»nkenex Die 49 . Infanterie-Brigade in der Schlacht von Vionville—Mars la Tour am 16. August 1870. Eine kriegsgeschichtliche Studie aus dem Deutsch-Französischen Kriege 1870/71 nach der applikatorischen Methode. kltt-gibliottiek kIVI00000S3SS40S Lerlin 1885. Ernst Siegfried Mittler und Sohn Königliche tzoslruchljandlung Kochstrabe 69. 70. Die 49 . Infanterie - Brigade in der Schlacht von Vionville Mars la Tour am 16. August 1870. Eine kriegsgeschichtliche Studie aus dem Deutsch-Französischen Kriege 1N70/71 nach der applikatorischen Methode. — — - Lerlin 1885. Ernst Siegfried Mittler und Sohn Kochstratze 6S. 72. Mil Vorbehalt des Uebcrsctzungsrcchts. Vorwort. „Im kriegerischen Leben steht die That höher als der Gedanke, die Handlung höher als das Wort, die Praxis höher als die Theorie." Diese Worte eines erfahrenen Generals bezeichnen das Ziel der nachfolgenden Studie. Nicht in der Aufnahme abstrakter Lehrsätze kann eine gründliche militärische Berufsbildung gesucht werden, ihre Aufgaben sind vielmehr die Entwickelung der Charaktereigenschaften, die Gewöhnung an raschen und sicheren Entschluß, die Erziehung zu selbstständigem und selbstbewußtem Handeln, die Erkenntniß der Natur des Krieges und der in ihm wirksamen geistigen und physischen Faktoren. Nun ist sicher das praktische Leben in der Armee und vor Allem der Krieg in erster Linie geeignet, solche Eigenschaften zu wecken und auszubilden, da aber Dienst- und Kriegserfahrung keines Menschen alle Verhältnisse erschöpfend umfassen kann, so ist die Ergänzung eigener Erfahrung durch fremde Erfahrungen selbst für den vom Glücke Begünstigten geboten. Noch viel mehr aber wird der Offizier, dem persönliche Kriegserfahrung nicht zur Seite steht, der unter der Anstrengung des praktischen Dienstes sich zur Erkenntniß höherer Verhältnisse mühsam emporzuringen strebt, fremde Erfahrungen in sich aufzunehmen und zu seinem geistigen Eigenthum zu machen bedacht sein müssen. Die Mittel hierzu gewährt vor Allem das sachgemäße Studium der Kriegsgeschichte. Wie schon Clausewitz sagt, geschieht die Einwirkung theoretischer Wahrheiten auf das praktische Leben viel mehr durch Kritik als durch Lehre. Hiermit ist auch der Weg angedeutet, den das Studium der Kriegsgeschichte im Allgemeinen zu nehmen hat. Trotzdem wäre eS ein Irrthum zu glauben, daß in einer rein kritischen Methode der Weg zur Erkenntniß zu finden sei. Fehler zu entdecken, wenn man IV Fehler sucht, ist ja sehr leicht. Für den Offizier aber, der in der Vergangenheit die Grundlagen sucht, die ihn in der Zukunft befähigen sollen, in allen Wechselfällen des Lebens und des Krieges auf sich selbst zu vertrauen und in selbstbewußtem Entschluß zum Nutzen des Vaterlandes die eigene Thatkraft zur Geltung zu bringen, handelt es sich nicht um ein Niederreißen, sondern um ein Aufbauen. Deshalb ist die sogenannte applikatorische Methode wie keine andere geeignet, die gewaltige Kluft zwischen Wissen und Können zu überbrücken, die Erfahrungen früherer Kriege für künftige Kriege nutzbar zu machen und dabei alle die Klippen zu vermeiden, die eine rein kritische Methode mit sich bringt. Das applikatorische Studium der Kriegsgeschichte, seinem innersten Wesen nach auch kritischer Natur, unterscheidet sich wesentlich von einer rein kritischen Behandlung, daß nicht die Entschlüsse und Anordnungen der zur Zeit der Handlung aufgetretenen Vorgesetzten und Kameraden einer nachträglichen Beurtheilung unterzogen werden, sondern daß auf Grund der gebotenen kriegerischen Situation selbstständig Entschlüsse gefaßt, selbstständig Anordnungen getroffen und diese dann in Bezug aus ihre Zweckmäßigkeit und logische Begründung an den thatsächlichen Ereignissen geprüft werden. Es wird dabei das eigentliche Ziel des Studiums in der Ausbildung der Fähigkeit erreicht, den gefaßten Entschluß durch den militärischen Befehl in die That umzusetzen und zugleich die nothwendige Formgewandtheit darin angebahnt, ohne welche die Klarheit der Befehlsgebung leiden würde. Nach Clausewitz ergeben sich beim Studium der Kriegsgeschichte von selbst drei sich gegenseitig bedingende verschiedene Aufgaben, nämlich die geschichtliche Ermittelung und Feststellung der Thatsachen, die Ableitung der Wirkungen aus den Ursachen, und die Prüfung der angewandten Mittel. Der ersten Aufgabe hat uns die Thätigkeit der kriegSgeschicht- lichen Abtheilungen der Generalstäbe, namentlich so weit die neuere Kriegsgeschichte in Betracht kommt, zum großen Theile überhoben. In den offiziellen Generalstabswerken, von denen die Deutschen sich durch eine allgemein anerkannte Objektivität auszeichnen, besitzen wir hinreichend verlässige Quellen für das kriegsgeschichtliche Studium, in denen das reichhaltige historische Material bereits von berufener Hand gesondert und geordnet ist. Diese Quellen finden ihre natürliche Ergänzung in den von einzelnen Offizieren herausgegebenen aber ausschließlich auf Kriegsakten basirten Werken, welche entweder die V Thätigkeit einzelner Heercsthcile in operativer, taktischer oder technischer Beziehung detaillirtcr behandeln oder Einzclhandlungen in einer der bcregten Richtungen dazu herausgreifen. Hierzu treten noch die Veröffentlichungen von Offizieren in Bezug auf die von ihnen persönlich gemachten Wahrnehmungen und Erfahrungen, von denen besonders die in Form von Tagebüchern und Memoiren gehaltenen wcrthvoll sind, insofern sie von einem zwar subjektiven Standpunkte aus Einblick in das Leben der Armee im Felde gewähren und theilwcise mit Motiven bekannt machen, aus denen bestimmte Kriegshandlungen hervorgehen. Wir haben also in der Gegenwart kriegsgeschichlliche Quellen zur Verfügung, deren Ursprung ihre Verlässigkcit und Brauchbarkeit für die von uns angestrebten positiven Zwecke verbürgt. Höchst schwierig ist die Ableitung der Wirkungen aus den Ursachen und die Prüfung der angewandten Mittel. Die Wirkung ist zwar im Kriege meist ziemlich bald ersichtlich und bekannt, das komplizirte Gewebe der Ursachen aber um so schwerer zu entwirren, je mehr Faktoren sich zur gemeinschaftlichen Wirkung hierbei kombiniern und je mehr dieselben in ihrem Wesen von einander verschieden sind. Schwer ist es, jeden einzelnen dieser Faktoren richtig zu würdigen und dessen wahren Einfluß in Rechnung zu ziehen. Ließe sich dieser Anforderung stets genügen, so könnte man nach Beendigung eines Krieges oder einer Schlacht wohl mit Sicherheit sagen, das war richtig und das war falsch, thatsächlich ist dies aber in den meisten Fällen völlig unzulässig, da die Natur des Krieges ausreichende Anhaltspunkte für ein derartiges Urtheil zu gewinnen verhindert. Man wird sich in der Mehrzahl der Fälle damit begnügen müssen, die verschiedenen Eventualitäten zur Sprache zu bringen, nach den möglichen oder wahrscheinlichen Motiven zu forschen, die nothwendigen Konsequenzen bestimmter Entschlüsse und Anordnungen sich vor Augen zu führen, mit einem definitiven Urtheil aber zurückhalten. Ein solches könnte auch nichts nützen. Man hat es mit vollendeten Thatsachen zu thun, die dadurch nicht ungeschehen gemacht oder verbessert werden, daß man die etwa gefundenen Fehler rücksichtslos an die Oberfläche zieht und verurtheilt. Lernen kann man auch auf andere Weise. Ein berechtigtes Urtheil zu fällen kann nur dem Vorgesetzten gestattet sein, der sich an Ort und Stelle befand, der die Personen kennt, die Friktionen empfunden hat und die Verantwortung trägt. Eine weitere Ausdehnung der Kritik aber würde zu VI einer endlosen Polemik, zu erbitterten Konflikten und Streitfragen führen, für die es keinen Richter gäbe. Statt Klarheit und Erkenntniß würden Verwirrung und ungelöste Zweifel entstehen. Jeder kritischen Behandlung militärischer Situationen haftet mehr oder minder der Borwurf der Einseitigkeit an. Der Wille, objektiv zu urtheilen, mag noch so fest begründet sein, im Wesen der Sache selbst ruhende innere Gründe treten ihm entgegen. Dieser Umstand macht sich ja auch bei den Friedensübungen geltend, insofern auch hier die Motive der Handelnden mit ihrem Für und Wider nicht immer zur Sprache gelangen und je nach dem Standpunkt des Urtheilenden über ein und dieselbe Sache nicht selten die verschiedenartigsten Anschauungen zu Tage treten. Noch vielmehr ist ein wirklich objektives Urtheil im Bereiche der Kriegsgeschichte schon durch die ganze Entstehungsweise der kriegsgeschichtlichen Darstellung ausgeschlossen. Diese basirt im Wesentlichen auf den Gefechtsberichten und Kriegstagebüchern der Kommandobehörden und Truppen, also auf offiziellen Aktenstücken, die aber, unter dem Druck der Ereignisse und unter schwierigen Umständen abgefaßt, Irrthum und Wahrheit in bunter Vermischung enthalten. Da ist es für den Geschichtschreiber denn oft keine leichte Aufgabe, eine Reihe von Widersprüchen zu vereinen, die auftauchenden Zweifel zu lösen und ein der Wirklichkeit nahekommendes Bild der Handlung zu Stande zu bringen. Diese Schwierigkeiten häufen sich, sobald taktische Details in Frage kommen. Die in der Natur des Krieges begründeten Mängel jeder kriegsgeschichtlichen Darstellung müssen gewürdigt werden, wenn diese als Grundlage des militärischen Studiums benutzt werden soll. Es ist für das Studium der Kriegsgeschichte völlig ausreichend, eine Reihe thatsächlich bestandener militärischer Situationen festgestellt zu finden. Darauf läßt sich weiter bauen. Die geschichtlich vorliegende militärische Lage erheischt einen bestimmten Entschluß, er kann gefaßt werden; dieser Entschluß ist in Befehlsform zum Ausdruck zu bringen, der entsprechende Befehl kann entworfen werden; die Kriegsgeschichte registrirt den thatsächlichen Entschluß des Truppen- führers im konkreten Falle, vielleicht sogar den Wortlaut des ertheilten Befehls, der Vergleich läßt Abweichungen und Verschiedenheiten erkennen, das Für und Wider der Motive — hier der thatsächlichen, dort der wahrscheinlichen — kommt zur Sprache und wird erwogen. Das ist der Weg, auf den die applikatorische Lehrmethode führt. Er gestattet einzuhalten, wo der historische Boden VII unsicher wird, und auszuweichen, wo eine kleine Lücke sich findet. Durch Anknüpfung entsprechender Suppositionen können die anzustellenden Betrachtungen noch erweitert und alle etwa wünscheus- werthen Detailfragen eingeflochten werden. In dem engen Anschluß an die Kriegsgeschichte bieten sie fast immer ausreichende Gewähr, einfach und natürlich — mithin im Einklang mit den realen Verhältnissen des Krieges zu bleiben. Man könnte der applikatorischen Methode höchstens den Vorwarf machen, daß bei ihr fast jede thatsächliche Anordnung Anerkennung findet und deshalb sicher mancher wohlverdiente Tadel unausgesprochen bleibt, aber selbst zugegeben, daß wirklich vorgekommene Fehler durch Vorführung von Motiven gedeckt werden, die für den Handelnden im kritischen Falle nicht bestanden, kann darin für den Studienzweck — und nur um diesen handelt es sich hier — kein nennenswerther Nachtheil gesehen werden. Das praktische Leben bietet ja häufig genug Gelegenheit, zu sehen, wie durch eine rücksichtslose Kritik jede Selbstthätigkeit schwacher Naturen von vornherein erstickt und lähmend selbst auf diejenigen gewirkt wird, deren entwickeltes Selbstgefühl einen tüchtigen Stoß in dieser Beziehung verträgt. Eine solche Kritik ist also durchaus zu vermeiden. Wer sollte auch glauben, daß in einem so gewaltigen Organismus, wie eine mobile Armee es ist, irgend eine Aktion vorkommen könne, ohne daß dabei eine Menge Friktionen sich ergäbe und eine Menge kleiner, in Ursache und Wirkung gar nicht genau festzustellender Fehler gemacht würde. Es würde dies geradezu der Natur aller menschlichen Dinge widersprechen. Auch der hervorragende Einfluß der Charaktereigenschaften wie überhaupt der Individualität des einzelnen Führers läßt sich im Verfolg der genannten Methode genügend zum Ausdruck bringen, ohne zu verletzen. Der Truppenführer hat es mit keiner komplizirten Maschine zu thun, sondern er handhabt einen lebendigen Organismus, der auf alle inneren und äußeren Einwirkungen kräftig reagirt und in dem alle menschlichen Tugenden, Leidenschaften und Schwächen vertreten und thätig sind. Menschenkenntniß und Lebenserfahrung bedarf der Truppenführer, der es mit Menschen zu thun hat und Meuschenmassen befehligen soll. Diese Dinge aber lassen sich nicht aus Büchern lernen. Die applikatorische Methode läßt all' das zur Geltung gelangen. Als ein Versuch in dieser Richtung möge die nachfolgende Studie VIII betrachtet werden. Die geschichtlichen Quellen, auf welche sie sich stützt und deren Wortlaut vielfach beibehalten wurde, sind nachstehend sowohl vereinigt als auch im Texte als Anmerkung aufgeführt. Bon einer Beigabe von Plänen und Karten wurde mit Rücksicht auf den Kostenpunkt abgesehen, nachdem vorzügliche Kartenwerke zur Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges 1870—71 so vielfach verbreitet sind. In erster Linie eignen sich zum Studium natürlich die dem Generalstabswerk beigegebenen Pläne und Karten, welche wie alle übrigen sonst mit Nutzen verwendbaren nachstehend speziell bezeichnet sind. Es wurde ferner in dieser Studie der Versuch gemacht, die nähere Kenntniß der für die Verwendung der Truppen im Felde zur Zeit maßgebenden reglementarischen Bestimmungen zu vermitteln. Diese Reglements und Instruktionen sind zum größten Theile nach dem Deutsch-Französischen Kriege auf Grund der in demselben gemachten Erfahrungen neu bearbeitet worden und repräsentiren die offizielle Darlegung der neuesten Kriegserfahrung. Es wird deshalb auf die in jedem einzelnen Falle einschlägigen ausdrücklich hingewiesen. Durch unmittelbare Anwendung auf einen vorliegenden konkreten Fall gewinnt auch ein wenig anziehender Stoff Interesse durch anschauliche Gestaltung, im weiteren Verlaufe des Studiums werden vielfach analoge Vorstellungen hervorgerufen, es werden ähnliche auf solche Bestimmungen gegründete Anordnungen wiederholt erforderlich, und schließlich stellt sich dabei diejenige Routine ein, welche in einem vollständigen Beherrschen des reglementarischen Stoffes ihren Abschluß findet. Die beim Studium der Kriegsgeschichte beinahe unvermerkt anwachsende Erkenntniß ist auch für den Truppenoffizier kein todtes Kapital. Wenn auch der Lieutenant, der Hauptmann sie in der Regel nicht unmittelbar praktisch verwerthen kann, so macht sich selbe doch auch innerhalb einer eng begrenzten Berusssphäre in einer Sicherheit des Handelns und des ganzen persönlichen Auftretens fühlbar, das Vertrauen erweckt und einen hohen moralischen Einfluß aus die Untergebenen sicherstellt. Dem Selbststudium aber bleibt im Verfolg der hier durchgeführten Methode ein weites und dankbares Gebiet, dessen sicherer Boden nicht leicht erschöpft wird und selbst, wenn nur einzelne Theile bebaut werden, eine ergiebige Ernte verspricht. Inhalts-Verjeichniß Seite Allgemeine Situation der 49. Infanterie-Brigade am Morgen des 16. August. 1 Vormarsch gegen die Mosel. 2 Ueberschreiten der Seille und Fortsetzung des Marsches gegen die Mosel 12 Uebergang über die Mosel und Weitermarsch auf der großen Straße nach Gorze.16 Abbiegen der Brigade von der großen Straße gegen die Cöte Mousa und Einmarsch in das Bois des Chevaux.47 Vormarsch innerhalb des Bois des Chevaux und Bois des Ognons gegen den Westrand des Waldes.66 Zusammenstoß mit dem Feinde.80 Entwickelung des Gefechts bei der linken Flügelkolonne der Brigade . . 85 Entwickelung und Durchführung des Gefechts bei der rechten Flügelkolonne der Brigade. 88 Durchführung des Gefechts bei der linken Flügelkolonne der Brigade . 90 Abbrechen des Gefechts.102 Biwak und Vorpostenstellung der Brigade. Maßregeln nach dem Gefecht 107 Anlage 1. Orärs äs dataille.129 Anlage 2. Aufgaben.130 Anlage 3. Lösung einer Detail-Ausgabe (als Beispiel).146 Duellen. Der Deutsch - Französische Krieg 1870/71. Redigirt von der kriegsgeschicht- lichen Abtheilung des Großen Generalstabes. Erster Theil. Erster Band. Berlin 1874. Ernst Siegfried Mittler und Sohn. Die Theilnahme der Großherzogl. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71 gegen Frankreich. Auf Höchsten Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Hessen und auf Grund offizieller Akten dargestellt von H. Scherf, Major und Bataillonskommandeur im 8. Ost- preußischen Infanterie - Regiment Nr. 45. 1. Lieferung. Darmstadt. Buchhandlung Großherzoglichen Staatsverlags. 1875. Die Operationen der II. Armee. Vom Beginne des Krieges bis zur Kapitulation von Metz. Dargestellt nach den Operationsakten des Oberkommandos der II. Armee von Frhr. von der Goltz, Hauptmann im Großen General- stabe. Berlin 1873. Ernst Siegfried Mittler und Sohn. Aus meinem Tagebuche 1870/71. Von L. v. Wittich, Generallieutenant. Cassel 1872. Verlag von Theodor Kay. Benutzbare Pläne und Karte«. Generalstabswerk, 1. Theil, Uebersichtskarte 1. 1: 100 000; Plan 5 a und b. 1 :25 000. Scherf, Die Theilnahme der Großherzogl. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71 gegen Frankreich, Plan Nr. 1. 1:100 000; Plan Nr. 2. 1 :25000. Als Hülfsmittel bei Lösung der Aufgaben können eventuell verwendet werden: Der Dienst des Generalstabes. Von Bronsart v. Schellendorff, Generalmajor und Chef des Generalstabes des Gardekorps. Zweite Auslage neu bearbeitet von Meckel, Major im Generalstabe. Berlin 1884. Taktik von Meckel, Major im Generalstabe. Erster Theil. Allgemeine Lehre von der Truppenführung im Felde. Zweite durchgesehene Auflage. Berlin 1883. Allgemeine Situation der 49. Infanterie-Hrigade am Morgen des 16. August. „Die Großherzoglich Hessische 49. Infanterie-Brigade/) bestehend aus dem 1. Infanterie- (Leibgarde-) Regiment, dem 2. Infanterie- Regiment (Großherzog) und dem 1. Jäger-Bataillon (Garde-Jäger- Bataillon) unter Kommando des Königlich Preußischen Generalmajors v. Wittich, befand sich am Morgen des 16. August im Korpsver- bande in Kantonnements und Biwaks auf dem rechten Seille-Ufer bei Verny. 2) Der Stab der Brigade und das 1. Infanterie- Regiment hatten mit dem Regimentsstab und der 2. Schwadron des 1. Reiter-Regiments, der 1. und 2. schweren Fuß-Batterie in Pournoy la Graste Marschquartier genommen, der Regimentsstab und das 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments biwakirten bei Cherizey, das 2. Bataillon dieses Regiments bei Orny. Das 1. Jäger-Bataillon war zur Zeit außerhalb des Brigadeverbandes bei Pouilly auf Vorposten gegen Metz. Der Divisionsstab lag in Cherizey, das Generalkommando in Verny. Die Brigade hatte auf dem Vormarsch gegen die Saar und von da gegen die Mosel noch keine Gelegenheit gehabt, zur Gefechtsthätigkeit zu gelangen. Am vorhergegangenen Tage (15. August) war sie — wie das ganze 9. Armeekorps — von der bisher eingehaltenen südwestlichen Marschrichtung nach Nordwesten gegen Metz hin abgebogen, hatte dort den Tag über in einer Bereitschaftsstellung 9 ekr. Oräre äs bataills des 9. Armeekorps (zur II. Armee gehörig), Anlage 1. 9 ekr. Generalstabswerk, 1. Theil. Uebersichtskarte 1, 1:100 000, Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71. Plan Nr. 1, 1:100000. Die 43, Jnf, Brig. bet Vioiwille —Mars la Tour, 1 2 bei Mercy le Haut') gestanden, ohne daß es zum Gefecht gekommen wäre, und war spät Abends dann ermüdet in die vorbezeichneten Kantonnements und Biwaks eingerückt, woselbst sie bereits starke Abtheilungen des 8. Armeekorps (von der I. Armee) vorfand. Nach den Kriegsetats bestand jedes der beiden Infanterie- Regimenter der Brigade aus zwei Bataillonen und hatte eine Sollstärke von 47 Offizieren, 4 Aerzten, 2 Beamten, 2025 Unteroffizieren und Mannschaften, 51 Trainsoldaten. Die Sollstärke des Jäger-Bataillons betrug 22 Offiziere, 2 Aerzte, 1 Beamten, 1007 Unteroffiziere und Mannschaften, 22 Trainsoldaten." Vormarsch gegen die Mosel. „Am Morgen des 16. August zwischen 10 und 11 Uhr traf im Brigade-Stabsquartier zu Pournoy la Grasse der Befehl des Divisionskommandeurs ein, daß die Brigade um 10 Uhr die nördlich Pomm6rieux gegenüber dem Pachthof Loiville von den Pionieren über die Seille geschlagene Brücke zu passiren und demnächst Kantonnements auf dem rechten Mosel-Ufer in der Gegend von Corny zu beziehen habe. Die große Bagage, welche in der Nacht vom 15. zum 16. August in die Kantonnements und Biwaks herangezogen war, sollte erst nach Passiren aller Truppentheile der Großherzoglichen Division auf das linke Seille-User in den neuen Kantonne- mentsrahon folgen. Da infolge früherer Anordnung der Division die Truppentheile der Brigade mit Ausnahme des bei Pouilly auf Vorposten gegen Metz befindlichen und vorübergehend außerhalb des Brigadeverbandes stehenden 1. Jäger-Bataillons seit 6 Uhr früh marschbereit waren, erfolgte der Befehl zum sofortigen Aufbruch." Schon diese wenigen Angaben dürften genügen, eine Reihe von Aufgaben aufzustellen, deren Durchführung nicht nur für den vorliegenden konkreten Fall zweckmäßig erscheint, sondern auch für alle folgenden ähnlichen Fälle zu verwerthen ist. 0 Auch Mercy les Metz genannt. 3 Fragen wir uns zuerst, welche Erwägungen sich wohl dem Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade aufdrängen werden, wenn er zur Ausführung des vorbezeichneten Divisionsbefehls schreitet, und legen wir dabei, da der Wortlaut dieses Befehls uns nicht zur Verfügung steht, nur diejenige Kenntniß der Kriegslage zu Grunde, wie sie sich aus der allgemeinen Situation der 49. Infanterie-Brigade Aufgabe i. am Morgen des 16. August und vorstehenden Angaben ergiebt. Zunächst erscheint es auffallend, daß der Befehl der Division, die Seilte um 10 Uhr früh zu überschreiten, erst zwischen 10 und 11 Uhr früh bei der Brigade eintrifft. Keineswegs jedoch läßt sich deshalb behaupten, daß hier ein Fehler von irgend einer Seite vorliegen müsse, denn selbst bei völlig richtigen und zweckentsprechenden Anordnungen können durch ein Zusammenwirken ungünstiger Umstände derartige Fälle sich ergeben. Wenn nun im vorliegenden Falle die Ursache ohne genaue Kenntniß aller einschlägigen Details sich auch von uns nicht ermitteln läßt, so können wir uns doch die Frage vorlegen, zu welchen Maßregeln die Thatsache an sich dem Brigadekommandeur Veranlassung geben wird. Bei einigem Nachdenken werden wir auch unschwer zu der Ueberzeugung gelangen, daß es nothwendig sein wird, sofort an die Division darüber Meldung zu erstatten und gleichzeitig anzufügen, wann die Brigade den befohlenen Vormarsch antritt, und in weiterer Folge könnten wir wohl versuchen, diese Meldung der 49. Infanterie-Brigade an die Division zu ent- Aufgabe . 2 und 3. werfen. Gleichzeitig führt uns dies zu der Erwägung, von welchen Punkten aus die Brigade wohl am zweckmäßigsten ihren Marsch antreten wird. Die Hälfte der Brigade, das 1. Infanterie-Regiment, kantonnirt in Pournoy la Grasse, die andere Hälfte, das 2. Infanterie-Regiment, biwakirt mit dem 1. Bataillon bei Cherizey, mit dem 2. bei Orny. Aus der bisher vorgeführten geschichtlichen Darstellung läßt sich nun nicht mit Sicherheit entnehmen, ob die Bataillone sich am Morgen des 16. August in ihren Kantonnements und Biwaks marschbereit hielten, oder ob die Brigade hierzu auf einem Rendezvous vereinigt war. Angenommen aber, der Befehl des vorangegangenen Tages habe gelautet, daß die Brigade von 6 Uhr früh an sich marschbereit halten solle, so fragt sich, ob der Brigadekommandeur sie unter diesen Umständen in ihren Kantonnements und Biwaks belassen kann oder ob er sie nicht besser um diese Zeit auf einem Rendezvous bei Pournoy la Grasse vereinigen wird. Aufgabe 4. 1 » 4 Für die Truppe ist es jedenfalls am Vortheilhaftesten und angenehmsten, wenn sie so lange als möglich in ihrem Kantonnement oder in dem einmal eingerichteten Biwak verbleiben kann, es handelt sich also eigentlich nur darum, ob in dem hier vorliegenden Falle besondere Umstände diese wünschenswerthe Rücksicht verbieten. Solche Umstände könnten beispielsweise sein, wenn die Kriegslage eine besonders gespannte wäre, so daß die Brigade zu jeder Verwendung bereit stehen müßte, wenn der Brigadekommandeur die ihm unterstellten Führer zu einer Besprechung, oder um Anordnungen zu treffen, vor Beginn des Marsches versammeln wollte, oder wenn bei Eintreffen eines Marschbefehls ein erheblicher Zeitverlust sich ergeben würde. Daß die Kriegslage zur Zeit als keine besonders gespannte zu erachten ist, kann der Brigadekommandeur daraus entnehmen, daß ihm von Seiten seiner Division bis jetzt noch keine Orientirung über den Feind und die allgemeinen Absichten der Division zugegangen ist, ergiebt sich auch schon daraus, weil man sonst die große Bagage für die Nacht vom 15. auf 16. August wohl kaum in die Kantonnements und Biwaks der Truppen herangezogen hätte. Daß ein frühzeitiges Versammeln der Führer nothwendig sein sollte, läßt sich um so weniger annehmen, als der Brigadekommandeur zur Zeit selbst noch nicht weiß, welche Aufgaben ihm bevorstehen, ob aber bei Eintreffen eines Marschbefehls ein nennens- werther Zeitverlust entstehen würde, kann auf Grund der Karte ohne Aufgabe 5. besondere Mühe ermittelt werden. Die Entfernung von Pournoy la Graste bis Cherizey beträgt nach der Karte ungefähr 1500 Schritt, die von Cherizey bis Orny fast eben so viel. Der Adjutant oder Ordonnanzreiter, der den Befehl zum Aufbruch dem 2. Infanterie-Regiment nach Cherizey überbringt, bedarf zum Zurücklegen dieser Strecke im Trabe') ungefähr 5 Minuten. Um so viel später wird also das 2. Infanterie- Regiment den Brigadebefehl erhalten als das in Pournoy la Graste befindliche 1. Regiment. Beim 2. Infanterie-Regiment erfordert die Ueberbringung des Befehls zum Aufbruch an das bei Orny im Biwak stehende 2. Bataillon weitere 5 Minuten. Die aufgeworfene Frage läßt sich somit dahin präzisiren, ob durch diese Raum- und Zeit- >) elr. Exerzir-Reglement für die Kavallerie, 8 56. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen. II., 1), 40; Meckel, Taktik, Seite 8—lO. 5 Verhältnisse innerhalb der Brigade so bedeutende Abstände entstehen, daß eine Bereinigung der Marschkolonne erheblichen Zeitverlust in sich schließt.' Nun werden aber selbst bei völliger Marschbereitschaft die Bataillone kaum mit dem Tornister auf dem Rücken dagestanden und den Befehl erwartet haben. Bis die Mannschaften umhängen und auf dem Alarmplatz antreten, vergeht immerhin einige Zeit. Die beiden im Biwak befindlichen Bataillone werden möglicherweise etwas rascher zum Antreten bereit sein, ein nennenswerther Zeitunterschied wird sich jedoch kaum ergeben. Veranschlagen wir die Zeit, die jedes Bataillon bedarf, um sich fertig zu machen, auf 10 Minuten, was sehr gering bemessen ist, so kann 10 Minuten nach Empfang des Brigadebefehls das 1. Infanterie-Regiment antreten. Um diese Zeit kann der Brigadebefehl bei Cherizey seit 5 Minuten eingetroffen sein und bereits beim 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments bei Orny anlangen. Die Marschtiefe') des 1. Infanterie-Regiments beträgt ungefähr 1000 Schritt, dasselbe wird zu seinem Abmarsch vom Alarmplatz also etwa — 10 Minuten gebrauchen.^) Das 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments wird mithin bereits antreten, ehe noch sämmtliche Abtheilungen des 1. Regiments sich in die Marschkolonne in Sektionen gesetzt haben, und bis zu diesem Zeitpunkte mit der Tete 5 Minuten, d. i. etwa 500 Schritt, vorgerückt sein. Die bisherige Entfernung zwischen den beiden Regimentern von etwa 1500 Schritt verkürzt sich dadurch auf etwa 1000 Schritt. Beim 2. Regiment erreicht der Befehl zum Aufbruch das bei Orny stehende Bataillon um 5 Minuten später als das bei Cherizey befindliche. Ersteres verinag daher erst aufzubrechen, wenn das Letztere schon 5 Minuten marschirt. Die Marschtiefe desselben beträgt etwa 500 Schritt, die Queue wird also eben Cherizey verlassen, wenn das andere Bataillon von Orny abmarschirt. Der bisherige Abstand von etwa 15M Schritt zwischen den beiden Bataillonen bleibt deshalb bestehen. Demgemäß müßte das letzte Bataillon der Brigade 1000 -j- 1500 — 2500 Schritt Raum gewinnen, bis die ganze Brigade in der ') Ueber Marschtiefen ctr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—351; ferner Meckel, Taktik, Seite 182—186. 2) ekr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III. 5. b.; ferner Meckel, Taktik, Seite 156. 6 Marschkolonne vereinigt wäre, und würde sich hierdurch eine Verzögerung des Marsches um etwa eine halbe Stunde ergeben, sobald ein Vorrücken der Brigade in zusammenhängender Kolonne beabsichtigt wird. Da wir nun hier angenommen haben, daß der bestimmte Befehl der Division vorlag, die Brigade solle um 6 Uhr früh marsch- Aufgab- s. bereit sein, so wäre deren Zusammenziehung auf einem Rendezvous bei Pournoy la Grosse wohl geboten,') denn die Division reflektirt, wenn sie die Marschbereitschaft der Brigade anordnet, nicht auf eine Marschbereitschaft der einzelnen Bataillone. Wesentlich anders gestalten sich jedoch die Verhältnisse, sobald wir einen derartigen Befehl der Division nicht zu Grunde legen?) Wenn es sich, wie hier, anscheinend nur um einen einfachen Kan- tonnementswechsel handelt, so wird kein Nachtheil darin gesehen werden können, wenn sich die einzelnen Bataillone nicht in ununterbrochener Reihenfolge einander anschließen, sondern einzeln in die neuen Quartiere rücken. Aber selbst wenn die Brigade vereinigt marschiren sollte, könnte ein Zeitverlust von einer halben Stunde nicht ins Gewicht fallen, da es den Truppen erspart bleibt, vielleicht Stunden lang auf freiem Felde unbeschäftigt umher zu stehen und umher zu liegen, was oft mehr ermüdet und abspannt als ein frischer Marsch von gleicher Zeitdauer. >) Es muß betont werden, daß es sich bei den vorstehenden Erwägungen nur um eine Supposition handelt. Thatsächlich war die 49. Brigade am 15. Abends ermüdet nach einem in Bereitschaftsstellung verbrachten Tage spät in die Biwaks und Kantonne- ments gekommen. Das in Pournoy la Grasse kantonnirsnde Regiment lag in Massenquartieren, stand, wenn die Leute aus den Häusern traten, eigentlich schon in der Marschkolonne. Ein Heraustreten des Regiments aus dem Dorfe und ein Zusammenziehen der Brigade auf einem gemeinsamen Rendezvous war kaum angezeigt, da es sich noch der Kenntniß der Brigade entzog, wohin ihre Thätigkeit zunächst gerichtet sein werde. Hin- und Hermärsche aber vermieden werden mußten, wo bereits eine große Truppenmasse — es waren, wie erwähnt, auch Theile des 8. Korps da — auf engem Raum versammelt und aus einen Weg angewiesen war. 2) Wollte man zum Beispiel annehmen, daß der Befehl zum Aufbruch an die im Kantonnement und Biwak befindlichen Truppentheile der Brigade über- sandt würde, so würde die große Bagage wohl am zweckmäßigsten mit diesen bis an die über die Seilte geschlagene Brücke rücken und in deren Nähe am rechten Ufer des Flusses versammelt werden. 7 Es fragt sich also hier, um zu den thatsächlichen Verhältnissen zurückzukehren, in welcher Art und Weise die Marschbereitschaft der Brigade von der Division angeordnet war. Wenngleich die geschichtliche Darstellung hierüber keinen genügenden Aufschluß gewährt, so erscheint doch dem Wortlaut derselben gemäß die Vermuthung berechtigt, daß auf Anordnung der Division die Truppen der 49. Infanterie-Brigade sich am Morgen des 16. August in ihren Kantonne- ments und Biwaks marschbereit hielten. Eine weitere Frage, welche sich aus der kriegsgeschichtlichen Darstellung ergiebt, wäre die, zu welchen Folgerungen über die Kriegslage der am 16. Anglist zwischen 10 und 11 Uhr früh eingehende Divisionsbefehl den Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade wohl berechtigen dürfte. Da dieser Befehl, so weit er uns bekannt ist, keinerlei Mittheilungen über den Feind und die Absichten der Division enthält, scheint es sich für die Brigade — wie schon erwähnt — um einen einfachen Kantonnementswechsel zu handeln. Außerdem dürfte sich aus dem Umstände, daß die große Bagage nach Passiren der Division ebenfalls die Seilte überschreiten, in den verhältnißmäßig schmalen Raum zwischen Mosel und Seilte hinübergenommen und in die neuen Kantonnirungen herangezogen werden soll, ergeben, daß höheren Orts eine taktische Entscheidung diesseits der Mosel nicht mehr erwartet wird. Eine andere Aufgabe, die wir uns stellen können, wäre, den Befehl zu entwerfen, den der Brigadekommandeur auf Grund des eingegangenen Divisionsbefehls ertheilen wird. Unter der Voraussetzung, daß die Brigade, ausschließlich des 1. Jäger-Bataillons, aber einschließlich ihrer großen Bagage früh 6 Uhr anf einem Rendezvous westlich Pournoy la Graste zunächst der Straße nach Verny versammelt steht, würde der mündlich an die Kommandeure dortselbst zu Ausgabe 7, ertheilende Befehl vielleicht wie folgt lauten: b und 9. „Die Brigade marschirt über Verny an die von den Pionieren nördlich PommSrieux, gegenüber dem Pachthof Loiville, über die Seille geschlagene Brücke, überschreitet diesen Fluß und rückt dann in Kantonnements auf dem rechten Mosel-Ufer bei Corny. Das 1. Infanterie-Regiment tritt sogleich an, das 2. folgt ihm. Besondere Sicherungsmaßregeln sind vorläufig nicht erforderlich. Die kleine Bagage bleibt bei den einzelnen Bataillonen, die große Bagage folgt unter Führung des Zahlmeisters A. vereinigt der Brigade unmittelbar bis an die Brücke, fährt dort seitwärts der Straße auf und wartet das Passiren sämmtlicher Truppentheile der Division ab. Sobald dies geschehen, überschreitet sie gleichfalls den Fluß und setzt ihren Marsch über Coin sur Seille, Pournoy la Chötive, Coin les Cuvry und Fey auf Corny fort." Da uns der Wortlaut des thatsächlich ertheilten Brigadebefehls nicht bekannt ist, müssen wir darauf verzichten, diesen zur Prüfung des vorstehenden Entwurfes zu benutzen, immerhin lassen sich noch einige andere Fragen an letzteren knüpfen. Eine solche wäre, in welcher Weise den Truppentheilen der Brigade wohl ihre Dislokation für den 16. August mitgetheilt werden soll, da dies in unserem Entwurf nicht gleich bei Antritt des Marsches geschieht, ferner ob es nicht zweckmäßig erscheint, gleich auf dem Rendezvous bei Pournoy la Graste detaillirtere Anweisungen zum Ueberschreiten der über die Seille geschlagenen Brücke zu geben, und weiter, von wem wohl das zur 49. Brigade gehörige 1. Jäger- Bataillon am 16. August seine Befehle zu empfangen hat. Was die erstere Frage') betrifft, so werden im Felde den einzelnen Armeekorps und Divisionen in der Regel bestimmt begrenzte Rayons zugewiesen oder die einzelnen Ortschaften ausdrücklich benannt, welche sie zu belegen haben. Diesen Kommandobehörden bleibt dann die weitere Lertheilung überlassen. Sobald ein Zusammenstoß mit dem Feinde nicht zu erwarten ist, kann die neue Dislokation den Truppen schon vor dem Marsche oder bei Beginn des Marsches bekannt gegeben werden, erscheint ein ernsterer Zusammenstoß aber möglich und werden die Marschziele also theilweise durch das Verhalten des Gegners bedingt, so geschieht dies erst während des Marsches oder nach Beendigung desselben. Allerdings läßt die weitere Forschung in den vorhandenen geschichtlichen Quellen*) hier ermitteln, daß die neue Dislokation von >) ekr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen sV., VI. L. x)s; ferner Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 381—403; Meckel, Taktik, Seite 108-119. 2> Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (20.) Division an dem Feldzuge 1870/71, Seite 106. Seiten der Division schon am Morgen des 16. August ausgegeben wurde und daß deshalb wahrscheinlich auch die Brigade in der Lage war, die Kantonnirungsorte den Truppen schon vor Antritt des Marsches bekannt zu geben. Da jedoch die Details der thatsächlichen Dislokation, sowie der Wortlaut der bezüglichen Befehle uns nicht bekannt sind, dürfte es vielleicht nicht unangemessen sein, diese Frage vorerst offen zu lassen. Hingegen läßt sich daraus schließen, daß von Seiten der Division ein Zusammenstoß mit dem Gegner für den 16. August wohl nicht erwartet wird. Jedenfalls ist der Brigadekommandcur auch bei den in unserem Befehlsentwurf getroffenen Anordnungen in der Lage, sowohl den Truppen wie der großen Bagage die neuen Kantonnirungsorte rechtzeitig bekannt zu geben, so daß Umwege wie Rückmärsche vermieden werden. Schon auf dem Rendezvous bezüglich des Passirens der über die Seilte geschlagenen Brücke bestimmte Anweisungen zu geben, wird kaum möglich sein, da diese von der speziellen Beschaffenheit der Brücke und den sonstigen Berhältnissen dort abhängen, was sich nur an Ort und Stelle beurtheilen läßt. Dem Brigadekommandeur, der seiner Brigade vorausreitet oder sich wenigstens an deren Spitze befindet, wird sicher genügend Zeit bleiben, um die etwa erforderlichen Anordnungen dann mündlich zu treffen. Ueber das auf Vorposten befindliche 1. Jäger-Bataillon') hat der Brigadekommandeur zur Zeit keine Befehlsbefugniß. Dasselbe wird die erforderlichen Befehle entweder direkt von der Division oder, was wahrscheinlicher ist, durch den Vorpostenkommandeur empfangen. Kehren wir nunmehr zu unserer kriegsgcschichtlichen Darstellung zurück. >) Wenn auch das 1. Jäger-Bataillon als detachirt vorübergehend der Verfügung des Brigadekominandeurs entzogen war, so hatte man bei der Nähe der Vorposten im Brigade-Stabsquartier doch möglicherweise Kenntniß von der Lage bei denselben. Ganz sicher ist dies jedoch nicht. Das gegen Metz zwischen Seille und Mosel vorgeschobene Vorposten-Detachement bestand aus dem 1. Jäger-Bataillon (49. Infanterie-Brigade), dem 2. Jäger-Bataillon (50. Jn- fanterie-Brigade), der 4. Schwadron des t. und der 4. Schwadron des 2. Reiter- Regiments (25. Kavallerie-Brigade), unter Oberstlieutenant v. Grolman, Kommandeur des 1. Reiter-Regiments, (ekr. Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzuge 1H70/7I, 1. Lieferung, Seite 99, 100 und 104.) 10 „Als der Brigadekommandeur zu Pferde stieg, fand er die ihm angewiesene Marschstraße bereits von Abtheilungen des 8. Armeekorps gesperrt. Die Korps-Artillerie des 8. Armeekorps hatte nicht nur die ganze Straße zwischen Pournoy und Verny eingenommen, sondern hielt auch im Orte Pournoy, so daß die Bataillone des l. Infanterie-Regiments nicht einmal antreten konnten. Ein eben eintreffender Generalstabsoffizier vom großen Hauptquartier wies einen offenen Befehl des Generals v. Moltke vor, wonach das 9. Armeekorps womöglich noch heute die vom 3. Korps bei Arry hergestellten Brücken überschreiten und wenn es mit Truppen der I. Armee zusammenträfe, diesen vorangehen sollte. Auf Grund dieser Ordre gelang es, der Tete der Brigade (dem 1. Infanterie-Regiment) freie Passage zu verschaffen. Die Artillerie des 8. Korps mußte antreten, zuerst den Ort Pournoy schleunigst räumen und dann jenseits Verny seitwärts der Straße Parkiren. Es war 11'/s Uhr geworden, als das 1. Infanterie-Regiment von Pournoy la Graste aufbrach." Versuchen wir nun, ohne hier auf die Ursachen einzugehen, wie es kommt, daß Abtheilungen von zwei verschiedenen Armeekorps sich gegenseitig behindernd auf derselben Marschlinie zusammendrängen, uns die Situation klar zu machen. Wie dem Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade wahrscheinlich bekannt war und wir aus der Orärs cie bataillo der deutschen Armeen') ersehen können, gehörte das 8. Armeekorps (General der Infanterie v. Goeben) zu der unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie v. Steinmetz stehenden I. Armee. Welche Maßregeln wird nun der Brigadekommandeur ergreifen, um sich die Marschstraße frei zu machen'?^ In erster Linie dürfte es wohl ge- Aufgabe io. boten sein, sofort an die Division darüber Meldung zu erstatten. Dann aber wird es wenig nützen, wenn der Brigadekommandeur sich an den nächsten Batteriechef wendet und diesen zur Räumung der Straße auffordert. Derselbe wird ihn wahrscheinlich bitten, sich an seinen Abtheilungskommandeur zu wenden, aber auch außerdem dürfte es ziemlich viel Mühe und Worte kosten, wenn der General auf diese Weise Batterie um Batterie von der Marschstraße entfernen okr. Generalstabswerk, 1. Theil, t. Band, Anlage 5. 2) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 366—367; Meckel, Taktik, Seite 158—159. 11 wollte. Außerdem haben auch selbst nach Eintreffen der aus dem großen Hauptquartier erlassenen Ordre die marschirenden Abtheilungen des 8. Armeekorps begründeten Anspruch, die Straße in wenigstens einigermaßen geordneter Weise verlassen zu können. Der Brigadekommandeur wird also längs der Marschkolonne vorreiten und die höheren Führer, den Kommandeur der Korps-Artillerie oder mindestens die Abtheilungskommandeure aufsuchen und diese zur Räumung der Aufgabe 11. Straße veranlassen. Die aus dem großen Hauptquartier erlassene Ordre erscheint keineswegs überflüssig, denn die Kreuzung der Marschkolonnen von zwei verschiedenen Armeekorps und noch dazu verschiedener Armeen kann leicht zu ernsthaften Reibungen Veranlassung geben. Allerdings kann die momentane Benutzung der Straße lokal durch die Entscheidung des ranghöheren Führers auf dessen eigene Verantwortung hin geordnet werden, aber bei einer so tiefen Kolonne wird es ziemlich viel Zeit bedürfen, bis ein solcher Ansspruch zu allgemeinerer Geltung gelangt und kann derselbe, vielleicht theilweise schon in Ausführung begriffen, sehr leicht auf die Entscheidung eines noch höher gestellten Führers stoßen, der eine entgegengesetzte Anschauung vertritt. Es wäre sonach ein Kompetenzkonflikt zu befürchten, der bis zu seiner endgültigen Entscheidung auf beide Armeekorps hemmend einwirken und deren innere Ordnung gefährden könnte. Im Uebrigen wird das ganze Zusammentreffen der beiden Armeekorps wie die offene Ordre aus dem großen Hauptquartier dem Brigadekommandeur Veranlassung zum Nachdenken geben. Ohne einen Einblick in die Operationen zu genießen, wird sich ihm doch vielleicht der Gedanke aufdrängen, daß, obschon bisher nichts auf ein baldiges Zusammentreffen mit dem Gegner hindeutete, eine Art Krisis im Anzüge scheint. Es werden sich oft bei den unteren Führern die Wirkungen davon fühlbar machen, ohne daß diese vorläufig die Ursachen zu ergründen vermöchten. 12 Aeöerschreiten der Seille und Jortsehung des Marsches gegen die Mosel. „Als die Brigade nördlich Pommörieux an die Seilte gelangte, fand sie daselbst gegenüber dem Pachthof Loiville eine Pontonbrücke, Md etwa 30 Schritte oberhalb derselben eine gemischte Brücke über den Fluß geschlagen, auf welchen der Uebergang der Division') erfolgen sollte. Die nm die gleiche Zeit dort eingetroffenen Schwadronen des 1. Reiter-Regiments und Großherzoglich Hessischen Batterien gingen über die Pontonbrücke, die Infanterie über die gemischte Brücke. Gegen 2 Uhr traf die Brigade bei Fey ein, wo sie die 1. Kavallerie-Division^) (v. Hart mann) vorfand. Dort ließ sich an hoch in der Luft krepirendcn Granaten erkennen, daß jenseits der Mosel in der Gegend von Gorze ein heftiger Kampf stattfand. Der zweite Generalstabsoffizier der Division, Hauptmann v. Hackewitz, überbrachte hier dem Generalmajor v. Wittich den Befehl, mit der Aufgabe 12. Brigade im Marsch auf Corny zu bleiben. Die Tete derselben (das 1. Infanterie-Regiment) erreichte Corny gegen 5 Uhr Nachmittags. Der Divisionskommandeur, Seine Königliche Hoheit Prinz Ludwig von Hessen, war mit seinem Stäbe bereits dort eingetroffen?) ') Der Uebergang der Truppentheile des 9. Armeekorps über die zwei Brücken bei Pommörieux erfolgte mit größeren Unterbrechungen, da viele Abtheilungen des 8. Armeekorps sich mit den diesseitigen untermischten und der Befehl zum Aufbruch zum Theil erst später an die Truppentheile gelangte. Innerhalb des 9. Armeekorps wurden die Brücken in nachstehender Reihenfolge passirt: Generalkommando, Magdeburgisches Füsilier-Regiment Nr. 36, Stab der Grobherzoglichen Division, Großherzogliches 1. Infanterie-Regiment, zwei Schwadronen des 1. Reiter-Regiments, I. und 2. schwere Fuß-Batterie, 1. leichte Fuß-Batterie, zwei Schwadronen des 1. Reiter-Regiments, 2. Infanterie-Regiment, 1. Jäger-Bataillon, 3. Infanterie-Regiment, reitende Batterie, 2. Reiter-Regiment, 2. und 3. leichte Fuß-Batterie, 4. Infanterie-Regiment, 2. Jäger-Bataillon. Kavallerie und Fahrzeuge gingen über die Pontonbrücke, Infanterie über die gemischte Brücke, (ekr. Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (2ö.) Division an dem Feldzug 1870 71, Seite 106—107.) 2) Zur I. Armee gehörig, (vkr. Generalstabswerk, 1. Theil, 1. Band, Seite 532—535.) b) Nachdem der Divisionsstab die Seille überschritten hatte, begab sich Prinz Ludwig zu dem kommandirenden General nach Sillögny. Auf mündliche 13 Aus der Gegend von Gorze vernahm man auf eine Schlacht deutendes Getöse; die in der Luft krepirenden Granaten oder Shrapnels waren auch hier sichtbar." Betrachten wir nun die bisher geschilderten Ereignisse. Schon der Nebergang der Brigade über die Seille giebt zu verschiedenen Erwägungen und Aufgaben Veranlassung. In erster Linie könnten wir uns wohl an der Hand der einschlägigen Vorschriften') einen derartigen Brückenschlag zu vergegenwärtigen suchen, und diese Betrachtung dadurch noch anschaulicher gestalten, daß wir in den vorhandenen geschichtlichen Quellen nach Angaben über die Beschaffenheit der Seille und Details über die am 16. August dort thatsächlich hergestellten Brücken forschen. Solche lassen sich nun auch ohne besondere Mühe ermitteln. Wir erfahren daraus, daß die Seille durchschnittlich etwa 25 Meter breit ist und bei einer verhältnißmäßig bedeutenden Tiefe (bis zu 3,50 Meter) meist sehr schlammigen Flußgruud besitzt. Bei anhaltendem Regen tritt sie leicht aus ihren Ufern aus. Ein Uebergang über die Seille kann immer nur mit sorgfältigen Vorbereitungen nach vorhergegangenem Brückenschlag erfolgen. Ferner ergiebt sich, daß sie an der gewählten Brückenstelle eine Geschwindigkeit von 0,5 Meter und eine Anfrage dortselbst befahl General v. Manstein, Kantonnements auf dem rechten Mosel-Ufer bei Corny zu beziehen, und gestattet«, wenn Novöant nicht belegt wäre, ein Regiment dorthin über die Mosel zur Sicherung des Ueber- ganges zu senden. Möglicherweise würde Seine Königliche Hoheit von Gefecht jenseits hören, das sei aber nur von Vortruppen und bedeutungslos. Von Sillsgny begab sich Prinz Ludwig nach Corny. Hauptmann Lignitz vom Generalstabe des 9. Armeekorps, welcher an die Brücke von Corny geritten war, entnahm aus Mittheilungen von Verwundeten und Anderen, welche vom Schlachtfeld« zurückkehrten, daß auf dem linken Mosel-User ein sehr heftiges, unentschiedenes Gefecht von weit größerer Bedeutung im Gange sei, als man beim Generalkommando des 9. Armeekorps voraussetzte, und ließ dem Prinzen Ludwig dies in Corny mittheilen, falls derselbe beabsichtigen sollte, unterstützend einzugreifen. 0 Dienstanweisung für die Brücken-Trains eines Armeekorps, Direktiven für den Brückenschlag beim Anmarsch des Brücken-Trains rc., Ausrüstungs- Nachweisung der Brücken-Trains eines Armeekorps, Pontonier-Reglement. 2) Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71, Seite 105. Paulus, Die Cernirung von Metz, Seite 5. Götze, Die Thätigkeit der Deutschen Ingenieure und technischen Truppen im Deutsch-Französischen Kriege 1^70/71, 1. Theil, Seite 66. 14 Maximaltiefe von 1,25 Meter bei kiesigem Grund und festen Ufern hatte und, was die spezielle Beschaffenheit der hergestellten Brücken betrifft, daß die Pontonbrücke drei Strecken, die gemischte Brücke vier Strecken erforderte, sowie daß der Brückenschlag in etwa dreiviertel Stunden vollendet wurde. Wenn nun auch die ganze Organisation der Brückentrains seit dem Deutsch-Französischen Kriege mannigfache Veränderungen erlitten hat, so gestatten uns diese Angaben doch unter Zuhülfenahme der damals gültigen Bestimmungen') sogar die Länge jeder einzelnen Brücke festzustellen und dürften jedenfalls genügen, um ein ziemlich klares Bild der ganzen Sache zu gewinnen und auf alle die Punkte hinzuweisen, auf welche es hierbei ankommt. Ferner wird es nicht uninteressant sein, sich über die ganze zur Zeit bestehende Organisation der Brückentrains eines Armeekorps einigermaßen zu orientiren und deshalb die hierfür maßgebenden reglementarischen Bestimmungen nachzulesen.^) Eine weitere denselben Gegenstand betreffende Aufgabe wäre, sich über die Herstellung einer Feldbrücke unter den gleichen Verhältnissen mit unvorbereitetem Material zu informiren, wie eine solche sogar der Infanterie unter besonderen Umständen zufallen kann. b) Auch ließe sich die Frage auswerfen, ob es unter Umständen nicht vortheilhafter sein könnte, statt zwei Brücken mit normaler Brückendecke nur eine solche mit mehrfacher Bahn (Doppelbahn) herzustellen, sofern das verfügbare Material hierzu ausreicht. Ein Blick auf die Karte zeigt ferner, daß nördlich Poi»m6rieux gegenüber dem Pachthof Loiville kein Weg bis an die Seilte führt. Es wird also ein Marschkolonnenweg ungefähr von dem Punkte an, wo der Weg nach Avigy Ferme von der Straße Beruh—Pommö- rieux abzweigt, bis an die Brückenstelle und unter Umständen auch 1) ekr. Die Truppenführung im Feld« und Manöver von R. v. B. Berlin 1869, Seite 220—223. 2) ekr. Dienstanweisung für die Brücken-Trains eines Armeekorps, Direktiven für den Brückenschlag beim Anmarsch des Brücken-Trains rc., Ausrüstungs- Nachweisung der Brücken-Trains eines Armeekorps, Pontonier-Reglement; ferner auch (namentlich wenn vorbezeichnete Reglements nicht zur Verfügung stehen sollten) Bronsart v. Schellendorsf, Der Dienst des Generalstabes, Seite 279—281; Meckel, Taktik, Seite 62—65. Handbuch für den allgemeinen Piobierdienst, Abschnitt VII. 15 am linken Seille-Ufer erforderlich werden. Ob derselbe besondere Arbeiten beansprucht, hängt vom Terrain und der Witterung ab. Immerhin können wir versuchen, uns auf Grund der einschlägigen reglemeutarischen Bestimmungen auch hier über die Punkte klar zu werden, welche dann eventuell in Betracht kommen.') Vor Allem aber fragt sich, wer die allgemeinen Anordnungen für den Uebergang und speziell hier für die Vertheilung der Brücken an die einzelnen Waffen zu treffen hat. Da es sich um Abtheilungen ein und derselben Division handelt, so wird dies deshalb auch Sache des Divisionskommandeurs sein. In dem zwischen 10 und 11 Uhr bei der Brigade eingetroffenen Befehl ist jedoch darüber nichts gesagt. Eine unberechtigte Kritik könnte nun leicht die Ansicht aufstellen, daß hier ein Uebersehen vorliege, welches beim Ueberschreilen des Flusses leicht Mißstände und Reibungen veranlassen könnte. Ein solches Urtheil müßte jedoch als ein durchaus unmolivirtes und voreiliges bezeichnet werden. Der Divisionskommandeur kann zu der Zeit, als er seinen Befehl an die Truppen ausgiebt, wahrscheinlich noch gar nicht übersehen, ob es den nach PommOrieux abgerückten Pionieren gelingen wird, bis zum Eintreffen der Truppen dort zwei Brücken fertig zu stellen, ja ob überhaupt das verfügbare Material zu zwei solchen ausreicht. Nähere Bestimmungen vermag er dann vorläufig nicht zu geben, auch dürfte es völlig genügen, wenn in diesem Falle die als Brückenkommandanten fungirenden Ingenieur-Offiziere mit den erforderlichen Instruktionen versehen sind. Aber auch andere Ursachen können hier zu Grunde liegen. Wenn wir in den uns zur Verfügung stehenden Quellennäher nachforschen, so werden wir finden, Laß zur Ausführung des Brückenschlags über die Seille von Seiten des Generalkommandos 9. Armeekorps (Korpsbefehl ck. ck. Verny, 10. August, (?/i Uhr früh) sämmtliche Pionier-Kompagnien dieses Korps dem Kommandeur der Ingenieure und Pioniere unterstellt waren, der ganze Brückenschlag also der Verfügung des Divisionskommandeurs vollständig entzogen war. Ob dem Divisionskommandeur aber vor Ausgabe seines Befehls an die 9 Handbuch für den allgemeinen Pionierdienst, Abschnitt VI. 2) elr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 350. 2) Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen <25.) Division an dem Feldzuge 1870/71, Seite 105. 16 Truppen die erforderliche Zeit verblieb, über Zahl und Beschaffenheit der über die Seille zu schlagenden Brücken bei dem Kommandeur der Ingenieure und Pioniere anzufragen und ob dieser in der Lage gewesen wäre, eine solche Anfrage rechtzeitig zu.beantworten, muß zum mindesten dahingestellt bleiben. Es dürste dies darauf hinweisen, wie nothwendig es ist, mit jedem absprechenden Urtheil vorsichtig zu sein. Die Gefahr, bei kritischen Erörterungen unberechtigte und nicht gehörig motivirte Behauptungen aufzustellen, erscheint schon der Natur der historischen Quellen gemäß so bedeutend, daß es wohl in den meisten Fällen vorzuziehen ist, auf jede eigentliche Kritik von vornherein zu verzichten. Für Stndienzwecke wird die Methode, die geschichtlich festgestellten Ereignisse nur zur Basis und Prüfung eigener Entschlüsse und Anordnungen zu benutzen, jedenfalls weit segensreichere Früchte tragen. Hebergang über die Mosel und Weitermarsch auf der großen Straße nach Oorze. „General v. Wittich erhielt nun den Befehl, mit der Brigade so rasch wie möglich die Mosel zu überschreiten, um noch in die Schlacht einzugreifen, und erfuhr gleichzeitig, daß die Erfolge der im Kampfe stehenden 5. Infanterie-Division (Generallieutenant v. Stülpnagel) bis jetzt nicht günstig seien. Außer den beiden Infanterie-Regimentern der 49. Brigade waren um diese Zeit noch drei Schwadronen des 1. Reiter-Regiments und drei Batterien bei Corny eingetroffen, die zum Theil ihre Marschquartiere und Biwaks schon erreicht hatten und von Neuem aufgebrochen waren. Das Ueberschreiten der schmalen und schwankenden Kettenbrücke zwischen Corny und Noveant verursachte längeren Aufenthalt. Für den Uebergang wurde die Anordnung getroffen, daß bei der in Sektions- kolounen marschirenden Infanterie zwischen den einzelnen Zügen, bei der Artillerie zwischen den einzelnen Geschützen und Fahrzeugen größere Abstände genommen und im Schritt, die Infanterie ohne Tritt, übergegangen werden sollte. Es sollte die Brücke mit mög- lichster Ruhe Passirt werden, um größere Schwankungen derselben zu vermeiden. Auf Befehl des Divisionskommandeurs legte das 1. Infanterie-Regiment bei Nov6ant für Moselle, das 2. vor Überschreiten der Moselbrücke die Tornister ab, da die Hitze des Tages sehr drückend war, die von den Truppentheilen zurückgelegten Entfernungen bereits groß waren, und da es sich in Berücksichtigung der über den Verlauf der Schlacht eingetroffenen Nachrichten um möglichste Beschleunigung des Marsches handelte. Jenseits der Mosel an der Straße nach Gorze, gegenüber dem Bahnhof, ließ Prinz Ludwig die angekommenen Truppen an sich Vorbeimarschiren. Die Abtheilungen, welche mit kurzen begeisternden Worten von ihrem Führer angeeifert wurden, eilten mit Hurrahruf vorwärts in den bevorstehenden Kampf." Suchen wir uns wiederum in die Lage der 49. Infanterie- Brigade zu versetzen. Statt der technischen Fragen, die uns vorher beschäftigt, kommen jetzt moralische Faktoren zur Geltung. Beim heutigen Vormarsch gegen die Mosel war ein Zusammenstoß mit dem Gegner ursprünglich wohl kaum zu gewärtigen. Welche Verhältnisse inzwischen eine Veränderung der Lage bewirkt haben, läßt sich innerhalb der 49. Brigade, ja selbst von dem Kommandeur derselben, nicht übersehen. Als aber bei Feh Kanonendonner in westlicher Richtung vom linken Mosel-Ufer her hörbar wird, als sogar das Krepiren französischer Granaten beobachtet werden kann, ergreift eine gewisse Spannung bezüglich der Dinge, die da kommen, wohl auch den gemeinen Soldaten. Um ein lebendiges Bild der inneren Verhältnisse bei der Brigade zu gewinnen, wird es zweckmäßig sein, die über die allgemeine Situation derselben gemachten Angaben uns noch einmal kurz vor Augen zu führen. In fast ununterbrochenem Vormarsch von den heimathlichen Mobilmachungsorten aus war der Brigade bisher noch keine Gelegenheit zu wirksamer Antheilnahme am Kampfe geworden. Aber große Mühseligkeiten, anstrengende Märsche und Biwaks waren zu überwinden gewesen. Die Kunde von den siegreichen Gefechten und Schlachten bei Weißenburg, Wörth, Spicheren hat jedenfalls mächtig anregend gewirkt, denn — wie das Generalstabswerk sagt — der moralische Werth eines Sieges wirkt weit über das Schlachtfeld hinaus. Als nun die braven Hessen, an der Mosel angelangt, bereits ihren Divisionskommandeur, einen Prinzen ihres angestammten Regentenhauses, sie dort erwarten sehen, als mit jedem Schritt weiter Die 4g. Jnf. Brig. bei Vionville — Mars la Tour. 2 18 die Anzeichen eines nahen und heißen Kampfes sich mehren, sind alle Mühen des zurückgelegten Marsches auf staubiger Chaussee in der Augusthitze wohl rasch vergessen, und Alles strebt vorwärts, wo eine Wasfenentscheidung zu fallen scheint. In dieser Lage bieten sich für das kriegsgeschichtliche Studium verschiedene Aufgaben. Eine neue Flußlinie — die Mosel — ist zu überschreiten, und zwar auf einer schmalen und schwankenden Kettenbrücke. Da auch gleichzeitig außer der 49. Brigade noch andere Abtheilungen der 25. Division dort eingetroffen sind, so fragt sich zunächst, wer nunmehr die Anordnungen für den Uebergang und den sich daran anschließenden Weitermarsch zu treffen hat. Da der Divisionskommandeur zur Stelle ist und es sich um Abtheilungen seiner Division handelt, so ist klar, daß auch er das Erforderliche zu veranlassen hat. Dabei kann er jedoch verschiedene Wege betreten. Die Macht der Verhältnisse hat von selbst zur Bildung eines Detache- ments') von 4 Bataillonen, 3 Eskadrons, 3 Batterien geführt, welches wir gegen 5 Uhr Nachmittags bei Corny vereinigt finden. Der Divisionskommandeur kann nun entweder selbst die unmittelbare Führung dieses Detachements übernehmen oder dieselbe dem Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade übertragen. Was in jedem einzelnen derartigen Falle vorzuziehen ist, hängt von den speziellen Verhältnissen dabei ab. Hier wird es der Divisionskommandeur vorziehen, die unmittelbare Führung zu übernehmen. Nur er vermag auf Grund der eingegangenen Nachrichten und höheren Befehle die zur Zeit bestehende Gefechtslage einigermaßen zu übersehen, der an der Spitze der Marschkolonne eben eintreffende Brigadekommandeur müßte von ihm erst genau orientirt werden. In der Entsendung von Offizieren seines Stabes auf das Gesichtsfeld^) findet der Divisionskommandeur das Mittel, die nothwendige Kennt- 1) 1. und 2. Bataillon t. Infanterie-Regiments, 1. und 2. Bataillon 2. Infanterie-Regiments, 1., 3. und 4. Schwadron 1. Reiter-Regiments, 1. und 2. fchwere, 1. leichte Fuß-Batterie. 2 ) Thatsächlich waren die Offiziere des Divisionsstabes mit Ueberbringung der Befehle des Prinzen Ludwig beschäftigt. Dieser beauftragte daher den Rittmeister Freiherr» v. Lepel, welcher mit feiner Schwadron (der 2. des 1. Reiter-Regiments) in Corny Quartier beziehen sollte, auf das Gefechtsfeld vorzureiten, Nachrichten über den Stand der Schlacht einzuholen, das Terrain für die auf der Straße nach Gorze folgenden Truppentheile der Division zu rekognosziren und Meldung darüber zu erstatten. 19 niß der Gefechtslage sich zu erhalten, dieselbe zu erweitern und auf Grund derselben zweckmäßige Anordnungen für das Eingreifen der zunächst disponiblen Truppen seiner Division zu treffen. Welche Theile derselben aber heute noch zur Wirksamkeit gebracht werden können und innerhalb welcher Zeit dies voraussichtlich möglich sein wird, vermag wiederum nur er zu beurtheilen, und auch dies wird auf die Führung des Gefechts bestimmend einwirken. Die Hauptsache aber ist, daß ein erheblicher Theil der Division sich zur Stelle befindet. Hierzu tritt, daß es das erste Gefecht ist, in dem Hessische Truppen zur Thätigkeit gelangen, und kein Prinz des Großherzoglichen Hauses wird sich die günstige Gelegenheit entgehen lassen, an der Spitze der Landeskinder neuen Ruhm an die Hessischen Fahnen zu fesseln. Man könnte vielleicht einwenden, daß er die Verhältnisse der gesammten Division im Auge behalten muß, und daß es deshalb Vortheilhaft wäre, sich von den Details der Gefechtsführung zu entlasten. Das wäre richtig, wenn nur geringe Bruchtheile der Division in Frage kämen. Wie die Verhältnisse aber liegen, kann in der unmittelbaren Führung des Detachements kein Nachtheil gefunden werden, sobald die übrigen Theile der Division die Direktion auf Corny erhalten haben. Von dem anwesenden Divisionskommandeur') wird also der Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade seine Befehle zu erwarten und zu empfangen haben. Thatsächlich ordnet auch Ersterer das Ablegen der Tornister für die Brigade an. Was die Zweckmäßigkeit einer solchen Maßregel betrifft, so steht fest, daß dieselbe unter besonderen Umständen geboten erscheint, wenngleich immer schwere Gefahrenbezüglich Wieder- Prinz Ludwig, welcher erfahren hatte, daß auf dem linken Mosel- Ufer ein sehr heftiges, unentschiedenes Gefecht von weit größeren Dimensionen im Gange sei, als man beim Generalkommando des 9. Armeekorps voraussetzte, befahl allen Truppentheilen, im Marsch zu bleiben, die Mosel zu überschreiten und den Vormarschirenden zu folgen. Die Orllro ) vkr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 303—304; ferner Meckel, Taktik, Seite 3—4. 2 ) ekr. Seite 33, Anmerkung l. 25 der Artillerie sind ihm an und für sich nicht unterstellt, haben also auch von ihm in der Regel keine Befehle zu empfangen. Auch das in dem Befehl hervortretende Bestreben, den Uebergang über die Kettenbrücke nach Möglichkeit zu beschleunigen, wird man wohl als gerechtfertigt betrachten müssen. Ob aber die speziellen Anordnungen hierzu als zweckmäßig zu erachten sind, wird eine nähere Untersuchung derselben ergeben. Zunächst handelt es sich um die Truppenfolge. Da die berittenen Waffen durch Traben den beim Uebergang sich ergebenden Zeitverlust leicht wieder einzuholen vermögen und die Artillerie für den zunächst vorliegenden Marschzweck auf eine innigere Verbindung mit der Infanterie angewiesen ist als die Kavallerie, so wird sich gegen die gewählte Reihenfolge kaum eine Einwendung erheben lassen, sofern man die möglichste Beschleunigung des Ueber- ganges der ganzen Kolonne in erster Linie berücksichtigen will. Daß die 2. Staffel der Batteriefahrzeuge an der Queue folgt, um die Kolonne der in erster Linie zum Gefecht bestimmten Truppen möglichst zu verkürzen, ist reglementarisch. *) Bei der Unbekanntschaft mit den Verhältnissen jenseits der Mosel ist auch die Vorsicht des Brigadekommandeurs, die 2. Staffel mit dem Kavallerie-Regiment vereint ausschließen zu lassen, wohl nicht ganz ungerechtfertigt. Dies führt uns zu der weiteren Frage, ob er nach Ueber- schreiten der Mosel sich nicht außer nach vorwärts auch in den Flanken, und namentlich in seiner rechten Flanke — also gegen Metz hin — zu sichern2) hat. Das durchschnittene, bedeckte Terrain weist auf eine solche Anordnung jedenfalls hin. Diese Frage kam übrigens schon von Beginn des Marsches an in Betracht. Vom Standpunkte des Brigadekommandeurs aus läßt sich dieselbe jedoch nicht beantworten. Wie die Verhältnisse auf dem linken Mosel-Ufer liegen, ob nicht in dieser Richtung, namentlich auf den Straßen Novsant— Ars s. M. und Gorze—Ars s. M., schon Abtheilungen vorgeschoben etr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, Anhang IV, Seite 293. 2) okr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 367—369; Weckel, Taktik, Seite 169—180. 3) Thatsächlich waren von der am Morgen des 16. August auf Gorze vorrückenden 5. Infanterie-Division zwei Bataillone und eine Dragoner- Schwadron zur Deckung der rechten Flanke gegen Metz und zur Sicherung der Mofel-Brücken bei Dornst und Corny zurückgeblieben, (etr. Generalstabswerk, 26 sind, vermag er nicht zu übersehen. Sache des Divisionskommandeurs ist es daher, auf Grund der eingegangenen oder erholten Information die in dieser Beziehung erforderlichen Maßregeln rechtzeitig zu veranlassen oder den Kommandeur der 49. Brigade so ausreichend über die Situation zu orientiren, daß dieser die nothwendigen Anordnungen zu treffen vermag. Aber auch der Divisionskommandeur kann unter Umständen über die zur Zeit auf dem linken Mosel-Ufer bestehende Lage noch völlig im Dunkeln sein. Dann unterliegt es keinem Zweifel, daß bei den vorliegenden Terrainverhältnissen die von Novöant auf Gorze vorrückenden Truppen sich in ihren Flanken und namentlich in ihrer rechten Flanke zu sichern haben. Auf diese Nothwendigkeit muß aber der Brigadekommandeur in diesem Falle ausdrücklich hingewiesen werden. Unserer Supposition gemäß erhielt er jedoch nur den Befehl, nach Passiren der Brücke den Marsch auf Gorze fortzusetzen, es kann ihm also kein Vorwarf gemacht werden, wenn er von besonderen Sicherungsmaßregeln während des Ueber- ganges und beim weiteren Vormarsch Abstand nimmt und von der Voraussetzung ausgeht, daß der Divisionskommandeur wohl bestimmte Aufgabe 15 . Nachricht haben müsse, daß in diesen Richtungen keine Gefahr droht. Wir stoßen also hier auf eine Lücke oder einen Fehler, wenn man es so nennen will, in unserer Supposition, insofern wir einen unzureichenden (supponirten) Befehl des Divisionskommandeurs unserer Aufgabenstellung zu Grunde gelegt haben. Ob die Nothwendigkeit vorlag, sich während des Ueberganges über die Mosel und beim weiteren Vormarsch gegen Gorze nach irgend einer Richtung hin zu sichern, mußte schon bei Beginn desselben feststehen.') Sache des Brigadekommandeurs wäre es gewesen, sobald er einen ihm aus irgend welchen Gründen unzureichend erscheinenden Befehl erhielt den Divisionskommandeur zu befragen, und wenn ihn die Fassung dieses Befehls, wie oben ausgeführt, auch eigentlich jeder Verant- 1. Theil, I. Band, Seite 519—550.) Die beiden Bataillons rückten aber schor, am Nachmittag auf das Schlachtfeld nach. (ekr. Generalstabswerk, 1. Theil 1. Band, Seite 613.) si Thatsächlich war wohl die am Morgen des 16. August bei Dornst im Mosel-Thale zurückgelassene 3. Schwadron des Dragoner-Regiments Nr. 12 sekr. Generalstabswerk, 1. Theil, 1. Band, Seite 549, 550 und 613) dort verblieben und hatte gegen Metz hin aufgeklärt, so daß man bei den später übergehenden Truppen ausreichend orientirt war und von besonderen Sicherungsmahregeln absehen konnte. 27 wortlichkeit überhebt, so müßte man doch dabei jene Initiative ver- Aufgabe missen, welche jeden Führer, auch den untersten, beseelen soll.*) isundir. Was nun den Uebergang über die Kettenbrücke betrifft, so wird die Art und Weise desselben durch die spezielle Beschaffenheit der Brücke bedingt. Die in der Regel nur geringe Tragfähigkeit der Hängebrücken 2 ) erheischt für einen Truppenübergang besondere Anordnungen. Daß es zur Beschleunigung eines solchen zweckmäßig wäre, die einzelnen Jnfanteriezüge im Laufe die Brücke passiren zu lassen, sofern deren Tragfähigkeit es gestattet, bedarf keiner Begründung. Diese Bedingung trifft jedoch bei Hängebrücken in der Regel nicht Aufgabe 18. zu, und würde ein Passiren im Laufe Wohl zu bedeutende Schwankungen der Brücke verursacht haben. Auch erregt das angeordnete Ausschließen der Infanterie im Laufe auf die im Marsch verbleibende Tete vielleicht einiges Bedenken. Vergegenwärtigen wir uns die Aufgabe is, Konsequenzen. Da die Breite der Mosel durchschnittlich 150 bis 200 SchritteZ beträgt, so können wir als Brückenlänge mindestens 150 Schritt annehmen. Die Tiefe eines übergehenden kriegsstarken Zuges können wir auf etwa 40 Schritt veranschlagen. Wenn nun der an der 0 Es ist nicht außer Acht zu lassen, daß die vorstehenden Betrachtungen auf für den Studienzweck aufgestellten Suppositionen beruhen. Thatsächlich hatte der Divisionskommandeur nach Ueberschreiten der Seille in Sillögny von dem kommandirenden General erfahren, daß ein etwaiges Gefecht auf dem linken Mosel-Ufer bedeutungslos sei. Daher kamen die Friedensmärschen ähnlichen Bewegungen der Truppentheile, und gelangten keine Direktiven an die 49. Brigade. 2) In der Regel wird bei Hängebrücken die durch die Tragfähigkeit jeder einzelnen gebotene Art und Weise des Uebergangs auf beiden Seiten durch bestimmte Anweisungen bekannt gemacht und außerdem ein Brückenwächter stationirt, der die Ausführung der gegebenen Vorschriften überwacht. 3) okr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198, 199, 200, 350, 351. 0 ekr. Generalstabswerk, 1. Theil, 1. Band, Seite 130. 5) Die thatsächliche Länge der Brücke beträgt etwa 158 Schritt. 6) Es ist hier der kriegsstarke Zug in zweigliedrigen Marschsektionen zu vier Rotten mit aufgeschlossenen Sektionen angenommen. Bezüglich der Marschtiefe ist hier veranschlagt: 1 Zug in zweigliedrigen Marschsektionen zu etwa 40 Schritt, 1 Kompagnie zu etwa 120—l25 Schritt, 1 Bataillon zu etwa 450—500 Schritt, einschließlich der im Gefecht erforderlichen kleinen Bagage. Es ist indeß festzuhalten, daß alle derartigen Zahlen nur annähernd 28 Tete der Brigade befindliche Zug übergeht, so hat er zunächst 150 Schritt, die Briickenlänge, zurücklegen. Dies genügt aber nicht. Es befindet sich dann erst die Tete dieses Zuges am jenseitigen Brückcnende, die Queue aber noch auf der Brücke. Um diese Letztere völlig zu räumen, muß der Zug also noch um seine Tiefe vorrücken, so daß sich durch den Brückenübergang ein Abstand von 150 Schritt zwischen je zwei Zügen ergiebt. Dieser Abstand ergiebt sich aber auch für alle folgenden Züge und da die Brigade hier 4 Bataillone, d. i. 48 Züge zur Stelle hat, so würde sich die normale Marschtiefe dieser 4 Bataillone um 48.150 — 7200 Schritt vermehren. Die Marschtiefe der 4 Bataillone dürfen wir zu etwa 2000 Schritt') veranschlagen, so daß also durch den Uebergang — wenn die Tete im Marsch bleibt — die vier Bataillone der 49. Brigade eine Tiefe von ungefähr 9200, rund 9000 Schritt erhalten würden. Der an der Tete befindliche Zug wäre somit bereits über Gorze hinaus marschirt, wenn der an der Queue befindliche mit dem Brückenübergang bei Corny beginnen würde. Daraus erhellt, daß ein Ausschließen der Hinteren Züge im Laufschritt, wenn die Tete im Marsch bleibt, zu den Unmöglichkeiten gehört, der ganze Befehl also vollständig unausführbar ist. Eine derartige Berechnung läßt sich nun allerdings nicht im Sattel machen, wohl aber ein ungefährer Ueberschlag, bei dem es auf einige Hundert Schritt nicht ankommt, der aber ergiebt, daß jenseits der Brücke die Tete unbedingt halten muß, um ein Ausschließen der übrigen Theile der Kolonne zu ermöglichen. Hieraus entwickelt sich nun eine weitere Frage. Sollen die übergegangenen Theile in der Marschkolonne verbleiben oder sollen sie in Rendezvousstellung aufmarschiren? Ist Ersteres der Fall, wo soll die Tete halten, um das Ausschließen abzuwarten, entscheidet man sich hingegen für Letzteres, wo soll in Rendezvousstellung aufmarschirt werden? Ein Blick auf die Karte zeigt nun, daß jenseits der Brücke richtig sind und deshalb in allen Fällen den Verhältnissen entsprechend modi- fizirt werden können und häufig auch müssen, vlr. Br onsart v. Schellen- dorfs. Der Dienst des Generalstabes, Seite 346-351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. 0 4.560 — 2000 Schritt (einschl. kleiner Bagage). 2) Generalstabswerk, 1. Theil. Uebersichtskarte 1, 1:100000. Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71, Plan Nr. 1, 1:100000. 29 hart an der Mosel der Ort Nov6ant liegt und in Verbindung mit dem Thalhang des linken Ufers, der hier mit Weinkulturen bedeckt ist, ein längeres Defilee bildet. Einen Halt oder Aufmarsch vermeidet man aber wenn möglich sowohl in als vor einem solchen Defilee. Westlich Novöant wäre also der Ort hierfür zu suchen. Zu einem Aufmarsch wäre auch vor Nov6ant in Nähe der Brücke gar kein Platz, da das Terrain hier durch die Eisenbahn und die dicht an die Straße Noveant—Ars s. M. herantretenden Weinberge beengt wird. Der gleichzeitige Halt in der Marschkolonne wird in allen Fällen vorzuziehen sein, in welchen durch den Aufmarsch in Rendezvousstellung ein Zeitverlust entsteht. Da hier die Tete doch nicht weiter marschiren kann und das Aufrücken der ganzen Brigade voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nimmt, so kann hier unbedenklich seitwärts der Straße zum Rendezvous ansmarschirt Aufgabe werden. Man wird sich um so mehr hierzu entschließen, als bei einem ^ Halt in der Marschkolonne die Tete ziemlich weit — ungefähr eine Viertelstunde') — westlich Novöant vorrücken müßte, um ein Halten von Theilen der Kolonne innerhalb des Ortes zu vermeiden. Wir müssen also unseren Befehlsentwurf etwas anders gestalten, und wird derselbe nun etwa wie folgt lauten: „Seine Königliche Hoheit der Divisionskommandeur haben mich mit Leitung des Ueberganges über die Mosel beauftragt. Die hier vereinigten Truppen der Großherzoglichen Division überschreiten die Kettenbrücke in nachfolgender Ordnung: Das 1. Infanterie-Regiment, das 2. Infanterie-Regiment, die Batterien, das 1. Reiter-Regiment, die 2. Staffel der Batterie-Fahrzeuge. Die Infanterie geht zugs- weise im Schritt, jedoch ohne Tritt über, die Geschütze und sämmtliche Fahrzeuge zu Einem im Schritt, die Kavallerie abgesessen und einzeln im Schritt. Es dürfen sich nie mehr als ein Jnfanteriezug oder ein Geschütz oder ein Fahrzeug gleichzeitig auf der Brücke befinden. Das 1. Infanterie-Regiment tritt sogleich an, rückt nach Passiren der Brücke mit den einzelnen Zügen im Schritt, ohne vorerst auszuschließen, durch Novsant an den westlichen Ausgang der großen Aufgabe 24. Straße nach Gorze, marschirt dort seitwärts der Straße in Rendezvousstellung auf, legt die Tornister ab und erwartet weiteren Befehl. >) Um die Marschtiefe (etwa 2000 Schritt). 30 Ausgabt 2L. Das 2. Infanterie-Regiment inarschirt sogleich auf dem rechten Mosel-Ufer neben der Straße auf, legt die Tornister ab und folgt dann dem 1. Regiment in gleicher Weise über die Brücke. Westlich Nove-ant marschirt eS ebenfalls seitwärts der Straße in Rendezvousstellung auf und erwartet weiteren Befehl. Die Tete der Batterien bleibt nach Passiren der Brücke im Marsche, während die übrigen Geschütze und Fahrzeuge nach näherer Anordnung deS Abtheilungskommandeurs im Trabe ausschließen. Das 1. Reiter-Regiment sammelt sich nach Ueberschreiten der Brücke, am westlichen Ausgang von Novöant, wartet dort das Ausschließen der zweiten Staffel der Batterie-Fahrzeuge ab und folgt dann mit diesen der Infanterie im Trabe auf der großen Straße nach Gorze. Nachdem die vorrückende Infanterie eingeholt ist, setzt sich das I. Reiter-Regiment an die Tete der Brigade, die Artillerie folgt vorläufig an deren Queue. Diese beiden Waffen sitzen nun ab, und kann von ihnen, wie auch vom 2. Infanterie-Regiment, unter Aussicht von Offizieren Wasser geholt werden, während dies seitens des 1. Infanterie-Regiments erst nach Passiren von Novöant geschehen darf." Dieses Beispiel dürste zeigen, wie nothwendig es beim Selbststudium ist, die getroffenen Anordnungen nach allen Richtungen hin sorgfältig zu prüfen und so eine heilsame Selbstkritik zu üben. Eine solche hat jedenfalls mehr Berechtigung und verspricht weit größeren 'Ruhen als eine rein kritische Behandlung von der Kriegsgeschichte angehörenden Thatsachen. Der hier absichtlich gemachte Fehler ist ziemlich plump und ohne besondere Mühe zu entdecken. Daran möge man sich prüfen, zugleich aber nicht vergessen, daß die kriegS- geschichtliche Darstellung uns auch die Mittel gewährt, die bei ihrem Studium gemachten Fehler aufzufinden und zu verbessern. Je genauer sie uns mit den thatsächlich getroffenen Anordnungen bekannt macht, um so eher wird es gelingen, durch Vergleich mit ihnen die Berechtigung der eigenen Entschlüsse sich selbst gegenüber zu begründen. Allerdings sind gerade für Details die zur Zeit der Handlung maßgebenden Motive nur ausnahmsweise registrirl, aber schon daS Forschen nach den wahrscheinlichen oder überhaupt möglichen wird die meisten Eventualitäten zur Sprache bringe» und über deren innere Wahrscheinlichkeit in jedem einzelnen Falle ein Urtheil gewinnen lassen. So wird man, statt fremde Fehler aufzuspüren, zu- erst die eigenen finden, im weiteren Verlause vielleicht sogar über die 31 Ursachen sich klar werden, auS denen sie hervorgehen, und schließlich auch vermeiden lernen. Den Anordnungen zum Ucbergang über die Kettenbrücke schließt sich eine weitere Aufgabe unmittelbar an. Legen wir dabei den Befehl des Kommandeurs der -19. Brigade zu Grunde, wie wir ihn eben festgestellt haben, so fragt sich, welche Anordnungen wird der Brigadekomniandcnr bezüglich des weiteren Bormarsches nunmehr zu treffen haben. Nach der bisherigen Disposition erwarten die beiden Infanterie- Regimenter westlich Noveant weiteren Befehl, während das Kavallerie- Regiment und die Batterien bereit- Weisung bezüglich Fortsetzung deS Marsches erhalten haben. Für den Brigadekommandeur wird es sich also darum handeln, die Unterführer soweit als möglich und nothwendig über den Feind und die eigene Lage zu informiren, die von ihm beabsichtigte Marschordnung zu bestimmen und das Teten- Bataillon so rechtzeitig antreten zu lassen, daß für das ganze Ausgab« 2 k. Detachement kein Zeitverlust entsteht. Was nun den ersten Punkt betrifft, so ist der Brigadekommandeur, wie schon erwähnt, zur Zeit selbst noch nicht über die Situation orientirt, vermag also vorläufig noch keinerlei diesbezügliche Mittheilungen zu machen. Was den zweiten Punkt anbelangt, so erscheint bei einem Vormarsch in der Nähe des Feinde- die Ausscheidung einer Avantgarde') in allen Fälle» geboten, in denen man sich nicht in unmittelbarer Verbindung mit anderen auf gleicher Straße vorausmarschirendcn Heerestheilen befindet. Im vorliegenden Falle dürfte eine Zusammensetzung der Avantgarde aus einem Bataillon und den drei zur Stelle befindlichen Schwadronen de- 1. Reiter-Regiment- sich zweckmäßig erweisen. Jin Allgemeinen nimmt man nicht weniger als '/» und nicht mehr als '/» der gesammten Infanterie unter möglichster Aufrechterhaltung der taktischen Verbände in die Avantgarde. Bei kleineren Truppenkörpern (die Division inbegriffen) wird die ganze Kavallerie, soweit das Terrain ihre Verwendung gestattet, der Avantgarde zugetheilt und nur soviel beim Gros belassen, als dasselbe zu clr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, II. I!.; Bronsart «.Schellen- dorff. Der Dienst des Generalslabes, Seite 352—357, 367—369; Meckel, Taktik, Seite 163—ISO. 32 Ordonnanzdiensten oder zu besonderen Zwecken (Begleitung der Bagage und Trains u. s. w.) bedarf. Bezüglich des Flankenschutzes sind schon beim Uebergang der Brigade über die Brücke die hier maßgebenden Gesichtspunkte erwähnt. Die drei Batterien würden wohl am besten vereint dem Teten-Bataillon des Gros folgen. Hier befänden sie sich so weit vorne, daß sie leicht aus der Kolonne vorgezogen werden und frühzeitig ins Gefecht treten könnten, es würde sowohl der Abtheilungsverband aufrecht erhalten als vermieden, einen organischen Verband der Infanterie zu zerreißen. Indeß geht die Reihenfolge für den Marsch aus der Reihenfolge des Uebergangs über die Brücke hervor. Die Truppeneintheilung (zugleich Marschordnung für das Gros) dürfte sich deshalb wie folgt gestalten: „Avantgarde: 1 Bataillon des 1. Infanterie-Regiments, 3 Schwadronen des 1. Reiter-Regiments. Gros: Das andere Bataillon des 1. Infanterie-Regiments, das 2. Infanterie-Regiment, 3 Batterien, 2. Staffel der Batterie-Fahrzeuge." Bezüglich des dritten Punktes wäre zu bemerken, daß für die ganze Kolonne ein unnöthiger und zwar ziemlich erheblicher Zeitverlust sich ergeben würde, wenn der Brigadekommandeur das Avantgarden-Bataillon erst antreten lassen wollte, sobald sämmtliche Bataillone der Brigade auf dem Rendezvous westlich Novvant vereinigt sind. Noch weniger kann natürlich auf das Eintreffen der Batterien und des 1. Reiter-Regiments gewartet werden. Eine einfache Zeitberechnung ergiebt Nachstehendes: Die Marschtiefe der vier Bataillone beträgt etwa 2000 Schritt. Diese würde sich infolge des Ueberganges über die Kettenbrücke um etwa 7200 Schritt, also im Ganzen auf etwa 9200 Schritt, rund 9000 Schritt, vergrößern, wenn die Brigade nicht westlich Novöant in Rendezvousstellung auf- marschiren würde. Der Aufmarsch wird mithin, vom Eintreffen der Tete an der Westlisiere von Novrlant an gerechnet, etwa SAU — 90 Minuten, d. i. l'/e Stunden beanspruchen. Die normale Marschtiefe der vier Bataillone beträgt etwa 2000 Schritt und wird sich, wenn eines derselben als Avantgarde vorausgeht, auf etwa 2500 Schritt vergrößern. Der Abmarsch vom Rendezvous wird 0 otr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III. 5. b,; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. — 33 also etwa ^g°^> — 25 Minuten beanspruchen. Die Tete der Brigade darf also 25 Minuten früher vom Rendezvous westlich Nov6ant wieder aufbrechen, als deren Queue dort eintrifft. Die Tete kann mithin 90 — 25 65 Minuten, d. i. etwa eine Stunde auf dem Rendezvousplatz verweilen, ohne daß ein Zeitverlust für die ganze Kolonne zu befürchten ist. Bricht dieselbe hingegen früher aus, so ist ein Zerreißen der Kolonne die nothwendige Folge.') Diese Berechnung ist hier nur für die Infanterie ausgeführt worden, um auf die Schwierigkeit des Ueberganges über eine Ketten- oder Hängebrücke mit größeren Truppenmassen hinzuweisen; dieselbe kann jedoch — um volle Klarheit über diesen Punkt zu erlangen — ohne besondere Mühe auch auf die drei Batterien und das 1. Reiter- Regiment ausgedehnt werden. Diese Waffen sind indeß in der Lage, durch Nachtraben 2) sich bald wieder in Verbindung mit der Infanterie zu setzen. Die Anordnungen des Brigadekommandeurs zum Vormarsch gegen Gorze werden also vorläufig nur die Infanterie umfassen, und wird derselbe mit den Kommandeuren des 1. Reiter-Regiments und der Artillerie-Abtheilung erst dann wieder in direkte Verbindung treten, wenn deren Truppentheile den Uebergang bewerkstelligt und den Anschluß an die Infanterie gewonnen haben. Aus diesem Grunde ist es auch erforderlich, ihnen schon auf dem rechten Mosel-Ufer mitzutheilen, was sie nach Ueberschreiten der Brücke zu thun haben. Die für den Vormarsch auf Gorze projektirte Truppeneintheilung und Marschordnung kann also vorläufig nicht in Kraft treten und wird voraussichtlich erst im Verlaufe des Marsches zur Durchführung gelangen. ') Eine genaue Raum- und Zeitberechnung war im Dränge der Umstände wohl kaum möglich. Möglicherweise brach das an der Tete befindliche 1. Infanterie-Regiment nach Ueberschreiten der Mosel früher auf, als das 2. Infanterie-Regiment in sich vereinigt war. Die Marschordnung ging dabei wahrscheinlich aus der Reihenfolge beim Uebergange über die Mosel hervor. Die thatsächliche Reihenfolge beim Ueberschreiten der Kettenbrücke war: 2. und 1. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments, 1. Bataillon des 2. Infanterie- Regiments, 1. und 2. schwere, 1. leichte Fuhbatterie, 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments, 1., 3. und 4 Schwadron des 1. Reiter-Regiments. '0 okr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198 und 199. Die 49. Jnf. Brig. bei Vionville —Mars la Tour. 3 34 Der von dem Kommandeur der 49. Brigade westlich Novsant mündlich zu ertheilende Befehl dürfte daher etwa wie folgt lauten: „Die 5. Infanterie-Division steht bei Gorze im Gefecht, und rückt die Brigade zu deren Unterstützung vor. Der Kommandeur des 1. Infanterie-Regiments übernimmt mit einem Bataillon seines Regiments die Avantgarde und tritt sogleich auf der großen Straße nach Gorze an. Die Absenkung von Seitendeckungen und Seiten- patrouillen unterbleibt vorläufig.') Das Gros folgt auf ungefähr 500 Schritt, der Rest des 1. Infanterie.Regiments an der Tete, dann das 2. Infanterie-Regiment. Sobald das 1. Reiter-Regiment und die Artillerie-Abtheilung ihren Uebergang bewerkstelligt und die Infanterie eingeholt haben, tritt Ersteres zur Avantgarde über und setzt sich an deren Tete. Die Batterien und die 2. Staffel der Batterie-Fahrzeuge sind angewiesen, sich an die Queue der Brigade zu setzen. Ich reite mit dem Gros der Avantgarde." Weitere Befehle bezüglich des 1. Reiter-Regiments und der Artillerie-Abtheilung lasten sich vorläufig nicht ertheilen, da man nicht übersehen kann, inwieweit sich bis zum Eintreffen dieser Truppentheile die Situation verändert oder deren Kenntniß erweitert hat. Hingegen könnte man gelegentlich des lleverganges der 49. Brigade über die Kettenbrücke von Noveant s. M. noch die fernere Frage auswerfen, welche Befehle der Brigadekommandeur bis zu diesem Zeitpunkte infolge der nun eingetretenen Ereignisse in eigener Ausgabe 27. Kompetenz innerhalb der Brigade etwa noch ertheilen wird. Die genaue Erwägung aller in Betracht kommenden Verhältnisse wird die Nothwendigkeit hervortreten lassen, daß nunmehr auch über die große Bagage") weitere Verfügungen getroffen werden. Es dürfte dies, insofern nicht von höherer Seite bereits Anordnungen ergingen, wohl Sache des Brigadekommandeurs sein. Unter den vorliegenden Verhältnissen ist er jedoch vollständig in der Lage, die selbstständige Verfügung iiber die große Bagage zu vermeiden, vorausgesetzt, daß überhaupt rechtzeitig an diese gedacht wird. Als er bei seinem Eintreffen bei Corny den Divisionskommandeur dort vorfindet und von diesem den Befehl erhält, die Mosel zu überschreiten 0 ekr. Seite 26. 2) e!>, Dienstanweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege; Bronsarr v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 357—362; Wecket, Taktik, Seite 190 und 191. 35 und behufs beschleunigten Marsches die Tornister ablegen zu lassen, hindert ihn Nichts, sich Befehl zu erbitten, wohin die große Bagage dirigirt werden soll. Aber er könnte sogar noch weiter gehen und jetzt schon die Eventualität eines Nachführens der abgelegten Tornister mittelst Vorspann ins Auge fassen. Da ein Eingreifen der Brigade in das auf dem linken Mosel-Ufer entbrannte Gefecht unmittelbar bevorsteht, so macht sich an sich schon die Nothwendigkeit geltend, Wagen zum Transport der Verwundeten so frühzeitig als möglich in den nächstgelegenen Ortschaften zu requiriren. Hierbei wird man sich nicht auf die am linken Mosel-Ufer gelegenen beschränken, sondern wenn möglich auch die auf dem rechten Ufer befindlichen heranziehen. Wenn man nun alle Fahrzeuge, die sich im Laufe des Tages dort auftreiben lassen, bei Cornh und Novöant vereinigt, so stehen sie sowohl zum Verwundetentransport wie zur Nachschasfung der abgelegten Tornister bereit, und lassen sich sogar beide Zwecke vereinigen, sobald das Nachrücken dieser Wagen angeordnet wird. Allerdings ist die Fürsorge für das Herbeischaffen derartiger Fahrzeuge eigentlich Sache deS Divisionsarztes. *) Aber ein derartiger motivirter Antrag kann dem Divisionskommandeur nur angenehm sein. Man kann beim Divisionsstabe nicht an Alles denken; gerade heute, wo alle schon in Ausführung begriffenen Anordnungen durch die Ereignisse umgestürzt werden, wird man dort vollauf beschäftigt sein. Solche Initiative muß der höhere Vorgesetzte sogar von seinen Unterführern') verlangen und wird gerade in kritischen Lagen, den höheren Intentionen entgegenkommend und sie unterstützend, von besonderem Nutzen sein. Wir haben also allen Grund anzunehmen, daß der Divisionskommandeur in der beregten Richtung Anordnungen treffen wird, insofern nicht von Seite des Divisionsarztes schon vorher diesbezügliche Anträge') gestellt wurden. r) ü». Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz, 42 und 201, 12. 2) Thatsächlich sollte für Nachschasfung der abgelegten Tornister alsbald durch Requisition von Wagen in Corny auf Antrag der Brigade durch die Intendantur Sorge getragen werden. Da nur eine unzureichende Zahl aufzubringen war, nahm die durchpassirend« Pionier-Kompagnie einen Theil der Tornister aus ihren Wagen mit nach Gorze, dennoch kamen einzelne Kompagnien erst am 19. wieder in den Besitz derselben, (ckr. S cherf, Die Theilnahme der Großh. hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71, 1. Lieferung, Seite 144 und 2. Lieferung, Seite 149.) 2) vi'r. Kriegs-SanitiitS-Ordnung, tz. 42 und 201, 12. 3 * 36 Außerdem wäre es vielleicht nicht unzweckmäßig, gleichzeitig mit dem Ablegen der Tornister die Mitnahme der in den Seitentaschen derselben untergebrachten 40 Patronen für jeden Mann anzuordnen und jetzt schon in Erwägung zu ziehen, in welcher Weise sich die Verpflegung am heutigen Tage voraussichtlich bewerkstelligen lassen wird. Was den ersten Punkt betrifft, so werden allerdings viele Truppentheile von selbst an diese Maßregel denken, außerdem ist es auch schon spät am Tage und ein bedeutender Munitionsverbrauch also kaum zu erwarten. Ueberdies folgen die Bataillons-Patronen- Wagen ihren Bataillonen auf das linke Mosel-Ufer. Trotzdem wird es gut sein, sich nicht darauf zu verlassen, sondern vielmehr für alle Fälle sicherzustellen. Was aber den zweiten Punkt anbelangt, so werden sich Anordnungen bezüglich der Verpflegung vorläufig nicht treffen lassen. Die etwa vorhandenen Lebensmittelwagen') gehören bestimmungsmäßig zur großen Bagage und können, selbst wenn sie mit dieser zur Stelle wären, nicht mit in das Gefecht genommen werden. Wo sich die Brigade die Nacht über befinden wird, läßt sich zur Zeit in keiner Weise übersehen, sie wird deshalb voraussichtlich für den heutigen Tag sich aus direkte Requisition oder den eisernen Bestand angewiesen sehen. Da aber Requisitionen auf dem Gefechtsfelde erfahrungsgemäß nur wenig ergiebig sind und auf den eisernen Bestand hier nicht gerechnet werden kann, da dieser wie auch die Feldkochgeschirre mit den Tornistern an der Brücke von Novöant zurückbleibt, so erscheint die Verpflegung der Brigade für den 16. August keineswegs gesichert, und kann es sich sehr leicht ereignen, daß die Truppe heute nicht mehr zum Abkochen gelangt. Bei dieser Gelegenheit können wir versuchen, etwas näher auf die hier bezüglich der Verpflegung maßgebenden Verhältnisse einzugehen?) Die generellen Bestimmungen darüber enthalten die bezüg- 0 ekr. Dienstanweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege. Siehe Anmerkung 1, Seite 39. 2) okr. hierzu Reglement über die Natural-Verpflegung der Armee im Kriege; Direktiven für die Natural-Verpflegung der Feld-Armee; Gesetz über die Kriegsleistungen nebst Aussührungs-Verordnungen rc.; Dienst-Instruktion für den Feld-Intendanten eines Armeekorps; Dienst-Ordnung für die Feld- Magazin-Verwaltungen; ferner (namentlich sofern vorstehende Reglements nicht zugänglich sein sollten) Bronsart v. Schellendorfs, Der Dienst des Generalstabes, Seite 410-426; Meckel, Taktik, Seite 104-107. 37 lichen Reglements und Instruktionen, die darauf zu basirenden speziellen Anordnungen aber sind Sache der verschiedenen Kommandobehörden. Den Maßregeln der unteren Führer werden also auch in dieser Richtung theils die allgemeinen Bestimmungen der Vorschriften, theils die Befehle der Vorgesetzten zu Grunde liegen. Die nähere Forschung in den vorhandenen kriegsgeschichtlichen Quellen') ergiebt nun in Bezug auf diese Frage Nachstehendes: „Bei dem Vormarsch der II. Armee gegen die Mosel konnte dieselbe selbstverständlich nur einen geringen Theil ihrer Lebensbedürfnisse aus eigenen Beständen entnehmen; die Vorräthe des feindlichen Gebietes mußten das Fehlende ersetzen. Da die Armee im schnellen Marsche einen verhältnißmäßig wohlhabenden Landstrich durchzog, erwiesen sich die Requisitionen als sehr wesentliches Hülfsmittel, so daß die Bestände der Kolonnen für kommende schwierigere Epochen geschont werden konnten. Die Requisitionen wurden ordnungsmäßig unter militärischer Leitung betrieben. Wenn dieselben anfangs nicht überall das erwünschte Ergebniß lieferten, so lag dies hauptsächlich daran, daß einerseits auch nach dieser Seite kriegerischer Thätigkeit hin erst durch längere Praxis eine hinreichende Gewandtheit erworben wird, daß andererseits bei der Achtung vor dem Eigenthume Anderer es Vielen widerstrebt, rücksichtslos das Nothwendige zu nehmen, wo es gefunden wird. Am 9. August hatte das Oberkommando der II. Armee angeordnet, daß in Feindesland bei Verpflegung durch die Quartiergeber, durch Requisitionen oder aus feindlichen Magazinen erhöhte Verpflegungssätze einzutreten hätten. Wo die Mundportion nicht in Natur gewährt würde, sei die Portion mit 2 Franks zu vergüten. Bei Verpflegung aus heimathlichen (nachgeschobenen) Vorräthen verblieben die reglementären Sätze in Kraft. Die Biwaksbedürfnisse (Holz und Stroh) seien durch Requisitionen zu beschaffen. Von Seiten des Generalkommandos war angeordnet, daß, wenn die Verabreichung der Mundportion an die Truppen in den Ortschaften verweigert würde, die Requisition einzutreten 9 Generalstabswerk, 1. Theil, Seite 425 und 435; Frhr. von der Goltz, Die Operationen der II. Armee. Vom Beginne des Krieges bis zur Kapitulation von Metz; Seite 57; Scherf, Die Theilnahme der Grohh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71, Seite 71, 72, 75, 76, 79. habe; wenn auch die letztere den Bedarf nicht ergäbe, der für die Portion normirte Geldbetrag zu beanspruchen sei. War auf die bezeichneten Arten die Verpflegung nicht zu erreichen, so wurden die Truppen auf die eiserne Portion angewiesen, welche so bald als thunlich aus den Proviantkolonnen wieder ergänzt werden mußte. In diesem letzteren Falle sollten die Kantonne- mentsältesten den Geldbetrag für die Portionen von den Kommunen einfordern und der Staatskasse durch die Feld-Intendantur zuführen. Hier möge auch eine diesbezügliche Stelle aus einem andern Befehl des Generalkommandos Raum finden: In dem späten Eintreffen der Truppen in den Kantonnements liegt eine große Erschwernis Es muß daher dahin gestrebt werden, so zeitig als möglich an Ort und Stelle zu kommen. Alsdann darf aber kein Kompagniechef, dessen Truppentheil kantonnirt, die Mannschaft entlassen, ohne sie über den Berpflegungsmodus bestimmt anzuweisen. Wo dies unterlassen wird, entsteht Unsicherheit und das Bestreben, sich willkürlich, d. h. ungesetzlich selbst zu helfen." Wenn diese Angaben auch nicht alle Gesichtspunkte erschöpfen, so dürften sie doch völlig genügen, ein anschauliches Bild der zur Zeit bei der 49. Infanterie-Brigade bestehenden Verpflegungsver- hältnisse zu geben und gleichzeitig auf die Aufgaben hinzuweisen, welche den unteren Führern dabei zufallen. Die Truppentheile der Brigade hatten also die Verpflegung für den 16. von den Einwohnern der ihnen als Kantonnements zugewiesenen Ortschaften zu fordern. Sache der einzelnen Kantonnements- ältesten') war es, die Durchführung dieser Leistung im Benehmen mit dem Ortsvorsteher zu sichern, erforderlichenfalls bestimmte Offiziere mit Ausführung direkter Requisitionen zu beauftragen und die Vertheilung der auf diese Weise herbeigeschafften Lebensmittel zu übernehmen. Dabei ist jedoch in Betracht zu ziehen, daß die Truppen es, wenn irgend möglich, vorziehen werden, nicht von der Hand in den Mund zu leben. Sie werden also, ganz abgesehen von dem eisernen Bestand, bei ihrer großen Bagage meist einen oder mehrere Landwagen (Lebensmittelwagen) haben, welche den Ver- 9 okr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, V. 39 pflegungsbedarf für einen oder mehrere Tage aufzunehmen vermögen.') Die Umstände werden nun entscheiden, in welcher Weise die Abgabe zu bethätigen ist. Können diese Wagen frühzeitig in die neuen Kan- tonnements herangezogen werden, so wird nach deren Eintreffen von ihnen empfangen, ist dies nicht der Fall, so werden die in den Ortschaften vorgefundenen Vorräthe direkt vertheilt. Das Erstere wird in sehr vielen Fällen schon deshalb vorzuziehen sein, weil manche durch Requisitionen beschafften Lebensmittel, wie frisch geschlachtetes Fleisch, frisch gebackenes Brot, nicht sofort genießbar sind.^) Das Ergebniß der Tagesrequisition bildet dann den Vorrath für den nächsten Tag. Jedenfalls müssen die Führer der in einem Orte kantonnirenden Abtheilungen so bald als möglich erfahren, auf welche Art der Verpflegung sie zu rechnen haben. Jeder Kompagniechef hat ja ein unmittelbares Interesse, seine Kompagnie gut verpflegt zu wissen, um aber seiner Mannschaft rechtzeitig den Verpflegungsmodns mitzutheilen, muß er vorher selbst darüber informirt sein. Für die Wahl der Verpflegungsart verbleibt meist nicht viel Zeit; die Truppen rücken oft spät am Abend in die Quartiere, und das Abkochen dauert ebenfalls lange. Die einzelnen Führer werden sich also häufig nicht darauf beschränken dürfen, Befehle zu erwarten, sondern werden solche unter Umständen anzuregen haben, erforderlichenfalls mit bestimmten Anträgen hervortreten, kurz, auch in dieser Richtung Initiative zeigen müssen. Diese Verhältnisse gelangen jedoch am 16. August nicht zur Geltung, da infolge der inzwischen eingetretenen Ereignisse die ursprünglich beabsichtigten Kantonnements nicht bezogen werden. Für Sicherstellung der Verpflegung auf dem Schlachtfelde aber kommen, wie schon erwähnt, andere Gesichtspunkte in Betracht, auf die wir an geeigneter Stelle zurückkommen werden. Die nothwendig werdenden Anordnungen bezüglich der großen Bagage geben aber zu weiterer Aufgabenstellung Veranlassung. Gehen wir dabei, um den Standpunkt der 49. Infanterie-Brigade Zur Mitführung des den Truppen überwiesenen täglichen Bedarfes an Lebensmitteln dienen requirirte oder gemiethete Landwagen (Lebensmittelwagen), deren Zahl besonders befohlen wird. In der Regel reichen zwei zweispännigs vierrädrige Wagen hin, den eintägigen Bedarf eines Bataillons an Brot, Viktualien und Hafer aufzunehmen, (oir. Dienstanweisung für die Infanterie- Bagage im Kriege.) 2) elr. Dienstanweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege. 40 nicht zu verlassen, von der Voraussetzung aus, daß dem Kommandeur dieser Brigade durch die Umstände die selbstständige Verfügung über die große Bagage zufällt, so können wir uns fragen, welche Befehle wird derselbe geben, was wird etwa der Wortlaut derselben sein, wodurch werden dieselben motivirt, und in welcher Weise werden sie Aufgabe 28 . an den Führer der großen Bagage am zweckmäßigsten zu übermitteln sein. Da, wie bekannt, die Dislokation für den 16. schon am Morgen dieses Tages noch vor dem Abmärsche den Truppen bekannt gegeben wurde') und die große Bagage diesen in den neuen Kantonnements- rayon folgen sollte, so wird Letztere — ohne Kenntniß von den inzwischen weiter westlich sich entwickelnden Ereignissen — sich voraussichtlich nach Ueberschreiten der Seille trennen und einzeln in die Kantonnirungsorte rücken, wenn sie nicht rechtzeitig abändernde Befehle erhält. In unserem Entwurf zum Marschbefehl^) für den 16. ^ haben wir zwar die große Bagage vorläufig im Marsch auf Corny belassen, aber auch in diesem Falle würde es nun geboten sein, weitere Anordnungen darüber zu treffen. Unter den vorliegenden Verhältnissen ist eine Benutzung der ursprünglich beabsichtigten Kantonnements durch die Truppentheile der Brigade ausgeschlossen. Die große Bagage derselben die Nacht über auf weitem Raum zerstreut in diesen Ortschaften zu belassen, wäre aber wohl ebenso be- Aufgabe 2 S. denklich, als ein Nachführen über die Kettenbrücke auf das linke Ufer der Mosel. Vergegenwärtigen wir uns die wahrscheinlichen Konsequenzen. Im ersten Falle läßt sich nicht annehmen, daß die bezüglichen Ort- , schaften deshalb unbelegt bleiben werden. Schon auf dem Vormarsch gegen die Seille stieß die Brigade auf die in gleicher Richtung sich vorbewegenden Marschkolonnen des 8. Armeekorps (I. Armee). Als sie nun berufen wird, wenn möglich noch in das Gefecht auf dem linken Mosel-Ufer einzugreifen, da wird ihr Kommandeur es wohl als ziemlich sicher betrachten dürfen, daß auch noch andere Truppen heute an die Mosel herangeschoben werden. So kann es sich ereignen, daß die große Bagage der Brigade plötzlich vereinzelt in Mitte eines ganz fremden Armeekorps sich befindet, dessen Kolonnen am nächsten Morgen alle Straßen einnehmen und sperren. Ihre u etr. Seite 9. 2) cir. Seite 8. 41 Wiedervereinigung mit den eigenen Truppen könnte dadurch für längere Zeit unmöglich gemacht werden, und wohl berechtigt erscheint es deshalb, wenn der Kommandeur der 49. Brigade von seinem Standpunkte aus die enge Verbindung beider auch jetzt im Auge behält. Wollte er aber die große Bagage den Truppen auf das linke Mosel- Ufer folgen lassen, so würde ihn bei den bestehenden Verhältnissen wohl eine schwere Verantwortung treffen. Denn das zunächst in Betracht kommende Terrain westlich der Mosel gestaltet die Straßen zu Defileen, welche voraussichtlich sowohl durch die Ausscheidungen des Gefechts (Verwundeten-Transporte bezw. auch Gefangenen-Trans- porte u. s. w.) als durch die im Gefecht unentbehrlichen Fahrzeuge der kleinen Bagage, der Batterien, der Sanitäts-Detachements u. dgl. schon in einer Weise angefüllt werden, die jede Bewegung und Entwicklung erschwert. Hierzu tritt der ganz ausnahmsweise schwierige ^ Uebergang über die Kettenbrücke, der bei einem unglücklichen Ausgange des Gefechts an sich schon die größten Gefahren in sich schließt. Eine weitere Anfüllung der Straßen westlich der Mosel mit Bagagen oder Trains ist jedenfalls völlig unzulässig. Beiden Rücksichten wird aber der Brigadekommandeur ausreichend Rechnung tragen, wenn er die große Bagage bis Corny heranzieht und dort seitwärts der Straße biwakiren läßt. Damit verknüpft sich im vorliegenden Falle der weitere Vortheil, daß diese sich dann in unmittelbarer Nähe der zurückgelassenen Tornister befindet, sämmtliche Jmpedimenta der Brigade also an einem Punkte vereinigt sind. Eine gemeinschaftliche Aufsicht über dieselben kann » dann eintreten. Der wohl am besten auf einer sogenannten Meldekarte') auszufertigende Befehl an den Führer der großen Bagage würde deshalb etwa wie folgt lauten: 49. Infanterie-Brigade. Ab: den 16. August 1870. U. M... Abgangsort: Corny. Die Brigade überschreitet soeben die Mosel, um in westlich derselben entbranntes Gefecht einzugreifen. Die große Bagage verbleibt im Marsche auf Corny, bezieht östlich des Ortes seitwärts der Straße Biwak und erwartet weiteren Befehl. Ueber die von der ') eir. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, v. 42 Brigade bei Corny und Novöant zurückgelassenen Tornister übernehmen Sie gleichfalls die Aufsicht. Der dort zurückgelassene Unteroffizier ist angewiesen, sich bei Ihnen zu melden. Verpflegungs- und Biwaks-Bedürfnisse sind in den nächst gelegenen Ortschaften zu requiriren. X. Generalmajor und Brigadekommandeur. Was die Art und Weise der Befehlsertheilung betrifft, so dürfte die schriftliche Form hier vorzuziehen sein.') Sie wird im Kriege und namentlich im Gefecht bei den unteren Kommandobehörden allerdings nur ausnahmsweise zulässig sein, die weiter zurück befindlichen Trains und Bagagen werden aber in der Regel schriftlich instruirt werden können. Hier ist dies um so mehr zulässig, als ein eigentliches Dienstschreiben deshalb durchaus nicht erforderlich wird > und während des Ueberganges der Brigade über die Kettenbrücke der Brigadekommandeur oder dessen Adjutant hinlänglich Zeit hat, auf einer Meldekarte den bezüglichen Befehl aufzusetzen. Was die Weiterbeförderung dieses Befehls betrifft, so sind auch hier verschiedene Eventualitäten in Betracht zu ziehen. Wird der Befehl an die große Bagage so spät abgesandt oder überhaupt erst so spät an sie gedacht, daß die Fahrzeuge der einzelnen Truppen- theile sich bereits getrennt haben und nach den verschiedenen Kan- tonnements abgerückt sind, so erübrigt nichts, als Mannschaften in diese zu schicken, welche den Befehl zum Sammeln an einem vorwärts gelegenen Punkte überbringen. Ist die große Bagage jedoch, wie in dem von uns entworfenen Marschbefehl 2 ) angenommen wurde, im Marsch auf Corny belassen, so kann ihr die betreffende Weisung entweder entgegengeschickt oder bei ihrem Eintreffen bei Corny übergeben werden. Für Ersteres steht jedoch eine berittene Ordonnanz nicht zur Verfügung; eine solche könnte höchstens von dem gleichzeitig bei Corny befindlichen 1. Reiter- Regiment erbeten werden. Immerhin wird es angezeigt sein, der großen Bagage unter allen Umständen den Befehl entgegen zu schicken. Denn diese soll bei Corny Biwak beziehen, ihr Führer kann ') ekr. Bronsart v. Schellendorsf, Der Dienst deS tteneralstabes, Seite 309—315; Meckel, Taktik. Seite 8-10. -) ekr. Seite 8. 43 dann eine Strecke voraus reiten, sich das Terrain dort ansehen und den bezüglichen Platz in aller Ruhe wählen. Erhält er den Befehl aber erst, wenn er an der Spitze der großen Bagage bei Cornv eintrifft, so muß diese ganz unnöthigerweise längere Zeit dort warten, bis ihr Führer sich umgesehen hat. Man vergegenwärtige sich nur, wie selbst eine so unbedeutende Anordnung, wie das Abbiegen von der Marschstraße ins freie Feld, namentlich mit schwer beladenen Fahrzeugen, oft gar nicht so einfach ist und besonderer Ueberlegnng und Rekognoszirung bedarf. Es erübrigt schließlich, sich über das Defiliren der Großherzoglichen Truppen bei Novöant vor ihrem Divisionskommandeur aus- zusprechen. Wenn sich auch eine besondere Aufgabenstellung hier nicht unmittelbar anknüpfen läßt, so können wir an diesem Beispiel doch versuchen, uns die Nothwendigkeit oder Zweckmäßigkeit einer derartigen Maßregel klar zu machen. Nun soll auch im Felde jeder Führer seine Truppen so oft als möglich an sich vorüber marschiren lassen, um sich von deren Haltung zu überzeugen und überhaupt ein Bild von ihrem Zustande und Aussehen zu gewinnen. Im vorliegenden Falle aber läßt sich offenbar noch ein weiterer Zweck damit verbinden. Zwar bedarf es jedenfalls keiner besonderen An- feuerung, um die Truppen der Brigade in dem bevorstehenden Gefecht zur vollsten Pflichterfüllung zu bringen, doch bietet sich hier eine passende Gelegenheit zur direkten persönlichen Einwirkung, die der höhere Führer nicht unbenutzt vorübergehen lassen wird. Je höher die Stelle, desto seltener vermag der Führer mit seinen Truppen in unmittelbare Berührung zu treten, er wird es daher nicht versäumen, sich ihnen wenigstens so oft als möglich zu zeigen, und wir dürfen keineswegs den hohen moralischen Einfluß unterschätzen, der sich im vorliegenden Falle durch eine derartige Einwirkung erzielen läßt. Begleiten wir nun die 49. Brigade auf ihrem Vormarsch in die Schlacht. „Während des Marsches auf der großen Straße nach Gorze setzte sich das 1. Reiter-Regiment (3 Schwadronen) im Trab vor das 1. Infanterie-Regiment. Die 1. schwere Batterie fuhr ebenso an dem ihr zunächst vorwarschirenden Bataillon vorbei und setzte sich an die Queue des 1. Infanterie-Regiments. Prinz Ludwig ritt nach dem Defiliren der Truppen bei Novöant rasch vor, nm die Tete der Kolonne zu erreichen. 44 Durch das tief eingeschnittene Bergthal von Gorze stieg die 49. Infanterie-Brigade zur Plateauhöhe auf dem linken Mosel-Ufer empor?) Der zunächst in Betracht kommende Theil dieses Plateaus ist wellenförmig, von Waldparzellen besetzt, sonst im Allgemeinen frei und übersichtlich. Mit langen, regelmäßig gestalteten Abhängen senkt sich das Terrain zu vielverzweigten Mulden hinab. Diese vertiefen sich insgesammt gegen Süden hin und münden schließlich als steil eingeschnittene Schluchten mit waldigen, schwer ersteigbaren Rändern in das Thal von Gorze, das schon völlig den Gebirgscharakter trägt. Dies Thal begrenzt den in Rede stehenden Theil des Plateaus auf der ganzen Strecke von Novöant bis Tronville, eine Meile nordwestlich davon. Südöstlich und südlich von Rezonville breitet sich ein größerer zusammenhängender Waldkomplex aus, dessen einzelne Theile verschiedene Namen tragen. Den nordöstlichen Theil bildet das meist mit Unterholz und Dickicht bestandene Bois des Ognons, das sich bis auf ungefähr 1500 Schritt an die Straße Gravelotte—Rezonville heranzieht. Südlich der Schlucht von Gorze ist der linke Moselthalrand weit ins Land hinein zerklüftet und mit Wald bedeckt, ein unübersichtliches, verwirrtes Terrain. Die Luft war schon in der Frühe von drückender Hitze gewesen und der Marsch auf der staubigen Chaussee in hohem Grade beschwerlich. Mit dem Einbiegen in das Thal chon Gorze hatte man alle Anzeichen eines nahen, heißen Kampfes vor sich. Züge von französischen Gefangenen kamen vom Plateau herab. Trains hielten unter Bedeckung auf der Straße und zur Seite, überall neben dem Wege sah man Lazarethe. Ebenso kamen Verwundete — in Massen — auf der Straße zurück. Zu Fuß und zu Wagen in beinahe zusammenhängender Reihe gab dieser Zug den deutlichsten Beweis davon, daß eine gewaltige Krisis stattfinde. Der Kanonendonner — im Moselthale nur schwach widerhallend — wurde hier deutlich vernehmbar. Zur rechten IHand über dem Walde sah man das Krepiren der französischen Granaten. Unweit Gorze, munter vorwärts marschirend, hörte man nördlich dieses Ortes über die bewaldeten Höhen hin Mitrailleusenfeuer, das der Neuheit wegen zuerst für Jnfanteriesalven gehalten wurde." 0 elr. Generalstabswerk, Plan 5 a und d, 1:25 000; Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71 ; Plan Nr. 2, 1 : 25 000. 45 An diese Darstellung knüpfen wir nachstehende Betrachtungen an. Zunächst finden wir durch dieselbe einen Theil unserer Anordnungen bestätigt, indem das 1. Reiter-Regiment sich nach Passiren der Kettenbrücke thatsächlich an die Spitze der 49. Brigade setzt. Hinsichtlich der Marschordnung der Batterien zeigt sich jedoch eine nicht unwesentliche Abweichung, welche zur nochmaligen Prüfung unserer eigenen diesbezüglichen Anordnung auffordert. Bei genauer Erwägung aller in Betracht kommenden Verhältnisse finden wir jedoch keine Ursache, davon abzugehen, und läßt sich für unsere An- Aufgabe schauung Nachstehendes anführen. Die Verwendung der Artillerie einer Division im Abtheilungs- verbande ist die Regel, vereinzeltes Auftreten von Batterien die Ausnahme?) Bei der geringen Stärke der Avantgarde an Infanterie wird von einer Zutheilung von Artillerie um so mehr Abstand zu nehmen sein, als das Detachement bei schon vorgerückter Tageszeit in einen bereits heftig entbrannten Kampf einzugreifen hat, ein länger dauerndes isolirtes Gefecht der Avantgarde also durchaus unwahrscheinlich ist. Wenn auch die drei Batterien des Gros sich an der Queue der Brigade befinden, so können sie bei der guten Beschaffenheit der breiten Chaussee doch frühzeitig vorgezogen^) werden, sofern das Terrain ihre Verwendung 'überhaupt gestattet. Bei den vorliegenden Terrainverhältnissen erscheint diese der Karte^) nach vorläufig allerdings beschränkt, namentlich sobald es innerhalb des Bergthals von Gorze noch zum Gefecht kommen sollte. Aber dies ist unwahrscheinlich, denn dem Brigadekommandeur ist bereits bekannt, daß bei Gorze schon die 5. Infanterie-Division im Kampfe steht. Hingegen fällt ins Gewicht, daß sich bei dem Debouchiren aus dem Defilee die Verwendung einer starken Artillerie zum Schutze des Aufmarsches und der Entwickelung unter Umständen besonders werthvoll erweisen kann. Wenn wir also an unserer Anordnung festhalten, so wäre doch keineswegs der Schluß berechtigt, daß demnach in dem thatsächlichen 9 ckr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, 4. Theil, ß. 195. 2) Ein Einschieben der Batterien zwischen die Infanterie während des Marsches war unthunlich, da sonst ein Theil der Infanterie hätte halten müssen, um die Artillerie vor sich zu lassen. 3) Generalstabswerk, Plan 5a und b, 1:25000; Scherf, Die Theilnahme der Grohh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71; Plan Nr. 2, 1 : 25 000. Verfahren ein Fehler vorliege. Das Zusammenhalten der Batterien im Abtheilungsverbande war während des Krieges 1870/71 durchaus nicht so allgemein maßgebender Grundsatz, wie dies heute der Fall ist, wir haben also eine Erscheinung vor uns, die sich in den meisten Schlachten und Gefechten und bei sehr vielen Abtheilungen wiederfinden wird und die wir vielleicht als eine Abweichung von den zur Zeit bestehenden Anschauungen über die Verwendung der Artillerie, ja vielleicht nur als eine Abweichung von unserer persönlichen Anschauung, nicht aber als Fehler bezeichnen können. Die reglementarisch niedergelegten Erfahrungen des deutschfranzösischen Krieges können wohl in der Folge im Allgemeinen als Richtschnur für unser Handeln dienen, völlig falsch aber wäre es, sie als unbedingten Maßstab für die Ereignisse dieses Krieges oder früherer Kriege benutzen zu wollen, in denen sie noch nicht bekannt sein konnten. Andere Erfahrungen bildeten damals die Grundlage des Handelns, andere Anschauungen waren durch frühere Ereignisse zu allgemeiner Geltung gelangt. Mit dieser Thatsache werden wir voraussichtlich auch in der Folge zu rechnen haben, um ein durchaus ungerechtes und einseitiges Urtheil von vornherein auszuschließen. Was den weiteren Vormarsch gegen Gorze betrifft, so hat die Darstellung im engsten Anschluß an vorhandene geschichtliche Quellen') versucht, ein lebendiges Bild der Eindrücke zu geben, welche auf die ins Gefecht marschirenden Truppen einstürmen, dadurch auf die im Kriege in erster Linie in Betracht kommenden moralischen Faktoren hinzuweisen und deren gewaltige Wirkung einigermaßen zum Ausdruck zu bringen. Es erübrigt die weitere Frage, was soll nun geschehen? Der Stand des Gefechts, so weit er bis jetzt bekannt geworden, und die vorgerückte Tageszeit lassen ein baldiges Eingreifen jedenfalls höchst nothwendig erscheinen. Die Art und Weise eines solchen kann aber eine sehr verschiedene sein, wir werden uns also zunächst klar zu machen haben, wie dies wohl am zweckmäßigsten geschieht, und welche Aufgabe Sl. Gesichtspunkte dabei in Betracht kommen. Aus der bisherigen geschichtlichen Darstellung geht nun hervor, daß der Brigadekommandeur zwar Kenntniß hat, daß in der Gegend von Gorze schon seit längerer Zeit ein heftiges Gefecht stattfindet, 0 Frhr. von der Goltz, Die Operationen der II. Armee. Bom Beginne des Krieges bis zur Kapitulation von Metz. Berlin. 1873. Seile 87. daß aber andererseits Details darüber völlig fehlen. Es ist ihm zwar bekannt, daß zur Zeit, als die Brigade die Kettenbrücke bei Corny Passirte, die Erfolge der im Kampfe befindlichen 5. Infanterie- Division nicht günstig zu sein schienen, nicht aber wie sich das Gefecht weiter gestaltet hat und namentlich wie es jetzt steht. Es kann nun ebenso gut eine direkte Unterstützung der 5. Infanterie- Division als vielleicht ein Eingreifen auf einem ihrer Flügel erforderlich sein, möglicherweise kommt die Brigade aber auch schon zu spät, um noch eine günstige Wendung auf diesem Theile des Kampffeldes herbeizuführen. In dem bisherigen Gefechtsverlaufe wird also der Ausgangspunkt der bei der 49. Infanterie-Brigade erforderlich werdenden Anordnungen zu suchen sein. Die nothwendige Information ist mithin wohl am besten von dem Kommandeur der 5. Infanterie-Division zu erholen, was aber im vorliegenden Falle aus Gründen, die schon früher erörtert, Sache des Kommandeurs der 25. Infanterie-Division ') sein dürfte. Abbiegen der Wrigade von der großen Ktraße gegen die Kote Worrsa und Einmarsch in das Hois des KhevauL. „Die Tete der Brigade bog nun in nördlicher Richtung von der großen Straße ab, überschritt den rechter Hand fließenden Bach, ging durch ein Gehöft, welches voller Verwundeter lag, und wurde dann gegen die Cote Mousa dirigirt. Der Brigadekommandeur hatte inzwischen Mittheilung erhalten, daß der rechte Flügel der im Gefecht befindlichen preußischen Truppen Unterstützung an Infanterie 9 Thatsächlich erhielt Prinz Ludwig von der auf das Gefechtsfeld vor- ausgesandten 2. Schwadron des 1. Reiter-Regiments (Rittmeister Freiherr v. Lepel) mehrfach Meldungen, welche ihn unter Anderem dazu veranlaßten, die Kolonne bei Ste. Catherine rechts abbiegen zu lassen, um durch den Wald den Preußischen äußersten rechten Flügel zu unterstützen und den Feind in der Flanke zu fassen. Bezüglich des Wortlautes dieser Meldungen okr. Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzuge 1870/71, 1. Lieferung, Seite 112. 48 bedürfe und daß über Gorze selbst schon das 11. Infanterie-Regiment von der 18. Division vorgegangen war. Die 6. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments (Hauptmann Müller), welche die Avantgarde bildete, erhielt am Fuße der Cote Mousa auf Grund des von General v. Barnekow (Kommandeur der 16. Infanterie-Division) ausgesprochenen Wunsches eine veränderte (nordöstliche) Marschrichtung nach dem Bois des Chevaux. Der Brigadckommandeur führte sie persönlich gegen die einspringende Ecke dieses Waldes vor, aus welcher Berwundete des Infanterie- Regiments Nr. 72 zurückkamen, auch Gefangene zurücktransportirt wurden.') Als diese Kompagnie östlich Gorze von der großen Straße abbog, folgte ihr vom 2. Bataillon nur die 7. Kompagnie, während die 5. und 8. Kompagnie, welche bisher hinter der 7. marschirt waren, unter Kommando des Majors Hahn auf der Straße nach Gorze verblieben, mit dem Auftrag, sich demnächst auf der Höhe und westlich der 6. und 7. Kompagnie zu halten, welche wie gesagt nach der Cote Mousa vorrücken sollten. Das unter Major Hahn nach Gorze vorgegangene Halb- Bataillon wandte sich von dem Orte aus nach der Cote Mousa, verlor aber durch die veränderte Direktion der übrigen Kompagnien des 1. Infanterie-Regiments die Verbindung mit den letzteren; es suchte sich hierauf mit dem Regiment quer durch den Wald zu vereinigen. Dies gelang ihm wegen des dichten Holzes nicht und schloß es sich daher später dem bereits im Einmarsch in das Bois des Chevaux begriffenen 2. Infanterie-Regiment an. l) Die zunächst für ein detaillirteres Studium des Gefechts geeigneten Karten und Pläne (Generalstabswerk, Plan ü u und b, Uebersichtskarte I; Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/7l, Plan Nr. 1 und 2) bedürfen hier einer Ergänzung. Wie bekannt, entspricht selbst auf guten Plänen die Einzeichnung von Fahr- und Fußwegen untergeordneter Bedeutung häufig nicht den thatsächlichen Verhältnissen. Da solche Wege sich mit den Kulturverhältniffen vielfach ändern, bestehende verschwinden und neue entstehen, so gehört ein Evidenthalten der Kartenwerke in dieser Richtung zu den Unmöglichkeiten. Hier muß man sich den von der einspringenden Waldecke des Bois des Chevaux (nordöstlich der Cüte Mousa) ein kurzes Stück in das Gehölz führenden Waldweg in nordöstlicher Richtung gegen die Südwestecke der Plaine de Gcai verlängert denken. 49 Der in das Avis des Chevaux eingedrungenen 6. und 7. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments folgten das 1. Bataillon dieses Regiments, die 1. schwere Batterie, deren Geschütze mit Hülfe der Infanterie-Pioniere des 2. Infanterie-Regiments durch den schwierigen Waldeingang gebracht wurden, dann das 1. und 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments und endlich die 5. und 8. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments. Der Weg im Walde war zwar nicht breit, aber bis zur Plaine de Gcai gut und von der Infanterie in Sektionen zu passiren. Auf dringendes Ersuchen ließ Prinz Ludwig die 2. schwere und 1. leichte Batterie vor dem Walde aus der Marschkolonne abbiegen und durch Gorze auf das Gefechtsfeld der 5. Infanterie-Division südöstlich Flavigny führen. Die 1. schwere Batterie hingegen behielt der Divisionskommandeur bei der Brigade, nicht ahnend, daß die Waldwege ihrer Bewegung später noch bedeutende Schwierigkeiten entgegenstellen sollten. Das 1. Reiter-Regiment folgte der Infanterie nicht in den Wald hinein, sondern blieb an der Cöte Mousa halten." Wir haben hier absichtlich ein größeres Stück der geschichtlichen Darstellung in zusammenhängender Folge wiedergegeben, um auf einen Fehler aufmerksam zu machen, zu dem man sich beim appli- katorischen Studium der Kriegsgeschichte sehr leicht verleiten läßt. Sobald man eine bestimmte Frage ausgeworfen hat, erscheint es geboten, sich auch in die thatsächlichen Verhältnisse hineinzudenken und, so weit möglich, in die Lage des Handelnden zu versetzen. Man muß also die Kenntniß aller Umstände, die zur Zeit der Handlung nicht bekannt waren, vorläufig fern zu halten suchen, um in seinem Urtheil und Entschluß nicht unwillkürlich beeinflußt zu werden. Das ist hier nicht genügend berücksichtigt. Wollte man sich beispielsweise die Frage auswerfen: Welche Anordnungen sind zu treffen, sobald die hier vereinigten Theile der Großherzoglichen Division die Direktion auf die einspringende Waldecke des Bois des Chevaux erhalten? so ist es fast nicht zu vermeiden, daß die Bekanntschaft mit den thatsächlichen Verhältnissen die Freiheit unserer Erwägungen und Entschlüsse beeinträchtigt. Zum mindesten erleichtert sie Erwägung und Entschluß in einer dem beabsichtigten Zwecke nicht entsprechenden Weise oder verführt sogar zu dem bedenklichen Versuch, die wirklich getroffenen Anordnungen zu bemängeln, statt sclbstständig zu schaffen. Die Gefahr, auf Irrwege zu gerathen, liegt somit nahe. Die 4S. Jnf. Brig. bei Vionville - Mars la !our. 4 50 Um die zunächst weiter erforderlichen Ausschlüsse zu erhalten und neuen Stoff zu Aufgaben zu gewinnen, wäre es genügend gewesen, die geschichtliche Darstellung zunächst nur bis dahin zu lesen und zu erwägen, wo es heißt: „Als diese Kompagnie östlich Gorze u. s. w." Aus dem Gesagten dürste die bei vorliegender Studie beabsichtigte Methode sich deutlich erkennen lassen, die zwar durchaus nicht neu, aber nach unserer Ueberzeugung das einzige Mittel ist, im Gebiete taktischer Details auf theoretischem Wege und in Ergänzung praktischer Friedensübung das Können zu vermitteln. Daß, sobald taktische Details in Frage kommen, die Uebersicht leidet, ist nicht zu vermeiden. Anders verhält es sich, wenn solche von vornherein ausgeschlossen bleiben. Dann allerdings wird man die Ereignisse größerer Zeiträume zu einem Ganzen zusammenfassen und das Studium vorzugsweise auch auf Quellen stützen, die von der an sich schwierigen Darstellung von Details Umgang nehmen. Wie die geschichtliche Darstellung zeigt, verläßt die Tete der Kolonne nunmehr die große Straße. Dieser Moment ist an sich folgenschwer, denn größere Truppenmassen lassen sich hinter einer längeren Gefechtsfront nicht ohne Weiteres hin und her schieben.') Die einmal eingeschlagene Richtung bedingt daher in der Regel auch ihre weitere Verwendung, so zwar, daß die Angriffsrichtung größerer Jnfanteriekörper eine Konsequenz ihrer Anmarschrichtung ist. Wir haben also allen Grund, anzunehmen, daß die nunmehr der Tete der Kolonne gegebene Direktion das Resultat eines bestimmten Entschlusses über die Art des Eingreifens in das Gefecht ist und sich auf weitere Mittheilungen über die Gefechtslage stützt. Die Nachrichten, welche General v. Wittich nunmehr erhält, lassen auch die Motive dazu schon in allgemeinen Umrissen erkennen. Der rechte Flügel der Gefechtslinie bedarf der Unterstützung; ein Infanterie- Regiment ist bereits über Gorze vorgegangen, in dieser Richtung scheint eine Unterstützung also bereits gesichert, die 49. Brigade wird mithin vortheilhafter weiter seitwärts Verwendung finden. Um ihr aber die richtige Direktion zu geben, bedarf es einer ungefähren Kenntniß der Gefechtsfront und deren Ausdehnung nach dieser Seite, die zu erlangen hier Sache des Kommandeurs der Großherzoglichen Division ist. Von ihm muß also die Direktion der Tete in die Hand genommen werden, denn den unteren Führern können seine l) ekr. Meckel, Taktik, Seite 151—153. 51 Absichten nicht bekannt sein, die hierauf bestimmend einwirken. Diese könnten höchstens, wenn ihnen die Wahl gelassen würde, in die Richtung marschiren, aus der das Gefecht am heftigsten herübertönt. Als die Brigade östlich Gorze die große Straße verläßt, bleibt ihr noch immer eine gewisse Freiheit der Bewegung, die aber nach kurzer Zeit aufs Wesentlichste beschränkt wird, als sie auf Wunsch des Generals v. Barnekow die Richtung auf die einspringende Waldecke des Bois des Chevaux nimmt. Wir ersehen daraus, daß die Information über die zur Zeit bestehende Gefechtslage nun so weit gediehen ist, daß die Brigade in eine Richtung geführt werden kann, die voraussichtlich ihre ganze Verwendung in hervorragender Weise beeinflußt, daß aber diese Information von einem Führer ausgeht, an den man bisher noch gar nicht gedacht hat und auch nicht denken konnte. Die eingeschlagene Richtung führt die Brigade in ein Terrain, das ihre Verwendung voraussichtlich im höchsten Grade erschwert und deshalb jedenfalls sehr unerwünscht ist, aber sie hat nicht die Freiheit, es sich zu wählen, und muß es nehmen, wie sie es vor sich findet. Höhere Rücksichten erheischen, daß die Brigade hier in das Gefecht tritt, die ihr zufallende Gefechtsaufgabe wird durch den Gang der Operationen und den bisherigen Verlauf der Schlacht gestellt. Daß ein auf diesem Flügel der Gefechtslinie befindlicher höherer Führer die wünschenswerthe Richtung ihres Eingreifens bezeichnet, ist gewiß sehr angenehm und Vortheilhaft, daß dies aber der Kommandeur der 16. Infanterie-Division, also einer gar nicht zur II. Armee gehörigen Division, sein würde, war nicht vorauszusehen. Wie sich nun herausstellt, griffen auf diesem Flügel der 5. Infanterie-Division bereits Theile des 8. Armeekorps,') mit dem mau schon gestern und heute Morgen in unangenehme Verwickelung gerathen war, in das Gefecht ein, bevor die 49. Infanterie-Brigade vom rechten Mosel-Ufer dort eintraf. Die am 16. August entbrannte Schlacht wird also Theile der I. und II. Armee durcheinander werfen. Mit dieser Thatsache hat nunmehr der Kommandeur der Großherzoglich Hessischen Division zu rechnen. Wenn wir nun auf der Karte den Weg verfolgen, den die 1) Zur I. Armee gehörig, (ekr. Generalstabswerk, Seite 532 und 535.) 2) Generalstabswerk, Plan 5a und k, 1:25000; Scherf, Die Theilnahme der Grotzh. Hessischen s25.) Division an dem Feldzug 1870/71, Plan Nr. 2, 1 : 25 000. 4 * 52 49. Brigade einschlägt, so zeigt sich, daß es wahrscheinlich Ste. Cathe- rine ist, bei welchem Gehöft') deren Tete von der großen Straße abbiegt. Auch am 16. August wird ein Theil der Führer, namentlich die mit Karten versehenen, sich so weit zu orientiren vermögen, ein großer Theil aber wird die Oertlichkeiten, welche während des Gefechts betreten werden, erst nach demselben oder auch niemals dem Namen nach kennen lernen. Es ist nothwendig, sich dies zu vergegenwärtigen und darauf hinzuweisen, daß voraussichtlich keiner der Führer das nun in Betracht kommende Terrain vorher jemals gesehen hat und daß vor Eintritt in das Gefecht wahrscheinlich nur sehr wenig Zeit verbleiben wird, sich damit vertraut zu machen. Aufgabe 32. Eine so tiefe Kolonne, wie das im Marsch befindliche Detache- ment der Großherzoglich Hessischen Division wird nun nicht ohne Noth von der gebahnten Straße abweichen, wodurch der Marsch erschwert und verzögert würde. Ueberdies hat dieselbe anfänglich die Direktion nach der Cote Mousa, wir werden also kaum fehlgreifen, wenn wir annehmen, daß sie auf dem von Ste. Catherine nordwestlich führenden und in die Straße Ancy s. M.—Gorze einmündenden Weg und dann auf dieser Straße sich vorbewegen wird. Es erscheint Aufgabe 33. dies um so wahrscheinlicher, als es durchaus fraglich bleibt, ob der aus nördlicher Richtung vom Bois de la Juröe längs der Westlisiere des Bois des Ognons und Bois des Chevaux herabkommende Bach von einer aus allen Waffen gemischten Kolonne auch an anderen Punkten passirt werden kann. Vom Fuße der Cote Mousa aus bleibt es allerdings zweifelhaft, ob der Weitermarsch gegen die einspringende Waldecke des Bois des Chevaux demnächst auf der Ost- oder auf der Westseite dieses Baches ausgeführt wurde, was indeß für unsere Studie ohne jede Bedeutung ist. Ohne vorerst auf die am 16. August thatsächlich ergriffenen Maßregeln einzugehen, bietet sich nunmehr Stoff zu einer Menge von Aufgaben, von denen wir einige herausgreifen wollen. 9 Die weitere geschichtliche Forschung (Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzuge 1870/71, 1. Lieferung Seite 125) läßt ermitteln, daß das fragliche Gehöft thatsächlich Ste. Catherine war. In der vorangegangenen Darstellung wurde indeß absichtlich vermieden, davon Gebrauch zu machen, um der Unbekanntschaft mit den Terrainverhältnissen beredten Ausdruck zu verleihen. (Vergl. auch v. Wittich, Aus meinem Tagebuche 1870/71, Seite 12.) 53 Da, wie wir wissen, der Wunsch des Generals v. Barnekow nunmehr auf die Marschrichtung der 49. Infanterie-Brigade bestimmend einwirkt, so könnten wir versuchen, auf kriegsgeschichtliche Quellen') gestützt, uns die Information zu vergegenwärtigen, welche dieser General den Führern der neu ins Gefecht tretenden Truppen etwa zukommen lassen wird. Auf Grund derselben wären dann die weiteren Anordnungen bei der 49. Infanterie-Brigade zu entwerfen. Allerdings wird hiermit eine Supposition zum Ausgangspunkt unserer Erwägungen gemacht, aber der enge Anschluß an die Kriegsgeschichte verhindert doch, sich zu weit von dem Boden der Thatsachen zu entfernen, und ermöglicht jedenfalls eine Konstruktion der militärischen Lage, die, wenn auch nicht genau den thatsächlichen Verhältnissen des 16. August, so doch den realen Verhältnissen des Krieges im Allgemeinen entspricht. Diese von General v. Barnekow zu gebenden Mittheilungen Aufgabe 34. dürften nun etwa wie folgt lauten: Ich habe mit den zur Stelle befindlichen Theilen meiner Division den rechten Flügel der 5. Infanterie-Division unterstützt. Die Gefechtslinie dehnt sich zur Zeit längs des Nordrandes des Bois de St. Arnould mit Front gegen Rezonville bis an die tiefe Schlucht hin aus, welche den Westrand des Bois des Ognons begleitet. Die bis jetzt unternommenen Angriffe gegen die Höhen südlich Rezonville sind zwar erfolglos geblieben, doch ist eine direkte Unterstützung hier um so weniger erforderlich, als bereits das Infanterie-Regiment Nr. 11 von der 18. Division zu diesem Zwecke auf der Straße Gorze—Rezonville im Vorrücken ist. Zum Schutze meiner rechten Flanke habe ich östlich der schon genannten Schlucht das 2. Bataillon des Regiments Nr. 72 durch das Bois des Chevaux und Bois des Ognons in nördlicher Richtung vorgehen lassen, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, die Verhältnisse dort völlig aufzuklären. Stärkere feindliche Kräfte sind indeß in diesen Waldungen bis jetzt nicht aufgetreten. Am angenehmsten wäre es mir, wenn die Großherzogliche Division sich nach dem Bois des Chevaux und Bois des Ognons wenden würde. Dort wäre sie sowohl bereit, einem feindlichen Angriff gegen die diesseitige rechte Flanke entgegen zu treten, als könnte sie eventuell vom Westrand des Bois des Ognons aus die feindliche Stellung auf den Höhen südlich Rezonville empfindlich in der linken Flanke 9 Generalstabswerk, 1. Theil, 1. Band, Seite 538, 630—633. 54 fassen, was den diesseitigen Angriff voraussichtlich sehr erleichtern würde. Auch westlich des Bois de St. Arnould halte ich eine unmittelbare Unterstützung nicht für erforderlich, da die dortige starke Artillerie- Aufstellung meiner Ansicht nach völlig im Stande ist, jeden feindlichen Durchbruchsversuch zu hindern. Ich werde mich bestreben, auch weiter- Aufgabe 3S. hin mit der Großherzoglichen Division in Verbindung zu bleiben.') Diese von uns supponirte Information über die Gefechtslage, mag dieselbe nun den thatsächlichen Verhältnissen mehr oder minder entsprechen, veranlaßt unmittelbar weitere Erwägungen vom Standpunkte des Großherzoglich Hessischen Detachements aus. Aufgabe se. Die schwierigen Terrainverhältnisse auf dem hier in Betracht kommenden Theile des Gefechtsfeldes werden voraussichtlich zunächst nur die Infanterie zur Geltung kommen lassen; für diese handelt es sich also darum, den rechten Flügel der Gefechtslinie östlich des Bois de St. Arnould so schnell als möglich zu erreichen. Ein wesentliches Hinderniß bietet hierbei die geringe Wegsamkeit der Waldungen, sowie die dichte Bewachsung derselben, welche eine Bewegung geschlossener Truppentheile außerhalb der Wege nahezu ausschließt. So lange die Brigade noch im Grunde östlich der Cote Mousa sich befindet, stehen ihr für den beabsichtigten Vormarsch der Karte nach zwei Wege frei, der eine in der vom Bois de la Jurse längs der Westseite des Bois des Ognons und Bois des Chevaux sich südlich ziehenden Schlucht, der andere von der einspringenden Waldecke des Bois des Chevaux nordöstlich der Cüte Mousa nach der Südwestecke der Plaine de Geai.^) Der erstere hat den Vortheil, daß er der kürzere ist und direkt nach dem zu unterstützenden Flügel führt, indeß mag der Marsch in der tiefen Schlucht des Jnröe- Baches immerhin in der rechten Flanke gefährdet erscheinen, auch ist der kürzeste Weg nicht immer der beste. Der Marsch nach der Plaine de Geai hat für sich, daß die Brigade dort eine geeignete Aufstellung findet, aus der sie sowohl ein Vorrücken feindlicher Kräfte innerhalb 1) Da die durch den Kommandeur der 16. Infanterie-Division zu gebende Information in der Wirklichkeit mündlich stattfindet, so würde sie dadurch noch etwas vereinfacht. Die bei der schriftlichen Form immerhin umständliche Bezeichnung der Oertlichkeiten nach den Himmelsgegenden kann an Ort und Stelle durch direkten Hinweis auf die betreffenden Objekte häufig vermieden werden, ohne die Deutlichkeit zu beeinträchtigen, und durch unmittelbare persönliche Anschauung die richtige Auffassung der Gefechtslage sichergestellt werden. 2) ekr. Seite 48, Anmerkung 1. 55 des Bois des Ognons gegen den diesseitigen rechten Flügel als auch einen etwaigen Vormarsch auf der Straße Gravelotte—Ars s. M. aufs Wirksamste zu flankiren vermag. Ueberdies laufen von der Plaine de Geai aus eine größere Anzahl Wege nach allen Richtungen durch den Wald, so daß der Brigade von dort aus eine verhältniß- mäßig große Bewegungsfreiheit gewahrt bleibt. Ueber die Beschaffenheit derselben ist freilich ebenso wenig bekannt, wie über die des durch die Schlucht des Jur6e-Baches sich ziehenden Weges. Da jedoch der an diese Schlucht sich lehnende diesseitige rechte Flügel zur Zeit nicht bedroht ist, so mag ein Ausbiegen der Brigade über die Plaine de Geai immerhin Manches für sich haben. Im Uebrigen liegen die Verhältnisse im Innern dieser Waldungen so völlig im Dunkeln, daß es wohl nur als ein glücklicher Griff bezeichnet werden darf, wenn die Brigade den Weg einschlägt, der sich im Laufe der Ereignisse als der Vortheilhafteste erweist. Da wir uns aber nun für einen der beiden Wege zu entscheiden haben, würden wir den durch die Schlucht des Juröe-Baches führenden wählen. Ausschlaggebend ist hierbei für unsern Entschluß der Gesichtspunkt, daß es bereits sehr spät am Tage ist, daß also für die Vorbewegung der Brigade nur sehr wenig Zeit verbleibt, wenn sie mit Sicherheit noch auf ein Eingreifen ins Gefecht rechnen will. Hiermit ergiebt sich, da, wie erwähnt, in unserer Darstellung den Erwägungen vorgegriffen wurde, eine in ihren Konsequenzen höchst einflußreiche Abweichung') von dem thatsächlichen Verfahren am 16. August. Eine absprechende Beurtheilung des von der 49. Infanterie-Brigade thatsächlich eingeschlagenen Weges liegt uns natürlich durchaus ferne. Thatsächlich bietet der in der Schlucht des Jurse-Baches führende Weg nur auf der Karte Vortheile, ist aber für den Marsch einer Infanterie-Brigade nicht benutzbar. Genannter Weg verläuft schon wenige Hundert Schritt nordöstlich des Wasserhäuschens der Metzer Wasserleitung (okr. Generalstabswerk, 1. Theil, Plan 5 a und b; Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71 gegen Frankreich, Plan Nr. 2) in einen ganz schmalen Fußpfad, der, in dichtem Gestrüpp sich hinziehend, mit dem Bett des genannten, im Sommer meist ausgetrockneten, Wasserrisses zusammenfällt und mit grobem Geröll überdeckt ist. Infanterie kann nur, ein Mann hinter dem andern, langsam vorwärts kommen, für Fahrzeuge und selbst für einzelne Reiter ist er unpassirbar. Es weist dies auf den Umstand hin, daß selbst auf guten Plänen die in ganz gleicher Weise dargestellten Wege häufig eine ganz verschiedene Gangbarkeit besitzen. 56 Drch möge es gestattet sein, auch unter diesen veränderten Umständen die sich ergebende Lage noch etwas weiter zu verfolgen, wenn wir damit auch immer mehr auf den Boden der Supposition gerathen. Legen wir dabei die Voraussetzung zu Grunde, daß die Tete der 49. Infanterie-Brigade auf dem von uns gewählten Wege bis in die Höhe der Nordlisiere des Bois de St. Arnould vorgerückt sei, ohne auf den Feind zu stoßen, so ergiebt sich sofort die Frage, welche Anordnungen der Brigadekommandeur nun treffen Ausgabe wird, sofern die durch General v. Barnekow mitgetheilten Gefechts- 37 und 38. Verhältnisse noch fortbestehen. Indem wir mit Hülfe der Karte uns in die ganze Situation hinein zu denken suchen, drängt sich sofort eine weitere Vorfrage auf, die wir uns eventuell auch schon früher stellen konnten, ob es nämlich zulässig erscheint, die Kavallerie und Artillerie mit in die Waldungen hinein zu nehmen. Diese Frage besteht auch bei Wahl des andern Weges in gleicher Weise und kann daher hier mit erledigt werden. Ein flüchtiger Blick auf die Karte zeigt nun, daß eine Verwendung dieser beiden Waffen innerhalb des Bois des Chevaux und Bois des Ognons nahezu ausgeschlossen ist, höchstens auf der Plaine de Geai könnten unter Umständen kleinere Abtheilungen derselben zu einer nennenswerthen Gefechtsthätigkeit gelangen. Auch am West- und Ostrand des Bois des Ognons liegen die Verhältnisse nicht günstiger, den in der Luftlinie von der Cüte Mousa etwa 6000 Schritt entfernten Nordrand dieses Waldes aber noch heute zu erreichen, dürfte höchst unwahrscheinlich sein, nachdem die Höhen südlich Rezonville zur Zeit noch von starken feindlichen Kräften festgehalten werden. Abgesehen also von der Beschaffenheit der durch die Waldungen führenden Wege, die — wie die Darstellung zeigt — noch ganz wesentlich mit in Betracht kommt, kann unsere Erwägung deshalb nur nur mit den thatsächlichen Anordnungen übereinstimmen, nach welchen sowohl die Kavallerie wie zwei Batterien außerhalb der Waldungen verbleiben. Daß es hierbei nicht mehr gelingt, auch die 1. schwere Batterie am Einrücken in den Wald zu verhindern, ist unangenehm, hängt aber von Verhältnissen ab, die man vorher nicht zu übersehen vermochte, und die sich nun nicht mehr vermeiden lassen. Unter diesen Umständen löst sich auch der kaum gebildete Detachementsverband. Die Macht der Verhältnisse, die zu seiner Bildung geführt, führt auch seine Lösung herbei, und dem Divisionskommandeur bleibt nichts übrig, als die einzelnen Theile 57 seiner Division aller Regel zum Trotz räumlich getrennt auf verschiedene Theile des Gefechtsfeldes führen zu lassen, will er überhaupt irgend welchen Nutzen für die Gesammtheit davon ziehen. Es tritt hier der wesentliche Einfluß des Terrains deutlich hervor, zugleich aber auch, wie dem Truppenführer die Wahl desselben meist nur innerhalb sehr eng gezogener Grenzen überlassen bleibt, seine Truppen mithin dafür ausgebildet sein müssen, in jedem Terrain zu fechten. Wenden wir uns wiederum der ursprünglichen Aufgabe zu. Nach Ausweis der Karte hört der von der Brigade einzuschlagende Weg in der Höhe des Nordrandes des Bois de St. Ar- nould südöstlich Maison blanche (an der Straße Gorze—Rezonville) noch innerhalb der Schlucht auf. Die Beschaffenheit dieses Weges ist für die Art und Weise des Vormarsches von entschiedener Bedeutung. Nehmen wir für den von uns gewählten Weg dieselbe Gangbarkeitin Anspruch, den der Darstellung gemäß der nach der Plaine de Geai führende Weg besitzt, so ergiebt sich, daß auch die kleine Bagage der Brigade wohl am zweckmäßigsten vorläufig außerhalb des Waldes etwa in der Nähe der Metzer Wasserleitung (nordöstlich der Cote Mousa) belassen wird. Allerdings ist dies eine Ausnahme von der Regel/) nach welcher dieselbe im Gefecht bei den einzelnen Bataillonen verbleiben soll. Unter den vorliegenden Umständen dürfte diese Maßregel gerechtfertigt sein, da es fraglich bleibt, ob in dem engen Walddefilee die einzelnen Fahrzeuge überhaupt Kehrt zu machen vermögen. Das Liegenbleiben eines derselben würde dann den geordneten Vormarsch der ganzen Brigade in Frage stellen, indem das dichte Gestrüpp und Unterholz seitwärts des Weges ein Ausbiegen der Marschkolonne vielfach verbietet. Noch größer aber wäre die Gefahr bei einem Rückzüge, wo eines oder ein paar dieser Fahrzeuge genügen würden, um den südlichen Ausweg aus der Schlucht des Jurcke-Baches völlig zu sperren. Finden sich später neben dem Wege im Innern des Waldes ein paar freie Stellen, wo einige Medizinwagen zur Verwendung gebracht oder die Handpferde aufgestellt werden können, so kann man sie noch immer heran holen. 1) efr. Seite 55, Anmerkung t. 2 ) vlr. Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege, Z. 65. 58 Freilich liegt der ganzen Maßregel die Voraussetzung zu Grunde, daß man sich am Eingang des WegeS in den Wald über die Beschaffenheit beider einigermaßen zu orientiren vermochte. Aber selbst wenn dies nicht der Fall war, wird in der Belassung der kleinen Bagage außerhalb des Waldes kein Nachtheil gesehen werden können, da man es ja immer in der Hand hat, sie folgen zu lassen, sobald sich der ursprünglich gewonnene Eindruck nicht bestätigt. Was nun die Verwendung der Brigade selbst betrifft, so läßt sich nicht annehmen, daß dieselbe in der Schlucht des Jur6e-BacheS gedeckt bis in deS FeindeS linke Flanke marschiren kann; der Gegner wird sich voraussichtlich auch gegen daS Bois des Ognons hin gesichert haben, die speziellen Maßregeln bei der 49. Infanterie-Brigade werden also von dem abhängen, was deren Tete vor sich findet. Immerhin aber lasten sich die leitenden Gesichtspunkte in Erwägung ziehen, sofern man gewillt ist, dem Gegner das Gesetz zu geben. Zunächst wird man, wenn irgend möglich, versuchen, auf dem Ostabhang deS Höhenrückens südlich von Rezonville (970) festen Fuß zu fassen. Die Front wird dabei eine gegen Westen gerichtete, und die Brigade erscheint dann in der rechten Flanke und im Rücken bedroht. Wer sich indessen im Kriege durch derartige Bedenklichkeiten stets von einer energischen Aktion abhalten ließe, würde wohl sehr selten zu einer solchen gelangen. Es läßt sich allerdings nicht verkennen, daß die Lage hier eine besonders schwierige ist. Die Entwickelung der Marschkolonne zum Gefecht aus der tiefen und schmalen Schlucht deS Juröe-Baches ist an und für sich nicht leicht; in der linken Flanke liegt die feindliche Stellung dem Thalrande so nahe, daß der Gegner jeden Augenblick dort überraschend und in gefahrdrohender Nähe erscheinen kann, in der rechten Flanke befindet sich ein nahezu ungangbarer und noch unaufgeklärter Wald. Dabei ist es nicht angängig, den Marsch der Kolonne in der linken Flanke durch eine hierzu bestimmte Abtheilung auf der Höhe kotoyiren zu lassen, denn diese müßte sich im feindlichen Feuer bewegen und würde voraussichtlich frühzeitig den Marsch der Hauptkolonne verrathen. Wäre ein Vorgehen in dem freien Terrain auf dem Höhenrücken längs der Straße Gorze—Rezonville überhaupt thunlich, so würden die am Nordrand des Bois de St. Arnould befindlichen Abtheilungen wohl längst weiter Terrain gewonnen haben. Ein Kotoyiren der Marschkolonne in der rechten Flanke innerhalb des BoiS des OgnonS ist ebensowenig möglich, da ein parallel zur 59 Schlucht deS Jur6e-Baches laufender Weg nicht vorhanden ist. Unter diesen Umständen bleibt nichts übrig, als in den gefährdeten Flanken Kompagnien oder Bataillone bis an den Thalrand vorzuschieben, unter deren Schutz die Marschkolonne im Thale weiterzieht und die sich eventuell an der Queue dann wieder anschließen. Wie weit nun die Brigade gelangt, bis sie sich genöthigt sieht, nach Westen oder Norden, ja vielleicht auch noch nach Osten hin Front zu machen, läßt sich nicht voraussehen. Einen unmittelbaren Anschluß an die im Bois de St. Arnould befindlichen Truppen anzustreben, dürfte sie jedoch kaum Veranlassung haben. Eine Nothwendigkeit hierzu liegt nicht vor, wohl aber würde sie Gefahr laufen, daß bei einem späteren konzentrischen Avanciren gegen Maison blanche oder die dahinter befindliche Höhe 970 die Truppen sich in bedenklicher Weise anhäufen und ineinander schieben, was voraussichtlich bedeutende Verluste und Unordnung zur Folge hätte. Gelingt es der Brigade, am Ostabhange der Höhe 970 festen Fuß zu fassen, so bildet ihre Aufstellung eine Art Offensivflanke, und aus dieser Form der Gefechtslinie entsteht an sich schon eine Anhäufung und Vermischung der Truppenverbände, sobald die Brigade zum gleichzeitigen Angriff mit den im Bois de St. Arnould befindlichen Truppen gegen die Höhen südlich Rezouville antritt. Jedenfalls ist der innere gegen den BoiS de St. Arnould gerichtete Flügel durch die an dessen Nordrand befindlichen Truppen auch bei nicht unmittelbarem Anschluß hinreichend gesichert, während der äußere Flügel gegen die Straße Gravelotte—Rezonville hin dem Gegner die Flanke bietet und deshalb einer größeren Reserve bedarf. DaS tief ein- geschnittene Thal und der ungangbare Wald im Rücken sind ebenfalls unangenehm, aber dieselben Verhältnisse, die unsere Bewegungen beeinträchtigen, erschweren auch die des Feindes, der in ähnlicher Weise auf wenige und sehr schmale Wege beschränkt ist. Einige Kompagnien werden deshalb zur vorläufigen Sicherung innerhalb des Bois deS OgnonS in nördlicher und östlicher Richtung genügen, ob aber eine Gefechtsentwickelung größerer Abtheilungen dort nothwendig wird, wird das Verhalten des Gegners bestimmen. Sehr leicht kann aber auch der Fall eintreten, daß eine Entwickelung zum Gefecht am Ostabhang der Höhe 970 zunächst überhaupt nicht thunlich ist. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß die feindliche Aufstellung auf den Höhen südlich Rezonville sich bis an den Westrand der Schlucht des Juröe-Baches hin erstreckt und auch 60 diese mit ihrem Feuer beherrscht. Dann ist dem Vorrücken in dieser Schlucht sehr bald ein Ziel gesetzt und bleibt nichts übrig, als trotz der Schwierigkeiten des Terrains mit dem in der Front nicht erforderlichen Theil der Brigade im Walde weiter östlich auszuholen. Aber auch diese Bewegung kann sehr bald zum Stehen gebracht werden, sobald die Brigade innerhalb des Bois des Ognons auf erheblichen Widerstand stößt. In diesem Falle ist eine unmittelbare Einwirkung der Brigade auf das Gefecht um die Höhe 970 südlich Rezonville vorläufig überhaupt ausgeschlossen und von dem nicht vorauszusehenden Resultat des sich nun auch hier entwickelnden Frontalkampfes abhängig. Jedenfalls ist, wie immer die Verhältnisse sich gestalten mögen, der linke Flügel der innere und gesicherte, der rechte der äußere, der Reserve bedürftige. Dort ist der weitere Ausbau des Gefechts, sei es in Offensive oder Defensive, zu suchen, und die Entscheidung anzustreben oder hinzuhalten. Es ließen sich diese Betrachtungen unter Zuhülfenahme einiger Suppositionen zu einer Reihe von Aufgaben erweitern, die zwar nicht unmittelbar auf der geschichtlichen Darstellung begründet sind, aber doch im Wesentlichen noch auf dem sicheren Boden der Erfahrung ruhen und der Natur des Krieges entsprechen. Im Hinblick darauf, daß bei der Vielseitigkeit der militärischen Lage die Stellung solcher Aufgaben sich fast gar nicht begrenzen läßt, indem bei Bearbeitung jeder einzelnen neue Fragen zum Vorschein kommen, und daß schon bei engem Anschluß an die historischen Quellen eine fast nicht zu bewältigende Fülle von Aufgaben sich ergiebt, wollen wir hier der Versuchung widerstehen, uns in deren Erörterung zu vertiefen. Kehren wir vielmehr zu dem thatsächlich Geschehenen zurück. Als die Tete der Brigade östlich Gorze von der großen Straße abbiegt, wird eine linke Seitendeckung abgezweigt, indem ein Halb- bataillon durch Gorze rückt und den Marsch der Kolonne in der linken Flanke kotoyirt. Diese Maßregel erweist sich insofern nach- 0 Es ist indeß sehr leicht möglich, daß es nicht in der Absicht gelegen hat, die 5. und 8. Kompagnie unter Major Hahn über Gorze zu detachiren, daß diese Kompagnien vielmehr die vormarschirende, die vom Weg abbiegend bereits in dem Gehöft Ste. Catherine verschwunden war, noch vor sich auf der Straße vermutheten, die gleich darauf eine Biegung macht, und so im Marsch auf Gorze verblieben. Der Befehl an die beiden Kompagnien, in gleicher Höhe mit der 6. und 7. gegen die Cüte Mousa vorzurücken, mag unter den ob- 61 theilig, als im weiteren Verlaufe diese Seitendeckung sich von ihrem Regimente getrennt sieht und dasselbe trotz ihrer Bemühung vorläufig nicht wieder zu erreichen vermag. Ganz abgesehen hiervon, läßt sich von unserem jetzigen Standpunkte aus beurtheilen, daß diese De- tachirung nicht nothwendig war, indem kurz vorher das Infanterie- Regiment Nr. 11 von der 18. Division den Weg über Gorze eingeschlagen hatte. Es wäre aber dessen ungeachtet ein schwerer Irrthum, wenn man etwa behaupten wollte, daß hier irgendwo ein Fehler stecken müsse. Solche Erscheinungen sind vielmehr in der Natur des Krieges begründet, es mag bei ihnen im einzelnen Falle auch dann und wann ein wirklicher Fehler vorgekommen sein, häufig aber sind sie unvermeidlich und gehen aus Verhältnissen hervor, die sich einer Beherrschung seitens der Führer entziehen. Im vorliegenden Falle wissen wir beispielsweise nicht einmal, wer diese Detachirung angeordnet hat. Der Brigadekommandeur schwerlich, denn dieser hatte — wie aus der Darstellung hervorgeht — Kenntniß von dem Vorrücken des Infanterie-Regiments Nr. 11. Aber auch dem Kommandeur der Avantgarde muß unbedingt das Recht zugestanden werden, von seinem Standpunkte aus die ihm nothwendig erscheinenden Sicherungsmaßregeln selbstständig zu treffen. Es könnte also die Ursache dieser Detachirung auch in einer unzureichenden Orientirung des Avantgardenkommandeurs über die zur Zeit bestehende Gefechtslage gesucht werden. Ob aber und inwieweit eine bessere Orientirung möglich war, entzieht sich völlig unserer Beurtheilung. Ueberdies bleibt immer noch die Möglichkeit offen, daß der Brigadekommandeur die Detachirung zu einer Zeit anordnete, wo auch er über die Verhältnisse bei Gorze noch im Dunkeln war, und die Maßregel sich nicht mehr redressiren ließ, als sich seine Kenntniß der Gefechtslage erweiterte. Kurz, es sind auch bei völlig korrekter Handlungsweise so viele Eventualitäten möglich, daß wir waltenden Umständen nachträglich ertheilt worden sein, weil ein Zurückholen derselben eine Stockung der Kolonne in dem Gehöft Sie. Catherine, wo eine Scheune durchschritten werden mußte, verursacht hätte. Hauptmann Mangold, am 16. August Adjutant der 4V. Infanterie-Brigade, welcher nach Corny zurückgeschickt war und die Brigade erst nach ihrem Einmarsch in den Wald wieder erreichte, vermuthet einen derartigen Sachverhalt, weil ihm selbst in gleicher Weise das Abbiegen von der Straße entging, so daß er, durch den östlichen Theil von Gorze und dann auf dem nach Ancy führenden Wege zurückreitend, die Queue der Brigade erreichte. 62 uns beschränken müssen, diese zu besprechen, und auf ein definitives Urtheil Verzicht leisten. Daß daS detachirte Halbbataillon durch die plötzlich veränderte Marschrichtung der Brigade von seinem Regimente getrennt wird, ist — wie ein Blick auf die Karte zeigt — nur natürlich. Die neue Marschrichtung weicht von der bisherigen so bedeutend ab, und die Seitendeckung auf der äußeren (linken) Seite hat dabei einen so bedeutenden Bogen zu machen, daß sie unmöglich mit der Haupt, kolonne auf gleicher Höhe zu bleiben vermag. Diese aber kann ihre Bewegung nicht nach der der Seitendeckung einrichten, noch weniger kann sie auf letztere warten, die Seitendeckung muß sich also der Bewegung der Brigade, so gut es gehen will, anpassen. Daß sie hierbei bestrebt ist, sobald als möglich den Anschluß an ihr Regiment wieder zu gewinnen, ist jedenfalls anzuerkennen, obwohl es von dem weiteren Gange der Dinge abhängig bleiben wird, wann dies gelingt. Ebenso gerechtfertigt erscheint, daß der Brigadekommandcur persönlich die Bewegung der Teten-Kompagnie leitet. Seine Anordnungen hängen wesentlich von dem ab, was diese vor sich findet, der Kompagniechef aber ist ohne genaue Instruktion nicht im Stande, die vom Brigadekommandeur beabsichtigte Direktion einzuhalten. Zu einer derartigen Instruktion ist hier keine Zeit, überdies behält der Brigadekommandeur die Brigade dadurch mehr in der Hand, was in dem unübersichtlichen Terrain von besonderem Werth ist. Da man sich bereits der Gefechtssphäre nähert, könnten die vordersten Kompagnien sonst leicht in ein Gefecht verwickelt werden, das den Absichten des Brigadekommandeurs nicht entspräche, aber die weitere Berwendung der Brigade beeinflussen würde. Beim weiteren Bormarsch gegen die Plaine de Geai erscheint zwar die Brigade in der linken Flanke gefährdet, trotzdem wurde thatsächlich von der Abzweigung einer neuen Seitendeckung Abstand genommen. Es ließe sich nun die Behauptung ausstellen, daß es Sache des Avantgardenkommandeurs oder des Brigadekommandeurs gewesen wäre, beim Marsche nach der Plaine de Geai eine andere Abtheilung mit dem Schutz der linken Flanke zu beauftragen, nachdem das ursprünglich abgezweigte Halbbataillon durch die plötzliche Veränderung der Marschrichtung zur Erfüllung dieser Funktion unfähig geworden war. Das wäre bereits Kritik, aber wie wir nachweisen werden, eine sehr oberflächliche und einseitige. Gehen wir auf 63 die hier vorliegenden Verhältnisse näher ein, so werden wir finden, daß die Frage der Marschsicherung doch wesentlich durch die Terrainverhältnisse mit bedingt wird. Wäre hier ein Weg vorhanden, der nördlich des von der Brigade eingeschlagenen Weges und parallel damit nach der Plaine de Geai führt, so wäre die Abzweigung einer linken Seitendeckung auf diesen Weg ganz sicher rathsam. Das ist hier aber nach Ausweis des Planes nicht der Fall. Würden von dem von der Brigade eingeschlagenen Wege Seitenwege in nördlicher Richtung abbiegen, so könnte man auf diesen einzelne Kompagnien auf kurze Entfernung vorschieben, die dann das Vorterrain aufklären und sich der Queue der Marschkolonne wieder anschließen, sobald letztere hinter ihrem Rücken defilirt ist. Das ist hier ebenso wenig der Fall. Es bliebe also nur übrig, die Seitendeckung innerhalb des WaldeS selbst sich bewegen zu lassen und dabei ziemlich nahe heranzuhalten, uin deren Abkommen zu vermeiden. In einem aus hohem Holze bestehenden Walde mit wenig Unterholz mag das für kürzere Strecken wohl angängig sein, hier aber ist die Bewachsung eine derartige, daß geschlossene Abtheilungen innerhalb des Waldes sich überhaupt nicht bewegen können und auch einzelne Schützen sich dauernd nicht in gleicher Höhe zu halten vermögen, sondern voraussichtlich in kurzer Zeit weit zurückbleiben. Solche Verhältnisse sind mithin im Stande, die wünschenswerthen Sicherungsmaßregeln völlig zu verhindern. Trotzdem ist die Entblößung der Flanken der Marschkolonne nur eine scheinbare, denn thatsächlich schützt ja der ungangbare Wald, der auch den Feind auf die Wege beschränkt, die Flanken besser, als es die Entsendung einiger Kompagnien vermöchte. Das Auftreten von ein paar feindlichen Patrouillen oder selbst kleinen Abtheilungen kann aber dem Marsch einer ganzen Brigade nicht gefährlich werden. Eine besondere Gefahr dürfte also auf dem Marsche nach der Plaine de Geai nicht zu besorgen sein.') Nehmen wir nun an, daß die Tete der Brigade dort eingetroffen ist, ohne daß sich bis dahin in den bereits bekannten Verhältnissen etwas geändert hat, so tritt die Nothwendigkeit des Entschließens, Ausgabe ss was weiter geschehen soll, an deren Kommandeur heran. Suchen wir uns in dessen Lage zu versetzen. Seine Brigade befindet sich inmitten eines großen ungangbaren WaldeS, der im Falle eines größeren Engagements vielleicht die Infanterie eines ') ulr. Meckel, Taktik. Seite 216 und 217. 64 ganzen Armeekorps zu absorbiren im Stande wäre. Man hört zwar nicht selten von der Absicht, Waldgefechte zu vermeiden, aber gerade die Entwickelung der vorliegenden Situation weist überzeugend nach, daß sie sich gar nicht vermeiden lassen. Wir wollen also diesen Satz auf das Erreichbare zurückführen und sagen, daß wir uns bestreben werden, die bei einem Waldgefecht so nachtheilige Auflösung möglichst zu vermeiden, oder sagen wir besser zu beschränken, denn bei den vorliegenden Terrainverhältnissen muß uns auch Ersteres von vornherein völlig unausführbar erscheinen. In welcher Richtung sich nun das Gefecht engagiren wird, konnte man ursprünglich nicht voraussehen. Auch jetzt steht dies keineswegs fest, da jeden Augenblick eine neu eintreffende Meldung die Situation zu verschieben vermag. Geht zum Beispiel, während die Brigade auf die Plaine de Geai debouchirt, die Nachricht ein, daß stärkere feindliche Kräfte auf der Straße Gravelotte—Ars snr Moselle im Vorrücken und bereits theil- weise aus dem Mancethal in das Bois des Ognons eingerückt sind, so läßt es sich gar nicht vermeiden, daß die Brigade ganz oder znm größten Theile sich gegen die neu auftretenden feindlichen Abtheilungen wendet und also beim Kampf um die Höhe 970 südlich Rezonville ausfällt. Solange aber nicht wichtige Momente zu anderweitigen Bestimmungen Veranlassung geben, hat sie bereits ein bestimmtes Ziel vor Augen. Südlich Rezonville, westlich des Bois des Ognons ist das Gefecht seit langer Zeit zum Stillstand gekommen, die Tageszeit ist bereits weit vorgerückt, am Westrand des Bois des Ognons hat also die Brigade die lokale Entscheidung zu suchen. Will sie wirksame Hülfe noch heute bringen, so muß dies bald geschehen, zu einer vorausgehenden sorgfältigen Nekognoszirung des umliegenden Terrains ist keine Zeit. Die Vertreibung des Feindes von den Höhen südlich Rezonville ist der leitende Gedanke, diese letzteren werden mithin die allgemeine Richtung ihres Vorgehens bestimmen und der Kanonendonner wird dabei ihr Wegweiser sein. Die Brigade wird also den Marsch in nordwestlicher Richtung fortsetzen. Dabei ist es nun allerdings im höchsten Grade unangenehm, daß über die Lage innerhalb des Bois des Ognons und im Mancethal eigentlich gar nichts bekannt ist. Die Brigade kann sogar, wie schon angedeutet, von dort aus gefährdet werden und mag es daher immerhin als eine ihrer Nebenaufgaben betrachten, aus sich selbst heraus in diesen Richtungen Aufklärung zu schassen. Eine solche aber vor weiterer Aktion abzuwarten, läßt sich im vorliegenden Falle 65 denn doch nicht rechtfertigen, da der dann unvermeidliche Zeitverlust nicht wieder eingebracht werden kann. Man muß also, wie so häufig im Kriege, etwas riskiren, und wir können nur wiederholen, was wir gelegentlich einer supponirten Aufgabe bereits angeführt haben, wer im Kriege durch Bedenklichkeiten wegen möglicher Eventualitäten sich stets von einer energischen Aktion abhalten läßt, wird wohl sehr selten zu einer solchen gelangen. Diese Erwägungen haben sich nun allerdings erheblich breiter gestaltet, als sie sich im konkreten Falle vom Sattel aus anstellen ließen, indeß ist das ein Uebelstand, der mit der schriftlichen Darlegung fast unvermeidlich verbunden ist. In der Wirklichkeit fassen sich dieselben in wenige, je nach der Individualität des Führers mehr oder minder scharf präzisirte Gedanken zusammen, die ein Werk weniger Sekunden sein können. Für unsern Studienzweck kann darin kein Nachtheil gefunden werden, sofern wir nur diesen Unterschied mit seinen Konsequenzen immer im Auge behalten. Die auf Grund dieser Betrachtungen seitens des Brigade- Aufgabe 4» kommandeurs zu treffenden Anordnungen dürften etwa wie folgt lauten: Befehl an den Kommandeur der Avantgarde (mündlich ertheilt beim Debouchiren der Avantgarde') auf die Plaine de Geai). Die Brigade wird sich von hier aus wieder gegen den Westrand des Waldes wenden. Lassen Sie eine Kompagnie auf dieser Waldblöße hier zurück, die den Wald in nördlicher (hinweisend), östlicher (hinweisend) und südöstlicher (hinweisend) Richtung aufklärt und den Schutz der zurückbleibenden kleinen Bagage übernimmt. Namentlich ist das östlich befindliche (hinweisend) Mancethal mit der Straße Gravelotte—Ars s. M. zu beobachten. Die Kompagnie meldet direkt an mich. Ein Offizier dieser Kompagnie soll hier halten bleiben und den einzelnen Regiments- und Bataillonskommandeuren den Befehl über- >) Es ist hier von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Avantgarde ursprünglich aus einem Bataillon (dem 2. Bataillon des I. Infanterie-Regiments) bestand. Nachdem die b. und 8. Kompagnie zur Deckung der linken Flanke detachirt und infolge der veränderten Marschrichtung völlig abgetrennt wurden, würde die Avantgarde — nicht ganz im Anschluß an die Darstellung — zur Zeit noch aus der 6. und 7. Kompagnie bestehen. Die 49. Ins. Brig. bei Vionville — Mars la Tour. 5 66 Mitteln, sämmtliche Fahrzeuge der kleinen Bagage') einschließlich der Handpserde auf dieser Waldblöße zurückzulassen, über welche dieser Offizier das Kommando dann übernimmt. Ich reite mit der Kompagnie der Vorhut. Prüfen wir nun diese Anordnungen und die vorausgegangenen Erwägungen an dem thatsächlich Geschehenen. Vormarsch innerhalb des Hais des Lhevaur und Wois des Agnons gegen den Westrand des Waldes. „Die in das Bois des Chevaux eingedrungene Großherzogliche Infanterie war nach der Plaine de Geai marschirt, wo sich gerade Abtheilungen des 2. Bataillons des 4. Thüringischen Infanterie- Regiments Nr. 72 (vom 8. Armeekorps) sammelten. Die Aussagen, daß das Regiment den Wald genommen und viele Gefangene gemacht, veranlaßten den direkten weiteren Vormarsch in der Richtung des Mitrailleusenseuers. An der Nordwestecke der Plaine de Geai hörte der gute Weg auf und theilte sich in drei Richtungen, nach Gravelotte (nördlich), Rezonville (nordwestlich) und gerade westlich. Die erste Richtung führte nach einem großen Steinbruch/) die zweite südlich davon 1) Es ist hier vorausgesetzt, daß die kleine Bagage der Brigade den einzelnen Bataillonen beim Einmarsch in das Bois des Chevaux folgte. 2) Die Dämmerung war schon so stark, daß eine Beurtheilung der Weg- barkeit kaum möglich war. Was aber den Marsch auf den Waldwegen besonders erschwerte, war außer ihrer geringen Breite, daß sie auf Spurweite tief eingefchnittene Furchen mit scharfen Rändern hatten, so daß ein Ausweichen in der Kolonne kaum möglich war. S) Der nach Norden führende Weg wurde nicht eingeschlagen, weil er sich in einen Steinbruch verlaufen sollte, wie wohl von einer dahin abgeschickten Patrouille gemeldet worden sein wird. Dieser Steinbruch ist auf den in erster 67 vorbei, in der letzten konnte man in weiter Entfernung das freie Feld sehen. In nordwestlicher Richtung vorrückend, betrat die Brigade das Bois des Ognons, als es in diesen großen Waldungen bereits zu dunkeln begann. Etwa 500 Schritt weiter theilte sich der eingeschlagene Weg wieder und zwar in vier Richtungen, nordöstlich, nordwestlich, westlich und südwestlich. Die nordwestliche Richtung wurde indeß beibehalten.') Die Wege durch den dicht mit Unterholz bestandenen Wald gestatteten kaum, in Reihen vorzugehen, nur wo'einzelne Lichtungen waren, konnte man sich weiter nach den Seiten hin ausbreiten; mit Zunehmen der Dunkelheit erschienen diese Fahrwege wie Fußwege." Diese Darstellung bestätigt theilweise die Berechtigung des von uns entworfenen Befehls, theilweise giebt sie aber auch zu neuen Erwägungen Veranlassung. Zunächst zeigt sich, daß beim Eintreffen auf der Plaine de Geai die Kenntniß des Brigadekommandeurs über die Verhältnisse innerhalb der großen Waldungen sich erweitert, ohne daß hiermit eine Abweichung von dem schon früher festgestellten Entschluß motivirt würde. Immerhin sind die Mittheilungen des schon länger im Walde befindlichen 2. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 72 von wesentlichem Werth. Sie befreien den Brigadekommandeur von einer nicht unerheblichen Sorge für Rücken und Flanken Linie zum Studium geeigneten Plänen (etr. Generalstabswerk, Plan 5 s und d Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71, Plan Nr. 2) nicht eingezeichnet. Derselbe befindet sich unmittelbar östlich des über Höhe 1035 in nördlicher Richtung durch das Bois des Ognons führenden Waldweges. 0 Die auf offiziellen Akten beruhenden kriegsgeschichtlichen Darstellungen (Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feld- zug 1870/71 und das Generalstabswerk) und das Kriegstagebuch des damaligen Brigadekommandeurs (v. Wittich, Aus meinem Tagebuche 1870/71) stimmen in einzelnen ganz unwesentlichen Details nicht völlig überein. Ebenso verhält es sich bezüglich der in diesen Werken gemachten Angaben über Zahl und Richtung der das Bois des Chevaux und Bois des Ognons durchziehenden Waldwege. Diese Erscheinung findet sowohl in der Natur des Krieges im Allgemeinen, wie speziell in der Natur der obigen Werken und der Kriegsgeschichte überhaupt zur Verfügung gestandenen Quellen ihre Erklärung. Für den vorliegenden Studienzweck ist indeß versucht worden, diese an sich bedeutungslosen Abweichungen so weit als möglich unter sich und namentlich mit den offiziellen Plänen (Generalstabswerk, Plan 5 s und b; Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division, Plan No. 2) in Uebereinstimmung zu bringen. 5 * 68 und gestatten, zur Aufklärung und Sicherung ganz geringe Abtheilungen zu verwenden. Es ergiebt sich daraus auch eine ganz naturgemäße Erklärung, weshalb in der geschichtlichen Darstellung eine Detachirnng zu Sicherungszwecken von der Plaine de Geai aus nicht erwähnt wird. Damit ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß kleinere Abtheilungen hierzu verwendet wurden, da die Registrirung der Absenkung und speziellen Instruktion jeder einzelnen Patrouille nicht Aufgabe der geschichtlichen Darstellung sein kann. Trotzdem glauben wir, daß sich auch die Detachirung einer Kompagnie zur «Sicherung und Aufklärung völlig rechtfertigen läßt, und möchten wir unsern diesbezüglichen Befehl deshalb aufrecht erhalten.') Bei der geringen Uebersichtlichkeit und bedeutenden Ausdehnung des aufzuklärenden Terrains genügen einige wenige Patrouillen nicht, sondern diese werden in größerer Zahl entsendet werden müssen, und da ist es gewiß sehr angenehm, eine Centralstelle zu haben, welche die verschiedenen Meldungen sammelt, prüft und nur ein Resum6 daraus zur Kenntniß des Brigadekommandeurs bringt. Ferner können sich bei den bedeutenden Dimensionen des Waldes sehr leicht verirrte oder versprengte feindliche Abtheilungen in demselben befinden, welche die auf der Waldblöße zurückbleibende kleine Bagage zu gefährden vermögen. Ueberdies ist bei der Nähe der Straße Gravelotte— Ars s. M. ein Anrücken feindlicher Abtheilungen auch aus dieser Richtung jederzeit möglich. Kurz, so sehr man alle Detachirungen scheuen und beschränken mag, die Zurücklassung einer Kompagnie auf der Plaine de Geai dürfte sich rechtfertigen lassen. Die Zurücklassung der kleinen Bagage führt uns zu einer schon einmal berührten Frage, ob es nämlich nicht zweckmäßig wäre, die Batterie ebenfalls zurückzulassen. Nach dem, was aus der Darstellung über die Wegebeschaffenheit bekannt geworden ist, müssen wir gestehen, daß wir uns dieser Ansicht zuneigen. Allerdings ist i) Wir dürfen nicht übersehen, daß wir hier mit vollem Recht einige Suppositionen eingeschoben haben, welche unsere Erwägungen und Anordnungen mit beeinflussen. So ist in der geschichtlichen Darstellung die kleine Bagage unberücksichtigt gelassen, während sie auf unsere Entschließungen von wesentlichem Einfluß ist. Ferner muß im Auge behalten werden, daß unsere aus dieser Darstellung geschöpfte Kenntniß der Wegebeschaffenheit unsere Anordnungen erleichtert, während die 49. Infanterie-Brigade am 16. August 1870 darüber erst Klarheit erlangen konnte, als sie sich schon auf diesen Wegen befand. 69 eine Verwendung einzelner Geschütze auf schmalen Waldwegen nicht absolut ausgeschlossen, insofern dadurch bei schwierigem Seitenterrain solche Wege häufig schon auf bedeutende Entfernung gesperrt werden können, doch kommt in erster Linie in Betracht, daß hier eine wesentlich offensive Aufgabe zu lösen ist, bei der es sich um möglichste Beschleunigung des Marsches handelt, und da kann eine einzige schlimme Wegstelle die Bewegung der Geschütze und damit auch die der hinter ihr befindlichen Infanterie unverhältnißmäßig lange hemmen. Sind die Geschütze an die Tete genommen, so halten sie in einem solchen Falle die ganze Kolonne auf, befinden sie sich hingegen an der Queue, so ist keine Aussicht, sie innerhalb des Waldes zur Verwendung zu bringen, und muß ein Theil der Infanterie bei ihnen als Bedeckung zurückgelassen werden, sobald sie in ihrem Fortkommen behindert sind. Trotzdem läßt sich nicht leugnen, daß auch ein Mitnehmen der Geschütze in den Wald hinein Manches für sich hat. Zunächst darf man auf Grund der Mittheilungen des 2. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 72 hoffen, den von der Plaine de Geai ungefähr 3000 Schritt entfernten Westrand des Bois des Ognons möglicherweise ohne Kampf zu erreichen. Ob der eingeschlagene Weg ein Dnrchbringen der Geschütze durch den Wald gestattet, kann hier nur der Versuch lehren und ohne vorausgegangene Rekognoszirung nicht schon von der Plaine de Geai aus mit Sicherheit beurtheilt werden. Läßt man aber die Batterie von vornherein unter Bedeckung auf der Waldblöße zurück, so kann auf beide in dem bevorstehenden Kampf um Höhe 070 südlich Rezonville jedenfalls nicht mehr gerechnet werden. Hierzu tritt, daß auch auf der Plaine de Geai die Batterie keineswegs ungefährdet ist, daß sowohl von Norden als von Osten her jeden Augenblick stärkere feindliche Abtheilungen gegen diese Waldblöße vordringen können und daß also dann eine Kompagnie zur Sicherung der zahlreichen Fahrzeuge nicht ausreichen wird, sondern vielleicht ein Halbbataillon zurückgelassen werden muß. Man sieht, in beiden Fällen giebt es gewichtige Gründe dafür und dagegen, man kann also nicht das eine unbedingt für richtig und das andere für falsch erklären, sondern von der Individualität des Führers und seinen Charaktereigenschaften wird es abhängen, für was er sich entscheidet. Es kann aber auch noch ein anderer Fall eintreten, nämlich daß der Führer es im Dränge des Augenblicks 70 überhaupt versäumt, sich sämmtliche Gründe und Gegengründe momentan völlig klar zu machen. Dann macht er eben einen Griff ins Ungewisse, und das Glück oder der Zufall ist es, der sein Gewicht in die Wagschale wirft. Wir können es also hier dem Leser überlassen, sich zu ent- «ufgabe 41 . scheiden und die auf Grund der gewonnenen Ansicht erforderlichen Anordnungen zu entwerfen. Wenn wir nun den von der Brigade eingeschlagenen Weg auf dem Plane näher verfolgen, so zeigt sich, daß sich dieser Weg mehrmals gabelt und daß außerdem verschiedene Seitenwege von ihm abzweigen. Dieser Plan muß für unser Studium die Grundlage der Erwägungen bilden, da die thatsächlichen Motive der handelnden Kommandeure uns nicht bekannt sind. Nachteilig ist hierbei, daß uns das Entschließen dadurch ungemein erleichtert wird, denn für den Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade lagen jedenfalls die Verhältnisse am 16. August weit schwieriger. Es läßt sich durchaus nicht annehmen, daß demselben damals ein so genauer Plan, wie der uns vorliegende, zur Verfügung stand, und die verwickelten Verhältnisse der den Wald durchziehenden schmalen Wege können damals bei ihm Bedenken und Zweifel hervorgerufen haben, die uns nicht bedrücken. Bei der geringen Gangbarkeit des Waldes und im Abenddunkel sind aber diese labyrinthartig ineinander verschlungenen Waldwege von besonderer Wichtigkeit. So könnte es sich ganz leicht ereignen, daß die Brigade oder ein Theil derselben auf die mehr westlich führenden Wege geräth und statt nördlich des Bois de St. Arnould an dessen Ostrand in die Schlucht des Jur6e-Baches gelangt. Wenn es also der Brigade nur gelingt, die allgemeine Direktion auf die Höhe 970 südlich Rezonville auch innerhalb der Waldungen festzuhalten, so muß dies an sich schon als eine erhebliche Leistung bezeichnet werden. Unter diesen «ufgabe 42 . Voraussetzungen ergeben sich nachstehende Erwägungen für den weiteren Vormarsch. Wenn auch beim Marsche der Brigade von der Nordwestecke der Plaine de Geai aus das vernehmbare Mitrailleusenfeuer die allgemeine Richtung bezeichnet, so sind bezüglich des einzuschlagenden Weges doch immerhin sehr verschiedene Eventualitäten möglich. Aus der Westseite des Bois des Ognons führen dem Plane nach zwei Wege auf die Höhe 970 südlich Rezonville herauf. Der südliche kürzere Weg mündet gerade oberhalb der Zahl 970 in die Straße 71 Gorze—Rezonville, der nördliche längere Weg zweigt innerhalb des Bois des Ognons von ersterem ab und mündet in den nordöstlichen Theil von Nezonville an der Chaussee Rezonville—Gravelotte. Beide Waldwege sind innerhalb des Bois des Ognons nahe der West- lisiere durch einen von Süd nach Nord führenden Querweg verbunden. Da es sich um ein baldiges Eingreifen handelt, so kann die Wahl des kürzeren Weges nicht zweifelhaft sein. Es kann nun entweder die ganze Kolonne diesen Weg verfolgen, sie kann sich aber auch trennen, da von ihm zuerst links und später rechts je ein weiterer Weg abzweigt, die beide nach gleicher Richtung führen und sich mit dem ersten unweit der Westlisiere wieder vereinigen. Es fragt sich also, ob eine Theilung der Kolonne in drei Kolonnen innerhalb des Waldes angezeigt ist.') Es kommt hier wesentlich in Betracht, daß alle diese Wege so schmal sind, daß die Infanterie nur in Reihen marschiren kann, und daß das seitwärts befindliche Terrain infolge des dichten Unterholzes nahezu ungangbar ist. Diese Wege behalten deshalb auch für die Infanterie den Charakter von Defileen, in denen selbst eine kleine feindliche Abtheilung den Marsch lange aufzuhalten vermag. Die geordnete Entwickelung einer tiefen Kolonne in solchem Terrain ist aber fast unmöglich, und wird es deshalb vorzuziehen sein, den Marsch in mehreren Kolonnen auszuführen, deren Führer unter diesen Umständen zu einer erheblichen Selbstständigkeit gelangen. Damit verbindet sich der wesentliche Vortheil, daß, wenn die eine oder andere Kolonne wirklich durch den Gegner aufgehalten wird, das Vorrücken der übrigen dessen Flanken und Rücken bedroht und ihn dadurch zum Abzug nöthigt. Man könnte also auf diesen drei Wegen je ein Bataillon marschiren lassen und den Rest als allgemeine Reserve zur Verfügung des Brigadekommandeurs und zum Schutze des Rückens, der Geschütze und Fahrzeuge verwenden. Dadurch wäre eine einheitliche Leitung auf jedem der drei Wege garantirt, während das durch die bisherigen Bewegungen bereits zerrissene 2. Bataillon des 1. Regiments für letztere Zwecke verbliebe. Die drei Kolonnen werden kaum gleichzeitig am Westrand des Bois des Ognons eintreffen, es dürfte deshalb zweckmäßig sein, sie dort halten zu lassen, um die Brigade der Hauptsache nach wieder zu versammeln. Die Thätigkeit der ') ctr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 313—345; Meckel, Taktik, Seite 156—159. 72 Regimentskommandeure wird dabei allerdings beschränkt, indeß ist das bei den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zu vermeiden, wenn schon ein eventuelles Zusammenwirken des 2. Infanterie-Regiments dadurch angebahnt werden kann, daß man die beiden Bataillone desselben auf zwei nebeneinander laufende Wege disponirt und deren Trennung durch das l. Bataillon des 1. Regiments vermeidet. Diese Betrachtungen bezeichnen natürlich nur das Wünschens- werthe, nicht aber das Erreichbare, jedenfalls aber bieten sie unter Zuhülfenahme der thatsächlichen oder einer supponirten Marschordnnng eine ausreichende Grundlage zum Entwurf der vom Standpunkte Aufgabe 43. des Brigadekommandeurs und seiner Unterführer aus demnach be- nöthigteu Anordnungen. Dieselben dürften bei Festhaltung der eben entwickelten Gesichtspunkte und der thatsächlich bis dahin bestandenen Marschordnung') etwa wie folgt lauten: 1) Befehl an den Kommandeur der bisherigen Avantgarde, mündlich ertheilt auf der Plaine de Geai. Nehmen Sie mit Ihren beiden Kompagnien^) hier auf dieser Waldblöße Aufstellung, um den Rücken der Brigade zu schützen und den uns umgebenden Wald in nördlicher (hinweisend), östlicher (hinweisend) und südöstlicher (hinweisend) Richtung aufzuklären. Namentlich ersuche ich Sie, das östlich (hinweisend) befindliche Mancethal mit der Straße Gravelotte— Ars s. M. im Auge zu behalten. Die der Brigade gefolgte Batterie und die gesammte kleine Bagage bleiben vorläufig hier Aufgabe 44. auf der Waldblöße zurück und treten unter Ihren Befehl. Lassen Sie einen Offizier hier halten, der dem Batteriechef und den einzelnen vorbeimarschirenden Kommandeuren diesen meinen Befehl übermittelt. Ich marschire mit der Brigade in nordwestlicher Richtung vor, um den Westrand des Bois des Ognons zu erreichen. Sobald Major Hahn mit den beiden als Seiten- deckung abgezweigten Kompagnienb) hjxx eintrifft, so theilen Sie ihm mit, daß er damit unverzüglich nachrücken möchte. ') Siehe Seite 49. 6. 7, 5 ^ 8 . t. Aufgabe 45. 2) Befehl an den Kommandeur des 1. Bataillons des 1. Infanterie-Regiments (Major An schütz), mündlich ertheilt auf der Plaine de Geai, nach Abbiegen der bisherigen Avantgarde. Die bisherige Avantgarde bleibt hier auf dieser Waldblöße zurück, um die rechte Flanke und später den Rücken der Brigade zu sichern. Schicken Sie eine Kompagnie auf einige Hundert Schritte als neue Avantgarde voraus, mit der wir dann reiten wollen. Die gesammte kleine Bagage bleibt vorläufig auf dieser Waldblöße zurück, und wird der Kommandeur der bisherigen Ausgabe Avantgarde den Befehl darüber übernehmen. 3) Befehl an den Kommandeur des 1. Bataillons des 1. Infanterie-Regiments (Major An schütz), mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons bei der ersten Wegtheilung (Spaltung nach vier Richtungen). > Halten Sie sich nun auf dem hier links abzweigenden Wege. Dieser Weg theilt sich der Karte nach später in zwei Richtungen, von denen Sie die nach rechts führende einschlagen müssen. Ich werde mit dem 2. Infanterie-Regiment rechts von Ihnen vorrücken, und müssen unsere Wege nahe dem Waldrande wieder zusammentreffen. Sollten sich die Angaben der Karte nicht bestätigen, so müssen Sie sich so viel als möglich immer rechts halten, um die Verbindung mit uns nicht dauernd zu verlieren. Es handelt sich um einen kräftigen Vorstoß gegen den Westrand des Waldes, den Sie ohne weiteren Befehl jedoch nicht überschreiten dürfen. 4) Befehl an den Kommandeur des 1. Infanterie-Regiments (Oberstlieutenant Coulmann), mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons bei der ersten Wegtheiluug (Spaltung nach vier Richtungen). ' Ihr Regiment ist durch die Verhältnisse leider getrennt worden. Ich ersuche Sie, Ihr nun links abbiegendes 1. Bataillon zu begleiten, um dessen Bewegungen zu überwachen, während ich selbst mit dem 2. Regiment weiter rechts vorgehen werde. Den Bataillonskommandeur habe ich bereits instruirt. Es handelt sich um einen kräftigen Vorstoß gegen den Westrand des Waldes, der jedoch vorläufig nicht überschritten werden 74 darf. Ihren Adjutanten bitte ich hier zurückzulassen, um dem mit einem Halbbataillon nachrückenden Major Hahn zu sagen, an dieser Wegekreuzung hier als Reserve zu meiner Verfügung halten zu bleiben. Der Adjutant kann dann zu Ihnen zurückkehren. ') 5) Befehl an den Brigade-Adjutanten (Oberlieutenant Mangold), mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons bei der ersten Wegtheilung (Spaltung nach vier Richtungen). Das 1. Bataillon des 1. Regiments biegt nun links ab, mit dem 2. Regiment werde ich auf diesem Wege hier vorrücken. Reiten Sie eine Strecke voraus bis an den Punkt, wo der Weg sich von Neuem gabelt, um zu sehen, ob sich vom Feinde etwas bemerken läßt. Sie können dort auf mich warten oder, wenn Sie etwas bemerken sollten, mir entgegen reiten. 6) Befehl an den Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments, mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons, nach Abbiegen des 1. Bataillons des 1. Infanterie-Regiments. Die Brigade wird in drei Kolonnen gegen den Westrand des Waldes vorrücken, der jedoch vorläufig nicht überschritten werden darf. Das 1. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments habe ich bereits links abbiegen lassen. Lassen Sie ein Bataillon Ihres Regiments diesen Weg hier (hinweisend) verfolgen, der nach den Höhen südlich Rezonville führt. Dieses Bataillon nimmt eine Avantgarde vor, mit welcher ich selbst reiten werde. Mit dem andern Bataillon halten Sie sich auf dem nun gleich rechts abzweigenden Waldwege, der in ziemlich gleicher Richtung gegen den Westrand führt. Von diesem Wege biegen zweimal andere Wege nach Norden ab, Sie müssen sich daher immer links halten. Die Wege der drei Kolonnen führen nahe der Waldlisiere wieder zusammen, doch bleibt es immerhin möglich, daß die Angaben der Karte nicht genau stimmen. Es handelt ') Dieser Befehl ist je nach Umständen entsprechend zu modifiziern, wenn angenommen wird, daß der Kommandeur des I. Infanterie-Regiments die an den Kommandeur der bisherigen Avantgarde und den Kommandeur des I. Bataillons ertheilten Befehle persönlich mit angehört hat. 75 sich um einen kräftigen Vorstoß gegen den Westrand des Waldes, wo die Brigade wieder gesammelt wird, bevor sie das freie Aufgabe 47 und 48 Feld betritt. Diesen Anordnungen zufolge bewegt sich die Brigade mit drei Bataillonen in einer Frontausdehnnng von nicht über 1000 Schritt durch den Wald, während zwei Kompagnien zur Sicherung des Rückens und nur zwei Kompagnien als allgemeine Reserve zur Verfügung des Brigadekommandeurs zurückgehalten sind. Es könnte deshalb vielleicht eingewendet werden, daß die Brigade hierdurch zu sehr aus der Hand des Führers gegeben wird. Allerdings läßt sich nicht leugnen, daß eine unmittelbare Einwirkung des Brigadekommandeurs auf die beiden Flügel-Bataillone zunächst wohl nicht leicht möglich ist, andererseits steht aber ebenso fest, daß in diesen schwierigen Walddefileen die in drei Kolonnen durch den Wald marschirende Aufgabe Brigade bedeutend mehr Chancen hat, durchzudringen, als wenn sie """»so in einer Kolonne verbleibt. Gerade hier, wo die Bewegung seitwärts der Wege so schwierig ist, dürfte es Vortheilhaft sein, wenn die Brigade schon in einer gewissen Breite an den Feind gelangt. Stößt sie innerhalb des Waldes auf stärkeren Widerstand, so wird in diesem Terrain und im Abenddunkel die Gefechtsleitung unter allen Umständen beeinträchtigt, mag die Brigade nun in einer oder in drei Kolonnen vorgerückt sein. Das selbstständige Handeln und Zusammenwirken der Unterführer im Sinne des allgemeinen Gefechtsgedankens muß dann die einheitliche obere Leitung ersetzen. Wir üben hier allerdings eine Selbstkritik, hoffentlich aber keine selbstgefällige Kritik, auch wenn wir noch anfügen, daß ebenso die Detailbestimmungen des Brigadekommandenrs im Allgemeinen zu billigen sein dürften. Er instruirt persönlich den Kommandeur des 1. Bataillons des 1. Infanterie-Regiments, da er von der Ansicht ausgeht, daß der dieses Bataillon begleitende Regimentskommandeur deshalb keineswegs den Kommandeur des Bataillons seines Kommandos zu entheben und persönlich die Führung zu übernehmen braucht. Er ordnet überhaupt nicht mehr Details an, als nothwendig ist, um das einheitliche Zusammenwirken aller Theile der Brigade anzubahnen, und überläßt es dem Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments, diese innerhalb seines Befehlsbereichs nach eigenem Befinden zu ordnen, wenngleich auch dieser Kommandeur infolge der eigenthümlichen Verhältnisse nach Kurzem seine Wirksamkeit auf ein Bataillon beschränkt sieht. Das Urtheil des Lesers möge das unsere ergänzen und berichtigen, wen» es damit nicht übereinstimmen sollte. Wir könnten diesen supponirten Befehlen eine weitere Ausdehnung dadurch geben, daß wir entweder an sie anknüpfen und die Anordnungen der einzelnen Unterführer verfolgen oder supponirte Ereignisse der weiteren Thätigkeit des Brigadekommandeurs zu Grunde legen. Im Hinblick darauf, daß bei der hier verfolgten Methode des Studiums die Uebersicht der geschichtlichen Darstellung an sich schon wesentlich leidet, ziehen wir es vor, zu Letzterer zurückzukehren und den leitenden Faden derselben wieder aufzunehmen. „Weitere 600 Schritt waren zurückgelegt, als der Weg sich von Neuem gabelte. Generalmajor v. Wittich war an der Spitze des 1. Infanterie-Regiments nnd ließ die Kolonne von hier aus in zwei Abtheilungen marschiern.') Der 7. Kompagnie, gefolgt von der Großherzogs Leib- (1.) und 4. Kompagnie unter Kommando des Majors Freiherr Rüder v. Diersburg (4. Stabsoffizier), wurde die nordwestliche Marschrichtung angewiesen, der 6. Kompagnie, gefolgt von der 2. und 3. Kompagnie unter Major An schütz (Kommandeur des I. Bataillons), eine mehr westliche Richtung. Beide Kompagnien des 2. Bataillons hatten die Direktion auf das noch anhaltende Mitrailleusenfeuer. Die beiden Halbbataillone des 1. Bataillons sollten in einem Abstände von ungefähr 200 Schritt folgen, das 2. Infanterie-Regiment aber am Kreuzungspunkte als Reserve stehen bleiben." Diese thatsächlichen Anordnungen weichen von den von uns entworfenen nicht unerheblich ab. Wir finden zwar die auch von uns beabsichtigte Theilung der Brigade bestätigt, indeß weder von einer Zurücklassung der Batterie noch der kleinen Bagage etwas erwähnt. DaS Für und Wider in Bezug auf diese Punkte haben wir bereits erörtert. Das Wahrscheinlichste bleibt, daß am 16. August bei der Unmöglichkeit einer vorausgehenden Rekognoszirung die schwierige Beschaffenheit der Waldwege erst erkannt werden konnte, als sie bereits betreten waren und ein Zurückschicken der Geschütze 0 Um den nothwendigen Ueberblick sich zu bewahren, muh hier empfohlen werden, mit Bleistift oder Farbstift ganz flüchtige Skizzen zu entwerfen, aus denen die jeweilige Gruppirung der Truppen in den einzelnen Momenten entnommen werden kann. 77 und Fahrzeuge den Marsch nur aufgehalten hätte.') Was den Marsch der Brigade in zwei statt in drei Kolonnen betrifft, so müssen wir in erster Linie bemerken, daß, wie erwähnt, die hinsichtlich der Waldwege nicht ganz übereinstimmenden Angaben der historischen Quellen von uns mit besonderer Rücksicht auf den Plan beglichen wurden, daß also eigentlich gar nicht feststeht, ob wirklich drei annähernd parallellaufende Wege gegen den Westrand des Bois des Ognons führten. Aber selbst wenn sie, wie auf dem Plane gezeichnet, bestanden, müßten wir uns fragen, wie weit hatte der Brigadekommandeur von diesen Wegen Kenntniß, wie weit konnte er im kritischen Falle der ganzen Sachlage gemäß Kenntniß haben? Diese Fragen entziehen sich aber unserer Beurtheilung, so lange wir nicht eine viel eingehendere Darstellung besitzen, sie müssen also offen bleiben. Im klebrigen ist die rasche Orientirung in einem großen Walde, der nur von wenigen schmalen Wegen durchzogen wird, den der Brigadekommandeur zum ersten Male im Leben betritt, so un- gemein schwierig, daß man es noch lange nicht als einen Fehler bezeichnen dürfte, wenn wirklich einer dieser Waldwege unbenutzt bleiben sollte. Ein anderer Umstand, das Zerreißen der taktischen Verbände beim 1. Infanterie-Regiment, könnte eher Veranlassung zu Bedenken geben. Es wird beim Durchschreiten des Bois des Ognons das 1. Bataillon in zwei, das 2. Bataillon in drei Theile zerrissen und die einzelnen Bruchstücke auf verschiedene Wege dis- ponirt, so daß ein Zusammenfassen derselben vorerst ausgeschlossen ist. Nun soll aber nach den zur Zeit bestehenden Anschauungen jeder Befehlshaber der Aufrechterhaltung der taktischen Verbände unablässige Sorgfalt zuwenden. Dieser Grundsatz scheint hier verletzt, denn beim 1. Infanterie-Regiment hat weder der Regimentskommandeur sein Regiment, noch die Bataillonskommandeure ihre Bataillone mehr in der Hand. Es fragt sich nur, ob diese Zer- splitterung des 1. Infanterieregiments überhaupt vermieden oder beschränkt werden konnte. Die Gefechtsleitung ist jedenfalls um so schwieriger, je mehr Einheiten der Truppenführer mit Befehlen zu versehen hat, auch soll der normale Jnstanzenzug der Befehlserthei- lung wo irgend möglich innegehalten werden. Thatsächlich war die Dämmerung bereits so stark, daß ein« Beurtheilung der Wegbarkeit kaum möglich war. 78 Daß diese Uebelstände nicht völlig zu vermeiden waren, dürfte bereits aus unseren früheren Erörterungen hervorgehen, ob sie aber noch mehr beschränkt werden konnten, läßt sich von unserem Standpunkte und bei unserer keineswegs erschöpfenden Kenntniß aller einschlägigen Details nicht mit Sicherheit beurtheilen, wahrscheinlich war dies jedoch nicht der Fall. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal die ganze Lage. Der in dem engen Walddefilee an der Spitze befindliche Brigadekommandeur muß über die einzelnen Theile der Brigade disponiren, wie sie ihm in der Marschkolonne zur Hand') sind. Die Marschordnung giebt hier in erhöhtem Grade die Grundlage für die weitere Verwendung der Truppen. Als nun der Weg sich gabelt und der Brigadekommandeur sich entschließt, die Brigade von hier aus in zwei Kolonnen marschiren zu lassen, könnte er allerdings den einen Weg dem 1. Infanterie-Regiment, den andern dem 2. Infanterie-Regiment überweisen. Dabei tritt aber sofort eine wesentliche Gefahr auf, die wir nicht unberücksichtigt lassen dürfen. Beide Regimenter winden sich in Reihen durch den engen Waldweg, die Marschkolonne ist also sehr lang, jede einzelne Kompagnie erhält dadurch eine Tiefe von ungefähr 180 Schritt. Wenn nun die an der Tete befindlichen sechs Kompagnien des 1. Infanterie-Regiments den einen Weg verfolgen, so führt der andere vorerst frei bleibende in ihre Flanke, bis sie mit ihrer Queue den Theilungspunkt geräumt haben. Auf beiden Wegen können aber jeden Augenblick feindliche Abtheilungen vorstoßen. Diese Besorgniß drängt sich natürlich dem an der Spitze befindlichen Brigadekommandeur sofort auf, es fragt sich also, ob er im Interesse der Aufrechterhaltung der taktischen Verbände diese Bloßstellung der Flanke für längere Zeit riskiren zu können glaubt. Wenn wir also sehen, daß am 16. August von den beiden vordersten Kompagnien am Theilungspunkt der Wege die eine sofort rechts, die andere links 0 Bei der schwierigen Beschaffenheit der schmalen Waldwege war ein Ausweichen in der Kolonne und ein Vorbeikommen neben der Kolonne fast unmöglich. Die Befehlsübermittelung muhte daher durch Uebertragung an einzelnen geeigneten Punkten stattfinden. Der Brigadeadjutant, Oberlieutenant Mangold, der nach Corny zurückgeschickt worden war, erfuhr auf diese Weise vom Oberstlieutenant Coulmann, der sein 1. Bataillon an der Wegegabelung erwartete, um dasselbe der 7., bezw. der 6. Kompagnie nachzudirigiren, daß General v. Wittich mit der 7. Kompagnie auf dem nordwestlich ziehenden Weg vorreite, und fand ihn auch dort. 79 dirigirt wird, so können wir nicht sagen, daß in der Situation nicht ausreichende Motive dafür lägen, wir müssen iin Gegentheil die Anordnung ganz natürlich finden. Wir haben zwar allerdings in den von uns entworfenen Anordnungen der beregten Gefahr in anderer Weise zu begegnen gesucht, indem wir den Brigade-Adjutanten auf dem vorerst frei bleibenden Wege zur Rekognoszirung vorausschickten. Ob diese Maßregel als ausreichend zu erachten ist, darüber wird man vielleicht verschiedener Ansicht sein können. Jedenfalls dürfen wir nicht außer Acht lassen, daß wir hier auf dem Papier leichter riskiren können, daß wir wohl suchen werden, uns das Gefühl der Verantwortlichkeit vorzustellen, deren volles Gewicht aber doch nicht empfinden. Eine Kritik wäre sonach völlig unzulässig, wohl aber können wir in steter Berücksichtigung dieser Verhältnisse das Für und Wider der einzelnen Eventualitäten uns vor Augen führen. Es wäre deshalb vielleicht noch zu erwähnen, daß wir es vorziehen würden, den beiden vorderen Kompagnien') je ein geschlossenes Bataillon^) folgen zu lassen, sobald erstere sich am Theilungspunkte trennen. Hiermit wären zwar beide Regimenter angebröckelt, hingegen blieben von vier Bataillonen drei in ihren Verbänden intakt/) sowie sechs Kompagnien^) als Reserve zur Verfügung des Brigadekommandeurs. Jeder der beiden Regimentskommandeure hätte ein selbstständiges Wirkungsfeld und vorläufig fünf Kompagnien unter seinem unmittelbaren Kommando. Wenn wir nun nach den Ursachen forschen, die möglicherweise dem im Wege standen, so finden wir zunächst, daß bei dieser Anordnung ein sehr bedeutender Abstand, etwa 850 bis 900 Schritt/) bei einer der beiden Kolonnen zwischen der vorderen Kompagnie und dem nachfolgenden Bataillon sich ergeben würde, sobald die an der Tete befindlichen Kompagnien im Marsch bleiben. Andererseits liegt aber möglicherweise der Keim zur Trennung des 1. Bataillons l. Infanterie-Regiments in Halbbataillone auch in damals allgemein maßgebenden Anschauungen, die inzwischen anderen gewichen sind. Wenn wir in den „Anhaltspunkten über die ,) - 2) ^ und > . «) UNd II. . 5. 8. 4) ^ und 5) 4 Kompagnietiefen in Reihen, (okr. Meckel, Taktik, Seite 182—186.) — 80 gegenseitige Gefechtsweise der deutschen und französischen Armee"') nachforschen, uns überhaupt über die im Feldzuge 1870/71 bei der deutschen Infanterie gebräuchlichen Gefechtsformen näher informiren, so werden wir finden, daß diese vielfach in Halbbataillonen sich bewegte und diese Formation höheren Orts befohlen und anempfohlen war. Der geringen Wirkung der französischen Artillerie gegenüber war diese Formation in vielen Fällen auch vielleicht ganz zweckmäßig, im Geschützbereich der heutigen Artillerie aber gewähren selbst Halbbataillone in Hinsicht auf Verminderung der Breite des Zielobjekts und auf größere Beweglichkeit im Vergleich mit der Kolonne nach der Mitte in Kompagniekolonnen bedeutende Vortheile nichts) Die Fechtweise der Infanterie in Halbbataillonen ist deshalb zur Zeit ein überwundener Standpunkt, wenngleich die bestehenden Vorschriften immerhin die Möglichkeit wahren, zwei Kompagnien, wo es Zweckmäßig erscheint, vorübergehend zu einem Ganzen zusammenzufassen. Das heutige Bataillon ficht in Kompagniekolonnen. Wir glauben dem Studienzwecke damit genügt zu haben, indem wir die Vielseitigkeit in der Verwendung der Brigade, sowie die möglichen und wahrscheinlichen Motive im einzelnen Falle zur Sprache brachten, und kehren nunmehr zur geschichtlichen Darstellung zurück. Zusammenstoß mit dem Feinde. „Die angeführte Beschwerlichkeit der Wege verzögerte den Vormarsch, weshalb der Brigadekommandeur, mit der 7. Kompagnie reitend, eifrigst antrieb, da er, wenn irgend möglich, vor Eintritt völliger Dunkelheit die jenseitige Lisiere noch erreichen wollte. Die vorderen Kompagnien waren von ihm angewiesen, dort zuerst verdeckte Aufstellung zu nehmen, bis er nach Lage des Gefechts weitere Anordnungen treffen würde. 0 okr. Scherf, Die Theilnahme der Großh. Hessischen (25.) Division an dem Feldzug 1870/71. 2) Exerzir-Reglement für die Infanterie, Z. 111. 81 Die Dunkelheit hatte schon sehr zugenommen, als General v. Wittich mit dem Kompagnieführer (Oberlieutenant Freiherr v. Stein zu Lausnitz) hinter der Spitze der 7. Kompagnie anlangte. Bei dem Austritt auf einen abgeholzten Bergabhang, wo sich die beiden Wege der 6. und 7. Kompagnie wieder vereinigten, einige Hundert Schritt von der Lisiere, erhielt die Spitze der 7. Kompagnie auf eine Entfernung von ungefähr 80 Schritt plötzlich ein heftiges Jnfanteriefeuer. Das Pferd des Oberlieutenant v. Stein wurde sofort durch vier Schuß getödtet, auch fielen einige Leute. Der Feind war wahrscheinlich durch das laute Antreiben aufmerksam geworden. Dies unerwartete Feuer hatte die Kompagnie stutzig gemacht und einzelne Leute fingen an das Feuer blindlings zu erwiedern, während der Feind in einer vorliegenden Lichtung dichte Schützen- schwärme zeigte." Das hier hervortretende Bestreben des Brigadekommandeurs, sobald als möglich an den Westrand des Waldes zu gelangen, kann wohl nur anerkannt werden, selbst wenn durch den beschleunigten Marsch der Tete die in Reihen befindliche Marschkolonne etwas gelockert und deren Ordnung beeinträchtigt würde. Hat die Brigade einmal am Westrand des Bois des Ognons festen Fuß gefaßt, so kann in aller Ruhe das Ausschließen ihrer Theile abgewartet werden, während der Brigadekommandeur sich über die Gefechtslage orientirt und über die weitere Verwendung der Brigade schlüssig macht. Die auch von uns beabsichtigte Maßregel, die Brigade am Westrand des Waldes in sich zu versammeln, bevor sie das freie Terrain betritt, finden wir durch die ganz analoge thatsächliche Anordnung des Generals v. Wittich als zweckmäßig bestätigt. Als aber die rechte Flügelkolonne, bei welcher sich der Brigadekommandeur persönlich befindet, noch innerhalb des Bois des Ognons auf den Feind trifft, verändert sich die Situation in etwas. Ob es unter diesen Verhältnissen noch möglich sein wird, den Westrand des Waldes zu erreichen und in das außerhalb desselben entbrannte Gefecht einzugreifen, scheint fraglich und wird von dem Verlaufe des sich nun entwickelnden Waldgefechts abhängen. Jedenfalls erheischt die ganze Sachlage raschen Entschluß. Fragen wir uns also, was Aufgabe ist nun zu thun? sr und s Wir können uns dabei entweder auf den Standpunkt des Brigadekommandeurs oder des Kompagnieführers stellen. Fassen wir ersteren Die 49. Jnf. Brig. bei Vionville — Mars la Tour. 6 82 ins Auge, so ist klar, daß der vorläufig ganz unbedeutende Zusammenstoß nicht die allgemeinen Absichten des Brigadekommandeurs beeinflussen darf. Welche Dimensionen das Gefecht hier annehmen wird, läßt sich allerdings momentan nicht übersehen, der Brigadekommandeur wird aber unbeirrt das ursprünglich beabsichtigte Ziel im Auge behalten müssen, so lange nicht zwingende Umstände ihn nöthigen, davon abzustehen. In welcher Weise das Gefecht lokal zu führen ist, wird wesentlich durch die Beschaffenheit des Waldes bedingt.') Ist letzterer licht und gangbar, so kann die Teten-Kompagnie sich seitwärts des Weges ausdehnen und das Feuergefecht aufnehmen, unter dessen Schutz die Hinteren Abtheilungen ausschließen. In weiterer Folge kann dann mit den nah herangezogenen geschlossenen Abtheilungen zum frontalen Anlauf übergegangen oder auch versucht werden, durch Verlängerung der eigenen Gefechtslinie vorerst einen oder beide Flügel der feindlichen Aufstellung zu umfassen. Ist aber das Gestrüpp zu beiden Seiten des Weges so dicht, daß selbst Schützen nicht durchzudringen vermögen, so erübrigt nichts, als zu versuchen, mit der vordersten Kolonne durch energischen Anlauf den Gegner niederzurennen, was bei der kurzen Entfernung, die ihn trennt, keineswegs aussichtslos ist. In diesem Falle kann entweder ein augenblicklicher Entschluß zu Grunde liegen und die Teten-Kompagnie sich vom Fleck aus mit Hurrah zur Attacke auf den Feind werfen, oder der Entschluß ist erst das Resultat einer längeren Ueberlegung und die Kompagnie nimmt vorläufig eine beobachtende, abwartende Stellung. Selbst wenn der sofortige Vorstoß ausschließlich der Initiative des Aufgabe S3. Kompagnieführers entspränge und, wie leicht möglich, abgewiesen würde, dürfte der Brigadekommandeur ihn nicht tadeln und das Element der Kühnheit dadurch beeinträchtigen. Man vergesse nicht, daß es sich hier keineswegs um ein rücksichtsloses Vorrücken in freiem, vom Feinde beherrschtem Terrain, sondern nur um einen kurzen entschlossenen Anlauf handelt, und daß in dem unübersichtlichen Waldterrain das moralische Element doppelt wirksam ist. Wir wollen uns aber wie bisher auf dem Standpunkte des Brigadekommandeurs erhalten und von diesem aus die aufgeworfene Frage zu beantworten versuchen. -) oll. Mecket, Taktik, Seite 213—220. 83 Ist der Brigadekommandeur 'ein Mann von lebhaftem Temperament, so genügt ein kurzes Avertissement desselben, um den Kompagnieführer zum sofortigen Angriff zu veranlassen; möglicherweise stürzt sich der General selbst an der Spitze der Kompagnie sofort aus den Feind. Ist dies aber nicht der Fall und macht sich das Bedürfniß nach ruhiger Ueberlegung in erster Linie bei ihm geltend, so wird er vielleicht abwarten wollen und einem ungestümen Vorwärts- streben sogar entgegentreten. Beide Wege können zum Ziele führen, beide sind richtig und entsprechen der Sachlage. Es kommen hier eben die Eigenthümlichkeiten der Individualität zum Ausdruck. Wir würden uns mehr dem letzteren Verfahren zuneigen, wobei wir allerdings nicht außer Acht lassen dürfen, daß der gewaltige momentane moralische Eindruck sich für uns nicht geltend machen kann. Der General wirk also dem Kompagnieführer vielleicht zurufen, zu halten und sich zu decken. Das ist bei den vorliegenden Terrainverhältnissen ausführbar. Bleibt die weitere Frage, was nun? Jetzt können leicht verschiedene Zweifel aufsteigen, indeß — ein Entschluß muß gefaßt werden. Ist es besser, mit der geschlossenen Kompagnie in der Reihenkolonne vorzustürmen, oder soll man versuchen, zu beiden Seiten des Weges auszuschwärmen und in dem dichten Unterholz dort vorzudringen? Ist letzteres überhaupt möglich? Beides sind jedenfalls schwierige Aufgaben und bei den Friedensübungen der Kompagnie vielleicht noch gar nicht vorgekommen. Ein sofortiges Handeln ist indeß nicht unbedingt nothwendig, das Vorrücken der Nebenkolonne wird sich bald fühlbar machen, die Hinteren Kompagnien schließen inzwischen auf, und wenn auch der vorgeschrittenen Tageszeit wegen nicht viel Zeit zu verlieren ist, so kommt es doch auf einige Minuten gewiß nicht an. Wir glauben also, der Brigadekommandeur wird dein Kompagnieführer vielleicht sagen: „Schicken Sie rasch einige Patrouillen zu beiden Seiten des Weges im Gehölz vor, um zu sehen, ob man dort ausgeschwärmt durchkommen kann und wie weit sich die feindliche Aufstellung vor uns ausdehnt!" und wird sich die Sache dann weiter überlegen. Wir vindiziren ihm hierbei etwa folgenden Gedankengang. Die ganze tiefe Kolonne auf dem schmalen Waldwege kann ich nicht zum gleichzeitigen Vorwärtsstürmen bringen, die einzelne Kompagnie ist schon nahezu ein paar Hundert Schritt lang und ein physischer 6 * 84 Druck der Hinteren Kompagnien auf die vorderste unmöglich. Was ich seitwärts des Weges ausschwärmen lasse, kommt — falls überhaupt dort durchzukommen ist — wahrscheinlich völlig aus der Hand der Führung und wird sich vielleicht zu einem lebhaften Feuergefecht, nicht sicher aber zu einem kräftigen Anlauf bewegen lassen. Es bleibt also nichts übrig, als einen Versuch zu machen- und von beiden Uebeln zuerst das kleinere zu wählen. Gelingt es der vordersten Kompagnie nicht, durch ihren Anlauf den Gegner zum Weichen zu bringen, so wird versucht, aufgelöst im Gehölz vorzudringen; geht auch das nicht, so muß das Avanciren der Nebenkolonne Luft schassen. Jedenfalls ist klar, daß nur ein schnelles rücksichtsloses Vorgehen Bahn brechen kann, will man sich nicht durch vielleicht schwächere feindliche Abtheilungen von seinem Ziele abbringen lassen. Während dem werden bei der Kompagnie die befohlenen Patrouillen vorgeschickt und die Verwundeten weggeschafft. Auch wird die vielleicht etwas gelockerte Ordnung hergestellt. Der Umstand, daß gleich bei den ersten Schüssen einige Leute sielen, giebt zu der gewiß recht interessanten Frage Veranlassung, wie hier sich wohl der Aufgabe S4. Sanitätsdienst regeln wird, eine Frage, die wir aber getrennt behandeln wollen. Wir kehren mithin zur geschichtlichen Darstellung zurück, um bei ihr Belege für oder gegen unsere Anschauungen zu finden. „General v. Wittich befahl, nicht zu schießen, zu halten und sich seitwärts des Weges aufzustellen. Dem nachfolgenden Halb- bataillon aber ertheilte er den Befehl, mit lautem Hurrah gegen die Position des Feindes zu stürmen und begab sich dann links zur 6. Kompagnie. Diese war infolge der Ueberraschung eine Strecke zurückgegangen, kam aber auf einer Waldblöße zum Stehen. Das dieser nachfolgende Halbbataillon war bereits im Vorrücken und erhielt wegen der Dunkelheit ebenfalls den Befehl, nicht zu schießen, sondern mit Hurrah zu stürmen." Diese Thatsachen bestätigen wohl die Berechtigung unserer soeben entwickelten Motive. Ein rücksichtsloses Draufgehen wird im Waldgefecht und namentlich bei beginnender Dunkelheit selbst gegen einen an Zahl überlegenen Gegner in sehr vielen Fällen zum Ziele führen. Ebenso wird man es völlig gerechtfertigt finden, daß der General sich nun zur Nebenkolonne begiebt, um auch diese zu energischem Vorwärtsgehen zu veranlassen. Bei der rechten Flügelkolonne sind seine Absichten bekannt, deren Ausführung ist Sache der unteren 85 Führer. Wie die Verhältnisse vor der Front der linken Flügel- Aufgabe ss. kolonne liegen, kann der General von dem bisher verfolgten Wege aus nicht übersehen, er hat keine Zeit, auf Meldungen von dort zu warten, und es ist also ganz natürlich, daß er sich persönlich zu ihr begiebt. Kntivickelting des Gefechts bei der linken IMgel- Kolonne der Wrigade. „Bei der linken Flügelkolonne konnte Major Anschütz, welcher mit der 2. und 3. Kompagnie der 6. Kompagnie auf 200 Schritt folgen sollte, bei dem dichten Gehölz die Marschrichtung nicht wahrnehmen und drang links der letzteren quer durch den Wald vor. Während die 6. Kompagnie, durch das plötzliche Feuer überrascht, einige Zeit zum Halten kam, rückte die 2. (Hauptmann Römheld) mit einem schwachen Schützenzug an der Tete weiter vor. Das Gehölz wurde später so dicht, daß Hauptmann Römheld absteigen mußte, um mit den Schützen nur mühsam vordringen zu können. Major Anschütz folgte mit der 3. Kompagnie (Hauptmann Pirscher) als Reserve." Den Anordnungen bei der linken Flügelkolonne liegt der bestimmte Befehl des Brigadekommandeurs „nicht zu schießen, sondern mit Hurrah zu stürmen" zu Grunde. Bevor der General diesen Befehl ertheilt, ist jedoch bei der an der Tete befindlichen 6. Kompagnie eine Episode eingetreten, die sicher nicht den Wünschen des Brigadekommandeurs, wohl aber der Natur des Krieges entspricht. Wenn wir uns in die ganze Lage der Kompagnie hineindenken, wie sie in einer langen dünnen Kolonne auseinandergezogen im Abenddunkel auf dem schmalen Waldwege vorrückt, erinüdet vom langen Marsche, und nun plötzlich auf kurze Entfernung von heftigem Feuer empfangen wird, wir würden sicher ungerecht urtheilen, wenn wir der Kompagnie einen Vorwurf daraus machen wollten, daß sie etwas in Unordnung geräth und eine Strecke zurückgeht. Solche Erscheinungen') zeigen sich im Kriege bei jeder Truppe, und nicht nur 0 ekr. Meckel, Taktik, Seite 199. 86 das — sie wiederholen sich auch, ohne den schließlich«! Erfolg zn beeinträchtigen. Die Schwächen der menschlichen Natur treten im Kriege wie im Frieden vielfach an die Oberfläche und thörichte Illusion wäre der Glaube, sie völlig ausschließen zu können. Darin liegt noch keine Gefahr. Steckt ein guter Kern in der Truppe, ist sie disziplinirt, so gelangt der gewohnte Einfluß des Führers bald wieder zur vollen Geltung, der momentane moralische Eindruck der Ueberraschung wird schnell überwunden, und wenige Minuten später stürzt sich dieselbe Truppe mit äußerster Energie auf den Feind. Wir sehen denn auch im vorliegenden Falle, wie die Kompagnie aus sich selbst heraus bald wieder zum Halten gelangt, ohne daß es hierzu der Einwirkung eines höheren Vorgesetzten bedürfte. Der Führer wird zunächst die Ordnung wieder herstellen und dann die Aufgabe 56 . Kompagnie von Neuem vorführen. Die 6. Kompagnie wäre aber voraussichtlich auch ohnedem sehr bald zum Halten gekommen, da die 2. und 3. ihr auf 200 Schritt folgen sollten. Sache des Majors Anschütz war es dann, die zunächst befindlichen Mannschaften der 6. Kompagnie zum Stehen zu bringen und durch energisches Vorwärtsgehen mit allen drei Kompagnien das moralische Element neu zn beleben. Der Darstellung gemäß scheint indeß der ursprünglich beabsichtigte Abstand von 200 Schritt sich vergrößert zu haben oder das Halbbataillon des 1. Bataillons bereits vom Wege seitwärts abgewichen zu sein, als die 6. Kompagnie vom feindlichen Feuer überrascht wird. Wir ersehen ferner, daß die Bewachsung hier weniger dicht ist, so daß Infanterie auch seitwärts des eingeschlagenen Weges durchzukommen vermag. Unter diesen Umständen muß das Vorrücken der 2. und Aufgabe 57. 3. Kompagnie links von der 6. seitwärts des Weges durchaus Vortheilhaft erscheinen, mag es nun zufällig sich ergeben, wie die Darstellung angiebt, oder von Seiten des Majors Anschütz oder auch des Brigadekommandeurs veranlaßt sein. Versuchen wir nun, uns wiederum auf den Standpunkt des Letzteren zu stellen. Ueber sämmtliche verfügbaren Theile des 1. Infanterie-Regiments ist bereits disponirt, auf dem rechten Flügel stehen drei Kompagnien (7., 1., 4.) unter Major Freiherr Nöder v. Diersburg, auf dem linken ebenfalls drei Kompagnien (6., 2., 3.) unter Major Anschütz im Gefecht. Von dem detachirten Halbbataillon des 1. Infanterie-Regiments (5., 8.) wird der Brigadekommandeur zur Zeit keine Nachricht haben; vom Walde aus läßt sich nicht übersehen, ob es schon an der Queue des 2. Infanterie- Regiments eingetroffen oder noch weiter zurück ist. Die Anordnungen sind bei den vorliegenden Umständen sehr einfach und bestehen nur aus wenigen Worten. Werfen wir für den Studienzweck die Frage auf, welche Erwägungen dürften wohl für den Brigadekommandeur auf Grund der Aufgabe 58 . bisher entwickelten Situation in Betracht kommen. In einem Walde, der so dicht bewachsen ist, wie das Bois des Ognons, ist eine einheitliche Leitung von vornherein ausgeschlossen. In solchen Fällen muß, wie schon früher bemerkt, eine berechtigte Selbstständigkeit der unteren Führer die höhere Führung ergänzen.') Die Brigade ist zunächst auf beiden Flügeln isolirt; über die Stärke des Feindes läßt sich noch kein bestimmtes Urtheil gewinnen. Will man die ursprüngliche Absicht festhalten, so muß der Versuch, den Feind aus dem Walde zu werfen, gewagt werden. Ein zwingender Grund, diese Absicht aufzugeben, liegt aber keineswegs vor. Ob es dem bereits engagirten 1. Infanterie-Regiment gelingt, den Gegner zum Weichen zu zwingen, wird sich nun zeigen, jedenfalls muß das 2. Infanterie-Regiment zur unmittelbaren Unterstützung desselben bereitgestellt werden. Größere Umgehungsbewegnngen zu unternehmen, ist für heute keine Zeit mehr. Wo das 2. Infanterie- Regiment einzusetzen ist, wird hier wesentlich durch die Gangbarkeit des Waldes bedingt. Das kann also nur der Augenschein lehren. Auf dem linken Flügel hat sich bereits gezeigt, daß dort seitwärts des Weges durchzukommen ist. Wäre das auf dem rechten Flügel auch der Fall, so könnte man aus jedem der beiden Wege ein Bataillon des 2. Infanterie-Regiments vorschicken und den Rest der Brigade, die frühere Seitendeckung/) noch in Reserve halten. Diese Erwägungen dürften zur sofortigen Unterstützung des linken Flügels durch das Teten-Bataillon des 2. Infanterie-Regiments führen, während der Rest der Brigade noch so lange zurückgehalten werden kann, bis auch auf dem rechten Flügel festgestellt ist, ob man dort seitwärts des Weges sich auszudehnen vermag. In seiner gegenwärtigen Aufstellung am Kreuzungspunkt der Wege i) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 313 und 314; Meckel, Taktik, Seite 276-281. 88 ist das 2. Infanterie-Regiment sicher zu weit entfernt, um eine baldige wirksame Unterstützung zu bieten, wenn auch im Waldgefecht und speziell hier bei der defileeartigen Beschaffenheit der wenigen Wald- Aufgabe 59. Wege eine vorschnelle Entscheidung bei den vorderen Abtheilungen nicht zu befürchten ist. Wenden wir uns deshalb wiederum dem Gefecht auf dem rechten Flügel der Brigade zu. Durchführung des Gefechts bei der rechten Ilügel- Kolonne der Hrigade. „Bei der rechten Flügelkolonne waren inzwischen die 7. Kompagnie und das zur Unterstützung herangekommene Halbbataillon des Majors Freiherr Röder v. Diersburg (1., 4.) nicht im Stande gewesen, den Feind aus seiner Stellung zu vertreiben. Oberlieutenant Freiherr v. Stein zu Lausnitz versuchte dreimal mit der 7. Kompagnie mit Hurrah auf dem schmalen Waldweg stürmend vorzudringen; dies scheiterte jedoch jedesmal an dem heftigen Feuer des Feindes." Diese Darstellung zeigt, daß auf dem rechten Flügel das Aeußerste versucht wird, um hier durchzuringen. Die Durchführung einer Bajonettattacke, ein schmales Defilee entlang, gegen einen mit Hinterladern bewaffneten, in gedeckter Stellung befindlichen Gegner ist gewiß eine der schwierigsten Aufgaben, die einer Infanterie-Kompagnie gestellt werden kann. Daß diese Aufgabe dreimal zu lösen versucht wird, beweist große Zähigkeit und eine wohldisziplinirte Truppe. Andererseits zeigt sich aber auch die große Stärke einer frontalen Feuervertheidigung der Infanterie. Aufgabe eo. Als Nebenaufgabe können wir hier die Frage aufstellen, was bei der rechten Flügelkolonne geschehen wird, nachdem der frontale Anlauf der Teten-Kompagnie zu keinem Resultat führt. Die Lösung ist hier sehr einfach, man wird versuchen, seitwärts des Weges im Gehölz vorzudringen, um die feindliche Ausstellung zu umfassen, wenn auch das Gehölz sehr dicht erscheinen und bei der Wahr- 89 scheinlichkeit, daß die dazu beorderten Abtheilungen völlig aus der Hand gerathen, eine gewisse Scheu dagegen bestehen mag. Sollte das Gehölz aber so dicht sein, daß es unmöglich ist, durchzukommen, so bleibt nichts übrig, als vorläufig eine beobachtende Stellung einzunehmen und den Erfolg der linken Flügelkolonne abzuwarten. Dann aber ist ein Nachführen von Verstärkungen auf diesem Flügel nicht angezeigt und nachteilig. Sind diese Absichten begründet, so wird voraussichtlich die weitere geschichtliche Darstellung damit in Einklang sich befinden. „Auch der Versuch, Abtheilungen der Großherzogs - Leib- Kompagnie (1.) zur Seite des Weges im Walde zu detachiren, um die linke Flanke des Feindes zu gewinnen, führte wegen der Un- durchdringlichkeit des Dickichts zu keinem Resultat?) Der Feind (Garde-Chasseurs) hatte in einem Steinbruch gedeckte Aufstellung genommen. Major Freiherr Röder v. Diersburg überzeugte sich, daß es nicht möglich war, in dem dichten Gehölze weiter vorzudringen und behielt deshalb die Abtheilungen in der eingenommenen Stellung auf dem Wege." Wir ersehen also, daß die Terrainverhältnisse hier die Entwickelung stärkerer Kräfte verbieten und der Schwerpunkt des Kampfes deshalb auf den linken Flügel zu verlegen ist. Nachdem die Gang- barkeit des Waldes zu beiden Seiten der eingeschlagenen Wege hinlänglich aufgeklärt ist, kann nunmehr über die in Reserve verbliebenen Theile der Brigade disponirt werden. Es wäre also wohl das andere Bataillon des 2. Infanterie-Regiments dem bereits vor- beorderten Teten-Bataillon dieses Regiments nachzuschicken, während das bis dahin voraussichtlich Angetroffene Halbbataillon des 1. Regiments^) am Kreuzungspunkt der Wege noch als eine Reserve für Aufgabe ei. alle Eventualitäten verbleiben könnte. Die Kompagnie kam am 16. August nicht zum Feuern. 2) Die frühere Seitendeckung, — W — Durchführung des Gefechts bei der linken Flügel- kolonne der Hrigade. „Als die Schützen der 2. Kompagnie auf einem Waldweg ankamen, der in mehr nördlicher Richtung das Gehölz durchzieht, wurden sie von einem heftigen Feuer überrascht und dadurch zum Feuern ihrerseits in der Richtung des Schalles verleitet. Um diesem planlosen Erwiedern des feindlichen Feuers in das Dickicht hinein ein Ende zu machen und dem Bordringen ein bestimmtes Ziel zu geben, sammelte Hauptmann Römheld unter Zustimmung des inzwischen herangekommencn Bataillonskommandeurs trotz heftigem Feuer des Feindes rechts vorwärts und L ulloval des genannten Waldweges seine Kompagnie und stürmte dann mit Hurrah eine inzwischen durch eine Flügelpatrouille gemeldete weiter vorwärts liegende kleine Barrikade, welche der Feind aus Reiserbündeln und Spaltholz errichtet und besetzt hatte. Die Franzosen (Garde-Chasseurs und Garde-Voltigeurs) wichen zurück. Die 2. Kompagnie verlor 5 Todte und 12 Verwundete." Wie die Darstellung zeigt, erfolgt nun auch hier auf dem linken Flügel der Vorstoß einer Kompagnie, hervorgegangen aus der Initiative eines der Unterführer. Derartige isolirte Vorstöße einzelner Truppen- theile sind nun im Allgemeinen gewiß zu vermeiden; man wird, wenn irgend möglich, immer größere Massen zu einem entscheidenden Stoße zusammenzufassen suchen. Hier walten indeß ausnahmsweise Verhältnisse ob. In dem dichten Unterholz vermag keiner der höheren Führer einen nennenswerthen Theil der Gefechtslinie zu übersehen, noch weniger aber ist er im Stande, einen größeren Bruchtheil derselben einheitlich vorzuführen. Ueberdieß liegen die Chancen für das Gelingen an den einzelnen Stellen sehr verschieden. Wir haben vorher gesehen, daß es aus dem rechten Flügel nicht gelang, durch energischen Vorstoß den Gegner zum Weichen zu bringen. Günstiger liegen jedenfalls die Verhältnisse für die 2. Kompagnie, da sie nicht in der Reihenkolonne vorzustürmen braucht und ihr Anlauf in dem hier weniger dichten Gehölz erfolgen kann. Gelingt es aber, an irgend einer Stelle ein Loch in die feindliche Ausstellung zu machen und sich hier festzusetzen, so werden die übrigen Theile der feindlichen Gefechtslinie, die im dichten Gehölz und in der Dunkelheit die Lage nicht übersehen, wohl aber das Feuer hören, 91 sich in Flanke und Rücken bedroht fühlen. Wir müssen hier also das offensive Borgehen einzelner Bruchtheile der Gefechtslinie unbedingt anerkennen, hier erhält der Satz des Exerzir-Rrglements für die Infanterie:') „Die Führer der vordersten Abtheilungen übersehen meist am besten, wo es möglich ist, sich eines nächsten Abschnitts im Terrain zu bemächtigen und handeln dabei, sobald sie mit dem Feinde engagirt sind, auf eigene Verantwortung" seine volle Bedeutung. Wünschenswcrth und nothwendig ist dabei, daß alle seitwärts und rückwärts befindlichen Abtheilungen, die das Hurrah hören, die überhaupt merken, daß vorn ein Anlauf stattfindet, sich daran zu betheiligcn streben und so rasch als möglich der Einbruchsstelle zueilen. Was in dieser Richtung geschah, wird voraussichtlich die weitere geschichtliche Darstellung ergeben. „Der Angriff dieser Kompagnie (der 2.) war von den auf gleicher Höhe stehenden und weiter rückwärts im Vorrücke» begriffenen Abtheilungen des 1. und 2. Infanterie-Regiments mit Energie aufgenommen worden. Als General v. Wittich znr linken Flügelkolonne sich begab, traf er bereits Abtheilungen des 2. Infanterie- Regiments im Vordringen links vorn 1. Infanterie-Regiment." Wir sehen mithin, wie von den übrigen in der Nähe befindlichen Abtheilungen der Brigade ganz sachgemäß verfahren wird. Nachdem man sich nunmehr mit dem Gegner in unmittelbarer Berührung befindet und die schmalen Waldwege verlassen hat, bieten sich den einzelnen rückwärtigen Abtheilungen in der Regel keine anderen Anhaltspunkte für ihre Direktion als der mehr oder minder lebhafte Schall des Gcwehrfeuers und das Ertönen des eigenen oder gegnerischen Hurrahs. Versetzen wir uns wiederum auf einige Zeit in die Lage des Kommandeurs der 49. Infanterie-Brigade. Die von seinem Standpunkte aus anzustellenden Erwägungen haben wir bereits srüher dargelegt. Auf welchem Wege General v. Wittich zur linken Flügelkolonne gelangt, läßt sich aus der geschichtlichen Darstellung nicht entnehmen; schwierig mag es jedenfalls sein, auf dem engen und mit Truppen dicht gefüllten Waldwege zu ihr zu gelangen. Quer durch den Wald zu reiten wird noch weniger angängig sein. Als der Brigadekommandeur zur linken Flügelkolonne gelangt, findet er bereits Theile des 2. Infanterie-Regiments im Vorrücken links vom 1. Infanterie-Regiment. Allerdings stimmt diese Bewegung mit den gegen- -) 8- UO. 92 wärtigen Absichten des Generals überein, doch war das 2. Regiment in die Reserve der Brigade disponirt und hätte dem Begriff einer Reserve gemäß nicht ohne speziellen Befehl des Brigadekommandeurs ins Gefecht treten dürfen. Im Kriege giebt es indeß keine Regel ohne Ausnahme. Auch der Führer eines zur Reserve bestimmten Truppentheils kann in die Lage kommen, selbstständig und ohne Befehl ins Gefecht zu treten. Traf beispielsweise, während das 2. Regiment am Kreuzungspunkt der Waldwege in Reserve stand, aus östlicher Richtung die Meldung ein, daß stärkere feindliche Kräfte von der Straße Gravelotte—Ars s. M. her auf die Plaine de Geai debouchirten oder in den östlichen Theil des Bois des Ognons eingedrungen seien, so war der Regimentskommandeur unbedingt völlig berechtigt, über sein Regiment zur Abwehr der drohenden Gefahr sofort selbstständig zu verfügen. In einem solchen Falle mußte indeß an den Brigadekommandeur gleichzeitig Meldung geschickt werden. Ein solcher Ausnahmefall ist hier aber nicht gegeben, das 2. Infanterie-Regiment ist anscheinend zur Zeit in keiner Weise bedroht. Wir dürfen uns indeß die Verhältnisse im Rücken des 1. Infanterie- Regiments nicht so glatt vorstellen, als sie sich hier auf dem Papier ausnehmeu. Schon beim Empfang der ursprünglichen Befehle können Irrthümer und Mißverständnisse vorgekommen sein, man ist beim 2. Infanterie-Regiment über den Verlauf des Gefechts vielleicht mehr beunruhigt, als bei den vorderen Abtheilungen. Meldungen laufen ein, richtige und falsche, der Brigadekommandeur ist mit dem Teten-Regiment auf den dunklen Waldwegen verschwunden, nur der Schall des im Walde wiederhallenden Gcwehrfeuers deutet an, wo das Gefecht steht. So kann es sich ganz leicht ereignen, daß man rückwärts eine schleunige Unterstützung des Tetenregiments für geboten hält und der Kommandeur des Reserve-Regiments schließlich dazu gelangt, über sein Regiment oder Theile desselben zu diesem Zwecke zu disponiren. Die Charaktere der handelnden Persönlichkeiten kommen natürlich dabei wesentlich in Betracht. Das Alles sind indeß nur Möglichkeiten. Thatsächlich sind wir nicht in der Lage, festzustellen, aus welchen Gründen das Reserve- Regiment frühzeitig links vom l. Infanterie-Regiment erschien.') Der Fall selbst aber bietet uns Gelegenheit, klar zu legen, wie eine Re- Auch ist nicht ausgeschlossen, daß das 2. Infanterie-Regiment vom Divisionskommandeur oder Brigadekommandeur Befehl zum Vorgehen erhielt, wenn auch die geschichtliche Darstellung nichts hiervon erwähnt. 93 serve nur unter ganz ausnahmsweisen Verhältnissen ohne speziellen Befehl ins Gefecht treten darf. Der Brigadekommandeur wird nun über die im Vorrücken begriffenen Theile des 2. Infanterie-Regiments zu disponiren haben. Ferner dürfen wir nicht vergessen, daß beim Eintritt in das Bois des Chevaux und Bois des Ognons die 1. schwere Batterie (Hauptmann Reh) dem 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments gefolgt war') und hinter ihr das 2. Bataillon des Regiments marschirte. Dahinter müssen wir uns außerdem die frühere linke Seitendeckung*) im Nachrücken denken. Der Brigadekommandeur wird über diese einzelnen Truppen- theile in dem engen Waldwege nur nach Maßgabe dessen verfügen können, wie sie vorkommen, da die vorderen den Weg zu den Hinteren versperren. Seine diesbezüglichen Anordnungen dürften etwa Aufgabe 62 wie folgt lauten: 1) Befehl an den Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments, mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons unter der Voraussetzung, daß Oberst Kraus sich mit dem Batteriechef an der Tete des Regiments befindet. Drei Kompagnien des 1. Infanterie-Regiments sind hier auf dem Wege und links seitwärts davon bereits im Gefecht. Biegen Sie mit Ihrem Regiment links vom Wege ab, um den linken Flügel der Gefechtslinie zu unterstützen und ohne langes Feuergefecht im Walde vorzudringen, der hier gangbarer zu sein scheint, als auf den anderen Punkten. 2) Befehl an den Batteriechef der 1. schweren Batterie (Hauptmann Reh), mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons unter der Voraussetzung, daß der Batteriechef sich mit Oberst Kraus an der Tete des 2. Infanterie-Regiments befindet. Wie die Verhältnisse liegen, ist keine Aussicht, Ihre Geschütze noch heute zu verwerthen. Führen Sie die Batterie nach der Plaine de Geai zurück und erwarten Sie dort weiteren Befehl. Lassen Sie die Zugänge zu dieser Waldblöße durch ') Die Zurücklassung der Batterie außerhalb des Waldes bezrv. auf der Plaine de Geai geschah nur bei Gelegenheit einer supponirten Aufgabe. 94 Aufgabe 63, 64, 65 und 66. Infanterie beobachten, ich werde Ihnen von dem nachmarschi- renden Bataillon einen Zug als Partiknlarbedecknng überweisen lassen. Sollte die Lage dort gefährlich werden, so gehen Sie auf die Kettenbrücke von Corny zurück. 3) Befehl an den Kommandeur des 2. Bataillons 2. Infanterie- Regiments, mündlich ertheilt innerhalb des Bois des Ognons. Ueberweisen Sie einen Zug Ihres Bataillons als Par- tikularbedeckung an die Batterie hier. Derselbe tritt bis auf Weiteres unter den Befehl des Batteriechefs. Diese Befehle veranlassen uns zu nachstehenden Erwägungen. Wenn wir die Lage der ganzen Brigade ins Auge fassen, so zeigt sich, daß nunmehr sämmtliche Bataillone derselben engagirt sind. Die einzige Reserve bilden zwei Kompagnien des 1. Infanterie- Regiments, die frühere linke Seitcndeckung?) Auch diese werden, im Nachrücken begriffen, voraussichtlich dem 2. Infanterie-Regiment folgen, sofern sie nicht durch speziellen Befehl an irgend einer Stelle festgehalten werden?) Fraglich erscheint es, ob wir gut daran gethan haben, das ganze 2. Infanterie-Regiment nunmehr einzusetzen. Bekanntlich soll jeder höhere Führer bestrebt sein, im Gefecht so lange als möglich eine Reserve seiner Verfügung vorzubehalten, um allen Eventualitäten entgegentreten zu können. Zwei Kompagnien als Reserve einer Brigade ist aber sehr gering bemessen. Eine unrichtige Anwendung dieses Prinzips könnte sich indeß sehr nachtheilig erweisen. Wir dürfen hier nicht außer Acht lassen, daß das Gefecht bereits an zwei Stellen engagirt ist, ohne vorwärts zu schreiten, daß bereits der Abend dämmert und daß es also hohe Zeit ist, Terrain zu gewinnen und den Rand des Waldes zu erreichen, bevor die Nacht dem Kampfe ein Ende macht. Die wünschenswerthe Reserve muß hier in den übrigen Truppen der Großherzoglichen Division gesucht werden, die so weit als möglich znr Verwendung zu bringen Sache des Divisionskommandeurs bleibt?) Das frühzeitige Einsetzen des 2) Dies geschah in einer von uns supponirten Disposition. Siehe und vergl. Seite 74. Diese kann hier nicht in Betracht kommen, nachdem nun der thatsächliche Verlauf der Dinge verfolgt wird. 2) Inwieweit das möglich ist, soll hier nicht untersucht werden. 95 2. Infanterie-Regiments auf dem linken Flügel der Brigade dürfte deshalb völlig gerechtfertigt sein. Was die Art der Verwendung betrifft, so bleibt dem Regimentskommandeur dabei ein sehr großer Spielraum gewahrt. Das ist indeß ganz natürlich. Der Brigadekommandenr ist über die Details gar nicht orientirt und kann in dem dichten Gehölz nicht überall herumreiten. Doch hat er sich überzeugt, daß auf dem linken Flügel noch am besten durchzukommen ist, er überläßt dem Regiment die Art der Ausführung, indem er nur die allgemeine Aufgabe desselben in wenig Worten zusammenfaßt. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf die ganze Brigade und da ist es gewiß gut, sich aller unnützen Details zu entschlagen, die sich jeden Augenblick ändern können und hier im Walde doch nicht übersehen lassen. Wenden wir uns wiederum der kriegsgerichtlichen Darstellung zu. „Die Kompagnien des 1. Bataillons des 2. Infanterie- Regiments unter Major Gräff waren mittlerweile hinter der linken Kolonne des 1. Infanterie-Regiments vormarschirt und in Kompagniekolonnen auseinandergezogen worden. Hingegen war die 1. schwere Batterie (Hauptmann Reh), welche dem 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments gefolgt war, zurückdirigirt worden, da sich ergab, daß eine Verwendung derselben unmöglich*) sei. Vom 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments, welches bis dahin hinter der Batterie marschirt war, wurden die 5. (Hauptmann Rau) und 8. Kompagnie (Hauptmann Riede!) unter Major Hoffmann dem Halbbataillon Anschütz nachgesendet, während die 6. und 7. Kompagnie von Oberst Kraus als Reserve zurückbehalten wurden und sich mit der nachrückenden 5. und 8. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments vereinigten. Oberlieutenant Heydacker mit einem Halbzug der 6. und Oberlieutenant Kißner mit einem Halbzug der 7. Kompagnie waren jedoch schon so weit vorausgeeilt, daß der Befehl zum Anschluß an das Halbbataillon des Majors Hahn^) sie nicht mehr erreichte. Auch diese beiden Abtheilungen folgten dem Halbbataillon des Majors Hoffmann. Der größere Theil der Brigade war somit in verschiedenen Gruppen bestrebt vorwärts zu kommen und den Waldrand 9 Um der Infanterie Platz zu machen und sie vorbeizulassen, mußten die Geschütze abgeprotzt seitwärts in den Wald gedrückt werden. Für den Rückmarsch mußte jedes einzelne Fahrzeug durch Mannschaften Kehrt gedreht werden, b. 8. 96 zu gewinnen, aber die Dunkelheit und das dichte Gestrüpp, welches alle Versuche von Flankenbewegungen vereitelte, waren sehr hinderlich. Jede einheitliche Leitung ging verloren und bald zeigte sich, daß unter diesen Umständen eine weitere Fortsetzung des Gefechts keinen Nutzen versprach." Wie wir sehen, werden nunmehr von den acht verfügbaren Kompagnien des 2. Infanterie-Regiments sechs auf dem linken Flügel der Brigade ins Gefecht gebracht. Dies stimmt im Wesentlichen mit „dem von uns entworfenen Befehl an den Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments. Daß dieser sich vorläufig noch zwei Kompagnien als Reserve zu seiner Verfügung vorbehält, ist völlig gerechtfertigt. Kein Kommandeur, dem eine selbstständige Aufgabe zu Theil wird, darf sofort seine sämmtlichen Kompagnien aus der Hand geben, auch hier genügt es, die Reserve so nahe heranzuhalten, daß sie in wenigen Minuten einzugreifen vermag. Die Angabe, daß das Teten- Bataillon des 2. Infanterie-Regiments sich nun in Kompagniekolonnen auseinanderzieht, weist von Neuem darauf hin, daß der Wald hier wesentlich lichter ist, wenngleich die Bewegung geschlossener Abtheilungen immerhin sehr schwierig sein mag. Was die hier im Waldgefecht anzuwendenden Formationen') betrifft, so liegt auf der Hand, daß eine dünne Schützenlinie wohl nur sehr wenig Chancen hat, der energische Vorstoß einer größeren zusammengehaltenen Abtheilung wird sie fast immer sprengen. Man wird also die Kompagnien so weit als möglich zusammenhalten und nur dort eine dichte Schützenlinie auflösen, wo die Bewachsung des Waldes die Bewegung geschlossener Abtheilungen verbietet. Die Auflösung zu einem dichten Schützenschwarm entsteht dann von selbst. Die Darstellung zeigt ferner, wie auflösend alle Detachirungen wirken. Wir haben bereits früher gesehen, wie die linke Seiten- deckung^) von ihrem Bataillon und Regiment völlig getrennt wird, nun lösen sich auch noch zwei Halbzüge der 6. und 7. Kompagnie 2. Infanterie-Regiments aus ihrem organischen Verbände. Bei weiterer Durchführung des Gefechts ist eine Mischung dieser Abtheilungen mit anderen Verbänden gar nicht zu vermeiden und wird die im Waldgefecht an sich so schwierige Gefechtsleitung dadurch noch I) okr. Wecket, Taktik, Seite 216 und 217. » 97 mehr erschwert. Diese Erscheinung dürfte wohl darauf hinweisen, alle Detachirungen bei der Infanterie so weit als irgend möglich zu beschränken?) Im vorliegenden Falle jedoch läßt sich durchaus nicht sagen, daß die Detachirung der beiden Halbzüge eine unberechtigte gewesen sei. Der untere Führer, der über die ganze Lage nicht ausreichend orientirt ist, wird sich sehr oft genöthigt sehen, zur Aufklärung und Sicherung kleinere Abtheilungen zu entsenden, die bei genauer Kenntniß der Situation sich als ganz überflüssig erweisen. Das läßt sich nur vermeiden, wenn eine rechtzeitige und ausreichende Orientirung der Unterführer möglich war und erfolgt ist. Daß unter den obwaltenden Umständen eine einheitliche Gefechtsleitung nicht mehr durchführbar ist, können wir uns sehr leicht vergegenwärtigen. Das ist ja bei den meisten Waldgefechten der Fall. Steckt nur ein tüchtiger Kern in der Truppe, besitzt sie den erforderlichen Elan, so wird sie schon vorwärts kommen. Eine besondere Gefahr erwächst der Brigade jedenfalls daraus nicht, denn auch beim Gegner wird es nicht besser sein. Ob das angestrebte Gefechtsziel — Eingreifen in das Gefecht westlich des Bois des Ognons — sich noch erreichen läßt, ist freilich eine andere Frage. Das muß sich nun in Kurzem zeigen. Unsere Absicht, die Batterie zurückzuschicken, wird durch den Verlauf der Thatsachen gerechtfertigt. Völlig ungefährdet ist die Batterie auch auf der Plaine de Geai nicht?) indeß steht zu erwarten, daß sie dort binnen kurzer Zeit durch die anderen im Nachrücken begriffenen Abtheilungen der Division gesichert wird. Gehen wir nun etwas näher auf die Details des Gefechtes ein. „Von dem 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments war die 2. Kompagnie (Hauptmann Bals er) unter Veränderung ihrer Marschdirektion nach halbrechts vorgegangen, während Major Grafs mit okr. Meckel, Taktik, Seite 101—103. 2) Es könnte deshalb sehr leicht die Absicht hervortreten, die Batterie bis an die Kettenbrücke von Novsant oder doch mindestens bis Ste. Catherine an der Straße Novsant-Gorze zurückzuschicken. Indeß ist zu berücksichtigen, daß der enge Waldweg, auf dem die Brigade vorgerückt war, durch die nach- marschirenden Truppen der Großherzoglichen Division versperrt sein wird. Desgleichen wird auch die Straße Novsant—Gorze durch nachrückende Truppen in Anspruch genommen sein. Es bleibt unter diesen Umständen wohl nichts Anderes übrig, als die Batterie und sämmtliche Truppenfahrzeuge vorläufig auf der Plaine de Geai zu belassen. Die 49. Juf. Brig. bei Vionville —Mars la Tom. 7 98 Aufgabe S7. der 3. (Hauptmann Kröll) und links davon der 4. Kompagnie (Hauptmann Leiß) vorrückte. Die Leib-Kompagnie (Hauptmann Ramstädter) folgte der 2. Kompagnie. Als die 3. und 4. Kompagnie an das Halbbataillon Anschütz herangekommen waren, drang Major Gräff mit den Schützen der 3. Kompagnie nach vorausgegangener Besprechung mit Major Anschütz weiter vor und erreichte die Abtheilung unter Hauptmann Römh eld. Auch die 2. Kompagnie, welche mit der Leib-Kompagnie nach rechts marschirt war, fand noch Gelegenheit, in das Gefecht einzugreifen. Hauptmann Baiser, der aus dem Feuer in dem Gehölze erkannte, daß noch weiter rechts diesseitige Infanterie (die rechte Marschkolonne unter Major Freiherr Röder v. Diersburg) im Gefecht war, ließ nach dieser Richtung Hinmarschiren; er selbst ging mit den Schützen unter Lieutenant Kraus mit Hurrah vor. Der Feind antwortete mit heftigem Feuer (Lieutenant Kraus, 2 Unteroffiziere, 7 Mann wurden verwundet, 4 Mann getödtet), zog sich aber alsbald zurück. Theile des Schützenzugs der 2. Kompagnie unter Portepeefähnrich Naumann hatten gleichzeitig die Verbindung mit der 6. Kompagnie des 1. Infanterie- Regiments hergestellt. Zur Rechten der 2. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments war unterdessen auch eine Abtheilung der 6. Kompagnie dieses Regiments vorgedrungen. Dortselbst befand sich auch Lieutenant Sold an mit einem Zug der 3. Kompagnie des gleichen Regiments, um die Verbindung zwischen der 2. und 6. Kompagnie zu unterhalten." Diese Angaben führen uns die Schwierigkeiten eines Waldgefechts von Neuem vor Augen. Als das 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments sich in Kompagniekolonnen auseinanderzieht, läßt sich wohl noch kein bestimmter Befehl hinsichtlich des Eingreifens der Kompagnien geben. Der Aufmarsch in Kompagniekolonnen in einem Treffen hat unter den obwaltenden Umständen Vieles für sich. Zunächst wird dadurch erreicht, daß das Bataillon von Anfang an in einer erheblichen Frontbreite ins Gefecht tritt, seine Einwirkung also eine kräftige und ziemlich gleichzeitige wird. Dann aber kommt in Betracht, daß nun Raum zur Entwickelung gefunden ist, den man ohne Zeitverlust benutzen muß. Die von Seiten des Bataillonskommandeurs zu treffenden Anordnungen dürften sich mithin darauf beschränken, die Kompagnien mit mäßigen Zwischenräumen nebeneinander zu entwickeln, eine Kompagnie als Richtnngskompagnie zu bestimmen und dann den 99 Vormarsch in der Richtung auf den Schall des Gewehrfeuers anzutreten. Bei einem solchen Marsch giebt es verschiedene Friktionen, die man sich vergegenwärtigen muß, um ihre Folgen ermessen zu können. Zunächst steht fest, daß alle Bewegungen der Richtungskompagnie mit Rücksicht auf die Bewegungen der übrigen Kompagnien ausgeführt werden müssen, wenn nicht Ordnung und Zusammenhang des ganzen Bataillons darunter leiden sollen. Eine geringe Frontveränderung der Richtungskompagnie bedingt beispielsweise für die auf dem äußeren Flügel befindlichen Kompagnien das Zurücklegen einer größeren Raumstrecke, während die übrigen Kompagnien kurz treten oder halten müssen. Stürzt die Richtungskompagnie rücksichtslos weiter, ohne sich um die anderen Kompagnien, welche einen weiteren Weg zurückzulegen haben, zu bekümmern, so ist Unordnung, Verwirrung und Durcheiuanderkommen der Abtheilungen die nothwendige Folge. Der Bataillonskommandeur wird also die Bewegungen der Richtungskompagnie persönlich überwachen. Trotzdem bleiben bei einer so einfachen Sache noch Schwierigkeiten genug. In der Aufregung des nahen Gefechts achten vielleicht die einzelnen Kompagnien zu wenig aus einander, jede strebt vorwärts zu kommen, vielleicht treffen einige von ihnen auf noch schwierigeres Terrain, auf noch dichteres Gehölz und bleiben zurück oder schieben sich seitwärts. Unter solchen Umständen können wir uns nicht wundern, wenn eine Gliederung in einem oder in mehreren Tressen unhaltbar wird und die Bataillone in einzelne Bruchtheile zerfallen. Hier trennt sich das 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments in zwei gleich starke Hälften,') welche sich rechts und links neben die bereits engagirten Abtheilungen des 1. Infanterie-Regiments schieben und deren Flügel verlängern. Zwei neue Kompagnien^) treten hierdurch in die Lücke zwischen der rechten und linken Flügel- kolonne der Brigade. Die Darstellung zeigt, wie trotz der Zersplitterung der Bataillone die Vorstöße der einzelnen Kompagnien so ziemlich ineinander greifen, was vielleicht eine Folge der guten Verbindung und des gegenseitigen Anschlusses in vorderer Linie ist. Sie zeigt ferner, wie die Stabsoffiziere bemüht sind, im Einvernehmen zu handeln und wie für die nach halbrechts gelangten Theile des 1. Bataillons 2. Ju- ') 1 . 2 . 2 . und 3 . 4 . 2 . 2 . 3 . 6 . 1 . t.2. 2 ." 100 fantcrie-Regiments der Schall des Gewehrfeuers bei der rechten Flügelkolonne bestimmend wird. Wenden wir uns nunmehr dem andern Bataillon, dieses Regiments zu. „Bom 2. Bataillon waren die 5. und 8. Kompagnie im Vormarsch geblieben. Die erstere drang mit schlagendem Tambour in raschem Tempo vor und erreichte gleichzeitig mit der 3. Kompagnie desselben Regiments die 2. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments, nachdem die Letztere von der Barrikade Besitz genommen hatte. Die 8. Kompagnie war infolge des dichten Holzes nicht mehr an die vordere Linie herangclangt, als das Gefecht abgebrochen wurde. Nachdem Major Grafs durch Lieutenant Sartorius von der 3. Kompagnie des 2. Infanterie-Regiments, welchen er von der Barrikade aus mit einer Patrouille vorgesendet, in Erfahrung gebracht hatte, daß das dichte Gehölz eine Umgehung des Feindes nicht gestatte, gab er dem Major Anschütz hiervon Nachricht. Der Feind hatte sich, nachdem er noch einige Zeit das Feuer gegen die Barrikade unterhalten, inzwischen jenseits des an der Westseite des Bois des Ognons herziehenden Grundes zurückgezogen. Das Feuer wurde von der 2. Kompagnie anfangs erwidert; da jedoch die Dunkelheit jedes Zielen unmöglich machte, wurde das Gefecht abgebrochen, nachdem es nunmehr allgemein verstummte." Das 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments gelangt, wie sich zeigt, zu keiner erheblichen Gefechtsthätigkeit mehr. Während die 6. und 7. Kompagnie als Reserve zurückgehalten werden, verstärken die 5. und 8. die Mitte der Gefechtslinie des linken Flügels. Eine eigentliche Treffengliederung ist unter den obwaltenden Verhältnissen nicht möglich, doch haben sich im Verlauf des Kampfes insofern von selbst zwei Treffen gebildet, als einzelne Kompagnien aus verschiedenen Gründen hinter den anderen zurückblicken. Die Gefechtsfront entbehrt deshalb nicht der erforderlichen Tiefe, umso mehr als außerdem dahinter eine Reserve von vier Kompagnien') bereit ist. Die Gefechtsgruppe auf dem rechten Flügel der Brigade besteht in erster Linie aus der dahinter im 2. Tressen die ^ und Bei der Gefechtsgruppe des linken Flügels folgen sich von 2) Von Neuem muß hier darauf hingewiesen werden, durch Entwurf ganz flüchtig gezeichneter Skizzen die jeweilig« Situation sich zu vergegenwärtigen. 101 rechts nach links im 1. Treffen die ^ 77 ' dahinter im 2. Treffen die ^ und Die Kompagnien des 2. Infanterie-Regiments sind mithin in die des 1. Regiments eindoublirt, außerdem aber die einzelnen Bataillone untereinander gemischt. Daß unter solchen Umständen die einheitliche Leitung im Waldgefecht aufhört, bedarf keiner Begründung. Da der dem linken Flügel der Brigade gegenüber befindliche Feind die bisher behauptete Aufstellung räumt und sich hinter die tiefe Schlucht zurückzieht, welche den Westrand des Bois des Ognons entlang läuft, so wäre nunmehr ein neuer Angriff gegen diese Stellung erforderlich. Die bisher gegen Nordwesten gerichtete Front würde dadurch, soweit die linke Flügelgruppe in Betracht kommt, eine mehr westliche, mithin eine unbedeutende Linksschwenkung erforderlich. Dann aber wäre die rechte Flanke einem feindlichen Vorstoß aus nördlicher oder nordöstlicher Richtung dargeboten, was deshalb bedenklich erscheint, da dort der rechten Flügelgruppe ein Feind gegenüber steht, dessen Stärke und Aufstellung sich nicht übersehen läßt. Ein solcher Vorstoß könnte sogar in den Rücken der linken Flügclgruppe führen, und müßte sich diese also jedenfalls dagegen sichern. Diese Erwägung kam möglicherweise für die thatsächliche Leitung des Gefechts nicht in Betracht, da der hierzu nöthige Ueberblick der Situation sich vielleicht nicht gewinnen ließ. Die Gefechtsleitung ist ja überhaupt sehr beschränkt, mit den durcheinander gekommenen Abtheilungen ist ein neuer Angriff in der Dunkelheit nicht so leicht einzuleiten, da die einzelnen Bruchtheile der Brigade auf weiten Raum zerstreut und wenig direktionsfähig sind. Selbst wenn es gelingen sollte, den Feind noch eine Strecke zurück zu drücken, bliebe dieser Erfolg unter den obwaltenden Umständen unfruchtbar. Vortheilhafter erscheint es, die Brigade für den kommenden Tag wieder gefechtsfähig hinzustellen, um schon in den ersten Morgenstunden für alle Eventualitäten bereit zu sein. Aufgabe 68. 102 Abbrechen des Gefechts. „Das Mitrailleusenfeuer war schon seit Ertönen des Hurrahs nicht mehr zu vernehmen gewesen, auch das feindliche Jnfanteriefeuer wurde immer schwächer und hörte endlich fast ganz auf. Bei der nun völlig eingetretenen Dunkelheit erschien ein ferneres Gefecht zwecklos, und Major Anschütz ließ deshalb alle vorderen Abtheilungen des linken Flügels zum Sammeln an eine lichtere Stelle des Waldes zurückmarschiren. Nur Hauptmann Römheld behielt mit seiner Kompagnie zur Sicherung die Barrikade noch eine Zeit lang besetzt. Auch auf dem rechten Flügel hatte fast gleichzeitig Major Freiherr Röder v. Diersburg den Rückmarsch zum Sammeln antreten lassen." Wie sich zeigt, erlischt nunmehr das Gefecht im Bois des Ognons. Wenn wir uns in die ganze Lage hinein zu denken versuchen, uns die Dunkelheit vergegenwärtigen, das dichte Gehölz, in dem Freund und Feind selbst auf wenige Schritte sich nicht unterscheiden lassen, so wird uns auch klar, wie ein Gefecht unter solchen Umständen von selbst erlöschen kann. Der Feind ist eine Strecke zurückgegangen, über seine neue Aufstellung weiß man fast nichts. In der eigenen Gefechtslinie aber weiß man von dem, was beabsichtigt wird, von den daneben und dahinter befindlichen Abtheilungen auch nicht sehr viel. Keiner der Führer übersieht die ganze Lage, die Einwirkung jedes einzelnen beschränkt sich auf die wenigen Mannschaften, die sich in seiner Nähe befinden. Schickt man einzelne^Leute ab, um den unteren Führern Befehle zu überbringen, so werden diese Führer meist nicht gefunden; auch die Befehlsüberbringer finden nur schwer wieder zurück. Unter solchen Umständen ist das Meiste dem Zufall anheimgegeben, und muß es als ein besonderes Glück noch betrachtet werden, wenn die eigenen Abtheilungen in einer sehr erklärlichen Aufregung sich nicht gegenseitig beschießen. Die Mehrzahl der Unterführer bekommt das Gefühl, daß nicht viel mehr zu machen ist und das Risiko in keinem Verhältniß zu dem etwa möglichen Erfolge steht. Sie werden also meist abwarten, wenn eine Anregung durch höhere Vorgesetzte fehlt. Eine solche Anregung sehen.'wir in weiterer Folge jedoch eintreten. Die Majore Anschütz und Freiherr Röder v. Diers- 103 bürg gewinnen die Ueberzeugung, daß eine Fortsetzung des Gefechts unter diesen Umständen keinen Nutzen verspricht. Selbstständig treffen sie auf eigene Verantwortung hin diejenigen Anordnungen, welche sie Aufgabe der Lage entsprechend halten. Aber auch das Zurückdirigiren der^und?«. Truppen zum Sammeln ist hier mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden. Versuchen wir, uns dasselbe auf dem linken Flügel der Brigade etwas näher zu vergegenwärtigen. Hier befindet sich Major Auschütz bei der 2. und 3. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments, links von ihm steht Major Gräff mit der 3. und 4. Kompagnie des 2. Regiments, beide Stabsoffiziere sind bereits wiederholt unter sich in Verbindung getreten. Zunächst handelt es sich darum, wo gesammelt werden soll. Wäre der ganze Wald gleichmäßig dicht mit Unterholz bewachsen, so bliebe nichts Anderes übrig, als Alles auf den Weg zu dirigiren, den mau vormarschirt ist, und nach der Plaine de Geai zurückzugehen. Aus der Darstellung geht jedoch hervor, daß eine weiter rückwärts gelegene lichte Stelle des Waldes für geeignet zum Sammeln befunden wird, die man wahrscheinlich schon im Vormarsch bemerkt hat. Das Sammeln dort ist vorzuziehen, denn die Plaine de Geai ist etwas weit entfernt. Vortheilhaft ist, daß wenigstens die einzelnen Kompagnien in sich so ziemlich beisammen, theilweise sogar geschlossen in der Hand sind. Wir glauben also, daß Major Anschütz zunächst die Kompagniechefs der ^ und mit Befehlen versehen, seinen Adjutanten zu Major Gräfs schicken und sich dann selbst zu dem Halbbataillon des Majors Hoffmann') begeben wird, dessen Teten-Kompagnie^) die erreicht hat. Dann wird er sich voraussichtlich gegen den nördlich befindlichen Fußweg wenden, in dessen Nähe die zu finden ist, und von dort aus durch einzelne Offiziere und Unteroffiziere die nördlich dieses Weges fechtenden Kompagnien benachrichtigen lassen, daß rückwärts zunächst des Weges, auf dem man vorkam, gesammelt wird. Allerdings sind dabei Mißverständnisse nicht völlig ausgeschlossen, manche Abtheilungen werden den Befehl doppelt erhalten, manche werden den Sammelplatz erst nach längerem Suchen finden, es kann auch vorkommen, daß einzelne Abtheilungen gar nichts erfahren oder die Orientirung völlig verlieren und umherirren. Wirksame Mittel, solche Uebelstände sicher zu ver- / lOck meiden, giebt es aber nicht; je weniger die Verbände vermischt sind, um so eher wird eS gelingen. Vorthcilhaft dürfte dabei sein, wenn die einzelnen Kompagnien angewiesen werden, auch ihrerseits die neben und hinter ihnen befindlichen Abtheilungen zu benachrichtigen, um die Absicht des rückwärts Saunuelns zu möglichst allgemeiner Kenntniß zu bringen. Die Kompagnien werden nun in sehr verschiedener Reihenfolge auf dem Sammelpunkte eintreffen. Sie erhalten den Befehl zum Sammeln zu ganz verschiedenen Zeiten, einzelne rangircn sich vielleicht an Ort und Stelle, andere marschircn ab, ohne das Einrücken detachirtcr Abtheilungen abzuwarten. Manche müssen etwa halten und warten, weil andere sich von der Seite her vor sie schieben, einzelne Stabsoffiziere fassen vielleicht ihre Halbbataillone vorerst zusammen. Wie hier die Verhältnisse liege», dürfte sich möglicherweise nachstehende Reihenfolge') ergeben: ", " , ", 1', Das 1. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments findet sich also schon während dcS Rückmarsches zufällig wieder zusammen, auch das 2. Bataillon dieses Regiments ist bald vereinigt, da die frühzeitig eintreffen und die rückwärts bereit stehen. Nehmen wir weiter an, daß Major Freiherr Rödcr v. Dicrsburg fast gleichzeitig mit der rechten Flügelkolonne am Sammelpnnkte eintrifft, so würden später die beiden Bataillone des 1. Infanterie-Regiments ziemlich gleichzeitig kvmplet werden, da von beiden je eine Koni pagnie") sich an der Queue der sammelnden Abtheilungen befindet. Den Kern für die aus der Gefcchtslinie zurückkehrenden Truppen- thcile und einzelnen Mannschaften bildet die bisherige Reserve der Brigade, rcgimcnterwcisc getrennt aufgestellt. Nachdem hier daö Sammeln bei bereits völlig eingetretener Dunkelheit und im Waldtcrrain stattfindet, dürfte wohl die Vermuthung nicht ganz »»berechtigt erscheinen, daß eS ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen wird, bis die ganze Brigade wieder völlig geordnet ist. Auch wird eS sich vielleicht empfehlen, schon während >) Er ist bei dieser Supposition die Zeitfolge der von Major Anschütz zu ertheilenden Befehle und die Länge der zum Sammelpunkte zurückzulegenden Strecken berücksichtigt. 2 . t. 7 . 1 . und de» Sammeln- eine oder ein paar Kompagnien zur Sicherung aufzustellen. um während des RangirenS nicht gestört zu werden. Der Befehl hierzu würde vom Brigadekommandeur oder den bctheiligten >-f,ab« 7l. Regimentskommandeuren auszugehen haben. Sehen wir nun. in wie weit der selbststLndig gefaßte Entschluß zum Abbrechen des Gefechts «us,ab«7r. mit den Absichten der höheren Führer übereinstimmt. „Diese Anordnungen entsprachen vollständig den Intentionen des Brigadekommandeurs, welcher unterdessen zurückgeritten war. Auf einem hinterlicgcnden Aushau traf General v. Wittich den komman- direnden General und den Divisionskommandeur. Da das Nachlassen deS feindlichen FeuerS. die Unübersichtlichkeit deS Waldes und die hereingebrochen Dunkelheit einen Abschluß des Gefechts verlangten, so befahl Prinz Ludwig, ohne Feuer» mit kräftigem Hurrah sowie dem Ruf: Deutsch! Deutsch!') einen Vorstoß zu machen, in der Hoffnung, auf diese Weise einen vom Feinde gesäuberten Raum vor den aufzustellenden Vorposten zu erhalten. Mit Einwilligung des Prinzen und deS kouimandireuden Generals ertheilte dann General v. Wittich den Befehl zum allgemeinen Rückmarsch behufs Sammelns der Brigade. Das Sammeln der beiden Infanterie-Regimenter erfolgte da. wo die vier Reserve Kompagnien Aufstellung genommen hatten. Die 5. Kompagnie des 2. Jnfanterie-RegimentS wurde beauftragt, eine Ausnahmestellung für die aus der vorderen Linie zurückkehrenden Abtheilungen zu nehmen. Nachdem die letzte Kompagnie, Hauptmann Römheld, auf dem Sammelplatz der Brigade angelangt war, wurden Vorposten ausgestellt. Nach Anordnung des Divisionskommandeurs sollte die Brigade, wo sie stand, biwakiren, die bisher nachgefühlte Batterie hingegen zu dem Rest der Division nach der Plaine de Geai zurückgezogen werden." Wir sehen also, daß auch die höheren Führer gleichzeitig oder fast gleichzeitig mit den unteren Führern zu der Ueberzeugung gelangen, daß eine Fortsetzung deS Gefechts aussichtslos ist. Der Brigadekommandeur ist hier nicht selbstständig, sondern an die Befehle seines Divisionskommandeurs gebunden. Völlig korrekt dürfte e» daher sein, wenn er nun diesen letzteren aufsucht, ihm Meldung7,. >1 Da man nicht wußte, ob nicht auch versprengt« Teutsche auf die diesseitigen Truppen schoflen. — 106 — über den Stand des Gefechts abstattet und sich eventuell weitere Befehle erbittet. Daß er in Abwesenheit des Divisionskommandeurs auch befugt wäre, selbstständig das Abbrechen des Gefechtes anzuordnen, unterliegt keinem Zweifel. Unter allen Umständen aber wird es nun erforderlich, mit dem Divisionskommandeur ins Benehmen zu treten, um möglichst bald zu erfahren, was nun geschehen soll. Für die weitere Verwendung der Brigade wird nicht ausschließlich das hier soeben zu Ende gehende Gefecht maßgebend sein, sondern höhere Verhältnisse kommen in Betracht, die der Brigadekommandeur möglicherweise nicht zu übersehen vermag. Wir lesen beispielsweise, daß der Divisionskommandeur den Befehl gab, die Brigade solle, wo sie stand — also im Walde — biwakiren. Die wahrscheinlichen Motive dieser Anordnung sind nicht schwer zu finden. Es mag wohl in Betracht gekommen sein, daß man ein Terrain, das man fechtend gewonnen, nicht gern freiwillig wieder räumt, dann aber — und dieser Punkt liegt völlig außerhalb des Gesichtskreises des Brigadekommandeurs — ist die für ein größeres Biwak besser gceignere Plaine de Geai durch die im Nachrücken begriffenen übrigen Theile der Division in Anspruch genommen. Ueber die Brigade ist sonach im Sinne einer vorgeschobenen Avantgarde disponirt, deren Ausstellung das Biwak der Division in der am meisten gefährdeten Richtung sichert. Unsere früheren Erwägungen und Anordnungen, nämlich das Sammeln bei der Reserve der Brigade und die Sicherung des Sammelns durch eine hierzu vorgeschobene Kompagnie, finden wir durch die geschichtliche Darstellung bestätigt. Die Gründe, welche vorlagen, zu letzterem Zweck die 5. Kompagnie des 2. Infanterie- Regiments zu wählen, bleiben uns allerdings verborgen, doch ist dies unwesentlich. Vielleicht bestimmt der viel beschäftigte Vorgesetzte die Kompagnie, die ihm zufällig am ersten unter die Hand geräth; das ist in vielen Fällen für solche Details ein völlig ausreichendes Motiv. Nützlicher wird eine andere Aufgabe sein, die sich aus der Situation ergiebt, die Frage nämlich, welche Erwägungen über das Aufgabe 74. Resultat des soeben beendeten Gefechts wohl den Brigadekommandeur beschäftigen werden. Die ursprünglich angestrebte Absicht — Eingreifen in das Gefecht westlich des Bois des Ognons — hat sich infolge des Widerstandes, auf den man im Walde stieß, nicht realisiren lassen. Die 107 49. Infanterie-Brigade wurde vielmehr in ein schwieriges Waldgefecht verwickelt, welches schließlich ohne Entscheidung erlosch. Es gelang zwar, den Gegner eine kurze Strecke zurück zu drücken, weitere Erfolge zu erringen verhinderte die mittlerweile eingebrochene Dunkelheit und die unvermeidliche Auflösung im Waldgefecht. Trotzdem könnte man nicht behaupten, daß das Gefecht der Brigade nutzlos gewesen sei. Unzweifelhaft verhinderte das Engagement derselben innerhalb des Waldes die dort nunmehr gebundenen feindlichen Kräfte gegen die westlich davon im Kampfe befindlichen Truppen wirksam zu werden. Wie stark der gegenüber befindliche Feind gewesen ist, dürfte sehr schwer zu schätzen sein. Das Gesammtresultat der weiter westlich ausgekämpften Schlacht bleibt dem Brigadekommandeur vorläufig ebenso unbekannt. Nur im Zusammenhange der ganzen Schlacht aber kann der Werth des Gefechts der 49. Infanterie-Brigade im Bois des Ognons ermessen werden. Mwak und Vorpostenstelluug der Hrigade. Maßregeln nach dem Gefecht. „Inzwischen war es 10 Uhr geworden. Das 2. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments stand auf dem nach Gravelotte (Steinbruch) führenden Waldweg, links davon das 1. Bataillon dieses Regiments und daran anschließend das 2. Infanterie-Regiment mit der Front nach Nordwcsten so, daß der rechte Flügel der Stellung zurückgezogen war. Es währte bis gegen 114/2 Uhr Nachts, bis sich die Regimenter auf dem Sammelplätze formirt hatten." Auch nach Beendigung des Gefechts ist der Brigadekommandeur Aufgabe 75 . noch vielfach beschäftigt. Seine Sache ist es, den Biwakplatz der Brigade auszuwählen und anzuweisen, die erforderlichen Anordnungen behufs Sicherung des Biwaks zu treffen, für die Verwundeten, für Verpflegung und Munitionsergänzung zu sorgen, ferner über das beendete Gefecht an die vorgesetzte Dienstesstelle zu berichten. Am dringlichsten sind die Anweisung des Biwakplatzes und die Anordnungen zu dessen 108 Sicherung, denn die ermüdeten Truppen bedürfen der Ruhe. Die Wahl des Biwalplatzes ist hier sehr einfach. *) Wir wissen aus der früheren geschichtlichen Darstellung, daß Major An schütz die Truppen zum Sammeln an eine lichtere Stelle des Waldes zurückschickte, ferner daß der Divisionskommandeur auf einem hinterlegenden Aushau den Befehl ertheilte, die Brigade solle, wo sie steht, biwakiren. Eine solche Stelle im Walde ist noch am besten zum Biwakplatz geeignet, auch bewegt sich die Wahl infolge des genannten Befehls nur innerhalb sehr enger Grenzen. Dem allgemeinen Grundsätze, wenn thun- Aufgabe lich nur in einem Tressen zu biwakiren, kann genügt werden, auch ve und 77. ^ Grund vorhanden, von der normalen Biwakform der Bataillone in Kolonne nach der Mitte abzuweichen. Der benöthigte Biwakraum für die vier Bataillone der Brigade würde mithin etwa 830 Schritt Breite und 360 Schritt Tiefe betragen. Aufgabe 78 . Schwieriger sind die Anordnungen für die Sicherung. 2) Wie hier die Verhältnisse liegen, ist eine Annäherung des Feindes von fast allen Seiten her möglich. Die Anwesenheit desselben ist zwar bisher nur in nordwestlicher und nördlicher Richtung, wohin auch die Front des Biwaks gerichtet ist, konstatirt, doch ist östlich die Nähe der Straße Gravelotte—Ars s. M. gefährlich, westlich eine ziemlich breite, mit Wald bedeckte Lücke bis zu den an der Straße Gorze—Rezonville im Gefecht gewesenen Truppen des Generals v. Barnekow. Im Rücken gewährt das allmälig erfolgende Eintreffen der übrigen Truppentheile der Großherzoglichen Division bald ausreichende Sicherheit. Die in den Terrainverhältnissen liegende Gefahr verliert indeß bei näherer Betrachtung viel von ihrer Bedeutung, wenn man erwägt, daß stärkere Massen des Gegners sich in diesem dicht bewachsenen Terrain bei Nacht nicht so unbemerkt bewegen können. Kleinere Abtheilungen können nicht gefährlich werden, da die Truppe in keiner Weise erschüttert ist. Dringt der Gegner vor, so muß ihm in diesem unübersichtlichen Terrain in st okr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, IV.; Bronsart v. Schellen- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 404—409; Meckel, Taktik, Seite 119—127. 2) olr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, 0.; Meckel, Taktik, Seite 128 bis 151. 109 offensiver Weise entgegengetreten werden. Das Einfachste dürfte daher sein, nach der Front und den Flanken einzelne Kompagnien auf kurze Entfernung vorzuschieben, welche sich in gleicher Weise durch einzelne Züge sichern und das nächste Umterrain durch Patrouillen dauernd beobachten. Da hier vier Bataillone in einer Linie lagern, so könnten die beiden Flügelbataillone je eine Kompagnie nach der Flanke detachiren, während die mittleren Bataillone mit je einer Kompagnie die Sicherung der Front übernehmen. Jeder Kompagnie siele sonach die Sicherung, einer Strecke von ungefähr 400 Schritt zu, was sie auch bei Nacht und im Walde Wohl zu leisten vermag. Diese Vorpostenstellung weicht nun zwar ganz erheblich von einer normalen Vorpostenstellung ab, indeß walten hier auch ganz ausnahmsweise Verhältnisse ob. Je näher man am Feinde ist, desto mehr schließt sich die Aufstellung der Vorposten der Aufstellung fürs Gefecht an. Von einem übermäßigen Kräfteverbrauch für die Vorposten kann nicht die Rede sein, da die Bequemlichkeit in den hinter liegenden Biwaks keine wesentlich andere ist. Hingegen bietet das Zusammenhalten der organisch zusammengehörenden taktischen Einheiten, wenn es zum Gefecht kommen sollte, großen Vortheil. Für die Sicherung der Flanken der auf der Plaine de Geai lagernden Truppenteile zu sorgen, ist Sache dieser selbst. Was die Herbeischaffung von Verpflegung und Biwaksbedürfnissen') betrifft, so liegen die Verhältnisse außerordentlich ungünstig. Die etwa bei der kleinen Bagage befindlichen Lebensmittelwagen sind weit entfernt, der eiserne Bestand mit den Tornistern ist an der Aufgabe ?s. Moselbrücke von Corny zurückgeblieben. Fühlbarer noch als der Hunger wird sich nach dem heißen Sommertage der Durste geltend machen. Aber zur Herbeischasfung von Wasser wird es an geeigneten Gefäßen fehlen, da die Feldkochgeschirre voraussichtlich mit den Tor- Aufgabe 8v. lüstern zurückgelassen wurden. Immerhin wird man versuchen müssen, unter dem Schutze besonderer Sicherungs-Abtheilungen Wasser aus dem ziemlich nahegelegenen Mance-Bache heranzuholen. Stroh und Holz (Kochholz und Wärmeholz) sind unter den vorliegenden Ver- 1) vkr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 407—426; Meckel, Taktik, Seite 104-107, 121. ch Man rechnet als Bedarf an Wasser zum Trinken und Kochen per Mann täglich 31; für das Pferd rechnet man täglich 18—241. 110 Aufgabe 81. hältnissen nicht zu beschaffen. Beides müßte erst requirirt werden. Hier sind jedoch weder Ortschaften in der Nähe, aus denen diese Bedürfnisse entnommen werden könnten, noch ließen sich während der Nacht umfassende Requisitionen vornehmen, auch wenn solche Ortschaften vorhanden wären. Die grünen Büsche, die man allenfalls abhauen könnte, geben kein ordentliches Feuer, trockenes Holz ließe sich nur dann gewinnen, wenn solches etwa zufällig im Walde aufgestapelt sich vorfinden sollte. Darum wird aber um Mitternacht nach einem Gefecht wohl Niemand suchen. Kochholz bedarf man nicht, da es nichts zu kochen giebt; Wärmeholz kann man in der Sommernacht entbehren, auch wäre bei der Nähe des Feindes das Anzünden größerer Feuer gefährlich. Bleibt mithin nichts als eine Rast auf blanker Erde. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bezüglich der Verwundeten.') Die Truppenärzte werden zwar während des Gefechtes versucht haben, auf den hinter der Gefechtslinie gelegenen Waldblößen,und lichteren Stellen, deren Vorhandensein uns aus der geschichtlichen Aufgabe 82. Darstellung bekannt ist, Truppen-Verbandplätze zu errichten, die Hülfs- krankenträger werden die in dem Dickicht zerstreut liegenden Verwundeten aufsuchen und zurückschaffen, immerhin werden diese Mittel in einem nächtlichen Waldgefecht nicht völlig ausreichen. Es sind nunmehr Anordnungen zu treffen, den vom Gefecht berührten Waldtheil nochmals abzusuchen. Dabei ist keineswegs ausgeschlossen, daß trotzdem einzelne Verwundete nicht aufgefunden werden und die Nacht über im Walde liegen bleiben. Das läßt sich indeß nicht ändern. Sämmtliche Verwundeten werden nach der Plaine de Geai zurückgeschafft. Ein weiterer Transport ist zunächst unmöglich, da einerseits der von der Straße Novöant—Gorze auf die Plaine de Geai herausführende Weg von den im Nachrücken begriffenen anderen Abtheilungen der Großherzoglichen Division in Anspruch genommen ist, andererseits es völlig an Transportmitteln fehlt. Höchstens könnte man die Leichtverwundeten noch während der Nacht gesammelt nach dem nicht weit entfernten Städtchen Ars s. M. schicken. Die Schwerverwundeten hingegen werden voraussichtlich wie die Truppen die Nacht über auf der Plaine de Geai verbleiben müssen. >) etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung; Dienstanweisung für die Infanterie- Bagage im Kriege; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 289—291, 433—435; Meckel, Taktik, Seite 65—71. 111 Alle diese ziemlich breit gerathenen Erwägungen fassen sich in der Wirklichkeit im Geiste des Brigadekommandeurs in wenige Gedanken zusammen. Doch dürfte sich dabei deutlich zeigen, wie vielseitig die Anforderungen sind, die auch nach dem Gefecht an ihn herantreten. In der Regel werden die auf ähnliche Erwägungen gegründeten Befehle stückweise gegeben werden, da die Dringlichkeit einzelner Punkte sofortige Anordnungen erheischt und die anderen in Betracht kommenden Details sich erst nach und nach übersehen lassen. Wir könnten also nun versuchen, den vom Brigadekommandeur zu Aufgabe 8s. ertheilenden Befehl zu entwerfen. Befehl des Brigadekommandeurs, mündlich ertheilt im Bois des Ognons während des Sammelus der Brigade an die beiden Regimentskommandeure. Die Brigade wird hier, wo sie steht, biwakiren — das 1. Infanterie-Regiment auf dem rechten, das 2. auf dem linken Flügel. Das 1. Infanterie-Regiment nimmt die Front nach Norden, das 2. mehr nach Nordwesten, die Details überlasse ich den Herren Regimentskommandeurs. Jedes Bataillon schiebt eine Kompagnie auf ungefähr 100 Schritt als Vorposten vor und zwar die beiden Flügelbataillone nach den Flanken, die beiden mittleren Bataillone nach der Front des Biwaks. Diese Kompagnien sichern sich ihrerseits durch einzelne vorgeschobene Züge, welche Gewehr im Arm ruhen und das Vorterrain durch Patrouillen fortwährend beobachten. Feindliche Unternehmungen werden durch eine kurze Offensive zurückgewiesen. Die zunächst befindlichen Bataillone greifen erforderlichenfalls selbstständig ein. Das Aussetzen besonderer Lagerwachen ist nicht erforderlich. Beide Regimenter erhalten jedoch durch Patrouillen die Verbindung mit den hinter uns auf der Plaine de Geai lagernden Truppenteilen der Division. Lebensmittel können für diese Nacht nicht mehr herangeschafft werden, auch unterbleibt das Anzünden von Feuern. Ich werde indeß Bedacht nehmen, daß morgen früh Lebensmittel zur Ausgabe gelangen. Die Regimenter schicken Kommandos — aber mit Gewehr versehen und von einer besonders bestimmten Bedeckungs-Abtheilung begleitet — in das Thal des Mance-Baches zum Wasserholen. Sämmtliche Verwundeten werden nach der Plaine de Geai zurückgeschafft. Das 1. Infanterie-Regiment beordert einen 112 Aufgabe 84 und 85. Stabsoffizier, der den Wald nach Verwundeten absuchen läßt, das 2. Infanterie-Regiment vereinigt sein Sanitätspersonal und Material auf der Plaine de Geai und etablirt für die dort zusammenkommenden Verwundeten einen Verbandplatz. Ich erwarte vorläufige Meldung über die Verluste und den Munitionsverbrauch, sobald diese von den Regimentern einigermaßen festgestellt sind. So ungefähr dürften die ersten Anordnungen des Brigadekommandeurs lauten. Zu den noch zu erledigenden Punkten gehört der Munitionsersatz, die weitere Zurückschaffung der Verwundeten, das Heranbringen der an der Mosel zurückgelassenen Tornister, die Sicherstellung der Verpflegung für den kommenden Tag, der an die Division einzureichende Bericht über das stattgehabte Gefecht. Was den Munitionsersatz i) betrifft, so handelt es sich vor Allem darum, wo die Bataillons-Patronenwagen zu finden sind. Wenn, wie hier supponirt, die Bataillons-Patronenwagen brigade- weise vereinigt sind, ist es auch Sache der Brigade, für deren Heranziehung zu den Truppen Sorge zu tragen. Befinden sich die Patronenwagen auf der Plaine de Geai, so ist der Ersatz der im Gefecht verbrauchten Patronen sehr leicht zu bewerkstelligen, schwieriger gestaltet sich derselbe, wenn die Patronenwagen außerhalb der Waldungen zunächst der Straße Novllant—Gorze zurückgelassen wurden. Es möchte sich vielleicht empfehlen, nach Feststellung des ungefähren Bedarfs nur so viel Patronenwagen als erforderlich auf die Plaine de Geai heraufkommen zu lassen und diesen den gesammten Bedarf zu entnehmen, statt die Bestände aller Bataillone anzugreifen. Dadurch würde sowohl eine Anhäufung von Trnppenfahrzeugen auf der Plaine de Geai vermieden, auch könnten die leer gewordenen Wagen zur schleunigen Ergänzung der verausgabten Munition sogleich zur nächsten Infanterie - Munitionskolonne zurückgeschickt werden. In Berücksichtigung dieses letzteren Gesichtspunktes dürfte die gleiche Maßregel selbst dann zweckmäßig sein, wenn sämmtliche Bataillons- Patronenwagen auf der Plaine de Geai zur Stelle sind. Bestimmungs- i) okr. Vorschrift für den Munitions-Ersatz der Truppen im Felde; Dienstanweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege; Bronsart v. Schellen- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 283—285, 435, 436; Meckel, Taktik, Seite 76—80. 113 mäßig') sollen die Bataillons-Adjutanten schon im Gefecht für den rechtzeitigen Ersatz der den Bataillons-Patronenwagen entnommenen Munition sorgen und über die Stellung der nächsten Jnfanterie- Munitionskolonne orientirt sein. Auch sind die Kommandeure verpflichtet, für die nothwendige Ergänzung aus den Jnfanterie-Muni- tionskolonnen selbstständig Sorge zu tragen. Wie hier die Verhältnisse liegen, kann diesen Anforderungen unmöglich genügt werden. Wo sich zur Zeit die Munitionskolonnen des 9. Armeekorps befinden, weiß höchst wahrscheinlicherweise nicht einmal der Divisionskommandeur, geschweige die Adjutanten der einzelnen Bataillone. Vermuthlich sind die Munitionskolonnen, welche zu den Trains des Armeekorps gehören und in der Regel direkt dem Generalkommando unterstellt sind, noch östlich der Mosel. Es bleibt also Nichts übrig, als auch die leer gewordenen Bataillons-Patronenwagen noch so lange bei der Truppe zu belassen, bis auf dem Instanzenwege bekannt gemacht wird, wo und wann die Kompletirung der Munitionsbestände aus den Jnfanterie-Munitionskolonnen erfolgen kann. Die weitere Zurückschaffung der auf der Plaine de Geai an- Aufgabe 86. gesammelten Verwundeten kann schon während der Nacht angebahnt werden. Es handelt sich darum, die Leichtverwundeten so bald als möglich der nächsten Etappe^) zu überweisen, die Schwerverwundeten, die einen weiteren Transport nicht zu ertragen vermögen, unter Dach und Faches zu bringen. Unter allen Umständen muß die Plaine de Geai geräumt werden, denn jeden Augenblick kann der Kampf von Neuem entbrennen, auch ist es leicht möglich, daß bei Tagesanbruch die Brigade von der Waldblöße abmarschirt und da kann man die Verwundeten denn doch nicht gut einfach liegen lassen. Das Sanitätspersonal und Material ist beim Weitermarsch aber nicht zu entbehren, da der kommende Tag weit größere Verluste bringen kann. Wir dürfen indeß nicht vergessen, daß die Fürsorge des Brigadekommandeurs für die Verwundeten hier durch die Thätigkeit des Divisionsarztes und des Korps-Generalarztes voraussichtlich eine wesentliche Unterstützung erfährt. Wie aus der geschichtlichen Darstellung zu ersehen, sind sowohl der Divisionskommandeur als der 9 okr. Dienstanweisung sllr die Infanterie-Bagage im Kriege. 2) okr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, H. 41, 2. b) okr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung. Ant. Gesundheitsdienst im Felde, Z. 27,2. Die 4g. Znf. Brig. bei Vionville —MarS la Tour. 8 114 kommandirende General auf dem Gefechtsfelde der 49. Infanterie- Brigade anwesend. Bei ihnen befinden sich aber bestimmungsgemäß der Divisionsarzt und der Korps-Generalarzt?) Diese beiden werden während des Gefechts wohl schon erwogen und besprochen haben, was mit den Verwundeten geschehen soll und dabei höchst wahrscheinlich zu demselben Resultate gelangen, wie nun der Brigadekommandeur. Die Truppen der 49. Infanterie-Brigade haben am 16. August einen sehr anstrengenden Marsch zurückgelegt, man kann also den Leichtverwundeten nicht zumuthen, sofort vom Gefechtsfelde wieder aufzubrechen und mitten in der Nacht den weiten Weg zum nächsten Etappenorte zurückzulegen?) Sie werden vielmehr unbedingt der Ruhe und Erholung bedürfen, bevor sie zur Ausführung eines derartigen Marsches befähigt sind. Was die Schwerverwundeten betrifft, so sollen diese in möglichster Nähe des Schlachtfeldes in den sich etablirenden Feldlazarethen in Lazarethpflege genommen werden?) Hier sind jedoch Sanitäts-Detachements und Feldlazarethe wahrscheinlich noch weit zurück, es muß also in anderer Weise Aushülse geschaffen werden. Das Einfachste dürfte sein, die Leichtverwundeten mit einem Begleitkommando unter einem Offizier nach Ars sur Moselle marschiren zu lassen und diesen Offizier zu beauftragen, dort die zum Verwundeten-Transport erforderlichen Vorspannwagen zu requiriren und bis gegen Tagesanbruch heranzuführen. Außerdem kann man dem Kommando einen Assistenzarzt und einige Laza- rethgehülsen beigeben, die in Ars sur Moselle rasch ein kleines Lazareth improvisiren, wofür ein solches Städtchen Hülfsmittel genug bietet. Diese Maßregeln genügen vorläufig, bis bei größerer Zahl von Schwerverwundeten ein Feldlazareth auf Anweisung des Korps- Generalarztes^) dahin gelangt ist oder, wenn die Etablirung eines Feldlazareths wegen der geringen Zahl von Schwerverwundeten nicht erforderlich sein sollte, der durch den Korps-Generalarzt verständigte Etappen-Generalarzt^) die nothwendigen Anordnungen getroffen hat. Für den Transport der Schwerverwundeten kommt wesentlich in Betracht, ob die von der Plaine de Geai nach der Straße etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, ß. 199 und Z. 201. 2) etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, Z. 41,2 und 3. 3) etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, ß. 55,1. 4) etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 199. 5) etr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 101 und Z. 199. 115 Gravelotte—Ars sur Moselle hinunter führenden tief Angeschnittenen Wege fahrbar sind. Ist dies der Fall, so können die Vorspannwagen bei Tagesanbruch auf die Plaine de Geai herangezogen werden, ist es nicht der Fall, so bleibt nichts übrig/) als die Verwundeten auf den Krankentragen bis an den Waldrand nächst der Straße Gravelotte—Ars sur Moselle hinunter zu tragen und dort mit den Wagen abzuholen. Im letzteren Falle kann mit dem Wegtragen der Verwundeten schon während der Nacht begonnen werden und können auch die Hülfskrankenträger der auf der Plaine de Geai lagernden Truppen hierzu herangezogen werden, insofern die des 1. und 2. Infanterie-Regiments nicht ausreichen sollten. Die Beschaffenheit der genannten Wege muß also nun rekognoszirt werden. Das Heranbringen der an der Mosel zurückgelassenen Tornister und die Sicherstellung der Verpflegung für den kommenden Tag fällt hier zusammen. Man könnte zwar vielleicht noch während der Nacht Aufgabe 87. in Ars sur Moselle Lebensmittel requiriren, aber diese nützen nichts, so lange die Feldkochgeschirre fehlen. Sind die Tornister zur Stelle, so ist durch den in ihnen mitgeführten eisernen Bestand auch ausreichend für Verpflegung gesorgt, wobei freilich noch immer die Frage offen bleibt, wann die Truppen zum Abkochen gelangen. Denn daß die 49. Infanterie-Brigade im Laufe des 17. August sicher zum Abkochen gelangt, steht keineswegs fest. Jeden Augenblick kann ein Vorstoß des Feindes die ganze Brigade an die Gewehre rufen, auch sind die Befehle der höheren Kommandobehörden für den kommenden Morgen noch nicht bekannt. Unter diesen Umständen handelt es sich vor Allem um die Beischaffung von Brot oder Zwieback. In dieser Aufgabe 88. Hinsicht kann von den übrigen Truppentheilen der Division, welche auf der Plaine de Geai lagern, eine Aushülse geleistet werden, wenn diese ihre Tornister bei sich haben?) Auf Antrag des Brigadekommandeurs kann der Divisionskommandeur verfügen, daß selbe die erforderlichen Brotportionen aus ihrem eisernen Bestände an das 1. und 2. Infanterie-Regiment abgeben. Die Heranziehung der Tornister mittels Vorspannwagen möchte Aufgabe 8». am zweckmäßigsten durch Zurücksendung eines Adjutanten zu be- 1) Thatsächlich warm diese Wege zwar sehr schlecht, konnten aber von landesüblichem Fuhrwerk befahren werden. 2) Thatsächlich hatten am 16. August von den Truppentheilen der Großh. Hessischen (25.) Division nur das 1. und 2. Infanterie-Regiment die Tornister abgelegt. 8 * 116 schleunigen sein; möglicherweise gestattet die Kriegslage, am Morgen zum Holen der Tornister an die Mosel zurückzumarschiren. Nach jedem Gefecht soll ein Gefechtsbericht') der vorgesetzten Dienstesstelle eingereicht werden. Dazu treten Ausweise der kon- statirten Verluste, Zusammenstellungen des Munitionsverbrauches, Dislokationsübersichten u. s. w. Unter den hier vorliegenden Ver- Aufgabe hältnissen kann von schriftlichen Arbeiten vorläufig nicht die Rede "" sein. Der Bericht an die Division wird sich daher auf eine kurze mündliche Meldung reduziren, welche — da der Brigadekommandeur bei der Nähe des Feindes die Brigade nicht verlassen kann — durch Aufgabe den Brigadeadjutanten zu überbringen ist. Diese Meldung wird um un gg. ^ kürzer sein können, als der Brigadekommandeur bereits vor Abbrechen des Gefechts persönlich mit dem Divisionskommandeur in Verbindung getreten ist?) Nachzuholen ist noch, daß wir in der geschichtlichen Darstellung die früher ausgesprochene Vermuthung, das Sammeln der Brigade werde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, bestätigt finden. Prüfen wir nun die Berechtigung der vorangegangenen Erwägungen wieder an den thatsächlichen Ereignissen. „In Bezug auf die Vorpostenstellung hatte der Brigadekommandeur wegen der völligen Dunkelheit angeordnet, daß die beiden Regimenter einzelne Kompagnien stehen lassen, mit den anderen aber 150 Schritt zurückgehen sollten, um dort zu biwakiren. Die stehen- gebliebenen Kompagnien hatten Feldwachen vorzuschieben und unter sich sowie mit dem Gros der Brigade Verbindung zu halten. Es wurden demnach die 8., 5. und Großherzogs-Leib-Kompagnie (1.) des 1. Infanterie-Regiments, sowie die Leib-Kompagnie (1.) des 2. Infanterie-Regiments zu diesem Zwecke verwendet. Der Brigadekommandeur biwakirte auf dem»Hauptwege hinter dem 1. Infanterie-Regiment, während Prinz Ludwig von Hessen sich nach der Plaine de Geai zurückbegab. General v. Manstein war nach Beendigung des Gefechts nach Gorze zurückgeritten. Major Freiherr Rüder v. Diersburg, welcher die in dem Dickicht zerstreuten und abgekommenen, sowie daselbst liegenden verwundeten Mannschaften des 1. und 2. Infanterie-Regiments sammeln I) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 318-320. -) otr. Meckel, Taktik, Seite 7—10. 117 ließ, erhielt den Befehl, auf der Plaine de Geai zur Deckung des Biwaks des Divisionskommandeurs Vorposten auszustellen. Dem heißen Sommertage war eine kühle Nacht gefolgt. Als nach zwei Stunden der Mond aufging, war erst die Situation zu übersehen und konnten die Truppen sich in ihren Biwaks sorglos der Ruhe hingeben, allerdings ohne Leibesnahrung." Wir sehen mithin, wie die von uns beabsichtigten Anordnungen im Wesentlichen mit den wirklich getroffenen übereinstimmen. Daß, so lange nicht andere Truppen der Division auf der Plaine de Geai eingetroffen sind, das dort befindliche Biwak des Divisionsstabes und der Batterie von Seiten der Brigade zu sichern ist, ist selbstverständlich. Der Befehl hierzu muß jedoch von der Division ausgehen, da der weiter nördlich im Walde befindliche ^Brigadekommandeur die Lage der Dinge auf der Plaine de Geai nicht ausreichend zu übersehen vermag. Wenn auch die geschichtliche Darstellung nicht alle Details zur Sprache bringt, die wir besprochen haben, so liegt doch kein Grund zur Annahme vor, daß die von uns entworfenen Detailanordnungen im konkreten Falle unzweckmäßig oder unausführbar seien. Der Umstand, daß der Mond nunmehr das Biwak im Walde beleuchtet, erleichtert nicht unerheblich diese wie alle etwa noch Aufgabe 94. weiter erforderlichen Anordnungen. Während der Nacht wird das zunächst befindliche Vorterrain durch Schleichpatrouillen beobachtet?) Anzustreben wird dabei sein, die Fühlung mit dem Feinde zu erhalten. Da hier der Mond die Orientirung erleichtert, so können namentlich auf den vorhandenen Waldwegen erforderlichenfalls die Patrouillen bis auf die reglemen- tarisch für Infanterie - Schleichpatrouillen zulässige Entfernung (V« Meile) vorgehen. Man könnte indeß die Frage auswerfen, was zu geschehen hat, wenn der Feind abmarschiern sollte. Im Allgemeinen ist es gewiß geboten, den einmal vor der Front befindlichen Feind auch dauernd im Auge zu behalten. Trotzdem dürfen im vorliegenden Falle die Infanterie-Patrouillen dem etwa ab- marschirenden Gegner nicht rücksichtslos folgen. Diese Patrouillen sind an ihre Feldwachen und diese an das Gros der Brigade gebunden, die Aufklärung auf weitere Entfernung aber ist Sache der Kavallerie. Hier ist weder Kavallerie zur Stelle, noch könnte solche i) ekr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, 0. 118 während der Nacht im Walde zur Verwendung gebracht werden. Es ist mithin Aufgabe der außerhalb der Waldungen befindlichen Truppenkörper, am frühen Morgen des 17. August durch ihre Kavallerie die Fühlung mit dem Gegner wieder zu gewinnen und dessen Verbleib festzustellen, wenn er während der Nacht verschwunden sein sollte. Die Patrouillen der Infanterie aber haben ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie den Abmarsch des vor der Front befindlichen Gegners konstatiren. „Nach Mitternacht traf das 1. Jäger-Bataillon auf der Plaine de Geai ein und bezog daselbst mit den kurz vorher angelangten Kompagnien des 3. Infanterie-Regiments (50. Infanterie-Brigade) Biwak. Eine der letzteren löste die zur Sicherung des Divisionsstabes bestimmte Abtheilung des 1. Infanterie-Regiments ab, welche darauf wieder bei ihrem Regiment einrückte. Der Feind hatte bis zum 17. früh Schützen im Walde. Die von den Feldwachen während der Nacht entsendeten Patrouillen waren theilweise auf kleine feindliche Abtheilungen gestoßen. Am 17. um 4 Uhr früh wurde außer den bereits zum Sicherheitsdienst befehligten Kompagnien noch die 6. des 2. Infanterie-Regiments vorgezogen. Zu derselben Zeit alarmirte der Feind seine außerhalb des Bois des Ognons befindlichen Biwaks und marschirte, wie von einem Baume beobachtet wurde, in der Richtung Gravelotte—Metz ab. Gegen 5 Uhr früh kam das Sanitäts-Detachement der Großherzoglichen Division von Corny aus bei Ste. Catherine (östlich von Gorze an der Straße von Novöant) an und begann alsdann seine Thätigkeit durch Absuchen des Bois des Ognons nach Verwundeten und Etabliren eines Verbandplatzes bei Ste. Catherine. Der Verlust der Brigade in der Schlacht hatte betragen: Todt — Offizier, 1 Unteroffizier, 19 Mann, 1 Pferd Verwundet 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 45 Mann, — Pferd Vermißt — Offizier, — Unteroffizier, 2 Mann, — Pferd Summa 1 Offizier, 5 Unteroffiziere, 66 Mann, 1 Pferd. Der Munitionsverbrauch') bei den im Gefecht gewesenen Truppen- theilen der Brigade betrug 5760 Patronen." 0 Die Zahl der verbrauchten Patronen ist eine abgerundete. 119 Wir sehen am frühen Morgen des 17. August die ganze 49. Infanterie-Brigade im Bois des Ognons vereinigt. Was weiter geschehen soll, hängt von dem zu erwartenden Befehl des Divisionskommandeurs ab. Aufgabe des Brigadekommandeurs ist es, während der Nacht die vorgesetzte Kommandobehörde über den vor ihm befindlichen Feind orientirt zu halten. Drei Meldungen während der Nacht dürften hierzu genügen. Die erste Meldung würde den Vollzug Aufgabe ss. der von Seiten des Brigadekommandeurs angeordneten Sicherungsmaßregeln berichten, die zweite die Thatsache konstatiren, daß die von Aufgabe ss. den Feldwachen vorgeschickten Patrouillen den Feind noch angetroffen haben, die dritte endlich den Abmarsch desselben melden. Die ge- Aufgabe sr. schichtliche Darstellung giebt hier ein Beispiel, wie unter Umständen sich bei günstigen lokalen Verhältnissen eine Art Observatorium im- provisiren läßt. Die Beobachtung von einem Baume ist deshalb so erfolgreich, weil die mit dem Bois des Ognons bewachsene Kuppe nach Norden, also gegen die Straße Rezonville—Gravelotte—Metz hin abfällt und das Bois des Ognons der Hauptsache nach nur aus Unterholz besteht, in dem einzelne hohe Bäume sich befinden. Der Umstand, daß das Sanitäts-Detachement der Division am 17. August in aller Frühe nochmals das Bois des Ognons nach Verwundeten absucht, beweist die große Fürsorge, welche bei der Division den Verwundeten gewidmet wird. Wahrscheinlich hat der Divisionsarzt, der dem Gefecht im Bois des Ognons im Divisions- stabe beiwohnte, das weiter zurück befindliche Sanitäts-Detachement während der Nacht heranbeordert, da sich ursprünglich nicht übersehen ließ, inwieweit die Sanitätseinrichtungen der Truppen genügen würden. Die Verluste wie der Munitionsverbrauch sind bei der 49. Infanterie-Brigade nur gering. Wenn die Brigade auch erst am Abend der Schlacht von Vionville—Mars la Tour auf dem Schlachtfelde erschien und ihr keine entscheidende Rolle mehr zufiel, so dürfte ihr abendliches Waldgefecht doch interessanter Momente genug bieten, um die eingehende Betrachtung desselben zu rechtfertigen. Es mag noch gestattet sein, auf Grund kriegsgeschichtlicher Quellen den Schleier einigermaßen zu lüften, der hier über der Thätigkeit des der 49. Infanterie-Brigade gegenüber befindlichen Feindes schwebt und einige Details zu besprechen, die zwar mit dem Gefecht der Brigade in engster Verbindung stehen, aber erst einige Zeit nach dem Gefecht übersehen und in Betracht gezogen werden konnten. „Auf Seiten des Gegners hatte sich, nachdem am Morgen die ersten Preußischen Kanonenschüsse gegen die Brigade Murat gefallen waren, der Oberbefehlshaber, Marschall Bazaine, persönlich auf das Gefechtsfeld begeben; er hatte dort die vorläufigen Anordnungen beim 2. und 6. Korps gebilligt und deren Unterstützung vorbereitet. Wie es scheint, war es ihm vor Allem darum zu thun, nicht von Metz abgedrängt zu werden; eine dahin zielende Absicht glaubte er nämlich in dem Vorgehen der Preußen zu erkennen. An dieser Auffassung im Laufe des ganzen Tages festhaltend, richtete der Marschall sein Augenmerk vorzugsweise gegen die südlich von Gravelotte und Rezonville sich ausbreitenden Waldungen, von welcher Seite er eine Umgehung besonders befürchtete. Aus diesem Grunde war bereits die Division Levassor-Sorval des 6. Korps östlich von Rezonville, mit der Front nach Süden gewendet, stehen geblieben. Auch das Garde-Zuaven-Regiment nebst einer Garde- Kavallerie-Brigade und einiger Artillerie ließ der Marschall gleichfalls mit der Front gegen Süden da Stellung nehmen, wo das vom Bois de la Juröe hinabziehende Thal die Chaussee zwischen Gravelotte und Rezonville schneidet. Noch weiter östlich, am Posthause, dem Bois des Ognons gegenüber, stellte er die drei anderen Regimenter der Garde-Grenadier-Division Picard aus, und hinter dieser, auf der beherrschenden Höhe von Malmaison, als äußerste Reserve die Garde-Voltigeur-Division Deligny. Man hatte also anfänglich die gesammten Garden und einen Theil des 6. Korps auf einem Abschnitte des Schlachtfeldes aufgestellt, gegen welchen ein ernstlicher Angriff überhaupt nicht erfolgte." ') „Flüchtende Landleute, welche ein fortgesetztes Anrücken Preußischer Truppenmassen aus dem Moselthale nach Gorze meldeten, hatten die Besorgnisse des Marschalls Bazaine für die eigene linke >) Generalstabswerk, 1. Band, Seit« 570. 121 Flanke nur vermehren können. Es waren deshalb noch das Französische Garde-Jäger-Bataillon, dann auch der Rest der Garde- Voltigcur-Division in das Bois des Ognons vorgeschoben und an ihrer Stelle die Division Montaudon des 3. Korps über Villers aux Bois nach dem Posthause von Gravelotte herangezogen worden. Südlich von diesem Orte sammelten sich die beiden erschütterten Divisionen des 2. Korps, das nach Ars hinabziehende Thal bewachend. Alle übrigen Heerestheile aber wurden zur Verstärkung des eigenen rechten und zur Umfassung des linken Preußischen Flügels verwendet."') „Die heftigen Angriffsbewegungen der Preußen aus der Richtung von Vionville hatten den Marschall Bazaine zwar veranlaßt, das 6. Korps westlich von Nezonville zu verstärken; seine Besorgnisse hafteten aber nach wie vor hauptsächlich an dem eigenen linken Flügel und deshalb blieb er auch persönlich dort, um einem umfassenden Vorgehen der Deutschen Heeresmacht in den Waldungen am linken Mosel-Ufer rechtzeitig begegnen zu können. Weniger besorgt für den rechten Flügel der Armee, hatte er etwa um die fünfte Nachmittagsstunde dem Marschall Leboeuf nur die Weisung zugehen lassen, seine Stellung in Verbindung mit dem 6. Korps zu behaupten („äs wLiutenir lortewöut,")."*) „Das aümälige Eingreifen der über die Mosel vorgerückten Preußischen Verstärkungen gab dem Gefechte auf dem (Preußischen) rechten Flügel frische Nahrung; und da diese Angriffsrichtung dem Marschall Bazaine bei seiner bekannten Auffassung ganz besonders empfindlich sein mußte, so wurden auch auf Französischer Seite hier immer neue Truppen in den Kamps geführt. Nachdem die früheren Angriffe der Preußen von Vionville her Veranlassung gegeben hatten, die Division Levassor - Sorval zum Wiederanschlusse an das 6. Korps westlich über Nezonville vorzuschieben, verfügte der Marschall für seine gegen Süden gerichtete Front doch immer noch über sehr ansehnliche Streitkräfte. Die an Stelle des Korps Frossard in die Schlachtlinie eingerückte Garde-Grenadier-Division hatte die Höhe gegenüber dem Bois de St. Arnould (989) mit zwei Regimentern besetzt, welche — anscheinend um die Zeit des Vorstoßes der Achtundsiebziger — 9 Generalstabswerk, 1. Band, Seite 583. 2) Generalstabswerk, 1. Band, Seite 601. 122 Aufgabe 98. » durch zwei Regimenter der 1. Garde-Voltigeur-Brigade verstärkt worden waren. Das 3. Garde-Grenadier-Regiment hielt im Verein mit der Brigade Lapasset die weiter östlich gelegene Höhe (970) an der Straße von Rezonville nach Gorze. Als sich gegen 5 Uhr das Auftreten der 16. Preußischen Division fühlbar machte, zog man nach diesem für die Behauptung von Rezonville besonders wichtigen Punkt noch den größeren Theil der Division Montaudon heran, welche bisher am Posthause von Gravelotte gestanden hatte. Der Rest dieser Division verblieb mit dem Garde-Chasseur-Bataillon im Bois des Ognons. Auf der Ostseite des vom Bois de la Jurcke herabziehenden Thales, Front gegen das Bois des Ognons, hatte man eine Mitrailleusen-Batterie in Stellung gebracht, um weiter im Moselthale ausholenden Umgehungen zu begegnen. Außer diesen bis jetzt genannten Heerestheilen standen in der Gegend von Gravelotte noch in Reserve: die 2. Garde-Voltigeur- Brigade beim Posthause, das Korps Frossard am oberen Auslaufe des Thales von Ars und die Kavallerie-Divisionen Forton und Valabrogue am Ostabhange der Höhen nördlich von Rezonville. Diese Aufstellung war im Allgemeinen zu der Zeit eingenommen, als die ersten vom rechten Mosel-Ufer her eingetrosfenen Verstärkungen der Preußen zum Angriffe vorgingen." Z Wir sehen also, daß seit dem Morgen des 16. August starke feindliche Truppenmassen unmittelbar nördlich des Bois des Ognons standen und sehr bald auch Theile davon innerhalb dieses Waldes Aufstellung nahmen. Wenn wir uns nun, nachdem die Lage beider Gegner aus diesem Flügel der Schlacht in allgemeinen Umrissen bekannt ist, die Situation vergegenwärtigen, so gelangen wir zu dem Resultat, daß eine erfolgreiche Einwirkung der 49. Infanterie-Brigade auf den Kampf um Höhe 970 von Hause aus fast ausgeschlossen war. Die Aufstellung der französischen Reserven in der Gegend von Gravelotte bildete den ganzen Tag über ein links seitwärts rückwärts herausgeschobenes Echelon, das stets bereit war, jeden Flankenangriff vom Bois des Ognons aus gegen die Höhe 970 selbst in der rechten Flanke zu fassen. Vorausgesetzt, die 49. Infanterie-Brigade wäre weit früher auf diesem Theil des Gefechtsfeldes eingetroffen, als es thatsächlich der Fall war, so ließe sich ein anderer Ausgang doch kaum voraussehen. Sie wäre bei einem Vormarsch innerhalb des Generalstabswerk, 1. Band, Seite 628. 123 Waldes in nördlicher oder nordwestlicher Richtung wahrscheinlich früher oder später auf überlegene Kräfte gestoßen, welche ihr Halt geboten. Befanden sich solche auch innerhalb des Waldes ursprünglich nicht zur Stelle, so waren sie doch dem Nordraud desselben nahe genug, um rechtzeitig herangezogen zu werden. Trotzdem wird der Versuch, den Kampf an der Straße Gorze— Rezonville vom Bois des Ognons aus zu unterstützen, als völlig sachgemäß betrachtet werden müssen. Wir dürfen eben nicht außer Acht lassen, daß am 16. August die Verhältnisse beim Gegner nicht so ausreichend übersehen werden konnten und daß man auch keine Zeit hatte, sie vorerst aufzuklären. Das sofortige Eingreifen der Brigade wurde durch den bisherigen Verlauf der Schlacht bedingt, stand mithin keineswegs im Belieben des Brigadekommandeurs. Unter solchen Umständen muß das Gesetz des Wahrscheinlichen den Truppenführer leiten; wollte er alle Eventualitäten von vornherein berücksichtigen, so würde er wohl niemals zum Entschluß gelangen. Hier erfolgt die Direktion der Brigade auf Grund eines von General v. Barnekow (Kommandeur der 16. Infanterie-Division) ausgesprochenen Wunsches. Ob es dabei möglich war, den uns vorläufig noch unbekannten Intentionen des Generals zu entsprechen, das konnte damals wohl nur der Gang des Gefechts lehren. Wir aber könnten nunmehr versuchen, wenn auch nicht die wirklichen, so doch die wahrscheinlichen Motive dieser Anordnungen zu ermitteln, um unsere Erwägungen über den Kampf der 49. Brigade möglichst Aufgabe 99. erschöpfend zu gestalten. Wie wir im Generalstabswerkfinden, war die 16. Infanterie- Division schon vor den Truppen der Großherzoglich Hessischen Division auf das linke Mosel-Ufer gelangt und mit der Spitze um 3'/s Uhr Nachmittags vor Gorze eingetroffen. Sie ging mit dem von Seiten der 18. Division an die Brücke von Corny detachirten 2. Schlesischen Grenadier-Regiment Nr. 11 auf der Straße Gorze— Rezonville bis an den Nordrand des Bois de St. Arnould vor und bestand dort ein äußerst verlustreiches Frontalgefecht gegen starke Französische Kräfte, welche die Höhe südlich Rezonville (970) besetzt hielten. Die Gefechtsfront nahm dabei zur Seite der genannten Straße den Raum zwischen den beiden Thalschluchten ein, welche sich von Rezonville und vom Bois de la Juröe in südlicher Richtung si Generalstabswerk, 1. Band, Seite 630. 124 nach Gorze Hinabziehen. Ihre Ausdehnung mochte etwa 700 Schritt betragen. Die Französische Aufstellung auf Höhe 970 erstreckte sich ungefähr bis an den Westrand des Bois des Ognons. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß General v. Barnekow in der Front bereits ausreichende Kräfte engagirt hielt und den UebersMß nunmehr gegen die Französische linke Flanke zu dirigiren wiMMc, so weit solche bis jetzt festgestellt war. *) Ob man nun wirklich diese Flanke traf oder ob der Gegner dort ausreichende Kräfte bereit hielt, um rechtzeitig seine Front auch innerhalb des Waldes zu verlängern, oder ob man dort auf eine neue Front desselben stieß, das konnte man bei den vorliegenden Terrainverhältnissen unmöglich im Voraus wissen. Jedenfalls aber muß besonders hervorgehoben werden, daß man sich trotz der an sich nicht sehr Vortheilhaften Gefechtslage das Gesetz des Handelns nicht vom Gegner geben ließ, daß man vielmehr eifrig bemüht war, ohne Zaudern die lokale Entscheidung zu erzwingen. Der in der Armee von jeher gepflegte Geist der Offensive kam auch hier zur vollen Geltung. Wie die Verhältnisse thatsächlich lagen, bestand sogar für den am und im Bois des Ognons kämpfenden Preußischen rechten Flügel eine ganz besondere Gefahr. Wenn die ihm gegenüber befindlichen starken Französischen Kräfte im Laufe des Nachmittags zur Offensive übergingen, so konnte er leicht in eine sehr bedenkliche Lage gerathen. Zu einer solchen Offensive stand den Franzosen die Straße Grave- lotte—Ars s. M. zur Verfügung. Eine Situation wie die vorliegende läßt uns die Folgen ermessen und würdigen, welche die Ungewißheit, in der fast alle militärischen Handlungen im Kriege auszuführen sind, für beide Gegner mit sich bringt. Wir können uns leicht vorstellen, wie schwache Charaktere durch eine solche Unsicherheit aller Nachrichten und Voraussetzungen eingeschüchtert und ins Schwanken gebracht werden. Andererseits zeigt gerade der hier vorliegende Fall, daß einem entschlossenen thatkräftigen Charakter dieselbe Unsicherheit der Dinge den Entschluß erleichtert. Nehmen wir an, man wäre auf dem Preußischen rechten Flügel über die Stärke und Aufstellung der gegenüber befindlichen Französischen Truppenmassen völlig orientirt gewesen, mußten nicht die Energie und Entschlossenheit des Handelns darunter fast nothwen- 0 ekr. Meckel, Taktik, Seite 226—236. 125 digerweise leiden? Und andererseits stellen wir uns vor, man habe auf Französischer Seite genaue Kenntniß von der Schwäche des Preußischen rechten Flügels gehabt! Konnte eine solche nicht selbst schwache und unentschlossene Charaktere zu energischer That fortreißen und ihnen völlig unverdiente Erfolge verschaffen? Wir sehen also, daß der Nebel einer mehr oder minder großen Ungewißheit auch seine Vortheile hat, daß der Schwache dieses Elements bedarf, um dem Starken zu widerstehen, und daß gerade in ihm das moralische Element die schönsten Früchte finden kann.') Wenden wir uns nunmehr einer andern Betrachtung zu. Sie betrifft die Verluste. Wie nach dem Gefecht festgestellt wurde, erlitten die einzelnen Truppentheile der 49. Infanterie-Brigade nachstehende Verluste: Todt oder infolge der Verwundung gestorben Verwundet Vermißt Summe 1. Kompagnie Summe des 1. Infanterie-Regiments 9 ekr. Claufewitz, Vom Kriege, 1. Buch, 3. Kapitel und 3. Buch, 3. Kapitel. elr. Meckel, Taktik, Seite 196—198. 126 Aufgabe 100. Stäbe und Trupp enth eile Todt oder infolge der Verwundung gestorben -r-- r: 8 ^ N- Verwundet L? «L -re- 'L' r- Vermißt ^ u-e- Summe 8 5 ! ^ N- r: ö? Uebertrag. . 1. Kompagnie 2 . 3. 4. 5. 6 . 7. - 8 . 12 1Y 30 42 1-) 1- 12 - ?!- 3- Summe des 2. Infanterie-Regiments 1-) 15 1^) 24 Gesammtverlust der 49. Infanterie- Brigade . . . 19 1i) 445 1') 5 66 Betrachten wir diese Zahlen mit Rücksicht auf die Thätigkeit der einzelnen Kompagnien im Gefecht, so finden wir, daß diejenigen Kompagnien, welche sich mit Hurrah auf den Feind stürzten, auch die größten Verluste erlitten, nämlich die 2. und 7. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments und die 2. Kompagnie des 2. Infanterie- Regiments. i) Lieutenant Kraus. (Schuß am rechten Arm und an der rechten Seite.) 127 Die Verluste der übrigen Kompagnien sind sehr gering, vier von den 16 zur Stelle befindlichen Kompagnien der Brigade erlitten überhaupt keinen Verlust. Von den vier Kompagnien, welche keinen Verlust erlitten, befand sich nur eine, die 4. des 1. Infanterie- Regiments, ziemlich nahe der vordersten Gefechtslinie, insofern sie die Queue der rechten Flügelkolonne unter Major Freiherr Räder v. Diersburg bildete. Die war zwar mit der dem Halb- bataillon Anschütz nachgesendet worden, gelangte jedoch infolge des dichten Holzes nicht mehr an die vordere Linie heran, da das Gefecht inzwischen abgebrochen wurde. Die -A- und waren als Reserve zurückgehalten worden. Es sind also hier die Verluste um so größer, je näher sich die einzelne Kompagnie am Gegner befindet, — eine Erscheinung, die viele zwar als selbstverständlich betrachten werden, die aber trotzdem bei den Kämpfen des Feldzuges 1870/71 im offenen Terrain keineswegs die Regel bildete. Daß die Verluste der Brigade im Allgemeinen nur geringfügig waren, dürfte seinen Grund wohl darin haben, daß die Dauer des Gefechts nur kurz und die Dunkelheit bereits eingebrochen war; das Feuergefecht konnte erst auf kürzeste Entfernung eröffnet werden, nirgends bot sich ein geeignetes Schußfeld, um die weittragende Feuerwaffe der Franzosen zu verwerthen. Unter solchen Umständen dürfte auch heute noch trotz Hinterlader der energische Anlauf mit dem Bajonett in möglichst dicht zusammengehaltenen Massen am meisten Erfolg versprechen. Bei solcher Lage der Dinge konnte natürlich auch der eigene Munitionsverbrauch') kein bedeutender sein. Die damalige Etatsstärke von 226 Gefreiten und Gemeinen pro Kompagnie vorausgesetzt, treffen beim 1. und 2. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments 5—6 Patronen auf den Kopf, sobald man die nicht unmittelbar am Gefecht betheiligten Kompagnien außer Rechnung läßt. Unter der gleichen Voraussetzung treffen beim 1. Bataillon des 2. Jnfanterie- ekr. Meckel, Taktik, Seite 244—245. — 128 — Regiments 1—2, beim 2. Bataillon dieses Regiments 4—5 Patronen auf den Kopf.') Der Ersatz der von der ganzen Brigade am 16. August verbrauchten Munition würde nur 6 von den 20 Patronenkasten eines einzigen Bataillons-Patronenwagens leeren. ') Dabei ist angenommen, daß von den 16 Kompagnien der Brigade 9 (4-' ' - -s)' -s ' -° 7 ' 2 ) gar nicht oder fast nicht zum Feuern kamen. (Vergl. Darstellung des Gefechts.) Anlage 1. Orärtz äs datallltz. Sroßherzoglich Kessische (23.) Division. Kommandeur: Generallieutenant Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit. Persönlicher Adjutant: Major ü la suits der Infanterie Westerweller v. Anthoni. Generalstabs-Offiziere: I) Major v. Hesse. — 2) Königlich Preußischer Hauptmann v. Hackewitz. Adjutanten: 1) Oberlieutenant Möller, vom 3. Jnf.-Regt. — 2) Oberlieutenant Rothe, vom Art.-Korps. Kommandeur der Feld-Artillerie: Königlich Preußischer Ober tlieutenant Stumpfs. 49. Infanterie-Brigade, Königlich Preußischer General- 8 L L Z § L'Z, major v. Wittich. K § L Adjutant: Oberlieutenant Mangold, vom 1. Jnf.-Regt. tz) Z N- 1. Jnf.-Regt. (Leibgarde), Oberstlieutenant Coulmann. 2 — — — 2. Jnf.-Regt. (Großherzog), Oberst Kraus. 2 — — — 1. (Garde-) Jäger-Bataillon, Major Lautenberger. 1 — — — 50. Infanterie-Brigade, Oberst v. Lyncker. Adjutant: Oberlieutenant Krömmelbein, vom 4. Jnf.-Regt. 3. Jnf.-Regt., Oberstlieutenant Stamm. 2 — — — 4. Jnf.-Regt., Königlich Preußischer Oberst Zmeng er. 2 — — — 2. Jäger-Bataillon, Major Winter. 1 — — — (25.) Kavallerie-Brigade, Königlich Preußischer Generalmajor Freiherr v. Schlotheim. Adjutant: Oberlieutenant Frhr. v. Gemmingen-Hornberg, vom 4. Reiter-Regt. 1. Reiter-Regt. (Garde-Chevauxlegers-Regt.) Oberstlieutenant v. Grolman. — 4 — — 2. Reiter-Regt. (Leib-Chevauxlegers-Regt.) Major Frhr. v. Buseck. — 4 — — Reit. Batterie, Hauptmann Frhr. v. Schäffer-Bernstein. — — 6 — Abtheilung der Feldbatterien (1. und 2. schwere, 1., 2. und 3. leichte Batterie), Major v. Herzet. — — 30 — Pion.-Komp. mit leichtem Feldbrückentrain, Hauptm. Brentano. — — — i Sanitäts-Detachement. Summe der Großherzogl. Hess. (25.) Division jio I b 36 i Die 4S. Jnf. Brig. bei Vionville — MarS la Tour. 130 Anlage S. Aufgaben. Aufgabe 1. Welche Erwägungen ergeben sich für den Kommandeur der 49. Zn- fanterie-Brigade infolge des am Morgen des 16. August in Pournoy la Krasse eingehenden Divisionsbefehls? Aufgabe 2. Entwurf der Meldung der 49. Infanterie-Brigade an die Division über Eintreffen des Befehls zum Vormarsch gegen die Mosel und Antreten dieses Marsches. Aufgabe 3. Darlegung der Motive, aus welchen vorstehende Meldung geboten erscheint. Aufgabe 4. Erwägung, ob die Brigade am Morgen des 16. August bis zum Eintreffen weiteren Befehls in ihren Kantonnements und Biwaks zu belassen oder auf einem Rendezvous zu vereinigen sei, unter der Voraussetzung, daß die Brigade sich auf Befehl der Division von 6 Uhr früh an marschbereit zu halten hat. Aufgabe 5. Entwurf des Befehls zur Vereinigung der Brigade am 16. August früh 6 Uhr auf einem Rendezvous bei Pournoy la Grasse. Aufgabe tt. Kotirtes Croquis des Rendezvous einer Infanterie-Brigade auf Kriegsstärke zu 4, dann zu 6 und 7 Bataillonen in den Maßstäben 1 : 5000 und I : 25 000. 131 Aufgabe 7. Entwurf des Brigadebefehls zum Marsch auf das linke Seille-Ufer unter der Voraussetzung, daß die Brigade ausschließlich des 1. Jäger- Bataillons aber einschließlich ihrer großen Bagage früh 6 Uhr auf einem Rendezvous westlich Pournoy la Graste zunächst der Straße nach Verny versammelt steht. Aufgabe 8. Berechnung der Zeit, deren eine Infanterie-Brigade (auf Kriegsstärke) von 4, dann von 6 und 7 Bataillonen bedarf, um von einem Rendezvous abzumarschiren, eine durchschnittliche Marschgeschwindigkeit von 100 Schritt in der Minute zu Grunde gelegt.') Aufgabe 9. Berechnung der Marschtiefe der großen Bagage einer mobilen Infanterie-Brigade und der Zeit, deren sie bedarf, um von einem Rendezvous abzumarschiren, eine durchschnittliche Marschgeschwindigkeit von 100 Schritt in der Minute zu Grunde gelegt. 9 Aufgabe 10. Entwurf der Meldung der 49. Infanterie-Brigade an die Division, daß die Marschstraße von Abtheilungen des 8. Armeekorps gesperrt sei und welche Maßregeln der Brigadekommandeur trifft, um sich die Straße frei zu machen. 9 Aufgabe 11. Entwurf der Befehle, welche der Kommandeur der Korps-Artillerie des 8. Armeekorps zu ertheilen hätte, um die auf der Straße zwischen Pournoy la Graste und Verny in Marschkolonne befindliche Korps- Artillerie westlich Verny in Rendezvousstellung aufmarschiren zu lassen. Wie viel Zeit würde der Aufmarsch ungefähr erfordern, wenn derselbe im Trabe erfolgt?0 ') ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 201, 346-352; ferner Meckel, Taktik, Seite 182—186. 2) vkr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes. Seite 346—351, 357—362; ferner Meckel, Taktik, Seite 78, 80, 182—186. ») okr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, II. I).; ferner Meckel, Taktik, Seite 7—10. 0 okr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, §. 101; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—352; Meckel, Taktik, Seite 182—186. 9 * 132 Aufgabe 12. Wie dürfte der von Hauptmann v. Hackewitz mündlich zu überbringende Befehl ungefähr lauten? Aufgabe 13. Angenommen, der an der Kettenbrücke bei Corny befindliche Divisionskommandeur würde den Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade beauftragen, den Uebergang der bei Corny eingetroffenen Truppen (4 Bataillone, 3 Eskadrons, 3 Batterien) zu leiten und dann den Marsch auf der großen Straße nach Korze fortzusetzen, welche Anordnungen wird der Brigadekommandeur treffen a) wenn ein Ablegen der Tornister dabei beabsichtigt wird? b) wenn ein Ablegen der Tornister dabei nicht beabsichtigt wird?') Aufgabe 14. Darlegung der Erwägungen des Brigadekommandeurs für den Uebergang der an der Kettenbrücke bei Corny eingetroffenen Truppen. Aufgabe 15. Befehl des Kommandeurs der 49. Infanterie-Brigade zum Uebergang über die Kettenbrücke und Vormarsch auf Gorze unter der Voraussetzung, daß sich die Brigade auf dem linken Mosel-Ufer außer nach vorwärts in der rechten Flanke zu sichern hat.') Aufgabe 16. Erwägungen des Brigadekommandeurs zu diesem Befehl. Aufgabe 17. Wie viel Zeit beansprucht unter den vorliegenden Verhältnissen der Uebergang der 4 Bataillone der 49. Znfanterie-Brigade? Wie lange würde derselbe bei 6, wie lange bei 7 Bataillonen dauern?') Aufgabe 18. Wie lange muß das 2. Infanterie-Regiment auf dem rechten Mosel- Ufer bei Corny warten, bis es mit seiner Tete den Uebergang beginnen 1) etr. Meckel, Taktik, Seite 160. 2) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 367—369; Meckel, Taktik, Seite 169-180. 2) okr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198—200. 133 kann? Ist der sich ergebende Halt lang genug, um ein Ablegen der Tornister auch in dem Fall zu rechtfertigen, daß diese beim Weitermarsch wieder aufgenommen werden sollen? Wie lange kann die Artillerie- Abtheilung, das I. Reiter-Regiment, die 2. Staffel der Batterie-Fahrzeuge bei Corny ruhen, bis die Reihe des Uebergangs an sie kommt?') Aufgabe 19. Wie viel Zeit wird der Uebergang der Artillerie-Abtheilung, des 1. Reiter-Regimmts, der 2. Staffel der Batterie-Fahrzeuge über die Kettenbrücke unter den gleichen Verhältnissen beanspruchen?') Aufgabe AI. In welcher Weise läßt sich durch Berechnung nachweisen, daß der Aufmarsch in Rendezvousstellung hier nicht mehr Zeitverlust verursacht als das Halten in der Marschkolonne und daß die für die Truppen zum Ruhen verfügbare Zeit hierdurch nicht verkürzt wird? (Die Länge des Weges vom westlichen Ende der Kettenbrücke durch Noväant bis an den Westausgang des Ortes wird auf etwa 1200 Schritt — 960 Meter veranschlagt.)') Aufgabe 21. Wie viel Zeit wird es voraussichtlich von Beginn des Ueberganges an beanspruchen, bis die 49. Brigade westlich Novöant in Rendezvousstellung aufmarschirt steht? Ist es zulässig, daß die Tete der Brigade zum Weitermarsch aufbricht, bevor die ganze Brigade aufmarschirt ist? Wenn nein, wie lange wird dann die Tete westlich Nov^ant ruhen, bis die ganze Brigade ihren Aufmarsch vollendet hat? Wenn ja, wie lange kann die Tete der Brigade westlich Novüant ruhen, ohne daß ein Zeitverlust oder ein Zerreißen der Marschkolonne entsteht? (Die Länge des Weges vom westlichen Ende der Kettenbrücke durch Noveant bis an den Westausgang des Ortes wird auf etwa 1200 Schritt — 960 Meter veranschlagt.)') >) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198—200. 2) alr. Exerzir-Reglement für die Kavallerie, tz. 56; Exerzir-Neglemcnt sür die Feld-Artillerie, Z. 101; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198—200, 346-351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. ') elr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III, 5d; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—351; Meckel, Taktik. Seite 182—186. 9 ekr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst 134 Aufgabe 22. Wie lange wird es unter den angenommenen Verhältnissen dauern, bis die drei Batterien die Queue der 49. Brigade erreicht habm, wenn letztere so frühzeitig als möglich den Weitermarsch fortsetzt? >) Aufgabe 23. Angenommen, es würde vor Uebergang der 49. Infanterie-Brigade über die Kettenbrücke eine Patrouille des 1. Reiter-Regiments die Brücke passiren und dann über Dornot und Ancy s. M. auf Gorze vorgesandt werden. Durchschnittliches Tempo: V-, Schritt, Vs Trab. Um wie viele Minuten früher oder später würde diese Patrouille voraussichtlich an der Ostlisiere von Gorze eintreffen als die Tete der 49. Brigade, wenn letztere so frühzeitig als möglich den Weitermarsch fortsetzt? (Die Länge des Weges vom westlichen Ende der Kettenbrücke durch Noväant bis an die Ostlisiere von Gorze wird auf etwa 6000 Schritt --- 4800 Meter veranschlagt. Die Länge des Weges vom westlichen Ende der Kettenbrücke über Dornot nach Ancr> s. M. und von dort bis zur Ostlisiere von Gorze wird auf etwa 10 000 Schritt — 8000 Meter veranschlagt.)-) Aufgabe 24. Welche Kompagnie und von welchem Regiment befindet sich zur Zeit, als die Tete der Brigade an der Westlisiere von Novöant eintrifft, im Uebergang über die Kettenbrücke, die Reihenfolge der Kompagnien nach der Nummer innerhalb der Regimenter vorausgesetzt?-) Aufgabe 25. Entsteht für die Brigade ein Zeitverlust, wenn dieselbe nach Passiren der Brücke westlich Novöant in Nendezvousstellung aufmarschirt und vor und über die größeren Truppenübungen, III, 5b; Bronsart v. Schellen- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—351; Meckel, Taktik, Seite 182-186. 1) cckr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III, 5 b; Exerzir-Regleinent für die Feld-Artillerie, tz. 101; Bronfart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346-351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. 2) otr. Exerzir-Reglement für die Kavallerie, K. 56. 2) olr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III, 5 6; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346 —351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. 135 Beginn des Weitermarsches den Aufmarsch aller ihrer Theile abwartet? Wie viele Minuten würde der Zeitverlust eventuell betragen und welche Maßregeln wären zu ergreifen, um einen solchen zu vermeiden?') Aufgabe 26. Um wie viele Minuten früher würde die in einer Marschkolonne vereinigte 49. Infanterie-Brigade bei Gorze eintreffen können, wenn der Uebergang der Infanterie über die Kettenbrücke von Novöant statt im Schritt im Laufe stattfinden würde? -) Aufgabe 27. Welche Anordnungen wird der Kommandeur der 49. Infanterie- Brigade infolge der nun eingetretenen Ereignisse in eigener Kompetenz innerhalb seiner Brigade etwa noch treffen? Aufgabe 28. Welche Nersügung wird bei den vorliegenden Verhältnissen der Brigadekommandeur über die große Bagage treffen? -') Aufgabe 26. Aus welchen Gründen erscheint am 16. August bei der 49. Infanterie-Brigade weder ein Belassen der großen Bagage in den ursprünglich beabsichtigten Kantonnements noch ein Folgen derselben auf das linke Mosel-Ufer zweckmäßig? 0 Aufgabe 30. Wodurch dürfte sich im vorliegenden Falle das Zusammenhalten der Batterien im Abtheilungsverbande beim Gros der Kolonne rechtfertigen lassen? ') ekr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen sür den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, III, bb; Bronsart v. Schelle n- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 316-351; Meckel, Taktik, Seite 182—186. 2) gtr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 198, 199, 200, 350, 351. 3) elr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 292—295, 357—362; Meckel, Taktik, Seite 71-84, 190, 191. 4) ekr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, 4. Theil, ß. 195. 136 Aufgabe 31. Welche Maßregeln werden nöthig sein, um ein zweckmäßiges Eingreifen der 49. Infanterie-Brigade in das Gefecht sicherzustellen, und welcher Kommandeur wird im vorliegenden Falle diese zunächst zu veranlassen haben? . Aufgabe 32. Berechnung der Marschtiefe der hier in einer Kolonne vereinigten Großherzoglich Hessischen Truppen. >) Aufgabe 33. Angenommen, der Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade beabsichtigt, seinen Adjutanten zur Rekognoszirung der Bachstrecke zwischen der Südwestspitze des Bois des Chevaux und der Straße Novsant— Gorze nach vorliegenden Gesichtspunkten vorauszuschicken, wie würde ungefähr der zu ertheilende Auftrag lauten? Supponirter Bericht über das Resultat der Rekognoszirung. ?) Aufgabe 34. Wie dürfte die durch General v. Barnekow der Großherzoglich Hessischen Division zugehende Information über den bisherigen Gefechtsverlauf etwa lauten? (Generalstabswerk, 1. Theil, 1. Band, Seite 533, 630, 631, 632, 633.) Aufgabe 35. Angenommen, der Generalstabsoffizier der Großherzoglichen Division oder ein Divisionsadjutant wäre von Corny aus auf das Gefechtsfeld vorausgeschickt worden, um Nachrichten über die Gefechtslage einzuholen, wie würde dessen Bericht auf Grund der supponirten (selbst entworfenen oder hier gegebenen) Information lauten? Aufgabe 36. Erwägungen über die Verwendung der auf der Straße Novöant s.M.— Gorze vorrückenden Truppentheile der Großherzoglich Hessischen Division aus Grund der bisherigen Gefechtslage. 1) etr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 346—351; Meckel, Taktik, Seite 182-186 und Anlage 2) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 439—446, 455—457. 137 Aufgabe 37. Erwägungen über die Verwendung der 49. Infanterie-Brigade unter der Voraussetzung, daß dieselbe auf dem Wege in der Schlucht des Zurse-Baches vorrückt, bis in die Höhe der Nordlisiere des Bois de St. Arnould gelangt, ohne auf den Feind zu stoßen, und die durch General v. Barnekow mitgetheilten Gefechtsverhältnisse noch fortbestehen. Erwägungen für den vorausgehenden Vormarsch von der Cöte Mousa in der Schlucht des Zurse-Baches. Aufgabe 38. Entwurf der aus vorstehenden Erwägungen hervorgehenden Befehle im Wortlaut. (Entweder nur auf den Brigadekommandeur oder auch auf die Unterführer ausgedehnt.) Aufgabe 39. Erwägungen des Kommandeurs der 49. Infanterie-Brigade unter der Annahme, daß die Tete der Brigade von der Cöte Mousa her auf der Plaine de Geai eingetroffen ist, ohne daß sich bis dahin in den aus der geschichtlichen Darstellung bekannten Verhältnissen etwas geändert hat. Aufgabe 40. Entwurf der auf Grund der angestellten Erwägungen erforderlichen Befehle. Aufgabe 41. Erwägung, ob die bei der 49. Infanterie-Brigade verbliebene Batterie auf der Plaine de Geai zurückzulassen ist oder nicht. Entwurf der hiernach benöthigten Befehle. Aufgabe 42. Erwägungen des Brigadekommandeurs hinsichtlich des weiteren Vormarsches von der Plaine de Geai aus auf Grund der bisher bekannt gewordenen geschichtlichen Darstellung. Aufgabe 43. Entwurf der auf Grund vorstehender Erwägungen benöthigten Befehle. 138 Aufgabt 44. Wie viele Fahrzeuge (einschließlich der Geschütze) und Handpferde werden sich auf Grund dieses Befehls auf der Plaine de Geai ansammeln? >) Aufgabe 45. Welche Anordnungen trifft der Kommandeur der bisherigen Avantgarde nach Entgegennahme des mündlichen Befehls des Brigadekommandeurs? Aufgabe 48. Welche Anordnungen trifft der Kommandeur des I. Bataillons des 1. Infanterie-Regiments (Major Anschütz) auf Grund des ihm ertheilten mündlichen Befehls? Aufgabe 47. Welche Anordnungen wird der Kommandeur des 2. Infanterie- Regiment- (Oberst Kraus) auf Grund des ihm ertheilten mündlichen Befehls treffen? Aufgabe 48. Welche Anordnungen werden die beiden Bataillonskommandeure des 2. Infanterie-Regiments auf Grund des ihnen von ihrem Regimentskommandeur ertheilten mündlichen Befehls treffen? Aufgabe 4K. Um wie viel vermehrt sich die-normale Marschtiefe eines kriegsstarken Infanterie-Bataillons, wenn dasselbe sich aus der zweigliederigen Marschkolonne in Sektionen in Reihen setzt?') Ausgabe 50. Zeichnung der Marschkolonne eines kriegsstarken Infanterie-Bataillons mit vorausgehender Avantgarde in Reihen einschließlich Distanzen in 1 : 25 «XX). Vergleich deren Dimensionen mit den Dimensionen des BoiS des Ognons auf dem zum Studium benutzten Plane. >) ckr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, §. 106; Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege; Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des GeneralstabeS, Seite 292—295; Merkel, Taktik, Seite 80. ') ekr. Merkel, Taktik, Seite 182-18«. 139 Aufgabe 51. Erwägungen des BngadekommandeurS, als die Spitze der 7. Kompagnie innerhalb des Bois des OgnonS Feuer erhält. Aufgabe 52. Welchen Entschluß faßt der Führer der 7. Kompagnie, als seine Spitze innerhalb des BoiS des Ognon» plötzlich Feuer erhält? Aufgabe 53. Befehle des Brigadekommandeurs, als die Spitze der 7. Kompagnie innerhalb des Bois des Ognons Feuer erhält. Aufgabe '>1. In welcher Weise wird sich voraussichtlich der Sanitätsdienst beim 1. Infanterie-Regiment regeln, als dessen Teten innerhalb des Bois des Ognons auf den Feind stoßen? Aufgabe 55. Welche Anordnungen wird der Führer der rechten Flügelkolonne tMajor Freiherr Rüder v. Diersburg) auf Grund der bisher dargestellten Sachlage treffen? Aufgabe 5ti. Welche Maßregeln wird der mit der 2. und 3. Kompagnie auf 2W Schritt nachrückende Major Anschütz ergreifen, als er die rückgängige Bewegung der voraus befindlichen 6. Kompagnie bemerkt? Aufgabe 57. Welche Anordnungen trifft Major Anschütz für die 2. und 3. Kompagnie, als er links von der 6. vom Wege seitwärts abbiegt und einen hier etwas lichteren Theil des Waldes betritt? Ausgabe 58. Welche Erwägungen kommen für den Brigadekommandeur auf Grund der bisher entwickelten Situation in Betracht? Aufgabe 59. Entwurf des Befehls des BngadekommandeurS unter der Annahme, daß der Befehl mündlich durch den Brigade-Adjutanten dem Kommandeur des am Kreuzungspunkt der Wege in Reserve stehenden 2. Infanterie-Regiments ttbcrbracht wird. 140 Aufgabe 60. Welche Anordnungen trifft Major Freiherr Rüder v. Diersburg bei der rechten Flügelkolonne der Brigade, als die wiederholten Vorstöße der 7. Kompagnie sich erfolglos erweisen? Aufgabe 61. Entwurf des Befehls des Brigadekommandeurs unter der Annahme, daß der Befehl mündlich durch den Brigade-Adjutanten überbracht wird. Aufgabe 62. Entwurf der vom Brigadekommandeur mündlich zu ertheilenden Befehle, als er, bei der linken Flügelkolonne angelangt, das 2. Infanterie- Regiment bereits im Vorrücken findet. Aufgabe 63. Erwägungen des Brigadekommandeurs auf Grund der bisher entwickelten Lage und der bisher ertheilten Befehle. Aufgabe 64. Erwägungen des Kommandeurs des 2. Infanterie-Regiments auf Grund des vom Brigadekommandeur empfangenen Befehls. Aufgabe 65. Entwurf der vom Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments mündlich zu ertheilenden Befehle. Aufgabe 66. Erwägung, in welcher Weise die Batterie, in dem engen Waldweg befindlich, am zweckmäßigsten Kehrt macht.') Welche Anordnungen trifft der Batteriechef, nachdem er mit der Batterie auf der Plaine de Geai angelangt ist? Aufgabe 67. Welche Anordnungen trifft der Kommandeur des 1. Bataillons 2. Infanterie-Regiments, als das Bataillon vom Waldwege aus in Kompagniekolonnen in einem Treffen aufmarschirt? ') vkr. Exerzir-Reglement für die Feld-Artillerie, Anhang II. H. 279 und 8- 281, Ziffer 3. 141 Aufgabe 68. Erwägungen über die zur Zeit bestehende Gefechtslage und die auf Grund derselben zu treffenden Anordnungen. Aufgabe 69. Welche Anordnungen trifft Major Anschütz, als er sich zum Abbrechen des Gefechts und Sammeln der Truppen entschlossen hat? Aufgabe 70. Welche Anordnungen trifft Major Freiherr Rüder v. Diersburg, als er sich zum Abbrechen des Gefechts und Sammeln der Truppen entschlossen hat? Aufgabe 71. Entwurf des vom Brigadekommandeur mündlich an die beiden Regimentskommandeure zu ertheilenden Befehls, je eine Kompagnie ihres Regiments zur Sicherung während des Sammelns der aus der Gefechtslinie zurückkehrenden Abtheilungen gegen den Feind vorzuschieben. Aufgabe 72. Welche Anordnungen trifft der Brigadekommandeur, sobald er die Ueberzeugung gewinnt, daß eine Fortsetzung des Gefechts unter den obwaltenden Umständen aussichtslos ist? Aufgabe 73. Entwurf der mündlichen Meldung des Brigadekommandeurs über den Stand des Gefechts und die von ihm beabsichtigten Anordnungen im Wortlaut. Aufgabe 74. Erwägungen des Brigadekommandeurs über das soeben beendete Gefecht im Bois des Ognons. Aufgabe 75. , Welche Anordnungen hat der Brigadekommandeur nach Beendigung des Gefechts im Bois des Ognons zu treffen? Welche Reihenfolge der Anordnungen wird sich dabei am zweckmäßigsten erweisen? 142 Aufgabe 76. Berechnung des Raumbedürfnisses für die in einem Treffen biwa- kirenden vier Bataillone der 49. Znfanterie-Brigade. >) Aufgabe 77. Entwurf eines kotirten Croquis des Biwaks der 49. Infanterie- Brigade in 1 : 5000, dann in 1 : 25 000. ') Aufgabe 78. Erwägungen des Brigadekommandeurs hinsichtlich der zur Sicherung des Biwaks der 49. Infanterie-Brigade erforderlichen Maßregeln. Aufgabe 79. Berechnung des für die gesammte Brigade nach ihrer Etatstärke oder einer supponirten Stärke-Uebersicht erforderlichen eintägigen Lebensmittelbedarfs. Aufgabe 80. Berechnung des eintägigen Wasserbedarfes für die am Gefecht im Bois des Ognons betheiligten Truppentheile der 49. Infanterie- Brigade. 0 Aufgabe 81. Berechnung der Biwaksbedürfnisse (Holz und Stroh) und der zu deren Beifuhr nöthigen Transportmittel für die am Gefecht im Bois des Ognons betheiligten Truppentheile der 49. Znfanterie- Brigade. 0 1) okr. Verordnungen über die Ausbildung der Truppen für den Felddienst und über die größeren Truppenübungen, IV.; Bronsart v. Schelle n- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 404—409; Meckel, Taktik, Seite 119-127. 2) olr. Reglement über die Natural-Verpflegung der Armee im Kriege; Bronfart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 413—415. s) clr. Anmerkung 2 Seite 109. 4) ekr. Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 211, 212, 286. 143 Aufgabe 82. Entwurf einer Nachweisung des den am Gefecht im Bois des Ognons betheiligten Truppentheilen der 49. Infanterie-Brigade zur Verfügung stehenden Sanitätspersonals und Sanitätsmaterials. >) Aufgabe 83. Entwurf des vom Brigadekommandeur mündlich zu ertheilenden Befehls zum Biwakiren der Brigade und Ausstellen der Vorposten. Aufgabe 84. In welcher Weise würde sich bei der 49. Infanterie-Brigade nach dem Gefecht im Bois des Ognons wohl am zweckmäßigsten der Ersatz der verbrauchten Munition bewerkstelligen lassen, wenn die Bataillons- Patronenwagen der Brigade vereinigt außerhalb der Waldungen zunächst der Straße Noveant—Gorze zurückgeblieben wären? ?)> Aufgabe 85. Welche Munitionsbestände stehen der 49. Infanterie-Brigade in ihren vier zur Stelle befindlichen Bataillons-Patronenwagen zur Verfügung? In welcher Weise ist bei Entnahme des Munitionsbedarfes aus den einzelnen Wagen zu verfahren? ?) Aufgabe 86. In welcher Weise wird sich wohl nach dem Gefecht der 49. Infanterie-Brigade im Bois des Ognons die weitere Zurückschaffung der auf der Plaine de Geai angesammelten Verwundeten am besten bewerkstelligen lassen? >) Aufgabe 87. Berechnung der zum Transport eines eintägigen Lebensmittelbedarfs für das 1. und 2. Infanterie-Regiment erforderlichen Vorspannwagen. ») 1) otr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung; Dienst-Anweisung für die Infanterie- Bagage im Kriege; Bronsart v. Schellendorfs, Der Dienst des Generalstabes, Seite 289—291, 433—435; Meckel, Taktik, Seite 65—71. 2) ekr. Vorschrift für den Munitions-Ersatz der Truppen im Felde; Dienst- Anweifung für die Infanterie-Bagage im Kriege; ferner (namentlich wenn vorstehende Reglements nicht zugänglich sein sollten) Bronsart v. Schellen- dorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 283—285, 435, 436; Meckel, Taktik, Seite 76—80. 3) ctr. Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege. 144 Aufgabe 88. Berechnung der Zahl und des Gewichts der für das 1. und 2. Infanterie-Regiment für einen Tag erforderlichen Brotportionen. Auf Grund der Kriegsverpflegungs-Etats oder einer supponirten Stärke- Uebersicht. ') Aufgabe 8». Berechnung der zum Transport der Tornister des 1. und 2. Infanterie-Regiments erforderlichen Vorspannwagen. -) Aufgabe 90. Welche schriftlichen Arbeiten werden im Allgemeinen von Seiten der 49. Infanterie-Brigade nach dem Gefecht im Bois des Ognons auszuführen sein, sobald Zeit und Gelegenheit sich hierzu bietet?») Aufgabe 91. Entwurf des von der 49. Infanterie-Brigade über das Gefecht im Bois des Ognons an die Division einzureichenden Gefechtsberichts.0 Aufgabe 92. Wie lautet ungefähr der Auftrag, den der Brigadekommandeur seinem Adjutanten hinsichtlich Meldungserstattung an die Division ertheilt? °) Aufgabe 99. Entwurf der durch den Brigade-Adjutanten über das beendete Gefecht mündlich zu erstattenden Meldung im Wortlaut. °) Aufgabe 94. Erwägungen über die Aufgaben der während der Nacht gegen den Feind vorzuschickenden Jnfanterie-Schleichpatrouillen. 1) ekr. Reglement über die Natural-Verpflegung der Armee im Kriege; Bronsart v. Schellendorsf, Der Dienst des Generalstabes, Seite 413. 2) okr. Meckel, Taktik, Seite 160. okr. Bronsart v. Schellendorsf, Der Dienst des Generalstabes, Seite 316—320. ekr. Bronsart v. Schellendorsf, Der Dienst des Generalstabes, Seite 318—320. s) ekr. Meckel, Taktik, Seite 7-10. 145 Aufgabe 95. Entwurf der (mündlichen oder schriftlichen) Meldung des Brigadekommandeurs über die für die Nacht angeordneten Sicherungsmaßregeln.') Aufgabe 96. Entwurf der (mündlichen oder schriftlichen) Meldung des Brigadekommandeurs, daß die vorgeschickten Schleichpatrouillen den Feind vor sich gefunden haben.') Aufgabe 97. Entwurf der (mündlichen oder schriftlichen) Meldung des Brigadekommandeurs, daß der Feind gegen 4 Uhr früh in der Richtung Grave- lotte—Metz abmarschirt ist. >) Aufgabe 98. Allgemeine Betrachtungen über die Gefechtslage bei der 49. Jn- fanterie-Brigade auf Grund der bisher bekannt gewordenen Verhältnisse beim Gegner. Aufgabe 99. Betrachtungen über den Zusammenhang des Gefechts der 49. Infanterie-Brigade im Bois des Ognons mit dem Gefecht an der Straße Gorze—Rezonville westlich des Bois des Ognons. Aufgabe 100. Betrachtungen über die Verlustverhältnisse der einzelnen Abtheilungen mit Rücksicht auf die Thätigkeit derselben im Gefecht. Aufstellung einer Verlustliste in der den derzeitigen Vorschriften entsprechenden Form für das 1. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments auf Grund der in der geschichtlichen Darstellung mitgetheilten Verlustangaben und unter Supposition der in dem bezüglichen Schema geforderten Details.-) 0 okr. Meckel, Taktik, Seite 7—10. 2) ekr. Kriegs-Sanitiits-Ordnung, ß. 32 und Beil. 2; ferner Bronsart v. Schellendorff, Der Dienst des Generalstabes, Seite 318—320. Die 4g. Ins. Brig. bei Vionville —Mars la Tour. 10 146 Anlage 3. Lösung einer Detail-Ausgaöe. (Als Beispiel.) Aufgabe 54. In welcher Weise wird sich voraussichtlich der Sanitätsdienst beim 1. Infanterie-Regiment regeln, als dessen Teten innerhalb des Bois des Ognons auf den Feind stoßen? Aufgabe der Truppenbefehlshaber ist es, im Gefecht auch hinsichtlich des Sanitätsdienstes die erforderlichen Befehle rechtzeitig zu geben. Diese Befehle sind ebensowohl an die Truppenärzte wie an die unterstellten Truppentheile zu richten, und die Vielseitigkeit der militärischen Lage erheischt auch hier je nach Umständen ganz verschiedene Anordnungen. Die allgemeine Grundlage dafür geben die bestehenden reglementarischen Bestimmungen.') Fragen wir uns also, um hier in das Detail einzugehen, zuerst, wie wohl das dem 1. Infanterie-Regiment zur Verfügung stehende Sanitätspersonal und Sanitätsmaterial st in dem Augenblick vertheilt sein wird, als das Regiment von der großen Straße nach Gorze in nördlicher Richtung abbiegt, um diese Vertheilung dann als Ausgangspunkt der späteren Anordnungen zu benutzen. Bei einem Kriegsmarsche befinden sich bestimmungsmäßig die Truppenärzte und Lazarethgehülfen bei ihrem Truppentheil, die Hülfskranken- träger in der Front der Truppe, st die Medizinwagen entweder einzeln hinter den Bataillonen oder an der Queue größerer Abtheilungen, wie Regimenter, Brigaden u. s. w. st Die Anordnung der Details ist auch in dieser Hinsicht Sache der Truppenbefehlshaber. Wir wollen also annehmen, daß der Regimentsarzt mit seinem Regimentskommandeur, der Bataillonsarzt mit seinem Bataillonskomman- st okr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung; Dienst-Anweisung für die Trains im Kriege; Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege. 2) okr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, §. 24 und Z. 25. 2) okr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, K. 30, 2. st ekr. Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege. 147 deur reitet, was sich in vielen Fällen empfehlen wird, da sie dann in der Lage sind, deren Befehle frühzeitig entgegenzunehmen. Die übrigen Aerzte denken wir uns an der Queue ihrer Bataillone, die Lazareth- gehülfen an der Queue ihrer Kompagnien, die Medizinwagen hinter den einzelnen Bataillonen. Das letztere dürfte die Regel sein, da sich sonst die nothwendige Verbindung mit ihrem Truppentheil nur schwer, in vielen Fällen gar nicht erhalten lassen wird. Gerade im vorliegenden Falle würden sich beispielsweise ganz sicher große Unzuträglichkeiten ergeben, wenn die Medizinwagen vereinigt an der Queue des Regiments oder der Brigade marschiren würden. Wir wollen ferner annehmen, daß von Seite des Regimentskommandeurs und der Bataillonskommandeure die bestimmungsmäßige Vertheilung der Truppenärzte und Lazarethgehülfen >) und die Kommandirung eines Unteroffiziers bei jedem Bataillon als Führer der Hülfskrankenträger 2 ) für den Gefechtsfall schon vor Beginn des Marsches oder während des Marsches nicht übersehen wurde. Als die Tete der Brigade östlich Gorze von der großen Straße abbiegt und die 5. und 8. Kompagnie des 1. Infanterie-Regiments unter Major Hahn als linke Seitendeckung detachirt werden, tritt bereits eine Frage hinsichtlich des Sanitätsdienstes an den Regimentskommandeur, den Bataillonskommandeur, den Regimentsarzt und den Bataillonsarzt heran. Man wird nicht ohne zwingende Noth ein halbes Bataillon dauernd ohne sachverständige ärztliche Hülfe belassen, was hier sehr leicht eintreten könnte, wenn nicht die gleichzeitige Detachirung von Sanitätspersonal und Sanitätsmaterial angeordnet wird. Wann die Seitendeckung wieder zu ihrem Bataillon stößt, läßt sich zur Zeit durchaus nicht übersehen; tritt sie von diesem getrennt ins Gefecht, so kann sie vielleicht an den Sanitätseinrichtungen anderer Truppen Theil nehmen, sicher ist dies aber nicht, sie kann ebenso gut in die Lage kommen, ein völlig selbstständiges Gefecht zu führen. Der Assistenzarzt des Bataillons wird also angewiesen werden, die beiden detachirten Kompagnien zu begleiten und das benöthigte Sanitätsmaterial vorher dem Medizinwagen zu entnehmen. Das muß also während des Marsches geschehen. Zur Verfügung stehen ihm die beiden Lazarethgehülsen der 5. und 8. Kompagnie und acht Hülfskrankenträger (von jeder Kompagnie vier Mann).-) Zur Führung der letzteren wäre von Seiten des Majors Hahn noch ein geeigneter Unteroffizier zu kommandiren. ch Diese Mannschaften werden aus der Front der Truppe 1) ekr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 29, 5 und 6; Z. 201, 7. 2 ) ekr. Kriegs-Samtäts-Ordnung, tz. 30, 5. 3) ekr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, H. 80, I. 4) ekr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 30, 5. 10 * 148 herausgerufen, warten das Herankommen des Medizinwagens ab, nehmen von diesem auf Anweisung des Assistenzarztes zwei Krankentragen >) und einen Bandagentornister,H und folgen damit den beiden detachirten Kompagnien. Nun erst ist der Assistenzarzt im Stande, erforderlichenfalls einen kleinen Verbandplatz zu etabliren und so eine dem ersten Bedürfniß voraussichtlich genügende ärztliche Hülfe zu gewähren. Diese Verhältnisse dürften geeignet sein, auf die Nothwendigkeit hinzuweisen, jede weitere Detachirung einzelner Kompagnien so viel wie möglich zu vermeiden. Das Bataillon ist die kleinste hinsichtlich des Sanitätsdienstes (wie auch des Munitionsersatzes) zu einer gewissen Selbstständigkeit ausgestattete Truppeneinheit, man wird also bestrebt sein, keine Kompagnie desselben weiter zu entfernen, als daß sie noch an den gemeinsamen Einrichtungen Theil nehmen kann. Man könnte nun vielleicht einwenden, daß das hier zutreffend sei und eine Abzweigung von Sanitätspersonal und Material durchaus nicht geboten sei. Dem wäre zuzustimmen, sobald sich die Kolonne in offenem, übersichtlichem Terrain bewegt und das detachirte Halbbataillon nah herangehalten bleibt. Hier aber nähert sich die Brigade der Gefechtssphäre und tritt dabei in ein coupirtes, unübersichtliches Gelände. Wir dürfen deshalb unsere diesbezüglichen Anordnungen wohl für berechtigt halten, auch wird voraussichtlich der weitere Gang der geschichtlichen Darstellung zeigen, wann und unter welchen Umständen die beiden Halb- bataillone des 2. Bataillons wieder in Verbindung treten. Begleiten wir das zunächst nach der Plaine de Geai marschirende 1. Infanterie-Regiment. Als der Brigadekommandeur, dort angekommen, den Befehl ertheilt, die gesammte kleine Bagage zurückzulassen, sind auch hinsichtlich des Sanitätsdienstes weitere Anordnungen zu treffen. Da die den größten Theil des Sanitätsmaterials enthaltenden Medizinwagen nicht in den vorliegenden dichten Wald hineingenommen werden, so muß in anderer Weise Vorsorge getroffen werden. Die Etablirung eines Truppen-Verbandplatzes auf der Plaine de Geai ist vorläufig jedenfalls nicht geboten, da das Regiment bisher mit dem Gegner noch gar nicht in Berührung gekommen ist. Läßt es hingegen den größten Theil seiner Sanitätsausrüstung aus der Plaine de Geai zurück, so vermag es unter Umständen wegen der Anfüllung der engen Waldwege und vielleicht auch der weiten Entfernung für lange Zeit nicht mehr davon Gebrauch zu machen. Für solche Fälle sind insbesondere die Bandagentornister bestimmt, die den Truppen auf das Gefechtsfeld nach- 1) eU. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, H. 25, 4. 2) ekr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 25, 2 und Beil. 1, tz. 1 und 2. 3) ckr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 29. 149 getragen werden, besonders an solche Punkte hin, wohin der Medizinwagen nicht zu folgen vermag. Es werden also die Bandagentornister und auch die Krankentragen jetzt schon von den Medizinwagen zu nehmen und mitzuführen sein. Das muß aber speziell befohlen werden. Die Anordnung kann entweder von dem Truppenbefehlshaber aus eigener Initiative getroffen werden, oder es hat dessen ärztlicher Referent, der Regiments- oder Bataillonsarzt, diesbezüglichen Antrag zu stellen. Zur Durchführung einer solchen Anordnung sind zunächst die Lazarethgehülfen, die Hülfskrankenträger und die zur Führung der letzteren bestimmten Unteroffiziere aus der Front der Truppe zu rufen und zur Verfügung des Bataillonsarztes zu stellen. >) Allerdings soll dies in der Regel erst geschehen, sobald die Infanterie ins Feuer kommt, hier aber ist diese Maßregel durch die Terrainverhältnisse und weil die Medizinwagen zurückbleiben, schon jetzt geboten. Sind die Kompagnien einmal in den engen Waldweg eingedrungen und es engagirt sich ein Gefecht, so wird es den Aerzten sehr schwer werden, ihre Lazarethgehülfen und Hülfskranken- träger in die Hand zu bekommen, und noch schwieriger wird es sein, dann zu den auf der Plaine de Geai verbliebenen Medizinwagen zu gelangen. Die von Seiten des Regimentskommandeurs und der beiden Bataillonskommandeure zu treffenden Anordnungen dürften deshalb etwa wie folgt lauten: 1) Befehl des Regimentskommandeurs an den bei ihm befindlichen Regimentsarzt, mündlich ertheilt auf der Plaine de Geai nach Empfang des Brigadebefehls. Die Brigade wird in dem vor uns liegenden dichten Walde noch weiter vorrücken. Die Medizinwagen bleiben mit der übrigen kleinen Bagage auf dieser Waldblöße hier zurück. Ich ersuche Sie, zu veranlassen, daß die Krankentragen und Bandagentornister von den Wagen und mit in den Wald genommen werden. Auch bitte ich, dem Kommandeur des 1. Bataillons zu sagen, daß er die Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger sogleich austreten lassen und zur Verfügung des Bataillonsarztes stellen möchte. 2) Befehl des Regimentskommandeurs an den bei ihm befindlichen Kommandeur des 2. Bataillons, mündlich ertheilt auf der Plaine de Geai im Anschluß an vorstehenden Befehl.?) 1) otr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, §. 30, 3 und Dienst-Anweisung für die Infanterie-Bagage im Kriege, tz. 68. 2) Würde der Rest des 2. Bataillons wie in unserer Studie supponirt, auf der Plaine de Geai als Bedeckung und zur Sicherung von Flanke und Rücken verbleiben, so würde damit selbstredend auch das dazu ge- 150 Ich ersuche Sie gleichfalls, da die Medizinwagen hier zurückbleiben sollen, die Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger zur Verfügung des Bataillonsarztes zu stellen und diesen zu veranlassen, daß die Krankentragen und Bandagentornister vom Wagen und mit in den Wald genommen werden. 3) Befehl des Kommandeurs des I. Bataillons, mündlich ertheilt an den zunächst befindlichen Kompagniechef nach Empfang des Regimentsbefehls. Die Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger treten sofort aus und sammeln sich an der Queue des Bataillons zur Verfügung des Bataillonsarztes. Lassen Sie das durch Ihren Lazarethgehülfen den anderen Kompagniechefs mittheilen. 4) Befehl des Kommandeurs des 2. Bataillons, direkt mündlich an die beiden Kompagniechefs oder mündlich überbracht. Lassen Sie sogleich Ihre Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger austreten und an der Queue des Bataillons sich sammeln. Dieselben stehen von jetzt ab zur Verfügung des Bataillonsarztes. 5) Befehl des Kommandeurs des 2. Bataillons, direkt mündlich an den Bataillonsarzt oder mündlich überbracht. Die Medizinwagen bleiben hier auf dieser Waldblöße zurück. Die Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger habe ich austreten lassen und stehen nun zu Ihrer Verfügung. Lassen Sie sogleich Krankentragen und Bandagentornister vom Medizinwagen nehmen und dem Bataillon nachtragen. Mit diesen Befehlen wären wohl die zunächst erforderlichen Anordnungen in der Hauptsache erledigt. Weitere Maßregeln werden erst wieder nothwendig, als das an der Tete befindliche Halbbataillon und das l. Bataillon innerhalb des Bois des Ognons sich trennen. Hier dürften die Uebelstände, die mit der Zerreißung eines Bataillons auch hinsichtlich des Sanitätsdienstes verbunden sind, neuerdings zur Geltung kommen. Weitere Befehle werden erforderlich, um Unordnung und Verwirrung zu verhüten und zwar in einem Moment, wo der Bataillonskommandeur vollauf beschäftigt ist und mit seinem Bataillonsarzt nur in sehr loser Verbindung steht. In solchen Fällen muß zunächst das selbststündige Eingreifen des Letzteren ergänzend eintreten. Im vorliegenden Falle wird der Bataillonsarzt, als die 6. Kompagnie links abbiegt, höchst wahrscheinlich nicht wissen, daß dieser Kompagnie hörige Sanitäts-Personal zurückbleiben. Die bezüglichen Anordnungen würden sich demgemäß modifiziren. 151 später noch ein Halbbataillon des 1. Bataillons nachgeschickt wird, er muß also von seinem Standpunkte aus die benöthigten Anordnungen hinsichtlich des Sanitätsdienstes treffen. Voraussichtlich wird er den Lazarethgehülfen und die Hülfskrankenträger der 6. Kompagnie ihrer Kompagnie nachschicken, während er selbst bei der Kompagnie verbleibt, bei der sich sein Kommandeur befindet. Als sich später das 1. Bataillon in zwei Halbbataillone trennt, muß in analoger Weise eine Theilung des Sanitätspersonals und Materials vorgenommen werden. Der Bataillonsarzt wird das Halbbataillon begleiten, bei dem sich der Bataillonskommandeur befindet, während der Assistenzarzt sich dem andern Halbbataillon anschließt. Lazarethgehülfen und Hülfskrankenträger verbleiben womöglich bei den Kompagnien, zu welchen sie etats- mäßig gehören. Diese Zersplitterung des Sanitätspersonals und Materials ist, so sehr sie einer einheitlichen Leitung des Sanitätsdienstes auf dem Gefechtsfelde entgegenstehen mag, eine natürliche Konsequenz der Zerreißung der Truppen-Einheiten, im vorliegenden Falle aber auch eine Konsequenz der Terrainverhältnisse. Jede Abtheilung hat gleichen Anspruch auf ärztliche Hülfe, kleinere Truppen-Kommandos, denen man keinen Arzt beizugeben vermag, läßt man, wenn thunlich, durch einen Lazarethgehülfen begleiten, der mit einer Lazarethgehülfentasche ausgerüstet ist. Hier sind beide Kolonnen der 49. Infanterie-Brigade durch schwieriges, ungangbares Waldterrain getrennt, jede von ihnen muß daher selbstständig für den Sanitätsdienst ausgestattet sein. Die Zersplitterung des Sanitätspersonals und Materials hätte sich nur dann vermeiden lassen, wenn überhaupt die Zersplitterung des 1. Infanterie-Regiments hätte vermieden werden können. Eine einheitliche Leitung bei jeder der beiden Kolonnen aber wäre angebahnt, wenn es zulässig gewesen wäre, von Anfang an auf jeden der beiden Wege ein Regiment zu disponiren. Diese Schwierigkeiten sind indeß nicht die einzigen, die sich im konkreten Falle ergeben, wir wollen auch die übrigen zu verfolgen suchen. Als die 6. und 7. Kompagnie innerhalb des Bois des Ognons von heftigem Feuer empfangen werden, fallen einige Leute. Die 7. Kompagnie deckt sich seitwärts des Weges im Walde, die 6. geht eine Strecke zurück. In beiden Fällen bleibt von den Verwundeten, was nicht gehen kann, zunächst liegen. Sämmtliche Verwundeten würden hier der ärztlichen Hülfe sehr lange entbehren müssen, wenn sich Aerzte und Hülfskrankenträger weit zurück befinden. Denn es können weder Erstere nach rückwärts, noch Letztere nach vorne gelangen, da sie die engen Waldwege durch die im Vorrücken begriffenen Abtheilungen versperrt finden. Nach den von uns entworfenen Anordnungen aber wird jede der beiden Kompagnien von Sanitätspersonal begleitet, das nun sofort unmittelbar hinter ihnen in Thätigkeit treten kann. Die Hülfs- 152 krankenträger beider Kompagnien müssen versuchen, die Verwundeten, wenn auch nur eine kurze Strecke, zurückzuschaffen, während bei der 7. Kompagnie der Bataillonsarzt und der Lazarethgehülfe dieser Kompagnie, bei der 6. Kompagnie deren Lazarethgehülfe allein die nothwendigsten Verbände') anlegt. Diese Betrachtung dürfte den Nachweis liefern, daß die von uns entworfenen Anordnungen hinsichtlich des Sanitätsdienstes beim 1. Infanterie-Regiment wohl als zweckmäßig erachtet werden dürfen, wenn sie auch außergewöhnliche sind und einem Hauptgrundsatz des Kriegs- Sanitätsdienstes — Vermeidung jeder Zersplitterung — nicht zu entsprechen scheinen. Die Terrain- und Gefechtsverhältnisse sind hier eben außergewöhnlich schwierige und erheischen eine der Truppenvertheilung entsprechende Vertheilung des Sanitätspersonals und Materials, widrigenfalls man Gefahr läuft, von diesem vorläufig überhaupt keinen Gebrauch machen zu können. Von einer Zurückschaffung der Verwundeten etwa nach der Plaine de Geai kann unter den obwaltenden Umständen natürlich zur Zeit keine Rede sein, dieselben bleiben auf einer lichteren Stelle des Waldes oder neben dem Wege einfach liegen. Alles Uebrige hängt von dem Verlauf des sich weiter entwickelnden Gefechts ab. Jedenfalls dürfen die vorgehenden Truppen durch das mit der Sorge für die Verwundeten beschäftigte Sanitätspersonal unter keinen Umständen behindert werden. Bei der 6. Kompagnie werden Verwundete, die nicht selbst zurückgehen können, zunächst hülflos liegen bleiben, da die Kompagnie — vom feindlichen Feuer überrascht — eine Strecke zurückgeht. Das läßt sich indeß nicht ändern. Der Lazarethgehülfe und die vier Hülfskranken- träger der Kompagnie können unter diesen Umstünden nicht zu den Verwundeten gelangen, selbst wenn sie es versuchen wollten; diese können erst berücksichtigt werden, wenn die Kompagnie wieder zum Halten gekommen und von Neuem vorgerückt ist. So ungefähr dürften sich die Verhältnisse des Sanitätsdienstes beim 1. Infanterie-Regiment gestalten, als dasselbe am Abend des 16. August innerhalb des Bois des Ognons auf den Feind trifft. >) Dem Bataillonsarzt steht hierbei der in den Wald mitgenommene Bandagentornister, die Lazarethgehülsentasche des Lazarethgehülfe» und das von jedem Soldaten mitgefühlte Verbindezeug zur Verfügung, dem Lazarethgehülfe» der 6. Kompagnie seine Lazarethgehülsentasche und das Verbindezeug des einzelnen Soldaten, ekr. Kriegs-Sanitäts-Ordnung, tz. 25. Gedruckt in der Königlichen Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler u. Sohn, Berlin, Kochstraße 69. 70. Im Verlage der Königlichen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler und Sohn in Berlin, Kochstraße 69. 70., erschienen ferner: Helmuth, A., (Hauptm.) Die Schlacht von Vionville und Mars la Tour. Die Preußischen Barden am 18. August 1870. Zwei Vortrage. 1874. 1,50. Hoffbauer, E., (Major). Die deutsche Artillerie in der Schlacht von Vionville— Mars la Tour. Zweite durchgesehene Auflage. 3,20. Kahler, (Oberstlieut.) Die Reiterei in der Schlacht bei Vionville und Mars la Tour am 16. August 1870. 3. berichtigte und ergänzte Auflage. Mit 1 Karte. 1874. ^ 1,15. v. Verdy du Vernois, (Generallieut.) Studien über Truppen-Führung. Erster Theil: Die Infanterie-Division im Verbände des Armee-Korps. Vier Hefte. 9,—. -Dasselbe. Zweiter Theil: Die Kavallerie-Division im Armee-Verbände. Drei Hefte. 7^. 8,80. -Kriegsgeschichtliche Studien nach der applikatorischen Methode. Erstes Heft. Taktische Details aus der Schlacht von Custoza. 1876. 2,80. Garde-Korps.) Lindau, Die Preußische Garde im Feldzuge 1870—71. 1872. 2,50. 1. Garde-Regt. zu Fuß.) v. Kessel, (Hauptm.), Geschichte des Regiments von 1857 bis 1871 unter Fortführung der Personal-Notizen bis 1880. Mit 1 Portrait, 2 Abbildungen in Lichtdruck und 9 Karten. 1881. 10,50. Dasselbe.) v. d. Goltz, Frhr. (Prem.-Lieut.), kurze Geschichte des Regiments von 1806 bis auf die Gegenwart. 1881. —,50. 2. Garde-Regiment zu Fuß.) v. Lüdinghausen, Frhr. gen. Wolfs I. (Prem-Lieut), Geschichte des Regiments. 1813—1882. Auf Befehl des Regiments-Kommandeurs Oberst v. Wissmann verfaßt. Mit einem Originalbilde Sr. Majestät des Kaisers und Königs, vielen Kunstbeilagen, Karten und Plänen. 1882. 16,—. Dasselbe.) Kurze Darstellung der Geschichte des Regiments 1813 —1883. Auf Befehl des Regiments-Kommandeurs Oberst v. Wissmann bearbeitet für die Unteroffiziere und Mannschaften. Mit 5 Skizzen im Text. 1883. —,50. Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regt. Nr. 2.) Geschichte des Regiments. Auszug. Fünfte Auflage. 1882. (Nicht im Buchhandel) Garde-Füfilier-Regt.) v. d. Mülbe, (Hauptm.), Geschichte des Regiments. Mit 2 Karten. 1876. 9,—. 4. Garde-Regiment zu Fuß.) v. Bagensky, (Prem.-Lieut.), Geschichte des Regiments von 1860—1884. Mit einem Bildniß Sr. Majestät des Kaisers und Königs in der Uniform des Regiments, einem kolorirten Uniformbilde und Uebersichtskarten, Plänen und Skizzen. 9,—. 3. Garde-Grenadier-Regt. Königin Elisabeth.) Geschichte des Regiments im deutsch-fraNzösischen Kriege 1870—71. Nebst Angaben aus der Zeit von 1871 bis 1880. Als Fortsetzung der „Beiträge zur Geschichte des 3. Garde- Grenadier-Regiments Königin Elisabeth 1859 bis 1870", auf Befehl des Regimentskommandos nach den Akten zusammengestellt. Mit 3 Bildnissen und 7 Karten. 1881. 9,—. Oldenburgisches Dragoner-Regt. Nr. 19.) Schweppe, (Lieut.), Geschichte des Regiments. Mit 5 Uniform-Abbildungen. 1878. 5, — . Gedruckt in der Königlichen Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler und Sohn in Berlin, Kochstraße 69. 70.