einem Giganten. Nur der untere Metopenblock ist erhalten ; ergänzt sind: an Artemis die Oberfläche des Gewandes am linken Bein vom Knie an abwärts ; das untere Faltenende zwischen den Füssen, mehreres an den Zehen des rechten Busses; am Giganten einige Stücke am Hals, rechter Arm, linker Theii der Stirn und Helm, Nasenwurzel, linkes Auge und Ohr. — Die Metope gehört zu einem Fries, welcher in zehn Metopen Sceneu des Gigantenkampfs darstellte, in der Mitte wohl mit Zeus. Artemis trägt einen bis auf die Füsse niederfallenden Chiton und gibt dem Giganten mit der Lanze den Todesstoss; vorschreitend setzt sie triumphirend den Fuss auf den gefallenen Gegner. Der Gigant ist schwer verwundet zu ihren Füssen niedergosunken und bricht seufzend mit übergeneigtem Kopf und sterbendem Auge zusammen; der zurückgeschobene Helm zeigt zwei Oeffnun- gen für die Augen und selbst nachgeahmte Stirnfalten; in der rechten Schulter steckt die Lanzenspitze; unterhalb des genau anschliessenden metallischen Harnisches sieht das gerippte Gewand und ein kurzer Chiton hervor. 225 226 2. Palermo (Museo Nazionale: Erdgeschoss). 2. '-Kampf des (-wahrscheinlich) Dionysos mit einem Giganten. Auch hier ist nur der untere Metopen- block erhalten, vom obern nur ein Stücklein (ergänzt sind: an Dionys die Hälfte des rechten Unterschenkels, die Zehen des rechten Düsses; am Giganten ein Stück Hals, die zwei ersten Zehen des rechten Fusses, das Ende der Schwertscheide. Diese Metope gehört zu demselben Cyklus der Gigantomaehie. Dionysos trägt ein mit doppeltem Ueberfall zu den Füssen niederfiiessendes Unterkleid, und ein faltenreiches, in breiter Masse Über den Rücken gezogenes Obergewand, Schritt, Strammheit, volle Form der Beine und die Falten der Brust bezeugen den männlichen Gott. Der Gigant ist ins Knie gesunken, und hielt wohl in der erhobenen Rechten das Schwert, während die linke Hand mit ausgestreckten Fingern sich auf den Boden stützt. Er trägt einen kurzen, nur zu unterst sielitbai-en Chiton, einen runden, mit Thierfell überworfenen Panzer. Diese Reliefs gehören e mo,ventwickelteren Periode an (600—570 v. Chr.); anstatt streng architektonischer Gestalt herrscht nun umgekehrt die freie leidenschaftliche Bewegung, starkes Vorspringen des Reliefs und statt der Dreithei- lung die Gliederung durch zwei Figuren; die Körperverhältnisse sind schon sehr naturgemäss und ungezwungen, die Gewandung passt sich der Gestalt an und ist verständlich vertheilt, aber noch leidet die Darstellung an Ungleichheit in der Ausführung und Uebertreibung der Affekte; es spricht sich auch hier das eigenthümliche dorische Element in dem uogemiMerfcen Kontrast, in der »Schroffheit im Aussprechen des Charakteristischen« aus. — An der schmalen Rückwand folgen die vier **lSletopen des Ileratempels zu Selinunt, von edler Würde und massvollem Ernst, zwar noch des vollen Reizes der attischen Grazie entbehrend, aber von einem milden harmonischen Geist durchhaucht und von vollendet schöner und klarer Bestimmtheit der Form. Sie fallen stilistisch vor den Parthenonfries, sind aber wohl, weil die Kunstschulen der Kolonien sich langsamer entwickelten, etwas später entstanden, etwa zwischen 450 und 415 v. Chr. (Expedition der Athener gegen Syrakus und Selinunt). — Die nackten Tlieilc der Frauengestalten (Kopfe, Arme, Hände, Fiis.se) sind in Unter-Italien. II. weissem Marmor ausgeführt und auf Tuff aufgesetzt. — Von 1. nach r. folgen sich: 1. **Kampf des Herakles mit der Amazone; beinahe unversehrt erhalten. Herakles, unbärtig, mit kurz gelocktem Haupthaar und prächtig entwickeltem. Jüng- lingsleib, nur mit über die Brust geknüpftem Löwenfell, das hinter ihm flattert, ereilt die fliehende Amazone, fasst sie mit der Linken am Helm und holt mit der Rechten zu einem Keulenstreich gegen sie aus (denn der Schwertgriff steht vor); an der linken Hüfte hängt der breite offene Köcher. Den linken Fuss stemmt der Heros auf den seiner Gegnerin. Die Amazone macht mit der Rechten einen matten Versuch, mit der Streitaxt sich zu vertlieidigen; sie trägt ein kurzes, doppelt aufgesclmiirtes, gefaltetes Gewand und einen seitlich geschnürten Panzer, mit grosser Sorgfalt durchgeführt; als Bogenschütze ist sie mit phrygiseher Mütze und an Beinen und Annen eng anliegender Gewandung beklei- : det; sie trägt Schwert, Schild und Streitaxt. Alle Details sind sehr schön, der Ausdruck der Gesichter noch nicht individuell, aber kräftig. Die auch die übrigen Metopcn des Heretempels beherrschende Gegensätzlichkeit der Anordnung stellt die männliche und weibliche Figur als Träger gegensätzlicher Affekte, von verfolgender und ermattender Kraft dar. »Damit die Diagonale die Selbständigkeit des einzelnen Ganzen nicht störend i aufhebe, sind ihr fühlbar mildernde Gegenwirkungen beigegeben« (Benndorf), so in der rückläufigen Bewegung des Kopfs der Löwenhaut, das starke Einspringen der Keule, der auf den Schenkel der Amazone niederfallende Schweif des Thierfells, welcher den in langer monotoner Linie gedehnten Kontur der Amazone durclisclmeidend theilt. 2. % *Zeus zieht die sich entschleiernde Hera zu sich nieder; von vollendeter Schönheit und Poesie und fast unversehrt erhalten. R. der sitzende bärtige Zeus, mit der Binde im Haar und am Oberleib ohne Gewand, das nur um den untern Theil geschlun- i gen ist. Er stützt den linken Arm leicht auf, fasst mit der Rechten die emporgehohene Linke der Hera am Gelenk und zieht sie, die sich soeben entschleiert hat, mit zurückgebeugtem Oberkörper zu sich nieder. »Er sieht ihr, wie der leise geöffnete Mund ver- räth, mit einer gemischten Empfindung von Entzücken und Verlangen ins Angesicht, er wirbt nicht, sondern er macht ein Recht geltend, und die Art ihrer Zurückhaltung scheint es zu bestätigen« (Benndorf). Hera, die in vollendeter Würde vor ihm steht, hat nicht die jungfräuliche Zaghaftigkeit der gewöhnlichen griechischenDarstellung hochzeitlicher Sceucn, sondern macht in streng aufrechter majestätischer Haltung den Adel der Gattin und einen künstlichen Widerstand geltend, der nur durch eineu »leisen Zug der Verlegenheit, da die rechte Hand 8 227 2. Palermo (Museo Nazionale: Erster Stock). 22S den Saum des Schleiers hielt«, gemildert wird. — Das Obergewand, ein langer, auch den Kopf bedeckender Mantel, der an beiden Seiten in den schönsten Linien und »prachtvoll ruhiger Entfaltung« niederfällt, erhöht das Imposante der Erscheinung. — Die Me- tope befand sich r. über dem mittelsten Säulenzwischenraum des Vortempels und wies somit in dieser Centralstellung auf die Bedeutung des Tempels. 3. ** Aktaion, von Artemis mit dem Ilirschfell Überwürfen, kämpft gegen die getäuschten Hunde. — Von höchstem Kunstwerth. Nach der altern Mythe (Pausan. IX, 2, 3) warf Artemis, tun die Vermählung mit Se- mele zu verhindern, eine Hirschhaut über ihn, und trotz gewaltigster Verteidigung zerfleischten ihn die getäuschten Hunde. Wü- thend kämpft hier AMaion mit dem Schwert; er ist in den herrlichsten Jünglingsformen dargestellt und nur mit Sandalen bekleidet; das Haar umschlingt kranzartig sein Haupt, der sehr realistisch behandelte Kopf des Hirschfells mit langem Geweih ragt über seine Schulter hervor; sein Kopf ist gebeugt und sein Blick, die Göttin nicht bemerkend, nach unten gerichtet. Artemis steht ihm in sehr ruhiger Haltung 1. gegenüber, in langem, bis zu den Füssen niederfallendem Obergewand, das einen Ueberschlag bis zu den Hüften herab bildet. Hinter ihrer Schulter sieht ein Köcher vor; sie trägt eine runde, eng anliegende Mütze mit aufgebogener Krampe nach Art der Jäger. Sie blickt mit vorgestreckten Händen (wohl hetzend) auf die drei Hunde, die wüthend den dem Verderben Geweihten angreifen, der eine aufbellend, der zweite ihn von der Seite packend und der dritte hoch an ihm emporspringend und von der Faust des Angefallenen gewürgt. 4. * Athene im Kampf mit dem Giranten Enhelados. An Athene fehlt das Gesicht, ein Theil der Haare, der Helm, dieAegis, beide Unterarme; am Giganten beide Unterarme, die vorstehenden Theilc des Gesichts, Barts und Helms; die Füsse der Athene sind aus Marmor; einige Zehen sind erneuert und am Giganten die vorderen Thoile der Füsse aus Gips ergänzt. Athene hält den Giganten mit der Linken am Nacken fest und sticht den Zurückgeschmetterten und Zusammensinkenden mit der Lanze in der erhobenen Hechten nieder. Ihr Chiton ist grösstentheils durch ein prächtiges Obergewand verdeckt, das in breiten Falten niederfliesst und auf Brust und Rücken überschlagen ist; »die Sahlkan- ten des Gewandes sind wie an den attischen Werken des 5. und 4. Jalirli. krausenartig« gefältelt. Der Gigant tragt einen hohen Visirhelm, Beinschienen und eine Chlamys; der Bart floss weit auf die Brust hinab. An der rechten Längswand zwischen dem 3. und 4. Fenster steht noch eine schlecht konservirte verwitterte Metope mit zwei Figuren (Serradifalco vermnthet Apollon und Daphne, deren Mythe aber der alten Zeit fremd ist). Auf den Metopensaal folgt dem 4. Fenster gegenüber der Eingang zum Zimmer der architektonischen Fragmente; zumeist von griechischen Bauten Siciliens. An der Eingangswand: Corniehe von Selinunt, mit Graffiti der reinsten griechischen Kunstblüte; früher mit Farben. — An der Ausgangswand in den zwei Glasschränken: Terracotta- bruclistiicke mit Reliefs oder Malereien. Mit Blei bekleidete Eisen zur Anheftung der Metopcn. — An der rechten Wand: eia Fragment vom Aquädukt Cornclio zu Termini. — Es folgt von zwei Sphinxen eingeleitet das Etruskische Museum; erst in der Aufstellung begriffen. Im I. Zimmer: Archaische Reliefs auf weichem Stein. L. freistehend auf Postament: sitzende Statue der Proserpma, noch mit Farbspuren. — Im II. Zimmer: Reliefs in Alabaster. —Vor der Mitte der Rückwand: Relief mit gemalten Inschriften. — Vor der rechten Wand: Kampf der Griechen mit den Amazonen. B. Erster Stock. Die Treppe hinan im I. Hof, aus dem linken Korridor. Oben linlcs und durch einen Vorraum (mit mittelalterlichen Renaissancerahmen und Reliefs) in die Gallerie des Mittelalters (Gal- leria del medio evo), in provisorischer Anordnung (1876) : Oben, ringsherum unter der Corniehe: Gipsabguss der grossen arabischen Inschrift oben an der Cuba (S. 252); von dieser Inschrift sind einige Originalsteine, die her- unterrielen, und einige von den hourbonischen Truppen 1840 herabgeschmetterte, im ersten Ilof unten (S. 216). Diese Inschrift bezeugt, dass die Cuba erst unter den Normannen erbaut wurde (nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, unter den Saracenen). Die Inschrift lautet: Im Namen des gnädigen, barmherzigen Gottes; gib Achtung, stehe still und bewundere! Du siehst hier herrliche Räume, von dem trefflichsten aller Könige der Erde, Wilhelm II., errichtet; es gibt keine Burg, die seiner würdig wäre, und seine Säle genügen etc.; später folgt das Datum 1180, und der Wunsch, Gott, 229 2. Palermo (Museo Naziouale: Erster Stock). 230 dem ewiges Lob gespendet, sei, möge dem Herrscher die Fülle aller der zahlreichen Güter erhalten, die er ihm gegeben; o grosser Gott, dass das lange Leben, die Macht etc. — In der Mitte vorn : Triton in Bronze, 17. Jalirli.; dann an der linken Wand eine orientalische Kassette mit sehr feinen Mosaiken. In der Mitte eine Kassette mit Elfenbeinschnitzereien, 15. Jahrh. — Dann unter Glas: reiches Reitzeug, 1(5. Jahrh. Daneben am Fenster: Glocke von Maestro Antonio di Bongiovanni di Naro, 1310. — An der linken Wand in einem Pult: lateinische Codices mit Miniaturen aus dem 15. und 10. Jahrh. und Kartenspiele; r. ein griechisches Manuskript aus dem Basilianerkloster Salvatore; es gehörte der Kaiserin Costanza, welche (wie auch Dante berichtet) Nonne gewesen sein soll, ehe sie den deutschen Kaiser Heinrich VI. heiratliete. ■— Am 5. Fenster r.: Mörser mit Reliefs und der Inschrift: Johannes Gaspar und Petrus de Campanario von Palermo verfertigten mich 1507. — Eingangswand r.: ^Fragment einer HohdccJce aus dem Palazzo Reale, mit Doppeladler oben im Ornament, aus der Zeit der Hohenstaufen (1195—-12(56). — Es folgt an der rechten Wand ein grosses Triptychon mit Hochreliefs und gemalten Tafeln (Anbetung der Weisen, Verkündigung, die Freier Mariä); niederländisch, 15. Jahrh. — Vorn an der linken Wand: Geschnitzte Brüstung, 16. Jahrh. — *Waclisbüste des Arztes und Astronomen Giuseppe Alaimo, modellirt von dem berühmten Gaetano Zumbo. — Darunter: * Majoliken aus den Abruzzen und Urbino. —Im folgenden Glasschrank: Arbeiten von Elfenbein. Nr. 257. *Relief der Madonna mit zwei Engeln, 15. Jahrh. — 253. Bischofsinful, 14. Jahrh. — 242. Bacchus. — Darüber: KassetteninHolz,14.undlö. Jahrh. — Weiterhin ein Schrank mit Glaswaaren von Murano und ans Deutschland. — Alte Waffen; im Schrank eingelegte Pistolen; ein *altesRevolvorgewehr. Ueber dem Schrank: die (entsetzliche) Terracottabüste der Giftmischerin Anna Bonamio, genannt »la vecchia dell 1 accto« (das Essigweib). —Ausgangswand 1.: Nr. 560. Bildnis eines deutschen Kaisers; r.: 505. Bildnis des Ottavio d’Aragona, berühmten sicilischen Admirals, 1565—1623. Es folgt die kleine Stau za clegli oggetti a v a M (Arabische Sammlung ). In der Mitte: *'Grosse Scheiben, Becken und Tafeln von Messing mit sehr schönen Ornamenten und arabischen Inschriften (aus dem Orient). Oben: Arabische Inschrift (Kopie) der Martoranalcuppel (S. 177), Hymne auf die Dreieinigkeit. —In den Schränken: *Gefässe aus weissem Thon von köstlicher Arbeit und Leichtigkeit, aussen bemalt oder bedruckt, innen eine durchbrochene Blume; an den Henkeln der Name des Töpfers. — II. astronomische Instrumente (ein Astro- lob von Ilämid ihn Ali, vom Jahr 343 fd. h. 955). — An den Ecken: Thonge- fasse aus der Kirchendecke der Marto- rana; sie bildeten arabische Buchstaben. Dann folgen zwei Zimmer, in dessen erstem alte Pläne und Ansichten von Palermo sind, im zweiten ethnographische Merkwürdigkeiten; chinesische Malereien und geographische Karten. —Einige Stufen hinab kommt man zum Südlichen Korridor (Corridorio di Mezzogiorno), in provisorischer Anordnung (T87G): Altgriechische, sicili- sche und süditalische Vasen. Sala dei Südkorridojr Ethno-L... 1 Stanza fr-ph. | piane , d ir 0 isr o -o c_ o lalleriö' des Mittel- alters Münzen Cap- .p c!| » 4 Nordkorridor |= Museo Naziouale (Erster Stock) in Palermo. Zuerst Vasen ohne Malereien, vom höchsten Alter, aus weisslicliem Thon mit Thierfiguren; dann mit menschlichen Gestalten; archaische mit schwarzen Figuren auf rothem Grund; von entwickelterem Stil mit rothen Figuren auf schwarzem Grund. Vasen aus Süditalien. — Unter den Vasen des schönen Stils sind hervorzuheben: im Korridor geradeaus, auf dem 1. Glasschrank in der Mitte: *Nr. 656. Triptolemos auf dem geflügelten Wagen, ihm zur Seite Demeter, Persephone und zwei Könige Attika’s. Auf der Rückseite Zeus zwischen Thetis und Eos, die Fürbitte für ihre Söhne Achilles und Memnon einlegen. Alle Figuren mit Namen. Aus Girgenti. — Es folgt Nr. 655: Kampf der Kentauren. — Auf isolirtem Sockel: Nr. 1628. Bacchus und Ariadne mit zahlreichem Gefolge (sehr eleganter Stil). Auf dem folgenden Glasschrank, die 3. Vase, Nr. 653: Bacchus und Bacchantin; Rückseite zwei Satyrn (mit prächtigem Firnis). — Rückwand, Vasen aus Süditalien schon den Verfall der Kunst offenbarend. Nun r. in die Sala dei bron zi. An der Eingangswand 1.: ** Antiker Widder von Jh-onze, aus Syrakus. 231 2. Palermo (Musoo Kazionale: Erster Stock). 232 Bis 1848 waren zwei antike Widder im Pal. Reale zu Palermo; einer derselben wurde in der Revolution zerstört und zu Kanohenguss verwandelt. Ueber die Herkunft derselben ist historisch nur begründet, dass sie zum Schmuck der Festung dienten, welche von Gcorgios Maniakes zur Vcrthei- digung des Hafeneingangs von Syrakus errichtet wurde, im 11. Jahi’h. Von da wurden sie 1448 von Giov. Ventimiglia, Marchese von Geraci, weggenommen, der sie als Belohnung für die Unterdrückung eines Aufstandes in Syrakus erhalten hatte. Sie kamen sx>äter auf sein Grab in Castelbuono und, als die Güter seines Neffen vom Staat eingezogen worden, in das königliche Be- sitztlium. »In diesem Bronzewerk ist, wie in allen ausgezeichneten Werken der griechischen Kunst, die naturalistische Wirklichkeit mit einer gewissen Idealität verbunden, durch welche selbst ein Thiertypus zu einer edlen Stilentfaltung sich erhebt; daher wurde auch dieser Bock der enthusiastischen Bewunderung werth geachtet« (Salinas). An der rechten Wand: ** Herakles drückt den ereilten Hirsch nieder • ausgezeichnete antike Bronzegruppe, 1805 in Pompeji ausgegraben (Bd. I, S. 458). Die wuchtige Kraft des Herakles, mit welcher der jugendliche, schlanke und in prächtigster Entfaltung der Körperformen gebildete Held den zu Boden geworfenen Hirsch niederdrückt und am Ende des Geweihs packt, ist liier aufs geistreichste und schönste mit dem Ausdruck und den Linien verbunden, welche die Schnelligkeit der That erheischte. — Es ist fast zu bedauern, dass eine so vorzügliche Komposition als Zierde des Bassins eines Ilofbrunuens ihrer inuern Selbständigkeit entfremdet - wurde; noch bat der Hirsch die Metallröhre im Maul, durch welche der Wasserstrahl in die Marmormuschel des Tmpluviums niederfloss. — Die Augen des Herakles und des Hirsches sowie die Lippen des Heros sind von verschiedenem Metall. Gegen die Fensterwaml, auf einem antiken pompejanisehen Tisch: Bronze- vasen. — An den pompejaiiLsch bemalten Wanden: Utensilien von Bronze. Auf der vierten Konsole r.: * ßronzehelm mit os- kiseher Inschrift. Nun zurück durch den Korridor mit den griechischen. Vasen und am Ende r. zum W e s t k o r r i d o r, wo provisorisch die Casuccini-Sammlung griechischer und italischer Vasen aufgestellt ist. Alle stammen aus Chinsi. R. in der Mitte, unter einem Glaswürfel: *Nr. 1068 (ganz schwarz) die Tödtung der Medusa; höchst eigenthiimlichc Vase mit Figuren von orientalischem Charakter. —- Runde Terracotta- Urnen mit gemalten Inschriften. — Es folgt r. ein kleiner Glasschrank (Nr. 54) mit etruskischen Vasen von. schwarzem Thon (di bucchero) mit ltelief- streifeu. Schrank Nr. 57: Nachahmungen griechischer Vasen und (Nr. 1622) Krater mit einem in mehreren Farben gemalten Viergespann. Schrank Nr. 59: Archaische Vasen mit Thieren. Vasen des schönen griechischen Stils mit schwarzen Figuren auf rotliem Grund und rothen Figuren auf schwarzem Grund. Im zweituntersten Gestell 1.: Nr. 1503. Der Kentaur Chiron erhält den Besuch von Thetis und Peleus; mit Inschriften. — Nr. 1506. Urtheil des Paris. Am Ende dieses Korridors 1.: *alte Kapelle mit geistlichen Gewändern aus dem Kloster Santa Cita, reich in Gold und Silber gestickt und in mehrfarbiger Seide, mit Figuren, Früchten und Ornaten. In einem Schild in der Mitte des Kragens steht der Karne des Meisters, Fra Giaeinto Donato, Dominikaner von Ascoli, 1074. Vor dieser Kapelle, an der linken Wand, sind die Bildnisse der um das Museum verdienten Männer und einiger berühmten Künstler (Nr. 341. Giacomo Serpotta, der treffliche Stuckmodellator; 359. Fra (4iacomo Amato, der Erbauer von 8. Giuseppe, S. Sal- vatore u. a.; 472. Ignazio Murabitti, der Bildhauer. — In diesem Korridor ist in der Mitte der rechten Wand der Eingang zur Direktion. Der Westkorridor mündet in den K o r d k o r r i d o r, mit Terrakotten, Glasarbeiten ? Bronzen u. a. R.: Schrank 60 und folgende. In Schrank 64: Statuetten mit Spuren von Farben und Vergoldungen, aus einem Grab der Nekro- polis von Solunt. — Schrank 66: Terrakotten mit griechischen, phönikischcn und lateinischen Inschriften. Amphorenhenkel mit dem Namen des Fabrikanten oder init dem des Monats und des gleichzeitigen Magistrats. Schrank 67: weisse und bunte Gläser, grossen- theils in Solunt gefunden. — Schrank 6b: Knochcngeräthe; Nr. 241. *Gastfrcundschafts- Tcssera aus Lilybaeum; Vorderseite: zwei verschlungene Hände; Rückseite: griechische Inschrift, welche berichtet, dass Himilko Hannibal Ohioros, Sohn Himilkos, mit Lyson, Solin des Diognetes, und seinen Nachkommen Gastfreundschaft geschlossen. — Cerealien, Früchte, Stücke Tuch und verkohlte Stoffe aus Pompeji. — Schrank 69: Kleine Bronzen. — Schrank 74: Waffen und Wurfgeschosse (bleierne, mit griechischen Inschriften). — Schrank 79—82: Etruskische Bronzen. 79: Spiegel; Nr. 1537: Apollo und Latona nebst anderen Figuren, mit etruskischen Namen. — Schrank 83: Waffen aus der Steinzeit und prähistorische Vasen, aus der Grotte 233 2. Palermo (Museo Nazionale: Zweiter Stock). 234 Chiarastella und einer Grotte bei Caccamo. | — Schrank 84: Aegyptische Altcrtliiimer. Zwischen Schrank 66 und 07 ist der Eingang zur Sammlung der Miinzen und des Gold- sclunucks (Gabinetto di Numismatica e orefi- ceria.) Vorn 1. (unter Glas) 1. Schrank 1.: * Triptychon, byzantinische Emailarbeit. *Ein 1 Bechern, ein Picdestal von Email (16. Jahrh.). 1 Bernsteinbecher. Stücke des Ostcnsoriums [ der Olivella, 1610; r. weiter: antiker Gold- , schmuck. In der Mitte: goldplattirte Guir- 1 lande, aus Tyndaris. — Oben r. und 1. Sammlung von Silberhaften; darunter 1.: Ge- ( schnittene Steine in Hingen; in der Mitte: ' goldenes Figiirchen aus Solunt; goldene Ohrringe aus Tyndaris; einige aus Solunt; r. j antike Hinge (Nr. 484 aus Solunt mit itali- \ sclicr Inschrift; *152, aus Syrakus mit Niello | des 7. Jalirh. Nr. 13a altchristlich, 13h silbern \ mit arabischer Inschrift). — Rückseite des j Schranks: Antike sieilische Münzen, nach j Städten oder Völkerschaften vertheilt. Die erste: Sicilien überhaupt. Katana, Kopf des ! Amenanos, mit dem Namen des Verfertigers Chirion. — Eryx , Silberdrachme mit Krebs : (Geschenk von Dr. Imhof-Blmner). — Sy- j rahm, archaischer Kopf (Geschenk Salina’s). i — *Iu(ton), Drachme mit dem phönikisclien 1 Namen von Himera (Geschenk Salina’s). — I H. weiter: Sieilische Münzen vom Jahr j 532—1836. —Eingangswand: Korallenarbei-: ten. Medaillen nnd Kokarden der palermit. j Revolution von 1820. — Im Schrank: Wa- | gen, Gewichte, Masse, Sigille. —An der ■ linken Schmalwand: 2 Schränke mit Miln- . zen der Münzstätte Palenno’s. — Fenster-1 ecke, an der rechten Schmalwand: Medail- j len berühmter Sicilianer oder historischer! Ereignisse auf der Insel. j Ein Saal mit modernen Gemälden 1 (theilweise der Schüler der Akademie) ist gegenwärtig in Restauration. Er enthält Bilder von Lojacono, Lete, Volpes, Mosca, Querei, la Farina, Vctri, Pcrdieliizzi, Sal- telli, Bensa, Pensabene, Riolo, Barba, Pa- dovano, Dolce u. a. S. Vito e S. Castrenso; an den Pilastern Fi- giirchen, Anfang 15. Jalirh. — 75. Madonna mit Petrus, Paulus und zwei Heiligen. — 80. S. Petrus, Anfang 15. Jalirh. — 78. S. Johannes, ebenso. — 685. Tod Mariä, Ende 14. Jahrh. — 640. Kreuzigung (Kreuz). — 662. Madonna, — darüber: Kreuzigung, seitlich Verkündigung, 13. Jalirh. (Kopie). — Rechte Wand (nach dem Eingang zu): 683. Hieronymus, 16. Jahrh. —687. Joseph, Heimsuchung, Madonna, 16. Jahrh. (Kopie). — 850. Heilige, ebenso. — 000. Madonna mit zwei Heiligen, 1623. — 504. Ein Heiliger im Gaöin - Gallo Gabi netto Malvagnajiyj VI [ Sala del lucernale Sala del lovelli III Sala del! Ainemolo 3 Westkorridor C. Zweiter Stock. liier befindet sieb die Gemäldesammlung, theilweise aus aufgehobenen Klöstern zu- sammcngestellt. Die Treppe hinan und im Korridor r., dann sogleich wieder r., tritt man in den I. Westkorridor, mit siciliani-\ sehen Gemälden des Id.—IG. Jahrh. Linke Wand: Nr. 388. Aus dem Martora- ; nakloster, ruolo delle monache, mit Apostel- : figiirchen, 14. Jahrh. — 82. Triptychon; Krü- . nung Mariä mit Petrus und Paulus, oben der Gekreuzigte, Gott-Vater und die Vor- ; kündigung, 14. Jahrh. — 75). Krönung Mariä, j mit Petrus und Paulus, 14. Jahrh. — 81. ! Madonna mit zwei Heiligen, 1462. — 77. j Museo Nazionale (Zweiter Stock) in Palermo. Harnisch verwundet einen Saracenen, 16. Jahrh. — 503. S. Caterina, ebenso. — 708. Eine Heilige, 16. Jahrh. — 84. Kreuz mit Christus, Anfang 15. Jahrh. — 86. Madonna mit zwei Heiligen, 15. Jahrh. — 605. Krönung Mariä, 15. jahrh. — 692. Krönung Mariä; S. Michael und Täufer; S. Leocula und Johannes Ev., mit Predella. — 681. Madonna, Ende 15. Jahrh. Nun diesem Westkorridor wieder entlang und 1. in den II. Südkorridor; Fortsetzung der alten sicilischen Schulen. Rechte Wand. Nr. 814: Madonna mit zwei Engeln und einer Heiligen, 16. Jahrh. — 822. Eece homo, 16 Jahrh. — 74 und 76. Verkündigung, in der Art Crescenzio’s. — 45)8. S. Franz erhält die Wundmale, 16. Jahrh. 235 2. Palermo (Museo Naziomile: Zweiter Stock). 23 G — 85. *Antondlo Crescendo, Madonna rlello grazie und sechs Heilige. — 554. *$. Johannes von Tommasode Vujilia, 14i>2. — 370. Tod Mariä, 1585. — 552. *Fra Simpliciano (von Palermo), Kreuzigung, 1514. — 400. S. Basilius gibt den Nonnen seine Kegel, 1584. — 549. Francesco di Paola, mit einigen Frommen, lß. Jalirli. — 1<*7. S. Antonio di Paola, pa- lermitanisclie Schule, lß. Jalirli. — 387. S. Vito, 15. Jahrh. — 389. S. Agata, 15. Jahrh. — 170. *Maria in der himmlischen Glorie; palermitanische Schule, 10. Jahrh. — 87. Johannes, Anfang lß. Jahrh. — 55ß. Ein betender Engel, von Sozzo. — 165. Himmelfahrt Mariä, von Dems. — 489 * Assunta, aus Carmiue, 15. Jahrh. — 557. Madonna in der Glorie, unten S. Francesco di Paolo, S. Oliva und die Halbtigur des Ilonators, Schule Ainemolo’s, 1555. — I6ü. Johannes, ebenso. — Neben der Thür r.: 832. S. Cate- rina, 16. Jahrh. — Neben der Thür ].: 833 Heilige Märtyrin, 16. Jahrh. — L i u ke Wan d: 164. Täufer, Schule Ainemolo’s. — 287. Pietro d’Asaro (il Monocolo di Racalmuto), S. Benedict, Placidns und Maurus mit mehreren Heiligen. — 365. * Antonello Crescenzio, Kopie von Raffaels Spasimo, 1583. — 899. Geburt Christi, Schule Ainemolo’s. — 492. S. Barbara und ©in Frommer, 14. Jahrh. — 501. Ein Engel, einer Heiligen Früchte anbietend, 16. Jahi’li. — 370. Tod Mariä, 16. Jahrh. — 855. Madonna mit zwei Heiligen, oben die Auferstehung, 1541. — 712. Geburt Christi, 14. Jahrh. — 495. Des Dämons Versuchung, 14. Jahrh. — 853. Pieta, 15. Jahrli. Diesem Südkorridor wieder entlang und r. in die III. Sala delT Aincmolo(S. 87). Eingangswand: Nr. 91. Vineenzo Ainemolo, *Geiselung Christi, 1542. Daneben klein: 48ß—88. Gott-Vater mit dem Kru- eilix und die Verkündigung; 1. Hälfte des IC. Jahrh. Rechte Wand, über der Thür: 93. Schule Ainemolo’s, "*Tcnipel- präsentation. Unten: 100. Verehrung der Weisen, ebenso. Darüber: 107. Kreuzabnahme, ebenso. Unten: 95. Gott-Vater, vier Engel und die Taube; 1. Hälfte des IG. Jahrh. Darüber: ^Madonna mit vier Heiligen und der Halbfigur des Donators, von Gabriele Volpe, 1535 gezeichnet. Unten: 99. Heil. Familie, Schule Ainemolo's. Darüber: 364. *S. Franz, die Wundmale erhaltend, von Vineenzo Ainemolo. Unten 101, darüber: 109. V. Ainemolo, *S. Konrad der Eremit und seine Legende. Ueber der Thür: 105. Grablegung, Messiner Schule; 15. Jahrh. 98. *Pietro Rozzolone, Geistausgiessung. Fensterwand: 106. S. Domenico’s Disputation; Ende des 15. Jahrh. 9G. Madonna, Täufer und S. Bartholomäus; 1500 (re- novirt 1539). Rechte Wand: 1027. Vinc. Ainemolo, Verklärung. 102. "Ainemolo, Kreuzabnahme; Predella: Grablegung; Hauptwerk des Meisters. 103. *S. Thomas’ Disputation, von Antonello da Sa- liba. 97. Martyrium der 40 Märtyrer, Schule Ainemolo's. 104. Deutsche Schule, Krönung Mariä; Ende des 15. Jahrh. 50. Antonello da Messina, Ilalbfigur eines Kardinals. 47. '^Bischof, von Demselben. 51. *Papst, von Demselben. G8. Magdalena, palermitanische Schule; IG. Jahrh. Darüber: 90. 89. 88. 94. 29. Die Verkündung, Heimsuchung, Geburt, Anbetung der Könige, Flucht nach Aegypten, Schule Ainemolo's. — Am Anfang der linken Längswand der Sala Ainemolo Öffnet sich eine Thür auf das kleine, aber höchst schätzenswerthc: IV. Gabinetto Mal vag na. An der rechten Schmähe and: Nr. 59. -'Triptychon aus der van EycTA scheu Schule (nach dem Zeichen unten r. wohl von Gerhard David). Von der sorgfältigsten und reizendsten (miniaturartigen) Ausführung: in der Mitte die Madonna, r. und 1. musicirende Engel; linke Seite: S. Catharina mit dem Ring; r. S. Dorothea mit den Rosen; Engel zur Seite. Auch das Landschaftliche mit den zartesten Tonen. — Aussen auf den Deckeln 1. Adam und Eva vor dem Paradiesespalast, r. die Felsenlandschaft. — Das Bild wurde von Marchese Malvagna dem Museum als ein Dürer geschenkt. Eingangswand: Nr. G0. Garofalo, Madonna mit Johannes und dom Christuskind. Skizze des sterbenden Ohristusliauptes. Ueber der Thür: 400. Judith , angeblich von Raffael. 58. Meinung (?), Madonna mit Engeln. 35. '"Van Dyck, Familie des Rubens. Linke Schmal - wand: 48. Ilolbein (?), Mäimliches Bildnis. 55. Madonna; seitlich Inschrift in goldenen Lettern; 16. Jahrh. 230. Dotter, Landschaft mit Hirt und Kuh. 09. Verkündigung; 16. Jahrh. Am Ende der linken Wand des Ainemolo-Saals tritt man in die V. Sala del Novelli (S. 87). In der Mitte des Saals zwei Krucifixe aus dem 15. Jalirli., das erste aus Palermo, das 2 . Palermo (Museo Nazionale: Zweiter Stock). 238 23? zweite aus Carcamo. Eingangswand r.: Nr. 512. Giuseppe Albino,, SS. Alfio, Fila- delfio in Cirino im Gebet. Rechte Wand: 537. Paolo Bramero, Tonipelpräsenta- tiou, 1589. — 112. * Pietro Novelli (Mor- realese), Kommunion der S. Maria Egi- ziaea. Nach der Thür: 111. Bildnis eines Jünglings, von Demselben. 373. S. Anto- nino mit dem Christuskind, Schule No- vetti’s. 1028. * Pietro Novelli, S. Kasimir vom Christuskind gekrönt. 890. * Pietro tVAsaro, Geburt Christi, mit zahlreichen Heiligen und Engeln, 529. *Gaspare Serenario, Erscheinung Mariä an Giuseppe Calasanzio, — Eensterwand: Zeichnungen der Fresken Novelli* s in der Caserma SS. Trinitä, von Bucalo unter Pataria’s Aufsicht auf Kosten der Komnimie ausgeführt. 525. Giuseppe Velazqnez (von Palermo 1750—1827), S. Benedict in gloria mit vielen Mönchen. Linke Wand: 113. Präsentation Mariä, Schule Novelli*s. 355. Iminacolata, Schule Novelli* s. — Ucbcr der Thür: Martyrium S. Lorenzo’s, Schule Novelli*s. — Nach der Thür unten: 114. * Pietro Novelli, Befreiung S. Petri’s aus dem Kerker. — Darüber: 109. Rosalia Novelli (Tochter), Verkündigung. 115. Madonna mit einem Engel und einem Heiligen, Schule Novelli*s. Am Fenster: 110. Pietro Novelli, Madonna mit Johannes und Rosalia. Dann unten: 1022. Ders., S. Petrus Martyr. Darüber: 449. Ders., *Fresko der Madonna und eins der drei Könige. Neben 1022. 1.: 340. Ders., *Selbstbild- nis. Daneben: 114. Ders., Moses, Halbfigur. 1023. Ders., S. Andreas. Darüber: 19G. * Pietro Novelli, Freskenreste aus der Caserma SS. Trinitä. 194. Ebenso. Darüber: 1020. Ders., Madonna, Engel, S. Franciscus im Gebet. Nach 1023.: Nr. 567. -'Ders., Madonna, Benedikt, S. Ludwig. Darüber: 1024. Kreuztragung, Schule Novelli*s. In der Ecke: 432. Abschied der Familie, ebenso. Darüber: 434. Martyrium zweier Heiligen, ebenso. 123. Giacomo lo Verde, S. Katharina, Halbfigur. Eingangswand 1.: Ders., Benediktion der Nonnen. Nun zurück durch den Ainemolo- Saal, aus welchem man in den VI. Sala del lucernale tritt, mit Gemälden verschiedener Schulen (wird erst eingeordnet). Hier ist *Carrmlio, Madonna delP Uiniltä, ein naives, reizendes Bild des 14. Jahrh.; eine Heilige Familie von Hnhem; — eine Galatea von Franc. Albani; — der Schutzengel, von Sassoferrato; — ein Tliierbild, das man Diego Velazqnez, und eine Märtyrin, die man van Dyck zuschreibt. Aus diesem Saal kommt man in den Nordkorridor (VII) mit Kupferstichen und den farbigen Stichen dev Raffael*sehen Loggien und weiter r. zum Gabi netto Gallo. Im IC o r r i d o r (VII), linke Wand: Nr.986. Zoppo di Ganci, Verehrung der Weisen. — 984. Giuseppe d'Asaro (Monocolo), Geburt Christi. — 985. Ders., TempeJpräsentation. — Schmale Rückwand: 995. Gins. Velazqnez, S. Onoforo. — 981. Ant.onino Grano (Schüler Novelli’s), Eine heilige Nonne mit dem Christuskind. — 1017. Zoppo di Ganci, Orpheus bezaubert die Thiere. — 1010. Lüterio Subba (Messina), Daphne unter den Hirten. — 1006. Vincenzo liiolo, Die triumpliirende Liebe. — Rechte Wand (über der Thür): Gins. Henna, Die Ruhe. — Nach der Thür: 974. Pietro Novelli, Ein Kopf, Fresko. — 980. Ders., Dominikancrkopf. — 973. Ders., Madonnenkopf. — 975. Ders., Noah. — 977. Ders., Christuskind. — 976. 972. 978. Ders., Maria, S. Anna, Joseph. — Ucber der Thür: Henna, Flucht in Aegypten. — Neben der Thür unten: Natale Garta, Daphne lernt von den Kamönen den Ackerbau. — 1003. Lo Verde , Aurora. Aus dem Korridor in das 1. Zimmer (VIII) rechts, Eingangswand r.: Nr. 943. 944. 912. Giovanni La»franco, >S. Johannes, Matthäus, Markus. — Rechte Wand: 917. *AUbrandi (Messina), Ecce homo. — 918.‘“Sterbende Nonne, venetianhehe Schule, 16. Jahrh. — 931. Hubens, Hirt und Nymphe. — 916. Giorgione (?), Magdalena. — 920. Bassano, Verehrung der Weisen. — Fensterwand: 960. Annib. Garacci, Die stillende Maria. — 940. Bartol. Schidone, Heil. Familie. — 1013. Karl Vogel, Frauenbildnis. — 939. Burtol. Schidone, Joseph und das Jesuskind. — L. vom Fenster: 955. Slomer, S. Gaetano. — Linke Ausgangswand: 963. Tiepolo, Cav. Rossi.— 928. Nieheimer, Spasimo. — 975. Luca Giordano, Rebekka. — 949. Velazqnez, Frauenbildnis. Beim Fenster 1. in das 2. Zimmer (IX) Fensterwand: Nr. 969. Madonna mit Petrus und Antonius, palcrmitanische Schule des 16. Jahrh. — 092. Gasp. Serenario, Männliches Bildnis. — 979. Loforte, Engelchen, — 1014. Bcscigno di Augusta, Die französische Dichterin Emma Maliul. — 993. Gius. Veluzquez, Heil. Familie. — 968. Pietro Novelli, Madonna mit Engeln. — 991. Serenario. Männliches Bildnis. —■ Rückwand: 1001. 996. 994. 989. Gius. Velazqnez, Ganymed, Petrus, S. Vincenzo Ferreri, die göttliche Weisheit, — 239 240 2. Palermo (S. Cita — S. Giorgio de’ Genoyesi). 971. Pietro Kovelli , Anbetung der Weisen. — 1008. Gins. Patania, l>er 3’utto und das Kaninchen. — 989. Pietro dell’ Aquila, Madonna. — Thtinvand: 970. Verehrung der Weisen, palermitanisclic Schule, 16. Jahrh. — 101». Michelangelo da Caravaggio , Geburt Christi. — Eingangswand: 99». 1000. 999. 997. Gius. Velazquez, Paulus, zwei heilige Jungfrauen. S. Petrus. — 997. Scilla, Thalia krönt Epi- charmos, 1671. — 1015. Gius. Patania, Venus kiisst Amor. — 987. Gioacckino Martorana, Heil. Familie mit Engeln. — 1009. Giuseppe Patania, Selbstbildnis (1780 —1852). Der nördlichen Langseite des Museums entlang läuft ostwärts die Via Bara hinab; in derselben kommt man (nach 2 Min.) r. zum (Nr. 2) Monte di Santa Rosalia (E 5), einst grandioser Pal. de’ Conti di Raccuia, jetzt Succursale des Leihhauses; eine Bombe entzündete 1848 einen grossen Theil. — Gegenüber, mit Eingang am Vicolo delle Verdi, Nr. 6, ist das Taubstmmneninstit'iit (E 5) (Sor- domuti), vor 1834 aus Privatmitteln gegründet, dann von der Kommune und Provinz übernommen und gegenwärtig gut verwaltet. — Durch den Hof des Monte S. Rosalia, dann in der Strasse sogleich r. und im ersten Strässchen 1. (Via del poßta), die erste Thür 1., folgt: S. Nie - colo de ’ Greci (E 5), die Pfarrkirche der Griechen, schon 1540 errichtet; mit hübscher, griechisch verzierter Bilderwand. Eingangswand r.: Denkmal des Gasparo Manzoni, Senator, Literat und Förderer der griechischen Kolonie (gest. 1827). R. Wand: Grabrelief für Federigo Manzoni (gest. 1818); beide Denkmäler von f'eil. Siracum, Bildhauer von Palermo. Hinter der Kirche liegt östl. an Via i del Seminario das Griechische Seminar I für die Albanesischen Kolonien (S. 365) 1 Siciliens. Hier führt die Via Lampedusa [ südwärts zur Via Valverde (in welcher ! S. Maria di Valverde oder S. Lucia, liegt, ! dessen Hochaltar ein schönes Bild No- velli's , Madonna del Carmelo, schmückt) und in dieser Strasse 1. (nordwärts) nach *S. Cita (E 5), 1586 erbaut (ursprünglich von Lucchesischen Kaufleuten gestiftet, dann Dominikanerkirchc, jetzt Kirche des zum Militärspital umgewandelten Klosters). Hinter dem Chor: vortreffliche *Reliefs von Antonio Gagini iu\d Sohn, in Form einer Tempelfront die ganze Hinterwand bedeckend (Geburt Christi und Mariä, Heilige, Seitenreliefs, köstliche Arabesken), 1595. — L. vom Chor: Kapelle und Grabstätte der Familie Lanza, Principe di Trabia e Butera, mit grossem Marmordenkmal von Giuseppe Abici von Modena. — L. von dieser Kapelle, an der Seitenwand neben dem Seitenein- gang (Capp. Scirotta): *Relief von Gagini, 1. S. Antonius mit dem Kentaur, oben Madonna, r. S. Hieronymus; mit trefflichem Ornament. Neben dem südlichen Seiteneingang führt aussen eine Treppe westwärts (oben r.) zum Oratorio di Santa Cita (E 5), mit brillanten Stuckdekorationen Ser- potta’s. Am Hauptaltar: Carlo Maratta , il Rosario; — an der rechten Wand die Bänke (man lasse die Holzdeckel abheben) mit prächtigen Perlmuttereinlagen. — Bei der Eingangswand die grösste und schönste * Achattafel Siciliens; im Vovsaal die Bildnisse der Governatori des Oratorio. Gegenüber der rechten Thür der Fa- 9 ade von S. Cita liegt (mit einem normannisch - saracenischen Spitzbogen Uber der Thür) das Conservatorio der Musik (E5), 1565 als Rettungsanstalt (Conservatorio de’ fanciulli dispersi) errichtet, 1617 zu einer Erziehungsstätte (Buon pastore) mngcwandelt, in welcher der Unterricht in der Musik die Grundlage bildet, jetzt mit über 60 Alumnen (33 auf Staatskosten), und mit einem kleinen Theater für Deklamation und Musikproduktionen (Direktor: Pietro Platania). L. neben dem Thiirbogen berichtet eine Tafel: »Hier in der alten Kirche bezahlten (der adlige) Giovanni Luca Squarcialupo und seine Genossen am 8. Sept. 1517 mit ihrem Blut an den Altären (durch den Patricier Niccolö Bologna) einen unglücklichen Versuch politischer Verschwörung«. L. nebenan (Via Squarcialupo 85) Hegt: SS. Annunziata (E 6), mit Rc- naissancefa0 Das Aeusscre ist fast schmucklos, nur cler Chorbau ist in origineller, an- muthiger Weise zwischen überhöhten Spitzbögen mit mosaioirten Rundbögen verziert und diese von je zwei Horizontalstreifen durchschnitten, zwischen denen Kreise mit mosaicirten Sternen angebracht sind. Zwei viereckige Thürme Grundriss des Doms von Monreale, fassen die Hauptfat^ulc ein, verloren aber ihre Obergeschosse (oben ein herrliches Panorama). — Das * nördliche Seitenportal, zu welchem man von der Piazza kommt, hat Bronzethüren von Barisanus von Trani, von 1179, von vorzüglicher Arbeit, mit Reliefs in 28 viereckigen Feldern, 7 Reihen bildend; besonders schön und zart sind die einfassenden Arabesken. 1. Täufer, der segnende Christus, Elias. 2. Grablegung, Auferstehung, Madonna, S. Nikolaus. 3. Johannes, Matthäus , Petrus, Paulus. 4. Bartholomäus, Andreas, Philippus, Jakobus. 5. S. Georg und 8. Eustachius, beide zu Pferde; in den inneren Poldern Löwenköpfe. f>. Thomas, Jakobus, Simon, Thaddäus. 7. Wappen des Kardinals Giovanni diltoano, ein Genius, ein Bogenschütze. — »Die Arbeit des Barisanus überragt die der Ilauptthür, die einzelnen Gestalten stehen fest und sicher auf dem Boden, die Verhältnisse sind besser gewahrt, die Bewegungen freier, die Gewänder richtiger gezeichnet« (Springer); man erkennt eine gut und lange geschulte Hand. — Vgl. Trani und Kavello. Zum * Westportal (die Ilauptthür, auf der Klosterseite) führt eine moderne Halle (s. oben). DasPortal ist spitzbogig und reich gegliedert, die Pilaster mit Musivselimuck und Skulpturen verziert. (Man betrachte die Symbolik am ersten Pfosten von unten nach oben, die geistliche Entwickelung des Menschen.) Die Bronzethüren sind von Bonannus, Pisaner Bürger, von 118G; sie enthalten 43 See- nen aus dem Alten und Neuen Testament. Die Reihenfolge beginnt unten 1.: 1. Löwen und Greifen. 2. Schöpfung, Geburt Eva’s, Adam und Eva im Paradies, der Sündenfall. 3. Austreibung, Arbeit, Geburt Kains und Abels, das erste Opfer. 4. Tod Abels, Noahs Arche, Noahs Trunkenheit, Abraham und die drei Engel. 5. Isaaks Opfer, die drei Patriarchen, Moses und Aaron, Bileams Esel. 6. Propheten. 7. Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Christi, Anbetung der Könige. 8. Kindermord, Flucht nach Aegypten, Darbringung im Tempel. 9. Vei’suchung, Erweckung des Lazarus. Christi Einzug, Verklärung. 10. Abendmahl, Verrath, Kreuzigung, Höllenfahrt. 11. Christus im Grab, Maria im Garten, die Jünger zu Emmaus, die Himmelfahrt. 12. 13. Die Jungfrau und der Heiland. — Die Einfassung ist »musterhaft antikisirend«, in köstlicher Verbindung des Perlstabs und der Ranken aus Gefässcn mit den mosaicirten Pilastern. — Die Inschriften sind in einem originellen »halbwüchsigen« Italienisch verfertigt {Dominus plasmavi Ada e limo tere, — Eva servo a Ada, — Caim uccise frato suo Abel, — .Abraha tres vidi unu adoravi, — Joseph, Maria et puer fugge in Egittu etc. Das Innere überrascht durch die Pracht der Mosaiken und des Goldgrundes, die echt orientalische Farbenfülle, die edle Raumvertheilung, den Schmuck des Gebälks und der Decke, die leicht geschwungenen Spitzbögen, die zierlichen Friese und Arabesken, die ernste, ergreifende Wirkung der harmonischen Dekoration innerhalb fast altchristlieher Formen. Die Länge misst 102 m., die 201 2. Palermo (Umgehung: Dom von Mourealc). 202 grösste Breite 40 in. Die Anordnung des (IreiscliiftigenBaues in lateinischem Kreuz nähert sich wieder dem alten Basiliken- sehema (Stalaktitengewülbe und maurische Kuppeln sind hier vermieden), docli haben die Spitzbögen noch die überhöhte arabische Form; sie erheben sich auf je neun schlanken , hohen Säulen von orientalischem Granit (11 monolithe), deren Kapitale und Basen weissmarmorn sind; neun korinthische Kapitale sind antik; die übrigen (gleichzeitig mit der Kirche) mit Akanthus, Füllhörnern und weiblichen Köpfen in Medaillons; die Basen ruhen auf viereckigen Plinthcn. Vier Pfeiler mit hohen Spitzbögen fassen den Kaum ein, wo sich Lang - und Querschiff schneiden; die Decke der Kirche ist von Holz, farbig gemalt und vergoldet. Der erneuerte Kassboden zeigt einen reichen Musterwechsel in verschiedenfarbigen Steinen. Der hohe spitzbogige Triumphbogen schliesst das Langschiff ab, dann folgt ein höherer Bogen, der den Chor vom Kreuzschiff scheidet, und zuletzt der Bogen der Apsis (»im ganzen sieben Spitzbogenlinien, nicht einmal koncentrisch, aber alle demselben Prineip des phantastisch Aufstrebenden folgend« ; Kohl). Auch die Fenster, die hoch über den unteren Bögen und dem Mosaik- schmuck angebracht sind, scliliessen im Spitzbogen. — Die Wände sind unten mit weissen Mannorplatten belegt und werden von senkrechten, schmalen Mosaik- bändeni mit reichem Musterweehscl durchzogen. Alle architektonischen Formen sind aber den untergeordnet, die als der eigentliche Glanzpunkt des Baues das Ganze beherrschen, denn sämmtlichc Pfeiler und Bögen sind nur durch Mosaik gegliedert, nicht plastisch (»gleichwohl ein unendlicher Keiehthum bei vollkommen ruhiger Haltung«). Arabesken und Ornamente in Gold und Farbe trennen die Mosaikgc- mälde, die einen Kaum von 05,109 Qua- dratpalmi bekleiden! — Ihre künstlerisch harmonische und gefällige Anordnung folgt einem klaren geistliehen Plan, der die Darlegung Gottes als Schöpfer, Erlöser und Richter bezweckte. Im Schiff (in der obern Abtheilung der Südwand, vom Chor aus beginnend) die Schöpfung (1—12), der Sündcnfall und seine Folgen (13—21), die rettende Arche (untere Abtheilung) und der Thurm Babels (1 — 7); dann die drei Patriarchen Abraham, Isaak, Jakob (8 — 20). — In den Unterbögen des Presbyteriums die 23 Vorfahren Christi in Medaillons, undllenoch, Noah, Melchisedek. — An den Wanden des Presbyteriums das Leben des .Täufers, die Geburt Christi und sein Leben bis zur Taufe im Jordan; — im rechten Flügel das weitere Leben Christi, das längs der Wände der Seitenschiffe sich fortsetzt und im linken Flügel des Presbyteriums endigt, wo die Geistausgiessung nun das Leben Christi in den Apostelflirsteu fortpflanzt; nach r. die Thaten Petri, nach 1. die Tliaten Pauli. — Um die Pfeiler der Bögen und an allen Unterbögen des Baues ist die spätere Entfaltung der Kirche dargestellt (Päpste, Bischöfe, Presbyter, Diakonen, Märtyrer, Konfessoren, heilige Jungfrauen, Einsiedler, Mönche, manche nur in Halbfiguren). —- Dann ira Sanktuarium nochmals zusammengefasst Gott-Vater: mit den Engeln, Cherubim, Seraphim, Propheten, der Erlöser mit der Madonna und den Aposteln und einige Hauptgestalten der Entwickelung der Kirche. Im Scheitel des Sanktuariums das richtende Wort (ohne das abschreckend Starre der byzantinischen Christusköpfe, voll majestätichen Ernstes), umgeben von einigen Propheten. lieber dem Triumphbogen gegenüber der Wcst- thiir: Erzengel Gabriel und Michael. — Am Westende über der Thür Madonna: zwischen S. Michael und Gabriel, r. S. Castrensc, Schutzheiliger Monreale’s, treibt Teufel aus und wandelt auf den Wellen. —Ueber dem reich mosaicirten, mit Porphyr und Marmor bekleideten Königsthron im Chor: Wilhelm II. von Christus gekrönt; — über dem ebenso reich mosaicirten erzbischöflichen Thron: Wilhelm übergibt der Jungfrau die Kirclic. Die Ausführung dieser (später mannigfach restaurirton) Mosaikbilder gehört zu den sorgfältigsten jener Zeit; Stil und die Technik sind den Mosaiken in der Palatina (S. 201) analog; die Künstler waren wolil meist Griechen. Erhöht wird die grossartige Wirkling durch das einlieitsvollo lucht in dem gewaltigen Raum, das durch die hochgelegenen kleinen Fenster der Seitenschiffe nicht gestört wird. — Der gesammte Mosaikschmuck ist eine künstlerische Fortsetzung der Conca d’oro. — Die Figuren sind grösser als die in der Palatina und Martorana; sie tragen meist griechische Gewandung und sind durch Inschriften bezeichnet. Im rechten Quorschiff sind die königlichen Gräber ; Wilhelm I. im Borphyr- sarg, Wilhelm der Gute in einem Mar- moi*.sai*kophag von 1575 (an der Stelle des zertrümmerten Backsteinsargs). In demselben Querschiff die Capp. S. Benedetlo, mit Reliefs seines Lebens, von 9 * 203 204 2. Palovmo (Umgehung: Dom von Monveale). Tgnaxio Marubilti, 17*15. — Nürdl. vom Hoch- i altar die Ca pp- Kil.) S. Flavia- in 2 ' 3 St. für I. 1,85, II. 1,30, III. 0,95 Fr. — Von Santa Flavia bedarf der Fussgänger (oder Reiter) Va St. bis zu den Resten von Solunt. (Man kann dahin auch von der Bag- lieria direkt über Cutalfano hinansteigen.) — Verlässt man Palermo mit dem ersten und Bagheria mit dem zweiten Zug, so kann man bequem mit dem Abendzug wieder in Palermo eintretfen. — Wagen nach Bagheria (13 Kil.) in l 3 fc St., von Bagheria nach S. Flavia. (3 Kil.) 20 Min.; Preis ca. 8 Fr. 279 280 2 . Palermo (Umgebunpr: Baglieria). Jenseit Palermo sieht inan von der Bahn 1. den Ponte del Ammiraglio (S. 275), dann S. Giovanni dei Leprosi (S. 275), r. Mare Dolce (S. 276), die Grotta S. Ciao (S. 277), S. Maria Gesu (S. 277), die Kirche von Braccioli; 1. den schönen Golf; r. und 1. einen Wald von Orangen und Citronen bis zum Meer und zu den begrenzenden Bergen, r. gegenüber den Monte Gritfone undFalcone. (8 Kil.)Stat. Ficarazzelli, rings umgeben von Agrumen, Obst - und Weingärten. — (10 Kil.) Stat. Fiearazzi, inmitten des fruchtbarsten Striches, welcher Palermo mit Wein, Früchten und Gemüsen aufs reichlichste versieht. Selbst das Zuckerrohr gedeiht hier; r. erhebt sich der Hügel Cannita, wo uralte Wohnungen waren und bei welchem die phönildschen Särge des Museums (S. 224) gefunden wurden; (13 Kil.) Stat. Bagheria, Stadt in der Ebene (11,651 Einw.), welche den isolirt über dem Meer sich erhebenden Monte Cataffano mit dem Festland verbindet. Die anmuthige, reizende Gegend zwischen Felsen und Meer ist mit Weinbergen, Olivenhainen, Gärten und Villen des palermitanischen Adels übersäet. Der Name Bagheria, aus dem Arabischen stammend und »Seegegend« bedeutend, weist schon auf das herrliche Panorama dieser Villen hin, die ihren Hauptglanz zur Zeit der schwelgerischen Königin Karolina zu Anfang dieses Jahrhunderts entfalteten und jetzt theilweise verödet sind. Doch hat das Landleben der Palermitaner in Bagheria in neuester Zeit wieder sehr zugenommen, und einige Villen sind wieder glanzvoll ausgerüstet. Von der Station geht man zunächst r. und dann 1. die lange Strasse zwischen zweistöckigen kleinen Häusern hinan; im Anfang r. (Nr. 309) Villa des Marchese Inguaggiato. Weiter oben kommt man 1. zu einer dreibogigen Eingangshalle, hinter welcher eine Cypressenallee sich 1. hinanzieht; diese führt zu der durch Goethe’s Beschreibung berühmten Villa del Principe Palagonia Grarina. Es folgt ein Thor von gelbem Travertin, »die grosse Halle«, von vier ungeheuren Kiesen mit »modernen, zugeknöpften Ka- maschen« bewacht; dann zieht ein breiter Weg dem Schloss zu r., mit langer Brüstungsmauer, die von je zwölf Postamenten unterbrochen ist, auf welchen Reliefs von Ileroenköpfcn angebracht sind und früher Gruppen standen. L. und r. schliessen sich bebaute Felder an, I. ein Citronengarteu, r. Feigen, Cypressen, Akazien, Opuntien. Zn hinterst, hinter Gitter- und Zinnenumfriedigung, erscheint die Villa über die einstöckigen Nebengebäude aufragend. Vor dem Gittereingang ein grosser Halbkreis mit Brunnen; r. und 1. zwei Kobolde in Zwerggestalt, auf hohem Postament hockend, 1. mit Bart und sechs Augen, r. mit drei Brüsten und zwei Thierköpfen zur Seite eines weiblichen Hauptes. Die Vil la ist noch von einer zahlreichen Masse jener von Goethe plastisch dargestellten Skulpturen umgeben, auf dem linken Brunnen sieben Statuen, auf den Dachreihen des einstöckigen linken Flügelgebäudes 61 Statuen aus Muschelkalk, aut dem rechten Flügelgebäude ebenfalls eine grosse Anzahl, lauter seltsame, zusammge- wiirfelte Gruppen, nach Goethe’s Verzeichnis: Menschen: Bettler, Bettlerinnen, Spanier, Spanierinnen, Mohren, Türken, Buckelige, Verwachsene, Zwerge, Musikanten, Pulci- nelle, antik kostümirte Soldaten, Götter, Göttinnen, altfranzösisch Gekleidete, Soldaten mit Patrontaschen und Kamasclien, Mythologie mit fratzenhaften Zutliatcn. — Tkiere: Pferd mit Menschenhänden, Pferdekopf auf Menschenkörper, entstellte Affen, viele Drachen und Schlangen, alle Arten von Pfoten an Figuren aller Art, Verdoppelungen, Verwechselungen der Köpfe. — Vasen: Monstren und Schnörkel, die unterwärts in Vasenbäuchen und Untersätzen endigen. »Denke man sich nun dergleichen Figuren schockweise verfertigt, und ganz ohne Sinn und Verstand entsprungen, auch ohne Wahl und Absicht zusammengestellt, so wird man das unangenehme Gefühl mit- empfinden, das einen jeden überfallen muss, wenn er durch diese Spiessrutlicn des Wahnsinns durchgejagt wird.« Giovanni Meli schrieb folgende Hcilianische Verse auf diese Villa: Giovi guardava da la sua regia innnensa La bella villa di la Bagaria; Unni l’arti impetrisci, eterna e addensa L’abborti di bizzarra fantasia; Viju, dissi, la mia insufficienza, Mostri n’escogitai quantu putia; Ma duvi terminau la mia putenza, Dola stissu incuminciau Palaguuia. Zeus erblickte vom erhabenen Throne Die schöne Villa in der Bagaria, Wo sich statt wahrer Kunst die Auslassungen Bizarrer Phantasie gehäuft vorfinden, Und sprach: ich anerkenne meine Ohnmacht, Ich konnte Monstren wohl erfinden, aber Wo meine Macht zu Ende, an dem Punkte Entfaltet sich die Macht Palagonla. Auf dem Rund vor der Villa noch 22 Büsten; im Vestibül 14 farbige Büsten; oben noch einige Zimmer mit der alten Marmorpracht. Ist man durch die ganze Villa liin- durchgeschritten, so hat man jenseit der 281 2. Palermo (Umgebung;: Soluut). 282 Strasse des Platzes 1. in der Höhe die "Villa Yalgnarncra in präclvt. Lage vor sicli. • -(Eingang" r. jenseit des Platzes.) Ein langer Korridor führt zur fünfbogigen Halle mit Statuen auf der Brüstung; 1. schliesst sich ein schöner Olivengarten an, mit Nischenhalle. Die Villa selbst ist etwas verkommen, dagegen bietet sie und noch mehr der Hügel hinter ihr mit dem Belvedere den weitesten und herrlichsten s *Blick über die reiche Landschaft, ihre schönlinigcn Höhen, die Golfe von Palermo und Termini, die Ma- donischen Berge bis Kap Cefalü. Daneben folgt r. die Villa del Principe della Trabia Lanza, noch in vollem Glanz und sehr gut gehalten. — Von da siidwestl. dem Dorf entlang bis zur Ilauptstrasse. (Hier r., Nr. 53, ein erträgliches Cafe und Sorbett cria ; auch gegenüber [neben Nr. 10] ein Cafe; guter Wein in der folgenden zweiten Nebenstrasse in einer primitiven Kellerwohnung.) Bei der Kirche 1. hinan kommt man zur Villa lSutera , an welche sich ein grosser Garten anschliesst. Im Hintergrund der Villa ist die »Certoxa« mit Wachsbildern im Kartäusergewand, meist Personen von historischer Bedeutung (Minister Aeton, Vicekönig Caramanico, Seralti, Ludwig XVI., Napoleon I., Ferdinand I., Fürst Butera u. a.j. Nun r. und immer geradeaus trifft man zuerst 1. die hübsch erneute Villa del Principe di Santa Flavia; dann geradeaus, 4 Min. weiter, die schöne Villa del Puca di Villarosa , mit acht hohen korinthischen Säulen in der Vorhalle. Die Villa, über einem grossen Olivengarten gelegen, wird von prächtigen Felspartien unmittelbar überragt und bietet die köstlichste Aussicht auf das Meer und die gegenüberliegenden Berge. Prächtig liegt auch die Villa Serradifalco; die Villa del Conte di S. Marco ist die älteste und hat noch eine Zugbrücke; die Villa Torremnzza enthalt einige Kunstgegenstände; die Villa San Gutaldo ist elegant rcstaurirt; die Villa Cato wurde von dem berühmten Architekten Ilittorf in sein Werk über die neuere Architektur Sieiliens aufgenommen; die Villa Rammacca enthält einen schönen Ballsaal; die Villa Movtillaro zeichnet sich durch den rationellen Weinbau aus. — In der Villa Valdina, gegen S. Flavia hin, steht in den Garten ein Thurm, in welchem sich ein Dockenfresko von Novelli (die Verklärung) befindet. Von Stat. Bagheria nach Stat. Santa Flavia, 7 Min. Fahrt. Ein guter Fuss- weg führt vom Bahnhof S. Flavia r. über die Bahn und durch das letzte Haus 1.. dann durch den Olivengarten zur Mon- tagna di Catalfano (zu deren östlichstem Hügelrücken) hinan, zu den Kuinen von (Vs St.) Sollint (Bolus), einst die phö- nikisclie befestigte Stadt Soloeis, zur Zeit des Dionys (397 v. Chr.) mit den Karthagern verbündet, aber im ersten Punischen Krieg den liömern sich anschliessend; sie begann Krieg gegen Tyndaris und wurde von diesem erobert; ihre Zerstörung geschalt (wahrscheinlich) durch die Sara- cencn. Im Jahr 182C kaufte die Kommission der schönen Künste zu Palermo den Boden der antiken Stadt, und nun begannen die Ausgrabungen, von welchen im Museum zu Palermo die Kolossalstatue Jupiters (in Tuff), eine Psyche (in Tuff) und zwei figurirte Kandelaber stammen. Gegenwärtig gehen die Ausgrabungen rüstig vorwärts und bezwecken, den Plan der antiken Stadt möglichst frei zu legen. Man sieht jetzt ein grosses Stück des antiken Pflasters der Strasse, welche zur Stadt führte, in Windungen , mit grossen viereckigen Fliesen; innerhalb der Stadt die Strassen derselben, die sicli (die Nebenstrassen mit den Hauptstrassen) durcli- selmeiden, die Fundamente vieler Häuser, theihveisc von der Kommission der Alter- tliümer wieder aufgerieiltet; einen Bau mit zweigeschossiger Säulenhalle, den man dem Forum zuschreibt; viele Mosaikböden und mancherlei Skulpturen; zahlreiche Häuser mit bemalten Wänden und ein Haus an seinen Innenwänden mit völlig pompejanischen Malereien. An der Ostseitc ein Altar des » Neptun «. In der Ebene fand man zahlreiche Gräber mit gi-iechischen Vasen. Die alten Münzen von Soluntum (Soloeis) trugen den Kopf des Herkules oder dos Neptun; auf dem Revers eine griechische oder punisehe Aufschrift. — An der nahen Küste, an der »Stelle, die jetzt Porticello heisst, war der antike Hafen von Solunt. — Gegen O. erhebt sich über das Meer das Caxtello di So- Innto, das noch mittelalterliche Reste hat und in der Geschichte wiederholt (z. B. Königin Bianca) eine Rolle spielte. Der Scheitel des Hügels, wo sicli einst der Zeustempel erhob, bietet einen herrlichen *Blick vom Golf von Termini bis Cefalu. 13. Dampfboot: 2mal monatl. je am Sonntag (Florio S. 123; ein Platz 7V2 Fr.) nach der Insel Ustica (ß7 Kil. nördl. von Palermo) in 5 St. Sie zählt kaum 2500 Einw., bietet aber als vulkanische, an Konchylien und Höhlen reiche Insel für den Naturforscher mannigfaches Interesse. 28.-5 3. Von Palermo nacli CaUUalimL und Segesta. 28-1 3. Von Palermo nach Calatafimi und Segesta. 64 Kil. Post von Palermo auf guter Fahrstrasse nach Calatafimi für 14 Fr. in 11 St. (über Morrealc 1 Fr. 30 C.; Pioppo 2 Fr. 60 C.; Partinico 6 Fr.; Alramo 10 Fr. 60 C.). Das Postbillet ist in Palermo, Via Macqueda, Palazzo Comituii (neben S. Or- sola), erster Hof r., bei der lmpresa Gia- raffa zu holen. Maulthier 3 Fr. von Calatafimi zum (6Kil.) Tempel von SeyeHa in 14/4 St. Man übernachtet in Calatafimi und kann nach Besichtigung Segesta’s entweder nach Palermo zurückkehren oder die Weiterreise nach Irapani (S. 208) und von da eventuell per Dampfer zurück nach Palermo — oder nach Castelvetrano (Selinunt), R. 6, antreten. Von Palermo nach (6 Kil.) Monreale (S. 250). ~ Jenseit Monreale verändert sich der Charakter der Landschaft gänzlich. Statt der Vollpracht der Bäume niedriges Gebüsch, die Villen verschwinden, das Thal zur Linken wird zur Schlucht, die sich in den äussern Bergkranz verflacht. — L. dichte hohe Bin- senbüsche in langen Linien ; die Gegend wird immer öder, die Höhenumrisse einförmiger, die Vegetation ärmlich, hier und da Agaven. Zuweilen bizarre Felsgestalten. Jenseit Pioppo hört die Vegetation auf. Oben auf dem Bergrücken, welcher den Palermitanischen Busen vom Golf Castellamare’s trennt, tritt man in einen Engpass mit Durchblick auf das Meer, umringt von wilden Fels- formen. Nun ziemlich jäh hinab; am Ausgang aus der Schlucht Prachtblick auf die herrliche Ebene von Partinico und Sala, ein köstliches Gartenland am schön geschwungenen Golf von S. Vito; r. Montelepre und das ölreiche Giardi- nello ; 1. Borghetto ; in der Ferne Alcamo. — Die Ebene ist eine der prächtigsten Siciliens, mit tropischer Pflanzenfülle. — Jenseit (25 Kil.) Borghetto senkt sich die Strasse durch Obstgärten, Kornfelder und Weinpflanzungen gegen (27 Kil.) Partillico (Locanda dclla Bambino,) hinab, eine ziemlich ausgedehnte, aber schlecht gebaute Landstadt mit 20,154 Einw. 12 Kil. nürdl. liegt Carini, durch eine aussichtsreiche, gut unterhaltene Strasse mit Palermo verbunden, welche der Küste entlang durch ein an Oelbäumen, Kornfeldern, Sumaeh und Opunticu reiches Thal unterhalb des Monte Pelicgriuo über 8. Lorenzo nach Tomaso Natale zieht, dann an dem Fischerort Sferracavallo vorbei, mit einem Prachtblick auf den Monte Gallo und die unbewohnte Insel »dolle Feminine«, durch (Japaci am Fuss des theaterförmig ausgebauchten, schönfarbigen Monte Zaeati, am Inselfelsen Colle Orvino vorbei durch eine olivenüppige Ebene führt, t’arinl (ordinäre Locanda an der Piazza) ist eine der besterhaltenen Landstädte Siciliens, mit 9558 Einw. und altem, die Ebene überragendem Feudalschloss, im 14. Jalirh. durch die Cliia- ramonti erbaut (das äussere Thor gothiscli, das innere von 1562). 6 Kil. nordwärts, bei der jetzigen Tonnara, lag das antike Hykkara (Tliukyd. VI, 62), eine sikanisclie Stadt, die als Vaterstadt der Hetäre Lu'ix, Tochter der Timandra, der treuen Gefährtin des Alkibiades, berühmt war. Als siebenjähriges Mädchen wurde sie nach Korinth gebracht, nachdem sic, wie es heisst, bei der Expedition des Nikias in Sicilien, durch welche Ilykkara zerstört wurde, in Gefangenschaft geraülien war. In Korinth entzückte sie den Maler Apelles, der sie zur Hetäre lieranbiklete. Selbst Demosthenes reiste ihr nach. — Bei Garbolangi findet man noch alte Mauerrcste, und die Stadt Carini, die noch jetzt durch ihre hübschen Mädchen bekannt ist, leitet ihren Namen von Hyk-Kara ab. Westl. von Carini eine Hohle mit Knochen des I-Iip- popotamus, Elephas u. a. und Werkzeugen der Steinperiode. Jenseit Partinico führt die Strasse in langen Windungen zur Hochebene hinan, über welcher Alcamo schon von weitem erblickt wird, durch welliges, freundliches Hügelland, Weizenfelder und an Stöcken gezogene, durch Agaven cingehegte Weinpflanzungen, ln den grünen Thalstreifeil vereinzelte Landhäuser, von Feigenbäumen oder Oliven umrahmt. Durch (31 Kil.) Valguarncra, das einem Fürsten den Titel gibt; über den Platifluss, welcher die Gebiete von Palermo und Trapani scheidet. Durch fleissigen Anbau von Weizen, Flachs und Bohnen den tiefen Felsthälern entlang. L« Monte Mitro und Pizzo di Marabella ; r. Castel Oalatubo, sarace- nischen Ursprungs. — Ziemlich steil hinan nach (48 Kil.) AlcaiUO (Albergo lialiano, beim Dom; Fortuna ; beide auf der 285 3. Alcamo - Calataiimi. 286 Stufe sieilianiseher Landstädte), mit ! 20,890 Einw., eine freundliche, ziemlich 1 saubere Stadt; der Dialekt sehr unverständlich, obschon der älteste sieiliani- scdie Dichter, öiullo (VAlcamo (um 1200), von hier stammt; man zeigt noch, gegenüber der Badia nuova, einen — Renaissancebau als sein Geburtshaus. Die Stadt ist arabischen Ursprungs, stand damals aber auf Monte Bonifato (827 m. ii. M.). Erst Friedrich II. liess 1233 die Stadt tiefer anlegen. Die Zinnenmauern stammen aus dem 14. Jahrh.; man trifft liier und da noch alte Paläste mit vorspringenden Baikonen und Zinnen und Kirchen mit spitzbogigen Fenstern und Portalen ( 8 . Tommaso mit schön relietirtem Portal, 14. Jalirh.; der Dom mit altem Campanile; gegenüber LeBiairhe, Frührenaissance; S. Maria di Ge*ü, im 0. der Stadt, mit Glockenthurm aus dem 13. Jahrh.). — Das Milit'drhospUal, dem Dom gegenüber, stammt aus dem 15. Jalirh. — Das Kastell (jetzt Gefängnis) in der Oberstadt, ein würfelförmiger, zinnenbekrönter Bau, hat noch seine Spitzbogenfenster und Thürme. Von der Nordseite der Stadt führt ein guter Weg zum Monte Bonifato hinan, wo noch Ueberreste der alten Stadt vorhanden sind und ein * Prachtblick auf den Busen von Castellamare und über Segesta' hin bis zum Monte S. Giuliano sich eröffnet. Während jenseit der Kalkberge von Mon- reale, Capaci und Carini Partinico in einem Becken mit plioeänen Schichten ruht, liegt Alcamo wieder auf einer kalkigen Erhöhung. Es besitzt mehrere Marmorbrüche und einen gelben Dendritstein von ganz besonderer Schönheit. 31 au kann von Alcamo direkt zum Tempel von Segesta (S. 293) reiten, durch ein kornreiches Thal am Fuss des Monte Inici hinab (das Korn wird hier mit grossen, sehr j schmalen Sicheln geschnitten, die Bündel, 1 in flache Haufen geordnet, werden nach wenigen Tagen auf dem Feld oder in offener Tenne durch Ochsen zerstampft). Nach 1 St. über den Fiume freddo; nach l k St. über den Gäggera, an welchem sich die Aquae Segcstanae befinden; über den Ponte dei bagni durch kulturlose, dürre Ebenen zum Fuss des Monte Barbaro; hier nach einer plötzlichen Wendung erblickt man in der Einöde den Tempel auf hohem Hügel. Jenseit Alcamo senkt sicli die Strasse in das niedrige, weithin mit Gc- treide angebaute hügelige Thal des Fiume freddo (di San Bartolomeo), des antiken Krimisos; an den Hecken überall Opuntien und Agaven. Am Krimisos fand die berühmte Schlacht zwischen Titnoleon und den Karthag er n statt, einer der vollständigsten Siege in der griechischen Geschichte. Eben waren die Karthager im Begriff, den östlichen Quellfluss des Hypsas, den Krimisos, zu überschreiten. Timoleon, mit 12,000 Griechen auf der Höhe angekommen, sah unten die Feinde durch den Fluss in zwei Heere (zusammen 70,000 Mann) gesondert und in halb aufgelöster Ordnung. Rasch schritt er zum Angriff, die Sikelioten an den Flügeln, die Syrakusaner und den Kern der Mietstruppen in der Mitte; er selbst an der Spitze. Das Fussvolk entschied die Schlacht, die kartlia- ' gischen Streitwagen vermochten den griechischen Schwerbewaffneten keinen kräftigen | Widerstand entgegenzusetzen; gegen die , ausgewählte karthagische Hopliteuschar mit 1 ihren eisernen Panzern, ehernen Helmen und riesigen Schilden musste Mann gegen Mann gekämpft werden. Die Gewandtheit der Griechen und ein heftiges Gewitter mit Regen und Hagel, den der Sturmwind den Karthagern ins Gesicht trieb, halfen zum Sieg; der Krimisos trat aus seinen Ufern und durchströmte die unebenen Gefilde. Die Karthager hielten nicht mehr Stand; ihre ganze heilige Schar, 2500 der angesehensten Bürger, fiel, mit ihnen noch 10,000 Mann; 15,000 Gefangene wurden gemacht. DieBeute war überreich. — Holm nimmt an, dass der Fluss von Entclla ebenfalls Krimisos liiess und die Schlacht dort am Belice sinistro stattgefunden habe. An der Mündung des Fiume freddo, lOKil. von Alcamo, liegt, durch eine hügelitre Strasse verbunden, Castellamare (11,280 Einw.), in antiker Zeit Hafenstadt der Segestaner (damals auf dem Vorgebirge), am Fuss des Monte Inici in reich bepflanzter Umgebung (Oel, Sumach, Agrumen). Jenseit des Fiume freddo zieht die Strasse bergan; anfangs in dürftig bebauter Gegend, oft mit langen Streifen von rotheni Klee, dann in stets reicherer Vegetation. Oben geniesst man eine spe- cifisch sicilianischc Aussicht nach Osten: baumloses grünes, weithin gedehntes Hügelland und dahinter nackte Bergzacken, oft von bizarren Formen; am hervorragendsten derPizzo di Marabella. (64 lvii.) Calatafimi, eine unbedeutende Landstadt (9414 Einw.) auf langem Hiigelrücken zwischen zwei Anhöhen. Gasthöfe: Locanda di Segesta. — Locanda Garibaldi ; beides sicilianisch-ländliclie Nachtquartiere. Post: Von Calatafimi nach (37 Kil.) Tra- pani (S. 298) in 5 St. für 8 Fr. 50 C.; — nach (40 Kil.) Castdvetrano (S. 327) in 5 St. für lfi Fr. 75 O. — Mauithier von Calatafimi nach (6 Kil.) Segesta (in D/4 St.) 3 Fr. Am Westcnde erhebt sich das Kastell, maurischen Ursprungs (jetztGefängnis); 287 288 :s. Von ralcrmo nach Calatafimi und Segcsta. Segesta, läÄpwISi pfÄSa mm mm Üifi mm mm ägfifc* ft3S?-VÄS W8&B SH mm mm fgig$ 289 3. Segesta (Theator). 290 beim Ilinansteigen erblickt man an der Rückwand des Bergs bei einer Biegung nach N. plötzlich in der Ferne den herrlichen Tempel von Fgesta im Sattel der Schroffen des Monte Barbaro und davor eine farbenschöne Landschaft von grü- ; neu Gefilden und graubraunen Felsmassen. — Südwestl. nahe bei Vita liegt : das Schlachtfeld, auf welchem Garibaldi und seine Freiwilligen am 15. Mai 18G0 den ersten Sieg auf ihrem Zug gegen die bourbonischciiTruppen erstritten (S. 113). , EgCSt-ft (röm. Seyesta). \ Der Maultliierpfad von Calatafvmi ! nach (6 Kil.) Seyesta folgt zunächst der : Strasse nach Castellamare. Nach 1 h St. i schlägt man jenseit einer Mühle den j Fussweg bis zum Strombett der Gaggera ! ein. Die Gegend, zuerst reich an Obst- j bäumen undGetreide, wird, jenäherman , Fgesta kommt, um so öder; den dürren ■ Boden decken Zwergpalmfächer, blauer ! Boretsch überkleidet die Brachäcker, ; gelbe Winden schlingen sich zwischen ; den Falmhlättern; rotlibraune Ochsen mit riesigen, weit abstehenden Hörnern lagern umher, Lorbeerrosen schmücken die steinigen Baclifurchen. Häufig begegnet man ganzen Scharen von kleinen i weissen Schnecken (helix und bulimus) als Ueberzug der Meerzwiebeln und Kapernsträucher. Jenseit der Fiumara naht man nordwestl. dem Monte Barbaro und : reitet zu der an der Nordseite des Hügels : gelegenen Wohnung des Kustoden (Casa di Guardia) hinan. — Von hier ersteigt inan den Monte Barbaro und besieht zunächst : Das *Theater, auf hohem vorspringend en Felsen über dem Thal der Gaggera. Die Lage am steilen Felsen, aus dem der grössere Theil ausgetieft wurde (so dass man von der Höhe des Hügels zur Pracinction, d. h. der tlieilenden, mit den Sitzreihen parallelen Umgürtung, hinabsteigt), weist auf griechischen Ursprung hin. Sechs Stufenreihen thcilen die Cavea in sieben Keile; der Theil unterhalb der Präcinction hat 20 Sitzreihen (die oberste mit Lehnen) und ist noch fast vollständigerhalten. Der obere, nicht auf dem Felsen ruhende Theil ist unkenntlich geworden. Noch sind die Mauern erhalten, an denen die Stufen aufhören, und ein grosser Theil der Umfassungsmauern; die wenigen hier noch erhaltenen Sitze und Stufen legen dar, dass die Zahl der Sitzreihen und Treppen den unteren entsprach. ZweiVomitorien, durch welche die Zuschauer in das Theater hinabgingen, münden auf die Präcinction; sie scheinen nach der Rich- tung von zwei Strassen der Stadt angelegt worden zu sein und stehen deshalb 1 : 180 , 000 . Jfe/f/: Kifoinciej: Calatufmü — Segesta. von der Achse des Theaters ungleich ab. Der Grundplau des gegen NO. liegenden Bühnengebäudes ist noch ersichtlich, die Fundamente noch völlig erhalten, die des Postsceniums nur theilweise. Die Lage des (hölzernen Bodens des) Prosce- niums ist durch eine Reihe von Platten in regelmässigen Zwischenräumen zwischen der Hinterwand der Bühne und der Orchestra bezeichnet. Der fünfte dieser viereckig behauenen Steine (vor den beiden mittleren) bezeichnet wahrscheinlich die Thymele (Bacchusaltar). 10 Unter-Italien. II. 291 3. Yo» Palermo naeli Calatafimi mul Segesta. 292 .„v:wins!i • uiiiiindJ An den Ecken der Seena sind viereckige Paraseenien mit reliefirten Satyrn. An der Nordwestecke ist ein Durchgang mit Bogenpor- tal. Die Einrichtung der Seena, die Unregelmässigkeiten des Baues, die Oeko- noinie in der Wahl des Materials, Eile der Arbeit deuten darauf, dass in der Itü- merzeit ein Neubau unternommen wurde, den ein römischer Architekt wahrscheinlich durch Soldaten und Sklaven ausführen liess. Die Beste der Bekleidung der Seena sind völlig rö- C' misch. — Die ^Aussicht vom « Theater ist prächtig; ganz ö nahe liegt der merkwürdig ^ erhaltene reichfarbige Tem- V, pel, von den grauen Felsen 5 sich majestätisch abhebend. •§ Dazu das still erhabene Pa- % norama ringsum, von den si jähen Abstürzen des Monte g Inici (vor sich) bis zum Golf I? und vom Monte Bonifato * über das Berggipfelmeer hin 64 bis zum Monte S. Giuliano £ und Corleone; dicht unter 2 sich der Flecken Vita, wei- P terhin auf steilem Hügel die Stadt Salemi und an der Westspitze deutlich das Cap Lilybaeum bei Marsala. 1822 hatte Serradifalco die Präcinction und 1(5 Sitzreihen ausgraben lassen; hernaeli setzten die Architekten Hittorf und Zanth die Arbeit fort und machten den Plan frei; endlich vollendete die Kommission der Alterthümer unter Caval- lavi und Villareale die Aus- grabung. — Masse (nach Ser- radifalco): Durchmesser des ge- sammten Theaters 244 Palmi, von denen 64 die Breite der Orchestra bezeichnen und 90 jede Seite der Sitze. Die Präcinction ist 9,o Palmi breit. Die Seena ist 23,3 P. vom Prospekt der Cavea entfernt; sie ist 107 1\breit, derTheil, auf welchem der Prospekt der Ä; a.C: tMU' TEMPEL ZU SEGESTA DAS ANTIKE THEATER ZU SYRAKUS BJUL.INaT. : *amm «itH« 203 3. Segesta (Tempel). 294 Seena sich erhob, 08,6 P. Die GesammtliÖhe des Theaters betrug 49 P. Die Sitze treten 2,ll P. vor und sind 1, 5. 4 P. hoch. Die Stufen messen die Hälfte der Sitze; die Umfriedung des letzten Sitzes des untern Tlxeils ist 2,4 P. hoch. Von einem obern Portikus findet sich keine Spur. Von der antiken Stadt sieht man noch Steinblöcke von den Stadtmauern; Reste von öffentlichen und privaten Gebäuden, einige mit Mosaikböden, Cistcrnen, Backsteine, Säulenfragmente. — Westwärts steigt man von hier hinab zum **Tempel von Egesta. Majestätisch als die Verklärung der grossartigen Natur umher, ragt er einsam auf kleinem Hügel empor, noch mit beiden Giebeln und sämmtlichen Säulen! — Unter ihm strömt in tiefer Schlucht der Pispisa. Der Tempel ist eins der grossartigsten dorischen Bauwerke des 5. Jahrh. v. Ohr. (wahrscheinlich um 416 v. Chr. errichtet, als Egesta sich an die Athenienser wandte), ein Repräsentant der höchsten Vollendung der sieilisch - griechischen Architektur; doch ist er nicht fertig geworden. — (Die Tempelstufen sind zu oberst noch nicht vollendet, die Säulen noch unkannelirt, das Gebälk ohne die Oeffnungen für die Dachbalken; dem Innern fehlt die Cella [das Tempelhaus] und dieFussbodenbekleidung; man sieht sogar noch die zapfenartigen Erhöhungen der Steine des Grundbaues der Tempelstufen zur Erleichterung des Transports.) — Welches historische Ereignis den Weiterbau sistirtc, ist ungewiss. Nach Holm unterbrach wahrscheinlich erst die Zerstörung Egesta’s durch Agatho- kles, 306 v. Chr., die Vollendung des Monumentalwerks. Auf vier hohen Stufen erhebt sich ein Umgang von 36 dorischen Säulen, je sechs an den Schmalseiten und je 14 an den Langseiten (die Eck- säulen mitgezählt); der Tempel war also ein llcxastylos Peripteros. Die unterste Stufe ruht auf dem Felsen, die drei Sockelstufen haben 0,54, 0,58, 0,66 m. Höhe (dienten also nicht als Treppe). An (len Schäften der Säulen ist die vorbereitende Meisselung nur auf einer ganz kleinen Strecke ausgeführt, nahe am Einsatz der Trommeln, deren Zahl zwischen 10 und 13 8tücken wechselt. Die Säulen sind fast fünf Durchmesser hoch, die Verjüngung befolgt ein schönes Mass; auch das Verhältnis des Kapitals zur Säulenhöhe ist ein sehr harmonisches; die Kapitale sind aus einem einzigen Block ausgehauen, aber ihre Bearbeitung ist nicht vollendet; der Hals ist niedrig und seiner ganzen Höhe nach ausgebogen ; drei Ringe führen ihn zu dem schönen, elastisch gebogenen und energisch aufstrebenden Ecliinus über. Das Gebälk ist leicht und doch von kräftiger Wirkung; es misst 2 /& der Säulenhöhe. Areliitrav und Fries sind gleich hoch; der Architrav besteht in der Dicke aus zwei Stücken, welche die Länge der Zwischen- axen der Säulen haben, auf denen sie ruhen; der Fries bildet äusserlich eine einzige Lage in der Höhe der Metopen und Triglyphen, nach innen hat er drei Lagen. Das Kranzgesims tritt wenig vor und besteht aus einem einzigen Stück. Nach aussen ist das Gebälk überall vollendet, aber nach innen nicht (das Kranzgesims und die Giebel haben unregelmässig behauene Bossagen); die Stücke des Frieses umfassen zugleich eine Triglyphe und eine Metope, deren Dimensionen unter sich gleich sind; die Abweichung der Triglyphenmitte von der Säu- lenaxe ist fast umuerklich. Die Giebel bilden »gut abgewogene« Dreiecke. Das Material ist der konchylienhaltige Kalkstein der Umgebung, den die Zeit köstlich gebräunt hat; nirgends findet man Spuren von Mörtel. Es fehlt noch der bemalte Stucküberzug. Die Palmette an der Ecke der Traufrinne zeigt den echt hellenischen Charakter des Ornaments. Der Tempeleingang liegt ungewöhnlicherweise im O., wohl weil sich so der Tempel der Stadt gegenüber am schönsten präsentirte, von den Terrassen und Häusern der Stadt die vor dem Tempel gefeierten Ceremonien got überschaut werden konnten, und weil zudem von der andern Seite her der Zugang fast unmöglich war. Masse (nach Hittorf) in Metern: unterer Durchmesser der Säulen 1,950; oberer Durchmesser der Säulen 1,560; Höhe der Säulen 9,366; Verjüngung des Schafts 0,390; Breite des Zwischensäulenraums 2,400; an den Enden 2,175; Höhe des Architravs 1,447,; Höhe des Frieses 1,447, des Kranzgesimses 0,691. Der Tempel ruft beim Sonnenuntergang und Sonnenaufgang die herrlichsten Effekte hervor, die Säulen, das Gebälk, die Giebel strahlen in leuchtendster Goldfarbe, und lebendige Schatten wechseln mit dieser Durchstrahlung. »Denkt man sich aber den Tempel, wie er ehemals war, mit Tempelbezirk, heiligen Hainen, Gruppen und Statuen, Säulen und Stelen, Dreifüssen und Vasen, Wegen mit immergrünen Strauchern, schattigen Sitzen, Bäumen, Blumen und Kunstgegenständen« (Ilittorf) in harmonischer Anordnung, so wächst er zu einer der er- 10 * 295 W. Von Palermo nach Calatafimi mul Segesta. 296 Iiabensten Stätten für eine dorische Kunstschöpfung heran. Die Anhöhen um den Tempel sind: nach W. die kleine bebuscdite Bergkette Pispisa, nach O. die Stadthöhe und der kleine llöhenzug De tre Croci; im N. der Monte Iniei. Der Fluss Pispisa umzieht den Tcmpelfelsen, vereinigt sich nord- westl. mit dem von N. herströmenden Galemiei und fliesst als Gaggera südl. fort. Der Biegung der inicihöhen westl. gegenüber liegen an ihm die Thermalquellen JSegesta’s (6 Jvil. von Segesta), sechs heisse Schwefehiuellcn. Jenscit derselben trifft der Fiume freddo auf den Gaggera, dem die alten Amvolmer den trojanischen Namen Skamander gaben, und mündet in den Fiume di San Bartolomen; hoch auf dem Felsen ragt (Jala- tnfhni wie eine Burg auf. Zur Geschichte von Egesta. Die ältesten Münzen nennen die Stadt Segesta, die Griechen Messen sie Egesta; die Körner kehrten zur eiten Form zurück. — Segesta wurde von den Elymern gegründet, einer orientalischen, nach Thulcydides VI, 2 ans Trojanern und Phokiern zusammengesetzten Völkerschaft, die nach der Zerstörung Troja’s nach Sicilien gelangte. Nach Hella- nikos (Dionys. Italic. I, 22) waren die Ely- mer, welche fünf Jahre vor den Sikclern auf der Insel eintrafen , eine aus Italien gekommene, von den Oenotriern vertriebene Völkerschaft. Die gewöhnliche Ansicht leitet die Elymer (z. B. in den Sagen von Egesta, die von Krimisos den Akestes gebiert, und vonElymos, der in Troja geboren ist, sowie von Aeneas, der den Akestes besucht und den Elymern Städte gründet (Virg. Aen. V, 755 ff.]) stets von Troja ab. Aber da Etymos, der Träger des Volksnamens, nur beiläutig genannt wird, weil er das perso- niticirte einheimische Volk bezeichnet, und der mit Troja nicht in Verbindung stehende Eryx schon König der Elymer genannt wird, so scheint das Elymervolk ursprünglich nicht von Troja herzustammen, sondern der alte Kern gewesen zu sein, den ein Zuzug von Troja überwucherte. Der Kultus der Astarte (pliönikischen Aphrodite), welcher die Hunde heilig waren, weist die Eiyiner dem Innern Asiens zu, wonach sie wahrscheinlich ein Gemisch von Persern und Pliüni- keru waren, vielleicht auch von Ti’oern. Die Sagen von der Wanderung des Aeneas und der Trojaner folgten aber überall den Kultstätten der Aphrodite (s. »Rom« I, S. 545). Als nichtgriechische Stadt war sie in stetem Streit mit den griechischen Pfianz- städten der Insel und hielt sich zumeist zu den Karthagern. Ihr Umkreis in der Höhe weist auf keine beträchtliche Ausdehnung, i doch befanden sich wohl unterhalb der I Akropolis noch viele Gebäude und Forti- i likationen sowie Dörfer und Städte, welche ; Egesta mit dem Hafen (Oastellamare) verbanden. Schon 5»0 v. Öhr. vermochte, die Stadt eine aus Knidern, Khodiern und Seli- nuntiern gebildete Armee zu schlagen, später siegte sie vereinigt mit den Phönikern über den Heraklideu Dorieus, Sohn des 1 spartanischen Königs Anaxandrides, welcher ■ Segesta als von Herakles gegründete Stadt zu erobern kam, und zerstörte das neu gegründete Heraclea (Herodot IV, 46). Der gefährlichste und unaufhörliche Feind blieb (las nahe griechische SeÜnunt. 416 v. Chr. war der Streit zwischen den beiden Städten i ein so ernster geworden, dass die Egestaner i Gesandte nach Athen schickten. Thukydidos : VI, 6: Denn da ihr Gebiet an das von Seli- liunt grenzte, so waren die Egestäer mit | den Selinuntiern in Krieg gerathen, wegen 1 gewisser ehelicher Verhältnisse und wegen eines streitigen Landestheils, und die Scli- nnntier, welche die Syrakusaner zu Hülfe | gerufen, bedrängten sie durch kriegerische j Uebcrmacht zu Wasser und zu Band. Die j Egestäer brachten daher den frühem Waf- 1 fenbund mit Athen im Eeontinischen Krieg in Erinnerung und baten die Athener, ihnen eine Flotte zu Hülfe zu senden, denn es sei ; zu befürchten, wenn die dorischen Kolo- : nien die Gesammtmacht über Sicilien an sich rissen, sie dann den dorischen Pelo- ponnesiern gegen Athen zu Hülfe kommen müssten. Von den athenischen Gesandten, , die zur nähern Prüfung nach Egesta kamen, vernahmen die Athener von den Schätzen, ' die in grosser Menge in den Tempeln und öffentlichen Kassen bereit lägen, denn die Egestäer hatten ihnen, um sie zur I-liüfe zu verlocken, nicht nur die prächtigen goldenen ; und silbernen Geschirre der Privaten und i die in-den Tempeln Segesta’s niedergelegten ' Kostbarkeiten gezeigt, sondern sie auch auf die ungeheuren Keichthiimer des Aphro- , ditetempels auf dem Berg Eryx (Monte S. Giuliano) aufmerksam gemacht. — Aber die Hülfe Athens fiel unglücklich aus; die Seli- : nuntier behielten die streitigen Ländereien. ; Durch diesen Erfolg ermuntert, erneuerten ■ sie ihre Angriffe; da suchte Egesta Schutz ; bei den Karthagern als natürlichsten Bundes- | genossen derElymcrstadt gegen die Hellenen. 1 Die Sclinuntier wurden besiegt. — Als sie ! einen neuen Vertrag mit Syrakus gegen Egesta schlossen, erschien Karthago, das . Egesta nicht in die Hände der Griechen : fällen lassen wollte (weil das Land der I Elymer zwischen den Gebieten von Motye [S. Pantaleo] und Panormos [Palermo], den ; Hauptstädten des pliönikischen Sicilien, jlag), nun mit voller Macht. Es galt ja j auch, Syrakus, das sich in der durch den i Sieg über Athen gewonnenen Machtstellung ! befestigen wollte, darnieder zu halten. Dieser Kriegszug war von der weittragendsten Bedeutung : er leitete die Reihe von Kämpfen ein, welche Sicilien um seine Blüte brachten und zuletzt Karthago selbst den Unter- 297 4. Von Palermo nach Trapani. 298 gang bereiteten. Schon nach neun Tagen fiel das heldenmütliig vertheidigte Seliniuit (409 v. Chr.), wodurch den Karthagern der Besitz Westsieilieus für fast 170 Jahre gesichert blieb. Himera, freiwillig aufgegeben, ward erstürmt und der Erde gleich gemacht. Egesta war nun den Karthagern unterthan. Im Kampf des Dionysios gegen die Karthager hielt es fest an diesen, und es gelang ihm .sogar, durch einen wohlangelegten nächtlichen Ausfall das Kager des Feindes zu verbrennen. Aber 306 v. Chr. brachte Agatholdes der Stadt das Verderben (Diodor XX, 71). Seine Flucht aus Afrika hatte seine Feinde cr- muthigt. Er suchte nun durch Abschreckung und Geldraub seine Macht zu befestigen, begab sich mit einigen Truppen nach der ihm befreundeten Stadt Egesta und zwang sie , ihm den grössten Theil ihres Vermögens auszuliefern. Die Unwilligen beschuldigte er, dass sie feindliche Absichten gegen ihn hätten, liess die Aermeren aus der Stadt hinausschleppen und am Fluss Skamander niedermetzeln; die Wohlhabenden nütliigte er durch die Folter, anzugeben, wo ihre noch übrigen Schätze lägen; die einen spannte er auf das Itad, andere liess er an Sturmzeug anbinden und erschlossen, anderen wurden die Fersen zerschnitten und noch empfindlichere Qualen angethan. Er erfand auch eine Nachahmung des Stiers des Phalaris, ein ehernes Bett in Form des ; menschlichen Körpers, in welches die Gefol- ‘ teilen eingespannt und dort geröstet wurden; wohlhabenden Frauen liess er dieFer- seuknöchel mit /Sangen quetschen und zermalmen , anderen die Brüste ausschneiden. Viele Egestäer verbrannten sich selbst in ihren Wohnungen, andere machten ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. So wurde Egesta mit der Blüte seiner Einwohner vertilgt. Die Jungfrauen und Kinder liess Agatliokles nach Italien bringen und verkaufte sie an die Brettier. Der Stadt aber nahm er den Namen, liiess sie Dikaiopolis und übergab sie Ueberlänfern zmn Wohnsitz. Nach Agatliokles 1 Tod kehrte mit der übriggebliebenen alten Bevölkerung auch der alte Name zurück, den die Homer , welchen sich die Stadt (als angeblichen Stammverwandten durch die Trojaner) im ersten Punischen Krieg (264 v. Ciir.) sogleich freiwillig ergab, wieder in das ursprüngliche Segesta verwandelten. Die Stadt erhielt eine kleine Naclibliite, und Cicero berichtet (in Verr. IV, 40), dass der Wertli der Ländereien uni Segesta ein sehr hoher gewesen und Diokles von Panm-inus (Palermo) sich ein einziges Grundstück für 6000 Sesterlien, gemietet habe; von einer Frau in Segesta erzählt er (IV, 26), sie habe für Verres in ihrem mit Webstühlen angefüllten Haus drei Jahre lang Teppiche anfertigen müssen, und zwar lauter purpurfarbene.—Im 5. Jahrb. verfiel die Stadt; unter den Saracenen ging sic zu Urunde und blieb vergessen. Erst, der gelehrte Sieilianer Fazello (geh. 1408, gest. 1570) konnte schreiben: »Ich habe ihren Namen wieder aufgeweckt und ihn aus der Vergessenheit gerettet, in der er begraben geblieben wäre«. 4. Von Palermo nach Trapani Post: Von Palermo nach (64 Kil.) Galata- fimi, vgl. S. 283. 6 Kil. von Calatafimi liegt tiegeda, S. 280; — von Culatafmi nach (37Kil.) Trapani in 5 St. Dampfboot: Von Palermo nach Trapani wöclientl. Imal, S. 122. Privatwagen pro Tag etwa 30 Fr. Wer von Palermo aus Segeda und Tra- pnni (mit Monte oo Die Stadt, mit 33,634 Einw., liegt auf der sichelförmigen Halbinsel, von deren Form sie in antiker Zeit den Namen Drepanon (Sichel) erhielt. Sie ist die bedeutendste Stadt auf der Westküste Siciliens. Der Handel mit Balz, das hier in grossen Quantitäten gewonnen wird und sehr geschätzt ist, sowie die Verarbeitung von Korallen, welche an förmigen Halbinsel trompetenförmig nach W. — Trapani liefert die besten Matrosen, Korallenfischer und Handwerker. Manche Sitte erinnert noch an die alteAragonesen- zeit (z. B. der schwarze Manto der Frauen; die Magazine). Bei der Korallenfischerei wird ein mit einem grossen Stein beschwertes Kreuz, an welchem vier kleine Netze befestigt sind, an einem Tau ins Meer gelassen, nach und UMGEBUNG \’UX TRAHASVT. 31afsstab'i:dl0.000. tlllUl nzzo/ony iobiie. 'iJfdttCO Meter. Kilometer. t: Yen alz he.ijiuiie, Fonicuuao.' BfJfosto 'K* raluzzala bpnagyt Tt: V tts teile S.Giuliano utrmane CappnxcuiL, ». Giuli Limite/ .mzLm* 1 • / berjtfa&tfnsiglw , Ä” Torrelriaju\ i QUarUtj 'tpiiln’o. (°biaqyini SSjPlKS. < °Oum ( TJlohhr/a ^ >\‘ KiFonltanelU 'j~ V.‘T«< / i Lormttqyw H fi«J " "" [i \S /'-l'inaj'olhi. CVBurüaivft ilrl P/'yn hillo \*L ’h^jxjwli Ll.-.fl'.rtUoJ« einer 3*/4 St. vom Land entfernten Stelle gefischt werden, dann auch das Schneiden von Kameen haben die Stadt zu nicht unbedeutender Blüte erhoben. Die Stadt ist allein auf das Meer angewiesen (da die ganze Umgegend eine sehr öde ist); sie ist regelmässig gebaut, gut gepflastert und sauber, die Häuser meist niedrig mit schweren Baikonen auf Konsolen. An manchen stattlichen Palästen ist noch mittelalterliche Architektur erhalten. Dm Hafen öffnet sich südl. vondersichel- nach in die Höhe gehoben und wieder hinuntergelassen, wobei die Fischer weiter fahren. Hie am Boden befindlichen Gegenstände werden dadurch losgerissen und verwickeln sich in den kleinen Netzen. Die Kameen lehrte in der Mitte des 18. Jahrh. Giovanni d’Anselmo in Trapani zuerst aus einer dicken Muschel (Pectunculus pilosus) bearbeiten. Auch in Pietra dura, Alabaster, Bernstein, Elfenbein, Walross, Perlmutter und feinen Holzarbeiten hat Trapani zahlreiche geschickte Arbeiter. Zur Geschichte. Drepana war der Hafen und das Emporium des nahen Eryx (S. 305) gewesen. Zn Anfang des ersten Punisclien .‘SOI 4. Trapani (S. Lorenzo). :i02 Kriegs führte ITamilkar, der Heerführer der Karthager, nachdem er das alte Eryx von Grund aus zerstört hatte, dessen Einwohner nach dieser benachbarten Landzunge (260 v. Ohr.), wo er eine neue Seefestnag gründete, welche mit dem nicht weit entfernten Eilybäum gewissermassen ein Ganzes bildete und später ihre Widerstandsfähigkeit in langen heftigen Kämpfen glänzend bewährte. Für Karthago blieb Drepana einer der wichtigsten Standorte der Schilfe. — Als 240 v.Chr. der römische Konsul Claudius Pülcher mit einem konsularischen Heer und 10,000 Kuderknechten zur Verstärkung der geschwächten Flotte nach Sicilien geschickt wurde und nun die karthagische Flotte uu! er Adherbai in Drepana, welche die Ursache der Notli des römischen Bclagcrunghcers war, angreifen sollte, segelte er in aller Stille vonLilybäimi ab, um die karthagische Flotte im Hafen von Drepana zu überfallen. Adherbai war unvorbereitet, aber im Augenblick war seine Flotte schlagfertig, und während die Römer langsam an der einen Seite in den Hafen hineinsegeiten, verliess er denselben auf der andern und gewann die hohe See (Polyb. I, 50). Claudius, wahrnehmend, dass die Feinde sich zum Seekampf anschickten, und dass von seinen eigenen Schiffen ein Theil schon im Hafen, ein anderer gerade in der Mündung sei, während ein dritter der Einfahrt sich nähere, gab den Befehl zur Umkehr, Tim seinerseits nicht im Hafen eingeschlossen zu werden. Aber bei der Umkehr stiessen die Schiffe aufeinander, zerbrachen einander beim Zusammenstoss die Kuder und befanden sich in greulicher Unordnung. Diesen Augenblick benutzte Adherbai zum Angriff, und die Römer sahen sich in die nachtlieilige Lage versetzt, nahe am Land zu kämpfen. Den Karthagern kam ihre Ueberlegenheit im Schnellsegeln und ihre Aufstellung von der Seeseite zu gut; bald schifften sie um die Vordringenden herum, bald liefen sie, wenn dieselben sich drehten und durch die Schwere der Schiffe sich hemmten, gegen ihre Seiten an, setzten diese Angriffe ununterbrochen fort und versenkten viele Fahrzeuge. Da nun der römische Konsul sali, wie ein Theil der Schiffe auf die Untiefen gerieth, ein anderer auf das Land geworfen ward, wandte er sieh zur Flucht; mit ihm entkamen nur 50 Schiffe aus einer Flotte von 210; SW wurden sammt der Bemannung gefangen, die anderen gingen unter oder strandeten; 20,000 Mann, der Kern des römischen Heers, gerietheu in Gefangenschaft, 8000 fanden ihren Tod. Es war die erste entschiedene grosse Niederlage der Römer zur See im Panischen Krieg. — Der Konsul Lutatius Oatulus, der 242 v. Ohr. den Hafen .von Drepana besetzte und einige Angriffe von der Land- und Seeseite auf die Stadt machte, rächte Rom 241 bei den Aega- dischen Inseln, und Karthago verpflichtete sich, Sicilien zu räumen. ln römischer Zeit war die Stadt ziemlich blühend durch Schiffahrt und Handel. (Virgil, Aen. III, 707, lässt Aeneas nach dem »freudenleeren Gestade Drepanums« fahren, liier verliert er den Vater Anchises; nun treibt ihn der Sturm zur phünikischen Königin Dido nach Afrika; dann fährt er wieder nach Drepanum zurück [V, 24] zum Akestes, um den Todestag seines Vaters durch festliche Spiele aller Art zu begehen. Am Fuss dos Monte S. Giuliano erkennt man noch nahe an der Küste einen natürlichen Cirkus und eine Arena für Leicheuspiele; 40 Min. vom Ufer steht die niedrige Klippe Asinello, die Stätte der Anfpffanzung des Eichen/,weigs für die Wettfahrten.) Auch im Mittelalter war Trapani eine blühende Stadt. —Karl Y. erhob sie zu einem befestigten Waffenplatz gegen die Piraten; der Hafen wurde jedoch 1542 durch Erdbeben sehr geschädigt. Die schönen Künste hatten besonders im 17. und IS. Jalirh. manchen tüchtigen Vertreter in Trapani; Vilo Carrera (geb. 1555 gest. 1631 in Palermo) soll Lehrer Novelli’s gewesen sein; er malte mit venotianiscliem Kolorit; Giacomo Loverde (blühte Mitte dos 17. Jalirh.) war Schüler Novelli’s. Andrea Carreca (gest. 1077) studirte in Rom uutor van Dyck und ist der tüchtigste Künstler Trapani’s. Auch Domenico la Briina (1000 bis 17GB;, Giuseppe la Francesca (1070—1740), Giuseppe Felice (1001—1704), Onofrio Lipari (Landschaftsmaler), Giuseppe Errante (1700 bis 1821) zälileu zu den besseren Malern Sicillens. ln der Bildhauerei zeichneten sich als Bronzekünstler Annibale Sc.ndaniyUo (geboren Mitte des 10. Jalirh., gestorben in London), im 17. Jalirh. Giuseppe und Cri- s oforo Milanti und die Holzschnitzer Pietro, Giuseppe und Andrea Orlan'o sowie ihr Schüler Mario Ciotta aus. In Arbeiten in Elfenbein und Alabaster brachte es Andrea Tipa zu grosser Vollkommenheit; der berühmteste Künstler in Pietra dura und Kameen war Michele Lanlicina, un.l grossen Namen erhielten auch die Arbeiten in orientalischem Achat seines Schülers Pietro Gordian. Freilich sind die besten Werke der Mehrzahl dieser Künstler in Palermo und anderswo. Die Kathedrale S. LoreilZO ist eine weiträumige schöne Kirche der Spiit- renaissauce, mit reicher Stuckbekleidung, von 1801; 4. Capp. r.: van Dyck } Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, 1623, von meisterlicher Behandlung, aber kühler Karbe (übermalt). Am folgenden Altar des SS. Sacramento: Marmorstatue des teilten Christus, von Gincomo Tarte- <ßia von Trapani, 165 >, ein Barockkunststück in verschiedenfarbigem Marmor. Die Chorstühle mit trefflichen Schnitzereien in Nussbaumholz, mit Goldverzierung. 2. Capp. 1. Carreca, 8. Georg. Es folgen weiter: S, Anna, mit einem S. Antonio von Andrea Carreca. — S. Prall* cesc«, bemerkenswert!! durch die Einfach- 303 4. Von Palermo nach Trapani und auf den Monte S. Giuliäno. 304 heit der Architektur, mit einigen Stucksta- tuen von Cristoforo Milanti in der Sakristei ein Christus aus einem einzigen Korallenstück. — Weiterhin: S. Giovanni Battistii, einst Hospiz der I-Iierosolymitaner, jetzt eine grosse Kuppelkirche; 1. Capp. r.: Johannes der Evangelist, von Andrea Carreea; 2. Capp. 1.: S. Isidor Agricola, flämische Schule des 17. Jahrh.; 3. Capp. 1.: S. Filippo Neri mit der Madonna und vier Seraphim, von Pietro Nocelli. — In der Kongregation Angelo Gaslode nebenan der Schutzengel und die Seele des Gerechten, von Carreea. — Es folgt am Corso r. die Kirche des ehemaligen Col- legio (leGesuiti, eine der grössten und ge- schmücktesten Kirchen der Stadt, in sogen, italienisch-dorischem Stil mit gekuppelten Säulen; am Hauptaltar ein Marmorrelief, die immacolata mit einem Engelchor, von fgnazio Marabitli, 1700. In der Kapelle r. vom Chor: S. Franz Xaver, von Pietro No- velli; in der Capp. 1. vom Chor: S. Ignaz Loyola, von Andrea Carreea; in der Sakristei: zwölf kleine Apostelköpfe von liibera. — Nebenan das Lyeeum, mit einer kleinen (willkürlich betitelten) Sammlung von Bildern (Vs Fr.) von Luca Giordano (heil. Familie), Guercino (Dädalus), Guido Revi (Joseph, S. .Francesco di Paola, zwei Köpfe), Caravaggio (Herodias’ Tochter), Saloatore Rosa (kleines Schlachtenbild), Andrea di Salerno (S. Januarius), Pnnocenzo da Imola (heil. Familie), Andrea Carreea (S. Albert, Jakobs Himmelsleiter), Giuseppe Errante (geb. 1700, gest. 1821) von Trapani (Tod Antigone’s, Orpheus u. a.). Ausserdem ein naturwissenschaftliches Museum. Südwärts: S. Kocco (beim Legen der Fundamente 1574 fand man hier fünf Marmorsäulen mit kufischen Inschriften). Das Bild S. Rocco’s, dem ein Engel das verwundete Bein heilt, ist von Giacomo Lovenlc, Schüler Novelli’s, 1052. — 2. Capp. 1.: SS. Gregor, Hieronymus, Carlo Borromeo und oben die Madonna, von dem Palermltaner Vito ä’Anna. An der Decke der Sakristei: Himmelfahrt Mariä, in der Art des Albani. — Die Breite einer Strasse trennt diese Kirche vom Spital; im Gang der Incurabili ein hölzernes Krucifix nebst den beiden Schächern , von den Brüdern Orlando ; durch die Gasse gegenüber und 1. ein Brunnen von 1342 mit dem Neptun. Hier ist S. Ago- stino, einst die Residenz der Templer, mit Spitzbogenportal und Rosette sowie Spitzbogenfenstern am Thurm. — In der nahen Gonfraternila dei Bianchi (Disciplinati) eine Marmorstatue S. Jakobs, von Antonio Gagini, 1522 (die drei anderen Statuen, S. Philipp, S. Jakob der Jüngere, S. Vito, sind vom Sohn, Vincenzo Gagini, 1553). —It. vom Platz S. Maria (li tiexü; an zwei Pfeilern zwei Tafelbilder, S. Peter und S. Franz, Anfang des 16. Jalirli. Ueber der Nordthür: Krönung Mariä, aus derselben Zeit. Au der Orgel: Heilige, von Vito Carrera, 1609 (aussen am Flügel S. Franz und S. Dominicas, innen Maria und Elisabeth). -- Dann das Oraton'o di S. Michele, mit 18 ausdrucksvollen, bemalten Holzgruppen , die Mysterien der Passion, in natürlicher Grösse, von Tipa von Trapani u. a. (die besten: Jesus und Pilatus, Verleugnung Petri, Kreuzabnahme). —Ueber der Eingangsthür: Relief S. Michaels, 1420. — Von hier umbiegend nach r. kommt man zur Madonna della Luce; das Portal mit Renaissancereliefs von 1509; das Altarbild eine byzantinische Madonna, bei deren Haupt das Jahr 1211 beigesclirieben ist, im Diadem die Inschrift: Maria Novae Lucis. — Ans der kleinen Thür in die Strasse r. nach S. Andrea, mit einem Altarbild der Madonna del Rosario mit S. Dominicas und >S. Catcrina da Siena, von Andrea Carreea. — Es folgt die Pfarrkirche S. Pietro, ein moderner drei- schifflger Bau mit 14 Marmorsäulen dorischer Ordnung und schöner Orgel; die Apostelberufung des- S. Andreas ist von Andrea Carreea; S. Paulus ist von Marcello Proven- zano, 1616. — Von liier gelangt man in das alte Judenquarticr (Strada della Gindecca); der hohe Thurm auf dem mittelalterlichen Bau (14. Jahrh.) wird Spedalello oder Torre gotiea genannt. — Nun jenseit der Kaserne und des Kastells: S. Domenico, mit normannischer Rosette und einem Bild des Raimondo da Penneforte, von Vito Carrera, 1603; das reliefirte Ciborium von 1562. — Nun gegenüber hinab zur Pfarrkirche S. Niccolb di Bari; hinten in der Tribüne ein Mannortabernakel von Gaj/iifl, 1560, mit Figuren in natürlicher Grösse: der Auferstandene, r. Petrus, 1. ft. Niccolb. — Aus der Hauptthür r. und dann 1. in die Rua nuova kommt man zur lladia NuOva (il Soccorso), in der Mitte der Decke : die Vision des S. Tonnnaso d’Aquino, von Andrea Carreea (ein sotto in sü), schlecht- restaurirt; 1. Capp. r.: S. Caterina da Siena in Ekstase, von Andrea Carreea; das Altarbild der Madonna del Rosario mit Bildern ringsum ist aus der flämischen Schule, 1647 (das Oelbild S. Dominicus in gloria wird dem Novelli zugeschrieben). Trapani hat nocli eine grössere Anzahl Profaiibauten mit mittelalterlichen und Frührenaissancetheilen (Palazzo del Principe S. Giuliäno, Pal. Ballota, Pal. Vincenziin ViaS. Niccolb, Pal. Fiorentino, Via della Cuhba u. a.). — Auf dem höchsten Felsen, jenseit des Forts Sigia, Sco- glio del Mal Consiglio soll Johann vonPro- eida mit Palmerio Abatc von Trapani die Sieilianische Vesper 1282 geplant haben. Jedenfalls nahm Trapani den neuen Monarchen Peter von Aragon aufs freundlichste auf; 18G0 taufte man den Berg Buon Consicflio. — Im W. liegt der Felsrücken der schon in antiker Zeit Colom- baria genannten Felseninsel, von wo aus die Römer 242 v. Chr. gegen Drepanum operirten. Noch weiter westwärts liegen die zwei Felseninseln lo Fortniohc, wq 305 4. Monte S. Giuliano. 306 eine grosse Thunfischarei ist. — Von Tni- j)ani zur (40 Min.) Annunziatakirche (s. unten). % St. von der Küste der schwarze Asinellofels. Virg. V, 124: Fern im ofF’nen Meer ist ein Fels entgegen des Ufers schäumender Flut, Den oft, untergetaucht, hochwallende Brandungen peitschen, Wann die Gestirne vei’hüllt der winterlich tobende Nord west: Aber bei ruhiger Duft und still unbeweglicher Welle Steigt er als Eb’ne hci'vor, den sich sonnenden Tauchern ein Lustplatz. Von Trapani erreicht man in 2 l j-i St. die Bergstadt auf dem Gipfel des antiken Eryx, * Monte S. Giuliano (Esel in der Strasse r. vom Ostthor, mit einem Bursehen 3 — 4 Er.; Wagen mit 3 Pferden 18 Fr.). Eine 1850 angelegte Fahrstrasse zieht bis hinan, aber die Ansteigung ist steil, lang und mühsam. Der Weg führt dem sandigen Isthmus entlang auf der Fahrstrasse nach Calatafimi; r. die Salzbecken und Dünen, 1. der lange moderne Aquädukt, der Trapani aus den Quellen des Monte S. Giuliano versorgt. R. liegt am Fuss des Bergs und an der Basis des Isthmus (40 Min.) die Annunziata di Trapani, ein einschiffiger gothiseher Bau von 1332; am Ma- donnenfeste (16. August) pilgert viel Volk hierher. Hier zweigt der Weg auf den Berg ab. Vor den Fuss des Bergs verlegt Virgil die Leichenspiele zu Ehren des Anehises; Aen. V, 287: »am weich- grasigen Plan, den rings mit gebogenen Hügeln 'Waldungen hielten umliegt«. — ,I)ie Bergstrasse führt in vielfachen steilen Windungen empor (1. ein ziemlich jäher Fussstcig). Der Berg, aus der Mitte einer niedern welligen Gegend auftauchend, besteht aus weissemKreidekalk (Trapani liegt auf den gewöhnlichen tbonigen und sandigen, sehr fossilienrci- ehen plioeänen Sedimenten). Hier und da ausgedehntere, sorgfältig bebaute Stellen; weiter oben Sumach und "Wein; auf Piano dei Cappuccini Fruchtbäumc, Cypressen und Steineichen, während die sehroffen Abhänge kahl und nur mit niedrigem Gestrüpp bewachsen sind. J )ie iso- lirte Lage lässt den Berg (der nur 751 in. misst) weit höher erscheinen, als er wirklich ist Höher hinauf schöne Rückblicke auf Trapani und die Inseln. — Beim Eintritt in die Stadt S. Giuliano (auch Trapani del monte genannt; 6143 Einw.), auf der Höhe des Bergs, überrascht das völlig Fremdartige ihres Anblicks und die originelle Tracht der Bewohner. Die Männer sieht man inlangen schwarzen Mänteln mit Kapuzen, die nur einen Tlieil des Gesichts offen lassen; die Frauen in langwallenden, bis zu den Füssen reichenden schwarzen (Schleiern und kaum der obere Theil des Antlitzes frei. Doch gilt Monte 8. Giuliano als Stätte der schönsten Frauen in Sicilien. Die Beibehaltung dieser oigenthümlichen Tracht ist dem Nebel zu verdanken, der diese Höhe den dritten Theil des Jahrs hindurch heimsucht. — Die Häuser, aus dem grauen Kalkstein des Bergs und meist einstöckig, haben fast überall gewaltige Thüren, kleine zerstreute Fenster, platte vorspringeude Dächer, manche zeigen noch Reste normannischer Ornamente; weiter hinan werden die Gebäude ansehnlicher.—Die Strassen sind schmal, steil und schlecht gepilastert, aber seitlich durch erhöhte Wege für die Fussgängcr begrenzt. Oft ist die Stadt sehr männerleer, wenn unten die Felder die Männer in Anspruch nehmen und sie dann erst spät am Abend oder nur Sonntags zur Höhe zuriiek- wandern; manche habe 22 sich ganz in den Feldern niedergelassen, und weithin sieht man ihre Wohnungen schimmern, bald vereinzelt, bald iu Gruppen. Der Name iS. Giuliano stammt von einer Legende, die mit der Belagerung der Stadt durch die Saracenen zusammenhängt; während sie die Stadt mit Sturm nehmen wollten, griff sie S. Julian an den Mauern mit einer Mente Hunde (vgl. Venustempel) an, welche die Saracenen über die Wälle warfen , so dass sie das Genick brachen. Neben dem Stadteingang 3. der Dom, ein 1314 von König Friedrich II. gegründeter Bau, dreischiffig mit drei Apsiden, 1685 restaurirt, zeigt von aussen noch sein- schöne Architektur und ein reizend verziertes Portal der Seitenkapelle; die prächtige Eingangsthür gleicht derjenigen der Annunziata von Trapani. — Steigt man zum Ostende der Stadt hinauf, so gelangt man zum *Kastell (jetzt theil- weise Gefängnis; dem Thorhüter 30 bis 40 C.), einem mittelalterlichen, sehr malerischen, docli theilweise zerfallenen Bau. Von hier oben eröffnet sich ein *Prachtblick über die Westseite der Insel. Zunächst Trapani und seinen Salzbocken das breite Mittelmeer mit seinen Klippen 307 4. Von Palermo nach iVapaui und auf den Monte S. Giuliano. 308 und den langen, schönen Formen der Aeqa- discheu Zatteln (Ziegeninseln), v. Levanzo (Phorbauzia, Bueinna), ein ringsum steil (2!K) m.) und felsig aus dem Meer steigender Kalkberg von 1 St. Länge, mit guten Viehweiden und kleiner Bevölkerung, 1. Z'avig- n tna (Aigusa), wo Odysseus gelandet und wilde Ziegen gejagt haben soll, ld/a St. lang und ft St. im Umfang, mit einer Stadt im mittlern schmälsten. Inseltheil /.wischen den Buchten Calagrande im N. und Oala- muui im S.; auf dein Gipfel der die flache Insel quer durchziehenden zackigen Kalkkette (326 m.) ein Telegraph; 3 St. westl. von PacUjnana die Insel Marillmo (Iliera), aus Sandstein mul Lavagnaschiefer, von Punta della Troja bis Capo Mazzaro 1 St. lang, mit Felsenkastell auf der Nordostspitze über der Uala Manione und Telegraph auf dem Monte Falcone (684 m.). Südl. längs der langen grünen Küste der Insel Pantaleo, wo die feste karthagische Stadt Motye stand, dann nach Kap Büo mit Marsala (Lilybaion,' im Hintergrund. Im O. die Bergkämme über Alcamo, Oalatalinii und Salemi; nach NO. ein breites, wohlbebautes Thal, von dunkeln Höhen umzogen, die an dem kegelförmigen rüthliclien Promontorium (Jofano ausmünden, lind weit ins Meer hinaus das niedrige Vorgebirge S. Vito. , lin obern Hof des Kastells ist der in den Felsen gehauene Pozzo di Venere von antiker Konstruktion, wahrscheinlich eine Cisterne oder eine Kornkammer für den berühmten Tempel, 3 l /2 m. breit, 7 m. tief, von schöner Konstruktion, mit Gement bekleidet. (Aus diesem Hof gelangt man auf ein kleines Bastion am Rand des Abhangs, mit herrlichem Blick auf die ostwärts gegen Palermo ziehenden Hohen.) — Unter dem Kastell an der Nordseite, unweit eines mittelalterlichen Bogens, Arco di Uedalo oder di Diavolo, ist ein ceinentloses Stück regelmässiger antiker Mauerung, wahrscheinlich von den Substruktionen des Tempels. Der berühmte Tempel der Aphrodite (Eryeinischen Venus), hier auf dem Gipfel des inselförmigen Bergs Eryx, einer der reichsten und berühmtesten Tempel des Alterthums, ist leider bis auf jene zwei Reste völlig verschwunden. Der Berg war fiir den Grund eines Aphroditetempels wie geschaffen und hatte durch seinen atmosphärischen Wechsel, bald in heller Luft glänzend, bald von düsteren Wolken umgeben, schön im rosigen »Strahl der Morgensonne wie im bleichen Schimmer des Mondes, ganz den Charakter einer von der Gottheit selbst geweihten Stätte (Holm). Ursprünglich der phönikisehen Gottheit der sinnlichen Liebe geweiht, war der Tempel reich mit Tempeldieneriimen(IIierodulen)versehen, die infolge von Gelübden der Gottheit geschenkt wurden und mit ihrem Leib die Tempelsehätze mehrten; auch zahlreiche heilige Tauben wurden liier genährt, die, jährlich acht Tage in Afrika abwesend, unter der Anführung Aphrodite’s selbst (in Gestalt einer rothen Taube) zurückkehrten; noch jetzt ist der Gipfel des Bergs von Tauben umflattert, die selbst dem Bann der Priester widerstanden. Herakles (der phönikische Melkartli) kommt auf seinen Reisen zu Eryx, dem Riesen des Bergs mit dem Heiligtum, ringt mit Eryx um ein dahin verlaufenes Stück der Herde, bezwingt und tödtet ihn. Er zieht dann riugs um die Hisel (die phöuikischeu Ansiedelungen). —■ Diodor (IV, 83) erzählt: Eryx war ein Sohn der Aphrodite mul eines sicilisclien Königs, Butas; er erhielt die Herrschaft über einen Tlieil der Insel; auf einer Hohe erbaute er eine bedeutende Stadt, die seinen Namen führt, und auf dem höchsten Punkte der Stadt errichtete er seiner Mutter einen Tempel und stattete ihn mit heiligen Geräten und zahlreichen Weihgeschenken aus. Die Göttin hatte eine Vorliebe für diese Stadt wegen des frommen Sinns der Einwohner; der Tempel hat seinen Ruhm nie verloren, vielmehr stieg sein Glanz immer höher. Nach der Anordnung des Gottesdienstes durch Eryx versah Aeneas, auch ein Sohn der Aphrodite (und als Stammvater Roms in besondere Beziehung zu den Stätten gebracht, wo Venustempel sich an der Küste befanden), den Tempel seiner Mutter mit vielen Geschenken. — Aelian (II. A., X, ftO) berichtet: im Tempel sei Gold und Silber in Fülle gewesen, Halsbänder und kostbare Ringe, und die Bewohner achteten die Göttin und ihr Eigen- thum mit bewundernswerter Ehrfurcht; kein blutiges Opfer durfte dem I-Iauptaltar nahen, dieser stand unter freiem Himmel und brannte bei zahlreichen Opfern bis in die Nacht; erglänzte aber das Morgenrüth, so zeigte er weder Kohle noch Asche, sondern reichlichen Thau und frisches Gras, das über Nacht aufvvuclis; die Opfertiere jeder Herde kommen aus freiem Antrieb und steilen sich an den Altar, und der Hirt iibertheuert nicht, denn die Göttin hat selbst ein Auge auf den Handel. — Pausanias (8, 21) nennt den Tempel einen uralten, hochheiligen, der an Reichthum dem in Paplios nichts nachgebe. Aber im ersten Punisclien Krieg wurde dieser berühmte Bau, weil er einen festen und leicht zu verteidigenden Posten bildete, nach der gründlichen Eersturuug der Stadt Eryx durch- 5. Von Trapani nach Marsala, Mazzara mul Castelvctrano. 310 309 den karthagischen Feldherrn Tlamilkar (weil Eryx, obschon Stadt der Elymer und dann den Piuiiern untcrthan, vermöge seiner Lage den Angriffen der Römer ausgesetzt und unhaltbar war) besetzt und als Warte benutzt. Durch einen Ueberfall gelang es den Römern (24h v. Chr.), in den Besitz des Tempels zu kommen, und der Konsul Junius gewann damit einen Platz, der fiir die ganze Dauer der folgenden Kriegsjahre von grosser Wichtigkeit war. — Unter den Römern (sagt Diodor IV, 83) stieg die Bedeutung dieses Tempels höher als je zuvor, denn die Römer leiteten ja ihr Geschlecht von Aphrodite ab; Konsuln und Prätoren und andere Amtspersonen, wenn sie hierher reisen, erweisen dem Tempel ihre Ehrfurcht durch kostbare Opfer und Geschenke; sie legen den Ernst des Amts ab und überlassen sich hier oben der heitersten Laune, scherzend und mit Frauen sich unterhaltend; nur so, glauben sie, könne ihre Gegenwart der Göttin angenehm werden. Der römische Senat war für den Dienst der Göttin so besorgt, dass er verordnete, die 17 treuesten Städte in Sicilien sollten der Aphrodite Gold liefern und ihr Tempel durch 200 Soldaten bewacht werden. — Zu Strabons und Tacitus 1 Zeit war das Aphro- dision noch bewohnt, aber sehr in Verfall ge- rathen. Die Stadt war damals schon verödet. Von den *Mauern der antiken Stadt sieht man auf der Westseite des Bergs unter den jetzigen Stadtmauern zwischen der Porta Trapani und Porta Spada gewaltige Blöcke von festester Konstruktion; viereckige Thiirme, von denen noch elf theilweise erhalten sind, durchsetzten sie in unregelmässigen Zwischenräumen. Pie rohen viereckigen Blöcke sind meist in horinzontalerLage aufeinander gelegt, die grössten unten, die regelmässigsten ohen. An manchen Stellen gehören die oberen Reihen schon späteren Reparaturen an. Der älteste Stadteingang befand sich bei Porta Spada. Die alte Stadt wurde schon von Pyrrhus erstürmt, welcher der erste auf der Mauer war; Hamilkar, welcher sie zerstörte, versetzte die Einwohner nach der benachbarten Landzunge Drepana, wo er eine neue Seefestung gründete (S. 301). Meerfahrt von Trapani nach der(150Kil.) südsüdwestl. gegen Afrika hin liegenden Insel Paiitelhirisn Gegenwärtig fährt alle Sonnabende ein Segelschiff der Compagnia Florio dahin und Dienstags wieder zurück. Von Palermo, Piazza Marina 83, gehen zuweilen Dampfer (durch gedruckte Bekanntmachungen angezoigt) über Trapani, Marsala und Mazzara nach Pantellaria (und Hamarnet). Die Insel ist vulkanischer Natur; schon vom Meer aus sieht mau, dass die äussere Einfassung einen niedrigen elliptischen Bergring bildet, der von NW. nach SO. den grössten Durchmesser (20 Kil.) hat; dieser Ring wird von zahlreich übereinander geflossenen Bänken einer trachytischen Lava gebildet, die, vom Meer sanft ansteigend, im Innern als theilweise noch gut erhaltene Wände eines Kraters von 20 Kil. Umfang plötzlich abbrechen. Aus dem Innern dieses riesigen Kraters erhebt sich der Hauptkegel Sciarghibir (Berg der Laven, 74 4 m. ü. M.), eine Anhäufung von Bimssteinen mit zahlreichen Obsidianströmen ; er stürzt steil nach SO. ab, wo ein zweiter Kegel aufsteigt. Aus den Seiteuwänden dieser Bergmasse dringen überall heisse Wasserdämpfe hervor, und an ihrem Fuss zum [Theii reiche heisse Mineralquellen. Pantellaria ist der südwestliche Endpunkt der 250 Kil. langen Kette vulkanischer Bildungen, die nur am nordöstlichen Ende im Aetna noch thätig ist (1831 tauchte noch 00 Kil. von Sciacca in dieser Linie die Insel Ferdinande# oder Julia auf, die Ende September einen Umfang von 700 m. hatte; aber nur von losen Auswürflingen aufgeschüttet, wurde sie vom Meer unterwühlt und war schon Ende November dem Wasserspiegel gleich; später war das Meer hier ebenso tief wie anderwärts. Die Insel Pantellaria, mit nur 150 QKII. Oberfläche und kaum 50 Kil. Umfang, hat 7011 Einw., schöne fruchtbare Thäler und nicht unbedeutenden Reichthum an Getreide, Wein, Oel, Feigen, Agrumen und Baumwolle. Die Sprache ist ein mit arabischen Idiomen gemischtes Italienisch. Die Hauptbeschäftigungen sind der Ackerbau und die Viehzucht. Auf der Nordwestseite der Insel liegt der Hauptort Pantellaria (auch Oppidola genannt), mit Hafen und Fort (die Citadelle diente unter den Bourbons als Verbannungsort für Staatsverbrecher). Oeid, Fast. III, 5(57, nennt sie die öde (sterilis) Cosyra. 5. Von Trapani nach Marsala, Mazzara und Castelvetrano. 07 Kil. Post (in 11 St., sammt Aufenthalt); Von Trapani über Cordte Vecchia nach (31 Kil.) Marsala in 4>/a St., f> Fr. 75 C.; — von Marsala nach (18 Kil.) Mazzara in 2 3 /4 St., 3 Fr. — von Mazzara nach (18 Kib) Castel- vetrano, ebenso. Dampfbooie der Compagnia Florio wö- chentl. lmal von Palermo (und von Syrakus) 311 5. Von Trapani nach Marsala, Mazzara und Castelvetrano. 312 über Trapani; landen abwechselnd in Marsala oder Mazzara (S. 122). Besondere dreispännige Wagen kosten 25.—30 Fr. pro Tag; sie gebrauchen nach Marsala 2 St., nach Mazzara 3Va St. Die Gegend jenscit Trapani ist flach und einförmig; man sieht zahlreiche Windmühlen, welche das Seewasser auf die Salzpfannen pumpen; auch zahlreiche Dahnen, die bei den zerstreuten Gehöften sich erheben. Die Strasse folgt anfänglich derjenigen nach Palermo und lenkt dann bei der Annunziata di Trapani (S. 305) r. ab, längs der Küste den wunderlichen Bezirk der Salzbecken durchkreuzend; einige dieser Salinen sind zum Schutz vor Regen mit Ziegeln bedeckt, anderen dient nur die Härte der Aussenkruste als Decke; von weitem sehen sie wie »Feldzeltc« aus. — (5 Kil.) La Xitta, ein kleiner AVeiler inmitten der Kornfelder Marsala durchschneidet die Strasse, nachdem sie lange eine vom .Meer und einer niedern Hügelkette begrenzte, mit Zwergpalmen und Gestrüpp bewachsene Heide durchzogen, wieder fruchtbares, wohlbebautes Ackerland. (31 Kil.) Marsala, das antike Lihj- baeum. Gasthof: *Trinacria , ordentlich. — Trattoria: *Porcelli , in der Post. — Cafe: J.ili- beo, dem Dorn gegenüber. — Post bei Porta Garibaldi. — Wein und Geflügel berühmt. Die fast 3 /i St. im Umkreis messende Stadt mit 34,200 Finw. hat noch die von den Normannen errichteten, von Karl V. mit Bastionen versehenen Mauern. Ihren Namen »Ilafcn Ali’s« erhielt sie erst durch die Saracenen. — Zwei breite regelmässige, unter einem rechten Winkel sich kreuzende Strassen sind die hauptsächlichsten Verkehrsadern der betrieb- uud Olivenhaine. — (7 Kil.) PaceCO» ein 1607 durch Placido Fardello, Gemahl der Teresa Pacheco (Nichte des Vicekö- nigs), gegründeter Ort auf ammithigem ; Hügel; zieht vortreffliche Gurken und I Melonen, exportirt Getreide, Oel u. Soda, : — Die Gegend ist dorflos, aber mit Oliven, Korn und Wein bepflanzt; längs der Küste liier und da ein Wachtthurm. — 3 St. jenseit Trapaui kommt man in eine weite Heide mit Zwergpalmen , Fenchel und Orchideen, die sich gegen das Meer hinabzieht und im Hintergrund landeinwärts durch niedere Hügel begrenzt ist, il piano di Falconara; hier über den Fluss JHrgi. In dieser Ebene schlug Friedrich II. von Aragxmien das von Papst Bonifacius VIII. unterstützte französisch-neapolitanischelleer (1. Pec. 1299), und Karls II. jüngster Sohn Philipp gerietli in Kriegsgefangenschaft. Dieser Sieg bewog den Papst, Karl von Va- lois zum Zug nach Italien aufzufordern. Südl., von der Küste etwas entfernt, erblickt man in einer grossen Lagune, lo Stagnone, drei niedrige Felseninscln: nördl. il Borrone (nur 3 Kil. lang), siidl. Isola longa (5 Kil. lang), mit einer Saline; im Innern der Lagune liegen mehrere kleinere, ebenso flache Inseln, deren grösste die Isola S. Pantaleone ist, berühmt als Sitz der bedeutenden karthagischen Stadt Motge (S. 319). Nahe bei samcu Handelsstadt. Vier Thore an den Knden dieser Kreuzarme durchbrechen die viereckige Stadtmauer. I )er Gesammt- anhlick ist ein erfreulicher, aber für Kunstfreunde ist hier wenig Selienswer- thes. Aus der Zeit, da Cicero hier Quästor war, sind nur noch Mauerfragmente vorhanden. Der Dom, an der Piazza, in modern dorischer Ordnung mit unvollendeter achteckiger Kuppel, hat 16 sehr schöne monolithe Marmorsäulen, das Weihbecken ruht auf einem rcliefirteu Schaft von 1474. Beim Eingang Grabmal des Giulio Ala- zaro, des »scharfen Hammers« der Briganten; im rechten Querschiff Girolamo AlibrmuU (von Messina), Purifikation, 1505; in der Kapelle des SS. Sacramento drei kleine Reliefs von Antonio Gagini, 1532. — Der isolirte Thurm von Carmine schwingt seitlich, wenn die Glocke geläutet wird. Der gegenwärtige Hafen stammt aus neuer Zeit; der Molo mit dem Leuelit- thunn 'wurde erst 1848 vollendet; der antike Hafen lag an der Nordseito des Pro- I montoriums (s. unten). Am Thor nach dem Meer zu befindet sieh eine Inschrift, welche darauf aufmerksam macht, dass Garibaldi am 11. Mai 1800 angesichts dreier neapolitanischen Kriegsschiffe (unter denen eine Fregatte von 50 Kanonen) in Marsala landete. Erst als kein einziger Garibaldianer mehr an Bord und die Stadt bereits in deren Besitz war, or- öffheten die Königlichen das Feuer und nahmen die beiden Dampfer »Piemontc« Marsala 5. Marsala. lall .. ** 315 310 5. Von Trapani midi Marsala, Mazzara und Castelvetrano. und »Lombardo« in Beschlag. Garibaldi bivouakirtc vor der Stadt und marsohirte am andern Tag nach Calatafimi, wo er das erste siegreiche Gefecht lieferte (vgl. S. 283). Im S. der Stadt, ausserhalb Porta Maz- zara, sind grosse (aber nicht tiefe) Stein* brüche (s. unten), mit alten heidnischen und christlichen Gräbern; eine alte Kirche ist hier mit ihrem untern Theil in den Felsen eingehauen (der obere Theil ist inodernisirt). MARS AI iA uubaeum Marsala (Lilybaion — Xotye). Einige Kilometer nordwärts ist die ganze Gegend eine Reihe von Weinpflanzungen und Gemüsegärten. Von besonderem Interesse sind die Weinetablissements, die wie kleine Kastelle vor den Thoren der Stadt meerwärts liegen; es sind weitläufige, von Schornsteinen überragte Gebäulichkeiten (gegen Abgabe der Visitenkarte zugänglich), mit viereckigen Umfriedungen, an den Ecken mit Thürmen; jedes eine kleine Stadt, in welcher alle Arbeiten für die Weinbereitung ausgeführt werden. Die bedeutendsten Etablissements sind die von Woodhouse Sohn (Engländer), Florio (Paler- I mitaner), Ingham (Engländer). Woodhouse Vater kam 1802 mit einer kleinen Ladung Stockfische nach Marsala, begann mit dem Erlös derselben einen Weinhandel und wui’do Millionär. Er kaufte die Trauben noch unreif am Stock und liess den Wein in seinen ungeheuren Kellern 10 Jahre alt werden; um ihn haltbar und zu langen Seereisen geeignet zu machen, setzte er demselben Branntwein zu und erhielt ein dem Madeira ähnliches Getränk (»Marsala«;. Woodhouse beschäftigte bei 400 Personen, auch Blinde, Lahme, Krüppel, liess auf seine Kosten einen Molo bauen, die Strassen der Stadt pflastern und errichtete ein Hospital für Arbeitsunfähige; er lebte unverhei- rathet und war sehr gastfrei, aber Nachts zog er sich mit seinem vertrauten Bedienten in sein wohlverwahrtes, südl. von der Stadt gelegenes Wohnhaus zurück, das er mit Wohnungen für die Arbeiter, Werkstätten, Magazinen, Kellern und Ställen grossartig umgeben hatte. Er starb 1826. (Schon zehn Jahre später war die Weinausfuhr Siciliens um 10 Mill. Franken gestiegen.) Nordwestl. vor dem Trapanithor, zwischen Stadt und Meer, liegt das Kirchlein S. Giovanni mit einem berühmten unterirdischen Brunnen, dessen Quelle schon im Alterthum (Diodor XIII, 54) den Namen Lilybaion hatte. Wer von diesem Wasser trank, erhielt die Kraft der Weissagung; daher wurde die cumäische Sibylle hierher verpflanzt, welche hier weissagte und begraben ward (Brunnen der Sibylle); noch jetzt nennt sich nach ihr der Thurm Sibi- liana südl. von Marsala. Die christliche Zeit wandelte die Quelle in einen Täuferbrunnen um. Vom Boden der Kirche führen zwei eingehauene Eingänge aufStufen hinab, wo sich der viereckige Brunnen in der Mitte eines kleinen kuppelbedeckten Rundraums mit Luftschacht befindet; der Fitss- boden ist mosaicirt, die Decke stukkirt, die Wände freskirt; r. ist eine auch mit Luftschacht versehene Nische mit dem Altar des Täufers, 1. eine Rundnische, mit Arabesken , Fischen u. a. bemalt. Der Eindruck der aus dem Felsen gehauenen Räume ist ganz der Art, dass das - Wasser noch jetzt den heiligen Namen bewahrt hat. Das antike Lilybacum, d.li. die Libyen gegenüberliegende Stadt, wurde von den Karthagern 306 v. Chr. gegründet, als ein Jahr nach der Eroberung und Zerstörung Motye’s durch Dionys der karthagische Feldherr Himilkon diese Stadt zurückerobert hatte. Motye wurde nicht wieder aufgebaut, und als Ersatz eine neue Stadt, wo jetzt Marsala steht, angelegt, welche sogleich dieselbe hohe Bedeutung als stärkste panische Seefestung für die Karthager erhielt und mit Drepana zusammen eine vortreffliche militärische Operationsbasis bildete, wo die karthagischen Flotten sich sammelten. Natur und Kunst erhoben sie zu einer uneinnehmbaren Festung. Als Pyrrhos durch ganz Sicilien siegreich gezogen, war Karthago schon bereit, auf die ganze Insel zu 318 317 5. Marsala (Geschichtliches). verzichten, wenn nur der Besitz von Lily- baion ihm bliebe. Aber Pyrrhos (276 v. Chr.) wollte diesen gefährlichen Vorposten den Karthagern nicht lassen. Jedoch trotz der ungeheuersten Anstrengungen misslang die Eroberung, und nach zweimonatlichen Arbeiten und Stürmen musste der Angriff aufgegeben werden. Auch im ersten Punischcn Krieg widerstand Lilybäum den Körnern fast zehn Jahre (250—241 v. Chr.). Die Belagerung dauerte so lange wie die von Troja, aber die sicilische Stadt blieb bis zum Ende des Kriegs siegreich und wurde nur infolge des abgeschlossenen Friedens den Hörnern übergeben. Auf der Bandseile war die Stadt durch eine Umwallung halbkreisförmig vom nördlichen bis zum südlichen Gestade umzogen, ganz abgeschnitten und nur dem jVfuth ihrer Besatzung überlassen. Aber die gefährlichen Untiefen gestatteten den Körnern keine wirksame Blokade; von Karthago kam eine Expedition von 50 Schiffen voll Vorräthen und mit 10,000 Mann (nach Diodor 40,000), durch die schwierige Fahrstrasse zwischen Klippen und Sandbänken hindurch von kundigen Lotsen geleitet, ungefährdet in den Hafen, denn letztere allein waren mit dem Wechsel von Tiefe und Seichtigkeit und den schiffbaren Kanälen des Zugangs vertraut (die meisten römischen Schiffe lagen am Strand und die Kuderer waren mit der Belagerung beschäftigt). Auch einzelne Schiffe trotzten den unbeholfenen römischen Kreuzern: der karthagische Rathsherr I-Iannibal Khodius hielt auf seinem schnellsegelnden Dreiruderer die Körner völlig zum besten. Das Belagerungsheer von 110,000 Mann vermochte somit nicht einmal die Zufuhr von Lebensmitteln abzusclineiden. Der Winter, Hungersnotli und Krankheit dccimirtcn das römische Heer, und nach der schrecklichen Niederlage der Körner bei Drepana (S. 301) wurde der Angriff zum Kleinkrieg; erst die Niederlage der karthagischen Flotte bei den Aegatischen Inseln zwang Karthago, auch das unbesiegte Lilybäum auszuhändigen. — (Die Geschichte dieses zehnjährigen Kampfs, wie sie Poly- bins erzählt, ist auch deshalb die interessanteste der ganzen römischen Kriegsgeschichte, weil in ihr mit lokaler Präcision die ganze Belagerungskunst der Alten dar- gestcllt wird.) Auch unter den Römern bewahrte Lilybäum seine Bedeutung und gewann noch an Blüte, denn es ward zum Kriegshafen für Afrika und damit zu einem der wichtigsten Kriegsplätze im Mittelmeer. Umsonst versuchten die Karthager im zweiten Klinischen Krieg die Uebernimpeluug; umsonst trachteten später die aufständischen Sklaven in seinen Besitz zu kommen. Von hier schiffte sich Cäsar zum Krieg in Afrika ein. Es war Sitz des römischen Quästors von West- sicilien. Cicero (Verr. V, 10) nennt sie splen- disnima civitas. Noch jetzt bezeugen aufgefundene Gemmen und prachtvolle Gefässc (z.B. in der Casa Curatolo und im Palazzo Urignani) auch vom hohen Stand der Kunst. Auf der Ostseite der Stadt, in dem durch Steinbrüche zerklüfteten Gebiet, sind die aus der pliönikisclien Epoche stammenden Aushöhlungen zu Gräbern benutzt’worden; in der Cornifliera bei S. Carlo kann man zu diesen Höhlen hiuabsteigen. Um die Gappnccini herum lag die Gräberstätte für das Volk, die Loculi sind in den Boden geschnitten (hier fand man die Mehrzahl der alten Münzen). — Beim Comento de’ Kicco- lini ist ein Steinbruck mit reicheren Gräbern, Steinbetten unter Rundbögen von 1 — 8 Gräbern, mit innerem Bogen bis zu 6, einige mit bemalten Stuckornamenten. (Nach Schnb- rimj sind diese Gräber von panischer Herkunft und wurden später von den Byzantinern benutzt, denen die Fresken zuzuschreiben sind.) — Der Brunnen der Sibylle unter S. Giovanni s. oben. Komische Inschriften findet man noch an der Wand des Pal. Spadafora (C. Curtius Threptus); in der Klostonnaucr S. Stefano, auf einem Votivpfeiler; in der Mauer von 8. Giuseppe; ebenso in der Strada Garibaldi , Strada Pannieri und an der Porta nuova; in der Halle des Municipio. Die antike Stadt lag auf vorge- streekter Halbinsel tlieilweise im Meer. Die äusserste Spitze der Halbinsel bildete das Kap Lilybäum, das sich noch eine Stunde weit in seiner ganzen Breite in das Meer hinein unterseeisch fortsetzt und so die gefürchteten Sandbänke, Untiefen und Klippen hervorrief. Die Stadt war auf allen Seiten durch Mauern geschützt; auf der nordöstlichen und südöstlichen Landseite wehrte ein tiefer Graben dem Zugang, der jetzt noch, 36—40 Schritte breit in den felsigen Boden eingebrochen, vorhanden ist, mit wild zerklüfteten Wänden, unten mit Grotten j und Höhlen; besonders imposant an der Ostecke unter dem Kastell. Nordwest- wärts gegen das Meer wachsen auf dem znge,schütteten Graben jetzt Korn und Gemüse. Vom Verlauf der Mauern am Kwsiöwmn^sindnoch an mehreren Stellen geradlinige Quaderzüge und einige gegen das Meer vorspringandeviereckigeThürme vorhanden. Südwestl. vom Anstoss des Grabens ans Meer sieht man die geebnete Terrasse eines Tempelehens, an dem noch die Säulensockel erhalten sind; nahebei eine in den Boden eingehaucne unterirdische Kammer, daneben ein mosaicirter P'ussboden und die Beste eines stukkirten runden Bades; von liier geht ein tlieilweise mosaicirter Weg ziuu :si!) 5. Von 'l'rapani nacli Marsala, Mamra und Castelvetrauo. 820 Meer hinab. —Man findet noch jetzt längs der Stadtmauer in der Nähe des Meers Mosaikwürfel und Münzen, selbst Gemmen und Kameen. An der Südwestseite dehnt sich jetzt das Land weiter vor, als früher, Meergras und Seetang bilden einen hohen Wall. Die grossen Quadern am neuen Molo und an der Quaibrüstung am neuen Hafen sind wohl aus antikem Material aufgerielitet (vielleicht auch die Fundamente der Bastionen der mittelalterlichen Festung). — Die alte Burg (Akropolis) erhob sich wohl da, wo jetzt an der Ostecke das mittelalterliche Kastell aufragt und ein südlicher liund- thurm aus kleinen Quadern nebst einem nördlichen viereckigen Thurm aus kleinen Steinen und Kalk stehen. Der antike IIafen lag im N., wo die aus angescliwemm- tem Seetang gebildete Landzunge mit der Punta dell’ Alga noch nicht existirte. Bei der jetztigen Saline des Giuseppe Polleri begann wahrscheinlich der lange Hafendamm , zwischen dessen Endpunkt und der Südspitze der Isola longa sich die Hafeneinfahrt befand. Erst durch I>on Juan kleinen Geschützen) auf der Strasse nach Salemi den 3000 Mann der bourbonisclien Truppen entgegen ; der neapolitanische General Landi rückte gegen den Gebirgspass bei Vita, Monte del pianto dei Romani, vor. Gegen 10 Uhr Morg. am 15. Mai begann das Gefecht. Garibaldi bemächtigte sich einer Hügelkette unmittelbar vor Vita und stellte seine Geschütze so auf, dass sie die Strasse bestrichen. Ihr Feuer brachte die Reiterei zum Stehen, aber die Infanterie ging mit Festigkeit vor und versuchte Garibaldi aus seiner Stellung zu vertreiben; dieser Versuch gelang nicht, und Garibaldi griff nun selbst an. Die Sipiadri machten einen grossen Bogen, um die Neapolitaner in die Flanke zu nehmen, die Cacciatori griffen sis von vorn an, stiessen dabei aber auf sehr zähen Widerstand, wurden mehrmals zurückgeworfen und verloren sogar Gari- baldi’s Faline, die ihm die Damen gestickt hatten. Schon waren viele gefallen, aber Garibaldi, wohl wissend, dass alles von dem Gewinn des ersten Gefechts abhing, erneuerte , immer voran, fortwährend seine Angriffe, und Landi sah sich genöthigt, nach einem dreistündigen Gefecht mit Zurücklassung von einer Kanone, 6 Gefangenen, 3(i Todten und 148 Verwundeten sich zurückzuziehen. Bei der eiligen Rückkehr nach Calatafimi warfen die Truppen unterwegs Waffen und Ausrüstung weg, um leichter zu entfliehen. Der Sieg kostete den Graibaldianern über 200 Manu. Während der Nacht räumten die Neapolitaner Calatafimi und schlugen, ihre Verwundeten zurücklassend, die Strasse nach Aleamo ein. Die Schlacht hatte das Schicksal der Italia una entschieden. (70 Kil.) Vita, ein ärmlicher Ort, mit engen, jähen Strassen, in öder Gegend. Nun in ein freundliches grünes Thal hinab, die Strasse von Rosen, Maulheer- und Obstbäumen begleitet; dann in vielen Windungen die Höhe hinan nach (78Kil.) Salemi (zwei ärmliche Docanden), das si- kanischellalikyai.jetztmit 14,096Eimv.; pittoreskes Kastell. Vom Kreuz über der Stadt Prachtblick auf Marsala, Mazzara und eine lange Strecke der östlichen und südlichen Küste. — Jenseit Salemi in das Thal hinab, über den Fiume Arena, dann durch eine wellige Gegend mit Korn oder Weide, doch selten mit einer Hütte; hier und da schimmernde Talk- und Gipsfelsen. Jetzt über einen lliigelrückcn mit weitem Blick auf Ninfa. Unter den umgrenzenden hohen Bergen ragt der Bu- särmara hervor. — Santa Xlnfa, mit 6685 Eimv., in reicher Korngcgend. Vartana, 11 * 6. Von Palermo nach Castelvetrano and Selinunt. «28 «27 mit 12,407 Eimy., Exfeudum der Familie ] eine Statue des Täufers, von Antonio Ga- (irifeo, l)nca di Cimiana (exportirt Wein | gini, 1522 (Angern undLippeiibfimnlt, die und Ocl). — Zuletzt Weinberge, Obst- \ Ränder des Gewandes golden, das Untergärten, Ölivenbäume. , kleid roth). — An der Piazza der alte Pa- (104Kil.) CastelvetlMllO (Locanda l last der Herzoge von JLonteleouc, welclie Hella Pantern, für eine sieilisclie Land- : nocli jetzt das meiste Land ringsherum stadt gut; Cafe-Itestaurant ,SV/mun7o, besitzen. IniLargo dellaNinfa wurdeeine 'llörillidie misse t r Theaf Ü s tli ii <| el /& SwTUSstvV mit billiger, guter Trattorie, anderPiazza), mit 20,420 Einw.; die Strassen sind breit und regelmässig, die Stadt hat noch ein altertümliches Aussehen bewahrt; sie steht auf einer Anhöhe (100 m.), in der Mitte einer ausgedehnten und sehr kulti- virten Ebene, welche Oel und Wein (Ca- priata) von trefflichster Qualität liefert, ln der IlauptJdrche (San Giovanni), 1GÖ7 in beachtenswerter Renaissance uinge- baut, im Querschitf: Ilonthorst, Enthauptung des Täufers; hinter dem Altar: antike Nekropolis entdeckt, nach Ingog- lia zum Legum der Sikancr gehörend. Von Castelvetrano auf neuer Fahrstrasse (Maulthierö x /2 Er., in 2 Vä St.) nach (HG Kil.) Selinunt. Die Uuinen von Selinunt liegen an der Meeresküste, auf einer flachen, weit ausgedehnten, unbebauten Ebene. Der Weg zu denselben, der 1 St. der Strasse nach Seiacca folgt, dann r. ahgeht, ist anfänglich zu beiden Seiten von Landhäusern mit reichen (»arten begleitet, wei- (>, Selimmt (Geschichtliches). 320 330 ter abwärts folgen in dem sumpfigen Boden 'Reisfelder, während an den trockenen Gehängen üppige Olivenimine gedeihen. Dann bricht die Kultur ab, an ihre Stelle treten Korinthen und Heide mit Kriken, Ginster, Zwergpalmen; hier und da wilder Wein, Myrten, Malvaceen. Nach 2 St. erblickt man landeinwärts vom Meer die gewaltigen Tempeltri'unmer in trauriger Einöde, riesige Haufen auf zwei getrennten mässigenlliigelrüeken, die 1 j± St. von einander abstehen und in Schroffen gegen die sandige Bucht abbrechen. Aus der wild durcheinander geworfenen Stein- masse ragen hier und da noch die Säulen - stümpfe empor, von fern den Thürmen einer Stadt ähnlich. Der Kustode der Tempel ist Don Giovanni Vioiani iu Gastelvetrano. Auf der Westhöhe der Tempel findet man meist einen Untorknstoden. Wer längere Zeit für Studien sieh in der Nähe der Tempel aufhalten will, suche sich (nach Einholung der Erlaubnis bei Don Viviani und etwa mit einem Empfehlungsbrief vom Direktor der sicilischen Ausgrabungen, Cav. Cavallari zu Palermo, verseilen) in dem Haus bei den Pilieri dei Giganti ein Zimmer zu verschaffen. ]\lan nehme ein Gabelfrühstück von Castel- veti*ano mit, da in Selinunt keine Osteria ist. — Wer auch die Steinbriichc bei Cam- pobello besuchen will, tliutgut, einen ganzen Tag für die Partie zu verwenden. Zur Geschichte von Selinunt. Selinus, einst eine der bedeutendsten Städte .Sici- liens, wurde (nach Thukyd. VI, 4) durch die von den »Syrakusanern eingeengten Megäre r, 100 Jahre nadi der Anlage des sici- ii.schen Megara llyblaia, einer dorischen Kolonie, 028 v. Chr. (Ul. 38, 1) gegründet, unter der Anführung des von dem nisäischen Megara nach dem Kybläischoii gesandten Pammilos (Diodor gibt irrthünilich das Jahr (551 v. dir. als Gründungsjahr an). Es war die erste griechische Kolonistenstadt im W. der Insel, schon ursprünglich als Gressstadt nach einheitlichem Plan angelegt und befestigt, nach dem Vorbild der hellenischen Muttorstadt Megara, die auch einen westlichen und östlichen Ilügeltlieil und zwischen beiden den Markt hatte. Sie wurde an der flachen Bucht dicht an das Meer hingebaut,-zwischen zwei parallel vom Gebirge niederziehenden Flüssen, dem Sdinus (jetzt Madiwd) im W., an dessen Ufern noch jetzt der Eppich (die »Sellerie«, Seli- non) reichlich wächst, welcher der Stadt den Namen gab (nach einer Ableitung vom semitischen Sela, Felseustadt, würde die Stadt ursprünglich von den Phönikern gegründet sein); im 0. der Hypms (jetzt Reb'ce), der als Flussgott häufig auf selimmtisclien Münzen erscheint. Die etwas erhöhte Ebene flacht sich bis ans Meer hin leicht ab und läuft hier zwischen den Mündungen der Flüsse in zwei flache llügelriicken aus, auf welchen jetzt noch die Tompolreste der Stadt liegen. Zwischen diesen von N. nach S. streichenden Kücken liegt ein ca. 1000 Schritte breites und langes Thal (jetzt Ja FhWctra); hier lag der Hafnt, der Stadt (noch jetzt deutet der sumpfige Charakter der tiefliegenden Thalsohle, welche landwärts mit hohem Santi bedeckt ist, auf eine ehemalige Verbindung mit dem Meer), und indessen Nähe hat sich wohl auf dein innorn etwas erhöhten Tlicil des mittlern Thals der Mar Jet befunden. Auf dem westlichen llügelriicken lag der älteste Theil der Stadt, 30—40 m. ii. M.; der Kücken gliedert sich durch eine unbedeutende Einsenkung in zwei Terrassen; die südlichere, 500 m. lang und 300 m. breit, schroff aus dem Meer sich erhebend, trug die linrg und wird daher die Akropolis genannt, und trägt noch die Trümmer von vier Tempeln (A, B, C, I>); über die nördliche Terrasse verbreiteten sich die Wohnhäuser der Bürger; beide waren befestigt. Auf dem östliche« llügelriicken zieht sich ein weites Plateau hin, auf dessmi Westtlieil noch die Trümmer von drei Tem- 2 >dn (E, F, G) liegen, der nördlichste (G) einer der grössten des Alterthums, daher wohl im Mittelpunkt eines besondern Stadtbezirks, welcher in das einheitliche Befestigungssystem der Stadt aufgenommen war. Zwei grosse Gräberstiilten, die eine an der nördlichen Terrasse der westlichen Höhe, die andere jenseit des Selinus, bezeugen die weite Ausdehnung des Stadtgebiets (ca. 1600 m. längs der Küste und ebensoviel landwärts). Als Baumaterial diente der .Stadt der poröse Kalkstein der Umgebung. Durch die günstige Lage gelangte der vorgeschobene Posten griechischer Kultur frühzeitig zu hoher Blüte, blieb in regem Landverkchr mit den Ostkolomen, erhob sich auch zu einer bedeutenden Seehaudels- stadt mit einer kleinen Kriegsflotte. Sie ward bald eine der von Piwlar (Nein. I, 16) gefeierten Städte, »ausgezeichnet durch fruchtbaren Boden, reichthronende Burgen, reisiges Volk, das des erzgerüsteten Kriegs gedenkt und oft sich mit des olympischen Oelbaums goldenen Blättern kränzt«. Viergespann und Siegerkranz auf Münzen deuten auf die Wagensiege Selinunts in Olympia; hatte sich doch die Stadt nach dem Siegerpreis der heimatlichen Istli mischen Spiele,, dem Eppich, den Namen gegeben. — Der Ungesundbeit der sumpfigen Ebene wehrten Kanalisation und grossartige Wasserbauten, an denen Empedokles thcilge- nommen haben soll; und früh erhoben sich die prachtvollsten Tempel. Goldene Weih- gesclienke in Delphi und ein eigenes Schatzhaus in Olympia zeugten für ganz Hellas von dem Reichthum, der sich ehrgeizig an den höchsten Leistungen hethätigte. »Das allgemeine hellenische Lebensideal, Kunst und Literatur, Politik und Staats- 331 (!. Von Palermo nach Castelvetrano und Selimmt. 332 leben zu einem harmonischen Ganzen her* auszubilden, kam auch hier zur Verwirklichung.« ( Benndorf.) Im politischen Leben brachte es Seli- nunt zu keiner hohem geschichtlichen Selb* stündigkeit, denn als entlegenster Posten der Griechen und nahegerückt dem karthagischen Gebiet, zeigte es sich seiner Mission nicht gewachsen. In dem princ.ipielleu Kulturkampf, den die sicilisclien Griechen gegen die Karthager führten, gleichzeitig mit demselben Kampf des Mutterlands gegen l’ersien, trat Selimmt anfänglich sogar auf die Seite Karthago’s, wohl aus Neid gegen Syrakus, mul weil dessen Herrscher Gelon die Mutterstadt Selinunts, Megara Ilyblaia, zerstört hatte. Der glänzende Sieg Gclons bei Ilimera stiess freilich diese Politik wieder um, und 4(17 v- (Ihr. schloss sich Seli- nunt treu an die neue Grossmacht Sieilien«, das mächtige Syrakus, an. Aber die stete Feindschaft mit dem NaeliLiargebiet des elymäisehcn Egesta, zumeist über den Besitz der reichen Westobene, verwickelte Selimmt in gefährliche Kämpfe. 434 v. Chr. wurde ein heftiger Krieg über das Land am Fluss Mazzara geführt, in welchem auf beiden Seiten viele umkamen (Diod. XI, 8(>); die Eifersucht, dm* Städte hörte aber damit nicht auf. 41b (Olymp, hl, 1) brachen neue Streitigkeiten aus, über Rechtsverletzungen in Ileirathssachen und das Uferland am Grenzfluss, dessen sich die Selinuntier auch jenseit des Flusses bemächtigt hatten. In der Schlacht (Diod. XU, 82) siegten die Selinuntier. Die Fgestäer, zu schwach, allein dem Feind widerstehen zu können, bewarben sich um ein Bündnis mit den Akragan- tinern und den Syrakusanern. Da dieser Versuch misslang, so schickten sie Gesandte nach Karthago und baten um Hülfe. Als auch diese Stadt nicht dazu geneigt war, suchten sie Schutz bei Athen. Sie traten hier mit den Leoutiueru, den Stammverwandten der Athener, zusammen auf. Die Anklage wurde (Tlmkyd. VI, ß) vornehmlich auf die Syrakusaner liinüborgeleitet: »Wenn die Syrakusaner ungestraft die Leontiner vernichten und sofort auch deren. Verbündete zu Grunde richten, und so die Gc- sammtmaeht über Sieilien an sich rcissen würden, so sei zu befürchten, sie möchten einmal als Dorier und als Pflanzvolk dem dorischen Peloponnosien als ihrem Muttoi*- staat mit grosser Kriegsmacht zu Hülfe kommen und die Macht der Athener zerstören helfen«. — Die Athener Hessen sich überreden, und ihre unglückliche Expedition war ausdrücklich auch gegen die Selinuntier gerichtet. Nach der Vernichtung des athenischen Heers am Assinaros trat Egesta das streitige Gebiet den Selinunticrn freiwillig ab. Aber (Diod. XIII, 4d) diese fuhren fort, noch viel von dem angrenzenden Land wegzunebmen. Da schickten die bedrängten Egestäer Gesandte nach Karthago und baten um Hülfe. Bei den Karthagern, die einerseits wünschten, eine so gut gelegene Stadt an sich zu ziehen , anderseits aber die Syrakusaner fürchteten, weil diese erst neuliehst die Athener besiegt, gewann zuletzt die Kriegspartei die Oberhand, an deren Spitze der eine der Könige, llannibal, aus dem mächtigen Haus Magons, stand, dem nun die Leitung des Kriegszngs übertragen wurde, eine 1 Expedition von den schwersten Folgen, denn sie leitete eine Aera von Kriegen ein, die Sieilien unglücklich machten und zuletzt Karthago selbst den Untergang bereiteten. llannibal fuhr im Frühjahr 409 v. Chr. (Diodor XIII, 04) mit einer Transportflotte von 1500 Sogein, begleitet von (>0 Kriegsschiffen, nach Sieilien (nach Eplioros betrug die Armee 200,000 Mann zu Fuss und 4000 Reiter, nach Timaios etwas mehr als 100,000), und landete am Vorgebirge Lilybaion (Marsala). Selinuntiselie Reiter, welche die grosse Flotte heransegeln sahen, gaben schnell ihren Mitbürgern Nachrieht, und diese schickten sogleich Boten nach Syrakus und baten um Hülfe. Aber llannibal zog die Schiffe in der Bucht von Motyc aufs Trockene und wollte damit den Syrakusa- nern zu verstellen geben, er sei nicht gekommen, der Seestadt zu nahe zu treten. Nachdem er die sicilisclien Bundesgenossen an sieh gezogen, rückte er sogleich gegen Selinus vor, nahm Mazzara, die selinunti- sche Grenzfestung, und schlug vor Selinus ein Lager auf, richtete das Sturmzeug gegen die Mauern und betrieb die Angriffe mit allem Eifer. Er liess sechs Thürme von ausserordentlicher Höhe errichten und ebensoviel eisenbeselilagene Sturmböcke gegen die Mauern stossen. Seine zahlreichen Bogenschützen und Schleudern* vertrieben die Vertheidiger von den Mauerzinnen. Die Selinuntier verzweifelten nicht gänzlich an der Rettung, sondern wehrten mit gesamm- ter Macht die Feinde von den Mauern ab, in der Hoffnung, dass bald die Syrakusaner zu Hülfe kommen würden. Die Jüngeren standen alle unter den Waffen und im Gefecht, die Aelteren sorgten für die Instandhaltung der Waffen, die Weiber und Kinder trugen den Vertheidigern die Nahrungsmittel und die Geschosse zu. llannibal trieb zur Eile, versprach den Truppen die Stadt zur Plünderung zu überlassen, liess gegen die Mauern die Widder stossen und die tapfersten seiner Leute abwechselnd anriieken. Während die Trompeten das Zeichen zum Angriff gaben, erhob wie auf einen Wink das ganze Heer der Karthager den Schlachtruf. Die Selinuntier hatten während der langeu Friedenszeiten nicht die geringste Sorge auf die Mauern verwendet. Der Angriff richtete sich besonders gegen den nördlichen Theil der Stadt, die nur alte», schwache, nie ausgebesserte Mauern hatte, welche jetzt fast spurlos verschwunden sind; die Thürme der Karthager standen im Thal. Als die erste Mauer fiel, drangen die kampanisclien Miettruppen sogleich in die Stadt, aber immer zahlreichere Scharen eilten zur Abwehr herbei und die Eindringlinge wurden mit bedeutendem Verlust zurückgedrängt. 333 (i. Selinnnt. 334 Als die Naclit einbrach, hörten die Karthager auf zu stürmen. Noch in derselben Nacht schickten die Selinuntier die besten Heiter nach Akragas, Gela und Syrakus mn schleunige Hülfe zu bitten, da die Stadt nicht länger der Gewalt der Feinde widerstehen könne. Akragas und Gela waren bereit und warteten nur auf die Syrakusa- ner, um mit vereinter Macht gegen das grosse Heer der Karthager anzurücken. Aber die Syrakusaner Hessen unter grossen Zurüstungen die Zeit hingehen. Die Boten konnten in zwei Tagen nach Syrakus gelangen, die Syrakusaner in fünf Tagen nach Selinus, und die Belagerung dauerte neun Tage! Hannibal griff mit Anbruch des Tags von allen Seiten an; den eingestürzten Theil der Mauer und die nächsten Stücke riss er mit dem Sturmzeug vollends nieder. Dann führte er die besten Truppen abwechselnd ins Gefecht und trieb die Selinuntier allmählich zurück; doch war er nicht im Stande, die Verzweifelten rasch zu überwältigen. Neun Tage wurde das Stürmen mit unbeschreiblicher Wuth fortgesetzt. Am neunten Tag stiegen die Iberer über die eingefallene Mauer; unter lautem Geschrei der Weiber, die auf den Dächern standen, stellten sich die Selinuntier in dichten Scharen an die Eingänge der engen Gassen, verrammelten die Strassen und leisteten noch lange Widerstand. Als aber die Karthager durchdrangen, eilten Weiber und Kinder haufenweise auf die Dächer und warfen Steine und Ziegel auf die Feinde. Bis zum Abend setzten die hart mitgenommenen Karthager den Kampf fort, wo dann den Selinuntiern die Geschosse ausgingen, die Karthager aber die erschöpften Truppen durch frische Streiter ablösen Hessen. Endlich wurden, da die Mannschaft der Ver- tlieidiger zusammenschmolz und immer mehr Feinde in die Stadt einfielen, die Selinuntier aus den engen Gassen verdrängt; mit banger Erwartung sahen sie dem traurigen Schicksal, das ihnen drohte, entgegen; die Feinde, im stolzen Vertrauen auf ihr Glück, ermunterten einander zum Morden. Endlich zogen sich die Verthcidiger vor den allseitigen Angriffen bis auf den Markt zurück , um hier den letzten Kampf zu führen, liier erst wurden die Karthager dos Widerstands Herr. Die Vertheidiger fanden kämpfend den Tod. Die Feinde zerstreuten sich nun über die ganze Stadt hin und plünderten die reichen Vorräthe in den Häusern. Die in den Häusern aufgefundenen Unglücklichen wurden mit denselben verbrannt oder auf die Strasse geschleppt und ohne Unterschied des Geschlechts und Alters Säuglinge, Kinder, Weiber, Greise gemordet. Karthagische Soldaten sah man mit einer ganzen ltcihe von Händen behängen, andere trugen auf den Lanzen ge- spiesste Köpfe herum. Nur die Weiber und Kinder, die sich in die Tempel geflüchtet hatten, fanden Gnade, aber nicht aus Mitleid, sondern aus Furcht, sie möchten die Tempel verbrennen und so den Plünderern die kostbaren Weihgeschenke entziehen. Bis in die Nacht wurde in der Stadt fortgeplündert, die Häuser verbrannt oder niedergerissen ; 16,000 Menschen lagen todt auf den Strassen, mehr als 5000 Gefangene wurden gemacht (Selinus mochte damals etwa 60,000 Einw. zählen). Nur 2600 Selinuntier konnten sich nach Akragas retten. Erst jetzt langten in Akragas 5000 Mann auserlesene Truppen aus Syrakus an, die in Eile vorausgescliickt waren, um Hülfe zu bringen. Da sie die Eroberung der Stadt vernahmen, Hessen sie den Hannibal durch Abgeordnete auffordern, die Gefangenen gegen Lösegeld freizugeben und die Tempel der Götter stehen zu lassen. Ilan- nibal antwortete: die Selinuntier mögen es, da sie die Freiheit nicht haben behaupten können, nun mit der Sklaverei versuchen, die Götter aber wandern von Selinus aus, weil sie von den Einwohnern erzürnt seien. Durch Empedion erlangten die Selinuntier, dass Hannibal den Entflohenen erlaubte, sich in der Stadt wieder anzusiedeln, wenn sie den Karthagern zinsbar sein wollten. Die Maliern von Selinus wurden geschleift. Ilermokrates von Syrakus, aus dieser Stadt verbannt, sammelte die Flüchtlinge, setzte sich in Selinus fest und brachte hier ein Heer von 6000 Mann auserlesener Truppen zusammen und machte glückliche Streifzüge gegen Städte unter karthagischer Herrschaft. Er stellte die Mauern eines kleinen Stadt- theils wieder her und brachte Selinus wieder zu einiger Bedeutung, aber der alte Glanz war für immer verschwunden; es »vogetirte« unter karthagischer Leitung als sehr herabgekomraene Mittelstadt noch fünf Menschenalter hindurch fort und wurde dann im Punischen Krieg 249 v. Chr. zum zweitenmal von den Karthagern zerstört und die Einwohner nach Lilybäum verpflanzt (Diod. XIV, 1). Die Tempel scheinen jedoch noch ziemlich lange dem Kultus gedient zu haben und stürzten wohl erst im Mittelalter durch Erdbeben ein. — Obgleich die Stadt zur Zeit Strabons »ohne Einwohner« war, muss sie doch später wieder bewohnt worden sein, da sie die Sara- cenen im Jahr 827 zum drittenmal vernichteten und im Jahr 1072 sich hier gegen den normannischen Graf Roger vertheidigten. (Der arabische Name für Selinus war »Götzendorf«, Rahl el Asnam.) Man betritt zuerst den Osthügcl mit den Tempeln E, F, G; dann folgt man dem Pfad, der vom Osthügcl durch das flache Thal hinüberleitet, und kommt, den (mit einem Thurm bekrönten) Westhügel liinansclireitend, zuerst zum südl. gelegenen Tempel A auf der Akropolis. Die Trümmerfelder, in denen noch in kolossalen Massen kannelirte Säulen, dorische Kapitale von gewaltigstem Umfang, Tri- glyphen, Metopen und Gesimsstücke zu (». Von Palermo nach Castelvetrano und Selinunfc. 330 335 den grossartigsteii Gruppen zusamincngc- häuft sind, gewähren unter dem wuchernden Pflanzenwuehs einen überaus male- riselien, aber ebenso melancholischen Anblick. Don wenigen aufrechten Schäften gab das Volk den Namen »Gigantenpfeiler« (Pilieri deigiganti). Ringsum sieht man baumlose Fläche, Sand, Disteln, Zwergpalmen, Ginster; nur einige ärmliche Hütten; im Sommer ist hier die Malaria. Die selinuntischen Tempel. Sie sind sämmtlich in der griechischen Blütezeit der Stadt, zwischen 628—400 v. 'Clir., erbaut worden: C und D auf dem Westhügel nahe dem Gründungsjahr der Stadt 628. — F und O (letzterer in seiner ersten Bauzeit) im 6. Jahrli. — A und K sowie (x in der zweiten Bauzeit gegen die Mitte des 5. Jahrli. — Die sechs grossen Tempel sind sämmtlich dorischen Stils (das Tcnipelclien B, nach Ilittorf eine dem Ern- pedokles geweihte Kapelle, hatte ionische Kapitale und Gebälk mit Triglyplieu). — Die riesigen, wuclitigenTrümmerhaufen wurden erst in diesem Jahrhundert einer wissenschaftlich rekonstruirenden Untersuchung unterworfen, denn Ausgrabungen so kolossaler Massen konnten nur durch Maschinen vorgenommen werden. Angell imdllarris, zwei englische Baumeister, haben sich zuerst um diese Ausgrabungen verdient gemacht. Sie überwinterten im Jahr 1822 in Selinunt, und Harris, der Zeichner, blieb noch im Sommer 1828 hier, unterlag aber dem Malarialieber im 28. Jahr. — Sie zogen mehrere fiir die Eixtwickolungsgcschichtc der griechischen Kunst höchst wichtige Metoponreliefs hervor (Palermo, S. 221). Im Jahr 1824 überwinterte Hittorf mit seinem Schüler Zantli und dem Architekten Stier in Selinunt und beschäftigte sich mit den architektonischen Aufgaben. Br entdeckte jene Kapelle B und erwies an ihren Fragmenten (S. 850) die satte, vielfarbige Bemalung der Bauglieder der griechischen Tempel. Seine Massangaben sind die exaktesten. Eine gründliche Fortsetzung der Ausgx’abungen Hessen 1881 der l)uca di Serradifalco und der Principe della Trahhia durch den Architekten Suverio Cavallari und den Bildhauer Villareale vornehmen. Cavallari’s sorgfältigen Aufnahmen ist das berühmte Werk von Serradifalco zu verdanken (Anticliita di Sicilia, Palermo, Vol. II, 1844). JI/Mor/licss seine Aufnahmen 1827 publiciren, und sein Sohn gab den Text dazu (Paris 1870) heraus ; Benndorf edirte die Metopen von Selinunt (Berlin 1878) und behandelte in seinem Text auch die Geschichte der Topographie und die Tempel. — Seit 1864 hat das neue Königreich Italien für die Ausgrabungen in Sici- lien eine jährliche Summe bestimmt und ('Ja- callari an die Spitze der Arbeiten gestellt. Der dorische Stil bedingt Säulenhallen, die den oblongen Flächonraum um die Cella des Gotteshauses cinfasscn und Gebälk und Dach tragen, aber die ältesten dorischen Tempel haben noch sehr lange Gellen, damit dem Vorgemach (Pronaös) mit dem Rciui- gungsbeeken, den Tischen und Wcihgeschen- kon, dann dem Schatzraum (Thesauros), der laut der Rede des Nikias (Thukyd. VI, 20) in den Tempeln zu Selinus sich befand, und der Statue des Gottes nebst dem Speise- opfex-altar im Adyton der gehöi-ige Raum zukäme. Diese Tempel mussten liypathral (im mittleru Tlieil des Daches offen) sein, damit nicht nur die Werthsachen, sondern auch die Statue des Gottes die nöthige Helle erhalte, denn das Allerheiligsto war bei den heiterklaren Griechen nicht in Dunkel gehüllt. Die kostbaren Weihgesehenke wurden in den durch Thüren verschlossenen Inneni'äumen und im ITouaos sowie Posticum, deren Säulenzwischenräume vergittert waren, aufgestellt. Die ältesten Tempel hatten jedoch keine Anten und Säulen zwischen denselben, sondern ihr Vorgemach ist vielmehr nach vorn durch Mauern und eine Thür abgeschlossen. Um die Form der lang gestreckteix schmalen Cella harmonisch mit der Gesammttempelfoi-m auszugleichen, wurde der Säuleuumgaug sein- weit abstehend von den Gellamauern errichtet, so dass der Säulenhoden ein Rechteck von gaxxz anderen Verhältnissen bildet (gewöhnlich 1:2,50) als die Cella. Die älteren Tempel haben Säulen von 16 Kanne- lüron, alle jüngeren von 20 ; in ihrer ganzen Bauweise zeigen jene das »Auf- und Abwogen« von Gegensätzen, aus deren Ucbcr- windung erst die Schönheit des Masses re- sultirte; den ältei*en Formen fehlte noch die I streng systematische Dux-chfiihrung und der freie Schwung der vollendeten Kunst. Auf manche Verhältnisse, wie z. B. die Weite der Säulenstelluug, mag auch der sclinuu- tische Kalkstein Einfluss gehabt habeix, der in grösseren Massen brach, als gewöhnlich. Eine tiefex-e Einsicht in die Eutwickelungs- gesehichte der dorischen Foi‘mcn gewährt besonders die Foi-m des Kapitals, wie sie aus der gedrückten, breit und bauchig ausladenden Gestalt zuletzt zur »hoch und schön ausgespannten« sich befreit. Die Tempel auf dem Osthügel stehen an der Ecke der ausgedehnten Hochebene, die mit Wein, Oliven und Korn bepflanzt ist; sic liegen weiter vom Meer ab, als die auf der Westliche, und folgen einander parallel von S. nach N., alle drei mit der Front nach O. Der südlichste dieser drei Tempel ist Tempel E (lleraion), ein der letzten Entwickelung des alten dorischen Stils angehörender, der vollendeten hellenischen Baukunst schon sehr nahe stehen- 0. Selinunt (Tempel E). 838 33 T der Hau aus der Zeit des Pheidias (zweite Hälfte des 5. Jalirli.). Seine Ueberreste bilden die schönste, Gruppe unter den sclL nuntiselien Trümmerhaufen; ihr Wall ist höher und pittoresker als alle übrigen. Die zahlreichen Reste sind so gut erhalten, dass die Rekonstruktion mit völliger Sicherheit entworfen werden kann. Mit grosser Sorgfalt wurden die Fundamente ausgegraben. Der Tempel ist ein Ilexa- stylos peripteros, von 38 Säulen umgeben, je 6 Säulen an den Schmalseiten und je 15 Säulen (die Ecksäule mitgerechnet) au den Langseiten. Um die Schmalheit der älteren Tempelhäuser zu vermeiden, ist der Säulenabstand von der Cella ziemlich eng, hat nicht mehr den Charakter der Spazierhalle; das Tempclhaus ist bedeutend erweitert. Die Cellabreite beträgt 11,42 m.; die Länge 41,34 m. Das Verhältnis ist also 1:3,61. Der Unterbau (Stylobat) hatte vier ungleiche Stufen (0,395, 0,584, 0,591, 0,492 m.). Die Stylobatbreite (25,29 m.) verhält sich zur Stylobatlänge (67,82 in.) wie 1:2,68. Vorn sind diese von einer Treppe von zehn Stufen (je 0,193) durchschnitten, die in ihrer Breite nur von der Mitte der zweiten Säule bis zur Mitte der fünften sich ausdehnt. Man konnte also nur durch drei Zwischensäulon- räume in den Tempel treten. — An der südöstlichen Ecke stehen noch drei Säulen theilweiso aufrecht, alle übrigen sind um- gestürzt: die Vorder- und Rückseite sind nach aussen gefallen, ebenso die Nord- scite. Die Blöcke liegen so regelmässig neben einander , als wären sie erst zum Bau des Tempels angeordnet worden. Die Säulen der Südseite sind nach innen über die Tempchnauer gestürzt und häufen sich mit den Ruinen der Mauer im Centrum des Tempels zu einem sehr malerischen Bild. Die Säulen sind etwas massiver, dichter bei einander, auch etwas niedriger als bei den älteren Tempeln, denn sie haben nur 4Vam. Durchmesser-Höhe ; dieVerjüngung beträgt 1/4 des untern Durchmessers; sie haben 20 Kannelüren und waren mit feinem weissen Stuck überzogen und bemalt. Zehn Säulentrommeln sind noch in ihrer ursprünglichen Lage (sechs an der linken, drei auf der rechten Langseite, eine auf der Rückseite); sie sind von ungleicher Höhe (1,30 — 0,75), je nach den Bänken des Stein- bruclis; sie haben oben und unten einen rechteckigen Einschnitt im Centrum, um die Stücke zur Sicherung gegen Erdbeben durch einen Holzdübel zu vei’biuden. — Die Kapitale sind weniger vorspringend als bei (len älteren Tempeln, von entschieden liegender Tendenz und in proportionir- ter Höhe, der Echinus nähert sich .der geraden Linie und ist nach innen gebogen, seine Aussenlinie ist schon der des Parthenons ähnlich. Auf ihm ruht ein starker, oben abgeschrägter Abacus. — Das Gebälk hat eine Höhe von nicht ganz zwei Durchmesser, es ist also viel leichter als das der älteren Tempel; die Arehitravkanto geht nach alter Weise bis auf die obere Säulcnperiplierie zurück; die Ausladung der Ilängcplattc ist noch sehr gering. — Die Triglyph.cn sind schlanker. Von der Cella (dem Tempclhaus) sind noch erhalten: die linke Seitenwand an J /4 der 2. Abtheilung und fast an der ganzen 3. und 4. Abtli., die Hälfte der Querwand, welche die 2. Abth. von der 3. scheidet, und fast die ganze Mauer zwischen der 3. und 4. Abth., endlich die Anteil und die zwei Säulen der 4. Abtli. Das Tempelhaus zerfiel also in Vorgemach (Pronaos), Schatzkammer (Thesauros), Gotteshaus (Adyton), mit der Statue und dem Altar, und Schluss- gemach (Posticum), s. S. 336; llittorf fand von der obersten Steinlage der Cella einige Stücke mit viereckigen Löchern, in denen Tempel E. sräoLjt: Metallzapfen, welche die Stangen für die Weihgeschenko trugen, befestigt waren. Die zwei äusseren Abtheilungen hatten Säulen zwischen Anten (die Kapitäle der Anten des Posticums zeigen den Becco di vetta, Eulenschnabel). Ein Durchgang zur Cella ist offen, wo man die Mauern noch sieht, über 1 m. dick, aus sehr hübscher, regelmässiger Mauerung von mehr als V 2 m. Höhe, noch thoilweisc mit weissein Stuck. Zum Pronaos führte eine Stufe von 0,235 m., zum Thesauros sechs Stufen, zum Adyton drei Stufen. Zur Seite des Eingangs befanden sich zwei Treppen. Der Tempel war reich bemalt , die stuckbekleideten Säulen mit horizontalen Streifen von rofcher, weisser und blauer Farbe; der Astragal der Kapitäle war roth, ebenso das Band des Arehitravs, die Triglyplien blau mit schwarzen Schlitzen, der Grund der Metopen blau, das Riemchen über den Tropfen blau; der Echinus war mit einem überfallenden Blätterkranz bemalt, der Abacus mit einem Mäander; ein Mäander in flachem Relief an der Corniehe zeigt noch das Roth und Schwarz, mit welchem das Muster ausgelegt war. Unter den Ruinen dieses Tempels brachte Cavallari 1831 fünf sehr schöne Metopen zum Vorschein, die einer schon Pbeidias fi. Von Palermo nae.li Selinunt (Tempel). .!!■•• 49,mH: isMÄ'! »ISsS 341 fi. Seliiumt (Tempel F). 342 nahe stehenden Kunstepoche angehören; sie schmückten den Fries des Pnsticuras und des Pronaos, wo je sechs Metopen angebracht waren; im Pronaos, 2. Metopc: Herakles und Amazone; 4. Metope: Hera und Zeus; 6. Metope: Ai*tcmis und Aktaion; ixn Postieum, 2. Metope: Apollon und Daphne; 5. Metope: Athene und der Gigant (jetzt sämmtlicli im Museum zu Palermo, 8. 225). Vom Pronaos fand man auch noch einen Kopf, eine Gesichtsmaske, drei Fasse; vom Postieum drei Köpfe mit Diadem, drei Füsse, die Schnauze eines Ebers, eine Hand, einen Arm, einen Unterschenkel, Bruchstücke eines Hundes, zwei Gewandstücke. Jede Metope enthielt nur zwei Figuren, eine männliche und eine weibliche. Eine Votivin- schrift, welche im Adyton des Tempels in der Nähe eines Altars gefunden wurde (in Buchstaben des 1. Jalirh. vor unserer Zeitrechnung), bezeugt, dass der Tempel der Hern geweiht (ein Heraion) war. Masse in Metern: Unterer Durchmesser der Säule . . 2,229 Oberer - - - . . 1,796 Höhe der Säulen.10,187 Breite des mittlorn Sänlenzwischen- raums.2,481 Säulonzwischenraums r. und 1. davon .... 2,427 Säulenzwischenraums an den Ecken.2,221 Höhe dos Gebälks.4,510 - Architravs.1,759 Frieses.1,721 der (Jorniche.1,030 des Unterbaues.1,936 Es folgen, 50 Schritte gegen N., parallel mit Tempel E, die Reste des kleinern Tempel Fj eine Zwischenstufe bildend zwischen den primitiven Monumenten Selinunts und denen der guten Epoche, ein ausgeprägtes Beispiel des alten dorischen »Stils aus dem C. Jahrli. v. Chr. Doch ist verhältnismässig nur noch wenig von dem Tempel vorhanden. Er ist ein Hexastylos peripteros, von 3G Säulen umgeben, je G Säulen an den Schmalseiten, je 14 (die Ecksäulen mitgereehnct) an den Langseiten. Noch sind die unteren Trommeln von 24 Säulen an ihrer ursprünglichen Stelle, eine an der Ilaupt- faeade, 11 an der rechten Langseite, 8 an der linken Langseitc, 4 an der Rückseite, zumeist gegen 3—4 m. hoch. Der Tempel nähert sich den ältesten durch die ganze Anordnung des Plans, denen der besten Epoche durch das Verhältnis der Säulonhöhe, die Einfachheit des Architravs, die Proportionen der Triglyphen, Metopen und Mutulen sowie den Charak- i ter derMetopenreliefs. — Die Cella ist sehr ! eng und lang, reitbahnähnlich; der Raum zwischen der Cella und der Flügelkolonuade (dem Pteroma) sehr breit, als wäre die Säu- lenstellung verdoppelt (psendodiplerul) ; an der Hinterfront dagegen schmäler, noch mehr an der Vorderfront, denn hier war durch eine ZwUcken*telhtn,7i , die Ausgleichung des Missverhältnisses zwischen Breite und Länge ist hier die weiteste aller selinuntisehcn Tempel; Pronaos und Postieum bilden nur kleine Vierecke; der Pronaos war ein einfacher geschlossener Raum, gebildet durch die Verlängerung der Cellawände, vorn durch Mauern und Thuröffnung (nicht durch Anten und Säulen) geschlossen. Halbkreisförmige Spuren auf der Schwelle zeigen, dass tune Bronzethür sich hier befand, die sich nach amssen öffnete. Hinter der 2. Säulenreihe führten Stufen zum Pronaos. Tempel F. *• J4#» JL.^1 Die vier Säulen der Vorhalle vor demselben standen in einer Linie mit der 3. Säule der Seiten. Von den beiden Langseiten der Cella steht nur sehr wenig. — Der Tempel erhob sich auf drei Stufen, die so niedrig sind (0,270 — 0,253 m. hoch), dass man bequem auf denselben hinaufsteigen konnte. Die Stylobatbreite (24,40 m.) verhält sich zur Stylobatlänge (01,75 m.) wie 1: 2,53. — Die Säulen sind 4 7 /s Durchmesser hoch; die äusseren haben 20, die »Säulen der Zwischen - porticus lGKannelüren. Die Schäfte bestehen aus Trommeln von verschiedener Grösse. — Das Kapitäl ist im Verhältnis zur »Säulenhöhe noch ziemlich niedrig und seine Ausladung daher sehr gross, der Ilalsein- sclinitt fehlt, der Halsausschnitt ist klein, die Umringung durch blosse Einschnitte vierfach abgetlieilt (bei den Zwischensäulen, die einen etwas geringem Durchmesser und ein etwas höheres Kapitäl haben, ist diese Ringgliederung zu einem einzigen Kragen verschmolzen). Der Echinus bildet eine kühne, vorragende, flachgehende Kurve, die mit einer schnellen kleinen Krümmung oben einmündet, doch ruht der starke Aba- cus noch allzu schwer auf. — Die obere »Säulenperipherie und die Architravkante liegen fast in senkrechter Linie; der Arclii- trav bestand aus einem Stück, die Trigly- f). Von Palermo nach Selinunfc (Tempel G). 34a 344 phen (die einen geradlinigen Schlitzabflu.ss mit abgerundeten Ecken haben) hatten die halbe Dicke der Mauer, die Metopen (die quadratisch sind) V3. — I>ie Bildung des Architravs über der innern Säulenstellung durch zwei Paar über einander liegender Säulen erinnert noch an den Holzbau. — Das Gesims war mit Mäander und darüber mit Blättern geschmückt, die sehr flach reliefirt sind, daher bemalt sein mussten, um gesehen zu werden. Noch sieht man Spuren von roth, gelb, grün. Viele Säulenschäfte haben noch Reste ihres bemalten Stucks. — Vor der Parade wurden die Reste zweier Metopenreliefs vom Pronaos (der mit zehn Metopen geschmückt war) 182:1 von Angell und Harris aufgefumlen (Titanenkämpfe), jedoch nur die untere Hälfte (jetzt im Museum zu Palermo, S. 224). Sie entsprechen im Stil der Architekturzeit. Masse in Meter: Unterer Durchmesser der Säulen . , 1,818 Oberer - . . 1,245 Höhe der Säulen.!>,no Breite des mittlern Zwiscliensäulen- raums der Fa^adc . . 2,810 • der Zwischensäulenräume r. und 1. davon .... 2,648 - Zwisehensäulcnräume der Ecken.2,588 Höhe des Gebälks.3,991 Architravs.1,516 Frieses.1,462 der Corniche.0,958 des Unterbaues.1,056 62 in. weiter gegen N. liegen, parallel mit Tempel F, die Ruinen des gewaltigen Tempel Gj dem Apollon geweiht; einer der grössten griechischen Tempel ( der Tempel des Olympischen Zeus in Gir- genti ist zwar noch umfangreicher, in Plan und Durchführung aber nicht so einfach grossartig), aus zwei Bauperioden, dem C. Jahrh. und der Mitte des 5. Jalirh. v. Chr., wie die Vergleichung der Säulen der Iiauptfa 9 ade, der Langseite und des Pronaos mit denen der Rückseite sowie des Architravs mit dem übrigen Gebälk und der Antenkapitäle des Pronaos mit denen des Postieums zeigt.— Die unterste Sockelstufe hat an den Schmalseiten 54,05 m. Länge, an den Langseiten 113,34 m., was für die Gesammtfläche des Tempels 6126 Qm. ergibt (während der Parthenon zu Athen nur 2462 Qm. hat). Die Ge- sammtheit der zur Cirkulation geeigneten Tempelfläehe betrug, abgerechnet den Raum für die Statue des Gottes, die auf dem Boden aufgestellten Weihgeschenke u. a., ca. 3800 m.; davon waren 2750 m. zur täglichen Disposition der Einwohner überlassen und 1050 den Priestern für den Kultus. Wenigstens 2000Personen konnten sich also hier versammeln und nach Belieben unter den äusseren Kolonnaden wandeln, denn das Pteroma (Flügelhallen) war 250 m. lang und im Mittel 11 m. breit, nahm also eine Fläche von 2750 m. ein. Die Cella zerfiel in ein Vorgemach (Pronaos), hatte 17 in. Breite, 20 in. Tiefe, 340 m. Oberfläche und an der Rückseite drei Thürine, deren mittlerer 3,61 m. und die zwei anderen je 2 m. breit waren; das zweite Gemach (2’Jicsauros, eigentliche Cella) liiitSeitengallerien hatte 18 111 . Breite, 45,40 m. Länge, 690 Qm. Oberfläche ; das dritte (Adyton) 8,50 m. Breite, 6,50 111 . Länge, 55 Qm. Oberfläche; das Tempel G. • • • • • * • ©-• |jp ■ • !ijs> • • ff.. \ m «| 1 ’^QOG ir • • • • • o • ® • • -* « vierte (Posticum) 9 111 . Länge, 17 m. Breite, 153 Qm. Oberfläche. — »Durch die Regelmässigkeit in den llaupteinthci- lungen dieses Tempels, durch die schönen Verhältnisse seiner verschiedenen Partien, Verhältnisse, die seine wirkliche Grösse noch erhöhen, ist dieser Bau das vollendetste religiöse Monument, das vollkommenste unter allen des griechischen und römischen Altcrtlmms, dessen Reste wir kennen; er verdankt seine bewundernswürdige .Disposition der frühen Epoche, in weicherer gebaut wurde, und entspricht am vollständigsten der doppelten Bestimmung der älteren Tempel, deren Inneres für den Kultus, reservirt war, während die äusseren Hallen alsVer- sammlungsst^tte dienten.« (Hittorf.) — Er ist der »Parthenon von Selinunt« (Benndorf), hat mit diesem dieselbe Zahl von Säulen auf den Schmal - und Lang- 345 346 0. Solinmit (Tompol (1). seiten, dieselbe doppelte Siuilenstellung 1 im Innern, eine ähnliche Kapelle für das Kultusbild, Treppen und zwei Thiirme im Hintergrund der Cella, quer durchlaufende Schranken in der Mitte derselben. Leider sind seine Trümmer wild durcheinander geworfen, verworrener und schwerer erkennbar als die übrigen. Die Säulen fielen nach allen Richtungen und bilden nun mit den riesigen Massen des Gebälks den — »sublimst möglichen« Kuinenlmufen. Er ist ein Octastylos Pscu- dodipteros hatte je 8 Säulen an den Schmalseiten (was ihn von allen anderen Tempeln in Sclinus unterscheidet) und je 17 an den Langseiten, im ganzen also 46. An der Front war eine doppelte Porticus, d. h. in der gleichen Linie mit der dritten Säule der Langseiten erhoben sich hinter den vier mittleren Säulen der'Vorderseite vier Zwischensäulen und hinter den zwei Ecksehäften derselben abermals je eine Säule. Hinter diesen erst folgten die Anten der Cella. Die Aussenreihe der Säulen steht überall um zwei Zwischcn- säulcm-äume von der Cellawand ab, der Tempel ist somit pscudodipteral. Man sieht noch Stücke des kolossalen Gesimses, Schäfte von kleinen Säulen inmitten der Bruchstücke des Kranzgesimses der Cellamauer; die unteren Theile der Säulenschäfte der Ilauptfront sind noch am Ort, und neben der rechten Ante des Pronaos ragt noch eine Säule fast 20 m. hoch auf, es fehlt ihr nur das Kapital. Die Schäfte der linken Säulenreihe liegen fast alle noch zur Seite der Stelle, die sie früher einnah- men, und die angrenzende Mauer der Cella bedeckt die Flügolhalle mit ihren Trümmern. Die rechte Säulenreihe liegt unter der rechten Cellawand, die in das Innere des Gebäudes stürzte. — Der Unterbau, 1,08 m. hoch, hatte drei Sockelst.ufen (von 0 , 4 s—0,7-2 m. Höhe), zu hoch, um als Treppe zu dienen; die oberste tritt 0,595 m. vor den Säulen vor. Die Stylobatbreite (50,59 m.) zur Stylobatlänge (100,88 m.) verhält sich wie l:2,u. — Die Säulen des Umgangs sind von ausserordentlicher Mächtigkeit, haben keine Schwellung, aber eine sehr starke Verjüngung (mehr als V* Durchmesser), ihre Höhe betrug f> 2 /? Durchmesser; sie sind aus sehr grossen Blöcken zusammengesetzt, jener vollständige Schaft zeigt deren sechs; vier unvollständige Schäfte stehen an der Nordsoite. Nur zwei Schäfte, die beiden Ecksäulen der Ostfront, sind kannelirt (mit 20 Kinnen), sowie die vierte Säule der Rückseite, ein Beweis, dass der Tempel bei dei* Zerstörung Selimmts durch die Karthager, 400 v. Chr., noch nicht vollendet war. Die unfertigen Schäfte zeigen das Verfahren bei der Kannelirung: man versetzte die Säulenrumpfe als glatte Cylinder; an dieser war jedoch oben und unten ein kleines Stück als Lehre kannelirt; so sieht man an einigen Säulen der Rückseite (die weniger verjüngt sind) den cylindrisciien Schaft in ein Polygon von 20 Facetten verwandelt; die Kapitale sind noch schwer, doch bei den Säulen der Rückseite von kräftiger Eleganz" am Arehitrav zeigt die Tänie (das Band) noch den starken Vorsprung der primitiven Epoche, dagegen bekunden die Verhältnisse der Triglyphen und der Metopen sowie das Profil der Gesimse die volle Harmonie der vollendeten hellenischen Kunst. Die Ueberreste von Säulen viel geringem Durchmessers im Innern sowie von vier Kapitälen, durch ausserordentliche Vorragung des Eehinus und eine Höhlung unter den Ringen von den Aussensäulen unterschieden, beweisen, dass der Tempel hyp'dthral war, d. li. im mittlern Raum der Cella, den zwei bedeutend kleinere Säulenstellungen von je zehn Säulen in drei fast gleich breite Schiffe (das mittlere etwas breiter) theilten, unbedeckt war. Die Kapitale stammen von der untern Säulenreihe, die Schäfte von der obern- Vor der 3. Abtheilung hören die Säulen auf und werden von zwei vorspringenden Anten, die den Raum für die Götterstatuo begrenzten, abgelöst. Der Schlussraum des Tempels hatte an der Front nur zwei Säulen zwischen Anten. Die Breite der Cella mit ihren Mauern entspricht der Breite der drei Zwischensäulenräume der Mitte der Fronten, sie ist gleich der Breite der zwei äussersten Interkolumnien; sic verhält sich zur Cellalänge (18,104 : 69,77 m.) wie 1 : 3,es. -- Eine Treppe führte zu den fünf Zwischensäulenräumen der Ilauptfront, wie die abgeschlagenen Leisten der Kannelüren an denjenigen Säulen bezeugen, wo am meisten Leute durclipassirten. Nach llittorfs Berechnung kam die Ausgabe für den Ban und die Dekoration dieses Tempels auf 6 Mill. Fr. zu stehen: für die Arbeiten der Malerei und Skulptur 700,000 Fr.; für die Statue und ihren Zubehör 2,200,000 Fr.; für den gesammten Tempel 91/2 MUl. Fr. Masse in Metern: Unterer Durchmesser der Säule . . 3,411 Alter oberer - .... 1,914 Neuer - - - - . . 2,404 Höhe der Säule. 16,200 Breite des mittlern und der zwei angrenzenden Zwischensäulenräume .3,280 der zwei vorletzten Zwischensäulenräume .3,221 - Eckzwischensäulenräume • 2,882 Höhe des Cebälks.6,842 - Arehitravs.2,892 - Frieses.2,382 der Corniclie. 1,018 * des Unterbaues.1,680 (i. Von Palermo nach Sclimiut (Tempel A). 3+7 +8 1871 wurde auf der linken Ante des ' Adyton auf einem Block der vierten »Steinlage eine altdorixdio Inschrift aus der Mitte des 5. Jalirh. gefunden, in welcher als Verleiher des Siegs (wohl über Se.gesta 4f>4 v. Ohr., S. 331) r:i‘,kn Schnfzgotfheiten vom- Solinns (Zeus, Phobos [Ares] Herakles, Apollon, Poseidon, die Tyndariden [Kastor und Polydeukes], Athene, Malophoros [DemeterJ und Pasi- krateia [Persephone]) aufgezählt werden. Der Schluss der Inschrift bestimmt den Tempel als lleiligthum dos Apollon [Apollonion]; diente wohl als Pest- und Schatztempel, enthielt wahrscheinlich eine goldelfenbeinerne Kolossalstatue und verhielt sich zum ältesten Tempel vonSelinunt (C), der wahrscheinlich auch dem Apollon, als dem Hauptgott Selinunts, geweiht war, wie der Parthenon zum Poliastempel Athens. Nun folgt mau dem Pfad, der vom Osthügel westl. durch das flache Thal hinüberleitet; die Mündung dieser korn- bekleideten Ebene ist nun durch Sand und Binsen verstopft, aber liier muss sieh der llafen der Stadt befunden haben; die sehr tief liegende Thalsohle, welche vom Strand einwärts mit hohen Sandschieliten bedeckt ist, zeigt jetzt noch einen sumpfigen Charakter und konnte bei früher anders gebildetem Meeresufer für die wenig in die Tiefe gehenden Schiffe des Alter- tliums südwärts leicht zu einem Hafen gedient haben. »Vielleicht stellen zwei in dem Thal von N. nach S. laufende parallele Mauern in der Tliat den liest einer altenllaf enanlage dar« (Benndorf). Einen weitern Theil der Hafemnauer mit einem Thurm hat Cavallari 550 m. von der Meeresküste entfernt in einer Tiefe von 3 m. aufgefunden. Für die Bedürfnisse einer kleinen Flotte, wie Sclinunt sie unterhielt, mochte sie hinreichen. Bot sie auch schwerlich gegen die Gewalt der Südwinde hinreichenden Schutz, so gewährten doch die beiden IlUgelriieken Deckung nach anderen Seiten, und im Herzen der Stadt waren die Güter des Emporiums am sichersten geborgen. (Einen zweiten Hafen nimmt Cavallari an der Mündung des Selimisflusses, woselbst er eine Einfassungsmauer entdeckt hat, einen dritten Hafen an der Mündung des Ilyp- sas an.) In der Nähe des Hafens muss sich der Marht befunden haben. Diese Lage erscheint als die an sieh zweck- massigste und wird für Städte, welche am Meer angelegt waren, durch eine Vorschrift des Vitmv (I, 7, 1) als Kegel bezeugt. Der innere, etwas höher gelegene Theil des mittlcrn Thals war ohne Zweifel vorzüglich dafür geeignet ( Benndorf ). Die Tempel auf dem Westhügel. Den Westhügel hinanschreitend, kommt mau zuerst zum südlichsten Tempel A, aus der Mitte des 5. Jalirh., in den Verhältnissen schon den vollendetsten attischen ähnlich; leider sehr entleert, da der dem Meer zunächst liegende Bau am meisten seiner Steine beraubt wurde; kein Säulenschaft blieb vollständig. Am ursprünglichen Platz sind nur noch die untersten Trommeln von vier Säulen, zwei Säulentrommeln des Pronaos, fast eine ganze Seitenwand der Cella und des Postieums, ein Theil der transversalen Tempel A. !■ • [® [t iS Lii_a | O <5 O C (L .a&flaass»« Q Q-.Q.gJ o ,$ _ /o Jleten Mauer zwischen dem Pronaos und der Cella, ein Theil der Wand, welche die Cella vom Posticum trennte. Doch genügen diese Tlieile völlig zur Erkenntnis der Hauptdispositionen des Plans. Der Tempel war ein kleiner Hexastylos perip- teros, mit je sechs Säulen an den Schmalseiten und je 14 Säulen (die Eeksäulen mit gerechnet) au den Langseiten, im ganzen also von 30 Säulen umgeben. Der Tempel erliob sich auf vier »Stufen, die zwei unteren je 0,-293 m. hoch, die dritte 0,284, die vierte weit höher als die übrigen, 0,444 m-, folglich dienten sie nicht als 'Treppen. Die Stylobatbreite (10,44 m.) verhält sich zur Stylobatlänge (40,79 m.) wie 1: 2,47. Das eigentliche Tempelhaus (die Cella) zerfällt in vier Tlieile. Die Cellabreite (7,68 m.) verhält sich zur Cellalänge (24,40 m.) wie 1:3,18. Das Vorgemach (Pronaos) und der Schlussraum (Posticum) waren in antis, d. h. die Seitomvände der Cella waren soweit verlängert, dass sie zwei kleine Hallen bildeten, welche mit Pilastern endigten, zwischen denen je zwei »Säulen waren. Die Axen der Anten und der Zwei Zwisehen- säuleu entsprochen nicht den Axen der vier Säulen der Mitte der Parade, die Axen stehen 8,4 m. von einander ab, während die der (i. Selimmt (Tempel T>). 350 341) dritten und fünften Säule b,;H>5 m. von einander abstehen. Die Anten stehen sieh also fast um 1 m. naher als die Säulen. Die Säulen des l’ronaos entsprechen der Axe der dritten Säule der Langseiten. Der untere ; Durchmesser jener (1,:J24 m.) ist aber um ' Ü,edokles geweihte Kapelle, da die Seli- nunter ihm einen Tempel für die Befreiung von der Malaria weihten, die er durch Drainirung und Zuleitung frischen Wassers in den st’gnirenden Hvpsas beseitigte. -- Von höchster Wichtigkeit für die Kunstgeschichte ist dies Tempelchen dadurch geworden, dass llittorf an ihm den Stil der griechischen Tempel bemal ung darlegte. Innen und aussen zeigt die Kapelle Spuren von Stucco, und die Gliederungen waren alle bemalt, roth , blau oder schwarz, selbst die Blöcke des Säulenunterbaues roth; gemalte Ornamente fanden sich da, wo sie sonst in fast allen anderen Tempeln skulpirt sind; roth war das Band des Kranzgesimses, der Dielenköpfo und des Arelii- travs, blau die Dielenköpfe, Triglyphen und das Band der Tropfen, schwarz die Kanäle derTriglyphcn, weiss die Tropfen etc. Im Museum zu Palermo (S. 223) sind zahlreiche (leider theilweise wieder übermalte) Stücke aufbewahrt , auch ist noch ein Löwenkopf des Kranzgesimses und das Gesimsstück mit der Oeffnung für den Löwenkopf vorhanden. — Masse: Breite des Ba- 0. Von Palermo uadi Selinmit, (Tempel C). .‘551 saments 5 m., Länge 8,54 m. Breite der Oella ohne Mauer 3,08 m. Basament der Treppe vor dem Tempelclien: Breite 4,00 m., Länge 2,77 m. Einige Schritte nordwärts folgen die Trümmer von Tempel der älteste Tempel von Selinus, wahrscheinlich ein Ileiligthum des Apollon (Paian) aus der Gründungszeit (ü28 v. Chr.) der Stadt. Er zeichnet sich durch Eigentümlichkeiten aus, welche noch ein merkwürdiges Schwanken in der Anwendung der altern und neuern Bauweise zeigen und darlegen, dass er »vor der Hegeluny des dorischen Kanons « errichtet wurde. Er ist der grösste Tempel des Ostlmgcls. Sein Einsturz erfolgte in der Richtung von S. nach N. Die Säulen des Pcristyls des Tempel C r-O-W-OÖ 9~~Q Nordflügels liegen alle in regelmässiger Ordnung neben einander, aber mit auseinander gefallenen Trommeln; die Blöcke des Gebälks liegen an ihrer Stelle unterhalb derselben. Die Säulen des Siid- fliigels sind in derselben Richtung nach innen gefallen und zermalmten die Cella, mit deren Ruinen sie nun eine malerisch verworrene Masse bilden. Einige nach aussen geschleuderte Gesimsblöcke an dieser Seite zerschlugen das Tempelclien B, andere flogen über dasselbe hinaus nach S. Vorhanden sind noch 19 Säulen, 9 von der rechten Langseite (vorn und hinten), 5 von der linken (hinten), 3 von der Rückseite, 2 von der Zwischenhalle (r.); vom Tempelhaus die unteren Lagen der Mauern heim Eingang des Pronaos, von der rechten Seitenwand der Cella und der Querwand des Schatzraums uud fast die ganze Rückwand desAdyton; die Sockel auf den drei Seiten, die (sehr abgenutzten) Stufen vor der Ostfront, die Stufen zum Pronaos, zum Schatzraum und zum Adyton. — Das Gebälk hat man noch beinahe ganz zusammengefunden; die Rekonstruktion ist daher sicher. Der Tempel war ein Peripteros hexastylos, mit vollständigem Säulenumgang von 4(i Säulen, an den Schmalseiten je ö, an den Langseiten je 17 (die Ecksäulen mitgerechnet), ein an den dorischen Tempeln solchen Umfangs sonst unbekanntes Verhältnis (bei den attischen Monumenten des dorischen Stils pflegt die Anzahl der Säulen jeder Langseite die Summe der Säulenzahl der Schmalseiten nur um eine zu übersteigen). Der Unterbau hat auf drei S,eiten drei grosse Sockelstufen, an der Frontseite aber eine Freitreppe von neun von oben nach unten an Höhe abnehmenden »Stufen (unten 0,189 m., die zwei folgenden je zwei 0,227, 0,244, 0,247, 0,298 m.) in Berücksichtigung der menschlichen Augenhöhe; die entsprechenden Sockelstufen haben die doppelte Höbe. Die Freitreppe nimmt die ganze Breite der Fa^.ade ein. Die Stylobatbreite (24,02 m.) verhält sich zur Stylobatlänge (03,86 m.) wie 1:2,65«; der Tempel ist also ausserordentlich lang, fast dreimal länger als breit. — Eigenthümlieli ist auch die grosse Länge und das Ende der Cella, deren Breite (8,93 m.) zur Länge (30,91 m.) sich verhält wie 1 : 4,46. — Der Tempel war Prostylos, d. h. er hatte an der Hauptfront (an der Ostseite) eine doppelte Vorhalle, durch vinr ZwischensUulen gebildet, welche von der 3. Säule der Langseite horizontal die vordere Säulenreihe wiederholten. Die vordere und die dahinter liegende Vorhalle haben beide eine Tiefe von zwei Säulenweiten, bilden also zwei gleiche Bäume; die Länge der Cella wurde dadurch beträchtlich vermindert. Das übrige Pteroma (Halle zwischen Cella und Aussensäulon) war 22/3 Säulendurehmesser tief, also immerhin sehr breit. — Das Tempel haus hat vorn am Eingang noch keine Anten (viereckige Wandpfeiler mit zwei Säulen dazwischen), sondern ist vorn durch quere Mauern und eine Thür abgeschlossen; hinten ist es durch eine Rückwand völlig von der Halle abgetrennt. Es zerfällt in drei Thcile: das dem Licht geöffnete Vovgemacli (Pronaos), quadratisch mit weiter Thür gegen die Vorhalle und gegen das Innere, zwei Stufen (von 0,29 s m.) über die Halle erhöht; den mittlern Sehatzraum (Thesauros), der die grösste Ausdehnung hat und zu dem vier Stufen (von 0,226, 0,219 m.) führten; die Kammer für die Kultusstatue und den Altar (Adyton), von geringstem Umfang, um 0,223 in. erhöht, so dass die Statue beherrschend und schützend vorragte, und obwohl in bedeutender Tiefe hinter der .‘i 0. Selinnnt, Eingangsthür doch wegen ihrer hohen Stellung vollkommen sichtbar blieb. Dom Missverhältnis zwischen Länge und Breite des Tempels suchte man auch dadurch zu begegnen, dass die Zici*rhenriiume der Säulen an der Vorder- und Rückseite grösser sind als an den Langseiten; an den Langseiten haben die /Säulen unten eine geringere Dicke zur Ausgleichung der Unregelmässigkeit des Verhältnisses von 17 : (5; die Lcksäulen sind deshalb stärker als die anderen Front- säulen. Nur an diesem Tempel kommt eine solche eigentkümliclie Anshülfe vor. Die Fahnde hat die Besonderheit, dass die Proportionen und die Formen der »Schäfte und der Kapitale aus einer Epoche sind, wo die sioilisch- griechische Baukunst schon auf einer bedeutenden Höhe stand, wahrend in den Proportionen des Gebälks, das hier noch sehr schwer aufruhte, an den Verhältnissen des altern Stils festgehalten wurde. Die Säulen der Langseiten haben 1,77t m. Durchmesser (statt 1,944), differiren also um Vn; da aber alle Kapitale dieselbe Höhe und dasselbe Profil haben, so wechseln die Proportionen der Säulen. An den Langseiten ist der Zwischensäulenvaum der Ecke 2,110 m. breit (1,19 Durchmesser), der folgende 2 ,iig m.; die übrigen 2,075 m. (1,17 Durchmesser). Die »Säulen hatten nur 10 Kannelüren, eine Minderzahl, welche die Wirkung von Kraft und Einfachheit vermehrt; die Säulen an der Ostfront, vor dem Pronaos und auf der Südseite sind monolith, die übrigen bestehen aus geringerem Kalktuff aus den Cave dcl fondo di Barone, 1 St. nürdl. vouSelinunt; die Trommelsäulen sammt dem'zugehörigen Gebälk sind aus einem feinem Kalktuft" von anderer Farbe gearbeitet, welcher eine genaue Ausarbeitung der Profile zuliess. Die Verjüngung der Säule ist eine sehr starke, bis zu 1 k der unteren Durchmesser (bei den attischen Monumenten etwas mehr als i k). — Die Kapitale waren sehr kühn und vorsx»ringend, der Hals hat drei Einschnitte, das eingeschnittene »Schäftende biegt sich oben ein wenig aus, die vier Ringe sind klein, sehuppenartig und sitzen weit oben, der Ecliinus liat einen ziemlich steilen obern Wulst, ist aber noch niedrig, der Abacus hat eine kräftige Dicke. — Das Gebälk misst fast die Hälfte der »Säulenhölic, ist also noch sehr schwer; es besteht aus gewaltigen Blöcken. Der Arcliitrav, aus zwei Paar über einander liegenden Balken gebildet (unten zu 1,259 m., oben zu 0,r»ui m. Höhe), deutet noch auf die Nachahmung der Holzbalken; er hat eine seltsame Bekrönung, ein Rundglied zwischen zwei glatten Fascien. — Der Fries ist niedriger als der Arcliitrav. Die Metopen sind von auffallender Kleinheit, die Triglyphcn sind sehr breit für ihre Höhe, ihre Kanäle enden tlieils in einfach spitzen, tlieils in ausgeschweiften Bogen (so an den im Museum zu Palermo befindlichen nordöstlichen Ecktrig'lyplien), die Stege sind bald glatt, bald von geschwungenem Profil und mit erhabenen Rändern umsäumt. Die Breite der Triglyphen an den Langseiten Unter-Italien. II. (Tempel I)). SM wechselt zwischen l,or>, 0,95, 0,90, 0,88 m., während sie an den Schmalseiten l,io, 1,<>5 m. messen. — Die Metopen der beiden Schmalseiten waren reliefirt (Angell und Harris entdeckten 182Ü drei Marmorreliefs derselben: Herkules und die Kerkopen, Perseus und die Medusa, und ein Viergespann, noch in sehr primitiven, alterthüm- lichen Formen, jetzt im Museum zu Palermo, S. 2zl); die Metopen der Flügel trugen keine Reliefs; jene l,io m. Bx’eite, diese wechseln zwischen 1,18 m. zu 1,04 in.; in dieser fortschreitenden Verkleinerung der Triglyphen und der Metopen ist sorgfältig Rücksicht genommen auf einen für das Auge unmerklichen Ucbcrgang von den schweren Verhältnissen der Hauptfa^ade zu den leichteren der Langseiten. Die Mutulen sind sehr stark und von ungleicher Breite, nur halb so gross über den Metopen als über den Triglyphen, jene mit sechs, diese mit drei Tropfenreihen. — Der ganze Bau war mit farbigem Stuck bekleidet; die Lagen sind ohne Mörtel gefugt und die Fugen nicht wahrnehmbar. Zwischen Tempel O und D fand man eine Inschrift auf einem Tuffblock in Buchstaben des ö. Jahrh. v. (dir. mit dem Namen des Apollon Vaian (der Heiland, der durch Paeangesänge versöhnt ward) und der Athene. Der »Stein gehörte zur Bekrönung eines grossem dorischen Altars. Apollon war auch der Ilauptgott der nisäischen Mutterstadt Megara. (Die Abweichungen der Masse s. oben.) Masse in Metern: Unterer Durchmesser der »Säulen . . 1,944 Oberer - - - . . 1,502 Höhe der Säulen.S,tD3 Breite des mittlern Zwischensäulenraums . 2,G0ü der zwei Zwischensäulenräume r. und 1. davon .... 2,5*20 - Zwischensäulenräume der Ecken.2,310 Höhe des Gebälks.4,258 - Architravs.l,7öo # - Krieses.1,480 der Corniclie.1,009 - vier Ecken.2,032 Bei den neuen Ausgrabungen wurde eine vierte Metope hervorgezogen und nachgewiesen, dass die Area vor den östlichen Stufen mit Tulfplatten belegt war. Auf der Nordseite fand man mehrere mit Tuffplatten bedeckte Gräber; in denselben ein »Sarkophag, Vase mit Bronzemünze aus Motye, bronzene Angelhaken u. a. 24 m. nordwärts von C Hegen die Ruinen vom Tempel 1 ), ungefähr von gleichem Alter wie Tempel C, ein ebenfalls vorklassische,s dorisches Bauwerk, nahe der (»ründungszeit 028 v. dir. Vorhanden sind nur 17 Säulen, 3 von der Haupt- faijade, d von der Rückseite, 4 von der 12 •V>5 li. Vun Palermo nach rechten Langseite, 7 von der linken Lang- seite, zwei Säulen r. im Eingang des Pro- naos, mehrere Lagen der rechten Seiten- wand, der Rückwand des Adyton, die linke Seitemvand in der Länge des Pronaos bis zur Thiir. Die ziemlich zahlreichen Ueberbleibsel ermöglichten eine sichere (ideelle) Rekonstruktion. Der Tempel ist ein Pcripteros hexastylos, von 34 Säulen umgeben, (> an jeder Schmalseite, 13 an jeder Laugseite (die Ecksäule mitgerecli- net). Das höhere Alter wird bezeichnet durch die ungewöhnliche Länge und Enge der Cella, die bedeutende Weite des Umgangs, die starke Verjüngung der Säulen, das Fehlen der Anten, das schwere Gebälk und die derben Formen. Tempel 0 « ® tFV o * n 6 /o /r, An M 9—». o m fl. ......q JH Q- Q M-trx Westl. vom Tempel D liegt ein wohl- erhaltener runder Ziehbrimntn, (*.70 m. breit, bis zu 10 m. Tiefe in einem viereckigen gemauerten Raum eingeschlossen und mit cylindrisehen Ziegeln bekleidet. — Zwischen) Tempel I) und der *Nordinauer sind die Fundamente eines grossen Quaderbaues ausgegraben worden, westl. von der Akropolis die Fundamente eines Tempels. Die vier Tempel der Südterrasse gehörten zu dem Stadttheil, den man gewöhnlich als die Ahcwpolis bezeichnet, deren Uinmaiiertuiy noch in vereinzelten Theilen um den Rand dieser Iliigelab- theilung verfolgt werden kann. Die Mauer besteht aus verschiedenen Bestand- theHen: fast die ganze Östliche Mauer gehört noch der ältesten Zeit an, ihre i Steine, im Blockverband ohne Mörtel an eiminder gefugt, in einer Stärke von 2,40 m. bis 2,70 m., sind aus dem gelblichen, grobkörnigen, leicht zu verarbeitenden Muschelkalk des Hügels ge- Selimmt (Tempel P). üog brochen. Andere Tlieile der Ostmauer sowie die Westmauer und die Verkleidung der Ostseitc bestehen aus einem sehr harten, feinkörnigen, grauen Tuff, welcher 2 St. westl. in Rocca di Cusa gebrochen wurde-, diese Mauerung ist sorgfältiger, in fast regelmässigen Läufern und Bindern ausgefiihrt. Eine dritte Bauweise trägt den Stempel der Eile (»der impro- visirten Restauration«), da allerlei Fragmente von Bauten, sogarKapitälc, Archi- trave und Gesimse mit benutzt wurden; sie stammt wohl aus der Zeit des llermo- krates (S. 334). An der Ost - und Westseite standen an einigen Stellen viereckige Thürme, an der Mitte der Nordseite, wo jetzt eine Lücke von 5,85 m. sich zeigt, stand ein Thor; man fand noch die Reste von Anten und zwei seitlichen Thünnen. Auch im SO. war ein Thor mit zwei hintereinander liegenden Thürmen; ein dritter Zugang führte von SW. zur Stadt. Die ganze Oberfläche des Hügels innerhalb der Mauern ist mit Trümmern von antiken Wohnungen bestreut, auf denen aber hoher Flugsand lastet, oder eine vegetative .Fülle von Aeanthus, Raute, Myrte, Lentiscus, S, m.) führten zum Pronaos (Vorgemach der Cella). Dieser hat, wie alle älteren Tem- pel, keine Anten, ist aber von eigenthüm- licher Bildung; er wird nach 0. durch vier Säulen vorn begrenzt, deren nördlichste und südlichste auf ihrer westlichen Seite glatt abgeschnitten sind, so dass sie anstatt der 10 Kaunolüron der anderen l’rouaos-Säu- len mir 13 zeigen und mit den vorlaufenden Mauern der Cella in direkter Verbindung stehen. Das an die Ecksäulen stossende Stück der Mauer ist auf das sorgfältigste in die abgeschuittene Fläche üingefugt. (»Wahrscheinlich war es ein früher vor Anwendung der Anten unternommener unvollkommener Versuch, dem Pronaos durch einen gesäulten Abschluss reicheres lucht zuzuführen.« Benndorf.) Die Ecksäulen am Pronaos sprangen ,T /io ihres Durchmessers vor. — Der Pronaos ist vom Schatzraum (Themnros) durch eine sehr grosse Mauer von 1,47") m. Dicke geschieden; es stehen von dieser Mauer noch die vier ersten Lagen der linken Hälfte; eine Stufe von 0,244 m. führte zum Schatzraum, fünf Stufen zum Gotteshaus ( Adytou), das ausser- .358 gewöhnlich tief war und an drei Seiten eine niedrige Bank zur Aufstellung vom geweihten Gegenständen hatte. — Zur Zeit der Einrichtung dieses Tempels hatten die Kegeln der dorischen Ordnung noch keine abgeschlossenen Normen. — Die Säulen, von geringerem Durchmesser als bei Tempel 0, verjüngten sich noch stärker ( 3 /s), sie haben am Säulenmngang 20 Kanneltiron, am Pronaos nur 16. Das Kapital ist niedrig und sehr weit ausladend, d. h. der Echi- nus bildet eine ausserst kühne und fliossendc Aussenlinie, ist voll und rund, aber sehr flach, er geht bis zur abgelotheten Seitenfläche des schmalen und langen Abacus. Das Gebälk war sehr schwer, die Formen derber als bei den Mutulen, dieselbe Eigen- thiimlichkeit wie bei Tempel C; die 'Tropfen des Architravs sind kleiner als die des Kranzgesimses. — Zufolge jener Inschrift (S. 354), welche Tempel C dem Apollon zuweist, wäre dieser Tempel der Athene geweiht. Masse in Metern: Fnterer Durchmesser der Säulen . . 1,0(59 Oberer - - - . . 1,149 Höhe der Säulen.7,;U2 Breite der mittleren Zwischcnsäulen- räume.2,su7 Breite der Zwischensäulenräume r. und 1. davon .... 2,710 Zwisehensäulenräume an den Ecken.2,070 Höhe des Gebälks.4,992 - Architravs.l,vsi - Frieses .1,4»s der Cornielie.3,0-29 - fünf .Stufen zusammen . . 1,371 7. Von Castelvetrano (Selinunt) über Sciacca nach Girgenti. Keine Fall r strass e! Zu Maulthier legt man die 21sfcündig« Strecke (ca. lüö Ivil). in 2 Tagen' zurück , am 1. Tag bis (0 St.) Sciacca, am 2. Tag nach (12 St.) Molo di Girgenti. Der Maulthierritt von Sciacca muss deshalb sehr früh uugetreten werden. Die Preise für ein Maulthier sind ca. 10 Fr. pro Tagreiso (Rückkehr oinbe- d tingen) und für den Treiber ca. 5 Fr. Von Sciacca kann auch das von Palermo kommende Dampfboot der Sociotä Florio benutzt werden, das wöchentlich lmal (gegenwärtig Sonntags Morgens) in Sciacca anlaugt und nach Molo di Girgenti fährt. — Oder bei günstigem Wind eine Barke (deren man zuweilen auch riiekkehrende zu geringem Preis findet; 2 Ruderer für eine Tagesanstrengung ca. 8 Fr.). Distanzen: Von Castelvetrano nach (21/2 St.) Ileliei i2y2lv.il.; (0y 2 St.) Sciacca 4f> Ivil.; (61/2 St.) Montallegro 77 J /2 Kil.; (2 J /2 St.) Siculiana 00 Kil.; (3 St.) Molo di Girgenti 105 Kil. Von hier Eisenbahn (10 Kil.) oder Wagen (6 Kil.) nach Girgenti. Von Castelcetrano (’S. 327) ostwärts durch Strecken mit Olivenhainen mul öde (»egenden mit Fächerpalmen und Mastix zum Fluss (I 2 V 2 Kil.) iicliei (llyp- sas, auf einigen Münzen als ein Jüngling dargestellt, der auf dem Altar des Aesku- lap opfert), einer der wenigen beständigen Flüsse (Sieiliens, zwischen hohen (Sandbänken fliessend und mit Ulmen, Weiden, Tamarisken umgürtet, an seinem Ende reich an Aalen und Barben. — Mit Fähre über den Fluss, dann durch Korkeichenwaldurigen und über sandige Strecken am Meeresstrand bis gegen (22 Kil.) Jl.Tau- friei (9542 Kinw.) hin, das zur Linken in der Mitte einer offenen baumlosen Korngegend eine lange nackte Höhe krönt. — Abermals durch flachwellige Gegenden 7 . Von Solimmt iibflr Sciacoii nacli (ÜrgOntJ. :iria die feste 'Lage nicht zutrifft, so verlegt Schubring die Stadt auf den Kastellberg, wohin sie die empörten »Sklaven an die Stelle des damals schon lange zerstörten Kamikos verlegt hätten. Doch führte die jetzt nicht mehr vorhandene, von dem (Grafen Roger nach einem »Sieg über die Sara- eeuen erbaute Kirche S. Giorgio den Beinamen von Triokliln. Noch jetzt geniesst diese Gegend nicht den besten Ruf. Der Boden ringsumher ist (liier sein 1 fruchtbar, die getrockneten Feigen von hier berühmt, ebenso der Käse von den prächtigen Weiden. Jonseit des Flusses Caltabellota reitet man 2 St. der Küste entlang - durch Steinschutt und von weissen Lehmbänken begleitet; 1. (1 »St.) liegt Ribera, das seinen spanischen Namen 1633 durch die Tochter des Herzogs von Aleala erhielt. — Feber den Fluss Malcasoli (den antiken Kamikos). Wahrscheinlich lag an dessen linkem Ufer, wo an dem Ort la Calata eine schwer zugängliche Festung von gewaltigem Umfang sich erhebt, das alte sikanische Kamikos, dem dann die Ruinen auf dem Berg Plata- nella angehören. (Scliubriug hält "den Kastellberg , wegen der Engo des Aufgangs 7. Ton Selinunt über Sciacca nach Girgonti. 3G4 °>G.'S und als den höchste jener Felsgabcln, für die Stätte von Kanukos.) Dann über einförmigen Boden mit Fächerpalmen zum Fluss Platani , dem einzigen, namentlich im Winter bedeutenden Strom an dieser Küstengegend. Er ist der antike IlnlyTcos (noch jetzt heisst sein östlicher Hauptquellarm Salito = Ilalykos, »salzig«), einst die von I)io- nysios und Timöleon festgesetzte Grenze zwischen den karthagischen und griechischen Gebieten. Der Fluss ist reich an Aalen, Cefali und Aluzzi; man findet an ihm meist Herden hochgehörnter rother Rinder und die Hirten, nicht sehr zuverlässig aussehend, auf Pferden reitend, wie in der Campagna um Rom. — Dann Über hügeliges, unbewohntes, aber kornreiches Land, überall die völligste Verlassenheit. Mitten in der Heide ein ausgetrockne- ter sehneeweisser Natronsee } 750 in. im Durchmesser. lt. auf dom Capo IHanco, einem grossen, weisseu Felsen, 70 m. ü. M., nur von N. zugänglich, mit einer oborn Fläche von fvlü m. nach allen Richtungen, lag das antike lleraklea Minna. Ursprünglich eine phönikische Stadt, JJ lakara, von Rani Makar oder Melkart (dem phöuikisclien Herakles) benannt, mul auf Münzen mit phönikischer Inschrift Rus Meieart genannt, wurde sie noch von späteren spartanischen Kolonisten, nachdem sie nach Minos (der auch dom 'Baal Merkart entspricht; bereits Minoa geheissen batte, mit dom Namen Horaklcia (— Makara) belegt. Noch jetzt findet man hier Scherben und .Steinlagon , die auf die alte Stadt deuten. Sie fiel nach ihrer Eroberung (Olymp. 68) durch die Spartaner unter Euryelon früh in karthagische Gewalt und blieb fast immer unter derselben bis zur Eroberung der Iusol durch die Römer, welche Kolonisten hierher sandten. Nun nach (77 Kil.) MontilllOgTO (schlechte Locanda. mit Seufz erspr Heben an den Wänden), in dürrer Gegend, mit Malaria, seinem schönen Namen wenig entsprechend, von kümmerlichem Wcin- wuclis und wenigenObstbäumen umgeben. Auf dem Ilügelabliang 1. liegt die zerfallene, zwar von Alabaster erbaute, aber jetzt dach- und tlmrmlose, von Opuntien und wilden Birnbäumen besetzte, wegen Wassermangels verlassene Altstadt. Ein Wog führt nordwärts in l*/a St. uach Catfolica (6381. Eimv.), eiuer modernen Stadt, auf einer den Platani überhängenden Höhe, der sie von drei Seiten umzieht, und unter Bergen , dereu Alabaster und Gips die Einwohner zu Kalk verbrennen. Der Weg dahin führt an den zwei Schwefelgruben von Montalto und Colle llotondo vorbei. Der felsigen, unfruchtbaren Küste weiter entlang durch ein von steilen Höhen begrenztes Thal, dann durch einen Engpass zur vollen Sicht des Meers, nach (90Kil.) Sivuliana (5665 Einw.), ehemals eine Feudalstadt der Chiaramonte, um das 1350 errichtete Schloss derselben erbaut. Die Stadt liegt hübsch auf zwei kahlen Hügeln, V-i St. landeinwärts, in der Mitte einer felsigen, an Opuntien reichen Gegend, während unterhalb das Thal dicht von Fruchtbäumen bekleidet ist; die Häuser sind meist von dendritischen Steinen erbaut*; die Einwohner treiben hauptsächlich Schwefelbande], und alles Land umher »wittert von Schwefelgeruch«. Die Frauen tragen hier weis.se oder schwarze Tuchschleier, die man- tillenartig über den Kopf gezogen werden, die Männer hohe weisse oder schwarze Zipfelmützen. Durch ein langes, grünes Thal, von weisseu Tlionfelsen fhmkirt, gelangt mau zur Sicht des Molo di Girgenti und der Punta di Palma; dann längs des sandigen Strandes unter Hängen von Mergel und Lehm nach (105 Kil.) Molo di Girgenti, jetzt Porto Empedoele genannt (Albergo deW Universo [Giardina], Strada Centrale 53, recht ordentlich), ein belebtes JTafen- städtchen mit 6054 Eimv., Hauptstapel- platz fürSiciliensSchwefel; ganz modern. Den Molo des Hafens liess Karl III. 1756 errichten, und zwar aus den grossen gelben Blöcken des Olympieions von Akragas! ln diesem kleinen, von den Südwestwinden mit Triebsand angefüllten Hafen können aber nur kleine Schiffe einlaufen. Die breite Hauptstrasse des Orts ist zu beiden Seiten mit offenen Waarenlagern und einigen Erfrisehungsbuden besetzt, während gewöhnlich die Mitte der Strasse von beladenen oder entleerten Schwelel- karren, Eseln, Maiilthicren und deren Führern wimmelt. Die Vegetation ringsum ist sehr mannigfaltig, Gerstenfelder, Melonen, Puffbohnen, Erbsen, Futterklee, Oel- und Mandelbäume, Feigen, Wein- 365 8. Von Palermo über Corleone nacli Sciacca. 3GG Pflanzungen , Fruehtbäume , gewaltige Opuntien. Eisenbahn : Tägl. 2mal von PortoEmpedoch; nach (10 Kil.) (Hrgenti in J /2 St.; 1.1 Fr. 15 C., 11. 80 C., 311. 60 0. — Man fährt bis zur Ostseito des hohen Hügels, auf welchem Girgenti liegt, und hat von hier noch 20 Min. auf guter Strasse (Wagen: 1 Fr. der Platz) zur Stadt hinan zurückzulegen. Zu Wagen (eine zweiräderige Carretta mit 2 Sitzen kostet 3 Fr., ein einzelner Platz in einem Wagen 1—iVa Fr.) gelangt man nach einstündiger Fahrt yau ' Porta anrea (S. 414) und hat nun r. die antiken Tempel neben sieh und das dem Meer zugewandte, einen Bergrücken von bedeutender Jlöhe krönende jetzige Girgenti in imposanter Lagerung vor sich. Girgenti, s. K. 10 . 8. Von Palermo über Corleone nach Sciacca. Ca. 105 Kil. Landstrasse (21 St.). Wird von Touristen selten begangen, da sie sein- wenig bietet und einer regelmässigen Post- verbindung entbehrt. Die (wechselnde) Wagenverbindung erfrage man in Palermo, Via Maequeda, Palazzo Oomitini (C 4), lief r., Compagnia Giaraffa. — Distanzen von Palermo nach Parco 2 l /4 St., Piana dt' 1 Greei 2 3 /4 St., Corleone 5 St., Biasquino 3 St., Chiusa V 2 St., Caltabellotta 4 St., Sciacca 3 J /2-St. Von Palermo aus Porta Nuova, an hübschen Villen und Fruchtgärten vorbei, nach (.11 Kil.) Parco (3500 Einw.), auf lieblichem, reich bewässertem Hügel. Der Chronist Romualdo (1349) erzählt, dass lloger liier die Wälder durch Mauern umziehen und einen köstlichen Jagdpark mit Hirschen, Rehen und Ebern anlegen liess. Auf dem Hügeljoch Alto Jioss dann Friedrich II. das Cistereienserkloster Alto- l’onte errichten. — Oberhalb Parco Prachtblick auf Palermo und den Monte Pellegrino. Nun in Windungen die Strasse hinan, dann durch die Schlucht von Rcbutb und über öde Höhen. Nach Durchschneidung einiger pittoresken Hehänge erscheint plötzlich (25 Kil.) Plana (lei Greei (7714 Einw.), die Hauptkolonie der Albanesen ; die nach der Eroberung Albaniens durch die Türken (1466) nach Süditalien flohen. AD einige Abtheilmigen derselben nach Sieilien kamen, gestattete ihnen Johanna II. die freie Ausübung ihres Kultus. Sie siedelten sich ju Palazzo Adriano an, ein Nachzug erhielt 1488 Merco und Aiäingli als Lehen des Erzbischofs von Monreaie und eigene Gereehtigkeitspflego; diese Ansiedelung gab dem Lehen den Namen Piana Fr. 50 C.; von da Post (die Billete, 6 Fr., vorher zu noh- men; in Palertno, Via Maequoda, Pal. Comi- tini [C 4], im Hof r.; — in Giryenti, Via Atenea 60) in 3Vs St. nach St-at. Passofon- (luto (beim Abendzug bleibt die Post 6 St. in Cnstdtermini liegen). Eisenbahn von ! VassoJ'ondutQ nach (23 Kil.) üirgenti 2mal 369 !l. Termini. 370 tagl. in 1 St. 25 Min.; für T. 2 Fr. 60 (J., II. 1 Fr. 85 O., III. 1 Fr. 30 C. Man gelangt also in ca. lUVa St. von Palermo nach Girgonti. Man versöhn stell mit Proviant! Von Palermo bis (16 Kil.) Stat. S. Maria (S. 281). — Nach (18 Kil.) Stat. Casteldaccia, herrliche Schau auf den Meerbusen und die weithin ziehenden Gebirge, durch mehrere Tunnel nach (21 Kil.) Stat. ALtavilla (Milieia); der Ort (2380 Einw.), weithin gestreckt r. auf dein Hügelrand, ist erst im 17. Jahrh. entstanden', seine Hauptkirolie ist der X. Maria, di Laureto geweiht, zu deren Feier am 8. Sept. hier ein grosses (auch von Palermo stark besuchtes) Volksfest mit Illumination und Feuerwerk statt- limlet. Das Territorium ist überaus reich an Getreide, Wein, Oel und letten Weiden. An und über der Ilauptstrasse trifft man Schichten von rostfarbigem .Kalktuff, kalkigem Thon und Sand, in denen man zahlreiche fossile Kouohilien findet, die sonst im Sicilischon Meer nicht Vorkommen. Am rechten Ufer des nahen Flusses S. Michele (oder Oampo grosso) stehen auf einer Olivon- liöho die Ruinen einer altnormannischon, noch von Robert Guiscard 1.077 gegründeten Kirche, La Chiesazza, einschiffig im lateinischen Kreuz mit drei Apsidon. Am Meer folgen einige Tonnarcn (Tlumtisehfänge [S. 36]), die bedeutendsten bei X. Nicola tV Arena und bei Trabi«,. Auf kleinen Landzungen stehen einsame Warttliürmc, einst zum Schutz gegen die Saraeenen. 11. an den Hängen wuchert der Sumaeh; an den malerisch geformten gelben Kalkfelsen Zwergpalmen, Opuntien, Wolfsmilch. Der Zug fährt auf einem Damm. Kurz vor Trabia, ganz nahe am Meer, ein grosser runder Kastell thurm. (31 Kil.) Stat. Trabia. Der grosse Ort (4618Eimv.), mit modernisirtem Ka- ronialkastell aus dem 16. Jahrh., zieht sieh die Höhe hinan, am Fuss eines hohen, mit Opuntien, Hyacintlien und Wolfsmilch bekleideten Hanges. Häufig wird die Küste durch Vorberge verdeckt, kleine Tunnel durchsetzen den gelben Kalkstein. Die Umgegend ist reich an Korn, Wein, Oliven und Sumaeh (som- maeo). Der Sumaeh um Termini gilt als oiuor der vorzüglichsten; die Blätter, die getrocknet und fein gepulvert eine treft'liclio Lohe zum Safliangorben liefern, werden im Juli und August gesammelt (im September folgt eine schlechtere Nachlese). Man sieht die grünen Sträucher mit ihren gefiederten Blättern, filzbedeckton Zweigen und in rothen • lilzigon Rispen zusammengedrängten Beeren oft bis zu den Grenzen der Balmstrasse ziehend. Nun durch einen Tunnel und über den Fluss S. Lionardo. Dieser Fluss, im Winter ein wilder Strom, entspringt 17 St. landeinwärts, nahe der Stadt Prizzi, heisst dort Maragano (nach dem Kastell über ihm), dann am Fuss dos Monte S. Cateriua Fiume 8. Giuseppe, unterhalb Caccaino 8. Lionardo, bei seiner Mündung in das Meer Fiume di Termini. (37 Kil.) Termini (Locanda Miner ca } Locanda T'enicc; Trattoria dclla, Fenicc), lebhafte Landstadt (19,739 Einw.) am Monte S. Calogero, von einem Fclsplateau in herrlichster Lage bis zum Meer hinabziehend und dort mit einem lliesenbekleideten Spaziergang längs des Strandes endigend, von Kaiser Friedrich 11. deshalb nicht mit Unrecht »LaSplendidis- sima« genannt. Die flachen Dächer der gelben Häuser , dazwischen hier und da eine Dattelpalme, geben der Stadt etwas Orientalisches; doch hat nur die Oberstadt einige breite Strassen, liier und da mit einem stattlichen Palazzo; die Unterstadt ist weit unansehnlicher. Das Kastell wurde 1860 geschleift und an seiner Stelle ein Garten angelegt. Den llauptplatz schmückt, die Jlauptkirclie , 8. Maria dclla Consola-zione, im Renaissancestil (mit unvollendeter Fahnde), 1524 erbaut, geräumig , dreischiflig mit graumarmornon ionischen Säulen, im rechten Querschiif ein Kruclfix von Pietro linztdone von Palermo, 1.484 (r. Magdalena, die Evangelisten, Pelikan, Schlange; 1. der Aufcrstandene, die Evangelistensymbole). Aussen an der Mauer ein alti'ömischos Oornicliefragment. Von hier oben Prachtbliek auf die schöne Carnpagna, eine Reihe von Feldern und Baumgärten, die sich bis zum Monte 8. Calogero ausdoh- non, und bis zur fernen Ostküste des Golfs, wo Cefalii sich erhebt. — An diesem Platz steht auch die alte Kirche 8. Caterma (mit einem Spitzbogenportal aus dem 13. Jahrh., im Innern mit Wandfreskeu [Leben S. Ca- terina’sj aus dem Ende des 15. Jahrh.) und das liathhaus, mit einem von La Jlarbera ans Termini 1610 mit Fresken vaterländischen Inhalts geschmückten Saal. — In S. Maria della JSIisericordia, 1. Altar 1.: ein Triptychon von 1454, mit zwei späteren Seiteubildern (Mitte: Madonna: Seiten: S. Michael und der Täufer; in den Seitenpilastern in zwei Ab- 1 9. Von Palermo über Termini nacli Girgenti. US «a 373 374 fl. Termini — Corda — Monteinaggioro. tlioilvmgen zwölf männliche und weibliche Heilige, in der Predella sechs Apostel, Halb* figuron). — In S. Maria di Gesii: die Porta della Sepoltura, mit sein* schönen Marmorreliefs von 1484 und einer Marmorgruppe der Pieta von 1480. — Tn der Annunziata, 2. Capp. 1.': Marmorwerk der Geburt Christi, aus dem 15. Jalirh. Pio Einwohner beschäftigen sich besonders mit Thunfischfang, Sardollenfang, Anbau von Korn, Wein, Oel, Suniach, Reis. — Ostwärts im untern Stadtgebiet liegen die noch jetzt im Sommer stark frequentirten Bäder, die dem Ort den Namen gaben und im Alterthum als Thermae llimerenses schon ltolien Huf hatten, denu sie gehörten zu Hi- mera’s Gebiet, und die ältesten Münzen zeigen schon den llalm des Heilgottes, spätere den vom Wasserstrahl bespritzten Satyr oder den Kopf des Herakles, für den die Quellen sprudelten. Schon Pindar {Ode Olymp. Nil) schliosst den Gesang auf den llimeräer Er- gotolos also: »Aber jetzt bekränzt in Olympia, zweimal in l’ytho, auch am Isthmos, Ergoteles, Hebst zu Ruhm du hoch der Nymphen warmen Quell, wandelnd auf der eigenen Flur«. — Das Badehaus ist ein zweigeschossiger Ba'ckstoinbau, die Bäder sind gut eingerichtet; das Wasser, stark benutzt gegen Rheumatismus, Hautkrankheiten und Nervenleiden, enthält reiche Mengen an kohlensaurem Kalk, schwefelsaurem Kalk, Chlormagnesium und Kochsalz und freies Schwo- felwasserstoffgas; die Temperatur beträgt -|-87 0 . Die Quellen fliesson am Fnss einer steilon Anhöhe hervor (15 Kil. vom Pluss Himera) und wurden nach langer Vernachlässigung erst 1818 mit zweckmässigen, bequemen Gebäuden und Badeeinrichtungen verseilen. 1 / a St. vom Bad fiiesst eine Quelle mit schwefelsaurer Magnesia, von den Arabern Bujuto genannt. — Die Stadt Thermac wurde von den Karthagern (Olymp. 93, 2) 407 v. Ohr. statt des von ihnen zerstörten Himera gegründet und mit den Resten der alten Einwohner llimera’s und Afrikanern (Diodor XIII , 59 f., 79) bevölkert. Die Körner Hessen ihr die Verfassung und Gesetze, bevorzugten sie (Cic. Verr. 11, 35 erzählt, dass Scipio ihr die herrlichen bronzenen Statuen der Himera, des Dichters Stosicho- ros, oiner Ziege n. a. zurückorslattet habe), und Augustus erhob sie zur Kolonie. Nach Diodor (XIX, 2) war sie die Vaterstadt des Tyrannen Agatlmkles. Audi in mittelalterlicher Zeit blühte die Stadt. Von Alterihümern sind noch vorhanden: ln der Villa (Stadtanlagen) oberhalb der Stadt auf dem Piano di 8. Giovanni (mit köstlicher Aussicht) die Grundlage eines Amphitheaters, dessen elliptische Linien noch die kleinen Häuser bezeichnen (grösserer Durchmesser 8t) m., kleinerer 53 ni.); wenige Schritte davon Reste einer römischen Curia. — Auf dem Hügel, wo S. Lucia steht, Reste von Mosaikfusshöden, Bädern angehörend. Auch vom Aquädukt, welcher die Aqua Cornelia in die Stadt brachte, stehen noch gewaltige, prächtige Trümmer; das Wasser kommt jetzt etwas tiefer im S. des Orts, im »Brucato«, zum Vorschein; die Länge des Aquädukts betrug 4 Miglien, und jetzt stehen noch ein grosses Stück bei der Quelle, Bogen- reste (einer mit einer Oeffnung von ö m., 8 m. Höhe, Mauerdicke 2 in.), auch das Wasserkastell. — Fenier: Hämische Gräber vor den Porte di Palermo und di Girgenti; Reste antiker Bauten in der Pianura Gian- caniglia und vor Porta di Caccamo. •— Sammlungen von Altertliümern im Liceo (hier auch Vasen aus Thermac), bei Sindaco Janelli und Antiquar Giuseppe di (,’iorgi. Von Termini führt eine gute Strasse nach (ca. 105 Kil.) Leonforte (S. 448} über Gerda (s. unten), Sclafani, Caltavuturo, Po- lizzi, Petralia, Gangi (Enguium) und Nicosia (s. R. 13). 7 Kil. von Termini südwestl., jenseit Porta Girgenti und dem Corneliselieu Aquädukt, liegt das Bergstädtchen Caccamo (7203 Einw.), am Westablning de-s Monte Eunice, mit altem normannischen Kastell und herrlichster Aussicht auf Monte S. Calogero, Monte Catalfano und das Meer. Es hiess bei den Saracenen Kurches , in alter Zeit Kak- kabe, d. h. sicilisches Karthago, und wurde von Hamilkar 400 v. Ohr. erbaut. Die Umgegend ist reich an Fruclitbäumen, Wein und Getreide; auch findet man liier schönen Acjiat, Jaspis, Porphyr, Beryll. Caccamo ist der Ausgangspunkt für die Besteigung des jähen Monte 8. Calogero (1325 m.) mit berühmtem *Panora.uia. Eisenbahn. Jenseit Termini führt die Balm noch eine Strecke weit dem Meer entlang und biegt dann, nochmals einen herrlichen Rückblick auf den Busen von Palermo und den Monte Pellegrino bietend, südwärts um den Monte S. Calogero, dem rechten Ufer des Fiume Torto entlang, nach (45 lvil.) Stat. Cenla. Bas Städtchen (4313 Einw.) 1. in der Thalhöhe ist von ziemlich neuer Gründung, mit dem Titel eines Marc.hesato; lebhafter Handel mit Wein und Oel. (Von Stat. Gerda Post über Cefalk nach Messina, R. 14.) — Durch reiches Reblaiul nach (51 Kil.) Stat. Sciara. Zweimal über den Eluss, durch prächtiges, überaus malerisches Bergland nach (61 Kil.) Stat. Monteinaggiore. Der Ort (7004 Einw), am westlichen ITügel- hang, die ganze Umgegend beherrschend, litt unter dem schlechten Baugrund (besonders 1851, wo der Baronialpalast und das hübsche Theater einstiirzten) 5 die 375 9. Von Palermo über Termini nach (rirgenti. 376 Felder sind überaus fruchtbar an Getreide, Gemüse, Weiden. — Wieder, aus rechte Ufer. (70 lvil.) Stat. lioecapalumba (von hier Post nach 8. Caterina [Caltani- setta], Stat. der Bahn nach Catania). L. oben (734 m.) Alia (4562 Einw.), ein luftiges Städtchen in sehr pittoresker Höhe, mit köstlicher, gesunder Luft und dem fruchtbarsten Hoden der Provinz Palermo. (77 Kil.) Stat. Cerciira. Die Stadt (9154 Eimv.), r. oben, entstand erst Mitte des 18. Jahrh. und hiess früher als Eeudum der Freddi Alcara dei Freddi; in den nahen Bergen häuft sieh im Winter viel Schnee an, und der hochgelegene (660 m.) Ort leidet dann an heftiger Kälte und Winden. Den Verdienst bringen die vielen Schwefelminen umher, die nördlichsten der Insel, an den Hügellüin- gen rings um die Stadt liegend, durch die rothe und gelbe Färbung um ihre Mündung leicht kenntlich. Die Bevölkerung geniesst eines verdächtigen Hufs. — Nun durch einen Tunnel und dem linken Ufer des Platani entlang. R. Praeht- blick auf das bergige Binnenland; im S. steigt der hohe, doppeltgezackte (gemelli colles) Monte Cammarnta (1576 m.) auf und gegen O. hin eine lange Höhenreihe, unter denen besonders die vereinzelten Kegel von Mussomeli und Sutcra vorstehen; im NO. blickt die lange Reihe der madonischen Schneegipfel durch . die schwarzen kleiuereiiHöhensindmeistmit Städten bekrönt. Durch die bewaldete Ebene unter (85 Kil.) Castronuovo, deren Berghohe die Ruinen des alten Baronial- kastells krönen ; dann über den Platani. (89 Kil.) Stat. Cammarnta. Das Städtchen (5055 Einw.) auf einem Kalk- felsen; in der modern stukkirten Kirche S. Nicola an der rechten Seite eine sehr alte Kapelle, der Madonna dei miracoli geweiht. (97 Kil.) Stat. SpilUl, vorläufiger Endpunkt der Eisenbahn. Post (S. 367) Ton Spina in 3Vs St. (für 6 Fr.) nach Stat. Passofonduto (S. 376). Man beeile sich, seinen auf dem Billet vorgemerkten Platz einzunehmen! Nun mit dem Postomnibus in langen Windungen nach Casteltermilli hinan. Die Stadt (8198 Eimv.) hat zwei Loean- den, welche reinliche Betten für die Postreisenden bereit halten. Der Kondukteur sorgt für die Begleitung dahin. Ausserhalb der hochgelegenen Stadt Prachtblicke gegen 0. und S. Man ist hier ganz von Bergen umringt; der Ort selbst liegt am Geliänge des Pecoraio. In der schönen llaupihirche (von 1853) zwei Bilder von Volasquez von Palermo. In 8. Giuseppe Altarbild von Andrea Carreca von Trapani (Madonna im Purgatorium). Die umliegenden Schwefelgruben geben dem Ort Leben. Ocstl. gegenüber liegt Kut-cra (385)7 Einw.), das sich um den hohen Kegel des di Sutern (815) m.) lagert, mit der hochgefeierten Kapelle S. Paolino auf der Höhe und einem ehemals für die stärkste Festung gehaltenen Kastell. Die Strasse führt nun in weiten Zügen den Berg hinab, fortwährend in Gebirgs- land bis zum Bahnhof von Passofoii» (lllto (weder Restauration noch Cafe !). Eisenbahn von Passofondnto in l 1 /« St. nach (23 Kil.) Girgenti für I. 2 Fr. üö C., H. 1 Fr. 85 C., HL. 1 Fr. 30 C. Die ersteStrecke derBalmziehtdurch einförmige, rauhe Gegend. — (7 Kil.) Stat. Comitini. Der Ort, der dem Fürsten Gra- vina den Titel gab, ist bekannt durch seinen Reichthum an Schwefelgruben ; (Zolfatarc) ringsumher; nur zwei (Jan- nazzi und Mintina) sind wasserfrei; elf liegen in der Contrada Mintina, drei in der Contrada Mandrazzi, zwölf andere in der Nähe, von denen dieCrocilla-Grabe und die Felicia den besten Schwefel liefern. Am Monte Castellaccio , der an die Gemeinde stösst, entspringen Schwefelquellen. Der eigentliche Schwefelkönig dieser Gegenden ist Don lynazioGcuuardi, der bei Girgenti, Mitte Wegs zwischen der Stadt und den Tempeln, eine schöne Villa erbaut hat (sein Fattore in Comitini ist sehr gefällig für die Besucher der Minen). "YVestl. gegenüber liegt Aragona (11,424 Einw.), ein schlecht gebautes Städtchen, auf dem Joch eines nach O. gewandten Hügels; wo der Boden sich sanft neigt, steht der grosse Baronhdpalast der Familie Naselli, ein eleganter Renaissancebau; vom Kastell diQ köstlichste Aussicht. iSSBF <-< 6 $\ «SW & ö 113 iuut ff fJli ÄÄ |« .%•: VvvbjC^iW tass if* KSTCi ISgRij MSI . gtlPl JT «1 läna^sssS! Gez : 0. Jteinke. ‘BibliogvapTiisckes Institut in Leipzig. 377 10 . (Tirgeuti, 378 Diesseit Caldare Praclitblick r. über alle Jlügelgelände bin bis ans Meer; r. in der Ferne Girgenti. (14Kil.) Stat. Cal- äave. Dann, auf lang gestrecktem Hügel weit ausgedehnt, die obersten Häuser von ! l (23 Kil.) Girgeilti (s. unten), vor dessen östlicher Hügelbasis die Bahn hinzieht. Wagen von der Station zur Stadt (20 Min.): Fr. der Sitz. 10. Girgenti. Vgl. den beifolgenden Plan. Gasthöfe und Restaurants: * Alber tuurant im schönen geräumigen Saal des zweiten Geschosses ist gut und billig, der Wein vortrefflich. Der Gasthof ist erneuert und jetzt der relativ beste und reinlichste in Girgenti, mit sehr auf-- merksamer Bedienung (Abonnement der 'fable d’liöte 2 Fr. 75 (J.: monatlich für Frühstück und Diner 75 Fr.). — Albergo Cellia (Ignazio Milazzo), Via Atenea 2; Z. 2 — 3 Fr., Bed. 75 G., B. 75 C. Uebev Bedienung und Peinlichkeit wird gegenwärtig sehr geklagt. Das IteUaurant im ersten Stock wird von Antonio di Falco geleitet. — Kleinere Gasthöfe: * Albergo Centrale (gegenüber Cellia), Via Atenea; Z. D/j Fr., Bed. ^ Fr., L. 25C.; recht ordentlich. — Einige Häuser südwärts: Albergo Empedocle, Via Atenea; etwas tlieurer. Die Cafes sind durchweg unansehnlich und klein.— Bier: Piano Giuseppe Ö (Luigi Jiardazzi), hält einheimische und fremde liiere. — Pizzicheria (Würste): Deungelis, Via Atenea 07. Photographien der Aiierihümer: Ales- sandro Politi, Strada Carnevale 17. — Modelle der Tempel: Aletto, Piano dolBarone8. Führer zu den Altertliiimern: Michele Pancucci (pro Tag 5.Fr.); für den Vorbereiteten überflüssig. Deutscher Vicekonsul: Leopold Dielzscft. Post: Mitte der Via Atenea. Postwagen: Nach Oaltanisetta, nach 7A- cata und nach Spina. Bahn nach Palermo: Via Atenea 60. — Für Caltanisetta (16 Fr. 50 C.) wird gegenwärtig die Eisenbahn nicht mehr benutzt, sondern die Abfahrt findet (Morgens 5 Uhr) von der Post in Girgenti statt. — Die Post nach JAcata (16 Fr. :>U C.) benutzt denselben Wagen bis Cani- catti. — Bei jeder Station (die jedoch sehr lang sind) sind 25 C. an den Postillon zu entrichten. Von Girgenti bis Canicatti wird die Post wegen der immer noch unsichern Umgebung eskortirt; leider sind die Postwagen elende Omnibus und so niedrig, dass die modernen Hüte Gefahr laufen; die Kondukteure sind jedoch durchweg gefällig und anständig. Für Damen ist die l’ost- reise stets noch ein Unternehmen. (Eine Periodiea, Landomnibus, fährt wöchentlich einigemal über Favara nach Canicatti.) — Vagen zur Bahn nach Palermo s. Eisenbahn. Dampfboot: Nach Sprüht*, S. 680; nach Sciacca, S. 557. (Nach Sciaeca gibt es von Girgenti aus noch keine fahrbare Sti*asse; man ist daher genöthigt, das Dampfboot zu nehmen oder zu reiten.) Eisenbahn: Tägl. 2mal, in l‘A 8t. bis (23 Kil.) Passofouduto (1. 2,6o, II. 1,85, III. 1,30 Fr.), von wo ^PostwUgen in 4 »St. nach Spina, Endstation der Bahn nach Palermo, fahren. Man hat jedoch das Billet für den Postwagen in Girgenti (Via Atenea 60; 6 Fr. 20 C.) zu lösen, wenn man seines Platzes sicher sein will. — Zur Datenstation (10 Kil.) l 3 orto Empedocle gleichfalls 2 Züge tägl. (I. 1 Fr. 15 C., IT. 80 C., III. 60 C\); doch fahren sehr oft Wägen (Platz 1 Fr.) von Girgenti nach Porto Empedocle. Die Benutzung der Wägen ist wegen der Entfernung des Bahnhofs von der Stadt vortheilhaf- ter. — Ein Omnibus fährt vom Posthaus (Va Fr.) 3 /* 8t. vor Abgang der Züge zur Station. Zur Geschichte. Akragas, erst im Jahr 581 v. Clir. erbaut, ist die letzte Stadt von höherer Bedeutung, welche die Griechen in Sicilien errichteten. Sie wurde von Gela (Terra- nova) aus unter den Geloern Aristonoos und Pystilos am Fluss Akragas gegründet und erhielt deshalb dorische Gesetze und Einrichtungen. Wie Selinus sogleich als Gressstadt angelegt, in der Mitte zwischen Selinus und Gela, 20 St. von jenem, 15 von diesem; es sollte jener fernsten Griechenstadt an der Südküste der Insel, welche zwischen den Klymern (halbsemltischen Ursprungs), Eingebornen und Phönikern, den ziemlich nahen Karthagern eine schwierige Stellung hatte, durch diese Kolonie eine schützende Macht nahe gerückt werden;. zudem wurde der üppige Boden für den Handel als reiche Quelle benutzt. Nach der Sitte jener Zeit, welche zum Schutz gegen feindliche Angriffe die Hochebenen für die StädtegrÜndung wählte, kam die Stadt auf das feste Felsenplateau zu stehen, das eine Strecke weit von dem hier ohnehin keinen guten Hafen bietenden Meer ab- lag. Schon zehn Jahre nach der Gründung vermochte sich über die aristokratisch regierte gemischte Bevölkerung ein Tyrann aufzuschwingen. Polyiin V, 1 erzählt J »Phdlaris war öffentlicher Baupäclitei’, als seine Mitbürger einen 37 !) 10. Uirgenti (Gescliichtllclies). 380 Tempel des Zeus Polieus (des Stadfcschirmers) oben auf dem Bnrgfeld errichten wollten und 200 Talente dazu aussetzten. Da der Boden dort sehr felsig und hart war, erbot siel» Phalaris, den Bau zu leiten, denn er werde die besten Arbeiter, das beste und billigste Material und die sichersten Bürgschaften für das eingehändigte Geld stellen. Das Volle vertraute ihm; er aber verwandte das Geld, um sieh eine Macht zu schaffen, mietete viele Fremde und kaufte viele Sklaven; dann liess er reichliches Material auf die Burghölic schaffen, behauptete aber plötzlich, es sei ihm viel davon gestohlen worden. Darauf gestattete ihm das Volk, die Akropolis zu ummauern ; er aber bewaffnete nun die Sklaven, griff während der Demeterfeier die Bürger an und wurde Herr von Akragas«. — Seine 16jährige llcgierung (570-554) ist zum Sprichwort aller Grausamkeiten geworden. Seine Siege über zahlreiche Städte bewirkte er tlieilweise durch List (als Weiber verkleidete Soldaten, Ge- treidezerstörungu.a.); er erfand vieleKricgs- masehinen und unterwarf sich einen grossen Thcil von Sicilien. Kr entging mehreren Verschwörungen, fiel aber durch einen Volksaufstand, nachdem er schon zuvor ahnungsvoll, als er einen Geier Tauben verfolgen sah, die demokratischen Worte gesprochen: »Auch die Tauben könnten siegen, wenn sie nur Muth hätten«. — Seine Bedeutung für* die Entwickelung Sicilien» lag in seinem unablässigen Kampf gegen das panische Element, gegen Phöniker und Karthager. Wahrscheinlich litt er in Akragas noch den punisclien Kultus des stierköpfigen Moloch, der Menschenopfer forderte und Kinder aus seinen ehernen Armen in angefachte Flammen rollen liess. Seine Grausamkeit veraulasste danach die Sage, ein athenischer Künstler habe ihm einen hohlen Stier ans Er/, verfertigt, der durch untcrgelegtcs Feuer glühend gemacht wut'de und die Verurtlieilten des Phalaris langsam verbrannte, wobei ihr Wehgeheul durch eine künstliche Vorrichtung wie Stiergebrüll erscholl. Ein eherner Stier stand (laut Diodor und Polybius) auf der ; Burg von Akragas (wohl als ein altes Kul- j turdenkmal) und wurde, als die Karthager alle Kunstwerke raubten, mit den anderen j in ihre Hauptstadt geschleppt. Ein solcher Stier wurde dann 146 v. Chr. durch Seipio nach der Eroberung Karthago 1 » an Akragas zurückgegeben; ob der alte oder ein anderer zu Moloclmpfern gebrauchter karthagischer Stier, ist zweifelhaft. -Diodor sah den Stier mit eigenen Angen. Da derselbe auf der Burg stand, also wohl da, wo jetzt der Dom sich erhebt, so scheint auch jener Tempel, den Phalaris zu besorgen hatte, dort gestanden zu haben (S. 417). Aohnlich, wie Phalaris, gelangte auch der edle Theron, aus dem altadligen-Geschlecht der Emmeniden (488 v. Chr.), zur Herrschaft über Akragas, einer der besten Fürsten Siciliens. Pindar (Olymp. II, 10) preist in seinem Gesang auf Theron: »Von ihm rauscht, o Saiten, preist, Des Gastrechtes Hort, lim, Akragas’ Stütze, Aus hochgefeiertem Geschlecht Die Blume, liebend die Stadt, Das, duldend vielfaches Unheil, Sich am Strom hier die heil’ge Wohnung gründete und das Auge ward Eikelia's. Hohes G Iticlc Erschien, des lluhms Fülle Und lieblicher Gewinn. Laut sprecli 1 ich es beschwörend aus, Spreche trugfreien Sinns, Dass Jahrhunderte hindurch Keine der Städte je Gezeugt solchen Mann, so Hüifreich gesinnt den Freunden, so Freigebig spendender Iland, Als Theron. Doch Lobspruch verschmäht der Neid. Auch war’ es leichter, den Sand zu zählen am Gestade Als wie viele Wonnen Er Um sich her streut, Und wer vermag 1 » zu sagen?« Wie er zu seiner Macht gelangte, erzählt Pohji'm VI, hl: »Er hatte sich im geheimen eine Schar Lanzeiiträger verschafft, hatte aber kein Geld, zu bezahlen. Da nun die Stadt einen prächtigen Athenetempd auf der Burg erbaute und das Material in de;i Werkstätten gestohlen wurde, verlangte er, dass ihm der Tempelbau verpachtet würde; das Geld aber verwandte er für seine Lanzenträger, die er gegen die Stadt gebrauchte, um sich zur Macht zu verhelfen«. Der Tempel der Athene steht wahrscheinlich in der Kirche Maria de 1 Greci unterhalb des Doms, (1. h. des Zeustempels. Als Theron den feindlichen Tyrannen Terillos von Ilimera, bis zu dessen Gebiet Akragas herrschte, vertrieben, verband sich dieser mit Anaxüns von Rhegion und mit den Karthagern. So stand Theron, in Verbindung mit seinem Schwiegersohn Getan von Syrakus, als Ver- theidiger der griechischen Kultur jenen gegenüber. Die Karthager erschienen mit 800,000 Mann Landtruppen, 200 Kriegsschiffen und über 800 Lastschiffen (S. 465) unter dem einen der Könige Karthago 1 .-', Hamilkar, rückten von Palermo nach Ilimera, wurden aber-von Theron und Gelon vollständig geschlagen. Diesem Sieg verdankt das autike Sicilien den höchsten Glanz und Akragas seine herrlichen Bauwerke. Diodor (XI, 25) erzählt: ./Die meisten der in der Schlacht bei Ilimera erbeuteten Kriegsgefangenen wurden zum Nut/.cn der Gemeinde verwendet. Diese schnitten die Steine, ans welchen nicht nur die grössten Götlertempd erbaut wurden, sondern cs wurden auch 1‘iir den Abfluss der Wasser aus der Stadt unterirdische Kanäle hergestellt, so gross, dass das Werk trotz seines gemeinen Zwecks höchst merkwürdig war. Vom Unternehmer Phäax erhielten diese Leitungen den Namen I'häaken. Auch konstruirten die Akragantiner einen kostbaren Schwinmt- teich (Kolymbothra), 20 Ellen tief, 6 Sta- SRI 10. tiivgcnti (Geselllulitliches). 082 dien im Umkreis; man leitete Fliis.se und Quellgewässer hinein und legte eine Fiscli- ziiehterei an. Eine Menge Schwäne und Geflügel machtet! den Anblick sehr erfreulich«. Bald übertraf Akragas an Wohlfahrt und Luxus alle griechischen Städte und war an Macht nächst Syrakus die bedeutendste. Die Nachkommen des Theron glichen dem grossen Vorbild nicht. Nach dem Fall des Tkrasydaios stand ein Kath von 1000 der Stadt vor, aus den Vermöglichsten zusammengesetzt, je auf drei Jahre. Die Wiederherstellung der Tyrannei vereitelte Km- IH'.doldes, ein Feind der Einzelherrsehaft; zwei vornehme Versohworne wurden hingerichtet und jeder Bürger für wahlfähig erklärt. Empedokles selbst schlug die ihm angebotene Königswürde aus; obgleich aus vornehmem Geschlecht, war er stets für das Volk besorgt und wirkte überaus wöhlthätig mit seinem grossen Vermögen (z. B. für die Ausstattung ärmerer Bürgertöchter); er war Staatsmann und Arzt. Mit einem Pur- purgewand angethan, Binden im wallenden Haar, Kränze Apollons in der lland, auf ehernen klingenden Sohlen wandelnd, durchflog er die Städte Sieiliens. Er galt als Windbesrliwörer und Herr der Elemente und ward in schwierigen Fällen der öffentlichen Gesundheitspflege zu Kath gezogen (z. B. bei der Entsumpfung Selinunts, das ihm dann göttliche Ehre erwies). Nach Aristoteles starb er 424 v. Clir. im 60. Jahr. Die Sage liess ihn am »Thurm des Empedokles« auf dem Aetna naturhistorische Studien treiben, und seine Feinde behaupteten, er habe, um unsichtbar zu verschwinden und als Gott verehrt zu werden, sich in den Aetna gestürzt. Er selbst sagt: »Euch wandl’ ich, ein seliger Gott auf der Erde, Nicht mehr sterblich, von allen geehrt, denn also geziemt’s sich ; Kings mit heiligen Binden umkränzt und grünenden Zweigen, Zieh’ ich nun also einher durch die Schar reiehblüheudor Städte, Werd’ ich von Männern verehrt und von Weibern. Tausende strömen Hinter mir her, zu erfragen die Wege des Heils und der Kettung, Einige wollen Orakel von mir, die andern begehren Wirksam heilende Mittel zu hören für allerlei Krankheit«. Wahrend der athenischen Expedition, als alle dorischen Städte Syrakus unterstützten, blieb das unkriegerisch gewordene Akragas in Neutralität unthätig. Syrakus dagegen, als im Jalir 406 v. C'lir. die Kar- Ihaijn- mit grosser Macht erschienen, bot sogleich kriegerische Hülfe. Diodor (XIII, Hl ff‘.) hat eine das alte Akragas sehr charakteristisch bezeichnende Beschreibung dieser für das Schicksal der Stadt höchst bedeutenden Zeit gegeben. Zu jener Zeit, sagt er, herrschte in Akragas der grösste Wohlstand ; es gab daselbst sehr grosse und schöne Weingärten, und der grösste Tlieil des Landes war mit Oelbäumen bepflanzt; den reichlichen Ertrag verkauften sie nach Karthago, indem sie die Schätze Libyens (z. B. Gold und Elfenbein) dagegen eintauschten und sich damit ausserordentlich bereicherten, wie besonders die heiligen Gebäude und vor allen der Zeus-Tempel darlegen, dann der kostbare Fischteich für die öffentlichen Gastmahle, die tlieuren Grabnioimmento, selbst für Kennpfordo und Lieblingsvögel. Den Sieger im Wettrennen zu Olympia, Exaenetus, geleitete man zu Wagen in die Stadt mit einem Festzug, in welchem sich unter anderen 300 Zweigespanne mit weissen Pferden befanden, alle aus Akragas selbst. Schon von Jugend auf trugen die Akragan- tiner äusserst feine Kleider und goldenen Schmuck, bedienten sich sogar goldener und silberner Striegeln und Oelgefässe in den Gymnasien. Die reichen Leute luden die Fremden zuvorkommend zur Herberge bei sich ein, und Empedokles sang: »Siehe für Gast’ ein heiliger Port und fern ist Falschheit!« Als einmal 500 Heiter aus Gela hei stürmischer Witterung ankamen, nahm sie der reiche Gellia s alle auf und holte sogleich für alle aus seinem Vorratli Ober- und Unterkleider herbei; in seinem Keller befanden sich nach der Eroberung der Stadt noch 300 Fässer, aus dem lebendigen Fels gehauen, jedes 100 Amphoren (3040 Liter) haltend; über der Ei’de stand ein Behälter in schönem Stuck, der 1000 Amphoren fasste, und aus diesem floss der Wein in die Fässer. Antisthenes bewirtete bei der Hochzeit seiner Tochter alle Bürger auf der Gasse vor ihren Häusern, und im Gefolge der Braut waren mehr als 800 Wägen; auch veranstaltete er an den Altären in allen Tempeln und in den Strassen der ganzen Stadt eine grosse Illumination, für deren plötzlichen Anfang das Zeichen auf der Akropolis gegeben wurde. Ja, selbst mitten in der Belagerung durch die Karthager musste der Befehl ergehen, dass die auf den Wachtposten Uebornachtendcn nieht mehr mituehmen dürften als ein Unterbett, eine Decke, ein Schaffell und zwei Kopfkissen. Wenn so viel zum härtesten Lager gehörte, wie weichlich muss sonst ihre Lebensart gewesen sein! Die Volkszahl der praclitliebenden Stadt war eine sehr bedeutende, ln der Strecke vom Thal dolle (Japoline bis zum Südrand hatte sich allmählich eine Bevölkerung von 20,000 Bürgern angesammclt, d. li. von 90,00t» bis 100,000 Freien, die mit den daselbst an- gesiedelten Fremden, Niedergelassenen und Kaufleuten eine Zahl von 200,0o0 Menschen ausmachten. Da die Zahl der Sklaven eine sehr beträchtliche war, Akragas ausgedehnte Gebiete hatte und nach dem Sieg bei Hi- mera manche sich bis an 500 Kriegsgefangene zu Sklaven nahmen (Diodor XI, 25), ancli die grossen Bauunternehmimgen eine sehr grosse Zahl beanspruchten, so ist wohl die (augefochtene) Zahl von 800,000 (Diogenes Lacrtius VIII, 63) Bewohnern keine übertriebene. Das weite Plateau bot Kaum 384 883 10. Girgenti (Gcschiclitliclios). für alle, und eine grosse Zahl lebte ohnehin zerstreut im Gebiet. Immerhin war das verweichlichte Akragas besser vorbereitet, als es Ilimera und Selinus gewesen. Sie schafften, als die karthagischen Streitmächte, im ganzen mit der Reiterei 120,QUO Mann (nach Ephorus 300,000), Iberer, Balearen, Kampaner, Phöuiker, Li- byer, Mauretanier und Numidier, sogleich nach ihrer Ankunft in Sicilien gegen die Stadt, vorrückten, alle Vorräthe vom Land in die Stadt. Die Karthager schlugen zwei Lager auf: das Hauptlager südwestlich der Todteustälte gegenüber, weil da, wo die Stadt an die Nekropolis stioss, die Mauern in gleicher Ebene mit der Vorstadt standen; das andere im (). der Stadt (vom Jliigel lo Sperone gegen S. lHelro hin). Der Hauptangriff auf die äusserst feste, auf ragender Hohe aufgebaute Stadt galt also jenem Funkt, wo (beim Ponte de Morti) die Mauern nicht auf höherem Boden standen. Die Akragantiner ordneten ihr Bürgerheer in zwei Abtheiluugen auf die Mauer und ; zum Ersatz. Beistand leistete ihnen der Lakedämonier Dexippos, welcher aus Heia mit löbo Soldaten angekommen war. Ausserdem nahmen sie «00 Kampaner in Sohl, welche die Burg besetzten. Nun beschlossen die karthagischem Feldherren, jene Stelle mit gewaltigen Bolagerungsthürmen anzngrei- fen; aber die Akragantiner machten einen Ausfall und zündeten sie an. Hannibal liess nun, um zur Mauerhöhe zu gelangen, einen hohen Damm aufschütten, dessen Errichtung aber viele Grabmäler zum Opfer fielen; zugleich traf das grosse Grabmal Therons in dieser Gegend (nicht das jetzt diesen Namen tragende) der Blitz. Dieses Zeichen sowie die Seuche, die nach der Aufgrabung jener Gräber entstand und als Strafe der Götter für die Entweihung gedeutet wurde, endlich auch Gespensterevscheinungen, am meisten aber der plötzliche Tod I lannibals schreckten die Angreifenden. Der zweite Heerführer, Himilko, liess daher das Niedervcissen der Gräber einstellen, opferte nach karthagischer Sitte dem Kronos einen Knaben und liess für Poseidon eine grosso Zahl von Opf'er- thieren ins Meer versenken. Das Flussthal läng*s der Stadt liess er bis an die Mauern j hin verschütten, wandte sich etwas mehr südwärts und wiederholte nun den Angriff mit Sturmzeug (gegen den jetzigen Poggio della Meta) Tag für Tag. Da nahte die Hülfe der Syrakusaner zu Land und zu Wasser. Sie brachten, durch Verbündete aus Messana und Italien unterstützt, unter Daphnaios, an den sich noch Kamarinäer, Geloer und Sikeler schlossen, 30,000 Mann zu Fuss und f>000 Reiter. Ilimilko sandte diesen die Iberer und Kampaner sammt 40,000 Mann entgegen; aber die Griechen schlugen die Feinde, deren über 0000 fielen. Die übrigen flohen, und jetzt wäre es in der Macht der Stadt gelegen, auch diese durch einen Ausfall zu vernichten; aber die Feldherren fürchteten einen plötzlichen Sturm auf die verlassene Stadt, und die Fliehenden retteten sich In das Ilauptlager. Wer Feldherren wurden im Zorn von den Akragantinern für jene Unterlassung gesteinigt. Daphnaios besetzte das verlassene östliche Lager, und die Reiterei der Akragautiner schnitt dem Lager die Zufuhr ab. Schon entstand Hungersnoth und die »Soldaten murrten. Da beschloss Ilimilko, der inne geworden, dass die Syrakusanor zur See eine grosse Ladung Getreide nach Akragas führten, rasch aus Palermo und Motye 40 Dreiruderer herbeizuholen, und brachte damit die sorglosen Getreideschiffe siimmtlich in seine Gewalt. Das brachte die Ilülfstruppcn in Akragas, die, auf eine kurze Belagerung rechnend, mit den Lebensmitteln verschwenderisch umgegangen waren, theilweise zum Abfall. Karthagische Bestechung mehrte die Klage, dass man bei solchem Mangel an Lebensmitteln den Kampf nicht fortsetzen könne. Die bestochenen Kampaner zogen (durch das Westtlior) in das feindliche Lager. Auch der Spartaner Dexippos, ebenso durch Gold gewonnen, verliess mit schien Truppen die Stadt; ihm folgten die Sikeler. Da beschlossen die Feldherren (»das Unglaubliche«), den Kriegsschauplatz anderswohin zu verlegen und die Stadt auf zugeben! Schon in der nächsten Nacht (einer Dccember- nacht) fand der allgemeine Aufbruch statt. Männer, Weiber, Kinder wunderten aus, überall erscholl lautes Jammern. Die herrliche Heimat sammt ihren Schätzen blieb dem Feind überlassen, und dazu die Kranken und Altersschwachen. Manche zogen der Auswanderung den Tod vor und entleibten sich, um am heimischen Herd das Leben auszuhauchen. Die Volksmenge wurde von bewaffneten Scharen nach Gela geleitet. Später räumten ihnen die Syra- kusaner die Stadt Leontini zur Ansiedelung ein. Ilimilko liess sein Heer mit der ersten Morgendämmerung in die Stadt einriieken und fast alle, die darin zurückgeblieben waren, tödten. Selbst die, welche sich in die Tempel geflüchtet hatten, wurden umgebracht. Der reiche Gellias soll sich in den Tempel der Athene geflüchtet und denselben verbrannt haben. Die Beute der prächtigen Stadt war unermesslich, da sie ohnehin nie zuvor zerstört worden und die Einwohner an Kunstschätzen und Kostbarkeiten die reichsten waren. Die kostbarsten Kunstwerke kamen nach Karthago. Vor der Zerstörung der Stadt liess Ilimilko seine Truppen darin überwintern. Dann lag die Stadt (58 Jahre lang in trauriger Verwüstung darnieder. Von Timoleon erst 338 dm-ch eine neue Kolonisation mit Eleaten wieder hergestellt, gelangte die Stadt doch nie wieder zu ihrer frühem Blüte. Doch gewann sie wieder so sehr an Macht, dass sie in der Zeit des Aguthokles mit Syrakus -wetteifern konnte. Diodor (XX, 31) berichtet: Um diese Zeit sahen die Akragantiner, dass die Lage Siciliens sehr geeignet sei für eine Unternehmung, und traten (als Vertreter der Demokratie und des Hellenismus) in die Sehranken, um einen Versuch auf die demoki’atische Vor steher schuft 385 10. Girgenti (Geschichtliches). 38C der Insel zu wagen. Sie dachten, die Karthager würden dem Krieg gegen Agathokles kaum mehr gewachsen sein, und die Syra- kusaner, durch Mangel an Lebensmitteln bedrängt, würden nicht mit ihnen um den Vorrang wetteifern können. Zudem rechneten sie auf den Beistand der zu befreienden Städte. Sie wählten Xenodikos zum Anführer. Er rückte sogleich gegen Gela, wurde durch einen Gastfreund hei Nacht eingelassen und bemächtigte sich der Stadt, der grossen Kriegsmacht und Geldmittel. Die Geloer unterstützten nun Akragas eifrig und befreiten die Städte; auch Enna ergab sich; dann bekämpfte Xenodikos die Leontiner und Kamarinäer, eroberte Eclietla und befreite viele Gebiete und Städte. Aber in zwei Schlachten geschlagen, verlor Akragas den Halt, und schon nach zwei Jahren musste es seine grossen Pläne aufgeben, »gleich fern von jeder Begünstigung der Tyrannei wie der Barbarei«, Ordnung und Frieden in Sicilien herzustellen. Kurz nachher fiel Akragas unter die Tyrannei des Phintias (286—280), der sich ein ausgedehntes Reich in Westsicilien gründete, zu einer Zeit, da Syrakus unter Hikctas (S. 710) stand, die Karthager und die Mamertiner ihm widerstanden, lliketas unterlag den Karthagern. An die Stelle des zerstörten Gela setzte Phintias, da, wo jetzt Licata steht, die neue Stadt Phintias bis zum jetzigen Fort S. Angelo hinan. Die Einwohner behielten jedoch den Namen Geloer (wie Münzen bezeugen). Phintias, zuerst ein grausamer Fürst, herrschte allmählich milder; seine angebliche Tödtung durch einen Eber ist eine durch sehie Münzen mit Eber entstandene Sage. Im ersten Panischen Krieg trat Akragas auf die Seite der Karthager und nahm Besatzungstruppen derselben in die, Stadt auf. Die Homer wandten sich im Jahr 2 (: 2 v. Chr. unter den Konsuln L. Postumias Illegellus und A . M'amillius Vilnius mit ihrer ganzen Macht ihrer 100,000 (verstärkt durch sämmtliclie sicillsclie Bundesgenossen) gegen Akragas (nach dem agrigentinisclicn Geschichtschreiber Pliilinus). Sie errichteten vor der Stadt zwei befestigte Lager im O. und W. und verbanden diese durch doppelte Gräben und "Wälle, um sich gegen die Ausfälle und gegen ein Entsatzheer zu sichern. Und nun warteten sie auf die Wirkung der Ilungers- noth. Sie selbst erhielten durch Iliero von Syraktts reichlichen Proviant, der in der nahen Stadt Herbessos aufgehäuft wurde. Aber nach fünfmonatlicher Belagerung kam unter Hanno von Ileraclea aus ein karthagisches Entsatzheer, nahm die Vor- rätlie und machte die Belagerer selbst zu Belagerten, die trotz Hiero’s Sendungen in Noth geriethen. Schon besprachen die Konsuln die Aufhebung der Belagerung, als Feuersignale aus Akragas dem Hanno die höchste Noth der Stadt verkündigten und er nun den Römern die Schlacht anbot. Die Römer, mit dem Muth der Verzweiflung, errangen einen glänzenden Sieg, und Unter-Italien. II, selbst die Elefanten der Karthager fielen in ihre Hände. In der Nacht verliess Han- nibal das unhaltbare Akragas, und es gelang ihm, seinen Heerestheil unangefochten über die Befestigungslinien der Römer zu retten. 25,000 Einwohner wurden als Sklaven verkauft (Diodor XXIII, ecl. 0), und Akragas war zum zweitenmal vernichtet. Dennoch sammelten sich in dieser schutzbietenden Naturveste rasch wieder neue Bewohner, und in demselben Krieg wurde sie nochmals eine Schutzmauer in den erbitterten Kämpfen Karthago’s gegen Rom und erst sieben Jahre später durch den Karthager Karthalon wieder genommen, welcher die Stadt im Sturm überfiel und die Mauern schleifte. Beim Frieden fiel sie jedoch wieder den Römern zu. Im zioeiten Panischen Krieg wurde sie durch Himilkon genommen und nun von den Karthagern gehalten, bis sie 210 v. Clir., zwei Jahre nach dem Fall von Syrakus, durch Verrath der Numidier in die Gewalt der Römer fiel (Livins XXVI, 10); denn der Feldherr der Numidier, Mutines, von Hanno wegen seines ihn verdunkelnden Ruhms zurückgesetzt, übergab die Stadt heimlich dem römischen Konsul J^aevinus. Die Numidier bemächtigten sich des Hafenthors (Porta aurea), vertrieben die Wachen und Hessen die Römer in die Stadt. Hanno entkam durch das Gclathor, fand zum Glück ein kleines Fahrzeug und überliess Sici- licn, um dessen Besitz so viele Jahre ge- gestritten worden, den Feinden. Nachdem Laevinus die Stadt wieder eingenommen, die übrige Menge der Punier tuid Sicilier an den Thoren erschlagen, die Häupter von Akragas mit dem Beil hingerichtet worden, Hess der Konsul die übrigen Einwohner und die Beute verkaufen und schickte alles Geld nach Rom. Als die Nachricht von dem Fall von Akragas sich in Sicilien verbreitete, neigte sich plötzlich alles vor Koni, ln kurzem wurden 20 Städte verrathen, 6 mit Sturm genommen, gegen 40 ergaben sich freiwillig. — Akragas horte nun auf, als griechische Stadt zu existiren, und sein Name wurde in Agrigentum romanisirt, das noch zu einer gewissen Nachblütc gelangte, denn im Jahr 179 v. Chr. wurde die Bevölkerung vermehrt und schied sich in Alt- und Neubürger. Cicero (Verr. IV, 43) entwirft noch ein lebendiges Bild von dem Festhalten der Bürger an ihren schönen Tempelstatuen gegen den räuberischen Prätor Verres. »Hast Du nicht die schöne Bildsäule des Apollo, auf deren Hüfte in kleinen silbernen Buchstaben der Name Myrons stand, zu Agri- gent aus der heiligen Kapelle des Aescnlap geraubt? Als er dies, ihr Richter, heimlich bewerkstelligt und zu diesem frechen Diebstahl einige schlechte Leute als Helfershelfer gebraucht, da gcrieth ganz Agrigent in Aufruhr, denn es vermisste die von Scipio zurückerstattete Bildsäule, den Gegenstand des heimatlichen Kultus, die Zierde der Stadt, das Erinnerungszeichen des Siegs, das Zeugnis der römischen Bundesgenossen- 13 388 887 10. Girgenti (Neue mul alte Stadt). schaft. Die Gemcindevorstände wiesen die Schatz- und Polizeibeamten an, Nachts vor den Tempeln Wache zu halten, denn Verres wagte die That nicht-offen. Nicht toeit vom Forum Agrigents ist ein sehr heiliger und verehrter Tempel de* Herkules. Dort befindet sich ein herrliches ehernes Bild des Herkules; nur ist die Oeffnung des Mundes und das Kinn ein wenig abgenutzt, weil man bei Gebeten und Danksagungen das Bild nicht bloss anzubeten, sondern auch zu küssen pfiegt. Gegen diesen Tempel erfolgte mm plötzlich in einer stürmischen Nacht ein Angriff bewaffneter Sklaven aus dem Haus dos Verres. Die Wächter und Iliitev des Tempels erhoben ein Geschrei, wurden aber mit Keulen zurückgetrieben. Die Thürflügel wurden erbrochen ; man versuchte die Götterstatue mit Hebeln wegzurücken. Aber die Agrigentiner hatten, durch das Geschrei aufgeweckt, die Waffen ergriffen, warfen .Steine auf die Sklaven und trieben sie in die Flucht.« Zu einer selbständigen Stellung kam Agrigent nicht mehr, und in den späteren Zeiten blieb allmählich der ganze weite Südwesttlieil und auch der Ostftiigel unbewohnt, bis die Stadt zu ihrer jetzigen, auf dieAkropolis beschränkten Grösse, herabsank. 82» bemächtigten sich ihrer die Saraeene». Erst 108(5 ward sie durch den normannischen Grafen Roger von denselben befreit, ummauert, befestigt und zinnBischofsitz erhoben. Die neue und die alte Stadt und ihr Boden. Die jetzige Stadt (20,646 Eimv.), obgleich im Gegensatz zur antiken die neue genannt, bietet eine sehr alterthümliche, von fern sehr imposante, grau in grau die obere Fläche eines Bergrückens aufsteigend bedeckende Häusermasse dar, eine gute Stunde vom Meer entfernt. Hier oben lag einst die Burg der mächtigen griechischen Stadt. Jetzt liegen vor dem Eingang durch die Porta del Ponte drei hübsche Anlagen zum Genuss der unvergleichlichen Lage Girgenti’s, unmittelbar vor dem Thor der Giardino Inglese, unterhalb desselben ostwärts die Esplanade, für nächtliche Beleuchtung eingerichtet, und oberhalb derselben die vegetationsreiche Villa, die bis zum Kastell aufsteigt. Die ganze Stadt wird von einer nicht sehr breiten, aber mit gutem Quaderpflaster belegten Strasse durchzogen; die Gassen gegen das Westthor und theilweise auch die gegen den Dom hinauf sind sehr vernachlässigt. Die mittelalterlichenMauern zeigen hier und da noch viereckigeThiinne, die Anlage ist viereckig nach der Windrose und hat deshalb auch vier Thore, von denen jedoch die Porta del Ponte, wo sich die Strassen von der Eisenbahn her und vom Porto Empedocle hinan vereinigen, den ganzen Verkehr vermittelt. Die Seitenstrassen sind meist so steil, dass sie für Wägen unpassirbar sind. Zu oberst thront die Kathedrale, und Gir- genti gilt als der reichste Bischofsitz in Sicilien. An der Ilauptstrassc erhebt sieh ein sein* stattliches Präfekturgebäude, und auch das Pathhaus zeigt ein Streben nach Eleganz, die sonst den meisten Häusern ganz abgeht; doch sieht man hier und da bemerkenswertlie Reste mittelalterlicher Architektur, besonders schon rcliefirte Portale. Zur Wasserleitung hat man theil - weise den antiken Aquädukt benutzt und von llegalmare (bei Comitini) her ein vortreffliches Wasser zngfdeitet, welches vor Porta di Ponte als Fontäne empor- sprudelt. Die Balkone, meist von massivem Stein und mit Skulpturen geschmückt, erinnern an Spanien, wie auch die Frauen dem spanischen Mauto ähnliche Shawls über die Kopfe ziehen; der gemeine Manu trägt gewöhnlich weisse Baumwollmütze, weisse Strümpfe, blauen Rock. Wie jede italienische Stadt, hat auch Girgenti sein Theater, freilich für sehr entfernte Epigonen des Aeseliylos. Mecr- wärts gewähren alle Höhen umher die herrlichsten Naturgenüsse, und kaum irgendwo kann die Schönheit eines sicili- schen Sonnenuntergangs grossartiger genossen werden, ln den höher gelegenen Theilen ist die Luft gesund, westl. gegen das Flussgebiet hingegen, sowohl im untern Theil des Thals delle Capoline als im Thal des Drago, herrscht Malaria. Der jetzige Hafen ist schlecht (S. 364), der antike llafen lag östlicher an der Mündung des Flusses. Die alte Stadt, das Akragas der Griechen und Agrigentum der Römer, eine Kolonie von Geht, dehnte sich ausserhalb des jetzigen Girgentinoch2St. weiter südwärts liinnb und hatte lOMiglien(2Va St.) Umfang; nächst Syrakus war sie die 389 390 10. G-irgenti (Neue und alte Stadt). grösste Stadt Siciliens;18Stadien(3330m.) vom Meer (d. li. zwischen der Mündung des Hypsas [Drago] und dem Seethor [Porta aureaj) entfernt, bedeckte sie eine ausgedehnte Anhöhe, deren viereckige Hochfläche ziemlich steil nach S. abfällt. Der ganze Umkreis der Stadt ist durch Natur und Kunst sehr fest, denn die Mauern laufen dem scharf abgeschnittenen und ringsum scharf abgerissenen Felsen entlang. Die Stadt ist auf zwei Seiten von Flüssen eingegrenzt: imW, und SW. vom Hypsas (jetzt Drago ), gegen den sich die Abhänge mit der Todtenstadt senken, gegen S. durch den Alcrägas (jetzt Fiume di 8. IHagio) , welcher der Stadt den Namen gab (wohl sikanischen Ursprungs). Die Griechen nannten den Flussgott Akragas einen Sohn des Zeus und der Nymphe Asteropc, der Tochter des Okeanos, und stellten seine Elfenbeinstatue in Gestalt eines blühenden Knaben als Weihgeschenk in Delphi auf(Aelian V.I1.II, 33), und die späteren Münzen (Flussfische, Bachkrebse, Jünglingskopf mit kurzen Hörnern, männliche Figur mit Namen) bezeugen die stete Verehrung. Der Boden zwischen beiden Flüssen, eine auf allen Seiten mit schroffen Felshängen umschlossene Hochfläche, die von NO. nach SO. abfällt, theilt sich in zwei Erhöhungen, welche durch ein Thal getrennt sind. Dieses Längsthal, an der Ostseite Uirgenti’s beginnend (als Vallone della Croce, weiterhin Valle delle Capolinc), läuft tief eingefurcht bis zum Fluss hinab. Die nordwestliche kleinere Erhöhung hat ihren höchsten Punkt (380 m.) da, wo jetzt die Kathedrale steht; sie dacht sich allmählich (an ihren olivenreichen Abhängen mit der ausserhalb der antiken Stadt liegenden Todtenstätte) nach SW. bis zum breiten Thal der Costa dell ? Annunziata ab. Die südöstliche grössere Erhöhung erreicht in der jäh nach N. abfallenden Felskuppe, der liupe Atenea, eine Höhe von 351 m. und trug auf ihrem siidwestl. niederziehenden Gehänge die Hauptmasse der antiken Stadt; in der Mitte ziehen in zwei Senkungen die Wasser- rinnen zur Südwestecke derselben und finden dort in der tiefsten Senkung des Stadtbodens ihren Ausgang. Das zwischen inne liegende weite Plateau wird im W. und O. durch hohe Ränder abgeschlossen. Der Westrand fällt von 180 m. Höhe (Poggio San Lionardo) gegen den Fluss hin auf Höhen von 100 m. (Poggio della Meta) und rascher zum Vulkantempel von 60 m. ab. Der Ostrand, in dem Einschnitt unterhalb des Cerestempels (220 m.) noch 160 m. hoch, hat an der Südostecke, wo der Junotempel erhaben über dem schroffen Felsrand thront, nur eine Erhöhung von 120 m. — Von da läuft dann der Südrand in einer geraden Linie von 1330 m. bis zum Herkulestempel, an dessen Rücken ein tiefer Einschnitt auf die moderne Strasse hinab das »Goldene I-Iafenthor« (Porta aurea) bezeichnet. Jen- seit desselben zieht dieselbe Linie noch neben dem Zeustempel zum Dioskurentem- pel hin, der, wie der ihm gegenüberstehende Vulkantempel, nur 60 m. hoch liegt. Jetzt decken die Altstadt Kornfelder und Bäume. Sie hatte drei Ilauptthore, im S. jenes Ilafenthor, im W. das nach Hera- kleia, im O. das nach Gelaund zw r eiNe- benthore, neben dem Tempel der Juno und dem der Dioskuren. Die Entfernungen waren bedeutend; die Hupe Atenea liegt 1910 m. von der Kathedrale ab, der Junotempel vom Vulkantempel ganz ebenso, dieser ist vom Dom 2300 m. entfernt. Man hat also Breiten- undLängen- distanzen von je einer halben Stunde zu durchlaufen, um zu den interessanten Punkten der antiken Stadt zu gelange]!. — Die antike Stadt war eine in jeder Beziehung prächtige und vom Anfang an als Grossstadt angelegt; sie überragte alle anderen Städte an vorzüglicher Anlage, Schönheit und Sicherheit. Namentlich musste der Saum des steilen südlichen Abhangs, w r o eine lange, ungebrochene Linie der schönsten Monumente griechischer Kunst aufragten, deren Ruinen jetzt noch die herrlichsten Siciliens sind, den zur See Ankommenden einen über die Massen prächtigen Anblick gewähren. Darunter sechs der erhabensten Tempel in jener majestätischen dorischen Ordnung, welche Grösse und Schönheit mit Einfachheit, Adel und strenger Würde in einer Weise zu verbinden wusste, wie sie die religiöse Kunst nicht wieder fand. Der Glanz, den die Herrscher schon früh dem öffentlichen Leben gaben, war ein Abglanz des innern Kunstsinns der Griechen; wollten auch die als grösstes Kulturvolk heranreifenden Hellenen im Bewusstsein ihrer geistigen Kraft und Be* dcutung diese Grösse wie andere Nationen in ihrer Blüte durch Kolossahverke vergegenwärtigen, so thaten sie dies doch als Griechen. Auch ihre gewaltigsten 13* 391 10. (ifirgenti (Neue und alte Stadt), 392 Festtempel gewinnen immer mehr das Mass und die ausgleichenden Verhältnisse der Schönheit. Nicht zu den grössten, aber zu den schönsten gehört der sogen. Junotempel an der Südostceke der Hochebene, in köstlichster, promontoria- ler Lage, er bezeichnet sehr charakteristisch den weitern Schritt zur kräftigem Formenbildung. Am Sudrand folgt in einsamer Erhabenheit auf einer kleinen Erhöhung der herrliche sogen. Concor dia- Tempel, der gleichzeitig den altdorischen Stil in seiner letzten Entwickelung wie den Anfang der höchsten künstlerischen Blüte darlegt und glücklicherweise einer der besterhaltenen dorischen Tempel ist; in ihm ist ebenso sehr das Streben nach höchster Kraftäusserung als nach den schönsten Verhältnissen zu voller Verwirklichung gelangt. Und nun weiter westl. folgt, mit den schmerzlichsten Gefühlen begriisst, nur als gewaltiger Ruinenhaufen, der lleva- hiestempel, einst bedeutend grösser als der Juno- und Concordiatempel und in seiner grossen Länge, der Ausladung der (in Blöcken herumliegenden) Kapitale lind der Verjüngung der Säulen noch einen ziemlich alterthünilichen Charakter darlegend; die Ueberreste des noch sehr hohen und schweren Gebälks zeigen noch farbige Bemalung. Was ihn aber der klassischen Zeit näher bringt, ist der herrliche Schmuck des Kranzgesimses,das an den gebogeuen Gliedern mit leicht re- liefirten Blätterwellen und an den schmalen , flachen Gliedern mit Mäandern verziert ist, während die Felder zwischen den wasserspeienden Löwenköpfen von Palmctten eingenommen sind. Einst prangten diese Verzierungen im lebhaftesten Rotli und Blau. Jenseit der durchschneidenden Strasse liegen die Kolossalruinen des grossen Zeus - Tempels. Hier ist die gymnastische Wucht und die strotzende Kraftfülle der sicilischen Griechen in so riesiger und massenhafterWeise zur Erscheinung gekommen , dass man den Tempelresten gleichsam noch den Uebermuth des Siegesbewusstseins ansieht. Nach der Schlacht vonliimera(480 v. Chr.) sollen die Sieger, wie Diodor berichtet, massenhaft gefangene Karthager uud Sikuler zum Bau verwendet haben. — Die Ironie des historischen Geschicks, vermöge deren die Stadt infolge griechischer Uneinigkeit und Selbstsucht durch die Karthager zerstört wurde, verhinderte die Vollendung des Riesenbaues, und der leicht verwitternde Stein, dem zu Gefallen die Säulen durch Mauern verbunden wurden, beförderte den Untergang. Den Spruch Blatons: »Die Akragantiner lebten, als ob sie morgen sterben sollten, und bauten, als ob sic ewig leben würden«, traf die Rache der Ueppigkeit, die einen höhern Werth auf das Riesenhafte der schönen und ewigen Formen als auf die Schönheit und Ewigkeit des Riesenhaften legte. Gleichsam sich selbst korrigirend, hegte der Tempel im Innern, wo er dem Himmel frei stand, cineAnzahlvon Gigautengestalten, welche mit Haupt und Armen als riesige Lastträger die Bezwingung der blossen Gigantenkräfte durch den obersten Gott versinnbildlichten. Die Verhältnisse dieses Tempels, -welcher der einzige altgriechische ist, dessen Säulen, anstatt das Haus frei zu umstehen, mit der Wandmauer verbunden sind, übersteigen den Poseidontempel zu Pästum (Bd. I, S. G06) im Flächeninhalt um das Vierfache! in der Höhe einst fast um das Dreifache. Westl. weiter lagen die Trümmer des sogen. Dioshurentempels, dessen wesentlichste Theilc in. einzelnen Stücken so gut erhalten waren, dass man aus denselben. die drei Säulen der Nordwestecke sammt dem entsprechenden Gebälk und Giebelstück wieder in die Höhe heben konnte; der obere Theil des Hauptgebälks stammt jedoch, von der Mitte der Tri- glyphen an, von einer Restauration aus römischer Zeit. Auch gegenüber, auf der jenseitigen Anhöhe, sowie 10 Min. südl. von der antiken Stadt und ebenso ganz in der Höhe, auf der südöstlichen und nordwestlichen Erhebung, liegen noch altdorische Tempelreste, ein Antentempel aus dem 5. Jalirli. v. Chr.; südöstl. von der Rupe Atenea acht herrliche dorische Säulen aus ziemlich alter Zeit in S. Maria de’ Grcci, und ganz in der Höhe steht selbst 304 393 10. (rirgenti (Weg-weiser). der Dom auf der Stätte eines antiken Tempels. Die Namen der Tempel stammen meist aus dem. 16. Jahrh. (von Fazello) und sind zum Tlieil ganz grundlos. Die Zeit liat nun ihre dunklen Tinten über alle ergossen, und wo sic frei, mitten aus der üppigen Vegetationen stiller Einsamkeit aufragen, stimmen sie in wunderbarer Harmonie zur gesammten Landschaft umher und werfen einen »heiligen Reiz« über die Felsen und Berge. Nächst Rom und Athen sind es die bedeutendsten Baureste der ganzen klassischen Zeit. Der Boden von Akragas und sein Gebiet bot den als Baumaterial leicht zu verarbeitenden Muschelkalk dar, und die Griechen wussten ihn so geschickt zu behandeln, dass die Tempel noch jetzt zu den besterhaltenen gehören, während der natürliche Fels und die Mauern zerbröckelt sind. Die Fugen der weichen, mit dem Messer schneidbaren Steinquadern sind so unmerklich, dass man sie aufzufinden genau Zusehen muss. — Die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens, der besonders an Getreide und Oel sehr ergiebig ist, sowie der Fleiss der Bewohner und die Nähe der grossen Handelsstadt Karthago erhoben Akragas bald zu einer der wohlhabendsten Städte. Schon in antiker Zeit gehörten Weizen und Gerste zu den Erzeugnissen ersten Ranges von Akragas, und die alten Münzen zeigen das Füllhorn, Getreidekörner, Cikade, Gerstenähren von solcher Schwere, dass ein Adler auf ihnen nistet > Mohn und Lotosblumen. Wie noch heute der Handel mit Wein und Oel hier der ergiebigste ist, so brachte er damals, als der grösste Tlieil des Landes von Oelbäumen strotzte und die Weingärten die grössten und schönsten waren, die grössten Einkünfte. Gegenwärtig kämpft die Baumwolle mit dem Getreide, und die Mandeln sind ein Haupterzeugnis geworden. Auch die Pferdezucht, auf welche die dorische Aristokratie hohen Werth legte, war eine bedeutende , denn Akragas war die »ritterliche« Stadt; der Grossvater des aus edlem Geschlecht entsprossenen Empcdokles pflegte die Pferdezucht und siegte in Olympia mit einem Viergespann; auch die Gespanne des Eumeniden Theron und seines Bruders erhielten Preise in Griechenland , und den Kampfrossen setzten die Akragantiner sogar grosse Grabmonu- mente; die Reiterei von Akragas war die beste Sieiliens, und noch Virgil (Aen. III. 703) nennt Agrigent »eine Mutter hochherziger Rosse«. Gegenwärtig sind die Maulthiere Girgenti’s die schönsten und kräftigsten. Auch an Schafen war das »schafenährende« Akragas reich, und die Wolle gehörte zur geschätztesten. Zusammenfassend ruft Pindar (Pyth. XIIj im Siegesgesang auf den Flötenspieler Midas von Akragas die Flussnymphe der Stadt an: »Ich flehe üir, Freundin der Pracht, Du schönste der irdischen Städte, Sitz der Persephone, dir, Am herdengesegneten Strand Des Akragas stattlich umbaute llöli’n bewohnend, Königin, Nimm, von den Sterblichen und Von ewigen Göttern geehrt, Huldreich von den Händen des Midas Diesen Kranz aus Pytho hin«. Wegweiser. I. Der Siidtheil. Die Porta Ponte (das Ostthor Girgenti’s, zu welchem die Bahnstrasse und Hafenstrasse hinziehen) verlassend, kommt man sogleich jenseit des Thors zur hübschen Anlage des Giar- dino Inglese, nordwärts durch die stattliche Casa di Beneficenza begrenzt, dann rechts der grossen Hafenstrasse niederwärts, an S. Calogero vorbei, zur (1.) Pas- seggiata (mitGaslaternen), einerTerrasse mit voller Sicht gegen das Meer hin. Nach wenigen Schritten folgt, jenseit der Windung der Strasse nach O., r. die Capuc - cini, jetzt provinziale landwirtschaftliche Anstalt. In 20 Min. von Porta Ponte erreicht man niederwärts (r.) die stattliche Villa Genuardi (des sicilischen Schwefelkönigs), die ziemlich vereinsamt ein Richtpunkt für die Topographie ist (die Villa kennzeichnet sich durchilire grossen Rundfenster in zwei Geschossen, ihren Balkon, die rothe Farbe des Mittelbaues und die gelbe der Flügel). Die Strasse beschreibt nun einen grossen Bogen. 3U5 10. Girgenti Bei dessen Einbiegung zieht 1. eine tief- gerinnte Strasse der Niederung zu, die Stelle des antiken Thors naeli Gela passircnd und unten in die Nähe des Junotempels rückend, der jedoch hier nur mühsam von der Südostecke erklettert werden kann. Jener Bogen der Landstrasse fällt wieder in die südliche Richtung. Von Villa Genuardi an in 17 Min. erreicht man S« Nicola (S. 399), eine normannische Kirche (neun Pinien erheben sich vor deren Kloster). Zur Kirche führt r. ein Seitenweg neben einer (sehr primitiven) Osterie vorbei. — Der rechten Längswand der Kirche entlang und hinter derselben 1. durch ein Gitter, kommt man in einen Garten, an dessen Hinterseite 1. ein antikes Sacellum steht, das Oratorium des Phalaris (S. 399) genannt. Nördl. hinter der Kirche führt ein Thor in den anstossenden Giardino Panitteri; hier ist vorn 1. an der Mauer ein schöner Rest eines * antiken Rundbaues mit korinthischem Gesims. — Von S. Nicolä, der grossen Landstrasse südwärts weiter entlang, kommt man nach 10 Min. zur ersten Seitenstrasse 1., die zur modernen Villa Aurea (mit Spitzbogenfenster*, der Villenname auf dem Portal von unten schon sichtbar) in 2 Min. hinanführt. R. von dieser Villa erreicht man in 2 Min. den ■*Heraklestempel (S. 400), dessen kolossale Trümmerhaufen die Höhe bedecken, welche von der antiken Südum- mauerung der Stadt begrenzt wird und gegen die Strasse hin steil abgeschrofft ist. — Zur Villa Aurea zurück, dann auf dem Höhenrücken auf fahrbarem Weg ostwärts weiter, erreicht man von der Villa Aurea in 4 Min. den sogen. **Coil- cordiatempel (S. 402), einen der besterhaltenen dorischen Tempel aus der edelsten Bauperiode Griechenlands. Dem fahrbaren Weg auf dem Höhenrücken ostwärts weiter folgend, gelangt man in 12 Min. zum sogen. **JunO-Lacinia- tempel (S. 405), einem dorischen Bau mit noch 16 aufrechten Säulen und ansehnlichen Gebälkresten aus der edelsten griechischen Kunstepoche, mit Prachtblick von der Ostecke des Hügelrandes auf die Höhen ringsum und in das tiefliegende Thal bis zum Meer, (Wegweiser). 396 Der Tempel liegt südl. gegenüber der Villa Carlo Vella, deren Siulausgang nur ein paar Schritte vom Tempel absteht; Passgänger, welche von Villa Gcimardi direkt zum Junotempel zu gehen wünschen, haben daher den Durchgang durch diese 1. von jenem Strassenbogen gelegene Villa nachzusuchen. Vom Junotempel kehre man zum Fahrweg des Hochritckens zurück (nun der 1. mit der Strasse parallelen nahen antiken Stadtmauer mit den Gräbernischen die Aufmerksamkeit zuwendend) bis zur Villa Aurea und von dieser niederwärts zur Landstrasse hinab ; dieser 2 Min. siidwestwärts folgend, kommt man beim ersten Seitenweg r. in wenigen Schritten zu den Trümmern des aus dem 5. Jalirli. v. Chr. stammenden **ZeusteiIipels (S. 410) hinan, in dessen Mitte am Boden noch ein riesiger Telamon wie aus zusammengewürfelten Fclsblöeken liegt. — An der linken Langseite des Tempels führt ein halb mit Gras bewachsener Fuss- weg in 2 Min. nordostwärts zum sogen. *Dioskurenteiupel (S. 412), dessen vier dorische Säulen mit Gebälk in der Neuzeit wieder aufgerichtet wurden. An der Südostecke, wo der Hügel gegen das Meer abfällt, liegen Reste eines unbenannten antiken Baues. Geht man einige Schritte nordostwärts (der gegenüberliegenden Stadt Girgenti parallel) durch die Wiese zum Höhenrand hin, so sieht man in eine (vegetativ überreiche)von festungsartigen Felswänden begrenzte Schlucht hinab. Hier dehnte sich einst die berühmte Piscina, der Fischteich (S. 413), aus. Die Oeffnungen in den Felswänden, sind dieUeberreste der Kanäle des Phäax, Kloaken (S. 413). Jenseit der Mitte der gegenüberliegenden Felswand sieht man (hart an der Eisenbahn) zwei Säulen, welche dem sogen. Yulkantempel (S. 414) angehören. — Kehrt man vom I.)ios- kurentempel zum Zeustempel zurück und von diesem zur Landstrasse, so führt diese r. nach wenigen Schritten zu einem Durchschnitt zwischen (1. oben) demHera- klestempel und (r. oben) dem Häuschen mit den Antichitä di Sicilia. Dieser Einschnitt, den die Landstrasse hier durchzieht, ist die Stelle der Porta aurca (S. 414), des antiken Hafenthors. — Jen- 10. Girgenti (Wegweiser). 597 seit dieses Einschnitts kommt man sogleich zu einer Krcuzstrasse (mit zwei Häusern, r. eine Osterie mit gutem, unverfälschtem Wein). Folgt man hier der Strasse 1. einige Schritte, so sicht man r. im Feld die sogen. Toillbil di TerollC (S. 415), zu welcher ein halb überwachsener Weg liinführt. Südl. (10 Min. entfernt) sieht man in der Kornebene ein einsames (modernes) Haus, das auf die Ruinen eines dorischen Asklepios - Tempels (S. 417) gebaut ist. II. I) er Nordtheil mit der jetzigen Stadt. — Den Scheitel der modernen Stadt, welche die Stelle der antiken Akropolis oinnimmt, krönt der *.I)01Uj S. Gerlando (S. 417), da wo der alte Haupttempel stand, der dem stadtscliirmenden Zeus geweiht war; die grossen Stufen und Quaderbauten, die aus dem Hoden hervorragen, gehören noch den antiken Resten an. liier stand auch der berühmte Stier des Phalavis. Jetzt beherbergt der Dom noch zwei antike Sarkophage, 1. zwischen erster und zweiter Säule (der Kustode hebt die Deckel ab) den berühmten * Sarkophag mit der Mythe des Hyp- polit und der Phiidra (S. 418). — ln der zweiten Horizontalstrasse siidwestl. unter dem Dom liegt (gegenüber Nr. 24) *S» Maria dei Grcci (S. 419), mit erheblichen Resten eines sehr alten dorischen Tempels, wahrscheinlich des Tempels der Athene aus der Zeit des Theron. — In der Stadt sind noch hier und da Reste von mittelalterlichen und P'rilhrenaissance- liauten erhalten, besonders einige schöne Portale (z. B. bei S. Domenico), 1. die Via deir Orfane hinan, in der ersten Strasse 1. (an der rechten Seite) an der Abhatella delle Orfane ein Portal aus dem 15. Jalirh., etwas höher an Pal. Gueli ebenso; noch höher an Pal. Filipazzi drei gotliisclie Fenster, die Via S. Sofia hinan, r. die verfallenen Reste des normannischen Pal. Buonadonna, an S. Giovanni (Via Ate- nea diesseit Porta Ponte) ein normannisches Portal, auf der Anhöhe darüber, am Monastero grande, ebenso. Im Municipio ist eine kleine Sammlung von Alterthü- mem und griechischen Vasen. — Jenseit Porta Ponte folgt auf den englischen Gar- 598 ten (s. oben) am Westgehänge des Athene- felsens derEingangzur Villa } einer baumreichen öffentlichen Anlage, die sich bis zum Kastell hinanzieht. Ausserhalb des Villaeingangs führt r. ein steiles Sträss- clien hinan; biegt man oben nach 1. und folgt dem Weg geradeaus, dann 1. hinan und dem Höhenrand ostwärts entlang, so kommt man nach 1 ji St. zu einem hohen steilen Felskopf, der x \Rupe Atenea (S. 420). Oben, wo wohl ein Heiligthum des Flussgottes Akragas stand, hat man einen Prachtblick über das ganze Gebiet. Dem Strässchen am Höhenrand ostwärts weiter entlang und etwas niederwärts kommt man in 10 Min. nach S. Biagio (S. 420), einer zerstörten normannischen Kirche, hinter deren Bogen die Reste eines sehr alten griechischen Tempels der De - metcr und Persephone liegen, eine einfache Cella. Auch von hier oben überblickt man die ganze antike Stätte von Akragas. Gute Fussgiinger können gegen die Steinbrüche liinab und um diese herum die Spuren der antiken heiligen Stranse verfolgen, welche in den Felsen eingesclmitfceu von WNW- zum Tempel hinauf führte; man gelangt dann an der Fontana Huonamorrone auf die grosse llafenstrasse bei Villa Ge- nuardi hinab. Zeiteinteilung. Man tliut am besten, zuerst seine volle Zeit und Kraft dem mdlichen Theil zuzuwenden , wo die berühmten Tempel liegen, die zum Schönsten gehören, was Sicilien bietet. Nachher hat man doppelten Genuss: nach Besichtigung der jetzigen Stadt im Nordtheil die ItujnJ Atenea und den Cercstempcl zu besuchen, mit ihrer Ueberschau Über die gesammte antike Stadt.—Weniger als Wa Tage sollte niemand auf Girgenti verwenden, das in der Touristen -Eile nicht genossen werden kann. I. Der Südtheil. Man kann den grössten Theil der Südseite zu Wagen besuchen. Aus der Porta Ponte, dem Ostthor Girgenti’s, aus welchem 1. die Bahnstrasse, r. die Hafenstrasse niederziehen, kommt man sogleich zur hübschen Anlage des Giardino Inglesc, mit Blumenflor, Bäumen und Sitzen, nordwärts durch die stattliche Casa di Beneficenza begrenzt; dann r. der grossen llafenstrasse nach niederwärts an S. Calogero vorbei zur 400 399 10. Girgenti (S. Nicola - Heraklestempel). (1.) Passeggiata, einer Esplanade mit Anlagen und. Gaslaternen und voller Sicht gegen das 1 St. entfernte Meer hin. Nach wenigen Schritten folgt nach der Ostwindung der Strasse r.das Istituto agrar io provincialc in dem aufgehobenen Kapuzinerkloster. In 20 Min. von Porta Ponte erreicht man niederwärts (r.) die stattliche Tilla Geimardi (Eigenthum des sicilisclien Schwefelkönigs), welche ziemlich alleinstehend einen Orientirungs- punkt bildet; sie kennzeichnet sich durch die grossen Rundfenster in zwei Geschossen, den Balkon, die röthliclie Farbe des Mittelbaues mit gelben Flügeln. - Die Strasse beschreibt nun unterhalb der Steinbrüche einen grossen Bogen. (Die erste Strasse I, fast geradeaus nach 0. ziehend, passirt die Stelle des antiken Thors nach Gela, zieht tief durclirissen und durchfurcht jäh ins Thal nieder und kommt unten in die Nähe des [r. oben] Junotempels, der jedoch hier nur mühsam von der Südostecke erstiegen werden kann.) Der grosse Bogen der Ilafen- strasse fällt wieder in die südliche Richtung und zieht nach (17 Min. von Villa Genuardi) S* Nicoläj dessen malerischer Anblick durch neun köstliche Pinien eingeleitct wird. Das verlassene Kloster zeigt an der Schmalwand noch drei Spitzbögen des lü. Jahrli. Zur Kirche geht man r. von der Strasse an einer (höchst primitiven, schmutzigen) Osterie vorbei; die Parade hat noch ihr altes normannisches Portal mit fünf Rundbögen auf dreibänderigen Kapitalen; unter dem Sims drei kleine Marmorwappen, 1. zwei Heilige, Mitte zwei betende Hände, r. S. Georg; die Holzthür mit aufs Eck gestellten Vierecken, der Chor nochtheilwei.se mit der ursprünglichen Dekoration. Der rechten Längswand der Kirche entlang und hinter derselben 1. durch ein Gitter (der Aufsehliesserin 25 C.), kommt inan in einen Garten; an seiner Rückseite 1. liegt das sogen. Oratorium des Phalaris, ein oblonger römischer Bau, dessen Pilaster attische Basen und dorische Kapitale zieren; in normannischer Zeit zur Kapelle umgewandelt. Es misst <> m. im Geviert und hat vorn und hinten ein Spitzbogonthor erhalten; autlk sind die vorragenden Pfeiler an den Ecken, der Architrav und ein Stück Gebälk mit den Tropfen; der Bau rullt auf ziemlich hoher Basis und hatte einst einen viersäulige Porticus mit Freitreppe vor sich. (Ii. volle Aussicht auf die moderne Stadt, 1. auf das Meer.) NÖrdl. hinter der Kirche S. Nicola führt ein Thor in den anstossenden Giar- dino Panitteri (dom Thoröffner 25 C.); hier ist vorn 1. an der Begrenzungsmauer ein schöner Rest eines * antiken Rundbaues mit gut erhaltenem korinthischen Gesims. — Von S. Nicola der grossen Landstrasse südwärts weiter entlang, kommt man nach 10 Min. zur ersten Seitenstrassei., die zur modernen Villa Aurea in 2 Min. hinaufführt (das Kasino hat Spitzbogenfenster, und der Name der Villa über dem Portal ist schon von unten sichtbar). — R. von dieser Villa erreicht man in 2 Min. den *Heraklesteillpel (tempio di Kreole), dessen kolossale Trümmerhaufen die Höhe bedecken, welche von der antiken Südmauer der Stadt begrenzt wird und hier steil abgeschrofft ist. ln der wild durcheinander geworfenen Masse erblickt man prachtvolle Kapitale, Gesimsstüeke und riesige kannelirte Säulenglieder, welche darlegen, dass dieser zweitgrösste Tempel in Akragas, der in den Dimensionen. mit dem Parthenon wetteiferte und diesem in Plan und Anlage gleich, zu den bedeutendsten Werken der ersten griechischen Blütezeit gehört. Es war der schönste Tempel von Akragas. 38 kannelirte Säulen umzogen ihn im Rechteck, 15 an jeder Längsseite, sechs vorn und rückwärts (PeHpteros hexastylos)- beide Schmalseiten wurden durch einen Porticus eingeleitet. Der Tempel war bemalt (schöne polychrome Fragmente sieht man im Museum von Palermo, S. 228). Der Tempel erhob sich arif vier Stufen; den Eingang bildete eine achtstufige Freitreppe; der Fussboden des Peristyls (noch theihveise erkennbar) bestand aus 8 F. im Geviert messenden Fliesen. — Die Säulen waren kannelirt, hatten etwas mehr als D/'a Durchmesser Höhe und verjüngten sich nach oben um etwas mehr als l U', die Schäfte bestanden aus vier Trommeln, welche um Pfropfen von Blei oder Holz , für welche noch viereckige Löcher vorhanden sind, herumgedreht und eingeschraubt waren; noch kann man theilweise an kleinen Stümpfen die ursprüngliche Aufstellung verfolgen, so auf der Südseite (von O. an gezählt) Säule 2, 3, 7, 9, 12, 13; auf der West- 401 402 10. Oinrenti (Concoi'diatempel). seile die drei Mittelsäulen, auf der Nordseite die 14., welche noch drei Trommeln hoch steht; die Säulen der Ostseite fielen (wohl durch Erdbeben) nach SO., die der Südseite nach S., die der Westseite nach N., die der Nordseite nach aussen (nach innen wohl auch durch Menschenhand). Der Durchmesser der Säulen ist unten 8, 6, oben 6 Palmi. Die Zahl der Hohlkehlen 20, die Höhe des Schafts 33, 1 P., die Höhe des in kühner Parabel geschwungenen Echinus des weitausladenden Kapitals 2, 36 P.; der Echinus hat vier ltinge, die Höhe des Aba- eus beträgt 1, 10, 6; die Säulenzwisclien- räume betrugen 0, 4, 8; die Breite des Säulenbodens (Stylobats) im O. 37, 9; im W. 37, 1, 8 X-’almi. — DasGebälk ist gänzlich zmBoden gestürzt; •— der Arch itrav misst 6, 3 Palmi; die (rotlie) Tänie 0, 6, 4; die (blaue) Regula 0, 6, 2; die Tropfen 0, 3; der Raum dazwischen 0, 5, 6; der Fries ö, 10, 2, die Breite der Triglyphen 3,11, 2 , die Breite der Metopen 4, 0 P. Diese Verhältnisse bezeugen, dass der Tempel jener griechischen Kunstepoche angehört, in welcher die Masse die schönste Symphonie erreichten. — Das Kranzgesims (Fragmente im Museo zu Palermo) ist wegen seiner Schönheit berühmt, Löwenköpfe in edlem strengen Stil schmückten die Sima der beiden Langseiten; die Antefixen der Firstziegel bildeten prächtig geschwungene Palmetten; die einzelnen Glieder waren bemalt (Mutuli blau, Scotia roth, Geisonfläclie hellgelb; Anthemion roth, mit blauer Einfassung und weissen Furchen; die Zungen der Löwen roth etc.). Eine kleine Stufe führt zum Pronaos (erste Tempelabtheilung), der im untern Theil ganz erhalten ist; seine Gesammtbreite ohne die Wände beträgt 40, 8 Palmi; die Dicke der Wände 5, 5, 8; die Länge des Pronaos 29, 9; die Front der Ante 6, 5P. Der Durchmesser der Säulen unten 7, 3,6; die Zwischenräume zwischen Ante und Säule 7, 8, zwischen den beiden Säulen 10, 9 p. Es ist noch ein inneres Gebälk in einzelnen Blöcken erhalten. — Zwei kleine Stufen führen zur Cella, die in drei bis vier Lagen erhalten ist; sie war hypäthral (in der Mitte offen); die Nordwand ist nach innen gestürzt und die Blöcke liegen auseinander, aber in regelmässiger Folge auf dem Boden; unmittelbar innerhalb des Eingangs sieht man noch die Spuren der viereckigen Treppenbauten; die westlichen Stücke der Cellamauer sowie die Mauer des Posticums (der dritten hintern Abtheilung) entstammen nicht der altgriechischen Zeit, es fehlen die quadratischen Blöcke, die Fügung ist weniger sorgfältig, die Färbung eine andere. Man suchte hier, wo das Götterbild stand, wohl nach Schätzen und zerstörte die Wand. Der spätem Restauration gehören auch die drei an die Posticum-Mauer angelelmten kleinen Kammern an, deren mittlere eine Art (gegen die Cella offenes) Vestibül hat. — Das Material des Tempels ist wie bei der Mehrzahl der sicilischen Tempel ein nicht ansehnlicher, poröser Muschelkalk. Der Name des Tempels kann der richtige sein, da der Herakleskultus den Doriern stammeseigen war. Cicero nennt den Her- kulestempel »nicht weit vom Forum« gelegen , und das Forum der maritimen Städte lag gewöhnlich in der Nähe des Hafenthors. Cicero (Verr. IV, 43) berichtet: Nicht weit vom Forum Agrigents ist ein sehr heiliger und verehrter Tempel des Herkules. Dort befindet sich ein herrliches ehernes Bild des Herkules, nur ist die Oeffnung des Mundes und das Kinn ein wenig abgenutzt, weil man bei Gebeten und Danksagungen das Bild nicht bloss anzubeten, sondern auch zu küssen pflegt. Gegen diesen Tempel, bei welchem auf Anordnung der Gemeindevorstände die Schatz- und Polizeibeamten Nachts Wache hielten, erfolgte plötzlich, da Verven die Tliat nicht offen wagte, in einer stürmischen Nacht ein Angriff bewaffneter Sklaven aus dem Haus des Prätors. Die Tempelwächter erhoben ein Geschrei, wurden aber mit Keulen zurückgetrieben; die Thürflügel wurden erbrochen, man versuchte die Herkulesstatue mit liebeln wegzurücken. Aber die Agrigentiner hatten, durch das Geschrei aufgeweckt, die Waffen ergriffen, warfen Steine auf die Sklaven und trieben sie in die Flucht. Zur Villa Aurea zurück, dann auf dem fahrbaren Weg desIIÖherüekens ostwärts weiter, erreicht man in 4 Min. den sogen. x *CoilCOr(liatempel, einen der besterhaltenen altdorischen Tempel aus der edelsten Bauperiode Griechenlands. Alle Umgangssäulen und selbst die Cellawände stehen noch aufrecht! Und dieser Prachtbau, der Glanzpunkt Siciliens, thront in einsamer, freier Majestät auf einer natürlichen Erhöhung, am Rand des Absturzes, mitten in der reizendsten Landschaft! Den unglücklichen lateinischen Namen erhielt er von einer auf dem Forum gefundenen lateinischen Inschrift auf einem Altar der Eintracht zwischen Agrigent und Lilybäum; sie ist aber 700 Jahre jünger als der Tempel. — Noch erheben sieh 34 kannelirtc dorische Säulen auf dem ursprünglichen Stereobaten, 13 an jeder Langseite, sechs je vorn und hinten (Ilexastylos perip- teros); noch sind die Stufen ganzerhalten, sowie die den Eingang der Cella flankiren- den Treppengebäude. In Absätzen von je fünf Stufen steigt man hinan und oben gewinnt man einen,trefflichen Einblick in das Ganze dieses an harmonischer Schönheit und majestätischer Einfachheit dem Parthenon (welcher freilich an Mate- 40: 10, ttii'geiiti (Concordiateinpdl), 404 rial und Ausführung noch auf einer hohem Stufe stellt) sieh anuäheruden Baues. Der Tempel ist erst im Jahr 1450 durch den Bischof von Girgenti, leider in wesent- Cella fürBielitöffmmgcn gesprengt. Diese Kirche wurde später verlassen, und der Tempel 1748 durch den Fürsten Torre- muzza theilweise hergestellt. immi liehen Theilen, sehr verdorben worden, da dieser eine Kirche »8. Greyorio delle Hape« hinein oktroyivte. Die Peristylsäulen wurden übertüncht, die Wand zwischen Naos und Posticum weggebrochen und zwölf Bögen in die Seitemnauern der Vom Säulcnboden (Stereobat) sind zwei ins drei Lagen auf der West- und Südseite, eine Lage auf der Nordseite (durch eine Mauer getragen) erhalten; an der obersten Lage sieht man zwei eingeschnittene, übereinander vortretende Streifen. — Die Stufen sind noch vollständig vorhanden; die unterste 0,50 m., die zweite 0,46, die dritte und 405 406 10. G-irgenti (Tempel der Here Lacinia). vierte 0,45 m. hoch. — Der Säulenumgamj (Peristyl) ist nur an wenigen Stellen rcstau- rirt; die Säulen haben vier Trommeln mit 20 Kannelüren (Hohlkehlen), der untere Durchmesser beträgt 5,7, der obere 4, 5, die Höhe des Schafts 23 Palmi; der Echinus, in schön geschwungener Linie ausladend (doch erreicht der äusserstc Punkt das Senkblei nicht ganz), ist 1, 2,3 P. hoch; der Abacus 1,1,9; seine Front 6, 9 P. breit; der Zwischensäulenraum 6, 10; vom Gebälk ist noch das meiste erhalten, der Architrav überall; er ist 4, 2, 0 hoch; der Fries 5P.; die Triglyphen sind 2, 5, 6 P. breit; ein Tri- glyph und eine Metope bilden zusammen je ein Stück; der Fries ist auf der Ost- und Westseite noch unversehrt, auf der Südseite westl. noch in drei Stücken, östl. in ; einem Stück erhalten, auf der Nordseite ; westl. in vier Stücken, er ist 0, 3, 2 P. eiu- gezogen. — Das Gesims hat eine Höhe von 2, f>, 3 P., springt vor 2, 1 P.; es ist aus sechs Profilgliedern übereinander gebildet; erhalten sind noch Ost- und Westseite, auf der Siidost-, Südwest- und Nordwestecke je ; ein Stück. — Das Dach hat noch die Giebel der Ost- und Westseite; ihre Höhe beträgt 8, 1, 55 P.; das Giebelfeld tritt stark zurück; das Profil des Gesimses besteht aus einem Kymation und einer weit aushängenden Platte- — Dem IVonaos fehlt nur das Dach; der Durchmesser seiner Säulen ist unten 4, 11, oben 3, 11 Palmi; die Höhe der Säulen mit Kapital 24, 9, 6, des Echinus 0, 11, 3, des Abacus 0, 11, 8 P.; die Front des Abacus misst 6, 5, 10 P., der Zwischenraum zwischen Ante und Säule 1,50 m., zwischen den Säulen 1,00 m.; der Architrav ist 3, 10, 0, der Fries 3, 5, 9 Palmi hoch; das Gesims hat keine Hängeplatte. Die Treppen innerhalb des Cellaeingangs s. oben. Der Opisthodom ist ganz erhalten und hat die Masse des Pronaos. Die Cella hat eine Länge von 59, 4, 6, eine Breite von 29, 5, 6 Palmi ohne die Mauern; sie ist etwas über das Peristyl erhoben; die Gesarnmtlänge des Tempels beträgt 163, 3, die Gesammtbreite 76, 4 P. — Das Gebälk ist von etwas schwereren Verhältnissen als beim Parthenon und misst beinahe die Hälfte der Säulenhöhe; die Wände der Cella sind von überaus sauber und regelmässig zusammengefügtem Mauerwerk; die Bedachung fehlt, ebenso jede dekorative Skulptur. Dein fahrbaren Weg auf dem Höhenrücken ostwärts weiter folgend, gelangt man, r. von der antiken Stadtmauer mit ihren Gräbernischen begleitet, in 12 Min. zum sogen. **Tempel der Here Lacinia (Tcm- pio di Giunone), ebenfalls ein altdori- schcr Bau von ca. 500—480 v. Chr., eine überaus malerische Säulengruppe an der Südostecke des alten Akragas bildend, 120 m. U.M., mit der prächtigsten Ueber- scliau des alten Akragas und seiner Tempelruinen. Der Tempel hatte 13 Säulen an jeder Langseite (mit den Ecksäulen) und sechs Säulen au jeder Schmalseite. Von den 34 Säulen stehen noch 16 kan- nelirte vollständig aufrecht; von den übrigen sind bis auf vier noch ansehnliche Reste vorhanden, und die Nordseite zeigt noch den ganzen Architrav mit drei Blöcken des Frieses. Der Tempel bildet den Ostsehluss dieses mit derScencric ringsumher schönsten Tlieils Uirgenti’s; »kaum mag es einen Ort geben, wo der bewundernswürdige Geschmack der Griechen sich eine günstigere Lago für die Bauten erkor!« Kunst und Natur unterstützen sich hier wunderbar. Der Tempel stand wegen der Ungleichheit des Felsbodens auf einer Basis, die im W. und N. am höchsten ist, gegen O. sich abflacht und an der Nordostecke verschwindet; die Südwestecke steht hart über dem Abgrund. Das Fundament ist aus vier Lagen gebildet, jede oben durch ein Band verziert; dann folgen vier lialbmetrige Stufen; eine grosse Freitreppe führte zum Porticus am Ostende. — Vom Sätdenumgang sind bis auf vier Säulen der Südseite alle Säulen vollständig oder in Bruchstücken an ihrer ursprünglichen Stelle erhalten; an der Nordseite sämmtliclie mit den Kapitalen, ebenso die beiden an der Südostecke; sie stehen auf einem durchlaufenden Sockel von 0,12 m. Höhe und 1,50 m. Breite, sind aus vier Trommeln gebildet und haben 20 Kannelüren. Der untere Durchmesser der Säulen misst 5, der obere 3, 11 Palmi, die Höhe des Schafts 21, 10, die schön geformten Kapitale sind mit dem Schaft durch zwei Astragalen verbunden; der Echinus ist sehr wenig geschwungen, mit den (viereckigen) Ringen 1, 3, 10 P. hoch; der Abacus 1, 3 P.; die Front desselben misst 6, 7, der Zwischensäulenraum 6, 9 P. Der Säulcnboden senkt sich gegen die Cella und erhebt sich nun im W. gegen den Opisthodom. Auf der Südostscite sind die Säulen schon stark erweitert. — Vom Gebälk blieb erhalten: der Architrav der ganzen Nordseite und eines Theils der Ostseite, doch meist nur die äussere Lage; er Ubertrifft den Fries an Höhe um V& (ein charakteristisches Kennzeichen des frühem dorischen Stils); Höhe 4, 6, 6 P.; der Tänia 0,4, 6, Regula 0, 4, 5, Tropfen 0, 2 P.; Länge eines Architravbloeks 2,32 m.; Dicke 0,60 m. — An den Schmalseiten aller Blöcke sieht man eingeschnittene Hufeisenformen, in denen die Taue lagen, mittels welcher die Steine gehoben wurden. Am Architrav der Nordseite sieht man noch die Blöcke vom Fries; seine Gesammthöbe ist 4 P.; die Breite der Metope 0,92 m., der Triglyphen 0,63 m., der Stege 0,oo m., der Schlitze 0,07 m.; Dicke der Stücke 0,75 m. — Vom Gesims sieht man am Peristyl ein Bruchstück mit feinem Stuck und undeutlichen 10. (lirgeiiti (Tempel der Ilere Lacinia). 409 10. Girgenti (Zeustempel). 410 Tropfen; es war 1, 11 Palmi hoch, der Giebel 8, 6 P. Die Cella ist in Antis an beiden Enden. — Im JFVonaos sind die Rümpfe der Säulen und Thoile der Anten erhalten. Der Durchmesser der Pronaossäule beträgt 4, 7 P.; der Zwischenraum zwischen Säule und Ante 1,64 m., zwischen den zwei Säulen 1,82 m.; zwischen Säulen und Anten sind zwei kleine Stufen, einst auch Gitter (denn noch sieht man die Angellöclior); die Länge des Pronaos 18, 11, 6P.; die Breite (ohne die Wände) 29, 3; die Dicke der Wände und Anten 3, ii, 6; die Länge des Opisthodom 18, 9 P; Breite und Masse der Säulen und Anten wie im Pronaos; Gesammtlänge des Tempels 158, 10, 3, Gesammtbreite 75, 8 P. — Die Cellawände sind in massivem Mauerwerk errichtet worden, die nördliche Mauer ist nach innen gestürzt, die südlichein das Peristyl; es stehen noch drei bis vier Lagen der Cella. Jenseit des Eingangs bemerkt man an den Seiten des Portals die Reste der viereckigen Trep 2 ->on- gebäude. Ein Stück des Postaments für die (iblterstaiue, mit vier Stufen, steht noch im Naos mitten unter den eingestürzten Blassen. Im Peristyl sind noch die grossen viereckigen Pliosen theilweise erhalten, mit einer Abzugsrinne. Das Alter des Tempels bezeugen die Gedrücktheit desEcliinus, das Ueberwiegen ! des Frieses über den Architrav, die Einfach- j heit der Verzierung, die Reinheit des Stils, : die Sorgfalt der Aufführung. (Der Aufgang ! im O. gehört einer spätem Epoche an.) — Der Name des.Tempels ist unrichtig, denn die Tradition, dass diesen Tempel das Bild der Helena von Zcuxis geschmückt habe, dass er nach den fünf schönsten Jungfrauen gemalt, beruht auf einer Verwechselung mit Kroton, wo er für den Tempel der Here Laeinia bestimmt war (Plinius 35, 9), verglichen mit Cicero, de inv. Rhet. 2,1.—Holm vermuthet, der Tempel sei dem Poseidon geweiht gewesen, da die Schiffahrt die Quelle des Glücks der Stadt war und fast alle Bliin- zon von Akragas die Embleme des Poseidon zeigen (Seekrebs mit Aal, Delphin. Seeun- geheuer, «Seepferde, Thunfische, Blusehein, Meerzwiebeln, Purpurselinecken, Tritonen). Dem Tempel gegenüber sieht man noch zwei Terrassen mit Spuren von Ritzen vor dem Porticux, zur Schau der Processionen. Unter der Nordwestecke des Tempels liegt ein kegelförmiger Brunnen in den Felsen eingehaucn; unter demselben einige Gräber. Der Tempel liegt südl. gegenüber der Villa Carlo Vella, deren südlicher Gartenausgang nur ein paar Schritte vom Tempel entfernt ist. Fussgänger, welche von Villa Genuardi direkt zum Junotempel zu gehen wünschen, haben daher den Durchgang durch diese 1. von jenem Strassen- bogen gelegene Villa nachzusuchen. gehend, wende man seine Aufmerksamkeit der 1. parallel laufenden antiken Stadtmauer und den Gräbernischen zu. Die Stadtmauern sind hier aus dem natürlichen Felsen gehauen, welcher gegen das Thal hinab einen hohen Wall bildet, und die Innenseite der Mauer ist durchweg für Begräbnisnischen benutzt. Akragas lieferte auch den Bluseen die durch Zahl, Bedeutung und Schönheit hervorragendsten Fasen-Sammlungen Siciliens, Vasen altern Stils in schwarzen Figuren (besonders Lokythoi) und grössere mit mannigfachen Darstellungen alten Stils , selbst mit der grössten Sauberkeit und Feinheit der attischen Zeichnung, weit häufiger rothe Figuren im ernsten bis zum zierlichen Stil, häufig mit Inschriften. Zur Villa Aurea zurückgekehrt, gehe inan hier r. niederwärts zur Landstrasse hinab. Folgt man dieser 2 Min. südwärts, so kommt man beim ersten Seitenweg r. in wenigen Schritten zu den (versteckten) Trümmern des *Zeustempels hinan (Tempio di Giovc), eines griechischen Kolossaltempels in dorischem Stil, der schon im ' Alterthum exakt beschrieben wurde, jetzt ein gewaltiger Trümmerhaufen mit : Blöcken der Halbsäulen, Kapitälcn, Tri- i glyplien, ungeheuren Kannclüren; in der Mitte am Boden ein aus den ^Riesen- blocken wieder zusammengesetzter Tc- lamon (männliche Gestalt, als Gesinis- | stützer). DerTempel hatte 14 kannclirtc | ITalbsäulen an jeder Langseite, die Ecksäulen einbegriffen, und sieben Halb- 1 säulen an jeder Front in den kolossalsten Verhältnissen; es fehlte der gewöhnliche freie Säulemungang, denn die Aussen- säulen sind halb von einer Mauer umschlossen. Der Tempel war also pseudo- periptcral. Die Säulen wurden mit den Wänden aus demselben Mauerwerk errichtet. Der Raum über der Cella stand wohl offen, war hypäthral. Der Sockel an den Säulen, der Mangel der Thür, die Siebenzahl der Säulen, die Pseudoperi- pteralform, die seltsame Form der Cella, das Ornament der Telamonen, lauter Dinge, welche sonst in der griechischen Baukunst nicht Vorkommen, machen die- Vom Heretempel, dem Weg des Hochrandes entlang, wieder westwärts zurück- sen Riesenbau, der zwischen 480 — 400 v. Chr. errichtet wurde, zu einem Räthsel 411 10. (3-irgenti (Dioskurentempcl). 412 in der Entwickelungsgeschichte der griechischen Kunst. Der Tempel des Zeus, Olympios (das Olyra- pieion), ist der einzige Tempel von Akragas , dessen Name völlig sicher ist. Er wurde nach, dem grossen Sieg bei lUmera (480 v. Chr.) begonnen, als die Zahl der karthagischen Gefangenen so bedeutend war, dass manchen Bürgern von Akragas f>Oü zugetheilt wurden. Bis zum Dach fertig, ward sein Bau plötzlich durch die karthagische Eroberung der Stadt (400 v. Chr.) für immer beigelegt. Folybius ( 5), 27) nennt ihn hinsichtlich Entwurf und Grösse keinem der griechischen nachstehend, und Diodor (13, 82) sagt von ihm: »Das Olympieion hat iu der Dünge -140 Fuss, in der Breite 60 (d. h. 160), in der Höhe 120 ohne die Stufen; es ist der grösste Tempel in Sicilien, doch wurde er wegen des Kriegs nicht vollendet und erhielt keine Decke. Er hat mit Mauern verbundene * Säulen , denn diese Meier. Grundriss des Zeustompels zu (lirgenti. sind mit dem Mauerwerk zusammengebaut; sie sind aussen rund und gegen das Innere des Tempels viereckig. Der äussere Umfang der Säulen, deren Hohlkehlen so breit und tief sind, dass ein Mensch sich in dieselben hineinstellen kann (was NB. die Reisenden noch jetzt meist thatsächlich erhärten), misst 20 Fuss, inwendig 12 Fuss. An den Hallen, die eine ungemeine Grösse und Höhe haben, ist auf der Ostseite der Gigantenkampf dargestellt, in sehr grossen, vortrefflichen Hochreliefs, auf der Westseite die Eroberung Troja’s, in welcher man jeden Heroen in seiner charakteristischen Eigen- thümliclikeit sehen kann«. — Leider wurde erst im 18. Jjihrli. ein grosser Theil der Trümmer für den Bau des neuen Hafens verwendet! Vom Säulenboden ( Stereobat) sind die Hälfte der Ostseite und Stücke der Nordseite erhalten, aus drei Lagen bestehend (unverziert), dann folgen fünf Stufen, darüber der Sockel für die Halbmulen und ihre Verbindungsmauern; den Halbsäulen entsprechen nach innen Pfeiler. Man sieht noch die Fundamente der Halbsäulen, 2—4 an der Ostseite, 6 — 0 an der Nordseite, 2 — 7 an der Südseite, Ecksäule im Nordwesten. Der Durchmesser derl lalbsäulen beträgt unten 13, 6, oben 11, 4, öPalmi; sie springen bis 8, 10 Palmi über das Mauerwerk vor und stehen auf einer kleinen Basis (0, 9 P. hoch); die Zahl ihrer Hohlkehlen beträgt neun ganze (je 2 P. Durchmesser) und zwei halbe; die Dicke der Verbindungsmauer beträgt 5,3, 6 P.; die Pfeiler springen nach innen 2, 7, 6 P. vor. Der Zwischensäulenraum beträgt gegen innen 4Vs m.; die Höhe der Säulen muss ohne Kapital ca. 57 Palmi gemessen haben; der Architrao ist 10, 4, 7 P. hoch; der Fries, aus ungeheuren Einzelblöcken zusammen gefügt, 12, 5, 6 P.; die Breite des Triglyplis 6, 30, 6 P. Wie das noch vorhandene Fundament der mittelsten (vierten) Säule an der Ostseite bezeugt, kann keine Tempelthür liier gewesen sein. — An den Ausscmnaucrn, die jetzt theilweise mit Kaktus bewachsen sind, kann man den Umfang des Baues noch grosse Strecken weit verfolgen. Der Iliesen-l'elamon am Boden, 7,7» m. lang (!) und von einer Schulter zur andern 2,05 m. breit (!), gehört zu eiuer Reihe von Gesimsträgern an den Wänden der Cella, von denen die Fragmente zu 11 aufgefunden wurden; sie sind nackt, tragen eine Mütze auf dem Kopf, ihr Haar ist in geringelten Locken angeordnet; sie müssen, wenn auch in der Ausführung hart und trocken, doch von imposantester Wirkung gewesen sein. Die Stadt Girgenti nahm diese Giganten in ihr Wappen auf. An der linken Langseite des Tempels führt ein hall) mit Gras bewachsener Fussweg in 2 Min. nordostwärts zum sogen. *I)iosknrentempel (tempio di Ca- störe e PolluceJ, einem pittoresken Lau mit vier dorischen Säulen und Giebel- bruchstiicken; Gebälk erst 1860 durch Cavallari im Auftrag der archäologischen Kommission aufgerichtet, im Plan dom Here- und Concordiatempel verwandt; sein Stylobat war dreistufig, an der Laugseite hatte er wahrscheinlich je 13 Säulen, an den Fronten je sechs, sämmtlieh mit 20 Kaunelüren; Säulen und Gebälk sind mit feinem Stuck bekleidet, auf welchen farbige Dekorationen aufgetragen wurden. Am Kranzgesims gehören die unteren Glieder dem griechischen Dorismus an, die oberen einer römischen Restauration. Der Durchmesser der Säulen ist unten 4, 7, oben 3, 8 Palmi; die Höhe des Schafts 20, 3, des Halses 0, 8 (er ist mit drei Astraga- lcn verziert), der Ringe 0, 2, des schönen Eelii- nus 0, 11, 6, des Abacus 1, 0, 2P.; die Front desselben misst 5, 10 P. Die Säulen bestehen aus drei Trommeln; der Säulenzwisclien- raum beträgt 5 I*. Das Gebälk war bemalt, die Tänie rotli, die Regula blau; die Tri- 414 418 10. (jirgentl (Vulkantempel - Porta aurea). glyphen und Metopcn zwar je als ein Stück behandelt, aber in eine obere und untere Hälfte gethei.it; die Breite der Triglyphen 2, 0, 8, der Metopen 2, 11, 9 1*.; unter der Hängeplatte laufen schöne Ornamente, Perlenschnur, Eierstab, Mutuleutafel, letztere springt 2,13 P. vor; über ihr ziehen ein rothes Kleinchen und ein verhältnismässig schönes Kymation hin; die Kinnleistc ladet 0, 10, 4P. aus und ist 0, 11, 3 P. hoch. Man fand noch einige Löwenköpfe und Terra- cotta-Firstziegel. — Oie Cella war liypä- tliral; am Tempelboden sieht man noch die Spuren des Mosaikbodens. — Oer Tempel gehört dev schönsten Blütezeit der griechischen Kunst an, wurde aber von der obern Hälfte der Friesstücke an zur Römerzeit restaurirt. An der Südostecke des Dioskuren- tempels sieht man grosse antikeSuhstrulo- tionen; dstl. davon einen vierecJöigen Bau, 11 m. lang, (i m. breit; siidl. vom Tempel die sogen. Stoa (Polyhius: »die Stadt ist auch sonst herrlich geschmückt mit Tempeln und Stoen«), 154P.Iang, 105P. breit, mit in den Fels eingesehnittenem Umfang. — Geht man einige Schritte nordostwärts vom Tempel (der gegenüberliegenden Stadt Girgenti parallel) durch die Wiese zum llöhenrand hin, so sieht mau in eine wie von Festungswänden begrenzte Felsen sch lucht hinab, deren rothe Abstürze mit Opuntien bewachsen sind, wahrend ein reicher Teppich von Orangen, Limonen, Oliven, Karuben die Tiefe deckt. In diesem malerischen Felsenkessel dehnte sieh einst die berühmte grosse PiscillA (Fischteich') aus. F'iodor (11, 25) erzählt: »Es war ein künstlicher Teich ausserhalb der Stadt, von sieben Stadien im Umfang und 20 Ellen Tiefe. Man hegte hier eine Menge Fische aller Sorten für die öffentlichen Gastmahle. Zugleich hielten sich auch Schwane und andere Vögel in grosser Menge darin auf, so dass der Teich einen reizenden Anblick bot«. Die Oeffmmgen in den Felswänden sind die Ueherreste von Kloaken, den sogen. Kanälen des Phäax, welche von den in der Schlacht hei Ilimera gefangenen Karthagern unter der Leitung des Plüiax ausgehöhlt wurden. I)iodor(l.l,25 1 sagt von denselben: »Diese Kloaken waren von solcher Ausdehnung, dass, obsclum sie verachtet sein mögen, wegen der gemeinen Zwecke, denen sie dienten, sie doch des Anschauens wohl werth sind«. Jenseit der Mitte der gegenüberliegenden Felswand sieht man (hart an der Kiscn- balin) zwei gebrochene dorische Säulen, die sich aus denVignen und Olivenhainen erheben. Sic gehören zum sogen. Vulkantempel, einem römischen ISau. Die eine Säule erhebt sich an der Nordostecke auf einem vierroihigen Stylobat und noch mit einem Theil der anstossenden Wand; die andere an der Süd westecke steht auf fünf Stufen; sie stehen auf viereckigen Plintlien, haben 20 sehr tiefe Hohlkehlen und nach römischer Art kleine Stege; vom Gebälk erhielt sich ein Stück vom Arcliitrav und vom Gesims. Nördl. von diesen Säulen liegen zwei kegelförmige Hügel mit einer Torfebene dazwischen, »La meta« genannt, eine Benennung (»das Ziel«), ‘welche die Tradition, hier habe das Hippodrom oder das Amphitheater gelegen, zu bestätigen scheint. — Westl. den Säulen gegenüber ist unter dem Hügel jenseit des Dragofiusscs ein Orangenhain, in dessen schattige Wassergrottc man die von Solinus (5, 22) und Plinius (35, 179) besprochene »Konto oleosa« verlegte. Kehrt man vom Dio.skurentempel zum Zeustempel zurück und von liier zur Landstrasse, so führt diese nach wenigen Schritten zu einem Durchschnitt zwischen (I. oben) dein Ileraklestempel und (r. oben) dem Häuschen mit den Anticliitä di Sieilia. Dieser Einschnitt, den die Land- strasse hier durchzieht (und welchem der Ileraklestempel dasPosticum zuwendet), ist die Stelle der antiken Porta aurea, des Seethors, von Livius (2G, 40) »zum Meer« führend genannt, und des eigentlichen Zuganges zum alten Akragras. »Herrlich muss der Anblick von Akragas gewesen sein, wenn man, vom nahen Meer zur Porta aurea aufsteigend, bei derselben auf einmal die .Stadt in der sanften Vertiefung sich weit ausbreiten und amphi- thoatralisch bis auf die gegeniiberstehenden Hügel des Kastells und des Minervatempels erheben sah. Diese Lage, die fruchtbare Umgebung und das nahe Meer mussten zum Wohlleben auffordern.« Zwischen der Porta aurea und S. Nicola lag wohl (westl. im Valle Sala) der Marl:,t (Agora) der Griechenstadt, da hier die Wege vom Meer und vom Land her in einer Niederung Zusammentreffen; liier münden auch viele der Wasserleitungen, welche die Stadt durchzogen. — Jenseit des Strasseneinschnitts kommt 415 410 10. Girgenti (Tomba di Terone). man sogleich zu einer Kreuzstrasse (mit zwei Häusern, r. eine zwar sehr primitive Osterie, aber mit gutem, unverfälschtem Wein). Folgt man hier der Strasse 1. einige Schritte, so sieht man r. im Feld (ca. 50 Schritte entfernt) die sogen. lirte ionische Säule, die ein dorisches Gebälk tragen, an welchem noch Architrav und Fries erhalten sind. Scliubring ver- muthet, es möchte das Kenotuphion zu Ehren Timoleons sein» der zwar in Syrakus begraben, in Akragas wie ein zweiter Gründer der Stadt geehrt wurde. Wie sich vom Ileretempel eine (1 räberreihe zur Porta aurea HUwil ÄPljilÜüi tl J Y'^sifAißdi ' •* . .. §l|f§fcSll VVVV .Jv m *■ * * _ , wKasy&ssäi Grabmal des Theron zu Girgenti. Tomba di Terone, zu welcher ein halbüberwachsener Weg führt. Es ist aber ein lange Zeit nach Theron errichtetes Grabmal ans der zweiten Periode von Akragas (405—200 v. Chr.), in seltsamer, schmuckloser Kastenform dorische und ionische Eigenheiten verbindend, thürtos (die Südthür ist modern), zweigeschossig, im Obergeschoss an iederEcke eine kanne* I hinzog, so zog auch vom Hügel der An- J nunziata ein gewaltiger Zweig der Todten- ; stadt nieder mit einer Unzahl von viereckigen , in den Felsen eingeschnittenen ! loculi (einst alle mit Deckeln verschlossen), ; gegen S. in vier Terrassen, gegen W. in zwei. j Siidl. (10 Min. entfernt) .sieht man j in derKornebene ein einsames (modernes) 417 10. Girgenti (Dom S. Gerlando). 418 Haus (Casa Gregorio), das Koste eines dorischen Aslilepiosteilipels enthält. Polybius (I, 18) berichtet, dass die römischen Feldherren im ersten Punisclien Krieg ihre Truppen theilten und mit dem einen Theil bei dem vor der Stadt gelegenen Asklepiostempel blieben, dessen Lage diesen Tempelresten entspricht. Diese Kapelle war in grossem heiligen Ruf und enthielt die berühmte Statue des Apollo von Myron ( Cicero, Verr. IV, 43: »Hast du [Verres] nicht die schöne Statue des Apollo, auf deren Hüfte in kleinen silbernen Buchstaben der Name Myrons stand, eine Zurückerstattung des Publius Scipio, zu Agrigent aus der heiligen Kapelle des Aeskulap geraubt? Als er dies, ihr Richter, heimlich bewerkstelligte und zu diesem Diebstahl einige schlechte Leute als Helfershelfer gebrauchte, da gerieth ganz Agrigent in Aufruhr, denn die Agri- gentiner vermissten das Geschenk des Scipio, den Gegenstand ihres heimatlichen Kultus, die Zierde der Stadt, das Erinnerungszeichen i des Siegs, das Zeugnis der Bundesgenossen- I schaft.«) Der Tempel war 20 m. lang, i) m. breit, in Antis, ohne Peristyl, hatte ein fal- ; sches Posticum (d. h. eingelassene Säulen). ■ Noch steht der Nordpfeiler bis zu einer Höhe j von 5 m. und von der Parade die südliche ; Ante; innerhalb des Eingangs sieht man : Treppenspuren sowie die Grundlage der, vorliegenden Freitreppe. Die Quelle, über j welcher der Tempel stand, fliesst noch jetzt, j in welchem nach heimatlicher Sitte Verbrecher geopfert wurden; die Karthager raubten denselben, wohl zu ihren eigenen Kultuszwecken, und Scipio brachte ihn 14ö v. Chr. nach der Eroberung Karthago’s wieder nach Akragas zurück. Die grossen Stufen und Quaderbaute) i, die liier aus dem Boden hervorragen, gehören noch den antiken Kesten an. Der jetzige Dom wurde im 13. Jalirli. gegründet, erhielt aber im Lauf der Zeit die mannigfachsten Veränderungen und Stilmischungen. Am meisten vom Originalbau behielt noch der viergeschossige Campanile, besonders im 3. Geschoss (das 1. Geschoss, mit reliefirten Blättern undThieren gefeldert und mit vier Spitzbogenfenstern, gehört einer Restauration von 1487 an). — Das Innere ist drei- scliiftig, ganz modernisirt; die schöne kassettirte und bemalte Holzdecke 1688 restaurirt. R. vom Eingang ein antiker Sarkophag. L. zwischen der ersten und zweiten Säule ein mit bemalten Holzdeckeln geschützter * Sarkophag (der Sa- kristan [40 0.] schliesst auf) mit Marmorreliefs der Mythe von Ilippolytus und Phädra. II. Der Nordtheil mit der jetzigen Stadt. Den Scheitel der modernen Stadt, welche die Stelle der antiken Akropolis einnimmt, krönt als Mittelpunkt der Nordhöhe der *Doin S. Gerliuulo (330 m. ü. M.). Er steht wohl an der Stelle des alten Ilaupttempels von Akragas, welcher dem rhodischen stadtschirmenden Zeus geweiht war. Polybius (IX, 17) berichtet: »Die Burg liegt über der Stadt im NO. und ist auch auf der Seite nach aussen von einer unzugänglichen Schlucht umfasst, auf der innern Seite aber hat sie einen Zugang aus der Stadt. Auf dem Gipfel ist ein Heiligthum der Athene und des atabyrisclien Zeus wie bei den Rliodiern, denn da Akragas von den Rliodiern begründet ist, hat dieser Zeus wohl denselben Beinamen wie bei den Rliodiern«. — Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass der Tempel des Zeus Atabyrios, welchem der Hauptkultus von Akragas geweiht war, auf dem »Gipfel« die jetzige Stelle des Doms einnahm. — Da auf dem rhodischen Berg Atabyrios auch eherne Stiere standen, so staDd wahrscheinlich auch hier der berüchtigte Stier des Plialaris, Unter-Italien. II. 1. Vordere Langseite: Hippolyt in Begleitung von Jägern erlegt den Eber; 2. (rechte Schmalseite) Phädra inmitten ihrer Mädchen lialbentseclt vor Liebesschmerz, die Amme entschleiert sie, vor ihrem Sessel steht ein Amor; die Mädchen suchen sie durch Zitherspiel zu beruhigen; 3. (hintere Langseite) die Amme bringt dem entrüsteten Hippolyt den Brief mit dem Liebesantrag seiner Stiefmutter; er ist von Knappen, Pferden, Hunden umgeben ; 4. (linke Schmalseite) Hippolyt von den Pferden geschleift. Unten am Sockel: Acanthus unter Zahnleisten; in den Ecken Löwen, Tiger, Greifen, Hunde, Hirschkämpfe. — Die Komposition ist sehr schön und entspricht der Darstellung des Euripides; die Ausführung hingegen (römische Kopie eines trefflichen griechischen Werks) ist ungleich und dem hohen Vorbild nicht gewachsen. Im rechten Seitenschiff, zweitletzte Kapelle (Capp. S. Gerlando), an der Rückseite hinter Gitter (doch völlig sichtbar), reliefirter Silberschrein des S. Gerlando, ersten Bischofs von Girgenti, von Michaele llicca von Palermo, 1639. — Im (geschmacklos dekorirten) Chor geschnitzte Stühle im Renaissancestil; r. Grabmal des Card. Brancaforte (gest. 1786), von Federigo Siracusa von Palermo. — Im 14 410 10. G-irgeuti (S. Maria de’ Greci — Küpe Atenea). 420 linken Querscliiff kleines Bild Uber dem Altar, Madonna von Guido lleni (schleckt restaurirt). Vorn im Querscliiff, 1. in der kleinen Nebenkapelle, an der Rückwand: *Grabmal des Cavaliere Marino, 1402; gegenüber ein Elfenbeintabernakel, von einem italienischen Hirten verfertigt. Der Sakristan ermangelt nicht, auf das berühmte Porta Voce aufmerksam zu machen und merkwürdige Geschichten von einer Französin und ihrem Gemahl mitzutheilen, die bezeugen, dass wer an der Westthür steht, während eine zweite Person auf der Corniche hinter dem Hochaltar leise spricht, in dieser Distanz von 82 m. jedes Wort versteht. Das Domarehiv besitzt Urkunden aus dem 12. und 13. Jahrh. und eine sici- lisehe Volksliedersammlung von 1680; im Campanile einige Vasen aus griechischen Gräbern. In der zweiten Horizontalstrasse slid- westl. unter dem Dom (man geht der Ea 9 ado entlang östl. und die zweite Sci- tenstrasse r. hinab) liegt (gegenüber Nr. 24)*$» Maria de* Greci, die älteste christliche Kirche in Girgenti, noch jetzt ist liier griechischer Kultus (klopfen, Kustodc V 2 Er.; früh Morgens ist die Kirche offen), mit erheblichen Resten eines sehr alten dorischen Tempels, nach Schubring des Athenetempels aus der Zeit des Theron, von welchem Polyän (6,51) berichtet, er habe auf der Akropolis zu Akragas einen Athenetempel prächtig erbaut. Er hatte an jeder Langseite (wahrscheinlich) 13 kannelirte Säulen, und an den beiden Schinalfronten je sechs, war also Ilexastylos Peripteros. Erhalten sind vom Peristyl sieben Säulen auf der Nordseite mit drei Stufen und zwei Säulen der Westseite sowie die vierte Säule auf der Südseite in der Kirche, hier auch ein Stücklein Cellamauer und wenige Fundamente in der Südostecke. (Ueber seine Benennung siehe Dom, S. 417, und Rupe Atenea, S. 420.) I 11 diesem Tempel soll sich Gellias, einer der angesehensten Bürger von Akragas, durch grossartige Gastfreundschaft, lteich- thum, Edclmuth, Witz sich auszeichnend, bei der Eroberung seiner Vaterstadt durch die Karthager verbrannt haben. Masse der Tempelreste: Durchmesser der Säulen, unten 5; Zwischensäulen 5, 9; Arehitrav- hühe 3, 11; Gesammthöho des Frieses 3, 9; Breite des Triglyplien 2, der Metope 3,4; Gesammthöhe des Gesimses 1,10; Stufenhöhe 1, 8 und 1, 9 Falnü. Gesammtbreite des Tempels (ohne die Stufen) 57, 8, erhaltene Länge 88, 1 P. — Im Vorhof einige Gebälkfragmente. In der Stadt sind noch hier und da Reste von mittelalterlichen und Frührenaissance-Bauten erhalten, besonders einige schöne Portale. Z. B. bei S. Domenico 1. die Via doll’ Orfa.no hinan, in der ersten Strasse 1. (rechte Seite) an der Abbatella delle Orfane ein Portal aus dem 15. Jahrh-, — etwas höher an Pal. Gueli ebenso; noch höher an Pal. Filipazzi drei gothisehe Fenster: die Via S. Sofia hinan, r. die verfallenen Reste des normannischen Pal. Buonadonna; — an S. Giovanni, Via Atenea, diesseit Poi*ta Ponte, ein normannisches Portal; auf der Anhöhe darüber, am Monastero grande, ebenso. Im Municipio ist eine kleine Sammlung von Vasen und anderen Alterthü- mern. — Jenseit Porta. Ponte, dem Ost- thor Girgenti’s (S. 398), folgt auf den Englischen Garten (s. oben) am Westgehänge des Athenefelsens der Eingang zur Villa, einer baiunreichen, öffentlichen Anlage, die sich bis zum Kastell hinanzieht. Ausserhalb des Eingangs zur Villa führt r. (siidostwärts) ein steiles Strässclien zur Höhe hinan; biegt man oben nach 1. und folgt dem Weg geradeaus, dann 1. hinauf und den Höhenrand r. (ostwärts) entlang, so kommt man nach 1 /± St. zu einem hohen, steilen Felskopf, der *Rupe AtOliea* oben mit einem *Prachtblick über das ganze Gebiet des Süd- und Nordttheils, weit in die Gebirge hinein und über das Meer hin. Es ist eine rechtwinklige Felsenterrasse, die sich 18 m. über ihre Umgebung erhebt und nur 18 m. Länge und 7>/2 m. Breite hat; ihre Abschüssigkeit machte sie nicht zum Bewohnen geeignet. Hierher konnte kein grosser Tempel hinaufgebaut werden, und die Tempel des Zeus Atabyrios und der Athene, welche gewöhnlich hierher verlegt werden, standen vielmehr in dem modernen Girgenti an der Stelle, wo sich jetzt Dom und S. Maria erheben. Nach Scliubring hat wahrscheinlich ein Heiligthum des Flussgottes Akragax auf dem Athenefelsen gestanden, da man liier wie von einer Warte das Thal des schafetränkenden Akragas von seiner Quelle an überschaut. Dem Strä.ssclien am Höhenrand ostwärts weiter entlang und etwas niederwärts kommt man in 10 Min. nach Silll Biag'io, d. li. zur halbzerstörten Apsis 421 10. Girgeuti (Maccaluba). 422 einer normannischen Kirche, auf den Ruinen eines sehr alten, wahrscheinlich der 'Demeter und Persephone geweihten alazzolo Pferd; von Palazzolo Wagen. — 4) Der direkteste über Biscari, Chiaramonle (stets zu Pferd) nach Palazzolo, dann Wagen. — 5) (Zu Pferd) Uber Galtagirone und längs des Bergrückens über Vizzini und Bucheri nach Palazzolo , — 6) Der Küste entlang Uber Camarina und Scicli nach Paehino (zu Pferd) und Noto; der am wenigstenKomfort darbietende. Die bedeutendsten Punkte für Alterthumsfreunde sind (zwischen Terranova und Syrakus) : Camarina, Ispica, Palazzolo, Pantalica. Wer diese vier Stätten insgesammt besuchen will, hat über Camarina nach Modiea und Ispica, dann über Ragusa nach Palazzolo und Pantalica seinen Weg einzuschlagen. Doch ist, wegen des rauhen Wegs und der Unkundo der Führer von Terranova, der Ausflug nach Palazzolo und Pantalica weit besser von Syrakus aus zu machen. Von Terranova nach Vittoria. 29 Kil. zu Pferd. Den Sandhügel von Terranova hinab zum Fiume di Terranova, dem antiken Gela , der, von Piazza und Aidone herkommend and vom Bergzug zwischen Gangi und Monte Lauro, zuletzt in Mäandern durch die Geloischen Gefilde fliesst (s. oben). Auf schöner cin- bogiger Brücke (von 1829) über denFluss, dann durch die weite, hierund da mit Korn und Baumwolle bepflanzte Ebene. Nach 1 2 /4 St. folgt der Biviere di Terranova, ein fischreicher Teich, von wildem Geflügel besucht; nun in die Sandebene, durch welche der Dirillo fliesst. Allmählich durch vegetationsreichere Gegend, mit Korkeichen, Oelbäumen, Karuben und Weinpflanzungen auf die Strasse nach (29 Kil.) Vittoria ( Locanda Santo- nocito, mit Trattoria; mittelmassig, doch guter Wein), mit 17,921 Einw., eine ganz moderne Stadt, im Anfang des 17. Jahrli. erbaut und nach des Erbauers Mutter, der berühmtenVittoriaColonna, benannt Die IlauptJcirehe, S. Giovanni, ist ein grosser Bau mit eleganter Kuppel von 1854. Das Wasser ist mittelmässig, die Luft schlecht. Süd westwärts führt eine Strasse in 2Va St. nach Scoglieti, der Marine von Vittoria, und von hier ein reitbarer Weg durch eine sandige, nur mit Mastix und aromatischen Pflanzen bewachsene Gegend, in 1 St. zur Küstenerhöhung, wo die antike Stadt Kamarina stand. Der Name (Kamar, »Stein«) deutet auf eine ursprünglich pliönikische Stadt; die griechische Stadt wurde 599 v. Chr. von Syrakus gegründet, auf einem 24—30 m. hohen Hügel am Meer, zwischen den Flüssen Oanis (Frascolaro) und Hipparis ( Camarana); die Gründer waren (Thukyd. VI, 5) Daskon und Menekolos. Als aber die Kamarinäer 533 wegen eines Abfalls von den Syrakusa- nern mit Waffengewalt vertrieben wurden und später Hippokrates, Fürst von Gela, das Gebiet der Kamarinäer statt eines Lösc- gelds für gefangene Syrakusaner erhielt, so besetzte er Kamarina mit neuen Ansiedlern und wurde selbst ihr Oberhaupt. Dann wurde dasselbe von Gelon wieder entvölkert und zum drittenmal mit neuen Einwohnern durch ihn besetzt. Die Stadt gelangte nie zu innerer Selbständigkeit, sondern war 11. Vittoria - Kagusa — Modica. 434 433 das Opfer der fortwährenden Streitigkeiten zwischen Gela, Syrakus, den Karthagern und Römern. 405 v. Chr., als die Karthager unter Himilkon gegen Gela und Kamarina aufbrachen, JHonys bei Gela geschlagen wurde und nach Kamarina zog, zwang er die Einwohner, nach Syrakus auszuwandern, denn ein Kampf vor Kamarina nach der unglücklichen Niederlage bei Gela versprach keinen Erfolg, und für Syrakus sollte eine möglichst grosse Kriegerzahl beschafft werden. Der Friedensvertrag gewährte dann den Kamarinäern, in ihre von den Karthagern geschleifte Stadt zurückzukehren, die sie jedoch nicht mehr befestigen durften. Als Ti- ■moleon für das neue Aufblühen der alten und berühmten dorischen Städte sorgte, ver- anlasste er eine Vergrösserung Kamarina , s durch die Niederlassung neuer Bürger (Dio- dor XVI, 82). Die völlige Zerstörung der Stadt fand erst 853 durch die Saracenen unter Abbas - ibn - Falidl statt. Jetzt steht auf dem Hügel die Kapelle S. Maria di Camarana; zerstreute Bruchstücke der antiken Mauerbasis lassen den Umfang der Stadt auf ca. 1 St. berechne». Erhalten blieb nur ein geringes Stück einer Cellamauer und einige Fliesen eines Tempels, erkennbare Reste der Befestigungen und Gräber in den naheliegenden Felsen. Aber sehr schöne Vasen, Münzen (meist mit dem Schwan, weil in der Nähe ein See lag, der aber durch Trockenlegung eine Eroberung der Stadt ermöglichte und daher das Sprichwort hervorrief: Rühre den Sumpf nicht auf!), Sarkophage von Terraeotta u. a. wurden hier ausgegraben und kamen in das (leider nicht mehr zugängliche) Museo Biscari.zu Catania. Von Vittoria nach Modica führt eine gute Fahrstrasse (42 Kil.), die täglich mit Post (7 Fr. 40 C.) befahren wird. — 20 Min. jenseit Vittoria über den öcimaranafluss, den antiken llipparis , von dem Pindar (Olymp. V, 28) singt: »Preist des heiligen Stroms Arme, womit das Volk Hipparis tränkt«. — (6 Kil.) Comlso (16,694 Einw.). Hier ist am Marktplatz ein Brunnen mit trefflichem Wasser, nach Fazello die »Quelle der Diana«, die so empfindlich war (Priscian), i Dass sie mit Händen, die unrein waren, geschöpft in den Bechern, Nimmer gestattete, sich mit dem heiteren Wein zu vermischen. Nun durch wilde, rauhe Berggegend, dann mit sehr malerischem Blick auf (26 Kil.) Ragusa (Locanda in der Unterstadt), eine grosse Stadt mit 6826 Einw. in der Unterstadt und 21,546 Einw. in der Oberstadt, auf steilem Rücken hinanziehend zwischen zwei Vertiefungen. Die Gräber in den Felsen unter den Mauern bezeugen, dass der Ort schon in alter Zeit bewohnt war. Inmitten des Rückens ist eine Mulde, in welcher die Piazza liegt. Die Strassen sind gut gepflastert, die Häuser hübsch und reinlich, mit schweren Baikonen auf grotesken Konsolen. Ragusa, 1693 fast ganz durch ein Erdbeben zerstört, besitzt nur wenige mittelalterliche Reste; in der Oberstadt eine si- cilisch - gothische Kirche, .8. Maria della Scala (gegenüber eine alterthiimliche Kanzel). — In der Cappw'dni - Kirche sind drei Bilder von Pietro PTovelli {Hauptaltar: Mariä Himmelfahrt; Altar r.: 8. Peter erscheint der S. Agatha im Gefängnis; Altar 1.: Martyrium der S. Agnes). — In S. Giorgio das Grabmal des Grafen Bernardo Caprera (8. 108; gest. 1423). — Hübsches Theater. In der Nähe Reis- und Hanfbau. Grosse Baumwollspinnerei des Barons Arezzo di JJonna- fngata, des grössten Grundbesitzers Ragu- sa\s. — Eine schöne Brücke verbindet die Stadt mit der Campagna. — 2 Kil. westl. von der Stadt zahlreiche Gräber, auch mehr liördl., daun weiterhin bis 2 St. um die Stadt; einige mit Bögen arif Säulen. — In der Grotta Oleosa ist das weiche Gestein ganz von Steinöl durchdrungen. Die Steine werden in Platten geschnitten und diese so lange dem Feuer ausgesetzt, bis das Steinöl sich entzündet. Die so ganz hart gewordenen Platten werden zu Fussböden und Balustraden vielfach benutzt und weithin als Pietra nera ausgeführt. — Cluver hält Ragusa für das antike Hybla Heraea. Von Ragusa über Palazzolo nach Syrakus s. S. 435. Die Strasse folgt dem linken Ufer des P'iume di llagusa (Humen Hirminium, Plinius III, 18), dem grössten Fluss dieser Strecke, am Monte Lauro entspringend und tiefe Schluchten durchströmend, aber von üppigen Nussbäumen, Haselnussstauden, Oliven- und Mandelbäumen umgeben; jenseit des Flusses, der hier unter Kornfeldern, Karuben und Orangen nie- derfliesst, wo die Strasse nach SO. zieht, kommt die originell eingepresste Stadt Modica in Sicht, und das steinige Plateau verlassend, gelangt man zur grünen Mulde hinab, in welcher Karuben und Opuntien prangen, und nach (42 Kil.) Modica (S. 774). Von Modica über Spaccaforno und Noto nach (68 Kil. Post) Syrakus s. S. 770. Die Valle (l’Ispica bei Modica s. S. 775. 435 436 11. Yon (lirgenti über Licata Von Ragusa nach Palazzolo. 30Kil. Reitweg. Zum Ufer des Fiume di Ragusa hinab (S. 434). Der Flussschlucht aufwärts entlang gegen das Städtchen Giarratana (2634 Einw.), das auf einem Hügel am Nordende der Schlucht thront (in der Nähe wurden viele grosse antike Henkelvasen, Münzen, Lampen von Terra- cotta, Bleigewichte gefunden und die Reste eines mosaicirtenPaviments). Jenseit der Schlucht reitet man auf dem Kamm eines Bergrückens und hat hier eine der wilden sicilisehen Berglandschaften um sich, mit Ausblick auf das Meer (südöstl.); nördl. von Giarratana erblickt man auf den treppenartig geformtenHöhenjl/owierosso, ostwärts Buscemi und südöstl. von demselben höher aufragend den Gipfel, auf welchem das antike Älcrai stand, unter welchem Palazzolo liegt. — 4 St. jenseit Ragusa erreicht man die Ansteigung gegen Palazzolo und zieht in Windungen durch theilweise mit Oelbäumen und Getreide bepflanzte Gehänge hinan, unter sich Oelbäume und Eichenhaine, dann zwischen der Pineta (S. 769) und Acremonte (S. 767) nach (30 Kil.) Palazzolo (S. 766). Von Palazzolo nach (37 Kil. Post) Syrakus (S. 766). Von Palazzolo führt ein beschwerlicher Sauinweg unterhalb (2 St.) C’axmro über (l J /4 St.) Pantalica, wo von der Todtenstättc der antiken Sikelerstadt Erbexsos noch zahlreiche Grober mit Bogennisclien oder engen Kammern mit einer Todtenbank in wildromantischer Gegend erhalten sind, und über Sor- tino (S. 770) durch eine malerische Schlucht nach (3 St.) Floridin (S. 766). Von Terranova über Biscari und dhiara- monte nach Palazzolo und Syrakus. 65 Kil. Reitweg bis Palazzolo, eine strenge Tagestour (4Va St. Biscari, 4 St. Chiaramonte, 4 St. Palazzolo); von Palazzolo I^st nach Syrakus (S. 766). Der Weg ist ziemlich gut bis Chiaramonte, dann sehr rauh, aber malerisch. — Man folgt zuerst der Strasse gegen Vittoria bis zum (12^2 Kil.) Pirillofluss. Hier zweigt der Weg I. ab und folgt dem Fluss bis (25 Kil.) Biscari (schlechte Osterie), auf einer Anhöhe am linken Ufer; das Städtchen (mit 2843 Einw.) stammt aus dem Ende des 15. Jaluh. und ist Fürstentitel der Familie Paterno, den der im vorigen Jahrhundert (s. Goethe’s Reise) durch grossartige Sammlungen sieiligclier Antiquitäten berühmt gewordene Fürst Biscari (in mul Terranova nach Syrakus. Catania) trug. Das Quellwasser ist vortrefflich, aber die Luft ungesund; viel Hanf- und Reisbau. — Jenseit Biscari durchzieht man eine fruchtbare Ebene, aber ohne Menschen (die in den Städten und Weilern der Höhen wohnen); gegen Chiaramonte hin reichere Bodenkultur und Landhäuser. Nach (45 Kil.) Chiaramonte (primitive Oste- ric, doch besser als in Biscari) führt eine lange Ansteigung in Windungen hinan; das Städtchen (9293 Einw.), auf einem Vorsprung der Bergkette liegend, die von Castrogiovanni nach Noto zieht, gewährt (besonders schön von den Cappuccini) einen Prachtblick auf die Südküste bis Licata und besitzt ein hübsches Baronialkastell, gutes Wasser, gute Luft. (In S. Maria de 1 Gulfi ein Taufbrunnen aus dem 12. Jalirh.) Die Strasse folgt den festungsartigen gebänderten Kalkhügeln; die Niederungen sind reich an Korn, Oelbäumen, Wein, Eichen, Kastanien, und die Opuntien und Agaven, Oleander und Granaten geben der Vegetation einen fast tropischen Charakter. Hälfte Wegs über den Fiume di Ragusa, dann durch kahlere Gegend unterhalb Giarratana (S. 435) und Emcemi (S. 438) nach (65 Kil.) Palazzolo (S- 766). Weiter nach (37 Kil.) Syrakus s. S. 766. Von Terranova über Caltagirone, Vizzini und Bucclieri nach Palazzolo und Syrakus. Ca. 80 Kil. Reitweg (3V3 St. Niscemi, 4 St. Caltagirone, 2^3 St. Granmichele, 2 y /4 St. Vizzini, IVa St. Bucclieri, Vf± St. Buscemi , 3 /4 St. Palazzolo. Man übernachte in Caltagirone. Die Locanden sind überall primitiv). Durch die Campt Geloi (S. 429) folgt die Strasse dem Gelaßuss (Fiume di Terranova, S. 429) in fruchtbarer, aber baumloser Gegend, kreuzt den Fluss zweimal und zieht, späterhin mit Aussicht auf r. Niscemi, 1. Bu- tera auf entfeintem Hügel, vor sich Caltagirone und in weiter Entfernung den Aetna, an (2 St.) Cantelluszo, einem verfallenen Fort auf einem Felskegel (wahrscheinlich das antike Moltorion), wohin die unterliegende Partei Gela’s im 6. Jalirh. v. Chr. zog (S. 430). Dann die nackten Hügel hinan und an deren Ende nach (16 Kil.) Juscemi (10,750 Einw.)? in dessen Umgegend antike Substruktionen und Gräber liegen und Münzen, Vasen, Lampen und Bruchstücke von Pavimenten gefunden wurden; gegen N. die Reste einer alten Veste, »Castellana«’, gegen S. (25 Min.) die Spuren eines alten Kultusbaues, »Cresiaccia« genannt. Auf der Hiigelhölie, welche nach (len vier Himmelsgegenden frei steht, Prachtblick auf die Gebirgswelt und das Meer. Von liier führt ein Saumpfad den Höhen entlang (mit steter Sicht auf den Aetna) nach Caltagirone. Man kann auch (doch bei nassem Wetter nicht zu empfehlen) unterhalb Nis- cemi, ohne zur Stadt hinanzusteigen, dem Gclathal folgen, und gelangt in steter Ansteigung über die Kalkfelsen (die liier und da etwas Bepflanzung zeigen), mit weitem Rückblick auf die Campi Geloi, nach dem 437 11. Ton Tevranova nacli Syrakus. 438 längst zuvor (»krönend mit Thürmon den felsigen Gipfel«) sichtbaren Caltagirone. — Die letzte Strecke, »La Scala«, führt zwischen den Hochflächen des (r.) Saniuro und (1.) ^ls- cara hinan. (35 Kil.) Caltagirone ( Locanda della Pace, ordentlich, mit Trattoria), eine lebhafte und, wenn auch 614 m. ii. M. auf der Höhe eines isolirten Bergs gelegene, doch sehr volkreiche Stadt (25,978 Einw.), durch eine gute Fahrstrasse mit der Eisenbahn Catania—Syrakus verbunden (54 Kil. bis Stat. Lentini, tägl. Post) ; früher wegen der allseitigen Steilheit für Wägen unzugänglich, so dass alles auf Maulthieren herzugebracht wurde. Die Stadt geniesst des Rufs der best gebauten, civilisirtesten und reichsten Landstadt Siciliens und der gesellschaftlichsten, höflichsten und gastfreundlichsten Bewohner. Das llauptgewerbo ist der Ackerbau. Die Hauptstrassen sind reinlich, breit, gut gepflastert; manche Paläste des zahlreich vertretenen Adels stattlich, mit massiven Baikonen auf grotesken Konsolen. Am Ende der »Strada de’ Nobili«, jcnscit des Marktplatzes, führt eine 1506 erbaute Treppe von 155 steinernen Stufen zur Oberstadt und zum alten Baronialkastell, von dem nur noch Bruchstücke der alten Zinnenmauer vorhanden sind. Das Panorama von hier ist überaus mannigfaltig: über die Ebene von Catania mit den »Städten Mineo, Militello, Scor- dia und 1. Palagonia, nordostwärts auf den Aetna, den man hier weithin überschaut, dann südostwärts die Berge von Palazzolo lind das fruchtbare Nototlial; südwärts erblickt man durch eine Lücke die Campi Gehn bis Terranova, westwärts die Berge vom Quellgebiet des Fmme Tonchio bis ziim bäume Manfria. — Die Piazza der Unterstadt bietet eine wirksame Zusammenstellung der modernen, eleganten Casa Comuvale mit dem Teatro Grifeo, dem Monte di Pieta und der Ifanptlärche (der Madonna del Monte geweiht), In welcher drei moderne Bilder eines Künstlers von Caltagirone, Francesco Vaccaro, sich befinden (»SS. Filomena, Gaetano, Giacomo). Den Platz schmücken auch viele hübsche Adclshäuser und ein eleganter Brunnen aus Genueser Marmor. Hinter der Casa comunale ist ein reich ausgestatteter Giardino Inglese. Von da aus durchschneidcn zwei Strassen die Stadt und eine dritte zieht, mit den schönsten Häusern geschmückt, nach S. Giacomo. Die alte Kirche S. Giuliano, mitten in der Stadt, stammt noch aus der Normannenzeit. (Die Kirchen aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, Ctior di Gesü und Anime purgunti, sind reich und geschmackvoll de- korirt). Elegantes Theater, ln der Umgegend sind Gruben mit nehr feiner Thonerde, aus welcher die allbekannten bemalten Statuetten verfertigt werden, welche Trachten- bildernnd Gruppen mit grösster Naturwalir- heit und Ausdruck darstellen (Jlauptverkauf an der Piazza). — Die Umgegend von Caltagirone ist sehr fruchtbar, besonders an Wein. 1 >ie Luft ist gesund. (Die Ruinen auf dem Monte Catalfano, nordwestl. von der »Stadt, gehören wahrscheinlich der antiken Sikeler- stadt Eryhe an.) Jenseit Caltagirone zieht der Weg über die Bergkette, welche die Lentinischen Gefilde und das Simetothal von den Niederungen der Südküste trennt. Bis Graumichele ist die Strasse fahrbar, dann wird sie zum rauhen Saumweg über die Kalkberge. — (50 Kil.) Granmichele, ein hübsch gebautes Bergstädtchen mit 10,192 Einw., erst nach dem Erdbeben von 1693 durch Carlo Caraila, Fürsten von Butera, an der »Stelle der zerstörten Nachbarstadt Occliialä aufgebaut, mit trefflichem Wein. (62 Kil.) Yizzini, eine lebhafte, zum Th eil gut gebaute Stadt mit 14,942 Einw.; an der Piazza stattliche Häuser; in der llavptkirche. (S. Gregorio) zwei Gemälde von Paladino von Florenz (Madonna della mercedc; S. Lorenz); in den Cappnccini: S. Franciscus nnd Kreuzabnahme von Paladino. In der Fran- ciskanerkirclie (Minori Osservanti) eine Madonnenstatue von Gagini (1527) und ein Madonnagemälde von Antonello Besaliba von Messina; in S. Maria de Greci (Ascensione) ein Triptychon mit dem Leben Mariä, in- skribirt: aus Griechenland gebracht 385 (!), beim Brand durch die Saracenen 829 nicht mitverbrannt. — Die Umgebung ist freundlich und fruchtbar. Das südwestl. auf steilem Felsen gelegene IAcodia, mit antiken Trümmern in der Nähe der Stadt, hält Clu- ver für das antike Euboia. Jenseit Vizzini wird der Weg sehr steinig und uneben, aber gewährt weite Schau sowohl auf das Val di Noto als auf die Ca- t.anischen Gefilde und den Aetna.— (72 Kil.) Bucclieri, mit 4223 Einw., auf den Alloro- hiigeln, den höchsten dieses Kreises, mitSiclit auf den Aetna und bis zum Vorgebirge Pa- chj’num; das Territorium ist sehr ergiebig an Oel, Wein, Getreide, Weiden, aber im Winter .sind die Höhen umher voll Schnee, der hier in Grotten aufbewahrt wird und ein nicht unbedeutender Handelsartikel ist. Alte Laven, basaltischer Tuff, Quittenmarmor und eine reiche Zahl Fossilien machen die Gegend für Naturkundige bedeutsam. Die nahe Bergkirche Immacolata gilt als die älteste Kirche Siciliens. Ein noch rauherer Bergpfad führt nach (78 Kil.) Buscemi, mit 2435 Einw., unweit der Quellen des Anapos, und beschwerlich hinab imd hinan nach (80 Kil.) Palazzolo (S. 766). — Weiter nach (37 Kil. Post) Syrakus s. S. 766. Von Terranova (1er Küste entlang über Scieli und Pachino nach Syrakus. Ca. 100 Kil. Reitweg bis Pachino; 55 Kil. Fahrweg von Pachino bis Syrakus. (Reitweg nach 6 St. Scoglitti, 3 St. »Santa Croee, 4 »St. Scicli, 2Vs St. Pozzallo, 5 »st. Pachino). Die Reise nimmt drei Tage in Anspruch und hat nur für Altertliumsfor- scher Interesse; 1. Tag bis Scicli; 2. Tag bis Foto, da nur an diesen zwei Orten Albergi sind; doch liegen Vittoria (S. 432) und Mo- 439 12. Von G-irgeuti über Caltanisetta nacli Catania. 440 dica (S. 774) in der Nähe; 3. Tag bis Pachino. — Man folgt dem Weg nach Vittoria (S. 433) bis zum Fluss Dirillo , dann der Küste entlang, begleitet von Sanddünen, dann nach einem Bach 1. durch eine sandige Ebene mit Zwergpalmen und Mastix nach (30 Kil.) Sco- glitti , einem Weiler mit kaum 100 Einw., Verladungsstätte von (2 St.) Vittoria, früher von Bedeutung, aber den Westwinden offen. Durch eine sandige, mastixbekleidete, wellige Ebene zur Küste hinab; nach 1 St. erscheinen auf einer Erhöhung die dürftigen Reste der altgriechischen Stadt Ksunariua (S. 432); diesseit überschreitet man den Fluss Camarana (den Ilipparis, der durch den binsenreichen Bivierc di Camerana, westl. von Kamarina, in das Meer fliesst); jenseit den Fluss Frascolaro (den Oanis, den Pindar [Olymp. V, 21] besingt »zur Feier Pallas’ heiligen Hain, den stadtnahen Teich und den Bach Oanis, sammt dem Hipparis- Rinnsal, woran sich dein Volk erquickt«). Den Dünen entlang nach (45 Kil.) Santa Crocc (4078 Einw.), am Gefall eines Hügels gelegenes Städtchen, mit reichlichem guten Wasser, in der Umgegend Reisbau; das Territorium bis zur Küste reich an Wein, Oliven, Getreide, Hanf. In geringer Entfernung von der Kommune liegt nordwestl. unterhalb der Mauern ein prächtiger Wasserbehälter, 20 m. lang, 13 m. breit, aus Hausteinen, wo mittels eines Aquädukts aus einer Quelle das klarste Wasser abläuft. Cluver verlegt hierher die Artemisquelle zur Probe der Reinheit (S.433); nahebei liegen bei einem Garten Reste von drei Gemächern eines antiken Bades aus ohne Mörtel zusammengefügten Quadern und Spuren antiker Bauten bis zum Meer. —- Auf einförmigem steinigen Weg über den .Fiume di Ragusa (Ilyr- minos) und an Torre Mazzarelli , dem Hafenweiler von Ragusa, mit mittelalterlichem Fort, vorbei, bei der Quelle Donna Lucata landwärts nach (65 Kil.) Scieli (Locanda del Carmie, erträglich), einem ziemlich ansehnlichen Städtchen mit 10,887 Einw. und manchen stattlichen Häusern und Baikonen, reinlichen, gut gepflasterten Strassen und sechs nicht unbedeutenden Kirchen, der dreiscliif- figen Chiesa madre, mit hübschem Innenbau; S. Maria la nuova, mit elegant gezeichnetem Chor von Venanzio Marvuglia, am kostbaren Hochaltar die Geburt Mariä von Gonca ; S. Maria della Piazza, mit einem schönen Sarkophag von 1615, gegenüber dem Baptisterium; 8'. Maria della Gonsolazione , mit reicher rechter Seitenthür; Cappuccini , in der Sakristei eine Madonna von Antonio di Palermo (1407). — Wasser und Luft sind schlecht. Auf der Höhe über Scicli, auf der Cotta di iS. Lucia, stand wahrscheinlich das antike Kasmc- nai , eine Gründung der Syrakusaner (644 v. Chr.). Man sieht daselbst noch antike Gräber, ein Stück Mosaikboden, unterirdische Gänge, eine Wasserleitung. Der SVeg zieht nun durch einen steinigen Boden mit sehr sparsamer Kultur nach (75 Kil.) Pozzallo (3413 Einw.), dem belebten Hafenort Modica’s, mit Baronialpalast und Fortezza; vom 2.—0. Mai grosser Viehmarkt. An der Küste, ^2 St. östl., steht das Kirchlein S. Maria Focallo auf den Ruinen eines antiken Tempels; dann erreicht man in l 3 /4 St. die Mündung des Bumtidone und l J /4 St. weiter an der Küste Castelluccio di Mar za, wo das Odysseische Vorgebirge (S. 773) das Kap bildet. Innerhalb der Bucht springt eine Süsswasserquelle auf. Der Küste folgend, erreicht man in 2Va St. Portopalo , an dessen Ostseite das Capo Passero liegt (S. 773),. und von da in 2 St. (100 Kil.) Pachino (S. 772). — Von Pachino über Noto nach (58 Kil.) Syrakus s. S. 772 — 770. 12. Von Girgenti über Caltanisetta nach Catania. 66 Kil. Post von Girgenti bis Caltanisetta in 10Va St., für 16 Fr. 75 C. Billet: Via Ate- nea 60. Abfahrt vor der Post an Via Ate- nea. — Post von Caltanisetta zur (12 Kil.) Bahnstation S. Gaterina - Girbi : 1 Fr. 90 C. Eisenbahn von S. Gaterina-Girbi nach (116 Kil.) Catania in 6 St., für I. 13 Fr. 15 C., II. 9 Fr. 20 C., III. 6 Fr. 60 C. — Man hat eine kurze Rast ( J /a St.) in Canicatti, wo man in der Venezia allfällig rasch speisen kann, thut aber besser, Proviant mitzunehmen. Der Postwagen hält vorn io Cahi- catti; es wird dann aber am jenseitigen Ende der Stadt wieder eingestiegeu; die Venezia liegt zwischen beiden Stellen, 1. — Man kommt gegenwärtig in Caltanisetta Nachm, an und muss hier übernachten. (Von Caltanisetta nach Girgenti fährt man gegenwärtig Abds. ab.) Die Eröffnung der im Bau begriffenen Eisenbahn S. Gaterina — Caltanisetta— Canicatti—Licata wird diese Route etwas erleichtern und die vorstehenden Angaben eventuell wesentlich alteriren. Von Girgenti bis (38 Kil.) Canicatti (S. 423). Die Eisenbahn zieht nordwärts längs des Rückens tos Monte Grotta Rossa nach (51 Kil.) Serradifalco (6948 Einw.), auf dem Monte Carano, inmitten von Schwefelgruben. Der Ort gab den Herzogstitel dem Herausgeber der Anti- chitä della Sicilia (5 Poliobände mit zahlreichen Abbildungen, von Cavallari entworfen), Domenico lo Faso Pietrasanta, schlechtweg Serradifalco genannt. — Vor und nach Serradifalco überaus reich bestelltes Land, Gerste, Hafer, Weizen u. a. 441 442 12. S. Cataldo — Caltaiysetta — S. Caterina. Nach 1 J /2 St. *Pracl)tblick auf (las Thal von S. Caterina und Caltanisetta. (62 Kil.) S- Cataldo ? mit 12,899 Einw., erhielt seinen Namen vom heiligen Bischof von Tarent, von dem es Knochenstücke besitzt, aber die glänzende Pfarrkirche ist der Immaeolata geweiht. Die PalermitanerFamilie, welchedenschönen Pal. S. Cataldo (S. 1G5) besitzt, hat von hier den Marchesetitel. Die Hügel rings umher sind voll reicher Schwefelminen (Stincone, Bosco, Apaforte, Villarmosa, Mangione, Sottostradone). Schon von weitem sieht man in entzückend schöner Berglandschaft Caltanisetta, den Höhenrandeinestiefen Thals krönend. Streckenweise wird man jetzt von Oelbäumen, Korn und Wein begleitet; Hecken von Opuntien und Agaven tauchen wieder als Grenzscheiden auf. — Im Bogen mit köstlicher Aussicht zieht man hinab und hinan nach (06 Kil.) Caltanisetta. Gasthöfe: * Albergo della Concordia; sehr gut, mit schönen Zimmern und guter Trattoria im Erdgeschoss (Braten 70 C., Huhn 80 C., Fritto 40 C., Wein 35 C.). Von G. Man- zoni, einem Lombarden, gehalten. — Isola, gegenüber der Post, am Eingang der Stadt, Via Fondachi. — Aquila Kera. — *Cafe del Teatro, vortreffliches Eis; an der Ecke der l’iazza Garibaldi. — *Cafä centrale, mit Ri- storante und Coufetteria, gegenüber dem Theater. — Literarische x Kabinet (Einführung durch ein Mitglied), bei Piazza Garibaldi. Provinzialhauptstadt mit Bischofsitz und 26,156 Einw., eine moderne, mehr Komfort als gewöhnlich im Innern Sici- liens bietende Stadt, in der Form eines Adlers mit offenen Flügeln. Sie liegt in herrlicher Berglandschaft auf hohemPla- tean über dem tiefen, fruchtbaren Salso- thal, hat eine stattliche Piazza Garibaldi mit Dom (S. Michele), dessen Decke Borromans freskirte, und noch zwei Kirchen, S. Domenico, am Ilauptaltar mit einem Bild von Paladino, und Carmine, von schöner Spätrenaissance. Das Theater ist ein hübscher viergeschossiger Bau (hei Piazza Garibaldi). Nordwestl.(7Min. von der Piazza) liegt jenseit Via Grande die Villa, der öffentliche Garten mit reicher Vegetation und Büsten. Neben demselben, amllügelrand, Prachtblick auf •Froibielgkranz von S. Cataldo bis nach Castrogiovanni und zum Aetna. Die Umgegend bietet einen grossen Wechsel landschaftlich überaus hübscher Bergblickc. 3 /4 St. östl. die Badia di S. Spirito, ein normannischer Bau, von Graf Roger gegründet, 1153 geweiht. 3 /4 St. weiter die sogen. Terra Pilata, ein kleiner Vulkan, Wasser, Sand und Kohlenwasserstoffgas ausstossend, letzteres beim Anzünden mit weisslicher Flamme brennend. Die Umgegend enthält krystallisirte 2 i kohlensau- ren Kalk, Achat u. a. — Von der berühmten Pocca della Pietra rossa auf jähem Felsen im O. sind nur noch .Ruinen vorhanden. Im Territorium sind zahlreiche Schwe- felgruheu (Misteri, Stretto, Giffodraffi, Gesso- longo, Musta, Giurfo, Gcbbiarossa u. a.), Getreide im Ueberfluss, ein fischreicher See, ergiebige Jagd und reiche Viehweiden. — Antike Inschriften und Münzen (mit Zeus und Adler mit Fackel und Aehre, mit dem Motto Nisaion) bezeugen, dass Bisa Caltani- setta's sikanische Mutterstadt war. (Die Sikaner, grösstentheils mit Ackerbau beschäftigt, hatten ihre Ortschaften, Avie die alten Latiner, meist auf Anhöhen.) — Am 2. Pfingsttag grosses Volksfest. Von Caltanisetta führt südöstl. eine Strasse über den Salso (Himeras) nach (11 Kil.) Pietraperzia (10,149 Einw.), malerisches Städtchen mit hoher normannischer Zinnenfestung; (9 Kil.) Barrafranca (8427 Eimv.), auf einer Anhöhe, mit verfallener Festung; dann südwärts nach (9 Kil.) Mazzarino (11,951 Einw.), mit alter Festung und grossem Baronialpalast (dies soll der Stammort der Familie des berühmten Kardinals Mazarin sein); nach (30 Kil.) Terranova (S. 429). Von Barrafranca zweigt eine Strasse nach (20 Kil.) Piazza (S. 454) ab. Von Caltanisetta fährt die Post (gegenwärtig Morg. 8 Uhr) über dei\ Berg hinab, köstliche landschaftliche Blicke gewährend, in lVi St. zur (12 Kil.) Bahnstation S. Caterina. Eisenbahn von liier nach (116 Kil.) Catania, nur lmal tägl. in 6 St.; da unterwegs nur in Leonforte 20 Min. angehalten wird, wo nicht viel zu haben ist, Speise uud Trank mituehmen. Jenseit Stat. S. Caterina (die eigent- ; lieh Girhi heisst und von der Stadt noch eine grosse Strecke entfernt liegt) mehrmals sehr hübsche Gebirgsblicke. — (7 Kil.) Jmera, nach der antiken Benennung des Salso (Himeras) bezeichnet. Durch einen langen Tunnel in einen von 443 444 12. Von Ginreuti über Caltamsetta nach Catania. einem Kranz rauher Berge ümgiirteten Pass. — (16 Kil.) Stat. Villarosa. In reicher Gebirgslandschaft durch mehrere Tunnel und mit Durchblicken auf die folgenden zwei grossen Bergstädte, dann 1. ein grosses reichbepflanztes Thal, von malerischem Höhenzug eingefasst, r. Olivenhaine zur Höhe sich hinanziehend, durch zahlreiche Tunnel nach (27 Kil.) Stat. Castrogiovauni (Omnibus zu der 3 /4 St. in der Höhe liegenden Stadt 1 Fr.; Locanda chlla Stella, ordentlich; das Essen gut). Die Strasse zieht in weiten Windungen durch Olivenhaine zu dieser höchst (794 m.) gelegenen Stadt Sicilicns (mit 14,511 Einw.) empor. — Sic liegt oft tagelang in Wolken und Nebel. Auf hohem Felsen thront ein Kastell, und die Stadt galt ihrer Position und Befestigung wegen noch bis in die neuere Zeit für (lTnespugnabile) uneinnehmbar. Rings umgeben den gigantischen Hügel abschüssige Gehänge, nur an wenigen Stellen zugänglich; Wasser quillt reichlich von den Felsen überall hervor; das Plateau hat oben fast 1 ,/2 St. Umkreis; die tiefe Schlucht,welche dasselbe unterbricht, ist an ihrem Gehänge honigwabenartig mit Grabhöhlen durchfurcht, von denen einige von der ärmsten Bevölkerung bewohnt werden. Die Stadt hat 2 6 Kirchen; die Kollegiatkirche (Madonna della visi- tazione) ist ein ursprünglich gotbiseher Bau (ausser dem Campanile), durch Königin Eleonora im 14. Jahrh. erbaut. Aussen haben die Apsiden und das südliche Querschiff noch den ursprünglichen Charakter, innen ruhen die Spitzbögen, welche die Schiffe scheiden, auf dunkelgrauen Marmorsäulen mit llouaissaneekapi- tälcu. — An der Südwand ist aussen eine antike kammlirte Säule eingelassen, die vom Demetertempel stammen soll. — Jen- scit dos Hauptciugaugs sind die beiden ersten Säulen, welche das Schiff tragen, von Domenico Gagini, 1560, mit figurirten Kapitalen. Die zweite Säule trägt den Namen des liajfaelc Itusso von Florenz, 1551, der mehrere Kapitälo skulpirto. — Das Weili- beoken 1. ist von einem Kandelaberstüek getragen (mit Bacchanal), das in den Hainen der antiken Stadt gefunden wurde. — Die Flachdecke ist von Holz mit Kassetten. — Im Cappellono des Hochaltars sind fünf Bilder von Filippo Daladino von Florenz, von r. nach 1. Heimsuchung, Präsentation, Himmelfahrt Mariä, Immacolata uud Präsentation dos göttlichen Kindes. An den zwei Pilastern, welche den Altar trennen, sind zwei Bilder von Cav. d' Arpino, jeder mit drei Mysterien. — Im linken und rechten Schiff einige Bilder von Borremans; in der Vorsakristei uud Sakristei ein Ecce homo und vier Tafelbilder aus dem 15. Jalirh. — Auch die Schnitzereien der Chorstühle (biblische Scenen) sind bemerkenswert!!, sowie der Tesovo mit schönen ciselirten Arbeiten in Silber und einer prächtigen gothi- schon Tribuna. Gegenüber ist die Bibliothek, mit einer Sammlung antiker Münzen und Vasen, die hier gefunden wurden, und modernen Gemälden. S.Antonino hat an der nördlichen Aussen- vvand eine Säule aus der Hohenstaufeuzcit mit Angabe der sicilisehen Linearmasse. — S. Francesco, mit normannischen Kesten, hat in der Tribuna Fresken von Frate Lupo von Castrogiovanni. — In S. Maria del Popolo sind Oelbilder und Fresken des modernen Malers Saverio Marchese von Castrogiovanni; — im Collegio della Donna Nuova der Bethlehemitische Kindermord von Zoppo- di Gauei; — in 8. Agostino die Epiphanie von Monocolo und Madonna della mercede von Zoppo di Ganci. — Der Thurm von 8 . Giovanni stammt aus der Normanneuzoit; man fand in seinen Fundamenten Gx’äber in den lebendigen Stein eingetieft, mit griechischen Vasen. — Das Wappen der Stadt ist ein zweiköpfiger Adler unter einer Krone, in cler Mitte ein Schild mit Löwe, Aehren uud Sternen. Auf der höchsten Stelle der Plattform, auf einem 6 — 12 m. aufragenden Felsen, steht das Castello, von Friedrich II. von Aragonien Ende des 13. Jahrh. errichtet, in Bruchstein ausgeführt, mit drei Höfen, Spitzbögen und Rundbögen, Eckthürmen und kleiner Kapelle im Grundflur. Von hier hat man eine der interessantesten * Aussichten der Insel, da man diese von ihrem Centriun aus reliefartig vor sieh bat, Berge hinter Bergen, »ähnlich den drängenden Wogen des Oceans während des Sturms«; das Meer an der Ost - und Südküste, majestätisch gegen NO. in blauer Ferne der breite Koloss des Aetna und davor die Höhenreihe mit den Städten Leonforte, Asaro, S. Filippo, Centuripe, Troina auf den Bergkronen. Nordwärts zwei lange Gebirgszüge, der nördlichere 1. mit dem hohen Gipfel von Petralia, r. mit dem Monte Artemisio; im NW. neben den nicht kiilm, aber solid geformten Madomschen Borgen der Gipfel dos schön gebildeten Monte Galogcro bei Termini; im W. die Berge von Cammarata 445 440 12. Castrogiovanni. uu Kil.) Bahnstation Lentini (S. 674), 8 Fr. Die Strasse zieht die Anhöhe hinab in eine mit Korn bestellte Niederung, die von niederen nackten Hügeln begrenzt wird, auf denen hier und da Epigonen der alten Sikelerstädte thronen. Nach 3 St. bei Niscima Seitenstrasse nach r. oben Milieo (9337 Einw.), das antike, von dem Sikelerfürsten JDuhetios, dem gefährlichen Gegner der Griechen (S. 70), 459 v. Chr. gegründete Menai auf hohem Berg, dessen weiter Puss vom Fiume 8. Paolo bewässert wird, der als Gurnalonga (der antike Frylces) dem Dittaino zuströmt. Münzen (mit Demeter, Apollon, Hermes und grie- chischeulnschriften) bezeugen die spätere griechische Bevölkerung. Von Mineo gellt ein Reitweg über (2 3 /.iSt.) Militello \tnd (D/a St.) Scordia nach (3 St.) Lentini (S. 674). 1 St. jenseit der Zweigstrasse nach Mineo fährt man durch den Weiler Favarotta. s /4 St. nordwärts von diesem liegt der berühmte Lago Naftia oder dei Palici (Pali- corumLacus), eine Salse, im Winter/bis 150 m. im Umfang und 4 m. tief. Auf seinem Grund steigen ununterbrochen an drei Kraterstellen, zuweilen auch an mehreren, Per- lensclmüre von Luftblasen auf, aus einem Gemisch von Schwefelwasserstoff und Kohlensäure bestehend, welche bei ruhigem Wetter eine kleinen Thieren tödtliche Gas- sehicht über der Wasserfläche bilden. Der ganze runde Teich gleicht einem Kessel mit 457 458 12. Lago Naftia— Palagonia — Lentini. siedender Flüssigkeit; zwei der Krater werfen das Wasser oft bis 1 m. hoch auf; die Temperatur des Wassers ist die gewöhnliche, der Gehalt desselben oft schlammig; auf der Oberfläche schwimmt Naphtha, die der Luft einen starken Geruch mittheilt. Im Sommer verschwindet der kleine Teich und die tödtlichen Luftarten blasen trocken aus den Oeffnungcn des ausgedörrten Grundes und heben den verstopfenden Sand empor. Gegenwärtig halten die Umwohner den See für die Wohnung der Hexe Donna Fit- tia. Die alten Sikeler dagegen vereinten hier die Batiken, deren Kultus und Geschichte sich an diese Naturerscheinung knüpften. Die Mythe erzählt: Die Nymphe Thalia, Tochter des Hephaistos, wünschte aus Furcht vor der eifersüchtigen Gattin des Zeus, dass die Erde sich ihr öffnen möge. Dies geschah; als aber ihre Kinder gereift waren, tliat sich die Erde wieder auf und es kamen als zwei Sprösslinge des Zeus die Palikoi (WiedergebornenJ zum Vorschein. Die beiden Krater wurden Delli (siedendes Wasser) oder Dciloi (Böse) genannt, und man stellte bei denselben mit solchen, welche sich durch einen Eid reinigen wollten, ein Gottesgericht an. Der Beklagte stellte sich, im Unterkleid, bekränzt und mit einem Zweig in der lland, an den Krater, berührte denselben und sprach den auf ein Täfelchen geschriebenen Eid nach, welchen der Ankläger vorsprach. Dann warf er das Täfelchen in den hoch aufbrausenden Krater. Schwamm es auf der Oberfläche, so war der Angeklagte unschuldig, sank es unter, so galt der Angeklagte als meineidig und wurde getödtet (in den Krater geworfen) oder geblendet (Diodor, XI, 89, der ausführlich über den See und seinen Kultus berichtet, sagt: »Es geschieht zuweilen, dass solche Meineidige des Augenlichts beraubt aus dem Tempel gehen«). Den Tempel umgab ein grosser heiliger Bezirk mit Portiken und Wohnungen (Herbergen). Dieser heilige Bezirk diente auch als ein Asyl fitr Sklaven. Diodor (XI, 89) berichtet: »Das Heiligthum gewährt unglücklichen Sklaven, welche in die Hände unbarmherziger Herren gefallen sind, sichern Schutz. Denn wenn sie hierher sich flüchten, so sind die Herren nicht befugt, sie mit Gewalt wegzuführen, sondern sie bleiben ungekränkt so lange da, bis die Herren durch einen billigen Vergleich und durch einen bei den Paliken selbst geleisteten Eid, sie in Zukunft besser zu behandeln, sie auslüsen. Und man weiss von keinem, der ein solches Versprechen nicht gehalten hätte. So treu, selbst gegen Sklaven, macht hier die Scheu vor den Göttern die Schwörenden«. — Duketios erbaute daher mit religiöser Vorsicht in der Nähe dieses Ileilig- tliums eine ansehnliche Stadt, die er nach diesen Göttern Palika nannte. Bei der Fruchtbarkeit des Bodens und der Menge der Einwohner hob sich diese Stadt schnell empor, aber nicht lange dauerte ihr Wohlstand, denn sie wurde frühzeitig zerslöi-t. 1 St. jenseit Favarotta erreicht man, an alten Lavablöcken vorbeifahrend, PillagOliia, ein zwar malerisch über einem reizenden Thal am Colle della Croce gelegenes, aber armes Städtchen (4909 Einw.), das noch in seinem Namen die Erinnerung an die Paliken trägt. Graf Roger verband Palagonia kirchlich mit Syrakus; später erhielt cs der berühmte Ruggiero Lauria, spanischer Grossadmiral unter Peter I. Durch Kauf kam es schon im 15. Jalirh. an die Familie Gravina und gab demjenigen den Fürstentitel, dessen Villa in der Bagheria Goethe so unvergleichlich beschrieben. Südl. liegt 7 Kil. entfernt Militcllo (9978 Einw.), ein .seit dem Erdbeben 1693 erneuertes Städtchen, von dem man (bei den Cappuc- cini) die Ebene von Catania mit dem schönen Golf, hinter welchem der Aetna majestätisch aufsteigt, prächtig übersieht. Herrlich ist auch das nahe Thal der Cava di Foschega, sein Grund ganz mit Orangen und Limonen übersäet. Für den Geologen ist der viermalige Wechsel von Kalk- und Basaltlagern von Interesse;.ein Beweis, dass zur plioeäneu Zeit am Grund des Meers Basaltausbrüche stattfanden, welche die kalkigen Meeresniedei*sehlägc bedeckten, und dass dieser Vorgang sich mehrmals wiederholte. Die neue Strasse führt von Palagonia östl. am Fuss der Höhen von Scordia (6203 Einw.), ein modernes Städtchen inmitten fruchtbarer (köstliche Orangen!), freundlicher Gegend, Bocca CastcUana } Bagnara und am rechtenUfer des Gurna- longa, den Aetna fast in steter Sicht, am Bivievc di Lentini (S. 673) vorbei zur (55 Kil.) Sfcat. Lentini (S. 674) der Bahn Syrakus — Catania (R. 19). 459 13. Von Palermo über Leonforte nach Catania. 460 13. Von Palermo über S. Caterina und Leonforte nach Catania. Eisenbahn von Palermo bis? Iloccapalumba 70 Kil.; tägl. 2mal, in 3 St.; I. 7 Fr. 05 C., II. 5 Fr. 55 C., III. 4 Fr. — Post von Roccapalumba gegenwärtig bis nach (60 Kil.) Stat. 8. Caterina - Girbi in 10 St-, 10 Fr. 80 C. Proviant mitzunelnnen; die Billete der Fahrpost hat man in Palermo zu lösen, Via Macqueda, Pal. Comitini, Hof r. Impresa Giaffara, sonst riskirt man, keinen Platz zu finden. Gegenwärtig scliliesst sich die Fahrpost an den Abendzug an, und man hat Zeit, Calfaniaetta (S. 441), wohin die Post (1 Fr. 00 C.) weiter fährt, zu besuchen, und von da noch rechtzeitig wieder an der Station einzutreffen. Doch ist hier alles provisorisch! Man erkundige sich also bei der Lösung des Billets genau. — Eisenbahn: Von Stat. S. Caterina bis (116 Kil.) Catania, 2mal tägl. (Vorm.) in 5 St.; I. 13 Fr. 15 C., II. 0 Fr. 20 C., III. 6 Fr. 60 C. Eisenbahn von Palermo nach (70 Kil.) Stat. Roccapalumba s. S. 367. An der Station ein äusserst primitives Caf4, wo man aber Eier erhalten kann. Von Koccapalumba aus fahrt die P o s t. Man hat bei jeder Station laut Gesetz 25 O. an den Postillon zu bezahlen; will man nicht geweckt worden, so übergebe man den Gesammtbetrag dem Kondukteur. An dem Städtchen Alia (4562 Eimv.) vorbei, das 1. auf steiler Höhe liegt (734m.) in pittoresker Lage, mit sein* fruchtbarem Territorium. Dann in einsamer, ziemlich öder Gegend zur (1 St.) ehemaligen Poststation LaGvdfa. Im N. die Macionischen Berge (Nebrodes), dann 1. das Städtchen (20 Kil.) Valle ie alten Stadtmauern, sie folgen den Krümmungen der Felsen, welche das Plateau begrenzen, und zeigen zwi- Mationna ■ <>dei Tindaro Mosaikboden Gymnasium^ Theater^cV'' Plan von Tyndaris. sehen S. und W. noch in unregelmässigen Zwischenräumen viereckige Thiirme; der Umkreis beträgt fast eine Stunde; die sehr solide Konstruktion besteht aus viereckigen , ohne Gement zusammengefugten Sandsteinblöcken. Nahe der Mitte der Mauerlinie, die an der Südseite von NW. nach SO. zieht, liegen bedeutende Reste des Theaters, in griechischer Zeit angelegt, das BUlmengebäude jedoch unter den Römern umgebaut. Der ganze Bau mit Einschluss des Grundbaues der Seena bestellt aus viereckig behauenen Sandsteinen, nur die in die Orchestra vortretenden Baureste des römischen Prosce- niums zeigen Backsteinkonstruktion (opus lateritium). Die Lage ist nach griechischer Sitte aniHügelabhang, einen Praclit- blick auf das Meer gewährend. Der äussere Durchmesser beträgt 68 m., der 479 14. Ton Palermo längs der Küste nach Messina. 480 Durchmesser der Orchestra 25 m. Der Zuschauerraum (Cavea) war in neun Keile gethciltund hatte 27 Sitzreihen aus Mauerwerk. Von der Scaena und dem Postsce- nium blieben nur die Substruktionen. Geht man von da südöstl. der Mauer parallel weiter, so kommt man zu einer grossen Ruine, welche für das von Cicero (s. oben) erwähnte Gymnasium gehalten wii*d, ein rechwinkliger Bau mit kühnen Bögen und schönem Mauerwerk, in drei Gallerien getheilt, deren mittlere weitaus das breiteste ist. Die mit Kapitalen de- korirten Pfeiler trugen Rundbögen von kühner Spannung, alles in Haustein (jetzt stehen noch vier); an die äusserste Mauer derGallerie südwestl. sich anschliessend, bemerkt man die Reste einer ansteigenden Treppe, und hierauf eine Art kleiner rechteckiger Cella, hinten mit einer Nische. — Nordwärts von dieser Ruine sind Reste von zwei Mosaikfussböden in zwei grossen Räumen, von denen nur noch einige Ziegelreste übrig sind; die Felder von weissen Sternchen sind mit rotli, gelb und blau bemalten Mäandern umrahmt. Am äussersten Südosten der südlichen Mauerlinie bemerkt man noch die Reste von zwei Stadtthoren ; das südlichere führte zu einem bedeckten Weg. Demselben nordwcstl. gegenüber sieht man die Reste eines römischen Grabes. Am Nordende der Anhöhe, an der rechten Ausbiegung, dem hervorragendsten Punkte des Vorgebirges, über der schönen Stalaktitengrotte Donnavilla, erkennt man die Spuren eines antiken Begräbnisplatzes (Inschriften, bauliche Fragmente, einige Statuen von Tyndaris im Museum zu Palermo). Tyndaris wandte sich gegen N. und O. und bietet eine herrliche '^Aussicht: L. auf die Liparischen Inseln; — r. auf den ganzen Golf von Olivieri, dann auf die Halbinsel Milazzo und jenseit des Isthmus auf die Bucht von Spadafora bis Capo liasi- colmo, über welchem sich die Neptiuiischen Berge erheben; — gegen S. eine Bergpyramide, an deren Mitte Tripi steht, wo (weiter nach O.) die antike Stadt Abakainon lag, und auf dem Gipfel das moderne Novara; darüber hin erheben sich die Ileräischen Berge und hinter denselben der hohe Gipfel des Aetna. Köstliche wellige Olivenhügel erhöhen den Reiz der Landschaft. Nun zieht die Strasse an eichen- und sumachbepfianzten Gehängen entlang zur Bucht von Olivieri. Der Ort mit seiner Tonnara wird 1. gelassen. liier steht auf der Höhe ein mittelalterliches Kastell der Fürsten von Patti (man vermuthet an der Stelle, wo die von Cicero [in Verr. IV, 22] erwähnte Villa in Tyndaritano des Cn. Pompejus Philo stand). Zwischen den Bergen und dem Meer reich kultivirtes Land. Ueber die Fiumara Olivieri (den antiken Helikon ), dann Fiumara Arangia nach Falcone, mit hübschem Blick auf den Absturz des Capo Tindaro. Durch eine Ebene mit Oliven, Wein und Fruchtbäumen. Ueber mehrere steinreiche Fiu- maren, Crancotta, Salica, degli Aranci. An der Fiumara degli Aranci (oder di Termini) liegen 3 ,q St. landeinwärts die Schwefelthermen Termini di Castroreale mit grossem Etablissement. Im Hauptort des Distrikts Castroreale (D/a St. von Barcellona) sind in S. Maria del Gesii eine Madonna mit vier Engeln, von Antonello da Saliba (1495) und eine Madonna von Tommaso de Vigi- lia (ca. 1490). Dann folgen die durch einen kleinen Fluss, Fiume di Castroreale, getrennten Stadtgemeinden (230 Kil.) Barcellona und Pozzo di Gotto, zusammen mit 20,4G4Einw. Ein langer Corso durchzieht Barcellona; die schönsten Bauten sind Palazzo Longo, S. Sebastiano und das Theater. Der Fluss Castroreale ist nach Claverius der antike Longanos (den ITolm im Monforte findet), wo Hieronll. von Syrakus 270 v. Chr. die Mamertiner besiegte (Diod. XXII, 15). — Im Sommer ist wegen der Bäder hier ein reger Verkehr mit Messina. Die Badegelegenheiten können daher auch für Tyndaris und Milazzo benutzt werden. Wagen von Barcellona nach (15 Kil.) Milazzo : 2 Fr. 50 C. der Platz. Jenseit Pozzo die Gotto führt die gemeinsame Strasse nach (6 Kil.) Le Miri, ein Weiler, der 1860 den Truppen Gari- baldi’s als Hauptquartier gegen Milazzo diente. Jenseit der Fiumara S. Lucia zweigt die Strasse 1. nach Milazzo ab; sie folgt dem Fluss durch Oliven - und Obstpflanzungen, führt an den Dörfern S. Pietro und il Barone vorbei, dann längs des sandigen Isthmus nach 481 14. Milazzü. 482 (245 Kil.) Mila/ZO (*Loccmda Villa Nnova, am Corso), mit 12,060 Einw.; die Stadt zerfällt in einen untern und obern Theil, an den sich im N. das Fort anselilicsst. Der Mylasbrunnen an der schönen Piazza (del Carniine) enthält köstliches Wasser; die Ilauptlcirche ist aus dem 16. Jahrli. (in der Capp. del Cro- cefisso zwei Bilder [S. Peter, S. Paul] von AntonellodaSaliba, 1531); (i&s Kastell ((m der Stelle der hellenischen Festung) steht auf dem höchsten Punkt (96 in.) des Vorgebirges über der Stadt und beherrscht diese, den Hafen und die Halbinsel, bietet daher ein prächtiges *Fanorama, auch auf die Liparischen Inseln und die bergigen Küsten von Sicilien und Kalabrien; den grossen Festungsthurm, umgibt eine Mauer mit vier runden Thürmen; auf die normannische Zeit deuten noch die spitzbogigen Thore, einige Thürine (besonders die Torre Moresea) und eine alte Kapelle, aber der Haupttheil der Befestigung stammt aus Karls V. Zeit und wurde 1643—45 restaurirt (wobei der berühmte Maler Novelli die Oberleitung hatte). Das mittelalterlicheMilazzo stand auf den Klippen über dem sandigen Isthmus, aber mit dem Wachsthum des Handels und der Sicherheit zog es sich an die Küste hin, und nur Kastell und Kathedrale blieben auf der Höhe. Jetzt besitzt Milazzo auch ein hübsches Theater und ein elegantes Cafe; die Strassen gegen den Hafen hin sind breit und gut angelegt. Der jetzige Hafen, obschon klein, ist vor den Nord- und Westwinden gut geschützt. Das Capo di Milazzo, eine enge Halbinsel bildend, streckt sich weit in die See hinein und bricht in steilen Stürzen ab; die grösste Breite dieser unregelmässig elliptischen Landzunge beträgt noch nicht 2 Kil. Während die Küste aus Sandstein besteht, bilden Gneis und Glimmerschiefer die Felsen jenseit des Isthmus, im Centrum der Halbinsel zum kleinen Monte Venereo sich sammelnd; es folgen dann wieder Sandstein und Kalk. Die Umgegend ist reich an selteneren Pflanzen und fossilen Konchilien. Im Sommer bedeutender Thunfischfang. Unter • Italien. IT. Die Landzunge von Milazzo galt als die Stelle, wo die Herden des Helios geweidet haben, und noch wird unter dem Kastell eine geräumige Höhle als die Grotte der Nymxhien gezeigt, in welche sich Odysseus mit seinen Gefährten zuriiekzog. Die Stadt war zunächst eine Küstenburg, Mylai oder Chemonexos genannt, von den Einwohnern des 750 v. Ohr. gegründeten Zankle (Messina) zur Sicherung der griechischen Stadt von der Westseite her im Jahr 716 v. Chr. gegründet, an der Stelle, wo jetzt das Kastell steht. Die Festung blieb von Zankle abhängig, wurde aber bei der atheniensi- schcn Expedition unter Laelies 426 v. Ohr., als dieser Mylai angriif und einen so entscheidenden Sieg über die Truppen von Messene erlangte, dass diese Stadt selbst kapitulirte, von den Athenern genommen (Thukyd. III, 90) und den Khegitanern übergeben, bei denen es bis 394 v. Chr. blieb. Dann gewannen es die Messener wieder. 315 v. Ohr. nahm es Agatliokles, gab es aber wieder an Messene zurück, das nun der Festungsstadt wieder aufhalf. 260 v. Ohr. im ersten Punischen Krieg gewannen hier die Körner unter dem Konsul Duilius die erste Seeschlacht über die Kartbager durch die Enterbrücken; die Körner waren sich der Ueberlegenheit der Karthager in der Seetaktik bewusst und kamen auf den Gedanken, dieselbe durch einen Kampf von Mann gegen Mann zu ersetzen, die Seeschlacht in eine Schlacht auf festem Land zu verwandeln, und so erfanden sie die Enterbrücken, die ihnen den Sieg bei Milazzo verschafften. — Hier auch (gegen Spadafora hin) fiel Sicilien an Octavian (Augustus) 36 v. Chr. (Appian 5, 739) durch den Sieg Agrippa’s über die Flotte des Sextus Pompejus; die Flotten stiessen bei Naulochus zusammen, je 300 Schiffe, und die furehtbai-ste Schlacht wirrte alles so durch einander, dass mau Freund und Feind nur noch an der Bauart der Flotte und an der Farbe der Thürme auf den Schiffen unterschied. Agrippa entschied diesen wichtigen Sieg, der das ganze Westreich dem ersten Kaiser zusicherte, dadurch, dass er die Flotte vom Land trennte und es ihr unmöglich machte, bei den Landtruppen Schutz zu suchen. Durch die sandige Küste, dann eine an Oel, Wein und Früchten reiche Ebene und über die Fiumara, Nociti (wahrscheinlich der antike Melas, der ursprünglich wohl Mylas hiess) zieht die Strasse der Poststrasse nach Messina zu. Ucbcr den .Fiume Condro, den antiken Facelinus, an welchem ein Dianatempel stand. Beim 23. Meilenstein der Weiler AlV Archi. Va St. weiter zweigt beim Fiume di Mon- forte (wahrscheinlich dem antiken Longa- nos, s. oben) eine Strasse nach S. Fier Ai- ceto (4841 Einw.) ab, das Thal hinanziehend, mit den Städten Venetico und llocca auf den IC 483 1 5 . Messina. 484 vorderen Gehängen; im folgenden Thal auf steiler Höhe Rametta (3787 Einw.), mit For- tezza, daneben die sogen. Torre dei Sara- ceni, auf dem Hügel im Centrum der schöne Ilaustcinpalast Torre grande und eine gewaltige Cisterne aus Friedrichs II. Zeit; hübsche Hauptkirche Assunta. DieStrasse rückt den Gebirgen näher, die in schönen Linien gebrochen sich kühner auftliünnen; auf den Höhen lagern sich malerisch zahlreiche Ortschaften, die tieferen Gehänge sind überreich an Oliven, durch Strecken rotlien Klees von den unten folgenden Getreideebenen geschieden. — Spadafora, kleiner Ort an der Küste, in köstlicher Umgebung, mit fürstlichem Schloss. An der Küste weiter über den Fiume Saponara; r. Castello Saponaro unterhalb des Messina beherrschenden Monte Tinnamara; nun von der Küste ablenkend gegen die schöne Hügelreihe hinter Messina hinan ; reich an Oliven, Korn, Wein und Obst, an Landhäusern und Ortschaften. — Dioieto (sicil. Pivetu), ursprünglich ein Wartthurm zwischen den Promontorien von liasicolmo undMilazzo. — Halbwegs Passhöhe Gesso, mit einem verlassenen Fort in beherrschender Lage; unten am rechten Ufer des Gallo liegt S. Gregorio mit alter Kuppelkapelle. —Jetzt weiter ansteigend durch rauhe Gegend, mit Tamarisken und Farn an den jähen Gehängen, Felsen von Gips und Granit. Herrliche Blicke auf Küste und Meer, Capo Milazzo, die Liparischen Inseln, dann auf die Berge Kalabriens. Auf der Höhe des Passes (2 St. vor Messina) beim * Telegrafo entfaltet sich ein neuer Pracht- bliek auf die Meerenge von Messina, wie »ein mächtiger Strom ausmündend am Kap Spartivento«; rings auf den unteren Höhen reiche Kultur, Kastelle, Dörfer, Villen; am jenseitigen Ufer die Küstenstädte und der Berg wall der kalabrisehen Höhen, ihnen gegenüber ins Meer hinausziehend die Sichel Messina’«. Nach W. die glänzende Nordküste und die äolischen Eilande mit Stromboli, zwar fern, doch ganz deutlich. In zahlreichen Windungen hinab, schon mit Durchblicken auf Messina; auf den Hügeln winken die Pinien, 1. unten Scylla gegenüber der Faro. Nun, von reicher Vegetation umgeben , nach (270 Kil.) Messina (li. 15). Mitte Wegs zwischen Gesso und Messina, am Fuss des Hügels S. Riccio, r. (siidl.) von der Strasse liegt das verlassene normannische Kloster Santa Maria della Scala (auch Abbadiazza genannt), noch mit Bauresten aus dem 12. Jahrh. Schon 1347 verliessen es die Nonnen und zogen nach Messina. 15. Messina. Vgl. den beiliegenden Plan. Ankunft mit der Bahn: Von der Station | (PI. Co) in die Stadt: Einspänner (a un ca- vallo) mit kleinem Gepäck (15 ICilogr.) 70 C.; Nachts 1 Fr. 30 C. Zweispänner: D/a Fr., Nachts 2 Fr. 30 0. — Die Packträger (Fac- chini, Servitori di Piazza) erhalten nach 'larif für die Besorgung (zur Dogana und zum Hotel) eines Koffers So C.; mit Nachttasche und Hutschachtel 1 Fr.; für eine Nachttasche allein 45 C.; die Besorgung und Ausgabe für den Wagen übernimmt ebenfalls der Faechino. — Beim Eintritt in die Stadt ffndet die gewöhnliche Nachfrage am Stadtzollamt statt, meist ohne Eröffnung der Effekten; beim Verlassen von Messina mit der Bahn wird das Gepäck, da Messina noch Freihafen ist, von der Dogana leicht untersucht. Ankunft mit dem Dampfschiff. Von der Landungsstclle der Dampfschiffe im Hafen (E 3) führen Boote aus Land. Taxe der Boote für dasDampfsehiff von Reggio 10C.; Taxe der Boote für die übrigen Dampf sehtfe (ausschiffen, sbarco, oder einschiffen, imbarco) ohne Gepäck Va Fr.; mit Gepäck (über 15 Kllogr.) 1 Fr. Passagiere unter 12 Jahren bezahlen die Hälfte; Kinder unter 5 Jahren fahren gratis. — Packträger s. oben (dabei haben die Faeehini das Gepäck sowohl auf die Dogana als in den Gasthof zu befördern). Die Boote landen beim Ausscldffenan der Sanitä maritima (E 3), in der Mitte des Corso Vit- torio Emanuele; die Dogana, ist bei der Untersuchung des Gepäcks meist sehr gcntil. Gasihöfe: * Vittoiia (a, D 3), Via Garibaldi 06; deutsch (Möll-r), das beste llötel in Messina (Z. von 3 Er. aufwärts; Bed. 1 Fr.; Eicht Va Fr.; T. d’h. 5 Fr.; Kaffee komplct 1 J /a Fr.; Gabelfrühstück 3 Fr. — * Venezia (b, D3), Ktrada della Neve 11, hart an der Piazza del Municipio; billiger, hat gute Zimmer zu 3 Fr.; mittlere zu 2 Fr.; Bed. tya Fr.; ein echt italienisches Haus. Das dazu gehörende Restaurant im Erd- MESSINA. | JA ^ Mafsstab 1: «000 I H?orte Gi Gasthofe (Alberghi'': Cappuccfii a mcrUt B 3 T> Yenexuz Po 1 c Trinacritz E 3 d Gm&re . . T) 3 e LezmediFrancixz B 3 .f Centnale. .1) 3 % 1 Corde. Tfarullo äjm <£QO O -J SJ P r qg ***-_ -- M üella Maddal 4 \L a 'n ai Opti Mosella Giardmo Pubbuco projectirt) bS T \\ BTT 0 X,".' »ra^igiie my% s ;b i n, a 4. urannova Bacino arenageio azzini® cnto '///>'///. rande Gez; O.Meinke. Bibliographisches Institut in Leipzig. 485 15. Messina. 486 geschoss ist unscheinbar, aber gut. — Tri- uiicria (c, EU), Str. Garibaldi und Marina; Eingang Scesa Teatro Vittorio Emanucle; gibt gute Zimmer zu 2 Fr.; Bed. J /a Fr. — Ge- nece (d, D3), Piazza del Municipio, ebenso. — Noch etwas billiger: Belvedere (D 3), Piazza dcl Duomo. — Leone di Franchi i'c, D, 3), ebenda. — Roma (D 3), Scesa Uovere. — Centrale (f, 1)3), Via della llo- vere 17. — In allen italienischen Gasthöfen (Siciliens überhaupt) thut man gut, zuerst nach dem Preis der Zimmer zu fragen, und sich danach selbst ein Zimmer auszusuchen. Man steht sich nachher viel angenehmer. Licht und Bedienung sind in diesen Gasthöfen stets mit in den Gesammtpreis einzubedingen! In den mit diesen Gasthöfen verbundenen Kestaurants (Trattorien) liegt die Preisliste auf; der Kellner erhält für das Ess.en das gewöhnliche Trinkgeld, 5 C. pro 1 Fr. Zehrung. Restaurants (und Trattorien): *CafeNitovo (E 3), 1. von der Fa^ade des Teatro Vittorio Em.; gut, aber ziemlich hohe Preise; gute T. d’h. für 3 Fr. — *Cafd Restaurant Nationale, gegenüber; etwas billiger. — * Venezia (L> 3), Str. della Neve 7; recht gut und sehr billig. (Auch der Wein sehr gut.) — Sicilia, ebenda, 46. — Campidoglio, ebenda 42. — (Die Fische Messina’s sind ihrer Schmackhaftigkeit wegen berühmt; man erhält sie besonders gut: Paolo, Cennia, Adotto, Luna, Spinola und Spada.) Cafes: *Caf6 Naovo (E 3), das beste *Fis, ein Rundstück (Gelato) 30 C. — Milchkaffee 50 C., Kaffee mit geschwungenem Ei 60 C., Tasse schwarzer Kaffee 20 C. — *Nazionale (E 3), gegenüber. — Billiger: Peloro (E 3), Piazza dell’ Annunziata; neben dem Telegraph. — *Del Duomo (siid- westl., dem Dom gegenüber), kleines Lokal, aber der Kaffee gilt als der beste (Tasse nur 10 C.). — Zancleo (I) 3), Piazza Con- cezione 5; gibt auch gutes Gabelfrühstück. — *Corso, Corso Cavour 235.— Sicilia, Via Univ. degli Studi. — Palestri (D 3), Via Garibaldi 80 (unweit Vittoria). —Dole iere( Zuck er - bäekerei). ■— *Pizr:o, Corso Garibaldi 340. Weinhandlung: Micale Pasquale, Corso Vittorio Em. 107. Die besten nahen Weine sind die von Faro und von den Lipari-Inseln. ; Eigentliche Weinh'dnser gibt es trotz des aus- | gezeichneten Weins in Messina nicht; mau trinkt ihn am besten in den beiden grossen Cafes und in den besseren Trattorien. Bier: *Birraria Snizzera (Baraudon), Via Garibaldi 210; das Glas 25 C., die Flasche 40 C. Wiener Bier, die Flasche 1. Fr Boote: Tarif, s. oben. Die Bootfahrten zu Vergnügungstouren sind nicht tarifirt; man rechnet die Stunde zu 1—14/a Fr., hat aber den Preis zuvor genau (buona mancia eompresa) auszumaohen; ein Boot mit vier Kudern den halben Tag 8—10 Fr. Esel: Am Südende des Corso Cavour, ! gegenüber dem Ospedale eivico (C 3); l h Tag ) 3 Fr., 1 Tag 5 Fr. I Post: Corso Cavour 195; Eingang Via S. Agostino 1 (Ausgabe und Annahme der Briefe im Erdgeschoss vorn gegen Corso Cavour). Die Post wird binnen kurzem in den Konvent der Crociferi verlegt werden. — Fahrpost (Messagerie) Corso Cavour 148. Die Messagerie postali terrestri, Landverbln- duug mit Palermo in Verbindung mit der Eisenbahn) der Iwpresa Marchesi, Via S. Agostino 16 (D 2). Telegraph: Piazza dell’ Annunziata 9 (E 3), am Corso Cavour, hinter der Statue des Don Giovanni. Dampfboote. Agenturen: Messageries maritimes, Largo del Purgatorio 6 (D 3). — Florio (Werbeck), Corso Vittorio Eraan. 132. — Rnbaltino, ebenda — Peirano Danovaro (Simeone), Scesa llovcrc (D 3). — Tnnacria (Tagliavia), Teatro Vittorio Eman. 1 (E 3). — Fraissinet, ebenda (E 3). — Nach Neapel fährt die Societa Florio, Montag, Donnerstag, Sonnabend, Nachmittags (ca. 20 St.): I. 4« Fr. 50 C., II. 31 Fr. 50 C. — Die Societa Peirano Danovaro, 2mal wöchentlich; die iibrgen Schiffe vgl. Neapel (S. 57). Einschiffen: 1 k Fr. und Fr. (S. 484). — Nach Palermo fährt die Societa Florio gegenwärtig 1mal (Sonntag Morg. 8 Uhr) über IApari (2 Uln*) und Milazzo ( 51/2 Uhr), wo das Schiff 9 St. bleibt, Patli 15 Uhr), Capo d'Orlando (7Va Uhr), S. Stefano (11 Uhr 15 Min.), Cefalic (2 Uhr), Palermo (7 Uhr). Die Trinacria fährt gegenwärtig Imal direkt nach Palermo am Dienstag Abds. 5 Uhr und kommt am Mittwoch Morg. 7 Uhr nach Palermo. — Nach Catania fahren gegenwärtig 3mal wöchentlich Dampfschiffe; nach Syralctis Imal; ebenso nach Ancona. — Die Dampfboote der Societa Florio nach Palermo und Syrakus setzen ihre Fahrt um ganz Sl- cilien herum fort (S. 122). — Die Messageries maritimes de J&ance fahren alle Sonntage und Montage nach Genua und Marseille. Dampfboot nach Reggio täglich (gegenwärtig 9 Uhr Morg.) 2 Fr. — fpr* Bei der Veränderlichkeit der Dampfschifftouren ist stets das Nachfragen auf den Büreau's (s. oben) nothwendig; auch gibt die Abtheilung Navigazione maritima des alle Monate neu erscheinenden Indicatore ufßciale delle s'rade ferrate meist richtigen Aufschluss. Konsulate. Deutsches (I)r. Bamberg): am Nordende des Corso Garibaldi, oben gegenüber dem Gasometer (II 2). — Oesterrei- ckisches: Piazza del Municipio 3 (E 3). — Schweizerisches und Schwedisches (v. Gonzenbach): Via S. Giaeomo 15. — O’rosshritan- nisches: Via S. Maria la Stella 14. -- Holländisches: Via Argcntieri 32. — Russisches: Via Garibaldi 48. — Dänisches: Piazza del Muni- cipio (E 3). Aerzte: Dr. Francesco Tromhetta, Via Plaeida; Dr. Giovanni Soraci ; beide sind Professoren an der Universität und sprechen deutsch. Apotheker: tlius.Segnenza, Corso Cavour. — Miller, Via Cardines 249. 48 ? 15. Messina. 488 Eisenbahn: Nach (48 Kil.) Taormina, 4mal, ln IVa St.; für I. 5 Fr. 45 C., II- 3 Fr. 80 C., III. 2 Fr. 75 C. — Nach (95 Kil.) Catania, 4mal, in 3—4 8t.; I. 10 Fr. 75 (J., II. 7 Fr. 55 C., III. 5 Fr. 40 C. - Nach (182 Kil.) Syrakus nur 3mal, in 6*/a St.; für I. 20 Fr. 60 C., II. 14 Fr. 40 C., III. 10 Fr. 30 C. — Boi der Abfahrt von Messina wird das Gepäck, weil Messina noch Freihafen ist, von der Dogana leicht untersucht. — Direktion der Eisenbahn: Via dclla Ro- vere 43. Kil. Wägen: Tarif (von 1876) mit Angabe der Entfernungen. Einspänner hin und zurück Fr. | C. f Fr. 1 C. Zweispänner hin lind zurück Fr.! C. Fr.' C. Von der Stadt bis zur Umfriedung des Porto franco — 50 — 85 1 — 1 50 Zu oder von der Bahnstation bei Tag .... — 70 1 — 1 50 2 — Dieselbe Fahrt bei Nacht. 1 30 2 — 2 30 3 — Vom Landungsplatz der Dampfboote in die Stadt — 50 - 85 1 — 1 50 Für die erste Stunde im Innern der Stadt . . 1 80 — — 2 50 — — Für jede folgende Stunde. 1 10 — — 1 60 — — 1 Via S. Marta (torrente Camavo). 1 — 1 20 3 50 2 — 1 Campo Santo. 1 — 1 60 1 50 2 — 21/4 1 10 1 40 1 80 2 25 3 Contesse. 1 50 2 — 2 40 3 40 4 Pistunina. 1 70 2 55 2 80 4 — 6 Tremestieri. 2 — 3 — 3 — 4 50 8Va Mili (torrente). 3 — 4 50 4 50 (5 50 <) Mili (marlna) e Galati. 75 5 50 5 50 7 50 11 S. Stefano (marina). 4 — 6 — 6 — 9 — 18 Scaletta. 8 — 12 — 12 — 16 — 1 S. Salvatorc dei Greei. 1 — 1 20 1 50 2 — 2 Fonte del Paradiso. 1 30 1 70 1 80 2 40 4 Pace. — 2 60 3 — 4 — 5 Fiumara della Guardia. 2 30 3 — 3 50 4 50 7 2 50 3 50 4 — 5 50 9 4 50 5 50 7 — 13 — 6 50 6 50 10 — 1 Via Nuova (miglio) . 1 — 1 40 1 60 2 20 2 llitiro . 1. 60 2 50 2 80 4 — 12 Castanea . 6 50 8 20 10 — 14 — 15 7 50 10 — 12 — 16 — 19 Divieto . 10 50 13 50 16 — 20 — Der Aufenthalt toährend der Fahrt und Rückfahrt darf 1 k St. nicht überschreiten. Die Kutscher, welche an den öffentlichen Plätzen halten, dürfen keine dieser Fahrten absclilagen. Nach Ave Maria sind sie verpflichtet, Licht anzuzünden (accendere i fa- nali). — Da die Ausflüge von Messina zu den genussreichsten Siciliens wählen, und das Fahren überaus billig ist, so dient obiger Tarif als Anhaltspunkt für die grösseren Fusstouren. Bader. Warme und kalte: Sir. Oratorio dclla Pace 16. — Ilydropathische Anstalt Montegazza (Dr. Francesco Genovesi), Corso Cavour 37, Pal. Brunaceini (C 2, 3) — Meerbäder: *Ignazio Cntroneo, an der Marina, bei der Sanitä (E 3); für Herren und Damen; Einzelbad 1 /a Fr. Saison 18 Fr. — Agreste (nur für Herren), ebenda. Die Seebäder in Messina sind sehr anzuempfehlen. Vereine: Der deutsche * Kegelklub, im Schweizer Biergarten, Str. Garibaldi 219; der Zutritt bedarf der Einführung durch ein Mitglied und ist nur Germanen gestattet. — Casino dellaliorm, Spielklub mit Zeitungen; Einführung ebenso. Lesekabinet: t’ircolo del (1 abinetto di let- tura, Teatro Yittorio Km. (E 3). — Tenn Zanclea, Corso Cavour 132. — Cireolo Pro- ffressista, Piazza del Duomo 12 (D 3). Buchhandlung: *Welbatu$, Str. Garibaldi 103 (ein Berliner); die einzige Buchhandlung mit deutschen Büchern, und auch in anderen Sprachen gut versehen; hält gleichzeitig Papier-, Schreib - und Zeiclien- materialien; grosse Auswahl von Photographien , geographischer und nautischer Karten. Auch anderweitige Auskunft er- tlieilt diese sehr zu empfehlende deutsche Handlung aufs bereitwilligste; Geld kann zum Tageskurs umgewechselt werden. Photographen: Valvo, Scesa S. Camillo. — Cianri, Via S. Andrea Avcllino. — Statuetten, Kostüme in Ambra: Mosca, Corso Vit- torio Emamiele; — Pettinato, Via Placida.— Lithograph: Jiiihrer. Oeffentliche Bibliothek, auf der Universität: geöffnet tiigl. von 10—4 Uhr (ausser an Festtagen), vom 17. Nor. bis 31. Äug. Journale: Gegenwärtig erscheinen 13 Journale in Messina; aber es herrseht in Sicilicn nicht die Sitte wie im übrigen Italien, dass dieselben lärmend über die Strasse hin ausgeboten werden (nur die Ultimi dis- pacci erleiden eine Ausnahme): Ciazzetta di Messina; Agnila latina; Fe.de e A venire; Po- litica e Commercio; la Parola CattoHca ; 1‘Gräme; VIndicatore Siciliano; la Scieuza Con - teviporanea; Camera di Commercio ed Arti; 489 15. Messina (Geschichtliches). 490 'I’emi Fanden; Agricottore Messinese; la Falcc ; la Croiuica. Municipio: Für den O. am Corso Vittorio Emanuele; — für den W. Via Garibaldi 96. Präfektur: Corso Cavour 199 (I) 3). Deutscher protestantischer Gottesdienst: Via del Gran Priorato (II), 11 (Sonnt. 10) Uhr. Bankiers: Gebrüder Fischer, Via Garibaldi. — Joh. Walser, ebenda. Wechsler: Orazio Grasso, Corso Vittorio Emanuele; Siracusa, Piazza Municipio. Uhrmacher: *llüegg (Schweizer), Str. Garibaldi 75. Handschuhe: Salvadore Gacopardo, Str. Cardines. Coiffeurs und Barbiere, viele sehr elegante Magazine: Celi, Corso Vittorio Eni. 09. — Ficcold de Leo, Corso Cavour 321). — Va- lenti, Corso Cavour 198. Theater: Vittorio Emanuele (E3), Piazza Garibaldi; das llaupttheater; die Oper oft recht gut. — La Muninione (D 2), Via del Monte della Pieta. — Politeama la Villoria (G 3), Spianata di Porto Salvo. Geschichtliches. Messina hiess im Altcrthum, zur Zeit der Griechen, ehe sich Messend* in ihr ansiedelten und ihr ihren Namen gaben, Zankle. Thukydides (VI, 4) berichtet: »Zankle wurde zuerst durch Seeräuber gegründet, welche von der clialkidischen Stadt Kyme im opi- eischen Lande (d. li. Cumä in Kampanien) kamen. Später langten noch Auswanderer aus Chalkis und anderen eubüischen Städten an und nahmen theil an der Besetzung der Umgebung. Gründer und Vorstände der Kolonie waren Perieres von Kyme und Kra- taimenes, ein Chalkidier. Der ältere Name der Stadt, welchen die Sünder aufbrachten, war Zankle, von der sichelförmigen Gestalt des Hafendamms, da die Sikeler die Sichel Zanklos nennen. Später wurden diese Kolonisten von den Samiern und anderen Ioniern verdrängt, welche auf der Flucht vor den Persern in Sicilien landeten.« ■— Nach Strabon VT, 2 (der Zanklion durch krumm übersetzt) war die Stadt eine Anlage der Naxier bei Katane. Die Sage, dass die Stadt von Zanklos oder von der Sichel des Saturn benannt worden, oder dass Orion für den König Zanklos den Hafen gemacht, zeugt dafür, dass zunächst die Sikeler, denen das Wort Zankle angehört, hier eine Stadt besassen, die des Küstenarms wegen diesen-Namen erhielt. Sie wurde nun bald so blühend, dass sie im Jahr 649 eine Kolonie (Jlimera) aussenden konnte. Später, als jene aus der Heimat vertriebenen Samier und Milesier, von dem Tyrannen von Khegium, Anaxilas, der aus vornehmer Familie Messeniens im Pc-loponnes stammte, aufgefordert, 493 v. Chr. Zankle besetzten, während ihr Vorstand Skythes sich bei einer Belagerung befand, kam Zankle an die Ionier; die alten Bewohner wurden von Hippokrates von Gela zu Sklaven gemacht. Skythes aber entfloh nach X’ersien zu König Darius (wo er hochbetagt als reicher Mann starb). — Auch die Samier blieben nicht lange im Besitz der Stadt, denn Anaxilas bemächtigte sich derselben und führte nun Kolonisten, besonders vertriebene Messenier, hin, und nannte die Stadt nach seinem ursprünglichen Heimatland Messene. Herodot VII, 164 berichtet jedoch, dass Zankle unter den Samiern (von den mit ihnen gekommenen Mes- senorn) ihren Namen in Messene geändert habe (wozu die ältesten Münzen mit dem Namen Messana stimmen, da sie wie die sami- sclien Münzen Löwenhaupt und Stierkopf zeigen), was -wohl zu Ehren des Anaxilas geschah. Durch das Ueberwiegen des dorischen Elements wurde der Name Messene bald in Messana umgelautet. AlsMünzfuss galt mm der attische mit den Vierdrachmen, und auf die Vorderseite kam der Hase (den er auf Sicilien eingeführt hatte), auf die Rückseite ein Gespann (seinen Sieg in Olympia an- deutend). Schon Anaxilas’ Söhne wurden wieder aus Mossana vertrieben (im Jahr 466 v. Chr.) und hier und in Rliegion republikanische Verfassungen eingeführt. Messana hob sich durch lebhaften Handel und Schiffahrt als wohlbefestigte treffliche Hafenstadt bedeutend. Aber im Verwüstungskrieg, den die Karthager gegen Dionys führten, wobei sie Selinus und Ilimera eroberten und zerstörten, Akragas verlassen und vernichtet wurde, Gela und Kamerina in ihre Macht fielen, gelang es ihnen, nachdem Dionys sie wieder bedrängt und Motye erobert batte, auf einem erneuerten Zug (unter Himilko) an der Nordküste, obschon sich die Messaner auf den alten Orakelspruch: »Karthager werden in Messana Wasser tragen« (Dio- dor XIV, 56), d. h. sie werden hier Sklaven sein, veiiiessen und getrosten Muths einen Ausfall machten, plötzlich mit vollen Segeln, durch einen Nordwind begünstigt (Kap. 57), in den llafen von Mossana ein- zulaufen. Die messenischen Truppen, die hei Pcloris das Ufer beschützten, eilten zwar schleunig herbei, kamen aber später als die Schiffe an. So geschah cs denn, dass die Karthager sogleich die Belagerung begannen, das Landheer die Einschliessung vollzog, die in schlechtem Zustand befindlichen Mauern erstürmt und die Stadt erobert wurde. Die Messenier kamen theils tapfer kämpfend um, theils flohen sie in die nächstgelegenen. Städte. Die meisten liefen zerstreut über die umliegenden Berge den Festungen des Landes zu. Andere, die auf dem Platz am Hafen eingeschlossen waren, stürzten sich ins Meer, in der Hoffnung, über die Meerenge hinüberschwimmen zu können. Aber der grössere Theil wurde von den Wellen verschlungen. Weiber und Kinder und ihre kostbarste Habe waren aber schon zuvor in die benachbarten Städte gerettet worden. Die Kastelle auf dem Lande waren so fest und wurden so tapfer vertheidigt, dass Himilko, ohne sie eingenommen zu haben, nach Messana zurückkehren musste. Deshalb beschloss Himilko, Messana, das jenen 491 15. Messina (Grescliiclitliclies). 492 Burgen der (1 riechen ausgesotzt war, zu vernichten. Er liess (Kap. 58) die Mauern schleifen und gal) seinen Truppen Befehl, die Häuser dem Boden gleich zu machen und keinen Ziegel, keinen Balken, nichts übrig zu lassen, sondern alles zu verbrennen und zu zerschlagen. Und diese Arbeit war bald vollendet, so dass man nachher die Stelle nicht mehr erkannte, wo die Stadt gestanden. Er bedachte nämlich, dass Mes- sana weit von den verbündeten Städten entfernt und doch auf ganz Sicilien am besten gelegen war. Er wollte also, dass die Stätte für immer unbewohnt bliebe, oder doch die Wiederaufrichtung sehr schwierig würde. So sank die alte Zankle-Messana dahin. Bald nachher von Dionys (3ü(> v. Chr.) doch wieder hergestellt, um lthegion bekämpfen zu können und mit den Ueberresten der Einwohner sowie mit Lokrern, Med- mäern und Messenlern besetzt, schien die Stadt nochmals aufzuleben, erlitt aber unter Agathohles ein ähnliches Schicksal wie die übrigen Städte. Als nach dem Tod des Aga- thokles seine kampaniselien Söldner als Neubürger von Syrakus bei den Wahlen zuriiek- gesetzt wurden und nun die Altbürger mit den Waffen bekämpften, dann einen Vergleich eingingen, ihre Besitzungen zu verkaufen und wegzuziehen, wurden die nach Italien zurückkehrenden von Messana in Sold genommen; aber (Diodor XXI, 18) von den Bürgern freundlich in den Häusern beherbergt, überfielen sie dieselben plötzlich, ermordeten bei Nacht die männlichen Einwohner, vermählten sich dann mit denPraueu derselben und nahmen die Stadt für sicli in Besitz (ca. 288 v. Chr.). Sie nannten sich nun Mamertiner und die Stadt Mamertine, nach dem (Feshts) erloosten Gott Marners, der in der Sprache der Osker Mars bedeutet. Daneben verehrten sie auch den Ilcilgott Apollon (wie eine in Messina [Benedettini] vorhandene oskisclie Inschrift aus ihrer ersten Zeit bezeugt, in welcher dem Apollon wahrscheinlich die Stadlmauir gewidmet wurde, die zufolge des Fundorts der Inschrift in der Giudeeca durch die Strada Cardines lief. Die Mamertiner kamen bald zu ausgedehnter Macht, eroberten einen grossen Theil der Nordküste und legten hn Innern der Insel Kastelle an, zerstörten sogar Kamerina und Gela. Selbst Syrakus wurde von ihnen bedroht, wodurch sie mit Ilievon in Krieg ge- riethon, der sie in mehreren Treffen schlug (S. 75). Aber die Karthager besetzten die Citadelle Messana’s unter dem Vorwand, den Maniertinern zu helfen. Zugleich hatte sich eine starke römische Partei in der Stadt gebildet, die sich nun an die Jtömir wandte. So veranlassten sie das neue Geschick der Insel, um ihr griechisches Eigenleben zu kommen, und Messana wurde dir Ausgangspunkt des taeltijesi-hichtlichen ersten l’tniiseheu Kriegs, 2(11 v. Chr. — Die Mamertiner vertrieben die karthagische Besatzung aus der Citadelle, und die Stadt ging infolge eines vor ihren Mauern vom Konsul Appius Claudius über llieron erfochtenen Siegs in die Hände der Körner über, in deren Besitz sie nun blieb. Die Einwohner erhielten das römische Bürgerrecht. Im Bürgerkrieg zwischen Sextus Pompejus und Octaviau diente Messana erstcrem als Waffenplatz. Octavians Krieger eroberten und plünderten sie (35 v. Chr.). Der Kaiser schickte nachher eine Kolonie in die heruntergekommene Stadt. ßtrabon nennt (VI), nachdem er den Wein der überaus rebenreichen Umgebung einen der besten, keinem der italischen nachstehenden genannt, die Stadt noch ziemlich bevölkert, weniger als Catana, mehr als Taormina. — Diodor (XIV, 5(1) spricht vom bequemen Hafen, der mehr als öüO Schiffe fassen konnte. Dagegen von den Tempeln und öffentlichen Bauten sprechen die alten Schriftsteller nicht, nur von der Citadelle und den Forts am Westabhang der neptunischen Berge. Die Suracenen eroberten Messina 831 im vierten Jahr nach ihrer Landung. Wie Messina zuerst die Körner nach Sicilien rief, so nun zuerst die Normannen. Die neue Macht, welche die von innerer Zwietracht, Partei- wutli und Sektenhass zerrissenen Saracenen bald zu unterwerfen wusste, bemächtigte sich auch Messina 1 ». — Während der Kren;.- züge blühte die Stadt durch ihre vortheil hafte Lage auf und erwarb sich grosse Freiheiten auch für die Folgezeit. Doch bei dem sechs- monatlichen Aufenthalt, den die Kreuzfahrer unter dem englischen König Richard Lüweu- herz in Sicilien machten, bald einem Festspiel, bald einem Volkskrieg ähnlich, kam es zu solchen Haderscenen, dass die Kreuzfahrer Messina (11U0) mit den Waffen erstürmten und ausplünderten. — Unter den Hohenstaufen, die oft in Messina rosidirten, sahen sich die Oheime Manfreds, Galvano undFede- rigo Lancia, genüthigt, die Stadt, welche für ihre freiheitliche Entwickelung fürchtete und in diesem Sinn stets an die Spitze der vaterländischen Partei gegen die Fremdherrschaft trat, zur Unterwerfung zu bringen. Als nach der Sicilianisclicn Vesper Karl von Anjou rachedurstig seine Flotte gegen Sicilien wandte, griff er zuerst Messina an. Alle Friedensanträge und Vermittelung»* versuche wurden finster zuvüekgewicsen. Die Stadt wurde zu Wasser und zu Land mit harter Belagerung bedrängt.. Villani (VII, (58) erzählt: Als der König schon zwei Monate vor Messina lag und seine Leute die Stelle augriffen, wo statt der verfallenen Mauer anderes Material (botti e altro legname) auf- gehänft war, da errichteten die Messineaen mit ihren Frauen, den besten des Landes, und mit ihren kleinen und grossen Kindern plötzlich in drei Tagen die Mauer und wehrten so die Erstürmungsversuche der Franzosen ab. lind damals wurde folgende (Jan- zonetta gedichtet: Deh com 1 egli e grau piefcate Delle donne di Messina, Voggendolc scapigliate Portando pietre e ealcina. Dio gll dea briga e travaglia, Ohl Messina vuol guastare eec. 493 15. Messina (Geschichtliches). 494 Erst als Peter von Aragonlen mit seiner Flotte erschien und Ruggero di Loria, der tapfere und kühne, glückliche und ungestüme Admiral Peters, Karl vor Messina überraschte, gab letzterer die Belagerung auf; Ruggero verbrannte die Küstenschiffe. und Karl, der es nicht wehren konnte, rief (Villani VII, 75), im Aerger in die Gerte heissend: Ah l>ieu! molt m’aves offci-t a surmontcr; je te prie, que l’avaler seit tont bcllement! (Ach Gott, viel hast Du mir dargeboten zu überwinden; Ich bitte Dich, dass das Verschlucken hübsch langsam gehe!) So wurde Sicilien durch den M.utli Messiua’s vor seinem grössten Gegner gerettet. Messina stand jetzt auf gleicher Höhe mit Palermo, und rühmte sich, dass die Römer, Normannen und Hohenstaufen, wie die Ara- gonesen sic als Hauptstadt erklärt hatten und der Kaiser Areadius Messina zur Proto- metropolis über alle Städte Sieiliens und Grossgriechenlands erklärt und ihr das kaiserliche Wappen, das goldene Kreuz im rothen Feld (das noch jetzt ihr Wappen ist) gewährt habe, ja, dass König Roger einst die Bestimmung getroffen, alle Souveräne Siei* liens sollten sich als Messincser Bürger halten und sich in Messina krönen lassen. Diese Eifersucht, welche in Kultur und Handel Grosses schuf, aber in dem leidenschaftlichen Festhalten der städtischen Privilegien die Missgunst der Regierung hervorrief, wurde später Ursache des Falls der Stadt. 3535 zog Kaiser Karl V. noch in vollstem Glanz durch Messina, das in hoher Blüte stand. Im Jahr 1571 versammelte sich die Seemacht der heiligen Liga gegen die Türkei!, welche ausser anderen Fahrzeugen 200 Galeren und sechs Galeazzen zählte, Ende September zu Messina, und an ihre Spitze wurde I)on Juau (PAustria gestellt, natürlicher Sohn Kaiser Karls V., der erst 21 Jahre alt war, aber bereits grosse Proben von seiner Tapferkeit wider die Mauren in Granada geleistet hatte. Nach dem grossen Sieg beiLopanto, in welchem der Kapudanpascha gefallen war und von einer Flotte, welche fast 300 Segel stark war, nur 4.0 Galeren sich retteten, kam Don Juan nach »Sicilien zurück, zog im höchsten Triumph in Messina ein, das ihm eine Bronzestatue errichtete (die ehemals auf der Piazza des Palazzo Reale am Ende des llafens stand, jetzt auf Piazza doll' Annunziata) und sogar einer Strasse (Strada Amalfctania) seinen Titel gab (Strada d’Aus- tria, jetzt Primo Scttembro). 100 Jahre nach diesem Glanzzug-brachte jenes partikularistiselie Festhalten an den städtischen Privilegien die Stadt um ihren •wahren Glanz. Messina leitete bisher seine maritimen Angelegenheiten selbständig, ernannte in den wichtigsten Hafenplätzen Sieiliens Konsuln und bestellte in den Seeplätzen des ganzen Mittclmeers die Konsuln für alle Sieiliancr; der Senat verwaltete selbständig die grossen Einkünfte der Stadt. So gvos.se munieipale Freiheiten vertrugen sich nicht mit der spanischen Regierung. Zwar waren sie während der Unruhen in Palermo und Neapel dem König beständig treu geblieben, und Philipp IV. hatte ihnen ihre Privilegien nicht nur bestätigt, sondern erweitert, in Erwägung {Giannone 30, 3), »dass die allzu weit ausgedehnte Freiheit nicht von einer Abneigung gegen die Ober- lierrliehkoit dos Königs, sondern von einer gewissen Eitelkeit lievkomme, unter allen Untertlianen der spanischen Krone etwas besonderes zu haben«. — Unter Don Gaetano, Herzog von Sermoncta, erreichten sie noch ein Gesetz, das verbot, aus irgend einem andern Hafen als dem ihrigen Seide auszuführen. Auf die Einsprache der anderen Städte Sieiliens wurde mit dem Vollzug des Gesetzes innegehalten. Messina suchte durch zwei Gesandtschaften die Aufhebung der Verzögerung, verlangte aber, dass ihre Deputaten wie die Gesandten der selbständigen Fürsten behandelt würden, und als dies nicht gestattet wurde, kehrten diese, ohne ihren Auftrag auszufi'ihren, zurück. In Messina kam es zur Parteispaltung; die Merli hielten zum König, die Malvezzi zum Volk. Im Juni 1674 feierten die Messinoson mit grösstem Gepränge das Fest der Madonna della Lettera (d. h. des Briefs, den die Mutter Gottes an den Senat von Messina geschrieben, S. 524), da sah man in der ÄVerkstätte eines Schneiders Gemälde, welche die Merli verhöhnten. Der Schneider wurde gefangen gesetzt, aber die darüber erbitterten Malvezzi bewaffneten sich zur Befreiung, besetzten die Höhen und hieben die Merli nieder; ihre Partei vermehrte sich auf 20,000. Die spanischen Soldaten sahen sich gc- nöthigt, dem Auflauf nachzugeben, und zogen sich in den königlichen Palast zurück, aus dem sie sich vertheidigteu. Die Kastellane feuerten aus der Festung auf die Stadt. Die Senatoren traten auf die Seite der Malvezzi und belagerten den königlichen Palast. Der Vicekönig lief umsonst herbei, er wurde nicht in die Stadt gelassen, sondern mit dem groben Geschütz gezwungen, sich zurückzuziehen. Er zog nach Milazzo und berief alle Soldaten der Insel zu sich; die Barone des Reichs erschienen in grosser Anzahl. Messina sollte nun durch Absclmei- dung des Passes von Taormina auch mittels Hungers bezwungen werden. Die Neapolitaner halfen von Reggio aus. Da fassten die Messinesen den Entschluss, sich an den König von Krankreich, Ludwig XIV., zu wenden; sie schickten, während sie den Vicekönig durch Unterhandlungen aufhieltcn, Gesandte an den französischen Geschäftsträger in Rom, und dieser schickte eilends den Gesandten Messina’s, Don Antonio Ca- faro, zum König, mit Briefen an den Herzog von Vivonne, Viceadmiral von Frankreich im Mittelländischen Meer. Am Hot waren die Meinungen getrennt, und man beschloss als Mittelweg, Vivonne solle einstweilen ein kleines Geschwader nach Messina abschicken, um Sulckurs in die Stadt zu werfen und zugleich die Messinesen in der Empörung zu bestärken, dabei aber der wahren 495 15. Messina (Geschichtliches). 490 Lage der Umstünde inne zu werden, ln Kpauien beschloss man Gnade auzubieten und zugleich zu rüsten. Die Mcssinesen aber schlugen, durch Frankreich nun unterstützt, die Gnade ab, setzten sogar den Ueborbringer gefangen. Die spanische Flotte fuhr zum Faro und suchte nun Messina zu Wasser und zu Land alle Zufuhr abzu- schnciden. Aber plötzlich (1. Jan. 1675) erfuhr man die Ankunft des französischen Geschwaders (6 Kriegsschiffe mit 4 Brand- schiften und einigen Tartaren) unter Valhel, der, wegen günstigen Windes, im Angesicht der feindlichen Flotte in den Hafen (‘infahren konnte. Vivonne, mehr ein geistreicher Höfling, als ein geeigneter Kommandant, überredete den König, Sicilien sich zuzuwenden. Er erhielt den Titel »Vicekönig von Messina« und segelte mit 9 Kriegsschiffen , •“» Brandschäden und 8 Fahrzeugen mit Lebensmitteln aus Toulon ab. Am 11. Febr. kam es zum Gefecht, das von 9 Ulir Morgens bis Abends aufs heftigste währte. Die Spanier wurden zum Rückzug genötliigt, Valbol konnte aus dem Hafen mit 12 anderen Schiffen auslaufen, der Feind wurde in die Mitte genommen und konnte nur noch für sein Leben kämpfen. Die Franzosen fuhren ohne Widerstand in Messina ein. Aber Vivonne vernachlässigte die dargebotenen Vortheile. Eine dritte französische Flotte von 20 Linienschiffen schlug sich unter dem besten Seehelden der Franzosen, Duquesne, mit dem den Spaniern zu Hülfe gekommenen holländischen Seehelden de lluyter. Die Schlacht blieb unentschieden, aber die französische Flotte konnte sich mit dev Abtheilung von Messina vereinigen, freilich erst nach Umfahrung der ganzen Insel. Die schlechte Verwaltung von Vivonne rief in Messina allgemeine Erbitterung hervor, selbst vertraute Rathgeber fielen von ihm ab. lluyter, aufs neue mit der spanischen Flotte verbunden, lieferte den Franzosen auf der Höhe von Agosta eine Seeschlacht, welche lluyter den Tod brachte; die spanische Flotte hatte sich dabei als ganz un- vertraut gezeigt. Eine grosse französische Flotte zog mm unter Vivonne nach Palermo und siegte auch hier über die spanisch-holländische Flotte; die Holländer verüessen Sic.ilien für immer. Aber die Sendungen von Frankreich waren ungenügend. Zwar wurde die wichtige Stellung von Taormina erstürmt, aber plötzlich erfolgte in Spanien ein Systemwechsel. Juan d’Austria trat an die Spitze der Geschäfte, und der Marsehall von Bournonville brachte Ordnung in die spanischen Truppen, und Vivonne wagte keinen entschiedenen Schritt mehr. Ludwig XIV-, zur Einsicht gekommen, dass die Schwierigkeit, sieh dauernd in Sicilien festzusetzen, sehr gross sei, beschloss, die französische Flotte zu anderen Unternehmungen zuriickzuzielien (1678). Der Marschall de la Feuillade (Giannone 89, 4) stellte sich zwar anfangs, als ob er den Krieg noch mit mehr Nachdruck fortsetzen wollte, liess aber die französischen Soldaten tmfer dem Vorwand nach und nach einschiffen, als ob er sie gegen Catania oder Syrakus führen wollte. Hierauf Hess er die Senatoren Messina’s zu sich rufen und zeigte ihnen den Befehl Ludwigs, die Stadt zu verlassen. Dies war ein Donnerschlag für die .Bürger, sie waren wie betäubt und wussten nicht, wohin sich wenden; sie beschworen den Marschall, sich wenigstens so lange aufzuhalten, bis sie ihre Sachen in Ordnung brächten. Als er ihnen auch dieses abschlug, waren viele in der äussersten Verzweiflung, und weil sie keine Gnade von den Spaniern zu ho.ffen hatten, so entschlossen sie sich, lieber ihr Vaterland zu verlassen und nach Frankreich zu gehen. Es wurden viele vom Adel und vom Volk auf die Flotte eingeschifft und nach der Provence gebracht. Der Kommandant von Reggio und der Bischof von Squillace nahmen Besitz von der Stadt, und bald rückte der Vicekönig Gonzaga nach, welcher den Besitz der Bürger schoute, ausser den derEnt- wiclienen; die französische Kleidung wurde abgescliaift, die französischen Münzen umgeprägt. Aber Gonzaga 1 » Nachfolger, San Stefano, erhielt den Auftrag (1679), den Senat von Messina aufzuheben; Messina verlor alle seine Privilegien und Freiheiten, der Palast der Stadt wurde niedergerissen mul auf dem Platz ein Obelisk mit der Statue des Königs errichtet; die Einkünfte und Zolle fielen an den königlichen Fiskus, und eine starke Citadelle wurde angelegt. Messina hatte statt 120,090 Einwohner jetzt nur noch 15,000. Seitdem hat Messina sich zwar wieder erholt, aber die politische und administrative Unselbständigkeit lähmten ein volles Gedeihen, und dazu kamen noch die schwersten Unglücksfälle. Freilich, was die Natur der Stadt geschenkt hat, haben ihr weder die Spanier, noch Krankheit, noch Erdbeben, noch die schweren Kämpfe gegen ihre Befreiungsversuclie rauben können. 1748 tödtete die Bubonenpest, die von einem von Missolunghi gekommenen (genuesischen) verpesteten Schiff ausgegangen war, 40,000 Menschen. 1783 (5. Febr.) stürzte durch ein fürchterliches Erdbeben der grösste Tlioil der Stadt ein (S. 499), die, in gerader Linie zwischen dem Aetna, den Stromboli und dem Vesuv liegend, derErderscliüttorung besonders ausgesetzt ist. Dann fortwährend als Sitz der nationalen Erhebung gegen die Bourbons durch Insurrektion und ihre Bekämpfung in Spannung, brach es 1847 offen mit der Regierung. Am 1. und 2. Scpt. kam es zum Strassenkampf zwischen Volk und Militär. Neue Aufstände und blutige Kämpfe folgten 1848, wo die Stadt mehrmals vom Kastell Terranova (Citadelle) aus bombar- dirt wurde, so vom 29. Jan. bis 20. Febr., vom 26. Febr. bis 10 März. Im Oktober ward sie von den neapolitanischen Truppen besetzt und am 28. März 1849 in Belagerungszustand erklärt. Die Bombardements haben vieles Werthvolle zerstört. Die Cholera, welche am 22. Aug\ 1854 zum ersten- 497 15. Messina (Kimstgescliichtlielies), 498 mal Messina lieimsuehte, holte nach, was die Belagerung versäumt hatte; sie raffte 5504 männliclfo und 4789 weibliche Personen weg und war erst am 2. Okt. zu Ende. Tm November 3855 litt die Stadt durch eine furchtbare Uoberschwemmung. Und dennoch hat das lebenskräftige Messina alle diese entsetzlichen Leiden wie Kinderkrankheiten abgcscliiittelt und steht schon wieder in jugendlicher Frische da. 18(10 wurde sie als die letzte Stadt Sicilieus durch Garibaldi von den bourboniselien Truppen befreit. Kunstgeschichtliches. Messina ist sehr reich an Bildern des 17. Jahrh., und es gibt besondere Werke über die Künstler dieser Epoche (z. ,B. »Memorie de’ Pittori Messinesl e degli esteri che in Messina fiorirono«, mit Porträts, Messina 3821, und ein Werk mit demselben Titel, Napoli 1702, von Fil. llackerl). Der lombardische Maler Polidoro C’aldara da ('arsivaggio (1403—154:5), der im Vatikan Handlanger gewesen, dannFatjadcnmalerim spätem raffaelischen Stil, endlich greller Naturalist voll Energie und Leidenschaft (doch ohne Adel in den Formen) geworden war, begründete eine zahlreiche Schule in Messina. Er hatte die malerische Ausschmückung des Triumpheinzugs Kaiser Karls V. 1535 zu besorgen. Sein bedeutendster Schüler war Dcodato Guinaccia (gest. 1585) aus Neapel, der sein ganzes Leben in Messina zubrachte; er zeichnete sich durch ein tieferes Verständnis des Chiaroseuro aus. — Filippo Paladino aus Florenz (1544-—1(>14) entfloh aus Mailand nach Sicilien und malte seine Hauptwerke in Messina; er bestrebte sich, seinen Gestalten die einfachsten Stellungen, den anmutliigsten Ausdruck und leuchtende Farben zu geben. — Alfonso Rodriquez (geb. in Messina 1578, gest. 2648) ist der tüchtigste Maler seiner Zeit, der sich die Analyse Raffaels und Michelangclo’s zur höchsten Aufgabe des Studiums machte; Kraft in der Farbe, korrekte Zeichnung und gründliche Kenntnis der Anatomie zeichnen seine Bilder aus. — Der Maler Antonio Barlni- longa (geb. in Messina 1600; gest. 1649) nannte ihn den Caraeci Sicilieus, während er selbst, durch die Grazie und Weichheit seiner Bilder sehr beliebt in Messina, der Domenichino Siciliens hicss. — Mario Men- ■niti von Syrakus, geb. 1577, gest. 1640, der seine Hauptthätigkeit in Messina entfaltete, hatte sich in Rom an Michelangelo Cara- vaggio ausgebildet. — Giovanni Simone (’omande, geb. 1580 in Messina, gest. 1634, ist der Gründer der neuern, an den Vene- tianeru sich heranbildenden Schule Messina’s. Aus seiner Schule ging Catalano il giovane (geb. in Messina 3585) hervor, während sein Vater, Antonio Catalano Pantico, dem Fe- derigo Baroccio nachciferto. — Giovanni Patt. Quagliata (geb. 1603, wie Pietro No- velli) aus Messina, war Schüler des Pietro da Cortona. — Agostino Scilla (geb. 1629 in Messina, gest. 1700) ging aus der Schule Bar- balonga’s hervor, bildete sich unter Andrea Sacclii weiter und übte sich an den Antiken und den Werken Raffaels; seine Gemälde iibertreffen die Mehrzahl dieser sinkenden Epoche und zeigen noch frische Kraft, grössere Freiheit der Zeichnung, Kühnheit und Klarheit der Komposition und einen edlern Ausdruck. — Tancredi (geb. 1655 in Messina, gest. 1725) hatte in Neapel und in Rom unter Maratta gelernt; er Ist ein leichter Maler und Komponist. — Giovanni Tae- cari (1657—1734) übertraf noch Luca Gior- dano im »Fulmine della pittuva«. — Die Gebrüder Filocami aus Messina malten Deckenfronten, Oelbildcr in der Art Ma- ratta’s sowie Miniaturen, und waren auch Kupferstecher. — Lifferio Palladino (geb. 1691 in Messina, gest. 1743) bildete sich nach den Werken der Caraeci, und war damals der beste Freskenmaler Siciliens; »in zarten Kinderfiguren, graziösen Frauen und gefälligem Kolorit« that er es allen zuvor. Wenn auch das an die klassischen Werke gewöhnte Auge, oder das an den Bildern der vorklassischcn Zeit hangende Gemiitli diesen Werken des 17. Jahrh. nicht mehr die volle Theilnahme gönnt, so haben sie doch für die Kenntnis der sieilisch.cn Anschauungsweise dieser Zeit einen bleibenden Werth, und Bilder, wie sie ein Ro- driquez malte, dürfen neben die besten des 17. Jalirh. gestellt werden. Aus Messina ging auch der berühmte Antonello da Messina hervor, geb. ca. 1425. Der Sicilianer Maurolieo berichtet (1562), dass Antonello aus der Familie degli Antonii stamme. Er fand in den Niederlanden die Bildungselemente, welche ihn zum grossen Künstler machten, verüess den Süden Italiens und lebte mit Vorliebe in Venedig und Mailand. Von seinen Bildern in Messina ist das Triptychon aus S. Gregorio (bez. 1473), jetzt in der Universität, von hoher Bedeutung, weil es seine flämische Bildung und zugleich seinen eigenthiimlichen Fortschritt zu einer natürlichem Zartheit, grossem Leuchtkraft und goldener Transparenz des Tons dargelegt, eine Ausgleichung des »Transalpinischen und Italienischen«, ohne speciell venetianisch zu sein. Antonello da Suliba, oft mit dem vorigen verwechselt, war gegen Ende des 15. und im Anfang des 16. Jahrh. in Messina thätig und zeigt einige Verwandtschaft mit jenem. Lage und Charakter der Stadt. Der Handel, somit .der Hafen , und die herrliche Lage, somit die Anhöhen um die Stadt, bilden das Hauptinteresse für den Besucher Messina’s. Auch die Kunst ist hier keineswegs leer ausgegangen. Der Dom, theilweise noch aus der Normannenzeit, mit Mosaiken aus dem 14. Jahrh. und köstlichen Skulpturen 499 15. Messina (Lage und Charakter der Stadt). 500 aus derselben Zeit, Bilder aus dem 15. Jahrh., darunter Originale von Antonello da Messina, der die flandrische Schule mit der venetianischen vermittelte, und aus dem Anfang des IG. Jalirh., von dem Messincr Alibrando. — Prächtige Brunnen, darunter einer der schönsten von dem berühmten Schüler Michelangelo'?, Angelo Montorsoli, endlich eine ganze Reihe von Bildern einer besondern Mes- sineser Schule aus dem 17. Jahrh. (die sich an Polidoro Caravaggio und die spanische Schule oder an Pietro da Cortona und Baroccio, an die Venetianer, an Andrea Sacclii und Maratta anschlossen), unter welchen die Oelgemälde von Ro- driquez die bedeutendsten sind — bieten reiches Interesse. Freilich, keine Stadt Siciliens, welche in antiker Zeit von Bedeutung war, besitzt weniger Reste aus jener für dieKunst so bedeutsamenEpoche als Messina, tlieils weil die Stadt vermöge ihrer Lage allen Angriffen fremder Einfalle offen stand, Belagerungen, Brand undBeschiessungen erduldete, tlieils wegen der Erdbeben, welche zu verschiedenen Zeiten den grössten Theil der Stadt niederwarfen. Namentlich hat das Erdbeben von 1783 in einer Weise gehaust, dass noch 3 V 2 Jahre nachher Goethe schrieb: »Gleich beim Eintritt erhielten wir den fürchterlichen Begriff einer zerstörten Stadt; denn wir ritten eine Viertelstunde lang an Trümmern nach Trümmern vorbei , ehe wir zur Herberge kamen, die, in diesem ganzen Revier allein wieder aufgebaut, aus den Fenstern des obern Stocks nur eine zackige Ruinenwiiste übersehen liess. Nach dem ungeheuren Unglück blieb, nach 12,000 umgekommenen Einwohnern, für die übrigen 30,000 keine Wohnung, die meisten Gebäude waren niedergestürzt, die Mauern der übrigen zerrissen, man «errichtete daher eiligst im Norden der Stadt auf einer grossen Wiese eine Breterstadt; so wohnen sie nun schon drei Jahre!« Diese Katastrophe spiegelt sich nun auch im Charakter der gegenwärtigen Stadt in ihren Folgen ab, denn die Mehrzahl der Bauten stammt in Stil und Gepräge aus jener Zeit, welche dem nüchternen Zweckbau oder dem Uebergang aus der Barockepoche in die Regeneration durch die einfacheren For'men der Renaissance sich zuwandte. Die lange Reihe derPraehtfa^adenderllafenstrasse legt noch den Reichthum der ersten Hälfte des 17. Jahrh. in den prunkenden ionischen Säulen und Pilastern auf M osaik - basamenten dar, wie sie nach dem Plan der » Palazxata« unter dem spanischen Vicekönig Colonna als eine einheitliche halbstündige Front hätte aulgeführt werden sollen. Das überaus lebhafte Getriebe der noch immer bedeutendsten Handelsstadt Siciliens, deren Hafen einer der ausgezeichnetsten der Welt ist, bietet die wcchselvollsten und verschiedenartigsten Bilder dar. So mannigfache Unterhaltung an den Marinckais den Tag über das Matrosen- und Schiffsleben (unter den steten Aufforderungen an den Fremden, die Barken zu benutzen), allabendlich ebenda der Corso gewährt, so prachtvoll ist hei Sonnenuntergang die Aussicht über die Meerenge hin auf die lange schöne Linie der Berge Kalabriens mit ihren tiefen Schluchten und lange sieh erhaltenden Sclmeegipfeln, welche spät noch in südlicher RÖthe aufflammen, bis sie sich in nächtliches Grau hüllen und über ihnen der in wundersamer Weise die Wogen der See und die zahlreichen Schiffe durchleuchtende Mond aufsfceigt. Der stolze Titel, den (nach di Blasi) im 17. Jahrh. alle Reisenden einmüthig diesem »Teatro Marittimo« gaben, es sei »das achte Wunder der Welt«, mag immer noch nicht für den Bau, aber wohl für die erhabene Grösse und romantische Schönheit der Lage, die namentlich heim Nahen von der Sceseite überaus herrlich sich entfaltet, seine Gültigkeit behalten. Das Nordende dieses Teatro bildet eine mit Akazien und Platanen besetzte Pa.s- seggiata und das dichterisch bezeichnet^ Villaggio Contemplazione, das Südende das schöne Piano di Terranova; eine originelle Fortsetzung bildet die 1900 in. lange, an der breitesten Stelle, beim MESSINA. Von den Cappucci mm 501 15. Messina (Lage und Charakter der Stadt). 502 Leuchtthurm, 500 m. breite Landzunge in Form einer »Sichel«, welche der Stadt ihren antiken Namen gab und nun , als Arm des heiligen Raniero vom S. der Stadt in die See vorrückend, dieselbe umschliesst, nach N. und 0. rund herum sich vorlegend, bis wieder zur Stadt hin, nur einem engen Zwischenraum sich öffnend. Eine völlig andere Physiognomie trägt die mit dem Marinecorso parallel laufende, aber durch eine Palastreihe von der Sicht auf das Meer abgeschnittenc Strada Garibaldi, von der jedoch durch 32 auf den Corso niedergezogene Ver- bindungssträsselien und ihre äussere Umrahmung die köstlichsten kleinen Seeveduten erblickt werden. Dies ist die Strasse nicht nur des Grossverkehrs selbst, ! sondern auch der Eleganz und der kauf- i männischen Grandezza. Das schöne Thea- j ter an dieser Strasse symbolisirt ihre Be- I deutung, gleichwie die elegante Front ; des Stadthauses vor dem baumbepflanz- j ten Municipalplatz, den die Stadtmusik ! oft verherrlicht. Bald wird diese, mit den reichsten Magazinen geschmückte regel- ! mässige Prachtstrasse der Stadt durch | einen Schnitt, den sich die Kirche der i Seelen des Fegefeuers gefallen lassen | muss, noch weiterhin gezogen werden; I an ihrem entgegengesetzten Ende alle Fornaci hat sie die Gollina Agliastro sich gegenüber, wohin der neue öffentliche Garten »La Villa« kommen soll, da die gegenwärtige »Villetta Mazzini« eine zu bescheidene Stellung für die von der Natur sobegünstigteGrossstadt einnimmt. Der höher hinziehende, von der Villetta Mazzini ausgehende Corso Cavour läuft eine Strecke weit mit Via Garibaldi parallel, dann aber, wo er in die Gegend des Doms trifft, wendet er sich r. und greift über die Via Garibaldi hinaus. Dies ist die Strasse des kleinern Verkehrs mit stattlichen, meist modernen Häusern, der Präfektur, Post, Polizei, Quästur; endlich folgt noch als oberste Reihe der Bürgersitze dieser in parallelen Zugen ansteigenden Stadtanlage die Strada dei Monasteri, in alten Zeiten die beste der Stadt, jetzt eine von Klosterbauten eingerahmte, ziemlich enge Hügelstrasse mit Durchlässen zu den noch höher gelegenen Kirchen und Villen, welche wieder die reizende Naturschönheit der Stadt in neuem, noch schönerem Gewand bieten. Einen ihr gänzlich eigenthümlichen Charakter weist die Region des Südens der Stadt auf, wo zwischen den Enden der Via Garibaldi und des Corso Cavour die originelle, sehr schöne Piazza del Duomo liegt, und sieh gleichsam die sici- lianiscli historische und die kosmopolitische Bedeutung Messina’s streiten oder mischen. Die mittelalterliche Praclit- fa 9 ade der Kathedrale (Messina ist Krz- bisthum) und die ernsten Mosaiken der Apsiden in dem hocliraumigcn Tempel deuten auf die der Mehrzahl nach sehr kirchlich gesinnte Bevölkerung, die noch manches von dem alten Glaubenseifer bewahrt hat; der glänzende Renaissancebrunnen auf dem Platz bezeugt die Freude der Kaufmannswelt an der heitern Pracht, die sich auch in den Palästen der modernen Architektur ringsum darlegt, der Appellhof und die in den Sitz des Qenio Militare umgewandelte Casa dei Padri Minoriti weist auf den neuen Geist der Unabhängigkeit, der auch die früher den Platz schmückenden Bronzestatuen der Bourbons entfernte und an deren Stelle öffentliche Volksgärten pflanzen liess. Vom Domplatz aus zieht die Strada. Primo Settembre, an jene Unabhängigkeitskämpfe erinnernd und schon mit dem Charakter eines echten Bürger- und Volksquartiers, in schiefer Linie dem Ende des Hafens zu, nach Terranova, wo einst die schönsten Gebäude standen und das eigentliche Centrum der Stadt lag, jetzt sich wieder ein neuer öffentlicher Bau »LaDogana« erhebt und eine neue architektonische Verbindung mit dem Bahnhof sich anbahnt. Hinter dem Seminar lag die Wohnung des durch seinen reichen Besitz an Kunstwerken bekannten Cajus Hejus, welchem Verres nicht allein sein Besitzthum, sondern auch seine von den Vorfahren ererbten Heiligthümer aus dem Haus raubte (Cicero, Verr. II, 5). Cicero erzählt freilich (Verr. IV, 2), wo 503 15. Messina (Lage mul Charakter der Stadt). 504 er dieses vornehmste Haus Messana’s beschreibt, »es sei vor VerresAnkunft auch die wahre Zierde der Stadt gewesen, denn Messana selbst, obwohl es wegen seiner Lage, seiner Befestigung und seines Hafens eine sehr schöne Stadt heissen könne, sei unstreitig leer und entblösst von Kunstwerken gewesen«. — Man bewunderte bei Hejus einen Herakles von My- ron und zwei Kanephoren von Polyklet; jedem Besucher stand der Zutritt offen. Die Häuser des Hejus dehnten sich fast bis zur Cattoliea hin, die sich auf den äussersten Resten derselben erhebt. Die Fortsetzung bildete der berühmte Pal. Reale, der durch Erdbeben und Volks- wuth niedergelegt wurde, eine der schönsten Bauten. Den zweiten Schenkel des vom Domplatz nach S. ziehenden spitzen Winkels bildet die Universitätsstrasse, wo die Hochschule, 1596 vom König Alfons ins Leben gerufen, aber wegen des gegen die spanische Regierung rebellischen Charakters der Stadt wieder aufgehoben und erst 1838 wieder eröffnet, ihren Sitz in das stattliche ehemalige Jesuitenkollegium verlegt hat. Ein Annex der Universität ist die nicht unbedeutende öffentliche Bibliothek, die seit 1872 auch mit der Klosterbibliothek bereichert worden und als Leser die Durchschnittszahl von 23,000 hat, auf eine si- cilische Kaufmannsstadt von 70,000 Einwohnern (111,854 in der Gesammtkom- mune, die noch 48 Dorfscliaften umfasst) keine unerhebliche Zahl; denndieUniver- sität zählt nur einige hundert Studenten. Aus der Strada Primo Settembre zieht parallel mit der Universitätsstrasse die Strada Cardines } eine der ältesten Strassen Messina’s, vom Ende der Via Garibaldi zur Via del Campo Santo hin, und verbindet so, wie auch in ihrem Charakter, Gegenwart und Vergangenheit. Die kleine, »Giudecca« genannte Strecke war die Strasse der Hebräer, die stets Messina liebten. Den herrlichsten Schluss bildet weit von der Stadt jener Campo Santo, in der denkbar schönsten Lage den vergänglichen Glanz zueinerLebens- quelle idealer Erinnerung verklärend. Nördl. bildet das Ende eine kleine Vorstadt, S. Leone, früher S. Deo, im Leben , und Treiben beinahe .eine Stadt für sich und mit besonderen Volkssitten. Das Volk ist im ganzen sehr gelehrig und geistig lebendig, im Charakter zäh, leidenschaftlich und stolz, willig, aber nicht immer zuverlässig; für die jetzt fortschreitende Erziehung ist ein keineswegs unfruchtbarer Boden vorhanden, aber die Kultur hat noch eine grosse Arbeit vor sich. Nach den Facchini, Kutschern und Handlangern der Reisenden wird niemand eine Bevölkerung beur- theilen. Ein behäbiges Ansehen geben den grösseren Strassen ihre Breite und gute Pflasterung mit viereckigen Lavablöcken sowie die grossen Baikone der hohen massiven Häuser. Die Lage der Stadt entspricht der antiken nicht ganz; ihr erster Sitz war auf den dem Meer nahen Hügeln bis zur alten Fortezza di Castellamare; der zweite von der ehemaligen Porta S. Antonio und Jannö (Janus) der Länge nach bis S. Maria della Porta (wo für den Einzug Karls V., als er von Tunis kam, der Bogen und die antike Mauer eingerissen wurde); der dritte dehnte sich weiter aus, von der Porta Imperiale (Karl V.) bis zur Porta Reale (wegen der Erweiterung der Stadt durch Friedrich II. von Aragonien so benannt); der Umfang betrug 5 Miglien; Gräben, Mauern undWälle umzogen die Stadt, und ausser 14 Ba- luardi vertheidigten dieselbe noch die vier königlichen B'ortezze: Gonzaga, Castel- laccio, Gnelfonia und Cittadella; die ersten beiden jetzt die herrlichsten Panoramen, nur erstere noch militärisch besetzt (Gefängnis), die letzten beiden umgewandelt. — Ein Blick auf diese gesummte glänzende Erscheinung, von dem üppigsten und erhabensten Naturreichthum umringt, gehört, wenn bei schöner Beleuchtung von der Seeseite her genossen, zu dem schönsten Vorspiel der Inselbühne: die glänzende Stadt am Fuss des Bergs malerisch hingebettet, der Hafen überreich an Schiffen aller Art, die eigen- thiimliche Sichel mit dem grossen Leuchtthurm , die pittoresken Ruinen der alten 505 15. Messina (Lage und Charakter der Stadt). 506 Forts über der Stadt, die prächtigen Linien und herrliche Vegetation der Hügel, bis zum Gipfel mit Landhäusern übersäet, oft reich bewaldet, oft fleissig bewirtschaftet, die dunklen Abstürze gegen die Küste und dann die überaus mannigfaltigen Höhenzüge und Vorgebirge, bis zum Tauros niederziehend, über allen aber der riesige, erhabene Aetna mit seinem wunderbaren Farbenspiel von der dunkelsten Asche bis zum glühenden Purpurroth und seinem Wechsel der reichsten Südvegetation mit dem blendenden Schneemantel der Höhe; vor diesem erhabenen Panorama aber das Meer in seiner eigenthümlichen Bewegung im Stretto der Wasserstrasse und mit seiner mannigfaclienFarbenbrechung, gesteigert durch die örtlichen Verhältnisse, bieten ein Gesammtbild, das nur dann noch übertroffen wird, wenn an den herrlichen Aussichtsstellen um Messina eine rosige Abendbeleuchtung sich über die ganze Landschaft hinbreitet und nun in das ganze Relief ein neuer, malerisch belebender Wechsel hineinspielt. — Besonders schön ist dieser Blick von den Höhepunkten gegen den Faro hin, der sich so weit in die See hineinzieht, dass er mit den jenseitigen kalabrischen Bergen zu einem einheitlichen Panorama verschmilzt. Durch seine Lage an der Nordostspitze Siciliens, wo der bedeutendste Ilandelsweg zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeerbecken durchführt, ist di^ hohe Handelsbedeutung der Stadt für alle Zeit gesichert, zumal die gesammte Ostküste Siciliens bis nach Syrakus hin sowie die Küste Kalabriens hafenarm sind. Der Ilafen Messina’s, 70 bis 80 m. tief, grossen Schiffen bis zum Ufer zugänglich, mit 4 Kil. Umfang und einem Eingang von 400 m. Breite, hat daher schon seit der ältesten Zeit zu den wichtigsten Emporen des Mittelmeers gezählt midist noch gegenwärtig der Schlüssel ganz Unteritaliens. Im Hafen herrscht stete Bewegung, und stündlich sieht man Dampfer kommen und gehen. Jährlich sollen etwa 1J00 Dampfschiffe einlaufen mit gegen 1 Milk Tonnengehalt, 9000 Segelschiffe mit 1 j 2 Mill. Tonnen. Die eigenthümlichen Strömungen der Wasserstrasse, das regelmässige Auf- undAb- tiuten, innerhalb 24 Stunden je zweimal, veranlassen einzelne Strudel, und in der Zeit, wo die Schiffahrtskunde noch weniger entwickelt war, wurden dieselben sehr gefürchtet. Unfern der Spitze des Hafendamms von Messina, wo das gegenüberliegende Capo Pezzo den Mittelstrom nach W. treibt und der durch die Hafensichel nach O. abgelenkte sicilische Seitenstrom ihn trifft, ist ein solcher Strudel geschichtlich merkwürdiggeworden, denn dieser Wirbel, » Garofalo « (in Nelkenform) genannt, ist zuweilen so stark bewegt, dass kleinere Fahrzeuge lierumge- wirbelt und beschädigt werden, woran sich die Sage der Charybdis knüpfte, ein reich ausgemaltes Schififermärchen (s. Bd. I, Scylla), sowie die Erzählung vom Taucher, durch Schiller verewigt; denn die Tradition berichtet, Cola Pesce habe wie ein Fisch im Wasser gelebt, die wunderbarsten Taucherkünste ausgeführt, und einst, vor unzähliger Zuschauermenge, habe König Friedrich von Sici- lien sich persönlich von seiner Kunst überzeugen wollen, einen goldenen Becher in den Strudel geworfen und ihn durch den Taucher wieder erhalten, auch das zweite Mal wieder, aber das dritte Mal sei —- der Versuchte ausgeblieben. Jetzt noch geht in der Mitte des Stretto eine Hauptströmung mit einer Schnelligkeit von 3 V 2 —8 Kil. in der Stunde wechselsweise nach S. und nach N., absteigend (Ebbe) und ansteigend (Flut), und dauert in derselben Richtung gegen 6 Stunden fort. Dann schweigt die See. Nach 1—1 ^4 St. setzt sich dann die Richtung in die entgegengesetzte um. Das Steigen und Fallen, das durchschnittliche—12cm. beträgt, mehrt sich vor der Frühlings - Tagnachtgleiche, -wenn der Mond der Erde am nächstenist, bis40cm. — (Ueber den Schwertfischfang [Juli und August] s. S. 87.) Das Klima Mcssina’s ist für Gesunde köstlich, denn Frost und Schnee gehören zu den grössten Seltenheiten, und im Sommer fächelt der Meerwind. Heftige Regen schauern zuweilen 3—4 Wochen nieder, aber fast jeden 507 15. Messina. (Rundgang in der Stadt). 508 'I'ag bricht die Sonne wieder verklärend durch, und der Boden ist rasch trocken. Aber fiir Respirationskranke ist es vor den gefährdenden Winden und dem Sprung des Temperaturwechsels viel zu wenig geschützt. Es liegt unter 35° 17' 38" nördi. Bi*eitc und 33° 33' östl. Länge v. Ferro. Rundgang in der Stadt. Messina verdient namentlich um seiner überaus herrlichen Umgebung willen, die schon auf der Höhe der Stadt voll genossen werden kann, einen langem Aufenthalt, als ihm gewöhnlich zu Theil wird. — Auch die Kunst (S. 497) ist hier durchaus nicht leer ausgegangen, wenn auch von dem Messineser Begründer der venetianisehen Oelmalerei, Antonello da Messina, und von dem Stifter der nicht unbedeutenden messi- nesischen Naturalistenschule. Polidoro da Oaravagißo, nur wenig vorhanden ist. Die Bilder des 16. und namentlich Anfang des 17. Jahrh., an denen Messina sehr reich ist, haben eine eigenthümliehe Lairdesfärbung erhalten , und manche derselben gehören zu hohen künstlerischen Leistungen (so einige von Deoduto Guinaccia [1520 — 85], Alfonso ßodriijnez [1578—1648], Simone Comande [1580 bis 163-1], von den beiden Oatalano, Gianbattista Quagliata, Jiarbalonga, Scilla und von den Gebrüdern FUocami u. a., s. S.497). — Auch einige Bauwerke, der Dom S. Maria de’ Ca- talaiu, S. Francesco, S. Maria dclla Scala, eine Menge Häuserportale und Fenster gewähren grosses Interesse, und unter den Skulpturen des ersten Drittheils des l(>. Jahrh. findet man köstliche Schöpfungen (besonders an den Grabmälern und Altären) der Frührenaissance, welche ei’st durch die Werke Montorsoli’s ihr Ende erreichte, der aber im Dombrunnen ein Momunent vom grössten künstlerischen Geschick schuf. Wer nur kurze Zeit (ca. 3 Tage) dem Besuch widmen kann, wende den Morgen dem Rundgang in der Stadt, den Nachmittag der Umgebung zu. — Das wichtigste, ist durch Sternchen bezeichnet, aus denen sich der Eilige die Routen selbst beliebig kom- poniren kann. Messina, von Anfang an eine Seestadt, hat den Namen des Königs der Marinastrasse, COPSO Vittorio Ellia- liuele, gegeben (bis 1579 Via della Marina genannt, dann Teatro Maritimo, dann Palazzata und Strada Colonna), die mit ihrer herrlichen Aussicht auf den stets belebten Hafen (S. 500), das bewegte Meer und die kalabrische Küste die erste der Strassen ist, welche dem Meer gleichlaufend amphitheatralisch sich erheben. Die Fliesenbekleidung, welche 600,000 Fr. kostete, erhielt sie erst 1873. Am Kordende, gegen- I über der Villa des Principe Somraataglio ! (Nr. 224) zieht sich ein köstliches baumbepflanztes Kondel, das Belvedere, mit Springbrunnen, ins Meer hinaus. (Am Corso [S. 500] sind noch zwei andere ähnliche Belvedere.) — Daun folgt als innere Begrenzung des 33 m. breiten Kais eine Reihe von ziemlich gleichförmig in Spät- renaissance gebauten, sehr oft nur zweistöckigen Palazzi, die theilweise einen originellen Anblick dadurch gewähren, dass sie als mehrstöckige Paläste begonnen, wegen des fürchterlichen Erdbebens | (1783) nicht mehr über das zweite Geschoss hinauf weiter gebaut wurden, so dass nun an vielen Häusern unmittelbar auf die gewaltigen Säulenstüinpfe und das zweite Stockwerk das Dach folgt. Unter einer grossen Zahl dieser Paläste (19) ziehen sich breite, hohe Durchgangsgewölbe hin (durch welche man in die zweite Parallelstrasse, Via Garibaldi, tritt). Die schöne, fast 2 Kil. lange Halbmondstrassc am Meer erscheint in grösseren Strecken wie ein einziger langer, von ionischen Säulen und Pilastern auf Rusticabasa- ment gleichförmig abgetheilter Palast (daher auch »La Palazzata« genannt). Sie war 1570 unter dem Vieekönig Mare- antonio Colonna angelegt und unter dem Vicekönig Emanuel Philibert, Herzog von Savoyen, 1622 theilweise vollendet worden; aber nach dem grossen Erdbeben 1783 verhinderte auch noch das Bombardement von 1848 den vollen Ausbau. 3t Strassen schneiden senkrecht in den Corso der Marina ein. In der Mitte erhebt sich der Palazzo della Gitta (K 3), ein moderner Bau (auf einem ältern aufgeführt), mit (stilistisch nicht bedeutender) stattlicher Fa^ade gegen das Meer, im Stil der Palazzata von Giacomo Minutoli, Antonino Tardi und Andrea Arena 1806 bis 1829 mit einem Kostenaufwand von 1,550,000 Fr. erbaut. Hier sind das Municipio, die Sicilische Banh und die Sparhasse. 1848 entstand hier ein Brand, welcher das grosse Archiv der Stadt sammt seinen sehr bedeutenden Handschriften zerstörte. Die Erneuerung leitete der Architekt Giacomo Fiore, der auch die schöne besondere Einfahrt (sbar- catoio) vom Meer her errichtete. 509 15. Messina (Neptiuibninnen — S. Maddalena). 510 Im In ne x*n Säle mit Fresken von Leiterin Subba von Messina, zwei Oelbilder (Deeameronc und Sieilianische Vesper) von Gütcomo Conti von Messina; — im Salone della leva die Nationalmiliz von Dario Querci; auf der Treppe die Statue Messina’s von Prin::i von Catania. Dem Palast gegenüber, hart am Meer, steht der *Neptunbruunen (FonteNet- tnno, D 3), von Fra Qiov. Angelo Mon~ torsoli, dem berühmten Schüler Michel- angelo’s aus Florenz. Er war 1516 mit einer Anzahl von Schülern, jungen Florentinern und römischen Künstlern, nach Messina gekommen und wandelte den künstlerischen Geschmack der Mcssinesen völlig um. Vier Stufen bilden die Basis eines grossen achteckigen Beckens, aus welchem an den Ecken vier kleinere Becken durch acht köst- , lieh skulpirte, echt michelaugeleske Masken | mit Wasser gespeist werden. In der Mitte | erheben sich drei Piedestale, deren mittle- i res, höheres von vier Meerpferden und von 1 Delphinen, welche Wasser speien, flankirt ist; auch hier sprudelt der Brunnen aus acht Masken. Darüber erhebt sich die (durch das Muskelstudium berühmte) Kolossalstatue Neptuns (4,0ö m.), in der Linken den Dreizack, mit der Rechten den Fluten befehlend. R. und 1. sind die gebändigten Sirenen Scylla und Charybdis, letztere von Lelterio Subba von Messina (in widersprechendem Stil) erneuert, weil die bourbonischen Kugeln aus der Citadello 1848 sie zertrümmert hatten. Die Inschriften veidasste der berühmte Messinese Abbate Maurolico. An der Südseite des Corso liegt die grosse Markthalle (mercato, D 4), von i moderner Eisenkonstruktion, 1SG4 er-, richtet und 1S70 für den Fisehverkauf! vergrössert. Es war dies die erste Markthalle derartiger Konstruktion in Italien und kostete 180,000 Fr. Die Kommune : gewinnt löProe. aus der Vermietung. In der Halle und gegenüber sind eine Schwefel- und eine Eisenquelle. Am Ende' der Hafengebäude stand einst der hönig- \ Liehe Palast, den das Erdbeben und die Revolution zerstörten, jetzt erbebt sieh hier an der südlichen Ausbuchtung der ; Neubau der Dogana (C 4). ! Am letzten, südlichen Thor der Ma- | rina durch die Strada diCentonze (C 3, 4) j über die Via primo Settcmbrc hin und j über die Piazza Centonze bis zum (2Min.) ; Largo di S. Caterina, kommt man (hier j vorn 1.) nach *S. Caterina di Valverdi \ (C 4), laut Tradition auf dem Fundament eines Venustempels. Von der 1330 erbauten Kirche blieb nur das schöne spitzbogige Westportal •, von den tüchtigen Fresken der Pilocami (1720), welche das Erdbeben von 1783 theilweise zerstörte, sind noch die der Chordecke erhalten. Die Restaurationen sind von den Brüdern Subba (1850); das Ornamentale ist von trefflichster Wirkung. An der rechten Wand, Ende: S. Caterina von Mario Menniti von Syrakus. Von der Via Centonze nordöstl. in die Via de’ Verdi, nach 8. Angelo de 1 liossi (C 4), einst Waisenhaus der Deutsehritter, mit reichen geschmackvollen Stuckreliefs. Die (theilweise verdorbenen) Deckenfresken vom Mcssinesen Placido Campolo (Lueifers Fall), michelangelesk. Am Hochaltar: Maria und Michael, Schule Cara~ vaggio’s. Durch Via de’ Verdi westwärts in die Via Cardines; hier r. und zur ersten Kirche L: *S. Filippo Neri (C 3), ein grandioser Bau von 1618, nach der Zeichnung Guarino’s, erst jüngst vollendet; die Fai^ade ganz in Haustein mit zwei Ordnungen (untere komposit, obere korinthisch). Das Innere schönräumig, dreischiffig mit gewaltigen Pfeilern; die Dekoration barock. Die Gemälde von tüchtigen Messi- nesen des 17. Jalwh.; 1. Capp. l*.: Twcari, S. Franz von Sales. — 2. Capp. r.: S. Sebastian Valfre in Ekstase von Sabatore IjO Porte von Palermo. — 3. Capp. r.: Immacolata von Guis. Crestadoro von Palermo. — 1. Capp. L: *Eodriques, La Vergine della Vittorla mit Johannes. — 2. Capp- 1.: Barbalonga , Pieta. — Ain Hochaltar: Barbalonga, Madonna mit Filippo Neri (kräftiges Kolorit, aber harte Kamationh — In der Sakristei: Barbalonga, P. Francesco Alberto, Gründer des Oratoriums, Oheim des Malers. Weiter in Via Cardines und Nr. 232 gegenüber, 1. Madonna delV Indirizzo <U.">); die Fresken der Wände sowie das llauptaltarbild (das 17 516 515 15. Messina (S. Grreg'orio). Lamm dev Offenbarung) von den Filocami; — 1. Altar r.: *Bova, Madonna mit SS. Bernhard und Benedikt (in der Farbe venetianiseli). — 1. Altar 1.: Immacolata, 15. Jahrh., fälsch’ lieh dem Antonello da Messina zugeschrieben. — 2. Altar L: S. Anna und die Madonna, byzantinisch. — 3. Altar 1.: Santi Siracusa, reliefirtes Krucifix. In der Strada dei Monasteri weiter folgt r. S. Kocco (D 2), am Hauptaltar eine raffaelesko Madonna, seitlich S. Beter und S. Paulus von Antonello liiccio. — Am Altar 1.: llodriquez, Martyrium von S. Peter und S. Paulus. Gegenüber S. Rocco, unter einem Bogen tlttrchpassirend, gelangt man die Höbe hinan (auf 92 Stufen) zum Vorhof von S. Gregorio, mit überaus schöner *A u s s i c h t auf Kalabrien, die Meerenge, den Faro und die Stadt. *S. Gregorio (D 2 ) soll sich auf den Fundamenten eines Jupitertempels erheben; die glänzende, 1542 von Andrea Octlamech entworfene Kirche hat eine geschmacklose Fa 9 acle in rothem und weissem Marmor; das Innere dagegen ist von schönen Verhältnissen. Es ist ein griechisches Kreuz mit hoher Centralkuppel; die Dekoration bilden mo- saicirter Marmor und Pietro durc mit Blumen, Vögeln, Früchten, biblischen Darstellungen. Decke und Kuppel freskirten die Filocami. — Im rechten Querschiff an der Sclimalwand: *Gnerdno, Madonna del Carmelo mit Joseph, Libertus und dem Täufer, 1665. — An der linken Wand: Bar- balonga, S. Gregor mit Engeln, 1636; an der rechten Wand: Silvia von Engeln zur Madonna getragen, von den Filocami. — Im linken Querschiff, an der rechten Wand: Antonello liiccio, S. Benedikt mit Placidus und Maurus (von harmonischem Lichtreiz). — An der Schmalwand eine byzantinische Madonna in Mosaik auf Goldgrund, »La Ciccmbretta« genannt. Itings umher 18 kleine, sehr fein gemalte Bilder auf Kupfer von Alessandro Fei von Florenz, L. neben der Kirche ist das Purlatorio mit Bildern von Scilla (Hieronymus, Madonna) u. a. (die fünf Tafeln Antonello’s kamen ins Museum) und schönen Holzschnitzereien. Von der rechten Längswand von S. Gregorio führt (der letzten Thür gegenüber) ein Weg zwischen Mauern und dann 1. von der Kapelle nach S. Maria di Basico (D 2), von 1531 (hier wohnte einst die berühmte, von Boccaccio mit Ehren erwähnte Camiola Turinga). Das Renaissanceportal ist von 1583; die Fresken an Decke und Kuppel sind eine tüchtige Leistung von Giovanni Tuccari (1687). 1. Altar r.: Scilla, Geistausglessung. — 2. Altar r.: Scilla, Immaculata.—'3. Altar r.: Filocami, S. Clara. — 1. Altar 1.: Guinaccia, Geburt Christi. — 3. Altar 1.*. Cowaucie , Verehrung der Weisen. — Hochaltar: Ilodri- quez, Auferstehung. — In der Tribüne, rechte Wand: Maggio, Himmelfahrt Christi; linke Wand: Derselbe, Himmelfahrt Mariä. L. von der Fa 9 ade eine lange Treppe (71 Stufen) hinansteigend, dann durch einen-Korridor und 1. hinan (20 Stufen) kommt man in die Klosterkirche *S. Maria di Montalto (I) 2), auf der Caparrina-Höhe , von deren Stiftungsbau 1284 nur noch im Vestibül eine Granitsäule mit weissmarmornem normannischen Kapital und zwei elliptische Bögen stehen. Iu dem glänzenden Kirchlein ornamental treffliche Deckenfresken von G. F. Subba. — An der linkenWand (zwischen den zwei Kapellenohen, klein): * Tizian, Flucht in Aegypten (ein vortreffliches, aber etwas verdorbenes Bild). — Gegenüber: *Oardillo ü vecchio, Heimsuchung; das einzige vorhandene Gemälde dieses Künstlers, 15. Jahi-Ii.; von zarter Empfindung. — In der Tribüne vier Bilder von Placido Celi, Schüler Scilla’s 1695 (Geburt Christi, Jesaias, Anbetung der Könige, Salomon). Hinab und r. durch die Strada S. Agostino nach r. S. AgOStillO (1) 2); von der alten normannischen Kirche sieht man nur noch an der Nordseite die Spuren der Rundfenster und flachen Streben und vom Umbau des 14. Jabrh. die reiche spitzbogige Ostthür. 1. Altai- r.: *Madonnenstatue in Marmor, mit Bemalung und Vergoldung. — L. neben dem Hochaltar: Capp. der Familie Abate, an ihrer Rückwand: * Rinaldo Bonanno von Messina, Relief der Geburt Christi, 1570. —• R. und 1. zwei Marmorgrabmäler (1603 und 1607) mit schlafenden Engeln und elegantem , reliefirtcm Fries. — Uebcr dem Hauptaltar ein kleines Bild der Vergino del buon Consiglio, von Engeln 1467 von Scu- tari iu Albanien über das Meer in das römische Gennazzano getragen (s. »Mittelitalien«, Bd. I). — Im linken Schiff, 4. Altar: llodriquez, S. Augustin. Nun hinab zum COFSO CaYOUl* (DE 3), dem alten, die frühere Hauptstrasse der Stadt bildenden Corso; hier ist der Kleinhandel am stärksten vertreten und auf den schmalen Trottoirs herrscht reges Leben. Hauser und Kirchen sind vorwiegend im Barockstil erbaut, mit mächtigen ausgebauchten, oft bizarr gestalteten Baikonen von Schmiedeeisen; 517 15. Messina (S. Niccolö — Universität). 518 man hat hier noch die echte Physiognomie der Handelsstadt des 17. Jahrh. vor sich. — R. (südwärts) der Post (I) 3), der ehemaligen Casa professa dei Gesuiti entlang, kommt man zur Piazza Concezionc mit dem barocken Marmorwerk zu Ehren der Yergine Immacolata, von 1758; gegenüber r. die ehemalige Jesuitenkirche *S. Niccolö (I) 3), von Andrea Cala- mech im 16. Jahrli. entworfen. Die Kirche ist fünfschiffig mit zwei Reihen römischdorischer Säulen aus sicilianischem Marmor und zwei Pfeilerreihen mit präch- tigenYerzierungen in eingelegtem Marmor und Pietra dura. Am Hochaltar: *Girolamo Alibrandi von Messina, Tempelpräsentation, 1519(dasBild gehörte der Confraternitä dei Verdi, welche 1864 die Kirche S. Niccolö erhielt; Alibrandi war in Mailand Schüler des Lionardo da Vinci, und seine Bilder kursirten unter dessen Namen; 1499 ging er nach llom und Parma, um Raffael und Correggio zu studi- ren, und kehrte 1514 nach Messina zurück, wo er 1523 starb und in der [1850 abgebrochenen] Kirche der Verdi begraben wurde. — Seine Manier ist eine »Mischung sicilia- nischcr, leonardesker und ferraresischer [Mazzoliuo] Anregungen«.) — Im linken Querschiff, an der Schmalwand: *Anto- nello da Messina, S. Nikolaus in der Glorie, mit acht kleinen Legendenscenen. (Gewöhnlich wird das Bild der Scuola degli Autoni beigelegt; Cr. u. Cav. weisen es dem Antoneno zu, weil kein Schüler solche düstere Kraft im Ton und so fertige Kühnheit in Zeichnung und Komposition haben könne.) Das Kloster von S. Niccolö ist jetzt Palazzo di Provincia und Sitz der Präfektur. Durch die Seitenthür von S. Niccolö kommt man nach dem zerstörten 8. Domenico } • 1. fuhrt die Seitenstrasse und dann die erste Querstrasse einige Schritte r. nach (1.) Francesco (D 2, 3), Oratorium der Kaufleute (mercanti), mit reichem Ornament; 1626 errichtet, reich an Gemälden. Das grosso * Altarbild, Tod des Francis- cus von (dem Modencser) Bartol. Schidone (kräftig und farbenschön). — An den Sei- tenwänden: *Iiodriquez, drei grosse Bilder, Geburt, Taufe, Einkleidung des S. Fran- eiscus (in der Taufe die Künstlerfamilie); naturwahr, nach Art der spanischen Schule; — r. * Hubens (?), S. Franz in den Dornen; — *van der Brack (Schüler von Rühens und 1665 hier begraben), S. Franz auf dem Todteubett hört die musicirendenEngel; — Derselbe, die Madonna erscheint S. Franz. — Unterhalb dieser Bilder acht Medaillonfresken (Wunder des Franciscus) von Andrea Suppa von Messina. — Im Vorraum ein das Weihbecken haltender Engel von Asca- nio Lambertini , welcher 1625 als Frate dasselbe der Kirche schenkte. In der nahen Addolorata (Via Pace) eine gute Marmorgruppe der Madonna mit dem Kind, von unbekannter Hand. Im Corso Cavour weiter, an (r.) Palazzo Brunaccio (C 2, 3) vorbei (jetzt Kaltwasserheilanstalt, einst Palast des alten Gouverneurs, wo Goethe Zeuge eines sicilischen »Thiergefeclits« war; im Garten noch ein Stück alte Stadtmauer), kommt man nach 8. Anna (C 3), mit zwei Bildern von Comandc. Der richtende Christus; Maria und Jesus), und hinter dieser Kirche in die Strasse mit der * Universität ( Universitd degli Studii, C 3), 1548 von den Jesuiten gegründet und nach dem Entwurf desPadre Natale Masuccio von Messina nach dem Erdbeben von 1783 wieder aufgerielitet. Hier ist die öffentliche Bibliothek, mit 56,000 Bänden. Geöffnet vom 17. Nov. bis 31. Aug. tägl., ausser an Festtagen, von 9—4 Uhr. Einige werthvolJe Inkunabeln (z. B. die Vita di 8. Girolamo, 1473 in Messina bei Maestro Vigo de Lamaria gedruckt), illustrirto Werke des 15. Jahrh. (ein Psalter von 1470; ein Plutarch von 1465), zahlreiche von den Jesuiten gesammelte Manuskripte, einige Palimpseste; seit 1872 befinden sich hier auch die Bibliotheken der aufgehobenen Klöster (z. B. von 8. Salvatore dei Greci, mit über 400 Pergamenthandschriften griechischer Klassiker). — Der Vorsaal hat Raum für 400 Leser; Bibliothekar: Dr. Gaetano. Die Universität enthält auch eine naturwissenschaftliche Sammlung (im 1. Stock am Ende des Korridors r.), besonders reich an Laven, Schwefel, Metallen und Konchylien aus Sicilien, eine Münzsammlung } Vasenkollektion und eine kleine Raccolta di marmi e di bronzi mit Alterthümern aus Taormina und den von der Revolution verschonten KarlsIII., von Zagari, und ^Ferdinands II. von Tenerani. — In der Gemäldesammlung (galleria de’ quadri; im 1. Stock am Ende des Korridors 1.; Ordnung nur provisorisch, häufig Umstellung, Katalog fehlt) sind besonders liervorzuheben: 17 * 15. Messina (Fontana ilel Duomo — Dom). 520 519 * Antonello da Messina, Triptychon (aus dem Parlatorio von S. Gregorio): Madonna in der Mitte, 8. Benedikt und S. Gregor an den Seiten, bez. 1473 (s. Einleitung), eine Ausgleichung der flämischen und italienischen Eigenthümlichkeiten. — Derselbe, Madonna in Tempera. — Polidoro da Cura- mggio , Geburt Christi. — Derselbe, Kreuztragender Christus zwischen zwei Juden. — Calamech, Berufung des Apostels S. Andreas. — Derselbe, Pieta. — Mariano Hizzo, Madonna zwischen Petrus und Paulus. — Pietro jRaffa, Aller Heiligen. — Paolo Fun- doli, S. Diego. — Catalano l’antico, Die Verklärung. — Mario Menniti, Die Wittwe von Kain. — Agostino Scilla, Jakob am Brunnen. — Derselbe, Saul und andere Figuren. — Filippo liodriquez, Der Bethlehemitische Kin- dermord. — Vier Bilder, angeblich von Antonello da Messina (Der todte Christus mit zwei Halbfiguren und Joseph von Arima- thia; S. Nikolaus mit zehntheiliger Predella). Das Mineralogische Kabinet nebenan enthält interessante vulkanische Produkte sowie ein Bild von dem Messinesen Panebianco , L’incontro de’ Verdi cQi Saraceni. Es folgt in der Universitätsstrasse r. die Kirche N. D. del Carmine, mit Fresken der Tuccari und einer trefflichen alten Madonnenstatue (mit S. Simeon) von unbekannter Hand; einem (unter einer Silberiastra verhüllten) Oelbild der Madonna del Carmine von Polidoro da Caravaggio, der in der ursprünglichen Carminekirche (wo jetzt das Teatro Vittorio Em. steht) begraben wurde. Nun nordwärts auf die nahe Piazza del J)uomo (D 3), den stattlichen, trotz der modernen Bauten etwas alterthümlicli anmtithenden Mittelpunkt der Stadt, die zwar nach N. hin weiter sich ausdehnt, doch gegenwärtig auch in voller Anschwellung gegen S. begriffen ist. Wo einst die Bronzestatuen Karls III. (jetzt in Neapel) und Ferdinands II. (jetzt in der Universität) standen, sind jetzt zwei Gartenanlagen mit Bänken ang ebracht. L. von der Domfa 9 ade (nicht in der Mitte) erhebt sich die schone * Fontana del Duomo (D 3), einer der schönsten und grossartigsten Brunnen Italiens, 1547—-51 von Fra Giovanni Angelo Montorsoli von Florenz, dem berühmten Schüler Michelangelo’s, skulpirt, ein mit dem grössten künstlerischen Geschick ganz im neuen Kunststil geschaffenes, S m. hohes Monumen- tahverk, mit einem glänzenden Aufwand von mythologischen und allegorischen Gestalten und reichster Ornamentik. -- (Vasari hat den Brunnen beschrieben.) Ueber vier Marmorstufen, von Basen mit wasserspeienden Masken unterbrochen und von schwarzmarmornen Meerpferden umlagert, erbebt sich ein grosses, in weiten Nischen ausladendes, zwölfeckiges Becken aus weissem Marmor (wie der ganze übrige Brunnen). Auf dem Rand der vier Nischen, welche von vier Delphinen das Wasser erhalten, ruhen breit hingelagert die vier gewaltigen (echt michelangelesken) Flussgötter des Nil, Ebro , Tiber und des messmesisclven Camaro, unten durch ihre Embleme und geistvollen Inschriften Maurolico’s erläutert. An den Aussenseiten sind im reichsten Reliefstil mythologische Scenen dargestellt (Erde und Meer; Polyphem und Akis; Aktäon imd Narkissos, Pegasos; Raub der Europa; Phrixos). Aus der Mitte des grossen Beckens taucht eine Gruppe von vier Tri- tonen auf und hält eine mit vier wasserspeienden Masken geschmückte schneckenförmige Schale empor, innerhalb deren vier reizende Nymphen in anmutliigster Gruppi- rung ein drittes Becken (la taz’za) unterstützen, das vier auf Delphinen reitenden Putten als Basis dient; auf diesen ruht ein Globus, über welchem der mythische Gründer Messina’s, bewaffnet und mit seinem Hund als oberste Krönung, aufragt, mit dem Wappen Messina’s im Schild. Die Nordostseite des Platzes begrenzt Der *Dom ? la Cattedrale (D 3), ursprünglich eine jener prächtigen Kirchenbauten, mit denen die normannischen Herrscher die Hauptstädte ihres neuerworbenen Reichs schmückten, wurde vom Graf Roger ca. 1098 begonnen und von seinem Sohn vollendet. Anfänglich für den zahlreicher repra- sentirten griechischen Kultus verwendet, wurde er 1168 vom römisch-katholischen Bischof in Besitz genommen; die Weihe folgte erst 1197. — Durch Brand, Neubauten und Erdbeben ist er aufs mannigfachste entstellt worden; 1254 brach bei der Leichenfeier Konrads IV. zufällig am Gerüst, auf welchem der Leichnam des Kaisers ausgestellt war, Feuer aus und zerstörte einen grossen Theil der Kirche. Vom Blitz getroffen, brannte 1559 der mit Blei bedeckte oberste Theil des Glockenthurms ab. Im 11., 16. und 19. Jahrh. kamen allerlei Zu- thateu und Umbauten hinzu; dem Erdbeben von 1783 folgte namentlich im Innern eine höchst nachtheilige Restauration, so dass der Dom, wie er jetzt dem Beschauer entgegentritt, ein Gemisch sehr verschiedener Zeiten ist, aus ursprünglich normannischer und aus späterer Gothik, feinen Details der Frührenaissance, Barockstil und moderner Gothik. Die Fa^ade ist in ihrer untern Hälfte mit wechselnden Lagen von rothem und weissem Marmor inkrustirt; die drei 521 W. Messina (Dom). 522 gothisclien Portale zeigen den Einfluss der Dynastie der Anjou’s. Sie sind spitz- bogig und reich ornamentirt. Das hohe * Mittelportal von schönen Verhältnissen ist im 15. Jahrh. mit hohem, von Figuren reich belebtem Spitzgiebel und Baldachin- fialen bekrönt worden. Die äussere Ordnung, mit einer doppelten Reihe schlanker Schäfte, ist mit naiven Reliefstreifen geschmückt, auf denen kleine Engel, Weintrauben pflückend und kletternd, auch Vögel oder Affen fangend, anfs heiterste dargestellt sind; die innere Ordnung mit den Engeln und Thieren der Offenbarung im Blattwerk wird von einer Reihe übereinander unter arabisirenden Bögen ansteigender Könige begrenzt; im Sturz Christus mid die Evangelisten in Relief. Den Scheitel des Bogens füllt eine Gruppe der Madonna mit musicirenden Engeln von Giov. Dom . Mazzola von Messina; iin obern Dreieck ein Medaillonrelief der Krönung Mariä, auf dem Scheitel die Halbfigur Gott- Vaters. An den Seitenthüren sind die Schäfte mit Blättern und Grotesken verziert. An der rechten Thür sind am Bogen Medaillons mit den Köpfen von zwölf Propheten , oben im Dreipass spielt David die Harfe; die Reliefs des Sturzes (Christus und acht Jünger) und das Innere dieses Portals sind von 1518; im Scheitel des Bogens ein Erzbischof in Marmormosaik. —• Auch das linke Portal ist von sehr schöner Arbeit. ln einigen wagrechten Mosaikbändern der Parade sieht man kleine weissmarinorne Reliefs mit weiblichen Köpfen, Wein-, Oel-, Getreidobereitmig u. dgl. — Die ersten zwei der vier Seitenthüren, welche in den Dom führen, sind mit Reliefs von Bonanno, nach Zeichnungen Polidoro’s, geschmückt. — Die in die Sakristei führende Nordthür ist in einfach schönem gothisclien Stil. Der Schluss der Ostseite mit drei Apsiden zeigt noch byzantinischen Einfluss. An der vorragenden Wand des Tesoro ist ein hübsches Spitzbogenfenster von 1450, in der anstossenden Wand Reste von sechs ähnlichen Fenstern. Der Glockenthurm (s. oben), durch Erdbeben cingestürzfc, wurde im Barockstil aufgebaut, dann 1803 abgetragen und statt seiner nach dem Entwurf des Giacomo Fiore zwei neue Tlnirmc den seitlichen Apsiden in neuer Gotliik aufgepflanzt. Das Innere ist dreiscliiffig, in lateinischem Kreuz, das Mittelschiff von 26 schweren, monolithen, dunkelbraunen Säulen von ägyptischem Granit getragen, wie es in den Chroniken heisst, dem alten griechischen Poseidontempel am Faro entnommen, die Kapitale sind von byzantinischen Formen und wie die Basen vergoldet. Das Mittelschiff wie die niedrigeren Nebenschiffe sind mit schön gearbeiteten, offenen hölzernen Daclistühlen ohne Hängesäulen (mit Spuren von Vergoldung) eingedeckt. Die Wände sind im Barockstil modernisirt, die Fresken des Mittelschiffs von Bova (mit der Geschichte desMadonnabildes amllochaltar). Der Fussboden des Mittelschiffs ist mit Porphyr und farbigem Marmor in elegan- terZeiclinung eingelegt; derMeridianda- selbst eine treffliche Arbeit des Messineser Mathematikers Abbate Antonio Maria Jaci, von 1804. Die Spitzbögen wurden 1682 nach dem Entwurf des Andrea Gallo von Neapel zu Rundbogen verstümmelt. Das Ostende tritt in drei Apsiden vor, über der Vierung erhebt sich eineKuppel. Die Länge der Kirche beträgt 360 Palmi (94 in.), die Breite des Querschiffs 172 P. (45 m.), die Breite des Mittelschiffs 120P. (31 m.), die Höhe 92 P. (25 m.), Rundgang: Di q ^Altäre der zwölf Kapellen in den Seitenschiffen sind von Montorsoli (1547) entworfen. Die damals besonders reiche Hauptstadt liess diese prächtig dekorirten Marmoraltäre durch den berühmtesten Bildhauer errichten, der mit einer Anzahl von Schülern, jungen Florentinern und römischen Künstlern , die gesammte Skulpturarbeit leitete. In der architektonischen Einfassung und deren Ornamentik folgte hier Montorsoli noch der in Messina hei’rsclienden Kunstrichtung, dagegen die zwölf AposteUtatuen der Altäre zeigen ohne Rückhalt in Stellung und Gewandung den neuen micliel- augelcsken Kunststil; sie sind jedoch von ungleicher Ausführung. An der Eingangswand, r. vom Mittelportal: *Statue des Täufers, von Antonio Gagini, 1525; einfach und ausdrucksvoll. — Es folgt das fleissig ausgeführte Grabmal des Erzbischofs Gabriele di Blasi, von Jgnazio Marabiti, 1757. — An der rechten Wand: die Statue des Judas, von Ignazio Buccti aus Messina; S. Matthias, von Ainato (gering); S. Jakobus des Jüngern und S. Thomas, von Niccolb Maffei ; *S. Jakobus der Aeitere, von Giulio Scalzo aus Florenz (leichte Bewegung, einfache Gewandung, fleissige Durcharbeitung); *S. Paulus, von Mar- tino aus Florenz (michelangclesk). Ueber jeder Statue ein bezügliches ‘Relief. — 523 15. Messina (Dom). Es folgt der Altar der Assunta, mit zwei reich ornamentirten Marmorsäulen und guter Madonnenstatue von 1610. Neben diesem Altar ist das Grabmal des Erzbischofs Giovanni Spinelli, von 1770. — Im rechten Querschiff, r. an der Eingangswand: * Grabmal des Erzbischofs Guidotto de Tarbiatis (gest. 1333) von Gregorius de Gregorio aus Siena. Oben die Gestalt des Bischofs einfach, wohlgebildet, am Sarkophag die vier *Keli/?fs (vorn: 1. die Verkündigung-, r. die Verehrung der ‘Weisen; seitlich: Geiseluug; Kreuzigung) , bemalt und vergoldet. »Es ist seit den Tagen der Antike das erste wirkliche Kunstwerk der Plastik inSicilien«('iS’c&»a«f , e). — Unter der Inschrift schöne Arabesken. Daneben an der Schmalwand: das Grabmal des Monsignore Francesco Ye- lardes y Concha (gest. 1514), mit sehr charakteristischer ^'Büste. — In der rechten (südlichen) Apsis (Capp. di S. Placido), an der Wölbung: * Mosaiken auf Goldgrund, von 1330: Der Apostel Johannes, S. Nikolaus und andere Heilige, zu ihren Füssen knieend der junge König Ludwig und sein Oheim Johannes, Herzog von Randazzo; die Inschriften über den Sterblichen lateinisch, über den Himmlischen griechisch. — Die sechs Bronzeengel in den Nischen: von Innocenaio Mangani aus Florenz. In der Centralapsis an der Wölbung ebenfalls * Mosaiken aufGoldgrund, von 1330. Ein sitzender kolossaler Christus von Engeln umgeben, 1. die Jungfrau, r. Johannes; — in kleineren Gestalten knieend: Friedrich II. von Aragonien, mit seinem Sohn Peter und Guidotto, Erzbischof von Messina. (Diese Mosaiken stehen noch auf dem Standpunkt der älteren Werke dieser Technik, lange Gewänder mit Faltengewirr, die Zeichnung theilweise mangelhaft, doch zeigen die Figuren der Verehrer schon freiere Bewegung.) Unter den Mosaiken: "Vier grosse Fr keil von Quagliata (in der Art Tin- toretto’s). Zur Mensa des Altars führen fünf Stufen aus Jaspis, Achat und Pietra dura. Der Hochaltar, entworfen von Simone Gulli von Messina (1628) und von Guarini, Ferrante und Quagliata ausgeführt, erst 1726 vollendet, ist überaus prächtig mit Blumen, Vögeln, Guir- lantlen, Blättern von Lapislazuli, Achaten, CUalcedonen ausgelegt. Er kostete 524 damals nahe an 4 Mill. Franken, aber architektonisch hat er keinen Werth. Das Ciborium ist von Lapislazuli und Gold. Der überreiche Baldachin »la macehi- netta« ist 16 m. hoch, sein 7 m. breites und 2 m. hohes Basament mit Amethysten, Jaspis, Lapislazuli, Achaten, Karneolen und anderen kostbaren Steinen geschmückt, darüber sechs Lapislazulisäulen, mit vergoldetem Kupfer kannelirt; sechs Engel tragen die Kuppel desBaldachins, über welchem ein vouEngcln gestütztes Kreuz aufragt. Unter diesem glanzvollen »Padiglione« ist das Bild der Madonna della lettera, der Patrona principale Messina’s. Ihren Namen hat sie von einem berühmten Brief, den Maria aus Palästina durch Paulus den Messinesen brachte, also lautend: »Maria, die Jungfrau, Tochter Joachims, die demütliigste vor Gott, Mutter des gekreuzigten Christus Jesus, aus dem Stamm Juda, dem Geschlecht Davids, allen Messinesen den Gruss und den Segen Gottes des allmächtigen Vaters. Es ist bekannt, dass ihr alle in Eurem grossen Glauben Gesandte und Boten mit einem öffentlichen Dokument zu mir geschickt habt; Ihr bekennt, dass mein Sohn Gottes Gezeugter, Gott und Mensch ist, ünd in den Himmel nach seiner Auferstehung gestiegen ist, und anerkennt mittels der Predigt des Apostels Paulus, des Auserwählten, den Weg der Wahrheit. Deshalb segne icli Euch und Eure Stadt, deren ewige Beschützerin ich sein will. Im Jahr meines Sohns 42 (In- dict I. III Non. Junik Luna XXVII, Feria V ex Hierosolyinis.« — Das hebräische Original dieses in Messina hochheilig gehaltenen Briefes ist leider aus Bosheit verbrannt worden; Paulus hatte es ins Griechische übersetzt, und der berühmte griechische Gelehrte Konstantin Laskaris (gest. 1493 in Messina) fertigte etwas spät die lateinische Uebersetzung an. — Ein besonderes Register belehrt über die Teufelaustreibungen und Erleichterung der Geburten, welche dieser Brief bewirkte. Gewöhnlich ist das Bild der Madonna mit einer Silberplatte (La manta) überdeckt, welche nur das Gesicht der Madonna und des Kindes frei lässt und das Uebrige in Relief darstellL Eine überaus kostbare goldene Manta mit Juwelen wird an Festtagen (Hanptfe&t: 3. Juni, mit grossen Feierlichkeiten) vorgesetzt. Die * Chor Stühle sind von Giorgio Veneziano, 1540. An den'Wänden der Tri- buna über den Chorstühlen sind drei mit rothsammetner Decke bekleidete Särge, der r. neben dem Hochaltar mit der Asche Kaiser KonradsIV. (gest. 1254) (s.oben); gegenüber 1. der S&rgAffonso’sdesGross- müthigen (gest. 1458) mit dem schönen Distichon: Alphonsum Libitina diu fug-is arma geruntem Mox positis, (juacnaui gloria? frande uecas. 525 15. Messina (Dom). 526 Hinten in der Apsis der Sarg Antonia 1 s, Gattin Friedrichs III. von Aragonien. In der (nördlichen) linken Apsis (Capp. del Sacramento) sind am Gewölbe ebenfalls wie in den beiden anderen noch die alten * Mosaiken: Madonna mit Engeln und Heiligen; Gabriel, Michael, Agatha, Lucia, Königin Elisabeth, Gattin König Friedrichs II. von Aragonien, in Verehrung. — Die Dekoration der Kapelle und die bronzevergoldete Custodia (sechseckigerTempel)mit Reliefs(Abexid- mahl; Jünger zu Enimaus) sind von Jacopo del Duca, Schüler Michelangelo’«; — diu Wandfresken von Alessandro Fei. (Hinter diesem Altar in sehr elegantem Sacrarium sind die berühmten, von König Alfonso an Sancio d’Eredia und von diesem der Stadt Messina legirtcn Reliquien, in vorzüglicher Goldarbeit [meist von Java] gefasst.) Im linken Querschiff, an der Schmalwand (Capp. della Pieta), ein reicher * Renaissance-Altar von 1530, vom Erzbischof Antonio La Lignamine der Vergine Pace nach dem Aufhören des Bürgerkriegs geweiht. lieber dem Altar drei Nischen mit (1.) *S. Petrus, r. S. Antonius von Padua; Mitte: (später an die Stelle der Vergine gekommen) die Pieta; am Altargradino köstliche *Re- liefs der Leidensgeschichte. Ueber der Cor- niche: Relief der Vergine della Pace, eine Seele vom Dämon errettend. Die Pilaster, Rasen, Oornichen mit vortrefflichen Arabesken. L. vom Altar: Grabmal des Monsignore Giovanni lietana, von Rinaldo Bo- nanno von Messina, 1582 (die Büste sprechend). — Zum linken Schiff hinabgehend, trifft man an unter der Orgel: den Sarkophag des Monsignore Antonio La Lignamine, 1535. Daneben: "‘Grabmal des Erzbischofs Pietro Bellorado, 1513; unten in den drei Nischen Glaube, Hoffnung , Liebe; am Sarg vortreffliche, reine Ornamente; die liegende Statue voll Adel. »Die Ornamente, die feinen Blumen- und Fruchtgewinde mit Vögelchen, Satyrmasken und allerhand phantastischen Gestalten sind dem Besten vergleichbar, was man an den Werken eines Mino da Fiesoie von dieser Art sehen kann.« Gegenüber an der Wand: Monument des Kardinals Yilladicane, von Gius. Rrinzi von Messina, ein tüchtiges modernes Werk (1865). Dann folgt der Altar der Auferstehung, mit der Statue des Auferstandenen, von Gagini (und schwarzmarmornen Halbfiguren der Soldaten, von del Duca). Daneben an der Wand: ein kleines Relief, Hieronymus im Gebet, 15. Jahrh. Darunter: ein Weihbeclcen aus normannischer Zeit, auf einem Säulenfuss, mit zwei griechischen Inschriften: die eine an Asklepios (Aes- kulap) und Hygieia (Göttin der Gesundheit) als die Schutzgottheiten der Stadt; die zweite an Aelius Hadrianus Augustus Pius, Vater des Vaterlands. Dann folgen die mit schönen Renais- isanceornainenten (von Polidoro Caldara) verzierten Thüren zur (1. nach der zweiten äusseru Thür) Sakristei und (Janonica. Hier ist eine kleine Gemäldesammlung; in der Sahisiei: eine Assunta von Salvo di Antonio von Messina {Gr. u. Cav.: die Affekte erinnern an Raffaelino del Garbo, der Ton an FraBartolommeo, der Realismus derPersonen hinter der Bahre an Carpaccio, einige Gesichter an Basaiti); — Lot von Alfonso lto- driquez; — ein Relief der Verehrung der Magier von 1544; — in der Canonica: Alibrandi, Präsentation; — ein Triptychon aus der flämischen Schule; — einige Bilder von llodriquez, Quagliuta und Calalano. Es folgen im linken Seitenschiff die entsprechenden sechs Altäre, nach dem Entwurf Montorsoli’s, mit sechs Apostelstatuen; gleich am ersten (sechsten Altar 1.) *Petrus von Montorsoli; dann S. Andreas, von Calamech; S. Johannes, von Martino von Florenz; S. Fi- lippo, von Calamech ; S. Bartholomäus und Simon, von dem Römer Vincenzo Tedeschi. Am Anfang des linken Seitenschiffs siehtmannoch den ursprünglichen, weiss und schwarz gestreiften Eingang zum Campanile. — Die Marmorkanzel, (unter dem siebenten Bogen r.) achteckig, mit Tugenden in Relief verziert, ist von Andrea Calamech von Carrara; am viereckigen Piedestal ragen aus dem Kapital die lebensgrossen Köpfe der religiösen Revolutionäre Arius, Mohammed, Luther, (cliorwürts) und Calvin (dieser völlig unkenntlich) hervor. — Daneben steht das Taufbecken, ein Achteck von weissein Marmor auf neun Pfeilern; das Becken, mit breiter mosaicirter Brüstung, wird dem Gaddo Gaddi von Florenz zugeschrieben; der Deckel ist aus dem 16. Jahrh. Neben der linken Orgel r. sieht man an der Wand zwei Marmortafeln 527 15. Messina (Cattolica — Yia Garibaldi). 528 mit.den Privilegien der Stadt Messina, die sie durch Kaiser Heinrich VI. erhielt. Die dreischiffige Unterkircho, zu der an der Südwand der Kirche ein Spitzbogen führt, ist der Madonna dello lettere 1633 geweiht und dieser Zeit gemäss dekorirfc worden; am Hauptaltar ein altes Oelbild der Madonna. Kleine Säulen mit normannischen Kapitalen tragen die von liova fres- kirte Decke (Bova wurde Mer 1701 begraben). -r- Im Tesoro (l 1 . Seitenschiff)befindet sich ein reich mit Juwelen geschmücktes, goldenes Ostensorium; zwei Becher mit alten Niellen, und reiches, schön ciselirtes Silbergeschirr; Silberstatmen S. Rosalia’s und S. Alberto’s (1629); ein silbernes Altarblatt von Gins. Paladino (1769); kostbare Kreuze, Lampen u. a.; zeitweilig auch die goldene Manta (s. oben) mit Juwelen. Vom Dom siulwestl., in der Strada Primo Settembre, liegt r. (D 3) die Cattolica (Madonna dclGraffco), nach dem Namen des Stifters dem lateinisch- griechischen Kultus geweiht, unter der Leitung eines Protopapa. Das Ostportal ist spitzbogig, das Fenster darüber normannisch ornamentirt, die Inschrift darüber lautet: Katholische Mutter und Haupt der Griechischen Kirchen (d. li. Kirche der nnirlen Griechen). Die Kirche wurde schon vor 1168 errichtet; sie bildet ein griechisches Kreuz mit spitzbogiger Apsis im O., runden Apsiden an den Seitenarmen, niedriger Mittelkuppel auf Spitzbögen. — Das Innere wurde 1752 erneuert. Dem Protopapa Leonardo Pate (gest. 1658), einem gelehrten Philologen an der Universität Messina’s, wurde ein hübsches Kenotaph mit Halbbüste gesetzt. — Den Hauptaltar stützt eine Säule mit griechischer Dodikation (wie im Dom) eines Weihgeschenks an Asklepios und Hygicia. Wo sich die Strada Primo Settembre und Strada Cardines schneiden (T) 3), stehen vier Marmorbrunnen an den vier Strassenecken, mit Tritonen und Meerpferden. Sie sind 1714 — 37 von Man- gani aus Florenz und Buceti von Messina errichtet worden. Nahebei stand laut Tradition einst der von Cicero gegen Verres (S. 79) besprochene Heraklestempel und dann die alte Kathedrale S. Nicola; jetzt sind hier der erzbischöfliche Palast und das Seminar. An der rechten Langseite des Doms gelangt man durch Strada de’ Catalani zur * Annunziata de’ Catalani (d 3), laut Tradition auf einem Poseidontempel errichtet und schon in frühester Zeit dem christlichen Kultus geweiht. Die gegenwärtige Kirche stammt aus der ältesten normannischen Zeit; sie wird schon 11G9 als eine alte Kirche erwähnt. Unter den Aragonesen wurde sie speciell den Kataloniern (Spaniern) eingeräumt. Sie hat theilweiso noch byzantinische Formen beibehalten (bildet ein Quadrat mit vier Säulen). An der (West-) Fa^ade sind drei eigenthümliche Portale, rundbogig, die Spitzbögen fast hufeisenförmig, das mittlere mit antikigirenden Säulen, und r. und 1. an den Schäften mit arabischen Inschriften, mit intarsirten Serpentinbuchstaben und Porphyrarabesken. Es sind Verse, mit welchen König Roger die Grossen des Hofs einladet, in sein irdisches Paradies (d. li. den Königspalast) einzutreten. —Die Apsis hat nach nordischer Weise zwei Reihen blinder (gestelzter) Rundbögen übereinander, auf kleinen Pfeilern mit Blätterkapitälen. — Das modernisirte Innere noch mit den antiken Säulen von Granit und Cipollino, auf deren byzantinische Kapitale runde und gestelzte Bögen aufsetzen; an den Wänden theilweise noch die alten kleinen Nischen. Von der Piazza de 1 Catalani hinunter zum Largo del Purgatorio kommt man von hier r. in der Str. Cardines zu der r. von Andrea Suppa erbauten achteckigen Kirche Anime del Purgatorio (I) 3); 1. Altar r.: Paolo de Malteis (Neapel, S. Matthäus; 2. Altar r.: Ricci, S. Gregorio; 1. Altar 1.: ■^Pompeo Battoni, S. Jakobus; 2. Altar 1.: Trevisani (Rom), Pieta. — Am Hauptaltar: *Cypressenkruclfix von Santi Siractisa aus Messina. Nun folgt man nordwärts der Via Garibaldi f der zweiten jener die Stadt mit dem Corso Vittorio Emanuele parallel durchziehenden langen Strassen; sie hat die Bedeutung eines vornehmen neuen Corso, ist augh viel breiter als der Corso Cavour. Auf dem Platz in ihrer Mitte sieht man die dorische Westfa^ado des Municipio (S. 508), und der Platz dient Sonntags der Musik. Köstliche Blicke gewähren an dieser Strasse jene Durchgangshallen, die auf den Kai am Meer (S. 500) münden, kleine reizende Staffagenbilder des Schifflebens und der jenseitigen Küste; am Abend ist diese Strasse auch der belebteste, lebendige Corso. — Dem Nordflügel des Municipio gegenüber liegt die Kirche der Crociferi (E 3). Am Hochaltar: * Michelangelo da Gara- vaggio, Auferweckung des Lazarus. — 3. Altar r.: Nunzio, Umso, SS. Peter und Paul auf den Hügeln Messina’s zur Madonna 52!) 15. Messina (SS. Annunziata). 530 betend (in Novelli’s Art). — Im linken Querschiff: Itodriquez, S. Carlo. Gegenüber der kleinen Seitenthür dieser Kirche ist das Gdbinetlo Benoit, mit einer reichen sieilisclien Vögelsammlung. Vom Municipalplatz die Strada Camillo westwärts hinangehend,kommt man, r. dem Corso Cavour folgend, zur Piazza delV Annunziata (E 3), mit der Bronzestatue des Don Giovanni d'Austria, einem tüchtigen Werk des Messinesen Andrea Calamech, zu Ehren des von Don Giovanni geleiteten Seesiegs über die Türken bei Lepanto 1571. *Agost. Scilla, Der sterbende Hilarion. — 3. Altar 1.: Itodriquez, Joachim und Anna. — In den zwei Schränken bei der Thür befinden sich ebenfalls Gemälde, darunter ein altdeutsches (angeblich von Albrecht Dürer): Hinabfahrt zum Limbus, und drei flandrische von Abraham Casembrot, der in Messina wohnte; — in dem anstossenden Ora - torio della Nativitä: fünf Bilder von Tuccari. Gegenüber die Waldenserlcirche. — Weiterhin, an Strada Oratorio della Pace, Ecke: 8. Dionigi (E 2). Mit dem Bild des S. Dionys von Stefano d’Anna von Messina, 1500, und Petrus und Paulus von Polidoro da Caravaggio, auf einer Madonna delle Grazie, Schule der Antoni. Am Piedestal mit den vier Bronzereliefs der Abfahrt, der Schlacht und der Rückkehr. Bei der Rückkehr empfing ihn Messina mit grossem Jubel, setzte ihm diese Statue (die einst am Hofende am Palazzo Reale stand) und nannte die Str. Amaifitania nach seinem Namen Str. cl 1 * 3 Austria, der in neuester Zeit dem Sicilien dem italienischen Königreich einverleibenden 1 Sept. weichen musste. Westwärts gegenüber liegt SS. All- UUllziata (dei Teatini) (E 3), 1660 von Guarino erbaut, mit weiträumigem, lichtem Innern, grossem Deckenbild von Filippo Taneredi, Kuppel- und Tribuna- fresken von Giuseppe Paladino und an der Decke der Capp. S. Gregorio Tauma- turgo mit modernen (tüchtigen) Fresken von Andrea Suppa. An derTribunawand: 1. Geburt, Präsentation; r.: Quagliata; — Heimsuchung von Gius. Paladino; — Assunta von Suppa; — Purifikation und Himmelfahrt von Qua- gliala. — In der Tribuna zwei Marmorgrab- jnäler (Monsg. Carafa von Mangani [1676]; Contessa Cybö, 1639). — 3. Capp. i\: bemalte Madonnenstatue von Michele Pane- hianco; — 1. Capp. 1.: Himmelfahrt Mariä von Houhraben. — 3. Capp. 1. (über dem Altar): Quagliata, Tod Josephs; — (an der rechten Wand) Der*., Verehrung der Weisen (Friihbild). — Linkes Querschiff: S. Gae- tano vor der Madonna, von Agost. Scilla. j Es folgt das elegante kleine Theater ! della Munizione (D 2), von Giac. More \ erbaut (für 900 Personen). Die Strasse j endigt gegenüber dem Monte di Pieta, j einem eleganten Bau moderner dorischer | Architektur, im Hof mit einer von Por- i tiken umringten, von Filippo Taneredi I freskirten Kirche, an deren Hauptaltar ! sich das beste Bild von Deodato Guinaccia I (Pieta) befindet. — Dem Monte gegen- ! über 1. (Nr. 118) liegt das ganz von ■ Letterio Paladino ausgemalte Kirchlein ; S. Biagio. — Von der Fa 9 ade des Monte j di Pieta r. weiter, der Via Monasteri ent- ! lang, folgt 1. Monte Vergine (E 2). | Mit reicher Marmordekoration und Vergoldung von Niccolö M aff ei, und von Letterio j Paladino freskirt; am Ilauptaltar: Quagliata, Madonna mit SS. Franciscus nnd Clara. — Neben der Kirche 1. das schöne, 1475 von der Beata Eustocliia Calafato gegründete Kloster. Tiefer unten liegt die Pacekirche (E 2). Decken- und Tribunafresken von Gius. Paladino; in der Sakristei: Vinc. Aniemolo, S. ! Cosma e Damiano (raffaelesk); im Versammlungssaal der Confraternitä (dei Bianchi): i *Anlonello da Messina, Madonna dei Rosario, 1479 (gut restaurirt); unten Messina zu jener Zeit. An diese Kirchen stossen drei Oratorien ; mit Bildern von Itodriquez, Quagliata, Tue- cari, Fulco und Taneredi. Im Corso Cavour einige Schritte südwärts zurück und die erste Strasse r. hinan, kommt man nach (1.) 8. Gioacchino (E 3), von 1645, reich an Gemälden der Messiner Schule. Vorn an der Strada di Pace 1. die erste Seitenstrasse (S. Caterina) am (1.) stattlichen *Palazzo Grano (E 2), einem eleganten Renaissancebau des 16. Jahrh. (mit Gemälde- u. Konchyliensammlung), vorbei (im Pal. Silipigni eine Sammlung älterer und neuerer Messineser Bilder), kommt man zur Pfarrkirche 8. Caterina 1. Altar, r.: Giov. Tuccari, die Santi Pa- stori. — 2. Altar r.: Barbalonga, S. Carlo; — 3. Altar r.: Siracusa, Cypressenkrouz. — 1. Altar 1.: Quagliata, S. Gregor. — 2. Altar dei bottegai(iH2 ,3), 1701 von denFrutta- juoli auf eigene Kosten erbaut, mitFresken und Oelbildern von Giovanni Tuccari. — 531 15. Messina (S. Francesco d’Assisi - Villa Eocca Gfuelfonia). 532 Wieder zur Strada dei Monasteri hinan und in derselben r. folgt S. Michele (E 2), griechisches Kreuz mit Kuppel, vo wGalli, mit berühmten Altarbild der Himmelfahrt, von Barbalonga, und Oelbildern in der Tribüne, von Dom. Maroli. — Weiterhin r.: *S. Maria Hella Scala (Ei 2). Die Fa$ade (die obere der Str. Monasteri zugewandto Hälfte) von 1347, die Kirche 1856 gänzlich restaurirt und eine der schönsten Kirchen Siciliens; das Westportal spitzbogig, die äussere Ordnung im Charakter der nordischen Gothik; die Nordthür im Renaissancestil, in der Lünette die Madonna della Scala (d. li. auf Leiter mit Kreuz deutend). — Im Innern die modernen Deckenfresken von Conti-, — 1. vom Eingang: *Luca della llobbia, Madonna. Weiterhin über die Strada di Porta Boccetta hinschreitend, 1. *S. Francesco (FAssisi (E 2) (von der Villa führt an deren linker [südlicher] Seite die Via S. Crispino direkt hinan), 1251 gegründet, einst in schönen sici- lisch-gotliischen Formen; jetzt noch mit dem alten Südportal und mit Spitzbögen im Schiff und an den Apsiden, ■welche von langen Lancettfenstern durchbrochen sind; aber mit barocker Dekoration und durch die Restauration 1721 umgewandelten Bautheilen. An der Eingangswand, r. vom Portal: ♦Grabmal, das zugleich einen Altar bildet, 1587 von Stefano Patti errichtet; über dem Altartisch ein raffaeleskes Bild, Madonna mit S. Christophor und S. Stephan, fälschlich dem Filippo Paladino beigelegt; — 1. Altar r.: Andrea Suppa, Martyrium S. Ur- sula's. — 3. Altar r.: Catalano il vecchio, Geiselung Christi (der spanischen Schule verwandt). — 4. Altar r.: *Marmorrelief der Vergine dello Spasimo, 13. Jahrh. — 5. Altar r.: *S. Franciscus erhält die Wundmale, angeblich von Salvadore d’Antonio, Vater des berühmten Antonello von Messina. (O. u. Cav. dagegen legen dar, dass das bedeutende Bild aus dem Ende des 15. Jahrh. ist, von einem Künstler, der Antonello und die Venetianer studirte. S. Franz, auf ein Knie niedergelassen, schaut axif eine Landschaft mit Häusern, Bäumen, Thieren ; am rechten Ufer kniet S. Hilarius; — die Figuren sind gut proportionirt und in entsprechender Handlung, die Gewandung sorgfältig, obschon eckig, die Konturen sicher; die Landschaft erinnert an Bellinxund Palma vecchio.) Die Fresken an der Wand dieser Capp. von Tuccari. 6. Capp. r.: * Antonio Gagini, Madonnenstatue. — 8. Capp. r.: Rodriquez, Martyrium des S. Lorenz. — R. vom Hochaltar, in der Capp. del Sacramento: gute Fresken von Tuncredi. — Hinter dem Hochaltar ein antiker Sarkophag, mit dem Raub der Proscr- pina (man lasse die Holzwand wegheben). Darüber die Area mit den Gebeinen König Friedrichs III. von Aragonien (gest. 1377) und seiner Mutter Elisabeth sowie seiner Söhne Wilhelm und Johann von Randazzo. — Hinter dem Altar: Lesepult mit Pelikan, in Antwerpen gefertigt 1545. — Hinter der Capp. in der linken Apsis, in einer abgeschlossenen Capp.: bronzevergoldetes Grabmal, von Giov. Lanza 1618 seiner Gattin Francesca Cybd errichtet, die im 15. Jahr starb; der Sarkophag auf zwei Löwen und mit hübschen Reliefs; Todesgenien stützen und krönen das Denkmal. — 7 Capp. 1.: Grabdenkmal des Antonio Ottaviano, 1854 von seinem Sohn entworfen. — 6. Capp. 1.: (unten über dem Altar): * Vinc. Aniemolo, Madonna mit S. Cosmas und Damian (raf- faelesk). — 5. Capp. 1.: *Ilodriquez, Madonna delle letterc und S. Placidus; mit einer Darstellung Messina’s. — 3. Capp. 1.: Geburt Christi von Mario Menniti von Syrakus (von ihm auch die zwei Seitenbilder). Ueber dem Altar ein Relief der Geburt Christi.— 2. Capp. 1., rechte Wand: Catalano il Vecchio, Wunder des S. Antonius; linke Wand: Fers., Kniefall des Pferdes von S. Franz vor der Hostie. Der Altar ist gothiseh dekorirt. An der Eingangswand der Kirche, 1. vom Portal; *Mannorgrabmal des Angelo Baisamo, Barone di S« Basilio, gest. 1507; der Baron in der Rüstung, betend, ein Page hinter ihm trägt das Schwert; am Postament Relief des Poseidonzugs. Dann über die Piazza Immacolata hin und die Via dei SS. Crispino und Crispiniano hinan in die Via S. Giovanni decollato nach *S. Giovanni decollato (F 2). Mit einem (mit Recht) berühmten Bild (in der Tribüne) der ^Enthauptung des Täufers , von Michelangelo Caravaggio (eines der besten Bilder dieses genialen Natiu-alisten). Das tiefer gelegene nahe Kirchlein S. Stefano (E 2) in welchem die in Messina bei der Sicilianisclien Vesper ermordeten Franzosen begraben wurden (1282), enthält einige Bilder von Polidoro da Caravaggio. Südwestl. kommt man an S. Paolo (mit Fresken von Suppa, S. Benedikt von Agostino Scilla und Paulus von Darbalanga) vorbei zur * Villa Rocca Glielfonia (E 2) hinan. Die von Graf Roger erbaute, einst von den Königen von Aragonien und 1284 von Königin Constanza bewohnte Burg wurde später Gefängnis, als welches ihr Thurm schon 1285 für den Sohn Karls von Anjou gedient hatte. Jetzt steht hier die Villa 533 534 15. Messina (Teatro Vittorio Emannele). eines Advokaten (Santi de Cola), welche die herrlichste **A ns sieht auf Stadt, Meerenge und Kalabrien gewährt (dem Portier 40 C.). Ueber S. Francesco d’ Assisi zurück, kommt man die Via S. Crispino hinab zur freundlichen * Villa , früher Flora genannt, jetzt Villetta Mazzini (F 3), einst Johanniterplatz, 1830 zu einem englischen Garten, 1871 zur Villetta pubbliea umgewandelt, 1873 mit der Büste Mazzini 1 s eingeweiht. Hier spielt im Sommer Abends oft die Musik. (Man beabsichtigt auf der Collina Agliastro im N. der Stadt eine grössere Villa pubbliea anzulegen.) An der Nordseite des Platzes erhebt sich S. Giovanni; einst Malteserkirche; r. neben dem Hochaltar die Capp. S. Giovanni, mit dem Grabmal und (r. in der Wandnische) der *Büstc des geistreichen Abbate Francesco Maurolico , des »neuen Archimedes«. — Fast gegenüber die Kirchle in S. fticcolö rtei Greei, dem (orthodoxen) griechischen Kultus geweiht. — An der Südseite des Platzes liegt S. Andrea Avellino ? eine erst 1844 von Tardi erbaute Kuppelrotunde; am Pfeiler 1. vom Eingang: Franc. Albani, Heil. Familie (verdorben). Am rechten Chorpfeiler: Michelangelo Caravaggio, dorngekrönter Christus vor Pilatus (von grellsten Kontrasten, aber naturgetreuester Wirklichkeit); im linken Kreuzarm: Sei. Conca, S. Andrea (eins seiner besten Bilder). Nun der Via Garibaldi entlang südwärts zum * Teatro Vittorio Erna- liuele (E 3), dem schönsten Theater Siciliens, von Cav. Valenti aus Neapel 1846 — 50 erbaut (es kostete der Kommune 1,812,SCO Fr.), an der Stelle des Karmeliterklosters, das schon zuvor in ein Gefängnis umgewandelt worden. Die’Mai-morarbeiten an der Fa^ade sind von Rosario Zacari von Messina /oben in der Mitte die Zeit, welche die Wahrheit und Messina enthüllt, das bezaubert vom Licht sie umarmen will). An den Seiten (über der Tliur des Cafe Nuovo): Herkules in den Olymp aufgenommen, und (über der Thür des Gabinetto di Lcttura): Iierkiiles zieht die Tugend dem Laster vor. In den acht Medaillons 10 berühmte Italiener, die sich im Drama und in der Musik auszeichneten. Die Fresken im Innern von dem Messinesen Giac. Conti; der grosse Prosce- niumsvorhang von Panebianco (Gelon, König von Syrakus, nöthigt die besiegten Karthager zum Aufgeben der Menschenopfer). Umgebung von Messina. 1) *CampO Santo ( J /2 St.); Fiaker: 1 spann. 1 Fr., hin und zurück 1 Fr. 60 C., 2spänn. l */2 F., hin und zurück 2 Fr. — Dieser im S. der Stadt, an der herrlichsten Lage auf der Höhe angelegte Friedhof ist architektonisch sehenswerth. Mau folgt der Strasse nach Catania und geht der Via S. Clemente (A 2, 3) entlang zum Eingang; zwei Wege führen in sanfter Ansteigung zum ausgedehnten Parterre hinan, auf dem ein imponirender Bau sich erhebt mit mehr als 100 ionischen Säulen , die eine gedeckte Loggia bilden, in welcher sich Kapellen für Bruderschaften (confratrie) und Kenaissance- ädikulen folgen. An den beiden Seiten ziehen sich zwei durch Marmorsäulen getheilte Gallerien hin für bedeutende Monumente. Die Mitte ist dem pantheonartigen Tempel Vorbehalten. Auf der obersten Anhöhe liegt eine zweite Hochfläche, in mehrere Gärten abgetheilt, mit Marmormonumenten; zu oberst ist ein normannisch-gothischer Bau für die Padri. Der Camposanto wurde von den Architekten Leone Savoia und Giaeomo Flore angelegt. Die Einweihung fand 1872 bei der Translation des Messineser Historikers und Ministers La Farina statt. 2 ) *Forte Gonzaga (B 1 ) (V2 St.), nur zu Fuss oder zu Esel (S. 485) ausführbar; sehr lohnend und durchaus nicht anstrengend. Vom Südende der Via Cavour gehe man diesseit der kleinen Eisenbrücke die Strada di Portalegni längs des Bachs hinan bis zur zweiten kleinen Eisenbrücke (der Str. Gesü e Maria gegenüber); über diese Brücke hin und am rechten Ufer des Flusses (von Nr. 01—lnü) hinan, hier r. die fünf Sprossen in die sandige Fiumarenstrasse hinab und diese eine kurze Strecke hinan bis zum achteckigen Schilderhaus (hier trennen sich die Wege, 1. zum Forte Gonzaga, r. zum Castellaecio). Hier links zwischen zwei Mauern bis zur Gztterthür; von diesem 1. in Kehren hinan (nach der ersten Ansteigung eine Osterie mit gutem Wein) bis zum (7 Min.) zweiten Thor (wo der Soldat meist ohne Anfrage durchpassiren lässt); jenseit des Thors sieht man das Fort vor sich, das man in 10 Miu. erreicht. Die ^Aussicht auf dem Vorsprung vor dem Fort (das der Vicekönig Gonzaga 1540 errichten liess und jetzt als 535 536 15. Messina (Umgebung). Gefängnis dient) ist ausserordentlich grossartig und malerisch; man sieht hier namentlich in voller Ausbreitung die Hafenhalbinsel mit dem Leuchtthurm, dem Lazareth und der jetzt verschwindenden Citadelle; dann die ganze nördliche Landspitze bis zur Punta del Faro und über die Meerenge hin, die in den Schilderhäuschen ist derselbe wie nach Fort Gonzaga; jenseit dieses Häuschens folgt man dem ersten Strässchen r. bis zum letzten Lampione (Nr. 50) und der Aufschrift: »Arcivescovieri«; hier etwas r. und dann sogleich wieder dem Strässchen nach-, bei der Biegung erblickt man 1. oben die Burgtrümmer, zu denen nun ein Ayixakt'.L- MSrhHi [äitpa ■«[ — jh-rfiMmo s mL rCß^O^^pi,.; Pialc S.AficAcic Rn^-rH P Vtlla,$.6iiuieppc ,Äuibalcfro^ i s J ^) ca iÜk Bnrdo fa-ntpfüuijwtfth' _ -rfixuvi et Mcmadät. rsdiott/i ZaJiand/ C/5 /*ä^erüvjr / üi/$ STRASSE VON MESSINA imsrni ^fcrrcif^ tao.Pie n Maisstab4'280.000 Kilometer S.d!rfaad\ (gm Jfez7tt7w \ Yj prächtigsten Farben, Plänen und Linien sich ausbreitende kalabrische Küste von Scilla bis Keggio, mit dem dunklen Aspromonte als Hintergrund. Im Jalir 1861 wurde von hier aus die Citadelle durch die Piemontesen unter Garibaldi heftig beschossen, was die Uebergabe der Stadt am 13. Sept. zur Folge hatte. 3) *CaSteIlaccio (Vs* St.; nur zu Fuss oder zu Esel; der Weg ist rauher und beschwerlicher als auf Forte Gonzaga). Der Weg bis zum achteckigen rauher, aber überaus malerischer Fuss- weg in l k St. hinaufführt; beim letzten Drittheil der Steigung Prachtblick 1. in die Thalsclilueht. Die ^Aussicht ist noch weiter als auf Fort Gonzaga, aber weniger malerisch. Schon in ältester Zeit stand hier oben eine Burg (noch ist eine antike Cisterne erhalten). Der VicekÖnig de Vega befestigte das Fort aufs neue, jetzt ist es ganz verlassen. 4) ^Cappuccini (G 1), vom Ende der Via Garibaldi nur 10 Min., zu Wagen 537 15. Messina (Umgebung). 538 bis nahebin zu erreichen; am wenigsten mühsam und eine der lohnendsten Aussichten. Man folgt der "Via Garibaldi bis zu ihrem nördlichen Ende, geht dann beim Schilderhäuschen der Dogana 1. und an der jenseitigen Brüstung des Torrentc Trapani die Via Placida r. hinauf. Der breiteWeg führt gemächlich zum Kloster (jetzt tlieilweise Gefängnis) hinauf (in der Kirche am Hochaltar: Michelangelo Cavavaggio, Geburt Christi), und man geht dann von diesem r. der baumbepflanzten grünen Ebene entlang bis zur Säule mit dem Kreuz; ein kürzerer Euss- wcg zweigt sich im Anfang der Via Placida, jenscit des letzten Hauses, r. ab und führt sogleich zum Kreuz (mit Stein- bänken) hin, von wo man das herrliche ^Panorama Messina’s in vollem Mass geniesst. 5) Zum *Leuclltthunu (F 6) auf der Hafenhalbinsel (Vs St.). Am Hafen, dem Corso Vittorio Emanuele südwärts entlang bis zur Dogana (C 4) welche auf der Stelle des der Revolution zum Opfer gefallenen Palazzo Reale steht, dann zur (jetzt im Abbruch begriffenen) 1677 von einem Deutschen errichteten fünfeckigen Citadelle (1> 5, 6), am Ende des sichelförmigen Arms des S. Ranieri und (r.) zum Protestantischen Friedhof (E 6), 12 Min. von der Dogana. Von hier zum (8 Min.) Fai’O graude (oder Lanterna ); der Thurm wurde 1555 nach Montorsoli’s Entwurf erbaut, die Inschriften sind von Maurolico. Ueberaus herrlich ist von oben (dem Kustoden V 2 Er.) die *Aus- siclit auf das grandiose Doppeltheater der Höhen hinter Messina und Reggio und auf die wogende Meerstrasse dazwischen. Westwärts erreicht man in 5 Min. das Lazaretlx (Eo), einst die Niederlage der Waa- ren von Asien und Afrika und nach der Eröffnung des Porto franco 1675 in den gegenwärtigen Stand gebracht; es erhebt sich mitten aus dem Wasser und enthält sehr grosse Räumlichkeiten für Menschen und Thiere. — Nördl. vom Lazareth arbeitet man schon seit 10 Jahren am Bacino di Carenaggio (F 5) zum Nutzen des Handels und hat schon mehrere Millionen dafür ausgegeben. — Am Nordwestende der Sichel liegt das Forte (lei SS. Salvatorc (F4,5), das schon aus sehr alter Zeit stammt und von Karl V. erweitert wurde. Vor der Errichtung der Citadelle war es das Hauptfort der Stadt. Am Nordostende der Sichel liegt der kleine Leuchtthurm (Faro piecolo, G 6), wo der berühmte Strudel Garo- falo (die Charybdis) ist (S. 506), in welchen sic Schillers Taucher stürzte. Barke vom Lazaretto zur Stadt V2 Fr. 6) Die Einsiedelei Trapani (l’eremi- taggio di T.) 3 h St.; am nördlichen Ende der Via Garibaldi 1. die Fiumara Trapani hinan. Weitere Ausflüge. 7) Die *Torre di Faro am Capo Peloro (12 Kil.); Fiaker (in IV2 St.) 5 Fr.; hin und zurück 6V2 Fr.; doch ist nach Tarif nur ^4 St. Aufenthalt gegönnt; man bedinge sich also eine längere Zeit aus. Diesseit des Corso Vittorio Emanuele zieht die Strasse nordwärts stets dem Meer entlang, mit den köstlichsten * Ausblicken J. auf die südliche Vegetation der nahen Anhöhen und r. über die Meerenge hin. auf die malerische Küste Kalabriens und die hinten liegenden schön- linigen, sattfarbigen Gebirge. — Man kommt an das grosse ehemalige Banlianerldotter, das seine Gründung dem Grafen Hoger verdankt, infolge eines Gelübdes, als er auf seinem Sara- cenenzug nach Messina zwölf Chx'isten auf der Hafenhalbinsel am Galgen hängen sah. Hier endigt der Stadtbeziivk, fast 3 Kil. vom Ende der Palazzata, und damit hört auch das bequeme Trottoir axxf, dagegen ziehen sich nun 1. die üppigsten südlichen Gärten hin (Limonen, Orangen, Wein, Oliven und andere köstliclie Fi-uclitbäume) und r. setzt sich der rege Verkehr des Meers fort; dann folgt (5 Kil.) das Doi'f Pace, mit der Kirche Madonna della Grotta, 1622 erbaut, eine Kuppelrotunde mit gedecktem Säulenporti- cus, unterhalb dessen die Strasse durchzieht. Hier soll einst ein Artemistempel gestanden haben. Dem reizenden Küstenweg weiter entlang kommt man zu den Salzseen Pan- tani; im dritten stand ein Poseidontempel, dessen Granitsäulen laut den Chroniken in den Dom von Messina kamen. Jetzt noch verfolgbare Spuren zeigen, dass diese Gegend einst stark bewohnt war (auch sind in der Casina des Marchese Palermo Reste eines antiken Mosaikbodens). Zwei künstliche Kanäle verbinden die Pantani mit dem Meer (in den Pantani vorzügliche essbare Schnecken, die weithin versendet werden). Zuletzt folgt das erst im englisch-französischen Krieg entstandene Fischerdorf Faro am Capo Peloro. In diesem Dorf ist eine ziemlich primitive Trattorie und der KuKtode, der die Schlüssel zur Torre di Fax*o hat (70 C. bis 1 Fr.), daher hier mitzunehmen ist. In 7 Min. erreicht man auf einem von Kaktus eingehegten, nicht fahrbaren, sandigen Weg den Fanale »La Torre di Faro« (gewöhnlich von einem Haufen herumlungernder, bettelnder Jungen umschwärmt). Die Treppen der mit dicken Maxiorn umschlossenen Toito hinan , kommt man zu der berühmten **Aussicht über 15. Messina (Umgebung), 541 IC. Von Messina nacli Catania. 542 die Meerenge hin auf die Liparischen Inseln, Stromboli und die nur 3Va Kil. entfernte kalabrische Küste, von der herüber man bei günstigem Wind das Bellen der Hunde und Krähen der Hähne hören kann. Palma, Bagnara, Scilla, Villa S. Giovanni liegen dem Beschauer unmittelbar gegenüber. Die Dünenumgebung und die eigenthiimliche Lage geben dieser Aussicht etwas Melancholisches. Hier halten sich erfahrene Piloten auf, um mit ihren Barken vom Sturm bedrohten Schilfen zu Hülfe zu kommen. Hier wird in der warmen Jahreszeit bis Ende Juli der »Schwertfisch gefangen. — (Die Lage der Ckarybdis, Bd. I, S. 729.) — Auch von dem nur 25 Min. südwärts entfernten Telegraphen geniesst man einen überaus schönen Ausblick. 8) Nach *Iteggio (l l /a St.) und Scilla s. Bd. I, S. 777 u. 729. 9) t'ampo Inglese (2Va St. nördl. von Messina; mit Esel 2 St.); über Salvatore de’ Gnci und die Fiamara S. Annunziata hinan. Die ^Aussicht auf die Liparischen Inseln und den Aspromonte ist unvergleichlich. Zurück über Faro superiore. 10) Telcgrafo, nordwestl. auf der Strasse nach Milazzo, die Fiumara hinan, l 3 /4 St., der Strada nuova entlang, 2^2 St. 11) *Antinamare (Tagestour; 4 St. hinan, Führer [5 Fr.] nothwendig); südwestl., am Campo santo hinan, über Santi. Oben eine Kapelle. Man sieht von keinem Punkt aus schöner auf den Aetna und die Nebroden. Von der Torreazza führt ein Fussweg bis hinan. 12) Monte Oicei (609 m.), nördl. von Messina (Tagestour; 3 St. hinan); von der Strasse nach Faro nach 3 k St. 1. ab und die Fiumara del Paradiso hinan. Kann auch mit dem Ausflug 9) u. 10) verbunden werden. 13) Kloster S. Placido (3 St.) südl. von Messina; am besten mit der Eisenbahn nach Giampilieri; dann in Va St. hinan. Der * Aussichtspunkt herrlich. 16. Von Messina über Taormina nach Catania. 95 Kil. Eisenbahn von Messina über Taormina (Giardini) und Aci-lteale nach Catania; tägl. 4Züge, in 3—4 St.; I. Fr. 10,75, II. Fr. 7,55, III. Fr. 5,40. — Von Messina nach (48 Kil.) Taormina (Stat. Giardini) 4 mal tägl., in 11/2—2 St.; I. Fr. 5,45, II. Fr. 3,80, UL Fr. 2,75. — £2r* Am Bahnhof in Messina wird das Gepäck vom Zollamt untersucht, weil Messina Freihafen ist. Dampfboot: Von Messina nach Catania 3mal wöchentl. (Sonnt., Mont., Donnerst.); I. Fr. 11,35, II. Fr. 7,5o; Büreau: Corso Vittorio Emanuele 132. Niemand sollte versäumen, Taormina in den Stunden der wärmsten Beleuchtung zu besuchen! Ein Sonnenuntergang in der Höhe des Theaters bei reinem Himmel genossen, gehört zu dem Schönsten, was Sicilien bietet: man verlasse daher Messina (oder Catania) mit dem dritten Bahnzug, steige von Stat. Giardini (Taormina) sogleich zum Theater empor, übernachte in Taormina, geniesse auch den Sonnenaufgang und mache Spaziergänge in der Umgebung. Die auf Taormina verwendete Zeit ist eine der reichsten an landschaftlichen Genüssen. Die Eisenbahn läuft jenseit Messina stets längs des Meers, 1. mit herrlichem Blick über die Meerenge hin nach Kalabrien von S. Giovanni bis Reggio und Pellaro, r. die üppigste Vegetation, die noch weit hinan zu den schönlinigen, in den prächtigsten Verschiebungen vortretenden Gebirgen emporzieht. R. der Oampo Santo mit seinem gothischcn Friedenstempel in köstlichster Umrahmung. — (6 Kil.) Stat. Tremcsticri, mit hübschem italienischen Campanile; hier eine der Fiumaren, welche die Bahn auj Kunstbrücken übersetzt. Am Berg r. oben die durch ihren Wein berühmte Abtei S. Maria Roccamadore. — (11 Kil.) Stat. Galati. Die Küstenberge in immer hübschere Formen gebrochen; nackte Kämme über Gehängen mit Oliven und Kaktus. Gegen die Küste hin die reichsten Pflanzungen von Orangen und Limonen, Maulbeeren und Feigen, und weiter unten Wein, Weizen, Flaclis, Hopfen. In den Ortschaften Seidcnkultur. — (16 Kil.) Stat. Giampilieri. R. in der Höbe das Benediktinerkloster 8 . Placido (s. oben),von hübscher italienischer Architektur; herrliches Panorama der Küstenberge, der Meerenge und Kalabriens. (18 Kil.) Stat, Scalcbta (Zanglea), mit 1109 Einw.; pittoreske Burg (Rocca) auf hohem Hügel. Matteo il Selvaggio, Kustode dieses Kastells , wurde durch Kaiser Friedrich 1220 dessen Besitzer; seine hier 1240 geborxie Enkelin, die heroische, schöne Macalda, früh Wittwc, nahm den tliätigsten Antlieil an der Sicilianischen Vesper und durchzog als Franciskanermönch verkleidet die Insel, hei- 543 IC. Von Messina nach Catania. 544 rathete dann Alaimo Lentini, den tapfersten Baron jener Zeit; Macalda stand Catania vor, Alaimo Messina, bis zur Thronbesteigung Peters vonAragonien, unter welchem Alaimo Grossjustitiar wurde, aber, von seinen Neidern des Verraths bezüchtigt, ward er auf einer Mission in Spanien gefangen gesetzt und auf der Heimreise erwürgt, während Macalda im Gefängnis zu Messina starb- 1325 gehörte die ltocca den Abkömmlingen des Kanzlers Pellegrino di Patti und kam dann durch Kauf an die fürstliche Familie Buffo, Duca di Bagnara. (24 Kil.) All (2582 Einw.), mit beliebten Scliwefelthermen von 38° Wärme; sie enthalten Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, Eisen, Kochsalz, etwas Jod, phosphorsauren Kalk, phosphorsaure Magnesia, doppeltkohlensaures Natron, kohlensauren Kalk und Magnesia, Chlorkalium; drei Badeanstalten. — Auf dem Monte Scuderi (Sparveri) seltene Medi- cinalpflanzen. — Jenseit Ali r. in der Höhe Eoccalumera (2475 Einw.), so genannt von der Alaungrube (Alumera) mit Salpeter und Antimon; südl. eine Fortezza. Ueber einige bedeutende, meist trockene Fiumaren nach (27 Kil.) Nizza Sicilia (2121 Einw.), 1851 unter dem Namen S. Ferdinando von der Administration Roccalumera getrennt. Bei dem nahen Fiume di Nisi sind in einem Wechsel von Glimmerschiefer' und Thonschiefer Erzgänge bearbeitet worden, von denen sich noch Gangstücke mit silberhaltigem Bleiglanz , Malachit und Schwefelkies vorfinden. Die neulichst wieder aufgenommenen Arbeiten sind aber schon wieder eingestellt worden. In den nahen Forsten jagte Kaiser Heinrich VI. (während der Belagerung der Burg) an einem heissen Augusttag mit seinem Gefolge. Da trank er in der Hitze hastig aus einer kühlen Quelle und zog sich eine Erkältung zu, die ihn nach einem siebenwöchigen Krankenlager zu Messina, in seiner Hauptstadt zu Palermo, wohin er sich vor gänzlicher Genesung begeben hatte, in seinem 32. Jahr ins Grab stürzte. Ueber zwei Fiumaren. — (33 Kil.) S. Teresa; dann 1. die Marina di Savoca an der Mündung der breiten Fiumara. 3 Kil. landeinwärts Savoca (2035 Einw.), mit einer Fortezza, zur Zeit Rogers »Pen- tafar« genannt; S. Michele mit zwei reichen normannischen Portalen; trefflicher Wein. Noch über einige Fiumaren, deren breiteste die Fiumara d'Arb ist. — Dann 1. das überaus malerische Capo S. Alessio, dessen Ostseite in jähen Fels- | stürzen sich zum Meer niedersenkt; auf dem höchsten Gipfel des Vorgebirges ragt eine jetzt verlassene, kühn gelegene Rocca auf; auf dem Westhügel die Stadt Forzia ä’Agrb (1078 Einw.), über den jähsten Abstürzen in abenteuerlicher Lage den Rücken der langen Anhöhe krönend (die zuleitende Strasse ist in die Felsen über dem Meer eingehauen). — Durch das Kap fährt man in langem Tunnel, einem der 14 dieser schönen Küstenbahn. — Nim volle Sicht auf die Bergkette Taormina’s. (42 Kil.) Letojanni, mit malerischer Fiumara, nackten Höhen über einem Oliven-, Mandeln- und Limonenuntergrund. Man kann von hier auf einem hübschen Weg (Esel 3 Fr.) in D/ 2 St. nach Taorm ina reiten ; zunächst folgt man der Landstrasse bis O/ä 8t.) zum 200. Miglienstein , dann schlägt man unmittelbar vor der Biegung der Strasse um das Vorgebirge 8. Andrea r., den nach den Marmorbrüchen geleitenden steilen Fuss- weg ein, der sich bis Taormina fortsetzt. (48 Kil.) Stat. Giardini-Taormina. Giardini ist eine jenseit der Station am Meer gelegene, im Sommer von Malaria geplagte Stadt (2270 Einw.), doch mit Recht ihren dichterischen Namen tragend, da sie ringsum von den schönsten Orangen - und Limonengärten, von Oliven-, Feigen-, Mandeln ~ und Maulbeerpflanzungen umgeben ist, zwischen denen mächtige Johannisbrodbaume oder Eichen mit ihrem dunkeln Laub emporragen, während die nahen Gebirgs- wande mit Opuntien und Agaven bekleidet sind. Am 18. August 1860 traf Garibaldi im Hafen von. Giardini ein und fand hier die Einschiffung der nach Kalabrien bestimmten Truppen in die Dampfer Torino und Franklin im besten Gang. Die Expedition zählte 4200 Mann; Bixio war Kommandirender auf dem Torino, Garibaldi selbst auf dem Franklin ; in jenem Schraubenschiff von nur 700 Tonnen Last fuhren 3000 Mann, in diesem, einem Raddampfer von 200 Tonnen, 1200 Mann; Bollwerke, Radkasten, Tauwerk waren gedrängt voll Truppen. Die königliche Armee hatte sich in der Absicht der Angriffsstelle völlig täuschen lassen, und an der Küste von Reggio befanden sich nur 8 Kompagnien. Die Dampfer landeten glücklich an den steilen Ausläufern des Aspro- monte. 545 10. Taormina. 540 Die Strasse von der Stat. G-iardini nach dem 390 m. über derselben auf dem l^elsgehänge liegenden Städtchen Taormina zieht nordwärts zunächst der Bahn parallel in der Nähe des Meers hin. Nach 6 Min. (zweiter Fussweg 1., der erste führt in eine Steingrube) kann der Fassgänger einen weit nähern, aber steinigen und ziemlich anstrengenden — Der Fahrweg legt auf trefflicher breiter Kunststrasse in vielen Windungen eine Strecke von 1 St. zurück, von den herrlichsten Blicken auf die Küsten und über das Meer hin begleitet; Wagen (ist vorher in Giardini zu bestellen!) 5 Fr. — Man lasse die Koffer im Deposit o des Bahnhofs (gegen einen Schein, für den man beim Abholen 10 C. zahlt) und TAORMINA. Jleter /Vafxstab äi htä.OOfr Letoicuwi X* 1 » San ., 7 ♦ lancru/.io- ■Sepo/cri&lZ ;j Tunn elJSCkivsa-di sZv^SAntlrptt, Porta jj Tunnel/- 1 Carso I’mbcrto 2 Lca*go del Fora JfaMr'fl"Letter« ’i Ä'aiunacfua- 5 hargo.Voro.Iprile 6 Piazza fiel ihtonu & Albergo Thnco b AU).d vEvIIllI eduta Umgehung von Taormina. (doch auch von Damen sehr häufig bc- gangcnen)Weg hinangehen; schon nach 20 Min. erreicht er einen Durchgang durch einen halbzerstörten Thorbogen, und bei der nächsten queren Häuserreihe kann man dann r. zum Amphitheater, oder 1. zum Städtchen hinangehen. — Der Reitweg (Esel findet man am Bahnhof [IV 2 Fr.j oder ein Bursche besorgt dieselben sogleich von Giardini her) geht erst bei der Fiumara Selina 1. hinan und errcichtTaorminain 40Min. übergebe das Handgepäck einem Träger (75 C.). Taormina (396 m ). Gasthäuser : *Timeo, Corso Umberto 88 bis 92 (PI. a), ein kleines, reinliches, sehr empfeli- lcnswerthes Gasthaus, mit einfacher guter Kost und williger Bedienung; Pens. 8—9 Fr. i Prächtiger Blick vom Balkon. — Grande \ Albergo della Billa Vednta , Corso Umberto I 108 (PI. b), mit schöner Aussicht moenvärts; : im Eingang Gärtchen, mit vollem Blick auf I die Küste hinab und die umliegenden Berge. [ — Z. 2Va — 4 Fr., Diner 4 Fr. Unter-Italien. II. 18 547 lß. Von Messina nach Catania. 548 Zur Geschichte. Als die Oligarchie von l Chalkis Kolonisten nach Sicilien ausgeschickt hatte, nahmen dieselben 735 v. Chr. die Anhöhe von Tauros in Besitz zur Sicherstellung gegen die Sikeler. Sie gründeten , in der Nähe (siidl.) am Capo Scliisö die Stadt Naxos, nach den aus der Insel Naxos stammenden Begleitern des athenischen Anführers der Kolonisten Theokies so benannt. Gegen den Tauros hin errichtete Tlieokles am Strand einen Altar des Apollon Archa- getes (Führer der griechischen Kolonisation nach Sicilien), eine noch lange so sehr geheiligte Stätte, dass die Gesandten dev gvie- : chisclien Städte Siciliens an die hellenischen Festversammlungen hier vor ihrer Abfahrt ein Opfer darbrachten. Den selbständigen Silcelern aber blieb diese Stätte als Erinnerung an die erste griechische Eindi'ängung stets verhasst. Als 3Va Jahrhunderte später Dionys den Sikelern das Gebiet der besiegten Naxier angewiesen, bedurfte es der besondern Er- muthigung der Karthager, sie hier zur Errichtung einer Veste am Tauros, dem Anfang der Stadt Tauromenion, zu bestimmen. Die neue Stadt wurde schon 394 v. Chr. von Dionys belagert, weil ihm bei seinem Feldzug nach Rhegion die Sikeler hier im Weg standen, die sich im karthagischen Krieg an die Feinde der Griechen angeschlossen hatten und auch jetzt nicht zu einem Bündnis mit dem Tyrannen zu bewegen waren. Er schlug ein Lager auf der Seite des alten Naxos auf und setzte den ganzen Winter die Belagerung fort (Diodor XIV, 87), in der Erwartung, die Sikeler würden den Berg verlassen, da sie erst kurze Zeit hier wohnten. Allein diese, in alter Erinnerung, dass diesen Theil der Insel einst sie selbst inne gehabt, und dass erst hinterher die Griechen sie vertrieben hatten, vertheidigten das Land ihrer Väter hartnäckig. Als im Winter jedoch die Bewachung der Burg (jetzt Castello di Taormina, oberhalb der Stadt) etwas nachlässiger war, rückte Dionys in mondloser, stünni- scher Nacht dagegen an und erreichte die oberste Höhe. Er hatte aber, da auf dem steilen Abhang reichlicher Schnee lag, mit grossen Beschwerden zu kämpfen. Vor Kälte sprang ihm die Haut des Gesichts auf, und seine Augen litten Schaden. Nach der Erstürmung der Burg drang er hinab in die eigentliche Stadt, aber die Sikeler, in dichten Scharen herbeieilend, drängten die Angreifer hinaus; Dionys selbst gerieth auf der Flucht fast in Gefangenschaft, denn ein Stoss, der seinen Panzer traf, hatte ihn zu Boden geworfen. Auch von oben herab (von Mola) stürmten die Sikeler auf den Feind ein und tüdteton 300; Dionys rettete nur seinen Panzer, und seine Soldaten warfen die Waffen weg. Im spätem Frieden mit deu Karthagern verlangte aber Dionys, dass die Sikeler und ihr Gebiet ihm übei’lassen werden, besonders Tauromenion, und die Stadt konnte ihm keinen Widerstand mehr leisten. Er vertrieb die Einwohner und verpflanzte dahin dio ergebensten seiner Söldner. Im Jahr 358 v. Chr. (Diodor XVI, 7) sammelte der Dynast Anib'omachos von Tauromenion, der Vater des Geschichtschreibers Timäos, ein durch Ileichthum und Edel- mutli hervorragender Mann, die noch übrigen Einwohner der von Dionys zerstörten Stadt Naxos und gründete Tauromenion aufs neue. — Als Timoleon zu Ithegion durch List den Karthagern entrann, segelte er (344 v. Chr.) mit seinen Dreiniderern sogleich nach Tauromenion und kam hier glücklich an, von Andromachos, der ihn zu kommen eifrig eingeladen hatte, aufs freudigste aufgenommen. Als ein karthagischer Gesandter dem Andromachos sagte, wenn er nicht aufs schleunigste die Korinther entferne, so solle Tauromenion umgestürzt werden, wie er die Iland jetzt vor seinen Augen umkehre, so streckte dieser als Antwort ebenfalls die Hand aus und sagte, sie umkehrend, wenn er nicht sogleich sich mit seinem Schiff entferne, so werde er es mit ihm ebenso machen. Den berühmten Siegesmarsch gegen Hiketas und die Truppen von Syrakus leitete Timoleon von Tauromenion aus ein. — Als König Pyrrhos den Gedanken fasste , ein abendländischer Alexander zu werden, die Körner anfänglich besiegte und nun die Griechen in Sicilien von der karthagischen Herrschaft zu befreien kam, landete er 278 v. Chr. mit seinen Elefanten und 8000 Mann Fussvolk im Haien von Tauromenion, deren Beherrscher Tyndarion ihn erwartete und mit I-Iülfstruppen versah, und von da eröffnete er seine Siegeslaufhahn. Die Stadt gedieh zu grosser Blüte und war sehr volkreich, besonders seit der Zeit, da sie Hieron II. von Syrakus unterstellt war. Aber durch Oktavian, nachdem sie schon zuvor im ersten Sklavenkrieg schwer gelitten, kam sie um ihr Gedeihen ; denn Tauromenion hatte sieh im Bürgerkrieg für Sextus Pompejus erklärt. Oktavian war von Leucopetra (Capo dell’ Armi) mit seinen Schiffen vor Tauromenion gekommen und liess die Stadt durch Abgesandte zur Uebergabe aufforderu, aber die Besatzung weigerte sich. Er gedachte nun beim Altar des Apollon Archagetes ein Lager aufzuschlagen (Appian V, 109), da segelte Pompejus mit einer grossen Flotte herbei, während Oktavian ihn von Agrippa ganz besiegt glaubte. Parallel mit der Flotte rückte der Küste entlang die Reiterei des Pompejus vor amd auf der andern Seite zog Fussvolk herbei, so dass Oktavian fürchtete, in die Mitte von drei feindlichen Heeren gerathen zu sein. Aber Einheit des Plans und Kriegserfahrung fehlte den Truppen des Pompejus; sie wagten keine Schlacht am späten Abend, und Oktavians Leute vermochten den Lagcrwall zu vollenden, und er selbst stach mit der Flotte noch vor Tagesanbruch in die hohe See. Aber seine Schiffe wurden grösstcntlieils genommen oder verbrannt, und er rettete sich, an Leib und Seele gebeugt, nach Rhegion hinüber. 541) 550 10. Taormina (Antikes Theater). Oktavian räclitc später das Unglück, in j welches ihn Tauromenion gebracht, durch , Vertreibung der Einwohner; an ihre Stelle ! setzte er eine Kolonie römischer Veteranen, 1 und die Stadt sank zu einer Mittelstadt herab. Strabon nennt sie weniger bevölkert als Catana und Messene. Sie behauptete | sich lange in allen Völkerstürmen, aber im Jahr 902 fiel Taormina, das die Hauptstadt des byzantinischen Sicilienwar, nach einem tapfern Kampf an der Marina dei Giardini in die Hände der Saracenen, welche über uncrsteiglich erachtete Felsen die Höhe erklettert hatten. Selbst Frauen, Kinder und Geistliche wurden, dem muselmanischen Gesetz zuwider, niodergehaucn und Feuer an die Stadt gelegt. Auch Mola wurde erstürmt. — 965 erhielt die Stadt eine muselmanische Bevölkerung und den Namen Moezzia. — I)cn Normannen fiel sie 1078 zu und erwuchs zu neuer Blüte. Zur Zeit der Besetzung der Ostküste Siciliens durch die Franzosen unter Ludwigs XIV. Generalleutnant, Herzog von Vivonne, fielen ihm 1676 Taormina und Mola zu. Aber Vi- vonno’s Unthätigkeit schmälerte die fran- sisciie Gewalt. Erst im Nachsommer 1677 versuchte Vivonne einen Vormarsch von Taormina aus gegen Catania, aber das Ma- lariafiobcr zwang ihn, die Armee nach Taormina znriickznführen. Das Misslingen dieses Feldzugs ermunterte die Spanier zu einem Angriff gegen Taormina; im Decem- ber 1077 'ermächtigten sie sich der Bergveste Mola durch Verratli (40 Soldaten Hessen sich am Felsen hinanziehen) und 4 Kompagnien Franzosen wurden niedergemacht oder gefangen ; kaum konute Taormina selbst gerettet werden, das sich nun nicht lange mehr hielt. Im Jahr 1819 crtheilte König Ferdinand dem neapolitanischen General Carlo Filan- yieri, der die Aufständischen der Insel besiegt und Messina und Taormina erobert, auch Catania und Palermo eingenommen hatte, den Titel eines Herzogs von Taormina. Die gegenwärtige Stadt ist ein kleines Landstädtclieu mit 3000 Einw., und einer mehr als 20 Min. langen Hauptstrasse, Cor so Umberto, an welche sich nur kurze Seitenäste anschliessen. Die alte Mauer mit viereckigen Thünuen in Zwischenräumen stammt theihveise noch aus der Saracenenzeit, wurde aber im 10. Jah 2 *h. unter Karl V. restaurirt. Ucber der Stadt ragt das alte Kastell (Hoeca), schon zur Zeit der Sikeler die Burg, malerisch auf, und auf der zweiten Höhe thront die Bergstadt Mola. An den verschiedensten Stellen hat man die herrlichste Aussicht auf die malerischen Vorberge , den Aetna und das Meer. Den Kopf der Stadt bildet im O. der Largo del Foro. Von hier führt südost- wärts die Salita Teatro an der Badia nuova entlang einen steinigen Rampenweg zum Theater hinan. Man ist schon in 4 Min. am Eingang, und hat diesseit desselben, oben, einen *Prachtblick auf Taormina, Kastell, Mola, Aetna und Meer. Einig© Schritte jenseit des Eingangs ist 1. das Häuschen des Kustode (Francesco Struzzeri ), eines gefälligen, wohl unterrichteten Führers (1 Fr.), der in seinem Häuschen eine kleine Sammlung - von Antiquitäten augelegt hat. — Die Eingangsthür findet man bis nach Sonnenuntergang unverschlossen ; Wiederkehrende haben ohne Remuneration freien Zugang. Wer den Sonnenaufgang geniessen will, ersuche den Kustoden, für offenen Eingang zu sorgen. **Das antike Theater (130 m. u.M.). Am Kustodehäuschen vorbei, steigt man am rechten (südlichen) Flügel der Scaena hinan und hat neben derselben einen herrlichen *ß I ick auf Meer, Aetna, Taormina und die hinterliegenden Iliigel sowie r. auf den malerischen Hügel mit dem Kastell und dahinter auf die von Mola bekrönte Holle; im Vordergrund r. ein prächtiger, mit Opuntien verbrämter Fels. Man steigt hier weiter an der Seite des Theaters bis zur Ca*a per uso dei viaggiatori hinauf und gelangt dann 1. zu den obersten Theileu des Theaters. Neben dem Häuschen 1. ♦Prachtblick über das Meer und auf Kalabrien; noch schöner hinter der obersten Rundung des Theaters. Tritt man nun hier durch , eine der obersten Oeffnungen ein, so hat man dio allberühznto Aussicht über und durch das Scenengebäude vor sich (S. 551). ! Das Theater ist in griechischer Zeit gegründet und in römischer Zeit umgebaut worden; sein Bübnengebäude ist das nächst Aspendos in Kleinasien best- erhaltcne. Es ist nach griechischer Sitte an einer herrlichen Aussichtsstätte halbkreisförmig in eine natürliche Hügel- liöhluug ausgetieft worden, die Sitze der Cavea (Ausschnitt des Zuschauerraums) sind aus dem Felsen gehauen. DieCavea bildet einen Halbkreis, den sie nur tun 3 m. gegen die Scaena hin überschreitet; sie konnte 40,000 Personen aufnelimen. Der äussere Durchmesserbeträgt 122 m., : der Durchmesser der Orchestra 35 m. Von den terrassenförmig aufsteigenden Sitzstufen blieben nur Reste. Die Zahl der Sitzreihen hat man nach der Höhe und Breite der aufgefundenen Sitze im ■ Verhältnis zur Diagonale der Länge und Höhe der Cavea berechnet; danach waren 18 * 551 10. Von Messina nach Catania. 552 es 18 Sitzreihen in der obern, 9 in der untern Abtlieilung, und die zwei Präcinktionen (die breiten Umgänge der zwei Stockwerke) hatten je eine Breite von 2 m. Acht Vomitorien (Arkaden zu den auf die Sitzreihen mündenden Treppen) in der obern Pracinktion bezeugen, dass acht Treppen vorhanden waren und die Cavea in neun radieu- artig vom Mittelpunkt der Orchestra ausgehende, durch Treppen geschiedene, keiflörmige Abschnitte, Cunei, sich gliederte. (Oie äussersten Keile gegen das Scenengebaude hin sind zu unterst diametral durchschnitten, um zwei Bo- genthüren Baum zu geben, welche zur Orchestra führten.) In der obern Backsteinmauer ist eine vollständige Beihe von Nischen erhalten , zwischen je zwei Vomitorien je vier; 3G im ganzen, abwechselnd mit Bögen und Frontispizen. Man meint, sie seien für die von Vitruv (1,1,9) erwähnten ehernen Schallgefässe (vasa aerea) bestimmt gewesen, die in Intervallen von Quarten, Quinten etc. bis zu zwei Oktaven abgestimmt waren. (Die Akustik des Theaters ist so ausgezeichnet, dass die Stimme ohne Anstrengung bis in die entferntesten Theile dringen konnte.) Den obern Abschluss des Zuschauerraums bildete ein halbkreisförmiger Saulengang (Porticus), von dem noch einige Granitschäfte aufrecht stehen. Ausserhalb der Mauer lief ein doppelter, mit Gusswerk überwölbter Korridor, mit Oeffnungen, die den Vomitorien im Innern entsprechen; noch sieht man am Band des Felsens die Fundamente der Pfeiler. — Vor dem Halbkreis der Spitze liegen innen am Boden Säulenstümpfe von Granit und Marmor, Sitze, Stufen und zahlreiche Quadern. Die niedere, halb zerstörte Ziegelmauer des Podiums steht noch an ihrem Platz. . Das *Blihnengebäude (scaena) ist in seinem Grundbau ganz erhalten. Den Hintergrund Bildet die hohe, gegen den Zuschauerraum gekehrte Faqade aus Backsteinen, einst mit grossen Marmor- platten verblendet. (Noch jetzt liegen Fragmente der Bekleidung am Boden.) Drei grosse Thürbögen, gegenüber der Cavea, durchbrechen die Bühnenwand, der mittelste, weit grössere, am meisten verfallen. Biickwärts führten sie in einen Säulengang, von wo die Schauspieler durch diese Thüren auf die Scaena vortraten. — Zwischen diesen offenen Bögen sieht man an der Fa 9 ade der Scaena noch die Nischen für die Statuen, zu je drei r. und 1. von der Mitteltlmv und je eine neben den Seitenthüren. Die Nischen sind von grossen prächtigen korinthischen Säulen von verschiedenem Material (ägyptischer Granit, Cipollino, rother Marmor) flanldrt, über deren zierlichen Kapitalen ein Marmorfries lief, der in einigen Bruchstücken aufgesetzt ist. — Vor der Scaena breitete sich das Prosc.aeniuni (Proscaenii pulpitum) , die Bühne im engsten Sinn, aus, wo die Schauspieler recitirten, jetzt sind nur die Backsteinfundamente desselben vorhanden, auf welchen auf Pfeilern der Boden für die Spielenden in länglichem Viereck (hier wahrscheinlich 25 m. lang und 12 m. tief) auflag. Von der Bühne führte eine Treppe in die Orchestra hinab. — An das steinerne Bühnenge- bäude schliessen sich in gleicher Höhe und ebenfalls aus Backstein die Seitenflügel an, von den Griechen Parashenia genannt; es sind viereckige, zweige- : schossige Gebäude, deren untere Kammern noch die Stuckbekleidung der Wände zeigen. Sie dienten zum Aufenthalt der Schauspieler, Verwahrung der Theaterrequisiten und Wechsel der Kostüme. Aus den Seitenflügeln führte je ein Seiteneingang auf die Bühne (der 1. vom Zuschauer bezeichnete die aus der Fremde kommende Person, der r. die aus dem betreffenden Ort auftretende). Eine Inschrift hinter der Scaena erinnert an die Zerstörung des Theaters durch die Saracenen und an die Wiederherstellung desselben 1748. Der Duca di S. Stefano benutzte das Ornament der Scaena für seinen Palast (S. 555). — Der Länge des Prosceniums nach läuft ein unterirdischer Gang mit theilweise noch gut erhaltenerWölbung; acht viereckige Löcher im Boden der Orchestra standen 553 ]f>. Taormina (Antikes Theater -- Nanmachia). 554 entweder mit diesem Gang (wohl zur Aufnahme und Abführung des Wassers) in Verbindung, oder dienten zur Aufnahme der Balken des Breterbodens. Von dem Gang her durchschneidet ein Aquädukt die Grundlagen des Scenen- gebäudes. Die **Aussicht von der Höhe des Zuschauerraums ist eine überaus grossartige. Oben über der Mitte des Theaterhalbkreises sieht man durch die grossen Oeff- nungen der Portale der Bühnenfa^ade im wundersamsten 3tainnen auf diei’eich bebaute, mit Orangen- und Olivenhainen übersäete, in köstlichster Farbenpracht prangende Ebene hinab, die hier und da durch den freundlichen Kontrast von Städten, Dörfern nnd Kastellen (Riposto, Giarre, Mascali, Trc Castagne, Nunziata, Castel Diana, Fiume freddo) unterbrochen ist; 1. zieht das Meer den zweiten glänzenden Rahmen. Dann auf hoher Felsenterrasse, doch noch tiefer als der Beschauer, die von Opunticn- und Agavenhecken umgebene, hier und da mit Dattelpalmen, C} r pressen, Pinien geschmückte Stadt Taormina, ihre Griechenzeit verleugnend, mit mittelalterlichen Häusern, Thürmen, Zinnen in lieblichster Umrahmung. Auf steilenFelsen ragt ihre Bui , g(396in. ü.M.) und neben ihr auf scheinbar unzugänglicher Höhe noch 240 m. höher die Stadt Mola empor. Im Mittelgrund erhebt sich in freistehender breiter Pyramide der herrliche Aetna, unten mit der üppigsten Vegetation, oben meist noch mit einem Mantelkragen von Schnee. An seinen Gehängen ruhen vertrauensvoll, dem Meer zugewandt, die grünen Hügel von Castiglione, näher die Höhen von Mastrissa, vonPlinius (III, 8) wegen ihrer vorzüglichen Weine gerühmt. Ostwärts gewendet, tief unten das prachtvolle Meer, Giardini und die ganze Ostküste Sieiliens vom Golf Messina’s bis zum Hafen von Syrakus; gegenüber die ernste, farbenschöne Küste Kalabriens. Vor sich das antike Theater, die gi-asüberzogencn, in den Felsen gehauenen Sitzreihen, den Halbkreis der (Javea. mit ihren baulichen Fragmenten , das hochragende Bühnengebäude mit den Thoren, Nischen, Säulen und Nebengebäuden und davor gestürzte Kapitale, Schäfte, Gesimse von Eplieu und Akantlms umspielt — das alles in Einem Bild! Kehrt inan vom antiken Theater längs der Salita Tcatro nordwestwärts zur Stadt zurück, so kommt man in 5 Min. zum Largo (lelForO (PI. 2), an dessen Westseite sich (Nr. 117—121) der alte Palazzo Corvaja erhöht, einst ein schönes Beispiel sicilischer Gothik. Jetzt nur noch im Obergeschoss mit vier Fenstern, die in gedrücktem , eingezogenem Bogen schliessen und zwischen sich gekuppelte Spitzbogenfenster haben, mit sehr feinen Säuleheii und korinthischen Kapitalen. Am sechsfach gegliederten Gesimsfries zwischen Würfelornamenten die den christlichen Tugenden geweihte Inschrift. — Tritt man von der südlichen Schmalseite in den llof, so sieht man oben an der Treppenwange ein dreitheiliges *ReIicf: Eva’s Erschaffung ; Adam und Eva mit der Schlange; die Arbeit Adams und Eva’s; 14. Jahrh. — Vorn ein alter romanischer Bogen, an den Ilofwänden zwei Spitzbogenfenster. Durchzieht man nun längs des Cor so Umberto die ganze lang gestreckte Stadt, so trifft man 1. und r. auf zahlreiche Beste mittelalterlicher Architektur. Bei Nr. 42 1. das Kirchlein Madonna della Lettera (PI. 3), mit romanischer Rosette und romanischen Giehelhögen. — Bei Nr. 62 führt (dem Cafe Nuovo gegenüber) die Strada Naumachia 1. (über Stufen) zur sogen. Nauiliacllia (PI. 4) hinab. Eingang bei der neunten Stufe, 1., Nr. 3 und 4 gegenüber. Die Thür ist nur angelehnt oder kann stets aufgeschlossen werden. —■ Man tritt hier 1. über ein paar Stufen in den Capitologarten, mit den Resten eines grossen römischen Backsteinbaues, 120 m. lang, 18 m. breit. Der Raum war durch eine Reihe von Pfeilern halbirt, von denen noch sieben fortlaufende vorhanden sind. Die Aussenseite gegen S. und O. ist durch 18 grosse runde Nischen gegliedert, welche mit kleinen rechteckigen wechseln. Es scheint ein grosses Wasserreservoir für Bäder gewesen zu sein. Am Corso Umberto Nr. 76 zweigothi- sche Doppelfenster (Nr. 88—92 Albergo Timeo); dann 1., Nr. 94, das‘Kirchlein S. Agostino, mit der Westseite am Largo Novo Aprile (PI. 5), das Glocken- thürmchen mit Zinnen und gothischen Spitzbogenöffnungen, das eine Portal mit Spitzbogen. (Jenseit der prima Porta Catania folgt dann sogleich 1. [Nr. 108] das Grande albergo della Bella Veduta.) Dann weiter am Corso, Nr. 120, ein altes romanisches Thor, ebenso an Nr. 122 und 124; an Nr. 130 ein gothisches Portal. — Gegenüber das primitive Hotel Humboldt, Nr. 175, das ebenfalls ein Spitzbogenportal hat. Dann r. Portal Nr. 185 und gleich darauf r. oben, Nr. 2, Val. Giampoli, mit gothischem 555 IG. Ton Messina nach Catania. 55 G Gesimsfries und zwei gothisclien Fenstern (die anderen erneuert). — Es folgt 1. die Hauptkirclie il DUOIIIO fS. Nicola), mit Zinnenthurm, unter den Zinnen eine gothischeRosette; daneben r. die fensterlose Wand des Vorliofs, mit prächtigem sicilisch-gothischen Portal, mit Trauben aus Vasen an den Pfosten; am Sturz die Medaillons: Petrus, Christus, Paulus; im Giebelbogen Traubenranken, ein Lavabogen-Ornament umrahmend. An der Hauptfaijade noch die alte Rosette, zwei gothische Fenster und die Zinnen. — Am Platz davor ein Monumentalbrunnen, achteckig mit zwei Becken, das untere auf vier Jünglingen, das obere auf vier Monstren, zu oberst ein Kentaur und ein Jüngling, der Kreuz und Weltkugel hält. — Es folgen r. oben zwei Dattelpalmen; geht man zu diesen hinan, so sieht man einen thurmartigen Bau mit drei schonen gothisclien Fenstern und Zinnen, di e*Pa- dia vecchia, das malerischste gothische Gebäude in Taormina. —Bei den Palmen wieder zum Corso hinab und westl. zum nächsteu Thorbogen, kommt man bei Nr. 168 1. ab zum Gittereingang des grossen Palazzo del J)nca di S. Stefano, bei der Stadtmauer, in früher Gotliik, mit zweigeteilten Spitzbogenfenstern, Zinnen und dreiblätterigen Lavakonsolen. Unten ein gewölbtes Bad auf Granitsäulen, laut Gewölbeinschrift von 130Ü. Der frühere Duca erlaubte sich, seinen Palast mit den Ornamenten des Bühnengebäudes des antiken Theaters zu schmücken. — Zum Corso zurück und durch den Bogen kommt man westwärts nach (1. Nr. 178) S. Antonio, mit ähnlichem Portal wie S. Nicola. Die Porta Catania schliesst hier die Stadt. Spaziergänge: l; Vom * Largo del Foro (PI. 2) kommt man längs derFatjade des Palazzo Corvaja nordostwärts am CorsoUmberto entlang, sogleich zur Porta di Messina. Jenseit derselben gehe man 1. von der grossen Strada di Messina die steinige, überwachsene Strada S. Pancra- zio (nordwärts) hinab; in 2 Min. erreicht man die schon beim Thor sichtbare Kirche S. Pancrazio, an deren äusserer Untermauer man die Steinlagen der Cella-Mauer eines griechischen Tempels sieht; an der südlichen Aussenwand sechs Lagen langer oblonger Platten, dann sieben Lagen mehr dem Viereck sich nähernder. Die Cella war 14 m. breit und über 30 m. lang; an den Ecken der Westseite standen zwei Pilaster; auch der Thürsturz ist antik. Die *Aussich t aus den offenen (9) Arkaden des Vorhofs auf den Golf, die Küstenstrasse nach Messina und das jenseitige Kalabrien ist überaus reizend. Gegen die Porta di Messina zurück und 1. der grossen neuen Strada di Messina folgend, sieht man nach 3 Min. r. ein viereckiges, würfelartiges römisches Grabmal (wie denn die ganze Strecke bis nach S. Pietro eine Gräberstätte war); dann nach 3 Min. r. köstliche Sicht auf die hochgestufte Hügellandschaft umher, vor sich r. über romantischer Felskuppe ein Bogen des Theaters, r. das Kastell, und wieder r. Mola, alle auf besonderen, steilen Hügeln. Dann an der Strasse, 7 Min. von X > oi*ta di Messina, 1. zwei Brüstungen mit der herrlichsten ^'Aussicht, von der rechten Brüstung r. auf das Kloster der Osservanti, den romantischen Hügel, den Aetna, und vor sich unten S. Pietro; von der Hinken Brüstung (auf Stufen zugänglich, mit Ziegelboden und Gitter) der prachtvollste Blick auf das weite Meer und Kalabrien, in der Tiefe unten wunderliche, ins Meer hineinziehende Felsenriffe. Nun der Landstrasse nach niederwärts, r. vom Kloster der Osservanti begleitet. Bei der ersten Rückwindung der Strasse (wo man unter sich das Kirchlein S. Pietro [in später sieilischer Gotliik] hat, neben welchem sich südwärts zahlreiche römische Gräber befinden) folgt man r. dem schmalen Strässchen geradeaus, etwas hinan, und kommt hier zu einem der * schönsten Spazier - gänge Siciliens 9 vor sich den Aetna, hinter den fruchtbarsten Hügelgehängen und Bergdekorationen; 1. tief unter sich das Meer weithin. — R. gleich bei den ersten Schritten ein verfallenes römisches Grabmal mit Säule und christlichem Kreuz darauf, gegenüber Taormina und 557 16. Umgebung von Taormina. 558 der hohe vegetationsreiche Hügel. Dann r. einzelne Stationennischen und stets der prachtvollste Ausblick auf Meer, Aetna und Taormina und bald auch auf Mola und das Kastell, bis die Häuser des Städtchens die Aussicht beschränken. — Es lässt sich geradezu nichts Schöneres denken! 2) Nach Mola (1 St.), ein mühsamer Weg; Esel hin und zurück (keine angenehme Reittour, da der Weg viel zu jäh ist) 3 Fr. Man sieht schon unten die ganze strenge Zickzackstrasse vor sich, zu der man von der Westseite der Stadt (diesseit S. Antonio r.) oder von der Ostseite (jenseit Porta Messina und I. zum Aquädukt) hinangeht. — Mola ist ein elendes Städtchen (1143 Einw.), mit mittelalterlichem Kastell auf dem Gipfel; die Hauptkirche hat ein ähnliches Rundportal wie Madonna dellaLettera (S. 554). Neben der Kirche eine Osterie, wo man sich den Schlüssel zum Kastell bestellt. Die * Aussicht daselbst ist prächtig. 3) Zum Kastell von Taormina (la Rocca); auch mit köstlichem Panorama. Unter dem Südostgehänge ist ein antiker Wasserbehälter (lo Stagnone) noch intakt erhalten. Jenseit Stat. Giartlini tritt die Hahn in das grosse Gebiet der von den Lavaströmen des Aetna heimgesuchten Küste. — L. zieht sich das Capo di Schiso mit dem Forte di Scläs'o ins Meer hinaus, als das südliche Horn der kleinen Bucht, auf deren nördlichem Rücken Taormina ruht. Auf diesem Kap lag einst das alte hellenische Naxos, die erste Grierhcnstadt in Sici- lim , östl. vom Ponte di Calatabiano, auf einem vorhistorischen Lavastrom, an einer Stelle, zu welcher eine Fahrt aus 0. am natürlichsten führte. Noch trennte ein tiefes Thal und ein Fluss die Stadt vom gefürchteten Aetna. Ferrara schlicsst aus den jetzt mit vegetabilischem Terrain bedeckten, aus grossen Lavablöcken bestehenden Ituinen, dass Naxos 1 Migl. Länge und Breite gehabt habe. Die Stadt wurde 735 v. Chr. von Clial- kidensern unter Anführung des Theokies von Athen gegründet und erhielt von seinen aus der Insel Naxos stammenden Begleitern den Namen. Gegenwärtig ist kein geschützter Ankergrund mehr hier vorhanden. Die llauptgottlieit der Stadt war Bakchos, als Gott jener griechischen Stamminsel, deshalb sieht man auf den ältesten Münzen von Naxos den bekränzten Bakchoskopf und die Traube (auf späteren den Apollonkopf oder den Flussgott Assinos); auch die sicilische Kolonie pflegte den Weinban aufs eifrigste (gegenwärtig ist die Stelle sehr reich au Limonen). Naxos blühte rasch auf und sandte bald selbst wieder Kolonisten nach Lcontini, Catana und selbst nach Zankle (Messina). Einige Zeit dem Tyrannen von Gela, Hieronymos, unterworfen, machte sich die Stadt bald wieder frei in einem glücklichen Krieg gegen Messina und als Verbündete der Athener gegen Syrakus. Aber der Tyrann Dionys, der die clialki- dischen Städte in seine Gewalt zu bringen suchte, brachte ilir den Untergang. Er erhielt die Stadt 403 v. Chr. durch grosse Versprechungen an den Anführer der Naxier, Prokies; die Einwohner machte er zu Sklaven , gab ihre Habe der Plünderung preis und liess dio Mauern und Häuser nieder- reisseu. Das Gebiet von Naxos aber schenkte er den Sikelern. Seitdem ist Naxos nicht wieder erstanden. DieB ah n setzt nun über den Cantara, den antiken Akesines (Thukyd. IV, 25) oder Onobalas (des Appian B. C. V, 109). (52 Kil.) Stat. Calatabiano. Das Städtchen CB172 Einw.) liegt r. inmitten einer getreidereichen Gegend am Fuss waldiger Hohen, mit mittelalterlichem (von 1400) Kastell auf der Höhe, der letzten, welche hier ins Cantaratlial sich senkt. Dieser Rücken ist wahrscheinlich der frische Lavastrom, welcher 396 v. Chr. den Feldherrn der Karthager, Himilkon, auf seinem Zug nach Syrakus (gegen Dionys) zwang, den Umweg um den ganzen Aetna zu machen und die Flotte ohne den Schutz des Landheers nach Katane zu schicken, wo aber die Griechen dem Angriff der karthagischen Flotte unterlagen. (57 Kil.) Stat. Piedimonte. Das Städtchen (4824 Einw.) liegt 1 St. r. ab. (Hier zweigt die Strasse über Randazzo und Bronte nach Adcrno [S. 605] ab.) — (63 Kil.) Stat. Mascali; die Stadt (r.) rings von Kornfeldern, Weinpflanzungen, Oliven und Orangen umgeben. — (65 Kil.) Stat. Giarre-Pdposto ; r. die Stadt Oiarrc Locanda delU Ktna; Locanda della Pace; am Bahnhof Droschken nach der U /4 St.] Stadt, 50 C.), ein ziemlich wohlhabender Ort, mit 17,414Einw., namentlich von Pächtern und Weinhändlern bewohnt, wird von der langen Javagepflasterten Strada Callipoli (die an die alte, schon zu Strabons Zeit verlassene Stadt Siciliens erinnert) durchschnitten. 16. Von Messina nach Catania, 550 Von hier aus besucht mail den berühmten Kastanienbaum des Aetna (Castagno di cento cavalli), im Wald del Carpineto, 1*2 St. von Giarre. Der Weg ist steil und rauli (Maulesel und Pferde hin und zurück 3—4 Fr.) und führt über (20 Min.) La Macchia, (20 Min.) S. Giovanni, die Lavaströme von 1680 und 1735 (jetzt theilweise mit Wein, Kastanien, Orangen , Feigen, Maulbeeren, Kirschen, Eichen bepflanzt), dann über das breite Bett des Heisswasserstroms von 1755 ( 3 /4 St.) (S. Alfiö) unter Pinien und Cypressen. Dann zu einer von Wein und Waldung begrenzten Ebene, über welcher der nackte Koloss aufsteigt. Hier, 1200 m. ii. M., steht der l'a- st-agno di Cento Cavalli , der »Urgrossvater von Aetna’s Bosco«, ein uralter, in vier fast selbständige, einen Kreis bildende Stämme getheilter einziger Kastanienbaum, mit Epheu bekränzt, 60 m. im Umkreis, doch nur mit kleinen Kastanien. Nordostwärts sind noch zwei kolossale Kastanienbäume, der kleinere, »l’Imperio«, von 15 m. Umfang, der .zweite, »la Nave«, ein (unten durchgängiger) Prachtbaum mit weit reicheren Blättern; 1 m. über der Erde beträgt sein Umfang 19 m.; schon in der Höhe von 3 l /a in. beginnt der erste starke Kranz wagrechter Aeste, über diesen steigt die Krone noch 6 1 /2 m. empor, so dass die Höhe des ganzen Baums 10 m. beträgt. St. höher steht der schönste von allen, der »Castagno della Galea«, 1 m. über dem Boden von 24 m. Umfang, seine Arme erst in bedeutender Höhe ausbreitend. Sämmt- liche sind weit mehr als 1000 Jahre alt. Bei Stat. Mangano der Lavastrom vonl329. Dann durch drei Tunnel nach (81 Kil.) Acireale, eine der geeignetsten W T interstationen fiir Leidende an den Respirationsorganen. *Grande Albergo dei Bagni, treffliches Hotel mit allem Komfort der Neuzeit; Pens. 10—15 Fr.; liegt ausserhalb des Orts, hart an der Station, hat einen hübschen Garten, die Ilauptrichtung gegen S. und O., mit den herrlichsten Panoramen auf Meer, Aetna und die üppige Vegetation umher. Die klimatischen Verhältnisse sind fast dieselben wie in Catania, doch hat es den Vorzug eines Landaufenthalts und noch reinerer Luft, ist auch an bequemen Spaziergängen noch reicher. Die Orangen-, Citro- nen- und Mandelbäume gedeihen in üppigster Fülle. Der Gasthof hat für gute Zimmer, Oefen und Kamine gesorgt und für einen deutschen Arzt, Dr. Joris. Die Bevölkerung ist eine arbeitsame, harmlose, vornehmlich ackerbauende. Die Temperatur unterliegt geringen Schwankungen, und es weht hier eine mässig feuchte, warme Luft. Das Albergo wird dei Bagni genannt, weil hier treffliche Schwefelthcrmen der Acqua Hanta Venera sind, die ebenfalls vom Besitzer des Baues, Sign. Pcnnisi Barone di Flori- 560 stella, vortrefflich (60 Marmorbäder) eingerichtet wurden. Das Wasser (Acqua minerale solfurea salino-iodica idrocarbonata), von der Cappella S. Venera (Va St.) herkommend, wo sich Reste eines römischen Bades befinden, enthält in 1 Liter Gase: Sehwefelwasser- stoff0,oi5 17, Kohlenwasserstoff 0,18453, Sauerstoff 0,00016 , Stickstoff 0,02677 ; feste Substanzen: Schwefclnatrium 0,00070, Chlorkalium 0,00091, Chlornatrium 2,68406, Chlormagnesium 0,00981, Chlorlithium 0,00991, Chlorammonium 0,00062, Bromnatrium Spuren, Jodnatrium 0,01476, Fluorcalcium Spuren, kohlensauren Kalk 0,16970, kohlensaure Magnesia 0,00898, kohlensauren Strontian 0,00048, kohlensaures Natron 0,00652, Manganoxyd 0,00022. — Es wird hauptsächlich gegen Hautkrankheiten, chronischen Rheumatismus, Skrofeln, nervöse Depressionszustände benutzt und ist eins der berühmtesten Heilwässer Siciliens. Die Stadt, mit reger Industrie, Handel, Gymnasium und Akademie, hat 35,787 Einw., ist seit dem Erdbeben von 1693 ganz neu erstanden und stellt auf enormen Lavaströmen, die hier eine Höbe von mehr als 200 m. erreichten. Am besten sieht man dieselben beim Absturz Timpi del Tocco Scaletta, der durch einen Steg verbundenen Verladungsstelle (20 Min.) am Meer. In S. Sebastiano Fresken (Kuppel, Chor, Kapelle S. Sacramento) von Pietro Paolo Vasta von Acireale (18. Jahrh.), ebenso in der Kirche del Suffragio. Der untere Theil des Domthurms ist noch im gothi- schen Stil, der Dom von 1667. Aci bat Ruf für damascirte Tücher, musikalische Instrumente (besonders Orgeln) und Filigranarbeiten. Wein und Hanf sind von trefflicher Qualität. Den Namen Aci leitet man von der si- cilischen Mythe des Aids ab, Sohn des Fau- uus und der Nymphe Symaithis (Simeto), Geliebter der Nymphe Galateia (Ovid, Me- tamorph. XIII, 750 f.)s »Denn mir Einzigen hatte ja Acis Ganz sich verknüpft, dem nun nach dem zweimal achten Geburtstag, Zweifelndes Milchhaar kaum die zärtliche Wange gezeichnet; Diesen begehrt ich«. Akis wurde deshalb von dem Kyklopen Polyp hem, dem riesigen sicilisclien Hirten, als er seinen Nebenbuhler (da auch er Galateia liebte »ohn’ einige Grenze«, wobei Galateia nicht wusste, ob Hass gegen den Ky- ! klopen oder die Liebe gegen Akis grösser | sei) bei Galateia traf, durch ein Felsstück : des Aetna niedergeschmettert. Ein Bach, i der verwandelte Akis, rann unter dem Fel- CATANIA Maisstäb i-25.000. JSfeer ‘6.GvandRotl)^^R.Vcttorüv^ 5 I) Rot. Cenlraltä e Calhpoli. C 5 C * dcRomcZ 5£ Bellifd.. .C5 B orfio' S.Maria Casa CöstareUa. itesäcarea dZfp*'**# ‘f Stazione* s,sjf^r a ^ 'SfanSSeono . fr a rib * 1 fl-i S.Gwoaiw Ütd^-Jfu Gott v I, Tormhfils. Bibliographisrbes Institut in Leip: 5G1 17. Catania. 562 sen hervor und floss bei Sealetta (s. oben) ins Meer. Die Bahn zieht der Küste entlang, setzt Über die Acque grandi (den Ähis), der einzig vom Aetna ausgeht und nicht immer sichtbar dem Meer zuströmt. Dann 1. im Meer die berühmten *Fari- glioni oder Scogli de’ Ciclopi, eine Gruppe von Basaltfelsen mit grauem Thonmergel untermischt. Die prächtigen dunklen Basaltpfeiler mit ihren vom Meer abgespülten Flächen bilden einen sehr originellen Kontrast zu den an ihnen sich brechenden Wogen. Drei dieser Klippen bilden 12 — 16 m. hohe Obelisken aus stufenförmig abgebrochenen Basaltsäulen, die vierte und grösste, auch zugänglichste, besteht ausDolerit mit Analzim- drusen, über dem Dolerit liegt vulkanischer Tuff. Das Alterthum verlegte hierher die Stelle, wo Polyphem, der ja als Kyklop zur Werkstatt des Aetna gehörte, dieFelsenstiicke auf den ihn überlistenden Odysseus und seine Gefährten nach den Schiffen schleuderte (Odyss. IX, 537); »Wieder empor dann hub er ein noch viel grösseres Felsstüek, Schleudert es hochaufschwingend und strengt unermessliche Kraft an; Mächtig empor schlug wieder das Meer von dem Sturze des Felsens«. Da das Dorf Trezza an der Küste liegt, so hat man den Scogli auch den Namen Aci -Trezza gegeben. (89 Kil.) Acicastello (2220 Einw.) verdankt seinen Namen dem massiven mittelalterlichen Kastell, das sich in malerischem Verfall als ein köstliches Landschaftsbild auf einem Felsen 75 m. ü. M. erhebt. Der Felsen gehört zu jenen isolirten Basalthügeln, die nicht zu einem Lavastrom gehören und keine Verbindung mit einander haben. Das Schloss gab Roger mit dem gesammten ausgedehnten Territorium der Kirche zu Catania. — Nun der Bucht von Ognina entlang, wo die Kolossalblöcke der Lava fast überall bepflanzt sind und man auf denselben Olivenbäume, Wein, Mandel- j bäume, Hanf und Getreide sieht. I (95 Kil.) Catania (R. 17). 17. Catania. Vgl. den beiliegenden Plan. £3= Catania bietet durch seine Lage (Villa Bellini, Tliurm der Beuedettini), seinen durchschnittenen Lavaboden sowie durch die Reste der antiken Zeit (Theater, Odeum, Bäder, Gräber, Aquädukt, Brunnen, Sarkophage, Amphitheater), durch seine Sammlungen (Benedettini und Universität) und manche mittelalterliche Denkmäler (Castel Ursino, S. Carcere, S. Maria di Gesü, Dom), auch einige schöne Werke der neuern Zeit (Be- nedettini, S. Agata) schon an und für sich reichen Genuss; noch wichtiger abel* ist cs als Standquartier für die herrlichen Ausflüge um, an und auf den Aetna. Wer Si- cilien wirklich kennen lernen will, wird daher in Catania einen langem Aufenthalt nehmen, zumal hier die Verpflegung in den zwei Hauptgasthöfen eine vortreffliche und die Stadt eine überaus freundliche ist, wo man weniger als irgendwo in Italien von den menschlicheil Schmeissfliegen zu leiden hat. Ankunft. Wagen von der Bahnstation (PI. D 5) in die sehr nahe Stadt, mit Gepäck : 1 spann. 70 C., 2spänn. 1 Fr. 10 C. — Gasthofomnibus des Grand ' Albergo und des Albergo Centrale 1 Fr. — Vom Dampfschiff: Aus- schiffen mit der Barke (kein Tarif, also akkordiren) 1 Fr., mit Gepäck l 1 /* Fr. (Das Gepäck der vom Freihafen Messina Ankommenden wird von der Dogana untersucht.) — Gasthofomnibus und Fiaker wie oben. Gasthöfe: *Grand’ Albergo di Catania (PI. a, D5), Piazza Cappellini, grossartiges Hotel in der Nähe der Eisenbahn (von zwei deutschen Schweizern geführt), mit 150Zimmern, Konversationssaal, Lesesaal, Billard, Bädern (Arzt Dr. Veragut, ein deutscher Schweizer). Der Gasthof kommt jetzt in andere Hände. Preise: Z. von 9—10 Fr., Salons 6—15 Fr., Licht 1 Fr., Bed. 1 Fr., Lampe mit Petroleum pro Abend 1 Fr., mit Oel 2 Fr., Heizung l Fr. (alle Zimmer sind für Ofenheizung eingerichtet); ein grosses Bad Fr., ein Sitzbad 1 Fr.; Kaffee, Thee, oder Chokolade (komplet) P /2 Fr., im Zimmer 2 Fr.; Gabelfrühstück an der Table d'liöte 3 Fr., im Zimmer 4 Fr.; Diner an der Table d’hote 5 Fr., im Zimmer 7 Fr.; schwarzer Kaffee Va Fr.; einfacher Milchkaffee, Thee, oder Chokolade 1 Fr. — Pensionspreis für wenigstens 4 Wochen Aufent- 563 17. Catania (Gasthöfe, Restaurants etc.). 564 halt: im 1. und 2. Stock 12 Fr., im 3. Stock 11 Fr. Kinder unter 8 Jahren und Bediente bezahlen 5 Fr. pro Tag für die Nahrung. Die Pension besteht aus: Zimmer, Bedienung, Kaffee, Thee oder Chokolade mit Brod, Butter und Honig; Gabelfrühstück uni 31 Uhr mit Wein; Diner um 5 Uhr mit Wein; die Bougies werden besonders berechnet mit 75 C. Die Bedienung in den Zimmern: Va Kr. für den Kaffee (komplet); 1 Fr. für das Gabelfrühstück; 2 Fr. für das Diner pro Person. *B6tel Central (PI. b, C 5), Piazza degli Studii, Eingang Str. S. Maria al Rosario 9, von einem deutschen Schweizer (Liebrich- Riisch) aus Basel gehalten. Vortreffliche Küche, aufmerksamste Bedienung und trefflicher Gastgeber. Z. pro Bett 2Va—3 Fr. ; Bed. Va Fr.; Licht V2 Fr.; Diner, T.d’h. m. W. U/a Fr.; Kaffee komplet (mit Butter und Honig) IVa Fr. Pensionspreis für mindestens 4 Wochen Aufenthalt 9 Fr. täglich. Deutsche Zeitungen, Billard und Cafe. — Kann aufs beste empfohlen werden. Billiger: Hötel de Rome (PI. c, C 5), Corso Vittorio Em., Eingang Vico Anzalone; Gastwirt Barone (sehr zuverlässig und aufmerksam). Z. von 1—4 Fr.; T. d’li. (sehr gut) 2 Fr. 80 C.; Gabelfrühstück 1 Fr. 80 C.; Licht 30 C. — Vittoria (PL d, C 5), Via Garibaldi , Ecke Domplatz, mit Trattoria. — Parigi, Via Garibaldi 12; mit T. d'h. und Trattoria. — Trinacria, Str. Lincoln. — Gullipoli (PI. e, Co), Corso Vittorio Em. 121 (Eingang Piazza S. Placido 6), mit Trattoria. — liellini (PL f, C ö), Vico S. Caterina al Rosario. MÖblirte Wohnungen (das Zimmer ca. 30 Fr. monatlich) sind durch Aushängeschild angezeigt; für Patienten passen nur Zimmer mit den Fenstern auf den vollen Süden. Restaurants: *Grand Caf4 et Restaurant (Ignazio Leone), Piazza degli Studii 25 (PL C 5), der Universität gegenüber. — Billiger: * Trattoria nuova Villa di Sicilia (Perricone), Str. Lincoln 245; sehr besucht (hat auch mö- blirfce Zimmer); gebackene Fische ( linguatola, luna , merluzzo sind die besten) 50 C. Braten mit Gemüsebeilage (guarnigione) 55 C. Beefsteak 55 C. Maccaroni 45 C. (Gemüse, Eierspeisen, Maccaroni sehr gut; ebenso die Fische, dagegen der Braten mässig; man verlange Fileto, dann erhältmaneingrösseres, ausgesuchtes Stück Kalbsbraten für 80 C.). Tischwein (Bosco), die ganze Flasche Vz Fr.; der allfälligc Rest wird abgerechnet. —* Trattoria Villa nuova, siidwestl. gegenüber der Domfa^ade (beim Bogen zur Marina) 9; das Lokal ziemlich düster; die Speisen zwar einige Centimes theurer als bei Villa di Sicilia, jedoch meist sorgfältiger gekocht; guter Terraforte-Wein 00 C. die ganze Flasche. — Gallipoli (PL e, C 5), Corso Vittorio Em. 121. — Nationale, Str. ManganellL — Villa Giardini, diesseit S. M. Gesii. Cafes: *Gra»s aus, einer ioniscli- chalkidisciien Kolonie der Griechen, im «Talir 72!) v. Chr. unter der Führung des Kuarchos gegründet, um hier in dem reizenden Landstrich am Meer, das einen kleinen hinlänglich sichern Hafen darbot, eine Niederlassung zu gewinnen, welche die Vortheile des Ackerbaues mit denen des Handels verband. Die Ausbrüche des Vulkans bestimmten die Wahl einer möglichst südlichen Stelle, und zwar da, wo die Schiffe an das noch nicht verflachte Ufer nahe hinrücken konnten und ein Fluss, der Arne- nanos (Ooid , Metamorph. XV, 279) strömt, sikanische Kiesel wälzend. So wurde die Stadt fast in der Mitte der Ostkiiste Sici- liens erbaut. Und so sehr hingen die Be- wohner an dieser schönen Stätte mit der üppigsten Landschaft und so günstigen Lage, dass Katane trotz wiederholter Verheerung durch die Laven des Aetna und durch Erdbeben immer eine bedeutende Stadt blieb. Da die Neustadt an die Stelle der Altstadt getreten ist, so sind die meisten Reste der antiken Grossstadt unter der Erde zu suchen; doch erstreckte sich die antike Stadt nur bis in die Gegend der Piazza Stesicorea hinan, dann begann die Todtenstätte. An eine phönikische Niederlassung mahnt der Name Amenanos (»klein«, d. h. kleiner Hafen); auf die sehr alte Verehrung dieses Flussgottes weisen die Münzen, welche auf der einen Seite den Stier (Flussgott) mit menschlichem Haupt haben, auf der andern Seite die schreitende Siegesgöttin mit Binde in der Hand; auf ihre Mutterstadt deutet der Apollonkopf, auf den Kultus des Weingottes das spätere Silenhaupt. Von der Piazza Stesicorea zog die antike Stadt zu den Be- nedettini und niederwärts zum Covso Vittorio Emanuele und theilweise bis zum Meer hinab. Die neue Stadt folgte den Gesetzen des berühmten Katanäers Charomlax, die das ganze Leben regelten. Wie Lykurgs Gesetzgebung der Ausdruck des dorischen Staatslebens war, so wird auch diese Gesetzgebung auf dorischen Ursprung zurückgeführt, denn Zalen- kos von Lokri, von welchem Charondas die Grundsätze erhalten hatte, soll von demselben Sänger (Thaletas von Kreta), der auf Lykurg den grössten Einfluss hatte, die Staatsidee entlehnt haben. Cliarondas fällt wohl nur wenig später als Zaleukos (664). Aristoteles (Politik II, 9) fügt noch hinzu, dass Charondas nichts Eigenthümliches gehabt habe, ausser dem Gerichtsverfahren gegen falsches Zeugnis; dagegen sei er in der genauen Fassung der Gesetze noch feiner gewesen als selbst die heutigen Gesetzgeber. Der Name des Chai'ondas ist zudem kein ionischer, sondern ein dorisch-äolischer. Die ionische Stadt Katane erhielt also eine mehr dorische Gesetzgebung. Der Gesetzgeber wurde aber später aus der Stadt verbannt. Auf die Kultur der Katanäer dieser Zeit deutet der grosse um ca. 600 v. Chr. hier lebende Dichter Stesichoros aus Hirnera, dessen Familie aus einer lokrisclicn Kolonie in Unteritalien stammte. Schon das antike Katane weihte ein Stadtthor dem Sänger, der Sicilien in die griechische Dichtkunst ein- führte und in seiner Liebe zu Prachtworten einen sicilischen Charakterzug offenbarte. Das jetzige Catania hat da, wo mau sein Grab zeigte, eine Piazza Stesicorea errichtet und der in denselben einmündenden Strasse ebenfalls den Dielitcrnamen gegeben, Stc- sielioros, der von den Alten dem Homer nalicgestellt wurde, die Zerstörung Ilions besang (llom, Bd. II, Museo Capitolino, 2. Geschoss tabula iliaca), die chorische Ode vollendete, und soll, als er in einem Gedicht der landläufigen Sage von Helena folgte, von dieser durch Blindheit gestraft, dann, als er sich an die anständigere Novelle hielt und nur eine (dichterische) Truggestalt von ihr mit Paris reisen liess, wieder mit dem Augenlicht beschenkt worden sein. Nach seinem Tod wurde ihm vor dem Stesieliorisehen Thor ein achteckiges Grabmal mit acht Säulen gesetzt (Andeutung der Gliederung seiner Chöre). Sein Dialekt war nicht dev seiner Heimat, sondern der homerische, gemischt mit dem dorischen. Ibykos von llliegion soll eine Wagenfahrt von Katane nach Hirnera gemacht haben. Der Philosoph Xenophanes von Kolophon, Gründer der eleatischen Philosophenschule, hielt sich gegen Ende des 6. Jahrh. in Katane auf. Hieron 2. von Syrakus fand besonders Gefallen an Katane, seiner Lage und fruchtbaren Gegend. Er entriss daher derStadt (die wohl seinem Vorgänger Gelon unterworfen war) ihre Einwohner, verpflanzte sie nach Leontini, kolonisirte Katane mit 10,000 Syra- kusanem und Peloponnesevn (476 v. Chr.) und änderte den Namen in Aetna. Viel umliegendes Gebiet, selbst den Sikelcrn gehörendes , wurde zu ihrem Bezirk geschlagen , und Hierons Sohn Deinomenes zum Verwalter derStadt eingesetzt, l’indar weihte in der prächtigen Pytliischen Ode, die auch den Aetna besingt, diese dorisch - sicilische Stadtannexion Hierons (I, 114 f.) »Nun wohlan, ersinnen wir denn Holden Gesang für Aetna’s König, Dem mit gottgeschaff’ncr Freiheit Hieron nach dem Gesetz, Nach des Hyllos strengem Gebot Diese Stadt gegründet. Lass, o Zeus Vollender, solches Glück an des Arnenas Flut Bürgex’ii stets und Königen bltihn, Das in Wahrheit rühmend erhebe der Menschen Gerücht! 509 17. Catania (Gecsliiclitliclios). 570 Mit Dir möge denn des Landes Fürst, Beratlicnd und lehrend den Sohn, das Volk zur lluh, Und zur Eintracht lenken und krönen mit Ruhm!« Ja, selbst Aeschylos verherrlichte die Gründung Aetna’s mit einem Drama (S. G88). Silbermünzen aus den Jahren 476— 446 mit der Inschrift Aitna zeigen auf dem Avers jenen Silenkopf (Weinüberfluss), auf dem Revers den Elitz (des ätnäisclien Zeus); kleinere haben die Inschrift Aitn und ein Rad auf dem Revers, auf dem Avers eine Krabbe (die in Catania besonders gross vorkommt). Als llierons Bruder, der Tyrann Thrasybu- los, durch Verscliworne gefallen war, drang durch die ganze Insel der Ruf nach Freiheit. Die alten Bewohner Katane’s zogen, als der Sikclerfürst Duketios die Annexionseinwohner vertrieben, nach 14jährigem Exil wieder in ihre Stadt ein und gaben ihr den ulten Namen zurück, während die Vertriebenen sich in der Stadt Inessa niederliessen, die sie nun Aitna nannten (die Ruinen bei Civitä zwischen Paterno und Licodia). Als die Eifersucht zwischen den dorischen und ehalkidisch-ionischen Kolonien Siciliens, der unersättliche Uebcrmuth der Syrakusaner gegen die Bewohner von Leontini und die steten Streitigkeiten zwischen Selinus und Egesta die Athener nach Sieilien riefen (427), stand Katane, weil mit Leontini verbündet, auf ihrer Seite; 426 wurde Inessa vergeblich angegriffen; 425 verwüstete ein Lavastrom die Felder der Katanäer. Als 415 die grosse athenische Flotte in Katane erschien, gab es neben den Anhängern Athens noch eine starke syrakusanische Partei ; das Bündnis mit Athen wurde abgelehnt, das athenische Heer nicht in die Stadt gelassen. Aber während Alkiüiudes im Theater dem Volk das Bündnis mit Athen aufs beredteste empfahl, fanden athenische Krieger ein schlecht verschlossenes Thor, und die Athener drangen in die Stadt. Die Gesinnungsgenossen derselben erhielten nun die Oberhand, und Katane wurde zum Stützpunkte der Athener gegen Syrakus. Auf ihrem unglücklichen Rückmarsch suchten sich die geschlagenen Athener vergeblich nach Katane zu retten. Der Rache von Syrakus entging die Stadt nur durch den Ileereszug der Karthager gegen Selinus (4UÜ). Den damaligen Wohlstand Katane’s bezeugen auch die sehr künstlerischen Münzen (als Künstler der Stempel werden z. B. genannt Euainetos, Prokies, Clioirion, llera- kleidas), der schöne Apollonkopf mit Lorbeer- oder Eichenkranz und das Gespann mit Lenker, zuweilen Nike ihm entgegenfliegend; der Amenanoskopf mit Diadem, der Silenkopf. — Als Dionys von Syrakus den Entschluss fasste, Sieilien von den Karthagern zu befreien, wollte er zuerst noch bis auf die letzten Spuren die ihm sich entgegensetzenden Volksregierungen zerstören, um auch in Syrakirs ihres Einflusses ledig zu sein. Er eroberte Inessa-Ailna, legte zu seiner Sicherung lladranon (Adorno) an und bekriegte (402) Naxos und Katane, die ihm durch Verratli zufieleu, denn in Katane Hess ihn der Feldherr Arkesüaos bei Nacht ein. Die Einwohner wurden als Sklaven versteigert, Stadt und Umgebung den kampanischen Söldnern des Dionys übergeben, die früher von den Clialkidiern gegen Syrakus herbeigezogen, dann von den Karthagern gegen Selinus verwendet, hernach von den Akra- gantinern und darauf wieder von den Karthagern gemietet worden und sich den Griechen furchtbar gemacht hatten. Zum Schutz der Dionysischen Tyrannei erhielten sie nun auch das wichtige Katane. Die früheren Einwohner zogen nach Mylä und zerstreuten sich dann auf der ganzen Insel. So verlor die Stadt ihren alten hellenischen Charakter, wenn auch später die Kampaner nachlnessa- Aitna versetzt wurden. Das neue Katane scheint (nach Hohn) von italischen Oskem bewohnt worden zu sein (wie auch Entella, Aetna, Messana der italischen Bevölkerung Wohnsitze gaben), die sich der Reaktion gegen das althellenische Element anschlossen, welche von den stammverwandten Sikelern, den Karthagern und Dionys ausging. Nach Dions Ermordung nahm dessen Mörder, der Athener Ka- lippos (353), Katane ein, herrschte aber nur ' kurze Zeit über dasselbe. Er soll {P.utarch, j Dion. 5«), da er gleichzeitig Syrakus ver- j lor, geäussert haben, er habe eine Stadt j verloren und eine Käsereihe dafür bekom- i men; wohl ein etymologischer Scherz, in- | dem die Griechen Katane von Katinon (Schüssel) ableiteten und dieses wohl auch Käsereibe (sonst tyroknestis) bedeutete. Ringsum herrschten kleine Tyrannen; dem Herrscher Katane’s folgte ein noch schlimmerer, der sabellisclie Mamerkos. Die Karthager rüsteten zu neuem Krieg. Da wandten sich die Vaterlandsfreunde an Korinth um Hülfe. | Timoleon (S. 73) kam mit wenigen Bewaff- , neten, aber der edelsten Begeisterung. Ka- ; taue schloss sich sogleich an Timoleon und wurde in dessen Kämpfen gegen die Karthager sein Stützpunkt. Der Schrecken vor Timoleons Erfolgen trieb zwar Mamerkos zu den Karthagern, aber er wurde 338 an den Ufern desAlabon (Abolos, jetzt S. Gus- mano) geschlagen und Katane befreit. Mamerkos , auch Dichter von Tragödien und Epigrammen, drang dennoch mit seiner Rechtfertigungsrede im Theater von Syrakus nicht durch, stiess vergeblich den Kopf gegen dessen Wand und wurde gekreuzigt (Plutarch, Timoleon 34). Katane, nun 20 Jahre lang Bepuhlik, erholte sich von seinen schweren Verlusten. Aber an die Stelle der eifersüchtigen Republik trat Agathokles. Als dieser (S. 717) am Himeras unterlag, befreite sieh Katane von Syrakus, wie so manche andere Stadt, und trat auf die Seite der Karthager. Weil Agathokles mit einer ägyptischen Königstochter (in dritter Ehe) vermählt war, kamen gegen Ende seiner Regierung ägyptische Kultus- formen nach Katane, daher der Obelisk (S. 581)), die kleinen ägyptischen Bild- 571 572 17. Catania (Geschichtliches). werke, die ägyptisircnden Münzen dieser Zeit. Beim Zug des Pyrrhos (S. 75) öffnete Katane dem Befreier freudig die Stadt und bekränzte ihn mit goldenen Kronen (Dio- dor XXII, II. 11). Nachdem aber Sicilien ihn selbst aus Furcht vor neuer Tyrannei verlassen, kam es ohne Regierung in den Kampf zwischen Rom und Karthago, der dem Zwischenland die Blüte raubte. Die Siege Roms brachten diesem ebenso rasch die Huldigung, und aut die Erklärung Roms, alle Städte Siciliens , welche auf seine Seite träten, als Verbündete aufzunehmen, schloss Katane sogleich sich dem mächtigen Reich an. (Damals brachte Valerius eine berühmte Sonnenuhr aus Katane nach Rom; Plinius, Hist. nat. VII, 50.) ZurZeitHieronsII. war Katane eine römische Stadt, mit dem Namen Catina, geworden, die den Zehnten an Pächter (Decumani) zu bezahlen hatte. Marcellus, der Eroberer von Syrakus, errichtete aus dessen Beute in Ca- tiua ein Gymnasium. 123 v. Chr. litt die Stadt so sehr durch einen Lavastrom, dass der römische Senat die Abgabenfreiheit ihres Gebiets auf 10 Jahre verordnete. Wie in ganz Sicilien, hausten auch in Catina die römischen Statthalter (Prätoren) mit grösster Willkür und Gelderpressung, vor allen Ferres, der (V, 72) hier, nachdem er sich alles Silbergeschirr durch den Gemeindevorstand hatte überliefern lassen, durch seine Diener bei Nacht das Bild der Demeter, das dort nicht allein nicht berührt, sondern nicht einmal gesehen werden durfte, aus dem Heiligthum fortschaffen liess. — Im Krieg Ok- taviuns gegen Sextus Pompejus (den Herrn Siciliens) litt die Stadt so sehr, dass Okta- vian sie durch Erhebung zur römischen Kolonie mit neuer Bevölkerung zu versehen hatte. Dann aber reifte sie nochmals zu einer materiellen Nachblüte heran, die sehr bedeutend gewesen sein muss, wie die zahlreichen noch erhaltenen Denkmäler reste darlegen: Theater, Odeon, Amphitheater, Bäder u. a. Die leontiuischen Fruclitfelder, jetzt zur Katan'dischen Ebene geworden, bildeten die Grundlage des lieichthums. Die Stadt hatte einen Umfang von ca. 5400 m. (von N. nach S. 1500 m., von O. nach W. 1200 in.) und über 60,000 Einw. Die römischen Münzen fügen den früheren Gottheiten die jetzige Hauptgottheit Geres hinzu, dann Neptun, Bacchus, Janus, Ammon, Seraphs, Isis. Noch unter römischer Herrschaft lässt die Tradition bei dem furchtbaren Lavastroin, der sich 252 n. Ohr. gegen Ca- tina hinwälzte, den hingehaltenen Schleier S. Agatha’», die unter dem Prokonsul Quin- tiuian Märtyrerin geworden, die Fortwälzung dev Lava bannen, so dass die Heilige die Retterin der Stadt wurde. Noch jetzt sieht man indess, dass jener Strom ein Stück des westlichen Catania überdeckte und in das Amphitheater cindrang. Catina folgte dem Geschick der anderen sicilischcn Städte unter Byzanz, den Ostgothen, Vandalen und Saracenen. Von den Korman- nen erobert und neu ummauert, gewann es j wieder sehr an Bedeutung. Aber das Erd- i beben vom 4. Februar 1170, welches auch | Lentini und Modica zerstörte, vernichtete | die Stadt; fast alle Häuser lagen zertriim- i mert, über 15,000 Personen todt; das einstürzende Dach des Doms erschlug den Bischof am Altar. Dennoch vermochte die heruntergekommene Stadt als der Sitz der Gegner des deutschen Kaisers Heinrich VI. ; (S. 94) noch eine Belagerung nmtliig auszuhalten und wurde nur durch Verrath erobert und theihveise verbrannt. Nochmals 1232 wurde sie von den Hohenstaufen verheert. Um die rebellischen Einwohner im i Zaum zu halten, liess Friedrich II. das noch | erhaltene imposante Kastell Ursino (Rocca ! Orsina) errichten.—Nach der Sicilianisclien Vesper wurde Peter III., König von Aragonien, i von einem in Catania 1282 gehaltenen Par- i Iament zum König ernannt. Unter seinem : Sohn Friedrich II. begann die neue Blütezeit ■ Catania's unter den Aragonesen, freilich, weil ■ es der häutigste Regierungssitz war, doch ' wurde es mehrmals von schweren Belagerungen heimgesucht (1299 von einer blutigen Erstürmung durch Robert, Enkel Karls von Anjou). Friedrich starb 1336 (sein Grabmal im Dom). Durch Ludwig von Aragonien, den Enkel Friedrichs, erhielt die Stadt zum Dank für ihr Festhalten an Friedrich die Bestätigung aller alten Privilegien und den Titel: Regum tutrix, propugnatrix fidelis 1 constantissima Regni Siciliae protectrix at- : que caput'. Alfons der Grossinütliige liess 1438 neue : Hafenbauten ausführen und stiftete 1444 die I Universität, mit Zutheilung jährlicher Zu- schüsse, lange Zeit eine der bedeutendsten : Universität Italiens. — Unter Vcga, dem i Vicekönig der nunmehrigen spanischen Herrschaft, wurden aus Furcht vor einer Türkeninvasion die Mauern und Bastionen im NO. \ind S. erneuert und für den Bau auch , die Steine des grossen Aquädukts verwandt; 1 damals ist das östl. von S. Agata gelegene ! Quartier der Stadt einverleibt worden (das Amphitheater blieb noch ausserhalb der j Stadt).— Die spanische Regierung that wei- I terhin nichts für Catania, ja, sie verpfändete ■ sogar die Städte seines Territoriums (Viagrande, Trecastagne, Pedara, Misterbianco, Mascalucia), und die Stadt sah sich gonö- thigt, dieselben 1646 für mehr als 3 Mill. Franken auszulösen. Solche Opfer und dazu die Theurung der Lebensmittel rief ernstlichen Aufruhr hervor; im ersten wurden die Archive verbrannt, die Gefängnisse ge- : öffnet, und der Adel und die Magistrate sahen sich genöthigt, aus dem Kastell Ur- , sino die Insurgenten zu beschiessen. 1669 fand eine der entsetzlichsten Eruptionen des Aetna statt (S.628); ein 1200 bis 1800 m. breiter Strom bedrohte die Stadt, schon drang er über das Bastion degli In- fotti und bedeckte die Nauraachie, den Cir- ! kus und das Gymnasium, begrub die Bastio- ; non von S. Giorgio und S. Croce, 1 umringte ; die beiden grossen Thürmo des Kastells Ur- j sino, strömte dann aber in einer Breite von 573 574 17. Catania (Lage und Leben der Stadt). 2 Kil. in das Meer aus. Sieben Tage nachher brach die Lava noch einmal bei dem Lastion Tonnaro auf, und ein Strom drang in den Garten der Bcnedettini und umzog das Kloster von der Nordseite und im W., aber ohne es zu schädigen. Die Stadt, von zwei Seiten durch die Lavaströme abgeschlossen , musste zu Meer versorgt werden und theilweise mittels über die Jjava gelegter Brücken. Was die Feuerströme verschonten, blieb kaum vor den Dieben sicher, die in so grosser Zahl herbeizogen, dass man mehrere Galgen aufpflanzte und die Stadt- tliore gesperrt hielt. Ganz Sicilien steuerte zur Abhülfe des Unglücks. Aber schon 24 Jahre nachher (11. Jan. 2d!)3) zerstörte eins der fürchterlichsten Erdbeben die Stadt so grauenvoll, dass nur fünf Gebäude noch standen (60 weitere Städte Siciliens stürzten zugleich ein), nämlich die liotonda, S. Salvatore am Meer, Gastello Ur- sino , Palazzo Bonajuto und ein Privathaus,' vom Dom stand nur noch das Chorende; 16,000 Personen ( 2 /3 der Bevölkerung) kamen um; das Meer war so aufgeregt, dass ungeheure Wogen bis in die Stadt drangen. Der Statthalter Lanza, Herzog von Camastra, entwarf mit dem Domherrn Celestri und Bischof Riggio den Han der neuen Stadt, und ihnen ist die jetzige Regelmassigkeit zu verdanken ; den Ausgangspunkt bildet daher der Dom, und nach doppelter Durchsehnei- dung der von ihm zum Aetna hin gezogenen Linien folgten alle anderen, so weit es möglich war, in rechten Winkeln. Die grosse Breite der Strassen sollte bei einem künftigen Erdbeben, das gegenseitige Zerschlagenverhindern. (Noch jetzt wird [z. B. in Strada Lincoln und deren Durchschnei- dungen] mit der Ebnung des Bodens mit grossem Fleiss fortgefahren.) Der Bischof Riggio liessl709—1712 den Dom wieder aufrichten, Giovanni Russo, Fürst von Ceramo, errichtete die jetzige Strada und Porta Garibaldi. 1744 begannen unter Ignazin Pa- ternö, Fürst von Hiscari , die Ausgrabungen im Theater und 1754 erüffnete er sein berühmtes (leider von den Erben den Forschern vorenthaltenes) Alterthümermuseum; 1782 wurde der grosse Molo begonnen und durch Errichtung künstlicher Klippen, d. h. durch Eisenbarren und Ccment verbundener Steinmassen, sturmfest gemacht. In den Befreiungskämpfen gegen die Bourbons nahm auch Catania lebhaften Antlieil. Lage und Leben der Stadt. Wer Catania zum erstenmal Abends betritt, wenn schon im Glanz der Gaslichter das grosse wie mit Brillanten besetzte Kreuz leuchtet, welches die breite, mit Lava bepflasterte Strada Stesicorea in halbstündiger Länge (2800 m.) und in schnurgerader Richtung mit der fast ebenso langen (2300 m.) Strada Corso Vittorio Emanuele bildet, dem erscheint die Stadt als eine der imposantesten Italiens. Denn fast alle Fai^adcn, von den gegenüberstehenden volle 18 m. entfernt, sind in dem Glanzstil erbaut, der bei dem Neubau der Stadt nach dem Erdbeben von 1693 massgebend wurde. Weisse Pilaster, vom Boden bis zum Dacli ununterbrochen aufsteigend, gliedern die breiten röthlielien Fronten, grosse Fenster mit schweren Baikonen aufKonsolen und mit eleganter Einrahmung durchbrechen die massiven hohen Geschosse, und über den Farbenwechsel schimmert spielend der Reflex der Gasflammen, durch unsichere Umrisse die Grosse und den imposanten Eindruck mächtig steigernd. Breite Trottoirs mit rechteckigem Lavalastrieo begrenzen die wie ein Salonpaviment sich ausbreitenden Strassen. Nordwärts verliert sich der Strahlenweg dem Aetna entgegen schon den ersten Schritt hebend. Keine Stadt in Europa bietet eine ähnliche Schau. Und doch hat Catania nur 84,397 Eimv. und wenige Bauten von höherer architektonischer Bedeutung. (Die Oberfläche der Stadt misst 35,000 Hektar, der Umfang 8 Kil.) Der Aetna-Ausbruch von 1669 und das Erdbeben von 1693 ver- anlassten, dass der Ilauptplan der Stadt völlig modernisirt werden konnte, denn ursprünglich war die gegen 2 St. im Umfang messende Stadt unregelmässig, einem Hammer gleichend, dessen Stiel die Fortsetzung der Strada Stesicorea (Strada Et- nea) ist. Nun aber durchzieht diese Mittelstrasse den Domplatz, den Studienplatz, den Platz, wo ehemals das Grabmal des griechischen Dichters Stesichoros sich erhob, und schlicsst nordwärts mit dem schönen Halbkreis der Piazza Gioeni, die mit Lavasitzen und schattigen Bäumen umgeben ist und den Ausgangspunkt zu den Dorfsehaften des Aetna bildet. (Vom Dom- platz, der 5,72 m. ü.M. liegt, bis zur Piazza Gioeni steigt die Strasse um 37 m.) Die drei Querrippen bilden die dem Kleinhandel dienende Strada Garibaldi, die vom Dom zur Porta Garibaldi zieht, der ihr parallele, doppelt so lange Corso und die diesem nordwärts parallele Strada Lincoln, die zwar 230 m. länger (1460 m.) 575 17. Catania (Lage und Leben der Stadt). 570 als die erste ist, aber im Westtheil so scharf bergan zieht, dass kein Wagen mehr fahrt. Wie die Strada Garibaldi eine anfängliche Schwellung in der symmetrischen, mit 3 2 antiken Marmorsäulen geschmückten Piazza 8. Filippo hat, so der Oorso an seinem Ausgang in der gewaltigen Piazza clella 8tatua, in welcher auf einer dem antiken Theater enthobenen Säule die Schutzpatronin der Stadt, S. Agata } mit dem Drachen der Pest zu Füssen, sicherhebt. Der gegen die folgende Querstrasse hin liegende Platz ist der weltlichen Festfreude geweiht und trägt das grösste Theater Italiens, die Arena Pacini. Meerwärts liegt hart an den gewaltigen Viadukten der Bahn der an die Wogen hin gebaute kleine, aber vegetativ reizende Garten Paccini und in umgekehrter Richtung nordwärts am Auslösungspunkt der Strada Stesicorea und Strada Etnea der ansteigende Giar- dino Bellini, an Vegetation und Aussicht gleich herrlich. Und diese moderne, so schön geputzte Stadt ist von den Kesten der ebenso bedeutenden antiken Stadt ganz durchsättigt, Amphitheater und Theater, Odeon, Thermen und Grabstätten, Aquädukte, antike Brunnen, Forum, Triumphbögen, Gymnasien, Cirken, Mauern haben noch Uebcrbleibsel hinterlassen, sowie auch selbst das Mittelalter trotz Erdbeben und Lavaströmen noch das alte imposante Kastell (Ursino) als Repräsentanten behielt. Freundlich, reinlich und heiter ist es in allen grösseren Strassen, und selbst in den Winkelgassen und in jenen einstöckigen, in Lavablöcken sich verlierenden ärmlichen Wohnungen nordwestlich vom Ende der Strada Garibaldi herrscht mehr Ordnung als irgendwo in ähnlichen Behausungen der Insel. Wer auf dem Schilf sich Catania nähert, übersieht mit einem Biick die herrliche landschaftliche Lage der Stadt, ringsum das stattliche Häuserrund, über welches die Kuppeln des Doms, der Benedet- tini und S. Agata’s aufragen, wellige Hügel mit der üppigsten Vegetation und das Dunkelgrün der Agrumenhaine, die, der sandigen Flaia entronnen, über alle mittleren Höhen in üppigster Entfaltung sich hinbreiten, von einem zweiten Grün der Kultur abgelöst, das an den Gehängen des Aetna sich hinanzieht, der in majestätischer Mächtigkeit unmittelbar hinter derStadt emporsteigt, aus seiner meist mit blendendem Schneemantel umhüllten Spitze grauschwarze oder weissliclie Rauchwolken in das tief gesättigte reine Himmelsblau entsendend. Süd), von der Stadt die riesigen, dunklen Zeugen der verheerenden Macht des Vulkans, seltsam gestaltete Felsenblöcke in kolossalen Haufen schwarzgrau ins grüne Meer hinausragend, das im ehemaligen Porto di Ulisse an die zerrissenen Massen hinanschäumt. Diese Doppelschau enthüllt zugleich die Doppelgeschiclitc der Stadt, den Segen und Zorn der Natur umher; von grossartigster Wirkung, namentlich r. vom Faro (am schönsten zu sehen, wenn man vom Castel Ursino der Strada S. Salvatore und ihrer Fortsetzung bis zumMeerfolgt). Die Stadt gehört auch zu den gebildetsten der Insel, nicht nur weil sie Provinzialhauptstadt (einer Provinz mit 63 Kommunen und 450,460 Seelen), Frzbis- thum (die Stadt hat 13 Pfarreien), Universitätsstadt (einst, als Messina und Palermo noch keine Universitäten hatten, mit über 2000 Studenten; jetzt nur noch mit 200—300) ist und selbst eine Corte di Appello hat, sondern weil hier der ganze Ton ein mehr ernster, Anstand und Würde hoch schätzender ist. Das Leben in den öffentlichen Lokalen, Cafes und Restaurants ist daher im allgemeinen weit weniger entwickelt als auf dem Festland, und man lernt die Catanesen nur in ihren Familien kennen. Es ist mehr Liebe fiir wissenschaftliche Bildung hier als selbst in Palermo, die Bürger aller Stände sind leutselig, angenehm, gesittet. Selbst das mit Recht verschrieene Volk derFacehini und Kutscher hat hier einen guten Ruf. Der Adel 7 von welchem über 80 Familien in Catania wohnen, ist nicht der prunkende Palcrmo’s, doch hält er in Wohnung, Kleidung und namentlich auch in Kutschen und Pferden viel auf den Adel der Erscheinung. Auch die Frauen haben meist etwas Ernstes und doch Anmuthi- ges; ihre Bildung ist vorzugsweise noch CATANIA MIT DEM AETNA &fjßk & 'W'aiaVW -- 9«w> rwi- ’'% r jt** 577 578 17. Catania (Lage und Leben der Stadt). die der frühem [Zeit, aber es herrscht durchweg ein Interesse für geistige Fragen. Die Geistlichkeit hat hier noch eifrige, ja leidenschaftliche Freunde und auf das kirchliche Leben wird sehr viel gehalten. Selbst bis in die kleinsten Tageshandlungen hinein dringt noch dieses geistliche Element, und wohl in keiner andern Stadt kann man so zahlreiche ältere Sittenzüge finden, die den geistlichen Einfluss darlegen (wie z. B. am Schluss der Karwoche, wenn dasKrucifix im Dom aufgestellt wird, alle Glocken läuten, Kanonen schiessen, Lärm die Strassen durchbraust, das plötzliche Durchklopfen der Matratzen durch die Weiber, die dazu schreien: »Esce, esce, cimice fetente Che rissiscuto Cristo ognipotente«; hinaus, hinaus ihr stinkenden Wanzen, denn Christus ist allmächtig auferstanden, u. a.). Die heitere Seite des Lebens sieht der Fremde namentlich in den wärmeren Monaten, in dem abendlichen Hin- und Herfluten der Bevölkerung auf den breiten Lavafliesen der Hauptstrassen und noch ausgeprägter in der Villa Bellini, wo im Sommer jeden Abend das oberste Plateau ein vom herrlichstenBlumen- und Blütenduft erfüllter und musikalischen Klängen geweihter Festsaal ist, voll von Volk und eleganter Welt, inmitten glänzender Gas - Illumination. Der Boden, auf welchem Catania steht, war wahrscheinlich ursprünglich nicht vulkanischer Natur. Am südlichen Fuss des Aetna, im ganzen Becken zwischen dem Golf von Catania und den Hügeln im N. der Stadt gehört der untere Boden der Tertiärbildung an und besteht hauptsächlich aus Thon, Kies und Sand. Der Aetnavulkan stammt aus einer spätem Zeit und seine Laven ergossen sich auf den schon vorliegenden Tertiärboden*, man findet daher in jenem Becken und besonders da, wo Catania steht, oberhalb des Sedimentärbodens eine Lavalage, über deren Alter die Ansichten nicht über- einstimmen. Es ist deshalb auch ungewiss, ob die antike Stadt auf den Sedimentärboden zunächst gebaut wurde, oder erst nachdem dieser mit Laven bedeckt worden. Gewiss ist, dass die Lava, welche Unter-Italien. II. den Tertiärboden im untern Theil der Stadt deckt, sehr verschieden von derjenigen ist, die man im obern Theil trifft; letztere scheint einer weit frühem Epoche anzugehören. Fast die gesammte Stadt ist jetzt ein Produkt des Vulkans, und während Hafen, Gärten, Mauern und ganze Strecken durch glühende Lavaströme zerstört wurden, erstanden die Strassenbekleidungen, die Kirchen, Paläste und Häuser, ja selbst die dekorativen Verzierungen auch aus Lava, und der Zerfall der Ströme umher war wieder der Boden der üppigsten Fruchtbarkeit. Selbst in die Kunst ist die Lava eingedrungen, und die Nippsachen aus »Lava des Aetna« zeichnen sich hier durch eine ungemeine Mannigfaltigkeit von Farbenabstufungen aus. Der Haupthandel Catania’s wendet sich vornehmlich den agrikolen Produkten seiner weiten Ebene und der reichen Gehänge des Aetna zu sowie dem Schwefel der bedeutenden Minen der Provinz und den Manufakturen der eigenen Arbeiter. Der Verkehr mit dem Innern ist ein reger; viele gute Fahrstrassen führen zu den Orten der grössten Produktion und die nach drei Richtungen ziehende Eisenbahn gab dem Handel eine raschere Entwickelung. — Der Hafen wird jetzt bedeutend erweitert, denn der ehemalige grössere Hafen, welcher dem Export des Getreides der Leontiner Ebene diente, wurde durch den Lavastrom von 10(59 in seine jetzigen kleinen Verhältnisse eingedämmt; 1792 wurde ein Molo aus Lava errichtet und durch Blöcke beschützt, ein Werk, das 1842 noch fortgesetzt ward; ein zweiter dem Kai paralleler Molo schliesst das kleine Becken der Darsena ein, an der Nordseite laufen die Mauern Karls V., ebenfalls von Lava, mit drei Thoren; gegen O. enden diese Mauern in das grosse Bastion von S. Salvatore und gegen die Mitte hin, jetzt diesseit des grossen Viadukts der Eisenbahn, liegt der einst so berühmte Palazzo Biscari } dessen Museum catanesischer und anderer sicili- scher höchst interessanter Antiquitäten leider der Wissenschaft und dem Kunstgenuss entzogen wurde. 19 579 17. Catania (Klima etc.). 580 Am Ende der Lava von 1(509, wo sie in pittoresker Form ins Meer strömt, stellt noch eine Villa Biscari (Scabbrosa) und jenseit des Campo Santo, wo die Lava koli- lenscliwarz und eisenhart sich wild auf- tluirmt, zieht eine Fahrstrasse hindurch, eine Ileihe kleiner Häuser mit Gärten zur Seite. Man versäume auch nicht, zumal wenn man zu Laude nach Catania gekommen ist, bei ruhigem Meer sich auf einer Barke so weit hinausfahren zu lassen, um diese ganze Partie mit Einem Blick umfassen und die mit dem Aetna liier gleichsam zusammenwaclisende Stadt von beiden Seiten beschauen zu können. Der Golf liefert treffliche Fische, Die geschätztesten sind: Der Mondfisch (luna), der Geiferfisch (lujni dirocca), der Külilerbarscli (turdu), der Stockfisch (merluzzu), die Rothfeder (trigghia di gramigna), der Schwertfisch (spadu), dann die spicara, aguggliia, luzzo, maz- zuni, zuraddu, pettini u. a. Der Fischfang beschäftigt in Catania gegen 2000 Personen. — Die Ebene von Catania (piano, di Catania), von ca. 350 QKil., im SW. der Stadt, bildet eine nur äusserst schwach geneigte Ebene, so dass der Sinuto, der sie durclifliesst (und in welchem man den so geschätzten sicilischen Bernstein findet, der fürmannigfacheKunstarbeiten verwendet wird), einen äusserst langsamen Lauf hat und oft in die Ebene aus- tritt. Im Sommer ist diese ganze Ebene von Malaria inficirt, aber von der ergiebigsten Fruchtbarkeit (in günstigen Jahren 20 —24facli). — Die Stadt hat keine Malaria, aber die Hitze im Sommer ist sehr bedeutend. Das Klima ist gesund, und die jüngste Zahlung ergab auf 84,397 Eiivw. 1032 von (50 Jahren; 519 von 70; 249 von 80; 4(5 von 85; 37 von 90; 7 von 95; 0 von 100; 2 von 101; 2 von 102 Jahren. Die mittlere Baro- meterhölie (0<> im Niveau des Meers) beträgt 7ß3/i mm.; die mittlere Temperatur 18,53; Morgens 9 Uhr 18,27, Mittags 19,26; das Maximum der Temperatur im Schatten und im N. 38, während des Scirocco 45; das Minimum — 1°; die mittlere tägliche Variation 8.5. Heitere Tage zählt Catania 210; wolkige, ohne oder mit Regen 110; liegentage 45; die Temperatur des Meers an der Oberfläche beträgt im Maximum 27,6, Minimum 11.5, mittlere 19,5; die relative Feuchtigkeit ; Minimum 0,24, mittlere 0,70; Spannung der Wasserdämpfe: Maximum 18 mm., Minimum 4, mittlere 12; die Regenmenge: Maximum 4000, Minimum 600, mittlere 1800. Die meteorologischen Beobachtungen wurden von Professor Boltschhan^er (einem Schweizer, Professor der Physik) seit 1865 am meteorologischen Observatorium der Universität, das 31 m. über der MeerestUiclie liegt, aufs sorgfältigste angcstellt, so dass Catania, das die ausgeaeichnebte IVinierstation für HespimtiomUhlen ist, sich der exaktesten Beobachtungen erfreut. Die Cioita, der tiefste, dem Meer am nächsten gelogene Stadttheil, wendet sich den warmen ‘Winden direkt zu und ist ganz geschützt vor kalten Winden; die Höhe der BenedetUni, von allen Seiten frei, und die höchste Partio des Borgo , auf ansteigendem Gehänge dem S. zugewandt, differiren in der Temperatur um ca. 2°. Die Beobachtungen am Observatorium halten daher dio Mitte: sie ergaben: Januar 11, Februar 10,9, März 13,7, April 15,3, Mai 20,1, Juni 21,3, Juli 27,2, August 27,4, September 24,5, Oktober 20,5, November 16,2, December 12,so. Gesummtes Jahr 18,60. Diese mittleren Grade sind so stabil, dass sie während 10 Jahren in keinem Monat mehr als 2 Centigr. varii- ren. Die Tagestemperatur ist begreiflich wechselnder, je nach der Ruhe oder Wind- bewegung der Luft. Zwischen den extremen Temperaturen jeden Monats ergibt sich während 10 Jahren eine Differenz von 10 bis 15° in den kältesten und in den wärmsten Monaten, 14—170 im April, März, Oktober, November. Die Temperatur bewegt sich insofern in folgender kkala: im Januar und .Februar zwischen 3—17° (die Zerotemperatur [des schmelzenden Eises] hat man seit 1865 nur zweimal beobachtet); im März 5—22, im April 7—24, im Mai 12-27, Juni 16—30, Juli und August 19—34, September 16—30, Oktober 10—23, November 8—24, December S—19°. Die täglichen Variationen der Temperatur überschreiten selten 8° in den heissesten, 9—10° in den anderen Monaten. Da selbst der Fremde für solchen Wechsel weit empfindlicher wird als in der nordischen Heimat, so hat auch er sich, wie die Einwohner von Catania, im Herbst und Frühling mit einem Plaid oder schützenden Kleidungsstück zu versehen. Empfindliche sollen in Zimmern, die dem 8. zugewandt sind, den täglichen Verschluss von Thiiren und Fenstern je nach der ein- fallenden Sonne reguliren und in kälteren Tagen Abends vom Ofen Gebrauch machen. Von Morgens 6 Uhr bis Sonnenuntergang übersteigt die Temperatur die mittlere fast immer; sie erreicht das Maximum zwischen 1 und .2 Uhr Mittags und das Minimum /AVi- schen 1 und 2 Uhr Nachts. Die TFeiterlceU de s Himmeln hat wesentlich zum Prädikat der »Bella Catania« mit- geholfon, denn im ganzen südlichen Europa sind die schönen Tage nirgends zahlreicher als in Catania. Auch die liegentage streiten sich meist zwischen Wasserfluten und durchbrechender Üonne. Drei oder vier Tage liegen 581 17. Catania (Klima etc.). 582 hinter einander sind so selten, dass man sie höchstens zweimal des Jahrs beobachtet. Auf März, November, December fallen zwölf heitere oder fast heitere Tage, zwölf ohne liegen oder mit wenig liegen, 6 Regentage; Januar, Februar, April, Oktober 16 heitere, 10 ohne Regen, 4 mit Regen; Mai und September 1«, 10, 2—3; Juni, Juli, August 25, 5, 1. — Die relative Feuchtigkeit ist in Catania das unbeständigste aller klimato- logisehen Elemente und erfährt oft an demselben Tag sehr beträchtlichen Wechsel (von 0,20 — 0,30 sehr oft im Winter). Obschon die Spannung nis. Rapisardi von Catania, 1842. — Gegenüber, niederwärts neben dem Findelhaus (dem frühem Jesuitenkollegium, eiuem viergeschossigen Prachtbau, im Hof mit einer Porticus von 24 Luma- chella- Säulen), das mit Unterriehtszim- mern und Werkstätten verbunden ist, folgt die au Marmor, Achat und Jaspis überreiche ehemalige JesuitenJcirche und daneben S. BcnedcttO mit einer Thür, auf welcher das Leben S. Benedikts reliefirt ist (die Decke mit heiteren Fresken, Leben S. Benedikts, von Giovanni Tuccari aus Messina, 1700; 1. Altar r.: Francesco la Monaca aus Catania, Immacolata). — Dann weiter niederwärts kommt man nach S. Francesco (C 5) auf dem grossen Platz, der an den Corso Vittorio Erna- miele stösst (1.), mit Freitreppe davor. Am 1. Altar im linken Seitenschiff: * Vignerius, Kreuztragung (raffaelesk), 1541. Die Freskofiguren an den Kuppelecken von Francesco Sozzi von Catania. — Auch die Bilder der Kapellen sind von Katanosern: Verlöbnis Mariä, von Gramigrani; — Bona- Ventura, von Zacc< «; — Joseph von Caper- tino, von llapiscirdi. An der Hinterseite des ehemaligen Klosters .S- Francesco ist ein Weinkeller, wo noch ein schmales antikes Ziegelgewölbe auf Lavamauern (die auch nach der Strasse zu sichtbar sind) und ein Stück antiker Treppe erhalten ist. Dem Korso folgend, kommt man ostwärts zum. Pomplatz zurück. II. Tour. Vom Domplatz (C 5) nordwärts tritt man in die Via Stesico- rca, die saramt ihrer Fortsetzung (jen- seit der Villa Bellini) der Via Etnea eine 2800 m. lauge, gerade Strasse von S. nach N. gegen den Aetna hin (und in der zweiten Hälfte mit voller Aussicht auf denselben) bildet, Nachts bei Gasbeleuchtung eine der schönsten Städtestrassen Europa’s, mit breiten Lavafliesen und röthlichen, von durchgehenden, weissen Rustikapilastern und vierfach über einander aufsteigenden ausgebauchten Baikonen durchzogenen Häuserfa^aden. — Hier 1., mit der Südfo^ade noch am Domplatz, ist der Pal. Coinunale (C 5), 1741 an Stelle des 1698 durch das Erdbeben zerstörten Pal. Senatorio erbaut. Das Volk nennt ihn La logg tu, von dev alten Sitte der Zusammenkünfte der Munici- palmagistrate in den Loggien. — Eine stattliche Marmortreppe führt in den grossen, 20 m. langen und 13 m. breiten Saal, in welchem einige gute Gemälde sind, z. B. S. Christophor, von Novelli (auch eine Sammlung von Bildnissen der Philosophen des Alterthums findet sich hier). Dann folgt die Piazza degli Studii, ein Viereck von je 66 m. Seitenlange; 1. am Eingang die Post; an der rechten Langseite (Nordende) der stattliche Palazzo del Marchese Giuliano (unten mit dem Grand Cafe). An der linken Langseite die Universität (C 5), mit der Aufschrift: »Siculorum Gymnasium«. Tm Erdgeschoss r. das Lesekabinet der Accad'“mia Gioenia, die 1324 gegründet, schon durch den Kamen des grossen Naturalisten Gioeni (1720 — 78) ihre Studien andeutet, die besonders dem Aetna und seiner Umgebung sowie den Produkten des nahen Meers gewidmet sind. Das grossartige und elegante Gebäude wurde 1780 errichtet und 1818 völlig restauriert. Im 1. Geschoss sind die Bibliothek, die Aula, die Chemicschule und einige llövsale; im 2. Geschoss das physikalische Kabiuet, das metereologischo Observatorium, die anatomische, zoologische, ^mineralogische und * geologische Sammlung. Die Universität wurde schon 1444 nach dem Vorbild der bolognesischen errichtet, und zwischen 1790—1806 von mehr als 2000 Studenten besucht. Jetzt haben die Gründung der Universitäten zu Palermo und zu Messin a uud die politischen Zustände Sieiliens die Zahl bis auf 200 herabgesetzt. Die Bibliothek (geöffnet tägl., ausser an Festtagen, 10—3 Uhr), 1755 gegründet, zählt ca. 50,000 Bände, darunter viele Inkunabeln , der Orto Secco , Manuskript des berühmten Botanikers Francesco Cupani(17. Jalirli.), ein Pergamentkodex mit gothischen Lettern, betitelt: Gonsuetndines Civitatis öa- taniae; die erste, sehr seltene Ausgabe des Iloraz; Quintilian von 1471 (Venedig), Seneca von 1475 (Neapel); Aulus Gcllius von 1472; 002 coi 17. Catania (Amphitheater - Santo Carcere). Pliniuc von 1480,* ein Verlarium Apulei Pla- tonier mit Holzschnitten, gedruckt bei De Signamune, Messina 1478; die zwei Aus* gaben des Trojanischen Kriegs, herausge- geben in Messina 1498 und 1499, u. a. — In der Abtheilung » Ventimiliana«, ein hebräischer Pentateuch von 1491 (Lissabon). Es folgt die grosse Querstrasse, Strada Lincoln (dei quattro cantoni), 1460 in. lang, r. einen interessanten Durchschnitt durch die uralte Lava eröffnend, die hier zur Erlangung einer ebenen Strasse in so tiefen Lagen blossgelegt wurde, dass jetzt Holztreppen zu den Wohnungen angelegt werden mussten, an deren Stelle nun neue Fa^aden kommen. — L. hinauf zieht sich die Strasse so steil bergan, dass sie für Kutschen unzugänglich ist. Hier liegt 1. (Nr. 281) der Pal. Tremestieri, neben und unter welchem manche antihe Baureste sich vorfinden. Koste von 15 parallelen Mauern, 11 m. dick, 37Va m. lang, 2 ! /4in. von einander entfernt, im O. über die Strasse hervorragend; sie werden von drei anderen Mauern rechtwinklig durchschnitten; es scheinen Sub- struktionen von Garfcenanlagen gewesen zu sein; an der Südseite des Palazzo ist eine vermauerte antike Thür. Nahe beim Ostende der Via Lincoln liegt die Arena Pacini (Piazza Nuova- luce, D 5). Anfangs unter dem Namen der Maria Teresa aufgebaut, weil diese Königin 1888 sich drei Tage in Catania aufgehalten hatte, aber der Entwurf war so grossartig, dass der Bau unvollendet blieb. Jetzt hat man ihn wieder aufgenommen und er soll in zwei Jahren vollendet sein, und zwar in einer Weise, dass sich Catania rühmen kann, eines der schönsten und besteingeriehteten Theater Italiens zu besitzen. Die Via Stesicorea führt weiter an der (1.) Präfelctur vorbei, einem Umbau des Minoritenklostcrs; im Erdgeschoss das auch für Fremde zugängliche Lesekabi- net Fanoi. Es folgt die Piazza Stesicorea (C 4), die ihren Namen von dem alten, nahebei begrabenen griechischen Philosophen und Dichter Stesiclioros erhielt. Es ist der hübscheste Platz Catania’s, mit Bäumen bepflanzt, mit Gaslaternen bereichert, und von stattlichen Palazzi umgrenzt (z. B. Nordseite r. der [Nr. 38] Pal. del Marchese 'l'oscano). Er bildet ein Trapez von 195 m. Länge und 56 m. Breite, und nimmt im W. einen Tlieil des antiken Amphitheaters ein. Geht man den Platz westwärts hinan, so führt (an der Südseite nach Nr. 11) die erste Strasse 1. und in dieser das zweite Gässchen r. (Vico Anfiteatro) zu den (durch ein Gitter, zu dem der Kustode des griechischen Theaters die Schlüssel hat) zugänglichen Kesten des antiken Amphitheaters (C 4). Man sieht noch von der Aussenmauer ein aus grossen Bogenreihen gebildetes Stück des untern Geschosses sowie die von da bis in die Arena sich an einander anschliessenden Gewölbe (über denen sich die Zuschauersitze und zweite Bogengänge befanden). Das Amphitheater war eines der grössten; grosse Axe, aussen 124 m., innen 69 m.; kleine Axe, aussen 102 m., innen 49V2 m.; Umkreis, aussen 380 m., innen 187 in. — Die Arena hatte eine mehr kreisförmige Gestalt und wurde an Grösse nur von der des Kolosseums übertroffen; aber der Zuschauerraum fasste nur 15,000 Sitzplätze (Verona 22,000), wobei freilich ebenso viele Stehplätze auf den oberen Holzgerüsten hinzukamen. Die Mauern sind aus Gusswerk errichtet; zur Bekleidung wurden schöne Lavaquadern verwendet, aus denen auch die Kapitale unter den Backsteinbögen bestehen; die Sitze waren aus Kalkstein. Die schwarzen Lavablöcke verwandte Graf Roger (Ende 11. Jahrli.) zum Dombau, wo man sie noch an der Aussenseite des Chors sieht. — Das Amphitheater hatte, weil es aussen an die Stadtmauer stiess, schon frühzeitig viel zu leiden und wurde melmnals auf Senats- befehl der höheren Theile beraubt; den liest zerstörte das Erdbeben von 1693. Es stammt aus der Zeit, als Catania römische Kolonie war, und bezeugt durch seine Grösse die damalige Blüte der Stadt; 498 n. Chr. war es schon so verfallen, dass die Kataneser dem König Theoderieli das Gesuch eingaben, die herabgefallenen Steine zum Bau der Stadtmauer verwenden zu dürfen. In dem nahen S. Antonio liegt ein Badezimmer unter Neubauten versteckt. Zurück zur Piazza Stesicorea. Die westliche Seite dieses Platzes nimmt die Kirche Carcarella (C 4) ein, in welcher der Ofen (calcara) für das Martyrium S. Aga- tha’s, Scliutzpatronin Catania’s, aufbe- walirt wird. — K. an der Carcarella hinan führt der erste Recess 1. zur Kirche: * Santo Carcere (B 4), d. h. Kerker S. Agatha’s; die moderne Kirche hat ein sehr interessantes, wohl aus Graf Rogers Zeit stammendes Portal, das aus dem Dom an dem Pallazzo pubblico nnd dann hierher kam, ganz aus weissem Marmor, cos 17 . Catania (Villa Iiellhii). cot mit Rundbögen, mit einer Reihe skulpir- ter Ilalbringe, Thier - und Blätter-Sluüp- turen an den Pfosten; die Panele über dem Bogen rund und viereckig, mit Sternen und Drachen in Relief. Schnaase: »Das Portal ist ganz von abendländischer Anlage, auf jeder Seite mit drei zurlicktretenden Säulen, deren Stämme sebaehbretartig oder mit Zickzack verziert, deren Arcliivolten mit stark vertieften Rinnen gegliedert sind, aber die Ausführung trägt den südlichen Charakter, die Kapitale sind korintliisirend, am Fuss der Bögen freie Blattornamente; dieBearbeituug des weissen Marmors verrätli den griechischen (byzanti- machen) Meissei«. Zurück zur Quaderstrassc, und diese r. hinan, kommt man nach 8. Domenico (B 4) liier die Querstrasse 1., im ßecess 1., nach 8. Agata la vetere (wo die älteste Kathedrale stand); in dem ^griechischen Sarkophag (mit Figuren) soll S. Agatha geruht haben. Nach S. Domenico zurück und an der linken Langseite der Kirche entlang, führt die Strada nuova nach 5 Min. nach (x. von der Villa Carcheci) S. Maria di Oesu (PI. B 6), von deren noiunannischem Ban 1. neben dem Eingang noch ein mit Lava eingefasstes Lanzetfenster erhalten ist, sowie in der 1. Capp. 1. (Manganelli) ein normannischer Rundbogen; die Thür dieser Capp. ist von 1519, mit Reliefs; die Pieta, in der Lünette wahrscheinlich von Gagini; auch die Büste (in der Capp.) des Don Alverno Paterno (gest. 1518) ist in der Art Gagini’s (sie soll in den Palast der Familie zurückversetzt werden). Am achteckigen Klosterbrunnen sind ebenfalls Renaissance-Reliefs. In der anliegenden Sdva (die Schlüssel hat der Kustode des griechischen Theaters) sind zwei antike Gräber; das linke ein Rechteck mit Nischen von verschiedener Grösse; das rechte rund mit vier Nischen, das spitz zulaufende Gewölbe aus Reihen von Lavasteinen; das Obergeschoss hatte nach O. eine offene Halle mit zwei Halbsäulen. — Südwärts im Garten der Minoriten ist ein antikes Grabgewölbe mit zwei Bogennisclien für Urnen erhalten. In der Kirche della Mecca ist ein (unter- irdisches) antikes Coltmbarium mit lSNischen. Zurück zur Piazza Stcsicorea, und der Via Stesicorea weiter entlang führt (nach Kr. 143 1., dem Vico Costarelli gegenüber) ein Bogen und eine kurze Strasse zu einem Querweg, auf dem man 1. sogleich nach 8.Etipl-io (C4)kommt;hier ist ein antiker viereckiger Grabraum mit viereckigen Nischen. (Die Strassen nördl. Und üsth von da ziehen über eine Menge antiker, jetzt wieder verschütteter Gräber.) Zurück zur Via Stcsicorea, und nordwärts weiter folgt nach wenigen Schritten die schone **Villa Bellini (B C 4), der öffentliche Garten, ein Unicum in seiner herrlichen Lage, mit vollem Blick auf die ganze Ostfront des Aetna und auf die mit der herrlichsten Südvegetation besäete, in langer Linie am Fuss des Aetna hin- ziehende, ewiggrune llügelreihe. Ostwärts hat man den Blick auf die Stadt und einen Streifen des Meers. Im Garten gedeiht eine Fülle von Agrumen, es blüht die Palme, und selbst der ägyptische Papyrus erhebt seine Quirle aus dem obern Wasserbecken. In der untern ansteigenden Abfcheiliuig steht in der Mitte die Büste des in Catania 3. Nov. 1801 gebornen berühmten Opernkomponisten Vincemo Bellini, und dahinter sprudelt ein Springbrunnen über einem mit reichster Vegetation umkränzten Wasserbecken. An der obern Terrasse folgen in der Mitte jene (sonst nur noch in Syrakus an der Kyano wachsenden) Papyrusbinsen in einem kleinern Wasserbecken/ Zu oberst dehnt sich die Fläche des Belvedere mit bronzenen Zierstatuen und den Einrichtungen für die an den Sommerabenden liier spielende Musik hin; etwas tiefer dahinter schliesst den Garäen ein mit Fliesen belegter Korridor, in welchem zwischen immergrünen Gewächsen die von jungen Kataueser Künstlern skulpirten Marmorbüsten der berühmtesten Kataneser eine zauberhaft schöne *Kunstlaubc bilden, längs welcher man, von S. nach N. vorschreitend, den Aetna in der herrlichsten Umrahmung als Hintergrund stets sich gegenüber hat. Es folgen sich 1. Ste- sichorus; — r. Oharondas ;— 1. Abbate Vito Amico (geb. 1697,gest. 1762, Benediktiner, Archäolog, Verfasser der Catana illustrata 1716); — r. Fürst Biscuri (geb. 1719, gest. 1786), der berühmte Sammler der Alterthümer und Förderer der Ausgrabungen, dem Goethe in seiner »Italienischen Reise« ein schönes Denkmal gesetzt); — 1. Giuseppe Recupero (geh. 1720, gest. 1776); ausgezeichneter Naturalist, Verfasser einer (ungedruckten) vortrefflichen Arbeit über den Aetna; — r. Vincemo Tc~ deschi (geb. 1786; gest. 1859; von ihm auch eine Büste in Medaillon an der Hausfa<;.ade Corso Vittorio Email. Nr. 100); — 1. Carlo Ge- mellaro (geb. 1787, gest. 1866, der allbekannte Aetnakundige in Nicolosi); — r. Giuseppe Gioeni (geb. 1747, gest. 1822, trefflicher Naturalist, Verfasser der Litologia Vesuviana; seine minei*alogische Sammlung bewahrt die Universität); — 1. Mario Gutvlli (geb. 1586, gest. 1654, königl. Rath und Gründer des Collegio Cutelli am Korso, eine Erziehungsanstalt, die einst nur den Nachkommen des 37’MfÖ'ydrdLBp Carcacitf m\ \ ittoccadel DER AETNA und seine Umgebung l Malsstab 1 : 250 , 000 . Kilom e ter. _ 3 i 6 6 7 s g £cuiro L 9 *■«■. . ■ : 'ßß.v ! m* v " SUuogUa niacfterottd ’Sgp*'“»','^»q>S ; |x H; s v- ^•MV'.Älä.W Serradi Smvxaritc . V. v ^s Sfezöd 8 i aV* ?' im* A n.t i c a ß^CasaFelicLosa, *V ' 1^4 s t^5fö^S. .'-•&, \ Csv/ \ v*» 4 'V ysf ft»*. \ 'IW^.ToVftQ \ Sipp« T!i^fiunäira«co £ a ^ a - ’pilli TIt^ ^-t^WJFöntiijmU. '.“'jilLte5£al$5$w''-'■'- ; : ';> . S'-ifcs* s|M®55jj^'V; : ' 4 ' '»® uco T '' ■ ,; , -tp&C niXSote • / ‘jtofcca ’-T^ß' -\ laijpci t^opsc ÄSomrna >taa JWttaie ^» '-. ;i!K!»!>,''v\ Mt • ; “l4Sad.!809|^' 'm!?8 > aU>mba\ , .-'.^ SfcSkVJÄ | ■. "tk rw *9)0 -i-v • ' V f'.ntnnpKc ITl ^TUthj r x W^SVefalucii ' V> "^^“ned!erui iliei>p de > 1536^ L-®olce t - 4X-J 1 -mks.s: Ctu-co^ 'älajrrdSt .. QBel&aAso Vec •im.™ m: «mim» ;5 42*4ssSSS-iSiic%fe>?® -ii'K'H- ^"STOffih1So"' : l ''^b:v,- - f - Si M.r"0 i-inü •.. 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L^Selim R *ni^3pom4 Slnguflp'uui scaiu fticiarpa-* oataai^^niW .Trftdasta Scorcia*? jpSofla -. 0A^ata .8iffl i 74//J-S1 ''XüialL^g tonnüo 7e?'Ä U iS,V TfÄ/TI ßadix^$L *ff Afaa^^W^'^^maborsß. ilascal D n Sand, 1802 brach im November ein Strom ' in der Collina der Valle del Barone hinter ■ der llocca di Musurra aus, und die Lava 1 durchmass anfangs 2 Migl. in 1 Stunde, theilte sich bei Curmi in zwei Arme, die bald sistirten; aus dem Gipfelkratcr drangen ungeheurer Rauch und schlacken, auch Stücke alter Lava; — 1805 flammte der Berg während 28 Tagen, der Krater mass damals 657 Canne siciliane im Umkreis und 150 in der Tiefe, war im Grund eben, an der Langseite mehrfach parallel gespalten und zeigte zwei tiefe, runde Schlünde von 2 Canne Durchmesser und 30 Entfernung. In den Zwischenzeiten der Eruption konnte man die vielerlei vulkanischen Schichten an öen Wänden beobachten, die mit schwefeligen, salzigen und ammonialischen Efflorescenzen inkrustirt waren; im Innern bildete sich' ein kegelförmiger Kraterberg in dem Westschlunde , der mit der Ostseite des grossen Kraters im Kontakt stand, von wo aus Gem- melluro am 16. Aug. hinabsteigen und den Lavastrom messen konnte (er war 8 Canne 1 breit, 2 hoch, 25 lang, und 201° Fahrenheit warm, schwarz, porös mit Feldspatkrystal- len und schwarzem Schörl; der Krater des Kegels war 18 C. tief und hatte 42 C. Umkreis). — 1800 fand nun eine gewaltige Erup- . tion statt. Erdstösse bis Linguaglossa gingen voraus, dann brach eine 126 Canne weite ; Oeffnung im NO. auf und eine kolossale Masse von Sand, alter Lava, Schlacke und i Asche begleitete den austretenden Lava- , ström, der nach N., dann nach NW. floss und am 1. April beim Monte S. Maria still stand, 3 Miglien weit von seinem Ursprung. : Gleichzeitig warf der Gipfelkrater Flammen, : Rauch und Asche aus. Am 28 . März unter ; stetem Erzittern der Erde öffneten sich in [ der obern Region in einer Strecke von ! 3 Miglien neun andere Bocche fast in gera- i der Linie, vier am Piano dell’ Etna gegen N., fünf an den Tacehe di Coriazzo, alle Rauch, Flammen, Asche und alte Schlacken j liervorstossend. Am 29 ., ^2 St. nach Sonnenuntergang, öffnete sich unterhalb Monte : Rosso in der Cerchiera nach dem heftigsten ' Erdbeben der Vulkan auf weiter Strecke, aus über 2b Mäulern schossen Flammen, Steine, Schlacken, Asche, Sand hervor und ein ungeheurer Lavastrom stürzte nach und ; in das grosse Vallone gegen Linguaglossa hinab. Die Lava floss bis zum 9. April, verwüstete die Vignen und Anpflanzungen des Barons Cali und kam bis auf 16 C. vor sein Kasino, brachte auch den Besitzungen des Barons Cairnone Schaden. — 1810 stiess der Aetna 21 Tage lang dicken Rauch aus, am 16. Febr. erschütterte ein heftiges Erdbeben Catania und Messina; gleichzeitig erschien ein leuchtendes Meteor, welches den Berg erhellte und am Gipfel des Aetna verschwand. Ende December spie der Kegelkrater sechs Tage lang Feuer, sein Saum stürzte nach ) innen, verstopfte den Schlund, und man i konnte ohne Gefahr aut demselben wandeln. — Dann folgte 1811 am 16. Febr. wieder ein starker Ausbruch von Flammen aus dem Gipfelkrater, welche den Vulkan bis zu den tieferen Gehängen erleuchteten. Starke Erdstösse erschütterten Catania und Messina, ein Glutstrom floss aus einer Oeffnung im Val del Bove ain Fuss der Con- cazze. — 1810 war noch ein stärkerer Ausbruch. Am 27. Mai öffnete sich der Vulkan- an zwei Orten, in der Sciara del Filosofo, bei der Vaile del Bove, wo sich vier Krater bildeten; drei derselben warfen sogleich ungeheuren Rauch aus, voll Schlacken, Sand und Asche, der sich als Pinie erhob und die Richtung nach O. einschlug. Zu gleicher Zeit brach zu gewaltiger Höhe eine enorme Menge dicklicher Lava aus, welche an der Luft sich zu Kugelform ballte und in den Krater oder auf den. Saum desselben zurückgeworfen wurde. Der vierte Krater blieb klein. Der Berg öffnete sich auch in der Contrada di Giannicola, wo ein grosser Lavastrom der Valle Giannicola zulief. Am 28. rückte die Lava in grosser Eile in das Piano del Trifoglietto und kam Abends in das Piano delli Rivittoli, 4 Miglien vom Ursprung. Indess fuhren die vier Krater der Sciara del Filosofo fort, Massen auszuschleudern. Tags darauf zog die Lava ins Valle del Cirrazzo und füllte es aus, der Strom kam am 1. Juni in das Piano von Calauna und stand hier still. Am 11. Juni öffnete sich der Vulkan an zehn anderen Orten, über dem Krater von Giannicola und in der Nähe des Kraters der Sciara. Aus der ersten Oeffnung drang Rauch und Sand, aus der zweiten ein kleiner Lavastrom. Die Lava aus dem Giannicolakrater zog in das Piano del Trifoglietto und stürzte sich dann in das Piano von Calanna. Die Eruption endigte am 5. Aug. — 1831 brachen im Februar Sand, Flammen und Schlacken hervor, vom 1.—15. März intormittirende Sandexplosionen, am 4. war der Gipfelkrater voll von Schlacken und Sand, und die Lava erging sich darüber und bildete eine Art regelmässigen, glatten Fussbodens; dann bedeckten sich die alten Schlünde und drei öffneten sich an verschiedenen Stellen; die zwei nächsten am Westgipfel warfen grosse Hau- feu von Sand unter starkem Krachen aus. Am 4. April trat Lava aus dem überfüllten Krater auf der Nordseite über und floss bis zum Mittag des folgenden Tages. Am 30. Sept. stob sehr feiner vulkanischer Sand weithin, Erdstösse folgten, besonders wurde Acireale erschüttert. Am 30. Sept. stürzte der Westrand in den Schlund zurück und der ganze Gipfelkrater war übervoll. — Dann 1832 erfolgten vom 31. Okt. bis 17. Nov. zwei Seitenausbrüche der Lava, der eine am Fuss des obern Kegels 2790 in. ü. M., 2 Miglien lang, der andere in der Nähe des Monte Lepre auf der Nordwestseite 1860 in. Ü. M. Dieser legte in 16 Tagen 10 Miglien zurück, wälzte sich 144 m. breit und 6 in. hoch durch den Wald von Bronte, zerstörte grosse Strecken angebaulen Landes und 635 iS. Der Aetna (Ausbrüche von 1833—18D5). 636 bedrohte die Stadt, zu deren Schutz Dämme | aufgeworfen wurden, stockte dann aber J 1 Miglie vor derselben. — 1833 begannen ■ an der Torre del Filosofo Einstürze, wodurch I der Thurm selbst mehrere Fuss hinabsank. [ Die Einstürze durchsetzten das Lavafeld I um den Aschenkegel und zogen sich in ge- J rader Linie bis zum Ilauptkrater hinan, wo ; sie sich in dessen innere (der Bronte zu- gewaudten) Seite verloren. Der grösste die- \ ser Einstürze bildete auf dem südöstlichen 1 llan.de des Kraters eine elliptische Oeffnung ; von 90 m. Durchmesser und unermesslicher j Tiefe. — 1838 fanden kleine Ausbrüche statt, 1 am 2. Aug. strömte die Lava aus dem ' Hauptkrater gegen die Casa inglese herab i und überschüttete den 1809 in der Valle ! Calanna entstandenen Kegel. — Auch 1842 j drang die Lava an der Südseite gegen die i Casa inglese hin, traf aber den Strom von ' 1787, der sie ableitete. Ein zweiter Strom ■ drang mit zwei Armen gegen Bronte hin in . die dortige Waidregion. In der Nacht auf den 1. Dec. stürzte der Krater ein; am 4. entstand an seiner Nordwestseite eine neue Mündung und bildete eine 1300 m. hohe , Pinie. — 1843 brach am 17. Nov. ein Lava- j ström an der Westseite der deserten Region : aus 15 Oeffnungen hervor und erreichte ; schon den folgenden Tag die angebaute i Gegend. Bald darauf stürzte die östliche I Wand des Hauptkraters ein; am 24. über- ' schritt der Strom die Landstrasse von Adernö nach Bronte. Die Landleute eilten, die Reben, Oel- und Fruchtbäume zu fällen, um doch das Holz noch zu retten, ehe der Feuerstrom den Teich erreichte, durch den sie sich vorerst für geschützt hielten. Aber als die Lava den steilen Abhang erreichte, stürzte sie plötzlich in den Teich; der Glutstrom verwandelte das eingefangene Wasser eben so rasch in Dampf und es erfolgte eine fürchterliche Explosion, tödtete über 30 Menschen und brachte anderen schwere Wunden bei. Ueber den Ausbruch von 1852 berichtet Dr. Mercurio zu Giarre (übersetzt vonBalzer 1874): In der Nacht des 20. Aug. ertönte um 1 Uhr ein dumpfes unterirdisches Donnern; die Erde erbebte, gewaltige Steine stürzten von der hohen Serra hinab. An der Serra di Giannicola bildeten sich 17 zum Theil lange Spalten, aus denen schwarzer Rauch und glühende Steine ausgestossen wurden. Das Meer zog sich vom Strand zurück, erhob sich dann flutend und kehrte wieder zu seinem gewöhnlichen Stand zurück. Das Donnern des Bergs dauerte zwei Tage, liess dann nach und begann aufs neue. Die Eruption beschränkte sich jetzt auf die tiefer liegenden Spalten. Nun öffneten sich in der Valle del Bove zwei grosse Schlünde, St. von einander, der eine am Fus.s der Serra di Giannicola, der andere nordwestl. vom Monte Calanna. Jener ergoss Lava, dieser warf Steine aus. In wenigen Stunden nach Beginn des Lavafliessens war der zweite Theil ein Feuersce. Der Strom erreichte den Fuss des Zoccolaro und erschütterte während zweier Tage seine Grundfesten, gewaltige Blöcke stürzten in die Tiefe. Nach zehn Tagen stand die Lava auf der ganzen Linie Zafferana-Milo. Während der ersten Tage der Eruption stiess der Gipfelkrater Dampf- und Rauchmassen aus, welche den ganzen Berg verhüllten. Durch diese Finsternis sah man von Zeit zu Zeit ein vom Gipfel ausgehendes Leuchten. Der ganze Horizont von Giarre war durch Asche verfinstert, welche mit Regengüssen niedergeführt wurde. Die Vegetation nahm grossen Schaden weit herum. Ein Regen fiel, welcher (aus der schwefligen Säure im Beisein von Wasser und Luft gebildete) Schwefelsäure enthielt und die Blätter schwärzte und verbrannte. Dann nahmen die Erscheinungen ab. Am 7. Sept. ertönten plötzlich neue heftigere Donner- schlage; ein neuer Schlund öffnete sich neben dem ersten an der Giannicola und stiess Lava aus, welche mit grosser Schnelligkeit sich durch die Valle del Bove wälzte und bis Milo hinabstürzte. Am 8. Sept. Morgens erschien die Flur von Giarre plötzlich weiss von Salzüberzug, wie auch die glühenden Blöcke, in welche der Lavastrom bis Milo zerfiel, mit einer Salzrinde überzogen waren. Am 14. Sept. neue Detonation und ein dritter Krater neben jenen beiden; die Laven erfüllten den nördlichen Theil des Valle del Bove, stürzten über die Lava von 1811 und verwüsteten, bis zur Regione colti- vata vordringend, viele Fluren. Doch stand auch dieser Strom vor Milo still. Der letzte Krater öffnete sich am 27. Okt. und ergoss Lava intermittirend bis gegen Eude Januar 1853. Die grosse Eruption von 1865 hat Sil- vestri (Professor in Catania; übersetzt von vom Rath 1870) beschrieben. Schon in der ersten Hälfte des Mai 1863 stieg aus dem Hauptkrater Rauch, in der Nacht leuchtend (wonach also in der Tiefe glühende Massen vorhanden waren) empor, von feinem vulkanischen Sand begleitet. Ixn Juni und Juli •wiederholten sich die Rauchent- wickelungen mit Detonationen, am 7. Juli flogen gx’osse und kleine Schlacken in die Höhe, letztere bis nach Catania und Syrakus vom Wind fortgetragen; bei Catania lag der feine schwarze Sand einige Centimeter hoch. Steine von ca. 40 Kubikcm. stürzten auf die Casa Inglese und verbrannten sie. Der Boden und die Wände des Gipfelkraters wurden zerrissen und die zersetzten Blöcke der alten Lavamassen durch die Dampfexplosionen bis an den Fuss des Centralkegels geworfen; sie sahen im Vergleich mit den schwarzen Schlacken ganz weiss- üch aus, weil der Chlorwasserstoff, die schweflige Säure und der Schwefelwasserstoff diese Blöcke in Chlorverbindungen des Eisens, von Gips und thonigen Massen umgewandelt hatten. Am 8. Juli dauerte unter Erdstössen und Detonationen der Auswurf glühender Schlacken fort und erhöhte den Piano del Lago um m. Am 24. wurden die Donnerschläge wieder häufiger, 657 18. Der Aetna (Ausbrüche von 1805—1874). C58 feurige Schlacken fielen auf den Kegelabhang, und Lava floss über den Kraterrand. Die darauf folgende lluhe benutzte Silvestri am 30. zur Besteigung des Gipfels; er fand jene zersetzten weisslichen oder gelben Blöcke von 1—D/a Kubikm. am Kegel, den südlichen Rand des Hauptkraters niedriger und mit schlackiger Lava überschüttet, welche unter der Oberfläche noch glühten und viele saure, heisse Fumarolen aus- sticssen. DieWände der weiten, trichterförmigen Kraterhöhlungen erhoben sich zu vier Itanlgipfeln, zwei westlichen und zwei östlichen, welche jenes zweigehör'nte Aussehen des Aetna von S. oder von N. aus bedingen. Diese vier thurmartigen Felsen schienen durch die Bodenerschüttcrungen eingesunken, aus der Oberfläche ihrer zersetzten X>avamassen stieg Chlorwasserstoff und Wasserdampf auf. Im Kraterboden war eine einzige Oeffnung, dem Iiauptschlund entsprechend, rechteckig, 4—5 m. lang, 3 m. breit; aus ihr waren jene Schlacken und Sand ausgeworfen worden. Der Lavastrom, durch Aufhäufung von glühend flüssigen Schlacken entstanden, zog sich vom südlichen Kraterrand (35 — 40 m. über der Schlundöffnung) gegen die Casa Inglese hinab, wendete sich dann südwestl. und blieb nach einem Lauf von 2 Kil. 900 m. vor der Torre del Filosofo stehen; den Moränenwällen, welche an den Seiten den Strom begleiteten, entstiegen saure Fumarolen und solche, welche Eisenchloritr aushauchten und ihre Oeffiiungen mit gelben Sublimationsprodukten färbten. Auch die Oberfläche des Stroms zeigte einige gleichartige Fumarolen, Lava von erhöhter Temperatur aber stiess nur Wasserdampf aus; an der Aussenseite der Moränen drangen aus der erkalteten Lava ammoniakalisch riechende Sublimationsprodukte. Der grosse Aetnakra- ter war in zwei Krater getheilt, welche sich aneinander reihten, der kleine ohne offenen Schlund, aber mit zahlreichen Spalten, aus denen Fumarolen sieh entwickelten. Anfang August 1864 war der Dampf wieder erleuchtet (s. oben). Silvestri war am 8. oben. Der Schlund war ganz in Glut, von 5 zu 5 Minuten erfolgte eine Detonation, begleitet von leichtem Erdstoss, und saure Dämpfe schossen zischend hervor, glühende Schlacken mit sich führend, die wieder in den Krater zurückfielen. Es fand also stete Arbeit im Innern statt, Säulen geschmolzener Materien wurden durch gespannte Dämpfe gehoben, vermochten aber noch nicht die ganze Höhe zu erreichen und strebten nun, sich tiefer unten durch den Bergeskörper Bahn zu brechen. Am 30. Jan. 1865 erfolgten heftige Erdstösse, und dumpfes unterirdisches Rollen begleitete die beständige Erschütterung. Die Bewohner von S. Giovanni, Alfio und anderen Dorfschaf- ten verliessen ihre Wohnungen. Um 10V2Ühr Nachts ein neuer Stoss, dann brach ein blendendes Licht am Fuss des Monte Frumento hervor, und aus einer langen Spalte unter Wolken von Rauch und Auswurf von Sand, grossen Blöcken und Schlacken lief, von schrecklichen Donnerschlägen begleitet, ein Strom feuriger Lava über. In Catania, Aci- reale, Giarre , Taormina, Francavilla, Ran- dazzo hörte man starke und häufige Knalle, und der Boden erbebte. An den am meisten bedrohten Orten sammelten sich grosse Pro- cessioncn, erstiegen die Bergeshänge mit Heiligenbildern, in der Hoffnung, das Feuer zu beschwören. Umsonst suchten die ärmeren Landleute ihr kleines Besitzthum durch Auf- 2 )flanzen ihrer blumengeschmückten Schutzpatrone vor dem Lavastrom zu retten. Felder, Häuser versengten, die Familien sanken inbrünstig flehend auf die Knie, aber die unerbittliche Naturgewalt ergriff und begrub sie. Der Lavastrom, nachdem er sich durch die Bodenspalte Bahn gebrochen, stürzte die Berggehänge hinab, beladen mit Schlacken, Blöcken, verkohlten Bäumen, sich Über sich selbst liiiiwälzend, alles, was er vorfand, zerstörend. In zwei Tagen legte er 6 Kil. zurück, bei einer Breite von 1—2 Kil. und einer Dicke von 10 m., zog durch den mit Fichten und Eichen bepflanzten Bosco di Lenza und theilte sich hier in mehrere Arme, mit dem Hauptarm diegrossen Wälder von Ragalbo und Cerrita zerstörend, dann beim Monte Stornello sich theilend, wobei der linke Arm sich mit grässlichem Geprassel über ein Gehänge von mehr als 60 m. am Salto di Colavecchio kopfüber stürzte, das Thal ganz ausfüllte und noch 3 Kil. weiter zog, gegen Mascali hin, bei der Sciara di Scorciavacca (800 m. ü. M.) aber still stand. Anfang März brach nordöstl. von jenen Eruptionsschlünden in ihrer Nähe ein neuer Strom hervor, schnell vorrückend und Linguaglos-a bedrohend, dann aber am 4. April ruhend. Aber zu seiner Seite flutete die Lava als weiter Feuersee, der bis Mitte Juni seine Glut behielt. Die Lava, die einen Ausweg suchte, spaltete den Monte Frumento, füllte ihn aus, thürmte bei ihrer Fortbewegung zwei Moränen auf, und verkohlte dann beiderseits die Fichten bis in eine Entfernung von 30 m. Weiter abwärts brachen neue Lavaströme aus, und sieben Krater thürmten sich auf in der nordöstlichen Fortsetzung der Spalte des Monte Frumento, ein Radius des Bergs. Aus diesen Kratern flutete die Lava, indem gleichzeitig unter schrecklichem unterirdischen Donner vulkanische Massen ausgeschleudert wurden, vom feinsten Sand bis zu Blöcken von 6 Kubikmeter! (Erst im Monat Mai begann ihre Thätigkeit zu erlöschen, um so rascher, je höher am Abhang sie lagen; es blieben zuletzt nur noch Fumarolen. Diese Kraterreihe hat eine Länge von 800 m., ihre Höhe beträgt 30—50 m. »Es sind wahre Kratermodelle«.) Die Lavamassen vereinigten sich zu einem einzigen Strom auf der nordwestlichen Seite des Schlundes, die Feuerflut breitete sich bei der untern schwachen Steigung (7—8°) des Bergs in die Breite aus, und der 7 Kil. lange Strom erhielt hier eine Breite bis auf 2500 m., beschränkte sich aber glücklicherweise meist auf die 639 18. Der Aetna (Besteigung: Monti Rossi). 640 Waldregion. (Es gilt als Regel, dass die bewohnten Distrikte nur in den ersten 7—8 Tagen nach dem Ausbruch bedroht sind, denn nach dieser Zeit fliesst die neuergossene Lava über den bereits erstarrten Strom und gegen dessen Seiten ab.) Der gegen Linguaglossa nachrückende Stromarm durch- mass von den Kratern an eine Länge von . 5 Kil., blieb aber in einer Schlucht stehen, welche das Gebiet von Piedimonte und Linguaglossa scheidet. — Der letzte Ausbruch fand am 29. und 30. Aug. 1874 statt. Am 29. Aug. öffnete sich am Nordabhang eine Spalte von ca. o Kil. Länge und einer Maximalbreite von 50 — 60 m. Auf ihr bildeten sich im Verlauf weniger Stunden ausser einem Hauptkrater 35 kleine Aufschüttungskegel, deren einer 25 m. Höhe erreichte und von denen mehrere wiederum Lavaströmen zum Austritt dienten. Man schätzt das während dieser sehr kurzen Eruption an die Erdoberfläche gelangte vulkanische Material auf 1,351,000 Kubikm. Die Spalte dehnte sich vom elliptischen Krater (S. 6141 bis zum Monte Nero hinab. Keiner der Ströme erreichte das angebaute Land- C. Die Reise auf den Aetna. Die Heise auf den Aetna theilt sich in eine dreifache: 1) Auf die Monti Rossi. — 2) Die Besteigung des Krater gipfeis. — 3) Die Volle del Bove. I) Auf die Monti Rossi. Der ganze Ausflug kann bequem in einem Tag hin und her zurückgelegt werden und ist in jeder Jahreszeit thunlich. Für jedermann ausführbar, der nur einigermassen steigen kann. Eine überaus genussreiche Partie, die schon einen reichen Einblick in das Leben und die landschaftliche Schönheit des Vulkans thun lässt. Die Aussicht eine der herrlichsten, eigentliüm- lichsten und ergreifendsten in ganz Sicilieu. Zweispänner von Catania nach Nicolosi in 2Va St. hin und in D/a St. zurück, mit Aufenthalt 15 Fr. Einspänner 10 Fr. Trinkgeld H' 3 — 2 Fr. — Zu Fuss in massigem Schritt 2Va St. (Verfasser ging vom Dom von Catania bis zur Kirche von Nicolosi in 2 St. 10 Min ) — Von Nicolosi mit Maulthier auf die Monti Rossi hin und zurück 8 Fr., 1 St. hin, 40 Min. zurück. — (Auch von Acireale führt eine Fahrstrasse nach A7coZo.fi.) Von Catania der Via Etnea (C 1) entlang gegen den Berg hinan. Stets gute breite Fahrstrasse. Auf beiden Seiten Kornfelder, Weinberge, üppige Olivenhaine, Mandeln, Limonen und Orangenbäume. Nach 10 Min. (Piazza Gioenij r. Villa Manganari mit prächtiger Vegetation, dann 1. (Nr. 585) Villa Buon Cuore, noch üppiger. Nun beginnen 1. schon die Lavamauern, und der Boden der Strasse wird immer reicher an vulkanischemSand. Bei den letzten Lampen ein llondel, mit Prachtblick auf das Meer, die Stadt und über die reiche Ebene hin. Hier biegt die Strasse 1. ab. Nach 10 Min. Steigens herrliche Schau über die Stadt und das Meer. Dann folgt 1. eine Osterie (mit gutem Wein). Zwischen Lavamauern, weiter. 17 Min. jenseit des Rondells folgt die sogen. Barriera } eine lebhafte Ortschaft mit einigen hübschen Landhäusern und Baumgärten, alle Häuser von Lava;. 1. ein alter Thurm. Im Eingang r. Villa Ardini. Vor sich hat man nun einen reich mit Oliven und Opuntien bekleideten Hügelkranz, mit einzelnen Villen, an denen ( Villa Garuolo, Villa Torresi) man vorbeikommt. R. weiter Blick über das Meer. Dann mündet die Strasse in ein (10 Min.^ grosses Rondel, mit einigen Gehöften umgeben, Fasano. Hier ist eine Strassenabzweigung, r. (d. h. geradeaus) geht es nach Morarlde,. S. Agata und Trimestieri (nur 12 Min. r. von der Verzweigung ist die Villa S. Gin- li-no, mit schönen Anlagen, zu Licatia gehörend). L. führt die Nicolosistrasse zwischen zwei Wege-Obelisken durch. Die Inschrift des linken berichtet von der Strassenanlage 1824. Die Inschrift r. enthält die Höhenmasse: Fonte del Fasano 2;>7,2 m., Gravina 842,3 m., Mascalucia 480,3 m., Massannunziata 550,8 m., Nicolosi 709,3 m., Gasa del Bosco (llinazzi) 1017,2 m., Grotta degli Inglesi 1657 ,i m., Piena del Piano del Lago 2664,8 m., Casa Inglese 2987,9 m.,. Vertice deli’ Etna 3303,7 m. Nun einsamer, 1. in stets sanfter Ansteigung, zwischen (L und r.) reich bewirtschafteten Landstrecken, r. durch den grossen Lavastrom von 1381 unterbrochen. Dann (30 Min. vom Obelisken) au S. Giovanni a Lemma } mit einer Biegung nach r., vorbei (man sieht Gravina im Hintergrund). An der (1.) Villa Mar- letta (mit Ariosts Ilausspruch) entlang nach (40 Min. vom Obelisken) 641 642 18. Der Aetna (Besteigung: iNicolosi — Monti Rossi). (6 Kil.) OraTina (vom Volk Plachi genannt), mit kleinen einstöckigen Lavahäusern und mit langer, lavagepflasterter Strasse. Von da schon in 20 Min. (5 Min. diesseit Mascalucia: 1. S. Antonio } 1300 gegründet, mit Spitzbogenportalen) zur Kirche von (8 Kil.) Mascalucia (Locanda delV EtnaJ . In der Nähe des Orts hat inan die Monti Bossi voll vor sich. Im Eingang Mascalucia’s r. die elegante Villa Daniele mit schöner Flora. Zwei stattliche Kirchen des Orts zeigen originellen Wechsel von dunkler Lava und weisser Umrahmung; das Innere der zweiten Kirche (1.) ist überaus heiter (weiss und himmelblau). Die Häuser sind meist zweistöckig. Die Frauen tragen hier durch weg den kleinen dunkelblauen Tuchmantel Über den Kopf geschlagen und wissen mit der Linken dem Mantel einen schönen Wurf zu geben. R. der Seitenkegel Qicirello (1381), 1. jenseit des Gehänges ein Arm der Lava von 1669. Nach 10 Min. 1. Villa Falci, mit Hieroglyphen am Eingang. Es folgt (V 2 St. von Mascalucia) der ärmliche Ort (10 Kil.) Torrelifo (Torre di Grifo), meist mit einstöckigen Häusern. R. die Lava von 1408,1. Lava von 1669. Nach 7 Min. plötzlich * Blich auf Kicolosi ; 1 . die grosse Lavawüste, vor sich die Kette der Lateral- kegel, welche den riesigen Vulkan höchst pittoresk umgürten. Zunächst 1. der Mon- pilicri, welcher jene Sage der Fratres'pii (S. 616) veranlasste, dann r. gegen Pe- dara hin der Monte Pedara; jenseit Ni- colosi 1. die Monti Rossi, r. die Monti S. Nicolö, Pelusso und dahinter Monte Arso u. a. Nun die letzte Strassenstrecke (1. ein Ruhesitz) nach (V 2 St. von Torrelifo) (13 Kil.) Nicolosi (* Locanda delV Etna, von Calvagno; recht ordentlich und massige Preise, vorn an der Hauptstrasse r.; Locanda Mazzaglia, beim Eingang r. hinan), mit 2656 Einw., letzter Ort der bebauten Region. Bei Giuseppe Gemel - laro ein sehenswerthes Museo von Laven und anderen Produkten des Aetna. Der Weg zu den Monti Rossi führt der Hauptstrasse entlang das Dorf hinan, Unter-Italien. II. dann 1. gegen die Kapelle mit dem Kreuz und r. unterhalb derselben weiter, bis dahin (3 Min. nach der Kapelle), wo die Mauer sich nach r. oben wendet, hier den sandigen (lockern und daher etwas mühsamen) Weg hinan und oben bei der Lücke 1. hinauf; zuletzt hart am Rand des Kraters (bei starken WindstÖssen oft nicht sehr geheuerlich) zum Steindenkmal. Und nun — die**Aussicht: Gegen den Aetna hin die wunderbarste Welt der Zerstörung und Fülle der Naturgewalt, eine ganze Schar von Seitenkratern der verschiedensten Formen und Grössen, manche in regelmässigster Kegelform, andere mit eingerissenem oder eingeschmolzenem Kraterrand und hufeisenförmiger Höhlung; dann zahlreiche Lavaströme, schwarzbraune Felder, die einen nur hier und da mit Opuntien, Ginstersträuchemund Euphorbien bewachsen, die anderen weithin mit prächtigen Fruchtbäumen, und jenseit des üppigen Parks des bebauten Saums das Meer in weitester Ausbreitung, das ganze Gemälde durchsäet mit originellen Ortschaften von Lavamauern und dahinter in majestätischer Rundung der Koloss des Aetna. Das Val del Bove ist durch die Serra del Solfizio verdeckt. Die Sicht auf die Kegel und Laven bietet aber auch eine der lehrreichsten Ansichten der vulkanischen Thätigkeit. R. vom rauchenden Krater erhebt sich die Montagnola als spitze Pyramide, deren Fuss aus älteren vulkanischen Massen gebildet ist; an den Centraikegel lehnen sich der Monte Frumento unter der Casa Inglese, Monte Castellazzo, Monte Nero und Monte Pa- lombaro, letztere die Ausbruchsstellen von 1537. R. von der Montagnola erstreckt sich als vielgipfcliger Gebirgskamm die Serra del Solfizio, deren oberer Theil Schiena dell’ Asino heisst; die zackige Gestalt des mitt- lern und untern Theils rührt von den tiefen und engen in dieselbe einschneidenden Schluchten (besonders des Val del Tripodo und Zappino) her. Zunächst von der Serra del Solfizio ragt eine an den Centralkegel gelehnte Terrasse hervor, deren niederziehende Linie die Cava grande, Timpa Canelli und Dagalotte del Cervo bilden; die Laven, welche diese Terrasse Überziehen, gehören den Jahren 1537, 1763, 1766, 1792 an. Mitten aus dieser Steinwüste ragt 1. die Serra Pizzuta Calvarina auf, deren Kraterhörner nach O. sehr steil, nach W. sehr niedrig endigen. Diesseits tauchen r. wie Inseln die Monti Piniteddi auf, die Krater 21 643 18. Der Aetna (Monti Rossi). 644 der Lava von 1408; sie sind r. vom Monte Albano und 1. vom Monte Grosso begleitet; 1. von diesem der mit einigen Bäumen besetzte Monte Guardiola, von welchem sich die Waldregion, die nur noch durch einzelne verkümmerte Eichen angedeutet ist, zum Monte Renazzi hinzieht; hier breiten sich die Laven von 1536 und 1537 aus und umziehen den Monte Nocilla, unten vom pechschwarzen Vulkansand der Eruption von 1660 überdeckt. Westl. unterhalb des Centralkegels sieht man die wunderlichen Seitenkegel wie eine riesige Korallenschnur aufgereiht, und noch westlicher zieht die Lava von 178u um den Monte Parmentiddi und endigt oberhalb des Monte Arso. Einen prächtigen Vordergrund bildet neben dem belaubten Monte S. Nicola, an dessen Fuss das Benediktinerkloster S. Nicola liegt, die malerisch hochaufsteigende *Serra Pizmta, mit Laubholz und Weinpflanzungen übersäet, die Kraterränder zu einem Doppelgipfel emporgezogen, dessen östliches Horn durch den Westwind weit höher emporge- thürmt wurde. L. im Vordergrund sieht man in den Krater des Monte Fusaro hinein und ringsum lagert sich der dunkle Sand des Ausbruchs von 1669, der selbst noch im Dorf Nicolosi gegen 2 m. hoch aufgelagert ist. Südwärts 1. von Nicolosi erhebt sich der ebenfalls schön bewaldete Mompilieri, und ostwärts von Nicolosi der Monte Pedara, unter dessen Nordfuss die Ortschaft Pedara liegt, während nach 0. hin die Ortschaften Trecastagni, Via Grande und S. Antonio folgen, nordwärts von Molino di Vento und Monte Serra begleitet. Auf der gegenüberliegenden Seite übersieht man fast den ganzen grauenvollen Strom von 1669. Die Touristen, welche den Gipfelkrater des Aetna besteigen wollen, können schon vom Signal des Monte Rosso aus die ganze Route übersehen, durch das schwarze Sandfeld an Altarelli vorbei, den Monte Nocilla 1. lassend, bis zur Casa del Bosco, dann zwischen Monte Renazzi und Monte Con- cilio hinan und zwischen den Kratern Monte Lardicazzo und Monte Fai hindurch bis zum Monte Castellazzo; zuletzt die Montagnuola r. lassend, unter dem Monte Frumento hin zur Casa Inglese und zum Gipfelkrater. Die Monti Rossi bilden einen Zwillingskrater, der von weitem wie zwei Berge aussieht, indem in der Mitte an zwei Seiten ein tiefer Einschnitt durchzieht, durch welchen die ungeheuren Lavaströme von 1669 brachen. Der ganze Berg ist aus schwarzem vulkanischen Sand, rothen Schlacken (daher »rotheBerge«) und Millionen von Augitlci'ystallen (die schönsten am Südwestabhang) aufgeschüttet. An der Südseite liegt die Ausflussstelle jenes Kolossalstroms, der sich zuerst am Mompilieri aufstaut und weiterhin bei Torrelifo 4 Kil. breit sich ausdehnt, dann mit einem Seitenstrom von 1800 m. Breite nach Catania niederzieht und dort noch 2 Kil. ins Meer hinaus sich erstreckt (S. 572). DieMenge der bei diesem denkwürdigsten Ausbruch emporgeschleuderten Aschen, Schlacken und Sande vermochte nicht nur binnen drei Monaten den hohen parasitischen Doppelkegel auf- zuthürmen, sondern auch noch auf eine Entfernung von 3 /4 St. um die Monti Rossi fast alle Unebenheiten des Bodens aus- zugleichen. Jede der 33 Eruptionen von 1669—1874 hat im Mittel 107 Mill. Kubikm. Lava aus- geströmt, welche je 900 Hektar Land bedeckt haben; 1669 betrug das Volumen der Lava ca. 760 Mill. Kubikm. und die bedeckte Oberfläche ca. 3800 Hektar. An den unteren Gehängen der Monti Rossi wächst etwas Wein; sonst beschränkt sich ausser kleinem Gestrüpp die Vegetation auf und in den Kratern auf einige Feigen- und kleine Pinusstämme. Masse. Nach Julius Schmidts Messungen (1870) liegt die Aschenebene zwischen Monte Rosso und Monte Fusaro 2497 Pariser Fuss ü. M.; Monte Rosso, westlicher Nebenkrater, Südgipfel 2685; Nordwall, Satteides Nebenkraters 2595; Boden des Nebenkraters 2496; Nordostwall, am grossen Monte Rosso anschliessend, 265U; nördlicher I-Iauptkrater, Nordwall, Sattel 2690; Boden dieses Kraters 2616; südlicher Hauptkrater, Südwall, Sattel 2661; Boden dieses Kraters 2563; Mittelwall beider Krater 2687 ; Nordostwall des südlichen Kraters 2815; grosser Hauptgipfel am Signal 2869; Fuss des Kegels am Campo Santo 2329. An der Nordbasis der Monti Rossi Hegt das Piano della Fusara; hier ging der breite Eruptionsspalt von 1669 durch (S. 628), und man kann noch jetzt durch den elliptischen Krater, Grotta delle Pa- lombe (oder Fossa della Colombo) , in die Tiefe dieses merkwürdigen Spalts hinabsteigen. Ein Zickzackweg führt hinab. Die Fossa beginnt mit einem Krater von 28 m. Durchmesser und 20 m. Tiefe. Unter der Südwand öffnet sich die Grotte mit engem Eingang, von dem man in die erste Höhle, auf Stufen zu einer Tiefe von 11 m. hinabsteigt; er ist 20 in. lang und endigt in einen kaum 2*/2 m. hohen Kanal mit geneigter Ebene (45° auf 16 m.). Hier ist die stets südwärts gegen die Monti Rossi gerichtete Höhle 5V2 m. hoch und 9 m. lang; von dieser Stelle aus nimmt die Grotte 645 18. Der Aetna (Besteigung des Kratergipfels). 646 eine ausserordentliche Tiefe und Länge an; man steigt mittels Leiter 7 m. weiter hinab und kommt dann auf einen Boden, wo man mittels Seil und Carricello nochmals 11 m. tiefer hinabgelangt. Durchläuft man diese G-rotte 45 m. weit, so kommt man zu einer engen (keinen Durchlass gewährenden) Oeff- nung, wo ein Stein die Inschrift trägt: »Marius Gemmellaro gelangte zuerst in diesen untersten Tartarus«. — Die Fossa ist im ganzen 134 m. lang. Den Rückweg von Nicolosi nach Catania nehme man auf der Fahrstrasse über (3 Kil.) Redara, (5 Kil.) Trecas- tagni und (10 Kil.) *Aci S. Antonio, von wo die Gesammtansicht des Aetna eine der schönsten und mannigfaltigsten ist, da der Vulkan hier seine drei charakteristischen Spitzen zeigt: 1. die Mon- tagnuola, in der Mitte den Gipfelkrater, r. die Rocca della Volle del Bove. Dann über (13 Kil.) Aci Catena, auf einem mit Weinbergen, Fruchtäckern, Limonen- und Orangengärten übersäeten Boden, nach (15 Kil.) Acireale (S. 559), von wo die Eisenbahn in */2 St. nach Catania fährt. 2) Besteigung des Kratergipfels des Aetna. Die Reise wird gewöhnlich folgender- massen ausgefiilirt: Zu Wagen um 2 Uhr Nachm, von Catania ab (Zweispänner 15 Fr., Einspänner 10 Fr.; bei Uebernacliten und Rückfahrt am folgenden Tag über Acireale: Zweispänner 25 Fr., Einspänner 16 Fr. und je 2 Fr. Trinkgeld) in 2^2 St. nach Nicolosi. In Nicolosi bleibt man ca. IVa St., verschafft sich sogleich Führer (S Fr. und 2 Fr. Trinkgeld) und Maulthier (10 Fr. für das Maulthier des Touristen und 10 Fr. für das des Führers) sowie Kohlen und Licht (1 Fr.) und die Schlüssel für die Casa del Bosco (1 Fr.) und die Casa Inglese (2 Fr.) bei Lr. Gius. Gemmellaro. — Ferner hat man etwas Rum, die Ingredienzen zu einem Kaffee, Fleischnahrung, Brod, Wein und Salz mitzunehinen und, wenn man nicht schon mit Mantel, Reiz oder Decken versehen ist, sich hier einen »Aetnamantel« zu leihen (lFr.); denn das Unangenehmste der Besteigung des Aetnagipfels ist — die Kälte! und der kalte Wind.' — Auch ein Laternenträger (4 Fr.) wird gewöhnlich mitgenommen. Für grössere Gesellschaften genügen 2 Führer, aber sie thun gut, ein besonderes Pack - Maulthier (10 Fr.) mitzuuelimen, welchem dann alle Materialien für Erwärmung und Nahrung aufgepackt werden. (NB. Führer und Maulthiere sind gegenwärtig unter Kontrolle der Cataneser Sektion des italienischen Alpexiklubs und tarifirt; allfällige Klagen lüchte man daher an den Präsidenten desselben, Herrn Dr. Boltshauser, Professor der Physik in Catania, einen deutschen Schweizer.) Hat man in Nicolosi für alles gesorgt und eine leichte Abendmahlzeit (am besten Thec, Braten und etwas Wein) zu sich genommen, so bricht man spätestens Abds. 7 Ulir von hier auf, kommt um 9 Uhr zur Casa del Bosco, bleibt hier V 2 St. und steigt dann zur Casa Inglese hinan, wo man um 1 Uhr anlangt. Hier ruht man wieder 1 St. und bereitet sich einen kräftigen Kaffee. — Dann hat man noch IV 2 St. zu Fuss (man sorge für dichte Schuhe ohne Nägel) und zwar sehr mühsam durch den vulkanischen Sand hinan .zum Gipfelkrater zu steigen. — Hier oben bleibt man bis einige Zeit nach Sonnenaufgang. Auf dem Rückweg reitet man von der Casa Inglese ostwärts zum Rand des Yalle del Bove und zur Torre del Füosofo, und von da lenkt man westl. von derCisteraazza wieder in den alten Weg ein. — Man langt dann um Mittag wieder in Nicolosi an. Wer Sonnenuntergang und Sonnenaufgang auf dem Aetnagipfel sehen will, der versichere sich fürs erste einer möglichst warmen Nacht, fahre schon Morg. 6 Uhr von Catania ab und verlasse Nicolosi nicht später als um 10 Uhr; nehme dann, vom Gipfel zurückgekehrt, seine Schlafstätte in der Casa Inglese, wo 2 Zimmer mit 6 Schlafstellen (auf Stroh) und Feuerungseinrichtung vorhanden sind. — Die Taxe für Führer und Maulthiere ist dann die l^fache, und in Nicolosi ist eine Entschädigung für die Benutzung der Casa Inglese zu bezahlen. Die Partie auf die Monti Rossi mit derjenigen auf den Gipfelkrater zu verbinden, ist nur unermüdlichen Touristen anzurathen. Rücksichtlich der Anwartschaft auf klaren Himmel ist die Wetterkunde des Aetna ziemlich ausgebildet. Fürs erste ist die geeignetste Zeit zur Besteigung des Gipfelkraters vom 15. Juli bis 10. August, besonders wenn der Vollmond eintritt. In dieser heissen Zeit ist auch die Luft in der Höhe nicht so eisig, doch immerhin ein Mantel nöthig. — Fürs zweite ist das ruhige, anhaltende, in die senkrechte Höhe Aufsteigen der Dampfwolke und des Rauchs ein Gutwetter-Prophet, und ebenso die klaren und doch duftigen Umrisse des Bergs und seiner Kegel während längerer Zeit. — Oft freilich da wird man noch zu oberst angeführt, und die Spitze hüllt sich in konstantes Gewölk. Von Catania nach Nicolosi } S. 639. Die Ebene um Nicolosi ist mit vulkanischer Asche und Sand tief bestreut; häufig sieht man hier den Ginsterstrauch zwischen den einzelnen, durch Lavamauern abgetheilten Grundstücken, eine seltsame, blattlose Aetna-Art, ca. 6 m. höbe Stämme 647 18. Der Aetna (Casa del Eosco — Casa Inglese). 64 » bildend, mit grüngelber, glatter Rinde, etwa Vß m. dick; der Stamm zerfällt dann in ein Gestrüpp von dünnen graugrünen, mit dünnen Blättchen besetzten Aesten, zur Blütezeit mit schönen gelben Blütentrauben. Man reitet jenseit des Orts 1 St. lang durch diese Ebene; Aschen, Schlacken und Laven sind die steten Begleiter; es ist das Aschenfeld von 1669. L. neben sich hat man die Monti Rossi, dann Monte Fusara, r. Monticelli, Kloster S. Nicolö und Monte S. Nicolö, dannSerra pizzuta, 1. Monte Nocilla, dann die-Lava von 1537 hinan in Windungen und Vertiefungen zur (2 St. von Nicolosij Casa del BOSCO (1285 m.). Der Bosco ist hier freilich auf Roggenfelder, alte verstümmelte Eichen und einige Kastanienanpflanzungen beschränkt. Ein Brunnen spendet Cisternenwasser. Hier wird der Weg steiler und windet sich zuerst zwischen dem Monte llenazzi und Monte Coneilio aufwärts; dann r. Monte VArdi- cazzo, 1. Monte Sona und Manfre; r. Monte Capriolo und die Lava von 1537,1. Monte Pinitedda und Monte Fni; r. hinter der ehemaligen Casa di Neve der dreigipfe- lige Monte Nero, 1. nordwestl. vom Monte Fai der Sciaccakrater und Monte Veturo; r. Monte Palombaro und die Lava von 1766, 1. Monte Nero dei Zappini, dann näher 1. Monte Castellazzo, wo man sich schon in der Regione deserta befindet; r. die Lava von 1763 und die Roccareile di fuoco, 1. die Lava von 1780 und Monte Rinatura; r. die Montngnola, ein grosser steiler (2842 m.), gegen S. in einer weiten Rille geöffneter Kegel, welcher sich über älterem Gestein der Centralformation 1763 aufgehäuft hat. An ihrem Fuss sind grosse Schneebehältnisse. Von hier bis zur Casa Inglese zieht sich ein wüstes, ganz vegetationsloses, über 2000 m. langes, allmählich emporsteigendes Aschenfeld hinan, das jenseit der Kegelvulkane oberhalb der Valle del Bove endigt. Hat man die Montagnola im Rücken, so kommt man 1. am Fuss des Monte Frtmento vorbei, dann steigt man dicht am Rand des östlichen Lavaarms von 1787 durch das gewaltige Aschenfeld empor, wo sich das Piano del Lago gegen den Rand der Valle del Bove hinzieht. Am äussersten Ende- dieses Piano liegt die Casa Inglese (2942 m.), die ersehnte Ruhestätte unterhalb des eigentlichen Kraterkegels. Sie ist aus der nahen Lava erbaut, hat zwei Zimmer mit Decken von Kastanienholz, sechs Schlafstellen, Tisch, Bänke und Stühle und ist mit einem Ziegeldach bedeckt, das mit Balate di Lava überlegt ist, zur Schutzwehr gegen die Steine, welche der Vulkan, bei seinen Ausbrüchen zu schleudern pflegt. Die Wände der Casa dienen, als Album und sind deshalb Voll von Namen und Stossseufzern. Hinter der Casa ist ein. Stall mit Krippe, wo man die Pferde lässt. 1804 hatte Mario Gemmellaro nicht weit von der Torre del Filosofo einen kleinen Zufluchtsort an der Basis des Kraters errichtet; als die englischen Truppen 1808 Sici- lien besetzt hatten, liess auf Ansuchen Gemmellaro’s der General Forbes freiwillige Beiträge von den Officieren der Armee einsammeln, um ein bequemeres Aetna-Asyl zu errichten; 1811 wurde mittels dieser Beiträge und eigener Zulage Gemmellaro's, der zwei Monate hier oben blieb, der Bau des gegenwärtigen Schutzhauses geleitet, unweit seines kleinen ersten, und zu Ehren der Geber »Casa Inglese« genannt. Das Piano del Lago ? an dessen Ende zwischen S. und O. dieCasaInglese steht,, ist das den höchsten Kegel des Aetna ringförmig umschliessende Plateau, über welches sich viele neuere Lavaströme ergossen haben. Den Namen erhielt es nach einem kleinen See, der, durch aufgestautes Schneewasser gebildet, dort in früherer Zeit sich befand. — Von diesem Haus weg überschreitet man eine kurze Strecke weit eine sehr rauhe Lava von 1787, atis einem Wechsel von blasigen und schlackigen Gesteinen mit dichten Schichten bestehend. Jenseit derselben kommt man zu einer Anhäufung ewigen Eises und über diese hin zum Fuss des grossen Kegels, der ganz mit vulkanischem Sand bestreut ist und jäh abfällt. Der Weg hinan, wenn auch nur etwas über 300 m. (4 Min. Luftlinie) betragend, ist sehrmühsam und ermüdend, da man den Fuss auf lose vulkanische Gebilde setzt, welche der Schwere jedes Schritts weichen und auf einer Neigung von 33° angehäuft sind; es bedarf daher des festen Willens, um nicht auf der ersten Hälfte schon Kraft und Muth zu verlieren, Mattigkeit und allfällige Athemnoth zu überwinden. •649 18. Der Aetna (Besteigung 1 des Kratergipfels). 650 4a schon die bedeutende Luftrverdünnung den Athem beklemmt und zuweilen auch noch Rauch und widrige Gase dem Hinan- klimmenden entgegengetrieben werden. Oben wird der Wanderer meist von schneidend kalten Winden empfangen. Man übereile sieb, also nicht, halte von Zeit zu Zeit an und bedenke, dass die Mehrzahl 1 Va St. von der Casa Inglese bis zur Spitze bedarf! — Doch halte man zuvor den Fahrer an, von der Casa zu einer Zeit aufzubrechen , welche gestattet, wenigstens Va St. vor Sonnenaufgang oben zu sein, um die Klarheit der Luft zu gemessen, die beim Nahen des Sonnenaufgangs von ganz besonderer Tragweite ist. Nach dem Sonnenaufgang dehnen sich die Wasserdämpfe der Luft aus und bilden einen Schleier, durch welchen die Gegenstände sich trüben. Am Kraterrand angekommen, hat man die grösste Anstrengung hinter sich. Man suche sich also wieder in volles Gleichgewicht zu bringen und besteige die weit weniger mühsam zu erreichende höchste Spitze des Randes. Gestalt und Schlund des Kraters, von grossartigster, wildester Natur, mit zerrissenen Blöcken und nackten Zacken, sind je nach der vorausgegangenen Eruption verschieden. Der innere Kessel ist ein ungeheurer Trichter mit steilen, zerrissenen Wanden und einem mit Schlackentrümmern bedeckten Boden, aus welchem stets Dämpfe lier- vorbrechen. (Ueber die KraterbiLdung und andere Phänomene des Vulkans s. Abschnitt A, S. 613.) Von ergreifendster Wirkung ist nun auf dem höchstem Gipfel die ^Aussicht, die den ungeheuersten Gesichtskreis umfasst, denn das Panorama wird auf 56 geographische Meilen Durchmesser berechnet; über Malta hin und über Kalabrien, über die Liparischen Inseln und ganz Sicilien, nur das Westende ausgenommen; dazu ein Gemälde, in welchem die Merkzeichen der wildesten Zerstörung mit dem üppigsten Reichthum und der behaglichsten Wonne wechseln, von einem Ort aus genossen, der schon an sich einer der merkwürdigsten ist; und ringsum eine ungewöhnliche Stille, kein schwirrendes Insekt, kein Thierlaut, kein Baum, keine Vegetation, in wunderbarster Vereinsamung auf dem erhabensten Inselthron von drei Meeren, dem Ionischen, Afrikanischen und Italienischen, umgeben, die, drei Völkerstämmen angehörend, das schon in antiker Zeit besungene weite Dreieck der sicilischen Berge umfluten. Zunächst ist schon das erhabene Naturschauspiel des Sonnenaufgangs hier oben ein ganz eigentümliches. x k St. vor dem Aufgang breitet sich, schon von dem nahenden Tag erhellt, eine wundersame Klarheit der Luft über die Landschaft hin, die trotz der Dämmerung die schärfsten Umrisse entwirft; in ganz überraschender Hohe tritt der ringsum ausgebreitete Meeresspiegel wie eine silbergraue Wolkenwand vor die Augen, und wenn nun die Strahlen der in gewaltiger Grösse auftauchenden Lichtkugel über die weiten Räume hinzittern und die Umrisse farbige Gestalt gewinnen , dann schiiesst das Meer den Himmel mit einer tiefblauen Mauer gegen die Erde hin ab. Wendet man sich nun nach W. hinüber, so erhebt sich über Erde und Meer ein ungeheures dunkelviolettes Dreieck, dessen Grundlinie der Fuss des Aetna bildet und dessen Spitze hoch über dem westlichen Horizont in die Luft oinsetzt. Dieses violette regelmässige Dreieck, mit seinen glatten Seiten Insel und Meer aufs schärfste abschneidend, reicht bei den ersten Strahlen nur in das Land hinaus, aber bis in das 27 St. entfernte Corleone, dann, wenn die Berggipfel schon erglühen, zieht es gleichsam als Doppelpyi’amide auch in den Horizont hinein. Dies wunderbare Bild ist der Schatten des Aetna, welcher beim Tiefstand der Sonne mit seinem ungeheuren Raum Insel, Meer und Horizont in dieser Form dunkel überzieht. Das Schauspiel dauert nur eine Viertelstunde. Dann schwindet es rasch, und nun enthüllt sich das ganze unermessliche Panorama erst in seiner Lebensfülle, freilich als ein — Schöpfungsbild, aus dessen grossartigem Entwurf die einzelnen Gestalten erst allmählich sich klarer scheiden, denn alles Landschaftliche, Vegetation und Wohusitze, sind wie von der Hand eines grossen Künstlers nicht im Detail, sondern nur in charakteristischer Farbenangabe vor die Augen gerückt. Man sieht gleichsam Sicilien im grossen, Höhen und Thälcr wie Glieder eines einheitlichen Organismus, aber überall im glänzenden Farbenspiel, das zwischen dem vorherrschenden Braun und graulich Grünen die mannigfaltigste Reihe der Zwischentöne der Landschaft mittheilt. Ganz Sicilien breitet sieb wie ein riesiges Relief zu den Füssen aus, und vor demselben lagern seinem Dreizack gegenüber die kleineren Inseln, gegen das Abendland hin imN. die vulkanischen Li- paren, mit der dunkeln, rauchenden Pyramide des Stromboli, gegen den Orient hin Malta, bei klarem Himmel deutlich zu 651 18. .Der Aetna (Kratergipfel). 652 sehen. Im W., einst zu den afrikanischen Kolonien zählend, die Aegaden. An der Ostküste erkennt man den Ausgangspunkt der Reise, Catania, tief unter sich, und nordwärts von ihm die schöne Küstenbucht, Taormina und den Faro von Messina • südwärts von Catania die Silber- Mäander der Giaretta und den schimmernden Schild der Biviera di Lentini, die vorragenden Buchten von Agosta und Syrakus sowie langgezogen ins Meer das Capo Passero. Gegen NO. auf das Festland hin schaut man das herrliche Ufer von Reggio und Capo Spartivento, dann über alle kalabrischen Gebirgsrücken hin sogar den Meerbusen von Tarent. Im S. gegen Girgenti hin verschwimmt das Land, aber im W. sieht man das ganze Heer der städtegekrönten Hügel ausgebreitet und unterscheidet deutlich Castrogiovanni, den delphischen Nabel des Landes, einst die Stätte der Getreidegöttin und des Segens aus der Unterwelt. Eine prächtige Kette bilden die Madonischen Berge mit dem Pizzo di Palermo, aber gegen Palermo selbst hin werden auch die hohen Gebirge zu Hügeln; endlich im fernsten Westen der antike Eryx, der Venusberg über Trapani und im Gegensatz zu ihm im NNO. die schmal ins Meer sich dehnende Landenge von Milazzo. Ein ganz eigenthümliches landschaftliches Spiel fällt oft den unter dem Gipfel umherziehenden Wolken zu: bald steigen sie an einer Gruppe von Bergen hinan, bald schneiden sie einen Theil des Meers ab, bald weiten sie sich zu durchsichtigen Schleiern aus oder grenzen plötzlich die Landschaft zu einem kleinen wechselnden Bild ein und enthüllen dann ebenso rasch wieder die ganze Fülle der Rundschau. Einen ebenfalls höchst merkwürdigen Anblick bietet der Aetna selbst von hier oben herab mit seinem Heer von Lavaströmen und vorragenden, oft schön belaubten Seitenkratern. Südl. hat inan den Monte Frumento zunächst und die Lava von 1780, dann die Montagnola und den Monte Castellazzo. Ostwärts die Lava von 1838, die Riffe der prächtigen Valle delBove. Nordwärts die Lava von 1809, 1838 und 1874, die vom elliptischen Krater in der Richtung des Stroms von 1809 bis zu den Monti Cacciatori niederfloss; nordostwärts die Kegel vonl865 und den Monte Frumento esteriore. Und weiterhin übersieht man eine weite Strecke der bewaldeten Region. So vereinigt sich alles, diese Aussicht zu einer ganz unvergleichlichen zu erheben. Aber die Eiseskälte und der Wind gestatten meist keinen allzu langen Aufenthalt. Auch unter den gewöhnlichen Bedingungen bleibt man selten länger als eine Stunde hier oben. — Nach der (abwärts sehr raschen) Rückkehr in dieCasa Inglese und abermaliger Stärkung wendet man sich noch ostwärts zur nahen Torre- del Filosofo, wahrscheinlich ein Schutz- haus aus der ersten römischen Kaiserzeit. Zugleich eine heilige Stätte, wo die Besucher des Aetna zu den Göttern um Schutz flehten. Es liegt auf einem kleinen Hügel, 2917 m. ü. M., 3 Kil. vom Gipfelkrater, ist aber nur noch ein. Ueberrest des weit hohem alten Baues, 8 in. hoch, aus Lavastücken verschiedener Grösse (d’Orville sah 1727 noch Reste der alten Marmorbekleidung); es ruht auf Gewölbebögen. Man bringt diesen Bau gewöhnlich mit Kaiser Hadrians Reise in Verbindung, von welcher Spartianu* (Kap. 13) berichtet: »Von Griechenland schiffte der Kaiser nach Sicilien, wo er den Berg Aetna, bestieg, um den Sonnenaufgang zu sehen, der in der Art eines Regenbogens Farben wirft«. 10 Min. weiter ostwärts hat man am Rand einer Kluft von 2*/2 St. Umfang eine ergreifende Niederschau in die jähen Abstürze der düstern Valle del Bove (S. 657), mit der berühmten Rocea di Musarra, und in die zahlreichen noch thätigen Kraterkegel, welche an den dunkeln, bis 1200 m. tiefen Abstürzen rings umherziehen. Dann • geht man an der eigentümlichen elliptischen Höhlung (von 36 m. Tiefe) Cisternazza vorbei (nach Carlo Gemmellaro eine von der Lava von 1792 erzeugte Vertiefung) und folgt dann bei der Montagnola wieder dem frühem Weg. Die Sicht der Valle del Bove vom Rand der Abstürze herab genügt freilich nicht, um diesen grossartigen vulkanischen Cirkus, der durch wiederholte Einstürze die Schichten, Spaltungen und Aufschüttungen des Aetna- kerns blosslegte und nun das Gerüst des Aetna enthüllt, gründlich kennen zu lernen. 653 654 18. Der Aetna (Valle del liovc). Gleichzeitige Thermometer - Beobachtungen in Catania und auf dem Aetna, die im Jahr 1811 übereinstimmend gemacht wurden (dem Verfasser von Professor Bolts- hauser in Catania mitgetheilt), ergaben das interessante Resultat, dass, während in den Monaten Juli, August und September die mittlere Temperatur in Gatania 27°, in Nicolosi 2:5,8° betrug, sie auf dem Aetna 4,1° mass. Tag ; 12 Uhr Catania Mi«. | Aetna Wetter auf dem Aetna Juli 1 . 31,7° C. 11,7 schneeig. 2. 30,5 13,3 hell. 3. 30,5 14,4 - 4. 30,0 11,7 Hagel u. Donner. 5. 30,0 1,7 windig. 6. 28,9 7,2 regnerisch. 7. 28,9 6,1 hell. 8. 29,4 8,3 Wind. 9. 31,1 10,0 - 10. 31,1 11,7 - 11. 30,0 11,1 hell. 12. 30,0 10,6 - 13. 30,0 10,6 - 14. 26,i 4,4 schneeig. 15. 27,2 7,2 hell. 16. 30,5 9,4 - 17. 30,5 9,4 nebelig. 18. 30,5 13,3 hell. 19. 31,7 12,8 - 20. 31,7 12,8 regnerisch. 21. 33,3 12,2 hell. 22. 33,3 13,3 - 23. 31,7 9,4 Regen u. Donner. 24. 32,2 7,2 - 25. 32,2 6,7 - 26. 81,1 6,1 - 27. 32,8 7,8 . 28. 30,0 5,0 viele Wolken. 29. 30,5 12,2 - 30. 31,1 13,9 nebelig. 31. 31,7 2,8 Wolken, Wind. Sept. 1 . 28,3 5,6 Wolken. 2. 28,9 5,6 hell. 3. 29,4 5,0 schneeig. 4. 28,9 8,9 _ 5. 29,4 4,4 - 3) Die Valle del Bove (Bue). Wagen: Von Catania führt eine fahrbare Strasse in 4 1 /a St. nach (22 Kil.) Zaffa- rana. Von hier reitet man zu Maulthier in 2 St. in die Valle del Bove. In Zaffarana ist ein Wirtshaus, wo man guten Wein und Käse, auch wohl Eier erhält. Speisen hat man also mitzubringen, und die Wirtin kocht dieselben. Will man die Tour in einem Tag zurüeklegen, so hat man sehr früh aufzubrechen. Von Zaffarana nehme man allfällig Materialien zum Feuermachen mit und sorge fiir Kaffee, llum, Wasserkrug, kaltes Fleisch, Brod und Salz. Man trifft an der Ostseite der Valle einige leere Strohhütten, die man als Standlager benutzen kann. Wasser findet man nur bei der Fonte della Valle di S. Giacomo und etwa unter hohlen Steinen. i Von Catania fährt man zunächst auf ; der Strasse nach Nicolosi (S. 641) über ; Barriera , dann an der Wegtheilung r. über (5 Kil.) 8. Agata-Battiati , (8 Kil.) 8. Giovanni la Punta } (11 Kil.) Via grande, (18 Kil.) Flori und Sato nach (22 Kil.) Zaffarana (Wirtshaus s. oben). Es gehört zu den Grundgestalten der Aetnadörfer; die Häuser sind von Lava erbaut, klein und, um sie gegen das Erdbeben zu sichern, meist einstöckig, hier und da ragt ein vornehmerer zweistöckiger Bau mit Kataneser Baikonen hervor; die Dächer haben durchweg fast gar keine Gefälle und sind mit Hohlziegeln eingedeckt. Die Hauptstrasse durchzieht den Ort in gerader Linie und ist | mit Lava gut gepflastert; die Frauen tra- : gen die hier überall üblichen mantelarti- i gen Tuchkragen, die sie recht malerisch i über Kopf und Arme zu ziehen verstehen. Von Zaffarana schlägt man die Richtung gegen das Ostende des Südarms der Valle ein, kommt also stets in nord- , westlicher Richtung gegen den Thalein- ■ schnitt der CavaSecca hin. Hier wachsen noch schöne Kastanien und wirkliche Eichenhaine, welche durch ihre lebens- , frische Farbe einen sehr malerischen Kontrast zur wüsten, wilden Lava umher , schaffen. Nach Ueberschreitungder Fonte \ della Valle di S. Giacomo (einer der sparsamen Aetnaquellen) hat man 1. neben sich die Valle di 8. Giacomo , eine ungemein malerisch, wie mit Kunst angelegte wildromantische Felsenschlucht, zu den schroffsten Einschnitten in die Kernbildung des Vulkans gehörend, an den Wänden mit deutlicher Zeichnung ' der Wechsellager von Tuffen und kry- j stallinischen Gesteinen, die Sohle von ; schwarzem Basalt; jener Aetnabach fällt hier in pittoreskem Sturz über den felsigen Querdamm herab. Dann kommt man an dieser Valle vorbei zu dem riesigen, 1 j -2 St. breiten Lavastrom von 1852. der von der Valle del Bove herabzieht; man reitet an dem gewölbe.ähnlichen, über 655 18. Der Aetna (Valle del Bove). 656 12 m. hohen Lavawall hin, umschreitet den mit Kastanienwäldern bedeckten Monte Sciuricosimo und gelangt westwärts in die Valle di Calanna, welche malerisch von jähen Felsen umgeben ist. ß. sieht man einen über den Sattel des Salto della Giumenta niederziehenden Lavastrom. Betrachtet man vom Eingang in die Valle di Calanna die bewaldeten Böschungen des Sciuricosimo bis zum Einschnitt der Valle di S. Giacomo näher, so bemerkt man hier deutlich die verschiedenen Formationslagen, deren älteste der gelbe Tuff ist, aus Eisenoxydaschen und Feldspaten zusammengesetzt; ihm folgen der Traehyt, die neueren krystallinischen Gesteine, die gröberen Tuffe, das Geröll; der Tuff bildet hier drei Lagen, oben die Decke des Gebirges, dann in der Mitte und unten über dem Traehyt zwei mächtige Massen. — Nun führt der Weg’zwischen dem (r.) Monte Calanna und (1.) Monte Zoceolaro durch. Bis hierher erstreckt sich der Lavastrom von 1819. Vom Gipfel des Monte Zoceolaro bat man einen überaus grossartigen **Anblick des Aetna. Sartorius v. Waltershausen sagt unvergleichlich schön: »Hier steht der Beschauer unmittelbar am Rand eines fast senkrechten Abgrundes, der mit Buchengestrüpp und ät- näischen Genist,en, welche über die schwindelnde Tiefe sich Vorbeugen, bekleidet wird. Das ungeheure, fast hufeisenförmige Bergamphitheater, das im W. durch 1600 m. hohe, sehr steile Abhänge begrenzt ist, legt namentlich hier die innere Bauart dieses Bergs auf das offenste und unzweideutigste an den Tag. In hundert Gängen und Schichten, welche durch vorhistorische Umwälzungen jetzt dem Beobachter eröffnet sind, lässt sich die Geschichte unseres Vulkans so entziffern, wie die Geschichte ägyptischer Könige an den durch Hieroglyphen bedeckten Graniten der Tempel und Obelisken«. Man ist hier schon am südöstlichen Ausgang (Porta Calanna.) des Randgebirges der Talle del Bovej nachdem sieb dieser Rand westl. bis zum Vorsprung des Zoceolaro hinübergezogen, biegt er in einem flachen Bogen bis zur Montagnola, setzt sich darauf in nördlicher Richtung bis zur Valle del Leone und dem Nordrand der Valle fort. Von der PortaCalannabiszum gegenüberliegenden Ende dieses Nordrandes (Monte Moddu) misst diehier durch die (einzige) Oeffnung (gegen 0.) der Valle del Bove gezogene Linie 2600 m. — Der Südrand der Valle, der mit steilen, im Profil oft sägeförmigen (SerraJ Abstürzen vom Sciuricosimo bis zur Montagnola emporrückt, heisst Serra di Solfizio ; der gegenüberliegende Nordrand, der im 0. beim Monte Moddu beginnt und in der Rocca delle Valle del Bove ausmündet, heisst Serra delle Con- cazze; die Westwand der Valle ist die Kraterwand, die von jener beherrscht wird und sieh gegen 1200 m. über den Thalgrund erhebt. — Man geht nun stets dem Lavarand entlang und hat 1. die Serra del Solfizio mit dem Monte Capanna und der Rocca del Corvo bis zur Serra Cuvvighiumi, eine wilde, wüstromantische Gebirgswelt. Unterwegs (gegenwärtig noch bei der Porta) trifft man vereinzelte » Pagliari « an, runde, leere Hirtenhütten, von Lava aufgerichtet, mit strohgefülltem Sparrendach in Kegelform, oben mit Steinen zur Beschwerung gegen die Wind- stösse belegt. Will man Feuer und Wasser, so hat man Herd und Material selbst zusammenzusuchen. — Auf die Rocca piccolo del Corvo folgt die Serra grande del Corvo, welche sich mit einer Felspyramide in das Thal hineinzieht, die schroff über die schwach geneigte Ebene emporsteigt. Diese Ebene ist das Piano del Trifoglietto, welches die obere Stufe der Valle del Bove bildet und mit der Lava von 1819 bedeckt ist. An der Rocca piccolo del Corvo sieht man deutlich drei verschiedene Gangsysteme (einen in den Tuffen liegenden Grünsteingang und zwei Gänge späterer Bildung), von denen zwei eine Gangverwerfung zeigen (der mit drei Zacken vortretende Gang wird von einem fast senkrecht aufsteigenden durchsetzt, welcher oben ein anderes Gang.-dück trifft). Nun gelangt man zur vollen Schau des grossartigsten und ergreifendsten aller Amphitheater, das in einem Umfang von 2* 2 St. auf drei Seiten von fast senkrechten Abstürzen umwandet ist und dessen Ebene ein erhärtetes wogendes Lavameer einnimmt; selbst die Wände sind von senkrechten Lavaströmen durch- 657 18. Der Aetna (Valle del Bove). 658 schnitten,in den verschiedensten Formen, von ungeheurer Grösse. Ein wüstes Chaos überflutet übereinander gestürzt den Boden, zahlreiche Kraterkegel, theilweise noch rauchend, gähnen mit ihren Schlünden aus den Höhlungen hervor und ziehen an den dunklen, jähen Oebirgswänden herum. Nur hier und da bricht sich ein grüner Fleck Bahn. Kein Wasser rauscht nieder, nur fallende Steine sind hier die Zeichen des Lebens und der Tonweit, eine unbeschreiblich öde und wilde Umgebung, und doch aufs tiefste erschütternd. Hier hat der Aetna dem Forscher sein Herz geöffnet, hier liegt die innerste Centralmasse des Vulkans erschlossen, und eine lautlosere Stille der Offenbarung kann niemand wünschen. In diesem ungeheuren kreisförmigen Kesselthal sind die gewaltigen Felswände die lebendigen Inschriften über den Ursprung und die Bildungsweise des Aetna, denn in diesen steilen Abstürzen wechseln mehrere hunderte von sehichtenformigen Ablagerungen von gleichmässiger Mächtigkeit und Ausdehnung und doch von verschiedenstem Alter und Entwickelung, die älteren Laven zuerst in wenig geneigter Lage, dann bei zunehmender Aufschüttung stärker geneigt, Lava, Tuff, v'ulkanische Breccia sich wechselweise ablösend und durchsetzt von senkrechten Trachytmauern oder von kompakten blauen, basaltähnlichen Laven, durch ihr festeres Verharren, während die weicheren Gebilde umher verwitterten, oft wunderliche Sparren und Konstruktionsformen bildend. So bauen die trachytischen Konglomerate , die gelben und braunen Tuffe, die festen aus Feldspaten, Hornblende, Augit zusammengesetzten Tracliytbänke, die sie unterbrechenden, sternförmig von bestimmten Mittelpunkten vorbrechendenGrün- steingänge, die in grosser Mannigfaltigkeit auftretenden, den Basalten und Laven der jetzigen Zeit naheliegenden Gesteinsbildungen sich gemeinsam zur mächtigen Centralmasse des Aetna auf und werden nach oben durch den elliptischen Krater (S. H14.) begrenzt. Hier sieht man, wie die Bildung dieser Centrahnasse nicht das Resultat einer einzigen Katastrophe gewesen ist, sondern wie die mannigfaltigsten Umwälzungen Jahrtausende hindurch ineinander gegriffen haben, bis der Bau, in den verschiedensten Geschossen sich aufthürmend, seine jetzige Form gewann. Lange vor der Aufschüttung des grossen Kegels ging am Fuss die Bildung der Basalte voraus, die man an den kyklopischen Inseln, am Mottahügel bei Catania und an der Westseite bei Adernö und Licodia sieht; diesen basaltischen folgten die trachytischen Laven, die den Kegel bis zum Piano del Lago in verschiedener Konsistenz aufeinander schichteten, und erst nach dem Einsturz der Valle del Bove bildete sich der jetzige Aschenkegel; über die älteren Schichten zogen die neueren Lavaströme und losen vulkanischen Produkte einen Mantel. Die merkwürdigen Gänge bezeugen schon durch ihre Durchkreuzung und Verwerfung ihr verschiedenes Alter. Das Piano del Trifoglietto wird von der untern Valle di Calanna durch eine vom Fuss des Monte Zoccolaro bis zur nördl. gegenüberliegendenRoceaPalombe ziehende, ca. 150 m. hohe Terrasse geschieden; das Piano selbst entstand dadurch , dass der anfängliche Längenspalt durch Kraterbildungen und Einstürze erweitert wurde; durch Wiederholung der Einstürze bildete sich der kolossale Kessel, und Lavaströme glichen die Unebenheiten aus. Es scheint liier gleichzeitig mit dem Centralkrater ein zweiter permanent thätig gewesen zu sein. Man sieht, dass nicht alle Gänge vom jetzigen Hauptkrater ausgingen, sondern auch zu anderen Centren verlängert zusammenlaufen, indem das Centrum wanderte; innerhalb der Lava von 1792 fallen die noch erhaltenen Schichten nach allen Seiten hin ab und gruppiren sich mantelförmig um eine vulkanische Axe. Während die beiderseitigen schroffen Wände der Valle aus alten Laven, Konglomeraten und Tuffen bestehen und der Hintergrund die Abstürze der centralen Massen des Aetna zeigen (doehist der Kegel nicht sichtbar, wohl aber der Rauch), ist die weit ausgedehnte flache Thalsohle ihrer ganzen Länge und Breite nach mit ungeheuren Lavamasssen ausgefüllt, und an den Serren sind nur hier und da eine vereinzelte Eiche oder die Rasenklumpen des Astragalus wahrzunehmen, und die Verwitterung der bröckeligen weicheren Tuffschichten lässt in höchst pittoresker Weise die schönen Bänder der härteren älteren Lavablöcke vortreten; beide umziehen nun mehrere tausend Fuss hoch die alten und neuen Eruptionsherde, und die Lava am Boden, die theilweise aus der Rocea Musarra in der Mitte des Kessels floss, nimmt die wunderlichsten Formen an, bald Eisschollen ähnlich, bald bauchig und gekrümmt, bald zerstückt, bald wenig unterbrochen. Der ärmliche Pflanzenwuchs bietet nur wenigen Ziegen und Schafen im Sommer Nahrung. Nordwärts erheben sich die beiden Kegelkrater des Ausbruchs von 1SA2, der 659 660 18. Der Aetna (Valle del ßove). westliche ein regelmässiger, 15 m. tiefer Trichter mit spärlichem Dampf an der Nordwestseite, vielen rothen Schlacken und zahlreichen vulkanischen Bomben, d. h. gedrehten Formen, im Wirbeln der glühenden halbweichen Masse durch die Luft gebildet. Hier sieht man auch den Aufbau des Kegels sehr gut, das Entstehen der mantelartig um die Axe gelagerten Schichten durch Anhäufung von Asche um den Schlund und Herabfliessen der Lava; jede Schale ist selbst wieder zum Kegel geformt. Der zweite Krater ist grösser, und an der Westwand sind die Dampfausströmungen der Fumarolen noch thätig; von seiner Höhe hat man einen überraschenden Blick auf dieses wunderliche Höllenthal, die gewaltigen Steigungen und Senkungen der Lava, die Kraterkegel im Hintergrund, von denen der höchste noch Dampf und Rauch aus- stösst. Gegen die Westwand sich kehrend sieht man an der Böschung des Piano del Lago eine Reihenfolge wechselnder Schichten von braunen Tuffen und alten Kernlaven entblösst. An der Südwaud liegt unter der Mon- tagnola (S. 647) die kleine Serra öastello della Intermedia, an welcher das obere Ende eines Grünsteingangs in einer Höhe von mehr als 2000 m. sich zeigt; — südwestl. folgt die von 40 Gängen durchsetzte Serra Cuvvighiumi (»Bienenkorb«), neben welcher der kleine Krater von 1792 liegt, dessen Lavastrom theilweise verdeckt von denen von 1819 und 1852 bis zum Fuss des Zoccolaro zieht. Die Serra Cuvvighiumi ist eine der wildesten und malerisch grossartigsten der Valle; die Schichten ihrer braungelben Tuffgrundmassen sind mit ihren Köpfengegen das Thal hin aufgerichtet, ein bedeutender Grünsteingang durchsetzt die Serra von unten bis hoch hinan, und ganz oben ruht eine Grünsteinmasse von 60 m. Höhe auf dem Tuff und verbreitet sich schief durch die Centralmasse des Vulkans; vortretende neuere Gänge durchschneiden quer und fast gleichlaufend den Tuff. Daneben erhebt sich die Serra Intermedia mit drei sehr mächtigen Grünsteingängen, die durch eine Reihe späterer Quergänge durchsetzt werden. Dann folgt die Serra Vavalaci (»Waldschnecke«) mit wechselnden Schichten aus Konglomerat und krystallinischen Gesteinen, die in einem Winkel von ca. 25° gegen die neuere Centralformation rücklaufend sich hinneigen. Gegen die Kraterwand hin springt die grosse Serra di Giannicola ein; an ihrem Fuss vornehmlich sieht man die ältesten Formationen, welche sich in den Fundamenten der Valle erkennen lassen, anstehen; auch sie sind trachytische Konglomerate und feste Trachytblöcke, ohne jegliche Spur von Bildung unter der Meeresoberfläche; verschiedene Gangsysteme durchziehen die Serra, noch reicher in der kleinen Serra di Giannicola, die mit drei Felsengraten aufragt. Die Schlucht der Serra bildet eine der wildesten und grossartigsten Bergscenerien dieser majestätischen Valle. Den mittlern Theil der grossen Serra nennt man Teatro grande, so sehr gleichen seine zahlreichen vortretenden Gänge den Bühnendekorationen. Begreiflich erhieltdann der nur durch eine Sandfläche geschiedene Felsen, der die schönsten Gänge, aber weniger zahlreich zeigt, den Namen des Teatro piccolo; zwei geborstene Pfeiler dieses Theaters ragen äusserst malerisch auf. Nur verweile man nicht zu lange in diesen Theatern und an der Serra di Giannicola, weil die unsichtbaren Geister, die hier ihre Rollen einüben, Kyklopennatur haben und mit Felsstücken spielen. Jenseit der Lava von 1838 und des Kraters von 1811 liegt dann noch nördl. der Serra di Giannicola gegenüber die Valle del Leone, auf einer Hochterrasse, am Westrand mit dem schneebedeckten Felskopf der »Drehorgel«. Zwischen Serra di Giannicola und Val Leone liegt der Doppelkrater des Monte Lepre, aus welchem die älteste sicher datirte Lava, die im Todesjahr Karls von Anjou (1284 ) ausfloss, ihren Ursprung nimmt und als Sciarra della femina morta durch die Valle zieht; sie zerstörte die Kirche S. Stefano. Aus der Terrasse, welche die obere Valle von der untern trennt, ragen die Rocca Musarra und Rocca Palomhe nordwärts hervor, auch von wechselnden 661 18. Yon Catania um den Aetna nach Piedimonte. 662 braungelben Tuffen und rothen grobmassigen Konglomeraten zusammengesetzt und von Gängen schief durchsetzt, die Rocca Musarra in Helmform, von vier gewaltigen Bändern durchzogen, unten mit breiter Helmklappe. Westl. von ihr ragt am Nordrand die Rocca Capra vor, aus wechselnden, oft sehr steil geneigten Schichten von Tuffen und kry stallinischen Gesteinen, an der senkrechten Wand von zahlreichen Gängen durchfurcht; ihre Nordseite läuft in die Serra delle Gon- cazze über, welche die charakteristische Nordwand der Valle bildet, deren Gesteingänge in ihrer Mächtigkeit bis zu 20 m. steigen und, bald ansteigend, bald parallel oder sich kreuzend, bald unten, bald oben sich vereinigend, weithin zum Herd des Ausbruchs in den Berg hineinziehen und das herrliche Landschaftsgemälde vollen - den, das seinen Rahmen durch das Auf steigen und Ausfüllen der Lava in den Spalten erhielt. Von den Seitenkratern ausserhalb der Serra delle Concazze tritt der Monte Fr«- mento esteriore besonders hervor; von hier beginnt die Cerrita - Waldung, die bis zur Lava des Monte Nero und über die Due Monti hinaus in die Nähe von Guarda di Loggia sich verbreitet, anderseits oberhalb Monte Caliatu und Magazini endet. Beim Monte Frumento liegen die Kegel von 1865, und zum Monte Nero nieder zog die Lava von 1874. Diese Partie des Aetna besucht man besser von Linguaglossa oder von Bronte aus. D. Von Catania um den Posfverbindung. Die Tour ist dadurch von Bedeutung, dass man die ganze Nord-, West- und Südseite des Aetna, die wieder ganz eigenthümliche Ansichten gewährt, kennen lernt und vollauf in die Lava - und Kraterwelt eingeführt wird. Die ganze Strecke beträgt ca. 100 Kil. (20 St.), verlangt also 2 Tage, Nachtlager (sicilisch) in Bronte. — Post von Catania nach Paternd 2 Fr. 65 C-, nach Adernd 5 Fr. (Billet Catania, Via Garibaldi 49, aber leider 8Va Uhr Abds.). — Wagen für 5 Personen von Catania bis Stat. Piedimonte an der Bahn Messina- Catania (S. 558) 80 Fr. Von Catania (S. 561) zieht die Strasse in westlicher Richtung an reich bebauten Anhöhen und an dem kolossalen Lavastrom von 1669 vorbei, der von den Monti Rossi (S. 643) niederzog; 1. liegt das Gebiet der Terraforte, aus tertiären Schichten bestehend, welche mit vielen Thälern und Schluchten ein welliges, reich kultivirtes Hügelland bilden, das seines trefflichen Weinbaues halber bekannt ist. Während der Wein von Acireale, Mas- cali, Giarre u. a., Vino bosco genannt, leichter und nur von mittlerem Alkoholgehalt ist, daher als gewöhnlicher Tischwein dient, ist der Vino terraforte sehr alkoholhaltig, aber von trefflichem Geschmack. — Nach 4Kil. 1. Monte Po, eine kleine Erhöhung, mit Spuren eines antiken Baues. L. Monte Gardillo (mit herrlichem Blick auf Aetna und Landschaft), einer der reichen weinbepfianz- Aetna nach Piedimonte. ten Hügel, mit Villa; oben und am Gehänge sind Reste antiker Bauten. (7 Kil.) Misterbiauco (250 m.. 6299 Einw.), ein für den Blick auf den Aetna prächtig gelegenes Städtchen, das seinen Namen von Monastero bianco (weisses Kloster) erhielt. Domenico Tri- gona erhielt 1685 den Herzogstitel von dieser Ortschaft, kam aber beim Erdbeben in Catania um. Die Stadt erhebt sich auf einem alten Lavastrom, der einem reich gesegneten Anbau von Oliven, Feigen und Wein zu Grunde liegt. — Jen- seit Misterbianco, r. von der Strasse, geringe Reste des antiken Aquädukts, und 100 Schritte weiter Reste eines antiken Bades (»Damusi«). Nun ansteigend auf den Bergrücken des Monte Territij hier hat man wieder einen Prachtblick, selbst bis Catania und Lentini. 2 Kil. westl. liegt Motta di S. Anastasia (3279 Einw.), mit einer in den sicilischen Annalen berühmten Festung, östl. auf jähem Felsen; hier war 1414 der leidenschaftliche Grossjustitiar Bernardo da Caprera von seinem Rivalen, dem Grossadmiral Sancio Ruitz de Lihori, bis zur Ankunft des neuen sicilischen Königs eingekerkert. Weiterhin von der mit Mandeln, Oliven und Wein üppig bekleideten Höhe hinab; dann 1. die nach dem Erdbeben von 1669 verlassene Ruinenstadt Bel- passoVecchio, jetzt ein öder Steinhaufen 18. Der Aetna (Patente — Biancavilla). 664 •663 mitten in Kornfeldern. Jenseit desselben r. ein 13bogiger Aquädukt und die Strasse nach dem (r.) 5 Kil. entfernten neuen Städtchen Belpasso. Durch eine weite Kornebene. R. der dunkle Aetna mit seinen Lavaströmen. (20 Kil.) Paternö (Albergo la Fe- nice f ordentlich; Sicilia, mittelmässig), mit 15,778 Einw., ursprünglich eine Festung des Grafen Roger (1073). Eine lange, sehr schöne Strasse mit I manchen eleganten Bauten durchschneidet die Stadt und zieht von 0. nach W. dem Kastellhiigel zu. Dem nach W. gewandten Kastellthurm entspricht im O. die Ilaupt- kirche S. Maria dell’ Alto, von moderner Pracht. — Nahebei südwärts erhielten die Franciskaner 1346 den Palast der Königin Eleonora und wandelten ihn in ein Kloster um, die Kirche S. Francesco, zwar moder- nisirt, hat noch Spitzbogenarchitektur. — S. lienedetto am Hügel unter dem Kastell hat ein normannisches Portal. Das hübscheste Quartier liegt jetzt von O. nach S. um die neue Kirche S. Salvatore. treu. — Von der antiken Stadt blieben noch an der Strada dell’ Ospedale eine Folge von Mosaikböden von guter Arbeit, unter mehreren Häusern sich fortsetzend. 1 St. von der Stadt gegen den Aetna hin, in der Bella Cortina, Reste sehr schöner Bäder in Kreuzesform von grossen Lavasteinen, mit ' Aquädukten und Resten von Becken. Im | (20 Min.) Podere Alessi Reste eines hübschen Bades, in der Contrada dei Romiti, an dem »Priolo« genannten Ort, eine antike Mauer von2Vam., aus ungeheuren unregelmässigen Steinen. An dem westl. von Paternö vor- beifliessenden Simeto Ruinen einer antiken I Brücke, einst zweibogig, doch der Mittelpfeiler zerstört. An dem Hügel Castelluccio darüber im Felsen zahlreiche Gräber. — In der Umgebung der Stadt mehrere Mineralquellen, die Fonte Maimonide mit Eisen (die anderen Schwefel- und Sodaquellen). Unter den Laven des Vallone di S. Biagio findet man schönen Alabaster mit rothlichen Flecken; im kalkigen Boden nahe bei der Stadt fand man Theile eines Mastodonten (jetzt in Catania). Am Donnerstag ist hier Markt, von den Umwohnern zahlreich besucht; am letzten Sonntag im Mai Marienfest. In prächtiger Lage erhebt sich auf einem mit Opuntien und Flechten bewachsenen Felsenkegel von alter schwarzer Lava, der sich ganz isolirt von N. nach S. in Hammerform ausdehnt, das alte Kastell LaTorre, aus einer Torre allmählich zur Baronialwohnung umgebaut (Paternö gibt den Montecateni den Fürstentitel); der hohe, dickummauerte Thurm, der allein erhalten ist, zeigt noch alte Bautheile der ehemals königlichen Domäne und Restaurationen der Grafen Moncada aus dem 15. Jahrh. Jetzt dient der Thurm als Gefängnis. In antiker Zeit stand hier das (ursprünglich sikelische) ätnäische Hybla. Tliukydides (VI, 62) nennt den Ort bei dem Versuch der Eroberung desselben durch die Athener das geleatische Hybla, wahrscheinlich in Bezug auf die Galeoten, die als Bewohner von Hybla und zugleich als weissagende Apollondiener galten. In der sikelischen Stadt stand nämlich ein Heiligthum der Göttin Hyblaia, das hohe Verehrung genoss, und Philistos berichtet, dass die Einwohner Wunderzeichen und Träume auslegen (Pau- sanias V, 23) und überhaupt unter den Barbaren auf Sicilien die gottesfürchtigstcn seien; die Wahrsager hiessen Galeoten nach Galeos, einem Sohn des Apollon und der Themisto; der in Sicilien eingewanderte, d. li. der kleinasiatische Apollonkultus, kam schon vor dem 8. Jahrh. in die sikelische Stadt Hybla. Als jedoch Duketios die altnationalen Elemente der Sikeler vereinigen wollte, blieb Hybla den Griechen I Die Strasse durchzieht nun eine mit : mehreren Lavaströmen heimgesuchte Ge- | gend, zuerst aus Feldern mit Mandelbäu- i men und Orangen hinan und üppiger Be- 1 pflanzung. L. zwischen Paternö und ; Licodia liegen Ruinen mit dem Namen : »Civitä«; hier stand wahrscheinlich das i sikelische antike Inessa, das nach Thra- sybuls Vertreibung Aetna (S. 689) hiess und durch Duketios wieder sikelisch wurde. Nach 3 Kil. über die Lava della Sona; hier zog r. der Aquädukt des Marcellus durch, der Catania mit Wasser versorgte und von dem noch Reste vorhanden sind. Dann durch den breitem Strom der Lava del Monte Arso (r. am Aetna die Monti Capraria, Fossa dell’ ! Aglio, Monte Solechiate und weiter oben Monte Arso); nach (27 Kil.) Licodia (S. Maria), ein echtes Aetnastädtchen, mit 2831 Einw., auf einem von basaltischer Lava umgebenen Plateau. Jetzt durch alten vulkanischen Aschenboden mit spärlicher Vegetation nach (32 Kil.) Biancaviila, Städtchen (12,631 Einw.), einst Albaneserkolonie, 1480 gegründet; auf der höchst gelegenen Stelle im N. steht die elegante Hauptkirche (Madonna della Limosina); das Land umher ist von Quellen des Aetna 665 18. Von Catania uni den Aetna (Aderno). 666 reich bewässert und reich an Korn, an der Südseite Weinpflanzungen. Diesseit des Städtchens r. liegt der Kalvarienberg (Monte Calvario), an welchem ein oigenthümliches trachytisches (Brookit und Eisenglanz haltendes) Gestein auftritt, welches, aus einem Gang hervorgedrungen, diesen Hügel bildet, von den neueren Laven der Umgebung ganz verschieden. Die Strasse zieht an den (1.) Giardini di Castoria vorbei und längs eines Hocli- plateau’s (1. der Campo santo) nach (36 Kil.) Aderno (*Aquila, ordentlich; Penice), eine blühende Landstadt mit 14,673 Einw., hübschem Theater und schönenStrassen. An der Piazza steht das Kastell, ein schöner, viereckiger, hoher Thurm aus normannischer Zeit (jetzt Gefängnis) aus Bruchsteinen, mit Zinnen und von kleinen Rundthürmen fiankirter Brüstung, die Haupthalle im zweiten Geschoss mit Rundfenstern innerhalb kolossaler Mauern; in diese Halle mündet eine kleine Kapelle mit Spitzbögen und bo- giger Apsis; an den Wänden Freskenreste mit der Geschichte der Adelasia, Gräfin von Adernö, Enkelin des Grafen Roger, welche 1150 das Kloster S. Lucia ausserhalb der Stadt stiftete; ihr Sohn heirathete die Tochter König Rogers. — Westl. vom Kastell liegt die Hauptkirche Maria Assunta, ein hübscher moderner Bau mit (angeblich antiken) Granitsäulen. An dem weiträumigen Platz vor der Kirche das Rathhaus. In der Mitte der Stadt S. Pietro, eine sehr elegante Kirche mit Altarbildern von Zoppo di Gangi (am 1. Aug. hier grosses Fest). S. Nicol'o (Crocefisso) istdie (1804—1815 erneuerte) schönste neue Kirche der Stadt, mit trefflichen Stückarbeiten von Filippo Consoli von Catania. Adernö ist das antike Hadranon, eine vom altern Dionys 400 v. Chr. gegründete Stadt bei einem auf einem Hügel gelegenen alten berühmten Tempel des Adranos, eines, wie Plutarch (Timoleon 12) berichtet, in ganz Sicilien hochverehrten Gottes, der ein Kriegs- und Feuergott war; denn als Timoleon gegen Hadranon rückte, sprangen beim Beginn der Schlacht die heiligen Pforten des Tempels von selbst auf, und man sah des Gottes Lanze an der Spitze beben und sein Gesicht von heiligem Schweiss triefen. Und Aelian (XI, 20) erzählt »von dem starken und hülfreichen Gott, er habe heilige Hunde, die seine Diener sind und ihm aufwarten; sie über- treffen an Schönheit sowie auch an Grösse die molossischen; ihrer sind nicht weniger als tausend; am Tag pflegen sie jedem, der in den Tempel und den Hain kommt, zu schmeicheln, des Nachts dienen sie den Betrunkenen und Wankenden als freundliche Führer und Begleiter und geleiten sie nach Haus; wenn aber einer in der Trunkenheit frevelt, so springen sie gegen ihn an und zerreissen ihm das Kleid und bringen ihn so zur Besonnenheit zurück; die aber, so auf Raub ausgehen, zerreissen sie aufs schmählichste«. Auch dem Feuergott und Kriegsgott Adar (Moloch) der Asiaten, welcher mit dem siciJischen Adranos übereinstimmt, indem dieser Kultus durch die Phöniker nach Sicilien kam, waren Hunde geweiht. Adranos ist auch wohl derselbe Gott, der als Hephaistos einen Tempel am Aetna gehabt haben soll. Man vermuthet, dass Reste des- antiken 2'empels südl. vom Schloss an dem »Castellemi« genannten Ort im Garten von S- Salvatore Palermo in den dortigen Sub- struktionen von regelmässigen Lavasteinen ohne Cement erhalten seien. Ostwärts (20 Min.) bei Foggiuta sind Backsteinreste von Bädern. In den antiken Gräbern umher fand man Vasen und Münzen (Sammlung Alcoria). Westl. am Simeto sind noch die Ueberreste eines römischen Aquädukts (Ponte Carcaci). Nordös tl. von Adernö liegt der grosse vierfingerige Lavastrom von 1607; die östliche Lava ist für den Anbau sehr verschieden gestaltet; manche Strecken reich an Oliven, Korn, Hanf bis gegen die Kraterkegel hinan, andere nur mit Opuntien undGinster, oder völlig nackt undschwarz. Die Strasse zieht hoch über dem Thal des Simeto an den Westgehängen des Aetna weiter. Jetzt erst tritt die volle Gewalt des Vulkans in wüsten Lavafeldern und Werken der Zerstörung zum Vorschein, eine Reihe von meist neueren Strömen wird durchschritten, die bald gar keine Vegetation gestatten, sondern nur schwarze Blöcke und vulkanischen Sand in die Felder legten, an anderen Stellen tauchen Fruchtbäume undKornfelderwie Oasen auf. R. (nach der Lava von 1607) die. Lava dell Gallo Bianco von 1595 und die Kraterkegel desMonte Turcliio, Monte Isiddati, Monte Peluso und des zuckerhutförmigen hohen * Monte Minardo. Vom Monte Turcliio zieht eine ganze Reihe von Kegeln nordostwärts: Monte Po- miciaro, Monte Ferraro, Monte Gallo Bianco, [Monte Testa, Monte Linivere, Monte Vi- tuddi. Zieht man dieser Kegelreihe entlang «67 18. Der Aetna (Bronte). 668 eine Parallellinie vom Monte Isiddati und 1 Peluso, so trifft man auf den Monte tre Frati, Monte Nuovo, Monte Rosso mit der Bocca von 1763, Monte Capre, Monte Nero u. a. Eine weitere Parallellinie von Monte Minardo aus fülirt zum Monte Ko- volo, Monte Arso mit dem Strom von 1763, Monte Lepre, dem Strom von 1832 und Monte Egitto. Ein Arm des Lavastroms von Gallo Bianco walzte sich bis zum Ufer des Si- meto hinab. Am Fluss ist ein uralter Terrassenstrom, welcher bis zum Sandsteingebirge (S. 607) vordringt und dem Simeto den Lauf versperrt hat; über seinen jähen, 18 m. hohen Wall stürzt sich der Simeto mit einem sehr schönen Wasserfall hinab, den man hier den Salto Pullicino nennt. Die Aussicht auf die Westseite in die halböden wilden Berge des Binnenlands stimmt völlig zu dem ernstdüstern Aetnabild; hier und da tauchen als Bergkronen 1. sikelische Städte auf. Man durchschreitet den Lavastrom von 1843. L. die Sciarra di S. Lucia, r. die Grotta dei Zingari; dann kommt Bronte in Sicht, ein wunderliches, unheimliches Bild mitten in den Lavabetten darbietend. Ueber die Lava von 1651, am (1.) * Monte la Barca vorbei, r. Serra la Colle, Monte S. Marco, nach (53 Kil.) Bronte (Locanda del Real Collegio, ordentlich; Locanda Oesari), eine durch ihren vorzüglichen Wein berühmte , in der Niederung zwischen den Sandsteingebirgen vonMaletto und Monte S. Marco liegende Stadt mit 14,589 Einw., 794 m. ti. M. Die den ätnäischen Laven thorartig eröffnete Niederung bot einem Lavastrom älterer Zeit den Durchgang (der einen Theil der Flussterrasse bildet), dann den riesigen Lavastrom von 1651, der sich hier hindurchzog. Monte la Barca (s. oben) ist der entfernteste Seitenkrater auf der Westseite, ganz isolirt, mit elliptischer Basis; die Laven, die von oben her gegen ihn drängen, haben das Material der Flussterrassen wesentlich geliefert. Auch der Lavastrom von 1843 hat sich hier den Weg gebahnt. Gegen O. hin sieht man deshalb Wüste an Wüste, Lavaströme auf Lavaströme, Kegelkrater neben Kegelkrater. Nur der schöne Bosco di Maletto, im O. jenseit der Lava von 1832, bildet ein wahres Labsal für das aufgeregte Gemüth! Der Strom von 1651 hat ca. x /2 QM. überflutet. Einen wunderlichen Blick gewähren die fast wagrecht neben einander oberhalb der (r.) Terrasse aufgepflanzten Kegel des Minardo bis zum Monte Isidatti. Dieses Lavastadtchen mit seiner langen lavagepfiasterten Strasse und den unregelmässigen Seitengassen, aber mit überaus fruchtbarem Umkreis, herrlichen Weinpflanzungen, reichem Kornland und Wäldern und Weiden, erhielt Admiral Nelson 1793 vom König Ferdinand als Herzogthum, weil der britische Seeheld, nachdem es ihm geglückt, die Gegenrevolution im Neapolitanischen zu bewirken, den König nach Neapel zurückgeführt hatte. Die Stadt leitet ihren Namen von dem griechischen Bronte, Donner, ab, und zwar von dem Kyklopen dieses Namens; aber die ; Stadt erwuchs erst zu Karls V. Zeiten aus einigen Weilern, die zum Bezirk des Klosters Maniace gehörten, das 2i/a St. nördl. von Bronte (5 Kil. nordwestl. von Maletto) am Simeto liegt, 20 Min. von der zerstörten Stadt Maniace, die der byzantinische Feldherr (S. 84) im 12. Jahrh. erbauen liess. : Die Klosterkirche hat noch Beste des normannischen Baues von 1174 bewahrt, stumpfgespitzte Bögen abwechselnd auf runden und sechseckigen Säulen, im W. ein altnormannisches Spitzbogenportal. Die Strasse fuhrt am untern Gehänge des Aetna weiter hinan; r. die Lava von 1832 und der schöne Hain von Maletto. NachDurchschreitung der nackten Lavabetten, welche Bronte umringen, trifft man wieder auf reiche Kultur. An die Stelle der Lava trittKalkstein undweisser harter Mergel; Korn, Wein und Bohnen schmücken dieAbhänge, undFruchtbäume erfrischen das Auge. Doch ist dieser lachende Anblick oft durch zerstreute Lava- strome durchbrochen. 6 Kil. jenseitBronte zweigt 1. eine Strasse nach Maletto (2764 Einw.) ab, dessen Gebiet durch die Eruptionen von 1607 und 1759 schwer litt. B. der Monte la Nave, dessen Lava westwärts über das Piano di S. Venera zog und bei Maniaci (s. oben) am Simeto endet. Weiterhin 1. der Lago Gurrita } der nur im Winter ein Lago ist, weil zwischen der Lava della Nave und der (r.) Lava del Pomiciaro, eine nach N. offene, tief gelegene, ursprünglich aus Sandstein bestehende, jetzt mit Schlamm überdeckte Ebene, zur Winterszeit ihm 18. Von Catania um den Aetna (Randazzo). 670 669 das von den benachbarten Höhen niederlaufende Schneewasser zuführt. Hier liegt die Wasserscheide zwischen dem Simeto und dem Fiume Älcantara, der als Bach nördl. von Randazzo aus den Sandsteingebirgen, kommt. Südöstl. vom Monte Pomiciaro gegen den Centralkegel hin sieht man eine •weithin gedehnte Lavawiiste neuerer Zeit. Am höchsten und mächtigsten tritt die Sciarra di Collabasso hervor, die 1614 — 24 entstand und ganz aus riesigen braunrothen Schollen aufgehäufte Berge aufthürmte. Man kann von hier auch zum Lavastrom von 1874 und zu den Kegeln von 1865 Vordringen. Doch fehlt auch hier nicht der Blick auf Eichenpartien und Nussbäume des Bosco, und die Strasse zieht durch Kornhügel, die mit Steinmauern umfriedigt sind. Beim Nahen von Ran- dazzo bietet die Vegetation einen reichern Anblick. (70 Kil.) Randazzo ( Locanda 8. Mar- tino , dürftig), eine malerisch originelle, noch völlig mittelalterliche Stadt (7954 Einw.) auf. niederem Lavahügel, mit dunkelbraunen bezinnten Lavamauern und normannischen Thürmen das Gehänge hinanziehend; die alte Umfriedigung, die Spitzbogenthore, engen krummen Gassen, alterthümlichen Häuser und hübschen, theilweise noch normannischen Kirchen geben diesem Städtchen einen echt alt- sicilianischen Charakter. Es liegt nur 4 St. vom Gipfel des Aetna ab, der von hier aus einen eigenthümlich düstern Anblick gewährt. Randazzo ist das antike 'Tissa, der einzige bekannte antike Ort im schönen Thal des Cantara, freilich von Silius Italicus (XIV, 268) als »geringem Namens« angeführt, und auch Cicero (Verr. III, 38) nennt sie eine sehr kleine und gelänge Gemeinde, aber mit sehr arbeitsamen und genügsamen Pflanzern. Der Gesammtanblick der gegenwärtigen Stadt ist namentlich auch dadurch ein sehr sonderbarer, dass die meisten Häuser aus sehr schwarzer Lava erbaut sind. An den Palazzi findet man noch viele mittelalterliche Tliüren und Fenster, oft in wechselnden Lagen schwarz und weiss bebändei’t. Auch Strassenbögen aus normannischer Zeit sind noch vorhanden, über denen die Häuser durch Gallerien verbunden sind (z. B. Volta S. Niccolö); die Lavabaikone ragen oft weit in die Strasse vor, so zuweilen auch die Dächer. Die sehenswerthesten Häuser sind der Falazzo Oomunale, Pal. Finoccliiaro, Pal. Romeo, Pal. Milisari, Pal. Fesaulo. — Santa Maria di Randazzo, der Dom, hat noch normannische Fa§ade und Thurm und ist laut Inschrift in Lava (aussen an der Sakristei) 1239 vollendet. Den Thurm am Westende hauten Cavallari und Marvuglia im alten Stil in neuester Zeit auf. Eine Aufschrift am Campanile auf Sandstein nennt den »Magister Petrus Tignoso« als den alten Baumeister; laut einer Inschrift in der Porticus des linken Seitenschiffs liat Leo Cumier 1222 den Dombau begonnen. Er ist aus Lava errichtet und hat ostwärts drei Apsiden mit normannischer Dekoration (Zickzackornamente und Thierfiguren); das ganz von Lava konstruirte normannische Südportal ist in drei Abteilungen aufgebaut; das Innere, modernisirt, enthält sechs Gemälde von Giuseppe Velazquez. Eine silberne Custodia wurde von Pietro d’Ara- gona 1282 geschenkt. — S. Ficcold ist eine umgebaute normannische Kirche, hat ein Taufbecken aus dem 14. Jalirh., im nördlichen Querschiff eine Statue und zwei Reliefs (S. Nikolaus und seine Wunder) von Antonio Gagini, 1523. — S. Martino zeigt aussen am Langschiff und den Querschiffen noch normannische Dekoration; der Campanile aus dem 14. Jahrh. ist ein hoher, viereckiger, dreigeschossiger Zinnentliurm aus schwarzer Lava mit wagrechten weissen Streifen, die zwei unteren Geschosse haben spitzbogige Doppelfenster, mit wechselnder schwarzer und weisser Einfassung, das Obergeschoss hat dreigetheilte Eiuzelfenster mit schlanken Säulen. Das Taufbecken ist von 1439, achteckig, von rothem Marmor, von achteckigen Pfeilern getragen mit Spitzbögen und Blätterkapitälen. Von Randazzo führt ein sehr malerischer Saumweg nach (11 Kil.) Mojo (hier ist ein am linken Ufer des Älcantara vom Centrum des Aetna sehr entferntes Kratersystem, dessen Laven den Fluss überschritten); über dem bewaldeten Berghang liegt Malvagna (1447 Einw.), unter welchem eine merkwürdige byzantinische Kapelle steht (ein kleines Viereck mit steinerner Kuppel und an drei Seiten mit Apsiden, an der vierten Seite [nicht in der Mitte] die Thür, über jeder Apsis ein kleines Fenster, in jeder Ecke des Vierecks zwischen den Bögen, welche die Kuppel stützen, ein Pendentiv, alle Bögen rund). Der Saumweg führt weiter über (20 Kil.) Francavilla (gegenüber Castiglione), mit Kastell und einer der schönsten *Ansichten des Aetna (besonders aus dem Garten der Cappuccini), (23Kil.) Motta, (30 Kil.) Gaggi nach (38 Kil.) Giardini, Station der Bahn Catania-Messina (S. 544). II aup tweg: Man verlässt Randazzo durch eine Maulheerallee und kommt durch reiche Weinpflanzungen; an den Hängen des Aetna Eichen und Nussbäume. 671 19. Von Catania nach Syrakus. 672 Selbst nach l*/4 St., wo man in ein weites, mit Lavablöcken übersäetes Bett gelangt, sind die Abhänge darüber reich bewaldet. Jenseit des Lavabetts sieht man 1. in ziemlicher Entfernung Castiglione, mit Kastell (von dem man den Aetna ganz besonders als einsame, aber grossartige Wildnis erblickt, da sein auslaufender Fuss hier weit verbreitete dichte Wälder zeigt, durch deren Mitte einzelne Laven ihren Weg bahnen). Unter den nackten Bergen sieht man 1. die Städte Roccella, Mojo, Malvagna, Francavilia. 13 Kii. zieht die Strasse über schwarze, düstere Lavabetten. Dann erscheint wieder ein an Wein und Obst reiches Thal, und Nussbäume erheitern die Landschaft bis hinab nach (90 Kil.) Linguaglossa (Albergo delEtna, ordentlich), eine echte Lavastadt (8822 Einw.), 518 m. ü. M., die nach Fazello ihren Namen vom groben Dialekt der Einwohner haben soll und von aussen mit ihren neun Kirchen weit mehr imponirt als von innen (3. Mai Fest des heil. Dorns). Unmittelbar ausserhalb der Stadt liegt der Avellcineto, d. h. ein dichter Hain von Haselnüssen; auch das übrige Territorium ist trotz der Aetna- steine mit Oliven, Wein, Maulbeeren und Korn bepflanzt. Die Abhänge des Aetna erscheinen zwischen Linguaglossa und Piedimonte nun weit weniger geneigt und bestehen mit Ausnahme des Lavastroms von 1566, auf dem ein kleiner Theil von Linguaglossa erbaut ist, aus Laven vorhistorischer Zeiten, die sich gegen das nahe Sandsteingebirge anstauen und durch die Fiumara Menessale begrenzt werden. (Von hier aus besucht man auch die Kegel von 1865; 4 St.) Was man Bosco von Linguaglossa und Piedimonte nennt, gehört einem freistehenden, scharf abgeschlossenen Gebirge der Apenninfonnation an. — Eine reich kultivirte, mit Wein, Obst und Nussbäumen bepflanzte Gegend durchziehend, gelangt man nach (96 Kil.) Piedimonte, auch ein ganz ausLava erbautes Städtchen (4824Einw.); das alte, mit Zinnen gekrönte Kastell ist jetzt Gefängnis. Weil der Ort von allen Seiten weithin gesehen wird, heisst er auch Belvedere. Die Abhänge des Aetna aufwärts zeichnen sich durch besondern Quellenreichthum aus; die Fontana di S. Maria della Vena, della Trinia, Vecchia, della Presa u. a. tränken die Gemüsegärten und Orangen von Piedimonte. — Die Strasse zur Station gewährt gleich anfangs köstliche Blicke auf das Meer, die Ostküste von Taormina, auf Giarre und Riposto am Gestade und die herrliche Vegetation rings umher (100 Kil.) Stat. Piedimonte, an der Eisenbahn Messina-Catania (S. 558). 19. Von Catania nach Syrakus. 87 Kil. Eisenbahn: 2ma3 tägl. in 31/2 St. I. 9 Fr. 85 C., II. 6 Fr. 90 C., III. 4 Fr. 95 0. (Rückwärts 1. sitzen. 1 ) — Dampfboot: lmal wöchentlich. Von Catania (S. 561) fährt derBahn- zug auf hohem Viadukt zwischen der Villa Pacini und der dem Hafen zugewandten stattlichen Häuserreihe (mit Pal. Biscari) längs des Meers mit voller Sicht auf den Hafen, dann durch die riesige Lavaüberflutung von 1669 hin, kurz nach Catania durch einen grossen Tunnel; jenseit desselben Prachtblick auf den Aetna und das Meer. Die Monti Rossi und Nicolosi sind weithin sichtbar. Die Bahn durchzieht die Piana di Catania, schon in alter Zeit als Campi Leontini durch die üppige Fruchtbarkeit berühmt. Noch gegenwärtig ist der mit vulkanischen Gebilden gemischte Alluvialboden trefflich geeignet für Korn und Wein, wird aber theilweise auf weiten Strecken als Weide benutzt. Ehemals versah eine gute Ernte mehrere Provinzen fürs ganze Jahr. DiodorY , 2 führt zum Beleg für den vortrefflichen Boden die Verse Homers an (Odyss. IX, 109): 673 19. Von Catania nach Syrakus (Lentini). 674 »Sondern ohn 1 Anpflanzer und Ackerer steigt das Gewächs auf, "Weizen sowohl und Gerst’, als edele lieben, belastet Mit grosstraubigem Wein, und Kronions Regen ernährt ihn«; und er fügt bei, dass man sich mit Recht auf den wilden Weizen berufe, der noch gegenwärtig in den leontinisclien Gefilden wachse; Cicero sagt (Verr. III, 18), dass man beim Anblick dieses llauptsitzes des Getreidebaues alle Furcht vor einer Ge- treidetheurung für immer verlor. Noch jetzt findet in günstigen Jahren eine 20 — 24fache Ernte statt. Aber die ganze Ebene, so reich an Weizen, Flachs, Baumwolle, Wein und Oel, ist im Sommer der Malaria unterworfen (Febbre d’aria). — li. Misterbianco in einstün- diger Entfernung, 250 m. ü. M., auf einem Lavastrom (S. GG2). (8 Kil.) Stat. Bicoeca. Zweigbahn nach S. Caterina, S. 442. — Eine lange Iieihe massiger Höhen zieht sich r. am Horizont hin. (IG Kil.) Stat. Basso Mavtino. Nun auf stattlicher Brücke Uber den Simeto- fltiss, den antiken Symaithos, zu dem das ganze Flussgebiet nördl. von der Piana di Catania gehört. Zu ihm strömen von NW. her der Fiume ■■ di Troina (Hadranios), der mit der Eisenbahn Catania-Leonforte nördl. parallel laufende Saho (Kyamosoros) von ebenda, südl. mit jener Bahn parallel und ihr meist sehr nahe, der Bittaino (Chrysas). Der Ilaupt- strom Simeto nimmt dann noch 1 St. vor seiner Mündung den noch südlichem Gtirna- longa (Erykes) auf und verändert bei der Fähre vor der Mündung seinen Namen noch in Giaretta, die östl. von der Bahn zwischen lettigen Ufern mit Tamarinden und Opun- tiou seitlich geschmückt als sehr falber Strom ins Meer fällt; an der Münduug wird rother, gelber und schwarzer Bernstein, wenn auch sparsam, doch in schöner Qualität, gefunden, offenbar ans den Bergen des Innern hierher gespült, daher besonders nach heftigem Regen sicti zeigend. Der Fluss ist im Winter oft sehr stürmisch und bildet hier zuweilen einen förmlichen See. Das gesammte Flussgebiet nimmt 1/7 der Insel ein, (auch geschichtlich) ein zusammengeschlossenes Bergbecken (mit nur einem Ausgang). Die Bahn setzt mm auch über den Crurnalonga (den antiken Erykes) und passirt vier Tunnel. — (23 Kil.) Stat. Val - savoia . Nun erscheint r. der grosse See Biviere di Lentini, der grösste See Sici- fiens, mitten in grüner Umgebung, am Unter-Italien. II. Rande der Piana di Catania gelegen, dahinter lang sich dehnende Halbhöhen, der Aetna immer in Vollsicht. Die Bahn rückt ganz nahe an den See. Im Winter hat er ca. 3 St. Umfang, im Sommer zieht er sich fast auf die Hälfte zusammen und hinterlässt einen übelriechenden Schlamm und Malaria. Er erlangte seine jetzige Grösse erst im Anfang des If>. Jahrh. durch Einführung eines Bachs, mittels dessen auch der (vom Fürsten Butera gepflegte) Fischreichthum (Aale, Barben, Schleien) und die Einträglichkeit zunahm. Im Alterthum wii'd dieser See nicht genannt. Gegenwärtig hat er grossen Werth für die Jäger; denn die hohen Gräser und Binsen, welche den See umringen und auch kleine Inseln bilden, bieten den Wasserv'ögeln eine von ihnen sehr frequentirto Zufluchtsstätte. Der See hat dadurch grosse Berühmtheit erlangt und gibt im November und Decem- ber reiche Beute; man findet hier vornehmlich Schnepfen, die Waldschnepfe, Doppelschnepfe, Moorschnepfe (kleine Bekassine), den wilden Schwan mit schwarzem Schnabel, die wilde Ente, die Fasanen-, Sclniatter-, Löffel-, Hauben-, Schellenente, den weissen Storch, den Fischreiher, Purpurreiher, die Egretta, den Nachtraben, die Wasserralle, das punktirte Sumpfhuhn, den Flusstaucher, den gehörnten Steissfuss, den Haubentaucher, den Strandläufer, die Göldtüte, den llals- baudregenpfeifer, den Teichwasserläufer, die Pfuhlschnepfe (limosa), den Brachvogel, den schwarzen Ibis (Sichelsclmabel), den Säbler (avosetta), das Sultanshuhn (sie waren bei den Alten sehr beliebt [Porphyrio] und wurden gezähmt in der Nähe der Tempel gehalten), die Lachmöve, den Pelekan, den Nonnentaucher. Vom Meer entfernt nach (29 Kil.) Stat. Lentini (viele Wägen bei der Station; Post naeli Caltagirone). Das Städtchen ( Leone d’Oro; Aquila; Cafe-Ristoratore Trinacria, billig lind ordentlich, Wasser schlecht, Wein und Fische vortrefflich), mit 10,578 Einw., liegt r. malerisch am untern Hang eines Hügels, auf zwei durch einen niedrigen Bergrücken verbundenen Erhöhungen. Die berühmte antike Stadt Leontinol lag südwestl. neben der jetzigen, die, in demErd- beben von 1693 fast ganz zerstört, nur ziemlich flüchtig wieder aufgebaut wurde. Ursprünglich von Sikelern bewohnt, wurde sie durch Theokies, der sieh 729 v. Ohr. mit den Clialkidiern aus Naxos hier ansiedelte und dann die Megarer, welche sich in Sicilien nicderlassen wollten, bestimmte, statt seiuer, der durch Eide gebunden war, sich der ge* sammten Stadt zu bemächtigen, eine völlig griechische. Die Gründung galt den leouti- nischen Gefilden, die dann auch durch ein 22 675 676 19. Von Catania nach Syrakus (Lentim). Gerstenkorn auf den Münzen symbolisirt wurden. Polybius (VII, 6) schildert die Lage der antiken Stadt sehr anschaulich; sie war am Abhang nordwärts gewandt, und in dem Thal, das in der Mitte desselben lag, war der Marktplatz und die öffentlichen Gebäude; des Thor am Süd ende des Thals führte nach Syrakus, das Nordthor gegen die leontini- schen Gefilde. Am 'Westgehänge zog der Lissosfluss hinab, der nordwärts nach 1 Migl. in den Terias (Lentini) mündete. Leontinoi blühte als ackerbautreibende Stadt. DieUm- gegend galt als ehemaliger Wohnsitz derLä- strygonen, der menschenfressenden Giganten Homers (Odyss.X, 116), wie schon Thu- kydides (VI, 2) berichtet, und Plinius (III, 59) spricht von der im llistrygonisehen Gefilde liegenden Stadt. — Die Regierung war, wie in allen chalkidischen Städten, vorerst eine oligarehisclie, deren Streitigkeiten mit dem Volk die Tyrannis des Panaitios hervorrief, der ältesten derartigen Gewaltherrschaft in Sicilien (608 v. Chi*.). Er führte die Manier ein, die Reichen (Ritter) bei den Aermeren (Fussvolk) zu verdächtigen, dass sie zu viel Vortheil (vom Kx*ieg) zögen, und bei einer Waffeninspektion, während die Waffen abgegeben wurden, die Herren durch die Untergebenen überfallen, zu lassen, und so, auf das Volk gestützt, zu herrschen. Wegen der Nähe des übermächtigen Syrakus konnte die Stadt zu keiner politischen Blüte gelangen und theilte die Schicksale der Hauptstadt. Im Jahr 427 v. Chr. wurde das ionisch-chalkidische Leontinoi, das mit Athen sympathisirte, wie auch die anderen ionischen Städte, als vier Jahre zuvor der Peloponnesisclie Krieg zwischen dem dorischen Sparta und dem ionischen Athen aus- gebrochcn, von dem dorischen Syrakus angegriffen. Die ionischen Städte schickten eine Gesandtschaft mit dem berühmtesten griechischen Rhetor Gorgias aus Leontinoi nach Athen, und die sikelische Beredsamkeit brachte eine ungeheure Wirkung auf die atheniensisebe Versammlung hervor. Der Leontiner erwarb sich danu auch in anderen Städten Griechenlands zahlreiche Verehrer, Schüler und grossen Gewinn. Infolge eines Aufstandes hatten die Aristokraten die Stadt verlassen und waren nach Syrakus gezogen, Stadt und Citadelle aber wurden von den Syrakusäuern besetzt. Später verliess ein Theil der Leontiner Aristokraten Syrakus wieder, weil (Thukyd. V, 4) es ihnen dort nicht mehr gefiel, und bemächtigten sich zweier Orte (Phokea und Brikinnia) in der Nähe von Leontinoi; aber der Versuch, die Stadt wieder zu gewinuon, scheiterte. Doch zurZeit des Dionysios war die Stadt wieder von ihnen bewohnt, denn dieser nöthigte die Leontiner, in ihr früheres Verhältnis als Bürger von Syrakus zurückzukehren, siedelte 10,000 seiner griechischen Söldlinge in Leontinoi an und befestigte die Burg der Stadt. — Als der Korinther Timoleon 343 v. Oliv. Syrakus befreite, gelang es dem Tyrannen Iliketas, nach Leontinoi zu entkommen, aber später, von den eigenen Soldaten ausgeliefert, ward er, der beim Beginn des Feldzugs gegen Leontinoi in der Volksversammlung daselbst gesagt, man brauche sich nicht zu fürchten, wenn »korinthische Weiber ihre Häuser verlassen« (Euripides, Medea), auf den Wunsch der Korinther hingerichtet, und Leontinoi erhielt die Freiheit zurück. Im Harmibarschen Krieg hatte sich die Stadt auf die Seite der Karthager gestellt, und auch der neue König von Syrakus, Hierony- mos, sich mit diesen verbunden. Vergeblich warnte Rom; Hieronymos stützte sich auf den Pöbel, entfaltete wieder orientalischen Prunk und führte ein Regiment der höchsten Willkür. Die besseren Bürger sahen ihre Rettung nur im Anschluss an Rom, als der Beschützerin der Aristokratie. 214 v. Chr. wurde Hieronymos plötzlich in Leontinoi in einer engen Gasse überfallen und nieder- gemacht; sein Leichnam blieb unbeerdigt liegen. Aber während in Syrakus und Leontinoi beide Parteien sich noch massen, suchte Leontinoi sich der karthagischen Strategen zu entledigen und bat um militärischen Schutz. Aber der dahin gesandte FeldherrHippokra- tes fiel plötzlich selbst von Syrakus ab und tödtete einen römischon Grenzposten. Die Syrakusaner zogen nun vereint mit den römischen Truppen gegen Leontinoi, und noch ehe das syrakusanische Heer erschien, hatte der Prätor Marcellus die Stadt (213 v. Chr.) mit Sturm genommen und mit Mord und Plünderung darin gewütliet. 2000 römische Ueberläufor wurden gestäupt und hingerichtet. Diese Grausamkeit veranlasste dann den nochmaligen letzten Abfall und die Eroberung von Syrakus. Unter der römischen Herrschaft sank Leontinoi zu einem unbedeutenden Ort herab. Im S. sich hinziehende Höhen beherrschen die Stadt. Daselbst, 2 Kil. von Len- tini, liegt, durch eine Strasse verbunden, in hoher, gesunder Lage das von Karl V. errichtete, aber durch das Erdbeben von 1693 schwer geschädigte Städtchen Carlcntini, mit 5454 Einw. Die Eisenbahn zieht nun wieder meerwärts, der Aetna erscheint jetzt 1. (daher jetzt vorwärts 1. sitzen!). Zwischen eigenthümlich geformten Hügeln, r. mit Oliven reich bepflanzt, 1. mit horizontaler Schichtung, durch mehrere Tunnel-, 1. erscheint wieder das Meer. —- (38 Kil.) Stat. Agnone, die letzte Stelle ] am Golf von Catania, da nun das breite Vorland, das in antiker Zeit Tauros oder Xiphonia (jetzt S. Croce) heisst, folgt. Auf den benachbarten Hügeln, in den Wäldern des Territoriums Murgo, pflegte Friedrich II. gern zu jagen. Noch steht hier der Anfangsbau einer gothischcn j Kirche, welche Friedrich in grosser | Pracht aufzuführen hiess, gegen is T . und 677 19. Von Catania nach Syrakus (Augusta — Megara). C78 S. an 2 m. hoch, mit drei Apsiden. Agnone ist Schiffsverladungsstätte von Lentini. Man sieht auf dem Plateau, welches sich nun gegen Augusta hinzieht, ausgedehnte Orangengärten, in denen ein Baum oft 3 — 4l)00, ja bis 6000 Früchte trägt, die auf einmal gepflückt werden, während die Limonenbäume, die einen Jahresertrag von etwa 10,000Früch- ten geben, dieselben während des ganzen Jahres liefern. — L. erscheint die sumpfige Stelle il Pantano, dicht von niederen Bäumen, Buschwerk und Rohr besetzt und in der kühlen Zeit reich an wildem Geflügel. In das Meer strömt westl. die von steilen Felsen (mit zahlreichen Grottengräbern, wie auch die nahe Cava dia- volo d’opera und la Timpa dergleichen zeigen) eingefasste Mündung des Porcari (der antike Pantakyas ), hier Canale della Bruca genannt. (ÖOKil.) Stat. #i*?fcoZ&.Nahe ans Meer; Prachtblicke 1. auf den Aetna bis nach Taormina hin, r. Olivenhügel. Durch schwieriges Terrain und tiefe Durchschnitte; dann vom Meer wieder entfernter durch Aecker und Weideland. Nun gegen eine grosse malerische Landzunge hin, zwischen einer Menge Salzwerhe, die (April bis September) mit Salzwasser angefüllt, selbst schon dem Meer gleichen, mit Prachtblicken auf Aetna und Meer, nach (57 Kil.) Augusta^ vor einem Hochplateau, ähnlich wie Syrakus, als Waffenplatz und Festungsstadt auf niedriger Halbinsel liegend, von Kaiser Friedrich II. erbaut, der die Einwohner des zerstörten Centorbi für die Kolonie bestimmte. Das kleine isolirte Fort, Torre Avalos, mit einem Leuchtthurm, die Florapromenade mit köstlichen Blicken auf Meer und Aetna. Es ist eine der unglücklichsten Städte Siciliens. »Alle Elemente«, sagt de Marzo, »verschworen sich zu seiner Zerstörung, Einfälle, Erdbeben, Brände.« Das Erdbeben von 1848 zerstörte fast den dritten Thcil der Stadt, dennoch wurde fleissig fortgebaut (»Posten, posteri vestra res agitur«). Der alte Hafen »Seno Megarese« , nach dem Erdbeben von 1693 unpraktikabel geworden, wurde so trefflich hergestellt, dass er jetzt einer der sichersten der Insel ist. 1268 zerstörte es Guillaume d’Etendard, einer der rohen Barone Karls von Anjou, und »schlachtete« die Einwohner. 1360 wurde es durch die zwei grossen Nachbarstädte zerstört und verbrannt; 1551 zündeten es die Türken an; 1693 ward es durch Erdbeben niedergeworfen und das grosse Pulvermagazin flog auf; 1848 s. oben. Die Präparation des Meersalzes geschieht hier mit besonderer Sorgfalt. Vom April bis Mitte September wird das Meerwasser in zahlreiche Bassins gelassen, wo es verdunstet und das Salz zurücklässt. Man sieht es in grossen Haufen aufgeschüttet, von schöner weisser Farbe. Der Boden umher ist zuweilen von so zahlreichen Konehylien bedeckt (besonders Cerithien, Turritellern, Radula), dass sie bis zu J /3 m. hohe Schichten bilden. Die Salinen sind durch eine schmale flache Landzunge mit dem Festland verbunden; an die Zunge schwemmt sich eine kolossale Masse von Seegras au. Die Halbinsel, auf welcher Augusta stellt, ist der Anfang des antiken Megarischen Meerbusens ; er hat eine ziemlich niedrige Küste, welcher nun dieBahn folgt. Sanfte Höhenzüge laufen nach dem etwas entfernten. Gebirgskamm. lVs St. jenseit Augusta zieht die Bahn an der Stelle vorbei , wo die antike Stadt Megara stand, von Doriern aus Megara in Griechenland 728 v. Chr. kolonisirt. Die Megarer erhielten in Sicilien unter der Führung des Lamis die ersten festen Wohnsitze; sie Hessen sich zuerst am (Hafen la Bruca) Trotilon, am Fluss Pantakyas (Porcari), nieder, zogen dann, von den Clialki* dern aus Naxos cingeladen, nach Leontinoi (s. oben). Als die Befreiung der Stadt von den Sikclern voll endet war, durch Inst von Theoklet vertrieben, Hessen sie sich auf der Halbinsel Thapsos (Isola di Magnisi) nieder, wo Lamis starb. Endlich fanden .sie einen ständigen Wohnort in der sikclischen Stadt Ilybla, welche von ihnen den Namen Megara Hyblaia erhielt und auf niedrigem Hügel zwischen den Flüssen S. Gusniano und Cantara lag. Noch bezeugen die Mauer- reste , dass die Stadt 1 St. Umfang hatte; ihren Hafen besass sie wohl an der Mündung des Cantara. Seit Gelons Zeit, der die Stadt eroberte und zerstörte, gehörte sie zum Gebiet von Syrakus und gewann auch als wiederaufgebaute Festungsstadt keine Selbständigkeit. Die Bahn zieht nun der ganzen Megarischen Bucht entlang. R. in der Höhe Mellili ( 5770 Einw.), durch das Erdbeben von 1542 fast ganz zerstört; 22 * 679 20. Syrakus. 680 von liier stammt der hybläische Honig, von dem Silius Italiens XIV, 189 sagt: »Und die verwegene Hybla, die selbst hymettisclier Waben Nektar zum Wettstreit ruft«. — Noch jetzt ist er wegen seines aromatischen Beigeschmacks als der beste Siciliens geschätzt. Auch viele bittere Orangen werden hier gezogen, aus deren »Schalen (durch Drücken gegen einen Schwamm und Ausdrücken desselben in eine kupferne Flasche) man ätherisches Oel bereitet. (70Kil.) Stat. Prioli; im Meer gegenüber die Isola di Magnisi (das antike Thapsos, s. oben) , die nur durch einen sandigen Isthmus mit dem Festland zusammenhängt. An der Spitze eine grosse Tonnara. Va St. westl. von Prioli steht in der Kornebene ein Piedestal, La Guglia, 7 m. hoch, auch Tor re di Marcello genannt, angeblich eine Trophäe für seinen Sieg über »Syrakus. Nun um die Acltradina (S. 754) nach (87 Kil.) Syrakus (ß. 20). 20. Syrakus (Siracusa). Vgl. den beiliegenden Plan. Gasthöfe: Vitloria (Musumeci, PL a), Via Mirabella; ganz italienische Wirtschaft; Z. 3 Fr.; Licht 60 C.; Diner mit W. 4 J /2 Fr.; Gabelfrühstück 3 Fr.; Bed. 1 Fr. — Sole (Maino, PI. b), Via Amaltitania 17; Preise ebenso, doch die Wirtschaft ist noch nachlässiger; einige Zimmer mit Aussicht auf das Meer. — Für sehr bescheidene Bedürfnisse: Trinacria , mit Trattoria, Via Savoja; Bett 1—Iba Fr.; Fritto von Fischen 40 C.; Braten 50— 60 C.; zuvorkommende junge Wirtsleute. —■ Italia (PL c), Via Maestranza; (gut), gibt nur Zimmer, besorgt aber allfällig das Essen. — Archimede, Via Savoja (neben Trinacria). — Etua, Via Campailla. — Nur Zimmer, aber gut gehalten, beim Kustoden des Museums Salvatore Polili (sehr zuverlässig), Via Maestranza. Cafes: *Croce di Savoja (das grösste, von den Ofticieren viel frequentirt), Nordostecke des Domplatzes. — Campidoglio , Via Roma. — lloma, ebendaselbst. Konditorei: *Agliano, Ecke der Via Amal- fitana und Via Roma. Post (Pl. g), an der Westseite des Dotn- platzes, gegenüber der Domfa^ade. Telegraph daneben (Pl. 10). Postwagen. Die Messagerie (Piazza del Popolo 26) fahren Abends nach Eoto (7 Uhr) und nach Palazzolo (9 Uhr). Der Verkehr mit beiden Städten ist ziemlich lebhaft und man erhält auch leicht einen einzelnen Posten in einer Vetturinkutsche; die Wegstunde wird für den Posto (Sitz) mit ca. Va Fr. berechnet; für einen viersitzigen Wagen bezahlt man 25 Fr. pro Tag. Wagen vom Bahnhof in die Stadt: Einspänner 90 C.; Zweisp. 1 Fr. 20 C. (Nachts 1 Fr. 40 C. und 1 Fr. 70 (J.). Der Bahnhof liegt 7 Min. vom ersten Thor entfernt und dieses ebensoweit von den zwei Ilauptgast- häusern. — 1 Stunde: Einsp. IVa Fr. (Nachts 2 Fr.); Zweisp. 2 Fr. (Nachts 2^2 Fr.), jede folgende Va St. 60 C., Zweisp. 80 C. (Nachts 80 0. und 1 Fr.). — Gepäck bis auf 50 Kilogr. 20 C., darüber 40 C. — Ein viersitziger Wagen für die Umgegend der Stadt für 1 Tag: 14 Fr.; für Va Tag 7 Fr. Boote: Vom Dampfschiff ans Land (und umgekehrt) V 2 Fr. — Von der Stadt zum Festland 25 C.; eine Barke zur Mündung des Anapo 2 Fr., zur Quelle der Kyane 8 Fr. Dampfboote der- Societä Florio fahren wüclientl. 1 mal von Syrakus nach (9 St. Fahrt) Terranova; nach 1 St. Aufenthalt nach (IV 2 St.) Licala; nach einstünrtiger Rast (in 3 St.) nach Girgenti. (Bei stürmischer See dauert diese Fahrt jedoch bedeutend länger.) Gegenwärtig verlassen diese Dampfboote Syrakus Dienst. Abd. 8 Uhr. ■— Auch am Sonnabend aller 14 Tage findet dieselbe Fahrt statt. (Von Girgenti nach Palermo, s. S. 122.) Konsulate. Oesterreich (Sign. Francesco Belfiore): Via Trieste. — England (Sign. Nicola Bisani): Via Piano del Duonio. — Amerika (Sign. Vunzio Stella): Via Gargallo. — .Frankreich (Sign. Raffaele Bufardeci): Via Maestranza. Fremdenführer: * Michelangelo Yoliti, Via Gargallo (arbeitet gegenwärtig an einem neuen Plan von Syrakus). — *Salvatore Polili, Kustode des Museums. — Antonio Casagehata, Via Ospedale. — Ganzer Tag 6 Fr., halber Tag 4 Fr. Theater: Via Roma (Pl. 13), an der Stelle des Annunziataklostei's. Naturwissenschaftliches Kabinet des Dt*. Alessandro Pizza, Via Roma (besonders durch seine Fische und Konchylien interessant). Münzsammlung (reiche Sammlung antiker Stücke) im Municipio. Lesekabinet (Gabinetto di lettura): Ende der Strada Koma, rechtes Erdgeschoss. (Fremde haben 8 Tage lang freien Zutritt). Buchhandlung: Santoro lteale, Via Gio- berti 3. Oeffentliche Bibliothek im Obergeschoss des Museo; geöffnet von 10—12 Uhr. TR 1 -? Crtmiti., SYRAKUS und Umgebung J[afsstab= t : 55,000 Jfeter .Kilometer Tpjmm0o c o n i .. Wiffil'ft»'/.'I 'wwälo -v u i-d ch :■ ? itiaQW-n-teSBSz* CPArttunz- ß-^T(ku s U& ■Sf-Hiqre« ( “CastolentULV iboUosi ...bascL Qscuxxa «Mg £&sß ; ?i*sLi Ri mm nn .. SiJJHBBE SiiSiäÄ mmm Das heutige SYRAKUS -^svi Forte aT p u't ALafsstab U 16,000 JTeter Ö/'tV .JT- TA*' * Contra cLcü .Dpm nv&s i rrnj/l/ff Cfltlc# a Jfare C “'Butfaldeci- Aeiiiß ■%., Le roavtoAt AuRW^ c t£t‘m4Ui t P « r f'A'i««*“*® C a SM. mm Scimsna V \eÄÄÖ»@«KS *C%J)uo Braccia jranxte Fortxarta Apetusa C - Gary alle 1 Tempio diDiana Bcaico di-Sieftia 3 Pre/ettura 4 Sanco Nationale > ähiseoAreheoZcg.e Bibliotoca 6 Cattedrale-MoTnp.dvMinervcO 7 Munieipio (Palazzo Comunale* 8 Apcireseovado 9 Posta, 10 Ufficio del Teleqra/b WPalazzo Monialto 2 Tribunale Cünle 13 To atro Comunale S&tel&ctö&e&o nlOf WCadari/ii Ssafiyigfcjj Quartiere (rasthbfe aMborya la Vittoria || ib cid Solo dllalia Trinacrta i Via. Areh±mede.\$aivja I amt aao C tour dstello Panicmo (Vez:0.Meinke ;BibTiogpaplnsche" Institut inLeipzig Ws* 1 ' f> 681 20. Syrakus (Geschichtliches). 682 Photographien der Antiquitäten von Syrakus in der Drogheria Giuseppe Cristina, Via Amalfitania 60. Weinhandlung: Paolo Caminiti, Via Roma 21. Die Syrakusaner Weine gehören zu den feurigsten und besten Siciliens. Rothiveine: Amarena, Occhio di Bove; Weissweine : Alba- nello, Nacarella, Capriata, Pistamotta und vor allen die zwei berühmten: *Isola (vom antiken Plemmyrium), von dem es auch eine weniger feine Sorte rothen gibt, und der ■■'Moscafo. Auch die Fische von Syrakus haben mit Recht einen hohen Ruf: *Rivctto, Serra, Dentiei, Orata, Salamonc, Spinola, *Pala- mito, Dotto (monacello), Pettine, Triglia, Morluzzo, Sgombero (Makrele). — Auch hat Syrakus den besten Honig, vorzügliche Früchte und Gemüse. Zur Geschichte. Die Geschichte von Syrakus ist so innig verbunden mit der gesammten Entwickelungsgeschichte der Insel, dass sie oft völlig ineinander übergehen. Thukydides VI, 2 sagt: »Anfangs wohnten die Phöniker auf allen Landspitzen um Sicilien herum, und auf den nahe liegenden kleineren Inseln, des Handels mit den Sikelern wegen«. —■ Sie haben daher wohl auch die Insel besetzt, auf welcher jetzt Siracusa liegt, und zwar lange vor den Wanderungen der Griechen; denn die Stelle war leicht zu vertheidigen und bot guten Ankergrund. Ausserdem deutet die Heraklessage, dass der Heros auf die Kunde, Pluton und Persephone seien bei der Quelle Kyane in die Erde versunken, den herrlichsten Stier seiner Herde in die Kyane versenkt habe, und das nun vom Staat an dieser Stelle jährlich gebrachte Stieropfer auf Elemente des orientalischen Kultus; hierzu gehört wohl die Mythe von Kyane’s Tödtung ihres Vaters, und der Sinn ist dann, dass ehemals statt der Stieropfer hier noch pliönikische Menschenopfer stattfanden. Hier nun, wie überall an der Ostseite Siciliens, wichen die semitischen Handelsleute vor den kriegerischen Griechen zurück. Diese hatten 735 v. Chr. (Olymp. 11, 2) Naxos in der Mitte des Ostgestades gegründet. Auf diese erfolgreiche Niederlassung folgte schon das Jahr darauf die Gründung von Syrakus (Olymp. 11, 3) von der hellenischen Seestadt Korinth unter der Leitung des Archias. Dieser, ein reicher angesehener Ileraklide, hatte nähmlieh bei einem Bacchanal den Aktaion, Sohn des Argivers Melissos, getödtet. Dieser verlangte vergeblich Bestrafung und verfluchte deshalb öffentlich an den Isthmischeu Spielen das Herrschergeschlecht Korinths, die Bacchiaden, und als er dies gethan, stürzte er sich vom Felsen herunter. Bald darauf brach die Pest aus, und Archias erhielt zu Delphi als Gesandter Korinths den Orakelspruch: Poseidons Zorn (die Pest) werde erst dann schwinden, wenn Aktaions Tod gesühnt sei. Da zog Archias sogleich in die Verbannung, und mit ihm gingen viele Korinther, da ohnehin hier an die Stelle des Königthums eine oligarcliische Regierung getreten war und der Seestadt eine Auswanderung für den Handel nur vortlieil- haft erscheinen konnte. Der delphische Gott (im Auswanderungswesen sehr umsichtig), um die Sanktion angegangen, frug, was Archias vorzöge: Reichthum oder Gesundheit V Archias wählte den Reichtlium und gründete — Syrakus! Am Zephyrisclien Vorgebirge hatte er noch Dorer mitgenommen und fuhr dann nach »dem vorzüglichsten Hafen der Ostküste«. So kam er auf die Insel Ortygia, wo er die Sikeler (nachdem die Phöniker die Insel schon früher verlassen haben mochten) vertrieb und die neue Stadt gründete, an dein Ort, wo westwärts, nahe am Meer, die Quelle Arcthnsa floss CS. 740), einer der vielen unterirdischen Wassergiisse der Insel. Die Lage der Insel an einem herrlichen Hafen von gutem Ankergrund und leichtem Zugang (S. 741) schrieb schon zu Anfang der Kolonie den Handel vor. Von Archias (d. h. »Gründer«) wird berichtet (Plutarch narr. am. 2), er habe zwei Töchter, Ortygia und Syrakusa, gehabt; es scheinen also die beiden Namen auf zwei verschiedene Punkte der Niederlassung zu deuten, und da der Name Syrakusai vom Sumpf Syraka stammen soll, der nächste Sumpf aber nördlich von der Mündung des Anapos lag (beim Zeustempel), wo sich noch in der Zeit des athenischen Kriegs ei.i Bürgerregister befand), und der Name Syrakusai auf eine Doppelstadt hinweist, so könnte nach der Gründung des Archias auf der Insel die Höhe des Zeustempels, wo sich die Vorstadt Polichne um den Tempel lagerte, die erste Vergrösserung gewesen sein. Die Stadt dehnte sieh jedenfalls schon frühzeitig auf das Festland aus, denn schon 70 Jahre nach der Gründung schickte sie Kolonien ins Innere der Insel. Dev erste Bezirk, den die Stadt auf der Hochfläche des Festlandes einnahm, hiess Achradina (d. h. Wildbirnenplatz). Sie ist jenseit der Insel zunächst eine Niederung (750 m. Weite), aus der sich jäh eine Hochfläche erhebt, die gegen das Meer breit und schroff abfällt, dagegen westwärts zu den Seiten eines Dreiecks sich in das Land hinein verschmälert. Die fast senkrechte Linie von der Nordspitze der Insel dem Ostrand des Festlandes entlang bis zum Capo San Panagia bezeichnet nebst der vom Pozzo doll 1 Ingeniere (ausserhalb des Thors bei der Säule auf dem Exercirplatz) parallel nach N. bis zur Küste gezogenen Linie diese erste Festlandsniederlassung. Die dortigen Steinbrüche (Latomien), deren schon im Anfang des 6. Jahrh. gedacht wird, lagen an zu Häusern ungeeigneten Felsrändern. Der Markt nahm die Niederung zwischen der Inselspitze, und der Hochfläche ein, lag also in der Nähe des grossen Hafens. Die Stadt bildete anfangs eine aristokratische Republik, die Ansiedler hatten sich nach dorischer Weise in den Grundbesitz ; gctheilt und die Nachkommen der Gründer 683 20. Syrakus (Geschichtliches). 684 behielten als Gamoren (Grundherren) die Herrschaft; daneben wuchs eine thätige »schutzverwandte« Einwohnerschaft der Ge - werbtreibenden empor; den dritten Stand, der als hörig ( l-allikyrioi, d. h. ironisch .Junkerbauern, oder Kyllyrioi) ohne bürgerliche Hechte war und den Boden der Gamoren bebaute, bildeten ursprünglich die unterjochten Ureinwohner. Die Aristokratie sorgte eifrig für das Gedeihen der Stadt, die Insel wurde frühzeitig mit dem Festland durch einen JJamm verbunden, und wenn die Ansprüche der stetig sich vermehrenden Neubürger es erheischten, wurden Kolonien ausgeschickt, 664 nach Äkrai (Palazzolo), 644 nach Kasmenai, 599 nach Kamarina. Den Fall der Aristokratie veranlassten die gewöhnlichen Gründe, nach innen verrottete Eiebesvei'hältnisse der privilegirten Klasse, nach aussen das Festhalten an den alten Anschauungen, unter sich die Befehdung der Sonderfamilien. Ihre Schwächung durch den innern Hader benutzte das Volk zu ihrer Vertreibung, und nun begannen neue Fortschritte auf dem wirtschaftlichen Gebiet; Syrakus begann im Lauf des 6. Jahrh. selbst zu münzen, dem naclisolonisclien Fuss folgend (wie auch die übrigen dorischen Kolonien). 500 v. Clir. waren die bedeutenderen Städte Siciliens sämmtlich in die Hände einzelner Gewalthaber (Tyrannen) gekommen , bis auf Syrakus. Während Anaxilas sicli zum Herrn der Meerenge von Messina erhob, suchte am Südrande der Insel der Tyrann von Gela (Terranova), Hippokrate», sich gegen O. auszubreiten und des gegen Gela hin vorrückenden Gebiets von Syrakus sich zu bemächtigen, das im Krieg gegen die eigene Pflanzstadt Kamarina diese erobert, die Einwohner vertrieben und die Nachbarstadt Gela’s selbst besetzt hatte. Ilippokra- tes nahm nun den Kampf gegen Syrakus auf, schlug die Syrakusaner am Fluss Ilelo- ros, besetzte die Höhe heim Tempel des Zen» Olympio», behandelte aber die Priester, welche die goldenen Weihgeschenke und den goldenen Zeusmantel entfernen wollten, als Tempclschänder, und stieg danach in der Achtung des Syrakusaner Volks. Die Eroberung der Stadt verhinderten Korinth und Kerkyra, und Ilippokrates erhielt nur Kamarina (Herodot VII, 154). Als er plötzlich in llybla umkam, bemächtigte sich der Vormund seiner Söhne, Gelon, ein Nachkomme des Weihpriesters Telines, der Herrschaft und suchte nun des Ilippokrates Plan gegen Syrakus durch List zu erreichen. Er benutzte dazu das Verhältnis der Gamoren zum Volk, dem die Aristokratie der Grund- lierren drückend war. JJerodot (VII, 155) berichtet, »dass das Volk (die Gewerbtreiben- den) sich mit den Leibeigenen, den sogen. Kyllyriern (s. oben), zusammengethan und die adligen Grundherren von Syrakus vertrieben habe. Diese waren nach Kasmenai gezogen; Gelon nahm sich ihrer an, führte sie nach Syrakus zurück und gewann damit auch Syraku», denn das (demokratische) Volk zog den mächtigen Nachbar den Aristokraten vor und übergab dem anrückenden Gelon die Stadt und sich selbst. Sobald nun Gelon Syrakus erhalten hatte (485 v. Cln\), fragte er wenig nach seiner andern Herrschaft Gela, die er seinem Bruder Hie- ron zu verwalten gab, dagegen verstärkte er Syrakus, und letzteres war ihm alles (d. h. er erkannte es sogdefch als die wahre Kapitale Siciliens). Das wuchs und blühte auch alsbald empor«. — Er versah die Stadt, um sie zur Grossmacht über Land und Meer zu erheben, mit einer zahlreichen Bevölkerung, schleifte Kamarina (483 v. Chr.) und bürgerte die Kamarinäer in Syrakus ein, zog auch die grössere Hälfte der Bürger von Gela nach und liess die Vornehmen von den sicilischen Megareern und Euböern, die den Krieg wider ihn erhoben hatten und nun des Todes gewärtig waren, nach Syrakus ziehen, während er das niedere Volk jener Städte nach dem Urtheil, »dass der Volkshaufe der misslichste Inwohner sei«, aus Sicilien hinaus verkaufte (Herod. VII, 156). So vergrösserte sich Syrakus; im W. trat auf dem Hochplateau zur Aehradiua uördl. die Region Tyehe hinzu, die an den Hafen Trogilos stiess; siidl. schloss sich an die Tyclie, durch einen freien Raum von ihr abstehend, eine Vorstadt um den Apollo- tempel, Temenites, an, die spätere Neapolis. Syrakus war nun Hofstadt; an die Stelle seines politischen Lebens trat das industrielle einer sehr gemischten Bevölkerung; doch liess Gelon der Bürgerschaft die Selbstverwaltung, gewann die Grundherren durch Pflege des Ackerbaues, die Kaufleute durch Hebung des Schiffbaues und Handels. Die Bürgerschaft blieb die Kriegsmacht. Nun richteten sich seine Pläne gegen den unter den Karthagern stehenden Theil der Insel; Hellas sollte ihm behülflich sein, da ja Griechenland dann alle Häfen Siciliens offen stünden. Aber Griechenland sali sich umgekehrt genöthigt, beim Herrn von Syrakus um Hülfe gegenXerxes nachzusuchen. Gelon versprach 200 Galeren, 2o,000 Schwerbewaffnete, 2000 Reiter, 2000 Bogenschützen, 2000 Sclileuderer und 2000 leichtbewaffnete Schnellreiter sowie die Lieferung des Vorrätig für das gesammte Ilollenenhcer bis zum Ende des Kriegs (Herodot VII, 158), aber unter der Bedingung, dass Kr Feldherr und Führer der Hellenen gegen die Barbaren sei. Darauf antwortete der lakedämonische Gesandte: »Laut jammern würde Agamemnon, hörte er, dass den Spartiaten die Führung entrissen worden von Gelon und den Syrakusanern!« Gelon verlangte nun wenigstens die Führung der Flotte. Aber der Gesandte der Athener antwortete: »König von Syrakus, nicht um einen Führer hat uns Hellas zu Dir gesandt, sondern um ein Heer!« Gelon aber brach die Unterhandlung ab und schloss sie mit den Worten: »Verkündet den Hellenen, dass ihnen der Frühling aus dem Jahr genommen ist«; wozu Herodot erklärt, dass, wie der Frühling das Edelste sei im Jahr, so das syrakusanische Heer in dem G85 20. Syrakus (Geschichtliches). 686 Heer der Hellenen. — So lautete die griechische Ueberlieferung von der Grösse von Syrakus. — Gelon mochte freilich bedenken, dass, falls Xerxes siege und nun noch mit Karthago sich verbände, der Untergang des griechischen Sicilien dann unvermeidlich wäre. In der nahen Grossstadt Akragas war nach dem Sturz des Tyrannen Phalaris das Geschlecht der Emmeniden an die Spitze getreten, mit Theron (S. 6«) als Feldherrn, dann als Regenten, dessen Tochter Gelon lieirathete. Theron hatte Akragas in ähnlicher Weise gehoben, wie Gelon Syrakus, und Himera an der Nordküste gewonnen; aber dessen vertriebener Tyrann Terillos suchte Hülfe bei der reichen und mächtigen phöni- kischen Kolonie Karthago, ihr vertrauend, dass sie der hellenischen Beweglichkeit die kaufmännische Zähigkeit und Tliatkraft sowie ihre grossen Mittel entgegenstelle. Von ihren drei festen Punkten auf der Insel: Motye, Panormos und Soloeis, hatten die Karthager schon seit längerer Zeit sich der hellenischen Macht entgegengestellt. Nun galt es einen Kampf, der für Sicilien dieselbe Bedeutung hatte, wie der gleichzeitige Freiheitskampf von Hellas gegen Persien. Denn die Karthager rückten mit einem gemischten Riesenheer von Nmnidiern, Libyern, Balearen, Spaniern, Galliern, Italikern, -während die eigentlichen Bürger nur einen kleinen Kern bildeten, unter dem einen ihrer Erbkönige, Hamiikar, einem Feldherrn von bewährter kriegerischer Erfahrung, gegen Himera vor. Hier entschied sich an Einem Tag der Kampf (481 v. Chr.). Während Theron in Himera befehligte, überfiel Gelon mit seiner ganzen Ileeresmacht von seinem Lager im Flussthal aus das karthagische Lager, indess im Kücken der Gelons Angriff sich Entgegen- werfenden, eine Reiterschar Gelons, welche von den Karthagern für den selinlichst erwarteten Zuzug vonSelinus gehalten worden war, die Schiffe verbrannte. Hamiikar fiel, und das Heer erlag in wildester Unordnung. So hatten Syrakus und Akragas den National- feind und damit dieUebermaclit der Barbaren durch hellenische Klugheit und Tapferkeit gebrochen. Der Sieg war für Syrakus, ganz Sicilien und das Hellenenthum von so grosser Tragweite, dass die Himerasclilaclit auf denselben Tag augesetzt wurde, an welchem Hellas bei den Tlicrmopylen oder bei Salamis stritt. Die Zahl der Gefangenen war so gross, dass Syrakus eine ganze Klasse dienender Bevölkerung als Handlanger erhielt. Die überreiche Beute lind die Zahlung der Kriegsschuld (2000 Talente) halfen, die Stadt nun völlig zur Grossstadt auszu- bilden. Nach dem Tode Gelons -wurde im Tempel der Hera die Statue des unbewaffneten Fürsten aufgestellt, denn er war in den Volksversammlungen stets ohne Waffen und Mantel erschienen und vom Volk als Wolilthätcr, Retter und König aus- gerufen worden. Der Demeter und Kore hatte er prächtige Tempel erbauen lassen, dem olympischen Zeus wieder einen goldenen Mantel geschenkt, sich selbst aber verbat er testamentlich jede Ehrenbezeigung im Leichenbegängnis, und verlangte auf dem Landgut seiner Frau begraben zu werden. Das Volk folgte dem Sarge eine halbe Stunde weit bis zu jener Begräbnisstätte, und liess es sich nicht nehmen, den Grabhügel durch ein Prachtinonumeut mit neun Thürmen zu schmücken; die Karthager zerstörten später das Monument, und der Neid des Agathokles fällte die Thünne. Das öffentliche und häusliche Leben von Syrakus widerspiegelten nun die materielle und geistige Blüte. Aber an Gelons Sohn wurde des Vaters Usurpation gerächt. Denn wie einst dieser als Vormund sich an die Spitze geschwungen, so Hieron, der Bruder Gelons. Er war, wie dieser, ein Bürgerkönig, regierte mit Kraft und Umsicht , häufig jedoch mit Härte und Begünstigung heimlicher Angeberei. Den Etruskern, welche ihre Seemacht immer weiter ausbreiteten, trat er (474.) siegreich entgegen (noch ist [im Britischen Museum] ein Helm vorhanden von dieser tyrrhenischen Schlacht, von Hieron dem Zeus Olympieios geweiht); diirch neue Städtegründung suchte er seine Macht zu erweitern, legte auf Iseliia eine Stadtveste an, verpflanzte die Bewohner von Naxos und Katane nach J^eontinoi, das nun bedeutend aufblühte; bevölkerte Katane (Catania), für dessen schöne Lago und fruchtbare Gegend er besonders eingenommen war, mit 10,00t) Neubürgern (476 v. Chr.), theils aus Syrakus, theils aus dem Peloponnes, nannte die Stadt Aetna und setzte der nun nach dorischen Institutionen geleiteten Neuschöpfung seinen Sohn Beinomenos vor. In seinem Stammlande betheiligte sich Hieron an den hellenischen Spielen, warb um den Preis in Olympia, Delphi und am Isthmos; die prächtigsten Züge von Pferden und Maul- thieren segelten von Syrakus zu den olympischen Festen, mul verliehen diesen einen hohem Glanz. Ja, Hieron liess sogar von den berühmten Bildnern Kalamis und Onatas seine Viergespanne undRennpferde zu Olympia in Erz aufstellen, wie denn schon nach dem Sieg bei Himera in einem besondern »Scliatzliaus der Karthager« syrakusanische Weihgeschenke zu Olympia aufbewahrt -wurden. Den llof Hierons belebte die Dichtkunst, und die grössten Dichter aus Griechenland besuchten denselben, z. B. Simo- nides aiis Keos, der Sänger der Perserkriege, dem freilich auch das Geld des Hofs die Flügel lüftete, wie seine Antwort auf die Frage von Hierous Gattin, »wonach zuerst zu streben sei, nach Reichthum oder nach Weisheit«, für Syrakus charakteristisch bezeugt: »Zunächst nach Reichthum, denn ich sehe alle Tage Weise an die Thürcn der Reichen kommen!« — Dann der Neffe des Simonides, Bakchylides, dessen (schmeichlerische) Poesie Hieron der Pindar’schen vorzog. Vor allen Pindar selbst, 521 geboren (aus dem thebanisclicn Adelsgeschlecht der Aegiden), erst 474 nach Syrakus kam und nicht lange geblieben zu sein 687 20. Syrakus (Geschichtliches). 688 scheint, aber 44 Gesänge den Sikelioten weihte (darunter vier Oden demHieron), Loblieder auf olympische, pythische, nemeisclie und isthmische Spiele. In der 3. mythischen Ode (Vers 100) preist er Hieron: »Der ein König herrscht in der Stadt Syrakus, — Bürgern hold, nie neidisch den Edlen, dem Fremdling — Wunderbar voll Vatersinn«. ■— In der 1. mythischen Ode (die einen prachtvollen Gesang auf den Aetna enthält) erinnert er an Himera (Vers 149): »Doch am anmuthreichen Ufer Himera’s erschalle noch Deinomenes’ Söhnen (Gelon, Hieron) ein Lied, Das gewann ihr tapferer Mutli, Dem das Heer erlag der Feinde«, und knüpft daran die Worte: »Strebe zum Ziele des Schönen, Und lenke das Volk mit dem Steuer des Rechts, Und schmiede die Zung’ an dem Amboss der Wahrheit. Nimmer durch gleissende Listen berückt!« In der 2. mythischen Ode, welche mit den Worten beginnt: »O Syracusae, grosse Stadt, Des Ares Heiligthum, Erzliebender Männer und Rosse Göttliche Pflegerin«, und Ortygia den Sitz nennt: »Wo der Leto Tochter am Strom Weilt, ohne die er (Hieron) nie mit gelinder Hand Jene buntgezäumten (in Hella siegenden) Pferde gebändigt hätt«, fügt er bei: Reich und weise sein, ist Wahrlich der Loose schönstes. Dir wurde das, du zeigst es frei Mit königlichem Sinn, Du, der gewaltige Herrscher Des Volkes und thurmumkränzter Städte; und er malmt ihn (Vers 134): »Dich selbst kennend, ringe dem Schönen nach!« Die 1. olympische Ode (472 v. Chr.) steigert sich zum höchsten Lob (Vers 18): »Herrschend über Sikelia’s Lämmerreiche Gefilde, Führt er des Rechtes Stab, Pflückt er von jeglicher Tugend die Krone. Leuchtend thront er auch im Glanz Duft’ger Blumen des Liedes, Wenn wir Männer scherzend oft Uns am traulichen Mahl ergehen«. In der i. nemeischen Ode beginnt er mit einem prächtigen Lob der Inselstadt: Alplieios’ heilige Ruhestatt, Ortygia, stolzer Zweig syrakusischer Pracht, Wiege der Artemis einst« und fügt auf ganz Sicilien bei (Vers 16): »Lass denn in wonnigem Glanze das Eiland Leuchten, das Persephone’n Zeus, Olympos’ König, verlieh, und des Hauptes Locken ihr zuneigend schwur, Die fette Flur Sikelia’s Werde mit reicher Städte Häuptern Prangen, das herrliche, fruchtschwere Land. Und der Kronide gewährt ihr ein Volk, Das stets des erzumklirrten Kriegs Eingedenk, hoch streitet zu Ross, von olympischen Oelzweigs Goldnen Blättern oft umkränzt«. In dieser Zeit des höchsten Glanzes von Syrakus, als die Herrscher denselben noch in der möglichsten Förderung der bürgerlichen Wohlfahrt fanden, gedieh auch der Tempelbau zu ausserordentlicher Pracht, prächtige Weihgeschenke wurden dort aufgestellt, Statuen aus dem kostbarsten Material errichtet, aus den Steinbrüchen (Latomien) die Hausteine für Gebäude von ausserordentlicher Pracht herbeigeführt, und ein verzweigtes System von Aquädukten leitete das Wasser (S. 759) durch die Oberstadt und unter dem Meeresboden nach der Insel; eine technisch meisterhafte Kanalisation spannte ihr Netz unterirdisch überall hin aus, ein luxuriöser Fischteich (S. 747) sorgte für die Gastmähler, die Häuser der Vornehmen wurden zu Receptionspalästen. Schöne Münzen sympolisirten die Eleganz des Reichthums; die silbernen Zehndrachmenstücke von Syrakus gehören zu den vorzüglichsten Kunstleistungen. Auch die dramatische Kunst wurde neben der voll ausgebildeten Lyrik in Sicilien dadurch rasch zur Blüte gebracht, dass der grösste hellenische Dramatiker, Aischylos, nach Syrakus kam, einige Jahre in Sicilien blieb (er starb 459 v. Chr. in Gela). — Sein Drama, »Die Aetnaerinnen«, war der Gründung von Katane-Aetna geweiht; in Syi’akus wurden die Perser des Aischylos aufgeführt, ja, es finden sich in den Tragödien des Aischylos Ausdrucksweisen, welche die Alten als nur Sicilien eigenthiim- lich erwähnen. Auch der älteste Lustspieldichter, der Philosoph Epicharmos, weilte unter Hieron zu Syrakus und starb hier, 90 Jahre alt; die äyrakusaner versahen seine Erzstatue mit der Inschrift: »Wie die erhabene Sonne den Glanz der Gestirne verdunkelt, Und wie die Fülle des Meers breiter als Ströme verrauscht, Also an Weisheit strahlt, dem ich Zeugnis kiind’, Epicharmos, Bürger der Stadt Syrakus, welche den Kranz ihm verlieh«. Aber die an geistiger und materieller Fülle glänzende 18jährige Tyrannis der Dei- nomeniden fiel durch innere Zerrüttung des Herrscherhauses. Der jüngste Bruder Ge- lons, Thrasybulos, ungleich seinen Brüdern an geistiger Begabung, hatte dessen Sohn durch Auferziehung in Lüsten unfähig zum Nachfolger gemacht und sich selbst zum Gewaltherrscher aufgeworfen. Die republikanische Partei erhob sich gegen das auf Söldner und Gewalt trotzende Willkürregiment. Thrasybulos hatte Ortygia und Achradina in seiner Gewalt und verthei- digte sich mit 15,000 Söldnern und Neubürgern. Die Republikaner waren auf die Tyche und Neapolis hingedrängt, wandten sich aber 689 20. Syrakus ((Jescliiclitliches). 690 an die mächtigen Städte der Insel, die bereitwillig gegen die Oberherrschaft von Syrakus zu Hülfe kamen. Gela, Akragas, Seli- nus, Himera und selbst die Sikelor halfen. Thrasybulos, zu Wasser und zu Hand geschlagen und hoffnungslos eingeschlossen, verzichtete auf die Herrschaft und zog sich nach Lokri zurück. Syrakus, gross an Macht und Bevölkerung, erhielt nun ein OOjährigen republikanisches Regiment. Noch zeugt unweit der Latomie des Paradieses ein kolossaler Altar (S. 747) von dem Hekatombenopfer von 450 Ochsen, das zur Feier der Befreiung (Menf-heria) alljährlich gespendet wurde und mit Schmaus und Spiel verschönert ward. Anfangs erhob sich schwere Uneinigkeit zwischen den Altbürgern unddenvondenEhren- Hmtcrn ausgeschlossenen Neubürgern und Söldnern. Diese bemächtigten sich Ortygia’s und Achradina’s, aber jene zogen über den Westtheil Mauern, welche die Neubürger vom Verkehr mit dem Binnenland abschlossen, und zwangen die Neubürger zur Unterordnung oder zum Wegzug. Auch die Sikelor regten sich jetzt, mit ihrem unternehmenden, kühnen König l)u- ketios an der Spitze. Sie hatten den Republikanern geholfen und Duketios benutzte nun den Hass gegen die Tyrannis zur Rücknahme derjenigen Ländereien, welche den Sikelern von Hieron in der Nähe von Ka- tane entrissen worden. Jene Kolonisten in Aetna-Katane wurden vertrieben und liessen sich nun in Inessa nieder, das jetzt den Namen Aetna erhielt. Die nach Leontinoi verbannten Kataner kehrten zurück, ebenso die Emigranten aus Gela, Akragas, Himera; eine besondere Zusammenkunft von Abge- , ordneten setzte durch, dass nur den Einheimischen die bürgerlichen Rechte zuerkannt wurden, und die erst nachher den Städten aufgedrungenen Fremden diese zu verlassen hätten. Die Reichen unter denselben erhielten Sitze im Gebiet von Messana. Syrakus hatte zwar sein leitendes Ueberge- wicht über Sicilien verloren, aber die Städte blühten bei ihrer grossem Selbständigkeit in allen Zweigen der Kultur ungestört auf. Als in Syrakus der reiche Tyndareon durch Anschluss an die Besitzlosen zur Macht gelangen wollte, wurde er mit dem Tod bestraft , die Stadt führte (454 v. Chr.) einen ausserordentlichen »Oelbiätterspruch« ( Peta- lismus) ein, d. li. der Name dessen, welcher die Demokratie zu gefährden schien, wurde (wie in Athen auf Scherben) auf Olivenblätter eingeritzt, worauf er in die Verbannung zu gehen hatte. Die Willkür dieses persönlichen Referendums veranlasste den Rücktritt der besten Kräfte vom politischen Leben und die danach folgende ergötzlichere Ausbildung des vornehmen Imxus an der Stelle der Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten. Das Oclblättergericht dauerte daher nicht allzu lange an. Gleich wie in Athen blühte jetzt die gewandte Rede (Korax, Tisias, Gorgias sind die Repräsentanten der frühesten Ausbildung der Rhetorik, die den sicilischen Griechen sozusagen angeboren war), und Sophisten lehrten die Staatsweisheit. Die Städte begannen, sich enger aneinander zu schliessen, aber die hellenische »Sonderbündlerei« liess es nie zu einer aufopfernden allgemeinen Einheit innerhalb der Mannigfaltigkeit noch zu einer wirklich freien Verfassung kommen. Mit Erfolg wurden zwar die Sikeler bekämpft, nachdem Duketios die Stadt Mcnai (Mineo) gegründet, JSIorgantion erobert, 453 sammtliche sikelischen Städte zu einem Bund geeinigt und zu dessen Hauptstadt das beim Nationalheiligthum neu erbaute Palike am Palikensee (bei Castrogiovanni) bestimmt, dann Inessa genommen, die Syrakusaner und Akragantiner besiegt hatte. Bei Nomai wurden die Sikeler gründlich geschlagen, und Duketios sah sich plötzlich von den Seinigen verlassen; er ritt in der Nacht nach Syrakus und übergab, als Schutzflehender auf dem Altar am Markt sitzend, sich und sein Land den Syrakusanern, die ihn nach Korinth verbannten. Auf einen Orakelspruch hin, an der »schönen Küste« (Kalakte) eine Kolonie zu errichten , kehrte er plötzlich zurück, wohl von Syrakus begünstigt, denn dies trachtete wieder nach einer die ganze Insel beherrschenden Vorsteher* schaft (Hegemonie) und hoffte, durch Duketios Akragas in Schranken halten zu können. Die Akragantiner wurden von den Syrakusanern am Himeras geschlagen, doch kam 446 ein Friede zu Stande. Duketios herrschte in Kalakte bis zu seinem Tode (439 v. Chr.), und nun bemächtigte sich Syrakus rasch der sikelischen Städte; auch ihre letzte Burgstadt Trinakia fiel, nachdem die Krieger nach verzweifelter Gegenwehr nie- dergehanen worden und die älteren Männer sich entleibt hatten. Die Syrakusaner verdoppelten nun ihre Heeresmacht, brachten es wieder auf 100 Trieren und legten den abhängigen Gemeinden hohe Steuern auf. Und nun wurde auch, ähnlich wie in Hellas, im Peloponnesisehen Krieg und veranlasst durch denselben, die Eifersucht der verschiedenen Stämme zur Förderung jenes Ehrgeizes benutzt. Die eine Partei bildeten die dorischen Städte Syrakus, Akragas, Gela, Selinus, ferner Himera, Mos- sana sowie das italische Lokri, die andere Partei die ehalkidisch - ionischen Städte Leontinoi, Katane, Naxos und das dorische Ka- marina (mit Syrakus wegen Morgantine im Streit) sowie das italische Rhegion. Syrakus, das in seiner Politik, die kleineren Staaten der Insel sich zu unterwerfen, fort- schritt, richtete nun sein Bestreben gegen Leontinoi. Eingeschlossen und dem Unterliegen schon nahe, griffen -die Leontiner zu (lern verhängnisvollen Mittel, durch ihren berühmten Rhetor Gorgias und andere Gesandte das stammverwandte Athen (427) zu Hülfe zu rufen. Die Athener, rasch gewonnen durch die Erwägung, dass ein übermächtiges Syrakus als dorische Stadt die Macht ihrer peloponnesisehen Gegner mehren könnte, die Flotte der dorischen Städte Siciliens das Meer beherrsche rmd der Augen- 091 20. Syrakus (Geschichtliches). 692 blick günstig 1 sei, ihre Macht nach dem reichen sicilien auszubreiten, schickten eine kleine Flotte von 20 Schiffen unter Lache» und Charoiades nach Sicilien, fast mehr auf Kundschaft als zur Hülfe. Sie fuhren nach Rhegion (Reggio), das ihr Stützpunkt wurde; aber die Expedition verlief sich in kleinen Unternehmungen; das messanische Kastell Mylai und Messana selbst gingen zwar zu den Athenern über, aber der Erfolg wurde nicht benutzt; ein Angriff auf das syraku- sanische Kastell Inessa missglückte. Auch die nachfolgende athenische Flotte von 40 Trieren unter Sophokles und Kurymedon richtete wenig aus (Mcssana war wieder zu den Svrakusanem übergegangen); Syrakus, die Gefahr der Einmischung Athens erkennend, war zu einem Friedensabschluss mit den clialkidisclien Städten geneigt, um dadurch die Athener zur Heimkehr zu nüthigen. In Gela versammelte sich ein allgemeiner Friedenskongress dorischer und ionischer Städte. Der vornehme Syrakusaner Hermokrates, ein tüchtiger Feldherr und geistvoller Staatsmann , vermochte die Sonderintcressen zu einigen im Hinblick auf die »Unterjochungsgelüste Athens«, die allgemeine sicilische Vaterlandsliebe, den Einen Gedanken des Fernhaltens fremder Einmischung. Die athenische Flotte kehrte daher zurück (424); aber das in seinem Ehrgeiz gekränkte Athen verbannte den einen der Feldherren und strafte den andern um Geld. Als später Athen die Kunde erhielt, Leontinoi sei wegen des Zwistes der mit Syrakus verbundenen Altbürger mit den von der Volkspartei durch neue Vertheilung der Grundstöcke begünstigten Neubürgern von Syrakusanern besetzt, dann von den Aristokraten verwüstet worden, schickte es zum Schutz der leontinischen Volkspartei zwei Kriegsschiffe (422) mit Pliaiax und zwei Gesandten nach Sicilien, um allfällig einen gemeinsamen sikeliotischen Bund gegen Syrakus zu Stande zu bringen; aber der Plan scheiterte an dem Widerstreben Gela’s. Sechs Jahre später (41(5) schickten die Ege- sliier (Segestaner), welche von den durch Syrakus aufgereizten Sclinuntiern wegen streitiger Grenzgebiete angegriffen und in einer Schlacht besiegt worden, nachdem sie sieh vergeblich an Akragas und Karthago gewandt, Gesandte zu den Athenern. In mehreren Volksversammlungen mahnten sie (Tlmkydides VI, 0), wenn die Syrakusaner ungestraft die Leontiner und ihre Verbündeten zu Grunde richten und so die Gesammt- macht über Sicilien an sich reissen würden, so sei zu befürchten, sie möchten als Dorier und Pflanzvolk der dorischen Peloponneser ihrem Mutterstaat mit grosser Kriegsmacht zu Hülfe kommen und die Macht (1er Athener zerstören helfen; die Klugheit gebiete also den Athenern, mit den jetzt noch vorhandenen Verbündeten gegen Syrakus vorzugeben, zumal sie ihnen hinreichende Geldmittel zum Krieg liefern würden. Die attische Volksgemeinde beschloss fürs erste, Gesandte nach Egesta zu schicken. Als diese | zurückkamen lind nun von den (mit täu- | sehendem Prunk vorgewiesenen) Schätzen 1 sprachen, die in grosser Menge in den Tem- • peln und öffentlichen Kassen bereit lägen, so beschlossen sie, 60 Schiffe nach Sicilien zu senden, und ernannten zu Heerführern mit unumschränkter Vollmacht Alkibiades, JS’ikias und Lamachos. Nikias, der wider seinen Wunsch zum Anführer gewählt war, mahnte vergeblich von dem unzeitigen Eifer und unüberlegten Schritt ab, unter einem nur scheinbaren Vorwand das gefahrvolle Unternehmen der Eroberung Siciliens zu wagen, die, selbst wenn sie gelinge, wegen der Entlegenheit und grossen Bevölkerung nur mit Mühe zu behaupten wäre; auch liege die Sorge gegen die Lakedämonier und für das eigene Land naher, Rathe ihnen aber einer (Alkibiades), der sich geschmeichelt finde, als Feldherr den Seezug zu machen, dazu aber zu jung sei, nur auf den eigenen Vortheü sehe und wegen seiner Rosse bewundex’t werden wolle, auch wegen seines grossen Aufwandes aus dieser Stelle Nutzen zu ziehen beabsichtige , so gebt auch ihm nicht Gelegenheit, mit der Gefahr des Vaterlands den Ueber- mutlv seiner Person zu erhöhen. Alkibiadux, ein Abbild des damals rücksichtslos vorwärts treibenden, als unüberwindlich sich erachtenden, fiir Ruhm, Geld und Macht alles einsetzenden Athen, war wirklich der eifrigste von denen, die zum Kriegszug rie- then; die Sikelioten seien unter sich selbst zerrissen; jeder treffe seine Massregeln nur danach, wie er durch Beredsamkeit oder als Parteistifter vom Staat etwas zu gewinnen glaube, um dann, wenn es ihm misslinge , auf einem andern Gebiet sich anzusiedeln; auch sei ihre kriegerische Macht nicht so bedeutend, als man rühme, und die Landescinwoliner seien ihnen entgegen. Haben die Athener durch die Erwerbungen in Sicilien ihre Macht vermehrt, dann werden sie über ganz Griechenland herrschen, oder wenigstens Syrakus so gedemüthigt haben, dass sowohl Athen als seine sicilisehen Verbündeten die grössten Vortheile daraus ziehen. Sicherheit, sich dort zu behaupten, gewähre die Flotte. Auch möge man bedenken, dass ein in Ruhe bleibender Staat sich selbst verzehre und ein Staat ohne Timt in Zerrüttung gerathe. In Aussicht stehe sogar, dass nach Besiegung von Syrakus und Sicilien auch Karthago und Italien untoi*- worfen werde. Der Kriegseifer ergriff das leicht bewegliche Volk aufs ungestümste, und Orakelsprüche steigerten ihn noch. So traten denn der schwer bewegliche, reiche, aristokratische Nikias als Repräsentant der Aristokraten; der ehrgeizige, feurige Alkibiades als Führer der Bewegungspartei, und der Krieger Lamachos die grosse Unternehmung an. »Syrakus, und was an ihm hing, lebten nun allein in den Köpfen der Athener; manche zeichneten auf Spaziergängen und in Gesellschaften Pläne von Syrakus und Sicilien in den Sand.« — Unter grösster Feierlich- G93 20. Syrakus (Geselnclitliclies). 694 keit und im Beisein fast der ganzen übrigen Bevölkerung Athens, von Bürgern und Fremden, verliess die gewaltige Flotte den Hafen, kostspieliger und glänzender ausgerüstet als je eine der hellenischen Kriegsmacht. In Kerkyra vereinigte sie sich mit den Bundesgenossen; es waren 134 Tricren, 2 rhodische Fünfzigruderer (lüO Trieren darunter von Athen selbst gestellt, 6ü Schnellruderer und 40 Soldatentransportschiffe), mit 5100 Schwer- bewaffneten, 1300 Leichtbewaffneten, 30 Reitern. Dazu 30 Proviantschiffe, 100 vom Staat aufgebotene,dieLastschiffe begleitende Handelsschiffe xind freiwillig sich anschliessende Verkehrsfahrzeuge. Die Gesammtzahl der in wirklichen Kriegsdiensten Stehenden betrug ca. 36,000 Mann; die Reiterei und die Zahl der Leichtbewaffneten sollte in Sicilien ergänzt werden. In Syrakus fand die Expedition zuerst keinen Glauben , und es gelang Herwokrates erst nach einer stürmischen Volksversammlung, die den Rathschlägen dieses Führers der aristokratischen Partei, eine ausgedehnte Verbindung mitHülfsmächten anzuknüpfen und jetzt den Athenern im Ionischen Meer entgegenzufahren, nichtnaclikommen wollte, weil sie Pläne zum Umsturz der Demokratie dahinter vermutliete, wenigstens die Rüstung herbeizuführen. Die Athener fanden in Süditalien nicht die erwartete günstige Aufnahme. Selbst ihr früherer Stützpunkt, Rhegion, erlaubte ihnen nicht den Eintritt in die Stadt, nur die Lebensmittelaufnahme. Die Kundschaftsschiffe berichteten, dass die glänzenden Schätze, die ihnen von den Ege- stäern in Aussicht gestellt worden, sich auf 30 Talente gegenwärtig beschränkten. Die Bestürzung war gross; Nikias rietli, von den Egestäern den Unterhalt der von ihnen geforderten 60 Schiffe zu verlangen und sie zur Aussöhnung mit Selinus zu bringen, dann vorbeifalireud den Städten die Macht Athens zu zeigen und den Leontinern noch zu helfen. Lamachos verlangte den sofortigen Angriff auf Syrakus. Alkibiades rieth, zuvor das übrige Sicilien zu gewinnen und Messana als Stützpunkt sich zu sichern. Dieser Mittelweg der diplomatischen Künste fand Aufnahme. In Syrakus wurde nun eifrig gerüstet, alle Kastellposten und die unterworfenen si- kelisehen Städte mit Truppen besetzt. Die Athener segelten vor die Stadt, schickten zehn Schiffe in den grossen Hafen mit der Aufforderung an die Leontiner in Syrakus, sich an sie anzuschliessen, da sie ihnen ihre Stadt wieder aufbauen würden. Dann kehrten sie von dieser Itekognoseirung nach Ka- tane zurück. Während hier die Feldherren in die Stadt eingelassen wurden und Alkibiades im Theater eine Rede hielt, erbrachen die athenischen Soldaten ein Nebenthor und drangen in die Stadt; die syrakusanische Partei entwich aus derselben, und Katane verbündete sich mit den Athenern, die ihre Flotte hierher kommen Hessen und ein Lager bezogen. Aber plötzlich kam von Athen der Befehl, Alkibiades habe sich in Athen wegen der Verhöhnung der Mysterien zu verantworten. Alkibiades und seine Mitbeschuldigten verliessen Sicilien, aber es gelang ihnen, zu Thurii zu entweichen. Mit ihm verschwand auch sein Siegesgefühl aus dem Heer, denn der zaudernde Nikias stand jetzt an der Spitze. Die Flotte fuhr der Nordküste entlang, eroberte das Sikaner- städtchen Hykkara für Egesta und brachte die Gefangenen zum Verkauf mit sowie die 30 Talente von Egesta; die Landtruppen zogen durch das Innere, und mit den Sike- lern wurden Verbindungen angeknüpft, die Festung Hybla (Paternö) aber vergeblich angegriffen. Die folgende für Syrakus so denkwürdige Epoche hat Thnkydides mit unnachahmlicher Farbengebung geschildert. Die Angst der beweglichen Syrakusaner schlug durch den Aufschub der Gefahr in ihr Gegentheil, in Verachtung und Uebermuth, um. Syrakusanische Reiterscharen sprengten bis an die Lagerthore von Katane und riefen (Thuky- dides VI, 63), ob die Athener nicht mehr die Absicht hätten, die Leontiner in ihre Heimat zurückzuführen, sondern im fremden Land sich selbst anzusiedeln ? Nikias suchte nun durch List die schwankende Kriegsehre zu retten. Ein bestochener Mann aus Katane , den Syrakusanern als ihr Freund bekannt, machte im Namen der syrakusani- schen Partei Katane’s an Syrakus die Mit- tlieilung, dass viele Athener in der Stadt, fern vom Lager, die Nacht zubrächten; würden die Syrakusaner an einem bestimmten Tag bei Anbruch des Morgens mit gesannn- ter Mannschaft vor das Lager rücken, so würden sie den Athenern in der Stadt die Thore versperren und deren Schiffe in Brand stecken; dann könne das Lager leicht erstürmt werden. Die Syrakusaner Hessen sich verleiten und zogen aus. Die Athener aber fuhren rasch mit dem ganzen Heer und allen, die sich an sic angeschlossen, zur Nachtzeit nach Syrakus. Sie landeten mit Tagesanbruch im grossen Hafen und schlugen auf dem Hölionzug, auf welchem der Tempel des olympischen Zeus sich erhebt, ihr Lager auf. Schleunig eilte die betrogene syrakusanische Heeresmacht der Stadt zu Hülfe. Das Lager der Athener war namentlich gegen den Angriff der Reiterei geschützt, auf der einen Seite durch die Anhöhe, auf der andern durch Mauern, Häuser, Bäume und den Morast gegen die Kyane hin. Die Schiffe schützten sie durch Einrammlung eines Pfahlwerks; auf Daskon (Punta Cade- rini) errichteten sie ein Kastell, die Brücke über den Anapos (an der Strasse nach Noto) brachen sie ab. Die Syrakusaner lagerten sich diesseit der Brücke. In der Schlacht am nächsten Tag siegten die Athener durch ihre Kriegszucht; doch konnten sie den Feind nicht verfolgen, denn die zahlreiche, noch frische syrakusanische Reiterei sprengte stets auf die Schwerbewaffneten an, wenn sie sich im Nachsetzen vorwagten. Sie kehrten also wieder zurück und errichteten ein Siegeszeichen. Die Syrakusaner ordneten 695 20. Syrakus (Geschichtliches). 696 sich wieder bestmöglich und Hessen beim Olympieion eine Besatzung zur Verhütung der Tempclberaubung zurück. Die Athener griffen den Tempel nicht an, und da es eben Winter war, hielten sie die Fortsetzung des Kriegs in dieser Gegend für unmöglich, bis sie Reiterei aus Athen, Bundesgenossen und Geld bei einander hätten. Sie kehrten nach Katane zurück und überwinterten daselbst und inNaxos, wussten nun aber, wo Syrakus mit Erfolg anzugreifen wäre. In Syrakus wurde unter Leitung des Hormokrates das Heerwesen verbessert, die Zahl der Feldherren auf drei, Hermokra- tes, Herakleidcs und Sikanos, beschränkt, ein Kern von tüchtigen Schwerbewaffneten herangezogen, den Besitzlosen Waffen gegeben , Gesandte nach Lakedämon mit dem Gesuch um Hülfe und Angriff gegen die Athener geschickt, die Stadt besser befestigt. Denn nun ummauerten sie auch den Te- menites (S. 756) längs der ganzen Seite gegen Epipolae zu, damit die Athener, wenn sie von der Landseite Syrakus durch eine Mauer zuverschliessen gedächten, diese recht lang hin ziehen müssten, also an deren Vollendung verhindert werden könnten. Auch verschanzten sie an der Küste nördl. das Kastell Megara und südl. die Vorstadt am Olympieion, und schlugen am Meer überall, wo man landen konnte, Pfahlwerk ein. Die Athener, denen noch Messana dadurch, dass Al- kibiades vor seiner Abfahrt der syrakusani- schen Partei die Absichten der attischen verrathen hatte, verloren ging, suchten unterdessen durch Unterhandlungen Anhang zu finden, im Gebiete des Aetna feste Stützpunkte zu gewinnen und aus Athen Verstärkungen an sich zu ziehen; selbst von Karthago und Etrurien erwarteten sie Hülfe. Im Frühling (414) griffen sie vergeblich jenes syrakusanische Kastell bei Megara an, rückten dann mit gesammter Ileeres- macht nach Kenloripa, brachten es durch Vertrag zur Unterwerfung und fanden bei der Rückkehr in Katane 250 vollgerüstete Reiter (aber ohne Pferde), 30 berittene Bogenschützen, 300 Talente (1,600,000 Fr.), welche ihnen Athen zugesandt hatte. Die Syrakusaner beschlossen, weil sie nur von der steilen Anhöhe Epipolae, dem dreieckigen, sich verengenden Hochplateau im W. oberhalb der Stadt, einen Angriff (und dann Besetzung des Plateau’s und Ziehen einer Einschliessungsniauer) fürchteten, die Zugänge zu dieser Anhöhe zu besetzen, errichteten aber dort unbedachterweise keine Festungsweike. Sie fassten diesen Beschluss bei einer Musterung auf der Wiese längs desAnapos. Aber schon waren die Athener mit ihrer ganzen Kriegsmacht aufgebrochen und schifften das Landheer bei Leon, nur 7 Stadien von Epipolae entfernt, aus, wonach die Schiffe bei der Halbinsel Thap- sos vor Anker gingen und die Seetruppen auf der dortigen Landenge das Lager auf- schlugen. Das Landheer aber rückte sogleich im Eilmarsch auf Epipolae und erstieg (an der westlichsten, höchsten Spitze) die Anhöhe amEuryelos, ehe die Syrakusaner es gewahr wurden und von der Anapos- wiese herankomnien konnten, denn diese hatten einen Marsch von 25 Stadien (4,625 Kil.) bis zu jener Höhe zurückzulegen. Da sie den schwierigen Weg hinan in ziemlicher Unordnung zum Angriff kamen, wurden sie von den Athenern zurückgeschlagen und imissten sich mit Zurücklassung von 300 Todten in die Stadt zurückzielien. Die Athener errichteten hierauf ein Siegeszeichen und gaben während eines Waffenstillstands den Feinden die Todten zurück. Den folgenden Tag rückten sie näher gegen die Stadt hin, nnd da kein Ausfall gegen sie gemacht wurde, setzten sie sich auf Epipolae fest und erbauten (zur Befestigung des Verbindungswegs mit der Flotte) das Fort Labdalon am steilen Nordrand nach Megara zu und richteten dasselbe zum Aufbewahrungsort ihrer Belagerungsgeräthe, Waffen und Gelder ein, wenn sie zum Gefecht oder zu Belagerungsarbeiten an- rückcn wollten. Bald wurden sie durch die Reiterei von Egesta verstärkt. Sie rückten nun zur Errichtung einer Sperrmauer vom lland über dem Trogilos bis zum grossen Hafen in kürzester Linie vor und bauten (in der Mitte der herzustellenden Mauerlinie) das runde Fort Syke (von den Feigenbäumen daselbst so genannt), wo sie sich festsetzten und in Eile die Belagerungswerke aufwarfen. Nach kleinen Reiterangriffen, welche für die Athener günstig ausfielen , zogen diese die Linie der Einschliessungsmauer zuerst nach N. gegen den Trogiloshafen und ihre Flotte hin. Die Syrakusaner aber legten zur Durchkreuzung der feindlichen projektirten Süd- maucr rasch eine Gegenmauer an (nicht nach N., wo sie auf die Dauer nicht zu verthei- digen war, sondern) südwärts von Syke gegen den grossen Hafen hin, um im S. eine Verbindung mit dem Posten am Olympieion und dem Binnenland offen zu behalten, und besetzten sie mit hölzernen Tliürmen und Palisaden aus dem Olivenholz des heiligen Hains (des Apollon). Während dann die Syrakusaner wieder in der Stadt weilten, zerstörten die Athener die unterirdischen Wasserleitungen, warteten dann den Augenblick der grossem Nachlässigkeit, die Mittagszeit, ab und Hessen 300 Schwerbewaffnete und einige leichteTrup- pen im Sturmmarsch gegen die syrakusanische Gegenmaueranrennen. Die übrige Macht rückte in zwei Heerhaufen vor, der eine nach der Stadt, um einem Ausfall entgegenzutreten, der andere gegen das Pfalilwerk vor dem Hauptthor der Gegenmauer, an der Verbindungsstelle der Nord- mit der Südmauer. Der Sturm gelang, die Besatzung floh in den jetzt befestigten Temenites und konnte sich hier der vordringenden Verfolger erwehren. Die syrakusanische Gegenmauer ward zerstört, "das Pfahlwerk eingerissen, die Pfähle fortgeschleppt und ein Siegeszeichen errichtet. Dann begannen die Athener den Rand i des südlichen Abhangs zu befestigen, da, 697 20. Syrakus (Geschichtliches). 698 wo er dem Hafen am nächsten war, durch die Ebene und den Sumpf hin. Während dessen rückten die Syrakusaner aus und errichteten ein Pfahlwerk mitten durch den Sumpf und zogen neben demselben einen Graben. Auch gegen diese Wehr rückten nun die Athener unter Lamaehos an, und zugleich wurde, da die Angriffstelle dem Hafen nahe war, die Flotte am Thapsos befehligt, in den grossen Hafen einzulaufen. Die Truppen zogen gegen Morgen von Epipolae (ihrer neu erbauten Südmauer entlang) nach der Ebene herab, legten über den Sumpf hin breite Planken und hölzerne Schilde hind schritten so darüber weg, dann eroberten sie das neue Gegenwerk; Im Kampf, der sich nun entspann, blieben die Athener Sieger; der linke syrakusanische Flügel floh dem Anapos zu, um über die Drücke zum Olympieion zu gelangen; 1500 auserlesene Athener sperrten ihnen den IJebergang über die Brücke, aber sie wurden zum Weichen gebracht, und die Syrakusaner warfen sich nun auf den rechten Flügel der Athener und brachten diesen in Verwirrung. Lamaehos eilte vom linken Flügel mit den Argivern und einigen Bogenschützen herbei. Da er nun über einen Graben setzte und nebst wenigen vereinzelt gelassen wurde, fiel er (durch die Hand desKallikrates) nebst sechs der Seinigen, und Athen verlor einen seiner kriegskundigsten Führer. Die nach der Stadt geflohenen Syrakusaner rückten nun rasch wieder gegen die Athener vor und schickten einen Tlieil der Ihrigen nach Epipolae hinan; diese eroberten das iK)0 m. (10 Plethren) breite Vorwerk, aber die Syke selbst zu besetzen, wurden sie von Nikias verhindert, der zufällig krank dort zurückgeblieben. Er liess durch seine Diener schnell das Holzwerk, weiches vor der Mauer lag, in Brand stecken, und die Syrakusaner sahen sich verhindert, die Mauer zu erklimmen. Schon rückte athenische Hülfe herbei, und zugleich lief die Flotte von Thapsos in den grossen Hafen ein. Da zog sich das gesamtste syrakusanische Heer in die Stadt zurück, sich nicht mehr stark genug erachtend, den Mauerbau zu verhindern. .1 etzt hatten die Athener die Höhe ihres Glücks erreicht; nun aber, seit Nikias allein die Leitung hatte, waren die raschen Tliaten zu Ende. Da er jetzt See- und Landtruppen bei einander hatte, so zog er zwischen dem Abhang von EpipoJae und dem grossen Hafen eine doppelte Mauer. Zahlreiche Si- keler schlossen sich den Athenern als Kriegsgenossen an, wie auch drei Fünfzigruderer aus Etrurien. Schon war unter den Syraku- sanern von Vergleichsvorschlägen die llede. Indessen rückte durch Allcibiades' Ver- ratli unerwartete Hülfe herbei. Von Athen zum Tode verurtheilt, sann er auf llaclie. In Sparta legte er vor den Hülfe verlangenden Syrakusaner Gesandten dar, dass Athen die weittragendsten Pläne hege und, wenn ihm dieselben geglückt, mit einem ungeheuren , ans Griechen und Barbaren bestehenden Heer sich auf den Peloponnes werfen werde; nun sei Syrakus schon in einer Schlacht besiegt, dieSikelioten uneinig, daher Sicilien bald ebenfalls unterworfen; deshalb sollten die Spartaner augenblicklich den Athenern den Krieg unkundigen, ein Heer nach Syrakus schicken und vor allem einen tüchtigen Heerführer. Die Lakedämonier willfahrten; der tapfere, erfahrene Feldherr Gylippo*, ein »Spartaner alten Schlags, die das Gefühl hatten, dass ein Mann ihres Gleichen mehr wertli sei als ein ganzes Heer«, stach mit vier Schiffen in die See. ln Süditalien ward ihm die verzweifelte Lage von Syrakus berichtet: es sei von allen Seiten eingeschlossen und könne sich nicht mehr halten. Er trachtete daher nur, Italien vor den Plänen Athens zu sichern. Nachdem er lange in Tarent verweilt, erfuhr er erst in Lokri, dass die Einschliessung von Syrakus keineswegs eine vollständige sei, und fuhr nun an dem nicht in attische Gewalt befindlichen Messana vorbei nach Hi- mera, wo er mit nur 700 Kriegern ankam. Aus Gela und Selinus sowie von den Sike- lern erhielt er noch einen Zuzug, der seine gesammte Mannschaft auf etwa i>00ü brachte. Mit dieser kleinen Schar rückte er rasch auf Syrakus vor. Nikias, durch geheime Verbindungen in Syrakus von der baldigen Ueber- gabe der Stadt überzeugt, zudem am Stein erkrankt und den Wahrsagern ergeben, auch langsam in seinem ganzen Wesen, blieb lässig in der Abhaltung der Hülfe. Gylippos hatte im Vorbeigehen Jegae, eine sike- lische Festung, genommen, rückte in schlagfertiger Stellung heran, gelangte über den Euryelos von der Seite, wo früher auch die Athener hinangestiegen waren, auf die Höhe von Epipolae, traf dort die Syrakusaner ihn erwartend und rückte mit ihnen gegen die athenischen Verschanzungen. Die Athener hatten die Doppelmauer nach dem grossen Hafen hin schon 7—8 Stadien weit vollendet und bauten eben noch am letzten Stück gegen das Meer hin. Für den andern Mauer- theil gegen den trogilischen Hafen waren die Steine meist herbeigeführt. Als Gylippos anrückte, waren die Athener anfänglich bestürzt, stellten sich jedoch in Schlachtordnung auf. Er liess ihnen, die schon von der Uebergabe der Stadt überzeugt gewesen, sagen, wenn sie binnen fünf Tagen Sicilien räumen wollten, so würde er zu einem Waffenstillstand bereit sein. Sie entliessen den Herold ohne Antwort und rüsteten sich zur Schlacht. Als die Syrakusaner vor der wohlgeovdneten Armee nicht zu einer festen Aufstellung zu bringen waren, führte sie Gylippos auf einen geräumigem Standort zurück. Nikias blieb in seiner Verschanzung. Da zog sich Gylippos in den Temenites zurück und lagerte daselbst die Nacht hindurch. Am folgenden Tag liess er, um die Nordfiäche von Epipolae ganz in seine Gewalt zu bekommen, den grössten Theil des Heers gegen die Mauern der Athener anrücken, während mittlerweile ein anderer Theil rasch gegen das Fort Labdalon zog, es erstürmte und die Besatzung nieder- 699 20. Syrakus (Geschichtliches), 700 machte. Hierauf konnten nun die Syra- kusaner von der Stadt aus landwärts gegen N. hin eine Gegenmauer zur Verhinderung der Einschliessung der Stadt errichten, während die Athener selbst auch den Bau des Nordstückes ihrer Mauer fortsetzten. Gegen den entblössten Südtheil ihrer Mauer rückte nun plötzlich Gylippos in der Nacht an; aber die Athener schlugen den Angriff ab, erhöhten hier die Mauer und verschärften den Wachtdienst. Gleichzeitig verloren sie aber auch zur See das Uebergcwiclit. Schon war ein athenisches Kriegsschiff, das in den grossen Hafen einfuhr, von den Syrakusanern genommen worden, und die Schiffe wurden gerüstet. Nikias beschloss daher, um das Einlaufen von helfenden feindlichen Schiffen und das Auslaufen svrakusanischer Schiffe aus dem kleinen Hafen zu verhindern, die athenischen Schiffe, die im grossen Hafen in der Nähe der athenischen Mauer lagen, an das der Stadtinsel gegenüberliegende Vorgebirge Plemmyrion, einen trefflichen Posten für Beobachtung und Belagerung, zu versetzen. Er brachte seine Schiffe und sein Heer hierher, errichtete drei Forts und brachte die meisten Vorräthe dahin. Aberda sie daselbst wenig Wasser und dasselbe nicht in der Nähe hatten, so wurden die athenischen Seeleute, so oft sie nach Wasser oder zumHolz- sammeln auszogen , von der syrakusanischen Reiterei, deren dritter Theil bei Polichne am Olympieion stationirte, niedergemacht. Gylippos führte seine Landtruppen täglich vor die Athener, und als er bei einem Angriff wegen zu eingeengter Stellung zurückgeschlagen wurde, nahm er die Schuld auf sich, ermuthigte die Seinen und führte sie nochmals zum Gefecht. Nikias wollte durch eine Schlacht die Fortsetzung der syrakusanischen Gegenmauer verhindern und rückte diesen entgegen; die Reiter des Gylippos warfen sich auf den linken Flügel der Athener jenseit der Mauerarbeiten gegen das freie Feld zu und trieben ihn zurück; dort waren auch die Lanzenträger aufgestellt. Dieser Angriff entschied, und das ganze athenische Heer wurde in seine Verschanzungen zurückgeworfen, dann die Gegenwerke schnell weitergeführt und die nördliche athenische Mauerlinie durchschnitten, so dass die weitere Einschliessung der Stadt unmöglich wurde. Zwölf von Korinth geschickten Schiffen unter Erasinides gelang es, ungefährdet von dem ihnen ent- gegengeschickten Geschwader des Nikias in den Hafen von Syrakus einzulaufen. Die Mannschaft half an der Vollendung der Gegenmauer. Als Nikias sah, wie die Macht der Feinde täglich zunalmi und die Lage der Seinen immer bedenklicher wurde, schrieb er nach Athen, dass er sich für verloren achte, wenn man nicht sein Heer aufs schleunigste zurückrufe oder ihm eine namhafte Verstärkung sende, die Belagerer seien Belagerte geworden; er bitte auch, da ihn seine Krankheit am Bleiben verhindere , uro einen Nachfolger. Die Athener nahmen ihm den Oberbefehl nicht ab, gaben ihm aber Eurymedon und Demosthenes zu Mitfeldherren und beschlossen eine gi’ossartige Verstärkung. Eurymedon zog mit 10 Schiffen und 20 Talenten voraus, Demosthenes folgte mit 73 Segeln, 3000 Leichtbewaffneten, 5000 Schwerbewaffneten. Unterdessen beschlossen Gylippos und Hermokrates einen gleichzeitigen Land- und Seeangriff auf das Plemmyrion auszuführen. Während die Seeschlacht noch unentschieden war und das Landheer ihr vom Vorgebirge aus zuschaute, stand plötzlich Gylippos vor den drei Forts und eroberte sie. Auch im Seekampf hätten die Syrakusaner gesiegt, aber die siegreiche Abtheilung des kleinen Hafens brachte bei ihrer Einfahrt in den grossen die eigenen Schiffe in Venvirrung, die Athener drangen rasch vor und trieben die Syrakusaner zurück; elf Schiffe sanken und ihre Besatzung -wurde getödtet oder gefangen. Die Athener pflanzten das Siegeszeichen auf, aber die Forts auf dem Plemmyrion waren verloren und die Einfahrt in den Hafen wurde erschwert; das Schiffslager der Athener musste dahin verlegt werden, wo die Epipolaemauern an den Hafen hinabzogen. Vergeblich* suchten sie sich einen Zugang zur nahen feindlichen Flottenabtheilung zu verschaffen. Die Syrakusaner zogen überall neue Verbündete heran, während die athenische Flotte nur langsam heraurückte. Noch vor ihrer Ankunft erlitten die Athener in einem zweiten durch syrakusanisehe Bundesgenossen verstärkten Seetreffen eine schwere Niederlage. Da endlich erschien Demosthenes mit seiner gewaltigen Streitmacht und schritt sogleich zum Angriff; vomAnapos aus ging er gegen die durch Epipolae bis zum Abhang nördl. von der Westküste des Euryelos verlaufende Mauer vor, doch richteten die Belagerungsmaschinen nichts aus. Da suchte er die Mauer zu umgehen, zog im Flussthal des Anapos aufwärts und erstieg bei Nacht den Abhang zum Euryelos, schlug die ersten Gegner zurück und einige erkletterten den Westtheil der Gegenmauer, vertrieben die Besatzung und rissen die Mauern ein; aber nun erschien die auf Epipolae anwesende syrakusanisehe Macht unter Gylippos und nach verzweifeltem Kampf gelang es ihr, die Athener zu werfen; der Mond schien zwar hell, liess aber nur die Umrisse des Körpers und nicht die Person erkennen, viele flohen, während andere noch eben die Höhe erstiegen und die grösste Verwirrung riss ein, denn die Hinanstürmenden hielten die Zurückfliehenden für Feinde und das Losungswort wurde nicht mehr verstanden oder, weil laut gerufen, vom Feind beantwortet, und der Schlachtgesang war von beiden Seiten derselbe. Freunde wurden handgemein, und viele, die sich an jähen Stellen durch Ilinabspriu- gen zu retten suchten, kamen um; andere, die glücklich in die Ebene gekommen, wurden umherirrend von den herumschwärmenden Reitern der Syrakusaner niedergehauen. 701 20. Syrakus (Geschichtliches). 702 Jetzt malinte Demosthenes zum Rückzug nach Katane, zumal auch Sumpffieber in der seichten Gegend ausbrachen. Aber Nikias stimmte für Ausharren, aus Furcht der Verantwortlichkeit vor dem Volk. Als jedoch neue Hiilfsscharen aus Sikelien und dem Peloponnes in der Stadt erschienen, willigte er ein, in aller Stille mit der Flotte nach Katane zurückzusegeln. Aber eine Mondfinsternis jagte dem Heer jähen Schrecken ein und die Weissager mahnten, bessere Zeiten abzuwarten und noch dreimal neun Tage zu verweilen. Die Syra- kusaner, von allem unterrichtet, griffen drei Tage darauf zuerst das verschanzte Lager, dann die Flotte an und sperrten den ca. 1000 m. breiten Eingang des Hafens zwischen Ortygia und Plemmyrion durch quer vor Anker gelegte grössere und kleinere Schiffe. Die Athener sahen sich, eingesperrt, zur letzten entscheidenden Seeschlacht genüthigt. Sie beschlossen die oben angelegte Doppelmauer zu verlassen und nur die in der Nähe der Schiffe gelegene beizubehalten, den Raum dazwischen durch landwärts errichtete Querwerke zu sichern nnd liier die Vorräthe und die Kranken zu bewahren, mit den übrigen Landtruppen aber sämmtliche Fahrzeuge zu bemannen und dann die Entscheidungsschlacht zu liefern, im Fall des Siegs nach Katane zu segeln, im andern Fall die Schiffe zu verbrennen und mit dem Landheer in Schlachtordnung an irgend einen befreundeten Ort hinzuziehen. Nikias übernahm den Oberbefehl über die am Land zurückbleibenden Truppen, die er am Meer aufstellte; Demosthenes, Euthy - medo8, Menandros führten die athenischen Schiffe sogleich zur Schlacht hinaus, um rasch die Durchfahrt aus dem Hafen zu erzwingen. Schon überwältigten sie im ersten Anlauf die dort aufgestellten Schilfe und versuchten die Ketten zu sprengen. Als aber die Syrakusaner von allen Seiten auf sie eindrangen, so begann die Seeschlacht nicht bloss an der geschlossenen Mündung, sondern im ganzen Innern des Hafens und war hitziger und gewaltiger ah je eine zuvor. Noch nie hatten so viele (gegen 200) Schiffe in einem so beschränkten Raum gefochten; jeder bot alle Kunst mit dem grössten Wetteifer auf. selten kam das Anrennen von vorn vor, weil man nicht zum Anlauf rückwärts rudern, noch die Linie durchbrechen konnte, häufiger aber der Angriff von der Seite, wenn ein Schiff im Fliehen oder beim Heransegeln gegen ein anderes auf das dritte stiess. Und so lange ein Schiff heranruderte, wurde durch die Verdeckmannschaft ein Hagel von Wurf- spiessen, Pfeilen und Steinen auf dasselbe geschleudert; waren sie aber einander nahe gekommen, so wurden die Schwerbewaffneten handgemein und versuchten gegenseitig die feindlichen Schiffe zu besteigen. Auf vielen Punkten traf es sich wegen des engen Raums, dass ein Schiff das andere enterte, während es selbst von einem dritten geentert wurde und zwei oder mehr Schiffe im Gedränge an einem sich festklammerten, und dass die Steuermänner hier zugleich auf Gegenwehr, dort auf Angriff denken und mit vielen nach allen Seiten hin zu tliun hatten, ja, das gewaltige Getöse der zusammenstossenden Schiffe übertönte selbst den Ruf der Befehlshaber. Denn die Zurufe an die Athener, sie sollen jetzt oder nie die Rettung mittels der Durchfahrt erzwingen, die Rufe an die Syrakusaner, sie sollen die Flucht jener verhindern und jeder siegend sein Vaterland erheben, die Mahnung der Feldherren, wenn sie einen rückwärts rudern sahen, die Vorwürfe, wenn sie einen entfliehen Hessen — dies alles erhob sich zum entsetzlichsten Lärm. Und während so die Seeschlacht schwankte schauten vom Ufer aus die Landheere in gewaltigem innern Kampf und Gemütlis- aufregung zu, namentlich die Athener, deren ganze Hoffnung auf der Flotte beruhte; sahen sie die Ihrigen im Vortheil, dann fassten sie Muth und flehten die Götter für die Rettung an; sahen sie die Ihrigen unterliegen, so erhoben sie ein lautes Klagegeschrei; sahen sie die Seeschlacht schwanken, so ahmten ihre Bewegungen, ihr Winken Hoffnung und Furcht nach. Und in demselben athenischen Heer, so lange der Kampf unentschieden war, konnte man alles zugleich vernehmen, Wehklage und Triumphgeschrei, Schlachtruf und Verzweiflungsschrei. Nach langer Schlacht wurden die Athener zum Weichen gebracht und zum Strand hin verfolgt. Die sich noch retten konnten, rannten dem Lager zu; das Landheer, die Niederlage mit Gestöhn und Wehklagen bejammernd, eilte zum Theil den Schiffen zu Hülfe; die Mehrheit aber dachte nur an sich selbst und an den Zufluchtsort. Den Athenern aber schwand selbst die Hoffnung, zu Lande sich zu retten, wenn nicht etwas Ausserordentliches sich ereigne. So hat der gleichzeitige Geschichtschreiber Thukydides, der elf Jahre zuvor selbst eine Flotte befehligte, mit vollendeter Plastik diese für Syrakus denkwürdigste Begebenheit geschildert. Ungeachtet auch die Syrakusaner furchtbare Einbusse erlitten, wagten die Athener keinen Kampf mehr, sondern verlangten unverzüglich don Rückzug auf dem Landweg. Nikias, durch den Bericht getäuscht, es seien schon alle Strassen, Pässe und Flussübergänge besetzt, liess einen Tag vorübergehen, bis der Bericht zur Wahrheit wurde. Erst am dritten Tag brach das Heer auf. Sie hatten ganz das Ansehen fliehender Haufen aus einer erstürmten grossen Stadt, da die ganze fortziehende Masse, 40,000 Manu stark, alles Tragbare zum Gebrauch Nöthige mit sich schleppte; es war dieser klägliche Rückzug voller Thränen, banger Besorgnisse und Selbstvorwürfe der gewaltigste Glückswechsel, den je ein hellenisches Heer erlitt. Nikias befehligte die Voi'liut, Demosthenes die Nachhut; sie zogen im länglichen Viereck einher, Tross und Fcldgeräthe in der Mitt'Q, 703 704 20. Syrakus (GfescliicMliclies). Der dritte, vierte und fünfte Tag vergingen in heissen fruchtlosen Kämpfen um den akräischen Bergpass (bei der Schlucht von Floridia). Man beschloss die Zugriclitung zu ändern und sich südwestl. der Küste zuzu- wenden, aber während die Vorhut unter Nildas die Nähe des Meers erreichte, wurde die Nachhut unter Demosthenes eingeholt und erlag beim Gehöft Polyzeleion; 6000 übergaben sich an Gylippos. Am sechsten Tag musste an den Ufern des Assinaros (jetzt Falconara) auch Nikias, als seine Truppen, sich auflösend, in den Fluss stürmten, iim den Durst zu löschen und hier den Geschossen der Syrakusaner erlagen, dem Gylippos sich ergeben. Die Sieger schmückten die Bäume am Assinaros mit zahlreichen Harnischen und kehrten mit Festgepränge nach der siegreichen Kapitale Siciliens heim. Nikias und Demosthenes endigten (nach Timaeos) durch Selbstmord, 7000 Gefangene, denn auf diese Zahl waren die 40,000 herabgekommen , wurden in die Latoinien gesperrt, jene jetzt durch ihre malerische "Wirkung so entzückenden Steinbrüche, damals kahle Felsenkerker für die einst so stolzen Athener; da ihrer an einem so tiefen Ort so viele waren, so wurde ihnen (Thukydides VII, 87), die durch kein Dach geschützt waren, zuerst der Sonnenbrand und die erstickende Luft zur Qual, dann in der spätem Jahreszeit die Kälte der Nächte, stets neue Krankheitsfälle erweckend. Da sie auch wegen des engen Raums alles an demselben Ort verrichteten und noch dazu die Leichname der an den Wunden und der StickluftGestorbenen übereinander aufgeschichtet lagen, der üble Geruch unerträglich war, Hunger und Durst sie quälten, so sanken sie auf die elendeste Weise dahin. Acht Monate lang erhielt jeder täglich nur eine Kotyle (0,27 Liter) Wasser und zwei Kotylen Weizenbrod. So lebten die Gefangenen etwa 70 Tage beisammen! Es heisst, das Volk sei häufig hingegangen, um sich am Anblick der wie wilde Thiere in eine Grube gesperrten Feinde zu weiden. Dann verkaufte man die Uebrigen, ausgenommen die Athener und die wenigen sicilischen und italischen Griechen, welche noch zurückbehalten wurden. Pintareh (Nikias 29) berichtet, dass den zu Sklaven gewordenen das Zeichen eines Pferdes auf die Stirn gedrückt wurde, dass ihnen aber ihr würdiges Benehmen sehr zu statten kam, viele die Freiheit erhielten, andere geachtet bei ihren Herren blieben, einige ihre Kettung auch dem Euripides verdankten, der in Sici- lien hoch verehrt wurde. Viele nach Hellas Zurückkehrende erzählten dem Dichter, wie sie entweder aus der Sklaverei befreit worden seien, indem sie das, was sie von seinen Tragödien auswendig gewusst, ihre Herren gelehrt, oder wie sie durch Vortragen seiner Gesänge Wasser und Speise erlangt hätten, als sie nach der Schlacht umherirrten. Mit der athenischen Expedition scheiterte aber auch die Verbindung Ostgriechenlands, »das der Geschichte einen Homer und Sophokles, Phidias und Herodot, das politische Kunstwerk der spartanischen Verfassungund das lehrreiche Getriebe des athenischen Demos gegeben«, mit Westgriechenland, »mit seinen herrlichen Handelsstädten, seinen Philosophen, Gesetzgebern, Tyrannen, den ehrwürdigen Denkmälern einer grossartigen Architektur und den Meisterwerken vielfältigster Kunstübung« — auf immer. — Das siegreiche Syrakus schloss sich nun auch in Griechenland dem Vernichtungskrieg gegen Athen an; es fühlte sich nun selbst in dessen früherer Stellung, Der besonnene Ilermo- krates folgte dem siegreichen Gylippos mit 22 Trieren (412 v. Chr.) nach dem Peloponnes und gegen Kleinasien. Aber seine Abwesenheit benutzte der neue Verfassungsratli unter Diokles zur Ausbildung einer vollen Demokratie und Hermokrates ward geächtet. Aber Syrakus wurde schon fünf Jahre nach dem Kampf mit den Athenern von einer neuen, ebenso grossen Kriegsgefahr bedroht. Die Karthager, von dem durch Selinus bedrängten Egesta zu Hülfe gerufen, waren mit gewaltiger Macht erschienen, zerstörten .Selinus und Himera, und zur Kettung des herrlichen Akragas waren die Syrakusaner zu spät gekommen. So nahte das Verderben auch Syrakus, der letzten Hoffnung der sicilischen Griechen. Die Akragantiner klagten über die Unfähigkeit der von Syrakus gesandten Feldherren. Diese Klage benutzte Dionysios, damals Kriegssekretär, von grosser Begabung und noch grüssererKeckheit; er verlangte augenblickliche Bestrafung, denn die Feldherren seien von Karthago bestochen worden; man sollte nicht wie bisher die Vornehmsten und Keiclisten zu Feldherren wählen, sondern die dem Volk Wohlgesinnten, wenn auch Unvermöglichen. — So erlangte er, dass neue Feldherren gewählt wurden, unter ihnen Dionysios seiest. Als ersten Vorschlag brachte er dieZurückberufung allerVerbanu- ten und erlangte dadurch die Vermehrung der Umsturzpartei. Auch in Gcla, das Schutz gegen die Karthager nachsuchte, vermochte er die aristokratische Partei zu stürzen und seine llolle als Volksbeschützer durchzuführen; mit dem eingezogenen Geld der Keichen gewann er die Krieger. In Syrakus beschuldigte er die Feldherren des Vaterlandsverratlis und das Volk setzte ihn als den Einzigen, als den Ketter des Vaterlands, an die Stelle, mit unbeschränkter,Vollmacht inKriegsangelegenheiten. Noch fehlte ihm die Leibwache, und diese wusste er sich durch die Vorgabe eines Mordversuchs zu verschaffen. Als er so die fünf gewöhnlichen Stufen eines Tyrannen durchlaufen, herrschte er (seit 405 v. Chr.) mit unumschränkter Willkür in Syrakus, das in ihm den »neuen Gelon« erblickte, den Vertreter ganz Siciliens Karthago gegenüber. Dionys nahm dieser Stellung entsprechend seine Residenz im Arsenal, das als Burgveste errichtet worden, heirathete die Tochter des vornehmen und berühmten Hermokrates und that sich als Söldnerkönig glanzend hervor. 705 20. Syrakus (Geschichtliches). 706 Als Himilko mit den Karthagern vor Gela rückte, erschien Dionysios mit der Auswahl der syrakusanischen Jugend und einem Heer von 40,000Mann nebst 5ÖKriegsschiffen. Nach 20tägigem vergeblichen Bestreben, die Zufuhr abzuschneiden, sollte ein von vier Seiten unternommener Sturm den Kampf entscheiden, aberdie ungleichzeitigeAusfiilirung vereitelte den Plan mit grossem Verlust. Die Bevölkerung von Gela rettete er in der Nacht nach Syrakus; ebenso die Einwohner von Kamarina. So sammelte er eine gewaltige Kraft in der Stadt und sich untertkänige Neubürger. Den Jammer der beiden Städte schob man bald auf Dionysios; man trachtete ihm nach dem Leben; da aber seine Söldner ihn schützten, suchten namentlich die syrakusanischen Reiter, meist aus vornehmen Häusern stammend, die Herrschaft des Tyrannen zu stürzen. Sie drangen in die Schiffswerfte und das feste Haus des Dionysios daneben, raubten seine Schätze und misshandelten seine Gattin zu Tode. Dionysios eilte mit 100 Reitern und 600 Fussgängern zur Stadt, kam um Mitternacht an das verschlossene, aber unbewachte Thor, braches durch Brand ein, drang bis zum Markt vor und siegte dort über die Reiter. Die Gegner liess er zumeist umbringen. Andere wurden verbannt, ein Theil zog nach Aetna. So hatte sich der Tyrann auch von der Aristokratie befreit. Als Ilimilko zur Belagerung von Syrakus vorschreiten wollte, begann eben die Pest in seinem Heer zu wüthen; er zog daher vor, einen vortheilhaften Frieden zu schliessen, welcher den Karthagern das gesummte bisherige Gebiet zusicherte, den nun tributpflichtigen Einwohnern von Himera, Akragas, Gela, Kamarina die Rückkehr, aber nicht den Aufbau der Mauern gestattete und Syrakus dem Dionysios unterthan machte; Leontiuer, Messenier und Sikoler wurden frei erklärt. Dionys, in seiner Herrschaft^ nun gesichert, erhob die Inselstadt Ortygia zu einer unbezwingbaren Tyrannenfestung. Das Nordwestendc der Insel sonderte er landwärts durch eine dicke Mauer mit zahlreichen Ihürmen ab ( Diodor XIV, 7); aussen an der Mauer erbaute er Hallen, damit die Insel auch ohne Betretung derselben versorgt werden könne. Auf der Insel (d. h. dem Isthmus) führte er ein trefflich befestigtes Residenzschloss auf, auch als Zufluchtsort für unvorhergesehene Fälle, und in^die Mauer nahm er auch die Schiffswerfte (die rechteckigen Fundamente der Schiffshäu- *er sind jetzt noch sichtbar) an dem Nordufer des kleinen Hafens auf. Das Arsenal dieses Hafens fasste 60 Kriegsschiffe, und von beiden Seiten her gezogene Dämme mit nur für Ein Schiff aufschliessender Oeffnung schützten diesen Hafen. Die Häuser auf Ortygia vertheilte er an seine Freunde und die Söldner, die auf das Festland nur durch die Burg gelangen konnten. Unter den Ländereien wählte er die besten aus und schenkte sie seinen Anhängern und den köldnerführern, die übrigen theilte er gleich Unter-Italien. II. aus unter Fremdlinge und Bürger und nahm die freigelassenen Sklaven als Neubürger auf. Und nun, nach Befestigung seiner Alleinherrschaft, trachtete er das gesammte nichtkarthagische Sicilien in seine Gewalt zu bekommen. Aber als er gegen die Sikelerstadt Her- bessos zog, empörten sich die syrakusanischen Bürger unter seinen Truppen, erklärten Syrakus für frei, schlugen mit Reitern aus Aetna ein Lager in Epipolae auf, schnitten Dionys in seiner Inselresidenz vom Land ab, riefen die Flotte Messana’s mit 80 Kriegsschiffen herbei, belagerten die Insel und ver- liiessen allen von Dionysios abfallenden Söldnern das Bürgerrecht. Dionysios, schon fast muthlos, liess sich durch seine Vertrauten bestimmen, auszuharren, trug den Kampa- nern an, für beliebigen Lolin ihm zu Hülfe zu kommen, und liess zugleich den Gegnern sagen, er werde Ortygia gegen freien Abzug verlassen. Schon hielt man die Abdankung für abgeschlossen und wurde lässig in der Belagerung, da eilten 1200 kampanische Reiter herbei, überfielen die sorglosen Belagerer, durchbrachen die Besatzungswerke und drangen in Ortygia ein, wo auch 300 Söldner zu Schiff ankamen. Die Uneinigkeit der Belagerer über die neuen Massregeln benutzte Dionysios zu einem Ausfall und schlug die Syrakusaner in Neapolis. So ward er wieder Herr von Syrakus; ei* zog eine neue Mauer um seine Burg, vermehrte seine militärische Macht, schloss ein Bündnis mit dem zu seiner Zeit die Tyrannei begünstigenden Sparta, wandte sich dann wieder zu seinem ursprünglichen Plan, brachte Aetna, Enna, Katane, Naxos (das er zerstörte), Leontinoi in seine Gewalt, gründete Hadra- non gegen abermalige feindliche Niederlassungen in Aetna und um durch den Bau bei dem sikelischen Tempel des Iladranos sich die Sikeler, deren Städte er aufallend schonte, als »sicilisclier Fürst« zu gewinnen. In Syrakus blieb er der Herrscher von hoher Kraft, der gegenüber Karthago allein dem Kampf als gewachsen galt. Um die Stadt gegen Höhenangriffe besser zu sichern, zog er die Epipolae in die städtischen Befestigungen hinein, obschon die letzte Höhe von Epipolae V-U St. vom Meer, wo die Mauer den Anfang nahm, entfernt lag. 402 v. Chr. liess er (UiodorXIV, 18), um die Riesenmauer rasch zu Stande zu bringen, die ärmeren Freien des syrakusanischen Gebiets hereinkommen und wählte darunter 60,000 der tauglichsten für die Arbeit aus. Für jedes Stadium (185 m.) stellte er einen Architekten an, und für jedes Plethron (31 m.) einen baukundigen Handwerker (Maurermeister), dem er 200 Arbeiter zutheilte. Da die Mauer eine Länge von 30 Stadien hatte, so waren danach 36,000 Menschen zugleich am Mauerbau thätig. Ausserdem waren zahlreiche Leute mit dem Behauen der Steine beschäftigt, die auf 6000 Ochsenwagen an die betreffenden Orte herbeigeführt wurden. Dionysios ermunterte persönlich) die Arbeiter, war mit seinen Freunden den ganzen Tag 23 707 20. Syrakus (Geschichtliches). 708 dort, stellte sich einem gemeinen Bürger gleich, suchte jedem die Mühe zu erleichtern, legte sogar bei den beschwerlichen Arbeiten selbst Hand an. Daher entstand ein gewaltiger Wettstreit, und manche setzten der Tagesarbeit noch einen Theil der Nacht zu. So wurde denn die Erbauung in 20 Tagen vollendet. Die Mauer hatte nur eine massige Höhe, aber eine gegen den Sturm hinlängliche Stärke (diese Mauer ist in ihren unteren Lagen noch vorhanden); sie befestigte den gesammten Nordabhang. Nun brach Dionysios (schon zur Ableitung der innern Unzufriedenheit) gegen die Karthager auf; er hatte durch die trefflichsten Techniker Waffen und Kriegsmaschinen verfertigen lassen, mit gleicher Emsigkeit wie beim Mauerbau, und in den Katapulten ein neues Zerstörungsinstrument der Mauern erhalten. Eiodor (XIV, 42—43) erzählt, Dionysios habe zu gleicher Zeit mehr als 200 Schiffe bauen und 110 renoviren lassen; um den Hafen liess er 160 neue ansehnliche Schiffshäuser errichten, meist für je zwei Schiffe, und die 150 alten liess er ausbessern. Man konnte in Syrakus nicht genug staunen, wenn man auf demselben Platz an so vielen Waffen und Schiffen arbeiten sah. Denn betrachtete man den Eifer beim Schiffbau, so glaubte man, ganz Sicilien sei damit beschäftigt; kam man aber zu den Werkstätten der Waffenschmiede und Maschinenbaumeister, so glaubte man wieder hier, nur diesen Geschäften sei alle Thätigkeit gewidmet. So wurden denn 140,000 Schilde gefertigt, und von Schwertern und Helmen die gleiche Zahl; zudem mehr als 14,000 Panzer von verschiedenartigster und kunstvollster Arbeit. So gerüstet trat Dionys 397 v. Chr. den Krieg gegen Kartha'go an. Motye wurde belagert und nach schweren Kämpfen mit Sturm genommen; Eryx und Halikyai ergaben sich, aber vor Segesta erlitt er eine schwere Niederlage. Nun erschien Karthago mit ungeheurer Macht (nach Eplioros mit mehr als 300,000, nach Timaios mit 100,000, zu denen 30,000 in Sicilien stiessen), und rasch fielen Eryx, Motye und Halykiai wieder an Karthago zurück; dann zog Himilko nach Messana, nahm und zerstörte es. Dionys hatte sich nach Syrakus zurückgezogen, befestigte die Kastelle, schlug am Kap Santa Croce sein Lager auf. Flotte und Heer der Karthager zogen nun neben einander bis gegen Naxos hin; da aber eben ein Aotnaausbruch dem Landheer durch einen glühenden Lavastrom den Weitermarsch verlegte und Himilko nun den weiten Weg um den Vulkan herum antrat, benutzte Dionys die Trennung der beiden Heere zu einem Angriff auf die Flotte; aber die Griechen wurden gründlich geschlagen, verloren über 100 Schiffe und mehr als 20,000 Menschen, und Dionysios kehrte in seine Inselresidenz zurück, wo ihn nun fast alle sicilischen Bundesgenossen verliesssen. Himilko erschien mit seiner ganzen Macht vor Sykarus, fast 2000 Schiffe füllten das grosse Hafenbecken, und der Feldherr selbst schlug das Lager für das Landheer am Olympieion auf. Die Stadt sollte durch eine Blokade genommen werden, denn sie war in einem ganz andern Vertheidigungs- zustand, als die früher gefallenen Städte. Die Neapolis konnte zwar genommen werden und der Mauer um sein Lager fielen die schönen Monumente Gelons und seiner Gattin zum Opfer, drei karthagische Burgen ’ wurden beim Olympieion, die zweite an der Trennung der Hafenbuchten, die dritte auf Plemmyrion zur Beherrschung des grossen Hafens errichtet. Bei den kleinen Ausfällen aber siegten stets die Griechen. Eine von Korinth und Sparta geschickte Flotte unter dem Lakedämonier Pharakidas kam ihnen zu Hülfe; in einem Ausfall gegen karthagische Proviantschiffe nahmen die Syrakusaner sogar (in der Abwesenheit des Dionys, der eine Transportflotte begleitete) den zu Hülfe eilenden Karthagern das Admiralschiff und machten 24 Schiffe unbrauchbar. Im karthagischen Heer brach das Malariafieber furchtbar zerstörend aus, durch das faulende Sumpfwasser und die wegen der Menge unbegrabcnen Leichen gesteigert (Diod. XIV, 71). Dionysios, das Missgeschick benutzend, bemannte 80 Schiffe, die mit Tagesanbruch die feindlichen Schifte angriffen. Er selbst * führte das Heer in der finstern Nacht auf einem Umweg (zwischen dem Sumpf und dem Hauptarm des Anapos) über den Kyanetempel gegen das karthagische Lager, und während er die Söldner dem Angriff ? der Karthager preisgab, erstürmte er das Fort am Olympieion, und seine Reiter nahmen gleichzeitig das Fort bei Daskon. Sogleich machten auch die sämmtlichen Schiffe einen Angriff. Die Karthager, zuerst zur Vertheidigung des Lagers eilend, kehrten nun plötzlich gegen die Flotte um, allein der Augenblick der Rettung war schon versäumt. Der Sieg der Syrakusaner war ein vollständiger. Auch das Landheer wandte sich gegen die Schiffe. Dionysios selbst war nach Daskon hinüber geritten, dort lagen 40 Fünfzigruderer auf dem Trockenen und neben denselben Lastschiffe und weiterhin Trieren vor Anker. In diese Schiffe warf er Feuer, und schnell schlug die Flamme in die Höhe und verbreitete sich weit umher. Ein starker Wind trieb die Flamme auch auf die Lastschifte — wer dem Untergang der Karthager zuschautc, glaubte vom Donnerkeil getroffene Götterverächter zu sehen! —- Himilko, der den völligen Untergang vor sich sah, trat in Unterhandlung mit Dionysios; dieser gestattete, dass die Bürger der Stadt Karthago heimlich bei Nacht nach Hause segeln dürften, denn wohl wissend, dass die Syrakusaner nie eingewilligt hätten, wollte er doch nicht, dass die Kriegsmacht der Karthager gänzlich zu Grunde ginge, sondern sie insoweit günstig für sich gestimmt erhalten, dass einerseits die Furcht vor denselben den Syrakusanern nie Zeit Hesse, nach der Freiheit zu trachten, anderseits die Karthager ihn lieber, als 709 20. Syrakus (Geschichtliches). 710 ein republikanisches Regiment an der Spitze i Ställen. Hhnilko zahlte 300 Talente und ! entfloh mit allen karthagischen Bürgern auf j 40 Trieren. Die Griechen Siciliens waren nun, wo- ; nach Dionys stets getrachtet, von Karthago ; befreit. Bevor nun dessen Macht auch in seinen sicilischen Städten mit Erfolg aufgehoben werden konnte, stellte sich Dionysios die Aufgabe, die ausgewanderten Syrakusa- uer, die mit seinen übrigen Gegnern, namentlich in Rhegion, ihre Verbindungen an- knüpften, unschädlich zu machen und sich des ihnen geneigten Grossgriechenland zu bemächtigen. Er stellte Messana wieder her, zwang die unter Mago (392 v. Chr.) nochmals anrückenden Karthager zum Frieden (bei Agyrion), griff zweimal Rhegion an, schlug am Elloporos das italische lleer unter Heloris, nahm Kaulonia und zwang endlich Rhegion durch Friedensbruch und Hunger 387 zur Uebergabc, bestrafte seinen Herr- selier.aufs grausamste und zerstörte die Stadt. Jetzt war Dionysios auf der Höhe seiner Macht. In Syrakus vollendete er die Ummauerung derEpipolae, so dass nun die riesige Fünfstadt alle Städte Griechenlands an Umfang und Einwohnerzahl iibertraf. Selbst für Monumentalwerke war er tliätig, baute am Anapos Gymnasien und in der Stadt Tempel und öffentliche Profanbauten. In Grossgriechenland tiel ihm noch Kroton zu; ia, bis zum Po richtete er seine Augen, gründete dort die Stadt Hatria, an der Ostküste des Adriatischen Meers Eissos, konnte aber den weittragenden Anschlag auf die Schätze des Tempels von Dodona nicht verwirklichen; dagegen auf seinem Zug gegen Etrurien erbeutete er die Schätze des Tempels von Pyrgoi (Mittcditalien I), über 1000 Talente. Er ging sogar ein Bündnis mit den Galliern ein und erhob die Herrschaft von Syrakus über das gesammtc Hellenenthum von Sicilien und Italien, war ein kräftiger Bundesgenosse Sparta's, aber als er in Olympia durch seine Viergespanne und ebenso durch seine Gedichte glänzen wollte und eine an Pracht alle überbietende Festgesandtschaft schickte, traf seine Muse das Gelächter. — Gegen die Karthager hatte er noch einige harte Kämpfe zu bestehen, 383 gegen Mago bei Kubala, wo Mago und 10,000 Karthager, bei Kronion, wo Dionysios’ Bruder J.eptincs und 14,000 Griechen fielen; 368 v. Chr. gewann Dionysios Selinus, Entclla, Eryx, aber vor Lilybaion lag er vergeblich, und da er den grössten Tlieil der Flotte nach Syrakus gesandt, weil die karthagischen Sohiffshäuser und angeblich auch ihre Schiffe abgebrannt waren, überfiel die karthagische Flotte die in Eryx zurückgeblie- nen 130 Schiffe und nahm den grössten Theil derselben weg. Im Jahr 367 starb Dionysios, den (Polyb. XV, 35) Publius Scipio zu den klügsten und kühnsten Männern rechnete, »mit der höchsten Schnelligkeit in bedenklichen Lagen energische Entschlüsse durchzuführen«, und doch stets mit umsichtigster Ueberlegung und ausserordentlichem Organisationstalent und genialem Blick in Verbesserungen aller Zweige des Kriegswesens, freilich in allen politischen und finanziellen Fragen völlig rücksichtslos und nur auf die Erhaltung der eigenen Herrschaft bedacht, daher auch stets voll Argwohn und Arglist und zu grausamen Strafen greifend, wie ihn jetzt das sogen. Dionysische Ohr (S. 746) da zeichnet, wo er die Steinbrüche zu Kerkern systemati- sirte. Selbst die Züge von Grossmutli und Milde, aufopfernder Arbeitsamkeit, Feldherrngenie und Freude au schöpferischem Aufbau haben jene Grundzüge nicht zu verwischen vermocht, die ihn in aller Mund als den angstvollen Tyrannen legten, der jeden Verdächtigen tödten, den Bart Hindurch die Töchter scheren, sein Bett mit einem Graben und Zugbrücke schützen, seine Rednerbühne auf einem Thurm anlegen, die Brust stets mit dem eisernen Panzer umgürten liess. Das »Damoklesschwert« und die »Bürgschaft« haben ihn am lebendigsten gezeichnet. Seine Leidenschaft war die Herrschsucht. Sein Sohn Dionysios II., vom Vater aus Tyrannengründen in der Erziehung vernachlässigt, iQbte dem Genuss eines Herrsclier- solms, der, zur Regierung gekommen, sich derenMacht undReichthums erfreuen wollte. Plutarch (Dion) berichtet, wie der Mangel an Thatkraft bei dem jungen Mann immer weiter um sich griff und jene diamantenen Bande, mit denen sein Vater den Thron be- ; festigt zu hinterlassen glaubte, sich lösten. Schon zu Anfang der Regierung, heisst es, dauerten die Trinkgelage 90 Tage hintereinander; während dieser Zeit hatten Trunkenheit, Spässe, Saitenspiel, Tänze, Possen am Hof die Herrschaft, der indess für ernste Männer und ernste Worte unzugänglich war. Von Einfluss auf die Staatsgeschäfte war jedoch sein Oheim Dion, der an den Ausschweifungen nicht theilnahm und dessen Selbstgefühl, edler Stolz und Streben nach dem männlichen Ideal durch Platon genährt worden, der an den Hof des altern Dionysios kam und hier sich über Tugend und Gerechtigkeit unterhalten hatte, jedoch durch seinen Freimuth Dionysios so reizte, dass er ihn umbringen lassen wollte (dann aber dem spartanischen Gesandten Pollis überlieferte, um ihn auf Aegina als Sklaven zu verkaufen, wo ihn Anniceris aus Kyrene auslöste). Dion erweckte nun in dem verkommenen Sohn des Tyrannen das Verlangen nach den Lehren und dem Umgang des Platon, weil ein Fürst nicht nur in Pracht, sondern auch im Umgang und in der Unterhaltung seine Auszeichnung suchen solle. Platon kam zum zweitenmal nach Sicilien, in der Hoffnung, seine Staatsidee hier zur Verwirklichung bringen zu können und zu Syrakus einen politischen Organismus zu schaffen, in welchem durch Aufopferung des selbstischen, sinnlichen Strebcns die Sittlichkeit als der Gesammtwille herrsche und so der Staat die grösste (Gerechtigkeit und Glückseligkeit vereinigt darstelle. Es war ihm daher die 23* 711 20. Syrakus (G-escliichtliches). 712 Gewaltherrschaft nichts "Widersprechendes, da gegen die Gebrechen des gegenwärtigen Staats mir ein weisheitsliebender Gewaltherrscher die Platonischen Einrichtungen einführen konnte. Namentlich in den dorisch organisirten Staaten Siciliens waren ja solche Reformen leichter zu verwirklichen , denn es galt die drei Stände scharf zu gliedern und jeden der sittlichen Wirkungssphäre des Staats unterzuordnen. Als Platon nach Syrakus kam, stand schou ein königlicher Staatswagen, prächtig geschmückt, für ihn bereit, und der Tyrann brachte ein Opfer für das glückliche Ereignis dar. Die Haltung des Hofs wurde eine gemessene, der Fürst zeigte eine solche Milde, dass die Bürger auf eine Sinnesänderung hofften, überall sah man einen gewaltigen Drang nach Belehrung und Philosophie und die Syrakusaner Burg war »wegen der Menge der Geometrie Stu- direnden in eine Staubwolke gehüllt«. Ja, als der Herold bei einem Opfer wie gewöhnlich rief: die Tyrannis möge ohne Wanken stets fortbestehen, rief der junge Herrscher: »So höre doch auf, den Fluch auf uns herabzurufen!« (Plutarchos, Dion, Kap. 13). — Aber bald suchten die Höflinge Dionysios einzufiüstern, es gelte dem Dion, durch diese Berückung- mit den Lehren Platons den Herrscher für die Behauptung der Herrschaft unfähig zu machen, ihn vom Kriegswesen abzubringen und die Herrschaft unter eigener Leitung seinen Neffen zuzuwenden. Dion wurde verbannt, Platon blieb noch in der Burg und Dionysios fasste die Liebe eines Tyrannen zu ihm, indem er ganz allein von Platon wieder geliebt und mehr als alle anderen von ihm bewundert werden wollte; ja, er war bereit, die ganze Tyrannis in seine Hand zu legen, wenn er ihn dem Dion vorzöge. Doch wechselte bald Zorn, bald Versöhnung, bald regster Eifer für den Unterricht, bald alte Gesellschaft. Als ein Krieg ausgebrochen, konnte Platon wieder nach Griechenland zurückkehren, wo Dion weilte. Dionysios, in seinen Hofkreisen von Philosophen und Dichtern umschwärmt, und an ihren Disputationen als Platoniker tlieil- nehmend, hegte erneuerten Wunsch, Platon bei sich zu sehen, und dieser, da seine Reise die Rückkxuift Dions zu fördern versprach, fuhr zum drittenmal nach Syrakus, abermals glänzend aufgenommen; aber seine Verwendung für Dion entfremdete ihm den Tyrannen; ja, dieser verkaufte die Güter Dions und wies dem Platon, der im Garten beim Palaxt gewohnt hatte , eine Wohnung unter der Aufsicht der Söldner an, welche ihn längst bei Seite zu schaffen wünschten, da er dem Dionysios die Entlassung der Leibwache empfahl. Platon, von Griechenland zurückbegehrt, verliess nun für immer Sicilien. Aber seine Hoffnung, seine Staatsidee in Sicilien verwirklicht zu sehen, schien nochmals in Erfüllung zu gehen; denn der Wunsch der Syrakusaner, Dion möge zurückkommen ! und den Tyrannen vertreiben, ging in Er- , füllung. Dion erschien mit einem Söldner- j heer, und da Dionysios sich eben mit seiner 1 Flotte nach Italien begeben hatte, zog er, ; durch sicilisclie Anhänger verstärkt, in : Syrakus im Triumph ein; die Werkzeuge : der Tyrannei wurden getödtet, der Schwager des Dionysios, der aufEpipolae die Lei- ! tung führte, entfloh. Dion trat unweit der Burg neben dem Thor Pentapyla, wo ein Sonnenzeiger auf steinernem Sockel sich i erhob, auf die Basis und ermahnte die Syra- f kusaner, fest an der Freiheit zu halten. Die i Syrakusaner, die ihm auf seinem Weg durch 5 Achradina längs der Strasse Opfertliiere, Tische | und Mischkrüge aufgestellt, Kränze ihm zu- . geworfen und, wie zu einem Gott, Gebete ! an ihn gesprochen hatten, erwählten ihn und I Megakies zu Feldherren und auf seine Bitte : noch 20 hinzu. I Dion eroberte Epipolac ixnd befreite die 1 Gefangenen; die Burg, in welche Dionysios j zurückgekehrt war, sperrte er durch eine 1 Mauer ab, und den Ausfall schlug er mit | persönlicher Gefahr zurück. Aber das Volk ; von Syrakus begann zu fürchten, es werde i in dem Oheim des Tyrannen nur wieder i einen neuen Herrscher erhalten; es wählte 1 den Herakleides, der mit Hülfsmacht aus I dem Peloponnes kam, zum Flottenführer, und dieser untergrub das Ansehen des Oberbefehlshabers. Zur See siegten die Syrakusaner über Dionysios, und dieser entfloh mit seinen Schätzen nach Italien; gleich darauf sollte eine Neuvertheilung sämmt- licher Ländereien unter die Bürger stattfln- den, und als Dion sich widersetzte, ward er des Feldherxmamts enthoben und seine Söld- ' ner erhielten keinen Sold mehr. Er zog mit j ihnen nachLeontinoi. Aus der Burg des Dio- i nysios aber geschah bei der Nachlässigkeit der Syrakusaner ein unvermutheter Ausfall, die Mauer wurde erstürmt, überall gemordet und die Stadt bis an die Hochfläche von Achradina genommen. Die Feldherren der Syrakusaner beschworen Dion zurückzukehren; er erschien beim Thor ILexapyla (mit sechs Oeffnungen), ordnete die Truppen am llekatompedos (Halle von 100 Fuss Länge) xind drang durch Blut, Feuer und Leichenhaufen dem Feind entgegen, rings von in Flammen stehenden Häusern uni- leuchtet, über brennende Trümmer hinschreitend, unter herabstürzenden Balken weglaufend und durch eine Wolke von Rauch und Staub hindurchdringend. Die Truppen des Dionysios wurden zum Weichen gebracht und entflohen in die Burg. Dion war nun Retter und Herrscher. Anstatt Herakleides zu bestrafen, sprach er, er habe bei Platon gelernt, Zorn, Neid und Ehrgeiz zu beherrschen. Die Ver* schanzung wurde wieder aufgebaut, Herakleides blieb Flottenführer, aber von Mes- sana aus knüpfte er geheime Verbindung mit Dionysios an und wusste die Truppen gegen Dion zu erbittern, als trachte dieser nach der Tyrannis. Da ward die Flotte aufgelöst. Unterdessen wurde die Burg 713 20. Syrakus (Geschichtliches). 714 immer eifriger vom Land her belagert, und der Sohn des Dionysios sah sich genöthigt, dieselbe zu übergeben (355 v. Chr.). — Nun trat an Dion die Aufgabe heran, den Platonischen Staat zu verwirklichen, aber er zauderte, eine endgültige. Verfassung dem Volk zur Weiterführung zu überlassen, auch die Burg, die man schleifen wollte, gab er nicht preis. Der Anbahnung einer monarchischaristokratischen Verfassung nach dem Vorbild Korinths widersetzte sich Herakleides; da gab Dion den drängenden Freunden nach, die in die Wohnung seines Gegners stürmten und ihn tödteten. Und doch liess ihn Dion feierlich bestatten. Der ihm befreundete Athener Kallipos, auch ein Platoniker, suchte nun in Dions schwankendem Gemiith Argwohn gegen viele seiner Söldner zu erwecken, überredete ihn, die Parteigänger durch eine fingirte Verschwörung, au deren Spitze er sich selbst stellen wolle, ausfindig zu machen, und nun verband sich Kallipos mit allen Missvergnügten; plötzlich wurde Dion in seinem Haus überfallen, erwürgt und erdolcht. — Durch ihn war wieder die Verbindung mit der Mutterstadt Korinth von Bedeutung geworden. Nach der Herrschaft des Mörders Kallipos, der schon nach 13 Monaten gestürzt wurde, dann des Hipparinos, Bruder des Dionysios, der nach zwei Jahren im ltausch umkam, des Nysaios, des zweiten Bruders, der von Dionysios selbst vertrieben wurde, nun auch nochmals des Dionysios (346), der ärger als je liauste, aber von dem herbeigerufenen Hikc- tas, dem Tyrannen von Leontinoi, belagert wurde, im Einverständnis mit den seit dem Verfall des Dionysischen Reichs wieder auf Syrakus lauernden Karthagern, — war es wirklich Korinth, welches Syrakus rettete. Denn die Mutterstadt schickte den Syraku- sanern den erprobten trefflichen Timoleon als Heerführer, der mit zehn Schiffen nach Metapont und Rhegion fuhr und den karthagischen Nachstellungen nach Tauromenion entkam (S. 543). Schon hatten die Karthager unter Hanno den Hafen von Syrakus besetzt. Aber Timoleon siegte mit nur 1200 Mann durch kühnen Ueberfall bei JFIadranon gegen 6000 Mann des lliketas, und nun traten Tynda- ris und Katane sowie auch viele feste Plätze auf seine Seite. Timoleon rückte rasch auf Syrakus vor, und Dionys hielt für gut, diesem edlen Gegner die Stadt sammt ihren ICriegsvorräthen heimlich und rasch zu übergeben und in Korinth als Privatmann sein Leben zu beschliessen. Die Fortführung der Belagerung, die Absendung von Meuchelmördern und die Verbindung mit den Karthagern halfen Hikctas so wenig, dass vielmehr seine in Syrakus zurückgelassene Besatzung durch Timoleon ( Plntarch, Tim. 21), obsclion dieser Neapolis, Tyehe und Epipolae zu erobern hatte, zu gleicher Zeit mit Sturm angegriffen wurde, denn Timoleon hatte seine Macht getheilt, er selbst unternahm, wo es die heissestc Ai'beit galt, am Fluss Anapos, den Angriff, eine zweite Abtheilung unter dem Korinther Isias stürmte Tyclie von Achradina aus; der dritte Haufe, die spätere Iltilfsmann- scliaft aus Korinth, unter Deinarclios und Demaretos, hatten von Noi’den her auf Epipolae zu gelangen. So günstig war das Ende dieses dreifachen Sturms, dass — kein Korinther fiel, keiner eine Wunde erhielt imd der Feind schnell völlig iinterworfen war. So sehr (sagt Plutarch) erhöhte das Glück durch Schnelligkeit den Glanz von Timoleons Thaten. Nach Eroberung der Burg liess Timo- leon durch Heroldsruf verkündigen, jeder Syrakusaner möge mit eisernem Gerätli kommen und die Tyrannenveste zerstören helfen. Burg, Häuser und Grabmäler fielen unter den Schlägen der Bürger, der Platz wurde geebnet und die Gerichtshäuser darauf erbaut, um zur Freude der Bürger die Volksherrschaft auf den Trümmern der Tyrannei zu erheben. In Syrakus glichen sich die griechischen Söldner der Gegner mit den Truppen Timoleons aus, die Karthager sahen sich genöthigt, auf ihr Gebiet sich zurückzuziehen, und auch lliketas wich den muthi- gen Angriffen. — Die verödete Stadt bevölkerte Timoleon durch Zurückberufung der zerstreuten Flüchtlinge und Kolonisten; 10,000 Sikelioten fuhren von Korinth nach Syrakus. Die Gesammteinwohnerscliaft belief sich nun auf 60,000, an welche das Land vertbeilt und die Häuser verkauft ‘wurden (indem man eine Summe von 1000 Talenten über die einzelnen Häuser vertliciltc). Gesetzeskundige halfen ihm die alte Gesetzgebung des Diokles im demokratischen Sinn ausbilden. Um sich die Mittel für einen Krieg mit den Karthagern zu verschaffen, wurden selbst die Statuen der öffentlichen Plätze verkauft und nur die des Gelon behalten. Als Timoleons Befreiuugspläne der griechischen Städte Siciliens von immer grösserem Glück begünstigt wurden, rüsteten die Karthager ein grosses Heer von 70,000 Fuss- truppen, 10,000 Reiteni und Wägen, 2000 Kriegsschiffen, 1000 Lastschiffen. Timoleon rückte dem Feind mit nur 12,000 Kriegern bis zum Fluss Krimisos, im Gebiet von Sc- gesta, entgegen. Und hier, den Truppen Muth einflössend lind an Gelons Glück erinnernd , griff er mit seinen Tapferen, die sich Eppichkränzo als Vorzeichen des Siegs auf das Haupt gesetzt, den weit überlegenen Feind an. Durch gut berechnete Taktik (Diodor XVI, 80), Muth und Gewandtheit ward der erste Sieg erreicht, und als jen- seit des Flusses das zweite Treffen begann und die Karthager die Griechen mit ihrer Ueberzahl lunringten, da brach plötzlich aus den Wolken ein gewaltiges Ungewitter hervor, der Hagel schlug hernieder, Blitz und Donner folgten sich im Augenblick, und der Wind, den die Griechen im Kücken hatten, schlug den Karthagern den Kegen und die Schlossen ins Gesicht. Die Gewalt des Sturms und der Anprall der Griechen trieben die Karthager in die Flucht; viele kamen noch in dem zum reissenden Strom 715 20. Syrakus (Geschichtliches). gewordenen. Fluss um; die 2500 der heiligen karthagischen Schar wurden alle niedergehauen, von den anderen fielen iiber 10,000 und 15,000 wurden gefangen. In Timolecns Zelt brachte man 1000 Harnische und mehr als 10,000 Schilde; viele derselben kamen nachher als Weihgeschenke in die Tempel von iS yi-akus. Umsonst trachteten die Karthager durch ein neues Bündnis mit den sicilischen Tyrannen das Unglück auszugleichen; Ilike- ta s ward hingerichtet (auch seine Frau und Töchter durch Spruch der Syrakusaner Volksgemeinde) , die Tyrannen von Kentoripai, Agyrion, Messana u. a. erlagen, Karthago erhielt den nachgesuchten Frieden gegen Aufgabe aller Tyrannenbündnisse und Zugeständnis der Auswanderung an alle, die nach Syrakus übersiedeln wollten. Wie Syrakus, wurden nun auch die anderen griechischen Städte neu bevölkert und verwaltet. Handel und Ackerbau blühten unter dem Schutz gemässigter Volksregie rungen wieder auf und Syrakus trat an die Spitze einer neuen Kunstblüte; die staatsbürgerlichen Ordnungen wurden unter Ke- phalos’ Beirath weiter entwickelt; für die Beschränkung der Auswüchse der Demokratie wurde eine geistliche Kraft benutzt und der jährlich aus drei Geschlechtern durch das Loos erwählte Erzpriester (Amphipolos) des olympischen Zeus als höchste Behörde an die Spitze des Freistaats gestellt nnd nach ihm die Jahre benannt (ein Institut, das sich noch 800 Jahre erhielt); neben ihm übte die Volksgemeiude die Hoheitsrechte aus. Als eine durch Timoleon neu geschaffene Stadt schloss sich Syrakus auch im Münzwesen an Korinth an und prägte Doppeldrachmen mit Aphrodite (Pallas) und Pcgasos. Timoleon blieb ohne öffentliches Amt in Syrakus, eine in seiner Familie erbliche Augenschwäche war im Krieg gegen Ma- merkos bei der Belagerung von Mylai in völlige Blindheit übergegangen; sein Familienhaus in der Stadt und sein Landgut vor der Stadt, das schönste um Syrakus, hatten ihm die Bürger geschenkt. Nicht bloss ehrten sie selbst ihn häufig durch achtungsvolle Besuche, sondern, wie Plutarch (Tim. 58) erzählt, jeden in Syrakus verweilenden Fremden führten sie in sein Haus und auf sein Gut, damit er ihren Wolil- thäter schaue, voll stolzer Freude, dass er Hie so glänzende Rückkehr nach Griechenland verschmähte, um bei ihnen sein Leben zu bescliliessen. Zu den wichtigen Verhandlungen in den Volksversammlungen rief man ihn stets herbei; dann kam er mit einem Zweigespann Uber den Markt ins Theater gefahren; und indem der Wagen, auf dem er sitzen blieb, hineinkam, rief das Volk mit Einer Stimme grüssend seinen Namen. Dann hörte er den Gegenstand der Verhandlung an und sprach seine Meinung aus. Nachher führten die Diener den Wagen dem Ausgang des Theaters zu und die Bürger begleiteten ihn mit Zuruf und Händeklatschen und berietlien dann über die anderen An716 gelegenheiten weiter. So lebte der Greis, geehrt und geliebt wie ein gemeinsamer Vater, bis zu seinem Tode (3ö6). Bei der glänzenden Leichenfeier trugen Jünglinge, vom Volk erwählt, das prachtvoll geschmückte Todtenbett über den Platz der ehemaligen Dionysischen Burg nach dem Markt. Als Geleit folgten viele tausend Männer und Frauen, und wenn die Kränze auf aller Haupt und die weissen Gewänder einen festlichen Anblick gewährten, so zeigten die Wehklagen und Tliränen, die sich mit den Glückpreisungen des Mannes mischten, nicht eitles Ehrengepränge, noch obrigkeitlich angeordnete Dienstleistung, sondern echte Trauer aus dankerfülltem, liebendem Herzen. Als die Leiche auf den Scheiterhaufen gelegt war, las Demetrios, der Herold, mit starker Stimme die öffentliche Erklärung: »Das Volk von Syrakus bestattet Timoleon von Korinth auf öffentliche Kosten und hat auf alle künftigen Zeiten Wettkämpfe in Musik, Gymnastik und Wagenrennen zu seinem Ehrengedächtnis verordnet , weil er die Tyrannen gestürzt, die Barbaren überwunden, die grössten der zerstörten Städte wieder bevölkert und den sicilischen Griechen die gesetzliche Freiheit zurückgegeben hat«. Die Asche setzten sie auf dem Markt bei, und in der Folge bauten sie Hallen um das Grabmal, fügten Palästren bei und ein Gymnasion für die Jugend, das sie Timoleonteion nannten. Aber nach 20jähriger Zwischenzeit des Friedens und Wohlstandes lebte in Syrakus schon wieder der Parteihader auf; der Geldadel war jetzt die Basis der Aristokratie, die grossen Landanweisungen hatten das Bürgerthum vielen Fremden zugänglich gemacht, und der Gegensatz zwischen Reichen und Armen sich schärfer als je ausgebildet. Die kriegerische Kraft lag in den Händen von Söldnern, die statt des Vaterlands die Beute und das Wohlleben liebten. Die Karthager harrten der Zerbröckelung der hellenischen Gemeinwesen, und ihre zähe Geduld und Einheit, wo es ihrer Nation galt, bedrohte die partikularistisclien (auch socialrevolutionären) Griechenstädte. In Syrakus zerklüftete sich das Gemeinwesen in Iletä- rien (Klubs), bewaffnete Vereine zogen gegen einander, Ehrgeiz und Selbstsucht zerstörten die Grundlagen des Staats. Die Reichen stützten ihre Macht auf die Söldner. Da erschien Agatlioklcs (in Thcrmae [Termini] geboren und, wie es heisst, nach der Geburt wegen eines delphischen Orakelspruchs, dass er über ganz Sicilien grosses Unglück bringen werde, ausgesetzt, dann wieder aufgenommen und in Termini das Töpferhandwerk [eins der wichtigsten Gewerbe im Alterthum] erlernend, hierauf mit seinen Eltern in Syrakus lebend, und bald zum Liebling des Damas, eines der vornehmsten und reichsten Syrakusaner, und selbst zum reichen Mann geworden) als der rechte Mann der Zeit, auf Soldaten, Glück, 1*01)01, rasche Tliat und grausame Mittel sich verlassend, selbst das Vorbild 717 20. Syrakus (Geschichtliches). 718 eines damaligen Soldaten von gewaltigem Wuchs und riesiger Körperkraft, eine schwerere Rüstung als alle tragend, beredt, listig, tapfer und vorsichtig. Seine Verheirathung mit der Wittwe des Damas erhob ihn zu einem der reichsten Bürger. Schon als Chiliareh im Heer hatte er durch seine Kühnheit und Redefertigkeit Bewunderung erregt. Von den Oligarchen in Syrakus um den ersten Preis der Tapferkeit gebracht, trat er offen gegen die herrschende Partei auf, musste aber Syrakus verlassen und trieb sich nun als Verbannter auf Streifzügen herum. Nach dem Sturz der Oligarchen erschien er wieder in Syrakus. Sein Streben nach der Tyrannis ward mit der Verbannung aus Syrakus bestraft, aber sein Aufgebot zahlreicher Mannschaften im Innern der Insel und seine Unterhandlungen mit den Karthagern sicherten ihm wieder die Rückkehr. Kr spielte nun so trefflich den Volksmann, dass ihn die Gemeinde zum Feldherrn und zum Wächter des Friedens (.Diodor XIX, 5) ernannte. So wurde es ihm möglich, jedes Hindernis mit rücksichtsloser Folge zu entfernen. Mit einem ergebenen Heer »reinigte« er die Stadt von den »verschwornen« Oligarchen. Bald sah man in der ganzen Stadt alles voll Greuel, Mord und Freveln. Mehr als 4000 der angesehensten Bürger wurden umgebracht, die Fliehenden, wenn sie den Thoren zucilten, ergriffen, nur wenn sie über die Mauer herabsprangen (wobei viele zu Tod fielen), entkamen sie in die benachbarten Städte. Ueber 6000 wurden verjagt. Die meisten flüchteten sich zu den Akragantinern. Ihre Güter gab er den Soldaten und dem Proletariat preis (317). Eine Volksversammlung rief ihn im Gefühl der Mitschuld zum unumschränkten Alleinherrscher aus, der nun folgerecht allgemeines Stimmrecht, Schuldentilgung und Landbesitz für die Armen verhiess. Völlige Furchtlosigkeit, grosse Freigebigkeit, bürgerliche Einfachheit gaben ihm Ansehen und Beliebtheit. Durch sein Heer unterwarf er sich zahlreiche Städte des Binnenlands, aber Messana brachte er nicht in seine Gewalt. Den Flüchtlingen gelang cs, Akragas, Gda und Messana zu Angriffen gegen ihn zu bewegen, aber bald waren sie genötliigt, im Frieden von 314 die Oberleitung von Syrakus anzuerkennen. Die Karthager suchten sich nun die bürgerliche Zwietracht und den Hass gegen den grausamen Emporkömmling zu Nutzen zu machen, und es gelang ihnen so gut, dass nach dem Sieg von Eknomos, unweit des Himerasflusses, fast alle von Syrakus abhängigen Gemeinden auf Karthago’s Seite traten und Syrakus nun zu Wasser und zu Land (310) abgesperrt wurde. Hunger und Aufruhr schienen den Ungebeugten zur Uebergabe zu zwingen, aber ein tollkühner genialer Staatsstreich durchkreuzte alle Berechnungen der Karthager. Agathokles beschloss, plötzlich nach Afrika aufzubrechen und die Karthager im eigenen Land anzugreifen, in der Hoffnung, sie würden ihre Kriegsmacht aus Sicilien theilweise zurückziehen und er werde dort viele Beute machen; seinen Bruder liess er als Stellvertreter in Syrakus. In möglichster Eile und Stille rüstete er 60 Schiffe aus, raffte alle verfügbare Barschaft zusammen, plünderte Tempel, zog das Vermögen von Waisen ein, beraubte die Frauen ihres Schmucks, machte Zwangsanleihen, liess gegen 1600 reiche Bürger, welche die Erlaubnis benutzten, sich den Leiden der Belagerung zu entziehen, bei ihrem Auszug ermorden und plünderte ihre Habe. Als nun ein grosser Theil der karthagischen Flotte einige Proviantschiffe, welche der Stadt Zufuhren, verfolgte, brach er plötzlich mit seiner Flotte aus dem Hafen hervor und erreichte innerhalb 6 Tagen die libysche Küste. Angesichts des nachdrängenden Feindes warf er ein verschanztes Lager auf und verbrannte der Demeter und Persephone zu Ehren seine Flotte. Den Mutli reizte er durch Beutegicr, denn der Marsch ging nun durch den an Getreide, Wein und Fruchtfeldern überreichen Bezirk von Me- galopolis. Der Hauptort und Times wurden erstürmt und geplündert und die 45,000 lieranrückenden Karthager durch die 14,000 tollkühnen Griechen besiegt. Dann liess er in Times eine Besatzung zurück und unterwarf rasch hintereinander mehr als 200 von Karthago abhängige Ortschaften. Den makedonischen Fürsten Kyrene’s, Ophelias, gewann er durch das Versprechen, dass alle Eroberungen in Afrika ihm zu eigen gegeben werden sollten. Ophelias zog mit grosser Streitmacht herbei, aber plötzlich beschuldigte ihn Agathokles der Verrätherei, griff sein Lager an', tödtete ihn und zwang die führerlosen Truppen sich seinen Söldnern anzuschliessen. Mit wunderbarem Glück setzte er den Krieg in Afrika vier Jahre lang fort. Durch Wegnahme aller bedeutenderen Küstenstädte bedrängte er Karthago immer mehr, sah sich aber genötliigt, weil Akragas Syrakus an- griff, seinen Sohn mit dem Oberbefehl in Afrika zu betrauen und nach Sicilien zurückzukehren. Nach wechselvollen Kämpfen daselbst eilte er seinem Sohn, dessen Heer zu zwei Dritfcheilcn vernichte^ und in Times eingeschlossen worden, zuHülfe. EinAngriff auf das karthagische Lager missglückte, worauf Agathokles mit seinem zweiten Sohn nach Sicilien zurückfliehen wollte. Aber im Begriff, das Schiff zu besteigen, Hessen ihn die benachrichtigten Befehlshaber fesseln und einkerkern. Befreit wegen drohender Feindesgefahr, erreichte er ein kleines Fahrzeug und schiffte sich (306) glücklich nach Sicilien ein. Die aufgebrachten Söldner in Afrika erschlugen seine Söhne, ein Theil der Krieger trat in den Dienst der Karthager, andere Hessen sich in der punischen Stadt Soloeis an der Nordküste Siciliens nieder. In Syrakus griff Agathokles wieder zu blutigen Erpressungen, Hess die Verwandten derjenigen Soldaten, welche beim Mord seiner Söhne und dem Abschluss des 719 720 20. Syrakus (Geschichtliches). Friedens in Afrika gewesen, hinrichten nnd zog ihre Habe ein. Der Stadt Egesta legte er die höchsten Zwangsanlehne auf; die dagegen Murrenden wurden verbannt oder zu Tode gefoltert, so dass die blühende Gemeinde sich lange nicht mehr erholte. Mit den Karthagern schloss er einen schimpflichen Vertrag, welcher ihnen alle ihre früheren Städte wieder zusicherte, ihm aber 300 Talente zubrachte. Jetzt richtete der Gewaltherr zwei Jahre lang (306—304) »Bestechung, Mord, Schlacht und List« so lange wider die Ausgewanderten und Vertheidiger der städtischen Unabhängigkeit, bis nach dem verrätherischen Uebertritt des Haupt- führers Deinokrates der Widerstand aufhörte und alle Griechenstädte Siciliens, soweit sie nicht Karthago huldigten, wieder Syrakus gehorchten. Der mangelnde Widerstand milderte nun die Regierung des mit dem Königstitel bekleideten Tyrannen. 304 plünderte er die Liparischen Inseln, 299 besetzte er nach einem glänzenden Seesieg über die makedonische Flotte Kerkyra und gab die reiche Insel seiner Tochter Lanassa, welche der Herrscher j von Epiros, Pyrrhos , heirathete; 295 eroberte und plünderte er Kroton und zog gegen die Bruttier. Im 72. Jahr wollte er nochmals den Kampf mit Karthago aufnehmen, aber auf Betrieb seines Enkels, Sohn des ermordeten Archagathos, ward ihm durch einen Lieblingssklaven, einem Egestäer, Gift an den Zahnstocher gestrichen, worauf das Zahnfleisch von entsetzliche Schmerzen erregender Fäulnis ergriffen wurde. Diodor XXI erzählt, dass Agathokles, als er dem Tode nahe war, eine Volksversammlung gehalten, die Menge zur Rache gegen Archagathos aufgefordert und erklärt habe, er gebe dem Volk die demokratische Verfassung zurück; dann sei er, noch lebend, vom Gesandten des Königs Demetrios auf den Scheiterhaufen gelegt und verbrannt worden. Nach seinem Tode wurden sofort alle Angehörigen des Agathokles aus Syrakus verbannt und zum Theil getödtet (auch Archagathos). Aber die Demokratie vermochte Syrakus nicht mehr aufzuhelfen. Unbedeutende Tyrannen, Hiketas, Tliynion, Sostra- tes, folgten. Als die Karthager aufs neue gegen Syrakus vorrückten, da riefen die Par- teihäuptlinge den Epiroten Pyrrhos, Schwiegersohn des Agathokles, als »Beschirmer« der Unabhängigkeit herbei (278). Die tarentini- sche Demokratie hatte diesen ritterlichen, tapfcrn Halbgriechen (den »Adler«), der mit dem Gedanken umging, ein westliches Griechenreich in Italien und Sicilien zu gründen , zuerst herbeigezogen. Aber von der allgemeinen Erhebung, die seiner harren sollte, war nichts zix bemerken; Pyrrhos blieb auf sein eigenes, geschultes Heer beschränkt. Bei Heraklea traf er mit den Römern zusammen. Seine Reiterei und Elefanten gaben den Ausschlag, sein Sieg war entscheidend. Die Griechenstädte fielen ihm zu und Pyrrhos forderte von den Römern die Freiheit derselben. Aber der blinde Appius Claudius erzwang im Senat die Antwort: von Friede und Freundschaft zwischen Pyrrhos und dem römischen Volk könne erst dann die Rede sein, wenn er den italischen Boden verlassen habe. Nochmals, bei Asculum, besiegte Pyrrhos die Römer; er soll aber gesagt haben: »Noch ein solcher Sieg, und ich bin verloren«. Nun schlossen die Römer ein Bündnis mit den Karthagern, die eben der Hoffnung lebten, sich ganz Siciliens bemächtigen zu können. Schon schienen die Syrakusaner dem Untergang nahe: da erschien Pyrrhos, der ohnehin Ansprüche auf die Erbschaft des Agathokles zu haben glaubte, auf der Insel. Mit Jubel von den sicilischen Griechen als Retter empfangen, schlichtete er ihre Fehden, leitete ihre Wehrkraft und drängte rasch die Karthager an die Westküste zurück. Eryx, Panormos, Erkte fielen, und bis auf Messana und Lilybaion kam alles in seine Hand. Karthago wollte auf ganz Sicilien verzichten, wenn ihm Lilybaion verbliebe. Aber Pyrrhos konnte keinen so festen Punkt dem Erbfeind belassen, und der Krieg ward fortgesetzt. Lilybaion widerstand, und die Begeisterung der wankelmüthigen und par- tikularistischen sicilischen Griechen schlug rasch in Unmuth um, zumal Pyrrhos den unbedingten Gehorsam forderte, und das lässige Wesen mit Strenge auszutreiben begann. »Aus Unmuth wurde bei den Sikelioten Abneigung, und als nun Pyrrhos mit Gewalt seinen Willen durchsetzen zu können glaubte und überall durch die von ihm eingesetzten Stadtkommandanten Zwang üben liess, da brachte die seinem Charakter gemäss mehr mit leidenschaftlicher Heftigkeit und stoss- weise als mit systematischer Berechnung« (Holm) angewandte Gewalt nur Trotz und offene Feindschaft hervor, und es war um seinen Einfluss geschehen; er galt den Sikelioten als Tyrann und sie gingen, wo sie konnten, zu den Mamertinern oder Karthagern über. Pyrrhos sah seine Pläne gescheitert, und nach dreijährigem heldenmiitliigen Kampf um Sicilien verliess er (276) den Hafen von Syrakus und folgte dem Ilülferuf Süditaliens, wo er bald den Kampf gegen die Römer aufgab. Infolge der unsteten Politik der zwie- trächtigen sicilischen Griechen stand nun die Insel der konsequenten Staatskunst und nachhaltigen Thatkraft der Römer offen. In Messana war eine Schar kampanischer Söldner, die sich Mamertiner (Marssöhne) nannten und im Dienst des Agathokles gestanden hatten, auf dem Heimweg nach Italien über die Stadt hergefallen, hatte die Männer ermordet, die Frauen geraubt und die Stadt zu einem »Barbarenstaat« gemacht, llieron, der Führer des syrakusanischen Heers, griff sie an und besiegte sie im offenen Feld, wonach sie sich in das feste Mes- sana einschlossen. Hieron, in Syrakus mit der Königswürde bekleidet, herrschte mild und klug und wusste ungeachtet der schwierigsten Verwickelungen in den Kämpfen zwischen Karthago und Rom die Unabhängig - 721 20. Syrakus (Geschichtliches). 722 keit von Syrakus zu wahren. Die Mamertiner suchten Hülfe bei Karthago und eine karthagische Abtheilung unter Hanno ward in die Burg Messana’s aufgenommen. Aber die römische Partei in Messana schickte Gesandte nach Rom, dass dieses die Stadt und ihr Gebiet in Empfang nehme und die Karthager vertreibe. Die Gewährung dieses Gesuchs war die Kriegserklärung Roms gegen Karthago und Syrakus. So begann der berühmte erste Pu- nisclie Krieg (264—241). Rom trat in diesem Krieg zum erstenmal als Seemacht auf, und am Ende desselben gehörte ganz Sicilien den Römern. Der Konsul Appius Claudius setzte sich in den Besitz von Messana, und Hieron sah sich genötliigt, sich mit den Karthagern zu verbünden! Der erste Peldzug hatte den Verlust von Messana zur Folge. Als das zweite römische Heer erschien, ergab sich die Mehrzahl der sicilischen Städte ohne Kampf den Römern, und selbst Hieron hielt die Freundschaft von Rom für politischer als die von Karthago, schloss Frieden und trat in das Verhältnis eines Bundesgenossen, versah die Römer stets mit Vorräthen und herrschte in Syrakus unter dem »Schatten des römischen Schilds«. Als im Frieden des Jahrs 241 die Insel Sicilien, soioeit sie den Karthagern gehört hatte, zur römischen Provinz gemacht wurde, blieb dem Hieron seine Herrschaft ungeschmälert. Auch im zweiten Punisclien Krieg (218 — 201) leistete er Rom die grössten Dienste und zeichnete sich durch reichliche Getreidespenden und glänzende Freigebigkeit aus. Dieselbe kam auch den Griechen des Mutterlands zu statten. Das berühmte prachtvolle Riesenschijf Hierons, mit Sälen, deren Wände mit Scenen der Ilias mosaicirt waren, Gallerien, Gymnasien, Bädern, Bibliothek u. a., das aber für alle griechischen Häfen zu gross war, sollte »dem gosammten Hellas und den Inseln« (Athen. V, 44) Getreide bringen; den durch Erdbeben heimgesuchten Rhodiern schenkte er 100 Talente und 50 Katapulte sowie eine Statuengruppe: »das Volk von Syrakus, wie es das Volk von Rhodos bekränzt«. Syrakus, das dem Hieron in Olympia zwei Bildnisstatuen, aufstellte, erfreute sich unter seiner 54jährigen Regierung einer reichen Nachbliite. Er errichtete auf dem Markt ein Olympieion, einen Riesenaltar von 200 m. Länge in der Nähe des Theaters, erbaute auf Ortygia einen Palast (später Sitz der römischen Prätoren), errichtete auch in Agyrion und Neeton Tempel, Rathhäuser, Gymnasien, und durch seinen Verwandten und Freund, den berühmten Archi- medes, liess er die trefflichsten Kriegsmaschinen anfertigen. Unter ihm dichtete Thcokrit seine Idyllen. Ilieron starb 215 v. Chr. im Alter von mehr als 00 Jahren. Er war einer der letzten »jener Männer, welche das griechische Alterthum,in;wunderbarer Fülle hervorbraclite, und die in älterer Zeit Tyrannen, später wohl auch Könige benannt wurden«. Die besten und schlechtesten I dieser Herrscher liat Syrakus aufzuweisen, | eine Stadt, welche alle Verfassungsformen der hellenischen Welt nach einander versucht und sich bei keiner lange beruhigt hat. Polybios (VII, 8) sagt von Hieron: »Er erlangte durch sich selbst, nicht durch das Glück, die Herrschaft in Syrakus, und wurde König der Syrakusaner, ohne einen einzigen Bürger zu tödten, zu vertreiben oder sonst zu schädigen. 54 Jahre lang erhielt er Syrakus den Frieden und .sich die Herrschaft, ohne alle Nachstellugen, ja, mehrmals wurde seine Absicht, die Gewalt niederzulegen, durch den allgemeinen Wunsch seiner Mitbürger vereitelt. Den Hellenen gegenüber zeigte er sich als Wohlthäter, und strebte nacli ihrer Anerkennung. So gewann er grossen Ruhm für sich und nicht geringes Wohlwollen bei allen für das Volk von Syrakus«. Sein löjäliriger Enkel Hieronymos folgte ihm; seine Rathgeber hofften den Krieg zwischen Rom und Karthago zur Vermehrung der syrakusanischen Macht ausnutzen zu können. Hieronymos knüpfte daher Verbindungen mit Karthago an; Appius Claudius, damals Prätor in Sicilien, warnte ihn vergeblich. In Syrakiis hatte sich indessen eine republikanische Partei gebildet, welcher die hervorragendsten Männer angehörten. Hieronymos hatte wieder das Söldnersystem, königlichen Prunk, Leibwächter eingeführt; es war die alte DionysischeWillkürlierrschaft, auf das Proletariat gestützt. Jene aristokratische Partei sah keine andere Hülfe als Rom. Hieronymos ward plötzlich in Loon- tinoi überfallen und niedergehauen, dieVer- scliwornen eilten nach Syrakus zurück, und noch in derselben Nacht fiel die Stadt in die Hände der Insurgenten. Nur die leicht zu vertheidigende Insel Ortygia mit dem Königspalast wurde durch Hieronymos 1 Nachfolger Andranodoros gehalten, aber ein Tlieil der Besatzung trat über, und der Herrscher, obgleich unter die Strategen des neuen Freistaats aufgenommen, wurde der Verschwörung verdächtigt und sammt seiner ganzen Familie niedergehauen. Nun sollte das römische Bündnis erneuert werden, aber eine karthagische Flotte nahte und stachelte die Gegner auf. Doch auch Appius Claudius erschien mit zahlreichen Kriegsschiffen am Eingang des Hafens. Da Syrakus die Unterhändler Hannibals, Ilippokrate s und Epikydes, Enkel eines Syra- kusaners, der nach Karthago geflohen war, zu Strategen gewählt hatte, traf bei diesen der Anschluss an Rom auf Widerspruch. Hippolrates wurde daher, da eben Leontinoi um Schutz nachgesucht hatte, mit 4000 Mann aus Syrakus dorthin geschickt. Aber er brachte die Leontiner zum Abfall von Syrakus und überfiel einen römischen Grenzposten. Der römische Prätov Marcellus bestrafte die Frevelthat mit Erstürmung von Leontinoi, wobei er 2000 römische Ueber- läufer hinrichten liess. Die .syrakusanischen Truppen kamen zu spät, traten aber, entsetzt über die Grausamkeit der Römer und in der Furcht, ihre römisch gesinntefRegie- rung werde alle römischen Ueberläufer den 723 20. Syrakus (Geschichtliches). 724 Römern opfern, plötzlich zu Hippokrates über und rückten nun in Syrakus ein. Hier wurden die anderen Strategen niedergc- maclit, die Sklaven und Verbrecher in Freiheit gesetzt, Hippokrates und Epikydes zu Führern der leidenschaftlichen Gegenrevolution gemacht. So war Rom, wenn es Sicilien gewinnen und Karthago demiithigen wollte, zur Eroberung von Syrakus gcnöthlgt. Marcellus lagerte sich im S. der Stadt am Tempel den olympischen Zeus ; Appius Claudius ankerte mit der Flotte vor der Stadt. Aber Syrakus hatte ein vortrefflich ausgebildetes Vertheidigungssystem und ungeheure'Werkstätten, zudem überbot der geniale Mechaniker Archimedes mit seinen lliilfsmaschi- nen alle bisherigen Erfindungen. Der Landangriff der Römer war daher in der bisherigen Weise ein unnützer, und dem Angriff zur See wehrten die Zerstörungsmaschinen des Archimedes (Livius XXIV, 34). Die Maliern auf der Hochfläche versah er mit jeder Art von Geschützen. Marcellus bestürmte sie mit Fünfrudern und die Bogenschützen, Schleuderer Hessen kaum jemand unverwundet auf der Mauer. Zwei gekuppelte Schiffe trugen Thiirme von mehreren Stockwerken, gegen diese arbeiteten die Maschinen des Archimedes. Kamen Schiffe näher, so legte er über die Mauer hinaus eine Wippe, mit einem an starker eiserner Kette hängenden Haken, fasste damit das Vordertheil, zog dieses, durch das schwere Bleigewicht die Wippe auf den Boden zurückschnellend, in die Höhe, stellte so das Schiff auf den Spiegel und liess, plötzlich nachlassend, das Schiff, als ob es von der Mauer herabfiele, dergestalt auf das Wasser hinprallen, dass es eine Menge Wassers einnahm. Gegen die entfernteren Schiffe wurden Steine von ungeheurer Schwere geschnellt, die näheren aber mit unzähligen Geschossen beworfen. So wurde die Belagerung von der Seeseite abgeschlagen. Auch die Landseite war mit Geschütz jeder Art ausgestattet, und hier kam noch die natürliche Beschaffenheit der Anhöhe zu Hülfe. Marcellus beschränkte sich daher zunächst auf die Abschneidung der Hülfe. Noch stand der Hafen der karthagischen Flotte offen, und Ilimilko hatte sich in Akragas festgesetzt, von wo er an den Anapos vomickte und nahe bei Marcellus ein Lager aufschlug. Der blutige Fall von Enna hatte alle Städte Siciliens den Karthagern zugewandt , und Himilko zog mit seinem Heer im Binnenland umher, um den Aufstand zu steigern (213). Die Römer lagerten auch im Winter, ihr Hauptlager IV 2 St. westl. bei Leon beziehend, vor Syrakus, das nun einer karthagischen Festung unter den halbkarthagischen Führern glich. Die Römer suchten mit der republikanischen Gegenpartei anzukjiüpfen, in Fischerkähnen, unter aufgehäuften Netzen versteckt, kamen und gingen Boten aus dem Hafen von Syrakus ins römische Lager; und schon waren die Bedingungen der Uebergabe festgestellt, als Attalos den Plan dem Epikydes entdeckte, worauf 80 Verscliworne unter grausamen Martern hingerichtet wurden. Als Marcellus erfuhr, dass drei Tage lang das Artemisfest in Syrakus gefeiert und dabei tüchtig getrunken werde, liess er an einer niedrigen Stelle der nördlichen Mauer in der Festnacht Leitern anlegen; gegen 1000 Bewaffnete erkletterten die unbewachte Stelle, schlichen auf der Mauer weiter bis zum Thor llexapylon, stiessen die berauschten Wächter nieder und öffneten dort die Pforte, worauf ein Trompetensignal einer draussen harrenden römischen Schar das Zeichen zum Ueberfall gab. Gegen Morgen befand sich Epipolae in der Gewalt der Römer. Noch galt es den Euryelos, Achradina und die Insel zu nehmen. Nach vergeblichem Angriff auf die Veste Euryelos räumte endlich der griechische Befehlshaber auf sichernde Versprechungen hin den Platz. Marcellus schlug nun sein Lager zwischen Tyche und Nca- polis auf, und gab diese (als Vorgeschmack der Beute von Syrakus) seinem Heer zum Plündern preis. Am Olympieion griffen nun Hippokrates und Himilko mit einem karthagischen Heer das römische Lager an, und gleichzeitig fiel Epikydes aus Achradina auf sie ein. Aber die Römer behaupteten sich. In der Sommerhitze brach am Anapos, wo das karthagische Heer lagerte, das Sumpffieber aus und hauste schlimmer als die schwerste Niederlage, selbst Hippokrates und Himilko erlagen; die übrig gebliebenen Söldner zerstreuten sich nach allen Seiten. Das römische Heer in der Höhe litt weniger. Als auf karthagischen Schiffen neuer Proviant, von 130 Kriegsschiffen begleitet, bei Akragas eintraf, begab sich Epikydes selbst zum Admiral Bomilkar, um ihn zum Angriff auf die Flotte der Römer zu bestimmen. Diese (Livius XXV, 27) fuhren ihm entgegen; aber anstatt ihnen das Treffen zu liefern, segelte Bomilkar (man weiss nicht, wodurch auf einmal ci’schreckt) plötzlich nach Süditalien, und die Proviantflotte kehrte nach Afrika zurück. So blieb Syrakus hiilflos und in seinen eigenen Mauern entbrannte der Kampf zwischen den römisch gesinnten Republikanern und den karthagischen Söldnern. Die römischen Ueberläufer besonders fürchteten für ihr Leben und flöss- ten den Soldtruppen dieselbe Besorgnis ein. Sie ermordeten die republikanischen Strategen, liefen sodann gegen die Syrakusaner, tödteten jeden, der ihnen aufstiess, und raubten, was irgend zu erhalten war. Dann wählten sie sechs Hauptleute, drei für Achradina, drei für die Insel. Einer derselben ( Livius XXV, 30), der Spanier Meri- cus, der den Theil von der Arethusaquelle bis zur Mündung des grossen Hafens befehligte, unterhandelte heimlich mit den Römern. In der Nacht liess Marcellus ein Lastschiff mit Bewaffneten durch einen Vierrudei*er am Schlepptau in jenem Quartier landen und Mericus öffnete das Nebenthor nahe an derAre- thusaguelle . Dann griff Marcellus bei Tages- 725 72G 20. Syrakus (Geschichtliches). anbruch mit allen Truppen die Mauern Achra- dina’s an, und während die Vertheidiger auch aus Ortygia daliin eilten, setzten Sclmell- ruderschiffe an der Inselstadt Bewaffnete ans Land, welche die lialbvollzähligen Posten angriffen und durch die Thore, durchweiche jene Vertlieidiger eben geeilt waren, ein- draugen. Als Marcellus vernahm, dass die Inselstadt und der Zugang zu Ächradina in seiner Hand sei und Mericus mit seiner Besatzung zu den Römern stosse, liess er vom weitern Stürmen ab. Die Ueberlaufer entflohen; die Syrakusaner öffneten die Thore Achradina's und schickten Abgeordnete mit der Bitte uin Erhaltung des Lebens für sich und ihre Kinder an Marcellus, denn die römische Partei hatte vollen Grund, gross- miithige Schonung zu erwarten. Statt dessen liess Marcellus die Ueberlaufer entkommen, und die Stadt gab er den Kriegern zum Plündern preis. Erbitterung und Habsucht häuften die Greuel. Auch der grosse Arclii- mides, mitten in der Plünderung, ganz vertieft in seine in den Sand gezeichneten Figuren, wurde, weil er einem eingedrungenen Soldaten nicht sogleich antwortete, niedergehauen. So fiel die glänzendste aller griechischen Städte und erhob sich nie wieder zu ihrer früheren Bedeutung. — Die herrlichen Zierden der Stadt, die Statuen und Gemälde, woran Syrakus noch überreich war, liessMar- cellus nach Rom abführen. Lioius (XXV, 40) fügt bei: »Wohl war dies alles feindliche, nach dem Kriegsrecht errungene Beute, in- dess legte sie den ersten Grund zur Bewunderung griechischer Kunstwerke, aber auch zu — jener Vermessenheit, alles, mochte es Göttern oder Menschen angehören, zu plündern«. — Der Eroberung der Hauptstadt folgte die der gesammten Insel. Zwei Jahre nachher war nach dem Pall von Akragas die ganze Insel eine römische Provinz. Ihre Hauptaufgabe war jetzt, »Korn zu bauen für die Fütterung der herrschenden Proletarier in Rom, sich von römischen Pächtern, Händlern und Wucherern aussaugen und von den jährlichen Statthaltern systematisch plündern« zu lassen. Cicero (in Verres f>2 — 51) beschrieb zwar noch im Eifer gegen Verres die Stadt als die grösste und schönste unter den Griechenstädten , nicht nur mit fester Lage, sondern von allen Seiten zu Land und zur See einen herrlichen Anblick gewährend, mit Seehäfen, die beinahe in die Bauanlage der Stadt selbst eingeschlossen sind, die verschiedenen Zugänge beim Ausgang zusammenfliessend, der als Insel durch schmalen Meereaarm abgesonderte Stadttheil durch eine Brüche mit dem Festland verbunden, die Insel, mit zwei Häfen umgeben und landwärts mit der Prätorenwohnung, dem ehemaligen Palast Ilierons, auch mit mehreren Tempeln, vornehmlich den Tempeln der Diana und der Minerva, am Inselende mit einer Svsswasser- qudlc Areihnsa, von grossem Umfang, voll von Fischen, durch einen Damm vom Meer geschieden; die Acliradinamit grossem Marktplatz, schönen Italien, einem herrlich geschmückten Prytaneum, einem grossen Rath- haus und einem sehr schönen Tempel des Jupiter Olympius; breite Hauptstrassen und zahlreiche Querstrassen, überall mit Privathäusern besetzt; die Tyche mit altem Tempel der Glücksgöttin, ememGymnasium, mehreren anderen Tempeln und am dichtesten bevölkert; die Neapolis mit den Kenbauten auf dem höchsten Punkt mit grossem Theater; hier auch die herrlichen Tempel der Ceres imd TAhera und die herrliche Kolossalstatue des Apollon Temenites. Freilich lag die Macht von Syrakus so sehr darnieder, dass Cicero selbst erzählt, der Seeräuber Heraklit sei unbehelligt in den grossen Hafen eingelaufen. Als Octavian Alleinherrscher geworden, sandte er eine Kolonie nach Syrakus. Die folgenden Kaiser waren ihr bald günstig, bald ungünstig gesinnt. Tiberius beraubte sie noch jener berühmten Apollonstatue. Dagegen Culigttla restaurirte die Tempel und Mauern und liess die Astischen Spiele hier feiern. Nach der Apostelgeschichte (28,12) lief der Apostel Paulus auf einem alexandriuischen Schiff (mit den Dioskurenzeichen) in Syrakus ein und blieb hier drei Tage. Laut Tradition hat schon ein Schüler des Petrus, St. Marcellin die erste christliche Gemeinde in Acliradina gestiftet. Im Jahr 278 n. Chr. wurde auf einer abenteuerlichen Fahrt, welche eine Schar fränkischer Ansiedler vom fernen Pon- tus durch den Bosporus und Hellespont über das Mittelländische und Atlantische Meer bis zur Mündung des Rheins zurück vollführte, auch Syrakus geplündeit. Ungeachtet des zunehmenden Verfalls scheint noch spät die Literatur hier gepflegt worden zu sein, denn noch im 4. Jahrh. hatte es den Geschichtschreiber Vopiscus u. a. Von 493—535 fiel es unter die Gothen, Cassiodorus war der Verwalter; dann brachte es Beiisar wieder als Hauptstadt der Insel an das Ostreich. Bald darauf fiel es durch Totila auf kurze Zeit wieder den Gothen zu. Aber 663 schien es nochmals die höchste Bedeutung zu erlangen, denn der oströmische Kaiser Constans II., der in freiwilliger Verbannung nach Rom gekommen, wo er die Reste der ! Kunstschätze entführte, erkor Syrakus zur : Residenz des römischen Kaisers und verbrachte ! hier die letzten vier Jahre seines lastervollen Lebens, bis ein fanatischer Diener dem »Ketzer« im heissen Bade den Tod bereitete. Den von den Truppen in Sicilien ! ausgerufenen neuen Kaiser schlug Constan- tinus und liess sein Haupt im Hippodrom 1 aufpflanzen. Ein Jahr darauf unterlag die Stadt den Räubereien der Saracenen von Damaskus unter Abd Allah ihn Kais. — Als 827 die i Saracenen, durch den byzantinischen Be- j fehlshaber Eupliemios herbeigerufen, bei Mazzara landeten, musste Syrakus (wo die ; Belagerer unter Absad ibn Farät in den ! Latomien lagerten) eine barte Einschliessung ; auslialten, ward aber durch ein byzantini- i sclies Geschwader befreit. Während alle 727 20. Syrakus (Kunstgeschichte. - Lage und Charakter der Stadt). 728 anderen Städte Siciliens in die Gewalt der Saracenen gefallen waren, bewahrte Syrakus dem Ostreich noch 50 Jahre die Treue, und bei der letzten Belagerung durch die Araber (878) zeigte sieh die Einwohnerschaft noch ihrer grossen Vergangenheit würdig. Sie widerstand zehn Monate den gewaltigsten Belagerungsmaschinen , die Ibrahim ibn Ahmed gegen sie anrücken liess, und nur zu spate Hülfe von Konstantinopel verursachte ihren Fall. Der Mönch Theodosius, der mit dem Bischof und der Geistlichkeit in Ketten vom Altar geschleppt wurde, schreibt: »Wir haben zehn Monate widerstanden, oft bei Tag, vielmals Nachts gestritten, zu Wasser, zu Land und unter der Erde, gegen den Feind, gegen seine Werke nichts unversucht gelassen. Das auf den Dächern wach-. sende Gras war unsere Speise; Gebeine von Thieren Hessen wir mahlen, um sie als Mehl zu gebrauchen, endlich haben wir Kinder verzehrt; schreckliche Krankheiten waren Folgen des Hungers. Wir, auf die Festigkeit der Thürme rechnend, glaubten Entsatz abwartcn zu können. Als der mächtigste Thurm brach, hielten wir uns noch drei Wochen lang. In einem Augenblick, da vor Hitze erschöpft unsere Kriegsleute Käst hielten, erfolgte plötzlich ein allgemeiner Sturm und die Einnahme der Stadt. Unsere Flucht ging in die Salvatorkirche. Der Feind uns nach. Obrigkeiten, Priester, Mönche, Greise, Weiber, Kinder mäliete sein Schwert. Hierauf wurden die Edelsten , 1000 an der Zahl, vor der Stadt mit Steinen, Prügeln, Geiseln ermordet; der Befehlshaber Nikelas von Tarsos, halb geschunden, mit herausgerissenen Eingeweiden, an einem Stein todtgeschmettert, alle grossen Häuser verbrannt, die Burg niedergerissen. An dem Tag, da die Saracenen Abrahams Opfer feiern (am Bai'ram), wollten viele den Erzbischof und uns verbrennen; ein alter Mann, der viel hei ihnen vermag, rettete uns! Geschrieben 14 Schuh, unter der Erde, unter unzähligen Gefangenen, Juden, Afrikanern, Lombarden,Christen und Unchristen, Weissen und Mohren«. Seit dieser Zerstörung durch die Saracenen blieb Syrakus die kleine Stadt, die es jetzt noch ist. Der byzantinische Feldherr Manialces befreite sie nur auf sehr kurze Zeit. An die Normannen gelangte sie 1085, beide befestigten das Kastell dev Insel. Auch die Erhebung der Stadt zum Waffenplatz, die mit Karl V- begann, half ihr nicht wesentlich auf. Ueber ihre jetzige Bedeutung siehe S. 729. Zur Kunst. In künstlerischer Beziehung haben die Reste der drei griechischen Tempel eine hervorragende Bedeutung, obschon sie nicht wie die zu Akragas (Girgenti) durch ihre Erhaltung und Schönheit fesseln. Der sogen. Dianatempel (S. 736), laut einer Inschrift, die *dem 6. Jahrh. angehört, nicht der Ai’temis, sondern dem Apollon geweiht, war ein Beispiel der alten dorischen, fast übertriebenen Wucht, mit der gedrungensten Engstellung der Säulen hei möglichster stämmiger Höhe. Er ist noch älter als der Tempel zu Selinus, mit dem er sonst in Plan nncl Struktur nahe verwandt ist, und gehört wohl der ältesten dorischen Architektur an. Schon das Verhältnis von 6 Säulen Front zu 19 Säulen Langseite, die eingeschobene Säulenstellung vor den Anten von zwei Säulenweiten Tiefe, die bedeutende Höbe des Architravs (Vs höher als der untere Säulendurchmesser)» die wenig verjüngten monolithen Säulen (Vs des untern Durchmessers), so enggestellt, dass ihre Zwischenräume kleiner sind als ihr Durchmesser (6, 4 Palmi zu 7), bezeugen das hohe Alter des Tempels. Er ist wohl auch, da sich zufolge jener Säulenstellung über jeder Säule nur Ein Triglyph befand, das erste sichere Beispiel dieser schon bei Vitruv angedeuteten Anordnung. Der Athenetempel, jetzt in den Dom verbaut (S. 738), einst als der höchstgelegene Bau Ortygia’s den abfahrenden Schiffern das letzte Wahrzeichen (wenn der leuchtende Schild auf dem Tempel nicht mehr gesehen wurde, ward der vom Hera-Altar mitgenommene thönerne Becher ins Meer geworfen), zeigt ebenfalls die archaischen schweren Verhältnisse des alten Dorismus, die noch gestreckte Länge von 14 Säulen an den Langseiten zu 6 an der Front, ein langes, mit Säulen zwischen Anten geöffnetes Tempelhaus, die oberste Stufe des Sockels so zugeschnitten dass viereckige Basen unter den dorischen Säulen entstehen. Die Säulenhallen sind jetzt die Seitenschiffe; um sie mit dem Mittelschiff zu verbinden, brach man Oeffnungen in die Cella. An der Nordseite ruhen auf den Säulen noch der ursprüngliche Architrav und Fries. Die Kapitale haben zwar auch noch etwas Schweres und entbehren in der Höhenvertheilung noch der Anmuth, aber sie überraschen durch ihre einfache Grösse und Erhabenheit. Vom dritten Tempel, dem Zeus Olympios Urios, Spender günstiger Winde) geweiht S. 761), stehen leider nur noch zwei monolithe Säulen, eine von der Vorderseite, die zweite von der Südseite, und nach den Ueberresten hat anfangs des 15. Jahrh. eine Erneuerung stattgefunden, aber die Lage dieses Tempels wird jedes künstlerisch empfindende Gemütli mit Entzücken erfüllen. Lage und Charakter der Stadt. Syrakus (Siraeusa), nocli von Cicero (Verr. IV, 53) die grösste und schönste der griechischen Städte genannt, einst die Beherrscherin des grössten Theils von Sicilien, mit einer der reichsten Bürgerschaften des Alterthums, an Bedeutung so hervorragend, dass nur Athen sich mit ihm messen konnte, blühend durch aus- 729 730 20. Syrakus (Lage und Charakter der Stadt). gedehnten Handel, mehrmals Siegerin über die Karthager, in Wissenschaft, Kunst und Kultur einer der begünstig- sten Sitze mit den herrlichsten Schätzen der Architektur, Skulptur und Malerei, Wiege von Männern, die zu den ausgezeichnetsten des Alterthums gehören, dieses Syrakus ist jetzt — eine "kleine Provinzialstadt, deren gesammte, theil- weise ziemlich primitive Bevölkerung von 20,000 Seelen die Insel genügt, auf das sich die ersten Gründer nur kurze Zeit beschränkten. Die jetzige Befestigung des Stadteingangs, mittels welcher der einst von Dionysios erbaute Damm, welcher die Insel nördl. mit dem Land verbindet, durch vier breite Wassergräben mit Mauern, Thoren und Zugbrücken durchschnitten wird, indessen auch auf der entgegengesetzten Seite das Kastell, das einst der Byzantiner Maniakes zur Vertheidigung des Hafeneingangs errichten liess, sich drohend erhebt, ist fast eine Ironie auf die alte bewunderungswürdige Kraft der Stadt, und dennoch liegt abermals eine grosse Zukunft vor dieser Veste, denn der grosse, 5 Miglien umfassende Hafen ist der beste Italiens, zudem auch das Winterklima der Stadt das gleichmassigste Siciliens. Gegenwärtig erhält man nur den Eindruck einer kaum dem Mittelalter entwachsenen italienischen Kleinstadt, mit engen, theilweise dunklen Strassen. Nur zwei Strassenzüge, die Via Amalßtana und die Via Roma, machen eine Ausnahme, sind reinlich, gut gepflastert, sehr belebt, und hier begegnet man auch dein gebildetem Theil der Bewohner, meist mit sehr intelligenten, energischen Physiognomien. Die Syrakusaner sind gastfreundlich; die Frauen haben oft noch in auffallenderWeise das griechische Profil bewahrt und gehören zu den schönsten Siciliens*, auch scheinen sie in Bildung und Charakter, im Gegensatz zu der üppigen antiken Luxusstadt, eine gediegenere Einfachheit und eine offene und doch bescheidene Liebenswürdigkeit als Ziel der Bildung zu schätzen. An den Frauen der Mittelklasse sieht man noch häufig den Manto, ein auch als Kopfverhüllung dienender schwarzseidenerUeber- wurf. Die Umschlagetücher der Frauen aus den unteren Ständen sind meist von grellleuchtender Farbe, gelb oder roth. Noch erblickt man häufig denSpinnrocken, dessen Erfindung bekanntlich Theokrit nach Syrakus verlegt, in den Händen der weiblichen Hausgenossen. Die Farbe der Männerkleidung ist braun oder blau, und die braune phrygische Mütze sehr verbreitet. Die gesammte, ziemlich flache Felseninsel (die antike Ortygia), die sich in der Mitte um 15 m. über das Meer erhebt, an der Aussenseite aber an rauhen Klippen sich bricht, hat einen Umkreis von nur 4 Kil. Der südliche, nicht von der Festung eingenommene Haupttheil ist 1400 m. lang, im nördlichen Theil 500 m., im südlichen 200 m. breit, und läuft meer- wärts Östl. in eine längliche Spitze aus. Auf der Seite des grossen Hafens, der 9600 m. Umfang hat und die ganze Meeresbucht umfasst, ist das Ufer eben; der verhältnismässig ziemlich schmale Eingang ist 22 in. tief*, gegen die Mitte hin nimmt die Tiefe bis auf 10 m. ab. Der nördliche Meine Ilafen ist 750 m. lang und an der breitesten Stelle 300 m. breit, der Eingang hat nur 3 m. Tiefe, die Mitte nur 2 m.! Dieser Hafen konnte daher zu keiner hohem Bedeutung gelangen. Der Häuserbau, aus trefflichem Kalkstein, hat an den zweigrossen Strassen und in der Nähe der Kathedrale, vor welcher der grösste, aber meist ziemlich öde Platz sich ausbreitet, manche imposante, wenn auch etwas schwerfällige Paläste, namentlich treten hier wieder die schweren Baikone auf, die auf oft sehr fleissig und schon skulptirten Konsolen ruhen. Die Zahl der öffentlichen Bauten ist eine verhältnismässig grosse, der Pal. Comu- nale am Domplatz, von eleganter schöner Zeichnung und Bekleidung. EinLyceum, Gymnasium, technische Schule, zwei Privatinstitute , vier Banken und eine Handelskammer, ein Assisenhof (Piazza della Corte), Civiltribunal (Via Amalfitana), Prätur, Militärkommando (Via Savona- rola), die Präfektur (Via Koma) und die erzbischöfliche Residenz (Piazza del Duomo) bezeugen in ihrer Gesammtlieit, 731 20. Syrakus (Klima - Wegweiser). 732 dass die Bedeutung des Orts nicht ausser Acht gelassen ist. Von der riesigen, 180 Stadien (über 33 Kil.) umfassenden antiken Stadt blieben nur geringe Trümmerreste, Uebcr- bleibsel von drei Tempeln, einer Säule des Forums, Fundamentreste am kleinen Hafen, Bäderbruchstücke, Aquädukte, Strassen mit Räderspuren, in den Stein geschnittene Grundpläne von Häusern, grosse Mauerzüge, tlieilweise noch mit Thürmeii und Thoröffnungen, ein riesiger Altar, Brückenfragmente, die Trümmer einer gewaltigen Bergveste, kolossale Steinbrüche (Latomien), durch grossartige Naturschönheit ausgezeichnet, ein ziemlich gut erhaltenes Theater, dessen Inschriften auf die Zeit Hierons II. (3. Jalirh. v. Chr.) hindeuten, dessen Grundlage aber wohl dem von Demo- kopos (unter Hieron I.) errichteten angehören , ein Amphitheater, eine grosse Reihe von Gräbern, zum Theil noch mit architektonischer Ausschmückung, Piscinen, Cisternen, die poetische Arethusa- quelle und weithin im SW. der Anapos- strom und die klassische Kyane. Aus alter Christenzeit noch in die antike Zeit hinüberragend, haben sich geräumige Katakomben erhalten. Tief ergreifend und einer der grössten Genüsse Siciliens ist das ernste, erhabene Landschaftsbild von der Mitte und den Enden der Altstadt, von unsäglicher Gewalt und Würde, die sinnigste Grundlage für die so reiche Geschichte der Stadt, am schönsten von den obersten Stufen des Theaters uud namentlich vom Zeustempel jenseit des Anapos. — Pin - dar besingt das alte kriegerische Syrakus im zweiten pythischen Gesang an Hieron (ca. 475 v. Chr.): »O Syrakusä, grosse Stadt, Des Ares Heiligthum, Der im Gewühle der Schlacht -vveilt, Erzliebender Männer und Rosse Göttliche Pflegerin, Ich komme zu Dir von der strahlenden Thebe Dies Lied Dir zu bringen«. Das Klima zeigt im Winter eine bemer- kenswerthe Gleichmässigkeit der Wärme und geringe Schwankungen •, die Abwesenheit des Frostes bezeugt die an dem Zufluss zum Anapos üppig wuchernde ägyptische Papyrusstaude. Temperatur (1875 auf 1876): Morgens 9 Uhr, Nachm. 3 Uhr Min. Max. Min. Max. November 11 — 19°. 16 — 20°. December 9 — 17°. 10—18°. Januar 7 — 140. 10—16°. Februar 6—15°. 10 —18°. März 8 — 15 0 . 11 — 19 0 . Nur während der Ostwinde, die aber nicht oft wehen, ist die Witterung unangenehm. Nur selten kommt ein Tag vor, an dem nicht für einige Stunden die Sonne durchbräche. Im Sommer fürchtet man die Ausdünstungen der westlichen Sümpfe. Wegweiser. l)Die gegenwärtige Inselstadt und ihre antiken Reste. Vom letzten in- nern Thoreingang (Porta a terra) folge man r. der grossen äussern Pflasterstrasse (Piazza del popolo) und biege in die erste Strasse 1. ( ViaDiana) ein. Am Ende derselben kommt man (1.) zum sogen.*‘i)i«?i«- Tempel{ S. 736). Jenseit des Tempels,das erste Strässchen ( Via Dione) r. immer geradeaus, gelangt man über Piazza Archi- mede hin in die Via Borna (die Hauptstrasse), an welcher das Naturalienkabi- net, die Präfektur, die Polizei, die Banca Nazionale und di Sicilia, das Archiv und viele Uffizien sich befinden.—Nr. 14 gegenüber zweigt r. die Via del Seminario zur Piazza Minerva ab, an deren Eingangs- seite r. in der Ecke (Nr. 3) das * Museum (S. 737) und die Bibliothek sich befinden. — Neben dem Museum 1. erhebt sich der *Dom (S. 738) S. Maria del Piliero, der in die Säulen des sogen. * Athene-Tempels (S. 728) eingebaut ist. — Der Domplatz ist der bedeutendste Platz der Stadt-, an seiner südlichen Schmalseite liegt S. Lucia, an deren rechter Langseite (Via Maniaci) man in 2 Min. zur * Fontana Arethusa (S. 740) gelangt. — Oben von dem Halbkreisgitter hat man einen Prachtblick auf den grossen Hafen (Porto grande, S. 741). Die Treppe an der Fontana r. hinab, dann r. durch den Thor- bogen, führt in die schönen ^öffentlichen Anlagen } die sich längs des Meers bis zu den Schiffen hinziehen, mit köstlichem Ausblick. Auch oberhalb jener Treppe, wenn man einige Schritte zurückgeht und 1. dem Passeggio Aretusa und Adorno 733 734 20. Syrakus (Wegweiser). folgt, geniesst man ein wundervolles Panorama auf Meer, Schiffe, Berge und Stadt. — Von der Fontana Aretusa südwärts kommt man zur Piazza öastello ? wo die Südspitze der Insel mit Fortifi- kationen überbaut ist, innerhalb deren die gothische Porta marina (S. 742) erhalten blieb. Man kann von da der Ostmauer der Stadt bis zum Nordostende des Meinen Hafens (Porto Piccolo } S. 742) folgen, und hat, wo es die Mauer erlaubt, volle Sicht über denselben. — Zur Besichtigung der Stadt biege man aber nach 5 Min., wo ein dreieckiger Keil den Kai beengt, 1. in die Via Principessa Marghe- rita ein und folge ihr bis zur Piazza Savo- narola, schlage dann nordwestl. die Via Giudecca ein, die zu der lebhaften Querstrasse Via Maestranza führt. Dieser 1. entlang und bei der ersten Seitenstrasse r. kommt man nach 4 Min. in der Via Coronati zum gothischen "Pal. Montalto (S, 743). Von da kehre man zur Porta a terra zurück und durchschreite die fünf von Wasser umgebenen Festungsthore. Jenseit des äussersten Thors (r. Blick auf den Aetna!) folgt nach wenigen Schritten ein Rondel (Largo del pozzo dell’ Ingeg- niere) mit zwei Wegpfeilern (1. naehNoto, in der Mitte nach Passomarino). Man folge der grossen mittlern Strasse (nach Passomarino) bis (4 Min.) zur 'Eisenbahnstation. 2) Die vergangene Stadt auf dem Hochplateau des Festlandes. Man kann zu den angegebenen Hauptstellen überall mit Wagen Umfahren; Tarif s. S. 679. An der Fa 9 &de der Bahnstation vorüber folge man der grossen Strasse (nach Floridia) noch 4 Min. bis zum zweiten Haus r.; hier schlage man r. den Fuss- weg ein, welcher nordwärts den Ruinen (den drei grossen Bögen der Wasserleitung) zuzieht und gehe bei der ersten Wegetheilung 1. und dem Bach entlang; schon in 7 Min. erreicht man die Strasse, die 1. sogleich zum "Griechischen Theater (S. 744) führt (oben von drei Häuschen umlagert), von dessen oberer Mitte man namentlich bei Sonnenuntergang einen herrlichen Blick auf Syrakus und den grossen Hafen geniesst. Oben hinter dem Theater liegt eine grosse Grotte, das sogon. Nymphaeum, beim Häuschen r. sprudelt das Wasser, das durch die antike Stadt fliesst, in Strömen hervor. L. vom Nymphaeum zieht sich jenseit des linken Häuschens (mit der pilastrirten Thür) eine Gräberstrasse hinan, die, zwischen zwei Mauern anfänglich laufend , sich in die Hochfläche verliert. Oben trifft man 1. auf grosse Bögen der Wasserleitung. Dieser folgend, siebt man weithin das ehemalige Gebiet der griechischen Stadt (Epipolae etc.). Unmittelbar neben demselben liegt ostwärts, vom Bogen einer Wasserleitung flankirt, die *Latomia del Paradiso (S. 745) mit dem *Ohr des Dionysios (von oben herab überschaut man das Ganze, erhält aber keinen richtigen Begriff der Verhältnisse). Vor der Latomie liegt r. das Kustodehäuschen; man geht um dasselbe 1. durch den grossen Bogen und hat r. das Gitter neben sich, durch das man die Ara Ilierons TI (S. 746) ganz überblickt. Folgt man der Strasse weiter, der Mauerumfriedung der Ara entlang, so gelangt man zu einer (1.) kleinen Kapell.c (1. die Aufschrift: Custode delle anti- chitä). Hier gegenüber r. führt einschmaler Fussweg zu den Resten des * Amphitheaters (S. 747). — Zurück zur Kapelle und der Strasse entlang ostwärts weiter kommt man nach 2 Min. über die grosse Querstrasse (nach Catania) hin und geradeaus zwischen Mauern gegen die jenseit der Cypressen des Friedhofs aufragende Kirche S. Maria hin. — Diesseit derselben (bei den Cypressen) führt 1. ein Strässchen in wenigen Schritten nach Giovanni (S. 747), neben welchem die * Katakomben (S. 748) liegen. — Nun zur Strasse zurück und hier ostwärts gegenüber in die * Villa Landolina, mit prächtigem Blumenflor und dem Grabe Platens (S. 749). Dann, aussen an der rechten Längsmauer der Villa entlang; zu dem Kirchlein S. Maria und am eleganten Stabilimento industriale von Pu- lejo vorbei, r. die Strasse hinab, bei der folgenden Strassentlieilungl. nach (4 Min.) S. Lucia } mit elfbogigem Portico. — Nun 735 20. Syrakus (Tempel der Diana). 736 auf der grossen Strasse r. (südwärts) und jenseit der Säule mit dem Kreuz 1. durch den Durchgangsbogen unter der Eisenbahn zu dem herrlichen ^Spaziergang am Piccolo Porto (S. 742). — Hier 1. (nordwärts) dem Meer entlang zu der (12 Min. 1. Rundgang in der gegenwärtigen Stadt. Vgl. den Karton auf dem Plan. Wer Syrakus nur kurze Zeit widmen, kann, folge genau der nachstehenden Wegfiihrung. Wer von Catania mit dem Morgenzug S r • \ r . . 7 . ,1 . . i vuu uaiaum iuu uuiii luuAtitsuzu« . Lucia) • hatomia de Cappuccim ankommt und nur den Nachmittag und den (S. 750), wo man die grossartige Schön heit dieser Steinbrüche in den mannigfachsten Formen erblickt; man lasse sieh überall hinführen, oder emancipire sich. Von der Stadt zum ( l /a St.) westl. gegenüberliegenden * Ponte grande, der den Anapos nahe an seiner Mündung überbrückt. Von dieser Brücke hat man über denAnapos hin stadtwärts undgegen die Berge hin ein überaus schönes, weites Panorama, dessen Nordrand die ganze Ausdehnung der antiken Festland-Stadt und der Aetna begrenzen; r. sieht man ganz nahe die Säulen des Olympieion. — Am Ende der Brücke führt r. ein Fuss- folgenden Morgen der Besichtigung zuwenden kann, versehe sich mit Proviant und beginne sogleich jenseit der Station mit dem Besuch der Altstadt (dem griechischen Theater, S> 744), wende sich von der Cappuccini zur Stadt und widme den folgenden Morgen dem Olympieion und der Kyane. Von dem innersten Thor (Porta terra) derWestfortifikation (S. 729), welche den Eingang zur ehemaligen Inselstadt bildet, führt r. die strassenälmliche Piazza del Popolo und an ihr die erste Strasse 1., ViaDiana, an deren Ende (1.) zum sogen. *Tempio di Diana (Pl. l), dessen Reste 1. unterhalb der Strasse offen daliegen, man sieht noch Schäfte von 14 Säulen; 1. vorn über den vier Tempelweg in 8 Min. bis zu einem Hohlweg, ! . ^ , von diesem steigt man r. hinan und der i s , tufe " ZWC1 gewaltige Säulen mit Gebälk Feldmauer entlang zu den zwei * Säulen \ dan ® beu StÜmpfe ’ bblter md des Olympieion (S. 761). - Von keiner ' an der rechten Langseite je fünf Schaft- Stelle hat man so nahe einen gewaltigen i reste ! Im iimera Baum Bruchstücke und und malerischen **üeberblick über ' die Beste der Cel!a - »ie erhaltenen Säu- das alte Syrakus, von der Inselspitze bis ; leu , smd monolith (sie verjüngen sich nur zu den Cappuccini und von diesen bis zum um > des untern Durchmessers), sehr eng Belvedere; über der Mitte der Epipolae | gestellt stämmig und verhältnismässig ragt der Aetna empor. - (Zum Hohlweg ™ rz V a Durchmesser). Der Architrav zurück und dem ländlichen Fussweg r. : 1S ^ se * lr hoch ( /s höher als der Säulcn- folgend. kommt man in 7 Min. zu dem Durchmesser). , „ ci e c , v o 1 1 Ls war ein dorischer Tempel, der laut grossen Sumpf »Syraka«, woher Syrakus i ngchrift an der obersten Stufe der Ostseite seinen Namen haben soll, jetzt Palude dem Apollon gewidmet worden; errepräsen- Pantano.) tii*t eine in Sicilien sonst nicht vorkommende : Tempelart: Hexastylosperipteros pyknosiylos, d. h. auf seine 6 Frontsäulen kamen an den 1 Langseiten je 19 Säulen, die, so dicht zu- I sainmengedrängt standen, dass die Zwischen- Zurück zum Ponte grande. Bei diesem kann der Fussgänger (nicht räthlich) auf einem sehr unbequemen Ackerrandweg am rechten Ufer entlang bis zur (17 Min.) Vereinigung der Kyane (S. 762) räume kleiner sind als der Durchmesser der Säulen. Die Vorhalle hatte hoch eine zweite Säulenreihe und hinter dieser schloss die ~ -x. * . i v ,, r , .. „ : Cella mit zwei Säulen in antis ab. Die mit dem Anapos sich den Weg erkämpfen , stt diieho Cellamauer hörte zwischen der 16. und dann noch */4 St. lang dem rechten * und 17. Säule auf. Ufer der Kyane folgen, bis dahin, wo die ! v ? r Tem P el stammt wahrscheinlich aus 4 >, I j /a rrnn\ • , /. • , I dem Anfang des 5. Jahrh. v. Ohr., aus der * Papyrusstauden (S. 762) lnselartig auch ; Zeit nach dem Siege Go i„ ns bei Himera. - aus dem Flussbett auftauchen; von da ' Die 6 Säulen der Ostfront haben 2 m. Dvirch- noeh 5 Min. weiter, bis ein Schilfmeer besser, die Säulenzwischenräume 1,70 m. ; , r> i 7 - ! , ., .. . der mittlere 2,65 m.; die 16 Kanneluren sind und Sumpfe das Fortschreiten unmöglich j 0 0,38 m. breit; die Säulen der beiden Lang- machen. seiten haben 1,82 m. Durchmesser, die Kanne- luren sind 0,35 m. breit, die Säulenzwischenräume 1,48 m. Die Länge des Tempels ns 73? 20. Syrakus (Museum - Dom S. Maria del Piliero). (ausser den Stufen) betrug somit 61,22 m. Die 6 inneren Säulen haben dieselben Masse, doch Zwischenräume von 1,96 m., der mittlere 2,65 in.; die Ecksäule im NO. ist 0,28 m. hoch, unkannelirt; die beiden noch mit Kapitalen erhaltenen Säulen (8. u. 4. der Südseite) sind 6,71 m. hoch; Halsglied und Eclii- nus zusammen 0,68, Abacus 0,60 m. — Die Kurve des Ecliinus ist stark betont und von grosser Schönheit, er weist, wie alles, was erhalten ist, auf die »goldene« Periode der griechischen Kunst. Jenseit des Tempels, das erste Strass- eben (Via Dione) i\, immer geradeaus, gelangt man über Piazza Arehimcde hin in die Via Roma (eine der Ilauptadern der Stadt), mit dem Naturalienkabinet, der Präfektur, Archiv, Banken (nazionale und di Sicilia) und anderen öffentlichen Bauten. In Via Borna, Nr. 14 gegenüber, zweigt r. ein Strässchen (Via del Seminario) zur Piazza Minerva ab, die in der Mitte der Westseite der Insel liegt. Am Anfang der rechten Langseite r. in der Ecke (Nr. 3) liegt das Erdgeschoss, beim Eintritt 1. das *Museuin (Museo archeologico, PI. 5), auf Veranlassung der Auffindung der Venusstatue schon 1809 angelegt als Sammelstütte der in und um Syrakus entdeckten Alterthihner. Geöffnet von 8—1 Uhr; Trinkgeld nicht obligatorisch; Kustode Holvatore 1‘oliti, gut unterrichtet, verkauft auch altsyrakusische Münzen sowie Photographien der Antiquitäten. In seiner Abwesenheit erklärt auch der Portier recht ordentlich. Gleich beim Eintritt r. ein *altchri$tlicher Marmorsarkophag, mit Geschichten des Alten und Neuen Testaments und dem Muschelmedaillon der Verstorbenen ; lö72 aufgefunden, laut Inschrift die Area in supernis der Adeliia, Gattin des Comes Valerius (4. Jahrh. n. Chr.j. — Am Pfeiler eine Konsularstatue. —- I)anu auf besonderen Postamenten zu- sammengruppirt die grössten Schätze der Sammlung: eine mit Mantel mid Sandalen bekleidete schöne, 8V2F. hohe Aes/culapstutue; — dann die berühmte Statue der aus dem Bad steigenden * Venns (Aphrodite), von Cav. Landolina im Garten Bonavia aufgefunden (leider ohne Kopf), in vortrefflicher Erhaltung; die technisch vollendete und lebens- frische, doch etwas weichliche Behandlung und die bewusste Eleganz, obsclion grösste Schönheit der Formen, sowie die Absichtlichkeit in der Anordnung des Gewandes (die Linke hält es unter dem Leib zusammen) und die Betonung des Unterkörpers weisen dieses vortreffliche griechische Kunstwerk in die nachklassische Zeit. Es folgt der Torso einer Nymphe; — dann ein. kolossaler Kopf des * Neptun Unter - Italien. II. (Poseidon, gewöhnlich Zeus genannt) in parischem Marmor (die Nase fehlt), aus der Alexandrinisclien Zeit, gefunden beim Amphitheater. Auf Effekt berechnet, dieser aber vollgültig erreicht: die untere Stirn- vorragung massig ausladend, die Augen sehr rund und mit Aufblick, das Haar in niederwärts gekrümmter Richtung unordentlich durcheinander, die Nase sehr breit, die Lippen wulstig, der Schädel gross, kräftig, massig. »Der Gesammtcharakter der ganzen Physiognomie ist trotzige Kraft, ohne besondere psychische Erregung.« (Overbeck.) Aus einiger Entfernung wirkt das Werk sehr bedeutend. Der Poseidonkopf steht auf einem Marmorcippus mit Reliefs auf 3 Seiten, aus der spätem Kaiserzeit (gefunden im griechischen Theater). — Unten ein Medusenhaupt in Terracotta. — Am Pfeiler der Rückwand : (verstümmeltes) *griechisches Grabrelief (zwei männliche Figuren, eine jugendliche und eine ältere); Vasen, Terracottaköpf- chen. — An der Fensterwand * kleine Bronzen, darunter ein schöner * Medusenkopf, Waffen, Idole, Ringe, Amulete u. a.; 1. davon eine Sammlung griechischer, römischer und altchristlicher Lampen. — Oben auf den Schränken Bruchstücke dorischer Gehüllte (eine schöne Metope). — In der rechten Abtheilung Vasen (darunter die schöne *Scandtirra - Vase) und Thongeschirre aller Art; eine * liegende Grabfigur von 1496, aus S. Domenico; Torsi römischer Statuen aus der Villa Buonfardcci (in der Nähe der Bahnstation); Urnen, Inschriften (auch aus den Katakomben); einige byzantinische Bilder. Im Obergeschoss die Bibliothek (geöffnet tägl., ausser Sonntags 10—12 Uhr), mit über 10,000 Bänden, einer Anzahl Manuskripten und vaterländischen Schriften (auch eine Vulgata mit schönen Initialen, Anfang 14*. Jahrh., ein reich illustrirtes griechisches Evangeliar von 1480; ein Koran von 1199 u. a.); hier ist auch eine kleine Münzsammlung (eine viel reichere im Municipio). Bibliothekar: Sign. Bajona Parroco Vincenzo. Neben dem Museum 1. erbebt sich der **Dom S. Maria del Piliero (Pi. G), der, wie man hier aussen schon sieht, in die gewaltigen Säulen eines grossen dorischen Tempels eingebaut ist, wahrscheinlich des * Athenetempels ( Tempio di Minerva) ; nach Schubring ist dies der Artemistempel, während das Ileilig- thum der Athene an der Spitze der Insel stand. Die Mauern des Doms greifen in das Peristyl des Tempels ein; missen sieht man an der linken Langseite der Kirche (Piazza Minerva) vier ganze Säulen vorragen und sieben Kapitale. Im Innern erblickt man im rechten Seitenschiff an der Langseite acht herrliche kannelirte 24 739 740 20. Syrakus (Fontana Arethusa). dorische Säulen mit ihren einfachen Rund- kapitälen, aus der Wand 8,6 m. hoch aufragend; auch an der Wand des linken Seitenschiffs acht; an der linken Wand kann man noch fünf weitere Säulen verfolgen. Es war ein Hexastylos Peripteros, <1. li. er hatte 36 Säulen im Umgang, 6 Säulen an jeder Schmalseite und an den Langseiten je 14 Säulen, die Ecksäulen mitgerechnet, und 4 von kleinerem Durchmesser mit Pilastern im Pronaos (vordere Abtheilung der Cella) und im Posticum (hintere Abtheilung). Die Umgangssäulen ruhen auf 3 Stufen (die unterste zugedeckt), haben 3 Trommeln und 47a Durchmesser Höhe; an der Nordseite stützen sie noch den alten Architvav und Fries mit seinen Triglyphen und Tropfen, dagegen fehlt das Kranzgesims. An die Stelle der Tempelcella ist das Mittelschilf der Kirche getreten, und aus den ehemaligen Cellawänden, hat man Bogenthiiren zu «len Seitenschiffen ausgeschnitten. Beide Portiken der Cella waren in antis mit Pilastern an den Ecken und 2 Säulen von kleinerem Durchmesser dazwischen. — Die Baumverhältnisse sind fast dieselben wie bei dem Tempel zu Pästum und zu Segesta. Länge der Basis 58 m., Breite 24 m.; die Cella sammt Mauer 12 m. breit; der Durchmesser der Säulen 2 m.; die Höhe der Säulen 9 m.; der Durchmesser der Säulen des Pronaos und des Posticums 1% in.; der Pilaster 172 m. Das Material des Tempels ist kompakterKalk. — Der Athenetempel wurde durch die Gamoren (S. 683) im 6. Jahrh. v. Chr. errichtet; Cicero (Verr. IV, 53) nennt ihn den vor der Ankunft des räuberischen Verres am schönsten ausgeschmückten, der auch wegen seiner Schönheit von Marcellus, als er die Stadt erstürmt hatte, geschont wurde (Kap. 55); er liess ihn reich und voll Ornamenten. Aber Verres plünderte ihn so aus, dass er von Seeräubern misshandelt zu sein schien. Die herrlichen Gemälde der Tempelwäude nahm er weg, die Tliürfliigel von Gold und Elfenbein entkleidete er ihrer Reliefs. — Der Tempel wurde im 7. Jahrh. durch Bischof Zosimus in eine christliche Kirche umgewandelt. In der Kirche (deren Faeade 1754 im Barockstil erbaut und deren Inneres sehr überladen ist, obschon die antiken Verhältnisse durch grandiose Einfachheit überwältigen) ist, im Anfang des linken Seitenschiffs zu beachten: der Taufstein (aus den Katakomben), ein grosses römisches Milchgefäss (Marmorkrater) aus später Zeit, getragen von sieben kleinen Bronzelöwen, mit griechischer Inschrift aus der Kaiserzeit. Der Hochaltar besteht aus einem Gebälkblock des Tempels; dahinter : Geburt Mariä, von Agostino Scilla von Messina. (Auch die Halbknppelfres- ken in der Capp. del SS. Sacramento im rechten Seitenschiff sind von Scilla.) — Die Holzdecke ist von 1645. Der Domplatz ist der grösste und schönste der jetzigen Stadt; nÖrdl. vom Dom ist das Municipio (Pal. Comunale), von schöner eleganter Zeichnung; hier ist eine nicht unbedeutende Sammlung antiker Syrakusancr Münzen. —- An die Südseite des Doms schliesst sich das Arcives- covado (bischöflicher Palast, PI. 8) an, in dessen gewölbtem Durchgang, jenseit des ersten Hofs, 14 antihe Säulen von Cipollino und Granit stehen (wie es heisst von einem Cercstempel). — An der südlichen Schmalseite des Domplatzes liegt S. Lucia; an der rechten Langseite der Kirche führt die Via Maniaci in 2 Min. zur berühmten, unterhalb des vergitterten Halbrunds gelegenen *Fontailil Arethusa, die an der | Westseite der Insel Ortygia, vom Meer nur durch ein Stück der Stadtmauer getrennt, in einem grossen halbkreisförmigen, mit Papyrusstauden umkränzten Bassin hervorsprudelt. Sie ist ca. 6 m. tief und 15 m. breit und fällt aus vier Oeffnungen in den Brunnen; aber das einst so reine Wasser ist durch das Erdbeben von 1170 salzig geworden. Oben von dem Halbkreisgitter hat man einen *Pr acht blick auf den grossen Hafen (wer sich zur Quelle selbst begeben will, hat sich au den Kustoden [30 C.], der nebenan wohnt, zum Aufschlüssen zu wenden). Arethmn war im griechischen Altovtlimn ein weit verbreiteter Name für Quellen, deren berühmteste die zu Ortygia war; von ihrer QueJlnvmphe wurde erzählt, dass sie von der Mündung des Flusses Alpheios im Peloponnes dieser Flussgott bis nach Sicilicn unter dem Meer verfolgt habe und dann in Ortygia, wo Alpheios sie erreichte und sein Wasser mit dem ihrigen mischte, zum Vorschein gekommen sei. Schon Pirular (Nem. I, 1) nennt Ortygia »ehrwürdige Ruli- statt des Alpheios«. — Und Virgil (Aen. III, 694) berichtet: »Vor der sikanischen Bucht, Plemmyrions Brandung entgegen, Dehnt sich ein Eiland aus, Ortygia nannt’ es die Vorzeit. Hierher brach sich Alpheios, der elisclie Strom — so die Sage —- 741 742 20. Syrakus (Porto maggiore — Porto piccolo). Unter dem Meer den verborgenen Weg: er, welcher durch deinen Mund nunmehr, Arethusa, den Sikulerwogen sich einmengt«. Schon das an den Gründer von Syrakus gerichtete Orakel gedenkt dieser Quelle, die einst reich an grossen Fischen war, die nicht gefangen werden durften. Der Sinn der Flusssage ist, dass der peloponnesischo Kultus der Artemis, zu deren Nymphen Arethusa gehörte, frühzeitig nach »Syrakus wanderte. Auch war ein Zweig des eliscli-arkadischen Sehergeschlechts der Jamiden in Syrakus angesiedelt. Cavallari und Schubring sind der Ansicht, »dass ein grosser Theil des reichen unterirdischen Wasserschatzes Ortygia’s mittels Aquädukte vom Festland hergeleitet ist, daher die Arethusa wohl nur die 1Mündung einer Wasserleitung sei«. — (Im grossen Hafen ist eine Siisswasserquelle, ücchio dclla Zilica, welche Fazzello für eine der Quellen Aretliusa’s hält, die. durch Erdbeben dahin verlegt worden, aber die Lage spricht gegen diese Ansicht, und die Arethusa bezieht ihr Wasser vom Festland.) — 1506 und 1870 blieb die Quelle plötzlich aus. Die Treppe neben der Fontana r. hinab, dann r. durch den Thorbogen, gelangt man in die hübschen * öffentlichen Anlagen, die sich längs des Meers hinziehen, mit köstlichem Ausblick; Abends viel begangener Spaziergang, auch oberhalb jener Treppe einige Schritte zurück und 1. dem Passeggio Arethusa und Pas- seggio Adorno entlang bis zu dem rechteckigen Platz (mit 16 hölzernen Ruhebänken auf Bronzefüssen) geniesst man ein wundervolles ^Panorama auf Meer, Berge, Stadt und dc»*Porto maggiorc (grossen Hafen), die grosse Bucht zwischen der ehemaligen Insel Ortygia und Achradina im N. und dem Vorgebirge Plcnnnyrion (jetzt Massolivieri) im SO.; 2 St. (9600 m.) im Umfang, einer der besten Häfen überhaupt, von leichtem Zugang, vollster Sicherheit, vortrefflichem Ankergnmd und für die Aufnahme selbst der grössten Flotten geeignet; der Eingang 22 m. tief, die Mitte 10 m. Schon Thukydides nennt ihn den Grossen Hafen (hier fanden die verzweifelten Kämpfe der Flotten der Athener und Syrakusaner statt), und Florus heisst ihn den Marmor- hafen, wegen seiner prächtigen Umrahmung mit den stattlichen Bauten, von denen Cicero (Verr. V, 37) sagt: Der Hafen umseliliesst nicht die Stadt, sondern die Stadt umgibt den Hafen, der bis in die Stadt hinein sich mit seinem Wasser erstreckt. An seinem Halbkreis folgten sich der prächtige Athenetempel, die altehrwürdigen sakralen und militärischen Anlagen Ortygia’s, mit prachtvoller Fatjade und Hafenkais, weiter nach W. römische Gebäude, von denen dicht vor demlsthmusnochsechsSäuienbasen zu sehen sind, dann die Gymnasien des Dionys am Auapos , der schöne Tempel des Zeus Olym- pios, und alle hervorragenden Bauten von Marmor aufgeführt (Schubring), wie noch jetzt überall Marmorblöcke auftauchen. Die Front der lnselstadt kehrte sich dem grossen Hafen zu. Von der Fontana Arethusa südwärts kommt man (nach 3 Min.) zur Piazza Casiello, wo die Südspitze der Insel mit Fortifikationen (Kastell, S. 729) überbaut ist, innerhalb deren die gothisclie Porta marina von 1440 (ein Soldat vermittelt durch Herbeirufung eines Oflicier.s den Eintritt) erhalten blieb, auch einige alte Fenster und Bögen, ein viereckiger Mittelthurm und die Ruudthürme an den Ecken. — Man kann von da der Ostmauer der Stadt bis zum Nordostende des kleinen Hafens (Porto piccolo) folgen und hat, wo es die Mauer gestattet, volle Sieht über denselben. Der *Port<> piccolo (d. h. der nördliche kleincliafen) ist nur 750 m. lang und an der breitesten Stelle 300 m. breit, und es fehlt ihm so sehr an Tiefe (im Eingang 3 m., Mitte 2 m.), dass er nie eine grossere Bedeutung erlangen konnte; zudem ist er dem Ostwind und dem Sei- roceo ausgesetzt und Seegras schiesst bis zur Meercsfläehe empor. Zur Zeit des Dionys lag au seinem Ufer das Arsenal, welches alles zur Herstellung und Ausrüstung der Kriegsschiffe Nöthige umfasste und diesen Hafen somit zu einem ganz abgesonderten Kriegshajen erhob, der ohnehin vom Feind nicht so leicht gesperrt, werden konnte, wie der grosse Hafen durch die Besetzung des Plemmyrion, und ln dessen nur mit schmalem Fahrwasser versehenen Eingang der Feind nicht einzudringen vermochte, ohne denselben zu erzwingen. — Das Arsenal lag wohl beim Damm auf der Seite der Achradina, in möglichster Nähe des alten Arsenals am grossen Hafen, und der kleine Hafen war, zwischen den Inseln und der Achradina liegend, damals in die Mauern der Stadt eingesclilosson. Die Xordküstc ist jetzt ganz verändert, denn im vorigen Jahrhundert schnitt man an der Osteckc dio Steine als Baumaterial weg, und damit auch die Fundamente der antiken Schiff sh äuser, die jetzt nur noch am Landungsplatz der Boote wahrgenommen werden. Biegt man von diesem Ostumgang der Stadt nach 5 Min., wo ein dreieckiger Keil 21 * 743 20. Syrakus (Griechisches Theater). 74^ denselben beengt, 1. in die ViaPrincipessa Margherita ein und folgt ihr bis zur Piazza Savonarola, dann nordwestl. der ViaGiu- decca entlang in die lebhafte Querstrasse Via Maestra.nza. , eine der Hauptadern der jetzigen Stadt, so kommt man dieser 1. entlang und bei der ersten Seitenstrasse r. nach 4 Min. in der Via Coronati zum go- thischen % Pal. Montalto, dem reichsten Beispiel mittelalterlicher Architektur in Syrakus; über dem Spitzbogenportal eine Inschrift von 1397. Man trifft hier und da, besonders in den Seitenstrassen, auf Bruchstücke mittelalterlicher Architektur, rundbogige tmd spitz- bogige Portale mit alten Wappen, Höfe mit alten Arkaden, alterthümliclie Treppenhäuser, z. B. Palazzo Lanza (Via Amallitania), mit Spitzbogenfenstern, im Hof Rundbögen auf achteckigen Säulen und Rusticakapi- tälen, 1350; Pal. Ardiz.zoni - Castelletli (Via Palazzo Vescovile), mit ähnlichem Hof. — Pal, Terrisena (Via Dione), aus späterer Zeit, aber mit normannischen Verzierungen. Nun zur Porta a terra zurück und durch die fünf von Wasser umgebenen Festungs- thore (S. 729). — Jenseit des äussersten Thors (r. Blick auf den Aetna!) folgt nach wenigen Schritten ein Rondel (Largo del Pozzo Ingegnere) mit zwei Wegepfeilern, der linke die Strasse nach Foto (33 Kil.), der rechte die Strasse nach Pa.ssomarino (01 Kil.) weisend. Man folge letzterer Strasse (der mittlern des Rondels) bis (4 Min.) zur Eisenbahnstation. M. Die vergangene Stadt auf der Hochfläche des Festlandes. Man kann zu den angegebenen Hauptstellen überall mit Wagen hinfahren. Tarif s. S. 679. An der Fat^ade der Balmstation vorüber folge man gegen W. der grossen Landstrasse (nach Floridia) noch 4 Min. bis zum zweiten Haus r.; hier schlage man r. den Fussweg ein, welcher nordwärts den Ruinen (drei grosse Bögen der Wasserleitung machen sich besonders bemerkbar) zuzieht, und gehe bei der ersten Wegtheilung 1. und dem Bach entlang. Schon in 7 Min. erreicht man die Strasse, die 1. zu den Resten des antiken Theaters führt. Das ^Griechische Theater, welches Diodor (XVI, 83) das schönste auf Sici- lien nennt, und von welchem Cicero (Verr. IV, 53) sagt: »Auf dem höchsten Punkt der Neapolis liegt das sehr grosse Theater« (es ist das drittgrösste von ganz Griechenland). Es wurde (wie Eustathios berichtet) im 5. Jalirh. v. Chr. vom Architekten Demokopos (vor der 90. Olympiade) erbaut, der den Beinamen Myrilla hatte, weil er nach Vollendung des Baues wohlriechende Salben (myron) seinen Mitbürgern austheilte. Es sind noch die Reste von 46 Sitzreihen vorhanden, nur durch einen einzigen 2 J /4 m. hohen Gang nach der 24. Sitzreihe unterbrochen; die elf unteren Reihen -waren mit Marmor bekleidet, die zwölfte hatte eine höhere Mauer. Die Sitze sind sämmtlich in den Felsen eingehauen und bilden einen gerade verlängerten Halbkreis. Zwei weiter oben (nordwestl.) gelegene Stufen bezeugen, dass das Theater einst 63 Sitzreihen hatte. Acht Treppen zerlegen den Zuschauerraum in neun Keile. Die Umfassungsmauer trug je eine griechische Inschrift (die acht aufgefundenen stellte Landolina in einer Kopie im Museo zusammen) für jeden Keil. Keil 2 trägt den Namen der Königin Nereis (Tochter des Pyrrhus, Schwiegertochter desHieron); Keil 3 den Namen der Königin Philistis (Gattin des Hieron, aus der Familie des Historikers Pliilistos); Keil 4 Gelons; Keil 5 (von der Wasserleitung zerstört) den des olympischen Zeus (und zwar in der Mitte, denn westwärts folgen sich die Namen von Göttern, ostwärtsdieNamen von Sterblichen). — Was man noch von der Bühne sieht, deutet auf römische Konstruktion. Oben von der Mitte des Theaters eröffnet sich ein '-^herrlicher Blick auf (1.) Syrakus und den grossen Hafen. In antiker Zeit übersah man hier zwischen den Stadtkreisen Neapolis, Tyche und Achradina den Inselstadttheil Ortygia, beide Häfen, das Meer bis zu den Bergen von Hybla und zu den Felsen von Tauromenion, dann über die Ebene, die vom Anapos und der Kyane durchflossen ist, und auf den Abschluss durch das Plemmyrion. So hatte das im Theater versammelte Volk »den Ursprung und den Sitz seiner Macht« vor Augen. («3“ Abends sind Farbenspiel und Lichtreflexe bei sinkender Sonne überwältigend schön.) 745 746 20. Syrakus (Latomia del Paradiso). Oben hinter dem Theater, wo die Stufen desselben auf dem Bergplatcau endigen , sieht man im Felsen das sogen. Nymphäum } eine moosumgrünte Grotte, in welche die Wasserleitung hineingeführt wurde; es ist ein bedeutenderes Grabgewölbe und zeigt in seinen Nischen noch die behauenen Steiubänke für die Urnen. — An dem Häuschen 1. (mit der pilastrir- teu Thür) vorbei kommt man in einen in den Felsen getriebenen Hohlweg hinein, die antike Gräberstrasse } 6 m. breit und gegen 8 m. hoch, zu beiden Seiten in den senkrechten Wänden (namentlich 1.) öffnen sich weit die eingetieften Gruftkammern ; ausserhalb erkennt man hier und da noch die Stellen für die Grabinschriften (ursprünglich waren die grösseren Grüfte mit kleinen Tempelfaijaden geschmückt). Dieser Hohlweg zieht sich ca. 150m. weit hinan, und sein Boden ist noch von tiefen Wagenspuren durchschnitten. — Weiter hinan kommt man 1. (1. von dem Häuschen) zu acht Arkaden der Wasserleitung. Dieser folgend, sieht man weithin das grosse, stundenlange Gebiet der antiken Stadt (S. 753), einzelne moderne Villen und den hochragenden Aetna. Wer Zeit übrig hat, mache nun die ca. 4 St. in Anspruch nehmende Wanderung durch und um die ganze antike Stadt, zunächst zum * Euryelos (der antiken Burg, 8. 757, l 2 /4 St.), besehe unterwegs die Latomia del Filosofo, steige jenseit des Euryelos noch zum Telegraph hinauf und wandere dann an der Nordseitc der antiken Stadt ostwärts ( 3/4 St. von Euryelos) zur *8calaGraeca (S. 756) und über die Achradina (S. 754) zurück zu der (1 St.) *Latomia de ' Cappucdni (S. 750); von hier den Weg, wie er untenangegeben ist, in umgekehrter Richtung. — Der Eilige kehre zum Griechischen Theater zurück. Zum Griechischen Theater zurückgekehrt, kommt man unmittelbar unterhalb desselben ostwärts zu der von den Bögen der Wasserleitung flankirten *Latomia del Paradiso^ einer jener gewaltigen Steinbrticlie (S. 731), aus denen die Monumentalwerke der antiken Stadt erbaut worden. Sie bildet ein riesiges, gegen das Felsplateau hin 40 m. ausgetieftes Viereck, in dessen Tiefe die reichste Südvegetation wuchert, die köstlichsten Fruclitbäume prangen, unterbrochen von kolossalen Felsemnassen in den bizarrsten, grossartigsten Formen. Gegen die Mitte zu ragt ein 25 m. hoher isolirter zweigipfeliger Felsenpfeiler auf, mit Resten eines mittelalterlichen Thurms auf der Höhe. An der Nordwestseite, 1. vom Eingang, sind die berühmten Grottenräumo und Säle, deren einer *Ohr des Dionysios fOrecchio di Dionisio) heisst (von oben überschaut man das Ganze, erhält aber keinen richtigen Begriff der Verhältnisse), das von aussen mitEpheu, Flechten und Venushaar bedeckt und auf der steilsten Höhe von einer Pinie überragt, im Innern durch eine höchst eigenthumliehe sich auszeichnet, rein gesungene Akkordo klingen chorartig herrlich nach; ein Geräusch, ein Wort wird oben mit grösster Deutlichkeit gehört; die vom Kustoden (40 C.) abgeschossene Pistole widerhallt in überraschendster Weise. Da die nordwestliche Ecke der Latomio unmittelbar an das Theater stösst und liier in einem schlangenartig gewundenen Gang (von 57 m. Länge, 21 m. Höhe, im Anfang 6— 7 m. Breite, in der Mitte 16, am Ende 7— 8 m.) sich fortsetzt, die Wände sich gegen oben neigen und eine schmale Flachdccke sie theihveise überbrückt, beim senkrechten Abschluss der Grotte der obere Kanal noch 12 m. weiter zieht und hier in einen offenen Raum dringt, in welchem man jedes Geräusch in der Grotte aufs deutlichste vernimmt, so konnte Dionys von diesem Raum aus, über dem sich wohl ein geschützter Bau des Tyrannen erhob, wirklich jedes Wort vernehmen, welches die unten eingesperrten Gefangenen sprachen (Cicero, Von*. V, 55, berichtet von dem Kerker, den Dionys in den Latomien anlegte, und eiserne Klammern wurden hier gefunden), wenn auch der Ausschnitt des Steinbruchs nicht zu diesem Zweck angelegt worden war, sondern der Weichheit des Steins folgte. Die cigentbiimlichen Verhältnisse des Schnitts veranlassten den Maler Michelangelo da Ca- ravaggio zu dem Ausspruch, er gleiche dem Innern eines Eselohrs. — Die in der Nähe des Ohrs gelegenen Felspartien sind von besonderer Grossartigkeit und namentlich bei Abendbeleuchtung auch die Farbe des Steins von wunderbarstem Reiz. Oestl. daneben liegt die weniger gross- artige Latomia. di Santa Venere. — Vor der Latomia del Paradiso liegt r. das Ku- stodeliäusclien; geht man 1. um dasselbe durch den grossen Bogen, so hat man sogleich r. das Gitter vor sich, durch das man die Ara Ilierons II. ganz überblickt. Diodor (XVI, 83) erzählt, dass Ilieron II. einen Altar in der Nähe des Theaters er- 747 20. Syrakus (Amphitheater — Katakomben). 748 richtet habe, der 1 Stadium (185 m.) lang- und von entsprechender Breite und Höhe war. Er ist 198 m. lang und 23 m. breit. Ein solcher Altar eignete sich für eine Stadt, wo jährlich (nach DiodorXI, 72) dem Zeus ein Opfer von 450 Ochsen fiir die Befreiung des Staats von der Tyrannis des Thrasybulos dargebracht wurde. Der Altar ist tlieils aufgemauert, theils aus dem Felsen gehauen; die gegliederte, tlieilweise mit Stuck bekleidete Basis ruht auf drei Stufen; vom Oberbau sind nur Bruchstücke der Fries- triglyplien und eines dorischen Gesimses erhalten. Folgt man der Strasse weiter, der Mauerumfriedung der Ara entlang, so gelangt man zu einer (1.) kleinen Kapelle (1. die Aufschrift: Custode delle antichitä), unter welcher ein antikes dreigetheiltes Wasserreservoir (Piscina di S. Niceolö) von römischer Konstruktion liegt. — Hier gegenüber r. führt ein schmaler Fussweg sogleich zum ^Amphitheater, das bedeutendste römische Monument der antiken Stadt (da Cicero es nicht erwähnt, so mag es wohl erst unter der von Augustus gesandten Kolonie erbaut worden sein). Es ist nur südwärts aufgemauert, der übrige Theil ist aus dem Felsen gehauen; die grössere Axe seiner Ellipse misst 70 m., die kleinere 40 m. Die Arena war von einem aufgemauerten Podium umzogen, unter welchem ein gewölbter Korridor mit acht Eingängen (für die Gladiatoren und wilden Thiere) auf die Arena sich öffnete. Von der Obern aufgemauerten Abtheilung des Zuschauerraums, welchen zwei Umfassungsmauern in drei Ellipsen theilton. sind kaum noch Spuren bemerkbar. In der Mitte der Arena sieht man noch Reste einer Cisterne. Zurück zur Kapelle (S. Niccolu) und derStrasse entlang ostwärts weiter kommt man nach 2 Min. zur grossen Querstrasse (nach Catania) und über diese hin geradeaus zwischen Mauern gegen die jenseit der Cypressen des jetzigen Friedhofs aufragende Kirche S. Maria di Gesa hin. Diesseit derselben (bei den Cypressen) führt 1. ein Strässchen in wenigen Schritten nach *S. Giovanni; die drei Bögen der ihr vorliegenden Portikus stammen noch aus der Gründungszeit (1182), die Bögen ruhen auf eigenthümliehen bossir- ten Kapitalen über kleinen Säulen, die inneren gewundenen Säulenschäfte haben figurirte Kapitäle mit Weinblättern; über dem nun vermauerten Westportal istnoch ein gothisches Blindfenster. Auf breiter Treppe steigt man aus der Kirche in die unter ihr liegende gewölbte * Krypta S. Marcüms hinab, die schon aus dem 11. Jalirh. stammt, wie die Kapitälskulp- turen bezeugen. Sie ist von sehr massiver Konstruktion und bildet ein griechisches Kreuz mit einer Apsis an jedem Ende (ausgenommen am Westende, wo die Treppe einschneidet). Von dem Thurm, der ursprünglich in der Mitte sich erhob, blieben die massigen Pfeiler und die schweren Abaken mit den alter- thiimlich *skulpirten Zeichen der Evangelisten, mit lateinischen Inschriften und romanischem Blattwerk. Im rechten Kreuzarm der rohe steinerne Altar, wie es heisst, der Messtisch des S. Paulus bei seinem dreitägigen Aufenthalt in Syrakus; r. in einer Nische ein Fresko der Trinität; I. vom Altar das Grab S. Marcians. R. von S. Giovanni ist der Eingang zu den Katakomben (der Kustode wohnt neben dem Eingang und besorgt die Beleuchtung [GO C.]; gegenüber dem Eingang ist eine Osteria mit gutem Wein). Die *KatakOIUben von Syrakus haben einen andern Ursprung als die bei Rom, denn sie sind keine ursprünglich von Christen angelegten Friedhöfe, sondern den Eingang bildeten natürliche, später erweiterte Grotten, die schon am Ende der griechischen und besonders in der römischen Epoche zu Grabstätten benutzt wurden. Ihr Beginn ist etwa 300 Jahre vor Christo zu setzen; man findet griechische, römische, altchristliclie und byzantinische Anzeichen in denselben. Sie nehmen den ganzen Raum von S. Giovanni und S. Lucia ostwärts bis zum Meer ein, wo an der Küste durch die neuen Steinbrüche die Ausgänge blossgelegt sind. Man gelangt zuerst durch einen modernen Bogen r. hinab in einen langen geraden, 3 x /2 bis 4 m. breiten und 3—B V 2 m. hohen Korridor, bis dieser durch (hinabgestürzte) Felsblöcke versperrt wird; zu beiden Seiten sieht man ziemlich geräumige Nischen- gräber und zahlreiche Kindergräber sowie auch gewöhnliche Loeuli, und Gräber, die in den Boden eingeliauen wurden ; dann sein* grosse Grabkammern (»Pantheon-Miniaturen«), durch Lichtschachte erhellt, ringsum mit Nischen und gewölbten Thoren , sehr häufig auch in grossen Nischen G —9 Abtheilungen 749 750 20. Syrakus (S. Lucia - Latomia de’ Oappuccini). hintereinander; wo aber überall die Deckel fehlen. — Wände, Decken und Nischen sind liier und da noch mit feinem Stuck bekleidet, an einigen Stellen mit Fresken,spuren (Pfau, Madonna, Taube, Palmen, auch Monogramme Christi). Eine Reihe von Seitengängen durchsclmeiden den ITauptkorridor; in der dritten grossen gewölbten Grabkammer sieht man gewaltige Postamente für Sarkophage und für den Altarfcisch. Alle Gräber sind schon in alter Zeit aufgeräumt worden, doch trifft man noch hier und da auf eine Knochenanhäufung, Schädel u. dgl. — Die Reste der alten Basilika über den Katakomben sind 1. vom Eingang. Am Ende des Wegs, gegenüber S. Giovanni, ist ein kleines römisches Grab (Stanza del Loculo) mit Preskeuresteu; siidl. von demselben fuhrt der mit Kaktus eingehugte Weg zum ÜHo di Bonavia (wo die Venus- fitatue im Museo gefunden wurde), mit den Ruinen eines antiken Bades, Bagno di Ve- nere. Nordwärts von der Durchschneidmigs- stelle der Strasse nach Catania liegen einige antike Grabkammern mit dorischen Fronten, angeblich (fälschlich) die Gräber von Ar- chimedes und Timoleon, S. 760. Nordwestl. von S. Giovanni liegt die Latomia Casale (In- tagliatella), mit köstlichem Garten (Dattelpalmen, Yucca, Agaven, Opuntien, Ifya- einthen, Daturen u. a.); ein bedeckter Gang verbindet die beiden Abtlieilnngen; am Nordostende liegt ein 28 m. hoher, 81 in. langer und 16 m. breiter Saal, auf jlilier Wand die Reste eines Waehttliurms. Von S. Giovanni zur Strasse zurück und hier ostwärts weiter, kommt man sogleich zur (i.) *Yilla Landolina (dem Gärtner 40 C.); man durchschreitet den schonen Garten längs des Mittelwegs bis zum Brunnen und kommt dann I. an der Mauer entlang und 18 Sprossen hinauf zur (3 Min.) echt poetischen Grabstätte des Dichters August Graf von Platen- Uallermund. Gegenüber seinem Grab an der Wand, über welchem noch die alte von Landolina ilim gesetzte lateinische Inschrift: Augusto Comiti Platon Ilallemunde, Anspachiensi, Gcrmaniac Horatio, mit dem Wappen aufbewahrt ist, erhebt .sich 1. auf hohem Unterbau die Büste des Dichters, mit der Inschrift: »Dem Dichter August Grafen von Platen, geb. in Ansbach 24. Okt. 1790, gest. in Syrakus 5. Dec. 1885«; unter der Leier und den Masken die Dedikation: »errrichtet von Freunden und Verehrern 1869«. Ein Gedenkbucli liegt im Garten auf zur Eintragung der Namen der Besucher. Längs der rechten Langmauer der Villa gelangt man zur Kirche S. Maria (di GesuJ, unter welcher Katakomben liegen, die mit denen bei S. Giovanni in Verbindung stehen. — Dann am eleganten Stabilimcnto industriale von Pulejo vorbei, r. die Strasse hinab und bei der folgenden Strassentheilung 1. nach (4 Min.) S« Lucia mit clfbogiger Porticus. Von dem Bau des 12. Jahrh. ist noch das Westportal erhalten, ein Rundbogen mit Acanthusblättern, normannischen Kapitalen und Löwen über dem Abacus. Das Rundfenster darüber aus dem 14. Jahrh., ebenso der viereckige Thurm; alles übrige erneut. — Am Hochaltar: Caravaggio, Bestattung S. Lucia’s. — Aus dem rechten Quersehitf führt ein Gang zu der aus dem Felsen gehauenen achteckigen, reich deko- rirten Capp. S. Lucia’s, der Schutzpatronin von Syrakus, mit der liegenden Statue der Märtyrin (Schule Bernini's). Nun auf der grossem Strasse (r.) südwärts und jenseit der Säule mit dem Kreuz 1. durch den Durchgangsbogen unter der Eisenbahn zu dem herrlichen ^Spaziergang am Piccolo Porto (Strada dei Cappue- cini). Hier 1. (nordwärts) dem Meer entlang zu der (12 Min. von S. Lucia) **Latomia de ? CappuccinL Das Kloster beherbergt keine Kapuziner mehr und ist jetzt Meierei, wo man Wein und Eier erhalten kann. Dem Aufschliesser der Latomic, wenn er überall hinfülirt, Va Fr. Vor dem Kloster köstlicher •■'Blick auf Syrakus. R. vom ehemaligen Kloster tritt man durch ein Eisengitter ein, dann nochmals r. durch ein Holzgitter; beim Ilinabgehen sicht man r. antike Gräber; durch eine dritte Thür steigt man in den Garten hinab zu den überaus grossartigen Felsparticn; hinten r. ist ein Kenotaph Mazzini’s (!); 1. bei einem antiken Brunnen und Grüften die Grabsteine einiger Engländer. Es ist weitaus die grossartigste und malerischste Latomie von 24—32 m. Tiefe und gewaltiger Ausdehnung. Von oben niedergestürzten kolossalen Felsblöcken, riesig aufragenden Steinpfeilern rings umragt und oft halb bedeckt von grauen Kiffen; die Felsen theihveise in weite Hallen ausgetieft; manche Wände noch mit den Spuren des Meisseis, liier und da in gewaltiger Hohe ein Felsendaeh, und in fünf Abtheilungen der überraschendste Wechsel der wildesten mul pittoreskesten Formen von ergreifendster Erhabenheit. 751 20. Syrakus (Latomia de’ Capiuieciui). 752 Dazwischen die üppig wuchernde Vcge- I Hier war wohl die Stätte, wo 415 v. Chr. tation! — Diese Steinbrüche dienten zu- | die 7000 Athener schmachteten. latomia de* Cappucrini. Wmm rm mimä 1 r *1 l" ft*öl r -s WM v ■* v‘ 1 '' , * A ur.. .. . apyrns- bin.se gedeiht, zuerst an den Ufern ln vereinzelten Büschen, dann inselartig in grossen Reihen aus dem Wasser auftauchend; man ist plötzlich mitten in tropischer Flusslandschaft; dreikantig bis zu 5 m. hoch steigen die glatten dunkelgrünen Stengel empor und an ihrer Spitze biegen die feinhaarigen, wunderlich gekrausten Büschel (la perucca) »feuerräderartig« dem Beschauer sich entgegen. So dicht werden die Binsenmassen, dass der Schiffer nur schwer durchdrungen kann; der Anblick wird immer malerischer und überraschender, die blaue Flut (Kyane) und die originellen Pflanzen spiegeln eine immer fremdartigere Welt. (»Wahrlich, dies Lokal ist ganz wunderbar, so von dem verschüttenden, immer flüsternden Röhricht mitten auf der Welle umwölbt, sitzt man da wie im Traum, in die lieblichste Mythe versenkt. Und nun erscheinen 20. Syrakus (Pleinmyrion), «811111 ;i!k. ijlin »Ir am BSBISs Syi*akus von Plemmyrion aus. 765 '20. Syrakus (Umgebung: Floridia - Palazzolo). 766 nocli die wunderbaren Papyrusstauden, aus der bläulichen Flut fremd aufspriessend, verlorene Kinder des Nils.« Gregorovim.) Es heisst Ptolemaeos Philadelplios habe die pflanze mit anderen Geschenken Hieron II. gesandt Die Hauptanwendung dieses Schilfs ist bekanntlich die Verfertigung des ursprünglichen »Papiers«. Die unter der Stammrinde in vielen Lagen über einander geschachtelten Basthäute müssen zur Verfertigung des Papiers durch eine Nadel gelöst uad abgewiclcolt werden. Diese Häute, auf einer benetzten Tafel neben einander ausgebreitet und mit anderen überlegt, dann durch Leimwasser vereinigt, müssen dann wieder abgenommen, gepresst, an der Sonne getrocknet,verbunden und aufgerollt werden. Nach 3 U St. von der Einmündung der Kyaiie erreicht man das hübsche, mit Papyrus und Iris umrankte (Juellbeeken (Pisma) der Kyane, 9 m. tief, mit überaus klarem Wasser. Wcstl. sind noch einige Substruk- tionen des antiken Kyanetempels sichtbar. Am Flussufer fanden einst Feste der Demeter und Persephone statt. Kyaiie, sie, namhaft vor allen sicilisclien Nymphen, Hoch bis über die 1-Iüft 1 entragte sie mitten dem Strudel, Sah Proserpina’s Räuber und ruft: ihr gellt mir nicht weiter! Niemals kannst du, o Pluto, der Ceres zum Trotze ihr Eidam Werden. Sie war zu erfleliTi, nicht zu rauben! Ja, wenn ich Geringes Darf mit Grossem vergleichen: auch mich hat erseh’n sich Anapos, Aber er führet erfleht mich heim, nicht also geängstigt. Spracht und stellte sich ihm, nach verschiedenen Seiten die Arme Breitend, entgegen. Da hielt Gott Pluto fürder den Zorn nicht, Malmte die schrecklichen Rosse und barg in die unterste Tiefe Das mit gewaltigem Arme geschwungene Sccpter des Königs, Und zum Tartarus bahnt der getroffene Boden den Eingang. Kyane aber bejammert den Raub der Göttin und ihrer Quelle verachtetes Recht und trägt untröstlich im Herzen Still die Wunden herum, und verzehrt sich völlig in Thränen. Und sie zerrinnt in jene Gewässer, wovon sie die grosse Gottheit erst noch war. Und so schmolz die gesammtc Gestalt, hin, Ihr blcmlocHges Haar und die Finger, die Füsse, die Seiten. (Ovid, Metamorph. V, 412.) Auch das Quellgebiet des Anapos ist des Besuchs sehr wertli. Es bietet sehr reiche Gebirgslandschaften, das Thal ist von über 100 m. hohen senkrechten Felswänden eingeschlossen und die unteren Gehänge mit reichster Vegetation bekleidet; Orangen, Oliven, Feigen, Karuben, Steineichen. So geht es nach dem Städtchen Sortino (s. unten) hinan. Von Sortino kann man den nur 2 St. entfernten Monte Verde besteigen. (Die Gegend ist hier überall vollständig sicher.) Wer Zeit erübrigt, sollte nicht versäumen , vom Ideinen Hafen aus mit Boot (2 Fr.) zu den Grotten an der Ostküste Aehradina’s zu fahren. Unter den zwei unterhöhlten Felsen »due fratelli«. kann ein Boot durchfahren; der Besuch ist auch geschichtlich interessant. Palazzolo und *Val d’Ispiea sind am bequemsten (mit Fahrpost) von Syrakus aus zu besuchen; man kann die beiden Ausflüge auch zu einer mehrtägigen Tour verbinden (S. 131), wenn mau von Palazzolo nach Koto geht, von da nach Modica (Val d’Ispica) fährt und •eventuell noch Pachino mitnimmt. Von Syrakus nach Palazzolo. Post von Syrakus (Abfahrt und Billete: Piazza del Popolo 26) Abds. 0 Uhr in ö St. Über Ploridia nach (37 Kil.) Palazzolo. Zurück (Abfahrt vom Alb. Centrale) 10Va Uhr; 6 1 / 2 Fr. *£3^ Man kann Morg. von 6—10 Uhr mit der Besichtigung* sämmtiieher Alterthü- 111 er fertig werden. Die Strasse ist durchweg gut; man fährt von Syrakus an der Bahnstation vorbei und unterhalb Epipolae zum Anapos und über denselben (bei l 5 onte Capocorso); r. oben Belvedere (S- 758). Weiterhin r. in der Höhe Sortino (8791 Einw.), ein wenig besuchtes Städtchen (s. oben), ohne Wirtshaus. (13 Kil.) Floridia (Sole), mit 8492 Einw. und niederen Häusern, eleganter Hauptkirche und hübschem Gemeindehaus (1854), liegt mitten unter Weinpflanzungen, Kornfeldern, Olivenhainen. Weiterhin r. auf Anhöhen Perla (4227 Einw.), Exfeudum des Herzogs von Miraglia; in der Umgegend Reste von antiken Bauten und Grotten; der Boden reich an Getreide, Oel, Nüssen. Diesseit Ferla, durch eine tiefe Thalsclilucht getrennt, Cassaro (8492 Einw.), Exfeudum der Statella, mit Fürsteiltitel. Durch San Paolo nach Monte Grosso (Poststation); an der kleinen Höhe öffnet sich die Landschaft; mau sieht Palazzolo jenseit eines umfangreichen Thalkessels mit zahlreichen breiten und sanften Hügelkuppen. Nach einer Strecke von 7 Kil. sieht man r. und 1. terrassenförmig abgestufte, amphitheatralisch ausgerundete Felsränder, alle mit uralten Felsgräbern, den sogen. Ddieri (S. 422). Im Eugthal sind die Abhänge theilweise mit immergrünen Eichen bekleidet; unten wuchern Mastixbäume, Gebüsch von Cistus, Ginster, Koronille, Eriken ; auf dem Waldboden Cyklamen, Pfingstrosen, Kardaminen. (37 Kil.) Palazzolo (Locanda di Acre, mit ordentlicher Trattoria; reinlich. — Loc. Centrale, gegenwärtig AbfahytsteUc rtev 76T 768 20. Syrakus (Umgebung: Palazzolo). wägen nach Syrakus). Das Städtchen (10,132 Einw.) hat besonderes Interesse durch die Anhöhe mit den Kesten der antiken Stadt Akrai (Kustode der Altertluimer ist Don Paolo Monelli ; er hat auch die Schlüssel zum Theater, Tempio Feriale u. a.; die Besichtigung verlangt ca. 4 St.). — Im Sommer trifft man in Palazzolo viele Syrakusaner, die hier die kiihlo Luft gemessen. Die jetzige Stadt, erst seit dem Erdbeben 1603 wieder aufgebaut, liegt an der Ostseite am Hügelrand, wo er über dem tiefen Thal aufragt, in so hoher Lage, dass im Winter reichlich Schnee fällt. Im Städtchen schmückt eine hübsche Villetta mit Brunnen und Obelisk die Piazza der Casa comunale, und von besonderem Interesse ist im Palazzo Jndica (der Kustode besorgt die Anmeldung) das Museum der AUerthümer, mit Vasen, Terrakotten, Gegenständen von Bronze, Eisen, Kupfer, Inschriften u. a., die aus der antiken Stadt stammen; denn der Baron Gabriele Judica lieferte durch umfangreiche Ausgrabungen den Beweis, dass Palazzolo das antike Ab'ui sei, und gab 1810 ein bedeutendes Werk mit 36 Kupfertafeln (»Le Antichitä di Acre«) zu Messina heraus. Freilich haben seine Erben die Sorgfalt für die Alterthümer nicht fortgesetzt. Zur antiken_ Stadt steigt man am Hügel über Palazzolo hinan; noch jetzt heisst der viereckige Hügelkamm Äcremonte. Seine obere Fläche hat 3 1 /^Kil. Umfang und fällt nach S. und W. steil ab, während von der Ostseite her die Stadt leicht zugänglich war. Nach Thukydides (VI, 5) wurde Akrai von den Syrakusanern 70 Jahre nach der Gründung ihrer eigenen Stadt, also 664 v. Chr., angelegt, ein Zeuge der frühen mächtigen Stellung der Mutterstadt, welche diesen Posten nordwestl. gegen die feindlichen Stämme des Innern vorschob, zum Vordringen in die lleräischen Berge. Das Städtchen blühte durch Landhandel und besonders durch Ackerbau (wie auch die späteren Münzen mit dem Demeterkopf bezeugen). ZurZeit der Belagerung von Syrakus durch die liömer war es von Karthagern besetzt, und als Jlippokrates bei Akrilla (Aguglio bei Mezzo Gregorio, 3 /4 St. von Palazzolo) von Marcellus geschlagen worden, fand er in dieser Festungsstadt Zuflucht. Zu Plinius’ Zeit gehörte die Stadt zu den ltom tributpflichtigen; eine Heerstrasse führte von Syrakus durch AA-m« nach Agrigent. Die Zerstörung fand erst im spätem Mittelalter statt. — An der Ostseite war der (einzige) Zugang zur antiken Stadt durch die hier gegrabenen Steinlribhe (Latomien wie in der Mutterstadt) geschützt, die, wie in Syrakus, auch zu Gräbern dienten. Auch die Räume zwischen den Steinbrüchen zeigen zahllose Gräber in künstlichen und natürlichen Vertiefungen. Gellt man zur nordöstlichen Ecke hin, so kommt man zwischen Baufragmenten (von Säulen und dorischen Fries- und Gesimsgliedern) zu einer Gräbergruppe in unterirdischen Höhlen; daneben sieht man in einem Gang ein griechisches * Votivrelief in der Wand (vor der Statue des Heilgotts eine Kranke auf dem Lager, zu dessen Seiten je zwei Personen; an den Wänden Helme und Panzer).— Es folgt eine grosse Grabkammer, la Marciana, in welche man Gesimsstücke, einen mit Giebel und Akroterien geschmückten Pfeiler mit Nische für ein Götterbildchen u. a. hineinstellte. Dann kommt man südwärts zu den Latomien, an deren Wänden in drei Geschossen Grabkammern übereinander eingetieft sind, in der Mitte zwei aus dem Stein gehauene Sarkophage, oben mit durchbrochenen roset* tenartigen Oeffnungen. Aschengefässräume sind hier mit sargartigen Vertiefungen gemischt. — Südwärts, etwas tiefer, liegt der sogen. Tempio ferale, ein rechteckiger Kaum, an den drei Wänden.mit zahlreichen Löchern für die Grabsteine, zuweilen mit dreieckigem Giebelschnitt; dazwischen einige griechische Inschriften, oben zwei Grabkammern mit Nischen. — Auf diesen Tempio folgt noch eine Grotte mit Gräbern in mehreren Geschossen. Aqu'dduktreste der unterirdischen Leitungen zeigen, dass das Wasser von verschiedenen Seiten herbeigeführt wurde. Innerhalb der Stadt , von deren Mauern nichts erhalten blieb, liegt ostwärts das ♦Theater, eine, wenn auch kleine, doch sehr schöne Anlage, mit voller Schau nach N.; es stammt noch aus griechischer Zeit; die zwölf Sitzreihen sind durch acht Treppen in sieben ganze und zwei halbe Keile getheilt und umfassten also ca. 60» Sitzplätze; die Stufen sind noch gut ei’halten; auf der Orchestra steht noch in voller Ausdehnung die wahrscheinlich der Seena dienende Mauerbrüstung mit zwei halbrunden Einschnitten, griechischer Inschrift und einigen Baufrag- menten. Eingänge schieden die Orchestra von den Sitzen. Zieht man im Theater eine Linie von den mittleren Sitzen nach der Mitte der Seena, so trifft sie direkt auf den Gipfel des Aetna, der hinter den Bergen von Buscemi hervortritt. Nordwärts vom Theater liegen 13 Cister- nen bei einander, innen stukkirt, oben mit Ziegeln eingefasst. — Westl. nebenan ist die sogen. Naumachia, d. h. drei Mauern einer rechtwinkligen Anlage.— SüdL, dicht dabei, liegt das sogen. Odeon, ein theaterartiger Halbkreisbau, aus Marmorblöcken errichtet, mit Sitzstufen und zwei Treppen, die Sicht nach W.; davor ein sich nachW. wendendes rechteckiges Wasserbecken, also wahrscheinlich eine Badeanlage (sie ist unterirdisch durch zwei Gänge mit dem Theater verbunden). — An den Wasserbehälter stösst rechtwinklig eine Mauer, die wegen einer hier gefundenen Inschrift den Namen Palazzo di Geroue (Residenz von Hieron II., dem die llümer die Stadt überliessen und der hier einen Palast erbaute, wonach der Berg Serra di Palazzo und darum wohl die Stadt Palazzolo genannt wurde). Von der ganzen Hochfläche hat man eine weite Aussicht auf die lang gestreckten Bergstöcke umher; im O. der Hafen von 769 770 20. Yon Syrakus über Noto und Modica nach Ispica. Augusta, der Busen von Mcgara, die syra- kusanischen Küsten bis Pacliynos; auch auf den Südrand der Insel und das Afrikanische Heer bis Terranova; von Bergen im NO. San Venera, im W. die Serra di Pedagaggi, dahinter Pilato, dann Serra di Guffari, dahinter Monte Lauro und oben auf diesen Bergen die Städte Buscemi, Cassaro Ferla, Buccheri; im NW. die Höhen Serra di Casale, dahinter Girratana; westwärts die Serra di Cliiara- monte, Ragusa und Modica. Im S. von Akrai, am Monte Pineta, sieht man zahlreiche (es sind 84) D dieri (S. 422); ebenda, bei San Giovanni, sind auf dem vlcrocoro della Torre eigenthümliche Gräber, in den Felsboden eingehauene, mit Steindecken verschlossene Behälter; die einen, von 0. nach W. gerichteten, mit Frauenleichen, wie die Knochen, kupferne Haarnadeln und Armbänder darlegten, die anderen, von N. nach S., mit Männerskeletten und Schalen; die Gräber messen zumeist zwischen 1,80—1,50 m.; die trefflich erhaltenen Skelette zeigten fast mandelförmige, an den Schläfen sehr eingedrückte Köpfe, die Zähne weit herausstehend (also nicht hellenisch) ; in den kleineren Gräbern fand man ganz kleine Fläsclilein und bleischwarze Miniaturvasen. Baron Judica hatte hier schon 228 Vasen gefunden, mehrere hundert Schalen, Fläschchen, Armringe, Haarnadeln, panische Inschriften und einige Freskomalereien. Diese eigentliümlichen, der vorgrie- chischen Periode angehörenden Steindeckelgräber werden den Phönikern zugeschrieben. Unweit von denselben, direkt gegenüber der Torre della Pineta, erhebt sich im 0. die Contrada del Santicello. Am Saum dieser kleinen Anhöhe sind in den Felsen einige eigenthümliche uralte *lteliefs skulpirt, vom Volk i Santoni genannt. Sie sind südwärts gewendet und folgen sich an der Basis des Hügels in einer 2 m. hohen, von W. nach 0. sich neigenden Felswand, jedes für sich nischenartig in den Macigno eingehauen. In fast allen diesen Reliefs ragt die Kolossalfigur einer Frau hervor, stehend oder sitzend, bedeckt mit einem langen Gewand, welches bis auf die Fiisse niederfällt, den Modius (das Getreidemass) auf dem Haupt. Die Reliefs sind jedoch sehr verdorben; man erkennt, von W. beginnend: 1. Sitzende Frau mit Modius, r. und 1. oben zwei Statuetten. 2. In der rechten Ecke ein Reiter und ein den Arm hebender Mann; dann ein Hund, eine Frau, ein Mann mit überschlagenen Beinen, eine halb zerstörte Figur; in der linken Ecke noch ein Reiter. 3. Sitzende Frau mit Modius, schönem Gewand und zwei Statuetten auf den Schultern. 4. Dasselbe; die Frau mit reichem Haar und Ohrschmuck, die linke Statuette mit Schild und Lanze, die rechte mit Keule und Schild. 5. Verdorbene Figur, unten noch das Gewand erkennbar, oben kleine Nischen. 6. Sitzende Frau im Doppelgewand mit Schild. 7. Männliche Figur mit zwei Knaben und zwei Hun- dßn, daneben eine kleine Nische. 8. ‘Wie Ffr. 3; die Statuetten bewaffnet, eine kleine Unter-Italien. II. Figur sitzt daneben. 9. Dasselbe; 1. unten eine sehr hübsche weibliche Figur mit ausgestreckten Armen, r. unten eine männliche Gestalt, zu den Füssen der grossen sitzenden Frau ein Hund. 10. Verdorbene Figur, nur der halbe Oberkörper sichtbar. 11. Eine kleine Kapelle. 12. Eine Nische. (Man gibt diesen Reliefs eine nähere Beziehung auf den Todtenkultus der Gräberstätte und hält die sitzende Frauengestalt für Kybele oder Persephone.) Gräbergrotien finden sich in der ganzen Umgegend des Quellgebiets des Anapos; auf dem Weg von Buccheri nach Palar.zolo am Berg, auf dessen Gipfel Occhera liegt, sind sehr zahlreiche, tlieilweise schwer zugängliche (bei Buscemi); dann in der nach Floridia sich hinziehenden Cava von Spin- spinalo, wo man nach einem Brande der Waldung allerlei Waffengeräthe entdeckte; die Einsiedelei von 8. Lucia, 1 St. von Pa- lazzolo, ist in eine Sammelgrotte eingetieft, mit Gängen, Treppen, Kammern. Auch bei Perla und Bortino (in der Cava di Pantalica) sind die Felswände von solchen Grotten ganz durchlöchert. Der sicilische Name dieser Grotten heisst BdUri; die meisten sind sehr klein und haben eine Vorderwand mit einer Oeffnung darin; sie variiren von 0,68 m. Breite, 0,88 m. Tiefe, 0,70 m. Höhe bis 2,10 m. Breite, 1,95 m. Tiefe, l,6o m. Höhe. Nach Schubring gehören sie wahrscheinlich der vorgriechischen sikanisch - sikelischen Periode an. Von Palazzolo führt ein beschwerlicher Saumweg unterhalb (2 St.) Cassaro über (D/4 St.) Pantalica (mit der Nckropolis der alten SikelerstadtHerbessos) und über (V 2 St.) Sor- lino (einem hoch gelegenen, sehr primitiven Städtchen) durch eine überaus malerische Schlucht nach (3 St.) Floridia (S. 766). Von Syrakus über Noto und Modica ins Grottenthal von Ispica. Post: Auf guter Strasse nach (33 Kil.) Koto, in 4 St.; 5 Fr. 40 C. (Billete an Piazza del Popolo Nr. 26, Abfahrt Abels. 7 Uhr). — Von Noto Post nach (35 Kil.) Modica (6 Fr.) in 5 St. über Spaccaforno. Zwischen Spacca- forno und Modica führt ein Saumweg r. in das Val d’Ispica. Da in Modica ein ordentlicher Gasthof ist, so timt man am besten, von dort aus ein Pferd zu nehmen (hin und zurück bedarf man bei etwas gründlicher Besichtigung 8—9 St., also einen Tag). Der ganze Ausflug nimmt 3 Tage in Anspruch. Man verlässt Syrakus beim Rondel des Pozzo dell 1 Ingegnere und schlägt hier die Strasse längs des grossen Hafens ein; dies- seit der Brücke prächtiger Rückblick auf die Insel, Achradina, Epipolae, den Anapos und sein in die Berge hinanziehendes Fluss- tlial sowie r., jenseit des Flusses, auf die zwei Säulen des Olympieion. Dann der Meeresküste folgend durch offene felsige Gegend; hier und da Reste antiker Konstruktionen und Bäder; nach 17 Kil. über den Fluss Cassilili, den antiken Kakypuris, 25 771 772 20. Syrakus (Ausflug: AvolaMoto - Pachino). Hier war es, wo (Thukyd. VII, 80) Ni- kias seine Abthoilung Athenienser nacli Ueberwältigung der syrakusaniselien Wachtposten, welche die Furt mit Mauern und Pfahlwerk sperren wollten, glücklich vorwärts drang; aber das Heer des nachziehenden Demosthenes, von den verfolgenden Sy- rakusanern in einen ummauerten Olivenhain hineingedrängt, umstellt und einen vollen Tag von allen Seiten beschossen, zur Uebergabe gezwungen wurde (S. 703). Nun durch eine an Korn, Wein, Oliven und Orangen reiche Gegend der Küste entlang, unter den Höhenplatcau’s der Monti d’Oro, über den Fiume d’Avola, den antiken Erineos, nach (27 Kil.) Avola (11,912 Einw.), einer modernen, auf waldiger Erhöhung hübsch gelegenen Stadt mit grosser Piazza und langer Strasse mit niedx-igen Häusern. Sie hat einen regen Handel mit Wein, Oel, Honig, Früchten und Käse und besitzt in Sicilien die einzigen Pflanzungen von Zuckerrohr (in parallelen Reihen zwischen Wassergräben). Die Araber haben dasselbe an die Küste des Mittelmeers gebracht, und es wuchs einst reichlich bei Palermo, allein die Rückschritte der Bodenkultur unter spanischer Herrschaft und die Konkurrenz Westindiens verdrängten deren Anbau. Das Rohr wird hier im December geschnitten und der Saft bloss zu Rum benutzt, die Rohre werden roh gegessen, auch Sirup daraus gemacht. Die Umgegend ist reich an Wild und an guten Weiden mit schönem Vieh. Avola hat auch einen kleinen Hafen und mehrere Tonnaren (Juni bis Oktober). Durch reichbepflanzte Gegend zwischen Meer und nackten Hügeln nach (33 Kil.) ÄOtO (*Vittoria, mit gutem Restaurant, nicht billig; Aquila d’Oro, ordinär); die Stadt (16,590 Einw.) hat eine hübsche Lage auf einem 60 m. über die Ebene sich erhebenden Kalkplatcau, in reich bewaldeter Gegend und mit Ueberfluss an Wein, Korn und Oel. Man sieht hier stattliche Häuser, hübsche Kirchen, reich ausgestattete Adelspaläste, überall moderne, behagliche Wohlfahrt. Die Stadt steht erst seit 1703, weil das alte, 2 St. landeinwärts auf vorgebirgartigem Felsen gelegene Noto, das antike Neeton, nach dem schrecklichen Erdbeben von 1693 verlassen wurde. Am Hauptplatz an der Nordseite die hübsche Hauptkirche 8. Corrado (Name eines Eremiten von Noto), ein moderner Kuppelbau aus gelbem Kalkstein; daneben der elegante Pal. 8. Alfano, an der Ostseite die Renaissancekirche S. Salvatore, an der Südseite das Stadthaus mit der Bibliothek und den Bildnissen der berühmten Bürger Noto’s. Westl. vom Platz liegt die elliptische Kuppelkirche 8 . Chiara (mit einem Bild von Salvatore Loforte aus Palermo, S. Scolastica und S. Benedikt); auf der Piazza S. Domenico ein Monumentalbrunnen von 1758. Siidl. jenseit des Giardino pubblico, die bewaldeten Gehänge hinab in die Ebene, kommt man nach 20 Min. zu einer Strassen- verzweigung, 1. zur Marine (Verladungsstätte) von Noto, r. zur Südspitze Siciliens (4Va St. Pachino). Folgt man r. der Strasse nach Pachino, so kommt man nach 1 St. zu einem Pachthof; hier führt ein Weg 1. ab durch eine Gegend mit Zwergpalmen, Karu- ben und Mandeln zu dem (D/4 St. von Noto) Monument *La Pizzuta, einer griechischen Säule, die, sich verjüngend, noch 10 m. hoch aufsteigt und auf vierstufiger Basis ruht, deren Plinthe aus dem Felsen gehauen; die Säulentrommeln sind sehr gross und ohne Cement genau gefugt. Da in dieser Gegend am 21. (?) Sept. 413 v. Chr. das athenien- sische Heer unter Nikias (S. 703) nach dom sechsten Tag des leidenvollstenRückzugs und letztem verzweifelten Kampf sich an Gylip- pos und die Syrakusaner ergab, so hält man diese Säule für den Rest des Denkmals zur Feier dieses Tages. Von Koto nach Pachino. Von Noto aus besucht man auch am besten die Südostspitze der Insel; eine Fahrstrasse führt in 5 St. nach Pachino. Sie überschreitet kurz nach Noto den Fluss Falconara, den antiken Assinaros, in welchem jener Rest des athe- niensischen Heers den Syrakusanern erlag. Die Athener zogen hier dem Hclorischen Weg entlang, der sie zur Stadt Heloros geführt hätte. Die Strasse führt dann über den Fluss Heloros, der jetzt im obern Lauf Atel- laro, im untern Abisso heisst, westl. von Palazzölo entspringt, zumeist über felsigen Boden strömt und dessen Ufer im Alterthum mit Tempo verglichen wurden, wie auch noch jetzt dieses Flussthal von Mandel-, Oliven- und Nussbäumen beschattet wird und mit Rosen und Jasmin geschmückt ist. Im Winter ist aber zur Regenzeit der Abisso ein sehr unangenehmer Strom, der weit über seine Ufer austritt. Hier zwischen Strasse und Meer auf kleiner Anhöhe stand die antike Stadt Heloros, am linken Ufer des Helorosflusses; jetzt heisst der Ort Stampaci, und man sieht nur ein halbzerstörtes Kastell von 1312, am Boden zahlreiche Töpferscherben (welche die antike Stadt andeuten), direkt über dem Meer Reste der Befestigung, in der Richtung zum Pantano di Stampaci eine in den Felsen gehauene Treppe, welche vom Hafenthor hinabführte, Substruktionen einiger Gebäude innerhalb des Stadtkreises mit Cister- nen; ausserhalb der Stadtmauern einige in den Felsen gehauene Gräber. Die Helorische Strasse ist nicht mehr erkennbar. Von da führt die Strasse in 3 St. nach Pachino, einem Städtchen mit 6452 Einw., auf grüner Erhöhung, von Gaetano Starraba Alagona 1758 als Grafschaft gegründet, mit einem Kastell und grosser Kirche von 1790, dem Schlitz des S. Crocifisso geweiht. Hier ist vom 15.—20. Aug. grosser Viehmarkt. Südl. von der Stadt, auf sumpfigem Heideboden, viel Wild. Smith vermuthet, dass in diesem Thal, welches sich vom Meer aus ins Innere ziehend einen See mit Salzwasser enthält und alle Zeichen einer frühem Meeresbucht hat, der Hafen des Odysseus zu suchen 773 20. Syrakus (Ausflug: liosolini — Modica - Yalle d Ispica). 774 sei. 2 St. südl. liegt die Isola delle Correnti, der südlichste Punkt Siciliens, ein dem Fest- Land vorgelegter Sandsteinfelsen mit Leucht- tliurm. Vk St. südl. von Pachino ist der kleine Hafen Porto di Polo, landwärts der Weiler Portopalo; die Ostscite des Porto di Palo bildet die niedrige felsige Halbinsel Capo Passaro. Nördl. von demselben, liegt die Jsola di Passa.ro, an der Ostspitze mit viereckigem Fort und Leuclitthurm; der Boden der Insel gehört zu den eigenthiim- lielien Kalk- und Lavaverbindungen des Val di Koto, die, nachdem sie an den Ufern des Anapos verschwinden, an der Marina di Capo Passaro wieder erscheinen, unter einer 2 m. mächtigen horizontalen Bank von Hip- puritenkalk wieder der Basalt und am Vorgebirge eckige Bruchstücke dieses Basalts mit Tufftrüminera gemengt und durch Kalk gebunden eine schwarzgefleckte Breccie bildend. Die Insel bricht überall, ausser gegen das Festland hin, in niederen, jähen, schwarzen Klippen ab. Ihr gegenüber ist eine beliebte Tonnara. Die grösste Tonnara Sici- liens (T. Marzameni) aber liegt IVa St. nördl. von Capo Passaro, wo sich der hinterliegende Salzsee zum Locken des Fisches besonders eignet. Gegen Vindicari hin liegt an reizender Bucht der Weiler Porticella di lteitam,, und noch etwas nördlicher auf einer von Salzwerken gebildeten Halbinsel die Ueberrcste einer antiken Stadt, vielleicht des sikeliselien Ichana. l l k St. westl. von Pachino liegt am Meer das Dorf Gastelluecio (sieil. Castidduzzu), an der Bucht La Marza. Diese schmale seichte Bucht ist ohne Zweifel der Hafen des Odysseus, der sich wahrscheinlich über den salzigen Sumpf im Grunde der Bucht erstreckte. Der antike Name Pachynos wurde wohl dem ganzen Umkreis gegeben, welcher die Halbinsel Capo Passaro, die folgenden zahlreichen Landzungen und das Odys- seische Vorgebirge (Capo di Castclluccio) umfasste. Lyhophron (Alexandra, Vers 1029) erwähnt das Promontorium, das man einst nach dem Abkömmling des Sisyphos nennen werde, wo er den berühmten Tempel der Jungfrau Athene (Longatis) und (V. 1181) an den Felsen der Hekabe ein Denkmal errichtete, geschreckt durch Träume, weil er am thrakischen Gestade den ersten Stein auf sie geworfen. Von Noto nach Modica (35 Kil., Post) führt die Strasse zum Fluss Falconara (dem antiken Assinaros, S. 772) hinab und durch die mit Oliven, Wein, Korn und Mandeln bepflanzte Niederung, deren umgrenzende Anhöhen mit Zwergpalmen und Lentiscus bewachsen sind, zum Fluss Atellaro (dem antiken Heloros, S. 772), dessen Umgebung Virgil , Aen. III, 698 den ausserordentlich fruchtbaren Boden des überschwemmenden Helorus nennt. Jenseit des Flusses folgt ein an Oliven, Korn und Früchten reiches Land, dann eine Heide mit Zwergpalmen, und jenseit des Flusses Stafenna ein üppig mit Korn, Mandeln, Karuben, Flachs u. a. bekleidetes Thal bis nach (14 Kil.) ltosolini (6307 Einw.), einem malerisch auf niederen grauen Felsen über dem reichen Thal aufragenden, erst im 16. Jahrh. gebauten Städtchen mit guter Luft und gutem Wasser und vortrefflichem Gemüse (so zart, dass die Artischoke, der Salat, die Kohlrüben und Bohnen selbst von den Vermügliclien roh genossen werden). Dann nach (20 Kil.) Spaccaforno (8035 Einw.), einem ebenso reich umgebenen Städtchen am Südende der Valle d’Ispica, und ehemals Ispica genannt; die Fortezza mit Baronialpalast erlagen dem Erdbeben. Nun verlässt die Strasse die Kulturgegend, zieht zu dem rauhen, steinigen Hochplateau hinan, mit köstlichem Blick auf das Meer, Capo Passaro, Pachino (selbst Malta soll man bei ganz klarer Luft sehen); dann niederwärts mit malerischer Schau Modica’s zwischen Felsen von Karuben bekleidet, nach (35 Kil.) Modica (Bella Italia, mit guter Trattoria, auch Betten und Zimmer recht ordentlich; — Locanda di Mastro Giorgio , unter den Archi bei der Präfektur), eine wohlhabende, bevölkerte (33,131) Einw.) Stadt in eigenthümlicher, höchst sonderbarer Lage, zwischen steile Felswände eingeklemmt, zwei tief eingeschnittene enge Tliälor und einen zwischenliegenden Hügel auf dessen oberer Ebene einnehmend, daher mit breiter, ebener Strasse längs des Flusses, aber zahlreichen Steigen und Krümmungen hinan, und an den Abhängen eingehauenen Felsenwohnungen; amphitheatraliscli in zwei Städte zerlegt, welche der überbrückte Strom trennt; gegen S. mit sehr altem Kastell auf der Höhe (mit sehr schöner Aussicht), die sich gegen N. in eine leicht geneigte Ebene verläuft, mit dem Quartier S. Giovanni; die Hauptkirehe S. Giorgio, wie das Kastell von den Cinaramonti errichtet, wurde 1653 von Graf AlfonsoHenriquez umgebaut und steigt in eleganter Pracht an der linken Seite des Westthals an der höchsten Stelle auf. Ebenda, etwas niedriger, Hegt die schöne neue Kirche S. Pietro, die mit S. Giorgio gleiche Rechte hat und sie durch die zwölf Apostel vor dem Eingang bekräftigt. Südl. unter der Rocca, wo der öffentliche Uhrthurm ist, liegt S. Maria di Betlemme, wo noch eine schöne mittelalterliche Kapelle erhalten ist. Die antike sikelische Stadt, vielleicht von Phöni* kern gegründet, schon in den ältesten Zeiten Motylce genannt, nahm nur die Höhen ein. Die mittelalterliche Stadt war Hauptort einer bedeutenden Grafschaft, die in unserem Jahrhundert der englischen Familie Fitz James gehörte. Das Rindvieh und die Maulesel gelten als die beste Rasse Siciliens; Luft und Wasser sind gut; die Ilauptaus- fuhr besteht in Vieh, Getreide, Gerste, Oel, Hanf, Johannisbrod, Käse. Die Tliälor nahe der Stadt liefern in jedem Monat neue Gemüse. Gegen die Meeresküste hin liegen zahlreiche Villen und Fruchtgärteu; der ; Fluss ist reich an Fischen, die Weiden für , das Vieh sind vorzüglich. 25 * 775 21. Die Liparischen Inseln, 776 St. südöstl. von Modica beginnt eines jener Felsenthäler, wie sie mir im Kalkgebilde Vorkommen, eine tiefe Furche in oder Steinfläche mit senkrechten Wänden, und zieht bis in die Nähe von Spaccaforno (das davon den Namen hat). Das Volk nennt es Le Grotte di San Filippo; es ist die durch ihre Höhlen so merkwürdige Walle (l’Isplca. Man folgt der Strasse nach Spaccaforno; nach V 2 St. zweigt 1. ein Saumweg nach dem Felsenthal ab, das man in l J /4 St. erreicht. Am Anfang und auf jeder Seite dieses etwa 15 m. tief eingeschnittenen Felsenthals sind in den weichen Kalkstein mehr als 1000 Höhlen eingetieft, von Menschenhand’ künstlich eingehauene Grotten aus uralter Zeit. Das Grottenthal zieht 2Va St. lang in Krümmungen dahin, vom Dach Bnsaidone durchflossen, der an verschiedenen Stellen zu Teichen und kleinen Wasserstürzen sich sammelt. Einen auffallenden Gegensatz bildet der üppige Pflanzenwuchs dieses Thals mit der kahlen Höhe; der Bach tränkt die herrlichsten Oleandergebüsche, Nuss-, Feigen- und Jo- hannisbrodbäume; weiter hinauf wachsen üppige Artischoken und breitblätteriger Akanthus; von der Höhe der Felsen hängen dicke Opuntien schwer herein und umschatten den verwitterten Eingang der Höhlen. Die Grotten liegen oft in mehreren Geschossen über einander. Der Zugang zu den oberen ist sehr beschwerlich, obschon durch Sturz und Verwittern von Felsstücken treppenartige Zugänge geschaffen worden sind. Weder Thih'öffnungen noch Wände haben irgend eine Verzierung; der Thür gegenüber sind Nischen eingetieft und Laden in denselben; im Boden sieht man ausgeschnittene viereckige Stellen; in einigen (l’altaria, la spezieria)* sind seitliche viereckige Vertiefungen und mit Platten bedeckte Steinschränke, durch welche Wasserkanäle ziehen. Die Raumverhältnisse der Grotten sind sehr verschieden, sie überschreiten selten 4 in. Breite, 2 m. Höhe, 6 m. Tiefe. Die Trennung der Wände ist stets durch dünne Lagen vermittelt; jede Höhlung besteht für sieh; einige jedoch haben Treppen und stehen mit der obern Kammer durch eine Oeffnung in Verbindung; auch hinterliegende Gellen und Korridore finden sich. Zu den höheren Geschossen musste man von aussen mit Leitern gelangen. Wo man von O. eintritt, liegt gegen die Mitte hin das sogen, (.'astello d’Ispica, ein burgartiger, fast isolirter Fels, in drei Geschossen mit lauter offengelegten Hohlräumen; offenbar -später zu Wohnungen benutzt, wie die verschiedenen Austiefungen, Oeffnungen und Treppen darlegen. — Die in die Mauer gehauenen unförmlichen Ringe dienten wohl für Ziehstiicke. — Man ist gegenwärtig überwiegend der Ansicht, dass diese Höhlen Grabstätten waren und einige erst später zu Wohnungen gedient haben (das Kastell und die Spelonca grossa am Westende dienten noch in neuester Zeit dazu). Ueber diese Grabstätten (Ddidri) s. S. 422. Von Modica nach Palazzölo R. 11. Von Modica nach Terranova S. 434—432. 21. Die Liparischen Inseln. t)ie Reise zu den Liparischen Inseln macht man am besten mit dem Dampfboot der Societä Florio von Messina aus. Es fährt gegenwärtig alle Sonntage (Morg. 8 Uhr) nach Lipari, wo cs um 12 Uhr anlangt. Von Lipari nach den Inseln Volcano und Salina und zurück hat man 1 Tag zu rechnen. Von Lipari nach Stromboli und zurück 3 Tage. Rechnet man auf Lipari 2 Tage, so kann man am folgenden Sonntag um 2 Uhr Nachm. Lipari mit dem Dampfboot Florio wieder verlassen und fährt dann nach Milazzo (S. 481), wo man um 5 l /a Uhr ankommt. Von hier Post nach Messina oder nach Palermo. — Begnügt man sich mit JA- pari, Volcano und Salina, so bringe man den Sonntag Nachmittag in Lipari zu, fahre am Montag nach Volcano und Salina und zurück, und schliesse den Besuch Dienstags mit einer Inselreise durch Lipari. Am Mittwoch früh 6^2 Uhr fährt dann (gegenwärtig) das Dampfboot direkt nach Messina, wo es D /2 Uhr ankommt. Gasthöfe findet man auf den luseln und in Lipari. In Stromboli hat man sich sicilianisch einzurichten. Geschichtliches. Die Liparischen (Aeoli- schen, Jlephästischen) Inseln waren im Alterthum, wie Diodor (V, 7) berichtet, zuerst unbewohnt, dann von einer italischen Bevölkerung besetzt, indem ein Sohn des Königs Auson, Namens Liparos, mit grossen Schiffen und mit Soldaten nach einem Aufstand sich dahin geflüchtet habe. Diodor beschreibt, dann die Inseln, deren er sieben nennt: Strongyle (Stromboli), Evonymos (Ustica), Didyme (Seline), Phoenikodes (Felicudi), Eri- kodes (Alicudi), Hiera Hephaistu (d. h. Vulkans heil. Insel, Volcano) und Lipari mit der Stadt Lipari. Ihre Lage zwischen Aetna und Vesuv lässt schon die Alten vermuthen, dass von den Inseln zum Aetna unterirdische Verbindungen führen, wozu Diodor bemerkt, dass deshalb die Ausbrüche auf diesen Inseln und die des Aetna meist mit einander abwechseln. Auf allen diesen Inseln, fügt er hinzu, sind starke Feuerausbrticlie vorgekommen, und noch jetzt sind die Kessel sichtbar, die sich an den Oeffnungen gebildet haben. In Strongyle und Hiera dringt, noch gegenwärtig ein gewaltiger Dampf 777 21. Die Liparischen Inseln. 778 mit fürchterlichem Getöse aus den Klüften, auch wird Sand ausgeworfen und glühende Steine in Menge, wie aus dem Aetna. — Diodor gibt auch an, dass die Lokalität, welche Homer (Odyss. X, I) als ^wfos-Insel bezeichnet, wo der Dämon Aiolos, der Schaffner der Winde, wohnt, hier liege. (Odyss. X, 3: »Rings umgibt eine eherne Mauer die schwimmende Insel, Felsen umzingeln sie, glatt aufsteigend«.) Den Aiolos nennt Homer (X, 2) Sohn des Hippotes (des Reitersmanns, mit Bezug auf die Meeresrosse, d. h. die Meereswogen, über welche der Wind als schneller Reiter dahinsaust); er hat zwölf Kinder (die Winde) und lebt in »Saus und Braus«. Im Jahr 579 v. Chr. gründete Pentathlon (Diodor V, 9) von Knidos mit Bewohnern von Knidos und Rhodos eine griechische Kolonie auf Lipari, nachdem er zuvor den Selinun- tiern gegen Egesta geholfen. Sie fanden auf Lipara freundliche Aufnahme, erbauten später eine Flotte gegen die tyrrhenischen (etruskischen) Seeräuber und lebten in der Weise zusammen, dass einige das Feld auf den Inseln als gemeinschaftliches Eigenthum bebauten, die anderen aber den Seeräubern Widerstand leisteten; ihr Vermögen war Gemeingut, und sie hatten Speisegesell- sehaften gebildet. Später vertheilten sie die Insel, wo die Stadt ist, unter sich, wähi-end sie auf den übrigen das Feld noch gemeinschaftlich bestellten. Endlich wurden alle Inseln auf 20 Jahre vertheilt lind jedesmal wieder aufs neue verloost. In der Folge erfochten sie manchen Sieg zur See über die Etrusker, und als Zehnten von der Beute schickten sie oft ansehnliche Weihgesclienke nach Delphi. Da der Stifter der Kolonie, Peutathlos, sein Geschlecht auf Hippotes (aber als einen Herakliden) zurückfülirte, so befestigte sich der Glaube, Aiolos, der Sohn des Hippotes, sei einst Herrscher der Inseln gewesen. Einen Aiolos II., Enkel, identi- ficirtc man mit dem Stammvater der Aeolier. Ein Aiolos III., Enkel des vorigen durch dessen Tochter Arne, aber Sohn des Poseidon, soll dann aus Metapont nach den Liparischen Inseln gekommen sein, die nach ihm die Aeolischen genannt wurden. Man lässt ihn die Tochter des Liparoe, Kyane, heirathen, und Liparos zieht sich nach Sorrent zurück, Aiolos aber herrscht fromm und gerecht (Diodor V, 7), bezeugte sich gegen die Fremden sehr freundlich, führte die Segel für die Schiffahrt ein und konnte den Einwohnern die Winde Voraussagen aus Vorzeichen, die er an dem Feuer des vulkanischen Bodens beobachtete; des Aiolos sechs Söhne herrschen dann auch über Sikaner und Sikeler. — Als Schauplatz des wilden Tobens. vulkanischer Kräfte beschreibt Virgil (VIII, 416) eine der Aeolischen Inseln. Und diese vulkanischen Erscheinungen gaben der ganzen Gruppe den Namen Ilephaestia- des, Vulcanicae. Von der grössten Insel, Lipara, erhielt dann die Gesammtheit den Namen Liparenses oder Liparae. Ein Bild dieser Inseln beschreibt Philo- stratos (II, 17), nennt die erste steil, wie von Natur ummauert, und bienenernährend, die folgende niedrig und mit. gutem Boden, von Fischern und Ackerleuten bewohnt, zwei daran stossende einst verbunden, die fünfte ein Wundei', da überall unter ihr ein Feuer glimmt und aus den Klüften hervorbricht, Gänge bildet und gewaltige Lavaströme hervorpresst ; auf dem Gipfel schleudert Zeus Blitze auf den Giganten; die Insel aber ist mit Epheu und Reben überrankt, auf dem Gebirge reiche Waldung. Die Inseln wurden wiederholt von feindlichen Flotten angegriffen, so auch von den Athenern und Karthagern. An diesen Inseln aber schlug die erste Unternehmung der römischen Flotte kläglich fehl, denn der Konsul Ca. Cornelius Scipio, der (260 v. Chr.) mit einer Abtheilung von 17 Schiffen nach Sicilien voraus gesegelt war, liess sich verleiten, in den Hafen der Insel Lipara ein- zufahren, welche, wie man ihm vox'spiegelte, bereit war, von Karthago abzufallen. Aber ein karthagisches Geschwader lag in der Nähe und sperrte in der Nacht den Hafen, so dass Scipio mit sämmtliclien Schiffen und der gesammten Mannschaft in Gefangenschaft gerietli und seitdem »Asina« hiess. Neun Jahre nachher wurden die Inseln den Römern unterthan und erhielten eine Kolonie. Unter den Saracenen und Normannen gehörten die Inseln zu Sicilien, beim Bruch Neapels mit Sicilien fielen sie bald jenem, bald diesem zu und wurden erst 1609 mit Sicilien definitiv verbunden. Die Liparischen Inseln (5,29 QM. = 290QKiI.),mit den Hauptvulkanen Stromboli, Vulcano und IÄpari, sindinsgesammt vulkanischen Ursprungs, Es ist eine Gruppe von sieben Hauptinseln, nebst mehreren, ringsum aus dem Meer sicli erhebenden vulkanischen vereinzelten Felsmassen; von manchen werden sie als besondere Mündungen eines einzigen unterseeischen Vulkans gehalten. Stromboli und Vulcano sind noch jetzt thätig, erste- rer als in dauernder Eruption befindlicher Schlund, Vulcano als Solfatara. Die Inseln bilden zwei Linien gegen den Kontinent hin, die eine von W. nachO.schlies.st Alicudi, Felicudi undSalina ein und tritt mit Panaria in die zweite Linie, welche von N. nach S. Stromboli, Panaria, Lipari und Vulcano aufnimmt und die beiden noch thätigen Vulkane besitzt, in einer Richtung, die auf die zwei anderen thätigen, den Aetna und Vesuv, hinweist. Die Vulkanreihe an der Westseite der Apenninen hört auf dem Kontinent nach einer Länge von 300 Kil. (vom Monta- iniatabis Castellamare) amFuss des Apen- 779 21. Die Liparischen Inseln (Lipari). 780 ninenzweigs des Monte S. Angelo plötzlich auf, und es zeigen sich von hier an in einer Länge von 190 Kil. an der übrigen Kalksteinkette keine vulkanischen Felsarten. Erst 47 Kil. nordwestl. vom Capo Vaticano taucht nun die 45 Kil. lange Reihe vulkanischer Bildungen der Li- paren auf. Sämmtliclie Liparen haben als vulkanische Gebilde die Kegelform, sind aber westwärts abschüssiger als ostwärts. Ueberall, wo Anbau ermöglicht ist, bringt derselbe reiche Frucht ; das Wasser aber, sparsam wie an allen Vulkanen, muss in Cisternen gesammelt werden. Die Insel Lipari (früher Meligunis, StvabonVI) ist die grösste Insel (IV 2 QM. = ca. 80 QKil.) der Gruppe und besteht aus drei längst erloschenen Vulkankegeln, die aus abwechselnden Schichten von Bimsstein und Obsidian bestehen. Man fährt in den Hafen der Stadt Lipari (Albergo di Luigi Melino, ordentlich; Fortuna, am Eingang in das Kastell), welche das Innere der südlichsten und grössten der drei malerischen östlichen Buchten einnimmt. Sie zählt 12,020 Einw. Ein 64 m. hoher , mit Opuntien bewachsener Felsen trägt im Hintergrund das Kastell; zu beiden Seiten senken sich die Häuser herab, meist einstöckig und verwittert, die ganze Stadt grau in grau, die Gassen winklig und eng, da Pferde und Kutschen fehlen. Dennoch ist Lipari Bischofsstadt; die Kathedrale zählt 18 Kanoniker und ebensoviele Hebdomadaren; vor der Hauptthür und an den Stufen des Hochaltars sind noch zwei römische Inschriften erhalten. Zwischen dem Kastell und dem Weg nach dem die Stadt hoch überragenden Monte S. Angelo liegt der ziemlich stattliche moderne IHschofspalast. Auch das Haus der Unterpräfektur ist ein ansehnlicher Bau. In der Immacoluta ist ein Altarbild (Martyrium des S. Bartholomäus) von Giovanni Barbera von Barcelona; im rechten Schiff ein Nepomuk von Ciccio Solimena. — In aS'. Pietro (1. vom Eingang) ein (restaurirtos) Bild des Täufers mit Madonna und S. Nic- colb, neapolitanische Schule, 156f>. — In S. Maria delle Grazie eine Madonna del Rosario, von Giuseppe Russo von Lipari, und die Himmelfahrt Mariä in der Hauptkuppel, Fresko von demselben. — In Lipari ist eine grosse Zahl (ca. 500) von Manutengoli (S. 8) im Gewahrsam. Nördl. trennt die Halbinsel der Monti Rossi die Bucht mit den Kauffahrteischiffen von der kleineren, wo Fischer und Gärtner die Ortschaft Caneto bewohnen; die Bucht Caneto’s wird durch den Campo Bianco von derBaja dellaPomice getrennt, wo das Dorf Castagno sich in zerstreuten Häusern hinzieht. Lipari war in antiker Zeit wegen seiner warmen Bäder von zahlreichen Kranken besucht, und noch sieht man an der Westseite der Insel die antiken Dampfgrotten am Gehänge des Monte 8. Calogero, unterhalb derer eine heisse Quelle hervorbricht, welche einst Mühlen trieb und abgekühlt, von den Einwohnern getrunken wird. Das von Polybios erwähnte Bad in Lipari wurde vom Bischof Reggio zwischen dem bischöflichen Palast und dem Klerikerseminar aufgefunden (drei Räume, zwei mit Mosaiken, und ein Badebecken, in welchem man Lämpchen und kleine Gefässe fand, die jetzt in der bischöflichen Bibliothek aufbewahrt sind), leider aber wieder zugesclnittet. Torre- muzza zählt 23 antike Münzen von Lipari auf, vier mit der griechischen Inschrift Pa- rion und den Symbolen der Demeter sowie mit dem Adler, der einen Hasen zerreisst, und dem Delphin, mit einem Helm und Keule, mit Bacchus und einem bärtigen Alten, die zwei ersten in Silber, die zwei anderen in Bronze. (Eine Sammlung lipa- risc.her Alterthiimer findet man in (Jefalit [S.470J; einige Inschriften von griechischen Gräbern, die zwischen dem Kastell und dem Weg zum Monte S. Angelo lagen, sind im Seminar zu Lipari aufbewahrt.) Die übrige Küste der Insel ist rauh und vereinsamt, zahlreiche Schluchten durchziehen das jäh abstürzende Land, Landungsplätze fehlen. Von romantisch wilder Schönheit ist namentlich die Südküste an der Strecke, die sich von der Valle diMuria bis zum Capo Capparo hinzieht. Dagegen sind die Gehänge um die Stadt reicli bebaut mit Reben, Mandeln und Feigen, auch an den Seiten und Kc- gelkratern der längst erloschenen Vulkane wird trefflicher Wein gezogen, auf der 250 m. hohenEbene an der West- und Nordseite des Monte S. Angelo (mit der Ortschaft Quattropani) wird Korn gepflanzt. Das Depot des Inselreichthums befindet sich am Landungsplatz der Dampfschiffe , in der Nähe der vom Meer umspülten Kirche de! Purgatorio. Den Haupthandel bildet der Bimsstein, von welchem 781 21. Die Liparischen Inseln (Lipari). 782 grosse Brüche durch Ausgrabungen am I gelo bildet jene tracbytische Hochebene, in Fuss der Berge und in den Thälern, die | f eren Schlucht die heissen Quellen . , & ! liervorbrechen. Im S. wird er durch die sietrennen, eröffnet worden. Auch ho- ; Vertiefung, die anfänglich sanft geneigt rinthen ( Passolina ) und Zibeben werden j »Chiana greca« heisst, dann jäh abfallend reichlich exportirt, r dzudenvorzüglieh- | sten Produkten gehören die Zeigen, die ( Der Gi p fel des Monte Guardia ist der ganz ausgezeichnet schmecken. Alis dem j Südrand eines Kraters (Fossa della Valle del Wein zieht man den süssen Malvasia. i Monte), wahrend der zwar ebenso steile, I aber viel niedrigere Nordrand dieses Kra- Wer das Innere der vulkanischen Insel besuchen will, reite zu Esel (ca. 6 St., 6 — 7 Fr. für Thier und Führer) zuerst zu den Acque di S. Calogero, dann zum Oampo Bianco und zum Capo Castayno. Zu den Bagni di S. Calogero (mit eben errichtetem Badehotel) kommt man anfangs fast eben hin, dann an der Steigung den Monte S. Ängelo mit dem Monte Guardia verbindet, einem Hohlweg (Via Mueminyer) | entlang, zu einer herrlichen Aussicht auf. den nahen Vulcano, dann bergab zum Bade, das über einer heissen Quelle (52°) erbaut ist, in tiefer Felsschlucht. Die Wand, aus welcher die Quelle {48° Wärme) hervorsprudelt, ist aus zahlreichen, völlig wagrechten und gleichlaufenden Schichten loser vulkanischer Asche gebildet, welche regelmässig mit Schichten von fester, steiniger Natur wechseln ; die losen sind s/ 3 —i m. dick, die festen 1 k m.; beide enthalten vegetabilische Reste (Blätter, Aeste u. a.; Monokotyledonen und Dikotyledonen). Die heissen Quellen, aus deren Wasser Schwefelwasserstoffgas entweicht, sowie einzelne Angaben von antiken Schriftstellern deuten darauf, dass aus einigen Kratern dieser Insel noch innerhalb der historischen Zeit Eruptionen, stattfanden ; Feuer sah man nur zur Nachtzeit, und zwischen den Ausbrüchen waren 16jährige Pausen. Oberhalb der Quelle liegen die Fumarolen »Le Stufe« di S. Calogero, deren schweflige Wasserdämpfe, wie in der Sol- fatara zu Pozzuoli, Tuffe und Laven sclinee- weiss bleichen und zersetzen. Nach den Stufe besuche man den Krater des Monte S. Angelo, der sich sanft aufsteigend als stumpfer Kegel 490 m. ü. M. in der Mitte der Insel erhebt. Er ist aus meist dunkelbraunem Tuff gebildet, der aus kleinem Lava-, Schlacken- und Bimsstcin- trümmeni besteht und in mantelförmigen Schichten den Berg umgibt. Der Krater ist elliptisch, hat 250 m. Durchmesser und einen sanft abgerundeten Rand, gegen SW. offen, gegen N. 65 m. über den Kraterboden ansteigend. Noch bemerkt man die Spuren von zwei Lavaströmen in schwarzen, aus dem Tuff hervorragenden Felsen. Nach O. ist der Kegel durch eine 00 m. hohe Landenge mit den Monti Rossi verbunden, ein Berg, der weit ins Meer vorragt und seine röthliche Farbe durch basaltische Laven erhielt; der an zwei Seiten durchbrochene Krater gab ilnn den zweigipfeligen Namen. Die West- und Nordseite des Monte S. An- ters Monte della Gallina heisst. Die Schieb ten des Monte Guardia bestehen aus abwechselnden Lagen von Bimsstein und Obsidian, an deren blasigen Theilen die Blasen in der Richtung des abwärts fliesseuden Stroms in die Länge gezogen sind. Diese Schichten bilden eine Masse von mehreren hundert Fuss Dicke. »Sie sind vom Gipfel successive in Strömen herabgeflossen, welche dio i wie gewöhnliche Lava an den Abhängen des Bergs unter einem Winkel von 20— 30° erstarrt sind; die unteren Schichten sind weniger glasartig als die oberen, die glasige Lava geht an manchen Punkten in einen festen steinigen Trachyt über, der dem Thonstein gleicht, an anderen in Perlstein.« — Ein zweiter Strom zieht über das Nord- geliänge des Monte della Gallina, ein dritter liegt in der Chiana greca, und »die Stirn« eines vierten bildet den Felsen des Kastells. Nordöstl. ist der Monte S. Angelo durch eine 320 m. ü. M. liegende Thalebene und den Höhenzug von S. Eremo mit dem Monte tre pecore verbunden. Der Gipfel dieses Bergs (490 m.) bildet die Westhälfte eines alten Kx*aters, aus dessen Mittelpunkt der Kegel des Campo Bianco aufsteigt, an dem vorbei ein Saumweg vom Monte S. Angelo zum Nordkap der Insel Capo Castagno führt. Der Campo Bianco ist eine enorme Masse von weissem Bimsstein; wegen seiner Schluchten gegen das Meer hin kann man die Küste nicht umwandern. Die grösseren Stücke Bimsstein werden hier in einer Menge künstlicher Höhlen gegraben, und dieser Berg ist es, welcher für ganz Europa den in den Handel kommenden Bimsstein liefert. Zwischen den Bimssteinen befinden sich einzelne Obsidianstücke, und die Grundlage des Campo Bianco bildet eine mächtige, rauhe und schwarze Obsidianlava, welche nördl. von Caneto in der Punia tSparanello auftritt und sich längs der Küste weit gegen N. ausdehnt. (Bimsstein kann aus dem Obsidian hervorgehen sowie auch aus der Umwandlung von trachytischen Laven und blasigen Trachytcn.) Der ausgegrabene Bimsstein wird von Männern, Weibern und Kindern auf schwindelndem Weg zu jener Baja della Pomice (»Bimssteinbucht«) hinuntergetragen. Der Campo Bianco hat selbst wieder einen Krater, den seine schnee- weissen steilen Halbkreiswände auszeicli- nen ; er ist nach NO. offen, fast l h ATiglio breit und 150 m. tief, auf dem Boden mit Wein bepflanzt, um einen Lavastrom herum, den man seiner rotlien Farbe wegen Fossa delle rocche rosse nennt. Dieser Strom floss 1 St. 783 21. Die Liparischen Inseln (Vulcano). 784 weit und zuletzt 700 m. breit ins Meer, wo er das Oapo Gastagno bildet. Südl. vom Campo Bianco lief der Lavastrom »Corrente della Perrera« aus der 220 m. ü. M. liegenden Piana della Perrera gegen das Dörfchen Caneto (s. oben) liin. Ein 2 Kil. breiter Kanal trennt die Insel Lipari von der Insel Yulcauo (Hiera, Vulcana, Thermissa, Thercisia), die südlichste der Liparisehenlnseln, mit einem noch thätigen Vulkan. Die Insel, die mit Volcanello zusammen ca. 50 QKil. Oberfläche hat, scheint doch nie bleibende Bewohner gehabt zu haben, wohl wegen ihrer ausserordentlichen Steilheit und der Heftigkeit der Eruptionen. Aristoteles (Meteor. II, 8) spricht von einer Anschwellung des Bodens und einem Aschenausbruch, der sich bis nach Italien verbreitete. — Strabon (VI, 2) nennt die Insel ganz felsig, öde und vulkanisch; sie habe drei Krater, aus deren grösstem die Flammen. Massen herauswerfen, welche schon einen grossen Theil der »Seestrasse ausgefüllt haben. — Poseidonios erzählt, man habe zu seiner Zeit (ca. 100 v. Chr., da er 135 geboren wurde) in der Sommersonnenwende beim Aufgang der Sonne zwischen Volcano und Euonymos (Saline) das Meer sich auf eine ausserordentliche Höhe erheben sehen, es sei eine Zeitlang unter beständiger Aufwallung so geblieben und dann wieder gesunken; diejenigen, welche näher heran zu schiffen wagten, hätten todte Fische auf den Wellen treiben sehen, jedoch theils wegen der Hitze, theils wegen des Übeln Geruchs sich davon gemacht. Nur ßin Schiffchen, das näher heran steuerte, sei, wiewohl mit einigem Verlust an Mannschaft, mit Mühe nach Lipara gelangt; die Leute desselben seien nachher manchmal von Sinnen gekommen, wie wenn sie die fallende Sucht hätten, dann aber hätten sie ihren Verstand wieder bekommen. Viele Tage nach diesem Ereignis habe man an der Oberfläche des Meers eine schlammige Materie wahrgenommen, und an vielen Stellen seien Flammen, Itauch und Qualm hervorgebrochen ; später habe sich die Masse verhärtet und sei so hart wie ein Mühlstein geworden. Der »Statthalter von Sicilien, Titus Flaminius, benachrichtigte den römischen Senat davon, worauf derselbe sowohl auf dieser wie auch auf den übrigen Liparischen Inseln den Göttern der Unterwelt und des Meers Opfer darbringen liess. — Polyhios sagt, von den drei Kratern sei einer zum Theil verschüttet, die zwei anderen aber noch vorhanden; der grösste habe am Rand einen Umfang von 5 Stadien fl Kil.), verengere sich aber bis zu einem Durchmesser von 50 Fuss; von ihm hinab bis zum Meer sei eine Tiefe von 1 Stadium, so dass man es bei Windstille sehen könne. Vielleicht sei auch das wahr, was von Empe- doJcles berichtet werde: ehe der Südwind gehe, liege eine dunkle Wolke rings um die Insel, so dass man nicht einmal Sicilien in der Ferne erblicken könne; beim Nordwind würden hello Flammen vom Krater in die Höhe getrieben, er gebe auch ein grösseres t Getöse von sich; beim Westwind befinde er | sich in einem mittlern Zustand; die übrigen Krater seien diesem ähnlich, stünden ihm aber an Heftigkeit in den Ausbrüchen nach. Aus der Verschiedenheit des Getöses und 1 den Stellen, aus welchen die Ausströmungen , die Flammen und der Rauch hervor- fr kommen, könne man drei Tage schon vorher- 1 sagen, was für ein Wind wehen werde; daher können die Leute auf Lipara die Zeit vorausbestimmen, wo man nicht schiffen kann. — Virgil, Äen. VIII, 416: »Und von Lipara seitwärts hebet ein Eiland sich, aufragend mit rauchenden Klippen, Haus des Vulkan sein Name, Vulkania heisset die Insel«. Vulcano hat gegenwärtig noch zwei thätige Krater, einen grossem, südl. von ! Porto di Ponente, und einen kleinern auf ! derselben Linie, durch eine flache Sand- I bank mit ihm verbunden, den Vulcanello ; nach Orosius (IV, 20) ist Vulcanello 183 v. Chr. plötzlich entstanden (»in Sicilien ist damals die Vulkaninsel, welche vorher nicht da war, plötzlich aus dem Meer ‘ hervorgegangen zum Wunder aller, und sie blieb bis heute«), 1 Schon zu Strabons Zeit hatten die Lipa- » roten Einkünfte durch ihren Alaun, dessen Material sie von hier bezogen. Man nimmt von Lipari zu Essen mit (da auf Vulcano nichts zu haben) und fährt in einem Boot mit zwei Ruderern (6 Fr.) von Lipari in 1 St. in den Porto di Levante, zur flachen Sandbank, welche Vulcano mit Vulcanello verbindet. Nahe beim Landungsplatz steht das Häuschen des Direktors einer englischen Gesellschaft, welche hier Borax und Salmiak ausbeutet. — Die Arbeiter wohnen in einem zwischen der Fabrik und dem V ulcano gelegenen bienenkorbartigen Berg in Höhlen, die sie theils neben, theils über einander ausgrnben, — Vom Landungsplatz steigt man in einem neuangelegten, nicht allzusteilen Zickzackweg zum grossen Krater. Er ist nur von dieser einen Seite zugänglich, wo eine thal- artige Einbuchtung freien Zutritt gestattet. Versucht man mit dem Hammer einen der Steine loszuschlagen, welche dieses Thal umgeben, so hört man ein starkes inneres Dröhnen (wie bei derSolfatara zu 785 21. Die Liparischen Inseln (Salina). 786 Pozzuoli, Bd. I, S. 360); auch steigt man in dem weisslichen Sand voll Schlacken und Bimsstein nur sehr mühsam hinan. Nach einer starken Stunde erreicht man ein kleines Plateau mit vielen trichterförmigen Löchern und grossen und kleinen Gruben, denen schwefliger Dampf entsteigt; ringsum sind die Steinwälle mit Schwefel bekleidet. Eine kleine halbe Stunde weiter bergan erreicht man den Kraterrand, und hier hat man einen überaus grossartigen Anblick. Die inneren Wände dieses ganz geschlossenen runden Kessels von ca. 900 m. Durchmesser mit oft mehr als 180 m. hohem Gerüst fallen fast senkrecht ab. Hinabgeworfene Steine prallen unter lautem Getöse in die Tiefe hinab, in die man, wenn ein Luftzug die Dämpfe vertreibt, hinabsehen kann. Auf dem Grunde stehen Fabrikgelasse. Ueberall sieht man sublimirten Schwefel, Gipsdrusen, und die glänzenden Schüppchen der seidenartig glänzenden Boraxnadeln bilden einen oft schneeähnlichen Ueberzug. Der mächtige äussere Halbkreis des Vulkans, aus mantelförmigen Schichten von alten Traehytlaven (reich an weissen Feld- spatkrystallen und schwarzgrünen Augitna- deln) und aus Tuffbänken und Schlacken gebildet, ist durch jenen Thaleinschnitt von dem innern Kegel mit dem neuen Krater getrennt; dio zwei durch flachen Sattel geschiedenen Gipfel des alten Kraters heissen: der südöstliche Golle chiano, der südwestliche Monte Saraceno; die Nordseito des alten Kraters liegt offen, so dass der balbfreie innere Kegel jäh direkt aus dem Meer sich empor- tlnirmt. Eisenrotlie, graue, dunkelbraune und schwarze Tuffscliichten häuften diesen oben breit und flach abgeschnittenen Kegel auf. An der Meerseite liegen zwei Kegel von Seitenausbrüchen, der untere mit einem Krater von 200 Schritten Durchmesser. Der Boden innerhalb des alten Kraters ist flach, und Wasserdämpfe mit Schwefelwasserstoff dringen zischend aus den mit Schwefel überwucherten Spalten; ein 16 m. hoher Wall von Obsidiantrümmern scheidet jene Solfa- tara von dem gegenwärtigen Krater. Mitten aus dem Kratergrunde, der 158 m. ü. M. Hegt, erhebt sich ein 25 m. hoher Hügel von Lavablöcken, der (wie dio Arbeiter versichern) Nachts oft rothe Glut durchscheinen lasse. Zwei Lavaströmo ziehen vom Krater gegen das Meer hinab, und noch jetzt dringen Gase mit Sckwefehvasserstoffgeruch von jener Meerstelle auf. Der Krater liegt nicht im Centrum des Kegels, sondern gegen S.; die mächtigen Gasausströmungen in seinem Innern veranlassen durch Zersetzung der Gesteine ringsum die Ablagerungen von Borsäure und Salmiak, für welche besondere Kammern im Krater angelegt worden sind. Ein Gang dichten, schaligen Traehyts (Klingstein) durchsetzt die eine Seite des Kraters. Die zwei Ausbrüche aus dieser Mündung fanden 1775 und 1780 statt. Bei dem letztem, welcher vom März bis Mai dauerte, soll sich der gegenwärtige Krater gebildet haben, da der Berg damals 14 Tage lang unaufhörlich Schlacken und Asche auswarf. In 20 Min. legt man, den Aschenberg hinabrutschend, den Weg zurück, zu dem man beim Hinansteigen 1^2 St. gebraucht. — Von eigentliümlieher landschaftlicher Wirkung ist, dass kein Strauch oder Schlinggewächs die vulkanischen Wände bekleidet, nirgends ein Fluss über die Schluchten niederströmt. Nicht einmal einen Vogel trifft man hier an, und nur das Widerhallen der Schritte mit hohlem Dröhnen unterbricht die Stille.—Der Vulcanello zeigt eine noch rauchende kraterförmige Depression am Gipfel; er bildet einen kleinen, breiten, nur 94 m. hohen Kegelberg aus rothbraunen, dunkeln, mantelförmigen Schichten mit drei Kratermündungen, von denen nur die westlichste erhalten blieb; sie hat 62 m. Durchmesser und 16 m. Tiefe. Die Insel Salina (im Alterthum Dt- dyme, zwiefache, oder Zwilling genannt, wegen der zwei ihren landschaftlichen Charakter bedingenden Bergspitzen). Die Fahrt per Boot zu dieser Insel uud ihr Besuch kann in dieselbe Tagestour mit Vulcano aufgenomnien werden (S. 783). Sie ist an Grösse (ca. 55 QKil.) und an Bevölkerung (4907 Einw.), die sich auf vier Ortschaften vertheilt, die zweitbedeutendste der Liparischen Inseln. Ihren jetzigen Namen erhielt sie von den Salz- werken, die in einer Lagune am südlichen Strand angelegt sind. An der reich angebauten, sanft geneigten Ostküste liegt in der Mitte bei einer permanenten Quelle die malerische Ortschaft 8. Marina. Ein fruchtbares Thal zieht zwischen den zwei jähen Zwillingskegeln schräg durch die Insel. Au seinem nordöstlichen Anfang liegt dev Hauptort Amalfa, an seinem südwestlichen Meeresende das Dorf Are- nella. An der Nordseite liegen an einer Ebene, die sich absenkend gegen das 787 21. Die Liparischen Inseln (Filicudi - Alicudi — Panaria). 788 Meer öffnet, die Häuser von Pedara. Zwischen diesem und Amalfa ist die Küste gegen 100 m. hoch abgebrochen. — Der Kegelberg, Monte Salvatore, der im S. 962 m. aufsteigt, hat einen dicht mit Farnkraut überwachsenen Krater, der deshalb Fossa dei filici heisst; er hat ca. 600 Schritte Durchmesser; sein Nordrand ragt als 25 m. hoher Lavafelsen auf, der Ostrand 16 m., der Westrand fehlt. Nordostwärts zieht sich weithin der Rücken des Monte Monachello, der an der Pnnta Apullara über 300 m. hoch jäh ins Meer abbricht. Der ganze Südtheil der Insel besteht aus braunen Tufflagern und zahlreichen Lavaschichten von röthlich grauer, thonsteinartiger Grundlage mit eingemengtem Feldspat und Augit. Nordwärts zieht ein Thal aus Tuffbänken (in der Mitte 156 m. ü. M ) mit aufgeschütteten Bimssteinen und schwarzen und rothen Trachytlaven durch die Insel und verbindet den Monte Salvatore mit seinem Zwillingsbruder, dem Monte Yergine (860 m.), dessen Krater Volle di spina heisst, ca. 300 Schritte Durchmesser und 15 m. Tiefe hat; der Kegel bestellt aus Konglomeraten grosser eckigen Schlacken. Das erste Drittheil der Berge ist mit Vignen besetzt, höher hinan wachsen nur Ginster und dorniges Gebüsch, durch welches man mühsam zum Gipfel dringt. Nach Amalfa zu sind die Abhänge mit scharfkantigen dichten Lavablöcken bedeckt. Das dichte Strauchwerk an allen Abhängen schützt die Vignen und Anpflanzungen gegen die plötzlichen Regenbäche und Erdstürze und gibt zugleich die Holzstützen für die Vignen. — Korn wächst nicht auf der Insel; sie bezieht dasselbe aus Kalabrien im Tausch gegen Zibeben und Rosinen. An der Cala della Pedara bildet ein Lavafelsen ein 12 m. hohes und 9 m. breites Felsenthor. — Berühmt sind der Wein (Ufalvasia), die Zibeben, Rosinen, Mandeln und Feigen der Insel, die mit denen von Lipari exportirt werden. Der Faraglione della Pedara ist ein 1 St. nordwestl. von Salina aus dem Meer aufsteigender schwarzer Lavafelsen. Die Insel Filicudi ( Phönicusa im Al- tertlmm genannt, wegen der Palmen, die einst hier wuchsen) liegt 17 Kil. westl. von Salina, hat ein Areal von 26 QKil. und ist von primitiven Ackerbauerntheilweise bewohnt; die Häuser sind kleine Hütten aus Lavablöcken, denen die Thür auch als Fenster dient; sie liegen in halber Hohe des Bergs. Der Landungsplatz »Scaricello « enthält nur wenige Barken; er liegt an der Nordseite, durch das Kap Graziano geschützt. Einige Oelbäume, etwas Gerste, Weizen und zahlreiche Opuntien liefern die Nahrung, Cisternen das Trinkwasser. Der Kegel der Insel steigt 775 m. auf und hat zwei Krater, einen oben, den zweiten niedriger und grösser an der Südseite. Das Kap Graziano an der Südostseite ist ein kleinerer, durch eine Landenge mit der Insel verbundener Kegel, dessen Krater zwar zerfallen ist, der aber aus einer Spalte seiner Lavafelsen noch Wasserdämpfe mit Schwefelwasserstoff entsendet. Ander Westküste liegt zwischen den Vorbergen Stam- paniata und Perciata eine Grotte von 48 m. Länge, 36 m. Breite und 15 m. Höhe, die schon Philostratos als Drachenliölile beschreibt (II, 17). Dielnsel Alicudi (Ericussa), 15 Kil. von Filicudi, die westlichste der Li- paren, hat ihren Landungsplatz »Sbar- catojo« an der Südseite und auf ca 18 QKil. etwas über 400 Einw. Die Kirche liegt hoch am Berg (der 848 m. ü. M. aufragt). Nur an der mildern Süd- und Ostseite konnte etwas kulturfähiges Land abgewonnen werden, während die Nord- und Westseite sehr steil, felsig und unbewohnt sind. Das Vorgebirge La Punta dell’ Alice (»Sardellenspitze«) liegt noch 388 m. ü. M. Die Trachytlava herrscht vor, der Tuff zeigt sich an wenigen Stellen, Kegelform und Krater sind nicht sehr deutlich. Die Insel Pail*iri*l (Euonymos), ca. 16 QKil., liegt 12 Kil. nordostl. von Lipari, auf halbem Weg nach Stromboli, und ist von einer Trachyt ■ Inselgruppe umgeben, mit welcher sie früher wohl nur eine einzige Vulkaninsel bildete. Der Hajen liegt im SO. Die Insel war lange Zeit Gemeindegut Lipari’s, das hier Holz und Gras bezog. Dann liess Bischof Ci- polla 1740 über 3000 Olivenbäume pflanzen, und so bildete sieh eine Kolonie von ca. 300 Bewohnern an der östl. gelegenen » Vallata«.. Vom Hafen aus geht die Steigung sacht bis über 300 m. hinan; sie erreicht ihre höchste Erhebung mit 421 m., dann bricht der Fels nördl. und nordwestl. schroff, oft senkrecht ab. Der halbkreisförmige Berg umschliesst aber eine kleine, wohlbebaute Ebene, in der die Wohnungen zwischen Weingärten, Baumwoll- pflanzungen und Gemüsegärten liegen. Die Insel besteht, wie die sie umlagernden, aus einem harten und sehr krystal- 789 21. Die Liparischen Inseln (Basiluzzo — Stromboli). 790 linisclien rothgrauen Tracliyt, der an vielen Stellen säulenförmig ist und aus glasigem Feldspat. Glimmer und vielem Quarz besteht; er nimmt oft eine blätterige und selbst schieferige Struktur an. Panaria ist die einzige dieser Inseln, die am Strande Tuffbänke hat. Als die übrigen Reste der Vulkaninsel, die vielleicht zum Thcil infolge von »Paroxysmus - Eruptionen« aufgestiegen, zum Theil von den Wellen weggerissen sind: nördl. der (unbewohnte) Scoglio del Castoro (»Kastorfelsen«), nordöstl. der Spinazzolo (»Stachelfels«), ein Felsen mit unzähligen Zacken; dicht daneben die Felseninsel Basiluzzo (IleraTclestes), 2 Mi- glien im Umfang, 95m. hoch, wie Panaria auf der Seeseite senkrecht abgebrochen, nur von wenigen Menschen, aber zahlreichen Kaninchen bewohnt; sie besteht ganz aus röthlicli- und weisslichgrauem Tracliyt (mit weissen Feldspatkrystallen, sechsseitigen Glimmertafeln und Quarz). Südö'stl. von Panaria und südl. von Basiluzzo liegen hinter einander die Klippen i Panarelli, Dattolo, eine nackt abgebrochene, 46 m. hohe Zackenpyramide, mit einer heissen Quelle, die am Fuss, mitten im Meer, kochend und brausend emporwallt; die einsamen kleinen schwarzen Felsenklippen Le Fonniche (beim Vorbeisegeln wie »Ameisen« durch einander laufend). — Oestliclier, in einer Parallelreihe von NO. nach SW., die niedrigen, auch unbewohnten Felseninseln Lisca, bianca und liottavo 7 beide von schwefligen Wasserdämpfen gebleicht, und Lisca nerct, durch ihre alten Laven geschwärzt. Die Insel Stromboli (griech. Stton- gyle, die runde, und in der Inselsprache nee\i Strongoli genannt) liegt 35 Kil. nordöstl. von Lipari und ist die nördlichste Insel der Gruppe, ein berühmter » hleiner l'esuv« im Meer, daher von den Inselbewohnern wohl auch »il Vesuvio« titulirt. Bis jetzt ist noch kein Gasthaus hier. Man hat also Nahrung mitzimehmen. Für ein Boot mit vier Ruderern von Lipari nach Strongoli und zurück bezahlt man 36—40 Fr.; man erreicht die Insel gewöhnlich in etwa 0 St., je nach dem Wind. Eine Nachtherberge (etwa in einem Weinmagazin) kann man sich durch Empfehlung von der Locanda Caravello von Lipari aus verschaffen. Man landet an der Nordseite der Insel, die allein und zwar nur für kleine Schiffe zugänglich ist. Hier zieht sich nämlich ein Lager von schwarzem vulkanischen Sand zwischen zwei Lavaströmen in sanftem Abfall am Fuss des steilen Kraterbergs gegen das Meer hinab. In sebrzälier ■ Ausdauer hat sich an dieser Abdachung ; eine muthige Bevölkerung gegen den i Vulkan und gegen die Seeräuber behauptet. Zu Strabons Zeit war der Vulkan auch thätig, aber er sagt (VI, 2) von ihm : »Die Flammen sind minder heftig, jedoch um so glänzender«. Auch verlegt er den . Wohnsitz des Aiolos hierher. — Am Ufer sieht man weisse Fischerhäuschen, von Lava erbaut, mit flachen Mattendecken und Schilflauben. Hoher hinan die Ort- ; schaft Contrada di S. Vincenzo } von Reben und Maulbeeren umgeben, mit Kirche. An der südlichen Bucht sind Häuser zu- sammengruppirt als Ortschaft Inosta. Die ganze Insel zählt auf ca. 34 QKil. Oberfläche ungefähr 400 Einw., noch jetzt ein kräftiger, starkknochiger Schlag, halbafrikanische Sicilianer mit lohfarbener Haut. Die Häuschen stehen, selbst wo sie sich um die Kirche scharen, jedes für sich frei da; fast allehaben nur eine Thür, die auch als Fenster dient, sindeinstöckig, mit nur einem Zimmer, und haben Flachdächer; nur die Honoratioren haben ein zweites Geschoss mit Fenster; aber alle haben Lauben (Pergole) mit Lavaboden und Schilfumsclilingung (Bäume bat die Insel nicht, nur stachlige Sträucher mit Tossiche [Pomo d’oro]). Der Anblick der hellen weissen Häuschen an dem schwarzaschigen Küstensaum ist ein ganz origineller, wozu das Volk dieser romantischen Wüste eine vortreffliche Staffage gibt. Die Besteigung des Kraters ist eine lange Reise; 1 St. steigt man durch j Weinberge empor, die den dritten Theil ; derNordostinsel bekleiden; vor der durch | Sonnengliit allzu warmen Asche schützt ! man die Reben durch 1 /2 m. hohes hölzernes Gitterwerk, auf dem sie sich ausbreiten; die Weinberge werden durch 1 jene stachligen Tossiclie umzäunt. Dann | folgt ein Streifen Zwergweiden und Bin- I sen gegen das Geröll. Nun hört jede 791 21. Die Liparischen Inseln (Stromboli). 792 Vegetation auf und man steigt steil den mit vulkanischem Schutt bedeckten Berg hinan, kommt dann nach dreistündiger mühsamer Aschentour auf den ausgeschweiften Grat, der die zwei Gipfel des Vulkans verbindet; meerwärts senkt sich die Lavawand jäh hinab. Wind, Schwefelqualm und ausgeworfene Steine empfangen den Wanderer oft schon liier. Nach V 4 St. sieht man vom Gebirgskamm den Krater gerade unter sich. Der steil aus den Fluten aufgeschüttete Kegelberg endigt mit einem alten grossen Krater, in welchem ein jüngerer Kegel mit kleinerem Krater noch 90 m. höher, 921 m. ii. M., aufsteigt. Der Krater am Gipfel ist nach N. eingebrochen, und auf dieser Seite senkt sich eine schwach geneigte Ebene unter einem Winkel von ca. 50° vom Boden des Kraters gegen das Meer hinab. Man sieht daher, sowie man ; den Gipfelrand des Kraters erreicht, direkt! in die ca. 90 m. unter ihm gelegene Mündung des Vulkans hinein. Höchst merkwürdig ist nun, dass man die Lavasäule innerhalb sieht, wie sie durch beständige Explosionen in Zwischenräumen von 5 — 15 Minuten Stücke schlackenförmiger Lava auswirft und stets in der gleichen Höhe mit dem Mündungsrand im Grund des Kraters bleibt. Legt man sich am Rand der Spaltung des Kraters so nieder, dass man den Kopf über den senkrechten Absturz noch vorstreckt, so erblicktmandie Lava wie einen leuchtenden Metallspiegel zwischen den schwarzen Lavafelsen des Grundes; dann erfolgt plötzlich aus der einen Oeffnung eine Explosion mit brüllendem Getöse (wie beim Thüröffnen eines Schmelzofens) und ein Gasstrahl strömt aus, der in der Luft sich zur kugeligen weissen Wolke verdichtet; aus der Oeffnung daneben steigt die rothglühende Lava als geschmolzene Masse in jenen regelmässigen Intervallen auf und ab, öffnet sich jedesmal, wenn sie den Rand der Mündung erreicht, in der Mitte und : stösst mit dem Dampf eine grosse Menge j glühender Lavastücke und Schlacken aus, ; welche mehrere hundert Fuss hoch über den Kraterrand aufsteigt und Nachts in rothem Widerschein leuchtet. Manche Stücke der Aschensäule fallen in den Krater zurück, oder auf den steilen Abhang der Nordseite, wo sie ins Meer niederrollen. — Zuweilen trifft man 3, 5—7 Oeffnungen. Friedrich Hoffmann fand drei Oeffnungen, »aus der im Mittelpunkt liegenden Hauptmündung von 60 in. Durchmesser stiegen nur sanft und gleichförmig weisso Wolken schwefligen Dampfes auf, die Wände dieses Schlots waren mit hochgelbem Schwefelanflug überzogen. Siidwestl. von dieser Oeffnung lag in gleicher Höhe ein Schacht von 6 m. Durchmesser, in welchem die siedende Lava vom Wechseldruck der empordringenden Wasserdämpfe und der eigenen Schwere wie die Kolben einer Dampfmaschine auf und nieder getrieben wurde, ohne je den Rand der Mündung zu erreichen; in ziemlich regelmässigen, sekundenlangen Pausen ertönte das ruckweise Puffen, jedem Stoss folgte das Kmpor- steigen einer weissen Dampfkugel, und mit ihr tanzten kleine rothglühende Lavaklumpen, durch die Blase des durchziehenden Wasserdampfs aufgesprengt, in die Höhe. So dauerte dies ruhige Sieden oft über l U St. gleichförmig fort. Dann aber sah man plötzlich den Dampfballon stehen bleiben und in die Kratermündung Zurückschlagen, der Boden zitterte, es erscholl ein dumpf polterndes Getöse, und mit helltönendem Geprassel stieg mit einer grossem Dampfwolke eine Garbo zahlloser glühender Lavaklumpen bis 400 m. hoch empor, in einem Bogen nach allen Seiten wieder herabstürzend. Unmittelbar nachher begann das alte Spiel. Gegen 30 m. tiefer, schon am Hand des Kraters, lag die dritte Mündung; aus dieser quoll sanft und gleichförmig ein Lavabach hervor und zog langsam den steilen Abhang der Schlackenhalde hinab; die Sclilacken- trümmer der abgeworfenen Rinde dieser (im Winter oft) fort und fort sich ergiesscu- den Lava polterten den steilen Abhang hinunter und erreichten mit immer grösseren Sprüngen häufig klingend und zischend das Meer. Diese neue Lava ist sehr blasig, schwarz, vollw eisser Feldspatflecken, reich an Augit, mit einzelnen Olivinkörnern«. Die Ausfüllung des südöstlichen Tlieils des alten Kraters durch den jetzigen Kegel ist so vollständig, dass der Abhang, den beide zusammen bilden, ein ununterbrochener ist; der ganze ältere Theil besteht aus mantelartig mit einer Neigung von 20 — 30° übereinander liegenden Schichten einer dunkelrothenTrachytlava (aus dichtem Flussspat, schwarzgrünen Augitnadeln mit Titaneisen), wechselnd mit zahlreichen Schichten von Lavaschlacken und einem hellbraunen Tuff voll Lavatrümmer Lind untergeordneten Bimssteinschichten. Hat man nun den 793 21. Die Liparischen Inseln (Stromboli). 794 untern Saum des öden Bergrückens wieder erreicht, so durchschreitet man jenes sandige Gebiet, das im SO. der Insel sich hinzieht; man trifft oben feinem, schwarzen und glänzenden vulkanischen Sand, nach unten fortschreitend grobem, wo er dann den Ackerboden bildet (man kommt halbwegs an einer Quelle mit gutem Wasser vorbei); endlich führt der Weg wieder nach S. Vincenzo zurück. — In stiller Sommernacht versäume man ja nicht, sich nördl. um die Insel herumrudern zu lassen, zur Westseite hin; jenseit der letzten Ecke sieht man die Feuer - säide des Vulkans in Absätzen prächtig emporsteigen und sich oben als Garbe ausbreiten, aus welcher die glühenden Steine massenweise niederstürzen; oft steigert sich der Lichtglanz im letzten Moment des Ausbruchs so bedeutend, dass auch die nächsten Felsen die herrliche, rothglühende Farbe erhalten, dann plötzlich wieder in die Finsternis versinken. Will man eine Tour durch die Insel machen, so hat man keine Wahl, als den Fusspfad einzuschlagen, der S. Vincenzo mit Inosta verbindet; er führt den Berg hinan über Asche und Schlacken bis innerhalb des alten Kraters und in steilem Zickzack zwischen Lavafelsen wieder hinab. Die Einwohner halten (wie schon Plinius mittheilt) den Dampf des Vulkans für einen trefflichen Wetterpropheten, denn er zeigt den Wind an, ehe man ihn in der Tiefe spürt, und die verstärkte Thä- tigkeit des Vulkans deutet auf eine Verminderung des atmosphärischen Drucks. Die Seeleute haben den stets seine Lichtsäule weit hinaus als feurigen Schein verbreitenden Vulkan schon in antiker Zeit »den Leuchttliurm des Tyrrhenischen Meers« genannt. Nördl., ganz nahe bei Stromboli, liegt die hohe Lavaklippe StrongoliccJiio, bei heftigen Stürmen, denen Stromboli sehr ausgesetzt ist, hoch hin überflutet. A. Abisso, Fluss 772. Ackerbau 30 ff. Aci S. Antonio 645. Acicastello 562. Aci Catena 645. Acirealo 550. Acqua Dolce 474. Acque grandi 561. Acvemonte 767. Acrocoro della Torre 769. Aderno 665. Acgadische Inseln 307. Aeolische Inseln 776. Aetna 605. Ausbrüche, Geschichte der 619. Aussicht 640. Barriera 640. 654. Bau des Bergs 616. Besteigung des Kratergipfels 645. Casa del Bosco 647. — Inglese 648. Cava Secca 654. Cerrita - Waldung 662. Cicirello, Seitenkegel 641. Cisternazza 652. Fasano 640. Fossa della Colomba 644. Gesteine des Vulkans 617. S. Giovanni a Lemma 640. Gipfelkrater 613. Gravina 641. Grotta della Palombe 644. Krater 648. Mascalucia C41. Mompilieri, der 643. Montagnola, die 647. Monte l’Ardicazzo 647. — Calanna 655. — Castellazzo 647. — Concilio 647. — Fai 646. — Frumento 647. 662. — Fusaro 643. — Lepre 660. — Nicola 643. — Nocilla 643. — Renazzi 647. — Sciuricosimo 655. — Zoccolaro 655. Monti Rossi 643. Nebenkegel 614. Nicolosi 641. Obelisken 640. Register. Aetna (Fortsetzung). Pagliari, die 656. Piano della Fasara 644. — del Lago 648. — del Trifoglietto 658. Plaeki 641. Regioneil des Bergs 609. Rocca Capra 661. — del Corvo 656. — di Musarra 652. 660. — Palombe 660. — della Valle del Bove 656. Rondell 639. Sehiena deU 1 Asino 642. ►Sciarra di Collabasso 669. Serra Castello della Intermedia 659. — della Concazze 656.661. — grande del Corvo 656. — Cuvvighuni 659. — di Giannicola 660. — Pizzuta 643. — del Solfizio 656. — Vavalaci 660. Thermometer-Beobachtungen 653. Torre del Filosofo 652. Torrelifo 641. Valle del Bove 652. 655. — di Calanna 655. — di 8. Giacomo 651. — del Leone 660. Villa Fulci 641. — S. Giuliano 640. — Marletta 640. Zaffarana 654. S. Agata Battiati 654. — di Militello 474. Ayathokles 74. 716. Agathyrnon 474. Agira 450. Agnone 676. Agrigentum 378. 388. Agyrion 450. Aiclone 454. Ainemolo, Vinccm.o 58. Akesines 558. Akis 561. Akragas 378. 388. — Fluss 389. Akrai 435. 767. Alaisa 471. Alba, Fluss 362. Albanesen, Kolonien der 365. 367. 368. Alcamo 284. Alcamo — Segesta 285. Alcantara, Fluss 669. Ali 543. Alia 375. 459. Alicudi, Insel 788. A1V Arehi 482. Alontion 474. Altavilla 369. Ameselon 448. Amestratos 472. Anapos 759. 760. 762. Annunziata bei Trapani 298. Antinamare 542. Anlonello da Mesrtna 57. Aphroditetempcl auf dem Eryx 307. Apollonia 474. Aquae Segestanae 295. /Iraker 81. Aragona 376. 422. 425. Arbeitslcalender den Lavdvianns 32. Arena, Fluss 324. Asinello, Fels 3U5. Assaro 449. Assinaros, Fluss 772. Assoros 449. i Atellax-o, Fluss 772. 773. ; Augusta 677. Avola 771. B. Badia di S. Spirito 442. Bagheria 279. Bagnara 458. Bai'da 266. \ Barcellona 480. Barrafranca 412. Barriera 640. 654. Basiluzzo, Insel 789. Belice, Fluss 358. 366. Belpasso Vecchio 662. Bernstein 24. S. Biagio, Fiume di 389. Biancavilla 664. Bicocca 452. 673. Bifara 424. Bildhauerei 58. Birgi, Fluss 311. Bisacquino 367. Biscari 435. Biviere di Lentini 673. Borghetto 283. il Borrone, Insel 311. Bosco di Coronia 472. — di Maletto 667. Kegister. 796 Brancaccio 276. Brolo 475. Bronte 667. Bmcoli 677. Brunnen der Sibylle bei Marsala 316. Buccheri 438. Busaidone, Back 775. Busamara, Bergrücken 366. Buscemi 435. 438. Buiera 428. C. Caccamo 374. Calascibetta 448. Calatabiano 558. Calatafimi 286. Calava 475. Caldare 377. Caltabellota 362. Caltagirone 437. Caltanisetta 441. Caltanisetta—Terranova442. Caltavuturo 460. Camarana, Fluss 433. Cammarata 375. Campi Geloi 429. — Leontini 672. Campobello 324. 424. Campofelice 466. Campofiorito 367. Campo inglese 541. Canale della Bruca 676. Cancto 780. Canicatti 424. Cannita 279. Cannitello, Fluss 359. Oantara, Fluss 558. Capaci 284. Capo S. Alessio 543. — Bianco 363. — dl Milazzo 481. — Orlando 475. — Passaro 773. — di Schiso 557. — Soprano 430. Carini 283. Carlentini 676. Caronia 473. Casa del Bosco 647. Casa Ferrami 427. Casa Inglese 648. Oassaro 435. 766. Cassilibi 770. Castagno 780. — di Cento Cavalli 559. Castel Calatubo 284. — di Tusa 473. Castcldaccia 369. Castellamare 286. Castello d’Ispica 776. Castelluccio 773. Casfcelluzzo 436. Casteitermini 375. Castelvetrano 327. Castelvetrano — Sciacca — Girgenti 357. Castelvetrano — Mazzara — Marsala — Trapani 326. Castiglione 671. Castrofilippo 425. Castrogiovanni 443. Castrogiovanni—Caltagirone — Catania (Syrakus) 452. Castronuovo 375. Castroreale 480. S. Cataldo 441. Catania 561. Accademia Gioenia 600. Amphitheater, antikes 602. Aquädukt, antiker 605. Arco di Marcello 592. Arena Pacini 601. Ausflüge 606. Bäder, antike 589. 590. 602. Bibliothek im Museum Be- nedettini 599. — der Universität 600. Botanischer Garten 605. Brunnen, antiker 591. Castello Ursino 591. Columbarium, antikes 603. Domplatz 589. Faro 606. Findelhaus 599. Fischmarkt 590. Fontana dell 1 Ancmanno 590. — dell’ Elefante 589. Geschichte der Stadt 567. Gräber, antike 603. Hafen 578. Kirchen: S. Agata 589. S. Agata la vetere 603. S. Agostino 593. S. Benedetto 599. Benedettini 596. S. Carcarella 602. S. Carcere 602. S. Chiara 592. S. Concezione 596. Dom 587. S. Domenico 603. S. Euplio 603. S. Francesco 599. S. Giuliano 599. Jesuitenkirche 599. Madonna dell’ Ajuto 592. S. Maria dell 1 Indirizzo 590. — della Rotonda 596. S. Maria di Gesü. 603. della Mecca 603. S. Sebastiano 591. SS. Trinita 593. Klima 579. Largo S. Pantaleone 593. Lesekabinet Fanoi 566. 601. La Loggia 600. Musoo Biscari 606. Museum Benedettini 598. Obelisk 589. Odeum 593. Oekonomisches 561—567. Palazzo Comunalo 600. — Sgroi 592. — Tremestieri 601. Catania (Fortsetzung). Piazza S. Filippo 592. — Stesicorea 601. — degli Studii 600. Porta Garibaldi 592. Pozzo dell 1 Anemanno 591. — Molino 593. Präfektur 601. Reclusorio delle Verginelle 593. Schlachthaus 591. Spaziergänge 606. Stadtmauer, antike 590. Strada Lincoln 6ol. Teatro Alfieri 566. 593. Theater, griechisches 594. Universität 600. Via Etnea 599. — Garibaldi 592. — Stesicorea 599. Villa Bellini «04. Villetta Pacini 590. Zoologischer Garten 605. Catania — Caltagirone — Castrogiovanni 458. Catania—Caltanisetta — Girgenti 452. Catania — Leonforte — Palermo 460. Catania — Messina 562. Catania — Piedimonte (um den Aetna) 661. Catania — Syrakus 671. Catenanuova 451. S. Caterina 375. 442. 460. Cattolica 363. Cava di Foschega 458. Cefalu 468. Centuripe 451. Cephaloedium 470. Cercara 375. Cerda 374. Chiaramonte 436. La Chiesazza 369. Chiusa 367. Chydas, Fluss 473. Colle Orvino 284. — llotondo 364. Collesauo 467. Colombaria, Insel 301. Colonuetta 298. üomiso 433. Comitini 376. Conca d’oro 254. Condro, Fluss 482. Contessa 367. Contrada del Santicello 769. Corleone 366. Costa di S. Lucia 440. Crescenzio , Antonio 57. S. Croce 439. Cuba, die 252. Cubola, die 253. D. Ddidri 422. 769. 770. Dion 73. 710. Dionysios I. 71. 704. Dionysios II. 73. 710. 797 Register. Dirillo 432. Dittaino, Fluss 673. Divieto, 483. Drago, Fluss 389. Duketios 70. E. Egesta (Segesta) 289. Geschichte 21).j. Tempel 293. Theater 289. Eknomos 427. Elymer, die 63. 295. Engyon 461. Enna 445. Entella 368. Erbessos 423. 435. Ergetion 454. Eryke 438. Erykes, Fluss 456. Eryx 308. F. Facelvnus 482. Faino, Fluss 428. Falconara, Fluss 772. —, Piano di 311. Falcone 480. Faraglione della Pedara 787. Fariglioni, die 561. Faro am Capo Peloro 538. Fasano 640. Favara 425. Favarotta 456. Favignana, Insel 307. Ferdinandea, Insel 310. Ferla 766. Femmine, Isola delle 284. Ficarazelü 279. Ficarazzi 279. Ficuzza 366. Filicudi, Insel 787. Finale 471. Fiumara d’Arö 513. — di Brolo 475. — Nociti 482. — di Naso 475. — Rosamarina 474, Fiume Condro 482. — Finale 471. — Freddo 285. — Furiano 473. — di S. Giorgio 459. — Grande 460. 463. 466. — di Lascari 467. — di Marsala 322. — di Monforte 482. — di Nisi 543. — di Pettineo 472. ~ Torto 463. — di Troina 673. S. Flavia 281. Flori 654. Floridia 766. Floridia—Palazzolo 435. 770. le Formiche, Inseln 304. 789. Forte di Schisö 557. Forzia d’Agro 544. Francavilla 670. Frascolavo, Fluss 439. S. Fratello 473. Friedrich II., Kaiser 96. Furiano, Fluss 473. G. Gaggera 285. Gaggi 670. Gagini, Antonio 58. Galati 542. Galemici, Fluss 295. Gangi 461. Garbolangi 284. Garofalo, Strudel 506. Gavarello, Fluss 359. Gela 430. — Fluss 429. 432. Gelon 68. 683. Gerbini 452. Gesso 483. Giampilieri 542. Giardinello 283. Giardini 544. Giaretta, Fluss 673. Giarratana 435. Giarre 558. Gibelmanna, Berg 467. Giojosa 475. S. Giovanni 559. — Kirche bei Marsala 316. — a Lemma 640. — la Punta 654. Girbi 442. Girgenti 377. Abbatella delle Orfane 420. Agora 414. Aquädukt 388. Asklepiostempel 417. Athenetempel 419. Casa di Beneficenza 398. Charakteristik der antiken Stadt 390. — der modernen Stadt 387. Concordia-Tempel 391. 402. Ddieri 422. Dioskurentempel 392. 412. Domarchiv 419. Fontana Buonamorrone 421. Geschichtliches 377. Giardino Inglese 398. — Panittieri 400. Gräber, griechische 422. Hafen 364. 388. Heilige Strasse 421. Heraklestempel 391. 400. Ilere-Lacinia-Tempel 391. 405. Istituto agrario provinciale 399. Kanäle des Phäax 413. Kirchen: S. Biagio 420. Dom S. Gerlando 417. S. Giovanni 420. S. Maria de 1 Greci 419. il Labirinto 421. Monastero grande 420. Girgenti (Fortsetzung). S. Nicola, Kloster 399. Oekonomisches 377. Oratorium des Plialaris 399. [ Palazzo Buonadonna 420. — Filipazzi 420. — Gueli 420. — Municipale 388. Passeggiata 399. Persephone-Tempel 421. i Piscina 413. i Porta aurea 414. \ Präfektur 388. Rupe Atenea 420. Schwefehninen 422. Steinbrüche 421. Stoa 413. Theater 388. Tomba di Torone 415. Villa 420. Villa Aurea 400. — Genuardi 399. — Carlo Vella 409. Vulkantempel 414. Zeiteintheilung 398. Zeustempcl 391. 410. Girgenti — Caltanisetta— Catania 439. Girgenti — Canicatti—Licata 423. Girgenti — Favara— Licata 425. Girgenti — Licata — Torra- nova — Syrakus 423. Girgenti—Palma—Licata 426. Girgenti — Sciacca — Castel- vetrano 366. Girgenti—Termini—Palermo 378. Giuliana 367. S. Giuliano 306. Granmicbele 438. Gratteri 466. Gravina 641. Grotta deir Inferno 448. — Oleosa 434. — S. Teodoro 473. Grotte 423. — di S. Filippo 475. la Guglia 680. la Gulfa 459. Gurnalonga, Fluss 456. 673. H. Hadranon 665. Halaisos, Fluss 472. Halesa 471. Ilalikyai 326. Halikyas, Fluss 324. Halykos, Fluss 363. Heinrich VI. 94. Helikon 480. Heloros, Stadt u. Fluss 772. Ileräische Berge 460. Heraklea Minoa 363. Herbessos 770. Ilieron I. 69. 686. Hieron II. 75. 720. Himcra 464. Himeras, Fluss 428. Hipparis 433. Ilirminium, Fluss 434. Hybla 663. Ilykkara 284. Hypsas, Fluss 389. r. Iberer 60. Ichana 773. Iinachava 448. 455. Imera 442. Inessa 664. Isola delle Corronti 773. i — longa 311. — di Passaro 773. J. Johann von Procida 106. K. Kakkabe 374. Kakyparis 770. Kalakte 473. Kamarina 432. Kamikos, Fluss u. Stadt 362. Karl von Anjou 105. Karthager 68. Kasmenai 440. Kentoripa 451. Kephaloidion 470. Kotonisirung, griechische 65. Korallentischerei 300. Krimisos 285. Knnslgeschichtliches 38. Kyane 765. Ju Lago Gurrita 668. — Naftia 456. — dei Palici 456. — Pergusa 453. Landrb 459. Landwirtschaftliche* 30 ff. Lentini 674. Leonforte 448. Leonforte— Gangi—Termini 462. Leontinoi 674. Letojanni 544. Levanzo, Insel 307. Licata 426. Licata —Canicatti— Girgenti 425. Licata — Favara — Girgenti 426. Licata—Palma— Girgenti 426. Licata — Terranova 428. Licodia 438. 664. Lilybaeon 316. Linguaglossa 671. ►8. Lionardo, Fluss 370. Lipari 77«. Bagni Caldi 781. Baja della Pomice 782. Unter-Italien. II. Register. Lipari (Fortsetzung). Campo Bianco 782. Caneto 780. Capo Castagno 782. Castagno 780. S. Fremo 782. Monte S. Angelo 781. — S. Calogero 780. — della Gallina 782. — Guardia 782. ' — tre pecore 782. Monti Rossi 781. Punta Sparanello 782. Stufe di S. Calogero 781. Liparische Inseln 775. Lombardische Kolonien 455. Longanus, Fluss 480. S. Lorenzo 284. M. Maccaluba, Schlammvulkan 422. La Macchia 559. Madoniscbe Berge 466. Madonna deli 1 Annunziata, Kirche bei Trapani 298. Magnisi, Isola di 680. Malcasoli 362. Malerei 57. Maletto 668. Malvagna 670. Manfred 105. Manfria, Fluss 428. Mangano 559. Maniace 668. Manna-Esche 467. Marabella, Pizzo di 284. S. Marco 474. S. Margherita 368. S. Maria Focallo 440. -della Scala 484. Marina di Caronia 473. — di Savoca 543. Marineo 366. Maritimo, Insel 307. Marobia, die 323. Marsala 312. La Marza, Bucht 773. Mascali 558. Mascalucia 641. Masseria di Buonforncllo 463. Mazzara 322. Mazzarelli, Torre 439. Mazzarino 442. Meersalz 678. Megara Hyblaia 678. Melas, Fluss 482. Mellili 678. Menai 456. Menfrici 358. Messina 4S3. Bacino di Carenaggio 537. Basilianerkloster 538. Bibliothek 518. Botanischer Garten 512. Campo higlese 541. — Santo 534. Castellaccio 535. 798 Messina (Fortsetzung). Citadelle 537. Corso Cavour 516. — Vittorio Emauuele 507. Dogana 509. Faro grande 537. — piccolo 538. Fontana del Duomo 519. Foi*te Gonzaga 534. — del SS. Salvatore 537. Friedhof, Protestant. 537. Garofalo, Strudel 506. Gemäldesammlung 518. Geschichte der Stadt 489. Hafen 505. Juan d 1 Austria, Statue 529. Kirchen: S. Agostino 516. S. Andrea Avellino 533. S. Angelo de’ Rossi 510. Anime del Purgatorio 528. S. Anna 514. 518. SS. Annunziata 529. -degli Agostiniani 511. -de 1 Catalani 527. S. Barbara 512. S. Biagio 530. Cappuccini 536. S. Caterina dei bottegai 530. — di Valverdi 509. la Cattolica 527. S. Cecilia 512. S. CoSma e Damiano 513. Crociferi 528. S. Dionigi 530. Dom 520. S. Filippo Neri 510. S. Francesco 517. — d’Assisi 531. Gesu e Maria del Selciato 511. Gesu e Maria delle Trombc 512. S. Gioacchino 529. S. Giovanni 533. • -decollato 532. S. Gregorio 515. S. Lucia 512. S. Maddalena 510. Madonna del Graffco 527. — d 1 Indirizzo 510. — dellaLampedusa 510. S. Maria di Basico 515. — — di Montalto 516. -della Scala 531. S. Michele 531. Monte Vergine 530. S. Niccolb 517. -dei Greci 533. Nostra Donna del Car- niine 519. Nostra Donna della Pro- videnza 512. S. Pace 530. S. Paolo 532. S. Placido, Kloster 542» S. Rocco 515. 26 799 Messina (Fortsetzung). Kirchen: Spirito Santo 511. S. Stefano 532. S. Teresa 512. Waldenserkirche 530. Klima 506. Kunst 497. Lage und Charakter der Stadt 498. Lazareth 537. Leuchtthurm 537. Markthalle 509. Marmorbrunnen 527. Monte di Pieta 530. Münzsammlung 518. Naturhistor. Sammlung 518. Neptunbrunnen 509. Oekonomisches 483. Ospedale civico 512. Palazzo Brunaccio 518. — della Citta 508. — Grano 530. — Silipigni 530. Piazza del Duomo 519. Strada de’ Monasteri 512. Teatro della Munizione 530. — Vittorio Emanuele 533. Telegrafo 542. Torre di Faro, am Capo Peloro 538. Trapani, Einsiedelei 538. Universität 518. Via Garibaldi 528. Villa (Flora) 533. Villa Rocca Guelfonia 532. Villetta Mazzini 533. Messina —Catania 541. Messina — Liparische Inseln 775. Messina — Palermo 481. Milazzo 481. Militello 458. Mineo 456. Mirabella 455. Le Miri 480. Misterbianco 662. 673. Mistretta 472. Modica 774. Mojo 670. Moktorion 430. 436. Mola 557. la Molara 463. Molo di Girgenti 364. Monalos, Fluss 471. Mongibello (Aetna) 605. Monreale 254. Montagna di Catalfano 281. Montallegro 363. Montalto 364. Monte Barbaro 285. — la Barca 667. — Barrucu 367. — Bonifato 285. — Buon Consiglio 304. — S. Calogero 361. 374. -(auf Lipari) 780. — Cammarata 375. — Campanaro 459. Register. Monte Carano 440. — Cardillo 661. — Catalfano 437. — de’ Cavalli 367. — Cicci 542. — Citadella 454. — Euraco 374. — S. Fratello 474. — Gallo 284. — Gallodoro 427. — S. Giuliano 305. — Grosso 766. — Grotta Rossa 440, — Inici 295. — Micuno 454. — Minardo 666. — Mitro 284. — Monachello (auf Salina) 787. — la Nave 668. — Pellegrino 266. — Pineta 769. — Po 661. — Pupalello 454. — Salvatore (auf Salina) 787. — Scuderi 543. — Territi 662. — Verde 766. — Vergine (auf Salina) 787. — Zacati- 284. Montelepre 283. Monte maggiore 374. Monterosso 435. Monti Ross! (des Aetna) 643. Mosaikgemälde 56. Motta 670. Motta S. Anastasia 452. 662. Motye 319. Motyke 774. Mucini, Bergpass 459. Münzen 47. Muglia 452. Mtmdart, sicilische 11. Mylai 482. Mytistraton 472. N. Naffcia, Lago 456. Naro 425. Naso 475. Naxos 557. Nebroden (Neuroden) 466. S. Nicola d’Arena 369. Nicolosi 641. Nicosia 462. S. Ninfa 326. Niscemi 436. Nizza Sicilia 543. Normannen 84. Noto 771. Noto — Modica 773. Noto — Pachino 772. Novelli, Pietro 58. O. Oanis, Fluss 439. Occhera 770. Oelbaum 26. Ognina 562. Oliviei'i 480. ünobalas 558. 1*. Pace 538. Paceco 311. Pachino 772. Pachynos 773. Palagonia 458. Palazzo Adriano 367. Palazzolo 766. Palazzolo — Floi'idia 435. 770. • Palazzolo — Ragusa 435. Palazzolo — Syrakus 766. Palermo 7. Accademia filarmonica Bel- lini 184. Albergo dei Poveri 251. Altarello di Baida 266. Archiv im Pal. Reale 202. Archivi dl Stato 160. Asile rurale 246. Astronom. Observatorium 204. Badia nuova 194. Bagheria 279. Baida 266. Biblioteca Comunale 183. — Nazionale 185. Bodenkultur 144. Botanischer Garten 245. Cappella Palatina (im Pal. Reale) 199. Cappuccini, Kloster (Cam- posanto) 250. Casa di Goethe 150. Casa professa 183. Casa (antica) Romain, 196. Caserma dei Borgognoni 252. — della SS. Trinita 196. Casino Bellini 177. — Belmonte (Villa) 267. — nuovo 185. Castellaccio 266. Castell o 241. — di S. Benedetto 266. — di Mare dolce 276. Charakter des Volks 146. i Colli 274. Conservatorio della Musica 240. — di Santo Spirito 159. Cuba, die 252. Cübola, die 253. Educandato Maria Adelaide 251. Favorita (Villa) 274. Fest der heil. Rosalia 141. Findelhaus 159. Flora 242. Fontana del ( arraffo 165. — della Pia?za Pretoria 175. Foro Italico 158. Register, 800 Palermo (Fortsetzung). Gasbeleuchtung 145. Gewerbe 145. Giardino d’Acclimazione 253. — Garibaldi 165. — Inglesc 273. S. Giovanni de’ Leprosi 275. Goethehaus 150. Crabmäler von 24 Erzbischöfen im Dom 103. Gräber der Könige 101.102. 2(52. Grotta dei Giganti 277. Intendenza delle Flnanze 166, Jslituto agrario 274. — di Artigianelle 160. Kirchen: 8. Agata delle Scoruggc 200 . 8. Agostino 208. 8. Annunziata 240. -bei der Zisa 250. 8. Antonio 174. 8. Antonio Abbate 167. Badia nuova 104. Beuedettini bianchi 207. dei Cancciliere 182. Casa professa 183. 8. Gataldo 170. 8. Catcrina 17(5. Cattedrale (Duomo) 186. S. (’hiara 184. S. Giro 276. 8. Cita 230. 88. Crociferi 210. 8. Domenico 212. Duomo 186. — zu Monrcalo 257. 8. Eulalia de’ Catalani 211 . 8. Francesco de’ Cliiodari 173. la Gancia 167. 8. Giorgio de 1 Genovesi 240. 8. Giovauni degl 1 Ercmiti 207. -de’Napoletanil04. -deir()riglioncl84. 8. Giuseppe 181. i Greci 230. Grottenkirche 8. Rosalia 268. 8. Lorenzo 173. 8. Lucia 230. la Magionc (Deutsch- ordenshaus) 170. 8. Marco 200. 8. Maria doll 1 Ammiraglio 177., S. Maria degli Angcli 167. -della Catena 161. -de 1 Miracoli 165. -la Nuova 242. -diPiedigrotta241. -di Valverde 230. Palermo (Fortsetzung). Kirchen: 8. Mafia dellaVittoria 160. la Martorana 177. 8. Matteo 175. Monte Vergine 185. 210. 8. Niccolo l’Albergaria 184. -de’ Greci 230. -da Tolcntino 170. dell’ Olivella 215. Oratorio della Compagnia dei Rosario dl S. Domenico 211. Oratorio di S. Cita 240. dell’ Origlione 184. 8. Orsola 180. 1‘ietii 168. Cappella Palatina 100. 8. Pietro Martire 215. Porto Salvo 164. S. Rosalia 268. Spedalo de’ 8acerdoti304. 88. Snlvatore 184. 8pasimo 160. 8. Spirito 278. 8. Teresa 160. Trc Re 185. delle Vergini 185. 210. della Volta 210. Klima 1-47. Kloster zu Monreale 204. . Komnnmalarchiv 170. Kommunalbibliothek 183. Königsgräber 103.102. 202. Kunstgesehiehtliohes 135. Lage und Leben der »Stadt 141. Lyccum Vittorio Emanuelc 185. 8. Maria di Gcsix 277. 8. Martino delle Scale 265. Metopen von »Selinunt 221. Monte di X’ieta 208." Museo Nazionale 21(5. Erdgeschoss 21(5: Fuss- bodenmosaik 210. Metopen von »Selinunt 221. Erster8toek228: Münzsammlung 233. —Zweiter Stock 233: Gemäldesammlung 233. Münzsammlung (im Museo nazionale) 233. Nuovo Mercato 200. OcJconomisches 310. Olivuzza, die 250. Orto botanico 245. Ospizio di Bcnelicenza 273. Palazzo Abbatelli 3(58. — Arciveseovile 104. — Ajutamicristo 171. — Bordonaro 176. — Buono euere (Scrra- difalco) 176. — Butera 250. — dei Principe 8. Cataklo 165. — »S. Cataldo 166. Palermo (Fortsetzung). Palazzo dei Priueipi di Oattoliea 173. — Comitini 180.. — delle Finanze 165. ■— Forcella 160. — Gela 172. — Geraci 185. — dei Principe 8. Giuseppe 200. — dei Monte di Pietk 208. — Monte di 8. Rosalia 230. — Municipalc 17(5. — Pictratagliata 215. — Raffadali (»Speciale) 183. — Reale 107. — Riso (Belmonte) 182. — Sclafani (Caserma 8S. Trinita) 10(5. — »Scttimo 172. — Speciale 183. — dei Tribunale 1(56. — Valguarnera 172. Panonnita’s Geburtshaus 183. Piazza Bcdlini 176. — Bologni 182. — Caraceioti 210. — Castello 241. — Croce dei Vespro 172. — »S. Domenico 212. — dei Duomo 186. — Ingastone 246. — Nuova 210. — dei Nuovo Mercato 200. -- Marina 165. — dei Papircto 208. — Pretoria 175. — Qnattro Cantoni 180. — della Rivoluzione 173. — Ruggiero »Settimo 273. — Viglicna (Quattro Cantoni) 180. — Vittorla 304. Piazzetta Ballarö 183. — Garaffollo 211. — dcllo Spasimo 360. Politeama (Theater) 273. Ponte dell’Ammiraglio 275. Porta Police 150. — dei Greci 160. — Nuova 107. Post 183. Rathhaus 17(5. Reclusorio delle Croei 273. Regio Albergo dei Povcri 251. 8. Rosalia 272. Römische Wohuung, Reste einer antiken 106. »Spcdale dei Sacerdoti 104. Statuen: Carlo Cottonc 273. Kaiser Karl V. 182. Philipp IV. 204. »S. Rosalia 271. Ruggiero Setlimo 273. Taub stummen-Institut 230. 26* 801 Register. Palermo (Fortsetzung). Teatro Belllni 177. — Cecilia 172. — Massimo 272. Torre di Baych 171. — Klieri löo. — Pisana 204. Tribunale 166. Universität 180. Unterricht 145. Via della Liberta 273. — Maequeda 209. — Vittorio Emanuele 160. Villa Bchnonte 250. — Btitcra 281. — Favorita 274. — Giulia 242. — del Principe Palagonia Gravina 279. —• Serradifalco 250. — Tasoa 253. — del Principe della Tra- bia Lanza 281. Villa Valguarnera 281, — del Duca di Villarosa 281. Zisa, die 246. Palermo — Calatafimi — Ca- stclvetrano—Selinunt 325. Palermo — Calatafimi — Se- gesta 283. Palermo—Corleone—Sciacca 365. Palermo — Leonforte — Catania 459. Palermo — Messina 463. Palermo—Termini— Girgenti 367. Palermo — Trapani — Monte S. Giuliano 297. Paliken, die 457. Palma 426. Palude Pantano 761. Panaria 788. Pantakyas, Fluss 677. S. Pantaleone, Insel 319. Pantalica 435. 770. Pantani, Salzseen 538. il Pantano 677. Pantcllaria 310. S. Paolo 766. Paröpos 467. Parco 365. Partana 326. Partinico 283. Passo Martino 673. Passofonduto 376. Paternb 663. Patti 476. Pcdara 645. Pergusa, Lago 453. Petralia Soprana 461. — Sottana 461. Phintias 426. Phöniker 62. Piana dei Grcci 365. Piano di Falconara 311. — di Naso 475. Piano di S. Venera 668. Piazza 454. Piedimonte 558. 672. Piedimonte — Catania (um den Aetna) 672. S. Pier Niceto 482. Pietra Nera 434. Pietraperzia 442. Piraino 475. Pispisa, Bergkette 295. — Fluss 295. Pizzo di Marabella 284. 286. — di Mongio 476. — di Sutcra 376. La Pizzuta 772. S. Placido, Kloster bei Messina 542. Platani, Fluss 363. Plati, Fluss 284. Plemmyrion 762. Poggio Sant’ Angelo 427. — 8. Lionardo 389. — della Meta 389. Polizzi 460. Pollina 471. Ponte dei Bagni 285. Porcari, Fluss 677. Porticella di Reitana 773. Porto Empedocle 364. — di Palo 773. Pozzallo 440. Pozzo di Gotto 480. Prioli 680. Punta di Granitola 323. — Sferracavallo 762. — di Spinazza 762. Pyrrhos 75. 719. K. Racalmuto 424. Raddusa 450. Räuberwesen 7. Ragusa 433. llagusa — Palazzolo 435. Rametta 483. Randazzo 669. Rebuto 365. Regalbuto 448. Regalmare 335. Ribera 362. Robert Gniscard 85. Rocca 482. Rocca Castellana 458. — d’Entella 368. — della Pietra Rossa 442. — dcllo Stretto 428. Roccalamera 543. Iloccapalumba 375. Roccella, Kastell 466. Roger I. 86. Roger II. 89. Rosolini 774. S. Salemi 326. Salina, Insel 786. Salso, Fluss 428. 461. 673. Salto Pullicino 667. Sateioerke 23. Sambucca Zabut 368. Santa Croce 439. Saponaro, Kastell 483. Sato 654. Savoca 543. Scaletta 542. Schioefel(jriü>en 22. Schwefelminen bei Girgenti 422. Schwertfischfang 37. Sciacca 359. Sciacca—Corleone—Palermo 367. Sciacca—Girgenti 361. Sciara 374. Scicli 440. Sclafani 460. Scogli de’ Ciclopi 561. Seloglieti 432. 439. Scoglio del Castoro, Insel 789. Scordia 458. Segcsta 2S9. Geschichte 295. Tempel 293. Theater 289. Segesta — Calatafimi — Palermo 289. Segestanae Aquae 295. Selinunt &JS. Selinunt — Sciacca—Girgenti 357. Selinunt — Castclvetrano — Calatafimi — Palermo 328. Serradifalco 449. Sferracavallo 281. Sferro 452. Sicherheit 7. Siculiana 364. Sikaner 60. Sikeler 60. Simeto, Fluss 579. 673. Soloeis 281. Solunt 281. Sorgente Fantuzza 466. Sortino 766. 770. Spaccaforno 774. Spadafora 483. Sperlinga 462. Lo Sperone, Ilügel 422. Spina 375. Spinazzolo, Insel 789. Spinspinato 770. Stagnone, Lagune 311. Stampaci 772. . S. Stefano di Camastra 472. Stromboli, Insel 789. Strongolicehio, Insel 794. Sutera 376. Symaith 08 673. Syraka, Sumpf 761. Syr.akus 679. Acliradiua 754. Agora 753. 755. Amphitheater, antikes 747. Auapos 759. 760. 762. Anlagen, öffentliche 741. Ara llierons II. 740. Register. 802 Syrakus (Fortsetzung). Arcivescovado 740. Aretlmsa 740. Athenetempel 728. Belvedere 758. Bibliothek 738. Basken 7(52. Dianatempel 727. 736. Epipolae 757. Euryelos 757. Faro Massolivieri 762. (feseliiehto der Stadt 681. Gräberstrasse, 745. 750. Hafen 741. Katakomben 748. Kirchen: Dom 738. S. Giovanni 747. S. Lucia 750. Krypta S. Marcians 748. S. Maria di Gesti 747. 750. S.Mariadel Pilicro, Dom 738. Klima 731. Kyane 765. Labdalon 757. Latomia de’ Cappuccini 750. — Casale 749. — del Filosofo 758. — del 1‘aradiso 745. Leuchtthurm 762. Lysimelia, Sumpf 760. Miuiicipio 740. Münzsammlung im Muni- cipio 740. Museum 737. Neapolis 756. Nymphaeum 745. Oekonomisches 679—681. Ohr des Dionysios 746. Orto di Bonavia 749. Ortygia 753. l’alazzo Ardizzioni-Castcl- letti 743. — Lanza 743. — Montalto 743. — Terrisena 743. Papyrusbinse 762. Platens Grab 749. Plemmyrion 762. Polichne 761. Ponte grande 760. Porta marina 742. Poi’to maggiore 741. — piccolo 742. Scala graeca 756. Scoglio del Trofco 762. Sepolcro diArchimede 760. Syraka, Sumpf 761. Telegraphenthurm 758. Theater, antikes 744. Tomba di Timoleonc 760. Tyche 756. Via Koma 737. Villa Laudolina 749. Syrakus (Fortsetzung). Wasscrsystem, antikes 759. Zeustempel 728. 761. Syrakus — Caltagirone — Castrogiovanni 452. Syrakus — Catania 680. Syrakus — Noto — Modica — Val d’Ispica 770. Syrakus — Palazzolo 766. Syrakus —Palazzolo — Buc- cheri — Vizzini ■— Calta- girone — Terranova 438. Syrakus — Palazzolo — Chia- rainonte — Biscari — Terranova 436. Syrakus — Pachino — Scicll — Terranova 440. Syrakus — Terranova — Li- cata — Girgenti 434. T. Taormina 54ß. Aussicht 553. Badia vecchia 555. Castcl 557. Corso Umberto 554. Dom (S. Nicola) 555. Geschichte 547. Madonna della Lettcra 554. Naumachia 554. Palazzo Corvaja 553. — del Duca di S. Stefano 555. S. Pancrazio 555. Spaziergänge 555. Theater, antikes 550. Tatiromenion 547. Tauros 676. S. Teodoro, Grotta 473. S. Teresa 543. Termini 370. Termini— Gangi—Leonforte 460. Terraforte 661. Terranova 429. Terranova — Biscari — Chia- ramonte— Palazzolo — Syrakus 435. Terranova — Caltagirone — Vizzini — Buccheri — Palazzolo — Syrakus 436. Terranova—Caltanisotta 442. Terranova — Licata 429. Terranova — Scicli—Pachino — Syrakus 438. Terra Pilata 442. Thapsos 680. Thermae (I-Iimerenses) 373. Thunfischfamj 36. Timoleon 73. 713. Tissa 669. Tmethos 475. Tomaso Natale 284. Torre Faleonara 428. Torre di Marcello 680. — Mazzarelli 439. Torrtdifo 641. Torrente Montelungo 429. Torrenuova 474. Torto, Fluss 463. Trabia 369. Trapani 298. Trapani — Palermo 298. Trapani —Pantellaria 310. Trapani — Marsala—Mazzara — Castelvetrano 309. Trecastagni 645. Tremestieri 542. Trezza 562. Triokala 362. Troina 448. Tyndaris 476. V. Ustica, Insel 282. V. Valguarnera 284. 450. Valle d’Ispica 775. — d’olmo 459. Vallelunga 459. Vallone di Petraro 368. — Vacc.arizzo 368. j Valsavoia 673. [ Vegetation 24. : Vesper, sicilianische 106. j Venetico 482. Via Grande 654. Viehzucht 31. Villa Favorita 274. — Marletta 640. — Sciacca 476. — Kocca, Dorf 254. Villarosa 443. Vindicavi 773. Vita 325. 326. Vittoria 432. Vizzini 438. Volkslied 12. Vulcanello, Insel 784. 786. Vulcano 783. W. 1 Veinhan 36. Weinetablissements bei Marsala 315. Weizen 28. Wilhelm I. 89. Wilhelm II. 93. X. Xiphonia 676. La Xitta 311. Z. Zaffarana 654. Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. ANZEIGER ZU MEYERS REISEBÜCHER ELFTER JAHRGANG 1880 / 81 . Nord-Deutscliland Süd-Deutschland Rheinlande Thüringen Deutsche Alpen Oestei'reich Schweiz Guide en Suisse Schweden, Norwegen Dänemark und London, England, Schottland und Irland Paris und Nord - Frankreich Süd-Frankreich und seine Kurorte Ober-Italien Rom und Mittel-Italien Unter-Italien und Sicilien Italien in 60 Tagen LEIPZIG EXPEDITION DER „MEYERS REISEBÜCHER“ (BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT). ..Hill:.... ......... 2 Aachen — Assmannshausen a. 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M., Graubünden, 5 Stunden von Chur Beliebte Reise-Etappe von Chur nach Engadin und vice versa. ____ Gebrüder Balzer. AssmannsliaTase]! sü lE^h-ein. HOTEL ANKER Damit verbunden das „Hotel Jagdschloss, am Niederwald«, 1/2 Stunde von Assmannshausen. Mitten im Wald, unweit des National-Denkmals gelegen, wird von Aerzten als Luftkurort empfohlen. Mässige Preise in beiden Hotels Selbstgezogene Weine. Besitzer: Joh. A. Jung. [!!!lill!lllllllIll!llllllli!!lllllllli[|[!llllll|[|fl!llllll[[fl{||||||[inilliilllW Ai'th-Rlg-i-Bahn p[]l!ll!ll!llill!lllllliIilll[[!]I!ll!lll!III!llllll!11l!ll!l!ll!llllllilllllll!l!lillllll!lllllllii!lllllIllllllllii!l!llllllllW ARTH-RIGI-BAHN fort KonsUuti /1 RomanshornA Rorsrhaxh.. J t Schaffkmtsm* _ y Si/tgai (Schwarzn>aidJ>.) Wegweiser nach RIGI-KULM )Yitznau Kürzester Weg via Zürich nach Rigi-Kulm. Empfehlens- wertheste Zufahrt, da dem Reisenden, auf Rigi - Staffel, der letzten Station vor Rigi-Kulm, angelangt, wie dureheinen Zauberschlag fast das ganze grossartige Rigi-Panorama vor Augen tritt und dem das erste Mal den Rigi Besuchenden einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt. Auf der Fahrt durch das mächtige Trümmerfeld des Goldauer Bergsturzes vom 2. September 1806. Prächtige Aussicht, grossartige Scenerie, belebt von einer Reihe von Wasserfällen, deren drei grösste eine direkte Sturzhöhe von Uber 100 Meter haben. Die Direktion. ^l!illl!!is-ä-vis dem Balmhof. — Dieses Hotel ist für Touristen, sehr zu empfehlen. Billige Preise und gute Bedienung. Emil Krieg. llllll!ll!!!IIIHI!ll!!|||||li!lll!l|||l!l!l|||||lljil!|||||i:i|!|||||ll!|||||[(!!|!|||[[l|[||||||||l!|||||||f||!!||||®^ Baden-Baden — Basel 7 Mllll!llll!l|]||||||illll|||||||||l|]||[||||llilllll!lllll!|||!ill!lllllll!lll|||||!ll|[l!llll!l![|||||!!lllllll|||lllllllll!lM } > I i Heilanstalten der I)I)r. Averbeck vt. Senff Baden-Baden vis-ä-vis der protestantischen Kirche. Erste Abtlieilung. Krankheiten der Brustorgane, des Kehlkopfes, dos Schlundes und der Käse (Brustverschl., Emphys., schleichende Lungenentzündung, Heiserkeit, Stockschnupfen). PneumatisclieKabinettefürkompri- mirte u.verdÜnnteLuft, Inhalationssäle für Dampf- und Stiekstoff- Inhalationen (desoxydirte Luft). Galvanokaustische Behandlung. Die Stickstoff-Inhalationen, von den grössten medicinisehen Autoritäten empfohlen, sind das wirksamste Mittel selbst bei vorgeschrittenen Lungenkrankheiten (Schwindsucht"). rZ?* Zahlreiche Erfolge durch die in unseren Anstalten zuerst durchgeführte antiseptische Inhalationsmethode (nicht benzoesaures Natron) erreicht. Zweite Abtlieilung. Muskel-, Gelenk- und Nervenkrankheiten, allgemeine Körperschwäche (speciell Rückgratskrüm- mungen, mangelhafte Entwickelung des Brustkorbes, Unterleibskrankheiten). Schwedisch - deutsche Heilgymnastik, Douclie, Massage. Elektrotherapie. Basel HOTEL ZU DEN DREI KÖNIGEN In schönster Lage am Rhein, mit ausgedehnter Aussicht nach dem Eisass, Baden und der Schweiz. Hötel ersten llanges mit 150 Zimmern und Salons, von altem, bewährtem Ruf. Table d’hote um 12Va und 6 Uhr. Omnibus von und nach allen Bahnhöfen der Stadt. Lese- und Rauch-Saal sowie Bäder und Equipagen im Haus. Pension während der Wintermonate zu ermässigten Preisen. Besitzer: C* Flück. Basel HOTEL LORENZ Unmittelbar am Central- und Elsässer Balinbof Vollständigumgebaut und bedeutend vergvössert. Aufs komfortabelste eingerichtet. Massige Preise. Zimmer zu 2, 2 1 /® und 3 Fr. inkl. Bougie und Service. Stark von Deutschen besucht. I 3 Basel' IPIlllllllllMIMIIIinilllllffllllilllllllMM Basel HOTEL MICHEL In unmittelbarer Nähe des deutschen Bahnhofs Komfortabel eingerichtet. Massige Preise. Grosse, schattige Gartenanlagen am I-Iötel. Besitzer: €. Wagner & Komp. Basel Hotel Schrieder zum Deutschen Hof Vis-ä-vis dem Badischen Bahnhof. Neu und komfortabel eingerichtet. Massige Preise. Der neue Besitzer wird aufs sorgfältigste bemüht sein, allen Wünschen seiner geehrten Gäste zu entsprechen. Bes.: 51. Erne. Basel HOTEL SCHWEIZEHHOE Bestempfohlenes Haus mit komfortabler Einrichtung. Gegenüber den deutschen, schweizerischen und französischen Bahnhöfen. L. 51er!an, Eigenthümer. Basel HOTEL KRAFFT Am Rhein. Basel Silberne Medaille Paris 1878 Sledaille London 1862 — Medaille Paris 1S67 — Sledaille Wien 1873 Gesundheitskrepp-Unterkleider aus der Fabrik des Erfinders C. C. Rumpf Jacken, Hosen, Leibbinden, Reisehemden, FrottirtUcher etc. Werden von Aerzten, worunter Hr. Prof. K. Bock in Leipzig, bestens empfohlen. Sie sind leicht, sehr elastisch und dauerhaft, verhüten den Rückschlag des Schweisses und schützen vor Erkältung. Für den Sommer eignen sich die seidenen, halbseidenen u. billigen baumwollenen Sorten. — Prospekte gratis und franko. Niederlagen in allen grösseren Städten. Man wolle auf den Fabrikstempel achten. Basel Musikalien, Pianino’s, Flügel, Harmoniums, Streich- u. Blasinstrumente Tfu a S “h, U ExportaUon Gebrüder Hllg . Gros et d«$taü Export deutscher Musik nach allen Ländern Bedeutendste Musikalienhandlung Süddeutschlands und der Schweiz Häuser in Basel, Zürich, St. Gallen, Luzern, Strassburg i/E., Mülhausen i/E. (bei Götz), Lausanne (bei E. R. Spiess). Aufträge aus Deutschland für Basel an die Adresse: Gebrüder Hug in St. Ludwig (Ober-Elsass). ^illi;ililI!UIIIIIII!llillllllllllipi!IIISI!UIIIIIII!l!i!llllll!!ill!lllllll!lllll!llf|||||||l!IIIIIIIIII!ill|||!iiW Bellagio am Comersee — Berlin 9 pill!H!lll!l!llilllllllll!ll(l!llllll!!lllll!!!!lilllllillllllllll!llll!!^ IBellstg*io am. Oomersee GRAND-HOTEL BELLAGIO Eins dei’ grossartigsten und besten Hotels in Italien. Schönste Lage am Comersee, mit grösstem Komfort. Grosser Garten und Park. 200 Zimmer und Salons. Bei längerem Aufenthalt ermässigte Preise. L. Breitsclimid. Berlin. ’ T s/v r DER KAISERHOF Hotel ersten Hanges Am Ziethen- und Willi elmsplatz. C. Traut, Direktor. 1 Schinkelplatz 1 Berlin. An der Schlossbrücke HOTEL DE RUSSIE Hotel ersten Ranges Neu und bequem eingerichtet. C. F. Kührt, Besitzer. Unter den Linden 3» Berlin. Unter den Linden 39 GRAND HOTEL DE ROME Front nach 3 Strassen. Eins der grössten, schönsten 11 . bestgelegenen Hotels Berlins. Neu gebaut und auf das geschmackvollste neu eingerichtet. .Restaurant u. Cafö mit 45 Zeitungen, nach den Linden, Tabled’höte. Fest- u. Gresellschaftssäle; Damensalons etc. Zimmer von 1. M. 50 Pf. an, hydraulische Fahrstühle, Badeanstalt mit 30 Zellen. Besitzer: Adolf Mühling. Berlin. HOTEL SANSSOUCI Linkstrasse 12, am Potsdamer Platz und in nächster Nähe des Potsdamer, Anhalter und Dresdener Bahnhofs, im schönsten Theil der Stadt. — Verbunden mit Restaurant u. schönem Garten. Besitzer: Theodor Friedrich. illillHIIIIIIIIIIIIIIIIllllllllilllllllilllllllHlllllllllillll^^^ 10 Berlin — Bex ill!l!ill!llllll!l!llllllllllti!l!IIIIIIII|[|l!lll!lIi!IIIIJ!l[l[|||||]il!llll!liillllll!l]llllllllllllllllll![|llllll[|llll!!|[!lllllll!l!lllllllll!IIIIIIIIIIIIIM Kaisergallcrie 33 (Passage) IBexlixi Kaisergallerie 33 (Passage) CASTANS PAMOPTICUM Permanente Kunstausstellung lebensgrosser Tableau’s und hervorragender Persönlichkeiten. Geöffnet von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. — Entrde 50 Pf. Kinder 25 Pf. Alexanderstrasse 40 IBexliXl O Am Alexanderplatz C. W. Möller. Hoflieferant Empfiehlt sein Lager aller Rauchrequisiten und versendet auch in diesem Jahr gegen Einsendung von 50 Pf. in Marken aller Länder das grossartige Muster-Album mit 390 Abbildungen meist in natürlicher Grösse über Meerschaum-, Bernstein-, Schildpatt- und Elfenbeinwaaren franko nach allen Himmelsgegenden der Welt. Bern. HOTEL BERNER HOF Ersten Ranges Unübertreffliche Lage (Alpenaussicht) zwischen Bundespalast und neuer Promenade. Pension für langem Aufenthalt von Oktober bis Ende Mai. Eigenthümer: J. Kraft. Bern. HOTEL ZÄHRIMOER HOF Mit €afe und Restaurant. Table d’höte. Diners h pavt. Deutsches Bier. Deutsche Zeitungen. Aufmerksame Bedienung. Massige Preise. Müller-Wiesendanger, vormals im »Goldenen Löwen« in Bern. Kanton Waadt Schweiz GRAND HOTEL DES SALMES Salzwasserbäder — Hydrotherapie Bade-Anstalt ersten Ranges Badearzt: Dr. Exchäquet, früher Spitalarzt in Paris. 150 Zimmer und Salons. Gesellschafts- und Lesezimmer. Billard. Gedeckter Gang, das Hotel mit den Bädern verbindend. Grosser, schattiger Park. Prospekts und Badetarif nebst Plan des Etablissements durch F. Kussler, Direktor. * > llllll!ll!!llllllll!lll;!lllll!l!ll!'illlll!!l!llllll!I!l!lllll[lllillli[]illllllllliJ!llllllil!IIIIIIIIIIIIIIIl!![l!llll!II!!lllll!iW % Blankenburg am Harz 11 zmMMiMMiMimmmmiiMMmimMmmmMMmimimiuiiiiMMimaMmumiiMamimiMmiMmmmmiMUiMmmmmiam Blankenburg am Harz Klimatischer Kurort Geschützte, gesunde Lage am Abhang des Harzes, im schönsten Theil dieses Gebirges. Vorzüglicher Sommeraufenthalt und passendster Ausgangspunkt zu den verschiedensten Harztouren I >i nächster Nähe eben, ^ortugaf, 2>änewatrß. Preis-Medaille London 1861 nnd 1862, — Ehrenvolle Erwähnung Paris 1855, Medaille 1867, — Preis-Medaillen: Oporto 1865 nnd Wien 1873. Zur Nachricht. Es gibt in Cöln mehrere Fabrikanten eines sogen. »Cölnischen Wassers«, die sich zum bessern Absatz ihres Fabrikats eine Firma FARINA zu verschaffen verstanden haben; daher ist es durchaus nöthig, dass diejenigen, welche mein echtes »Cölnisches Wasser« zu haben wünschen, ihre Bi’iefe mit der genauen Adresse: Johann Maria Farina, gegenüber dem Jülichs-Platz in Cöln (ohne Beifügung einer Hausnummer), versehen. Im übrigen ist mein. Fabrikat bei allen respektablen Parfümeriehandlern des ln- und Auslands zu haben. Dem Publikum, welches das echte »Cölnische Wasser« heim Besuch Colns zu kaufen wünscht, ist nicht genug anzuempfehlen, darauf zu achten, dass ich in Cöln nur ein Verkaufs-Lokal habe, und zwar in meinem Haus gegenüber dem Jülichs-Platz, in welchem auch die Fabrik sich befindet. — Es wird nämlich, um das mit diesen Verhältnissen unbekannte Publikum irre zu machen, kein Mittel gescheut; eins der gehässigsten darunter ist die Bezahlung der Lohndiener, Droschkenkutscher uud anderer dem Dienst der Reisenden bestimmten Führer. Um diese Leute zu Missleitungen zn veranlassen, wird denselben von vielen meiner Konkurrenten oft die Hälfte des Kaufpreises als Provision gezahlt. Ein so verlockender Erwerb reizt den Fremdenführer, tind so kommt es täglich vor, dass die Käufer, welche diese Provision indirekt selbst bezahlt haben, nur zu spät finden, dass sie ein Opfer von Lug und Trug geworden sind. Ebenso wird den Fremden in den meisten hiesigen Gasthöfen von den Kellnern etc. sogen. »Cölnisches Wasser« zum Verkauf angeboten unter der falschen Versicherung: ich unterhalte daselbst eine Niederlage; auch sind die in jüngster Zeit in der Nähe des Doms entstandenen vielen Cölnisch-Wasser-Geschäfte mit meinem Haus in gar keiner Verbindung, trotz der gegentheiligen Versicherung der Fremdenführer, Droschkenkutscher etc. Der einzige sichere Weg, die echte Waare zu erhalten, ist, sie selbst in meinem Haus gegenüber dem Jülichs-Platz zu kaufen. Um mich gegen unangenehme Verwechselungen mit mehreren meiner hiesigen Konkurrenten zu schützen, erlaube ich mir die dringende Bitte, meiner Adresse die nähere Bezeichnung „gegenüber dem Jülichs-Platz“ stets und genau beizufügen. Cöln, Januar 1880. Johann Maria Farina, gegenüber dem Jülichs-Platz. ^lllll!ll!!l[!)!!l!P l !!i!lll!!l!!l!!ll! l !lVI!!!!llllllll!l!!i![l!!|!|l|[||l!!l|||!|||!!!j[|l!!||||!|!l!I!|||||[![![[!||^ I®iiimiiiiiiii«iiiiiiiihiiiiiiimiiii!iiihiiii™niiiii» Ooblenz — Coti stanz 19 ![[!llll![llllllll!!lllllllllllllll!llll![tlllll!illlllll[l!li:i!lil iüigentnumer: w. rrang HOTEL ZUM ANKER Gegenüber dem Landungsplatz der Rheindampfboote, mit prachtvoller Aussicht auf den Rhein und die Festung Ehrenbreitstein. Komfortable Einrichtung. Vorzügliche Küche und Weine. Aufmerksame Bedienung und solide Preise. Lieht und Bedienung werden nicht berechnet. Bilder und Equipagen im lldtel. Omnibus am Bahnhof. Co1ole:n.:z; HOTEL ZUM RIESEN Schönste Lage am Rhein. Sehr massige Preise. Besitzer: Gebrüder Eisenmann. OoTo-u-rg - HOTEL LEUTHÄUSER Ersten Ranges. — Mitte der Stadt. Inhaber: A. Leuthäuser jun. 05 lru HOTEL DU DOME Domhof Nr. 5, 6,7, 9, 11, eine Minute vom Centralbahnhof. Dieses Hotel, mit über 200 Fuss Front dem Dom zu, liegt unstreitig in bester und schönster Lage o..ai ’ ° ° •»,. .. 1 ,!._ rpi. Eigenthümer: Th. Metz. der Stadt. Oöln. Hotel ersten ltanges Hotel ersten Runges GRAND HOTEL VICTORIA Nicht zu verwechseln mit Hotel Victoria "Häfi F. W. Lugenbühl. Schönste Lage am Heumarkt. Cozistanz Hotel und Pension Constanzer Hof Vormals Bad-Hotel Am Bodensee gelegen, inmitten herrlicher Parkanlagen, mit prachtvoller Fernsicht auf See und Alpen. Eigene Seebadeanstalt und Schwimmschule. Warme Bäder sowie römisch-iriscli-russische im Hotel selbst. Pension: Zimmer, Bedienung, Beleuchtung, Frühstück, Diner und Souper inbegriffen, von 5 Mark an Passanten-Zimmer: Bedienung und Licht inbegriffen, von 2 Mark an. Emil Küpper. Ooii.sta.rL2: INSEL- HO TEL Im ehemaligen Dominikanerkloster auf einer Insel des Bodensees, mit prachtvoller Aussicht auf See und Alpen, unmittelbar bei der Stadt, dem Hafen und Bahnhof; schöner Speisesaal mit historischen Merkwürdigkeiten. Kalte u. warme Büder. Haus I. Ranges. Zimmer von l M. 50 Ff. aufwärts. A. Outzschebauch , Direktor. 20 Cöln pj|l!]{lllllllllllliI[j!lllllll!l!lllllll!l!lllllllllll!!llllllll!!lllll![!!!!lllll![llllllllll!llllllli!!llllll!IIIIIW Das allein echte EAÜ DE COLOGNE erfunden 1695 von Johann Paul Feminis fabricirt. von Johann Anton Farina zur Stadt Mailand Hohestrasse Nr. 129 in Cöln am Rhein In Cöln besteht ausser meiner nur eine Farina-Firma von mehr alshiinclertjäliriger Anciennität, nämlich Johann lYIaria Farina gegenüber dem Jülichsplatz. Dieselbe verbreitet im Publikum unter anderen die unwahre Nachricht, dass ihr Begründer Johann IVIaria Farina ira Jahr 1709 das Eau de Cologne erfunden habe, während 1787 der derzeitige Inhaber dieser Firma in der Reichs-Ober- postamts-Zeitung und dem Staatsboten sowohl den Pani Feminis als Erfinder als auch meine Firma als Besitzerin des Geheimnisses ausdrücklich anerkennen musste. Weitere Bestätigungen beider Tliat- sachen liefern Urkunden des Cölner Stadtarchivs sowie zahlreiche in- und ausländische Urtheile. Dafür, dass riiein Eau de Cologne wie das allein echte auch das beste und gehaltvollste ist, berufe ich mich auf die unparteiische Prüfung des aufgeklärten Publikums und die zahlreichen in meinem Besitz befindlichen Gutachten erster Autoritäten, Diplome und Brevets. (Jöln, im März 1880. Johann Anton Farina zur Stadt Mailand ältester königlich, preussischer Hof-Lieferant laut Kab.-Ordre v. 27. September 1817 u. 27. August 1877 etc. Gesetzlich deponirte Marke: Blau und rotlie Etikette Preis pro Dutzend 15 M. — Porto für Deutschland u. Oesterreich 50 Pf. Warnung: Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass verschiedene Eau de Cologne- Fabrikanten in Cöln an Lohndiener, Kutscher, Kellner etc. eine Provision bis zu 7,20 M. pro Dutzend bezahlen, während meinerseits Nichts an solche Leute bezahlt wird, welche sich deshalb auch zuweilen nicht scheuen, sogar die Existenz meines Hauses in Abrede zu stellen. 1**1 fr ,.i tfes Ea» 3 rJIIIIII[llll!lllllll[|j||j!j||||||||||||!|||||][||||[l!|||||!K|||j||!ll||||||||ff!||!||||||||||l^ aiimiiiiiniiiiiiiimiiiiiiHimiiiniMiiiiiMiiiiM Consianz — Dresden 21 ||||![]][l!![|]jt[||||l!i!lllllllllllll!li!!ll||||l!llllllllllll![[|]||||||!!!llll|jtj[|!llllllj^^ Constanz GASTHOF ZUM GOLDENEN ADLER Altrenommirles Hans I. Ranges. In schöner Lage, mit Aussicht auf den See und die Alpen, in unmittelbarer Nähe des Hafens u. unweit des Bahnhofs. Schattiger Garten, feine Küche, reine Weine, gute Biere. Bedienung und Licht werden nicht berechnet. Besitzer: Hermann Mayer. Bad Cre-a.zia.a-cl3. HOTEL KAUZENBERG Schönste Lage am Kurpark. Schattiger Garten am Haus, welcher mit den Kur- anlagen in "Verbindung steht. Anerkannt gute Kilche, reelle Weine. Durch Ankauf und Neubauten bedeutend vergrössert. Eigenthümer: Albert Hessel. Eigenthümer: Creuznacll Foltynski & Woog HOTEL DE HOLLAND llötel I. Ranges, bietet bei sehr billigen Preisen die grössten Bequemlichkeiten, englisches und amerikanisches System, von schönen Gürten umgeben. Prächtiger, grosser Speisesaal, neu eingerichteter Konversationssaal, komfortabel möblirte Zimmer (mit vielen Balkons), gute, luftige Bäder. Ausgezeichnete Küche. Mit dem Hotel verbunden ein Frhatkoslhaus mit sehr billigen Preisen. Pension im W inter. 3SToxd.see-Ea.d- C-u. 2 zlxa.-ven HOTEL BELLEVUE Hotel 1. Ranges. Direkt an der See gelegen, prachtvolle Aussicht. Einziges Hotel I. Ranges am Hafen. Besitzer: Ad. Weber (C. Eraths Nachfolger). Davos-Platz (<3-xa.-o.To-ü.xxd.exx) Hotel & Pension Schweizerhof Gute Küche. Viel von Deutschen besucht. <*ebr. Stnk el. XDa-vos-P’latz (<3-xa,u."lo-ü.xi.d.exx) Kuranstalt und Hotel Rhätia Mit Dependenz Villa Kaiser. Haus I. Ranges, mit schönen Gartenanlagen und Gl&spavillon, vis-A-vis der Post und dem Telegraphen-Büreau. Pension Sommer und Winter von 6 — 10 Fr. pro Tag. Douche und Bäder. L. Kaiser. Exesd-exx HOTEL BELLEVUE Hotel ersten Hanges. 150 Zimmer L«d,vig Feistei, Direktor. Exesd.exx _ HOTEL DE FRANCE Wilsdruffer Strasse, im Mittelpunkt der Stadt gelegen und mit feinem Restaurant verbunden, empfiehlt sich geneigter Beachtung. Besitzer: Bich. Daumann. !llllll!!!!t!Illlllllll!llllllll!l!lllll!!!lll!lllllll[!l!llll!)il!)i!llllil!illl!llllli>ll!lll!l!lll[l!llli!l!!!!illl!!lililll!^ 22 Dresden ipiflMIIUIIIilMIIIIIIIIIIIIIIMlMllllölllllllllltlllM^^ ^>resd.exi HOTEL ZUM GOLDENEN ENGEL Altstadt, nahe dem Altmarkt — Wilsdruffer Strasse 4, 5 u. 6. Dieses seit vielen Jahren riihmlichst bekannte Hötel ersten Ranges, vom Besitzer Herrn Heinr. Hoffmami durch grössere Bauten jetzt wieder bedeutend verschönert und mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet, eignet sich durch seine günstige I;age ebensowohl für Familien als auch für Geschäftsreisende. Unterzeichneter hat dasselbe seit 1. April 1879 pachtweise übernommen und wird bestrebt sein, das Renommee des Hauses in jeder Beziehung möglichst noch zu erhöhen und durch Aufmerksamkeit sowie zeitgemässe Preise sich die Zufriedenheit der ihn beehrenden Gäste zu erwerben. Hochachtungsvoll Telegraphen-Adresse: Carl Engeil, Hotel Engell. Jos. Henrions Nachfolger. XDresd.en. (ITe'u.sta.cLt) HOTEL KAISERHOE Vormals Stadt Wien. Unmittelbar an der alten Brücke, vis-d-vis der Brühl’schen Terrasse gelegen; herrlicher Blick auf das Panorama Dresdens; seiner massigen Preise wegen von den geehrten Geschäftsreisenden stark fi'equentirt. XDresd-en. R. Schulze HOTEL ZUM KRONPRINZEN In der Hanptstrasse (Lindenallee). Vor wenigen Jahren neu gebaut u. komfortabel eingerichtet; in schöner, freier und gesunder Lage, nahe der grossen Elbbrückc, der Brühl’schen Terrasse» dem Theater, der Gemfildegallerie und dem Grünen Gewölbe. — Gute Tabie d’hute, aufmerksame Bedienung und massige Preise. Besitzer: Carl Dorn E>resd.em. HOTEL HE Altrenommirtes Ilötel I. Ranges, am Neumarkt gelegen, gegenüber allen Museen, dem Hoftheater und der Brühl’schen Terrasse. 20 Salons und 120 Zimmer von 2 Mark aufwärts. Im Winter Pension von 5 Mark 60 Pf. an. SAXE Hotel I. Ranges Dresden Bismarckplatz 1 u. 2 GRAND UNION HOTEL Im schönsten und gesündesten Theil der Stadt, dem sogen. Englischen Vierte], prachtvoll gelegen, ganz in derNiihe des Bahnhofs der Linien nach Prag, Leipzig, Berlin, Chemnitz und Breslau; empfiehlt sich durch vorzügliche Küche, aufmerksame Bedienung und reelle Preise. Zimmer inkl. Bedienung von 2 Mark an. KB. Man verlange Billete nach Dresden-Altstadt. Besitzer: Rieh» Seyde. ErescLea VICTORIA-HOTEL An der Promenade und in der Nähe des Centralbahnhofs (Altstadt) Berlin — Leipzig — Dresden — Prag — Wien — München gelegen. 100 Zimmer, von 2 M. an. Tabie d’böte um 1 Uhr (2,50 M.) und um 5 Uhr (4 M.). — Grosser Garten am Hotel. Besitzer: Carl Weiss. jflll!liIIIIIIII([|l!lllllilllll!il!llllllltll!lllllllllllllllilllH!!!lllliflllllll!llllill||l!!lllll]!ll!lllll|]!lllllllil!l!llllllilllll^ Dresden — Elbingerode am Harz 23 Dresden WEBERS HOTEL Empfiehlt sich besonders durch seine schöne und centrale Lage an der Zwiugerprome- nade, vis-a-vis den königl. Museen und dem neuen Hoftheater. Komfortable Zimmer. - lteeiie Bedienung und solide Preise. Besitzer: Bernhard Weber. Waisenhausstr. 14 Dresden Friedrichsallee ENGLISCHER GARTEN Restaurant I. Ranges, angenehmster Aufenthalt für Fremde. Vorzügliche Dejeuners, Diners und Soupers ä 1,76 M. und höher, la. Whitst. Austern und la. Holst. Austern. Täglich frische Hummern und grosse Oder-Krebse. Feine und feinste Weine. 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'■'1l!ll!l!llllllllllililIlilI[l!!lllll!ll!Illllil!ll!l!llllllf!iIII!!llllll!!Iill!lllll]I!l!llllllllll!it!llllllllll!l!liy 24 Bad Elster — Engelberg l!illlllllil!lillll]|i:ililllllillII!lll!i:il!!llllli:![||||||II!l!lll!llIIII!llll[|lllllll!!ll!lll[|[l!lllll[i'lllllll!l[!!lllllllI[||||||llllllllll!!llllllllllll[llllllll!UllliS BAD ELSTER Im König! Sächsischen Voigtland. Eisenbahnstation zwischen Keichenbach in Sachsen und Eger Küurzeit vom IS. ÜMai bis 30. September Alkalisch-sallnische Stahlquellen 5 ein Glaubersalzsäuerling (die Salzquelle). Trink- und Badekuren. Hineralwasserbäder mit und ohne Dampfheizung. Moorbäder aus salinischem Eisenmoor. Täglich frische Molken. Telegraphen- und Postamt. Protestantischer und katholischer Gottesdienst. — Erfahrungsgemäss haben sich die Mineralquellen und Moorbäder von Elster ganz besonders bewährt bei Blutarmut, allgemeiner Muskel- und Nervenschwäche, bei Nervenkrankheiten im allgemeinen, chronischem Magenkatarrh, hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blutstockungen im Unterleib, Leber- und Milzanschwellungen und ganz speciell bei den verschiedenen Frauenkrankheiten sowie bei chronischem Gelenkrheumatismus. Erfolgreiche Anwendung finden die Kurmittel von Elster insonderheit auch vielfach zu Nachkuren nach dem Gebrauch anderer Bäder, wie Karlsbad, .Marienbad, Teplitz, Kissingen, Wiesbaden, Ems etc. Seine Lage in reichbewaldeter, ozonreicher Gegend mit reinster, ausserordentlich belebender Höhenluft empfiehlt aber Elster auch als klimatischen Kurort. — Mineralwasserversand geschieht durch den Brunnenpächter Üobert Blankmeister; Moorerdeveraand durch das königliche Badekommissariat. Bad Elster 1880. Der königliche Badekomroissar: v. Ileygendorjf. Bad, BBieels ENGLISCHER HOF Hotel ersten Hanges. In schönster Lage, vis-ä-vis den königlichen Bädern, mit hübschem Garten; altrenommirtes Haus. Neu restaurirt, komfortabel eingerichtet und bedeutend vergrössert. | 0 . Sclllllitt, Besitzer. Besitzer: Bad Th. Sieger Hotel und Pension ZUM DAßMSTÄDTEB HOE I 11 unbestritten schönster und für Badegäste wie Touristen günstigster Lage. — Direkt neben dem königl. Kurhaus mit den Hauptquellen und Bädern und an der von dem herrlichen Lahnfluss begrenzten Hauptpromenade, bietet dasselbe seinen Bewohnern ein entzückendes Bild landschaftlicher Sehönh it. Renommirte Küche und Keller. Aufmerksame Bedienung. Zimmer von D/a M. an. Vollständige Pension je nach Wahl der Wohnung von 7—10 M. pro Tag. — Das kaiserl. Post- und Telegraphenamt im Haus. Omnibus am Bahnhof. Bad HBms HOTEL YIEB JAHRESZEITEN Günstigste Lage gegenüber dem Kursaal. Victoria-Quelle, Bäder und Inhalationssaal im Hotel. Pension für langem Aufenthalt. Carl Eisenmann. 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Leipzig — London 39 fp!!IIIU!ll!llllllllllll!lllll!lll!illtll!ll[||||ll!t!llllll!ll!!IIIIII!lllllllllll!lll!llll!]I[|IIH On parle fran^ais "T-n =n •p | y;n er English spoken in the kouse LEBB’S HOTEL . Neu erbautes, mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtetes Hötel, in schönster Lage der Stadt am Park gelegen. Vis-A-vis von drei Bahnhöfen - : Dresdener, Magdeburger und Thüringer, sowie in nächster Nähe des Theaters, der Post, des Museums und Schützenhauses, empfiehlt sieh dem geehrten reisenden Publikum bestens. Milder im Haus. Restauration a ln eavte za jeder Tageszeit. C. F. Lebe, Besitzer. Xjeipzig - HOTEL ZUM PALMBAUM Neben dem Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof. Wirdvon Familien und Geschäftsreisenden gern besucht. F. W. Thomas, Besitzer. 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Berlin: Königsstrasse 4 Leipzig: Hainstrasse 32 Carlsbad: Alte Wiese, Steinernes Haus SCHUTZMARKE M.B&S. Rechter Handschuh fniiiiiiimiiiiiiiiDiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiMiiiiiiniiiiiiBiiiiM 40 Lindau i. B. — Luzern IlilllllMIIIIIIIIilllllllllllllllltltllllllllllllllllflllllMlIllllllllÄ Xjin.d.a-u. i. B. Hotel zum Bayrischen Hof i jtt' Durch Umbau bedeutend vergrössert Schönste Lage Herrliche Fernsicht auf den See und die Alpen Gegenüber dem Bahnhof und in der Nähe des Landungsplatzes der Dampfboote. Wilhelm Späth. 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Forschungen — Ethnographische, anthropolog., paläontolog-, historische und archäologische Studien — Erforschungs- Expeditionen in allen Welttheilen — Neue Erscheinungen aus der Fachliteratur (selbständige Feuilletons mit weitgehendsten Citatcn) — Personalien berühmter Reisenden und Forscher Rubriken der Touristen -Zeitung: Saisonbilder — Bädernachrichten — Touristenchronik» ein Rdsumd des touristischen Lebens und Treibens dev Gegenwart: Pavforcetouren, sensationelle Unglücksfalle, Gesellschafts- und Rundreisen, Fusstouren, Führerwesen, Klubleben, Terrainver- schünernngen, Gebirgsanlagen, hervorragende touristische Leistungen, Erstbesteigungen, Erfindungen; Epochemachendes aus der Yerkehrswelt: Marine, Eisenbahnen, Telegraphik, Postwesen, Fracht, Maut, Pass, Geld, Hotels, Kurorte etc. — Naturereignisse: "Vulkanausbrüche, Erdbeben, Bergrutsche, Lawinenstürze, Ueber- flutungen, Orkane, Meeresstürme etc. — Meteorographie: Kosmische Phänomene und Beobachtungen — Lesestübchen: literarische Notizen, Verzeichnis der Novitäten aus den Fachgebieten, Zusammenstellung von Quellen für Specialstudien — Rundschau über Volks- und Kulturleben (Volksfeste, Ausstellungen, Kongresse etc.), Kunst und'Wissenschaft. Die Administration der Wanderlust in München, Vorstadt Schwabing. Riviera di Levante jbTesrvi Riviera di Levante Klimatischer Winterknrort Grand Hotel und Pension Anglaise 1/4 Stunde Bahnfahrt von Genua. — In herrlicher Lage mit prachtvoller Aussicht und Benutzung des Parks und der Villa Gropallo. Von Deutschen sehr besucht. H. Engel, zugleich Eigenthtimer des „H&tel de la Ville“ in Genua. lNTied.ex-W7-a.ld. To. ^k.ssxxisixixislxa,To.seix Am Rhein HOtel Jagdschloss Am Rhein Mitten im Wald, unweit des Germania-Denkmals gelegen; wird von Aerzten als Luftkurort empfohlen. Sehr massige Preise, selbstgezogene Weine. J. A. Jung. f ■1 Per „Schweizerliofi* liegt nor fflnf Minuten von der Station NEEHAUSEN (nicht das nächste BötH), in anerkannt schönster Lage vis-A-vis dem Rheinfall, inmitten grosser Gärten und Waldparkanlagen und bietet eine der großartigsten und imposantesten Aus- und Fernsichten der Schweiz. 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Bra.gr Hotel d’Angleterre (EnglisclierHof) In unmittelbarster Nähe des Wiener, Dresdener und Breslauer Bahnliofs Einzelnen Touristen sowohl wie Familien bestens zu empfehlen. Besitzer: F. Hüttig. Altstadt Prag - Altstadt HOTEL ZUM GOLDENEN ENGEL Dieses Hötel liegt in der Nähe des Dresdener und "Wiener Bahnhofs, des Post- und Telegraphenaints, des Zollamts, des Theaters, im Mittelpunkt der Stadt. Diner k part et a la carte zu jeder Tageszeit. — Equipage, kalte u. warme Bäder im Hause. Besitzer: F. Stickel, Besitzer: Prag- Josef Franta HOTEL STADT WIEN In unmittelbarer Nähe der Bahnhöfe, der Post und des llauptzollamts, ganz renovirt und komfortabel eingerichtet. — Vorzügliche Küche, gute Getränke, sorgfältige Bedienung und billige Preise. Eleganter Sommergarten, ganz neu liergeriehtet. Bad. Pagaz (Sclx-^eiz) HOTEL SCHWEIZEEHOE Ganz nahe den Bädern, mit schattigem Garten. Komfortable Einrichtung. Bei längerem Aufenthalt Pension. Billige Preise. _Besitzer: G. Jäkle aus Würtemberg. Eigenthümer: (Sclb.^reiz) Veith-Krauer HOTEL UND PENSION TAMINA Einziges Hötel, in unmittelbarer Verbindung mit der Bad- u.Trinkhalle, enthaltallen Anforderungen entsprechende Räumlichkeiten, schattigen Garten. Pensionspreise zu jeder Zeit, in der Vor- u. Nachsaison ermässigt. Für Touristen billige Gasthofspreise. Reading — Rüdesheim 51 Pariser Weltausstellung 1878 LE GRAND PRIX (La Grande Mddaille d’Or et le Diplome d’Honneur) Der allerhöchste Preis. — Der alleinige dem Biscuit-Handel ertheilte GROSSE PREIS 1 ist HUNTLEY & PALMERS READING BND LONDON zuerkannt worden Hoflieferanten Ihrer Maj. der Königin von England BISCUIT- täSHSU FABRIK Das Ehrendiplom und eine goldene Medaille der Academie nationale d’Agriculture, Manufacturiöre et de Commerce ä Paris ‘ Ausstellung London 1851 und 1862 I Ausstellung Lima 1872 Havre 1868 - Lyon 1872 - Amsterdam 1869 I • Santiago 1875 Ausstellung Paris 1855 und 1867 Weltausstellung Wien 187S: Fortschritts-Medaille (Medaille erster Klasse). Die höchsten Belohnungen Für Englische Biscuits sind Huntlcy & Palmers zuertheilt worden. üeicla.en.li.a,ll HOTEL BURKERT Kurhaus. Besitzer: Anton Burkert. Hotel u. Pension Rigi-Sclieideck (Schweiz) Endstation der Kaltbad-Scheideck-Bahn. — Eröffnung 10. Juni Bei Aufenthalt von 3 Tagen Pension von 8 Francs an, je nach Zimmer, inkl. 3 Mahlzeiten, Zimmer, Licht und Bedienung. Von Eröffnung his 15. Juli ermässigte Preise. Eigenthümer: Hauser & Stierlin. G5iTra, am G-ardasee Klimatischer Kurort HOTEL MD PENSION KEHN Deutsches Hotel, am See gelegen Neu und komfortabel eingerichtet. Pension inkl. Zimmer von 7Va Fr. an Massige Preise für Passanten Der Wirt ist den Fremden stets mit Auskunft zur Hand. Kern, Eigenthümer. G5-ü.d.esh.ei2m. am G5.lh.eim HOTEL JUNO Gegenüber dem Bahnhof, am Landungsplatz der Dampfschiffe gelegen. Herrliche Aussicht auf den Rhein. — Massige Preise. — Weine eiyenen Wachsthums. Besitzer: Gebrüder Jung. ^ll!IIIIHIIIIIIIIIIIIill!lll!lil!lllllll!l!llll!llllli[)[!lllllllllllflllllllll!!!llllllllllllllll[IIIW |l!IIIIII!llllillllllllllll!!!lllll«[!lllllll!l.....I.III.I...............II..II.....Illlllllllllllll.Illll.null.. 52 Rheinfall (Neuhausen bei Scliaffbausen) ggäpf 3 * Unmittelbar am Balmhof der «gj * Station NETJHAUSEN (Omnibus fg nicht nothwendig) und dicht am ghSSjS Wasserfall 8$^, uöqiaj^umjaq qoTS ‘„uösnequsj^; 'uaSqzuq-eg; uop tn qoqSq; öqoioAY £ 'sansSuSug-uapuiöJ^ joa ouau^vv ^!l!l!llllill!lllMI]ltlll!!!lil!llllll!lllllllllll![i>l!llllll|||!lll!ll!l!ll!!|||||||l!!l!llllllll!!lll!lll[li!l!ll!l)[ll!llllllll!!lllll!l!l!l!!IIIIIIIIIIIillll!I!ll!i!llll!!!!!!!llllllllll!llll!l!IIII!lll!IIIII!llllllll!!!llll!lllili!illll[l!llllllllU Rosenheim — San Rerao 53 I!!!lll!llllllllll!lllIIIIIIIIIIIIII!lillllll!l!lllllllllllllllliIIIIIII[i[lllllllt)lllllllllilllllllllllllllllll"M ^osezilxeim. HOTEL BAYRISCHER HOE In der Mitte der Stadt, neu und elegant eingerichtet. Omnibus am Bahnhof. Nur Frontzimmer. KURHOTEL MARIENBAD Vollkommen freie Lage mit prächtiger Fernsicht. Eisenhaltige Mineral-, Moor-, Sool- und Dampfbader. Massige Preise. Wagen am Bahnhof. Besitzer : M. Kuchler. Deutschland - Dänemark - Schweden (•via Rostock — Nykjöbing) Die diesjährigen Fahrten des eleganten Post-und Passagierdampfers „Rostock“ zwischen Rostock und Nykjobing a/F. beginnen am 19. April. Abfahrt von Kostock: Morgens 9 Uhr nach Ankunft des ersten Eisenbahnzugs: im April, Mai und September jeden Montag, Mittwoch und Freitag. Morgens 8U2 Uhr im Juni, Juli und August täglich mit Ausnahme des Sonntags. Abfahrt von Nykjtibing: Nachmittags 21/2 Uhr nach Ankunft des Zugs von Kopenhagen: im April, Mai und September jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Im Juni, Juli und August täglich mit Ausnahme des Sonntags. Durchgehende Billete von Berlin, Hamburg undRostock nachKopenhagen und vice versa. Rostock, im März 1880. Die Direktion: B. Beselin. G. Jung “hotel de L’EUROPE und Pension Jung Beide vis-ä-vis dem Bahnhof, in der Mitte eines prachtvollen Parks gelegen, mit schönster Aussicht auf das Hochgebirge. Massige Preise: Zimmer von 1 Fl. aufwärts. — Bei längerem Aufenthalt die günstigsten Bedingungen. Sa.lzToio.rg' HOTEL ÖSTREICHISCHER HOE Prachtvolle Lage, komfortabel eingerichtet, aufmerksame Bedienung. Mässige Preise. Zimmer von l Fl. an. Friedr. Schwarz, Besitzer des „Hotel und Pension Schwarz“ in Merän (Tirol). San HOTEL WESTEND Haus ersten Ranges Prachtvoller Neubau mit 100 Zimmern, in geschützter Lage mit prachtvoller Aussicht. Deutsche Bedienung — Für Familien konvenable Arrangements, z: R. Wülfing, Besitzer. |ll!IIIIIIIINI|j||l!|[!fll!lllllliil!llll[[!!!llllllll!!{!!!l|||||I!ll!lllll|)l!!ll||||l![|||!llll[|il||||!j|||||lllllll!!l|IM 54 San Remo — Silvaplana San. Bemo GEATO HOTEL VICTOEIA Deutsches Haus ersten Banges Mit dem schönsten und grössten Garten an der ganzen Riviera. Für Familien geeignete Arrangements. 0. PaniCCi, Eigenthümer. Sd3.aff3aa-a.son. HOTEL EHEINISCHEE HOE Unmittelbar am Bahnhof. — ßenonmiirtes Haus. — Massige Preise. H* Gilt > Eigenthümer. Besitzer: Sc!h.sm.cl.st*u. F, L. Rohde DAMPFSCHIFF - HOTEL Direkt am Landungsplatz der Dampfschiffe, mit schönster Aussicht nach der Elle. Verbunden mit Garten. Restaurant. Equipagen im Hotel. Solide Preise. tnterengadin Sc3a/U.ls Toei Tarasp Schweiz HOTEL UND PENSION NEU-BELVEDEBE mit Filiale PENSION ALT - BELVEDERE Die Bäder in Schuls (stärkster Eisensäuerling) sind seit 1. Juni 1879 eröffnet Wägen zu den Salzquellen gratis. Conradin Arquint. SCHWEDEN und NORWEGEN Mit Dampfer „Av anti“ 3mal wöchentlich Fahrt zwischen Frederiksliavn in Jütland und Gothenburg in Schweden Abfahrt von Frederikshavnt Montag, Mittwoch, Freitag 12 Uhr 30 Min. Nachmittags; Abgang von Hamburg Abends vorher Abfahrt von Gothenburg: Dienstag, Donnerstag, Sonnabend 9 Uhr Morgens, nach Ankunft des Schnellzugs von Stockholm Direkte Billete werden auf den Eisenbahnstationen Altona, Hamburg, Berlin, Bremen und Osnabrück ausgegeben. _ Das Direktorat der Dänischen Staatsbalmeii. SxlT7-apla,C3.a, Hotel H1Y’ALTA Pension Vormals de la poste Hotel I. Ranges mit 80 Betten, 6 Salons; Pensionspreise 5 Fr., Zimmer von 2 Fr. ab. Horm. Schmückte. Sicilien — Spezia 55 Sicilieaa. — -A-cireale Grand Hotel des Bains Cafö restaurant, table d’höte, dlaers a part a toutes heures, chambres ä differents prix avec des cheminees, appartements comfortablea, salons de lecture et de conversation, billard etc. Grand Etablissement de Bains tli6rmo-min6raux et hydroth&rapiques Appareils balneaires les plus complets et les plus perfectionnes; bains russes, parfumes, etc. Salons de rdunion, salles de jeux. Piano. Directeur General G. l)r. 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August: STETTIN jeden Mittwoch und Sonnabend Nsehm. I1/3 Uhr KOPENHAGEN jeden Montag und Donnerstag Nachm. 2 Uhr Passagepreis: I. Kajüte 18 M., II. Kajüte 10,50 M., Deckplatz 6 M. Hin- und Zurückbillete (30 Tage gültig) I. Kajüte 30 M., II. Kajüte 18 M., Deckplatz 9 M. In Berlin bei der Billetausgabe der Berli n-Ste ttiner E isenbahn werden Billete von Berlin nach Kopenhagen sowie Hin- und Zurückbillete und Rundreiseblllete (30 Tage gültig) zu ermässigten Preisen verkauft. Rud. Christ. Gribel in Stettin. Stoclsliolm. HOTEL KUNO CAKL Dieses Hötel ersten Ranges, im centralen Theil der Stadt, elegant und komfortabel eingerichtet, bietet resp. Reisenden 120 Zimmer. Restaurant, Cafö und Billard. Deutsche Zeitungen. Ed. Josephson. Hötel und Pension "IZTTT? AT> CHHAACI 3 Std. ob Brunnen am 1293 m fl. 31. jYU_DA/XL-L VOAUUio Tierwaldstätter See Herrliehe Alpenluft, geschützte Lage, Kuh-, Ziegenmilch und Molken (eigene Sennerei). Schöne Aussicht. Spaziergänge in Waldungen und Uber Alpen. Wegen seiner geschützten Lage dem Rigi vorzuziehen, hauptsächlich für die Monate Juni und September. Gute Küche, reelle Weine, billige Preise und freundliche Bedienung. Offen vom 10. Juni bis 30. September. Hochachtungsvollst empfiehlt sich der Eigenthümer: Carl Müller-Camenzind. ....IIIIIII»!!I1IIIII1IIIIII...llll!IHIIlll!!lllll!!llllllll«llll[!!!inill!]ll!lll«llll[llll!!ll!Dllllllllll!llll!l!!IIIM^.IIIIIIIIII1IIIIIIUIII1 Stralsund-Malmö — Tetschen a. Elbe 57 Stralsund-Malmö (Kopenhagen) Ueberfahrt in 8 Stunden Postdampfschiff „OSCAB,“, Kapitän Alwert Fahrplan vom 2. Mai bis 30. Sept. 1880: Abgang aus Stralsund: Montag, Mittwoch u. Freitag bei Tagesanbruch - Malmö: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend früh 1 Ulir Das Schiff ist mit grossen. Salons auf und unter Deck, und Schlafkabinen versehen. Die Fahrten korrespondiren in Stralsund und Malmö mit den Eisenbahnzügen. Direkte Billete zwischen Berlin und Kopenhagen und Rundreise-Billete auf dem Berlin-Stettiner Bahnhof in Berlin» erstere auch bei Herrn E. Friis in Kopenhagen. Heinrich Israel, Stralsund. Stxa.sst3-va.xg- i. Slsass HOTEL WIENER HOE Dem Centralbalmhof gegenüber. — Besitzer: J. Stamm Gediegener alter Gasthof, freie und belebteste Geschäftslage der Stadt. — Table d’höte 121/2 Uhr; gute Bedienung und massige Preise. (N11. Gegen Abgabe der Gepäckscheine im Hotel werden die Effekten vom Bahnhof sofort bestens besorgt.) St-u.ttg-a.xt HOTEL MAHQIJAHDT Gasthof I. Ranges mit 240 Zimmern, neben dem Bahnhof, gegenüber der Post, dem Königsbau, dem königl. Residenzschloss, nächst dem Theater, dem Marstall und den königl. Anlagen. Hydraulischer Aufzug. Räder. Preise der Zimmer von 2 Hark an. Besitzer: Bad. S-ucLerccle a. Haiz Fr. Mohr MÖHRS HOTEL UND PENSIONAT Altrenommirtes Haus, grosse Restauration, Garten, prachtvoller Neubau, bequemste Lage nächst der Post und dem Walde. Hält sich den geehrten Badegästen und Touristen bei streng billigen Preisen bestens empfohlen. Logis von 1 Mark, mit Pension von 4 Mark an. Vorzügliche Küche, exquisite Weine und Biere, Table d’hote 1 Uhr zu 1—1,60 Mark. Vereins-Omnibus (Bahnhof Quedlinburg). Prospekte franko und gratis. Bade- und Hausarzt: l)r. ßarwinski. Teg-exxxsee (OtoerToa^em) HOTEL ZUR POST Einziges Etablissement, unmittelbar am See gelegen, mit herrlicher Aussicht. Zimmer von 1,70 M. an. Pension mit Zimmer 5—6 M. Feine Küche. Zwei Dependenzen. Besitzer: Carl Lehr. 331-u.xoxt Teplitz - Solxöixa,-u. i. IBSlxixxexx HOTEL ZUM KÖNIG Y0N PEEUSSEN Am Stephansplatz, Mittelpunkt zwischen Teplitz und Schönau, vis-a-vis demKaiserbad und Kurgarten gelegen, bietet durch diese besonders günstige Lage, komfortable Einrichtung u. gute Küche einen angenehmen Aufenthalt für Kurgäste u. Passanten. Ön parle fran^als. — Omnibus amBahnhof. — Equipagen im Hotel. — English spoken. Cretsclxexi. s_. BBltoe HOTEL ZUE GOLDENEN KE0NE empfehle dem P. T. reisenden Publikum einer gefälligen Beachtung. Achtungsvoll IV. Wokiirka. .ll!!IIIIIIIIIIIIIIIIIII!llll|]i!lllll!lll!llll|llIIlllllllll!IIIIIIIIflllllll!l!l!lililllllllilflllilllllllIIIIIIII[illllllll!lilllll!flllll!lllllllllllW Pl[![l!lllll!l]l)illllllllllll!i!llllllll![||||l![![|||||||l!!lllll!lllll!lllll!l!lllli[|[lllllll!llll!lllll!lll!!llll|jlllllll!l!lllll!ll!l!lllll^ 58 Thun — Trient Berner Oberland Tliur. Schweiz Grand Hotel de Thoune Ch. Staehle, ehern. Direktor des „Hotel Baur au Lac“ in Zürich Hotel ersten Ranges Mit allem Komfort der Neuzeit, verbunden mit bescheidenen Preisen Einzig schöne Lage am Thuner See mit grossartigem Blick auf die Gletscher- und Alpenkette Nähere Auskunft ln RIESELS Reise-Komptoir in Berlin, Jerusalemer Strasse 42 Das Hotel ist vertun den mit „Hotel Steplianienbad“ in Baden-Baden. Tli-u.ii HOTEL ZUM FALKEN An der Aare Beste Lage, prachtvolle Aussicht, sehr massige Preise, grosse Restaurationshalle mit offenem Bier. J. Matti, Eigenthümer. Tli-u.sis (G-ra.-u.To-ü.iid.exi) Hotel und Pension Yiamala Anerkannt beste Lage in Thusis, die Viamalaschlucht und der Piz Beverin der Front des Hauses gegenüber. Das Hotel wurde 1878 bedeutend vergrüssert und komplett neu eingerichtet. Grosse Park, anlagen. — Schöne Waldspaziergänge in unmittelbarer Nähe. Beste Uebergangsstation für Besucher von Engadin und Davos. Billige Pensionspreise. English Church Service during the season. A. Schreiber, Besitzer. Besitzer: Triexit F. J. Oesterreicher Grand Hotel Trento (Trienter Hof) 80 Zimmer zu 80 Nkr. bis 1 Fl. 50 Nkr., Salons zu 2 Fl. 50 Nkr. bis 8 Fl. Komplettes Frühstück 60 Nkr. Table d’h&te um 1 Uhr 1 Fl. 50 Nkr., um 61/2 Uhr 2 Fl. Vorzügliche Restauration und grösste Auswahl von la. Tiroler Specialweinen. Das Hötel ist nach Schweizersystem eingerichtet, bietet grössten Komfort bei massigen Preisen und ist durch seine klimatische Lage zum Winteraufenthalt bestens zu empfehlen. Triberg — Bad Veldes 59 pilllll!lllltl!!lllllll!l!lllllll!!llllllllllj[![|lllll[[l rPriToorg" Mittel- und Glanzpunkt der Badischen Schwarzwaldbahn Bieringers SCHWARZWALD-HOTEL Dieses im grossartigsten Schweizerstil erbaute, vor einigen Jahren mit glänzendem Erfolg eröffnete, von hohen, höchsten und allerhöchsten Herrschaften, zuletzt von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser, mit hohem Besuch beehrte Hotel I. Ranges hat Beine volle Anerkennung bereits bei allen Besuchern Tribergs gefunden und wird am 1. Mai d. J. wieder eröffnet werden. — Auf einer reizenden Anhöhe in fast unmittelbarer Nähe des Wasserfalls gelegen, von Parkanlagen, hübscheu Spaziergängen und Tannenforsten umgeben, von allen Seiten die herrlichsten Aussichten darbietend, wird dieses im badischen Schwarzwald einzig in seiner Art dastehende Etablissement jeden Besucher durch die Eleganz, Zweckmässigkeit u. den grösstmöglichen Komfort seiner Einrichtungen überraschen und vermöge seiner Höhenlage (900 m ü. M.) den gesündesten und angenehmsten Luftkur-Aufenthalt bilden. Das Hotel enthält 80 feinst möblirte Fremdenzimmer und Salons mit 120 Betten, 26 Balkons, grosse, schattige Terrasse mit Pavillon, grossen Frühstücks- und Speisesaal, Rauch-, Lese- und Konversations-Salons, in jedem Stockwerk kalte, warme und Douche- Biider und wird sich das bereits erworbene Renommee vorzüglicher und billiger Bedienung zu erhalten bestens bes:rebt sein. Table d’hote um 1 und 5 Uhr. Omnibus am Bahnhof. Wägen zu Ausflügen. Sorgfältig ausgewählte Zeitungs-Literatur. Pianinoim Konversationssaal. Wöchentlich einmal bengalische Beleuchtung des Wasserfalls. Eigenthümer: L. Bieringer, □T-u-rixi GRAND HOTEL DE TURIN Gegenüber dem Uauptbahnhof (Porta Nuova), Ankunftseite Zweiggeschäft des BERNERHOF-HOTELS in Bern und KRAFTS »Hotel de Nice« in Nizza Einziger neu erbauter, nach schweizerischen Principien geführter Q-ASTHOF ERSTEN RANGES, gegenüber dem Bahnhof, der Post und denTelegraphen-Büreau’s. Durch seine Einrichtung allen Anforderungen der Neuzeit entsprechend Vereinigt mit allem Komfort die grösste Reinlichkeit u. Aufmerksamkeit Deutsche Zeitungen — Deutsche Bedienung. 'T-u.xira. HOTEL EEDER Selbes Haus Ilötel Brun in Bologna In nächster Nähe der Piazza Castello und derYia di Po. Das Haus ist im Winter geheizt. Massige Preise. Weller & Comp. Bad. Veldes (OToerteradn.) HOTEL MALLNER AM SEE Mit. Pr.st- und m.+ .v»/,.. ToBta dn.f»to Mit Post- und Telegraphenamt. Grosser Speisesaal mit Lesezimmer. Table d’höte. Heizende Gartenanlagen am See. Equipagen und Schiffe im Hotel. Eigenthümer: Johann Mallner. si!llllll!llllllllllllllllillllllliilllll]llil!llilll!llllll!ll!llllllillll!lllll(li!!!lllllllllllllllllll!!l||||lllil||||||!llM 60 Venedig — Verona |PII[0!!lllll!!!!llllllil!!l!ll!llllll[|l!lllllllll!!!llllll!i!!lllllll!lllllll!I!!llllll!llllllll!ll!IH llll!!lll!IIIIII!!!llll!ü “V e:ne3.ig* Grand Hotel d’Italie und Hotel Baner Deutsches Haus ersten Ranges • Am Canal Grande Durch Neubau bedeutend vergrössert “®8 Süss- und Meerwasserbäder. Hotel-Gondel am Bahnhof Für langem Aufenthalt Pensionspreise. Bauer Griiinvald, zugleich Besitzer des Cafe-Restaurant Bauer Grünwald in Verona. "\7" ezied.ig^ HOTEL VICTORIA Sehr gute Lage. Ausgezeichnete Küche und Keller. Grosse, schattige Terrassen. Bäder. Deutsche Bedienung und Zeitungen. Billige Preise. Besitzer: Emil Thoma. "V erona HOTEL ßAINEK Einziges deutsches Haus I. Hanges Recht, massige Preise — Gute Küche Wiener Biere — Deutsche Zeitungen — Lesesalons Zimmer von 2 Fr. an aufwärts. Besitzer: Jac. Rainer. "V erona GrßAND HOTEL DE LOKDEES (Ehemals Tour de Londres.) Erstes Hotel in Verona, in schönster Lage der Stadt, nächst dem Romanischen Amphitheater und der evangelischen Waldenser.Kirche; Table d’höte. Lesesalons mit deutschen Zeitungen. — Omnibus am Bahnhof. Man spricht die Hauptsprachen. — Antonio Margutti, Führer des Hötels. Besitzer: Achille Ceresa. "V eioita Cafe-Restaurant Bauer Grünwald Mit grosser Badeanstalt. Wannen-, Douclie- und Dampfbäder. Schwimmbassin Der grösste Garten Italiens. Wöchentlich mehrmals Konzerte Bauer Grüuwald, zugleich Besitzer des Grand Botel d'ltalie und Botel Bauer in Venedig. Pnlllllllillllllll!IIIIIIIIIIII!llllllllIllllll]tl!Nilllllllllfl!llllllllllllllll!!!lllllll!lllllllllI!IW p!l!!llll![!l!{|||lllll!ll[|li!!!!llllll[l!f!IJ!lll[l!(!!!!lllll!i[[!lllllll(IJ!I!ll!lllii!lllllllll!!f!IIIIIN^^ Vevey • Montreux 61 Ill!lll!!lt[|!lllllll!lll|]|l!!l11llllll!lli:itlllllllli!illll!lllllll!lll!l!lllll!llllllll!ll!ll!l!liiillll!illllll!!!lllllll!l!lliy VEVEY-MONTBEUX Genfer See Clärens, Vernex, Territet, Veytaux, Villeneuve, Les Avents, Glion, Yillars snr Ollon - (M955Z) Hotels und empfohlene Pensionen V evey: Pension du Chateau Hotel des Trois Couronnes 100 Zim. Grand Hotel de Vevey . 100 - Grand Hotel du Lac . . 80 - Hotel Mooser (Chemenin) 80 - Hötel d’Angleterre . . 40 - Pension Comte Pension Mon-Desir. Restaurant Bellevue 30 Zim. 30 • 18 - Hotel des Alpes . . . . 100 Zim. Hötel et Pension Yautier 80 - Hötel National .... 60 - Ilötel du t’ygne .... 60 - Hötel Beau-Rivage . . 60 - Hötel Monney. 60 - Pension Lorius .... 60 - Hötel Roy. Langbeins Hötel Beau- 45 - Sejour. 40 - Pension Mooser .... 35 - Hotel Suisse. 30 - Hötel Roth. 30 - Hötel des Cretes. . . . 30 - Pension Ketterer . . . 26 - Montreux:: I^ension Pillivet .... 25 Zim, Pension Masson . Pension du Chätelard Pension Bellevue . Pension Bonivard . Pension Visinand . Pension Clarentia . Hotel Victoria . . Hötel d’Angleterre . Pension Mury-Monney Pension Mont-Pleury . Pension Monnoud . Pension Printaniere Pension Depallens . Pension Germann . ■Villeneuve: Hötel Byron 60 Zimmer Umgebungen von Montreux: Glion oder Rigi vaudois (Höhe 626 m) Hötel du Rigi 80 Zimmer. — Hötel Victoria 60 Zimmer H-es Avents (Hölle 950 m) Grand Hötel des Avents 80 Zimmer Villars Snr Ollon (Höhe 1275 m) Hötel du Grand Muveran 100 Zimmer. — Pension des Chalets 20 Zim. Diese verschiedenen Orte liegen in einer fruchtbaren und entzückenden Gegend, durch eine Bergkette gegen die Nordwinde geschützt. Das durch besondere Milde ausgezeichnete Klima hat ihr den Beinamen „das Nizza der Schweiz“ verschafft und kann mit dem der begünstigtsten klimatischen Kurorte wetteifern. Diese Temperatur ist es, welche während des ganzen Jahrs die Anziehung für Personen, deren Gesundheit Fürsorge und Vorsicht erheischt, bildet. Man verlebt dort den Herbst für die Traubenkur, den Winter, um sich gegen die Kälte zu schützen, und das Frühjahr, um dort den schnellen Naturwechsel zu bewundern, welchen die Sonne auf den Höhen der benachbarten Berge hervorruft. — Im Sommer sind diese durch die Brise des Sees erquickten Ortschaften der Mittelpunkt interessanter Ausflüge, unter denen besonders zu erwähnen sind: Glion, Les Avents und Villars hei Ollon, drei zu dieser Jahreszeit sehr beliebte Kurstationen, deren jede mit Post- und Telegraphenbüreau. Diese Hotels und Pensionen bieten allen modernen Komfort zu verschiedenen Preisen, zwischen 5 — 10 Francs pro Tag. — In Montreux Kursaal mit grossem Park. Orchester in den meisten Etablissements. Zwölf Dampfboote und Eisenbahnzüge pro Tag nach jeder Richtung. llllll!!ll!lllllllllilll!llllllllilllll!!il!til!llllllffllllllHII!!llllllllllllllllli!llll]!lllll||l|l!!lllllll!lij!llll!!!Ili!llllli!ll!IIIW I 62 Wernigerode a. Harz — Wien ‘ r \^7‘eraa.ig'er©d.e su. lESIa-rz HOTEL ZUM GOLDENEN HIESCH Empfiehlt sein bedeutend vergrössertes, vis -& .vis dem gräflichen Schloss gelegenes Hötel mit Billard, Garten und Kegelbahn allen geehrten Reisenden unter Zusicherung solider Preise und aufmerksamer Bedienung. Logis inkl. Bedienung und Licht 1,26—2 M. Equipagen im Haus. Hötelwagen zu jedem Zug am Bahnhof. Besitzer: E. P. Vf. Seyler. Besitzer: ~\K7~ errr^ig-ered-e a. jEIarz c. Knauf KNAUFS HOTEL Gut eingerichtetes Hötel I. Ranges, mit grossem Garten, Parkanlagen und Terrassen. Prachtvolle Aussicht nach dem nahen Schloss und dem Brocken. Eignet sich vortrefflich für Jängern Aufenthalt, da der Garten mit den schönen Aussichtspunkten einzig in seiner Art in Wernigerode ist. Sehr solide Preise. Pension von 4,60—5 M. Forellen sowie andere Fische stets zu haben. Table d’höte um 1 Uhr 1,76 M. Schüler in grosser Zahl & Bett 1—1,26 M. Hötelwagen bei jedem Zug am Bahnhof. Wien. Erste k. k. priv. Donan-Dampfscliiff- fahrts - Gesel lschaft Auszug aus der Sommer-Falirordnung der Passagierschiffe pro 1880 : Von Passau nach Linz tägl. 3 Uhr Nachm. - Linz nach Wien tägl. 71/2 Uhr früh - Wien nach Pressburg täglich 5 Uhr Nachm, (mittels Lokalschiffs) - Wien nach Budapest tägl. 7 Uhr früh - Wien nach Huhnes tägl. 7 Uhr früh - Wien nach Semiin tägl. (Mittwoch ausgenommen) 7 Uhr früh - Wien nach Orsova und den Stationen der untersten Donau Dienstag und Freitag 7 Uhr früh Ankunft in Orsova Donnerstag u. Sonntag früh - in Giurgevo Freitag u. Montag in Galatz Donnerstag, Samstag und Dienstag Von Linz nach Passau tägl. 6 Uhr früh - Wien nach Linz tägl. 61/2 Uhr früh - Pressburg nach Wien tägl. C Uhr früh (mittels Lokalschiffs) - Budapest nach Wien tägl. 6 Uhr Abds. - Jlohäcs nach Wien tägl. li/a Uhr Nachm., ausserdem tägl. (Montag ausgenommen) 2i/a Uhr früh - Semiin nach Wien tägl. (Sonntag ausgenommen) 6 Uhr früh - Orsova nach Wien Donnerstag und Sonntag früh - Giurgevo nach Wien Dienstag und Freitag Nachmittags - Galatz nach Wien Montag u. Donnerstag 9 Uhr Vormittags Die Betriebsdirektion. Wien. GBAND HOTEL NATIONAL II. Bezirk, Taborstrasse 18 Dieses günstig gelegene, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Hotel empfiehlt sich aufs beste den P. T. Reifenden sowie auch Familien. p. M. Mayer. |pi)l!lllllllll!!l!llll!llll!llll)IIIIII!!llllll!!l!!lll!IIIf:!lllllll!!!ll!llllilll[!lllll!l[|llilli!lill!lilllllllllll[|||||||[l!IW ■Wiesbaden 63 t i:illll!llllil!!!llllli|[|||II[!!llll|[lll!ll!l!lllllll[lllllll!!lll WIESBADEN Altbewährte, seit vielen Jahrhunderten bekannte alkalische Kochsalz - Thermen ( 30 —550 Kdaum.) Kur ununterbrochen während des ganzen Jahrs Nahe an 900 Thermalbäder. Kaltwasserheilanstalten. Fichtennadel-, Russische, Römisch-Irische, Dampf- und Schwimmbäder. Mineralische und medicinisclie Bäder jeder Art. Heilgymnastische Anstalt. Pneumatische Apparate. Elek- tricität. Berühmte Augenheilanstalt. Molken und Ziegenmilch. Milchkur- Anstalten. Mineralwässer aller bekannten Quellen in Arischester Füllung. Traubenkur. Gedeckte Wandelbahnen. Täglich Konzerte des städtischen Kurorcliesters in den prachtvollen Sälen des Kurhauses, in den Gärten n. am Kurbrunnen. Militär-Konzerte, Extra-Konzerte. Lesekabinet mit 300 Zeitungen. Spielzimmer, Cafesalons und Restaurations- säle, Billards, Parkanlagen und Trinkhalle. Iteich dotirtes königliches Theater. Bälle und Käunions. Jagd und Fischerei. Anerkannte Lehranstalten und Institute. Gymnasien und Pensionat«. Vorzügliches Klima, prachtvolle Lage und reizende Umgebung, in nächster Nähe des Rheins. Ausflüge per Eisenbahn und Dampfboot. Amtliche Versendung von Wiesbadener Thermalwasser (Kochbrunnen) Prospekte gratis. Städtische Kur-Direktion zu Wiesbaden: F. Hey’I. ■^7"ies"ba-d.ei3. Wasser-Heilanstalt DietenmüMe In den Kuranlagen, in ländlicher Ruhe. Komfortable Einrichtung. Erfrischende. Luft. Wasserkur. Elektricität. Komprimirte Luft. Römische Bader. Arzt im Haus. Kur das ganze Jahr. Direktor: Dr. Zinkeisen. ■^7"iesToa,d.eM. ZUM SCHWARZEN BAREN Hötel und. Badehans Nahe dem Kochbrunnen und Kurhaut HO Zimmer und Salons; geräumiger Speisesaal; FrühstücksLese-, Kauch- und Musikzimmer; 60 Badezellen, einen hübschen Garten umschliessend Table d’hote um 1 und 5 Uhr Aufmerksame Bedienung — Massige Preise. Besitzer: Otto Frey tag. "\7\7"ies"ba,d.ei3. Kurhaus zu den Vier Jahreszeiten Schönste Lage am Theaterplatz, gegenüber dem Kursaal und der Wandel- bahn. Komfortable Familienwohnungen. Einzelne Zimmer von M. 2 an. Badehaus mit eigener Quelle. Feinste Table d’höte und Weine. Solide Preise. Pension. Neuer Besitzer: W. Zais. mn...um.um.......um.... 64 Wiesbaden — Zürich Eigenthümer: ’V\7'icsToa-d.OJl J. Berthold Hotel und Bäder zum Englischen Hof Am Kranzplatz, ganz in der Nähe des Kochbrunnens, der Trinkhalle, des Theaters und des Kursaals. Mineralbäder, gespeist direkt aus der Hauptquelle, dem Koeh- brunnen. Komfortabel eingerichtete Wohnungen. Zimmer von '2 M. an. Gute Küche u. rein gehaltene Weine. AufmerksameBedienung. Während d. WintersaisonPension. ATT'iesToa-clen TAUNUS - HOTEU Vis-a-vis den Bahnhöfen. Bougie und Service werden nicht berech- net. Zimmer Ton 2 M. an. Hugo Scllliedtke. Besitzer: Wonn.s (Jebr. Meyer HOTEL EUBOPÄISCHEB HOE und. "Weinliandlvmg Vis-ä-vis dem Bahnhof und in der Nähe des Lutherdenkmals und des Doms Verbunden mit Caf4 - Restaurant und Gartenwirtschaft Aufs komfortabelste eingerichtet. Mässige Preise. Table d’höte 123/4 Uhr. ■\X7" -OirzTo-u-xg- Julius Ammon ZUM KHONPBINZ VON BAYEM Hötel ersten Rang-es Beehrt durch die Anwesenheit Seiner Majestät des deutschen Kaisers In der Nähe des Bahnhofs, der königlichen Residenz gegenüber, im schönsten Theil der Stadt gelegen, mit einem geräumigen Garten am Haus. — Neu und komfortabel eingerichtet. — Table d’höte um 1 Uhr, Diners ä pari und ä la carte zu jeder Tageszeit. — Badeeinrichtung im Hotel. Omnibus zu j edem Zug am Bahnhof. Aufmerksame Bedienung. Mässige Preise. Besitzer: SZittaia. A. A. Schröder Hötel zur goldenen Sonne I Am Markt. 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Sj-ü-ricli MOOSEES HOTEL Hü LAC Haus I. Ranges in schönster Lage am See. Carl Eiesels Eeise-Comptoir Hauptgeschäft: Berlin SW, Jerusalemer Strasse 42, am Dönhofsplatz Filiale: Leipzig, Grimmaisehe Strasse (Cafe I’ran§ais) Mit der „Amtlichen Auskunfts- und Verkaufsstelle der Eisenbahn- billete“, bietet dem reisenden Publikum: Billete zu ermassigten APreisen. zu den Separat -Kurierzügen nach Dresden und der Sächsischen Schweiz (mit Bons für die Dampfschiffahrt), Harzburg, Tliale, Dessau und Wörlitz, Hamburg, Helgo- land etc., Nordbausen und der Goldenen Aue (Kyffhäuser), Cassel, Frankfurt a. M. mit Anschlussbilleten auf 6 Wochen nach dem Rhein, Süd-Deutschland, Schwarzwald sowie der Ost», Central» und West »Schweiz» Auch nach München mit Anschlussbilleten auf 6 Wochen nach Tirol, Salzknmiuergut und Italien. Za Gesellschaftsreisen nach Oberitalien, Wien, Paris, resp. London, Süd-Deutsch« land und der Schweiz, via Rigi, St. Gotthard, Ober-Italien, Skandinavien, Spanien und Süd-Frankreich (Provence). Vom 1. Mai bis Ende September: Billige Retour- blllete nach Dresden und der Sächsischen Schweiz, Harz (6 Wochen), Riesengebirge (6 Wochen), Stralsund und Rügen (6 Wochen), Stettin und Kopenhagen (30 Tage) und Rundrei8ebiilete nach dem Rheinland, Metz, Basel, Bayern, Tirol, Oesterreich, Schweiz etc. (30 Tage). Zu jeder Zeit: nach Cassel (4 Tage), Frankfurt a. 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Ausserdem Verkauf aller Arten Tour-, Retour- und Kundtour- billete ohne Aufschlag sowie Lager und Verkauf von „Meyers ReisebUcher“. fiiUUIIIIIlllllilllllllllljjjllllllljlllHllllllllllllllllM 60 Neuchätel pti![il!l!llill!l!lltn[l!!llll!l!i]!!llll]EII!!!llllll!lll!!!lllll!II!llll!!l)li[lllllll!!lilll!![!ll!!lll!ll[!llll!!!!llll!l!lllll!ll[!lllii!ll!llll!lll!l!ljll!llll!liI!lll!I!!!llll!!!!lll!!ll!llllj!!!!llll!ll!!lll!l[l!!l)1l!llll!ll[|||!![||ll!IIlllll]||||lllll^ Goldene Medaille in Paris 1878 "®a CHOCOLAT SUCHARD LES CHOCOLATS SUCHARD (rev§tus de sa signature) sont garantis pur Cacao et Sucre sans autre melango hbb mm CHOCOLAT , U. wm, Observer la marque de fabriqiue et la signature ci-dessus Die Chokolade ist eins derjenigen Nahrungsmittel, das seine Vorzüglichkeit einer richtigen Auswahl der verwendeten Rohstoffe und einer gewissenhaften Vermeidung jeder trügerischen Beimischung verdankt. Der wohlverdiente Ruf der Chokolade Suchard gründet sich ausserdem noch auf: 1) Eine fünfzigjährige Erfahrung in der Zubereitung dieses nahrhaften und angenehmen Produkts. 2) Eine glückliche Vereinigung von gewaltigen Maschinen mit den neuesten Verbesserungen und einer bedeutenden Wasserkraft, durch welche eine ausserordentliche Feinheit des Fabrikats erzielt wird. 3) Einen grossenAbsatz nach allenGegenden undDandern der Erde, welcher eine namhafte Ersparnis in den Fabrikationskosten gestattet und deshalb die Herstellung einer billigen und dennoch vorzüglichen Chokolade ermöglicht, welche beiden Eigenschaften der Chokolade Suchard unbestritten und bereitwilligst zugestanden werden. Die Chokolade Suchard ist überall zu haben Eutrepöt General a Paris, ßue Jlontmorency 16 - - ä Londres, 36 ÜUincing Lane EG. mllllll!lll!llil!tlllllllilllIIIilllllllllllllllll]:iliilll[l!llll|]!lllt[il!ll|||||i!II|[|||!ll||)ill!||||||||||ii[|||||||j|ll||!l|||IH:il|||||]!]|||||||l!l|[|||||||]j|[||||||j;j||||||j)||j|||||l[ll||]|lll|||||jj||||jl[||;.|]|||||||ji!||||iiiuil|]!ill!!lilii MEYERS REISEBÜCHER. Die grösseren »Führer« umfassen meist grössere Reisegebiete und bergen in ihrem grossem' Umfang die erschöpfendste Führerkenntnis mit einem sorgfältigen Apparat von bildlichen und topographischen Hülfsmitteln. ‘ Die kleineren und billigeren »Wegweiser •« beschränken sich auf kleinere Ge- birgspartien oder allgemein gesuchte Ausflugsgebiete, und diese wenigen entsprechen auch dem Reisebedürfnis der grossen Mehrzahl, welche mit Zeit und Geld zu geizen hat. Deutschland und Oesterreich: Nord-Deutschland, Führer, mit 34 Karten, 30 Plänen, 2 Panoramen 100 Ansichten.. Dritte Auflage. • Oestiicher und westlicher Theil. .Gebunden ä 3VI. 5,00. Süd-Deutschland , Führer, mit 23. Karten, 17 Plänen, 9 Panoramen, 64 Ansichten. Dritte Auflage. Gebunden M. 7,50. ÜheinldncLe (nebst Eisass-Lothringen), Wegweiser, mit 16 Karten, 22 Plänen und 7 Panoramen. Vierte Auflage. Gebunden M, 5,00. Thüringen, Führer von Schwerdt. Mit 12 Karten, 6 Plänen und 4 Panoramen. Dritte Auflage. Gebunden M. 7,50. . Thüringen , Wegweiser von Anding und Radefeld. Mit 1 Uebersichts- und 6 Routenkarten. Sechste Auflage. Kartonnirt M. 2,00. TLcir&f Wegweiser, mit 1 Panorama, 1 Reise-, 3 Wege- und 14 Routen- karten. Sechste Auflage. Kartonnirt M. 2,00. . Miesengebirge 9 W eg w ei s er von Lctznev. Mit 5 Karten und 1.Panorama. Vierte Auflage. Kartonnirt M. 2,00. Schwarzwalä 9 Wegweiser, mit 7 Karten, 4 Plänen und 1 Routennetz. Zweite .Aiiflage. Kartonnirt M. 2,00. Oesterreich-Ungarn, Wegweiser, mit 18 Karten,"2 8 Plänen und Grundrissen und .2 Panoramen. Zweite Auflage. Gebunden M. 6,00. Deutsche Alpen : Oberbayern, Tirol und Vorarlberg, Salzburg und Berchtesgaden, Oesterreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Führer, mit 25 Karten, 7 Plänen, 19 Panoramen und 35 Ansichten. Westlicher Theil, gebunden M. 7,00; Oestiicher Theil, gebunden M. 5,00. [Feber Land und Meer.] »Wir haben in dem Augenblick, da Deutschland ein Ganzes bildet, nun das ganze Vaterland in diesen trefflichen Reisebegleitern, an deren Hand wir unsere Heimat genau kennen und warm lieben zu lernen die beste Ge* legenheit haben. Man kennt die vorzügliche Anordnung und Behandlung des Stoffs, man kennt die Fülle und Vollständigkeit der Notizen, die der Verfasser so geschickt zu gruppiren weiss; man kennt die Schönheit und Gediegenheit der Ausstattung, die nichts spart, um dem Reisenden nach allen Richtungen anschaulich zu werden: Autor und Verleger haben auch hier nichts versäumt, was ihren Büchern den ganz spe- ciellen Werth gab.« [Globus«] »Die Meyer’schen Reisebücher stellen in der That das Vollendetste dar, was bis jetzt in diesem Zweig der Literatur geleistet worden ist, und zwar ebensowohl in Betreff des Nützlichen als des Angenehmen und Schönen.« [Bayrische Zeitung.] »Verfasser und Verleger haben es verstanden, im kräftigen, energischen Zusammenwirken diese Reisehandbücher auf eine Höhe zu heben, dass keine Nation, selbst die englische mit ihrem weltbekannten Murray nicht ausgenommen, Reisewerke besitzt, welche an Pracht und Zweckmässigkeit der Ausstattung, an Reichthum und Gediegenheit des Inhalts Meyers Reisehandbüchern gleich kommen, wieviel weniger denn dieselben übertreffen.« [An den Herausgeber.] »Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, dass es für jene Gegenden das Beste ist, was wir besitzen.« Prof. Dr. G. A. v. Kloeden in Berlin. MEYERS REISEBÜCHER. Schweiz: Schweiz, Führer, mit 23 Karten, 7 Plänen, 29 Panoramen, 22 Ansichten. Neunte Auflage. Gebunden M. 9,00. SuiSSe, Guide, avec 23 Cartes, 7 Plans, 29 Panorames et 26 Illustrations. Quatrieme Edition. Rel. M. 9,00. ScJlW6i&* Wegweiser, mit 2 Uebersichts». 2 Special» und 5 Routenkarten. Vierte Auflage. Kartonnirt M. 2 [Zeitschrift ftir allgem. Erdkunde.] »Das Buch verdient ohne Zweifel als Muster eines guten Reisehandbuchs hingestellt zu werden. Seine Publikation gereicht dem. Verfasser ebenso wie der Buchhandlung zur Ehre.« [Ueber Land und Meer.] »Ein Musterbuch für die Reisehandbücher-Literatur, das künftighin nur nachgeahmt zu werden braucht, wie vor Jahrzehnten Murray. , 00 . Insbesondere aber, was die Schweiz betrifft, hatte unsere Literatur noch nichts so Umfassendes, so Gründliches, so Geordnetes etc. etc.« [Globus.] »Von allen Reisehandbüchern, die wir kennen, erscheint uns dieses als das bei weitem vorzüglichste. Wir wüssten, nach sorgfältiger Prüfung, auch nichts an demselben auszusetzen.« Dr. Karl Andree. Italien: Ober-Italien, f ührer von Qseil-Fels . Mit 10 Karten, 38 Plänen und Grundrissen, 84 Ansichten und 1 Panorama. Dritte umgearbeitete und vermehrte Auflage. 2 Theile. Gebunden ä M. 6,00. Rom UI1(L Mittel-Italien, Führer von Gsell-Fels. Mit 5 Karten, 55 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama, 79 Ansichten. Zweite Auflage. 2 Theile. Gebunden ä M. 9,00. Unter-Italien lind Sicilien, Führer von Gsell-Fels. Mit 14 Karten, 48 Plänen und Grundrissen, 1 Panorama und 79 Ansichten. Zweite Auflage. 2 Theile. Gebunden ä M. 6,00. Italien in 60 Tagen, Wegweiser von Gsell-Fels. Zweite Auflage. Mit 6 Karten und 18 Plänen und Grundrissen: in 1 Band. Gebunden M. 9,00. [Jahrbücher für Kunstwissenschaft.] ». . . . Ref. kann jetzt die in jener Vorrede zu Burckhardts ,Cicerone* 2. Aufi. gethane Aeusserung: das einzige mit wünschens- werther Ausführlichkeit gearbeitete Reisehandbuch sei noch immer Murray, zu Gunsten dos vorliegenden Werks von Gsell-Fels ausdrücklich zurücknehmen ... Dr. A. v. Zahn in Dresden. [An den Verfasser.] ».... Sie haben uns somit endlich durch mühevollsten Fleiss, gediegene Beherrschung des Stoffs und seltenes praktisches Geschick einen deutschen Führer für Italien gegebeu, der kaum noch Wünsche übrig lässt.« [An den Herausgeber.] ».... Das Buch ist mir unschätzbar und unentbehrlich. Es ist eine Arbeit von bewundernswerthem Fleiss....« Prof.Dr. G-.A. v. Kloeden in Berlin. [Gegenwart.] ».... Es erhebt sich dieses Werk über ähnliche, weil es eine staunenswerte Fülle von Stoff in der übersichtlichsten Weise zusammenfasst, das Wichtige von minder Wichtigem leicht erkennbar trennt und selbst dem Mann von Fach eine Menge praktischer Fingerzeige, dem Laien eine Menge von Anregungen gibt. An Reichthum der Karten und Pläne, Holzschnitten und Stichen überbietet das Werk jedes andere seiner Art. . . .« Dr. Paul Lindau in Berlin. England: London und die besuchtesten Routen durch England, Schottland und Irland, Führer. Mit 11 Karten, 45 Plänen, 1 Panorama und 36 Ansichten. Dritte ■ Auflage. Gebunden M. 7,50- [Geographische Mittheilungen.] »Um so Vorzüglicheres war von dem vorliegenden Buch zu erwarten, dessen Autor seit über 20 Jahren in England lebt. Dies allein schon garantirt den Werth des Buches, ebenso der Beruf des Autors, der als Kartograph und Geograph von Fach gewiss mehr als mancher andere zum Abfassen eines solchen Buches befähigt war.« Dr. A. Petermann in Gotha. MEYERS REISEBÜCHER. Paris und Nord-Frankreich, Ansichten und 1 Panorama. Z Süd-Frankreich, die Kurorte cf Algier, Führer, mit 21 Karten, Zweite Auflage. Gebunden M [Paul Lindau in der »Gegenwart«.] »I neue Bearbeitung ist in ihrer Art ein ga klassischesBuch, welches alle seine V' ganger auf demselben Feld überflügelt. B Führer bietet eine Encyklopädie des mod nen Paris und wird deshalb nicht leicht ei Auskunft versagen. Ein besonderer Vorz sind die aus gründlichem Verständnis herS gegangenen, sehr reichhaltigen Daten I dem Gebiete der bildenden Künste. Dui Aufnahme der Routen 30—41 ist dieser 1 riser Führer zu einem Reisehandbuch 1 MEYERS i werden vorzugsweise denjenigen einej lust höhere Ziele steckt als die von d also, welche neben Vergnügen und Er suchen und deshalb einen Führer bi die alleinige Hauptsache sind, sondei allgemein wissenschaftliche Interesst wahrzunehmen weiss, wie sie von werden. Deshalb wird diesen Bücheil sie die richtige .Mitte zu halten wi von Ueberfüllung und Pedanterie, a Eindrücken entsprechenden Ausdruc! den wirtschaftlichen Bedürfnissen des lassen und Unbestechlichkeit des Uri Und deshalb sind unsere Büchi bestimmt, der seine T.our nur in d als für den passionirten Bergsteige Ueberwindung von Gefahren und St welcher mit grosstmöglichem Nutzen Oekonomie für Zeit und Börse reiset. Die reiche und zweckmässige . Textes entsprechend, der überall durt genügend erläutert wird. Die bildlh Gebirgs - Panoramen, Vogelschau - sie werden auch durch ihre naturgetri dem Reisenden ein bleibendes Andei Der Inhalt jedes Buches besclir Titel nennt, er bringt vielmehr Erreichung des Reiseziels zu passire für die Schweiz auch einen Führ für London einen solchen für Belg das für Italien einen für 8üd-I)< der Reisende somit schon von seifte*. Frankreich: Führer, mit 7 Karten, 30 Plänen, 33 CO üJ Aufl. * Teil II o* *o c CÖ CG Z> r— 00 E r>* E o* oo h- 00 £ < ulu LU V- OL < X ’E O 0 ID « m m C