Aargauische Denkwürdigkeiten aus den Zeiten der Vergangenheit und der Gegenwart. Ein historischer und biographischer Versuch- von N, Markus Lutz, Pfarrer ru LäufelfingeN- Erstes Heft. Aarau, 1804. bey Friedrich Jakob Bek- ^odills üelveti« regio xar omnibns uns. (Lrnsckil ltcr Helvet.) 5 /^ <1 Des wohlverdienten Landesvätern, den Hochgeachtet?, Hochgeehrten Herren Präsident und Regierungs - Räthen, des eidgenössischen Freystandes A a r g a u, weiht diese vaterländische Arbeit r un, Denkmal seiner Hochachtung der Verfasser. schüchtern wag' ichs, Verehrung servil rdige Herren! Ihnen diese Erstlinge meiner Schweizerischen Geschichtsforschungen in ihrer Unvollkommenheit zu Füssen zu legen. Die Weisheit, welche den aus Ihrer Mitte hervorgehenden Gesetzen und Verordnungen der Gemeinnützigkeit und der Brauchbarkeit Stempel aufdrückt — der väterliche Ernst, womit Sie denselben durchgehends zwanglosen Gehorsam verschaffen — die edle Vaterlandsliebe die Sie begeistert — die Hofnungen des Glaubens, die Sie beleuchten — der biedre Entschluß, den Sie gefaßt, sich dem Vaterlande hinzugeben — erheben das Zutrauen Ihrer Mitbürger, das Sie an Ihre erhabne Stelle rief, zu vollem Glauben. Mit Ehrfurcht sprechen Ihre Miteidgenossen von Aargaus weifen Landesvatern. Auch ich vereine mit jedem guten Aargauer meine Wünfche zu Gott, daß Ihrer Tage viel werden — Ihre Jahre sanft und angenehm dahin fließen mögen. — Die Künste des Friedens, Gewerbe und Handlung blühen unter Ihrem Schutze auf. — Der Thau des Himmels — die Fettigkeit der Erde Haufen das Gute, das Iehovah der Mächtige feinen Völkern giebt. Er wende alles Böfe von Ihnen, und vollende den Entschluß Ihres Wollens zum schönen Ge- -eyher,!! Voreriiinerung. Nie Ergebenheit, die ich meinem Vaterlande schul- dig bin, und die besondere Vorliebe für die Geschichte der Thaten meiner Väter, haben in meiner Seele längst schon das kühne Vornehmen zur Reife gebracht, die Musestunden, die ich von meinen Amtsgeschäften und Verrichtungen noch übrig habe, der Bearbeitung und Beleuchtung vaterländischer Gegenstände zu wiedmen. Der gegenwärtige Versuch gehört zu den ersten Früchten meiner Bemühungen in diesem wissenschaftlichen Fache. Die gütige Aufnahme und die billige Nachsicht des wohlwollenden Lesers sollen entscheiden, ob ich es wagen dürfe, mit dergleichen Aufsätzen in folgenden Heften fortzufahren. Anfangs bey der neuen Umwandlung der Schweiz, aus einer zentralisirten Republik in einen Staatenbnnd, und bey der Erhebung des vereinigten Aargaus, Badens und Frikthals zu einem souverai- nen Kanton, gieng meine Absicht dahin, eine möglichst vollständige Geschichte und Beschreibung des nun wichtiger gewordnen Aargaus, so wie solches in dem Laufe vieler Jahrhunderte beschaffen war, zu verfassen. Allein die Ausführung eines solchen Unternehmens fand ich mit allzugroßm Schwierigkeiten rerbund.n, die sich auch wirtlich weit besser denken als beschreiben lassen, und daher stuhnd ich auch Von der Realisimnq dieses schon in Plan gelegten Entschlusses ab. Um aber dem vielfältigen Zureden aufmunternder Freunde dennoch etnigermaassen zu entsprechen, und meiner Lieblingsneigung zu vaterländischen Arbeiten ein süsses Opfer zu bringen, so Habe ich mich zu der Herausgabe der Aargaui- schen Denkwürdigkeiten bereden lassen. Es erscheinen unter diesem Namen in gegenwärtigem Hefte mehrere Aufsätze über Frikthalische Stiftungen, indem urkundliche Nachrichten von diesen Haupt- merkwürdigkeiten der vormals östreichischen Landschaft Frikthal, jedem Aargauer vorzüglich erwünscht seyn müssen. Von der Lokalgeschichte der nunmehrigen Hauptstadt Aarau wird der Leser die Fortsetzung in den folgenden Heften, zwar nur, wie es hier der Anfang zeigt, die interessantesten Begebenheiten derselben erzählt finden. Ucbrigens sollten keine unnützen politischen oft weitheraeholten, unfruchtbaren Raiftunements, die nie die Sache weder des Historikers noch des Biographen seyn können , diese Denkwürdigkeiten — wenn fie sonst den Beyfall des Publikums sich erwerben sollten — entwürdigen, so wenig als ich mir satyrische oder spashafte Hieve und personelle Ausfälle erlauben werde. Geschrieben den iyten Herbstmonat I n n h alt. Chronologische Aufzählung der merkwürdigsten Begebenheiten und Vorfälle, die sowohl in der Stadt Aarau im Aargau, als in der umliegenden Gegend, seit derselben Anbau, bis auf gegenwärtige Zeiten, statt gehabt haben. - - - - Seite » Ursprung und Schicksale des CollegiatstiftS St. Martin zu Rhcinfelden. - - - S. zv Ueber die beyden Kapuziner-Klöster zu Rheinfelden und Lariftnburg. - - - S. 4r Des adelichen GottShauscö Ollsperg Stiftung, Herkommen und Schicksale. - - S. 45 Das Bcguinenkloster zu Jglingen. - . S. 57 Kirchliche Verfassung des FrikthalS, im Kanton Aargau. - - - - S. 5? Königsfelden im Aargau, eine Herzoglich-Oestreichische Klosterstistung aus dem vierzehnde» Jahrhundert; nach der Kirchenverbesserung ein reiches Amt - und . Armenhaus. - - - - S. Biographische Skizzen von merkwürdigen Männern aridem jetzigen Umfange des AargauS. - S. 97 Zugabe einiger Gedichte. - - - S. n; Chronologische Aufzahlung i- ^ - !- - > . der merkwürdigsten Begebenheiten und Vorfälle, die sowohl in der Stadt Aarau im Aargan als in der umliegenden Gegend, feit derselben Anbau, bis auf gegenwärtige Zeiten, statt gehabt haben. r.-, ,. Aus handschriftlicken Urkunden gezogen. 1^- ^ ^Vroniken sind für die Geschichte eben das / was umständliche topographische Landkarten für die Geographie sind. Ist es gleich oft für neun und neunzig unter Hunderten die Gebrauch von diesen machen/ nicht von dem mindesten Nutzen/ daß jeder auch noch so unbedeutende Platz/ jedes Quergäßchen irgend eines Dörfchens sich darin verzeichnet findet; so trift sich doch manchmal der Fall/ ws dery Einen von den Hunderten ein solches Detail sehr erwünscht ist. Die Anwendung hievon auf eine vollständige chronologische Aufzählung aller/ einigermaßen bemer- kenswerthen Begebenheiten und Vorfälle/ die einem gewissen bestimmten Orte lokal sind / und wobey man Rück- ficht auf alle Stande die ihn bewohnen/ genommen hat/ ergiebt sich leicht von selbst. Kein billiger/ diesem Orte einheimischer Leser wird daher sagen: was bekümmert mich das oder jenes von dem was ich hier antreffe; es wird ihm vielmehr angenehm seyn/ auf solche Art ein Reper- torium zu bekommen/ das auf alle die Fälle berechnet worden/ wo ihm so wie jedem anderen Einwohner seines Orts/ die an einem fortlaufendem Faden aneinandergereiheten Data der Geschichte desselben/ nur irgend von einigem Nutzen seyn können. Der Hauptzweck dieser Zeitschrift muß/ da sie den Namen: Aargauische Denkwürdigkeiten aus den Zeiten der Vergangenheit und der Gegenwart/ an ihrer Stirne trägt, vorzüglich auf das Interesse des Aargauischen Publikums gerichtet seyn, folg- Ar 4 lich wird diese in gedrängter Kürze hier aufgestellte hi- storische Skizze, oder Aufzählung der merkwürdigsten Begebenheiten und Vorfälle, die sowohl in der Stadt Aarau als in ihren Umgebungen, seit derselben Anbau bis auf unsere Tage, statt gehabt haben,— indem ein jeder dabey nach dem was oben gesagt worden, die Nützlichkeit derselben für das Ganze des einheimischen Publikums nicht aus den Augen verlieren darf— eher den Dank des letzter», als dessen Tadel verdienen. Aarau ist eine schöne und wohlgelegene Stadt im Aargau, in einer angenehmen von Bergen zum Theil umgebenen Ebene. Nahe au ihren Mauern fließt die Aar, einer der Hauptflüsse Helvetiens vorbey, über welche hier auf das linke Ufer, eine bedeckte wohlunterhaltene Brücke führt; die Stadt selbst wird von dem Surbach durchschnitten der in ein artiges gemauertes Bette eingeschlossen ist, und der Stadt nie schädlich werden kann, weil es nur von den Einwohnern abhängt, wie viel sie Wasser einlassen wollen. Die Gegend ringsum die Stadt ist eine der lieblichsten die man sich denken kann; selbst Fremde die von den Schönheiten des Zürich- oder Bodensees bezaubert hieher kamen, betrachteten ihre Lage mit Entzücken, denn auf allen Seiten begegnen dem forschenden Blicke, die schönsten Landschafts-Gemälde, bald im sanfteren, bald im schauerlicheren Kolorit. Und zum vollkommenen Genusse der schuldlosen Freuden, welche ein heiterer Himmel und die schöne Natur gewahrt, tragen die freundlichen Bürger Aaraus, durch die gute zweckmäßige Erhaltung und Verschönerung der gegenwärtigen mahlerischen Spazierplätze so wie durch die Anlage 5 neuerer und geschmackvollerer Erhohlungsorte, das ihrige rühmlich bey. Aarau liegt beynahe in dein Mittelpunkte von Zürich, Bern, Luzern, Basel und Solothurn, und ist daher sehr belebt und kunstreich. Bevor ich mich aber an eine Schilderung aller ihrer Lokalmerkwürdigketten, ihrer Kunst- und Litterar-Etats wage, womit ich diese historische Skizze lieber vollenden als beginnen möchte, so übergehe dießmal diesen mir so angenehmen Gegenstand, mit dem biedermännischen Versprechen: denselben am Ende dieser Aufzählung geschichtlicher Vorfälle zu berühren. Aber auch hier erwarte man weder eine ausführliche Darstellung, noch strenge Ordnung der Gedanken und Materien, sondern nur einen zusammengedrängten Abriß -er älteren und neueren Geschichte dieser artigen und niedlichenStadt, und der ihr nahe liegendenGegend. Auf dem Platze, wo vor einem Jahrtausend der Aargauischen Centgrafen von Rore Gerichtsrälte und uralte Stammburg stuhnd, wurde Aarau erbauet. Von diesen Helvetischen Oberrichtern, die schon während des Fränkischen und Carolingischen Zeitraums, und wahrscheinlich noch früher im östlichen Theile Helvetiens, Richter des Landes waren, und derer Gerichtsplätze, Mallus, genennt wurden, mag auch der Ort wo Aarau dermalen steht, zu einer solchen Gerichtsstatte bestimmt worden seyn. Ein feyerli- ches Stillschweigen beobachten die vaterländischen Annalisten der früheren Jahrhunderte über den Umfang des Eigenthums der Grafen von Rore. Nach Emigen wäre ihre Grafschaft in dem Bezirke Landes, der späterhin die Freyen Aemter genennt wurden, zu suchen; nach Anderen in dem heutigen Aargau zu finden. Wenn nun die Burg, 6 imr welche Aarau in der Folgezeit gebauet worden, der beständige Aufenthaltsort der Grafen von Rore und derselben Malistatt vom Aargau gewesen ist, so steigt die Uranlage von Aarau weit an die Zeiten des Mittelalters hinauf. Ernestus ein Graf von Rore, meinen einige Schweizerische Antiquaren, habe mit dem Anfange des zehnten Jahrhunderts den Bau von Aarau begonnen, und ein so geheißnes Centgericht allda, über die alte Grafschaft Windisch niedergesetzt. Nach Erlöschung der Familie der Grafen von Rore, soll Aarau im Jahre 948 an Graf Gunzelin, oder wie andere annehmen, an Graf Guntram den Reichen 1207, oder wie noch andere wollen, im I. ivzo an Graf Radbod von Altenburg erbsweise gefallen seyn. Tschudy der einzige und zuverlässigste Gewährsmann, sowohl für unsere historischen Wahrheiten als Vermuthungen, erwähnt in seinen Helvetischen Jahrbüchern von einer Zerstörung, welche die erst aufblühende Stadt Aarau im Jahr 1027, durch einen Graf Rudolf von Altenburg erlitten habe, ohne davon weder die Ursachen noch einige Umstände anzuführen. An diesem wollen aber verschiedene vaterländische Ge- schichtforscher zweifeln, da in der Genealogie der Altenburgischen Grafen, kein Graf Rudolf erscheint, der um das Jahr 1227 gelebt haben soll. Bald darauf, als der Graf Radbot von Altenburg, in der Nachbarschaft seines väterlichen Stammguths, das Schloß Habsburg erbauet hatte, veränderte dieses Grafen-Haus seinen bisherigen Namen und nannte sich, nach der neugeballten Burg /von Habsburg. Rudolf, ein Abstämmling dieser nunmehr Habsburgischen.Grafen, hat sich durch seinen Thateuruf und Regententugenden, weit berühmt 7 gemacht. Er wurde von der Vorsehung solchermaßen begünstiget, daß sie ihn nach seinem eigenen Zeugniß, aus der Hütte seiner Väter in den kaiserlichen Pallast erhöht hatte. Nebst dem daß unter seinem Kaiserthume so viele Städte in der Schweiz und in Deutschland auf- blvheten, versicherte er auch die freyheitljebenden Schweizer mit vielem Ausdruck seines Wohlwollens und mit vielem Lobe ihrer truglosen Freundschaft, daß er sie in unver- äußerlicher Unmittelbarkeit bewahren werde. Urk. >274. Um eine durchgängige Liebe, selbst bey den kleinste» Landstädtchen sich zu erwerben, hielt er eine freundliche Mittheilung neuerer Munizipalrechte, oder Erweiterung und Bestätigung der bereits genießenden für das beste Mittel. »So „ bestätigte er dem ganzen Friedkreise und allen Güthern »deren von Aarau das alte Markrecht; er schenkte den »Aarauern ferners jene Freyheit, vor keinem andern »Richter als vor ihrem Schultheißen zu antworten; »er bestimmte die Strafen; er erklärte ihre Lehen von »der Herrschaft Kyburg zu Weiberlehen, und verbriefte »ihnen, daß wer seine Huld verliere, nicht mehr als »in freyen Städten gewöhnlich war, darum zu leiden „haben soll.« Urk. 12 März 128z. Unterschrieben von 15 Bezeugen. Ein anderes Denkmal seiner Landesfürstlichen Gnade, kann Aaraus Bürgerschaft in jenen Urkunden ausweisen, die zwar ohne Benennung des Orts und des Jahres, in welchem sie erschienen ist, ihr das Recht giebt, über alle Streithändel die in ihrem Friedkreiße sich erheben, und selbst Malesiz-Fälle zu richten; — das Instrument selbst enthält auszugsweise folgende Hauptpunkten: i) „haben (die Aarauer) alles das so fy t» ihrem 8 „fridkreiß thun vud beschicht d'rüber ze richten ungc- »sumt vnd on menniglichs einred. 2) „dene haben- sy stock vnd galgen, das rad, den »keßel vnd mögen mit dem schwart richten lassen, vnd „mögen in der graffschast Lentzburg richten, dann ihr „galgen d'ruff stahl, vnd niemand sonst dran ze richten gwalt haben soll. 3) »sy mögen mit der grechtigkeit richten, on »jemands widersprechen, vom läben z'tod, vnd ouch durch »bitt, gott ze lob vnd vnser lieben frowen ze ehren „by läben lassen, inhalt urphed briefen, dessen sy ze »thun gwalt haben. 4) „wan einer den andern lyblos macht, innerihalb „dem fridkreiß, darumb hant sy ze richten, vnd ob »der, so den todschlag getan gfangen wird, soll man »ihm on alle gnad syn Haupt abschlagen, ob er aber » hinkombt vnd entwicht, so wird er verrusst vnd den frün- „den des entlybten der lyb erteilt, vnd den Herren »das gouth, deßglychen wenn man ihn tödt. 5) »stnd sy befreyt, daß ein rath jedem ihren schult- „ Hessen, so es von nöthen, den bann über das blut ze „richten, ze lyhen hat. 6) „sy mögen ouch nbeltätig lüt richten in ihrem »rath oder uff freyer straß nach ihrem blieben. 7) »vnd ob einer uff einen hätte daß er den tod verschuldet, vnd aber by dem läben blyben wär, so ghört »dem Herren syn gomh, vnd die nächsten fründ mögind »das gouth von den Herren lassmd, alles das an ihnen »fordern mögind. 8) „ob einer erblos sturb, soll man das gouth jähr „vnd tag bhalten, kombt dann ein erb, so ghört den 9 „Herren ein teil, ein teil dem gotzhuß vnd der trit» „teil an der stadt bauw. y) „sy habend auch gwalt, alle jähr einen schulthes- „sen ze setzen vnd soll er jhnen den eyd schwören, ein „gmeiner richter zsyn, des armen, als des rychen. iv) „ouch in glaubenssachen zhandeln gwalt haben „sollind, onch selbst einen lütpriester zwehlen gwalt ha- „ben sollind." a) Dem erhabenen väterlichen Beyspiele, schien derdestha- tenreichen Rudolfs Sohn, Albrecht von Habsbnrg, Her» zog von Oestreich, wenigstens darinn zu folgen; daß er die von seinem Vater begünstigten Städte, durch fernere Mittheilung nie vorhergenossener Rechte sich verpflichten wollte. Aarau verdankte diesem sonst nicht verdienten Prinzen — verschiedene achtungswerthe Freyheiten. Urk. 1292. Einem zwanzig Jahre vorher aus gottseligem Eifer von der Aarauischen Bürgerschaft an -er so geheißnen Halden, an der Aar, gestifteten Frauenkloster, bestätigte er alle seine erlangten und erworbenen-Güther, Exem. tioncn und Vergabungen, als einen anständigen Zufluchtsort der Töchtern dieser Stadt. Nur daß der Leutkirche dadurch kein Nachtheil zuwachse. Ein anderer Albert, der Zweite dieses Namens, Herzog von Oestreich, Graf von Habsburg, wollte den ersterwähnten an Für stensinn und Wohlthätigkeits-Ruhm noch übertreffen. Nicht nur schenkte er den Aarauern eine Wenn schon gegen die Authenticität und A.'chtheit dieser Urkunde, nicht die geringsten Zweifel können erhoben werdrn, so scheint sie. Lein Herausgeber, nicht das Alterthums-Gepräge der Rudolfini- schen Aeitperiodc zu haben, vielmehr mag sie ein Freyheiro-Brief irgend eines Oestreichischen Fürsten, aus den sparcr» Zeiten seyn. Innhalt und Sprache scheinen» zu beweisen. Bestätigung-Urkunde aller ihrer wolhergevrachten Freyheiten; er brachte auch ihr gemeines Stadtwesen durch mehrere neue, in drey unter verschiedenen Jahrgängen ausgefertigten Urkunden enthaltenen Immunitäten, in größere Aufnahme. Dieser Gunstbezeugung folgte bald wieder eine andere nach. Er gestattete nämlich: die gemeine Allment anzubauen, Vrodbänke und eine Metzig zu errichten, und den Ertrag davon in den Gemeinen- Sekel fliesten zu lassen. Urk. Brugg 1337. Im I. iz6y erklärte eben dieser Albert, die Bürger der Vorstädte, die nach aller Wahrscheinlichkeit mit der Einwohnerschaft der Stadt nicht im gleichen Genusse ebenderselben Rechte stuhnden , der Stadtfreyheiten und Ordnung theilhaftig, so daß sie von diesem Zeitpunkte an, nur eine Gemeine und Bürgerschaft gemeinschaftlich bilden sollen. Im Jahr 1379 Vefreyte Kaiser Wenzel die Stadt Aa- rau und ihre gesammte Bürgerschaft von dem königlichen Hofgerichte, von dem Hof- und Landgerichte zu Rothweil in Schwaben, und ertheilte die vollkommene Unabhängigkeit von allen Reichsgerichtsstellen. Urk. 1379. Wenn gleichwohl AarauS Bürgerschaft den Fortgang ihres Wohlstandes, einer getreuen Besorgung ihrer Gewerbe imd ihrem Berufsfleiße, sowie dem Land - und Weinbau, und einer weisen Sparsamkeit mit Mässigung verbunden, zu danken hatte; so war dieß doch kein unbedeutender Umstand bey der Beförderung ihres Gemeinwohls und ihres besonderen Interesse; -aß die Vorliebe der Oestreichischen Herzoge für ihre Stadt, ihr so manche Gerechtsame einräumte und zuwandte, wodurch sie in Stand gesetzt worden nicht nur an Güthern, sondern auch an II Mitteln diese zu aüfnen, mit grösseren Städten Helve- tiens wetteifern zu können. So war es kein geringes Geschenk für die Stadt Aarau, und zwar ein neues be- sörderendes Mitte! zu ihrem Emporkommen, welches ihr Herzog Leopold der Dritte, durch die Erlaubniß eine Sust und Waarenhaus anzulegen, und die daraus her- fließenden Nutzungen dem Stadt-Sekel zuzuwenden,, ertheilt hatte. Urk. iz8>. Neben dem, dass eben dieser Oestreichische Prinz, der Stadt ihre bisherigen Satzungen und Rechte gutgeheißen, vermehrte er sie noch überdieß mit einigen neuen Vefreyungen. Aehnliche Vestätigungs-Briefe bereits besitzender und Schenkungs-Urkunden neuerer Freyheiten, erhielt die Stadt Aarau von dem Deutschen K. Sigmund im Jahr 1417, ,418, 14Z4 und von K. Friedrich im Jahr 1442. Dieser letztere Fü'rst war in höchst eigener Person im gleichen Jahr zu Aarau, in der Hofnung, daß die Einwohner die- ser Stadt von dem Glänze seiner Würde geblendet, und durch seine herablassenden menschenfreundlichen Mienen und Ueberredungskunst hingerissen, — ßch neuerdings zum Gehorsam des katserl. Scepters werden verleiten lassen. Dadurch hoffte er seinem Hause wieder zu gewinnen, was K- Siegmund durch eine voreilige Uebergabe (wie wir's in der Folge finden werden) davon losgerissen hatte. Allein sein Bemühen verfehlte die Absicht. Jezt bleibt mir noch übrig nachzuhohlen, was über der Aufzählung der verschiedenen Freyheitsbriefe und Urkunden, um den Faden nicht zu unterbrechen, hat müssen Übergängen werden. Cunzmann Trüllerey, geben die Aaraui- schen Verzeichnisse, zum ersten Schultheissen dieser Stadt an. Nach Einigen im 1 .1259, nach Anderen im I. e-68. Seine Wohnung soll die alte Burg her Grafen von Rore gewesen seyn. Im Jahr 1271 stifteten mehrere angesehene Einwohner von Aarau, für andächtige Jungfrauen (wird nicht gesagt von welcher Regel ste gewesen) ein Kloster an der Halde»/ unfern des Aarflusses, und gaben demselben eine Hofstatt und Guth. Den Stiflungsbrief unterschrieben acht Aarauische Räthe. Im Jahr 1280 erhielte die Stadt Aarau durch die Bemühung des oberwähnten Kaiser Rudolfs, aus dem Habsburgifchen Grafenstamme, städtischeres Ansehen, b) In diesem Zeitraume geschah' auch ihre Verbindung mit dem Römischen Reich unter Habsburgischem Schirm und Oberherrlichkeit. So lange des unsterblichen KaiferRudolfs fürstliche Nachkommen, seine Denkungsart beybehielten, und von diesem erhabenen, mit so mannigfachen Einsichten und Eigenschaften gezierten Regenten, der es in mehr denn in einer Hinsicht verdiente an derSpize der Deutschen Fürsten zu stehen, und über Teuts Enkel und Stämme den Regenten- Stab zu führen — der, seineMacht nicht zur Unterdrückung der Völker, und zur Demüthigung der Feinde seinesHauses und seiner b) Ein sicherer Beweis von dem Aufblühen Aaraus unter K. Rudolfs Schutz/ ist die Verdoppelung der Steuer / welche jährlich von den Aargauisch n Städten an den Landesherr» muhten bezahlt werden. Laut Urkunden bezahlte, vormals Aarau zo Pfunde, und nunmehr wurde eS aufbis ioo Pfunde angelegt. Ein anderer Zeuge von Aaraus Wohlstand, und der Achtung der Herzoge von Oestreich für diesen Ort, war das Gesuch der letztem, die von ihnen aus Anlaß des an Albert begangenen K. Mords gestiftete Abtey Königsfclden, in des Stadt Burgerr.cht aufzunehmen, welches im 2abr iziz geschehen ist. ir Völkerschaften brauchte — den, des Vatf. kans Blitze nicht schreckte«/ und der Cleri- seyDrvhen nicht in Unlhätigkeit setzte —der Tugend in der Hütte ehrte, und die Reich- thümmer der Palläste floh — die Kunst Völker zu beglücken, und sie mit Weisheit und wohlthätig zu regieren, lernten — so konnten sie auch gleich Ihm, bey allen ihren noch so weitsehenden Unternehmungen und Entwürfen, in jedem Norbgedränge und Zufällen, auf ihrer Unterthanen Beystand und Treue eben so sicher, wie er — zählen. So z. B. verschwendeten die Bürger von Aarau, im Bewußtseyn ihrer Pflicht .und aus Dankbarkeit für die erhaltenen Beweise der landesherrlichen Huld der Herzoge von Oestreich, in der Schlacht am Mor- garten, ihr Blut, wider die für Vaterland und Freyheit kampfenden Eydgenossen. Im Jahr ,z2y half die Gesammtheit der Aarauischen Bürgerschaft, einen Landfriedensbund mit den Städten Bern, Basel, Zürich, St. Gallen, nebst Constanz und mehrerer anderen , auf fünf Jahre errichten. Damals machte Aarau das erstemal Gebrauch von seiner individuellen Freyheit. Jn derSchlacht beySempach, in welcher die verbündeten Schweizer ihrem Waffenruhme ein unvergängliches Andenken gestiftet, und Winkelried der tapfere Unterwaldner sich durch seine Großthat einen unsterblichen Namen erworben; haben die Aarauer Bürger eine glänzende Probe ihrer niewankenden Treue gegen das Haus Oestreich aufgestellt. Unter den Vierzehen von ihnen, welche als Opfer ihrer Fürstenliebe steten, befand sich auch ihr Schultheiß Cunzmann Stieber, Ritter. So nahe dieser Verlust 14 ihnen mochte gegangen seyn, weil dadurch die Familien der Erschlagenen in die tiefste Trauer versetzt, und die Stadt ihres verdienstvollen Haupts so wie ihrer tapfersten Bürger beraubt worden; so kam er dem Schaden nicht bey, den die von der Belagerung Rapperschwyls turückkehrende Berner- und Sololhurner-Nannschaft durch Verwüstung der Vorstädte von Aarar«, an Häusern und Gurh ihnen verursacht hatten. Was für Gründe dieses Verfahren der Verner und Solothurner rechtfertigten, und worin die Ursache des Spans bestuhnd, von welchem dieses grausame Benehmen gegen die Stadt Aarau herzuleiten wäre, — darüber ertheilt mir die Zeitgeschichte des I. iz88 keine Aufschlüsse. Ich nehme zum Lob und Ehre dcr Aarauer an, daß ihre ausdanercnde Anhänglichkeit an Hcrbsburgs großen Stamm und die Rückerinnerung an -te von demselben erworbenen Freyheiten nnd Begünstigungen, unter deren mächtigen Einstuß mit dem Fort- gange der Zeit, Aaraus Wohlstand fortschreitend sich vereinigte, diese Verluste ihnen zugezogen haben mögen; weil wie unsre vaterländischen Annalen es beweisen, das Erweiterungs-Systern und die Läudergier der Enkeln Ru- tolfs, die Schweizer zum Aufstand reizten, und die Dienstleute welche die Plane ihrer Unterdrücker mit Leib uud Guth unterstützten, zur Blut- Rache gegen sie entflammten. Jezt nähert sich allmählig die für das Aargatt glückliche Epoche, wo sich seine bisherigen Verhältnisse zu Oestreich, auf eine ihm vortheilhaste Weise zu ändern anfiengen, und Aarau sowohl als seine Unter-Aargani- schen Mitschwestern, zu ihrer gemeinschaftlichen Aufnahme und Beförderung ihres besondern Glücks, die Herzoglich- If Oestreichische-Oberlehensherrlichkeit, mit dem damals für sie in mehrern Rücksichten vortheilhaften Schutz des republikanischen Berns verwechselten. Gelegenheit hiezu gab der zwischen K. Siegmun- und Herzog Friedrich von Oestreich, während der Constanzt- fchen Kirchenversammlung ausgebrochene und kurz hernach in Feindseligkeiten erwachsene Unwille. K. Siegmun- ein Fürst der seinen Ruhm eher in pompöser Darstellung sei, ner K. Würde, in einer mehr scheinbaren als wirklichen Macht, und nicht in Weisheit und Biedersinn suchte, verlangte von allen seinen Vasallen und Lehenpflichtigcn, um den zu Conffan; versammelten Bothen -er christlichen Machthaber sein Ansehen und seine Größe fühlen zu machen, daß sie ihre vom Reiche besitzenden Lehen bey ihm erneueren sollten. Herzog Friedrich der größte Herr der umliegenden Gegend fand nicht für gut, diesem von Ehrgeitz geleitete» Wunsche des Reichsoberhaupts dießmal zu entsprechen; dadurch entspann sich zwischen der tiefbeleidigten Majestät des Kaisers und dem halsstarrigen Herzog eine harte Fehde, die zuletzt von großen Folgen für die Ey-genossenschaft geworden. Nicht unthätig blieben dabey die Häupter der anwesenden Hierarchie. Herzog Friedrich schien eine persönliche Abneigung gegen diese geistlichen Herren zu haben, die ihnen auch nicht unbekannt seyn konnte. Somit war es dem an seinem Stolze gekränkten Kaiser ein leichtes, die Bannsirahlen gegen den Herzog auszuwirken, welches auch geschehen. Um den geächteten Herzog auch um sein Zeitliches zu bringen, Falls er des geistlichen Schadens nicht achten sollte, mußten dieEyd- genossen zum Werkzeuge dienen. Gerne vernahmen die an Macht fich vergröffernden Städte Bern und Svtothurn die 16 Mahnungen des aufgebrachten Kaisers dieLänder und Besitzungen Herzog Friedrichs anzugreifen; da er ihnen den unablösbaren ewigen Pfand- lehensbesitz aller der Oestreichischen Gegenden/ die sie erobern würden/ zusicherte. Das Aargau und die vier darin gelegenen Städte, ZofingeN/ Aarau/ Lenzburg und Brugg/ waren bald von dem geheimen Entschluße der Städte Bern und Solothurn, diesen schönen Landesstrich sich mit Waffengewalt zuzueignen / unterrichtet / und einen nahe bevorstehenden Herrenwechsel konnte jedermann leicht errathen. Die Aargaui- schen Stände schrieben sogleich einen Landtag zu Sur aus. „Die Städte verlangten: daß sich das ganze Aargau zu „einem einzigen Kantone vereinige/ und als solcher in die „ Eydgenössische Verbindung trette; diesen Weg hielten „sie als den bequemsten , ihre und des Landesfürsten Rechte „ zu bewahren. Dadurch erhalte das Aargau zwischen „den streitenden Theilen/ eine gänzliche Neutralität und „Unverletzbarkeit, und gewisse gleiche Würde und dienem- „lichen Schicksaale mit den übrigen Eydgenossen." Nicht durchgängigen Beyfall erhielt dieser Vorschlag, weil die schweizerische Gleichheit, theils nicht jedermann gefiel, oder weil viele eines solchen Schrittes wegen, des Landesherr» Mißfallen besorgten. Zosingen war die erste Aargauische Stadt, die nach einer zweentägigen Beschießung den kriegslustigen verbundenen Vernern und Solothurnern sich ergeben mußte. Da der Stadt Bern sehr viel daran gelegen, Zosingen als der bedeutendste Ort im Aargau ohne vielen Zeitaufwand zu erobern, gestattete Bern der Zofingischen Bürgerschaft eine sehr vortheilhafte Capitulation. Den dritten Tag nach Zofin- 17 Zosingens UeSergab, als die Bürger von Aarau sich nicht mehr getrauten für des Herzog Friedrichs Sache mit Er» folg stehen zu können, huldigten auch sie, mit Vorbehalt ihrer Rechte und Freyheiten, und schwuren der Stadt Bern den Eyd der Treue und des künftigen Gehorsams. „ Die von Aarau schwören von den Herzogen von Oestreich ,, an das H. Römische Reich zu ewigen Zeiten. In allen ,, Kriegen wollen sie mit ihrer Sladt und getreuen Hülfe, »in eignen Kosten denBernern undSolothurnern gewärtig „seyn; sie die beyden Städte^ schirmen alle Freyheiten „von Aarau; vor steh selber beginnt letztere keinen Krieg, „aber gegen schnelle Gefahr, ist Nothwehre undVerfol» „gunq der Urheber billig jedem erlaubt. Mit allen „Zinßen und Steuern, so an Oestreich, ist Aarau pflich» „ tig an die von Lern. Ebendieselben mögen durch ganj „Aarau, das den Aaramrn verpfändete Geleit lösen; „ und schon sind Berner und Solothurner geleitsfrey zu „Aarau. In allem, womit letztere von den alten Landesherren belehnt ist, sollen sie bleiben, und von dem „Schultheiß zu Lern, in des Reichs Namen, die Lehen „empfangen welche hinter Bern liegen. Wem aber „diese Artikel mißfielen, der soll Hinwegziehen dürfen." Urk. Sonnabends vor Georg 1415- Nachdem die Stadt Bern, beynahe ohne einigen Verlust von Mannschaft, das volkreiche Aargau und die darinn ge» legene» Städte erobert, und unter ihre Verpflichtung ge- nominell hatte; entschädigte sie die Solothurner und das Häufgen Vieler, mit dreytausend Gulden für die Hülfe, welche diese bey der Einnahme des Aargaus ihr geleistet hatten. Solchergestalt verlohr Herzog Friedrich eine Land» fchaft, die das Stammguth seines Dauses, während dritt- B 18 halb hundert Jahren gewesen war, innert acht Tagen. Um die Berner in dem Besitze des durch Waffengewalt er« obcrten Aargaus zu befestigen, trugen die damals geldlosen Umstände -esKaiserSiegmunds, und der ticfgewurzelteHaß diesesFürsten gegen denHerzogFricdrich, noch sehr vieles bey. Dieß konnte der Aufmerksamkeit der Stadt Bern nicht ent« gehen; unwiederbringlich schien ihr die Gelegenheit zu seyn, ihr Gebiete so Vortheilhaft erweitern zu können, wie dieß« mal — sie schlug demnach den Weg der Unterhandlung mit dem Kaiser Siegmund ein. Reich zu jeder Unternehmung both sie ihm fünftausend Gulden an, wenn er ihr alle im Aargau eingenommenen Burgen und Städte zu einer solchen Retchäpfandschaft verschreiben würde, die von ihr, nur von einem Kaiser oder König der Teutschen, und nur zu Han« den des Reichs, und nie ohne ihren Willen könne gelößt werden. Dieser Antrag gefiel dem Kaiser Sregmnnd, wie eS zu erwarten war, und Aarau kam samt seinen Milschwe« stcrn und dem übrigen Aargau, unter der Stadt Bern Schirm und Oberherrlichkeit, welche letztere, nun die Stadt Bern aus zwey Rechtsgründcn besaß: mit dem des Eroberunqsrechrs, und jenem des Ankaufs oder der darge- schoffenen Pfandsumme. Ais je;t die Stadt Aarau ihr gemeines StHtwesen auf erworbene Freyheiten, Rcchtsamen, und emen durch Klug« heil und löbliche Sparsamkeit erzielten Wohlstand, zu einem gewissen bedeutenden Grad erhoben Hatte- so daß sie nach dem damals herrschenden Zeitgeiste, der besonders bey Städten, die einiges Gemeinquth be» saßen, eigen war, auf einen Erwerb von Herrschaftsrech« ten ausser ihrem Friedkreiße bedacht seyn konnte; zeigte sich ihr eme vmheilhafle Gelegenheit, diesen ihren Wunsch »9 realifiren zu können. Königstrin, eine Burg, gebaurt auf einem Berg/ von der Stadt nur eine Viertelsmeile entfernt/ mit einer das Aarautsche Burgerziel begranzen- den Herrschaft/ auf dem linken Aarufer nach derSchaaf- matt zu/ wurde bewohnt von Edeln dieses Namens. Aerlinspach und Küttigen/ gehörten zum Theil unter ihren Twing. Durkard und Werner von Königstetn verkauften diese Burg und Herrschaft i zzs/ ihrem Bruder Heinrich. Von dessen Sohne und Erbe Hans Werner/ kam dieselbe an Heinrich und Ulrich von Koni g st e i n / die noch minderjährig / unter der vormund- schafllichen Pflege ihres mütterlichen Oheims/ Ulrichs von Hertenstein stuhnden. Dieser ihr Vormünder ersterwähnter von Hertenstein/ verkaufte diese Burg Königstein, mit allen ihr zuständigen Gerichtsbarkeiten/ Herrschafts- rechten/ Wurm und Weid/ Holz und Feld/ Fischenzeu und WildbaiiN/ im Jahr 1417 an die Stadt Aarau. Den >. August gleichen Jahres setzten die Aaramschea Räth«/ den ersten Vogt in die Burg/ dem sie dieTwings- Verwaltung übertrugen. Sechs und dreyßig Jahre behauptete sich Aarau in dem ungekränkten Besitze dieser neuen Erwerbung. Als sich nun in der Folge die Stadt Aarau vielen Verdruß von den benachbarten Edelleuten deßwegen zugezogen hatte/ und nach allem Anschein diese Herrschaft dem Stadtsekel kein Nutzen war/ so überließ sie die Beste Königstetn mit der ihr anhängigen Beherrschung ihrem edeln Bürger Arnold Segrsser/ Ritter/ gegen eine gewisse Geldsumme im Jahr 145z. Auch dieser behielte sie nicht lange, sondern trat sie im folgenden Jahre dem Herrn Johannes Wittich / Johanniter-Ritter und Com- menthur zu BibersteiN/ zu Handen des Ordens käuflich ab. D -r LO Nach dieser Zeit aber, wurde diese Burg ihrem eigenen Schicksale und der Zerstörung überlassen, und deren Gerichtsherrlichkeit mitderCommendeBiberstein vereinigt. Den Ruhm der Wohlthätigkeit und der Fürstenmilde, wollte sich Kaiser Sigmund auch von dem blühenden Aarau erwerben, als er 1434 im ersten Jahre seiner Thronbesteigung, der Stadt Aarau Freyheiten, ansehnlich vermehrte. Im Jahr 1442 erhielte Aarau abermals eine kaiserl. .Urkunde von Kaiser Friedrich, worinn ihr neue Besreyun- gen zu Theil wurden. In dem ersten einheimischen Kriege zwischen den Eyd- genossen 1444 und auch nachher, hatte die Stadt an Thomas von Falkenstein, Herrn zu Gösgen und Hans von Rechberg, sehr gefährliche und böse Nachbaren. Diese Ritter, voll von Neid und Mißgunst über den blühenden Wohlstand dieser Stadt, lauerten auf jede Gelcnheit die friedlichen Einwohner derselben zu beschädigen. Diese unruhigen, durch räuberische Sitten sich auszeichnende —östrei-^ chsch-gesinute Edelleute, waren einst im Begriff, einen Mordanschlag an Aarau um Mitternachtszeit auszufüh- ren; als sie vom Gyßhübel oder Hungerberg nach der Stadt mit ihren Verschwornen sich verfügen wollten, wurden sie in der Vorstadt in der Gegend des Löwens, den Schein von Lichtern gewahr. (Es mochte nach alter Gewohnheit gerade um diese Zeit ein nächtlicher Schmauß vielleicht allda statt gesunden haben) Dadurch erregte sich in ihnen die Be- sorgniß, daß ihr Uebcrfall mißlingen könnte, weil in Aarau noch alles wach seye, und stellten ihr Vorhaben für diesmal ein. Zu einer andern Zeit (den 6.May's 1449) wurde in Hiarau plötzlich Feuerlärm geblasen, als man über dem. - 2l Grbürge gegen das Frikthal, einen röthlichen Himmel erblickte. Neunzehn Bürger der Stadt eilten , menschenfreundlich und hülfbietend dem Ort der Gefahr zu. Wie sie nahe bey Wölfliswyl am Fuße -es Benkens waren, stürzte ein Haufe von Mördern, die in des Hans von Falkenstein Miethsolde gestanden, aus dem Wald und Gestrüppe über die Aarauer Feuerläufer her, nnd erwürgten sie. Dieser Hans von Falkenstein ist aber für diese Grausamkeit, so wie für seine andern Frevel, von -er Stadt Bern und ihren Bundsgenossen nach Verdienst gczüchtiget worden. Im Jahr 1453 beschenkte ein patriotischer Bürger von Aarau, Herr Hans Meyer, die Stadtpfarrkirche mit einem schönen Orgelwerk. 1464 ließ sich die oberherrliche Stadt Bern von dem Rathe und der Bürgerschaft zu Aarau, als dem recht- mässtgen Landesherrn huldigen. Um dieselbe Zeit sahe man sich genöthigt, aus Anlaß -er sich immer vergrößernden Bürgerschaft zu Aarau, die Kirche zu erweitern. Der Magistrat von Solothurn bewilligte zu diesem frommen Unternehmen, den Aarauern Hie Bausteine von der alten Burg zu Obergösgen, um sie auf -er Aar hinabführen und dazu verwenden zu können. Diese Erweiterung geschah um das Jahr 1471. Eine Grenzberichtigung zwischen dem Gebiete der Stadt Solothurn und dem Stadtbezirke von Aarau, gehört in das Jahr 1475, und waren von Solothurn dazu ernannt, Herr Hans Stölli, Seckelmeister, und Herr Hans von Stahl, Stadtschreiber. Bey der eydgenöfstschen Besatzung zu Grandson, die, nach einer so ziemlich zweydeutigrn Lapitulatton bey der Ueber- 22 gäbe des Schlosses daselbst im 1.1476/von demHerzog Karl von Burgund,'gegen alles Völkerrecht, theils an den Bäumen rund um die Stadt her aufgeknüpft, theils mtt Smkken uach dem Neuenburger See geschleppt, und ersauft wurde, befanden stch fünf Bürger von Aarau, derer Name ihres unglücklichen Schicksals wegen verdient aufbewahrt zu werden. Hans Seenger, Heinrich Lang, Rudolf Egg, Hans Uhli Christen, Jakob Hächler. Den vaterländischen Märtyrertod dieser wakkern Bürger zu rächen, den Skaat, die Religion, das Eigenthum und die Familien — vor einer grenzenlosen Verwirrung und dem unbeschreiblichsten Elende eines übermüthige» Feindes zu beschützen, haben hundert und zwanzig muthvolle Bürger von Aarau, unter der Anführung Hans Arnold Eegessers, Ritter, an der Murrner-Schlacht Theil genommen , und find mit den übrigen Eydgenossen siegreich, Mit dem Verluste emes einzigen ihrer Mitbürger, NamenS Conrad Summer, wieder nach Hause gekehrt. In den Zeitbüchern der Stadt Aarau, hat das i^ste Jahr ein segenvolles Andenken, da eine ungewöhnlich reiche Aernde an allerley Früchten, und ein reicher Herbstfeegen den Fleiß des Landmanns und des Weinbauers, um Aarau her, vorzüglich belohnte. Der Vorrath an allem war so groß, daß er für ein mehrjähriges Bedürfniß an Lebensmitteln aller Arten hinlangke. Gangolff Trüüerey, aus einem alten und um Aarau wohlverdienten Geschlechte, verkaufte im Jahr 15,5, das von der Stadt Bern, als Lehen besessene uralte Schloß der Grafen von Rore, Freyhof genannt, mit allen dem ihm zugehörten Gerechtigkeiten, der Stadt Aarau. Der um dasselbe herumgeganzrne Burggraben ist sodann ausgefüllt; r; die in dem Schloße gewesene Freyheit, oder llu, mit hochheikltcher Bewilligung auf den Gottsacker oder Friedhof der Stadtgemeine verpflanzt, und das dießma« Uge Rathhaus daselbst gebauet worden. Im Jahr 1528 führte die Aaramsche Bürgerschaft des reformirten Gottesdienst ein, und waren die ersten Predl« ger der verbesserten Glaubenslehre, Herr lVl. JvhanneS Zrhnder und Herr Jakob Otter. Im Jahr 15z; wurde zu Aarau eine gelehrte Schule zur Vorbereitung zum h. Predtgtamte errichtet. Im Jahr 1540 wurde der Aaramsche Gottsacker, der Rosengarten genannt, ausser der Stadt nächst dem St. Lau« renzenthore angelegt. Dem Herzog Georg von Wirtemberg gefielen Aarau und seine schönen Umgebungen so wohl, daß er im 1 .1549 eine Zeitlang mit seiner vorzüglichern Hofdienerschaft sich allda aufhielte. In den Jahren 154 k und 1552 ist der gewölbte steinerne Kanal, durch den derSladtbach über den Hlrschengraben stießt, und im Jahr >559 die Landveste vom Zollhause bis an die Aarbrücke gebauet; auch im Jahr 1561 der Hungerberg, so weit der Friedkreiß der Stadt geht, eingeschlagen, ein Graoen herumgezogen, und mit Marcksteinen besetzt worden. Im Jahr 1557 fanden viele ausgewanderte englän« dische Protestanten, welche -er unduldsame, stch mit der Verfolgung Andersdenkender befleckende Geist der Königin Maria, aus ihrer väterlichen Heymath ins Eleud vertrie« hen hatte, zu Aarau eine sichere Freystätte. Im Jahr 156z wurde das heilige Gedachtnißmal des Todes unsers göttlichen Erlösers, zum erstenmale in dem Chor der Stadtktrche feyerlich begangen. Da solches nach 24 aller Wahrscheinlichkeit, in einer andern Abtheilung der Kirche, vorher mag gehalten worden seyn. Im Jahr > 565 brach eine der verheerendsten Landplagen, wogegen keine Stadtmauern — und keine Flucht den Sterblichen zu schützen vermögen, die Pestseuche zu Aarau aus. In kurzer Zeit raste sie wenigstens den drillen Theil her Einwohner dieser Stadt weg. Dieser schreckliche Jammer traf zwar nicht nur Aarau ausschliessend — allenthalben drang dieses rasende Pestübel in unsrer Eydgenos- senschaft, sowohl in die Paläste der Großen, wie in die geringste Bauernhütte em. In der Geschichte der Völker, hatte sie kaum ihres gleichen noch gehabt. Sechshundert «nd vier Personen wurden von diesem mordenden Ungeheuer , in dem kleinen Umfange dieser Aargamschen Mu- Nizipalstadt verschlungen. Ein anderes Unglück, das aber mehr noch das gemeine Stadcquth, als den Privatburger traf, war im darauffolgenden Jahr > 566 das Anschwellen der Aar. Dieser große Fluß der in der Gegend um Aarau, mit reizenden Ufern zwischen blumigtcn Wiesen und grünem Gebüsche hinfließt, schwillt oft besonders im Frühjahre, wann der Schnee auf den Bernerischcu Hochgebirgen zerrinnt, furchtbar an; reißt manchmal die Joche der zahlreich über ihn gebauten Drücken mit sich fort, durchbricht Damm und Ufer, überschwemmt die anliegenden Felder und Miefen, entwurzelt Bäume, und richtet oft den empfindlichsten Schaden an Gütern und Wohnungen an. Dießmal riß er zu Aarau zwey Joch unter der Brücke mit sich fort. Die übrigen Verwüstungen nicht mitgezählt, die durch den rets- scnden Strom an Gebäuden, Gärten und Land verursacht worden, soll sich -er Schaden sehr hoch belaufen haben. 2f Ein Hochgewitter/ zehen Jabre nachher (den fünften August >576) schlug in der Gegend um Aarau alle Feld» saat, und damit auch die Hoffnung des Landmanues zn Boden. Im Jahr 1582 wurde der obere Thurm zu Aarau Höher aufgeführt, und darauf einem Nachtwächter eine Wohnung eingerichtet. Den sechsten Heumonats im Jahr 1586 versammelten sich zu Aarau die Gesandten der evangelisch - reformirten Stände der Helvetischen Eydgenoffenschaft, auf einer Tagsatzung. Die Abstellung der Sekte der Wiedertäufer in den schweizerischen Landen, und des überhand genommenen Strassenbettelns, wird als die Hauptsache ihrer Verhandlungen, und als die Absicht dieser Confercnz, in den Aaranischen Jahrbüchern angegeben. Mit Genehmigung der hohen Regierung des Standes Bern, wird die neue Mahlmühle hinter dem Kaufhause, im Graben, zu Aarau erbauet. Der Finningerische Handel zu Mühlhausen, der sich im Jahr 1578, durch gesetzwidrige Schritte, die sich die unruhigen Gebrüder Finninger daselbst aus Anlaß eines Pro- zeffes wegen einem Gehölze, mit einigen ihrer Mitbürgern erlaubt hatten, entsponnen; die Mißverständnisse die dadurch zwischen der Burgergemeine und der Mühlhausischen Regierung erweckt worden; die Staatsverwirrnngen, welche dieser anfangs nichts bedeutende Handel nach sich gezogen; die Feindseligkeiten, die zwischen der Obrigkeit und den Untergebenen darüber ausgebrochen waren; unendlich die Aufsagung und die Herausgabe des Michlhausi- schen Bundesbriefs von Seiten der löbl. katholischen Orten der Eydgenoffenschaft; brachten die auf den ersten Brach« 26 monat 1586 in der Stadt Aarau neuerdings versammel- ten Bothen der evangelischen Eydgenoffen, zu dem Ent- schluß eine schweizerische Besatzung in die Stadt Mühlhau- sen zu legen. Auf hochheitliche Mahnung hin, mußten fünf Aarauische Bürger mit dem Bernerischen Contingent fich dahin verfügen. Bey der mit Waffengewalt erzwun- genen Besitznahme von den Mühlhausischen Stadtthoren, und in dem darauferfolgten grausamen Gemetzel, zwischen den Eydgenoffen und den unruhigen Bürgern, siel von den füuf Aarauern, die sich unter der eydgenössischev Be- satzung befanden, einer. Während diesen Unruhe» zu Mühlhausen, und des ge- gen das Ende des fechszehnten Jahrhunderts in Frankreich, zwischen den Huguenotten und den Altgläubigen sich erhobenen Bürger- und Religionskrieges, glaubte der Herzog von Savoyen endlich den Zeitpunkt erreicht zu haben, wo er seine Anschläge gegen das seiner Herrschaft abtrünnige Genf, wld das ihm entrissene Waadtland mit Erfolg ausführen, und fich seines verlohrnen Eigenthums wieder bemächtigen könne. Diesem zuvorzukommen traf Bern die zweckmässigsten Anstalten. Man besetzte Genf, des WaadtlandesSchlüffel, mit eydgenössischer Mannschaft; und Bernerische Krieger bedeckten in zahlreichen Abtheilungen für die allgemeine Schutzwehr die Grenzen gegen Savoyen. Im May 1586 zogen zwanzig Bürger von Aarau auf Mahnung der Regierung des Standes Bern, wohlgemuth und kampflustig nach Genf ab, welchen nicht lange hernach, der ganze Auszug mit der Stadtfahne, unter Hauptmann Hanns Georg Büß, nachgefolgt ist. Diese Grenz- bewachung dauerte bis gegen des Jahres Ende, wo dann die Mannschaft, in ihre friedlichen Wohnungen und zu ihren Familien wiederum zurückkehrte. 27 I« dem ersten Jahrzehend des folgenden siebcnzchnten Jahrhunderts wüthete, die verderblichste Pestseuche aufs neue innert den schweizerischen Grenzen. Schon im Iah? 1612 hatte dieses ungeheure Uebel zu Basel vlertauscnd Menschen dem Tod in die Arme geschleudert. Erst gegen den Herbst >6i i verbreitete es sich über den Kanton Bern. Zu Aarau wurden einige Hundert Menschen von ihm verschlungen. In dem untern Aargau stieg die Mortalität, nach dem Verhältniß zu Aarau noch ungleich Höher. Ganz kleine Dorfschaften, wurden zum theil so entvölkert, daß die Felder aus Mangel an Arbeitern lange Zeit mußten wüste gelassen werden. Im 1 .1626 scheiterte ein Schiff von Freyburgern besetzt, die der jährlichen Gewohnheit nach, den Zurzacher-Jahr- markt besuchen wollten, an einem derBrückenjoche zu Aarau, und die auf demselben befindlichen Leute fanden in den Flu- then der Aare ihren Tod. Sonntags den neunzehnten Hornung im Jahr 1629 ließ die Regierung des Freystandes Beru, ihre über derselben Lande besitzenden Hoheits- und Herrschaftlichen-Rechte, -in einer allgemeinen Landeshuldigung von ihren Unterthanen und Schirmpstichtigen Städten neuerdings anerkennen, und sich schwören. Als Gesandte der Regierung erschienen bey dieser Staatsfeyerlichkeit, zu Aarau, Herr Michael Freudenreich und Herr Jakob Keller. Damals vernichten aber vergeblich die Bauern von Ober- und Unterärlinspach, ihre vermeintliche Ansprache auf den sogenannten Hungerberg bey Aarau geltend zu machen. Es blieb aber dieser Bauersame, nach untersuchter und anerkannter Rechtsgilttgkeit der Aarauischen Beweisschriften, durch Bernerische von der Regierung und aus ihrer Mitte L8 ernanntenSchiedsrichter, aus welchen Urkunden sich ergiebt: -aß der Stadt Aarau Friedkreiß, diesen im Streit liegenden Berg umschließe, mithin Lejterer denselben zusprechen, nichts vorig, als die dadurch verursachten Kosten und Entschadnisse zu tragen. Verheerender als im I., 6, i und weit schneller denn damals sich verbreitend, brach die ohne Unterschied mordende , Peßseuche, im I. >629 über das Gebiete der Stadt Bern, wieder aus. Aarau schien besonders ihrer Wuth und ihrem Giftpfeile ausgesetzt gewesen zu seyn. Bey siebenhundert Menschen von jedem Alter und Stande, wurden von dieser schrecklichsten aller Landplagen dießmal zu Aarau weggeraft; und keine Familie fand sich mehr in diesem, jezt zum drittenmal von der schrecklichen Pestseuche heimgesuchten Orte, die nicht durch den Tod mehrerer Geliebten, in die schmerzlichste Trauer versczt worden war. Der dreyzehnte Merz 16zo, war der Stadt Aarau ein neuer Schreckenstag, in dem an demselben die hoch angeschwollene Aar, ein Brückenjoch mit der ganzen Feldung, Dach und Ziegeln hinweggerissen; dessen Wiederherstellung den Stadtsekel schwere Kosten verursachte. Die schmerzlichen Erinnerungen an alle diese Schrecknisse und Verluste erleichterte eines Theils in dem folgenden Jahre 161z, eine über die Massen geseegnete Weinlese, wodurch nicht nur alle Keller in Aarau überflüssig mit Wein versehen worden; sondern wo yoch ein großer Theil davon an Auswärtige konnte überlassen werden. Diesem ungewöhnlichen Herbsttagen folgte bald ein obrigkeitliches Derbott nach, das die Einfuhr aller ausländischen Weine, in der Stadt Bern Lande jedermann untersagte, welches sich bis auf die jüngsten Zeiten erhalten hatte. 29 Von diesem Zeitpunkte an bis zum Jahr 165z enthalt -ie spezielle Geschichte -er Stadt Aarau keine vorzüglichen Denkwürdigkeiten. Eine Grenzbewachung im Jahr ,6zz, wahrend die Schweden die Stadt Rheinfelden belagerten, und sich der Landschaft Frikthal bemächtigten; ein Frühlingsfrost im März 1642. Einige Stöße von einer Erderschütterung, die den zehnten Aprill 1644, zu Aaran wahrgenommen wurden; ein heftiger Orkan, derimJen- ver 1645 m der Nähe der Stadt Aarau, viele Bäume aus der Wurzel gerissen; und mehrere Feuersbrünste, die in den Jahren 1648 und 1644 in Aarau verschiedene Wohnungen verzehrten; sind die bedeutendsten Vorfälle inner diesem Zeitraume gewesen, die zwar den Einwohnern Aaraus nicht unwichtig waren, aber dem fremden Leser eben nicht von großem Interesse seyn können, mib hin hier keiner besondern Rüge ihrer Nebenumstände werth sind. (Die Fortsetzung folgt im künftigen Hefte.) Ursprung und Schicksale des CollegiatstiftS St. Martin zu Rheinfelden. v»)chon seit zwölfhundert acht und zwanzig blühet, bald in zunehmendem, bald vermindertem Wohlstand, das so geheißene Kaiscrl. Königl. Erzherzogliche Collegiatstift St. Martin in der Frikthalischen Stadt Rheinfelden. Der Baselische Bischof Heinrich der Zweyte gab ihm sein Daseyn und seine erste Einrichtung, und damit auch die Kirche und die Nutzung der Pfarrgefälle zu Eilen. Den klösterlich - vereinigten Chorherren setzte der Stifter einen von ihnen und aus ihrer Mitte gewählten Probst vor; dem Probst selbst aber schenkte er das Recht die ledigen Canonikate an taugliche Männer und Diener Gottes zu vergebens). Den hierüber ausgefertigten Stiftungsbrief von dem bischöflichen Stuhle zu Basel, bestätigte seinem ganzen Innhalt nach, der damalige Römisch-Deutsche König Heinrich und Pabst Gregor drrNeunte; r) Lrectia LecleLs cnUexirtL a-l 8t. IVIrrtEM kkeinkeltl- , k-et, l--s- xrülie Lrlenck. kkoveinbr. laäicc. I. Lrexvrio k. k. IX. Irieilerlca Imx. Rom. Z1 Ersterer im Jahr ,2z 2; dieser durch eine Bulle voa 12Z8 b). Zur Aufnahme dieses jungen Stifts trug der edle Graf Rudolf von Habsburg-Laufenburg, Domprobst zu Basel, den das Rhetnfeldische Kapitel, durch eine kluge Wahl zu seinem Probst im Jahr 1270 ernannte, sehr vieles bey. Obgleich er seine pröbstliche Würde nur kurze Zeit bekleidete, weil ihn seine persönlichen Verdienste im I. l27Z auf den bischöflichen Stuhl zu Konstanz erhoben hatten, so vermehrte er jedoch dem Stifte seine damals noch geringen und bedeutungslosen Einkünfte, Gefalle im- Haabschaften, theils durch verschiedene dem Stifte Vortheil- hafte Täusche, mit dem adrlichen Stifte Olsperg; theils durch neue Erwerbungen, die er zu des Stifts Handen gemacht halte. Im Jahr ,27z genoß die Stiftskirche zu Rheinfelden die seltene Ehre, welche nicht jeder ihrer Mitschwestern b) EsnllrmLtio Lrectioaio all ttenrico Ueze Korn. iiZo- Eon- Lrmrtia Lrectionft LceleÜL parocliialir klleiafelil, in collexi»» tam L Lregorio k. k. IX. irzz. Anmerkung des Herausgebers. In diesen Zeitpunkt gehört auch die Verwandlung der Pfarrkirche St. Peter zu Basel, in ein Collegiatkift. Eden dieser Bi chof Heinrich H, bat, wie das zu Rbeinftlden, so auch dieses Chvrherrcnstift, nur mit der Einschränkung aufgerichtet, Laß das Recht einen CufioS bey dem Petrinischen zu ernennen, bey dem Dompropst der Hoch» -ist Daftl st-hen Plle. Bey der Kirchenreformation zu Anfang ocS scchszehntcn Jahrhunderts als alle geistliche Co> poration. n zu Base! aufgehoben worden, wurden 6 Canvnikate des Stifts St. Peter mit akadenwchen Lehrstellen vereiniget, von welchen Eines, der Professor der Tbeologie, so über das neue Testam nt ließt, hat; drey die Fakultät der Rechten; und zwey die Medizinnche besitzt, uoch dermalen verwaltet ein Schaffner, die noch übrigen Einkünfte dieses Stifts, die aber durch Zeit und Umstände jrbr vermindert worden. Z2 sobald wiedcrfährt, daß ein Kaisers Sohn das Sakrament der h. Tauft darinnen empfinq. Karl, der jüngste Sohn Kaiser Rudolfs von Habsburg, wurde den vierzehnten Hornung desselben Jahres 127z zu Rheinfelden geboren; der Bischof von Consranz, vorerwähnter Graf Rudolf von Habsburg Laufenburg, verrichtete an seinem kaiserlichen Neffen, diese feyerliche Handlung. Der Prior des Prd- diqer Klosters zu Basel, Bruder Heinri ch, der Kaiserin Mutter geistlicher Rath und Arzt, hatte die Ehre, Tauf- xalhe des jungen Prinzen zu seyn c). Von Pabft Donifaz dem Achten, im Jahr 1298 erhielt das Stift auf sein Ansuchen, eine neue Bestätigung seiner bereits erworbenen, oder von Gönnern erhaltenen Rechte, Freyheiten und Güther. Im Jahr 1422 schenkte dem Stifte zu bcsscrm Fortkommen und zum Trost und Heil ihrer Seelen, Burkard von Stoffel, sonst Schur- lin geheißen, und seine Ehehälfte die edle Anna von Be Nikon von Rheinfelden, ihren zu Kilchberg, Basler Gebiets, besitzenden Hof, Rechte und Zehnden, wie auch das Palronatrecht daselbst 6). So c) Es lebte aber dieser Prinz nicht lange; und wurde nach seinem Tode zu Basel in dem Chor unsrer L Frauen-Münster beygesetzt. Am Laqe seiner Beerdigunq, wohnte ocr Leichen-Ceremonie, die ganze Elen sey, die Ritterschaft, die vornehmsten Bürger, das königliche Frauenzimmer, und eine große Menge Weibspersonen bey. Den ri. Herbstmonats des Jahrs 1770 wurden die körperlichen Reste dieses K. Prmzen, mit den Gebeinen, seiner fünf Jahre herauf zu Basel beygesetzten Mutter, nach der Bencdiktincr-Abtey St. Plasten auf dem Schwarzwalde abgeführt, und ruhen fezt daselbst mit andern von Königsfelden hingebrachten kaiserl. Leichen in einer Gruft die glänzender — denn jene ist, von welchen prunklose Protestanten! hr den Kirchenyracht verdränqt hatte, sl) Damals als diese Schenkung geschahe, war diese Pfarre Kilchberg «in Rektorat, und bezog der Pfarrer als Rektor den ganzen Zehn- z; So wurde dem Rhelriftl-ischen Stift auch die Freundschaft und Gewogenheit Herzog Friedrichs von Oestreich nicht unwichtig/ welcher ihm im Jahr Vierzehnhundert und sechs/ die Bestellung der ansehnlichen Frikthalischen Pfarre Herznach Ouskatronams) überlassen hatte/ und wogegen das Stiftkapitel, das Vergebungsrecht seiner eigenen Prob- stey und der Canonikate, an das Erzhaus Oestreich abtrat e). Nach Jahresfrist bewilligte Pabst Gregor der Zwölfte seines Namens, die Einverleibung der Einkünfte dieser erstgedachten Pfarre Herznach, der Stiftkirche und der IVgenloe Oupitulan zu Rheinfelden s), und im Jahr 1408 sicherte ein neuer Schirmbrief des Herzog Friedrichs von Oestreich, dem Stifte den ungestörten Genuß seiner bisherigen Rechte und zugleich eine gänzliche Sleuerfreyheit zu Z). Im Jahr 1417 bezeugten dem Rheinfeldifchen Probst, Dechant und Kapitel ihre Ergebenheit, sowohl die Kir- chenversammlung zu Basel, als Pabst Martin der Fünfte, und der Römische König Sigmund; — indem sämmtliche den. Allein dieses reiche Einkommen konnte die damalige Lage der Stifts, dem Rektor nicht fernerhin gestatten. Durch Vorstellungen, die dasselbe von seinen mislichen Umstanden bey dem päbst- lichcn Stuhle angebracht hatte, erhielt cS soviel, daß dieses Rektorat ihm einverleibt worden. Jni Jahr rgZS konnte es sich erst in den vollkommnen Genuß dieser neuen Erwerbung setzen; nach- dem er sich noch mit Hermann Schaler von Basel, wegen Dcr- wandschaftsamprache daran, abgefunden hatte. e) vonatio kriLsteriei ^.relininein ac Lellw Laxituli, kacta, ann» Oomini 1406. s) Incorporatio karoclu« llerrnacll, aä l^lenlam eanouicalem Lc clcsne colle^iatre lllleinkelä: a 6regvrio k. ?. XII. ^>. 1407- Lale-inl. kekr. x) I.itteiL krotectiouie krieäerici, ^uilri.-e clueir, statr Uotten- knrZi aä X warum /r. 140S. C Z4 -lese Hoheiten, auf des Stifts demüthige Vorstellung und Ansuchen hin, seine besitzenden Privilegien, in besondern ihm darüber ausgestellten Urkunden und Bestätigungsbriefen, anerkannten I,). Aehnliche ihm günstige und wohlthätige Schutzbriefe, erhielt dasselbe im Jahr 1418 von Herzog Albrecht von Oestreich; von Maximilian Römischen König; von den Erzherzogen Ferdinand und von Kayser Rudolf dem Zweyten, in den Jahren 1490, 1524, 1591 und 1599- Diesem zufolg wäre nun leicht zu vermuthen gewesen, daß dieses von seinem Schirmherr« dem Erzhause Oestreich in seinem Aufblühn und Fortkommen begünstigte Stift an zeitlichem Guthe mit andern ihrem Ursprünge nach glänzenderen und reicher fundirten Klöstern und Stiftungen beynahe hätte wetteifern sollen. Allein der Unstern der vorzüglich in den Zeiten menschlicher Verwirrungen und des Waffengetöses, oft ganz ohne Verschonen und ohne Rücksicht auf geistliche oder weltliche Bestimmung, mit seinen Zerstörungen, geweyhte und ungeweyhte Oerter heimsucht, — sein Daseyn durch k) Der Kirchenversammlung zu Basel wohnte, Namens des Stifts, der damalige Dechant, Antoniuö Rustmann bey. Er starb zu Basel, am St. Maria Magdalena Tag im Jahr 14Z4, und liegt in dem Carthauser-Kloster daselbst, begraben. Seine Grabschrift ist: ^nno ^ccccxxxix. Obüt VencrLbilis Vir l>n. Antonios RuibmLNN ynonä^m Oecmiu« Rcol. 8t. lVIsrtini in Rinkelilia, Lsül. Oiocms: NeguieleLt in xacc. kenvVLtio Lxemtionis 8i§i§munlli Rom. Rc^ir, Lonkant. 1417- LonkrmMio krivilsZiornm s lVl^.rtinn k. ?. V. lVlzntuN 1417. Lonürmatio krivile§iorum s 8)'noäo L-rlileeuü IIII Lnl. ll.. cembr. ^.nno 14Z8. Zs Schrecknisse und Verluste aller Art bezeichnet, von dem gewöhnlich die Spuren länger sich noch zu erhalten pflegen, als die Narbe einer Wunde am braunen Scheitel eines unter den Waffen ergrauten Kriegers sichtbar bleibt. Dieses fatale Loos traf in furchtbarem Maafe die Vorder-Oestreichischen geistlichen Stiftungen, in allen vom Kayser oder durch Frankreich angehobnen Kriegen — und auszeichnend, das Rheinfeldische Collegiatstift. Ohne die häufigen Fehden, welche von Oestreich widcr die Schweizer in den frühern Jahrhunderten ergangen, und von deren Folgen Rheinfelden und das Frik- thal allemal ihren bescheidnen Theil erhielten, in Erinnerung zu bringen; wollen wir nur einen flüchtigen Blick, auf den ganz Deutschland erschütternden dreyßigjäh- rigen Krieg werfen, in welchem das Rheinfeldische Stift, so viele Jahre hindurch die schwersten Proben seiner Treue und Anhänglichkeit an Habsburgs großen Stamm ausgehalten hat — So lange nämlich die Gräuel der von den mordenden Waffen angerichteten Niederlagen mit dem Unglücke schrecklicher Verheerungen in fürchterlichem Conti aste wechselnd in diesem unseligen Kriege fortwährten, war das Schicksal Rheinfeldens und seines Stifts das unglücklichste, das sich nur denken läßt. — Oder was ist schauererre- gender, als eine dreymal wiederholte, oft viele Wochen anhaltende Belagerung einer Stadt — eben sovielmal er- folgteUebergab derselben an einen rachsüchtigen und blutdür- stenden Feind — undWiedereinnahme von dem andernTheil, wobey der Mangel an Mundvorrath eben so zahlreich die friedlichen Einwohner wegrafte, als das Feuer derBelagerer und der Donner des Geschützes ihre Mauern und Gebäude C 2 niederschmetterte; und dieß war die Geschichte Rheinfel- dens in denr dreyßigjährigen Kriege. — Wer nur einmal Zeuge von solchen Blut- und Schreckensscenen gewesen, in dem haben Sinnlichkeiten noch nie den Eindruck gänzlich verwischen mögen, den der Anblick eingestürzter Mauern, zertrümmerter Wohnungen, verwüsteter Gärten und Feldern, und des auffallendsten Elendes, auf sein Herz, wenn es der Empfindung davon fähig war ? gemacht hat. — Dazu denke man sich die Auflagenlasten, Gelderpressungen undCon- tributionen, wodurch der siegprangende Eroberer die Besiegten zu drücken pflegt. — Alle diese traurigen Erfahrungen theilte das Collegiatstift zu Rheinfelden mit der Bürgerschaft daselbst. Da jezt die Sachen -es Stifts seit dieser traurigen Epoche, so wie durch die Kriegslasten und Bedrückungen, welche auf dasFrikthal und Rheinfelden,' im Fortgang der Zeit aufs neue von Frankreich aus herfielen, unaufhaltbar gesunken waren, und seine Einkünfte und Gefälle theils nicht mehr flößen, theils durch Verödung und Verheerung -es Landes, von welchen sie eigentlich herrührten, so ver- mindert worden, daß das Stift die von ihm abhängenden Individuen nicht mehr zu erhalten vermochte; so bemühte sich Erzherzog Ferdinand Karl von Oestreich dasselbe, durch die Vergabung der Pfarrgefälle zu Wölfltnewyl, einigermaßen zu entschädigen, folglich dasselbe wieder herzustellen und ihm sein voriges blühendes Ansehen wo möglich wieder zu geben; mit dem besondern Auftrag und Anhange, daß ein tauglicher Pfarrverweser dahin bestellt werde, den das Stift zu ernennen habe, den Pfarrhof und die Kirche nebst andern Gebäuden möge Z 7 dasselbe in ordentlichem Wesen erhalten, und einem jeweiligen Vikar seines Unter» Halts halben, dergestalten begegnen, -aß er sich damit wohl und priesterltch ausbringen könne i). Hieran nicht genug, daß das Stift wieder standsgemäß sein Daseyn behaupten konnte, und zu dessen Herstellung einen so wichtigen Beytrag gemacht zu haben, wollte der Landesherr K. Joseph der Erste seine landesfürstliche Großnutth gegen das dem durchlauchtigsten Erzhauft so treu ergebene Stift dahin vermehren, daß er ihm zur Vermehrung seines äusser« Ansehens das jetzige schöne Wappen, mit dem Bildnisse St. Martins, unter verschiedenen treflich wohl angebrachten Zierrathen, sammt dem oberhalb emporragenden Bildniß St. Josephs mit -er passenden Umschrift: 81 - xillum Lselareo - ^rcluclucalis OolleZü sancti IVlartiin' kkcinlel^enlls schenkte, und welches aus kayserlicher Gnade seit dem Jahr 1774 einem jeweiligen Probst in mittlerer Größe von Gold in Farben geschmolzen, nebst einem runden goldnen Knopf und Krone in einem roth- farbigen oder blauen Bande an der Brust zu tragen erlaubt ist. Die an diesem Pektoral angebrachte Umschrift: I«icleIirLti5 ct kiedLUs IVIciltum ist in Beziehung aus das ganze Stift eine ungemeine Ehre für dasselbe. Die leztern drey Herren Pröbste dieses ansehnlichen Stifts sind: Anno 17.. Herr Baron von Beroldingen, resiZ. als er Domherr zu Coustanz geworden. i) Honst!» karoclttL kactk s keraiiiamlo Lsrolo^rcki- 4uce ^uLrise, OeiüxooU ck. 4 tVtsji,70-. Z8 i7SZ. Herr Markus Anton von Winkelblech, welchem die Hochselige Kaiserin Königin Maria Theresia, wegen seinen vortreflichen Eigenschaften und ausgezeichneten Verdiensten um das Stift, obige Gnadenbezeugung im Jahr 1774 zu ertheilen geruhte. Unter seiner rühmlichen Verwaltung erhielte das Stift neuen Wohlstand, indem er nicht nur alle Mischen Schulden tilgte, kostspielige Prozesse beendigte, die Landftändi- schen Steuern abführte, sondern auch alle baufälligen Stiftgebäude erneuerte, einen Fruchtbehälter und Kapla- neyhaus von Grund aus neu erbaute, und im Jahr ,769 das Chor der Stiftskirche geschmackvoll auszierte. 178 . Herr Joseph Franz Schalamell, iftderdießma- lige allgemeingeschätzte Probst der durch seine Liebe zu wissenschaftlichen Kenntnissen und gelehrten Sprachen, Welt - und Menschenkunde, Bescheidenheit und Amtseifer sich dieser wichtigen Stelle würdig macht. Das Inwendige der erzherzoglichen Pfarr- und Stiftkirche. Die schönste Zierde der Stadt Rheinfelden ist die erz- herzogliche Pfarr- »nd Stiftskirche St. Martin, und macht auf diese kleine Stadt eine trefliche Wirkung. Mag sie schon von aussen von Seite der Architektur sich nicht so empfehlen, wie einige größere und neuere Stiftskirchen in verschiedenen Städten der benachbartenSchweiz—so fällt sie doch sehr gut in die Augen. Probst von Winkelblech war es, dessen rastlosem Bemühen es gelungen, daß im Jahr 1769 die prächtige Erneuerung dieser Kirche so weit sich derselben obere Theil erstreckt, zu Stande gebracht Z9 worden. In dem obern , nächst dem Frohnaltar gemahl« ten Felde des Gewölbes, prangen die Wappen Sr. K. K. M. Josephs II. als Schirmherr». Im mittlern Felde erscheint St. Martin auf einem weißen Pferde. Im untern Felde befinden sich die Fami- lien-Wappen des gräflichen Stifters, Heinrichs des zweyten, Bischofs zu Basel, aus den Grafen von Thun. Hie« nächst in dem Hauptschilde des Chorbogens steht die Aufschrift mit goldenen Buchstaben: LaesLrco - Lcctcsia LoticAiLta 8t. IVl^kUNI. In dem ersten Nebenschtlde ist eingeschrieben, das Jahr der Stiftung: Lrecta IVI 6LXX VIII. In dem Gegenschilde ist zu lesen der Name des Stifters: Hcnrico Lpircopo Lasilcensr tÜomitc cle Hiun. Der dritte Schild neben dem Stiftspatron St. Martin, bemerkt die Zeit der Verleihung: zwey Adler mit dem Sestreichischen Wappen, St. Joseph, und noch andere Kleinode in dem Mischen Wappen führe» zu dürfen: Occorata ivi v c: 6 ix. Der vierte zeigt den großmüthigen Verleiher an: /r lorepko I. Hom. ct Oerw» Imperators. 40 Der fünfte Schild nahe an dem kaiserlichen Wappen enthält das Jahr der vorgenommenen Erneuerung. R.enovLtL IVI v 6 6 HX. Und endlich der sechste die Regierung Sr. K. K. M. losepkcr II Kom. et Oerrn. Impei'Ltore. In den sechs Lunetten oder kleinen Gewölben über den Fenstern, erblickt man von vortreflicher Stukaturarbeit die Familienwappen der Herren Chorherren, welche damals das Kapitel bildeten. Zu beiden Seiten an den Wandsäulen von Korinthischer Ordnung, stnd die Symbole des alten und neuen Gesetzes sehr wohl angebracht, so daß fie die Aufmerksamkeit des Kenners und Nichtkenners rege machen. Das hölzerne Blatt des Hochaltars, dessen Gemälde die Geburt Jesu Christi vorstellt; die beiden kleinen Nebenaltar so von Gold und rothgrauem Marmor, derselben vergoldetes Blumenwerk und die oben in der Mitte des zierlich gefaßten Kreutzaltars von lauter Gold schimmernde erzherzogliche Krone, welcher Glanz das Schöne und Erhabene der Kirche noch mehr erhöhet, — verräth alles Meisters Hand, und zeichnet diesen schönen Tempel von so vielen in den Oestreichischen Vor- landen aus. In dem darauf folgenden siebenzchnhun- dert und stebenzigstcn Jahre, wurde auch der grössere Theil dieser Stistkirche, das so geheissene Schiff derselben, dessen finsteres Aussehen allzusehr mit dem prunkvoll gezierten Chor kontrastirte, von der Stadt ansehnlich erneuert, mithin Chor und Kirche in den jetzigen schönen Stand gestellt. 4 ! Ausser einem jeweiligen Herrn Probst besteht das Stift noch aus fünf Kapitularherren, von welchen allemal der Jüngste die Pfarre Rheinfeldcn versieht, und vier vom Kapitel gewählten Kaplanen. Ueber die beiden Kapuziner-Klöster zu Nhein- felden und Laufenburg. ^n allen katholischen Ländern hat unter den geringern Ordensgeistlichen der Kapuziner bey demVolke den Vorzug. Seine freywillige Armuth glaubt dasselbe, mache ihn tüchtiger zum Dienste -er Religion. — Und da dieser Orden nur gar nichts eigenes besitzt, so muß er alles was seine Unterhaltung erfordert, bey der frommen Einfalt und bey wohlthätigen Menschen jährlich einsammeln, und dieß nennt man terminiren. Der Kapuziner Ordensmänner Pflicht ist: in klösterlicher Vereinigung bey einander zu leben, bey Tag und Nacht zur bestimmten Zeit in Chor zu gehen, und den Chorgesang zu verrichten. Darneben müssen sie predigen, Beichte hören und Messen lesen; — auch den benachbarten Weltpriestern in einem gewissen Landesbezirk um ihr Kloster herum, in der Seelsorge hülfretch seyn. Einem solchen Kapuzinerkonvent steht ein Pater, den sie Quar- dian nennen, vor, und der in Wohnung, Kleidung, Tisch und Armuth ihnen allen gleich ist. Er bekleidet seine Stelle drey Jahre und dann wird ein andrer von ihrem Provinzial ihnen zugesandt, und der Abgehende ist wieder 42 ein gemeiner Pater, der jetzt seinem Quardian eben so mtterthänig gehorchen muß, als man vor kurzem ihm gehorchte. Die Bruder (kraeres), das heißt: Layenmönche die nicht eine volle Mönchserziehung gehabt haben, folglich nicht geistliche stnd, und die Tonsur nicht empfangen noch katres werden können, find mehrentheils Handwerksleute, vorzüglich Schneider, Schuhmacher, Köche und so weiters, und diese besorgen die Haushaltungsgeschäfte des Klosters, säubern Gänge, Zellen, Refektorium u. dgl. Ihnen oder einem aus ihrem Mittel liegt auch die Zubereitung der auf jeden Tag bestimmten Speisen ob. Von diesem Orden befinden steh zwey Konvente, oder wie sie solche zu nennen pflegen, Familien, He eine zu Rheinfelden, die andre zu Laufenburg. Die Rheinfeldische setzt die Zeit ihrer Ansiedelung daselbst in das Jahr 1594 folglich in jenen Zeitpunkt, wo die ursprüngliche Reinheit der Religion Jesu wieder hergestellt , und sich bereits schon über die Gebirge und Meere fortzupflanzen begann; wo das gemeine Volk über den Trümmern des Aberglaubens und der Vorurtheile seiner geistigen Vervollkommung näher gebracht wurde, von seinen Verhältnissen zu Gott, und einem ohne Bezauberung der Sinnen eingerichteten Gottesdienst, richtige Aufschlüsse und Belehrungen erhielte. Den Fortschritten dieser damals so geheißenen neuen Lehre, wollte man durch die Anlage zweyer Kapuzinerklöster, gegen die Baslerischen und Aargauischen Grenzen Einhalt thun. Die Anhänglichkeit des gemeinen Mannes, und das feste Vertrauen, das er in den apostolischen Eifer und in die Macht der Gottesfurcht der Kapuziner-Religiösen setzte, benutzte man zu 4 ; diesem Zwecke. Hartmann von Hallwyl/ Ritter und Kommanthur zu Beuggen, die. Ollspergische Aebtis- sin, Ursula Schmolzerin vonRizol, der Stadtsyndikus/ Bartholome Häglin, und der Stadlpfarrer Johannes RiedelbauiN/ waren die thätigen Beförderer an diesem Klosterbau. Nach eingelangter landesfürstlicher und bischöflich baselischer Genehmigung wurden im Jahr 1596 im i sten Advent Sonntage der Grundstein zum Kloster gelegt/ und dasselbe mit dem Ausgangs des Jahrs 1597 vollendet; sodann die Kirche angefangen und auch diese im Jahr 1598 ausgebauet/ so daß noch in gleichem Jahr die Kirchweyhe konnte vorgenommen werden/ welche der Fürst Bischof zu Basel/ Jakob Christof Blarer von Wartensee/ den 2zsten Weinmonats feyerlich verrichtete. Das Kloster stuhnd damals noch ausser der Stadt auf einem weinreichen Hügel gegen Mittag zu. In dem dreyßigjahrigen Kriege wurde es aber von dem Rheingrafen nach der für die Schweden unglücklich ausgefallenen Schlacht bey Nördlin- gen / aus Grimm und Rache in ein Aschen - und Schutthaufen verwandelt/ in welcher Schreckenszeit der nachge- hends kanonisirte IHiis von Sigmaringen Quardian darinnen gewesen. Es hatte daher nicht über 36 Jahre auf seiner Urstätte gestanden. In dem Jahr 1649 nachdem der Westfälische Friedensschluß -aS tiefgebeugte Frikthal insonderheit wieder durch neue Hofnungen aufrichtete / und der schwedische Feind Rheinfelden räumen mußte/ bemühte sich der Stadt- magistrat und die Bürgerschaft zu Rheinfelden mit Unterstützung des edeln Ritters und Kommanthurs zu Beuggen Filipp Alberts von Berndorf/ StefanMeer- 44 dorfs Probst, und Georg Jrmlers Chor« Herrn und Custos des k. k. erzherzogllchen Collegiatstifts St. Martin, das Kloster aus der Asche wieder zu erheben. Man fand aber, um mehrerer Sicherheit willen gut, dasselbe innert den Stadtmauern anzulegen, und wurde im Jahr 1657 zu Stande gebracht. Der Ursprung des Kapuzinerklosters zu Laufenburg, geht nicht soweit hinauf als die Stiftung des zu Rhein« felden. Zwar sollte es gleich diesem eine Schutzwehr, ge« gen den sich stets mehr ausbreitenden Kalvinismus seyn, (so nannten die Katholiken die evangelisch-reformirte Lehre, in jenen Zeiten der Dunkelheit in Glaubenssachen) und die eifrigen Bürger zu Laufenburg hatten sich daher im Jahr 164-, in einer damals gehaltenen Provinzialver- sammlung dieses Ordens zu Baaden im Aargau, den Vätern Kapuzinern erboten; ihnen Wohnung und Unterhalt in ihrer Stadt zu verschaffen. Dieser fromme Wunsch der Laufenburgischen Bürgerschaft, kam auch nach Iah« resfrist im Generalkapitel zu Rom zur Sprache, und die Einwilligung des Ordens, vorzüglich aber des Landes« Herrn, Erzherzogs Ferdinand Karl, so wie des Ordinariats zu Basel erfolgte nicht lange hernach. Der erste Grundstein zum Kloster und Kirchenbau ausser der größer» Stadt Laufenburg gegen Morgen, wurden den i4ten Drachmonats 1654 gelegt, und im Jahr 1660 die Kirche von dem Weyhbischvf des Hochstifts Basel eingeweyht. Besonders geneigt wußte sich dieses Kloster das fürstliche Stift und die Stadt Seckingen zu machen, als zwey Ordensgeistliche von hier in dem Französisch-Oestreichtschen Kriege im 1 .1678 durch einen Fußfall, den sie dem Französischen Marschall de Crequi gethan, und erwähntes Stift 45 und Stadt von der gedrohten Verheerung und Plünderung erretten konnten. Daher fließen von dieser reichbegüter- ten Abtey den Vatern jährliche große Allmosrn und andre wichtige Beytrage von der Bürgerschaft der beiden Waldstädte Seckingen und Laufenburg zu. Das Stift Seckingen unterhaltet auch die Bauten des Klosters und das Erzhaus Oestreich giebt ihm schöne Allmosen an Salz. Des adelichen Gottshauses Ollsperg Stiftung, Herkommen und Schicksale. Dieses vormalige Cisterzienser Nonnenkloster und nunmehrige adeliche Damenstift liegt, ohne beneidenswerthe» Reichthum im offnen Grunde angebauter Hügel, deren Gränz dasselbe freundlich umschließt. Sein Ursprung, seine erste Einrichtung und die Herkunft seiner ersten Bewohnerinnen sind in tiefem Dunkel eingehüllt, weil zweymalige Einäscherungen seine frühesten Urkunden, Handschriften, Stiftnngs - und Bestätigungsbriefe vernichtet haben. So wie viele Stiftungen damaliger Zeiten ihr Entstehen und Aufkommen dem Adel dankten, der dadurch ohne mühsame Selbstbekämpfung den Himmel zu verdienen gedachte, oder doch zum wenigsten die Verbrechen tyrani- schcr Behandlung seiner Dienstbaren, durch die Erbauung eines Andachtshauses, oder durch milde Gaben wieder entschuldigen wollte, so war auch diese das Werk der benachbarten Grafen und Edelleute, als von Rhein- 46 selben, von Frovurg und von Thierstein, welche durch die Anlage dieses neuen Klosters, beym Verfalle ihres Adels oder künftiger Verarmung die anständigen Zufluchtsorten ihren Töchtern vermehren, oder aber durch solche (wenn man sie also nennen will) gute, Gott verherrlichende Thaten, für ihre mißbrauchte Gewalt, ihre Reue bezeugen wollten. Oft haben auch fromme Gelübde, die in den heißesten Stunden des Kampfes, mit ausser« oder innern Feinden, in Gefahren -es Lebens, oder unter dem Machtdrang peinigender Schmerzen gethan worden, die Erbauung solcher geweyhten Freystätten der Unschuld veranlaßt; wie dann nach Münsters Aussage in den bekannten hitzigen Gefechten He rmingers, jenes tapfern und erfahrnen Frikgauischen Grafens mit den Hunnen in dem Jahr 937 oder 938 der mit Hermin- ger zu gleicher Absicht verbundene Ergolzgauische Graf Kadaloch bey einem glücklichen Ausgang dieses harten Kampfes zu Anlage dieses Nonnenklosters sich feyerllchst verpflichtet haben solle. In jenen Zeiten wo so manches Stift sich erhoben, und so viele Klöster errichtet worden, mochte der erste Zweck der Stifter derselben, nicht wohl änderst als gut gewesen seyn. In der Stille der Einsamkeit, eingeschränkt auf die Klostermauren und den Chor der Kirche, sollte da der gvttgeweyhte Beter, oder die Andacht glühende Beterin, unbesorgt um das vergängliche sich täglich in bestimmten Stunden Gott nähern, und nach der einmal angenommenen und beschworenenRegel irgend einesKirchenordens, ihre Jahre und Tage in beständigen Andachtsübungen hinbringen. Mit dieser Gleichheit in ihrer Bestimmung, sollten sie auch die Gleichförmigkeit der Lebensart und des Lebens- 47 Unterhalts verbinden. Durch heilige Gelübde zu einer freywilligen Armuth verpflichtet, sollten sie ausdemUeber- flusse, was die Wohlthätigkeit gläubiger Menschen an Liebesgaben ihnen zuwandte, den hungerigen Reisenden, oder schmachtenden Bettler erquicken, nnd des Hülflosen sich annehmen. — Jedes Kloster war damals ein sicheres Asylum, für alle die, welche um Todschlag oder anderer Vergehen willen, wider Gewalt und Blutrache Schutz suchten, oder für die welche reuig wegen den Verirruugen ihrer jüngern Jahre, oder die begierig nach Trost bey ek- littenen Unfällen dieses Lebens, setzt ihre Lebensfrist dem stillen Nachdenken über sich selbst widmen, und in der Ab- tödung aller sinnlichen Empfindungen der Stunde ihrer Auflösung von den körperlichen Banden erwarten wollten. Manche jetzt blühende Gegend, reich an Acker - oder Weinbau oder Viehzucht, vor den Zeiten der Stiftung eines in ihrem Umfange gelegenen Ordenshauses ein tiefer Morast oder finsteres Thal — erhielt ihren Anbau und Aufblühn, wo nicht von der eigenen Hand, doch von der Sorgfalt und Betriebsamkeit der Mönche. Die Sorge für die Erziehung der Söhne und Töchter des Adels strrhnde mehrentheils bey den Klöstern ihres Geschlechts. — Daher auch das Ansehen, Vermögen, Güther und Reichthümer, die sie sich nach der Zeit zu verschaffen wußten. Ungefähr nach einem solchen Plan und zu dieser Absicht, wurde das Kloster Ol! sperg angelegt und gestiftet. — Die edeln Familien der dißortigen Gegend, als von Ramstein, Gilgenberq, Schauen- burg, Pfirrter, von Liestall, München, von Froburg, im Thurn, Schaler, Nenenstein, Falke »sie in, Truchsesse und andre wetteiferten 48 anfänglich in reichen Vergabungen. Viele bestimmten in der Ollspergischen Kirche sich ihre Ruhestätte, wie dann insonderheit von dem adelichen Geschlechte der Freyherren von Ep tingen annoch über zwanzig Wappenschilds da zu sehen sind. Die angenommene Bedeutung des Namens Ollsperg, Oelberg oder Oelgarten, weil die Lage dieses Klosters mit jener durch den Erlöser geheiligten Gegend viel ähnliches haben solle, wollen wir weder mit Zuverlässigkeit behaupten, noch durch Gegengründe streitig machen. Nur bemerken wir daß dieses Gotteshaus auf Latein Horms Del genennt wird, und daß sowohl das uralte Eonvent- siege! als das Gemälde des Hochaltars damit übereinstimme. Anfangs bekannten sich die Conventfrauen zur Regel St. Benedikts, nachher aber unter der fünften Aebtisfin, Anna Gräfin von Froburg, um oder nach der Mitte des zwölften Jahrhunderts, erwählten sie sich das Ctsterzienser Ordenskleid, und wurden durch bischöfliches Bemühen der Aufsicht des Prälaten von Lüzel übergeben. 1. Agnes von Mörsperg, wurde zur Aebtissin erwählt in dem Jahr 1084, und war dem Kloster vorgestanden 32 Jahre. 2. Agatha von Ramstein, erwählt m6, stuhnd dem Kloster 22 Jahre vor. z. Kunigunda, Gräfin von Homburg, erwählt nz 6 , lebte als Aebtissin 24 Jahre, liegt im Kapitel- haus begraben. 4. GiselavonHertenberg, erwählt n6o, Aeb- tissin 12 Jahre. 49 s. Anna Gräfin von Froburg, erwählt 1172, Aebtisstn 20 Jahre; gleichfalls im Kapitelhause, neben der Gräfin von Homburg bestattet. 6. Gertrud Gräfin von Froburg, erwählt 1197, Aebtisstn 2 Jahre; neben vorstehender an gleichem Orte beygesetzt. 7. Gutta von Schliengen, erwählt nyy, Aev- tissin; unter ihr find Kloster und Schriften im Rauch aufgegangen. 8. Bertha, Gräfin von Thierstein, erwählt i2ZO, Aebtisstn y Jahre. Eine Sage erhält sich unter dem gemeinen Volke von dieser Aebtisstn, welche auch der fleißige Münster in seinem Weltbnche Seite 599 aufgezeichnet hat. Sey sie immerhin eine Wirkung des Aberglaubens, der in jenen finstern Zeiten, schwer belastend auf dem Volke lag, oder aber eine mönchische Erfindung, die geeignet gleich vielen andern Traditionen und Legenden, die fromme Einfalt zu zahlreichen Wallfahrten einzuladen, so wollen wir sie hier Münstern nach erzählen. „Diese Aebtisstn Bertha, hatte zu einem Kastenvogt „ oder Hofmeister, einen gegen die Armen hartherzigen und „ gefühllosen Mann. Nun trug sichs zu, daß eine hungernde „Mannsperson an dem Klosterrhore sich um einAllmosen „meldete, aber von demThorwart zufolge Auftrags des „Kastenvogks und nach bisheriger Gewohnheit ungetröstet „ und mit dem Bescheid abgewiesen wurde: Das Kl 0- „ster wäre noch nicht lange abgebrannt, „und hätte nichts zu entübrigen. Dem Bettler „war hingegen mit dieser Erwiederung nicht gedient, D- )>o „und er beharrte auf einemMmosen. Dieses wird dem „ Hofmeister angezeigt, welcher dem Bettler sein ungestümes Betragen zu verweisen behend zu dem Thore eilte. „Kaum aber wird dieser den Hofmeister ansichtig, be- « segnete er ihm mit den Worten: Oare er ckabieur vo- „bis, gehet so wird Euch auch gegeben, und „ damit verschwand derBettler. Hierauf überfiel denHofmei- „ ster ein plötzlicher Schrecken; und die Aebtissin wie sie diese „merkwürdige Begebenheit erfahren, soll sie selbige dem „ Hofmeister nachher oft verwiesen haben. Auch befahl „ sie daß hinfort kein Armer »»getröstet von des Klosters- „thor Hinweggelassen werde. Der unsichtbar gewordene „Arme soll auch zum Angedenken dieser Geschichte bey „dem Ausspruche ob angeführter Worte, seine offene Hand „nach einem am Thor befindlichen Stein ausgestreckt ha- „ben, davon die ganze Form, als wäre solche wie in „Wachs eingedruckt gewesen, bis auf den zerstörenden „Bauernkrieg daselbst noch zu sehen war." y. Junta von Mospach, erwählt 1212, Aebtissin z8 Jahre. Unter dieser Aebtissin nimmt das zweyte Klosterarchiv seinen Anfang, und kommen folgende ansehnliche Vergabungen zum Vorschein: Im Jahr 1226 befreyte Pabst Honorius UI, so wie den ganzen Orden von Merz, also auch Das Kloster Ollsperg von der Abgabe aller Zehnden. Im Jahr 1234 beschenkte sein Nachfolger, P. Gregor IX, dasselbe mit verschiedenen Privilegien. Im gleichen Jahr 1234 ließ eben dieser Pabst wider alle, welche durch List oder Gewalt dem Gottshause Ollsyerg Schaden zugefügt, oder unrecht- » mässigerweise ihm etwas entrissen haben, bis aufWiedcr- sl erstattung den Bannfluch ergehen a). Im Jahr 1240, 1242 und 1249 zeigten sich gegen das Kloster wohlthätig, Graf Rudolf von Habsburg, Graf Ludwig von Froburg, und die Päbste Jnnozens IV und Gregor IX, theils in Erweiterung der dem Gotkshause zuständigen Rechte theils durch Bestätigung der bereits schon er- worbnen. 10. Brunhilde von Münchenstein, erwählt 1250, Aebtissin 25 Jahre. Das Merkwürdigste das sich während diesem Viertel» jahrhundert innert Ollspergs Klostermauern zugetragen, war: die eilfjährige Enthaltsamkeit einer Conventualin von allen Getränken, von welcher Gattung und Namen sie seyn mochten. Der Beichtiger, der in diesem Zeitraume im Kloster gewesen , war ein hundertjähriger Greis, dem in seinem hohen Alter neue Zähne gewachsen, und dessen silberweisse Haare wiederum die Farbe des jüngern Alters angenommen haben sollen d). Im Jahr 1254 erklärte angezogener P. Jnnozens IV, die Aebtissin und das Convent, aller der dem Cisterzienser- orden von dem pabstlichen Stuhle verliehenen Freyheiten theilhaftig. D 2 a) Bannfluch und Interdikt, ist nach unsern Begriffen das Ncmliche. Jenen, über welche derselbe ergangen, war alle Ge« meinschaft mit andern Christen verboten; ihr n N ugebornen wurde keine Lause, ihren Verlobten kein pricsterlicher Seegen ertheilt; Leu Sterbenden wurde die letzte Oelung und jede sakramentalische Versetzung, so wie bey ihrer Beerdigung Gelang und Klang versagt. » b) Unter dieser Aebtissin, Brunhilde von Münchenstein, war Krater Couno, Conversus von Lützel, der in dem Kloster dar Hauswesen besorgte, oder der Oekonomie vvrstuhnde. 5 » Im Jahr 1271, geschahe ein Tauschvertrag Mischen Rudolf Graf von Habsburg, damals Probst -es Kapitels zu Rhetnfelden, und dem Kloster Olisperg. n. Mechthtlde von Schauenburg, erwähltes, Aebtisfin ,8 Jahre. In den Zeitpunkt dieser Arbttsfi» gehört ein Vergleich Heinrichs, Margrafen von Hoch» herg, über das Kastenvogteyrrcht, mit angehangtemSie» gel der römischen Kaysertn Anna. So bestätigte Kaiser Rudolf durch eine Urkunde von dem Jahre ,r8z einenTausch, und willigte in ein Retchslehrn ein, welche Begünstigung er zwey Jahre darauf, nämlich im Jahr 1285 wiederholte c). rs. Susann« Zielempin, erwählt 1314, Aebtisfin 11 Jahre. Diese brachte von dem edeln Matthis von Eptingen, das Patronatrecht zu Dtegte», an ihr Kloster im I. 1314. welche Erwerbung Bischof Gebhard von Basel, bekräftigte, iz. Elisabeth von Eptingen, erwähltes, Aeb- tisfin >s Jahre. Unter ihr solle fich nach einer Volks- sage eine wundervolle Begebenheit zugetragen haben ; da bey einer allgemeinen Trockne des Erdreiches, der Wassermangel fich auch auf das Brunnenwasser sogar ausdehnte, soll der damals im Kloster befindliche Beichtvater, von dessen Frommkett weit und breit, vieles zu seinen Gunsten gesprochen wurde, v) AlsMechthilde von Schauenburg Aebtisiin war, hielte sich Bruder Heinrich von Lüyel, als Beichtiger im Kloster auf. Heut zu Lage werden alle BeicMväter zu Oll perg aus der Abtey Trnnenbach genommen; obgleich ein jeweiliger Abt von Lützel Disitator von Oll«, bcrg ist, und die K. K. vorderöstreichische Regierung und Kammer z» Freyöurg das IuS Advokatiä hat» s; ' durch sei» anhaltendes Gebet bey dem Himmel/ die Oefnung eines kostbaren Brunnens zur linken Seite des Hochaltares bewirkt haben. Man sagt / daß noch heutiges Tages in der Gegend umOllsperg, christgläubige Seelen/ diesen wunderwtrkrnden Beter zum Vertrauten ihres Herzens machen. 14. Elisabeth von Hecken/ erwählt rzsy, Aeb- tisfin 15 Jahre. Während daß diese das Kloster unter ihrer unmittelbaren Aufsicht hatte, wurde durch Kauf, -asPatronatrecht zu Mägden, an Ollsperg gebracht. 15. Margaretha von Baaden, erwählt 1374, Aebtissin 5 Jahre. 16. Verena Schülerin, erwählt rz8y, Aebtissin - Jahre. Der damalige oberste Bischof des christlichen Volks, P. Gregor XI, ertheilte Ollsperg zwo Bullen, die eine wiederholte Bestätigung aller von den vorigen Päbsten ihm ertheilten Freyheiten enthielten. 17. Clara Truksessin von Rheinfelden, erwählt 1391, Aebtissin 2 Jahre. ,8. Agnes von Mörsperg, erwählt izyz, Aebtissin 12 Jahre. Der Bischof Johannes von Basel, willigte auf Ansuchen Herzogs Leopolds von Oestreich, in die von P.Clemens dem Siebenten, gemachteJnkorporation der Pfarre Mägden ein, und hat zugleich die Primitzen nachgelassen. iy. Elisabeth von Etsch, erwählt 1405, Aebtissin 12 Jahre. 22. Margaretha von Hungerstein, erwählt 1415, Aebtissin z l Jahre. Im Iahe 1418 verordnete P. Martin V, durch eine Bulle, daß der Abt von Roch alle 54 Lem Gottshause entrissenen Güther zurückzustellen krach« tett solle; auch bcstattigte er im gleichen Jahr, die Einverleibung der Pfarreyen Mägden und Dickten. Im Jahr 1427- wurde das Kloster übermal ein Raub der verzehrenden Flamme. Zur Wiedererbauung verschafle die Kirchenversammlung zu Basel, durch einen im Jahr i4Z<) verkündigten großen Ablaß, der Aebtissin und dem Kapitel reiche Steuern, und andre milde Beyträge. Unter dieser Aebtisstn wurden die Bequinen von Rhein- felden, in das nach Ollspurg gehörige Jglingen aufgenommen , davon ein eigener §. 2,. Romana von Tegerfeld, erwählt 1462, Aeb- tissin 25 Jahre. 22. Maria von Hufe rn, erwählt 1487-, Aebtisstn 5 Jahre. 2z. Anna Müllerin von Liestall, erwählt 149z, Aebtisstn 26 Jabre. — War die Erste welche nicht von adelicher Herkunft gewesen. 24. Catharina von Schönenberg, erwählt 1518, Aebtisstn 8 Jahre. Unter dieser Aebtisstn, beraubten und verwüsteten die Basler Landleute dieses Kloster wie auch das zu Jglingen, und zerstreuten ihre Bewohnerinnen. 25. Anna Küferin von Rheinfelden, erwählt 1526, Aebtisstn 6 Jahre. Trat aus dem Kloster und legte das Ordenskletd ab. Sechs und zwanzig Jahre bezog nachher ein Verwalter die Ollspergischen Gesälle und Einkünfte, bis im Jahr 1588 die edle Catharina von Herrsperg mit dieser Würde wiederum beehrt worden. 5f UrsulaSchmotzerirr; unter dieser Aebtissin wurde das Kloster dem vreisgauischen Pralatrnstande einverleibt; Sie erlebte auch das Unglück des Ausbruchs des Schwa- benkrieges im Jahri68r, dessen furchtbares Andenken mit unauslöschlichen Zügen in den östreichischen Jahrbüchern eingezeichnet ist, und in welchem das Kloster Ollsperg durch Plünderung, Zerstörungen aller Art, und wie sie die Kriegsübel alle heissen mögen, einausden Schriften des Archivs berechneter Verlust von 102,202 Dukaten erlitten. — Diesen großen Schaden empfindet dasselbe noch in unsern Tagen, obgleich die nachfolgenden Aebtissinnen, als: Katharina Kolerin von Rheinauä). Maria Franziska von Eptingen. Maria Bernarda von Freydurg. Maria Johanna von Roll. Maria Viktoria von Schönau, und die wirklich vorstehende allverehrte Josepha von Freyenthal sichs angelegen seyn ließen, die zerrüttete» Umstände des Gotthauses wieder in Aufnahme zu bringen. Allein die beständigen Kriegsgefahren an welchen insonderheit das letzte Jahrzehend des verstoßenen Jahr- a) Unter dieser Aebtissin, kaufte das Kloster Ollsperg im I.1674. jenes Haus, das bisher die Schultheißenwohnung zuLiestall gewesen; und hat solches erst im Jahr 1744 dem Stand Basel käuflich wieder abgetreten. Jngleichem wurden auch unter der ncmlichen Aebtissin, im Jahr 1666, die wegm von dem Stifte angesprochenen Rechten, Zehnten, Grundzinsen, Waldungen u. s. w. entstandenen vielen Zwistigkeiten mit der Stadt Basel, nach verschiedenen Zusammenkünften der Bevollmächtigten beyder kontrahirender Theile zu Basel- Äugst, und zu Basel gehoben , und LaS Resultat dieser Unterhandlungen, in obigem Jahr 166Ü zu Basel und Freyburg ratifiziert. 56 Hunderts so reich gewesen, haben die guten Wünsche und Vemühungen bisher noch immer vereitelt e). Nachzuholen ist, daß vor dem unglücklichen Zeitpunkt der Verwüstung und Plünderung der Basier Landleute im Jahr 1525, in der Kirche zu Ollsperg, mitten in dem Chor eine mit französischen und lothringischen Wappen gezierte silberne Krone solle gehangen haben, welche nach Münsters Urtheil, eine Gottsgabe irgend eines fränkischen Königs aus dem Karolingischen Stamme -es IX. Jahrhunderts , nach der Meinung neuerer Schriftsteller aber, ein Gnadenbewels König Rudolfs aus dem gräflichen Hause von Rheinfeldrn, gegen das von thm mitgestiftete Ollsperg solle gewesen seyn. In dem Umfange des Klosterhofes befindet sich die Wohnung des Beichtigers, des Amtmanns, und der von Kloster oder Stifte abhängigen Handwerksleute und Dienerschaft ; so wie die Fruchtbehältniße , Scheuer und Bestallungen. Nebst ansehnlichen Zehndgefäüen, Grundzinsen und andern Einkünften aus dem Kanton Baiel und dem Frikthal, besitzt dieses Stift auch eine ihm zunächst gelegene Scnnlerey und einige Alphöfe in dem vormaligen Solo- thurnischen Landvogteyamte Falkenstein. Auch hat es die e) Die Verwandlung des adelichen Klosters Ollsbcrg, in ein Damen- stitt, geschahe in den letztem Regierungsjahren Kayser Josefs des zweyten, ungefähr um das Jahr 1786. Dermalen besteht daffclbige, ausser der Fr. Aebtttsin, noch aus folgenden 8 Stistsfräulins, als: . Frl. Johanna von Keutner, s - Ferdinand« von Fillain sse Oiote, - Viktoria von Iaiguelius, . Jgnatia von Reinach, . Xaveria von Gatt, . Salcsia von je Rhin, - Theresia von Rcichenstein, - - - von Brandenstein. 57 Collaturrechte zu Mägden nächst Rheinfelden, und zu Dieg» ten im Kanton Basel. Das Beguinmklofter zu Iglingm. ^Zglingen, vormals zwey Meyerhöfe und Eigenthum des Klosters Ollspurg, bilden dermalen ein einziges großes Bauernguth, welches dem daraufwohnenden Landmann angehört. Als die vormaligen beyden Höfe, Lehen von Ollspurg waren, machten sie in der kirchlichen Geschichte des Frikthales mehr Aufsehen als jetzt. Von diesen Höfen kam im 1 .1255, der eine nebst vielen Waldungen, Wiesen und Ackergelände, von den Dominikanerinnen zu Colmar, an welche er durch eine ihrer Ordensschwestern, Sophia, Herrn Rudolfs im Hovf Tochter, zu Rheinfelden, vergabt worden, kaufsweiseandieAebtissin und Convent zuOllsperg. Der andre brachte erst späterhin die Aebtisfin Margaretha von Baaden, an das Kloster, welchen sie durch einen Tausch mit Herrn Hugo von Rhein (ze Rhein) und seiner Ehefrau Agnes, gegen etliche zu Metzerlen und Läutern besessenen Landstücke und Gerechtigkeiten erworben hatte. Diese Höfe brachten dem Kloster jährlich ein Ansehnliches an Kornzinsen ein, und versahen dasselbe überflüssig mit Bauholz. Im Jahr M bewarben sich bey dreyßig Beguinen- Schwestern a) welche damals in der Stadt Rheinfelden, ») Diese Beguinenschwestern waren eine Gesellschaft vonLaycn, die sich ein dritter Orden der mindern Bruder Baarfüßer, nannte, und war ihre Armuth und Keuschheit ohne Gelübde. Den Lebensunterhalt bettelten sie, und dafür dienten sie ihren Gönnern in Krankheiten, und mit andern Werken christlicher Liebe. Ihr Orden nahm damals, innert zwanzig Jahren so stark zu, daß zu Balel in 58 wo das jetzige Schulhaus stehen soll, klösterlich beysam- wen lebten, bey der Aeblissin Margret h von Hu ritz erst ein und de»n Ollspergtschen Convenl um die Aufnahme in diese Iglinger Höfe , und um die Erlaubniß sich allda klösterlich anzustdeln. Sie versprachen dabey, gleich entfernt von -er Welt und jeder sinnlichen Neigung ihre Tage in beständiger Uebung des Gebets und gottgeweyh- ter Tugenden hinzubringen, unter dem Gehorsam der Aeb- tissin zu leben, und von der» Haabschaften des besagten Hauses nichts zu veraussern. Da beschloß die Aebtissin und das Ollspergische Convent diesem frommen Wunsch zu entsprechen, wozu der umliegende Adel, und die Kirchen« Versammlung zu Basel vieles beytrugen. Nichts behielt sich die Ollspergische Aebtisssn bey der Uebergabe ihrer beyden Höfe zu Jglingen an diese Beguinenschwestern vor, als daß Seziere sich verstehen mußten den dritten Pfenning Allmosen nach Ollsperg zu geben. Im 3.1561 gerteth dieses kleine Kloster wieder in Oll- spergs Hände, in welchem es auch verblieben ist, bis vor zwanzig Häusern, wohl gegen fünfhundert dergleichen Beginnen wohnten. Viele Weiber verließen, um in ihre Gesellschaft zu treten, ihre Männer und Familie, und bald jede Heyrath und viele Angelegenheiten in den vornehmsten Häusern, wurden durch Beginnen betrieben; daher ihr An'ehen und der reiche Ertrag ihres Bettels. Sie haben sich auch in dem Gebiete der Stadt Basel verschiedene Häuser und Klöster zu verschaffen gewußt. Das Rothehaus, zwischen Angst und Basel am Gestade des Rheins in der Pfarre Mut- tenz', gegen Ende des i;. Jahrhunderts, welches vormals ein Klo- st r Paulinerordens gewesen. Lngenthal in einem abgesonderten kleinenLbal hinter dem DorfeMuttenz imJ. 1411. Schau en- burg itzt das Neue geheißen, und nachher ein Bad, in der zweyten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Schönthal, nahe bey Langenbruck, in einem Bergthale des GcbürgcsJura. Welche alle der Baselische Sandmann, müde der ausschweifenden Lebensart dieser Nonnen, im Jahr i;r; mit Wuth anstel, beraubte und verwüstete. 59 ungefähr fünfzehn Jahren, wo dieser an nutzbaren und schönen Güthern so reiche Meyerhof/ von dem Ollspergi- schen Stifte an seinen nunmehrigen Eigenthümer, der ihn vorher nur Pachtweise besessen hatte, verkauft worden ist. Es steht eine von Mägden abhängige Kapelle dabey, in welcher noch zu gewissen Zeiten Messe gelesen wird. Kirchliche Verfassung des Frikthals, im Kanton Aargau. Der auf dem linken Rheinufer gelegene vormalige Antheil der Kammeralherrschaft Rheinfelden und Obervogtey Laufenburg; die auf eben dieser Rheinseite befindlichen ehevorigen weltlichen Besitzungen des fürstlichen Damenstifts Seckingen, die adelicheDamenabteyOllsperg, dasChorstift und die Stadt Rheinfelden, nebst der größer« Stadt Laufenburg, erkennen in geistlichen Sachen den Fürst Bischof von Basel, als ihren Ordinarius, und wohnt dermalen desselben Generalvikar und Ofsijial, Namens Diner in der Stadt Rheinfelden. Von den eilf Ruralkapiteln dieses Bistums ist das Frikauische das lezte, und sind demselben zugetheilt, die Pfarrcyen zu Kaiseraugst, die Lokalkaplaney Ollsperg, Mag. den, Möhlin, Zetnigen, Zutzgen, Wegenstet- ten, Ober-Mumpf, Schupfart, Nteder-Mumpf, Stein, Elken, Frik, Oeschgen, Hornussen, Weitnau, Wölflinswyl, Herznach, Kaisten, Groß-Laufenburg, Sulz, Mettau, Gansin- gen und Leutgern in der alten Grafschaft Banden im Aargau, nebst den Kaplarien zu Lauienburq und jenem zu Frik. Diese Leztern, nemllch die Laufrnburqtschen Kaplane «nd der zu Frtk, s» wie der Pfarrer zu Leutgern haben blos AkttvLsstimmrecht bey den Kapikels-Versammlungen, und können nie Kapikelsstellen beklerden; der jetzige Dekan dieses ansehnlichen Kapitels, ist Herr Kämmerer Mösch, Pfarrer zu Frik. Note ^ zu nebenstehender Tabelle, oder historische Anmerkung ju derselben. Dieses in eine General. Tabelle geformtes geschichtliche Verzeichniß aller der Oberhäupter des römisch, deutschen Reichs, aus den habSburgisch - östreichisch und östreichisch, lotharingischen Häusern, kann dem vaterländischen GeschtchtS, Freunde, eine eben nicht ganz überflüßige und unwillkommene Arbeit seyn. Denn wie sie ihm einen leichten Ucberblick der merkwürdigsten Geschichtövorfälle gewährt, die während einer Zeitperiode von mehr denn fünfhundert Jahren, unter der Habsburger Oberherrschaft in Austrienö und Germaniens Umfange sich zugetragen haben; so erscheinen ihm auch in suceeßivcrOrdnung alle die Beherrscher des, der vormaligen Eid, genoffenschaft nur nachbarlichen, und der jetzigen Schweiz nunmehr angehängten Frikthals, mit Hinsicht auf seine Schik, sale, auf diesem tabellarischen Verzeichniße. ES mag daher dieses Produkt, das weiter nichts als das Resultat eines mehrwöchigen Forschcns in staubigen Kroniken war, dem schweizerischen Leser nicht ganz ohne Jnterreffe bleiben; da es auch als Supplement zu der historisch-topographi. schen Beschreibung vorn Frikthale, die derVcrfas. ser der Aargauischen Denkwürdigkeiten im Jahr r8oi zu Basel herausgab, dienen kann. KLnigsfelden im Aargau/ eine Herzoglich -Oestreichische Kloster-Stiftung andern vierzehnten Jahrhundert; . nach der KirchenverVesserung ein reiches Amr- und Armenhaus, Geschrieben im Heumonat rzoz. <>^ ?- -L .<^>7 ZLKL4iW»: Niemand wird in Abrede seyn können, daß an historisch, merkwürdigen Gegenständen Helvetien überhaupt, das jetzige Aargau aber vorzüglich reich sey! Die Geschichte der Helvetischen Vorzeit, des Mittelalters und -er jüngeren Perioden, hat sich in den Aargauischen Gefilden so viele Denkmäler gesammelt, daß ihre Menge dem fleißigen Forscher reichhaltigen Stoff verschafft, allerley geschichtliche Fakta zu entwickeln, aufzuklären und lichtvoller darzustellen, folglich die gemeine Meinung darüber zu berichtigen. Die Forschbegierde des Geschtchtfreundes schaft sich tausend Ob- jekte aus allen Zeiten und Jahrhunderten, deren Zergliederung und Beleuchtung sie verlangt. Bald find es physische— bald politische Revolutionen, worüber sie Untersuchungen beginnt. Bald beschäftigt sie der Anbau irgend einer Ge- gend —die Uranlage einer Stadt, Burg oder Klosters. Hier untersucht und erklärt sie sich Monumente aus -er Urzeit, dort berichtigt sich die Zeitrechnung und Datareihe historischer Vorfälle und Denkwürdigkeiten. Jede neue Entdeckung — selbst die wenig bedeutende ist ihr hinreichende Entschädigung, sür alle ihre mnhreichm Arbeiten. Unge- fahr von einer solchen, oder ihr ähnlichen Wiß. und Forsch- begierde beseelt, und mit besonderer Vorliebe für die Alterthumskunde begabt, untersuchte der Verfasser dieses Aufsatzes den Ursprung und die Geschichte -es vormals Bernerschen, jezt Aargauischen Kaiserstifts Königsfelden, das dem Andenken eines im Frühjahr r zo8 auf seiner i 64 Stelle geschehenen Kaifermords gewidmet worden, in der schmeichelhaften Voraussetzung, daß das Resultat seiner darauf verwandten Mühe, ihm neben der lohnenden Bey- fallszusicherung, noch das Vergnügen gewahre, das Ge- biete historischer Wahrheit in der Erzählung der Merkwür» digkeiren seines Vaterlandes, mit einem, obgleich nur schwa- chen Beytrag erweitert zu haben. Unfern den Mauern des niedlichen Städchens Brugg in freundlich heiterer Lage, erblickt man die Klosterburg Königsfelben. Nicht leicht findet steh in schweizerischem Umfange eine Gegend, wo idillischer Zauber mit ländlicher Betriebsamkeit, und merkantilischem Gewerbsffeiß verbunden, in so angenehmer Mischung wie hier erscheinen. Ganz in der Nähe, wo sich freundlich in einander verschiedene bedeutende Flüsse Helvetiens verschlingen, die Aare bey Vrugg, die Reuß bey Windisch, die Limmat bey Vogelfang, der Rhein bey Klingnau, fast unten am Fuß der bald in Trümmer versunkenen Habsburg, zwischen einem Stunden langen Aehrenftld und den obstbeschatteten Fut. terwiesen eines nahen Kirchdorfs, ruht dieses Kaiserstift. Alle seine Umgebungen bilden ein lachendes Amphitheater von weiten Ebenen, sanften Hügeln, wcrnreichen und wal- digten Bergen, hin und wieder von einer landesherrlichen Burg, oder von friedlichen Dorfschaften untermischt. Rund umher, tief unter dem Boden des Geländes um Königsfelden liegen sie vergraben, Vindonissens prunkvolle Pallaste und Tempel; rund umher, das Land getränkt von dem Blute, theils Allemanniftber Horden, theils Römischer Legionen, weckt in dem beobachtenden Wanderer dieses Arkadien, viele Erinnerungen aus Helvetiens Nationalgeschichte, und macht denselben zugleich auf die Vergänglichkeit 6s lichkeir, und das Hinsinken menschlicher Größe und Br- deutenheit aufmerksam. Vindonissa, ein römischer Besatzungsort undHandelsplatz, umschlang mit seinen Mauern die Stelle des jetzigen Kö- nigsfelden. Noch zeugt der Nachlaß, wie herrlich diese Römische Eolontalstadt gewesen. Mit dem Sturz des Römischen Reichs-Colosses, und der innern Entkräftung dieses weltbeherrschenden Staates, begann der Zerfall von Vindonissa, bis endlich das schreckliche Loos der Zerstörung seine Mauern und Pallaste in Schutt umwandelte. Aus den Brandstätten erhob sich in -er Folge ein unhaltbarer Flecken, der aber bis zu Ende des sechsten Jahrhunderts der Sitz eines christlichen Bischofs war, um welche Zeit er in einem Kriege zwischen den Varenen und Burgundionen zerstört, und dann von Windisch nach Konstanz verlegt worden. Nachher schrieben sich die Besitzer von der nahen Altenburg u), Grafen vonWindisch. Radbot, ein Bruder Bischof Werners a n Strasburg, und Graf von Alten, bürg - Windisch bauete um das Jahr ioiy die Bergveste Habsburg auf dem Wüpelsberg. Das stille Thal, so das Aug von der Burg überschaut, in welchem die Aar von Mittag nach Abend und Mitternacht, einen vollkommenen halben Zirkel macht; die Menge der an ihren Ufern zer- streuten Hütten, die Dorffchaften am Rücken der Berge, das Acker- und Forstgelände, aus welchem zwar Nicht hoch, doch steil und jäh der Schloßberg emporsteigt — ») Alkenburq, ein Dörfchen bey Drugg. Den Namen leitet man von einem Lü-erum her, welches hier nach der Zerstörung von Windisch erbauet worden. Von dieser Bur > nannten sich dir Besitzer Grafen von Wuidi ch, und hernach von Altenburg. E 66 war die erste Herrschaft, über welche der neuen Habsburg erste Erbauer, als über ihr Stammgut zu befehlen hatten b). Radbot, des Grafen von Altenhurg - Windisch Sohn, erscheint schon in den Urkunden als Graf von Habsburg. Unter seinen Enkeln erhob fich Rudolf von Habsburg, der im Jahr 1218 das Weltlicht erblickte, auf den deutschen Katserthron, dessen Sohn Albert in dem Angestellte dieser seiner väterlichen Stammburg als Opfer der Blutrache gefallen ist. Hier folgt die Geschichte dieses Fürstenmordes. — Die vornehmste Ursache der Königsfeldischen Klosterstiftung. Kaiser Albert legte wider seinen Willen und gegen seine Absteht den Grundstein zu dem eydgenosstschen Freystaate. Des edeln und großen Rudolfs erhabenes Beyspiel der Wohlthätigkeit und Fürstenmilde gegen emporkommende Städte, Stifte uud Länder, schien weder seiner Aufmerksamkeit noch irgend einer Nachahmung werth zu seyn. Als ein ländergieriger und herrschsüchtiger Fürst, als Usurpator der Krone und der ihr bestimmen Rechte, ward er bey seinen Völkerschaften mehr zum Gegenstand des Hasses, als der Bewunderung und Liebe. Zwar wird sein Privatkarakler und seine Denkart der Nachwelt ganz ver- l,) Habsburg, das Stammhaus so vieler Kaiser und Könige, ist nunmehr die Wohnung eines Hochwächters, der bey Entdeckung einer Fcuersbrunst, die Bewohner rund umher durch Abfcucrung eines kleinen Stückes aufmerksam macht. In der rten Halste des verflossenen Jahrhunderts, besuchte ein Ocstreichischer Amtmann Liese Durgrcste, und schrieb an einen Fensterladen: Uvrmis? Ein ächtpatriotilcher Schweizer schrieb darunter: Sey Hirt von deinen Schaafen, Schlaf wohl und laß uns schlafen. 67 schieden beschrieben — doch werden einige seiner hier bemerkten Handlungen Licht genug aufsein Betragen und seine Gesinnungen werfen. Die freyen Reichsländer Ury, Schwyz und Unterwal- deN/ suchte er erst durch Schmeicheley, dann mit List und endlich mit Gewalt seinem Hause zu gewinnen: er entzog sie der Reichsvogtey — unterwarf sie den Oestreichischen Beamten zu Rotenhurg und Luzern — sandte ihnen zu Vögten (Verwaltern der Gerechtigkeit und der landesüblichen Rechte) Leute , deren Beherrschungsart von Grausamkeit und Leidenschaften geleitet, den innwohnenden Freyheitsgeist des Volks in volles Leben weckte. Dadurch reizte Albert, der gefühllos bey den gerechtesten Klagen der Unterdrückten gegen ihre Tyrannen geblieben war, diese Länder zum billigen Aufstande und zur gewafneten Behauptung ihrer angestammten Rechte. Eine dieser ähnlichen Ungerechtigkeit erlaubte er sich gegen seinen Neffen, Prinz Johannes von Schwaben, Sohn seines Bruders, Herzog Rudolfs, welchen er nicht als Oheim, sondern wie ein treuloser Vormünder behandelte, der seinem Mündel sein elterliches Guth, entweder schon -urchge- bracht hat, oder sich gewissenlos dasselbe zueignen will. Kaiser Albert verweigerte dem Prinzen Johannes die Herausgabe seines Antheils an dem Habsburgischen Erb- gule — versprach ihm aber dagegen eine Entschädigung, die er ihm in Sachsen, durch Krieg und Sieg? verschaffen werde. Unmuthvoll über diese ungerechte Behandlung und überdrüssig der Habsucht seines Oheims des Kaisers , unterredete Prinz Johannes mit einigen Gegnern Alberte einen Plan, dessen Resultat die Ermordung desselben seyn sollte. Ludwig von Bayern der nachherige C s 68 Kaiser/ und die damaligen Bischöfe von Basel, Stras- bürg und Konstanz, mit dem Abte von St. Gallen, offenbare Feinde Alberts — erhizten durch geheimes Zureden den jungen Feuerkopf noch mehr. Besonders fand fich der Bischof Otto von Basel aufs höchste an seiner Ehre und Hirtenthume von Albert selbst beleidiget. Denn höhnisch soll er ihn, den Bischof, einen bengelhaften Schuljungen gescholten, und die Kaiserin in vollem Galloppe Ihn seitwärts in Koth gedrängt haben. Dieser unwürdigen Behandlung wegen, schwur ihm Bischof Otto die heis- seste Rache, und er sann nur auf Gelegenheit, wie er fie an dem stolzen Reichsoberhaupte schicklich ausüben möchte. Der jezt fich gebende Anlaß, den Kaiser und seine Familie zu beugen, mag daher dem Baslerischen Bischof nicht un- gewunschen fich gezeigt haben? Im Frühjahr > zo8 kehrte Albert wieder einmal nach Helvetien zurück; in dem gleichen Zeitpunkte, wo er fich gegen Böhmen bewafnet, be- wafnete er fich auch gegen die drey Berg- und Waldkantone Ury, Schwy; und Unterwalden. Im i sten May ritt der Kaiser von Baadcn nach dem Hoflager zu Rheinfelden. Bey der Ueberfahrt zu Windisch setzte zuerst ein Theil des Gefolges hinüber. Ulrich von Balmc), Rudolf von Wart 6), Conrad vonDegerfeldene) und «) Aus diesem freyherrlichen Geschlechte, sät sich auch Burkard als Mitstiftcr der Abtcy St. UrbaN/ im Anfange des rzten Jahrhunderts ausgezeichnet. «i) Der chiedene gleichzeitige Annalen behaupten, des Herrn Rudolfs von Wart Knecht, Namens Rüffeling sey des Kaisers Pferd in den Zaum gefallen, und H rr von Wart habe alsdann dein Kaiser die S ite durchstochen. Gewiß ist es, daß Aüsselmg seines Herrn Tod gelitten hat. e) Lon Deqerselden, eine freyherrliche Familie, deren Stammhaus in dem Dorfe gleichen Namens, in Ruinen noch vorhanden ist. Ge- 69 Walthervon Eschenbachl), vertraute Räthe und Freunde des mißhandelten Prinzen Johannes, in deren Busen er in vertraulichen Stunden über sein erlittenes Unrecht seine Klagen ergoß, vereinigten sich mit ihm zu grausamer That. Aus dem urvaterlichen Boden und Eigenthum/ dort wo ein großes Kornfeld, die Trümmer der alten Bin- donissa deckte, unterhielt sich der zu Pferd sitzende Kaiser mit Walther vonCastelen, einem Ritter der Gegend, da plötzlich der Neffe Johannes dem Oheim Kaiser mit einer Lanze in die Kehle rennt, Balm ihn durchsticht, Eschen dach ihm den Schädel spaltete; — betäubt stand Wart, und Castelen sprengte davon. In den Händen einer Landstörzerin stirbt Albert, nachdem er abgemattet von seinen Wunden zu Boden fallen wollte, aber von ihr im Sinken aufgehalten worden. Links und rechts zerstreuten sich die Mörder. Der Herzog Johannes stüch- tete sich in das Gebürge, lag wenige Tage zu Einsideln, gieng in schwarzem fressendem Kummer umher, stets verfolgt von dem Dämon eines aufgeschrekten Gewissens über dieBlutschuld des begangenenKaisermordes — und soll nach einiger Meinung in den dürftigsten Umständen gestorben seyn §). Wo von Balm sein Leben endigte, ist niemand rung von Degerfelden war dem Graf Rudolf von Habsburg im I. rr?z behülflich, das Kloster M. Magdalcna, in einer der Vorstädte Basels, zu zerstören. k) Ts wird von diesem Walther von Esehenbach erzählt: daß er sich nach dem Kaiscrmord ins Würtembergische soll geflüchtet, und daseiest über zo Jahre unbekannt als Vichhirt bis zu seinem Tode, bey dem er sich noch entdeckte, gelebt haben. x) Mit vieler Wahrscheinlichkeit wird behauptet r Herzog Johann seye in mönchiicher Kleidung nach Italien geflohen, und oll von Kaiser Heinrich zu Pisa gesehen worden seyn. Er seye aber nachher in ?o bekannt geworden. Von Degerfelden hat niemand etwas mehr vernommen. Eschenbach mit -ein von Wart retteten sich nach Falkenstein, einer verwandschaftlichcn Burg. Durchgängigen Schrecken verbreitete dieser Kaiscrmord. Jedes Schloß und jeder Bergpaß wurde besetzt. Der Her« zog Leopold, einer der Söhne des ermordeten Kaisers, begab sich in das Castell nach Baden zurück. Auch das Deutsche Reich setzte dieser bluttriefende Hintritt des Reichs- Obrrhaupts in die größte Verlegenheit, und der Reichs- - tag in Speier ertheilte diese höchste Würde Heinrich dem VII von Luxenburg. Dieser neue Beherrscher Germaniens erklärte die Mörder seines Vorgängers zu Maje- ßätsverbrechcrn. Jezt begann die Blutrache, die Alberts Kinder nicht nur an den unschuldigen Verwandten, selbst auch an dem Verdachtlosen Anhange der Mörder ihres kaiserlichen Vaters eben so grausam, ja ich möchte sagen, mit einer so schreck» liehen Zornwuth übten, daß selbst die abscheuliche Greuel- that des Kaisermordcs nur in gar keinem Verhältniß damit zu stehen kommt. Die Burg Rudolfs von Wart, welcher die That der Ermordung nur gesehen — wurde zerstört, und vbschon sein Bruder Jakob vonWart unschuldig war, an seines Bruders Vorhaben und Gedanken, ward auch sein solche Dunkelheit verschwunden, daß man nichts zuverlässiges mehr von ihm erfahren konnte. Viele meynen: er sey bey den Augustinern zu Pisa als ein gemeiner Bruder aestorben. Andere wollen: jener bekannte Blinde, den nach der Zeit viele zu Wien am neuen Markte Brod betteln sahen, scye ein Sohn dieses Herzog Johannes gewesen. Noch andere halten dafür: daß er im hohen Alter als ein Eremit unweit Königsfclden sem Leben soll beschlossen haben. 71 Schloß Multberg, auf ein grundloses Gerücht hin, als diene solches Rudolf zur Freystatte, gebrochen, und damit des Unschuldigen Wohnung und Glück zerstöret. — Diese Rachübung an seinem ganz schuldlosen Bruder, und der bittere Verlust seiner eigenen Güther, bewölkte Ru- dolfs Seele mit einer solchen Düsternheit, daß er kummervoll nach Avtgnon zu Pabst Clemens dem eilte, um von ihm Süiwenvergebung zu erflehen. Er sah sich aber zu Lilie in Burgund von einem verrälherischen Verwandten entdeckt, und wurde von demselben, den blut- und rachrdürstenden Kindern des umgekommenen Alberts, gegen einer gewissen Geldsumme ausgeliefert. Die Blutrichter zu Brugg im Aargau fällten nun über ihn, auf hohem Wink, das grausenvollste Todesurtheil, welches dahingieng, „daß er von einem Pferd auf den Richtplatz geschleift, ihm allda seine Glieder mit einem Rade gebrochen werden, und er so lange auf dem Rade gespannt liegen solle, bis sein Ende erfolgt sey." Drey Tage und drey Nächte lag er der unglückliche Rudolf von Wart darauf ausgestreckt, mit gebrochenen Gliedern. Mit einer beyspiellosen Standhaftigkeit und nie gehörter Treue blieb seine Gattin, Anna von Balm, während der Marterzeil ihres Gatten Rudolfs, ohne Nahrung, nur heiße Gebetsthränen zu Gott um eine baldige Auflösung ihres Mannes weinend, unter dem Henkerrade. Fußfällig hatte sie vor Agnesen um des Mannes Gnade gefleht. — Umsonst daß der gemarterte Gemahl ihr zuredete: „Geh doch! Dein Schluchzen m ar- tert mich mehr dann die Todespein." Erst bey 72 seinem erfolgten Ende gierig sie »ach Basel, allwo sie den Klosterschleier angenommen hatte. Merkwürdig sind immer -ie Worte die -er Unglückliche vonWart noch vor -em letzten Athemzuge von sich hören ließ: „Ich sterbe unschuldig— aber wahrlich auch „die andern haben keinen König erschlagen, »sondern einen Wüthrich, der wider Ehre »und Eid, eine blutige Hand an seinen »Herrn Kaiser Adolph gelegt, wider Gott »und Recht seinem Vetter Herzog Hans, das »Land vorenthalten, und wohl verdient »hätte zu leiden, was nun ich leide. Mir „vergebe Gott meine Sünden!^" Farwangen eine ansehnliche und feste Burg, nächst dem Hallwyler-See, war ein Eigenthum des Freyherr» Ulrichs vvn Dalm. Als Antheilhabcr an dem Kaisermord, traf auch diese der Zermchtmig furchtbares Loos. Voll Rache bestürmte des ermordeten Alberts Sohn, Leopold, das Schloß Farwangen. Nach einer tapfern Vertheidigung, sahe sich -ie aus drey und sechszig Edcln und (Sememen bestandene Besaz- zung zulezt genöthiget, sich auf Gnade und Ungnade, jedoch unter guter Vertröstung zu ergeben. Gegen alle Zusage, wurde Mann für Mann von diesen Tapfern ausser dem Dorfe, in der Mitte zweyer Steine, zwischen welchen rin Mensch nur kümmerlich knien konnte, enthauptet. Herzog Leopold und seine Schwester Agnes von Ungarn, sahen mit wilder Mordlust und kaltem Blute, der ungerech- renHinrichtung dieser schuldlosen Männer zu. Agnes, indem sie noch durch den Dlutstrom wadete, soll sie ihre barbarischen 7Z Empfindungen und ihre grausame Freude darüber durch die Worte zu erkennen gegeben haben: nun bade ich im Mayenlhau. In hohen Flammemvolken dampfte nach dieser Mordftene, die Burg Farwangen zum Himmel. Der Greuelthaten noch nicht satt genug,, erneuerten sie die nemliche Scene bey der Burg Alt - Vüren (im jetzigen Luzernergebiete) welche eben diesem Ulrich von Balm, sechs und vierzig Edelleute beschütztenund die auf die gleiche Weise, da auch diese, gleich den Vorerwähnten, ihre Unschuld bis in den Tod behauptet hatten, vor den blutgierigen Augen Herzog Leopolds, mit dem Schwerdt hingerichtet worden. Maschwanden, das Stammhaus der Freyherren von Eschenbach - Schwarzenberg, unsern dem Reußgestade (im Kanton Zürich) konnte wegen der Theilnahme seines Besitzers, Walthers von Eschenbach, an der Ermordung Alberts, keine schonendere Behandlung, als die übrigen Edelsitze, erwarten. Nicht nur liessen Leopold und Agnes, in welcher Augen wilde Mordfiamme brannte, des Freyherr« Walters Dienerschaft daselbst durch das Henkersbeil fallen; selbst sein einziger Erbe, ein Säugling der noch in der Wiege lag, und über der blutigen Rache ein Geschrey zum vergeltenden Himmel aus seiner Wiege erhoben hatte, wurde von der bluttriefenden Hand der rachsüchtigen Königin Agnes ergriffen, um von ihr selbst mit Bestie-Wuth erwürgt zu werden. Mit Mühe nur ward dieses schuldlose Kind der würgenden Weiberhand entwunden. Erst bey der Rückkehr menschlicherer Gefühle und milderer Gesinnungen — nahm sie den Eschenbachischen Sprößling an Kindesstatt auf — gab ihm aber aus Abscheu vorEschenbachs Namen, den 74 Namen von Schwarzenberg li). Ausser diesen hier erwähnten Opfern, die Leopold und Agnes vom furchtbarsten Grimme entstammt/ den Manen ihres umgekommenen Vaters gebracht haben, sollen wohl noch gegen tausend andre Unschuldige, aus jedem Stande und Alter, die des Echwerdtes Schärfe fallen machte, der spätesten Nachwelt als schrecklich warnende Beyspiele, die große Lehre der mächtigen Fürstenrache über Majestäts Vergehen, durch ihren gewaltsam erlittenen Tod beygebracht haben. Wenn man jetzt alle die Grausamkeiten, die Herzog Leopold und seine Schwester die Königin Agnes, um der Ermordung ihres Vaters willen, begangen haben, bedenkt und das Blut zählt, das deswegen vergossen worden, wen überfällt dabey nichtSchauer und Entsetzen ? Welche unnatürliche Hartherzigkeit wurde erfordert, um so viele unglückliche, fast alles schuldlose Schlachtopfer, mit kaltem Blnte hin- würgen zu lassen? Oder hatte etwa» die tiefe Rührung bey dem Schicksale ihres Vaters, alles Mitleiden selbst für die übrige schuldlose Menschheit bey ihnen verschlungen? Die Gesetze erfordern freilich Genugthuung, aber niemals von Unschuldigen. Es konnte doch den Kindern Alberts nicht verborgen geblieben seyn, da es ja sonnenklar am Tage liegt, daß die Greuelthat -er Ermordung ihres Vaters Albert, nicht mit mehrern Personen, als mit den Thätern selbst verabredet, und solche folglich nicht das Loosungszeichen zu einer planmäßigen, heimlich angesponnenen Aufruhr, noch weniger der Zweck einer allgemeinen Verschwörung gewesen, die man durch zurück- li) Vielleicht ist eben dieser Edle von Schwarzenberg , aus Ei'chenba- chischem Stamme, des nunmehrigen Cifterzienser FrauenklostcrS zu Eschenbach im Luzernergcbicte, Stifter gewesen? 7s schreckende Maasnahmen in ihrer Geburt hätte ersticken, oder deren fernerm Ausbruche damit hätte vorqebogen wer- den müssen. — Wie war es also möglich/ schuldlose Menschen/ blos vom Argwohn und Mißtrauen geleitet, vom hohen Bergschloße bis zum bescheidenen Schaubdache — selbst bis zur niedrigsten Bettlerhütte zu verfolgen? Wie war es möglich, daß ein Fürst, bey welchem mit dem Glanz seines Herkommens und seiner Würde zugleich Edel- muth und Seelengröße, in harmonischer Vereinigung steh hätte finden sollen, steh zur Höllenthat des Unschuldmordes hat verleiten lassen können? Wie war es möglich, daß eine sechs und zwanzigjährige Fürstin, in welcher die allgemeine Meinung weit eher ein Bild moralischer Grazie, Güte und Schönheit, eine weiche sanfte Weiberseele, als aber dieBchreckensgestalt eines Ungeheuers würde gesucht haben, der grausamsten Blutrache den Arm leihen, und bey dem Jammergeschrey unschuldig hinzuwirkender Menschen , noch ihren Mund zum Lachen verziehen können? Unselige Vorurlheile, von einem übelvcrstandenen Christen- thume erzeugt, die ihr vormals den fürstlichen Mörder beredetet, mit Klosterstiftungen und Jahrzeiten die Blutschulden zu bezahlen, die er durch Grausamkeit und ausgeübtes Unrecht auf steh gehäuft hat. Jede noch so geringe Mishandlung ist doch ja in dem Ewigkeitsbnche, in den Vergeltungsblättern angeschrieben, und kann nicht durch fremde Gebeter, nur mit eigener Reue und Büßung durchgestrichen werden. In diesem fatalen Irrthume mögen Alberts Wittwe und ihre Kinder, nemlich die Herzoge Friedrich, Leopold, Albrecht, Heinrich und Otto, und ihre Schwester die Königin Agnes gestanden seyn, als ste auf dem Felde wo die 76 Ermordung geschah, zuerst eineKapelle und bald hernach auf St. Michaelisrag im Jahr -zu ein Kloster der mindern Brüder, und ein Clarisfinen-Frauenkloster, (welche beide Orden, jener der mindern Bruder und dieser der Clarissen, gleiche Freiheiten in der römischen Kirche gemessen) dem Andenken derselben stifteten jedoch-so, daß nur der Aeb- tisstn und dem Frauenkonvent, und nicht den mindern Brudern das Verwaltungsrecht der Gefalle und Einkünfte, so wie die Ausübung der Wischen Rechtsamen zukommen sollte. Nach sichern Anzeigen, soll zur Zeit der Anlage dieses zweyfachen Stifts, der Bau derselben weit herrlicher, denn er in unsern Zeiten gesehen wird, gewesen seyn. Auf dem nemlichen Flecke, wo in dem Schoose einer armen Bannn der Kaiser sein Leben aushauchte, wurde der Choraltar aufgerichtet. Wenn des ermordeten Königs Jahrzeit begangen wurde, erhielten im Umkreis einer Meile Wegs alle Dürftigen Brod. Urk. izrr. Eine damals ungeheure Summe Geldes wurde von der kaiserlichen Familie zur Gründung dieses neuen Stifts bestimmt, ncmlich drey tausend Mark Silbers. Mit seinem Entste- hm erhielt dasselbe Besreyung von allen Steuern und fremden Gerichtsstellen, nach einem Freyheitsbrief von Herzog Otto. Urk. izzo. Die Kaiserin Elisabeth, Agnesens Mutter, viele fürstliche und adeliche Frauenzimmer, machten dem neuaufblühenden Stifte, von ehren kostbaren Kleinodien, Gewändern und seidenen Tüchern, ansehnliche Schenkungen. Brief iz,8. Jeder Edelmann und Burgherr, aus den «inliegenden, und viele aus fernern Gegenden, die steh bey dem durchlauchtigen Erzhause, Gunst und Gnade erwerben wollten, oder Gott damit zu gefallen suchten, ver- 77 gabten dem neugestifteten Kloster, Zehnden, Grundzinse, und Kollaturrechte. So erhielt dasselbe mit seiner ersten Einrichtung auch das Patronat der Kirche auf dem Staufberge, mit vielen in dasiger Gegend gelegenen Güthern. Auch die Besitzungen und Rechte der Mitschuldigen an dem Kaisermorde, widmete die Königin Agnes dem Kloster; so daß mehr als vierzig Conventfrauen, die mit weniger» Brüdern Wechselsweise den Gottesdienst zu Königsfclden versahen, der Zeit nach einen sehr gute» Unterhalt daselbst fanden. Zwo Verordnungen der Königin Agnes vvm Jahre i zzo und eine von 1535 enthalten den Küchervdel der täglich zu genießenden Speisen. Reis, Mandeln, Feigen, Zucker, Weinbeeren und Hüner mögen fieberhaft ten und an Suchten darniederiiegenden Schwestern ge- reicht werden. Den Gesunden soll des Mittags zwey Ge« richte, Mueß oder Brey, eines von Eyern, und des Nachts, eines von Eyern und eines von Mllch oder Käs aufgetischt werden, dabey aber ward Schweinenfleisch, Wildprett und andere Leckerbissen nicht vergessen. Fünf Schwestern sollten täglich zwey Maas Wein erhalten. Auch für die Garderobe dieser Klosternymphen ward von ofterwähnter Königin Agnes gesorgt. In drey Jahren gab man nemlich jeder Conventfrau zween weisse Rocke, alle fünf Jahre einen Mantel. Aus dem Abwürfe der Zahrzeite«, und andern Geldertragnissen schafce man ihnen Unterröcke, Haupttücher und übrige Kleidungsstücke an. Die Tochter Alberts, die Königin Agnes trug selbst ein solches Gefallen an dieser klösterlichen Einrichtung, daß sie sich eine Zelle darinnen wählte. Von Jugend auf (wird von ihr gesagt) soll sie Abneigung gegen die Weltfreuden geäus- 78 sert haben. Wider ihren Willen habe sie heurathen müssen. Nach dem Hinscheid des ersten Gatten, Königs Andreas von Ungarn, wollte man sie mit einem Prinzen aus dem Hause Kolonna verloben, sie brach aber das Brautgelübde, und begab sich dafür in das Königsfel-er- Kloster. Hier wußte sie ihre Rolle als Nonne fein zu spielen. Nicht selten mischte sie sich beides in die zeitlichen Angelenheiten ihres Familienstamms, so wie in die Zwistigkeiten benachbarter Lander i). Unter dem Schleyer einer Heiligen, verbarg sie der Herrschsucht Ranke. Wenn sie Vormittag Messen gehört und Chorhymnen gesungen hatte, pflegte -sie nach Tische allerley Kirchengewänder mit ihrer Dienerschaf'. zu wirken, oder abwechslend sich mit einer teutschen Bibel oder der Legende irgend eines Heiligen zu unterhalten. Ihre äusserlich angenommenen strengen Sitten, ihre zahlreichen Dehmuthsübungen, ihr Fasten, ihre Allmosen, und andere sichtbaren Liebeswerke, haben mehrere ihrer leichtgläubigen und fanatischen Zeitgenossen mit einer solchen Ehrerbietung gegen sie erfüllt, daß man i) Unter andern Vermittelungen söhnte sie im Jahre izzz die Städte Bern und Frcyburg miteinander aus. Im Jahre 1340 bewirkte sie eine Uebereinkunft, zwischen den Bürgern und den Banditen von Zürich, izgr gelang eS ihr abermals Bern und Frcyburg miteinander auszugleichen. Sie half eine mächtige Fehde, die zwischen dem Grafen von Habsburq und der Stadt Jür.ch, nach der bekannten Jürcherschen Mordnacht sieb erhoben hatte iZ?c> beylegen. Eben so ward sie im 2 «hre iz?i zwischen den Städten Basel und Stras- burg / und nachher zwischen den Eidgenossen von Zürich, Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden und il'rem Bruder Herzog Albrecht v. O. Vermittlerin. Welche geheime Absichten sie aber bey ihren Pazifikationen bezweckte, mag jeder schon zum Voraus errathen, den, ihre in das Truggewans der Frömmeley gehüllte Schlauheit hekannt geworden. 79 ihrer künftigen Verklarung Glorie schon jetzt ihrem Ant- litze entstrahlend zu sehen wähnte/ und sich daher dieser Braut Christi/ nur mit der tiefsten Verehrung näherte. Selten glückte es jemand/ durch den Andachtsschleyer hindurch das Gewebe von Arglist und Fürstenstol; zu entdecken / welches sie hinter die Heuchlerlarve einer Heilige» nicht unfein zu verbergen wußte. Einmal sagte ein alter Graubart und Kriegsgeselle weiland Kaiser Rudolfs / mit Namen Berchtold Srrebch der unter diesem tapfern Fürsten manchem heißen Fehdekampf beygewohnt hatte/ und noch zu Agnesens Zeit/ als Eremit/ mit einem andern ehemaligen Waafenbruder in naher Abgeschiedenheit (Eremitage) lebte / da die königliche Nonne ihm den Besuch des Klostergvttesdirnsts vielleicht die Annahme des Mönchsstandes zu Königsfelden angetragen und empfohlen hatte/ »Frau! es ist ein schlech- »ter Gottesdienst / wer unschuldig Bluc vergießt und aus »dem Raub Klöster stiftet. Gott hat allein Gefallen an Gütigkeit und an Erbarmung." Im Jahre iziz starb zu Wien die Kaiserin Elisabeth/ des ermordeten Alberts nachgelassene Wittwe/ und wurde/ da der Tod sie an der Ausführung ihres Vorhabens hinderte / nemlich: den Rest ihrer Tage in dem neuqestifteten Königsfelden zu verleben/ als Leiche dahin abgeführt/ und allda beygesetzt. Erst den izten Juny im Jahre 1364 folgte Agnes ihrer Mutter in das Todtenreich nach, nachdem sie über fünfzig Jahre in dem Kloster als eine Religiöse gelebt hatte/ und wurde auch ihre Leiche/ jener ihrer Mutter/ daselbst zur Seite gelegt. Das Haus Oestreich hatte vor der Stiftungszeit an 8o das Kloster Kömgfelden für seine Tochter angesehen , und jeder Sprößling der mächtigen und reichen Habsburger- Familie, gab sich alle Mühe, diesem von seinem Vorfahren gestifteten Gottshause große Schenkungen an Zehn- den, Grundzinsen, liegenden Güthern und Gefallen zuzuwenden. Ausser den vielen Bestatigungsurkunden, in welchen alle Oestreichischen Herzoge dem Kloster Königsfelden seine erworbenen Freyheiten, Rechte und Exemtionen, noch oft mit neuen vermehrt, zusicherten und bekräftigten, wurde ihm im Jahre iznr das Patronat der alten bischöflichen Kirche zu Windisch K) übergeben. Durch Kauf erhielte es im Jahre iz > z die Burg Altenburg mit ihren De- pendenzen. Die Kollaturrechte -er Pfründen zu Gebt- ßorf und En tfelden, und der niedern Kirche zu Walds Hut, erwarb es sich in den Jahren izzo und iZZy. Diese vermehrte es im Jahre 1349 mit dem Patronat zu Aerlinspach. Im Jahre 1352 nahm die Aargauische Stadt Aar au das Stift Königsfelden in ihren Schirm und Bürgerrecht auf. Bald K) Windisch ein Dorf, eine Viertelstunde von Königsfelden, wo eine Fahr über die Reuß ist. Als bei der Verlegung des bischöflichen Sitzes von Windisch nach Konstanz/ oder wie einige annehmen, zuerst nach Pfyn, Arbon oder Bischoffzcll / gegen das Ende des siebenten IabrhundertS/ die Rede von der Niedersetzung eines geistlichen O5- fieiumS für die Gegend deS AargauS war, so wurde ausgemacht/ daß zu Windisch ein geistliches Gericht soll angeordnet werden, vor welches die Bewohner des Aargaus, ihre geistlichen Angelegnbeiten zu bringen hätten, und wo ihnen der Di'choff oder sein Suffragan das Recht sprechen n^rde. Mithin wären die Aargauer niemals verbunden gewesen, in Sachen wo ein bischöflicher Entscheid nöthig war, noch Konstanz zu reisen. 81 Bald daraijf,362 wurden ihm die Collaturen von den Pfarren zn Bruqq und Waldshut (wahrscheinlich von eurer zweyten Kirche allda) überlassen. Im Jahr 1364 erhielte das Königsfeldische Stift die Judikaturrechte, über die Dörfer, Weiler und Höfe des Eigenamts, dessen Grenzen des Klosters Mauern berühren l). Viele benachbarte und entferntere Edle, als die Grafen von Habsburg-Laufenburg, von Montfort, Wehringen, das Kloster Einfideln, die Edeln von Vüttikon, die Effinger, von Kienberg, von Rüdiswyl, von Seengen, die Se- gesser von Brunegg, von Stein, von Thorberg, von Trostburg, die Truchsesscn von Wildegg, von Wohlen u. s.w. waren nicht minder bemüht: Mit zytlichem Guth, wie sie in ihren Urkunden sich ausdrückten, die ewige Sä- ligkeit zu erlangen; so daß das neuaufblühende Kloster an Zehnden, Zinsen und irrdischen Befiyungen in dem Amte Eigen, in der Grafschaft Baden, in dem Bezirke des Freyen-Amts, und dem Umkreise von Waldshut, zu einem ansehnlichen Vermögen kam. Diese wichtigen Einkünfte verwaltete in des Stifts Namen, ein Hofmeister oder Amtmann, dem auch die Aufsicht der liegenden Gründe, die der Abtey als Eigenthum angehörten, aufgetragen ward. Mit Wahrheit läßt sich behaupten, -aß Königsfelden vor allen in den Helvetischen Landen aufgekommenen 1) Das vormalige Amt Eigen ist eine kleine Landschaft zunächst dem Kloster Köniqsfelden. 2m Jahr rzrz verpfändete sie Leopold von Oestreich dem Graf Eberhard von Ncllenbmg. 2>n Jahr 141 ; be« machtigte sich ihrer der Kanton Bern. Au derselb n gehören ausser dem Pfarrers Windisch, das zerstörte Schloss Habsburg, das Bcch Schmznach, und das Dorf Birr. F 82 frommen Sliftunqen und klösterlichen Korporationen den Vorrang mit Recht verdiene, nicht nur feines glänzenden Ursprungs wegen, sondern mehr noch in Ansehung seiner wichtigen und fürstlichen Einkünften, womit sein Stifter das Haus Oestreich schon in den ersten Jahren der Anlage dieses Klosters berühmt machen wollte Während der zwey ersten Jahrhunderte seines Daseyns, wurden in das Königsfelder-Stifte, viele Habsburgische Leichen zur Bestattung gebracht; die allda mitten in der Kirche errichtete Familiengruft der Oestrei- chischen Fürsten, blieb bis auf unsere Zeiten, die Ruhestätte so mancher in der damaligen Zeitperiode, entweder im Schlachtgetümmel gefallener, oder auf dem natürlichen Wege zur Ewigkeit hinangereiften Habsburgischen Ab- stämmlinge. So hatte z. V. Herzog Leopold mit zahl- reichem Rittergefolge, im Jahr -z86, bey Sempach-as Leben verloren. Mit ihm wurden bey srchsztg an -er Zahl edler Ritter-Leichen, von dieser Schweizerischen Siegesstätte nach Köntgsfelden gebracht, und allda bestattet. Noch erblickt man in dem Chor -er Kirche acht und zwanzig gemahlte Bildnisse von diesen gefallenen Rittern und Herren, alle in betender Stellung. Ich denke in der Folge noch niedreres davon zu sprechen, wenn ich von der Klosterkirche und Gebäuden eine kleine Beschreibung hier einrücken werde. Wenig Denkwürdiges hat sich in der Geschichte dieses Klosters, während des Laufs des fünfzehnten Sekulums zugetragen, und finde ausser mehreren Schirm- und Bestä- tigungsbriefen, welche die Kaiser Sigmund, Friedrich und noch im Jahr 1487 Kaiser Maximilian der!, dem Stifte ertheilt hatten, nichts Ausgezeichnetes, das hier Erwähnung 8Z verdiente. Auswanderungen, wie es oft der Fall in andern Klöstern war, wo männliche Religiöse weiblichen, oder diese jenen, den Flecken räumen mußten, wenn etwa muthwillige Verarmung, oder Pstichtvergessenheit eine solche Abänderung nöthig machten, hatten zu Königsfelde» keine statt. Wie aber das Gelübde der Keuschheit von den Clarissinncn zu Königsfelden mag gehalten worden seyn, und ob diese Klosterfrauen, der Zauberßimme sinnlicher Neigungen stets mit der Religiosität, Kraft und Stärke, so wie es würdigen Verlobten des Himmels ziemte, begegnet, und widerstanden sind: oder aber, ob die eben nicht so hohe Zwischenmauer, die das Kloster der mänunlicheu Religiösen von jenem der weiblichen trennte, auch ausser der Vatzeit vermögend gewesen, jede geheime Zusammenkunft der beyderseitigen Einwohner und Einwohnerinnen zu verhindern, und der Liebe Schleichwege zu vereiteln? darüber wage ich weder Untersuchung noch Entscheid. Wenigstens enthalten die Annalen des Klosters hier und da eine Rüge, die sich in keinen klösterlichen Zeitblättern finden sollte. Im zweyten Jahrzehend des sechzehnten Jahrhun- derts, als die Kirchcnverbesserung in mehrern Kantonen derSchwei; mit dem besten Erfolg betrieben wurde, -rang das aufgehende Licht der reineren Gottesverehrung auch in die Klosterzellen zu Königsfelden. Die damals in Druck erschienenen Schriften eines Luthers, Zwinglins, und anderer geist- und lichtvoller Männer, wurden auch von vielen Nonnen dieses Klosters aufgenommen und gelesen, so daß im Jahr i52z verschiedene derselben den Rath zu Bern als Schirm - und Landesberrn ersuchten, die Kloster- gelübde aufzuheben. Sowohl die beyden Schullheissen zu F -r 84 Bern/ die unter den Königsfelder Klosterfrauen wahrscheinlich Verwandte hatten, als der Barfüffer Ordensprovin- zial und der Bischof von Konstanz, suchten sie zu bereden, im Kloster zu bleiben, erleichterten ihnen aber den Klo- sierzwaiig. Auf wiederholte Bitten, erfolgte von Bern ein obrigkeitlicher Beschluß: „Die Nonnen zu Königsfelden „sollten freye Wahl haben; jedoch unter der Bedingung, „daß die Ausgetretenen, weder der Regierung, noch ih- „ ren Anverwandten zur Last fallen mögen." Hierauf verließ das Kloster selbst die Aebtissin Catha- rina Truchsessin von Waldburg. Sie begnügte sich mit einem Kapital von 1502 Gulden, nebst einem Jahrgehalt von isO Gulden. Hernach heyrathete sie Georg Göldli in Zürich. Im Jahr 1528, wurde diese so berühmte Abtey von dem Magistrate der löbl. Stadt Bern sekularisirt, nachdem sie 224 Jahre in zunehmendem Wohlstände geblüht hatte. Seither unterhält sie nicht nur eine große Anzahl armer, kranker, und unglücklicher Personen, sondern aus ihren Einkünften werden auch zwanzig Pfarrer be. soldet. Die Verwaltung und Gerichtsbarkeit anvertraute zu sechs Jahren um, der große Rath in Bern, einem Hofmeister aus seiner Mitte. Bis auf die fatale Helvetische Staatsumwalzung im Jahr > 798/ dauerte diese schöne und nachahmungswcrthe Einrichtung fort. Durch die Aufstellung des revolutionären Grundsatzes: „Grundzinse und Zehn den waren Feodallasten, und müssen als solche abgeschaft werden," und die daher in den ersten Revolutionsjahren erfolgte Nichtbezahlung derselben, hat diese sonst so reiche Klosterver- waltrmg schreckliche Verluste in ihren Einkünften erlitten m). Und was in der Folge geschehen mag/ wird die Zeit lehren. m) Wenn sich im Kanton Bern während der Helvetischen Revolution hier und da Schwierigkeit, bey der Zehndentnchtung zeigte, so mochte es mehrcntheilS daher gekommen seyn, weil der General Brüne, dem Schweizervolke in einer öffentlichen Proklamation versprochen hatte. „Alle Zehnden, Bodcnzinse und Lehnabgaben sind „ aufgehoben oder loLkäuflich erklärt, jedoch mit dem merkwürdigen «Bcysatz: daß kein LigenthumSrccht dadurch angegriffen oder ver- „lezt werden soll." Hebt hier die Anmerkung das Versprechen nicht völlig auf? Denn welcher rcchtskluge Mann weis nicht, daß alle obigen Fevdaleinkünfte, selbst die des Staats als Partikular betrachtet, nicht ausgenommen — rechtmäßig erworbenes, durch Gesetze, hundertjährigen Besitz, und von jedem Schuldner besonders durch Annahm, Handgclübt und Unterschrift bestätigtes Eigenthum sind. ES trette einer auf und schwöre bey reinem Gewissen einen heiligen Eid, ob er beym Ankauf oder bey der Uebernahme eines Grundstücks sich nicht auch verpflichtet habe, die darauf haftenden Schulden auf sich zu nehmen, zu bezahlen oder zu verzinsen, die Lehcnabgaben zu entrichten, und deühalben daS Guth um einen vcrhältnißmäßig mindern Preis erhalten habe. ES scheint, daß der General Brüne in der größten Verlegenheit damals war, als er oberwahnte Proklamation bekannt machen ließ. Denn eines- theils wollte er die Revolutionisten, die Schreier des Volks, nicht vor den Kopf stoßen, und ihnen doch was versprechen, andern- thcils wollte er auch keine Ungerechtigkeit begehen, und niemand an seinem Eigenthume verkürzen. Wer also keinen andern Grund znr Aufhebung der Lehenabgaben anbringen kann, als diese Verheißung des Gen. Brüne, der bleibe zu Hause, den» er verfällt sich selbst. Eben so gut hatte dieser General zufolg der revolutionären Grundsätze versprechen können: „ Alle alten Schulden, Obligationen und Hypotheken seyen aufgehoben; jedoch soll kein Ei- „genthumSrecht verletzt werden." So gut eine jede Schuldverschreibung, wenn sie nach gesetzlicher Form gemacht worden, RechtS- gültigkeit hat, und nur durch Loskauf und Abzahlung der darin» verschriebenen Summe kann entkräftet, und das in derselben zum Unterpfand eingesetzte Eigenthum ledig gemacht werden, eben sowohl sind Zehnden und Grundzinse eine Schuld, dir sich nur nach ihrem ganzen Betrag und eigentlichem Werthe loskaufen und tilgen läßt, wenn man nicht Arme und Kranke, Wittwe» und Waisen, Lehrer und Schulen will zu Grunde gehen lassen. 86 Beschreibung der Klostergebaude. Aas ganze Kloster Kömgsfelden wurde von seinen Stiftern in einer Gegend angelegt und gebauet, die allgemein als eine der schönsten und mahlerischsten des Aargaus gerühmt Wird. Und es ist bemerkenswerth, daß die Trauergeschichte des Kaisermords, welcher diese Abrey ihre Uranlage und ihr Fortkommen zu verdanken hatte, gerade in diesen blühenden Gefilden steh zutragen mußte; wo Gott und seinem Dienste gewidmete friedliche Menschen, im stillen und reinen Naturgenusse, alles Ungemach der Zeit vergessend, und unbekannt mit den Mißverhältnissen ihrer Familien, ihre Tage angenehm und harmlos hinbringen konnten. Schwerlich wird ein Erdflecke innert Hel- vetiens Grenzen aufgesucht und gefunden werden, der der Lage von Kömgsfelden gleich kömmt, und eben so wie diese, umringt von den schönsten ländlichen Anflehten und den edelsten Erinnerungen, zum Frohmmh begeistern kann, den so mancher Klostereinwohner in seiner einsamen Klause im dunkeln und engen Thalgelände sich, allein vergeblich, wünscht. Das Kloster Königsfeldcn ist von einem sehr weitläufigen Umfange. Noch jezt befinden sich in demselben verschiedene Küche-und Baumgärten. Alles umgiebt eine sehr hohe und starke Mauer. An seinem Eingänge steht ein hoher Thurm, der oben zugespitzt, mit einer Uhr und Schlagwerk versehen ist; so daß das Ganze das Ansehen einer kleinen und festen Landstadt gewinnt. Die Kirche in diesem Stifte fällt besonders auf, wegen ihrer Größe und ehrwürdigem Ansehen. Das Chor derselben (welches 87 in katholischen Kirchen derjenige Theil ist, der vorn übrigen Krrchgebäude etwas aussteht, und enger ist wo der Hauptalkar steht, wo die Geistlichen ihre Sitze haben) ist inwendig schön und kunstreich. An den Wanden desselben hängen die Bildnisse des Herzogs Leopold und vieler Oestreichischer Ritter, die in der Schlacht bey Sem- pach, im Dienste des Erzhauses gefallen sind. Sie sind mehrentheils gut erhalten, auf ihren Knieen liegend, aber elend gemahlt. — Rund umher in den Fenstern erblickt man die Hauptscenen der biblischen Geschichte, und mehrere mit Gothischer Schrift verfaßte, fast unlesbare Inschriften , mehrentheils unter den Bildern von Kirchenhei- ligen. Gegenwärtig läßt die Kantonsregierunq des Aargaus diese gemahlten Fenster, so gut es geschehen mag, wieder ausbessern, da sie von fremden Kriegern, welche sich dieses Cbors zu militairtschem Gebrauche im letzten Kriege bedienten, übel beschädiget worden sind n). Die Kirche selbst oder das so geheissene Schiff derselben, deren Bauart noch ziemlich nach gothischem Geschmack ist, und die noch in ihrem Verfalle dem nagenden Zahne der Zeit trotzt, ist nun zu einem Frucktbehällniße bestimmt, theils zu einer Holz- und Waqenschoppen herabgesunken. Ob noch in unsern Tagen, so wie ehemals — irgend eine fromme Seele der benachbarten Laderbieter oder Frey- Aemkler, von heiliger Einfalt getrieben dahin wallt, und n) Noch bis auf die jüngst n Zeiten wurde von dem jeweiliqen Helfer zu Brugg, den Mündern des Klosters ein Go: resdicnst in die- , sem Cbor gehalten. So ruhen auch in demselben die Leichen verschiedener Bermrischen Hofmeister, welche während ihrer Amtsdau-nc zu Köniqsfclöen gestorb n find. Auch die Eingeweid- des Herzogs Heinrich von Rohann, der im Jahr r6zz allhier an seinen Wunden Herben mußte, werben zu KönigSftlden verwahrt. 88 etwa« noch auf Erneuerung angeblicher Wunder, welche sich aus den finstern Zeiten des Mittelalters in den Legenden erhalten haben, wartet? ist mir unbekannt. Mitten in der Kirche befindet sich ein Gewölbe, und über demselben ein geviertes Monument oder Grabmahl, dessen Gcfims und Gestelle von weißem, die Füllung aber von schwarzem Marmor seyn solle. Es ist dieses Monument y Schuh lang, 5^ Schuh breit, und ohne Kapital und Postament 4 Schuh hock. Der Eingang in das Gewölb, oder die eigentliche Gruft ist gegen Abend, vor derselben find X Tritte und inner chr einer. Jeder ist io '4 Zoll hock, 1 Schuh 7!4 Zoll breit, und 4 Schuh 4^ Zoll lang. Die Gruft hat ein ungeform- tesLoch durch welches eine Person kümmerlich durchschlüpfen kann. Vor derselben ist obenher ein großer breiter Sandstein eingelegt. Die Gruft an sich selbst ist von Morgen gegen Abend y Schuh >'/: Zoll lang, von Mitternacht gegen Mittag 7 Schuh «Zoll breit, und in gerader Linie 6 Schuh l o Zoll hoch, und von Mitternacht gegen Mittag gewölbt. Der Baustoff ist durchgehends von Duftstem oder Dugmark, der Boden aber mit Kalkpfiaster überschüttet. In derselben befanden fich q ganze Körper und Sarge, ein Kistlein oder Verschlag nebst einigen Brettern von schlechtem Holze, und ganz kunstlos gearbeitet. Die Leichen lagen alle mit den Häuptern gegen Abend, mit den Füßen gegen Morgen, und waren mehrcntheils noch ganz. Sie find im Jahr 1770 nach St. VIafien abgeholt worden, wovon hernach das Umständliche 0). Eine lateinische e) Diese Beschreibung der Königsfeldcr Gruft, ist aus des sel. Pfarrer FasiS Staats - und Erdbeschreibung der Schw. Eidgenossenschaft 89 Innschrift und eine deutsche, sind innerhalb dieser Gruft ru sehen: Sie einhalten beyde ein Verzeichne d r hier ruhenden fürstlichen Leichen aus dem Hause Oestreich. —. Ich will mit Uebergehung der lateinischen nur die deutsche hier mittheilen. Innschrift. » In diesem Grab liegen von unserer hochqebornen »Herrschaft von Oestreich, die edle Frauen und Herren, »die hiernach geschrieben stand, zum ersten Frau Ellsa- »belha, geborne von Karinen, König Alberto von Nom » Gemahl der auf der Hofstatt vcrlohr sein Leben. Dem- »nach Frau Agnes, Tochter, weiland Königin zu Ungarn, »ferner auch unser gnädiger Herr Lupold, der ze Sem- »pach verlohr ,z^6. Herzog Lupoid der alt, und Frau »Catharina ihr Tochter, Herzogin von Cusstn, Her-.og »Heinrich, und Frau Elisabeth sein Gemahl, geborne »von Virnburg. Herzog Friedrich, König Friedrichs »Sohn von Rom, Frau Elisabeth, Herzogin von Lo- »thrinqcn, Frau Gutta, Grästn von Oettingen, deren »gedenken thuend. Ward erneuert Ho. >6oo L. H." Die Klosterkirche zu Köniqsfclden hat zwcn Thüren, von welchen die größere m das Mannenkloster, die kleinere in das Weibcrstift hinführte. Beyde Kloster sind der Kirche längs ihrer beiden Seiten nach gebauet. Noch zeigt man in dem letztern die Zelle der Königin Agnes, welche der gemeinste Bürger eines nur kleinen Landstadtchens heutzutag ausgezogen. Der thätige Mann hat sie zu einer Zeit versert-qet, iro die Gruft gcöfnct worden, und er sie zu besichtigen Gelegenheit hatte. 90 nicht bewohnen würde, wenn sie auch gereiniget und ausgeputzt wäre. Ihr Geld- und Schmuckkaften, den man da zeigt, mag eher ein Behältniß schmutziger Wäsche gewesen seyn, so groß und schlecht gearbeitet ist er. Er steht in dem Nebenzimmer von Agnesens-Zelle, allwo sich auch in der Mauer eine römische Jnnschrift befindet, welcher der verstorbene Zürchertsche Chorherr Hagenbuch folgende Erklärung giebt: l> IHnoius 1. s. Victorinus 8ono roll. IcA XI- c p. s. 7 VLieriLNL. ^nnorum XXV lHpen6iorum. v. Ir. t k c. Zur Auslegung derselben dient eine andere bey dem benachbarten Pfarrhause zu Gebisdorf. Olnuciio Vlamno i?hiloso^ho IVlnAno oder Vlailu- rncno) IVleciico I.cA. XX. Oauckjse c^uietne ejus Xcticus kalronus p). Indessen kehre ich wieder zur Beschreibung der Klostergebäude zurück. Mitten am der Kirche stehet ein ziemlich hoher Thurm, der im Jahr 177c, von neuem mit Bley gedeckt worden. Oben ist auf demselben statt des Knopfs, eine vergoldete Krone angebracht. Das Frauen - oder Weiberstift ist in ein Kornhaus sogleich nach der Kirchen- verbefferung verwandelt worden. In dem jüngsthin zu Lunevrllegeendigten, Fränkisch-OestreichischenKrieg, dessen grausenvoller Schauplatz, die östlichen Schweizer Kantone im Jahr >799 geworden sind, ward aus ihm, ein Feldlazareth für verwundete Soldaten gemacht. 1>) Ueber die römischen Alterthümer der umliegenden Gegend, hat der gewesene Herr Hof chceiber von Halter zu Königsfclden, sehr interessante Nachforschungen gemacht, der auch eine schöne Sammlung antiker Münzen besitzt. 91 Im Jahr 1746 wurde zu hinderst in dem Hof des Mannenklosters, ein neues Fruchtbehältuiß angelegt. In den Zellen aber wohnen nunmehr Pfründer aus der umliegenden Gegend. Vormals hatte der Bernersche Hofmeister (Landvoqt), sowohl als der Hoffchreiber in dem Klostcrumfange anständige Wohnungen. Das Wasser zu den Brunnen in dem nachstgelegenen Bezirke,' wie auch in dem Teiche -es Hofes, kommt über das Virrfeld, durch eine Wasserleitung, welche ein römisches Werk der alten Stadt Vindoniffa zu seyn scheint. Nicht ohne eine geheime Rührung betrachtet man die Ueberbleibsel dieser vor Jahrhunderten weit berühmten, jetzt über ihren Verfall traurenden Tempelburg. Noch zeugt das Vorhandene von ihrer ehmaligen Bedeutung und Herrlichkeit. Nun ist der Tempel verschlossen, nicht mehr hallt des Pilgrims Fleh'n hier von geweihter Stätte gen Himmel. Die Protestantcnlehre hat den Kirchen- pracht vom Altgemäuer verdrängt. Ist dieser Tempel ein Denkmal der Fürstengröße? — So erinnert er uns doch an andere ihm ähnliche Gotteswohnungen in unserm Helvetten, die Denkmale des frommen Väterglau- bcns stud. Mag steh in den König-felder Klosterzellen, zuweilen Sinnlichkeit und Schlauheit, in geweihtem Or- densgewande verschleyerl gefunden haben? So fanden stch doch in andern Frcystätten der Unschuld — zu allen Zeiten fromme gottgeweihte Seelen, die ohne Scheu vor der Welt, uns hohe Beyspiele unerschrockener Dahin- gcbung und edler Selbstbeherrschung hinterlassen haben. Dreß waren ungefähr meine Empfindungen, welche das Anschauen dieses Kaiserstrsts in mir aufweckte. Damit befiel wich aber mißmuthig der Gedanke an die zahllosen Revolu- 92 tionsschrecknisse, die auch hierin furchtbaren Symptomen sich zeigten. Die zahlreichen Getraidmagazine und Fruchthehält- Nisse zu Königsfelden. — Ach wozu dienen sie jetzt? Hinweg smd sie für ein Mal die ansehnlichen Kornvorrälhe, womit solche bis auf die Jahre des Helvetischen Elends, reichlich angefüllt gewesen, und die Berns weise Regierung auf die Zeiten der Noth hin sammelte, wo Mißwachs das Land drücken, und Theuerung in die Wohnungen des Kummers eindringen könnte. Wie väterlich ließ sie da ihren wohlthätigen hilfreichen Arm jedermann spühren? sie, die neben vielen andern Wohlthaten, noch zu Tausenden an Geld jährlich, durch eine Menge andrer Unterstützungen aufopferte, ohne ihr Land, mit unerschwinglichen Abgaben zu belasten. Gewiß wir- ihr kluges, treues, und mir Sparsamkeit eingerichtetes Verwaltungssystem der öffentlichen Gelder und Einkünfte, das auf die ungerechteste Weise, als tyranisch und eigen- nützig, verschrieen worden, von jedem Dankbaren ihrer vormaligen Angehörigen, nach Verdienen belobt, und nur von denen verleumdet werden, die selbst noch im Himmel unzufrieden Revolutionen stiften würden, wenn stes dort vermögten. Es bleibt mir also in dieser Hinsicht Königsfelden ehrwürdig, da es unter Berns ruhmvollen Denkmälern der öffentlichen Landeswohlfahrt, keines der unbedeutendsten war. Übersetzung der Herzoglich - Oestreichischen Leichen von Köniqsfelden, nach der fürstlichen Reichs- Abtey St. Blast auf dem Schwarzwalde, -im Jahr 1770. Die Ruhestätte der Kaiserlichen, und Herzoglich-Oestreichischen Leichen in der Kirche zu Königsfetden, war allzuprunklos und einfach, daß sie einem Fürstenhause, das als Mttregent, des mächtigsten Erdtheils, eme» Theil der Schicksale Europens lenkt, und mehrere Königskronen sich nach und nach zu erwerben wußte, hatte Ehre machen können. Denn ein Monarch, vor dessen Majestät Millionen Unterthanen sich beugen müssen, wo sein Zepter weite und blühende Länder beherrscht, konnte nicht wohl zugeben, daß seiner Vorfahren Gebeine in einer Gruft ruhen sollen, die ausser seiner Beherrschung Grenzen, von den Fittigen des mächtigen Oestreichischen Adlers nicht mehr beschützt wird. Die Schweizerische Unabhängigkeit, die der hochselige Joseph, zwar nicht am allerliebsten mag gesehen haben, und die Erinnerung, daß Helvetiens verbündete Bruder, einst Glieder an seiner eigenen weitläufigen, und des heil. Reichs Staatenkctte gewesen sind, und nur durch ihre eigne innere Stärke und hohe Freyheitsliebe sich davon losgerissen haben, — mögen den Wunsch: seiner Urverwandten Leichenresten, in den eignen Landen, einen ihrem Stande angemessenern Aufenthaltsort anzuweisen, zur Realisirung noch befördert haben. Die Abtey St. Blast auf dem Schwarz- 94 walde, gieilg den 2zsten Heumonats 1768, durch bedauerlichen Zufall, mit der Kirche und allen Conventwohnun- gen im Rauch auf; der damalige Fürst Abt Martin Gerbert wünschte, bey der Anlage der neuen Abteykirche, welche jetzund wegen ihrer guten Bauart, sim- peln Pracht und majestätischen Größe, unter die edelsten geistlichen Gebäude Deutschlands gehört, für die Oestreichischen Fürstenleichen zu Königsfelden und Basel, eine Todtenkapelle anzulegen, um solche in derselben stands- mäßig beyzusetzen, wenn Se. Majestät der Kaiser, sich für die Verabsolgung derselben, bey den betreffenden Kantonen Bern und Basel, verwenden würde. Dieser für das Erzhaus schmeichelhafte Antrag dieses würdigen Ordensmannes, wurde von demselben wohl aufgenommen, und das Ansuchen des Wienerhofs um die Auslieferung dieser Körperreste, gelangte bald hernach an die L. Magistrate zu Bern und Basel, welchem auch von diesen beiden Leztern, sogleich entsprochen worden. Den 14'ten Wintermonats 1772 wurden die Leichen zu Königsfelden erhoben, und nach der Vorderöstreichischen Waldstadt Waldshut, in der möglichsten Stille über den Rhein gebracht, und daselbst, den von Wien aus dazu beauftragten Comnnffarien, nemlich dem Herrn von Nagel, kais. königl. Residenten bey der Eidsgenossenschaft, und dem Herrn Freyherrn von Wylenbach, kais. königl. Kammerherrn, Vordcröstreichi- schen Regierunqs - und Kammer-Rath, übergeben. Von Waldshut wurden sie mit dem feyerlichstcn Leichenge- prange nach St. Blast geführt, und in der neuen Abteykirche, von oberwähntem Fürst Marti» daselbst, in 95 der für sie gewidmeten Gruft, unter Klang und Ge, sang, mit Begehung eurer ihrer würdigen Todienfeyer verwahrt. Von Basel erhielte St. Blast die Kaiserin Anna, Rudolfs des Ersten Gemahlin, eine gebohrne Grästn von Hochberg und Hetgerloch, mit ihren Söhnen, Hartmann und Karl. Don Königsfelden aber die Kaiserin Elisabeth, eine Tochter Reinhards III. Her;ogs zu Karnthen, und Grafen im Tyrol, des ermordeten Alberts Gemahlin. Ferners Leopold, mit dem Beynahmen Gloriosus oder Jllustris, Herzog von Oestreich. Heinrich Plazidus, Herzog von Oestreich. Gutta, Schwester erstaedachter beider Oestreichi- schen Herzogen, und Gemahlin Graf Ludwigs von Oertngen. Catharina, eine Tochter Graf Amadeus des Fünss« ten von Savoyen, und Gemahlin Herzogs Leopold, mit dem Beynahmen Gloriosus. Elisabeth von Virnenburg, Gemahlin Herzogs Heinrichs, mit dem Beynahmen Plazidus. Elisabeth oder Isabella, eine Tochter des ermordeten Kaiser Alberts, und Gattin Herzog Friedrichs des IV, von Lothringen. 96 Agnes, eine Tochter Alberts, und Gemahlin König Andreas von Ungarn. Leopold, mit dem Beynahmen Probus, Herzog von Oestreich. Friedrich, des römischen Kaiser Friedrichs jüngster Sohn. Viogra- Biographische Skizzen von merkwürdigen Männern aus dein jetzigen Umfange des Aargaus. 1 8Ltmr est nie meis rebus klarere, qrirm msjorum oplnione niti, it» vivere, ut exo kim xetius me« nodilitstis initium ck virtullr exemxlum. c! c r L o. Johann Christoph Haus, Suffragan des Bischofs von Basel. Ein Fragment aus'Bndcls Wanderungen durch die Thäler des Jura. ^Zenn Männer sich durch seltene Talente in den Wissenschaften / durch persönliche Verdienste und außerordentliche Geisresgaben ausgezeichnet, und sich Ruhm und Ehre erworben haben, so verdienen sie ohne Zweifel der Nachwelt Verehrung und Dank. Hat je einer von des Frik- Ihals Bewohnern hierauf Ansprüche zu machen, so ist es gewiß der verdienstvolle Johann Christoph Haus, der in den ersten Dezennien des jüngstverfloffe- nen achtzehnten Jahrhunderts, der Stolz und die Krone des Bayerischen Domstifiskapitularen zu Arlesheim gewesen. Es sollen also jedem, der wahre Verdienste zu schätzen weiß, einige biographische Nachrichten von diesem nicht genugsam bekannten Manne hier zu lesen, nicht unangenehm seyn. Johann Christoph Haus, war der Sohn eines armen Einwohners des Frikrhalischen Dörfchens Stein am Rheine, nächst der Vorderöstreichischen Waldstadt Seggmgen. Er brachte große Talente, und einen ent- schledrnn Geschmack am Studieren mit auf die Welt. Die äusserst dürftigen Umstände seiner Eltern vermoqken ihn aber nichr, den Musen zu entreißen, uuder vollendcte seinen Schulkurs fast blos mit Hülse geringer Allmoscn, die er vor den Thüren des Mittleidcns und der Wohllha- G s IVS tigkeit sich sammelte. Als er sich »ach und nach einige Kenntnisse erworben hatte , wodurch er in Stand gestellt worden/ durch Lehrstundengeben sich seinen eingeschränkten Unterhalt selbst zu verdienen/ trachtete er auch noch Lberdieß mit diesem kümmerlichen Erwerbe die Entschädigungen für den zu genießenden Unterricht seiner eignen Lehrer/ sich zu verschaffen. Schon hatte er seine akade- m-sche Laufbahn/ mit Ruhme und einem ausgezerchnete» Erfolg beschlossen^ und war im Begriffe sich nun dem geistlichen Stande zu widmen / da sich der Bischof weigerte ihm die Priesterweihe oder Ordination mitzutheilen/ weil er nicht beweisen konnte/ soviel im Vermögen zn habe»/ als, nach dem kirchlichen Rechte/ in gewissen Divzdsen, ein angehender Geistlicher besitzen muß/ um die ersten Lebensbedürfnisse davon zu bestreiken / bis eine Pfrund kür ihn sich zeiget. Vor Verdruß und Verzweiflung über diese seiner Armuth wegen/ erhaltene Abweisung, begab sich unser Haus nach Rom unter die pabstliche Schweizergarde, und glaubte sich jetzt auf immer von dem Stande ausgeschlossen, dem er doch mit so rastlosem Eifer und Thätigkeit nachgestrebt hatte; als ein glückliches Ungefähr seine Wünsche plötzlich krönte.— Einsmal dlsputirte man im theologischen Hörsaale, wo er eben Wachestand, und wie's denn so geht, verstuhnde man sich je länger, je weniger — oder die Gründe des Opponenten halten seinen Gegner nicht nur zum Schweigen gebracht, sondern noch den prasidireuden Professor wahr- schemNck in Verlegenheit gesetzt. Haus, der sich ihrer Niederlage in der Seele schämte, hob mit einem Mal und n sehr gutem Latein, die ganze Schwierigkeit, zum Erstaunen der Kämpfer und aller Anwesenden; unter welche» ror kztern ei« Kardinal sich befände, der sich nicht wenig ver- wunderte, aus dem Munde ernes Schweizersoidalen den Ent- scheid zu hören, den der Professor hätte geben sollen. Bald darauf theilte dieser Kardinal seine Entdeckung dem damahligen Pabft Jnnozenz dem XII mn, welcher unsern Haus sogleich rufen ließ. Der heilige Vater nahm Antheil an seinem Schicksale, erkundigte sich nach seinem Wandel, uahm ihm das Wehrgehänge und die Helleparte ab, und stellte ihn dem Collegio der Propaganda vor. Nach Jahresfrist wurde er examinirt, zum Doktor der Theologie befördert, und in die Liste der Proionolarien eingeschrieben. Ein Kanonikat an der Domkirche zu Basel wurde im Jahr 1695 erledigt, und Seine Heiligkeit ertheilten es ihm aus eigener Bewegung, ohne daß er darum nachsuchte. Als Haus zu Arlesheim war, blieben seine vorzüglichen Talente dem damaligen Fürst Bischof Wilhelm Jakob Rink von Baldenstein, nicht lange verborgen, er machte ihn zu seinem Generalvikar und Suffra- ganten, und wirkte ihm den Titel eines Bischofs zu Chry- sopvlis in partibus Infidelium aus. Inder Folge ernannte ihn der Römische Hof, an den er mehr als einmal in den geistlichen Angelegenheiten der Diozös abgeschickt worden, zum Domdechavt. Aber der edle Haus, der wußte daß diese Erhebung vorn Stiftskapitel abhreng, war Weit entfernt, diese gesetzwidrige Begünstigung zu benutzen, und entsagte freywillig dieser Würde. Er wurde bald darauf durch die Stelle eines Domkustvs und späterhin eines Dom- kancors, dafür entschädigt. Gegen das Ende seines Lebens, resignirle er sein Kanonikat und alle ihm übertragenen Aemter, zum Besten seines jünger» Bruders, den er eben- faus dem geistlichen Stande gewirdmet halte, Johann ' Baptist« Haus, und der in der Folge auch Weih- Bischof des Bistums Basel, mit der Beywürde eines Bischofs zu Messala, geworden. Haus starb im Jahr 1725, im 7z Lebensjahr, und war mehr seiner Gelehrsamkeit und seiner Tugenden, als seiner Würden wegen geachtet und berühmt. Alle die ihn gekannt hatten, beklagten seinen Verlust, und zollten ihm ihre Verehrung. Man liest zu Arlesheim seine Grabschrift, die alle merkwürdigern Umstände seines Lebens enthält. Aber vielleicht gereicht sie nicht so sehr zu seinem Lobe, als die edle Frey- müthigkeit, mit welcher er selbst von seiner niedrigen Herkunft, der Armuth seiner Eltern, und den Allmosen zu sprechen pflegte, von denen er seine ersten Schulstudtcn bestritten hatte. Er hob sorgfältig einen irrdenen Napf auf, mit dem er, als er noch auf der Schule war, von Hause zu Hause gieng, und die Brocken einsammelte, die man nicht mogte. Wenn er Gäste hatte, wurde dieser köstliche Napf, jedesmal beym Nachtisch auf die Tafel gebracht; er erzählte dann auf eine naive Weise, wozu er ihn vor- diesem gebraucht habe, füllte ihn mit Wein, trank die Gesundheit der Gäste, und ließ ihn im Cirkel herumgehen. Nichts karakteristrt besser einen erhabenen starken Geist, einen Geist, dem nichts von der kindischen Eitelkeit anklebt, dle so viele Personen, welche sich durch besondere Kenntnisse aus dem Staube erhoben haben, nicht selten zu schänden pflegt — und der überzeugt ist, daß nicht das Obngefähr der Geburt, sondern nur die Tugend den wahren Werth des Menschen bestimme, als solche Züge. Haus hat daher mit seiner Denkart, mit seinerHumanrtät gegen andere, und mit seiner beständigen Rückcrinnerung an seinen kleinen Ursprung, allen Jenen, eine auffallende Lehre gegeben, die sich ihrer niedrigen Herkunft schämen, wenn Zeit, Glück und Umstände ihren Aufschwung zu einem gewissen Grase von Bedeutenheit begünstiget haben. Merkwürdig bleibt es auch immer, -aßzu dergleichen Zeit, wo Haus sich durch Wissenschaften, Talente und einen rastlosen Fleiss, den Weg zu den Baslerischen Domstiftischen Würden gebahnt hatte, mit seinem oberwähnten Bruder, noch ein Dritter von gleicher Familie, Namens Laurenz Anton, Kapitularstellen zu Arlesheim bekleideten. Michael Müller von Aesch, ein Landmann, wie man sie selten in der Schweiz findet. An die edeln Männer, die wahrend der Periode des achtzehnten Jahrhunderts in Aargaus segenreichen Gefilden , ungekannt und unbelobt von -er großen Welt, hier und da, Gutes würkten, die den viel reinern Genuß des innern Bewußtseyns, ihrem Lebensberuf und Christenpflichten, bis auf die letzte Stunde getreu gewesen zu seyn, jedem Streben nach öffentlicher Achtung und einem oft zweydeutigcn Beyfalls ihrer Zeitgenossen weit vorgezogen hatten, verdient ein Landmann, Namens Michael Müller von Aesch, aus den vormaligen obern Freyen- Aemtern, angereyht zu werden, bey welchem der Ruf eines weißen Oekonomen, mit dem wahrhaften Lobe eines wohlthätigen und redlichen Versorgers seiner Familie, und milden Trösters der leidenden Armuth m edelm Wetteifer Schande»; der es also werth ist, -aß hierdurch Ein- IO4 rückung einiger biographischen Nachrichten von ihm, sein Andenken der Vergessenheit entrissen werde. Michael Müller, ward geboren zu Aesch, einem Pfarrdorfdes Obern Freyen-Amts, in dem HitzkircherAmts« kreis, im 1 .1708. Ein sehr mässtgeSErbe, das ihm kaum 1800 Gulden auswarf, genügte seiner Thätigkeit, den Grund zu selbst eigner und Anderer Glückseligkeit zu legen. Beym Hinscheid seiner Eltern, sahe er stchalsHaupt von acht Geschwtsterten, die meist unversorgt waren. Er vertrat Vaterstelle an ihnen, selbst mit Zusetzung des Set« rrigem Vier Schwestern und ein Bruder verheyralheten sich, zwey andere wählten den Mönchsstand, der eine von ihnen als gemeiner Bruder, in dem fürstlichen Gotteshause Mury, der andere als Kapitular in U. L. Frauenstift zu Einstdeln, wo er den Klosternamen Marianus annahm; unler welchem er auch im Jahr ,77z, zum Fürst und Abt dieses löbl. Gottshauses erwählt wurde, und im Jahr 1780, mildem bey katholischen und protestantischenEidge« nassen sich erworbenen Nachruhm, eines wissenschaftlichen und achtungswürdigen Ordensvorstehers — nnt Tod ab« gegangen ist. Unser Müller wiedmete sich dem Kornhandel, und Gott segnete ihn dabey. Seine dieses Gewerbs halben gemachten vielen Reisen, brachten ihn verschiedenem«! in die augenscheinlichste Lebensgefahr, aus welchen ihn nur, Gottes bewahrende Vorsicht allein, rettete. An RosinaHörnlin, fand er eine fromme untreue Gattin, die ihn wahrend ihres vicljährigen 'Ehestandes, mit neun Kindern ersreuete, von welchen nur noch eine Tochter, Namens Maria Franziska geb. 1739, seit r?S 7 als Klosterfrau im Fahr bey Leben ist; eine zweite IQf ßarv m gleicher Qualität im Frauenkloster zu Bremgarten, welchem letztem er sich in der Folge als Wohlthäter bewiesen hatte; die übrigen Kinder raffte der Tod, theils in ihrer Jugendblüthe, theils in der Mehrjährigkeit, vor ihm in die Gruft hin. Besonders nahe gierige dem zärtlichen Vater, die jhn schmerzlich verwundende Todesbvtt- schaft von dem fatalen Ende seines einzigen Sohns, der, so wie er der Stammhalter des Geschlechts und die einige Hofruing feines Hauses, also auch die Krone seines väterlichen Herzens war, und unglücklicher Weise bey Alt- Brisach im Rhein ertrunken ist. Christlich ertrug unser Müller diesen Trauerfall, küssend die Hand, die ihn geschlagen hatte, und dieser Verlust ward ihm in der Folgezeit ein Sporn zur ausgedehntesten Wohlthätigkeit. Bereits wohl begütert, ganz erblos, hörte er jetzt nicht auf durch Anwendung fernem Fleißes und Thätigkeit, seine schon ansehnlichen Glücksumstände noch mehr zu erhöhen. Gott hat freylich meine natürlichen Leibeserben zu sich, frühe schon in die ew'ge Vollkommenheit abgeruffen, oder sie sind ihm im Klosterstand verbunden worden — sie sind daher wohl aufgehoben. Aber soll ich darum jetzt weniger thätig seyn? sprach Müller, giebt es Loch der Gelegenhei- heiten zum Wohlthun so viele. Fleißig suchte er daher die im Dunkeln weinende Armuth auf, um seinen Liebessinn an ihr, durch sprechende Thatbeweise zu erfüllen, und wo er Menschen fand, die seiner Unterstützung würdig waren, da bemühte er sich rastlos, zu helfen. In dem Umfange seiner zahlreichen Verwandtschaft gab es Mehrere die seiner Hülfe bedurften. Seine Schwester und Bruderskinder und andere durch Dlutsfreundschafc ihm verbundene, die meist ohne Erziehung waren, stellten sich IO§ Ihm als Gegenstände seiner Fürsorge und seiner Menschen, liebe zuerst dar, die er auch auf seme Kosten erziehen ließe. Von den ersten Jugendjahren an brs zu ihrer Standesänderunq, trug er nicht nur alle Sorge, sondern auch alle Unkosten eines Vaters für die meisten unter ihnen. Durch Geldvorschüsse, durch Abtragung ihrer Schulden, Lurch Beysteuern und andere Hilfsmittel, setzte er die Eltern derselben noch überdirß in den Stand, auch den übrigen eine bessere Erziehung geben zu können. Sein gutes wohlthätiges Herz erstreckte sich auf gleiche Weise auch auf die Anverwandten seiner Frauen. Nebst ansehnlichen Beyträgen gab er ihnen nach dem Hintritt seiner geliebten Gattin, alle die ihm von Derselben zugebrachten Mittel und Güter, selbst jenes noch, das ihm nach den Satzungen und Rechten -es Freyen-Amts, als eigenthümlich davon zugehört hätte, lange vor seinem Tode, ungeschmälert heraus. Gute Köpfe und talentvolle Jünglinge die er glaubte, daß ste einst ihren Mitbürgern nützen könnten, zog er aus dem Staube hervor, liesse sie studieren, vertrat Vaterstelle, steuerte -e aus, und half ihnen ohne einigen Beytrag ihrer Eltern zu dem Beruf den sie wählten. Jhme verdankt Hitzkirch an Herrn Hörnlin, einen achtungswürdigen Geistlichen, der als Kaplan an dasigem Ritterhause steht. Ein P. Aemi-' lian Koch ist Kapuziner, und ein P. Gregor Koch Con- ventual zu Mnry, welche beyde in unserm Müller, den Urheber ihrer guten Umstände verehren. Zwo Töchtern und fünf andere Mädchen, steuerte er in Klöster aus, andern, die jetzt im Ehstande leben, ließ er eine angemessene Erziehung geben, und beschenkte sie mit einer ansehnlichen Morgengabe. Selbst mißlungene Plane hinderten fernen Euer gutes zu thun, nicht. Schwarzer Undank, IO7 Mißkennung seiner bestgemeinten Absichten, konnten ihn wohl betrüben, aber nie zur Rache ihn entflammen. Selbst gegen erklärte, ihm wohl bewußte Feinde, Handelteer nach des himmlischen Lehrers Vorbild, großmüthig und christlich. Auch gegen diese wohlthätig zu seyn, machte seinem Herzen Freude, und zeigte in ihm den ächten Jün- ger Jesu Christi. So wie er lebte, so starb er auch. Sein Christensinn, und seine demmhsvolle Hingabe in den höher» Willen seines Schöpfers, mögen ein eben so großer Beweis für die Wahrheit seyn: „ daß nur auf ein Gott geweihtes Leben, ein sel'gcr Tod folgen könne, als sie ein glorreicher Triumph der Glückseligkeit eines guten Glanbens sind." Der i4te Februar 1786 war sein Sterbetag, an welchem er ein Alter von 70 Jahren erreicht hktte. Sein großes und schönes Vermögen, beglückte nun noch fünfzehn seiner Schwester und Vruderskinder. Nur ein Theil davon kam an fromme Vermächtnisse und Allmosen zum Behuf der armen Mitgenossen seiner Gemeinde, worunter sich ein kleines Kapital auszeichnet, aus dessen jährlichem Zins ein armes Bürgerskind, jederzeit ein Handwerk erlernen soll. Mittelst dieser Verordnung kann jetzt alle z oder 4 Jahre, ein Kind dem Strassenbettel und dem Müsstggange entzogen, und zu einem brauchbaren Bürger gebildet werden. Wer wird also mcht das Andenken eines Mannes segnen, der noch im Tode, seiner Gemeinde zum Segen wirkt, und der die große Wahrheit mit eigenem Beyspiele gelehrt hat: daß man Christ, Mensch, Freund und Bürger zugleich seyn, und seinen Mit- brüdern zum Segen werden könne. Johannes Wullschleger von Strengelbach, ein patriarchalischer Landbauer und Gastwirth. Strengelbach/ eine ansehnliche Gemeinde in dem vormaligen Bernerischen Amte Aarburg, liegt in dem Umfange der Pfarre Zostngen / und ist der Umerschullehrer von Zostngen gehalten/ in dem von ihr -7z8 umgebauten Schulbause an den Sonntagen eine öffentliche christliche Unterrtchtsfunktion daselbst zu versehen. In dieser Gemeinde lebte bis über die Mitte des neunten Jahrzehends im verflossenen Jahrhundert (i 786) ein edler Sandmann/ als Dorfvorgesetzter und Gastwirth, Namens:'Johannes Wi^lschleger. Aufrichtigkeit und un- bestechbare Redlichkeit/ die anerkannten Nationalcugenden eines Schweizers, besaß dieser von jedermann geschätzte Greis im vorzüglichen Grade. Da er ein geschworner Feind aller Ungerechtigkeit war/ wagte er oft, bald einen fteymüchigen Tadel/ bald, je nach Beschaffenheit der Umstände/ sogar öffentliche Angriffe derjenigen, die fich die Ausübung derselben erlauben wollten, und wie glücklich er zuweilen gewesen, Unterdrückten zu helfen, und Mißbrauche unter seinen Mitbürgern abzuschaffen, davon zeugt noch sein gesegnetes Andenken in den Herzen der letztem. Er verdient daher so gut oder noch besser ein Denkmal, als mancher Große, mancher Held, manches Genie. Seinem Leichenbegängniß, welches am zo. Sept. 1786 statt hatte, wohnte ein Heer von Menschen bey, die alle aus seinen Lenden entsprossen waren, und bey welchen nicht die schwarze Trauerkleidung, sondern die 1I9 auf ihren Angesichtes lesbare tiefe Rührung ihrer Seele, und die thränenden Auge», den Verlust bezeichneten, der ihnen durch den Hinscheid dieses Geliebten zugewachsen ist. Wirklich war unser Wullsckileger in jeder Absicht ein vortreflicher Mann. Ziemlich frühe hatte er sich mit Anna Braun von Oftrigen qeheyrathet. Mit dieser ihme würdigen Gattin lebte er neun und fünfzig Jahre in der glücklichsten Ehe. Obgleich die beyden Ehegenossen einander wenig zugebracht hatten, so erwarben sie doch durch unqeheuchelte Frömmigkeit, durch Fleiß, Ordnung und Sparsamkeit, unvermerkt ein ansehnliches Vermögen. Zu drey verschiedenen Malen, gab der Vater seinen Tochtermännern von seinem erworbenen Gut etwas heraus, einem derselben trat er sein Wirthshaus ab, und lebte dann für sich im Ruhestand. So ein guter Vater er war, so war er auch Bürger. Als Dorfvorqeseyter (er war Se- kelmeister der Gemeinde gewesen) und als Gastwirth, war er ein in unsern Tagen seltenes Muster. Nicht die geringsten in diesen Zeiten sonst gewöhnlichen Künsteleyen oder Ne- bengriffe erlaubte er sich. Streng in seinen Sitten, und redlich gegen jedermann, federte er die gle cken Eigenschaften, von denjenigen, die Anspruch auf seine individuelle Achtung machen wollten. Als Gastwirch duldete er in seiner Herberge keinen Unfug, und wies jedem die Thüre, der sich berauschen oder Gezänke beginnen wollte. In solchem Fall hatte er dem Edelmann das gleiche Com- Vlemcnt gemacht, wie dem niedrigsten Bauern. In der Gegend umher, galt er für das, was in seiner Gegend, Hirzels ländlicher Sokratcs gewesen. Ohne gelehrte Theorie, hatte er durch vierjährige Erfahrung die besten Maas- regeln gelernt/ jeden Augenblick/ jede kleinste Fähigkeit für sich und für andere nutzbar zu machen. Bey so wohlthätigem und gemeinnützigem Daseyn war es kern Wunder/ ihn urinier heiter und von fröhlicher Laune zu sehn. Schnell aber umwölkte sich seine Stirne/ wann etwan etn Laste mit unanständigen Zoten sich nahte. Bis gegen die letzte Zeit seines rühmlichen Lebens/ kam er stete und fleißig zur Kirche nach Zofingen. Nachher wollten ihn seine Füsse nicht länger tragen/ und fahren wollte er nicht. Immer blieb er bey vollkommenem Verstände, nur einzelne Augenblicke ausgenommen / wo sein Geist abwesend war. In dem letzten seiner Lebensjahre wurde sein Gesicht schwach; gleichwohl gieng er aller Orten um das Haus herum/ ohne Führer; blos 4 Wochen vor seinem Tode, mußte er sich eines Stabes bedienen. Den Lösten Herbstmonats Abends um 8 Uhr wollte er sich eben entkleiden, als er sein ruhmvolles Leben im yiften Lebensjahre durch einen unvermutheten Tod endigte. Unser Wullschleger war, wie wir oben sagten, kein Großer dieser Erde; allein war er nicht noch mehr, als mancher von diesen? Besaß er nicht in vorzüglichem Grade, die nützlichste, die seltenste Kunst, die Kunst eines glücklichen und wohlthätigen Lebens? So wie das Ohn- gefäbr der Geburt, hier und da, einen, zum Beherrscher seiner Brüder läßt geboren werden; so war Wullschleger von Natur, und durch Gottes Gnade Herr und Regent eines geseegneten Völkchens, das er selbst aus seinen Lenden gezogen. Kein Held und Eroberer, der Schaaren von Menschen hinwürgt, war er; aber dagegen Vater eines zahlreichen Geschlechtes, zum Dienste des Vaterlandes. Mögen seine Nachkommen Seiner niemals ver- gessen! Niemals sich von -en Pfaden dieses biedern Alt- schweizers entfernen! Wullschlegers Beyspiel erinnert alle lebhaft an die Wahrheit, »daß die häusliche Glückseligkeit, die höchße Glückseligkeit seye", und daß ein Scaat erst dann gesegnet sevn wird, wenn in demselben jede Familie gesegnet ist, wie Wullschlegers Familie. Johann Jakob von Mayenfisch, ehemaliger französischer Marechal de Camp, und gewesener helvetischer Oberrichter. Aaiscrsiuhl, ein vormals Bischöflich - Consianzisches, jetzt Aargauisches Städtchen am Rhein, zwischen Eglisau und Zurzach, nährt in seinen Mauern, ein Geschlecht, das durch verschiedene gelehrte Geistliche, und wackre Magistraten, die stch durch eigne Verdienste zu einer glänzende» Höhe empor geschwungen hatten, rühmlich bekannt ist. Mayenslsch nennt sich diese in mehrere Linien abgetheilte zahlreiche Familie, aus welcher IohannIakob im I. I?r6 den 8ten Oktober geboren worden. Da, wie es scheint, unser Jüngling frühe vaterlos wurde, so nahm seine Mutter Helena von Buol, eine Anverwandtin der Freyherren von Duo!, und Schanenstein, die in Graubünd- ten und Deutschland hohe Würden »m geistlichen und weltlichen Stande bekleiden, sich seiner wahrhaft mütterlich an; die ihn erst für den Dienst der Kirche zu bestimmen schien, und deswegen in der Schule des Jesuiter-Ordens, IIL der sich von jeher durch die Erziehung der Jugend und andere gemeinnützige Beschäftigungen, als eine nützliche Gesellschaft legttimiren konnte, unterbrachte, in welcher er bey sechs Jahren mit Eifer und Thätigkeit den Wissenschaften oblag. Kaum war aber der Jüngling dem Lyzeo der Jesuiten entronnen, so gab er bald Merkmale von sich, daß der geistliche Stand der eigentliche Beruf nicht seye, zu welchem er Heizung trage, und dem er also nicht treu bleiben werde. Der Militärgeist belebte ihn ganz, und er glaubte mehr Talente zu besitzen, das kriegerische Ecliwerdt tapfer führen zu können, als aber die Heerde Christus zu weyden. Er trat daher im Jahr 1744 in königlich, französische Dienste, unter das Schweizer« Regiment Vigier, wo erden isten September, als Unterlieutenant bey der Kompagnie Colonelle, angestellt worden; er wohnte in dieser Eigenschaft den Feldzügen in Italien von 1744 bis 1748 bey. Der damals ausgebrochene von Oestreich und Frankreich mit gegenseitiger Erbitterung geführte Krieg der sich erst im 1 . 1748 mit dem Aachemer Friedensvertrag endigte, eröffnete ihm ein weites Feld, seiner Tapferkeit Denkmale zu stiften. Die Belagerunz von Genua 1747/ bey welcher er sich rühmlich hervorthat, und Majors L ienste versehen hatte, erwarb ihm großes Lob, und den Beyfall seiner Obern. Den Men August 1740 ward er Aidemajor, Oberlieutenant im 1 . 1752; Hauptmanns-Commission bekam er den isten April! 1759; und wirklicher Major wurde er im I. >762. In dem berühmten siebenjährigen Kriege leistete er als Atdemajor place in den Winterguartrren, zu Marburg, Hanau, Götkingen und Mühlhausen in Thüringen, wesentliche Dienste, dadurch vermehrte er sich noch die Achtung und HZ das Zutrauen, das er bereits schon durch seinen Heroism und seine Waffenrhaten gewonnen hatte. In der Aktion bey Cvrbach den zosten Iuly >760, föchte er mit einer beynahe beyspiellosen Tapferkeit, indem er selbst kämpfend Tod und Verderben unter die feindlichen Cohorten brachte. Für diesen seinen Muth und Kriegserfahrenheit erhielt er als Belohnung den St. Ludwigsorden, den ihm der fran« tösiche Marschall von Brogl.o den 2zsten November im Lager zu Lasset selbst umhängte, da er bey öffentlicher Tafel sagte: „Er wolle heute einen Schweizer Offizier zu in Chevalier de St. Louis machen, der ein Offizier von großen Verdiensten sey, und daß er diesen Auftrag, denselben zum Ritter zu machen, mit wahrhaft großer Freude verrichten werde." So schmeichelhaft und ehrenvoll diese Aeusserung des großen Vroglio und seine Erhebung zum St. Ludwigs Ordensritter für unsern Mayenfisch war, so mochte sie jedoch nicht so viel auf ibn wirken, als der Ruf von seinen Großthaten der weit und breit von einer Fränkischen Phalanqe zur andern erscholl, Und in Helvetiens Gebürgcn widerthönte. Wayenfisch dieser tapfere, seiner Vater nicht unwürdiger Schweizer, erhielte im 1 .1766 die Kommission als Oberstlieutenant, und zwey Jahre nachher eine Pension von looo Liv. auf den Sr. Ludwigsoi'den. Im I. 1782 ward er Brigadier; im I. ,7^4 Ferdmarschall, und bekam den 4ten Funy noch eine Anweisung von , oooLivres am den köuigl. Schatz. Auch sei» Vaterland wollte ihm Beweise seiner besondern Hochschäyung geben, und des Herrn Abts von St. Gallen Fürstl. Gnaden beehrte ihn mit einem Diplom, worinn er unsern Mayenfisch zu einem adelichen Gotteshausmann erklärte, und zwar mir allen den Rechten und Freyheiten, welche alle und jede Stiftsantgallische Unterthanen, die im Lande selbst gebohren und ansässig sind, zu genießen haben. H 114 Von jetzt an bis Anfangs des Jahres 1798, wo die schweizerische Staatsumwälzung erfolgte, machte er in seinem öffentlichen Dienste eine Pause, und wiedmete sich innert dieser Rüstzeit mehr dem freundschaftlichen und häuslichen Cirkel, als aber den militairtschen Geschäften. Wie nun das Revolutionsfeuer mit dem Beginne des ersterwähnten i7y8ger Jahres auch die sonst glücklichen Stämme Helvetiens ergriffen hatte, und Las Modesystem der unbrauchbaren republikanischen Einheit, der Eidgenossenschaft Freystände zu einem untheilbaren Staate umschuf, so wurde unser General Mayenfisch von der Wahlversammlung des neuhelvrtistrten Badner Kantons, als ein Mann von großer Klugheit, Kenntnissen und unbestechlicher Redlichkeit, zum Mitglied des Obersten Gerichtshofs der Helv. Republik ernannt — bey welcher hohen Stelle er auch als ein wohldenkender und gerechtigkeitliebender Richter, der allgemein geschätzt und von niemand der Partheylichkeit beschuldigt wurde, bis an seinen mit dem Anfange dieses Jahres i8oz erfolgten tödtlichcn Hinscheid gestanden ist. Nun lebt dieser tapfere, dieser redliche, dieser gerechte und tugendhafte Schweizer in höher» und reinern Sphären — er lebt unter den Helden der eidgenössischen Vor« Welt, im Tempel der Unsterblichkeit. Du aber Sohn des Vaterlandes, wenn du dich freuest der Thaten deiner Väter, so vergiß nicht zu ehren das Andenken Mayen- fischs, dessen erhabnen Verdiensten um den Milicair stand und die Justitzpflege du den schuldigen Tribut der Achtung und Verehrung zu zollen nicht wohl wirst unterlassen können! Zugabe einiger Gedichte. i. An die Stadt A... ? Auf einem Landgute vor ihren Thoren. Sonnett. ^olde Stadt! wer sollte dich beneiden Um das Glück, das dein Geräusch gewährt? Hier ist uns was reiicnders beschehrt, Die Natur entzückt durch stille Freuden. Du beherbergst oft nur Schmerz und Leiden, Wenn man hier des Frohsinns Flöte hört, Wo uns Fink und GraSmück ungestört Freude singen auch von Thränen-Weiden. Zwischen Häuser über Kieselstein, Nicht auf KieS führst du durch Weinblattlaube» —> Wohl behängt mit Gold und Purpurtraubcn. Dennoch kann man froh und glücklich scvn, Auch bei dir, o Stadt! ich will eS glaube», Ohne Linden und Akazienhain. An die Freude. Kantate. Chor. Freude! rein wie AetherS Helle, Du der Tugend schönster Quelle! Nur auf deine» AdlersHtvinge« Läßt -er Himmel sich erringen. Ein Jüngling. Nur Du kannst Märchentugend haben; Ein Mädchen. Dem Jüngling Muth und Thatkraft geben? Beide. Du machst den Sterblichen zum Gott! Der Jüngling. Du schwingst den Kreis. Beide. Zu Gottes Thron. Cbor. Du, Regentinn froher Triebe, Bist ein Born der Menschenliebe. Duett. Wer nie des Frohsinns Quelle trübt, Die Gottheit in den Brudern liebt, Die Tugend wie die Gottheit ehrt, Der ist, o Freude, deiner werth! Chor. Freude, rein wie Aethcrs Helle! Du, der Tugend schönste Quelle! Nur aus Deinen Adlerschwingcn Läßt der Himmel sich erringen. III. Der Schriftgelehrte und -er Christ. Gottesbücher durchforscht der Theologe mit Scharfsinn. Und der redliche Christ handelt und wandelt darnach. IV. Das schönste Loos. Nach dem Französischen. Kannst Du ein schöneres LooS — Mehr zu beneiden — erstehen? Als Dich im Vaterlands SchooS Schätzbar und nützlich zu sehen? V. Zufriedenheit ein Geschenke der Tugend. Wer dieser Erde Schätze, DeS Glücke» Ucbcrstuß Besitzt, und dle Gesetze Der Tugend beim Genuß Erlaubter Fröhlichkeit M>t Gleichmut» überschreitet Den foltert und begleitet StctS Unzufriedenheit. Wer seine Bruder necket, Nie Fehlenden verzeiht, Daö Böse nur bezwecket Mit reger Thätigkeit; Der wird — wenn er sich gleich Zu brüsten weiß — verachtet, Als ein Tartüs betrachtet; Und wär' er CrösuS reich. Doch — wer der Tugend Bahn Mtl festem Schritt durchwanden, Nach immer gleichem Plan 3» Glück und Unglück handelt, Gott und der Pflicht sich weiht; Dem wird — wenn andre büßen Bey ruhigem Gewissen Frohsinn, Zufriedenheit. VI. An die Tugend. Bey einem Jugendfeste, Wer Deine Reize kennet, Beglückerinn der Welt! Gern Deinen Namen nennet? Der Wicht Gebote hält; Der reiche seine Hand! Wrr wollen unsre Jugend! Dir opfern, holde Tugend! Dir, Gott, dem Vaterland! Verlaß uns nie, und werde Ganz unser Eigenthum! Du wandelst unsre Erde In ein Elysium. Wenn wir an Deiner Hand DcS Wissens Ziel erstreben, Für Bruder einst zu leben; Dann Glück dem Vaterland! VII. An die Jugend. Im Frühling. Du siehst den Baum in seiner Blüthe, O Jugend! siehst der Wiese Grün. Hör ihren Ruf an Dein Gemüthe, Benutze Deiner Kindheit Blühn! Du kannst — wie sie zu Früchten reifen Und lohnen ihrer Pflanzen Fleiß — Einst schöner Thaten Früchte häufen, In Deiner Brüder großem Kreis. Du wandelst auf der Bahn des Leben- Noch knmmerloS in Sicherheit. Kein Tag verfließe dir vergebens Im Lenze froher Kindlichkeit! Denn in der Tugend Feyerkleide, Durch Fleiß und Emsigkeit allein Kannst Du der Eltern schönst« Freude, Des Vaterlandes Hofnuug seyn. ^ Il9 Nun blühe, wie der Wanten Heere Auf Gottes ausgeschmückter Flur! Nicht nur der Mund, Dein Werk verehre Den großen Vater der Natur! Was man Dich lehrt, das lerne üben, Der Menschheit nützlich einst zu seyn! Und Du wirst stets das Gute lieben, Dich Deiner Iugendtage freu«! VIII. An einen Freund der sich der RechtsgelahrtheiL wiedmet. Wenn Du der Menschheit Dich opferst, o Freu«-, an Themis Altären, So durchglühe Dein Herz inniges Wahrheitsgefühl! Und Du findest — der Menschheit vcräusserte Rechte Hebend — in herzlichem Dank zahlloser Wesen Dem Glück! ix. An einen jungen Theologen» Kein Ergrübeln der Zukunft, die uns der Schöpfer verhüllte , Kein sophistischer Streit über der Derle Wohnsitz; Nicht das Durchwühlen der Wörter halb vermoderter Sprachen; Keine Philosophie, wie sie der Skeptiker lehrt! Nur in dem Kreise der Brüder immer thätiges Wirken ' Schaft uns hier schon, und dort, Freund, das süßest« Glück! M. v. B. X. Der Spaziergang im Oktober. In die Fluchen des Meeres versenkte den feurigen Wagen Phöbus der stralende schon, Purpur entströmte der Bahn. Ich entrann dem Städtcqcwühl durch die lärmenden Thore, Rettend auf ländlicher Trist, ängstlich das fühlende Her;. 120 Warum tbürmet, ibr Menschen, so finstre Mauern und Wälle Um den wrrtblrchc» Hccrd kostbar und mühsam euch aüf? Wvllr ihr entziehen dem Auge das Licht des glänzenden Himmels-, Und der erquickenden Luft freyen Genuß euch verbau'«? Mir gefällt die Hütte von grünende« Zäunen umschirmet, Mit dem fröhlichen Blick fern auf die prangende Flur, Und des Weisen Entschluß, der weit von, Getümmel der Thoren, Hier am dämmernden Wald wählet ein Tuskulum sich. Alst dacht' ich, mir tönte das frohe Geläute der Heerden Brüllender Rinder der Au, werdend den duftenden Klee. Feycrlich rauschte vorbey der Strom des herrlichen Rheines, Hinter dem blauen Gelurg steigt jezr der Vollmond empor. O Natur, wie reizend im freyen Gefilde der Schöpfung! Reizend im Kleide deö Herbste, reizend in jedem Gewand! Warum suchet der Mensch die süßesten Freuden des Lebens, Nicht im Schovö der Natur, wo sie der Gott ihm gewährt? Warum jaget er nach dem filehenLcn Schatten der Ehre, Häuft mit wuchernder Hand ertele Schätze sich auf? Warum wälzet er sich im Taumel der wildesten Lüste, Niederdrückend den Geist, der rhn zum Himmel erhebt? Hier durchdrängen Gefühle der Wekmuth mir innigst die Seele, Und des armen Geschlechts Schwäche beklemmte mein Herz. Kläglich durchsauste der Herbstwind die Wipfel gewaltiger Eichen, Ueber ihr fallendes Laub rauschte mein Fußtritt einher; Halb entblättert standen so traurig die Zierden der Landschaft, Und der Haine Gesang war Mlt dem Zaphir entflohn. Flora, Dich sucht' ich umher, ach aus dem weiten Gebirge! Ach im dampfenden Thal, fand ich Dich, Flora, nicht mehr! Alles entweihet anjezt, dem lezten Apfel Pomonens Glübt an der sinkenden Sonn matter das liebliche Gold. Nicht mehr prangen am Wcinstock die lachenden Trauben Lyänes, Und in dem schönen Gcfild tanzet der Winzer nicht mehr. Nebel umhüllet das Land und Jupiter Pluvius herrschet Ueber den kürzern Tag und die verlängerte Nacht. Schöne Natur, Du scheidest allmählig vom nordischen Lande, Und eö klaget um Dich schon die verödete Flur. Schöne Natur, Du scheidest—so scheidet die blühende Jugend Und die männliche Kraft, traurig daö Alter dahin. Alles wechselt hieniden, daö Leben eilet zum Tode, Jedes Glückes Genuß schleichet die Nemesis nach. Also klagt' ich, mir lispelte zu des Genius Stimme, Den die Gottheit zum Schutz sendet den Sterblichen her. Klage nicht, Jüngling, es wandeln hier nur die Formen der Wesen, Aber die Wesenheit selbst, trift nicht des Wandels Geschick. Immer und ewig wirket die Glut der thätigen Vesta, Daß in vcrncutcr Gestalt^lebe das alte Geschöpf. Schlummert hier nicht imL-ainen, o Jüngling, dieAehre der Ceres, Nicht in der Knospe die Frucht, nicht in dem Schößling der Wald? In sich kehret Mutter Natur im Froste des Winters, In der verborgenen Gruft keimet der rosige Lenz. Hier erziehet zur himmlischen Tugend die Schule der Leiden, Und der Wechsel deü Glücks warnet das schwache Gemüth, Daß nicht am Staube der Erd' sich feßle die denkende Seele, Nicht der Sinne Begier raube daö Kleinod der Welt. Weise wallet die Vorsicht, auf labyrinthischcn Pfaden Führt sie zum herrlichen Ziel vorwärts das All der Natur. Stcu'r im Vertrauen auf sie, kühn durch die Fluchen des Lebens Und eö schimmert Dir, Freund, lieblich der Hafen dereinst. Z. L. Note des Verfassers. Ä>eil sich wegen weiter Entfernung dcS Druckorts von dem des Verfassers, in diesem ersten Hefte ausserordentlich viele und auffallende typographische Fehler und Wortverstümmelungen eingeschlichen haben — welche zu berichtigen aus vielen Rücksichten beynahe unmöglich war — so werden derselben beliebige Korrektur dem eignen Gefühle und der gereinigtem Sprachkenntniß jedes gebildeten Lesers überlassen. Tc Mlarischer Ueberblick der Geschichte aller Römischen Kaiser aus dem Habsburgisch-Oestreichischen und Lotharingisch-Östreichischen Hause. Aus dem Habsburgisch - Oestreichischen Hause. Name. Sohn oder Enkel. Ia^r her Gebart. Erhebung auf den Thron.j Gemahlinnen. ^ Ihre Abkunft. . AuSgebrochcne Kriege, j Friedensschlüsse. Regierungsiahre. Sterbejahr. AlterSjahrr. Historische Merkwürdigkeiten. Rudolf I. Sohn Graf Albrechts IV. von Habsburg. iri8. 127;. ^ Anna. Elisabeth. Gräfin von Hochbcrg. ^ Gräfin von Burgund. Mit König Ottokar in Böhmen 1277. Söhnt den Markgraf Rudolf v. Baden, mit Burk- hard v. Hohenberg aus. 18. 1291. 7). Belagert Basel zum erstenmal 1252, und verbrannt d. M. Magdalenen Kloster daselbst zum andernmal im I. 127;. Bereiste seine Verlande im Jahr 1274. Erwarb sich den Stein und die Herrschaft Nheinfclden. Albert I. Sohn K. Rudolfs I. 1248. 1298. Elisabeth. Erbprinzeßiu von Käxn- thcn. Tyrannisiert die z Länder Uri, Schwyz, Umcr- walden. 10. izo8. von seinem Neffen ermordet. 60. Seine Gemahlin und Kinder erbauen das Kloster KönigSselden i;n; und ward die Stiftern, im I. i ; i ; darin» begraben. Friedrich III- Sohn K. AlbcrtS I. 1292. i;i4. mit Ludw.V. Jsabclla. Prinzeßin von Arrago- nic«. Von Ludwig V. bey Mühldorf gefangen. i)2;. aus dem Schloße TrauSnitz entlassen. 5. i;;°. 18. den 18. August kommt die Reichsstadt Rheinfclden alö ReichSpfand an da» Erzhause Oestreich. Albert 11. Sohn Herz. Alberts IV. i)94. 14)8. Elisabeth. Prinzeßin von Ungarn und Böhmen. ....... ...... 1. 14)9. 46. s 1403, den 18. May setzt sich daS Haus Oestreich in vollkommenen Besitz der beyden Städte Lansenburg und der Vogteyen Mettau und Kaisten. Friedrich IV- Sohn Herz. Ernste. 1440. Eleonora. Prinzeß, von Portugaü. . Verträge der deutschen Nation mit Prz. Nikol. V^. im 1.1448. 5). 149). 78. Krieg zwischen Zürich und Schwyz. Anzug der französischen Völker gegen Basel. Schlacht bey St. Jakob im Jahr 1444. Mitgetheilte Freyheiten den Einwohnern der Einnng Hauenstein. Maximilian 1. Sohn K. Friedrichs IV. 1459- 1 149). Maria. Herzogin von Burgund. Krieg mit Karl viii. König aus Frankreich. Und der Schweiz. Frieden mit Frankreich im I. 149;. Mit den Schweizern im 1.1499. -5. 1)19. , ?9. Reichstag zu Freyburg im BreiSgau 1498. Grenzberichtigung zwischen der Herrschaft Rhcrn- fclden und dem Gebiete der Stadt Basel, zu Seckingen, im Jahr i;oi. Basel wird eidgcnößisch in beniftlbigen Jahr. Karl V. Sohn Erzhcrz. Philipps. i;oo. i;»9. Jsabclla. Prinzeß, von Portugal. Türkenkrieg. ***».». 28. i;;8. 59. Fünswöchentlichc Belagerung der Stadt Wien durch die Türken. Resigniere das Kayftr- thNM 1556. Ferdinand I. Sohn Erzhcrz. Philipps, und Bruder KarlS V. 150;- 1558. . Anna. Prinzeßin von Ungarn und Böhmen. ....... Passiver Vertrag rm I. leer. Rclig. Fried. 1555. 6. 1564. 60. Landtag zu Freyburg im Brcisgän 1562. Errichtung einer landcösürstl. Kammer und Gerichts zu EnsiSheim im Elsaß. Ursprung der östreichisch. Regierung. Maximilian II Sohn K. Ferdinands I. 1527. 1564. Maria. Prinzeß, von Castilien. . . . . . ***.... 12. 1776. 49. Dehnt die Gewissenssreyheit in seinem Vaterlandc aus. Rudolf II- Sohn K.MapimklianS II. 1552. 1576. Uuverehlicht. ...... * Türkenkrieg 159). Frieden mit der Türkey in, I. 1605. )6. iüir. 59. Freye Religionsübung der Protestanten iSc-6. — Mathias. Sohn K.Maximilians II. and Bruder K.' Rud. II. 1557- 1612. Anna. Erzherzogin von Oestreich. Anfang des zojährisen KricgS. 7. 1619. 6;. i Ferdinand 11. Sohn Erzherz. KarlS v. Stenermark. 1578. 1619. Maria Anna. Eleonora Gonzaga. Prinzeß, von Bayern. Prinzeß, von Manlua. Fortdauer des ;o jähr. KriegS. 18. 16)7. 59. Drückt die Protestanten durch harre KriegSsteuern und zeigt sich als Feind ihrer Religion. I Ferdinand III- Sohn K. Ferdinands II. 1608. 16)7. / Maria Anna. L Maria Lcovoldina. V Eleonora Gonzaga. Prinzeß, von Oestreich. Erzherz. von Oestreich. Prinzeß, von Mantua. Westphälischer Friede im Jahr 1648. 20. 16;?. 49. 2; wöchige Belagerung der Stadt Rheinfeldcn durch die Schweden. Einnahme derselben. Wiedereinnähme durch die Oestreicher. Abwechselnder Sieg der K. K. und der Schweden vor Rhein- seldens Mauern. Abermalige Eroberung der Stadt durch den Herzog von Weimar im I. iSzZ. Leopold I. Sohn K. Ferdinands III. 1640. is;8. - Margretba Theresia. Claudia FclizitaS. . Eleonora Maqdalcna. Prinzeß, von Spanien. Erzherz. von Oestreich. Prinz.v.Pfalz-Neuburg. Türkenkrieg und SM- nischer SucceßionSkrckg. Nimmwegcr Frieden 1649. Ryßwiker Frieden 1697. 47. 170;. 6;. Türken belagern Wien 168;. Schlacht bey Rheinfelden zwischen den Oestreichern und Franzosen. Fruchtlose Belagerung Rhcinfeldens durch die Franzosen im Jahr 1679. Joseph I. Sohn K. Leopolds I. 1678. 170?. Amalia Wilhelmina. Przeß. v. Braunschwcig. . - .. 6. I7H. Merevs nächtlicher Durchmarsch durchs BaSlergebiet 1709. Karl VI. Sohn K. Leopolds I. und Bruder L. Joseph I. 1^85. 1711. Elisabetha Chistina. Przcß. v.Braunschweig. Türkenkrieg 172^' Bademer Friede 1714. Wiener Friede 17)8. 29. 1740. 55. War der letzte von K. Rudolfs I. von HabSbnrg Nachkommenschaft. Unter seinem Thronfolger Karl VII. wurde Rheinfelden zum letztenmal von den Franzosen eingenommen rm Jahr 1748. _ _ — Aus dein Lotharingisch - Oestreschisth^ Hause. Franz I. Herzog v. Lotharingen 1708. 1745. Maria Theresia. Prinzeß. K. Karl VI. Einige Unruhen auf vrir Schwarzwalde. Breölaucr- Dresdner Aachncr- Hubertöburger und TeschnirFriedcn. - 20. 176;. 57. Maria Theresia verheyralhet ihre Tochter Maria Antonia im Jahr 1770. an den Thronerben von Frankreich. Joseph II. Sohn K. Franz I. 1741- 176;. l Maria Jsabclla. s Maria Josepha. Prinzeß, von Spanien. Prinzeß, von Bayern. Türkenkrieg >788- 2;. 1790. 49 . Kirchliche Reformen in seinen Staaten. Verwandelung des Klosters Olsberg in ein Damen- stift, und Abänderung der breisgauischen Landesverfassung. Leopold 11. Sohn K. Franz I. r747. ,79«. Maria Louisa. Prinzeß, von Spanien. Franz. Rcvolut^T^ Frieden mit den Türken 2. 1792. 45. Gehörte als Groöh.crzog unter ThuscienS beste Regenten. i Franz II. Sohn K. Leopolds 11.' 1?68. 1792. Elisabetha. . M. Theresia. Przcß. v. Wirtembcrg. Prinzeßin von Neapel. Krieg mit Frankreich jy I. 1792. Lsmpx) kormio 1797. U Lüncwillcr Friede 1801. Abtrcttung dcS BrciSgauS, an den Herzog von Modcna; der Niederlande, und deö FrikthalS an Frankreich ; so wie das Letztere an die helvetische Eidgenossenschaft. - rd. ^ ->< ^ > '.M- o, ^ >i' < '/ > ^5 . r" KxM iLE -.-Ä' k' ^ iNM-".' 4- r-'K ^ i! '->" -V', .A^ MEM ^MME ^> ^-Kj, E> ^SKWI -<,-r.».